Brent Crude Oil Prognose Brent Crude Oil: Ein Short-Signal kommt näher – kann das gutgehen?

News: Aktuelle Analyse des Brent Crude Oil Futures

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Brent Crude Oil
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Ticker: COIL
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Währung: USD

Gestern unterstrich der Generalsekretär der OPEC, dass es unmöglich sei, die russischen Ölimporte zu ersetzen. Die US-Politik steht kurz vor einem Importstopp und sogar in Brüssel könnte es dazu kommen. Und doch nähert sich Brent Crude Oil einem Short-Signal!

Der Chart von Brent Crude Oil spricht eine klare Sprache. Wir sehen hier eine Dreiecksformation, wobei der obere Schenkel des Dreiecks der steilere ist. Alleine, dass es hier überhaupt ein Dreieck gibt, mag erstaunen, denn das erfordert ja eine Abwärtstrendlinie. Aber die gibt es. Und die beiden Basispunkte der Linie, die Hochs vom 7. und 24. März, haben durch das Hoch vom vergangenen Dienstag und den am Mittwoch folgenden Intraday-Turnaround nach unten noch einen dritten Berührungspunkt hinzubekommen, die Linie ist also in ihrer Relevanz bestätigt worden.

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Zugleich wackelt die Unterseite des Dreiecks. Die Ende Dezember etablierte Aufwärtstrendlinie sowie die im Chart hellblau gehaltene 50-Tage-Linie bilden einen doppelten Leitstrahl des Kurses auf der Unterseite. Diese Linien verlaufen aktuell bei 100 und 101 US-Dollar und waren somit am Montagabend schon leicht unterboten.

Expertenmeinung: Da wundert man sich dann schon, wie Trader auf einmal auf einen Baisse-Schub hinarbeiten können. In einer Phase, in der ein Ölimport-Stopp der EU wie ein Damoklesschwert über dem Markt hängt und es im Fall, dass es wirklich dazu kommt, hochwahrscheinlich ist, dass Short-Positionen dann pulverisiert werden.

Brent Crude Oil: Chart vom 11.04.2022, Kurs 98,30 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Man darf vermuten, dass diejenigen, die nach dieser unteren Begrenzung der Dreiecksformation das letzte Zwischentief bei 94,61 US-Dollar im Brent Crude Oil-Future mit Liefertermin Juni angehen, daraufsetzen, dass man ein solches Importverbot nicht wagen wird, weil die wirtschaftlichen Folgen nicht absehbar sind. Aber wer die Situation in den letzten Wochen engmaschig verfolgt hat, weiß, dass man gut daran täte, dieses Szenario nicht auszuschließen. Was aber nicht hieße, dass die Short-Seite chancenlos wäre, denn:

Dass es jederzeit zu einem Kurssprung nach oben kommen könnte, der, wenn es ungünstig läuft, ein großes Gap Up aufreißt, heißt nicht, dass es so kommen muss. Im Fall eines Schlusskurses klar unter diesem März-Tief bei 94,61 US-Dollar hätten wir hier eine vollendete Toppformation mit einem charttechnischen, ersten Kursziel in der Region von 81 US-Dollar. Und sollte den Tradern die Politik keinen Stock in die Speichen werfen, wäre es angesichts der vielen sehr kurzfristig und rein charttechnisch agierenden Trader durchaus möglich, dieses Kursziel dann auch zu erreichen … und womöglich schnell. Nur sicher, sicher ist das ganz und gar nicht!

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Vorherige Analysen des Brent Crude Oil Futures

Trading in Rohöl ist ohnehin etwas für erfahrene Akteure mit starken Nerven. Aber derzeit sind die Kurssprünge noch intensiver als sonst. Da kann man sich leicht die Finger verbrennen. Aber es gibt einen Kursbereich, der vermutlich eine zuverlässige Schlüsselzone ist.

Was wird denn nun mit den russischen Öllieferungen? Wird Moskau beim Gas auf Zahlung in Rubel bestehen und das dann auch auf Öllieferungen ausweiten? Wird die EU dann die Importe stoppen, so dass das russische Öl zwar andernorts verkauft wird, die EU aber in eine Mangelsituation gerät, die die Ölpreise höher treibt, vor allem für die für Europa wichtigste Sorte Brent Crude Oil? Und was wird die OPEC heute tun? Wird sie die Ölförderung doch schneller wieder hochfahren als die bisherigen 400.000 Barrel mehr pro Monat … oder wird es dabeibleiben, dass man sich, wie es der saudi-arabische Ölminister formulierte, aus der Politik heraushalten will?

Und damit ist der Katalog der offenen Fragen ja noch nicht einmal durch. Wird der Lockdown in der Giga-Metropole Shanghai den Ölbedarf nennenswert drücken und wenn ja, wie lange? Werden steigende Leitzinsen und die dramatisch hohe Inflation, die ja nicht zuletzt durch die Ölpreis-Hausse befeuert wurde, dafür sorgen, dass die Nachfrage sinkt, weil die Verbraucher beim Energieverbrauch zu sparen beginnen?

Da es auf diesem hohen Kursniveau für ein Barrel Brent Crude Oil zugleich reichlich Argumente für und wider steigende oder fallende Kurse gibt, gleicht der Kursverlauf der letzten Wochen einer wildgewordenen Oszilloskop-Kurve. Wie kann man da erfolgreich agieren? In einem unberechenbaren Markt lautet die lapidare Antwort alter Hasen immer: indem man die Finger weglässt. Wenn nichts vorhersehbar ist und man auf Glück angewiesen wäre (das keinem Trader lange hold ist), gewinnt man am meisten, indem man nichts verliert. Aber:

Expertenmeinung: Das gilt nur so lange, wie Brent Crude in der Zone zwischen dem letzten Hoch bei knapp 135 US-Dollar pro Barrel und der entscheidenden, charttechnischen Unterstützungszone pendelt. Wenn Letztere eindeutig fallen sollte, würde das in einem Umfeld wie diesem eher nicht ohne entsprechende, bärische Argumente passieren. Und wenn die kommen, sei es, dass Russland beruhigende Signale sendet, die OPEC für genug Angebot sorgt o.ä., kann Brent Crude allemal noch weiter fallen. Denn wenn diese Schlüsselzone fiele, dürften die meisten derzeit Long agierenden Trader ins bärische Lager überlaufen.

Und wo liegt diese Zone? Der Chart hebt sie klar hervor: Es geht um den Bereich zwischen dem Zwischentief von Mitte März bei 94,50 US-Dollar, der 50-Tage-Linie bei aktuell 96,35 US-Dollar sowie der Ende Dezember etablierten Aufwärtstrendlinie bei 97,40 US-Dollar. Als dieses Zwischentief entstand, hatten die Trader erstmals gedacht, dass die Gespräche zwischen der Ukraine und Russland zu einem Durchbruch führen könnten. Daraus wurde nichts, also stieg Brent Crude zügig wieder an. Aber damit hat diese Zone nicht nur charttechnische, sondern auch symbolische Relevanz. Sollte dieser Level unterboten werden, wäre das ein starkes Signal einer allgemeinen Entwarnung … und damit eine Chance, mit einem Stop Loss knapp oberhalb dieser Zone auf einen weiteren Abstieg in Richtung 78 US-Dollar zu setzen. Aber auch das wäre, das gilt es zu unterstreichen, nur etwas für risikofreudige und zugleich erfahrene Trader, die mit diesem volatilen Markt umzugehen vermögen.

Brent Crude Oil: Chart vom 30.03.2022, Kurs 111,20 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Der März hatte es bislang in sich: Brent Crude Oil schoss von 95 auf 134 US-Dollar pro Barrel und fiel am Dienstag auf den Ausgangslevel zurück. Ist der Spuk damit vorbei … oder müsste man damit rechnen, dass der Kurs doch noch wieder an und über das bisherige Hoch steigt?

Seitens der Candlestick-Analyse war das eine astreine Umkehr nach einem Überschießen in einem intakten Aufwärtstrend. Am Montag vergangener Woche endete der Spike auf bis zu 134,17 US-Dollar in einem „inverted umbrella doji“. Eine grundsätzlich gute Basis für wieder fallende Kurse. Und der Anstieg des Folgetages wurde am Mittwoch letzter Woche dann durch ein großes „bearish engulfing pattern“ in ein erneutes Short-Signal verwandelt.

Der Haken dabei: Solche Candlestick-Formationen haben eigentlich nur eine Reichweite von wenigen Tagen. Für Signale, die über das kurzfristige Zeitfenster hinausgehen, müsste die klassische Charttechnik übernehmen. Aber da ist der Aufwärtstrend noch voll intakt und Brent Crude Oil in der Region zwischen 78 und 92 US-Dollar gut unterstützt. Zwar wäre auch ein Rückgang auf 78 US-Dollar aus aktueller Sicht eine gewaltige Entlastung für die derzeit massiv gedrückten, weltweiten Wachstumsperspektiven. Aber selbst das Ausloten dieser breiten Supportzone bis an deren unteres Ende würde nur dann passieren, wenn sich bei den Rahmenbedingungen etwas Entscheidendes täte. Dazu muss man erst einmal überlegen, wieso Brent Crude Oil so schnell so extrem stieg und dann wieder zurückkam.

Expertenmeinung: De facto ist die Ölversorgung zum Zeitpunkt dieses „Overshootings“ ja nicht geringer gewesen als zuvor. Aber die Furcht, dass der Westen einen Importstopp für russisches Erdöl verhängen könnte oder Russland selbst den Export stoppt, sorgte dafür, dass viele Öllieferanten und Ölabnehmer alle gleichzeitig versuchten, sich für einen längeren Zeitraum als üblich über den Markt das nötige Öl zu sichern. Es war also die Nachfrage, die derart stark anstieg, dass der Preis aus dem Ruder lief. Als die „Panik-Käufe“ über die Bühne waren, kam der Kurs wieder zurück. Aber nicht nur deswegen – und da wird es jetzt knifflig.

Zum einen dürften diejenigen, die aktuell auf der Short-Seite agieren, darauf setzen, dass nicht nur russisches Öl weiter nach Europa fließt (der Importstopp der USA ist für den Weltmarkt von der Dimension her nicht entscheidend), sondern die USA dem Iran jetzt per „goldenem Handschlag“ erlauben, wieder Öl zu exportieren, was derzeit aufgrund von Sanktionen nicht möglich ist. Damit würde das Angebot ausgebaut, die Sorge vor Engpässen würde sinken.

Ebenso steht im Raum, dass der Kurs deswegen zurückkommt, weil der Ukraine-Konflikt und seine Folgen einen deutlichen Rückgang des weltweiten Wachstums, womöglich sogar eine Rezession und damit eine sinkende Ölnachfrage auslösen könnten.

Aber was, wenn sich diese Hoffnungen auf dauerhaft weiter fließendes russisches Öl und einen „Deal“ mit dem Iran zerschlagen? Mit diesem Rückgang auf den Level vom Monatsanfang sind diese Faktoren wohl großenteils bereits eingepreist, was hieße: Platzen die Hoffnungen, ist mit einem erneuten Rallye-Schub zu rechnen, dessen Reichweite angesichts der dünnen Nerven der Investoren in allen Assetklassen nicht eingrenzbar wäre. Hier im Ölmarkt bewegt man sich, egal, ob Long oder Short, auf extrem riskanten Terrain, was Akteuren, die nicht äußerst erfahren und diszipliniert sind, nicht zu empfehlen wäre.

Brent Crude Oil: Chart vom 15.03.2022, Kurs 96,65 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Am Tageshoch lag der Preis für ein Barrel Brent Crude Oil am Dienstag nur noch 50 Cent von der runden 100 US-Dollar-Marke entfernt. Könnte es damit jetzt ausgestanden sein, ist das der Level, auf dem die Trader ihre Gewinne mitnehmen und idealerweise auf Short drehen?

Das wäre dann der Fall, wenn eine zunehmende Zahl bislang stur Long agierender Akteure die Einsicht gewinnen würde, dass nach oben voerst nicht mehr viel zu holen wäre. Wäre das angesichts der Ukraine-Krise überhaupt vorstellbar?

Das wäre es grundsätzlich schon. Russland ist einer der größten Ölförderer und Exporteure weltweit, das Land liegt von der Fördermenge her knapp hinter den USA und noch vor Saudi-Arabien. Zwar könnte Russland im Zuge dieser kritischen Entwicklung als Antwort auf Sanktionen des Westens die Gas- und Ölhähne zudrehen. Oder aber Sanktionen würden so weit gehen, dass man in Europa einen Importstopp für russische Energie verhängen würde. Aber in beiden Fällen müsste man das Wort „könnte“ dick rot unterstreichen, denn es wären Maßnahmen, mit denen niemandem gedient ist.

Russland würde sich selbst die wichtigste Einnahmequelle nehmen und dadurch eine wirtschaftliche Notlage provozieren, die die eigene Bevölkerung trifft, auf deren Zustimmung oder zumindest Duldung man in Sachen Ukraine angewiesen ist. Und Europa würde sich mit einem Importstopp selbst in größere Schwierigkeiten bringen als Russland.

Expertenmeinung: Daher kann man argumentieren, dass diese geopolitische Entwicklung keine große Wahrscheinlichkeit birgt, dass das Angebot an Rohöl weltweit nennenswert geringer würde. Aber genau das hat der Kurs von Brent Crude Oil seit seinem „Überschießen“ über die aktuell bei 95,50 US-Dollar laufende Hausse-Begrenzungslinie als obere Linie einer nach rechts offenen Keilformation antizipiert. Die am Dienstag nach dem Erreichen dieses mehrjährigen Hochs einsetzenden Gewinnmitnahmen zeigen:

Einige Trader sehen das auch so und erwarten, dass da bereits so viel „Krise“ im Kurs drin war, dass die Luft nach oben dünn genug ist, um Long-Positionen zu schließen. Und sollte Brent Crude wieder in diesen Keil zurückfallen, wäre ein erneuter Test der kurzfristigen Unterstützung um 90 Euro wahrscheinlich, der Bruch dieser Linie immerhin denkbar … was dann zumindest einmal Spielraum in die Region zwischen 81 und 85 US-Dollar eröffnen würde. Aber Vorsicht ist da auf jeden Fall geboten, denn:

Die Nachrichtenticker glühen derzeit. Es kann jederzeit und aus jeder Richtung zu Nachrichten kommen, die dem bullischen Lager suggerieren, dass der Spielraum nach oben womöglich eben doch noch nicht ausgereizt ist. Solche geopolitischen Krisen sind völlig unberechenbar, denn hier wird zu oft nicht sachlich, sondern emotional agiert. Und es sind zu viele Beteiligte involviert, um absehen zu können, wie es in Sachen Ukraine und in deren Schlepptau mit der Angebots-/Nachfrage-Situation bei Brent Crude Oil und den anderen Ölsorten weitergeht. Wer sich hier ins Getümmel stürzen will, sollte daher Erfahrung und gute Nerven haben … und immer mit dem Unerwarteten rechnen!

Chart vom 22.02.2022, Kurs 96,87 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

Am Freitag und Montag hatte Brent Crude Oil präzise die im Juli etablierte Hausse-Begrenzungslinie bei 94 US-Dollar pro Barrel erreicht. Die markttechnischen Indikatoren zeigen eine überkaufte Situation an … und am Dienstag fiel der Kurs. Ist der Spuk jetzt vorbei?

Wenn man weiß, dass sehr viel am Rohölmarkt auf kurzfristiger Ebene läuft und sich die meisten Trader stur an der Charttechnik statt an der tatsächlichen Angebot/Nachfrage-Situation orientieren, kann man zumindest Hoffnung hegen, dass Brent Crude Oil, die für Europa wichtigste Ölsorte, vorerst sein Hoch gesehen hat, aber:

Sicher sein sollte man sich dessen besser erst, wenn nicht nur an markanten Widerständen Gewinne mitgenommen wurden, wie das jetzt der Fall ist. Erst, wenn die Bullen an Unterstützungen nicht mehr kaufen, solche Supportmarken eindeutig durchschlagen werden, dann bestünde Hoffnung, dass die Preise für Heizöl, Benzin und Diesel ausnahmsweise auch mal fallen.

Expertenmeinung: Die am Dienstagabend erreichte, super-steile Aufwärtstrendlinie, die den Brent Crude-Kurs seit Mitte Dezember aufwärts führt, wäre dahingehend aber noch keine taugliche Indikation, diese Trendlinie ist einfach zu steil, um lange halten zu können. Anders sähe es aus, wenn die Hochs vom Herbst mit Schlusskursen unter 83 US-Dollar unterboten würden. Dort dürfte das bullische Lager normalerweise massiv zukaufen. Bliebe das aus, wäre das so etwas wie ein Paradigmenwechsel. Und Kurse unter den derzeit parallel laufenden 50-Tage- und 100-Tage-Linien um 80 US-Dollar würden dann sogar die Chance eröffnen, die mittelfristige Aufwärtstrendlinie bei aktuell knapp 68 US-Dollar zu testen. Das wäre für die Inflation eine massive Bremse, für das Wachstum somit eine wichtige Stütze. Aber gäben die Rahmenbedingungen das überhaupt her?

Grundsätzlich schon. Denn diese Hausse basierte auf der Annahme, dass die derzeit noch hohe Ölnachfrage durch den Druck auf die weltweite Logistik anhalten wird, zugleich der Konsum anspringt und die Nachfrage weiter befeuert und OPEC+ ihre extrem zögerliche Ausweitung der Fördermengen beibehalten wird. Aber jetzt beginnt sich das Lager derer zu füllen, die argwöhnen, dass steigende Leitzinsen in Europa, Großbritannien und den USA das Wachstum nicht nur bremsen, sondern abwürgen werden und die Ölnachfrage dadurch eher sinken als steigen könnte.

Kämen dahingehend erste Belege, könnte Brent Crude Oil ebenso steil und weit fallen, wie der Kurs zuletzt gestiegen ist. Aber das vorweg zu nehmen, bevor nicht im Chart sichtbar wird, dass die Bullen zurückziehen bzw. ins bärische Lager wechseln, wäre gewagt. Denn der Rohstoffmarkt ist dafür bekannt, dass Trends dort, oft auch gegen jede Vernunft, bis zum Exzess ausgereizt werden.

Brent Crude Oil: Chart vom 08.02.2022, Kurs 90,64 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

In der Spitze hatte Brent Crude Oil am Freitag bereits die 90 US-Dollar-Marke erreicht. Das Gespenst von 100 US-Dollar ist für europäische Verbraucher besonders beängstigend, denn der weiter steigende US-Dollar verteuert den Ölpreis hier zusätzlich. Wann hat das ein Ende?

Die Bullen fühlen sich offenbar sehr sicher. Und sie haben auch allen Grund dazu. Denn die OPEC und Russland halten trotz der durch die aus der Spur gelaufene weltweite Logistik hohen Ölnachfrage an ihrem Plan fest, die Förderung nur jeweils um 400.000 Barrel pro Monat zu erhöhen. Und wie zu befürchten war, verfing die Drohkulisse großer Staaten wie den USA, Chinas und anderen nicht, strategische Ölreserven freizugeben, um die Angebotsverknappung zu beenden.

Nach den USA hatte China vor zwei Wochen mitgeteilt, einen Teil seiner Ölreserven um das chinesische Neujahrsfest in den Markt zu geben. Das wäre also in dieser Woche. Sie sehen im Chart, dass das niemanden dazu bringt, Long-Positionen aufzugeben, im Gegenteil, der Aufwärtstrend ist vollkommen intakt. Aber kann das denn einfach immer so weitergehen?

Expertenmeinung: Theoretisch schon. Der Ölpreis entsteht an der Börse. Und die Preisbildung wird neben der echten Nachfrage auch von der Spekulation beeinflusst. Da die bullischen Trader sehen, dass die Drohung, strategische Ölreserven freizugeben, nicht fruchtete, wissen sie jetzt: Wenn das nicht verfängt, dann nichts. Niemand könnte sie davon abhalten, weiter auf Hausse zu spekulieren. Denn jeder Versuch, Spekulationen auf Energie und Nahrungsmittel zu verbieten, ist bislang immer gescheitert.

Und die US-Öllagerbestände der Unternehmen waren zwar in der vergangenen Woche leicht gestiegen, unter dem Strich fallen sie aber seit November immer weiter, so dass man derzeit nicht fürchten muss, dass auf einmal ein Überangebot entsteht, das so stark ist, dass sich die Hausse-Trades nicht halten ließen.

Aus charttechnischer Sicht sehen wir eine „Trompeten-Formation“, d.h. ein nach rechts offenes Dreieck, dessen obere Begrenzung in dieser Woche im Bereich 93,50 US-Dollar liegt. Nachdem es Anfang vergangener Woche gelang, im Zuge eines Rücksetzers das vorherige Hoch der Aufwärtsbewegung, das (im hier abgebildeten Futures-Frontmonat mit Liefertermin April) bei 83,75 US-Dollar liegt, zu verteidigen, spricht nichts dagegen, diese obere Begrenzung der „Trompete“ auch zu erreichen.

Erst, wenn dieses 2021er-Hoch bei 83,75 US-Dollar unterboten wäre, könnte man vorsichtig Entwarnung geben. Vorsichtig deswegen, weil spekulative, kurzfristige Trader gerade im Bereich der Commodities äußerst hartnäckig agieren, Trends oft bis zum Exzess ausreizen. Weshalb selbst bei einem kurzzeitigen Rutsch unter dieses Vorjahreshoch nicht auszuschließen wäre, dass es durch eine Bärenfalle doch noch zu einer noch böseren Überraschung für die Verbraucher kommt. Aktuell bleibt als Fazit: Bislang spricht noch nichts für eine Abwärtswende beim Ölpreis.

Chart vom 28.01.2022, Kurs 88,52 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX