In der Spitze gab Brent Crude Oil vom Wochenhoch des Montags bis zu 20 US-Dollar nach. Das wirkt, als wäre das Gröbste jetzt überstanden. Aber der Schein könnte trügen – bezogen auf die Rahmenbedingungen ebenso wie auf das Chartbild. Denn noch bleibt Brent bullisch.
Hinsichtlich der für die Tendenz des Rohöls entscheidenden Rahmenbedingungen tappen die Marktteilnehmer weiterhin im Dunklen. Am Dienstag schien es, als könnte sich die Krise schnell lösen lassen, nachdem der US-Präsident mitteilte, dass sein gerade erst einen Tag vorher verkündetes „Project Freedom“ erst einmal ausgesetzt würde, weil man mit den Verhandlungen mit dem Iran so weit gediehen sei, dass eine Einigung sehr bald möglich sei. Daraufhin begannen die Kurse der wichtigsten Ölsorten rasant zu fallen, nur:
In der Nacht zum Donnerstag kamen wieder die alten Drohungen, dass es zu massiven Zerstörungen kommen werde, wenn der Iran nicht bald einem „Deal“ zustimmen würde. Was den Gedanken aufkommen lässt, dass die Eskortierung von Frachtschiffen nur deswegen ausgesetzt worden sein könnte, weil man im Weißen Haus eingesehen hat, dass ein sicheres Geleit einfach nicht sicherzustellen ist. Was den Verdacht schürt, dass man in Sachen Einigung eigentlich keinen Schritt weiter ist als in der Vorwoche.
Was ist jetzt denn nun Fakt? Man weiß es nicht. Was man aber wissen kann, zumal das zahlreiche Experten und Institute so kommuniziert haben: Selbst wenn es umgehend zu einer tragfähigen Einigung käme und die Passage für die festsitzenden Frachter umgehend freigegeben würde, sind doch so viele Zerstörungen in Bezug auf die Produktion und die Logistik angerichtet worden – und das in den meisten Ländern der Region –, dass es grundsätzlich auf Monate hinaus zu einem Nachfrageüberhang kommen würde, was hieße:
Expertenmeinung: Eine Rückkehr des Kurses von Brent Crude Oil auf das Level vor dem Angriff auf den Iran wäre vorerst wenig wahrscheinlich, das Abwärtspotenzial also begrenzt. Damit wären die jetzt auch auf den Aktienmarkt projizierten großen Hoffnungen auf einen „Deal“ und in dessen Folge deutlich und nachhaltig fallende Ölpreise bislang eher mit kleinen Chancen versehen. Und das Chartbild von Brent Crude spiegelt das auch durchaus wider, denn so kräftig der Abstieg der vergangenen Tage auch war: Für ein bärisches Signal hat er bis jetzt nicht sorgen können.
Der Chart zeigt, dass die Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Konflikts zwar den Ausbruch über das März-Hoch abgefangen haben, wodurch Brent Crude Oil wieder in die vorherige Handelsspanne zurückfiel. Aber ein „Deckel“ ist deswegen noch lange nicht drauf. Sollte es zu entsprechend unguten Nachrichten kommen, kann der Kurs jederzeit erneut nach oben ausbrechen. Denn noch hat er als einzige der vier derzeit entscheidenden gleitenden Durchschnittslinien nur die kurzfristigste von allen, die 10-Tage-Linie, unterboten. Am Mittwoch ebenso wie am Donnerstag wurde die 20-Tage-Linie zwar intraday unterboten, zum Handelsende indes jeweils wieder überschritten.

Auffällig ist auch, dass die 50-Tage-Linie (im Chartbild blau), die beim bislang tiefsten Kurs seit Anfang März, der Mitte April bei 81,40 US-Dollar erreicht wurde, ein zuverlässiges Sprungbrett für die Bullen war, schnell von unten als zusätzlicher Support heranläuft. Der Weg nach unten wäre auch darunter noch von mehreren potenziell soliden Auffanglinien erschwert, daher: Hier Short-Trades aufzubauen hieße, einer Entwicklung vorzugreifen, die weder von der Nachrichtenlage noch vom Chartbild bislang Unterstützung bekäme – das wäre eine äußerst verwegene Wette mit aktuell eher geringen Chancen, sie zu gewinnen.
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