Brent Crude Oil aktuell Brent Crude Oil: Geht den Bullen etwa die Puste aus?

News: Aktuelle Analyse des Brent Crude Oil Futures

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Brent Crude Oil
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Ticker: COIL
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Seit elf Wochen fallen die US-Rohöl-Lagerbestände ununterbrochen. Wäre das die alleinige Indikation für die Trendrichtung der Ölpreise, müssten die rasant weiter steigen. Aber es gibt noch weitere und wichtigere Orientierungspunkte für die Trader. Und die sind nicht bullisch.

Deutlich fallende Lagerbestände kann man immer auf zwei Arten interpretieren. Man kann unterstellen, dass dadurch eine deutlich steigende Nachfrage belegt wird. Aber es ist ebenso möglich, dass die US-Unternehmen, deren Lagerbestand bei dieser Erhebung gemessen wird, ganz bewusst weniger am Markt kaufen und erst einmal ihre Lager nutzen, weil sie darauf setzen, dass sie diese Bestände bald zu billigeren Kursen am Markt werden auffüllen können. Und sollte man letztere Strategie fahren, hätte man dafür gute Argumente.

Kurzfristig hat das bullische Lager neue Nahrung bekommen, indem die OPEC+ („+“ bedeutet mit Russland) nicht imstande waren, sich im Zuge ihres letzten Treffens auf eine höhere Fördermenge zu einigen. Da ringen vor allem Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate miteinander. Es geht um die Frage, wie man mehr fördern und zugleich sicherstellen kann, dass der aktuelle Preislevel erhalten bleibt, der, Sie sehen es im Chart, wieder dem Niveau entspricht, das Brent Crude Oil vor dem Corona-Baisse-Schub im Februar 2020 sah. Und es ist zutreffend, wenn die IEA (International Energy Agency) betont, dass der Ölmarkt eng werden, sollte OPEC+ nicht mehr fördern. Aber:

Expertenmeinung: Die OPEC+ kann es nicht bei dieser Situation belassen, denn so beißt sich die Katze in den Schwanz. Hohe Preise lassen sich zwar durch eine künstliche Verknappung halten, aber die Fördermenge wurde im Mai 2020 nahezu halbiert und seither nur geringfügig wieder hochgefahren. Hohe Kurse zum Preis von massiv niedrigeren Umsätzen bringen wenig, zumal man fürchten muss, dass mehrere OPEC-Mitglieder dieses Spiel nicht auf Dauer mitmachen, weil Rohöl für sie eine lebenswichtige Einnahmequelle ist.

Es muss und wird also zu einer Ausweitung der Fördermenge kommen. Gestern dementierten die Vereinigten Arabischen Emirate zwar, dass ein Kompromiss bei der Fördermengen-Ausweitung erzielt worden sei. Aber das indiziert immerhin, dass weiter diskutiert wird. Hinzu kommt, dass die Nachfrage zwar kurzfristig durch den bekannten „Flaschenhals“ bei der weltweiten Produktion befeuert wird. Aber kann man wirklich darauf wetten, dass das Wachstum so hoch und stabil bleibt, dass die Preise auch bei einem höheren Angebot stabil bleiben, nachdem Brent Crude Oil jetzt bereits wieder auf Vorkrisen-Niveau notiert?

Es scheint, dass sich einige Trader diese Fragen stellen und beginnen, ihre Long-Bestände abzubauen, denn weder das Scheitern der OPEC+-Verhandlungen noch die gestern zum elften Mal in Folge gefallenen US-Lagerbestände lösten kräftige Kursgewinne aus. Wäre der Aufwärtstrend noch „gesund“, hätte man das erwarten dürfen. Aber man sollte sich hüten, vor einem Trendbruch auf die Short-Seite zu switchen. Rohstoff-Trader sind hartnäckig, was das Aufrechterhalten von Trends angeht. Erst, wenn Brent Crude Oil die den Trend führenden 20-Tage- und 50-Tage-Linien sowie die markante Supportlinie bei 69,45 US-Dollar (bezogen auf den aktuellen Futures-Frontmonat September) gebrochen hat, wäre der Weg nach unten aus charttechnischer Sicht frei – der dann indes durchaus bis an die übergeordnete Aufwärtstrendlinie bei derzeit 54 US-Dollar führen könnte.

Chart vom 14.07.2021, Kurs 74,75 US-Dollar , Kürzel COIL | Online Broker LYNX

 

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Vorherige Analysen des Brent Crude Oil Futures

Die OPEC hat ein Problem: Sie findet keinen gemeinsamen Nenner, was die Rückkehr zu früheren Rohöl-Fördermengen angeht. Die Verhandlungen wurden zuerst verlängert und dann ergebnislos abgebrochen. Kippt die Uneinigkeit die Hausse – oder geht es jetzt erst richtig los?

Ausgerechnet die beiden Platzhirsche, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), waren sich am Wochenende beim jüngsten OPEC-Treffen in die Haare geraten. Der Streitpunkt ist die Frage, wie man sicherstellen kann, dass der Preis für ein Barrel Rohöl stabil um 70 US-Dollar bleibt, auch, wenn man die im Mai 2020 radikal zurückgefahrene Fördermenge weiter hochfährt. Bislang hatte man die Produktion nur geringfügig erweitert. Die VAE wollten jetzt eine Ausweitung um mindestens zwei Millionen Barrel täglich ab August, Saudi-Arabien weniger.

Dabei erklärten die Analysten von Goldman Sachs erst gestern, dass es einer weltweiten Ausweitung der Förderung um fünf Millionen Barrel pro Tag bedürfe, um zu verhindern, dass es zu Engpässen in den Lagerbeständen kommt. Russland, eng mit der OPEC verbunden, hält sich momentan heraus, die USA versuchen, zwischen Saudi-Arabien und den VAE zu vermitteln. Was könnte jetzt passieren? Wie sähe das Szenario für wichtige Ölsorten wie Brent Crude Oil aus, dass den Abriss durch den Corona-Crash längst aufgeholt hat und damit auf Vorkrisen-Niveau notiert?

Brent Crude Oil: Tages-Chart vom 06.07.2021, Kurs 74,53 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Es wäre nicht einmal nötig, dass die Befürchtung der USA und von Analysten wie Goldman Sachs eintreffen wird, dass das Angebot im Fall unveränderter Fördermengen zu gering wird, um die Kurse durch diesen Rosenkrieg innerhalb der OPEC massiv höher zu treiben. Der Ölpreis wird mehr durch Spekulation am Terminmarkt bestimmt als durch die tatsächliche Nachfrage. Und sollten die Trader den Eindruck bekommen, dass die Versorgung auf Sicht zu mager würde, könnten sie Brent Crude Oil und die anderen wichtigen Ölsorten schon im Vorfeld massiv höher treiben.

Genau das fürchten die VAE und wollen daher eine größere Ausweitung der Förderung. Denn dort geht man davon aus, dass die Freude über kurzfristig höhere Gewinne durch Ölpreise von 80, 90 oder mehr US-Dollar pro Barrel dann schnell der Ernüchterung weichen würde, weil solche Übertreibungen oft in einem plötzlichen, weitreichenden Selloff münden … und man am Ende für weniger verkaufen müsste als heute. Aber wer wird sich durchsetzen? Ob die US-Vermittlung Früchte trägt und worauf man sich dann einigt – vorhersagbar ist das nicht.

Am Dienstag setzten die Trader offenkundig darauf, dass sich die Fraktion derer, die die Fördermenge hochfahren will, durchsetzt: Brent Crude Oil gab relativ deutlich nach, seit Mai gab es keinen vergleichbar schwachen Tag. Aber Sie sehen auch: Das ist bislang noch nicht entscheidend.

Brent Crude fiel dadurch zwar wieder unter das zuvor knapp überbotene Hoch vom Februar 2020 bei 75,66 US-Dollar zurück (die Kurse zeigen den aktuellen „Frontmonat“ im Future, die September-Laufzeit). Aber der Trigger, der fallen muss, um hier über einen Short-Trade nachzudenken, liegt tiefer, bei 69,45 US-Dollar. Würde Brent Crude Oil unterhalb dieses Levels schließen, hieße das, dass die Zwischenhochs vom März und Mai ebenso unterboten wären wie die monatelangen Leitlinien der Hausse in Form der 20-Tage- und der 50-Tage-Linie. Und die Long-Seite?

Brent Crude Oil: Wochen-Chart vom 06.07.2021, Kurs 74,53 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Normalerweise wäre man ja, würde man hier aktiv im Markt agieren, ohnehin bereits Long. So gesehen ginge es da nur um eventuelle Zukäufe. Dahingehend ließe sich vermuten, dass ein eingangs erwähnter Hausse-Exzess dann losgetreten würde, wenn sich herausstellen sollte, dass die OPEC tatsächlich über die kommenden Monate keine Erweiterung der Produktion vornehmen wird. Es würde den Tradern aber womöglich schon reichen, wenn das gestrige Tages- und zugleich Jahres-Verlaufshoch von 77,84 US-Dollar überboten würde. Aber:

Die Gefahr, dass sich dann eine Fahnenstange bildet, die schlagartig zu einem nicht vorhersehbaren Zeitpunkt in sich zusammenbricht, wäre dann nicht zu unterschätzen. Long-Positionen auszubauen wäre daher nur mit einer rigiden Stop Loss-Absicherung und einer gezielt hohen Risikobereitschaft zu erwägen.

An den Tankstellen ist das Wehklagen nicht zu überhören. Und man fragt sich, wie es zu derart hohen Benzinpreisen kommen kann, Steuererhöhung hin oder her, wenn es eigentlich genug Angebot an Rohöl gibt. Aber die OPEC und die Bullen arbeiten da derzeit Hand in Hand.

Momentan ist die Nachfrage nach Rohöl ja sowieso recht hoch, basierend auf dem „Flaschenhals“ bei der weltweiten Güterproduktion nach den Lockdown-Phasen. Es wird ungewöhnlich viel produziert und transportiert, zugleich kann man derzeit wieder mehr reisen als um diese Zeit im Vorjahr. Aber eigentlich müsste der Ölpreis ja auch die Zukunft einpreisen. Und dann wäre er eigentlich zu hoch, denn:

Wenn dieser „Flaschenhals“ überwunden ist, wird der Energiebedarf entsprechend zurückgehen. Und die OPEC ebenso wie Russland haben ja noch eine immense Fördermengenkürzung „übrig“, denn seit man im Mai 2020 beschlossen hatte, die Förderung radikal zurückzufahren, kam es bislang nur zu zögerlichen Ausweitungen der Produktion. Diese beiden Aspekte zusammengenommen müssten zu einem möglicherweise sogar radikal fallenden Ölpreis führen. Aber der Kurs von Brent Crude Oil sieht ganz und gar nicht so aus, als wolle er in Kürze nach unten abdrehen. Warum?

Expertenmeinung: Die tatsächliche Situation bei Angebot und Nachfrage kann eine wichtige Rolle bei der Preisbildung an der Börse spielen, muss es aber nicht. Letztlich zählt, was den Börsenkurs angeht, die Angebots-/Nachfrage-Situation auf der Long- und Short-Seite des Brent Crude Oil-Futures, sprich die Trader haben entscheidenden Einfluss auf den Preis. Das kann man höchst unerfreulich finden, aber seit es 2007 bis 2009 zu den bislang verrücktesten Kapriolen bei den Energie- und Nahrungsmittel-Preisen kam, sind einige Versuche gescheitert, diese Preise von der Spekulation loszukoppeln. Die Trader machen den Trend … und gerade bei den Commodities, sprich Rohstoffen, sind die Spekulanten dafür bekannt, laufende Trends bis zum Exzess auszureizen.

