Microsoft: Überraschung! Die Rallye geht weiter

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Zur Microsoft Aktie

Microsoft hat die Erwartungen übertroffen, die Aktie zieht bereits an. Geht die ewige Rallye einfach ungebremst weiter? Schauen wir es uns gemeinsam an.

Eine Überraschung, die keine ist

Microsoft hat am Dienstag nachbörslich Zahlen vorgelegt und die können sich wie gewohnt sehen lassen.

Der Gewinn in Q1 lag mit 2,27 je Aktie weit über den Erwartungen von 2,06 USD. Der Umsatz übertraf mit 45,3 Mrd. die Analystenschätzungen von 44,0 Mrd. USD ebenfalls.

Die Aktie reagierte darauf mit einem Kurssprung von 2,52% auf 317,93 USD.

Man muss sich aber wirklich fragen, wen das alles noch überrascht. Ich habe mir für Sie die letzten zehn Quartale angesehen. Microsoft hat die Erwartungen in jedem einzelnen Fall übertroffen.

In geregelten Bahnen

Es läuft also alles wie gewohnt. Gewohnt gut. Im Vorjahr hat Microsoft einen Gewinnsprung von 38% auf 7,97 USD je Aktie hingelegt.
Wie es aussieht, kann man daran anknüpfen.

Bisher ist man davon ausgegangen, dass Microsoft im nun angebrochenen Geschäftsjahr nicht annähernd an diese Dynamik anknüpfen kann. Der Markt ist davon ausgegangen, dass die Wachstumsraten auf 10% sinken werden.

Das wäre auch ordentlich, die am Dienstag vorgelegten Zahlen für Q1 entsprechen allerdings einem Umsatzplus von 22% und einem Gewinnsprung um 25%.

Dazu haben alle Unternehmensbereiche beigetragen. Das Segment Personal Computing (Windows usw) legte um 10% zu.
Der Bereich Productivity and Business Processes (Office usw) konnte den Umsatz um 22% steigern.

Der große Wachstumstreiber ist aber nach wie vor die Cloud. Hier legte der Umsatz um 31% auf 17,0 Mrd. USD zu. Azure konnte sogar um 50% wachsen.
Inzwischen ist das Cloud-Geschäft das größte Geschäftsfeld des Konzerns.

Die Bereiche Personal Computing mit einem Quartalsumsatz von zuletzt 13,3 Mrd. USD und Productivity and Business Processes mit 15,0 Mrd. USD wurden überholt.

Das zeigt, wie anpassungsfähig Microsoft ist. Das Unternehmen erfindet sich immer wieder neu und erschließt sich neue Geschäftsfelder.
Für langfristige Investoren ist das eine äußerst wertvolle Eigenschaft. Ich nutze Microsoft in Seminaren gerne als Beispiel dafür und hatte es auch schon mehrfach in Analysen zum Ausdruck gebracht:

Copycat > Innovator

Eine Sache unterscheidet Microsoft von nahezu allen anderen Software-Unternehmen: Enorme Anpassungsfähigkeit.

Es ist der eigentliche Kern von Microsoft, die Geschichte des Unternehmens basiert auf Anpassungsfähigkeit. Neue Produkte und Trends werden umgehend erkannt und im Zweifelsfall kopiert.

Im Jahr 1980 versprachen Bill Gates und Paul Allen IBM ein Betriebssystem, ohne auch nur eine Code-Zeile parat zu haben. Die beiden kauften kurzerhand für 50.000 USD die Rechte am „Quick and Dirty Operating System“.
Es war die Basis für DOS. Es folgte Windows, der Rest ist Geschichte.

Es ist aber keineswegs das einzige Beispiel. Gates sah ein Gerät, welches erste Züge einer heutigen Computer-Maus hatte. Wenig später hatte Microsoft ein eigenes Produkt.

In ähnlicher Weise lief es bei Office, dem Internet Explorer, der Cloud und unzähligen anderen Fällen. Man kopiert Erfolgsmodelle.

Sieht Microsoft also, dass eine Innovation der Konkurrenz Anklang findet, springt man umgehend auf den Zug auf.
Es ist vielleicht nicht die feine englische Art und auch nicht heldenhaft, dafür aber eine sehr kluge Strategie.

Helden sterben und Innovatoren gehen am laufenden Band unter, doch Microsoft prosperiert.

Ausblick und Bewertung

Doch kommen wir zurück zur aktuellen Entwicklung. Microsoft hat die Prognosen übertroffen und die bisherigen Erwartungen könnten zu niedrig sein.

Das müssen sie aber auch sein. Mit Wachstumsraten von 10% kann man eine P/E von 39,6 kaum rechtfertigen. Auch nicht bei all den Qualitäten, die Microsoft abseits des reinen Zahlenwerks mitbringt.
Daher kam Microsoft auch nie auf eine höhere P/E.

Chart vom 27.10.2021 Kurs: 317,93 Kürzel: MSFT - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 27.10.2021 Kurs: 317,93 Kürzel: MSFT – Tageskerzen

Das Chance-Risiko-Verhältnis ist nicht gerade optimal. Früher oder später wird Microsoft eine größere Korrektur vollziehen müssen, um die aktuell aufgeblähte Bewertung abzubauen.

Solange der Newsflow allerdings so positiv ausfällt, dürfte sich der Aufwärtstrend fortsetzen. Wenn ein Unternehmen ständig die Erwartungen übertrifft, ist das Grund genug. Vorerst zumindest.

Mehr als 12.000 Investoren & Trader folgen mir und meinen täglichen Ausführungen auf Guidants.

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Die derzeitige Berichtssaison ist bemerkenswert. Die Geldflut von Notenbanken und Regierungen scheint wirklich durchzuschlagen.

Die allermeisten Unternehmen übertreffen die Erwartungen – teilweise in erheblichem Maß.
Allenthalben werden die Preise erhöht und die Kunden akzeptieren es.

Es wäre gut möglich, dass der Knoten an der Inflationsfront dadurch nachhaltig geplatzt ist.

Im ersten Moment erscheint das positiv. Wer freut sich nicht über starke Quartalszahlen?
Bleibt die Inflation in den kommenden Monaten aber auf einem erhöhten Niveau, werden die Notenbanken zum Handeln gezwungen sein.

Das könnte mehr Druck auf den Markt ausüben als manch einem bewusst ist. Bisher wird das Thema jedenfalls vollkommen ignoriert.
Quasi täglich jagen die Börsenkredite von einem Rekord zum nächsten.

Welche Auswirkungen eine geldpolitische Straffung durch FED & Co. haben kann, haben wir Ende 2018 erlebt. Die bloße Ankündigung, dass man die Zügel kürzer halten möchte, hatte damals zu einem Abverkauf geführt.

Alles in Butter

Doch vorerst scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Die Quartalszahlen von Microsoft können sich jedenfalls sehen lassen.

Der Gewinn lag mit 2,17 je Aktie weit über den Erwartungen von 1,90 USD. Der Umsatz übertraf mit 46,2 Mrd. die Analystenschätzungen von 44,2 Mrd. USD ebenfalls deutlich.

Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 21% und einem Gewinnsprung von 49%.

Microsoft hat das Geschäftsjahr mit einem sehr erfreulichen Quartal abgeschlossen und insgesamt ein Rekordergebnis von 8,05 USD je Aktie eingefahren.

More to come?

Darüber hinaus hat man eine anhaltend starke Geschäftsentwicklung in Aussicht gestellt.

Im ersten Quartal erwartet man einen Umsatz von 43,3 – 44,3 Mrd. USD und ein operatives Ergebnis von 18,5 Mrd. USD.

Die positive Geschäftsentwicklung dürfte sich aller Voraussicht also fortsetzen, die Dynamik aber deutlich nachlassen.

Nach einem Gewinnsprung von knapp 40%, wird im laufenden Geschäftsjahr „nur“ ein Plus von 9% erwartet.

Gleichzeitig ist die Bewertung von Microsoft mit einer forward P/E von 33 vergleichsweise hoch.
Viel mehr wurde in den letzten Jahren selten bezahlt. Optimal ist das Chance-Risiko-Verhältnis aktuell nicht.

Chart vom 29.07.2021 Kurs: 286,40 Kürzel: MSFT - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 29.07.2021 Kurs: 286,40 Kürzel: MSFT – Tageskerzen

Aus technischer Sicht ist die Aktie ebenfalls tendenziell überkauft und weit vom Aufwärtstrend entfernt.
Eine Korrektur in Richtung 260 USD wäre jederzeit möglich. Darunter wäre sogar bis zum Unterstützungsbereich bei 240-245 USD.

Gelingt hingegen ein Anstieg über 290 USD, wird mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit die 300-Dollar-Marke angesteuert.

Die Aktie von Microsoft ist wohl unkaputtbar, das haben die letzten Wochen und Monate eindrucksvoll gezeigt.
Der Kurs steigt und steigt.

Bei der anhaltend guten Geschäftsentwicklung ist das bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Microsoft hat in den letzten Quartalen durchweg die Erwartungen übertroffen und mehrfach die Prognose erhöht.

Nach einem Gewinnsprung von 35% im abgeschlossenen Geschäftsjahr, wird auch für das laufende ein neuer Rekordgewinn erwartet.
Anleger haben also recht wenig Gründe, warum sie verkaufen sollten. Abgesehen von der recht hohen Bewertung.

Sorgenfalten

Bis an diesen Punkt ist das alles noch nachvollziehbar. Microsoft ist im Verhältnis zum hohen Wachstum und der Qualität auch nicht astronomisch hoch bewertet.
Dass ich mich schon mehrfach positiv zur Aktie geäußert habe, wird vielen Lesern bekannt sein.

Es soll hier keineswegs der Eindruck entstehen, dass ich eine grundsätzlich negative Haltung zum Unternehmen habe. Ganz im Gegenteil.

Wenn einem allerdings ein 10-Milliarden-Deal unter den Füßen weggezogen bekommt und die Aktie überhaupt nicht reagiert, dann treibt mir das die Sorgenfalten auf die Stirn.

Chart vom 07.07.2021 Kurs: 279 Kürzel: MSFT - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 07.07.2021 Kurs: 279 Kürzel: MSFT – Tageskerzen

Derartige Vorgänge sagen meines Erachtens viel über den Gesamtzustand der Börse aus.
Wir sind wieder an dem Punkt angekommen, an dem Fakten ausgeblendet werden.

Dafür spricht auch der Umstand, dass die Börsenkredite nahezu täglich von einem Rekord zum nächsten jagen.
Es wird in einem Ausmaß auf Pump gezockt wie nie zuvor.

JEDI: 10-Milliarden

Doch zurück zu Microsoft. Was ist überhaupt passiert?

Ende 2019 erhielt Microsoft den Zuschlag des US-Verteidigungsministeriums und wurde dadurch quasi zum alleinigen Cloud-Provider der US-Behörde.
Der Joint Enterprise Defense Infrastructure (JEDI) Deal hatte einen Wert von anfänglich 10 Mrd. USD.

Bei der Vergabe gab es allerdings von Anfang an Probleme. Wettbewerber wie IBM oder Oracle kritisierten die Vorgänge mehrfach. Demnach seien die Anforderungen des Deals regelrecht auf Microsoft und Amazon zugeschnitten und somit sicher, dass die beiden Firmen den Zuschlag erhielten.

Hat das Weiße Haus interveniert?

Berichten zufolge intervenierte der damalige US-Präsident, der seine Abneigung gegen Jeff Bezos und Amazon oft öffentlich kundgetan hat und Microsoft erhielt den Auftrag komplett.

Ob an den Berichten etwas Wahres dran ist, wissen wohl nur die Beteiligten. Aus strategischer ist es aber unwahrscheinlich, dass das US-Militär einen einzelnen statt mehrerer Cloud-Provider vorziehen würde.

Fallen die Systeme von Microsoft aus, bringt das für das Militär offensichtliche Probleme mit sich. Das System auf zwei oder drei Providern aufzubauen, wäre daher naheliegend und sicherer.

Wie dem auch sei. Gestern wurde bekannt, dass das US-Verteidigungsministerium ein Verfahren eingeleitet hat und den Vertrag neu vergeben will.
Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass ein bedeutender Teil des Auftrags an andere Anbieter geht, ganz oben auf der Liste stehen Amazon, Google, IBM und Oracle.

Für Microsoft könnte das Milliarden an Mindereinnahmen bedeuten.

Wenn es nach den Analysten ginge, würde die Microsoft-Aktie bei 300 US-Dollar notieren. Wo sie noch lange nicht ist, aber die aktuelle Chartkonstellation bietet eine taugliche Chance, dass dieses „Projekt 300“ jetzt angegangen werden könnte.

An den Ende April vorgelegten Ergebnissen des ersten Quartals 2021 gab es wahrlich nichts zu mäkeln. Alle Bereiche des Unternehmens sahen steigende Umsätze. Und die Umsatz- und Gewinnprognosen der Analysten wurden deutlich überboten. So setzte „Mr. Softee“, wie man Microsoft in den USA gerne nennt, in den ersten drei Monaten des Jahres 41,7 Milliarden US-Dollar um (Prognose 41,0 Mrd.), das war ein Plus von 19 Prozent zum Vorjahresquartal. Der Gewinn stieg auf 1,95 US-Dollar pro Aktie (Prognose 1,78 US-Dollar) nach 1,40 US-Dollar im ersten Kalenderquartal 2020, das ist ein Gewinnanstieg von gut 39 Prozent. Aber …

… „gut“ war für viele Trader, die seit der Hausse ab März 2020 auch eine immer höhere Erwartungshaltung an den Tag legen, nicht gut genug. Die Aktie, die unmittelbar vor der Bilanz mit 263,19 US-Dollar einen neuen Verlaufsrekord markiert hatte, begann zu korrigieren, sackte Mitte Mai bis auf 238 US-Dollar durch. Womit indes jetzt eine Basis geschaffen wäre, um einen neuen Anlauf nach oben zu starten.

Microsoft-Aktie: Chart vom 04.06.2021, Kurs 250,79 Euro, Kürzel MSFT | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Während der US-Gesamtmarkt, gemessen am marktbreiten S&P 500, seit Anfang Februar deutlich zulegte und ein neues Hoch nach dem anderen markierte, wurde die Microsoft-Aktie wie viele der vorherigen Top-Favoriten der Anleger aus dem Technologiebereich zum Mauerblümchen. Das Tagestief des Donnerstags lag auf einem Niveau, welches die Aktie bereits Anfang Februar erreicht hatte. Aus dieser relativen Schwäche der Aktie resultiert aber auch ein Nachholbedarf, der durchaus zeitnah ausgelotet werden könnte.

Denn nicht nur seitens der Unternehmensgewinne ist die Perspektive positiv. Zum einen ist die erdrückende Mehrheit der Analysten bullisch für Microsoft, wie eingangs geschrieben liegt deren durchschnittliches Kursziel bei knapp 300 US-Dollar, die Ziele reichen dabei von 256 bis 340 US-Dollar, das heißt selbst das niedrigste aller Kursziele der über 30 Experten, die Microsoft im Blick haben, liegt über dem Schlusskurs des Freitags. Zum anderen bietet auch die Charttechnik eine gute Ausgangslage:

Die Aktie hat zwischen 225 und 241 US-Dollar eine massive Unterstützungszone, deren oberes Ende von der für US-Trader wichtigen 100-Tage-Linie begrenzt wird. Diese Linie hat die Aktie am Donnerstag zum dritten Mal in kurzer Zeit erfolgreich getestet. Zugleich drehte der Trendfolgeindikator MACD, unten im Chart mit eingeblendet, durch den Kursanstieg des Freitags auf Höhe seiner Signallinie nach oben und bestätigte damit die bullische Tendenz. Sollte es gelingen, mit Schlusskursen über 255 US-Dollar über die Zwischenhochs der letzten vier Wochen hinauszukommen, wäre die Korrekturphase dadurch beendet. Dann wären das nächste Kursziel der bisherige Verlaufsrekord von 263,19 US-Dollar und darüber der Weg aus charttechnischer Sicht frei, um das „Projekt 300“ anzugehen.

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Die jüngst bekanntgegebenen Zahlen des Softwareriesen waren überaus beeindruckend. So schaffte es der Konzern auf einen Umsatz in Höhe von 41.7 Milliarden USD und der Gewinn je Aktie betrug 1.95 USD. Der Konsens konnte damit deutlich geschlagen werden. Auch die Aussichten für das zweite Quartal lagen leicht über den bisherigen Prognosen der Analysten.

Der Kurs der Microsoft-Aktie gab dennoch deutlich nach und korrigierte die letzten Tage über in Richtung des zuletzt gebrochenen Pivot-Hochs von Februar. Hier befindet sich aktuell auch die 50-Tage-Linie. Eine überaus wichtige Zone im Chart. Noch zeigt der Trend nach oben und wir sehen eine Folge von höheren Hochs und höheren Tiefs.  

 

Expertenmeinung: Wenn hier weiterhin alles nach Plan läuft, sollten die Bullen bald die nächste Impulswelle nach oben starten. Zuletzt hatten wir ein sehr ähnliches Szenario Anfang März. Auch hier wurden die alten Pivot-Hochs erneut getestet, um in Folge den Turbo nach oben zu starten. Gut möglich, dass wir in der kommenden Woche das große Comeback der Microsoft Aktie sehen. Vorläufig sieht hier alles weiterhin stabil aus, solange das Niveau rund um die Marke von 245 USD nicht nachhaltig nach unten gebrochen wird.  

Aussicht: BULLISCH

Chart vom 06.05.2021 Kurs: 249.73 Kürzel: MSFT | Online Broker LYNX

Microsoft hat Zahlen vorgelegt und die haben es in sich. Wo kann man zuschlagen? Wie sieht die Prognose für die Aktie jetzt aus?

Das muss man erstmal nachmachen

Über die Qualitäten von Microsoft muss man nicht viele Worte verlieren. Es gibt wenige Unternehmen, die es im Technologie-Umfeld über Jahrzehnte hinweg schaffen, immer wieder erfolgreich neue Geschäftszweige zu erschließen.

Ich hatte es in einer früheren Analyse ausführlich beschrieben, damals notierte die Aktie noch bei 140 USD:

Copycat > Innovator

Eine Sache unterscheidet Microsoft von nahezu allen anderen Software-Unternehmen: Enorme Anpassungsfähigkeit.

Es ist der eigentliche Kern von Microsoft, die Geschichte des Unternehmens basiert auf Anpassungsfähigkeit. Neue Produkte und Trends werden umgehend erkannt und im Zweifelsfall kopiert.

Im Jahr 1980 versprachen Bill Gates und Paul Allen IBM ein Betriebssystem, ohne auch nur eine Code-Zeile parat zu haben. Die beiden kauften kurzerhand für 50.000 USD die Rechte am „Quick and Dirty Operating System“.
Es war die Basis für DOS. Es folgte Windows, der Rest ist Geschichte.

Es ist aber keineswegs das einzige Beispiel. Gates sah ein Gerät, welches erste Züge einer heutigen Computer-Maus hatte. Wenig später hatte Microsoft ein eigenes Produkt.

In ähnlicher Weise lief es bei Office, dem Internet Explorer, der Cloud und unzähligen anderen Fällen. Man kopiert Erfolgsmodelle.

Sieht Microsoft also, dass eine Innovation der Konkurrenz Anklang findet, springt man umgehend auf den Zug auf.
Es ist vielleicht nicht die feine englische Art und auch nicht heldenhaft, dafür aber eine sehr kluge Strategie.

Helden sterben und Innovatoren gehen am laufenden Band unter, doch Microsoft prosperiert.

Das Problem

Bei Microsoft gibt es in der jüngeren Vergangenheit nur ein Problem und das ist die hohe Bewertung.
In den letzten zwei Jahren hat sich die P/E von knapp über 20 auf 40 nahezu verdoppelt.

Ein bedeutender Teil der Kursgewinne ist also auf die gestiegene Bewertung und nicht auf den höheren Gewinn zurückzuführen.
Das sollte man immer im Hinterkopf behalten.

Brachial

Wenn man allerdings derartige Zahlen wie gestern vorlegt, werden sich Anleger von einer relativ hohen Bewertung kaum abschrecken lassen.

Im dritten Quartal legte der Umsatz von Microsoft um 19% auf 41,71 Mrd. USD zu. Das Ergebnis explodierte von 1,40 auf 1,95 USD je Aktie regelrecht, ein Plus von 39%.

Geht es so aufwärts, stellt eine P/E von 40 kein Problem mehr dar.

Man muss sich auch vergegenwärtigen, welche Gewinnspanne Microsoft derzeit einfährt.
Ein Umsatzplus von 6,7 Mrd. USD hat zu einem Anstieg des operativen Ergebnisses um knapp über 4 Mrd. USD geführt.

In allen Bereichen

Das positive Bild wird dadurch untermauert, dass alle relevanten Segmente stark wachsen.

Die Einnahmen im Bereich Productivity and Business Processes (Office, LinkedIn usw) legten um 15% auf 13,6 Mrd. USD zu.

Der Cloud-Umsatz kletterte um 23% auf 15,1 Mrd. USD.

Im Segmente Personal Computing (Windows usw) stiegen die Einnahmen um 19% auf 13,0 Mrd. USD.

Die Digitalisierung wurde durch Covid befeuert und dieser Trend scheint bis heute anzuhalten.

Der Chef von Microsoft drückte es so aus:
“Over a year into the pandemic, digital adoption curves aren’t slowing down. They’re accelerating, and it’s just the beginning.”

Chart vom 28.04.2021 Kurs: 256,47 Kürzel: MSFT - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 28.04.2021 Kurs: 256,47 Kürzel: MSFT – Tageskerzen

Kurioserweise notiert die Aktie vorbörslich dennoch 2% im Minus, obwohl die Zahlen herausragend sind und weit über den Erwartungen lagen.

Uns soll’s Recht sein. Hoffentlich setzt Microsoft zu einer nennenswerten Korrektur an.

Für antizyklische Anleger wäre ein Rücksetzer in den Bereich nahe 232 USD sehr interessant. Knapp darunter verläuft auch der mehrmonatige Aufwärtstrend.

Wer noch nicht investiert ist, könnte bereits nahe 245 USD einen Fuß in die Türe stellen.