DAX Prognose DAX: Da ist er schon wieder, der seidene Faden

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Gerade erst Ende April stand das bullische Lager mit dem Rücken zur Wand und konnte das Ruder gerade noch einmal herumreißen. Doch jetzt steht der DAX schon wieder dort, wo er dringend auf Käufe angewiesen wäre. Der seidene Faden wird langsam dünn. Zu dünn?

Das Schlüsselereignis der Woche war die Entscheidung der US-Notenbank. Da kam alles, wie erwartet: Die „Fed“ hob den Leitzins um 0,50 Prozent an. Sie avisierte, ab Juni ihre Bilanz zu reduzieren, was bedeutet: Anleihen, die in den vergangenen Jahren zur Stützung des US-Bondmarkts gekauft wurden, werden wieder in den Markt gegeben, und das in der dramatischen Dimension von zunächst insgesamt (d.h. inklusive Hypothekenanleihen) 47,5 Milliarden US-Dollar, ab September soll diese Größenordnung dann sogar verdoppelt werden.

Dass man durchblicken ließ, dass man vorerst nicht im Sinn hat, die Größenordnung der Zinsschritte auf 0,75 Prozent auszudehnen, war nichts, das die für den Aktienmarkt bärische Konsequenz dieser Maßnahmen hätte nennenswert verringern können. Trotzdem kam es in den USA nach der Fed-Entscheidung am Mittwoch zu einer Rallye, die der DAX nachbörslich mitmachte und dementsprechend am Donnerstagmorgen mit einer gewaltigen Aufwärts-Kurslücke von über 300 Punkten in den Handel ging. Und ab da ging die Sache für die Bullen komplett schief.

DAX: Tages-Chart vom 06.05.2022, Kurs 13.674,29 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Denn sofort begannen Abgaben, die sich deutlich intensivierten, als man sah, dass auch an der Wall Street die Rallye des Vorabends abverkauft wurde. Dass das auch noch genau auf Höhe der mittelfristigen Abwärtstrendlinie passierte, an welcher der DAX zuletzt am 21. April scheiterte, intensivierte den „Schock-Effekt“ für die Käuferseite natürlich noch. Der deutsche Leitindex schloss am Donnerstagabend tiefer als am Vortag, die Notenbank-Rallye wurde zum Bumerang. Und das führte dazu, dass der Freitag nicht bullische Gegenwehr, sondern Anschlussverkäufe brachte, die den DAX dorthin drückten, wo jetzt Käufer umgehend zusehen müssten, dass der seidene Faden, an dem der Index jetzt wieder hängt, nicht reißt.

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Die Frage ist: Warum sollten die Käufer jetzt so massiv zugreifen, dass sie Versuche des bärischen Lagers, die Supportlinie bei 13.566 Punkten (das Verlaufstief des Aprils) herauszunehmen, verhindern könnten? Wer gerade unmittelbar bei der Chance auf einen charttechnischen Befreiungsschlag durch das Überwinden des mittelfristigen Abwärtstrends überrannt wurde, tut sich schwer, mit einem blauen Auge versehen sofort wieder anzutreten. Zumal sich jetzt die Meldungen über gekappte 2022er-Prognosen bei den Unternehmen häufen. Was in diesem Umfeld zwar eigentlich nicht wundern kann. Aber es ist eben auch keine Motivation, jetzt eine Linie zu verteidigen, die, wenn sie fiele, den Weg an das bisherige Jahrestief bei 12.439 Punkten freigeben würde. Eine immense Chance für die Bären. Diese Woche muss sich entscheiden, ob sie sie zu nutzen verstehen.

Ein Blick auf das ganz langfristige Chartbild auf Monatsbasis zeigt, dass ein weiter abrutschender DAX noch weitere Pluspunkte für das Bären-Lager bedeuten könnte. Denn sollte der Index den Mai auf einem nennenswert tieferen Level beenden, als er per Freitag auswies, wäre die Unterstützungszone 13.597/13.795 Punkte gebrochen, die sich aus den Hochs der Jahre 2018 und 2020 zusammensetzt und die im März und April jeweils zum Monatsende zurückerobert wurde.

Da wäre also viel zu gewinnen für die Bären. Und viel zu verlieren für die Bullen, die nach der Niederlage in der vergangenen Woche wohl kaum die Seite sein werden, die mit der größeren Zuversicht in diese Entscheidung gehen werden. Der DAX müsste über 14.350 Punkten schließen und damit diese mittelfristige Abwärtstrendlinie doch noch bezwingen, um den Bären den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das ist zwar nicht ausgeschlossen. Aber es ist, zumindest im Moment, auch nicht wahrscheinlich.

DAX: Monats-Chart vom 06.05.2022, Kurs 13.674,29 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen des DAX Index

Sell in May and go away? Werden die Bären auch die nächsten Monate dominieren? Oder kommt es diesmal anders herum, weil der DAX ja bereits bis Mai kräftig fiel? Viele dürften derzeit nach Antworten auf genau diese Fragen suchen. Aber ist das überhaupt sinnvoll?

Wenn man sich die Gesamtsituation anschaut, kommt man, nüchtern betrachtet, nicht um die Erkenntnis herum, dass es ziemlich überraschen würde, wenn sich kurzfristig etwas von Bedeutung zu Gunsten des bullischen Lagers verändern würde. Die Inflation bekommen wir so schnell nicht los. Die Lieferketten reißen immer noch, es fehlt an Chips und manchen für die Produktion verschiedenster Branchen entscheidenden Rohstoffen, die zu spät oder gar nicht kommen. Das Thema Russland ist ein Pulverfass, bei dem niemand weiß, ob die Lunte bereits brennt und wenn ja, wie lang sie ist. Und dass man damit rechnen muss, dass die Zinsen steigen werden, lässt nicht gerade wenige Verbraucher zittern und drückt auf den Konsum.

Doch wer daraus schlussfolgert, dass der DAX ohne Wenn und Aber am Jahresende weit tiefer stehen muss als heute und man daher sorgenfrei und mit hohem Einsatz à la Baisse spekulieren kann, könnte trotzdem auf der Nase landen.

Nicht, dass eine Aufwärtswende des DAX derzeit eine nennenswerte Chance hätte, nachhaltig zu sein und/oder weit zu kommen. Aber unmöglich ist eben an der Börse absolut nichts. Nicht zuletzt, weil Anleger umso emotionaler reagieren, je kritischer die Lage wird. Und weil es zumindest theoretisch durchaus die Chance auf eine wilde Kaufwelle gäbe. Sei es durch positive Wendungen in Bezug auf Russland, sei es in Bezug auf die Notenbanken. Zum Beispiel, wenn die ihre Zinsanhebungen abbrechen, weil sie sehen, dass die Wirtschaft heftiger negativ reagiert, als man das im Vorfeld dachte.

Und da man davon ausgehen muss, dass das Gros der Anleger langsam, aber sicher immer tiefer in die Verlustzone rutscht, weil die vergangenen Jahre Stoppkurse und behutsames Kapitalmanagement aus der Mode gebracht haben, könnte ein kleiner Funke reichen, um eine wilde Kaufwelle loszutreten, die jede Short-Position gnadenlos überrollen würde. Das wäre zwar dann eher nicht logisch. Aber jeder, der sich derzeit im Markt tummelt, wäre gut beraten sich zu erinnern: Logisch ist der Aktienmarkt eher selten.

Expertenmeinung: Eine Stabilisierung der Lage in Bezug auf den Ukraine-Konflikt bzw. die Russland-Sanktionen würde all die anderen Belastungsfaktoren nicht einfach wegzaubern. Bärisch wäre die Gesamtsituation dann immer noch. Aber würde die Käufer das davon abhalten, in diesem Fall umgehend mit großem Geld zuzulangen? Eher nicht. Würden die Notenbanken feststellen, dass Zinsanhebungen fatale Folgen haben und dann sogar den Geldhahn wieder aufdrehen, das „billige Geld“ wieder in Wirtschaft und Aktienmarkt lassen, würde das mittelfristig dazu führen, dass es statt einem Ende mit Schrecken zu einem Schrecken ohne Ende käme. Aber würde das die Trader davon abhalten, den DAX ein-, zweitausend Punkte nach oben zu kaufen? Sicher nicht.

Aber was, wenn weder noch passiert? Was, wenn sich die Abwärts-Korrekturen der Jahresprognosen häufen, die langsam zahlreicher werden? Was, wenn all diejenigen, die seit Wochen immer wieder dagegenhalten, aufgeben? Wenn sie all das, was sie bislang eingesammelt haben, auf den Markt werfen und niemand dann die Hand aufhält und kaufen will? Würde der DAX dann nicht ohne weiteres bei der langfristigen Aufwärtstrendlinie landen können, die Sie im Chart auf Monatsbasis sehen und derzeit bei 10.700 Punkten verläuft? Allerdings, das könnte passieren.

DAX: Monats-Chart vom 02.05.2022, Kurs 13.939,07 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Sich eine Meinung darüber zu bilden, welches Szenario eintreten wird, ist verlockend. Gerade weil man es nicht wissen kann, weil neben den nicht vorhersehbaren Rahmenbedingungen auch noch die emotionalen Wertungen und Reaktionen der Marktteilnehmer vor dem stehen, was dann am Ende beim DAX herauskommt. Hat man eine Meinung, hat man es scheinbar leichter. Man muss nicht dauernd neu nachdenken und hat entweder Glück oder kann, wenn es schiefgeht, der Börse die Schuld geben. Aber weise ist das natürlich nicht, daher:

Warum nicht einfach anhand dessen entscheiden und traden, was die Kurse an Signalen vorgeben? Natürlich könnten da Bullen- und Bärenfallen entstehen, wie z.B. diese Bullenfalle im April, als der Dax für einen Tag über die Januar-Abwärtstrendlinie lief und dann doch noch scheiterte. Aber auf der entscheidenden mittelfristigen Ebene sind die Ankerpunkte gut definiert:

Angenommen das, was der DAX seit Ende März zeigt, wäre eine konsolidierende Flagge als Basis eines zweiten, großen Rallyeschubes nach dem im März. Dann wäre dann ein markant bullisches Signal generiert, wenn es gelingt, die Zone 14.800/15.050 Punkte zu überwinden, an der er Ende März gescheitert war. Sollte der deutsche Leitindex diese Zone „knacken“, wäre das nur dann realistisch, wenn es tatsächlich zu Rückendwind seitens der Rahmenbedingungen gekommen ist. Warum sich also im Vorfeld den Kopf darüber zerbrechen, ob und was da vielleicht kommen könnte?

Bis dahin bliebe der DAX grundsätzlich bärisch. Wobei man bestehende Short-Trades besser erst ausbauen sollte, wenn der Index das Vorwochen-Verlaufstief bei 13.566 Punkten klar und auf Schlusskursbasis bricht. Das würde aus charttechnischer Sicht den Weg in Richtung des bisherigen Jahrestiefs bei 12.439 Punkten freigeben. Und ein Test dieses Tiefs und ggf. dessen Unterschreiten wäre nur dann wahrscheinlich, wenn sich die Lage so entwickelt, dass diejenigen, die bisher auf der bullischen Seite ausharren, einen Grund haben, aufzugeben oder sogar die Seiten zu wechseln. Raten und Grübeln hilft derzeit wenig, das Umsetzen charttechnischer Signale wäre der sicherere Weg.

DAX: Tages-Chart vom 02.05.2022, Kurs 13.939,07 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Seit einigen Tagen sind die Käufer wieder am Markt. Noch hat der DAX nicht viel Raumgewinn erzielt. Aber dass es gelang, das Mitte März entstandene Gap Up zu schließen und daraufhin Fahrt aufzunehmen, ist eine Chance für die Bullen. Wie weit könnte der DAX kommen?