Daher käme man hier mit einem „müsste eigentlich“ nicht weit. Hier gilt es, absolut pragmatisch dem Trend und den chart- und markttechnischen Indikationen zu folgen, wenn man effektiv agieren will. Was für die aktuelle Lage heißt: Brent Crude Oil läuft weiter in einem intakten Aufwärtstrend. Nach dem Break über die Widerstandslinie um 69,50 US-Dollar hat der Kurs jetzt den Level des Prä Corona-Crash-Hochs von 75,66 US-Dollar erreicht, immer bezogen auf den aktuellen „Frontmonat“ September im Brent Crude Oil Future, das ist die Laufzeit, die als nächstes abgerechnet wird.

Sollte Brent Crude diese Hürde auch noch überwinden und damit bereits das zweite mittelfristige Kursziel nehmen, wäre es keineswegs ausgeschlossen, dass auch noch das letzte, dritte Kursziel erreicht wird. Das wäre das 2020er-Verlaufshoch, das im Januar bei 89,35 US-Dollar markiert wurde. Das wäre für die Wachstumsperspektive und natürlich fatal, denn das würde die Kosten für Verbraucher und Unternehmen empfindlich erhöhen. Aber solange die Bullen hier stur „ihren Stiefel traden“, ist nach oben nichts unmöglich. Um diesem Hausse-Spuk ein Ende zu bereiten, müsste Brent Crude Oil wieder unter Kursziel 1, sprich unter 69,50 US-Dollar fallen. Was jederzeit möglich wäre, aber solange es nicht Fakt ist, sollte man von der Short-Seite besser Abstand nehmen.

Brent Crude Oil: Chart vom 29.06.2021, Kurs 75,02 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

So kennt man den Rohölmarkt: Die Trader reizen Trends dort gerne bis zum Exzess aus. So wenig der Rest der Welt diese immer weiter steigenden Ölpreise haben will: Gegen einen intakten Trend ist kein Kraut gewachsen. Wie lange noch?

Natürlich wissen auch die Bullen am Rohölmarkt, dass die Nachfrage nur begrenzte Zeit ungewöhnlich hoch bleiben wird, weil viele Branchen Probleme haben, den bestehenden Orders hinterherzukommen und viele Lieferketten reißen, so dass sich Aufträge anstauen. Sind die abgearbeitet, wird sich auch die Energienachfrage wieder moderieren. Und außerdem sind da ja noch die Fördermengenkürzungen der OPEC und Russlands. Dort würde man lieber früher als später zu früheren Outputs zurückkehren, denn die starken Preise kompensieren den Umsatzausfall nicht. Irgendwann in den kommenden Monaten müsste der Preis für ein Barrel Brent Crude Oil und der anderen wichtigen Rohöl-Sorten also fallen. Und das womöglich deutlich. Aber:

Die Kurse werden nur zu einem überschaubaren Teil von echten Lieferungen bestimmt. Hier wird massiv spekuliert, das bestimmt den Trend. Und Spekulanten bei Rohstoffen agieren selten mittel- und langfristig. Ihnen ist somit völlig egal, was im Spätsommer oder Herbst sein wird, was für sie zählt ist, ob der Trend jetzt intakt ist. Und das ist er.

Expertenmeinung: Momentan schiebt sich der Kurs von Brent Crude Oil zwar unterhalb der oberen Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals nach oben, die nur kurz im März einmal überboten werden konnte. Aber um diese Begrenzung zu erreichen, mussten die Bullen die Widerstandslinie um 70 US-Dollar bezwingen, die im hier abgebildeten Futures-Frontmonat August die Monatshochs im März und Mai stellte. Das zeigt schon, dass das bullische Lager das Geschehen derzeit im Griff hat. Das und der Umstand, dass es immer wieder gelang, einen schwächelnden Trend an der wichtigen, im Chart dick schwarz hervorgehobenen 50-Tage-Linie wiederzubeleben.

Chart vom 11.06.2021, Kurs 72,93 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Solange diese Linie nicht gebrochen wird, liegen die besseren Chancen auf der Oberseite, da können weder die Preissteigerungen kritisierende Notenbanken noch das Bären-Lager etwas ausrichten. Und ob der Brent-Kurs weiter nur noch langsam innerhalb des Trendkanals nach oben läuft oder sich direkt dem nächsten Kursziel, dem Hoch des Februars 2020 bei 76,41 US-Dollar annähert: Die Chance, dass Brent Crude dort ankommt, bleibt derzeit gut.

Anders wäre es, wenn diese 50-Tage-Linie gebrochen würde, die aktuell bei 67,63 US-Dollar verläuft. Sie ist unübersehbar die Leitlinie. Und da die Akteure am Ölmarkt großenteils charttechnischen Vorgaben folgen, dürfte ein Bruch dieser Linie dazu führen, dass das Gros der kurzfristigen Trader blitzschnell die Fronten wechselt. Dann, aber eben erst dann, wäre es auf einmal denkbar, dass die untere Begrenzung dieses breiten Trendkanals bei aktuell 52 US-Dollar angesteuert würde und die Verbraucher ebenso wie die durch die hohe Inflation beunruhigten Notenbanken aufatmen können.

Rohöl Brent schiebt sich seit Wochen knapp unter der runden 70 US-Dollar-Marke seitwärts. So fatal das für das Wachstum und die Inflation auch wäre: Ein Ausbruch nach oben wäre jederzeit möglich. Wohin könnte der dann führen?

Die eigentliche Frage ist: Wie weit würden sich die bullischen Trader vorwagen? Denn auch, wenn die US-Rohöllagerbestände seit zwei Monaten abnehmen und man davon ausgeht, dass der momentane „Flaschenhals“ hinsichtlich vieler Produktionsbereiche die Nachfrage hoch hält, es bleibt ja noch das Damoklesschwert der Fördermenge.

Noch ist die Fördermenge der OPEC sowie Russlands ja deutlich reduziert. Was passiert, wenn die Ölförderer dieses ja langfristig allemal ordentliche Preisniveau nutzen, um ihre Fördermenge wieder auszuweiten? Und was passiert, wenn ein erhöhtes Angebot auf eine nachlassende Nachfrage träfe, weil die derzeitigen Engpässe in vielen Bereichen nicht mehr bestehen?

Expertenmeinung: Dass sich viele Akteure am Ölmarkt diese Frage stellen, ist im Chartbild ersichtlich, immerhin mäandert der Kurs schon den ganzen Monat unterhalb des bisherigen, im März bei 70,13 US-Dollar (im aktuellen Futures-Frontmonat August) erzielten Jahreshochs seitwärts. Aber das heißt nicht, dass ein Ausbruch nach oben dadurch unwahrscheinlich würde. Wäre das so, würde Brent Crude Oil nicht derart hartnäckig unter dieser Linie kleben.

Zudem hat das bullische Lager einen guten Rückhalt in Form der im Chart dick schwarz hervorgehobenen 50-Tage-Linie. Die wurde im März und April getestet und verteidigt, im Verlauf der vergangenen Woche dann erneut. Dieses „Sprungbrett“ dient den Tradern als Basis für einen erneuten Anlauf, um nach oben auszubrechen.

Gerade im Bereich der Rohstoffe zeigen sich die Trader oft verblüffend hartnäckig und agieren, wenn es darum geht, einen Trend auszureizen, auch mal gegen einen Wandel in den Fundamentals. Was hieße: Sollte der Ausbruch nach oben gelingen, würde das Risiko einer Fördermengenausweitung kaum jemanden abhalten, weiter Long zu gehen, zumal der Weg dann aus charttechnischer Sicht bis zum „Prä-Corona“-Hoch frei wäre, das im Februar bei 77,30 US-Dollar markiert würde – ein lohnendes Kurspotenzial. Aber:

Diese 50-Tage-Linie ist damit auch die Achillesferse der Bullen. Sie liegt mit aktuell 65,70 US-Dollar sehr nahe an der 70 US-Dollar-Hürde. Scheitert der Ausbruchsversuch, kann diese Linie schnell fallen. Und da am Ölmarkt mehr Aktivität auf charttechnischer Basis abläuft als auf Basis der tatsächlichen Angebots/Nachfrage-Situation, wäre es keine Überraschung, wenn sehr viele Trader dann umgehend die Seiten wechseln würden. Denn ein Long-Kursziel bei 77 US-Dollar mag lukrativ sein; ein im Fall einer gebrochenen 50-Tage-Linie in den Fokus rückender Test der unteren Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals bei aktuell 51 US-Dollar wäre aber noch weitaus verlockender!

Brent Crude Oil: Chart vom 26.05.2021, Kurs 68,62 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Die OPEC versucht sich an der Quadratur des Kreises und die Trader beginnen zu zweifeln. Ein Rückgang des Brent Crude Oil-Preises auf 50 Dollar wäre möglich … ein Ausbruch über 70 Dollar aber auch. Wie geht es weiter?

Seit Ende Februar kam es im Saldo zu einem immensen Anstieg der Rohöl-Lagerbestände bei den US-Unternehmen. Das deutete zwar auf den ersten Blick eine stark rückläufige Ölnachfrage an. Aber dieser Anstieg kann ebenso gut auf massive Käufe der US-Firmen aus Sorge vor noch weiter steigenden Preisen zurückzuführen sein wie auf einen sinkenden Verbrauch. Die Trader entschieden sich für die erste Variante und trieben den Kurs von Brent Crude Oil Anfang März auf ein neues Jahreshoch von knapp 71 US-Dollar. Das war es dann aber auch vorerst, es begann eine Konsolidierung. Doch eine Abwärtswende ist daraus bislang nicht geworden. Wie geht es hier weiter?

Expertenmeinung: Die Trader setzen momentan noch darauf, dass sich der mittelfristige Aufwärtstrend fortsetzt, weil die OPEC sich zwar anschickt, die extreme Kürzung der Rohölproduktion, die im Mai 2020 vorgenommen wurde, schrittweise zu lockern, indem man die Produktion ab kommendem Monat schrittweise hochfährt. Zugleich betont man dort – erst gestern wieder, aber nicht zum ersten Mal – dass dieses steigende Angebot problemlos vom Markt aufgenommen würde. Der Zweck dieser Aussagen ist klar: Man will den Umsatz steigern, ohne dass dadurch die Preise leiden. Und da die weniger von der echten Angebot/Nachfrage-Situation als von der Spekulation in den Rohöl-Futures bestimmt werden, sind es vor allem die Trader, die man überzeugen muss.

Aber ob das wirklich gelingt, ist offen, denn natürlich erkennen die erfahrenen Trader, dass es eher das Pfeifen im Walde denn feste Überzeugung ist, die dahintersteht, wenn jemand so auffällig für steigende Kurse trommelt. Was aber nicht bedeuten muss, dass Brent Crude zum Fallen verurteilt wäre, das kommt, wie immer, vor allem auf die Charttechnik an:

Schafft Brent Crude Oil mit Schlusskursen über 66 US-Dollar den Ausbruch über die kurzfristige Abwärtstrendlinie und die 20-Tage-Linie, wäre der Weg an das bisherige Jahreshoch von 70,93 US-Dollar (im Kurs des aktuellen Futures-Frontmonats Juni) frei, sogar ein Anstieg über diese Hürde möglich. Um für Unternehmen und Verbraucher eine Entwarnung zu generieren und die Chance auf einen Abstieg in Richtung 50 US-Dollar zu nutzen, muss Brent Crude wieder in die Zone der großen Abwärts-Kurslücke vom März 2020 zurückfallen. Dazu bedarf es eines mit 58,80 US-Dollar und tiefer signifikanten Ausbruchs aus der derzeitigen Konsolidierungszone nach unten. Gelingt das, dürfte sich die OPEC schwer tun, den Preis stabil zu reden, bis dahin aber sollte man die Bullen besser noch nicht abschreiben.

Chart vom 13.04.2021, Kurs 63,62 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX