Brent Crude Oil aktuell Brent Crude Oil: Klappt es jetzt endlich mit dem Ausbruch?

Aktuelle Analyse des Brent Crude Oil Futures

Ein Minus von 7,5 Millionen Barrel bei den US-Rohöllagerbeständen, das wurde am Mittwoch für die vergangene Kalenderwoche gemeldet. Ein Indiz dafür, dass die Nachfrage endlich spürbar anzieht, der Weg für deutlich höhere Ölpreise frei ist? Nicht unbedingt. Und auch, wenn der Kurs von Brent Crude Oil daraufhin zur Wochenmitte anzog, noch ist der Befreiungsschlag nicht gelungen. Diese hartnäckige Widerstandszone 43,20/44,00 US-Dollar im aktuell als „Frontmonat“ dienenden Future mit September-Liefertermin, an der Brent Crude Oil seit April nicht vorbeikommt, ist angegangen, aber noch nicht bezwungen. Wo klemmt es?

Den Tradern ist klar, dass die Lagerbestandsdaten der US-Unternehmen ein zweischneidiges Schwert sind. Zum einen lässt sich ausrechnen, dass der Lagerbestand im Saldo, trotz des jüngsten Minus, seit Inkrafttreten der massiven Fördermengenkürzung Anfang Mai trotzdem noch viel Millionen Barrel höher liegt als Ende April. Wichtiger aber ist, dass man nicht erkennen kann, welche Motivation sich hinter diesem Rückgang der Bestände verbirgt, denn:

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Expertenmeinung: Dieser Rückgang muss keineswegs bedeuten, dass die Nachfrage so anzieht, dass die US-Unternehmen ihre Lagerbestände hätten angreifen müssen, weil am Markt nicht genug Rohöl zu bekommen war. Es kann ebenso gut sein, dass einige Unternehmen lieber ihre vollen Lager zur Deckung des laufenden Bedarfs herangezogen haben, weil sie damit rechnen, dass sie die Bestände in Kürze zu billigeren Kursen auffüllen können … gerade weil sie am Puls des Geschehens sind und erkennen, dass die Nachfrage nicht anzieht und der Ölpreis daher in den kommenden Wochen nachgeben könnte. Sich alleine aus dieser Motivation heraus an die Lagerbestände zu halten, wäre kein Problem, immerhin sind diese randvoll.

Der erneute Ausbruchsversuch muss also nicht gelingen. Doch wenn er gelingt, kann Brent Crude recht schnell an die nächste Charthürde laufen, die untere Begrenzung der gewaltigen Abwärts-Kurslücke vom März. Denn dann würden natürlich viele Stop Loss-Orders auf der Short-Seite ausgelöst und einen Anstieg, auf den die technisch orientierten Trader dann umgehend aufspringen dürften, noch intensivieren. Aber noch ist das bullische Lager eben nicht „durch“.

Auf der Unterseite bleibt es dabei: Die beiden gleitenden Durchschnitte der letzten 20 und 50 Handelstage müssen halten, um die Chance auf eine Rallye aufrechtzuerhalten. Sollten diese beiden Supportlinien mit Schlusskursen unter 40 US-Dollar fallen, wäre ein schneller Abwärtsimpuls keine Überraschung.

Brent Crude Oil Chart vom 15.07.2020, Kurs 43,77 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

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Vorherige Analysen des Brent Crude Oil Futures

Er war eine Überraschung, dieser Rückgang der US-Rohöllagerbestände um 7,2 Millionen Barrel, der am Mittwoch für die vorvergangene Woche gemeldet wurde. Es war der größte Rückgang seit Beginn der umfassenden Fördermengenkürzung Anfang Mai. Aber womöglich war es gerade das, was verhinderte, dass die Trader diese Daten als Beleg einer nachhaltig anziehenden Nachfrage ansahen. Und so blieb der charttechnische Befreiungsschlag bei den wichtigen Rohölsorten, hier Brent Crude, aus. Summiert man die Veränderungen der US-Lagerbestände seit Anfang Mai, ist der Saldo in etwa neutral. Ein nennenswerter Abbau der Lager erfolgte also nicht.

Das muss zwar im Prinzip nicht zwingend bedeuten, dass die Nachfrage nicht anzieht, denn die US-Unternehmen hätten natürlich nötige Bestände direkt am Markt kaufen können. Aber hätten sie das getan, hätte der Ölpreis anziehen müssen, zumal sich die großen Ölproduzenten offenbar an die Vereinbarungen geringerer Fördermengen halten. Es scheint also, dass es durch diese radikalen Maßnahmen der OPEC, Russlands und, wenngleich außerhalb offizieller Vereinbarungen, der USA zwar gelungen ist, den freien Fall der Ölpreise zu stoppen und die Kurse auf niedrigem Niveau zu stabilisieren, mehr aber auch nicht. Und da stellt sich natürlich die Frage, ob das bullische Lager wirklich noch lange versuchen wird, die massive Hürde, an welcher Brent Crude Oil seit vier Wochen nicht vorbei kommt, zu belagern.

 

 

Expertenmeinung: Normalerweise gilt die Regel: Wenn nach oben nichts geht, pflegen die Trader es einfach mal auf der Gegenseite zu probieren. Agilen Tradern ist es ja letzten Endes egal, in welche Richtung ein Trend führt, solange er nur intensiv genug ist, um damit Geld zu verdienen. Und gerade der Rohstoffbereich wird normalerweise von charttechnisch und kurzfristig orientieren Tradern dominiert. Es ist die Widerstandslinie um 43,30 US-Dollar, an der sich die Bullen seit Anfang Juni die Zähne ausbeißen, eine Linie, die durch eine abverkaufte Gegenreaktion Anfang April definiert wurde. Dabei ist die Perspektive nach oben nicht einmal so grandios, denn schon bei 48,40 US-Dollar würde der nächste Widerstand warten, die untere Begrenzung des riesigen Abwärts-Gaps, das am 9. März entstanden war.

Vier Wochen sind bereits eine recht lange Zeit. Es mag zwar sein, dass große Adressen der Ölbranche versuchen, den Kurs aktiv vor einem erneuten Abwärtsschwenk zu bewahren. Aber würden ausreichend viele kurzfristige Trader die Seiten wechseln, von der Long- auf die Short-Seite switchen, dürfte es kaum möglich sein, einen solchen Druck aufzufangen. Und die Perspektive ist auf der Unterseite recht verlockend, wirklich markante Supportlinien fänden sich vorerst nicht, wenn Brent Crude die „Leitstrahlen“ der Aufwärtsbewegung durchbrechen würde, die mittlerweile bereits in eine Seitwärtsbewegung eingeschwenkt sind. Dabei handelt es sich um die gleitenden Durchschnitte der letzten 20 und 50 Handelstage bei aktuell 41,20 und 39,34 US-Dollar. Würden die mit Schlusskursen unter 36,80 US-Dollar so klar gebrochen, dass damit auch das letzte Zwischentief vom 13. Juni unterboten würde, wäre Brent Crude Oil auf der Short-Seite wieder höchst interessant.

Chart vom 02.07.2020, Kurs 42,74 US-Dollar, Kürzel COIL

Man hatte sich von den Fördermengenkürzungen der OPEC, Russlands und, wenn auch ohne offizielles Abkommen, der USA versprochen, dass das Angebot umgehend wieder der Nachfrage entspricht und der Ölpreis daraufhin anzieht. Zugleich hat das bullische Lager darauf gesetzt, dass die Lockerungen der Einschränkungen in Europa und den USA die Nachfrage hinreichend schnell belebt, dass nicht nur der Preis pro Barrel anzieht, sondern auch die übervollen Lager abgebaut werden. Doch da Letzteres nicht der Fall ist, kommen den Bullen mittlerweile wohl Zweifel, ob dann der Rest nicht auch nur Schall und Rauch statt Realität sein könnte. In den bislang berichteten sechs Wochen seit Beginn der in ihrer Größenordnung bislang einmaligen Fördermengen-Kappung haben die Lagerbestände der US-Unternehmen nicht ab-, sondern weiter zugenommen, um ca. zehn Millionen Barrel.

Selbst am Mittwoch, als die jüngsten, wieder einmal wider Erwarten gestiegenen statt gefallenen US-Lagerbestände auf den Tisch kamen, konnten die Bullen negative Reaktionen noch „wegkaufen“ und den Aufwärtstrend dadurch aufrechterhalten. Doch mit dem Kursrutsch der Aktienmärkte am Donnerstag gingen auch hier die Lichter aus. Mit einem Minus von 6,8 Prozent wurde der Ende April etablierte Aufwärtstrend bei Brent Crude Oil gebrochen. Bahn frei für die Bären, kommen jetzt die alten Tiefs zurück?

Expertenmeinung: Das ist zwar denkbar, vor allem, wenn die noch vor wenigen Tagen so unerschütterlich wirkende, allgemeine Zuversicht am Aktienmarkt nachhaltig dahin sein sollte. Aber entschieden ist das noch nicht, denn unterhalb der in der Tat gestern gebrochenen Aufwärtstrendlinie wartet für die Bullen noch ein Sprungtuch. Das setzt sich aus der 20-Tage- und der 50-Tage-Linie zusammen, die nahezu auf dem gleichen Level um 37,70 US-Dollar verlaufen und mit dem Handelsende des Donnerstags fast punktgenau erreicht wurden.

Sollte dieses Sprungtuch den Abverkauf auffangen, wäre das für das bullische Lager sogar ein perfektes Szenario. Denn zieht Brent Crude Oil von hier aus wieder an, wäre ein Break über die zuletzt angegangene, aber nicht bezwungene Widerstandslinie im Bereich 43,40 US-Dollar schnell erreicht. Und das würde dazu führen, dass die beiden am Donnerstag getesteten gleitenden Durchschnitte ein bullisches Crossover vollziehen (d.h. die blaue 20-Tage-Linie läuft über die rote 50-Tage-Linie) und das positive Signal dadurch noch intensivieren. Aber bevor das nicht wirklich gelungen ist, bleibt Brent Crude auf der Kippe. Schließt der Kurs unter diesen beiden gleitenden Durchschnitten, wäre das ein markant bärisches Signal, das im Extremfall tatsächlich dazu führen könnte, dass das bisherige Jahrestief bei 19,06 US-Dollar noch einmal angesteuert wird.

Rohöl Chart vom 11.06.2020, Kurs 37,87 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

 

 

15 Wochen lang waren die US-Öllagerbestände nonstop gestiegen. Und das teilweise in Größenordnungen, die sich vorher niemand hätte ausmalen können. Erst seit vier Wochen ist der Bann scheinbar gebrochen. Aber es waren nur drei der letzten vier Wochen, in denen die Lagerbestände fielen. Und in der einen Woche, in der es wieder nach oben ging mit den Beständen, kam so viel dazu, wie in den anderen drei Wochen abgebaut wurde. Eigentlich ist dort also noch keine Wende hin zu einer anziehenden Nachfrage zu sehen. Die Notierungen der wichtigsten Rohöl-Sorten legen aber dennoch zu. Wieso?

Auf der einen Seite will man daran glauben, dass die radikalen Kürzungen der Öl-Fördermenge weltweit Früchte tragen und den Preis stützen. Die OPEC, Russland und, wenngleich nicht auf Basis einer offiziellen Übereinkunft, die USA produzieren deutlich weniger. Und solange bullische Trader den Ölpreis gezielt höher kaufen, wird aus dem Glauben an die Wirksamkeit der Fördermengenkürzung eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Auf der anderen Seite erleben wir gerade so etwas wie einen sich selbst nährenden Ringelreihen zwischen dem Aktienmarkt und dem Ölpreis.

Expertenmeinung: Steigt der Ölpreis, sehen bullische Akteure am Aktienmarkt das als Beweis dafür an, dass das Wachstum bereits deutlich anzieht und kaufen. Die steigenden Aktienmärkte wiederum deuten bullische Trader am Ölmarkt als Reaktion auf zumindest auf den ersten Blick bereits die Wende avisierende Konjunkturdaten und kaufen weiter. Was wiederum am Aktienmarkt … und so könnte es noch lange weitergehen. Fakt ist zwar, dass die Faktenlage in Sachen Wiederkehr des weltweiten Wachstums dünn bis nicht vorhanden ist. Aber ähnlich wie am Devisenmarkt dominieren auch am Ölmarkt kurzfristige Trader das Geschehen und bestimmen damit den Kurs. Und solche Trader bleiben, solange es nicht zu überraschenden Irritationen kommt, stur ihrem Trend treu und scheren sich um ein „müsste eigentlich“ nicht im Geringsten. Was heißt:

Man darf sich trefflich darüber streiten, ob ein Kurs von 40 US-Dollar pro Barrel Brent Crude Oil nicht schon zu teuer ist, wenn man den Preis mit der realen Angebot/Nachfrage-Situation vergleicht. Aber solange sich die Mehrheit der aktiven Trader am Ölmarkt diese Frage einfach nicht stellt, kann dieser im April etablierte Aufwärtstrend weitergehen und die nächste Charthürde bei 43,30 US-Dollar in der August-Laufzeit des hier abgebildeten Brent Crude Oil-Future in Richtung der großen Kurslücke zwischen 50 und 57 US-Dollar überboten werden.

Dieselben Trader, die heute stur Long agieren, würden zwar nicht lange fackeln, umgehend auf die Short-Seite zu wechseln, sollte der Kurs die Aufwärtstrendlinie und die darunter den Trend absichernde 20-Tage-Linie durchbrechen, was derzeit bei Closings unter 34,60 US-Dollar der Fall wäre. Aber bevor das nicht tatsächlich passiert wäre, stünde man auf der Short-Seite auf reichlich verlorenem Posten.

Brent Crude Oil Chart vom 03.06.2020, Kurs 39,61 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

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Die erste Phase des Kurseinbruchs bei Brent Crude Oil basierte auf der Tatsache, dass die Investoren schlagartig erkannten, wie extrem die Ölnachfrage einbrechen dürfte, als sich das Corona-Virus schnell weltweit ausbreitete und immer mehr Staaten ihre Wirtschaft blitzschnell herunterfuhren. Die zweite Phase Ende April hatte die Ursache, dass es zu einer kurzzeitigen Rohölschwemme kam, weil die großen Ölförderer zwar massive Fördermengenkürzungen beschlossen hatten, diese aber erst ab Anfang Mai in Kraft traten. Zuvor wurde produziert, was irgend ging. Und da zugleich die Nachfrage massiv gesunken war, waren die Lager übervoll. Dieser „Nachfrage-Crash“ ist aber jetzt überwunden:

Erstmals seit Mitte Januar waren die US-Öllagerbestände in der vergangenen Woche wieder nennenswert gesunken, wie am Mittwochnachmittag gemeldet wurde. Zugleich scheinen die OPEC-Mitglieder ihre versprochenen Fördermengen-Kürzungen einzuhalten, Russland hat seine Produktion ebenfalls massiv gesenkt, auch in den USA wird weniger produziert. Dieses stark reduzierte Angebot trifft jetzt auf eine langsam wieder anziehende Nachfrage, da viele Industriestaaten ihre Produktion wieder hochgefahren haben. Der Anstieg des Ölpreises ist also von den Rahmenbedingungen her gerechtfertigt. Die Frage ist dabei: Wie weit kann er führen?

Expertenmeinung: Brent Crude Oil läuft seit dem letzten Selloff in einem Aufwärtstrend. Der Anstieg vom Tief, das am 22. April bei 18,87 US-Dollar erreicht wurde, ist zwar prozentual äußerst, aber Sie sehen im Chart, dass der Kurs dadurch nur zurück in die „Normalzone“ gelaufen ist, die seit dem ersten Abverkauf im März etabliert wurde. Da könnte also im Prinzip nach oben noch einiges drin sein, wenn die Nachfrage sukzessiv weiter steigt … oder?

Rein charttechnisch gesehen schon, denn alleine bis zur übergeordneten, Anfang des Jahres etablierten Abwärtstrendlinie bei derzeit knapp 58 US-Dollar wäre noch eine Menge Luft. Doch da macht man wohl die Rechnung ohne den Wirt. Denn diese massiven Förderkürzungen sind für die ölproduzierenden Länder eine herbe Rosskur. Sobald es irgend geht, wird man die Förderung wieder hochfahren. Und damit kann man einfach nicht warten, bis der Brent-Kurs wieder 50 und mehr US-Dollar erreicht hat, denn je länger man diese äußerst reduzierte Förderung durchhält, desto mehr Ölfirmen und geraten in ernste Schwierigkeiten.

Daher dürfte man schon relativ bald das Thema einer Normalisierung der Förderung diskutieren … und alleine das könnte viele Trader dazu bringen, schon wieder auf die Short-Seite zu setzen. Dieser Aufwärtstrend bei Brent Crude Oil kann also noch eine Zeitlang weitergehen, aber es muss es nicht. Solange der Trend hält, ist die Long-Seite zwar unstrittig die richtige, aber ein Stop Loss knapp unter der aktuell bei 32 US-Dollar verlaufenden Aufwärtstrendlinie, den man mit dieser Linie Stück für Stück nachzieht, wäre in jedem Fall ratsam.

Rohöl Chart vom 21.05.2020, Kurs 36,05 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX

 

Am vergangenen Mittwoch meldeten die USA erstmals seit 15 Wochen wieder fallende Rohöl-Lagerbestände. Aber dieses Minus betrug nur eine dreiviertel Million Barrel – gegenüber dem gigantischen Anstieg der Monate zuvor waren das „Peanuts“ und definitiv kein Argument, um hinsichtlich des Überangebots an Rohöl Entwarnung zu geben. Zwar haben jetzt die im April beschossenen Fördermengen-Kürzungen der OPEC und Russlands begonnen. Aber ob das der Ölindustrie wirklich hilft, ist fraglich. Denn auch, wenn es gelingen sollte, den Preis der wichtigsten Ölsorten vorerst zu stabilisieren, stellt sich die Frage, ob die Nachfrage wieder anspringt. Denn tut sie es nicht, wäre es mit diesen Kürzungen nicht getan.

Wobei sich die USA zwar offiziell nicht an diesen Kürzungen beteiligt haben. Aber die Zahl der aktiven Bohrlöcher in den USA ist in den vergangenen Wochen derart rapide geschrumpft, dass klar ist, dass auch dort deutlich weniger gefördert wird. Was man natürlich gerne ändern würde, nur sind die Lager jetzt voll und eine schnelle Belebung der Weltwirtschaft zumindest fraglich. Und damit haben die Bullen am Ölmarkt ein Problem, denn ihnen dürfte klar sein: Wenn die Nachfrage nicht schnell steigt, wird vielen der Förderländer, die Kürzungen zugestimmt haben, das Hemd näher sein als die Hose, sprich sie dürften die Produktion trotzdem wieder steigern, um die schlechten Preise über die Masse zu kompensieren. Und die vollen Lagerstätten deckeln einen Preisanstieg, weil sich die Unternehmen dann erst einmal durch ihre eigenen Vorräte versorgen, die sie zu niedrigeren Preisen einsammeln konnten, wenn der Ölpreis deutlicher steigen sollte. Was bedeutet:

Expertenmeinung: Die Chancen für das bullische Lager sind derzeit nicht gerade umwerfend. Der Chart der Ölsorte Brent Crude Oil zeigt, dass der Kurs sich am Freitag leicht über die Widerstandszone 28,96/31,12 US-Dollar nach oben lösen konnte, innerhalb der er in den vorvergangenen Tagen seitwärts gelaufen war. Aber die nächsten Charthürden sind nicht fern. Vor allem dürfte es knifflig werden, den doppelten Widerstand aus einer Anfang März etablierten Parallele zur mittelfristigen Abwärtstrendlinie und der im Chart rot gehaltenen 50-Tage-Linie im Bereich 35/36 US-Dollar zu überwinden.

Sollte Brent Crude Oil diesen Level überwinden, wäre der Weg aus rein charttechnischer Sicht erst einmal frei, dann könnte es durchaus schnell an die untere Begrenzung des Anfang März entstandenen Abwärts-Gaps bei 48 US-Dollar gehen. Aber das wäre, sofern sich die Rahmenbedingungen nicht umgehend deutlich aufhellen, eine rein technisch induzierte Rallye. Da die kurzfristigen Trader am Ölmarkt meist das Geschehen dominieren, wäre ein solcher Kursanstieg zwar möglich, weil dann alle umgehend auf die Long-Seite aufspringen. Aber ob sich ein Kursniveau von fast 50 US-Dollar in einer von ihrer Schwere und Dauer her nicht eingrenzbaren, weltweiten Rezession würde halten können, ist aus heutiger Sicht mehr als fraglich. Daher wäre es sicher kein Fehler, auch die Unterseite im Auge zu behalten. Sollte Brent Crude Oil unter 27,50 US-Dollar schließen und damit den kurzfristigen Aufwärtstrend ebenso brechen wie die 20-Tage-Linie, wäre der Weg nach unten sofort wieder frei!

Rohöl Chart vom 15.05.2020, Kurs 32,84 US-Dollar, Kürzel COIL | Online Broker LYNX