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Optionen: Grundlagen und wichtige Begriffe im Überblick

von LYNX Broker
07.10.2026
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Optionen Grundlagen und Begriffe: Call-Option als Recht zum Kauf, Put-Option als Recht zum Verkauf
„Beginne einfach, kompliziert wird es von selbst.“ Diese chinesische Weisheit passt gut zum Optionshandel. Wer Optionen verstehen will, braucht zuerst ein sicheres Fundament: die wichtigsten Grundlagen und Begriffe. In diesem Artikel erfahren Sie, was eine Option ist, wie sich Call- und Put-Optionen unterscheiden, was Long und Short bedeuten und wie sich die Optionsprämie aus innerem Wert und Zeitwert zusammensetzt.

Dieser Artikel ist ein Nachschlagewerk für alle wichtigen Begriffe. Sind Sie ganz neu im Thema, lesen Sie am besten zuerst die kurze Einführung Was sind Optionen und wie funktionieren sie? Danach hilft Ihnen dieses Wissen, die Risiken zu kennen und später auch Optionsstrategien nachzuvollziehen.

Wichtig
OPTIONEN SIND KOMPLEXE FINANZPRODUKTE

Optionen sind komplexe Finanzinstrumente und mit erheblichen Risiken verbunden. Anleger sollten sorgfältig prüfen, ob sie für ihre Anlageziele und ihre Risikobereitschaft geeignet sind. Zudem sollten Anleger ihre Kenntnisse über den Optionsmarkt und Handelsstrategien vertiefen, bevor sie mit dem Optionshandel beginnen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Option gibt dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).
  • Der Verkäufer einer Option heißt Stillhalter. Er erhält die Optionsprämie und muss bei Ausübung liefern bzw. abnehmen.
  • Long bedeutet gekauft, Short bedeutet verkauft bzw. geschrieben.
  • Ein Optionskontrakt umfasst meist mehrere Einheiten des Basiswerts. Kontraktgröße und Multiplikator bestimmen den tatsächlichen Geldwert.
  • Die Optionsprämie besteht aus innerem Wert und Zeitwert.
Inhalt

Was ist eine Option?

Eine Option ist ein Finanzkontrakt, der dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht gibt, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.

Der Basiswert kann zum Beispiel eine Aktie, ein ETF, ein Index, eine Währung oder ein Rohstoff sein. Je nach Art der Option kann das Recht während der Laufzeit oder am Verfallstag ausgeübt werden. Eine Einführung mit Alltagsbeispielen und den typischen Einsatzzwecken finden Sie im Artikel Was sind Optionen?

Der festgelegte Preis heißt Ausübungspreis (auch Basispreis oder Strike), das Ende der Laufzeit Verfallstermin. Beide Angaben finden Sie direkt in der Bezeichnung einer Option:

Aufbau einer Optionsbezeichnung am Beispiel XYZ CALL 17 Dezember 2027 50 € mit Basiswert, Optionsart, Verfallstermin und Ausübungspreis
Die Optionsbezeichnung nennt Basiswert, Optionsart, Verfallstermin und Ausübungspreis.

Optionsinhaber und Stillhalter

Jeder Optionsvertrag wird zwischen einem Käufer und einem Verkäufer geschlossen:

  • Käufer = Optionsinhaber: Er hat das Recht, den Basiswert zu einem späteren Zeitpunkt zu einem festen Preis zu kaufen oder zu verkaufen.
  • Verkäufer = Optionsverkäufer bzw. Stillhalter: Er verpflichtet sich, den Basiswert zu verkaufen oder zu kaufen, wenn der Optionsinhaber die Option ausübt.

Was ist der Unterschied zwischen Call- und Put-Option?

Eine Call-Option gibt das Recht, den Basiswert zum Ausübungspreis zu kaufen; eine Put-Option gibt das Recht, ihn zum Ausübungspreis zu verkaufen.

Im Optionshandel gibt es damit zwei Grundtypen:

  • Call-Option: Der Käufer erwirbt das Recht, den Basiswert zum Ausübungspreis zu kaufen. Dafür zahlt er dem Verkäufer eine Optionsprämie. Der Verkäufer erhält die Prämie und verpflichtet sich, den Basiswert bei Ausübung zum vereinbarten Preis zu liefern.
  • Put-Option: Der Käufer erwirbt das Recht, den Basiswert zum Ausübungspreis zu verkaufen. Der Verkäufer erhält die Prämie und ist bei Ausübung verpflichtet, den Basiswert zum Ausübungspreis zu kaufen.

Was ist ein Stillhalter?

Ein Stillhalter ist der Verkäufer einer Option: Er erhält die Optionsprämie und verpflichtet sich, bei Ausübung den Basiswert zu liefern (Call) oder abzunehmen (Put).

Wer eine Option verkauft, ohne sie vorher besessen zu haben, eröffnet eine neue Verkaufsposition. Man sagt: Er schreibt eine Option. Die Rechte und Pflichten von Optionsinhaber und Stillhalter im Überblick:

OptionsartKaufen Options­inhaberSchreiben Stillhalter
CallRecht zum Kauf des BasiswertsVerpflich­tung zum Verkauf des Basiswerts
PutRecht zum Verkauf des BasiswertsVerpflich­tung zum Kauf des Basiswerts
Options­prämiewird gezahltwird verein­nahmt

Wann wird eine Call-Option ausgeübt?

Der Inhaber einer Call-Option übt sein Kaufrecht am Verfallstag in der Regel nur aus, wenn der Kurs des Basiswerts über dem Ausübungspreis liegt. Notiert der Basiswert darunter, kann er ihn günstiger direkt an der Börse kaufen. Die Option verfällt dann grundsätzlich wertlos.

Ablauf Ausübung einer Call-Option: Kurs über Ausübungspreis führt zur Ausübung, Kurs darunter lässt die Option wertlos verfallen
Eine Call-Option wird in der Regel nur ausgeübt, wenn der Kurs über dem Ausübungspreis liegt.

Bitte beachten Sie: Der Käufer einer Call-Option hat das Recht, aber nicht die Pflicht zur Ausübung. Der Stillhalter ist dagegen verpflichtet, den Basiswert bei Ausübung zum vereinbarten Preis zu liefern.

Wann wird eine Put-Option ausgeübt?

Bei der Put-Option ist es umgekehrt: Liegt der Kurs des Basiswerts am Verfallstag unter dem Ausübungspreis, wird der Inhaber sein Verkaufsrecht in der Regel ausüben. Der Stillhalter muss den Basiswert dann zum Ausübungspreis kaufen. Notiert der Basiswert darüber, ist ein Verkauf direkt an der Börse günstiger und die Put-Option verfällt wertlos.

Ablauf Ausübung einer Put-Option: Kurs unter Ausübungspreis führt zur Ausübung, Kurs darüber lässt die Option wertlos verfallen
Eine Put-Option wird in der Regel nur ausgeübt, wenn der Kurs unter dem Ausübungspreis liegt.

Laufzeiten und Verfallstermine

Die Börsen führen regelmäßig neue Optionsserien mit unterschiedlichen Laufzeiten ein. Bei liquiden Basiswerten stehen häufig kurz-, mittel- und längerfristige Laufzeiten zur Auswahl, etwa 1, 2, 3, 6 und 12 Monate.

Neben klassischen Monatsoptionen bieten Handelsplätze wie Eurex und Euronext auch kürzere Laufzeiten an, zum Beispiel täglich verfallende DAX-Optionen oder Wochenoptionen auf ausgewählte Basiswerte. Für bestimmte Produkte gibt es zudem langfristige Optionen mit mehreren Jahren Laufzeit. Wie gut eine Option tatsächlich handelbar ist, hängt stark von Basiswert, Laufzeit und Ausübungspreis ab.

Was bedeuten Kontraktgröße und Multiplikator?

Die Kontraktgröße gibt an, auf wie viele Einheiten des Basiswerts sich ein Optionskontrakt bezieht; der Multiplikator rechnet den angezeigten Optionspreis in den tatsächlichen Geldbetrag um.

Ein Optionskontrakt bezieht sich in der Regel nicht auf eine einzelne Aktie, sondern auf mehrere Einheiten des Basiswerts. Wie groß eine Position tatsächlich ist, bestimmen Kontraktgröße und Multiplikator. Das ist wichtig, weil Optionspreise an der Börse meist je Aktie oder in Punkten angezeigt werden.

Kontraktgröße bei Aktienoptionen

Bei vielen Aktienoptionen beträgt die Kontraktgröße 100 Aktien. Ein Beispiel: Eine Call-Option auf die Aktie ABC hat einen Ausübungspreis von 50 Euro, eine Optionsprämie von 2 Euro und eine Kontraktgröße von 100 Aktien.

2 Euro × 100 = 200 Euro pro Kontrakt

Der Käufer zahlt also 200 Euro, der Verkäufer nimmt 200 Euro ein (jeweils vor Transaktionskosten). Auch Kursveränderungen werden multipliziert: Steigt der Optionspreis von 2 auf 3,50 Euro, beträgt der Wertzuwachs 1,50 Euro × 100 = 150 Euro pro Kontrakt.

Beispielrechnung Optionsprämie pro Kontrakt: 2 € mal 100 Aktien gleich 200 €, Mini-Option 2 € mal 10 Aktien gleich 20 €
Erst die Kontraktgröße macht aus dem angezeigten Optionspreis den tatsächlichen Geldbetrag.

Mini-Optionen mit kleinerer Kontraktgröße

Nicht jede Aktienoption bezieht sich auf 100 Aktien. An der Eurex gibt es zum Beispiel Mini-Optionen auf ausgewählte Aktien mit einer Kontraktgröße von nur 10 Aktien. Bei einer Prämie von 2 Euro kostet ein Kontrakt dann 20 Euro statt 200 Euro.

Kleinere Kontrakte ermöglichen eine feinere Stückelung. Weniger riskant sind sie deshalb nicht automatisch: Liquidität und Geld-Brief-Spannen können sich von größeren, stärker gehandelten Kontrakten deutlich unterscheiden.

Was ist der Multiplikator?

Der Multiplikator gibt an, mit welchem Faktor der angezeigte Optionspreis multipliziert wird, um den Geldwert eines Kontrakts zu ermitteln. Bei einer Aktienoption mit 100 Aktien beträgt er meist ebenfalls 100. Eine Prämie von 3 Euro entspricht dann 300 Euro.

Kontraktgröße und Multiplikator sind bei Aktienoptionen also oft gleich hoch, meinen aber Unterschiedliches: Die Kontraktgröße beschreibt, auf wie viele Aktien sich der Kontrakt bezieht. Der Multiplikator beschreibt, wie der Preis in Geld umgerechnet wird. Besonders deutlich wird das bei Indexoptionen.

Multiplikator bei Indexoptionen

Ein Index wie der DAX oder der EURO STOXX 50 ist keine einzelne handelbare Aktie. Bei Indexoptionen wird deshalb ein fester Geldbetrag je Indexpunkt festgelegt:

IndexoptionKürzelMultiplikator bzw. Kontrakt­wert
DAXODAX5 Euro je Index­punkt
Micro-DAXODXS1 Euro je Index­punkt
EURO STOXX 50OESX10 Euro je Index­punkt
S&P 500SPX100 US-Dollar je Index­punkt
Mini-SPXXSP100 US-Dollar je Index­punkt (Index = 1/10 des S&P 500)

Beispiel DAX-Option: Eine DAX-Option notiert bei 100 Punkten, der Multiplikator beträgt 5 Euro je Punkt. Die Prämie für einen Kontrakt liegt damit bei 100 × 5 Euro = 500 Euro. Bei einer Micro-DAX-Option (1 Euro je Punkt) wären es nur 100 Euro.

Ein kleineres Kontraktvolumen lässt sich auf zwei Wegen erreichen:

  1. durch einen kleineren Multiplikator bzw. eine kleinere Kontraktgröße, wie bei Micro-DAX-Optionen oder Mini-Aktienoptionen, oder
  2. durch einen kleineren zugrunde liegenden Index, wie bei der Mini-SPX-Option (XSP). Sie hat denselben Multiplikator wie die SPX-Option, der XSP-Index entspricht aber nur einem Zehntel des S&P 500.

Kontraktspezifikationen immer prüfen

Die verbreitete Annahme, ein Optionskontrakt umfasse immer 100 Einheiten, ist also falsch. Zudem können Kapitalmaßnahmen wie Aktiensplits, Fusionen oder Abspaltungen bestehende Kontrakte verändern. Prüfen Sie deshalb vor jedem Trade in den Kontraktspezifikationen:

  • auf wie viele Einheiten des Basiswerts sich ein Kontrakt bezieht,
  • welcher Multiplikator gilt,
  • wie die Optionsprämie notiert wird und
  • ob die Option bei Ausübung durch Lieferung des Basiswerts oder per Barausgleich erfüllt wird.

Was bedeuten Long und Short bei Optionen?

Long bedeutet, dass eine Option gekauft wurde; Short bedeutet, dass eine Option verkauft bzw. geschrieben wurde.