Wenn man sich die Rahmenbedingungen nüchtern betrachtet, wäre der Weg für den deutschen Leitindex nach oben so steinig, dass man sich wundern muss, dass die Käufer überhaupt so hartnäckig versuchen, die Aufwärtswende zu erzwingen. Aber wer sagt denn, dass die Mehrheit derer, die in den vergangenen Tagen zugegriffen haben, überhaupt damit rechnet, dass der DAX weit kommt? Kurzfristige, rein charttechnisch orientierte Trader achten ohnehin wenig auf das fundamentale Umfeld. Sie steigen ein, wenn sie eine Trading-Chance sehen und nehmen Gewinne mit, wenn sie ihr Ziel erreicht haben. Und letzten Endes würde es sich anbieten, es mit eventuellen Long-Trades ebenso zu halten:

Auf bullische Signale reagieren, dann aber auch konsequent entlang der chart- und markttechnischen Indikation die Stopps nachziehen und umgehend den Gewinn sichern, wenn es einen zu sichern gibt und es den Anschein hat, dass sich die Käuferseite ausdünnt bzw. sich die Kurse festfahren. Denn ja, der DAX könnte ein gutes Stück weiter laufen, wenn er die jetzt anvisierte Hürde nehmen sollte. Aber das bereits als Signal dafür zu sehen, dass der Aktienmarkt die lange Reihe an Negativ-Faktoren nachhaltig abschütteln könnte, wäre verwegen. Sehen wir uns das Chartbild einmal an:

Expertenmeinung: Der DAX auf Wochenbasis zeigt, dass bislang noch nichts passiert ist, was auf eine mittelfristige Aufwärtstrendwende hindeuten würde. Der DAX war im Februar durch die entscheidende Supportzone 14.800/15.050 Punkte gefallen, hatte dann Ende März einen Pullback an diesen Ausbruchslevel vollzogen und war dort nach unten abgewiesen worden.

DAX: Wochen-Chart vom 20.04.2022, Kurs 14.362,03 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Damit ist klar: Erst, wenn er diese Zone im zweiten Anlauf überwinden sollte, wäre er aus charttechnischer Sicht auf mittelfristiger Ebene wieder bullisch. Solange die Rahmenbedingungen negativ bleiben, müsste man einem solchen Befreiungsschlag zwar trotzdem misstrauen. Aber das hieße nur: Long ja, aber mit besonderer Vorsicht in Bezug auf das Risiko und mit einer konsequenten Absicherung für den Fall einer Bullenfalle.

Aber um die mittelfristige Ebene geht es jetzt auch noch nicht. Was aktuell versucht wird, ist die Generierung eines kurzfristigen Kaufsignals, das den DAX erst in die Lage versetzen würde, auf mittelfristiger Ebene positiv zu werden. Das zeigt der Chart auf Tagesbasis:

Mit dem gestrigen Anstieg gelang es, das Mitte März entstandene Gap Up (zu Deutsch eine Aufwärts-Kurslücke) zwischen 13.975 und 14.245 Punkten zu schließen und die 20-Tage-Linie zu erreichen. Damit geht es jetzt um die im Januar etablierte, den DAX führende Abwärtstrendlinie, die heute um 14.420 Punkte verlaufen wird. Sollte es gelingen, den DAX da auf Schlusskursbasis drüber zu hieven, könnte das kräftige Anschlusskäufe rein technisch orientierter Trader auslösen, die ausreichen, den Index an die Zone 14.800/15.050 Punkte zu tragen. Aber erst dort geht es wirklich um die Wende. Und Vorsicht, intraday hatte der DAX diese Januar-Abwärtstrendlinie Ende März schon einmal überboten und ist dort gescheitert. Besser wäre es also, selbst als kurzfristig orientierter Trader abzuwarten, ob diese Attacke an die Trendlinie wirklich erfolgreich ausgeht.

DAX: Tages-Chart vom 20.04.2022, Kurs 14.362,03 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Ein Abrechnungstag an der Terminbörse sorgt oft für immense Volatilität. Eine EZB-Entscheidung ebenfalls. Normalerweise kann so etwas nicht auf den gleichen Tag fallen, aber diesmal ist es so – und zwar heute. Dieser Handelstag könnte daher extrem werden!

Eine Abrechnung von Optionen auf Aktien und Aktienindizes an der Terminbörse fällt üblicherweise auf den dritten Freitag eines Monats. Das wäre morgen. Aber weil der Markt morgen wegen des Feiertags geschlossen bleibt, wird die Abrechnung heute vollzogen. Um 13 Uhr werden die DAX-Optionen abgerechnet, die Optionen auf Einzelwerte um 17:30 Uhr. Und mittendrin kommt dann um 13:45 Uhr das Statement der EZB und um 14:30 Uhr die Pressekonferenz mit EZB-Chefin Lagarde.

Die Erfahrung zeigt, dass schon die alleinige Nähe von Notenbankentscheidungen und Terminbörsen-Abrechnungen für besonders starke Schwankungen und für ein Umfeld sorgen, in dem die Kurse Veitstänze vollführen können. Beispielsweise, wenn an einem Mittwochabend die US-Notenbank entscheidet und dann am Freitag der Abrechnungstermin stattfindet. Aber beides an einem Tag, das ist quasi Neuland. Sicherlich wird es ein feiertagsbedingtes Vorziehen einer Abrechnung und eine Notenbankentscheidung am gleichen Tag irgendwann schon einmal gegeben haben, aber in den letzten Jahren nicht. Und das ist ja auch gut so. Nicht umsonst sieht man zu, dass wichtige Konjunkturdaten nicht an solchen sogenannten „Verfallterminen“ auf den Tisch kommen. Und diese EZB-Entscheidung hat weit mehr Gewicht als eine Konjunkturzahl, denn:

Expertenmeinung: Durch den entschlossenen, scharfen Kurs der US-Notenbank und der Bank of England gehen viele Marktbeobachter davon aus, dass die EZB ihr bislang ziemlich zögerliches und vages Einschwenken auf den Weg zu höheren Leitzinsen heute womöglich korrigieren könnte. Ob sie das wirklich tun wird oder nicht, werden wir erst ab 13:45 Uhr wissen. Und das macht die Sache heute ebenso spannend wie riskant.

Monatschart vom 13.04.2022, Kurs 14.076,44 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Denn angenommen, man würde aus den Aussagen der Europäischen Zentralbank ableiten können, dass die Leitzinsen bereits im Sommer erstmals angehoben werden und man damit ebenso wie die oben genannten Notenbanken eine Serie von Zinsmaßnahmen startet: Wird die Mehrzahl der Anleger entsetzt darauf reagieren, dass das Geld schneller teurer wird als gedacht? Oder wird umgehend massiv zugegriffen, weil man erleichtert ist, dass die EZB ihre zögerliche Haltung endlich aufgibt, egal, ob solche Zinserhöhungen am Ende womöglich mehr Schaden als Nutzen bringen?

Das wird der Markt wie üblich dann am Nachmittag ausfechten … kurz nach der Abrechnung der DAX-Optionen, aber eben noch vor der Abrechnung bei den Einzelaktien um 17:30 Uhr. Es dürfte klar sein: Da wird es rund gehen!

Zu enge Stopps, zu hohe Hebel, zu hoher Kapitaleinsatz, all das wäre an einem Ausnahme-Tag wie diesem daher keine gute Idee. Man muss, um beurteilen zu können, ob dieser Donnerstag zu einem Wegweiser für die kommenden Wochen wird, einfach abwarten, in welche Richtung der DAX dann davonzieht. Immerhin sind die dafür relevanten, charttechnischen Ankerpunkte klar definiert:

Tageschart vom 13.04.2022, Kurs 14.076,44 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Ein Befreiungsschlag wäre dann gelungen, wenn der deutsche Leitindex die wichtige Widerstandszone 14.800 zu 15.050 Punkte, an welcher er Ende März gescheitert war, bezwingt. Alles, was sich darunter abspielt, wäre noch kein tauglich bullisches Signal. Und auf der Unterseite?

Da ginge es um das Tagestief des Dienstags bei 13.887 Zählern. Denn würde der DAX das auf Schlusskursbasis unterschreiten, wäre das Gap Up, das der Index Mitte März vollzogen hatte, in aus bärischer Sicht positivem Sinne geschlossen. Am Dienstag wurde diese Kurslücke geschlossen, was sofort zu Käufen führte, das war positiv. Aber dann muss es eben auch weiter aufwärts gehen. Daher wäre ein Closing klar unter 13.887 Punkten das Scheitern dieser Käufe und damit das Signal, dass das bullische Lager zu schwach ist. Welche Seite setzt sich durch? Vor heute Abend ist das unmöglich absehbar, daher: Vorsicht!

Viele hofften, dass sich der DAX gegen die schnell negativer werdenden Rahmenbedingungen stemmen würde. Doch die Gegenbewegung nach oben endete in genau der Widerstandszone, die der DAX dafür hätte bezwingen müssen. Und jetzt dreht er auch noch nach unten ab.

Warum der DAX die wichtige Widerstandszone zwischen 14.816 und 15.060 Punkten nachhaltig hätte überwinden und wieder in Richtung seines bisherigen Rekordhochs hätte laufen können, hätten wohl die wenigsten zu sagen gewusst. Dafür wären die Perspektive solide steigender Unternehmensgewinne, ein ausreichender Zufluss von freiem Kapital seitens der Sparer und ein positives Gesamtumfeld nötig. Und das ist auf absehbare Zeit nicht realistisch.

DAX: Monats-Chart vom 06.04.2022, Kurs 14.151,69 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Trotzdem hätte sich der deutsche Leitindex durchaus ein gutes Stück über 15.000 Punkte schieben können, wäre diese Attacke an diese mittelfristig entscheidende Hürde 14.816 und 15.060 Punkte gelungen. Die große Hoffnung, dass das Ersparte doch nicht unter die Räder massiv eingetrübter Rahmenbedingungen kommt, hätte zweifellos einige zu Anschlusskäufen oder Einstandsverbilligungen getrieben. Aber dieser Ausbruch nach oben ist jetzt massiv gefährdet. Und noch ein weiterer schwacher Tag, dann wäre er aus charttechnischer ebenso wie aus psychologischer Sicht vom Tisch.

Expertenmeinung: Nach dem vergeblichen Versuch eines Befreiungsschlags nach oben ist der Index konstant abgerutscht, aber erst jetzt geht es ans Eingemachte. Es geht jetzt um das Gap Up, die Aufwärts-Kurslücke, die zwischen dem 15. Und 16. März entstanden ist. Deren untere Begrenzung liegt bei 13.975 Punkten. Würde der DAX diese Kurslücke schließen und dort umgehend wieder nach oben drehen, wäre dieses Schließen eines Gaps im Zuge eines Aufwärtsimpulses ein grundsätzlich bullisches Signal, das zu einem zweiten Versuch an der Zone 14.816/15.060 Punkte führen kann. Sollte der Index aber durch diese Linie von 13.975 Punkten haltlos hindurchrutschen, wäre ein kleines Topp unterhalb einer mittelfristig entscheidenden Widerstandszone vollendet, dadurch ein Pullback an den Ausbruchslevel vollzogen und die Gegenbewegung dadurch abgeschlossen.

Sieht man sich das Umfeld für den Aktienmarkt an, fällt es schwer, letzteres Szenario und damit die bärische Variante nicht zu favorisieren. Die Inflation nimmt immer mehr Fahrt auf, die Unternehmen stöhnen unter immens gestiegenen Produktionskosten ebenso wie unter Materialmangel. Die unabsehbaren wirtschaftlichen Folgen eines Import-Stopps von russischem Öl und Gas stehen im Raum. Die Verbraucher sehen auch im April weitere, kräftige Preiserhöhungen, so dass das Geld auf der hohen Kante, das in neue Aktieninvestments fließen könnte, auch bei durchaus solventen Haushalten knapper wird. Und über allem hängt die Unsicherheit, wie stark sich diese Kombination aus wankendem Wachstum, haussierenden Preisen und einem sich schließenden Geldhahn der Notenbanken auswirken wird.

Trotzdem wäre es riskant, einem neuen charttechnischen Baisse-Signal zu vertrauensvoll vorzugreifen. Erst, wenn der DAX klar unter 13.975 Zählern schließt, wäre das kurzfristige Topp besiegelt und der Weg nach unten grundsätzlich frei. Und da an der Börse bekanntlich nichts unmöglich ist, kann man per hier und heute einem bullischen Szenario zwar eine klar geringere Wahrscheinlichkeit zumessen, aber ausschließen sollte man das besser nicht!

