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Brent Crude Oil Prognose Brent Crude Oil: Die Sache ist noch nicht „durch“

News: Aktuelle Analyse des Brent Crude Oil Futures

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Vorherige Analysen des Brent Crude Oil Futures

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 31.03.2026 um 22:57 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Nach verlängerten Fristen und angeblichen Verhandlungen erwägt Donald Trump angeblich jetzt, die Kampfhandlungen von sich aus zu beenden. Doch Brent Crude Oil fällt bislang nur zögerlich. Es scheint, dass viele den Aussagen aus Washington nicht mehr glauben mögen.

Wobei beileibe nicht die spekulativen Akteure alleine dafür sorgen, dass Brent Crude Oil und andere wichtige Rohölsorten nur zögerlich nachgeben und insgesamt weiter im Aufwärtstrend verharren, Rücksetzer zuletzt immer kleiner wurden und der Kurs weiterhin recht nahe am bisherigen Jahresverlaufshoch von 116,08 US-Dollar pro Barrel notiert.

Es sind auch und womöglich gerade die Unternehmen mit hohem Energiebedarf, die in dieser Situation einfach zusehen müssen, dass sie den Ölbedarf für die kommenden Wochen und Monate sicher haben. Einfach, weil sie nicht abschätzen können, ob es nicht doch zu einer ggf. länger anhaltenden Verknappung kommt, die dann sogar dazu führt, dass nicht genug Öl für alle am Markt verfügbar ist. Und wenn das passiert, wenn die Produktion deshalb zum Erliegen käme, käme das eben teurer, als jetzt in diesen äußerst sauren Apfel zu beißen und sich die Lieferung mit Termin Juni zu derart hohen Preisen zu sichern.

Und das führt letzten Endes zum Grund, wieso die Aussagen aus dem Weißen Haus bislang nicht funktionieren, was das Drücken der Ölpreise angeht:

Expertenmeinung: Diejenigen, die ihren Ölbedarf sichern müssen, können sich nicht auf warme Worte verlassen. Auch nicht, wenn der US-Präsident ein ums andere Mal verkündet, der Krieg sei bald vorüber, die Straße von Hormus bald wieder frei und der Iran habe im Rahmen der Verhandlungen bereits mehreren Punkten des Trumpschen 15-Punkte-Plans zugestimmt. Nicht, solange vom Iran aus weiter Raketen abgeschossen werden und aus Teheran mitgeteilt wird, man habe auf den Plan noch gar nicht geantwortet.

Und auch die kolportierten Überlegungen im Weißen Haus, die entscheidenden „Kriegsziele“ als erfüllt zu deklarieren und die Kampfhandlungen einzustellen, werfen zu viele Fragen auf. Selbst, wenn aus Überlegungen Entscheidungen würden: Solange das US-Militär dort noch massiv präsent ist und die Bodentruppen vor Ort bleiben, könnte man es sich jederzeit anders überlegen. Und Zickzack-Kurse hatte man ja aus dieser Richtung schon oft genug gesehen.

Je länger Beteuerungen nicht zur Realität werden, desto tiefer sinkt das Vertrauen in solche Aussagen. Dass die Reaktionen bei Brent Crude mit jedem Versuch des Weißen Hauses, den Preis „herunterzureden“, kleiner wurden, unterstreicht das.

Der Trend weist bei Brent Crude bis jetzt stur aufwärts. Es bräuchte zumindest einen Schlusskurs unterhalb der im Chart rot gehaltenen 20-Tage-Linie bei derzeit 97 US-Dollar und idealerweise auch unter dem letzten, markanteren Zwischentief vom 23. März bei 91,70 US-Dollar, um eine Basis für eine nennenswerte Abwärtskorrektur zu haben.

Brent Crude Oil Future: Chart vom 31.03.2026, Kurs 104,65 US-Dollar, Kürzel: COIL | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Brent Crude Oil Future: Chart vom 31.03.2026, Kurs 104,65 US-Dollar, Kürzel: COIL | Quelle: TWS

Eine echte Entwarnung, die bullische Spekulanten zum Ausstieg bringen würde, wäre aber erst gegeben, wenn die Nachrichtenlage das unterstützen würde … und danach sieht es, wie wir wissen, im Augenblick noch nicht aus. Ohne klare Argumente seitens der Charttechnik und der Nachrichtenlage bleiben Trades auf der Short-Seite halsbrecherisch. Und gerade, weil das so offenkundig ist, haben die Bullen, von den Sorgen der Unternehmen bzgl. ihres Energiebedarfs noch unterstützt, bislang noch leichtes Spiel.

Aussicht: Neutral

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 23.03.2026 um 21:28 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Ein deutlicher Abwärtsimpuls bei Brent Crude Oil lässt manche hoffen, dass der „Spuk“ haussierender Ölpreise ein Ende gefunden hat. Doch der Auslöser für den Sell-off wirft Fragen auf – zumal wir Ähnliches vor zwei Wochen erlebt haben und die Wende da ausgeblieben war.

Vor zwei Wochen hatte US-Präsident Trump verkündet, dass der Iran-Krieg sehr bald vorüber sein würde, weil man fast alle militärischen Ziele erreicht habe. Wir wissen: Das war nicht der Fall. Und diese Aussagen brachten den Ölpreis nur kurzzeitig nach unten, den Aktienmarkt nur flüchtig auf höhere Levels, weil man sah: Im Gegenteil, die USA schienen sich in Sachen Iran völlig zu verzetteln. Und von einem Einknicken des Gegners war nichts zu sehen. Bis heute nicht.

Am gestrigen Montag begann der Präsident seinen Tag mit der Aussage, dass man mit einer „Top-Person“ des Irans gesprochen habe, und erklärte, dass der Iran auf Atomwaffen verzichten werde, ernsthaft zu verhandeln bereit sei und man deswegen die Umsetzung der am Wochenende ausgesprochenen Drohung, die iranische Energieversorgung zu zerstören, für fünf Tage aussetzen werde. Da weder der Präsident noch seine Verhandler offenbar mit dem neuen Oberhaupt des Irans noch mit den Führern der momentan die Entscheidungen treffenden Revolutionsgarden gesprochen haben, werfen diese Aussagen mindestens ebenso viele Fragen auf wie die vor zwei Wochen, die sich letztlich als substanzlos entpuppt hatten. Trotzdem reagierte Brent Crude Oil rasch und fiel wie vom Blitz getroffen. Wieso?

Expertenmeinung: Zum einen, weil man solchen vermeintlich extrem positiven Aussagen am Markt großenteils nur gerne glauben möchte. Zum anderen, weil dieser immense Anstieg nach dem ersten Selloff vor zwei Wochen zwar stetig, aber zugleich hoch volatil und schnell ablief, was die prozentualen Steigerungen angeht. Damit haben wir hier einen „heißen“ Markt, der viele hochspekulative Trader anzieht. Die aber, weil es hier ja um einen hebelstarken Future geht, mit sehr engen Stop Loss arbeiten müssen. Was bedeutet:

Ein starker Kursimpuls kann sich rasend schnell intensivieren, indem eine Stop-Loss-Lawine ausgelöst wird: Stop-Loss-Orders lösen aus, drücken den Kurs, der rutscht damit in die Zone weiterer Stop Loss, dadurch entstehen erneut Verkäufe und so geht es weiter. Das ist ein typischer „Mechanismus“ bei hochspekulativen Märkten, der aber nicht bedeutet, dass Brent Crude auch dann auf den per Montagabend erreichten Level gefallen wäre, wenn der Auslöser nicht völlig überraschend aufgetaucht wäre und nicht derart viele Stop-Loss-Absicherungen unter dem Kurs gelegen hätten.

Es kann also durchaus sein, dass das hier nicht das Ende des Aufwärtstrends war. Zumal wir im Chart sehen, dass dadurch gerade einmal der „schnellste“ gleitende Durchschnitt der letzten zehn Handelstage leicht unterboten wurde, die 20-Tage-Linie als nächstfolgender Leitstrahl aber nicht. Nüchtern betrachtet wäre Brent Crude Oil tatsächlich erst dann nicht mehr bullisch, wenn der hier gezeigte, aktuellste Futures-Kontrakt mit Liefertermin Juni unter das Zwischenhoch vom Juni 2025 bei 72,60 US-Dollar fallen würde.

Brent Crude Oil Future: Chart vom 20.03.2026, Kurs 95,90 US-Dollar, Kürzel: COIL | Online Broker LYNX
Brent Crude Oil Future: Chart vom 20.03.2026, Kurs 95,90 US-Dollar, Kürzel: COIL | Quelle: TWS

Für Trader, die auf deutlich höheren Levels Long-Positionen aufgebaut haben, wäre dieses Szenario zwar ein Albtraum und würde dazu führen, dass sie gnadenlos aus ihren Positionen geworfen würden. Aber erst unter dieser markanten Supportlinie bei 72,60 US-Dollar könnte man hier auch mal wieder über die Short-Seite nachdenken. Und bedenkt man, wie wenig Substanz der gestrige Auslöser für den Abverkauf bis jetzt zu bieten hat, sollte man das Thema Short erst recht erst einmal vergessen. Brent Crude Oil bleibt weiter ein hochvolatiler Markt, der sein Potenzial nach oben zumindest am gestrigen Montag noch nicht eingebüßt hat. Und spätestens, wenn Ende der Woche Mr. Trumps neue Fünf-Tage-Frist gegenüber dem Iran endet, könnte es hier wieder extrem spannend werden.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 16.03.2026 um 21:23 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Weltweit werden strategische Ölreserven freigegeben und es wird versucht, die Ölkonzerne davon abzuhalten, die Situation auszunutzen. Zugleich heißt es in Sachen Ölreserve: Wenn nötig, ist mehr da. Doch die Reaktion von Brent Crude Oil und anderen Ölsorten ist auffallend gering.

Es scheint, dass die Trader am Rohölmarkt bezweifeln, dass die Angebots-Engpässe in absehbarer Zeit behoben sind. Dabei wäre es möglich, den Ölbedarf über die weltweit verteilten strategischen Reserven allemal für zwei, drei Wochen alleine zu bestreiten. Und große Förderländer wie die USA oder Norwegen produzieren ungehindert weiter, zugleich muss ja nicht das gesamte Rohöl des Nahen Ostens durch die Straße von Hormus.

Daher hätte man sich eigentlich nicht wundern müssen, wäre der Ölpreis nach dieser „Freigabe-Stafette“ der Ölreserven und den Ankündigungen der USA, die Sache mit der Straße von Hormus zeitnah im Griff zu bekommen, massiven eingebrochen. Doch das passierte nicht, wie der Chart zeigt:

Brent Crude Oil Future: Chart vom 16.03.2026, Kurs 96,54 US-Dollar, Kürzel: COIL | Online Broker LYNX
Brent Crude Oil Future: Chart vom 16.03.2026, Kurs 96,54 US-Dollar, Kürzel: COIL | Quelle: TWS

Zwar zeigt der jetzt als „Frontmonat“ dienende Brent Crude Oil-Future mit Liefertermin Juni ein „bearish engulfing pattern“, was auf kurzfristiger Ebene ein potenziell bärisches Signal wäre. D.h. wir sehen hier eine rote Kerze, deren Kerzenkörper den Körper der Vortages-Kerze komplett einhüllt: Im Plus begonnen, im Minus geschlossen, aber:

Expertenmeinung: Es ist ja schon überraschend genug, dass Brent Crude Oil die Woche nach all den Beteuerungen über das Wochenende überhaupt mit einem Plus begann. Und ein Minus gegenüber dem Freitags-Schlusskurs von 2,4 Prozent ist, nachdem man alle Register gezogen hat, um die Preise zu drücken, so mager, dass man das allemal als einen Sieg der Bullen verbuchen könnte. Aber kann denn der Preis gegen ein kurzfristig deutlich unterfüttertes Angebot auf diesem derart hohen Niveau gehalten werden? Kämpft das bullische Lager da nicht auf verlorenem Posten?

Wenn man sich daran erinnert, dass große Trader so gut wie nie grundsätzlich immer nur bullisch oder bärisch sind, sondern sich nach Beurteilung der Rahmenbedingungen und des Chartbilds individuell für eine Seite entscheiden, kann man bezweifeln, dass die Long-Seite des Markts einfach blind ihre Position verteidigt. Wenn so wenige aussteigen, muss das Gründe haben. Und die ließen sich durchaus herleiten:

Man dürfte hier vermutlich Zweifel hegen, dass die Aussage aus Washington, dass man die Straße von Hormus in Kürze wieder frei haben werde, von der Realität bestätigt wird. Gelingt das nachweislich und wird der Verkehr wieder aufgenommen, würde der Ölpreis vermutlich schnell und weit zurückkommen. Bis dahin aber lässt man womöglich all das, was bislang an Statements aus den USA kam und mittlerweile den Charme eines rotierenden Wegweisers hat, Revue passieren und sagt sich: Abwarten, es könnte womöglich sogar noch schlimmer kommen.

Das muss es zwar nicht. Aber wer jetzt auf die Short-Seite setzten wollte, würde eben eindeutig noch gegen den Trend agieren. Dieses gestrige „bearish engulfing pattern“ reichte nicht einmal aus, um Brent Crude an die steilste, gleitende Durchschnittline zu drücken, die derzeit als Leitstrahl der Bullen eingeordnet werden kann. Diese 10-Tage-Linie verläuft aktuell bei 89,40 US-Dollar. Und selbst wenn der Kurs unter diese Linie fallen sollte: Die nächsten gleitenden Durchschnitte sowie das markante 2025er-Hoch, das für diesen aktuellen Juni-Liefertermin bei 72,50 US-Dollar liegt, würden weitere „Sprungtücher“ für die Bullen bieten. All die hektischen, politischen Aktivitäten der vergangenen Tage haben bislang nicht dazu geführt, dass die Bullen nervös werden – das sollte man, sofern man über die Short-Seite nachdenkt, als Warnhinweis im Hinterkopf haben.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 11.03.2026 um 21:35 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Am Montag geriet der Ölpreis außer Kontrolle, in der Spitze lief Brent Crude bis 120 US-Dollar. Dann kamen Statements von Mr. Trump, die den Kurs drückten – aber der Effekt war nicht nachhaltig. Und dass Brent nicht auf die gestrige IEA-Entscheidung reagierte, war auffällig.

Zu behaupten, der Ölmarkt sei unruhig, wäre wohl die Untertreibung des Monats. Brent Crude Oil und die anderen Ölsorten reagieren auf die kleinsten Nachrichten extrem … und da wird, wie z.B. bei der Falschmeldung des US-Energieministers, der behauptete, die US-Marine habe einen Öltanker durch die Straße von Hormus eskortiert, nicht abgewartet, ob an den Nachrichten etwas dran ist. Zugleich kommt es zu drastischen Kurssprüngen wie am Montagmorgen, als der Ölpreis weit über 100 US-Dollar startete, dann aber förmlich wegbrach, als Donald Trump auf einmal bisherigen Aussagen zum Trotz verkündete, der Krieg mit dem Iran sei quasi abgeschlossen.

Die unmittelbaren Reaktionen sind für Trader nicht zu greifen, man müsste nonstop und hochkonzentriert in Bereitschaft bleiben, um solche Impulse effektiv zu traden. Und das auch in der Nacht, denn Aussagen aus den USA kommen der Zeitverschiebung wegen eben oft weit nach der normalen Handelszeit in Europa. Aber auch Marktteilnehmer, die keine Ambitionen haben, in diesem Hexenkessel mitzumischen, sind davon betroffen, denn die Aktienindizes reagieren wie Spiegel auf die Bewegungen der Ölpreise. Wobei indes eines auffällt:

Expertenmeinung: Der übergeordnete Aufwärtstrend bei Brent Crude Oil wurde durch das „Herunterreden“ der Kurse durch US-Offizielle bislang nicht gebrochen. So erratisch die Sprünge auch sind, wie man in unserem ganz kurzfristigen Chart sehen kann, der Brent Crude Oil seit Montagfrüh auf 15-Minuten-Basis zeigt:

Brent Crude Oil Future: 15-Minuten-Chart vom 11.03.2026, Kurs 92,40 US-Dollar, Kürzel: COIL | Online Broker LYNX
Brent Crude Oil Future: 15-Minuten-Chart vom 11.03.2026, Kurs 92,40 US-Dollar, Kürzel: COIL | Quelle: TWS

Die Tendenz an sich bleibt aufwärts gerichtet. Aktuell ist es die im Chart auf Tagesbasis gelb markierte 10-Tage-Linie, die die Hausse zu führen scheint, vergleichbar mit dem extremen Peak beim Silberpreis unlängst.

Brent Crude Oil Future: Tageschart vom 11.03.2026, Kurs 92,40 US-Dollar, Kürzel: COIL | Online Broker LYNX
Brent Crude Oil Future: Tageschart vom 11.03.2026, Kurs 92,40 US-Dollar, Kürzel: COIL | Quelle: TWS

Das alleine deutet an, dass sich die Beschwichtigungen sukzessiv abnutzen. Zumal man seitens Israel hört, dass man dort Mr. Trumps Ansicht über ein sehr baldiges Ende eines bereits klar gewonnenen Konflikts nicht teilt. Aber was gestern besonders auffiel, war die Reaktion auf die Entscheidung der Internationalen Energieagentur (IEA), strategische Reserven in Höhe von 400 Millionen Barrel freizugeben. So viel wie noch nie, das entspricht knapp dem weltweiten Bedarf für vier Tage. Eigentlich hätte man sich nicht wundern müssen, wenn die Ölpreise daraufhin deutlich nachgegeben hätten, weil man schlussfolgert, dass ein Angebotsengpass damit kompensiert wäre. Aber das blieb aus, Brent zuckte nur kurz nach unten, holte diesen Rücksetzer aber binnen weniger Minuten wieder auf – wieso?

Vermutlich, weil man diese Maßnahme auch anders herum sehen kann: Die IEA scheint nicht daran zu glauben, dass die Passage durch die Straße von Hormus bald wieder frei sein wird, denn ansonsten wäre eine derart gewaltige Menge an aus strategischer Reserve freigegebenen Rohöls nicht erforderlich. Und es scheint, dass man am Ölmarkt momentan eher diesen Experten als den stetig wechselnden Aussagen aus Washington vertraut. Und damit bleibt auch der Aufwärtstrend bei Brent Crude Oil bis jetzt grundsätzlich erhalten.

Wir sehen zwar, dass der Kurs auf der 15-Minuten-Ebene (siehe oben) zwei Charthürden bei 95 und 99 US-Dollar vor sich hätte, bevor es erneut zu einer extremen Rallye kommen könnte. Aber dass Brent bislang Tuchfühlung zu diesem Bereich hält und sich sehr deutlich vom bisherigen Wochen-Verlaufstief bei 81 US-Dollar absetzen konnte, zeigt: Das Risiko, dass diese Hausse trotz des abverkauften Exzesses vom Montag die „zweite Luft“ kriegen könnte, bleibt erhalten.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 08.03.2026 um 22:22 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Brent Crude Oil war am Freitagabend 50 Prozent teurer als zu Jahresbeginn. Man könnte auf ein baldiges Ende der Kaufwelle hoffen, indem man darauf verweist, dass das Chartbild eine glasklare Fahnenstange ist … die brechen am Ende immer. Die Frage ist nur: wann und wo?

Eine wilde Spekulationswelle in einer Aktie, bei der extrem viele Akteure in kurzer Zeit glauben, zu egal welchem Preis dabei sein zu müssen, und dadurch eine markttechnisch massiv überkaufte Situation auslösen, die mit einer Überbewertung der Aktie einhergeht, das ist ein klassisches Beispiel für eine sogenannte „Fahnenstange“. Die Kurse steigen immer schneller… Und erfahrene Beobachter erkennen: Das wird am Ende dramatisch schiefgehen. Der Kuranstieg wird in dem Moment, in dem die Käufer nur kurzzeitig zu gering an Zahl sind und zu viele im selben Augenblick Kasse machen wollen, noch schneller in sich zusammenfallen, als es zuvor aufwärts ging.

Genauso sieht auch der Chart von Brent Crude Oil – und allen anderen Rohöl-Sorten – derzeit aus. Aber es gibt einen wichtigen Unterschied:

Expertenmeinung: Wir können im Fall dieser Rohöl-Hausse nicht abschätzen, wie groß der Anteil wilder Zockerei einerseits und der unmittelbaren Notwendigkeit andererseits ist. Wenn Letzteres überwiegt, weil viele große Abnehmer momentan Engpässe erwarten (oder schon real haben) und deswegen höchst unfreiwillig die immer höher laufenden Preise bezahlen, um sicherzustellen, dass sie in ausreichender Menge an den Rohstoff kommen, dann wäre die „Fallhöhe“ für Brent Crude entscheidend davon abhängig, ob die Lieferketten halten oder nicht.

Um das abschätzen zu können, müsste man wissen, ob eine sichere Passage durch die Straße von Hormus bald wieder möglich wäre oder das große Volumen, das normalerweise in Sachen Öl und Gas dort durch muss, längere Zeit über die längeren und damit zugleich teureren Ausweichrouten transportiert werden muss. Was man aber nicht weiß. Ebenso wichtig wären Antworten auf die Frage, ob andere Ölförderländer mit in den Konflikt hineingezogen werden und deren Förderung und/oder der Export von Rohöl dadurch beeinträchtigt würden. Und, natürlich, ob große Förderländer außerhalb der Region, wie die USA oder Norwegen, Ausfälle ihrerseits ausgleichen können bzw. wollen und welche Rolle jetzt russisches Öl spielen könnte.

Antworten gibt es bislang auf keine dieser Fragen, auch nicht für diejenigen, die zu diesen dramatisch gestiegenen Preisen tatsächlich ihren Rohölbedarf mit dem hier gezeigten Futures-Liefertermin Mai sichern müssen. Also?

Brent Crude Oil Future: Chart vom 06.03.2026, Kurs 92,40 US-Dollar, Kürzel: COIL | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Brent Crude Oil Future: Chart vom 06.03.2026, Kurs 92,40 US-Dollar, Kürzel: COIL | Quelle: TWS

Also haben wir hier zwar eine charttechnische „Fahnenstange“, die jederzeit brechen und dann in einen Selloff übergehen könnte. Aber es ist definitiv nicht abschätzbar, wie nahe wir jetzt bereits am Hochpunkt dran sind. Dies in Verbindung mit dem üblichen „Fahnenstangen-Problem“, dass die nächstgelegene Unterstützung, die ihren Namen wert ist, mittlerweile weit entfernt ist (in unserem Fall das Hoch vom vergangenen Juni bei 74,74 US-Dollar pro Barrel), kann hier nur in ein Fazit münden: Wer nicht Nerven wie Drahtseile hat, wirklich erfahren ist und auch intraday traden kann und will, sollte sich von diesem Bereich derzeit auf jeden Fall fernhalten!

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.