Die Begriffe Long und Short kennen Sie vielleicht aus dem Aktienhandel. Wer eine Aktie long geht, setzt auf steigende Kurse. Wer short geht, setzt per Leerverkauf auf fallende Kurse: Er verkauft geliehene Aktien und hofft, sie später günstiger zurückzukaufen.

Bei Optionen beschreiben Long und Short in erster Linie, ob eine Option gekauft oder geschrieben wurde. Daraus ergeben sich vier Grundpositionen:

  • Long Call: Sie kaufen eine Call-Option und profitieren grundsätzlich von steigenden Kursen des Basiswerts.
  • Long Put: Sie kaufen eine Put-Option und profitieren grundsätzlich von fallenden Kursen.
  • Short Call: Sie schreiben eine Call-Option und nehmen die Prämie ein. Die Position profitiert grundsätzlich von gleichbleibenden oder fallenden Kursen.
  • Short Put: Sie schreiben eine Put-Option und nehmen die Prämie ein. Die Position profitiert grundsätzlich von gleichbleibenden oder steigenden Kursen.

OptionsartAktionBezeich­nungGrundsätzliche Markt­erwartung
CallKaufLong CallSteigende Kurse
CallVerkauf bzw. SchreibenShort CallGleich­bleibende oder fallende Kurse
PutKaufLong PutFallende Kurse
PutVerkauf bzw. SchreibenShort PutGleich­bleibende oder steigende Kurse

Was ist der Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen Optionen?

Amerikanische Optionen können jederzeit während der Laufzeit ausgeübt werden, europäische Optionen nur am Verfallstag.

Optionen unterscheiden sich auch im Ausübungsstil. Am verbreitetsten sind der amerikanische und der europäische Stil. Der Unterschied liegt im Zeitpunkt, zu dem der Optionsinhaber sein Recht ausüben kann:

  • Amerikanische Optionen können jederzeit während der Laufzeit bis einschließlich des Verfallstags ausgeübt werden.
  • Europäische Optionen können ausschließlich am Verfallstag ausgeübt werden.

MerkmalAmerikanischer StilEuropäischer Stil
Ausübungjederzeit während der Laufzeit bis einschließlich Verfallstagaus­schließ­lich am Verfallstag
Risiko für den StillhalterZuteilung während der gesamten Laufzeit möglichZuteilung nur zum Verfall
Options­prämieFlexi­bilität der vorzeitigen Ausübung ist eingepreistkeine vorzeitige Ausübung eingepreist
Beispieleviele Aktien­optionen an der EurexDAX-Optionen (ODAX), abgerechnet in bar

Die Flexibilität der jederzeitigen Ausübung wird im Optionspreis mit eingepreist. Für den Stillhalter bedeutet sie ein höheres Risiko, weil er während der gesamten Laufzeit mit einer Zuteilung rechnen muss.

Gut zu wissen

Die Bezeichnungen „amerikanisch“ und „europäisch“ haben nichts mit dem Handelsort zu tun. Viele Aktienoptionen an der Eurex sind amerikanisch ausgestaltet.

Optionen auf den DAX sind dagegen europäisch ausgestaltet und können nicht vor Laufzeitende ausgeübt werden. Die Börse ermittelt den Abrechnungskurs am Verfallstag um 13:00 Uhr auf Basis der Xetra-Intraday-Auktion. Zu diesem Kurs werden die Optionen bar abgerechnet: Der innere Wert wird gutgeschrieben bzw. belastet.

Was ist das Black-Scholes-Modell?

Das Black-Scholes-Modell ist ein mathematisches Modell von 1973, das den theoretischen Preis einer europäischen Option aus Kurs, Ausübungspreis, Restlaufzeit, Volatilität und Zinssatz berechnet.

Veröffentlicht wurde es 1973 von Fischer Black und Myron Scholes. Das Black-Scholes-Modell zählt bis heute zu den bekanntesten Grundlagen der Optionsbewertung. Robert C. Merton entwickelte den Ansatz weiter und trug wesentlich zu seiner theoretischen Fundierung bei.

Das Modell bestimmt den theoretischen Wert einer Option aus fünf Einflussgrößen: Kurs des Basiswerts, Ausübungspreis, Restlaufzeit, erwartete Volatilität und risikofreier Zinssatz.

Black-Scholes-Formel für den theoretischen Preis einer europäischen Call-Option mit d1, d2 und Erklärung der Variablen
Die Black-Scholes-Formel für eine europäische Call-Option auf eine Aktie ohne Dividenden.
Formel als Text

Call = p · N(d1) − s · e−r·t · N(d2)
d1 = [ln(p/s) + (r + v²/2) · t] / (v · √t)
d2 = d1 − v · √t

p = aktueller Aktienkurs, s = Ausübungspreis, t = Restlaufzeit in Jahren, r = risikofreier Zinssatz, v = Volatilität, N(d) = kumulative Standardnormalverteilung

Sie müssen diese Formel weder auswendig kennen noch selbst anwenden. Früher wurden Preise auf dem Börsenparkett manuell berechnet und ausgerufen. Heute berechnen Handelssysteme und Market Maker fortlaufend theoretische Werte. Die tatsächlichen Optionspreise entstehen aber weiterhin durch Angebot und Nachfrage.

Was bedeuten Ausübung und Zuteilung (Exercise & Assignment)?

Bei der Ausübung macht der Optionsinhaber von seinem Recht Gebrauch; bei der Zuteilung wird ein Stillhalter verpflichtet, den Kontrakt zu erfüllen.

Bei der Abwicklung von Optionen sind zwei Begriffe zentral: Ausübung (englisch: Exercise) und Zuteilung (englisch: Assignment).

  • Ausübung: Der Optionsinhaber macht von seinem Recht Gebrauch. Bei einer Call-Option kauft er den Basiswert zum Ausübungspreis, bei einer Put-Option verkauft er ihn zu diesem Preis.
  • Zuteilung: Der Stillhalter erhält nach der Ausübung eine Zuteilung. Bei einem geschriebenen Call muss er den Basiswert liefern, bei einem geschriebenen Put muss er ihn kaufen.

Bei bar abgerechneten Optionen wird kein Basiswert geliefert. Stattdessen wird die Differenz zwischen Ausübungspreis und Abrechnungskurs in Geld ausgeglichen.

Welcher Stillhalter eine Zuteilung erhält, regeln die Clearingstelle bzw. der Broker. Der Optionsinhaber erhält den Basiswert also nicht zwingend von derselben Gegenpartei, mit der er das ursprüngliche Geschäft abgeschlossen hat.

Was ist das Open Interest?

Das Open Interest ist die Anzahl der noch offenen Kontrakte einer Optionsserie, die weder geschlossen noch ausgeübt wurden.

Anders als bei Aktien gibt es keine feste Obergrenze: Die Zahl der Kontrakte ergibt sich aus Angebot und Nachfrage.

Open Interest bei Optionen erklärt: wann das Open Interest steigt, sinkt oder gleich bleibt
Ob das Open Interest steigt oder sinkt, hängt davon ab, ob Positionen eröffnet oder geschlossen werden.

Das Open Interest wird für jede Optionsserie ausgewiesen und regelmäßig aktualisiert. Ein hohes Open Interest kann auf großes Marktinteresse hinweisen. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass die Option problemlos handelbar ist oder enge Spreads hat. Für die Liquidität sollten Sie zusätzlich auf Handelsvolumen, verfügbare Stückzahlen und Geld-Brief-Spanne achten.

Bitte beachten Sie: Das Open Interest erlaubt für sich genommen keine verlässliche Aussage über die künftige Kursentwicklung des Basiswerts.

Was ist der Hexensabbat?

Am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember verfallen Index-Futures, Indexoptionen und Aktienoptionen gleichzeitig. An diesen großen Verfallstagen steigt das Handelsvolumen oft deutlich. Vor allem kurz vor dem Verfall sind stärkere Kursschwankungen möglich, weil viele Marktteilnehmer ihre Positionen anpassen. Umgangssprachlich heißt dieser Termin „großer Hexensabbat“ oder „Triple Witching“.

Was bedeutet Moneyness: im Geld, am Geld, aus dem Geld?

Die Moneyness beschreibt, ob eine Option im Geld, am Geld oder aus dem Geld liegt, also wie der Kurs des Basiswerts zum Ausübungspreis steht.

Der deutsche Begriff für Moneyness ist Geldnähe. Es gibt drei Zustände:

  • Im Geld (In the Money, ITM): Eine Call-Option ist im Geld, wenn der Kurs über dem Ausübungspreis liegt; eine Put-Option, wenn er darunter liegt. Die Option hat einen inneren Wert, ihre Prämie besteht aus innerem Wert und Zeitwert.
  • Am Geld (At the Money, ATM): Der Kurs entspricht dem Ausübungspreis oder liegt sehr nah daran. Die Prämie besteht im Wesentlichen aus Zeitwert.
  • Aus dem Geld (Out of the Money, OTM): Eine Call-Option ist aus dem Geld, wenn der Kurs unter dem Ausübungspreis liegt; eine Put-Option, wenn er darüber liegt. Die Option hat keinen inneren Wert, ihre Prämie besteht vollständig aus Zeitwert.

OptionsartIm Geld In the Money (ITM)Am Geld At the Money (ATM)Aus dem Geld Out of the Money (OTM)
CallKurs > Aus­übungs­preisKurs ≈ Aus­übungs­preisKurs < Aus­übungs­preis
PutKurs < Aus­übungs­preisKurs ≈ Aus­übungs­preisKurs > Aus­übungs­preis
Innerer Wertvorhandenkeiner oder sehr geringkeiner
Prämie besteht ausinnerem Wert + Zeitwertim Wesent­lichen Zeitwertaus­schließ­lich Zeitwert

Was sind innerer Wert und Zeitwert?

Der innere Wert ist der Betrag, um den eine Option im Geld liegt; der Zeitwert ist der Teil der Prämie, der darüber hinaus gezahlt wird.

Die Prämie einer Option lässt sich in zwei Bestandteile aufteilen. Ein Beispiel: Die XYZ-Aktie notiert bei 27 Euro, eine Call-Option mit Ausübungspreis 25 Euro kostet 3 Euro.

Beispiel Optionsprämie aufgeteilt in inneren Wert 2 € und Zeitwert 1 € bei Aktienkurs 27 € und Ausübungspreis 25 €
Beispiel: Von 3 € Prämie entfallen 2 € auf den inneren Wert und 1 € auf den Zeitwert.

1. Innerer Wert (2 Euro): Die Option erlaubt es, die Aktie für 25 Euro zu kaufen, obwohl sie an der Börse 27 Euro kostet. Der innere Wert beträgt also 27 Euro − 25 Euro = 2 Euro. Er kann nie negativ sein: Liegt der Aktienkurs unter dem Ausübungspreis, ist der innere Wert des Calls null.

2. Zeitwert (1 Euro): Von der Prämie von 3 Euro entfallen 2 Euro auf den inneren Wert, der Rest von 1 Euro ist Zeitwert. Den Zeitwert zahlen Marktteilnehmer für die Chance, dass sich der Kurs bis zum Verfall noch zugunsten des Optionsinhabers entwickelt. Er hängt vor allem von Restlaufzeit, erwarteter Volatilität, Zinsniveau und gegebenenfalls erwarteten Dividenden ab. Je näher der Verfallstermin rückt, desto geringer wird der Zeitwert in der Regel.

Häufige Fragen zu Optionsgrundlagen

FAQ
Kann man mit Optionen mehr als den Einsatz verlieren?

Als Käufer einer Option ist der Verlust auf die gezahlte Optionsprämie begrenzt. Als Stillhalter können die Verluste die eingenommene Prämie dagegen deutlich übersteigen, bei einem ungedeckten Short Call sind sie theoretisch unbegrenzt.

Was passiert, wenn eine Option wertlos verfällt?

Liegt eine Option am Verfallstag aus dem Geld, verfällt sie wertlos. Der Käufer verliert die gezahlte Prämie, der Stillhalter behält sie vollständig.

Muss man eine Option bis zum Verfall halten?

Nein. Optionen können während der Handelszeiten jederzeit wieder verkauft bzw. zurückgekauft und damit glattgestellt werden, sofern der Markt ausreichend liquide ist.

Wie viele Aktien umfasst ein Optionskontrakt?

Bei vielen Aktienoptionen sind es 100 Aktien, aber nicht immer. Mini-Optionen an der Eurex umfassen zum Beispiel 10 Aktien, und Kapitalmaßnahmen können die Kontraktgröße verändern. Maßgeblich sind immer die Kontraktspezifikationen.

Was ist der Unterschied zwischen Ausübungspreis und Optionsprämie?

Der Ausübungspreis ist der Preis, zu dem der Basiswert bei Ausübung gekauft oder verkauft wird. Die Optionsprämie ist der Preis der Option selbst, den der Käufer an den Stillhalter zahlt.

Fazit und nächste Schritte

Mit Call und Put, Long und Short, Kontraktgröße, Ausübungsstil und Moneyness kennen Sie die wichtigsten Grundlagen des Optionshandels. Im nächsten Schritt lohnt sich ein Blick darauf, wie sich Optionspreise verändern:

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