DAX: Tages-Chart vom 06.04.2022, Kurs 14.151,69 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Gestern schloss der DAX höher als er vor dem Ausbruch der Kampfhandlungen in der Ukraine notierte. Obwohl in dieser Hinsicht mehr Hoffnungen als positive Fakten existieren, haben die Käufer diese Krise also bereits „ausgepreist“. Das kann doch nicht gutgehen … oder?

Man glaubt es ja kaum, aber die Kurse sind „echt“: Der DAX hat mit dem gestrigen Anstieg um satte 400 Punkte 62 Prozent des Abverkaufs seit Anfang Januar wieder aufgeholt. Damit ist er dort angekommen, wo er vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar geschlossen hatte (14.631 Punkte). Statt haltlos in Richtung der langfristigen, 2009 etablierten Aufwärtstrendlinie zu rutschen, die wir im DAX-Chart auf Monatsbasis sehen, notiert er jetzt auf Monatsbasis im Plus und hat wieder Tuchfühlung zu der oberen Begrenzung des langfristigen Aufwärtstrendkanals, an der er sich zuvor zehn Monate lang festgerannt hatte.

DAX: Monats-Chart vom 29.03.2022, Kurs 14.820,33 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Und nicht nur das: Er ist an die entscheidende Widerstandszone im Bereich 14.816/15.060 Punkte herangelaufen. An die Zone, die monatelang verteidigt wurde, zur Nackenlinien-Zone eines großen Topps wurde und am Ende doch noch brach. Würde es gelingen, diesen Bereich zurückzuerobern, wäre die Toppbildung egalisiert. Eine Situation, in der beide Lager auf der Hut sein dürften, denn beide haben jetzt viel zu verlieren.

Expertenmeinung: Würde der DAX den Ausbruch über 15.060 Punkte schaffen, wäre nur noch die 200-Tage-Linie bei momentan 15.425 Punkten eine nennenswerte Hürde vor einem Run an das bisherige Rekordhoch bei 16.290 Zählern.

Käme es dazu, dürften die Short-Seller kapitulieren. Diese Zone 14.816/15.060 Punkte dürfte zwar von ihnen verteidigt werden. Aber wenn das schiefgeht, würde das Auslösen von Stop Loss-Orders auf der Short-Seite, die zweifellos in großer Zahl im Bereich 15.000/15.100 Punkte liegen, den Anstieg noch intensivieren.

Sollte der DAX aber in diesem Widerstandsbereich nach unten abdrehen, wäre das letztlich ein Pullback an den Ausbruchslevel und damit eine Bestätigung der Abwärts-Trendwende des Index. In diesem Fall dürften diejenigen, die in den vergangenen Wochen massiv gekauft haben, zusehen, dass sie so schnell wie möglich aus dem Markt herauskommen. Also …

…wer gewinnt? Dass die Gesamtsituation für den Aktienmarkt auch ohne den Ukraine-Konflikt sehr negativ ist, spricht zwar eher für das bärische Lager. Aber dass der DAX überhaupt so weit nach oben gelaufen ist, macht deutlich, dass man den Willen und das Kapital der Bullen nicht unterschätzen sollte. Und dass Kurse längere Zeit … und auch sehr intensiv … gegen die Fakten laufen können, ist nun wirklich nichts Neues. So gesehen sollte man sich nicht zu sehr darauf verlassen, dass der DAX, der „eigentlich“ auf Basis der Faktenlage in Form eines in sich zusammenbrechenden Wachstums abwärts tendieren müsste, das auch tun wird.

Der Chart wird den Weg weisen: Sollte es gelingen, den DAX klar und auf Schlusskursbasis über 15.100 Punkte zu hieven, steht die Chance gut, dass es zumindest noch ein Weilchen weiter nach oben geht. Sollte er indes den Ausbruch aus der kurzfristigen Seitwärtsbewegung, der mit dem gestrigen Aufwärtsschub vollzogen wurde, zurücknehmen und im Gegenzug mit Schlusskursen klar unter 14.000 Punkten nach unten ausbrechen, hätten die Bären dieses Ringen in der Tat erst einmal für sich entschieden!

DAX: Tages-Chart vom 29.03.2022, Kurs 14.820,33 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX