DAX Prognose DAX: Sichtweite null? Die Charttechnik weist den Weg

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Was passiert da noch in Bezug auf diese Referenden in der Ostukraine? Und vor allem wann? Momentan ist die Nachrichtenlage immens knifflig. Jederzeit kann etwas passieren, muss aber nicht. Wie kann man den DAX in einem solchen Umfeld handeln? 

Jeden Moment könnten neue negative Nachrichten eintreffen. Aber wann und was konkret da kommt, weiß niemand. Und heute um 14 Uhr kommen auch noch die Vorab-Berechnungen für die deutsche Inflation im September, für die ein Anstieg um 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und eine Jahresrate von 9,4 Prozent erwartet wird. Hinzu kommt, dass man zweifellos ein sonniges Gemüt haben muss, wenn man erwartet, dass da im Vorfeld der Quartalsbilanzen des dritten Quartals nicht noch ein paar Gewinnwarnungen kommen, die auf die Stimmung und die Kurse drücken. Aber das weiß ja jetzt jeder.

Ist das somit nicht längst in den Kursen drin? Immerhin ist der DAX gestern zum Tagestief bereits fast 530 Punkte unter das Juni-Tief gerutscht. Das könnte doch erst einmal genug sein? Das könnte es. Muss es aber nicht. Denn solche Überlegungen haben einen Haken: Niemand weiß, wie viele Anleger all das nicht nur im Kopf, sondern auch mit ihren Trades umgesetzt haben. Vor allem, weil niemand weiß, wie heftig weitere negative Nachrichten ausfallen.

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Jeder schaut daher gerade permanent nach rechts und links, um herauszubekommen, was die anderen tun. Und je volatiler der DAX an sich ist, desto hektischer fallen die Reaktionen dann aus, in beide Richtungen. Hinsichtlich des gestrigen Intraday-Turnarounds bedeutet das:

Das kann die Basis einer größeren Rallye gewesen sein, muss es aber keineswegs, weil der DAX im Eifer des Gefechts ebenso blind und emotional getrieben nach oben lief, wie er bis zum Mittag nach unten rutschte. Das ist operative Hektik, ausgelöst durch völlig fehlende Planungssicherheit. Da mitzuziehen hieße, wie ein Fähnchen im Wind jedem Impuls hinterherzulaufen in der Hoffnung, dass einer davon so stark ausfallen wird, um die Verluste des vorherigen Rein und Raus auszugleichen. Daher stellt sich die Frage, warum man sich denn überhaupt in dieses Getümmel oft kopfloser Akteure stürzen sollte, denn die Charttechnik zeigt die Marken, auf die es ankommt. So wirr und hektisch es intraday auch zugeht: Im Chartbild sind die Ankerpunkte genauso deutlich erkennbar wie sonst auch. Die da wären?

DAX: Tages-Chart vom 28.09.2022, Kurs 12.183,28 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Eine taugliche Wende nach oben, zumindest auf kurzfristiger Ebene, hätte der DAX erst dann vollzogen, wenn er eindeutig, idealerweise mindestens 100 Punkte, über der jetzt zum Widerstand gewordenen Zone 12.391/12.439 Punkte schließt. Dann hätte er grundsätzlich Spielraum in den Bereich, an dem er Mitte des Monats abgewiesen wurde: bis in die Widerstandszone 13.381/13.578 Punkte.

Scheitert der Versuch, aus dem gestrigen Turnaround mehr zu machen, indem das gestrige Tagestief (11.862,84 Punkte) fällt, zeigt der DAX-Chart auf Wochenbasis das nächste Kursziel: den Bereich 11.266/11.450 Punkte. Natürlich können unerwartete positive oder negative Nachrichten auch charttechnische Ankerpunkte über den Haufen werfen. Aber dass sich der DAX in den vergangenen Monaten oft an wichtigen Chartmarken wie der übergeordneten Abwärtstrendlinie orientierte, zeigt: Als Wegweiser im Nebel taugt die Charttechnik allemal.

DAX: Wochen-Chart vom 28.09.2022, Kurs 12.183,28 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX
Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2022? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top FlopMDAX Top FlopEuro Stoxx Top FlopDow Jones Top FlopNasdaq 100 Top Flop

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Vorherige Analysen des DAX Index

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Im Juli hielt das Tief aus dem März einem zweimaligen Test stand. Aber im September rutschte der DAX erneut dorthin. Anfang September hielt die Zone erneut. Aber jetzt ist der deutsche Leitindex schon wieder dort. Zu schnell und zu früh, um neue Jahrestiefs zu verhindern?

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Wenn man sich den DAX auf Monatsbasis ansieht, wird deutlich, dass die Gegenbewegung vom Juli, die bis Mitte August anhielt, nicht nur scheiterte, sondern sich als Bumerang erwies. Dass der DAX genau an der übergeordneten Abwärtstrendlinie scheiterte, dass die wichtige Widerstandszone 13.597/13.795 Punkte durch die folgenden Abgaben auf Monatsbasis nicht bezwungen wurde, war klar bärisch.

Und jetzt scheitert man auch noch im September an eben dieser Zone. Die im Monatschart blau eingezeichnete 1.000-Tage-Linie könnte dadurch signifikant unterboten und der Weg frei werden an die untere Begrenzung des langfristigen Aufwärtstrendkanals bei aktuell 10.900 Punkten.

DAX: Monats-Chart vom 22.09.2022, Kurs 12.531,63 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Es sei denn, es gelänge, das Ruder in den verbleibenden Handelstagen des Septembers noch herumzureißen, indem sich der DAX zum Monatsultimo wenigstens wieder über die 1.000-Tage-Linie bei derzeit 13.266 Punkten rettet. Könnte das gelingen?

Expertenmeinung: Unmöglich ist an der Börse grundsätzlich nichts. „Erwarten Sie das Unerwartete“ ist ein Spruch, den man als Investor immer im Hinterkopf haben sollte. Aber da der Index gerade zum vierten Mal das März-Tief testet, wäre es verwegen zu behaupten, dass man momentan daraufsetzen könnte oder gar sollte, dass die nächste Rallye vor der Tür steht, weil diese Supportzone 12.391/12.439 Punkte halten wird.

Auch bisher stur bullisch ausgerichteten Tradern wird jetzt klar, dass die Notenbanken wirklich kein Erbarmen kennen, was das Wachstum angeht. Die Inflation muss besiegt werden, vorher werden die Zinserhöhungen nicht enden. Man beginnt zu verstehen, dass damit das Risiko eines Domino-Effekts besteht, dass der Immobilienmarkt einbrechen, eine Lawine platzender Kredite und Hypotheken auslösen und das Szenario von 2008 aufleben lassen könnte.

Es dämmert immer mehr Akteuren, dass das dann zwar die Inflation schnell verschwinden ließe, so, wie es 2008 auch war, aber: Man hätte sie dann gegen eine massive Rezession eingetauscht. Und es gibt keinen Masterplan, wie man aus der dann herauskäme, denn die Zinsen einfach wieder zu senken, würde nicht reichen. Warum sollten Trader sich angesichts solcher Perspektiven hinstellen und diese Zone 12.391/12.439 Punkte, die jetzt so schnell wieder attackiert wird, verteidigen, mit eigenem Kapital und dem Risiko, überrannt zu werden?

Zumal man sich ausrechnen kann, dass die bisherigen vier Anläufe (inklusive des März-Tiefs) und die darauffolgenden Käufe dazu geführt haben, dass sehr ihre Stoppkurse knapp unter diese Zone gelegt haben. Was heißt: Fällt sie, können ausgelöste Stop Loss-Orders den Abgabedruck binnen kürzester Zeit immens vergrößern, so dass der DAX dann zwei-, dreihundert Punkte binnen Minuten wegsacken könnte. Fazit:

Wer versucht, diese Zone zu verteidigen, könnte sich in der Tat auf verlorenem Posten wiederfinden. Eine Gegenbewegung über dieser Zone könnte es geben, eine Rallye vielleicht auch. Aber für einen größeren Aufwärtsimpuls ist das Umfeld nicht geeignet, daher dürfte die Chance, dass die Bären in Kürze erfolgreich nach unten durchbrechen, recht gutstehen.

DAX: Tages-Chart vom 22.09.2022, Kurs 12.531,63 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
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Zwar ist heute die große Abrechnung an der Terminbörse, aber die volatilen Bewegungen, die der Abrechnung den Spitznamen „Hexensabbat“ eingebracht haben, finden immer schon vorher statt. Diesmal sollte es im Vorfeld nach oben gehen – aber das ging schief. Und jetzt?

Der Plan war klar ersichtlich. Wie üblich gegen Ende der Woche vor der Abrechnung am Terminmarkt begannen die dort agierenden, großen Akteure damit, den ungefähren Level des DAX für diese Abrechnung auszufechten. Es war deutlich zu erkennen, dass das Ziel auch diesmal, wie oft, lautete: so weit oben wie möglich. Zwischen dem Tief zu Monatsbeginn und dem Hoch des Dienstags lagen beinahe 1.000 Punkte, obwohl es für eine solche Rallye nur wenige Argumente gab. Aber genau deswegen heißt diese Phase auch „Hexensabbat“: Die Kurse bewegen sich, als wären sie verhext … wenn man nicht weiß, dass der Terminmarkt in solchen Phasen sein Potenzial, auch den Kassamarkt zu bewegen, gezielt einsetzt. Aber dieser Plan ging nicht auf. Grund:

Die US-Inflationsdaten fielen zwar nicht dramatisch unerfreulicher aus als erhofft. Aber doch unschön genug, um klar zu machen, dass der Traum einer sich zügig in Luft auflösenden Inflation, die dann zu zeitnahen Zinssenkungen der Notenbanken führen würde, ein Traum bleibt. Der DAX sackte Hand in Hand mit den US-Indizes scharf durch und sieht seither kaum nennenswerte Gegenwehr seitens des bullischen Lagers. Aber wie geht es weiter, wenn dieser „Hexensabbat“ vorbei ist?

Expertenmeinung: Interessant ist, dass die Käufer entweder kaum aktiv werden oder durch deutlich höhere, vom Terminmarkt ausgehende Umsätze überlagert werden, denn der DAX fiel am Mittwoch und Donnerstag weiter. Aber wenn der Terminmarkt dabei federführend gewesen sein sollte, sind das dann gezielte Schwenks auf die Short-Seite gewesen, die nicht heute auslaufen, sondern längere Laufzeiten bis Oktober oder sogar Dezember haben? Oder mussten sich nur immer mehr Terminmarkt-Trader, deren Positionierung auf einen deutlich höheren Abrechnungslevel ausgerichtet war, durch Hedging-Positionen absichern, die zwar den Markt umso weiter drücken, dann aber ab Montag obsolet wären?

Tageschart vom 15.09.2022, Kurs 12.956,66 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Genau das ist das Spannende an solchen Abrechnungsterminen: man weiß es nicht. Es sind bei Weitem zu viele große Akteure rund um den Globus am Terminmarkt aktiv und halten viel zu komplexe Positionierungen, die meist auch Asset-übergreifend sind, um das erkennen und damit die Tendenz der kommenden Woche vorhersagen zu können. Das zu verstehen ist entscheidend, denn nur, wer weiß, dass die Terminbörse an Tagen vor solchen Abrechnungen den Taktstock schwingt, dann aber wieder für einige Wochen in den Hintergrund treten kann (nicht muss), weiß, dass es unumgänglich ist, in solchen Phasen absolut meinungsfrei und pragmatisch anhand charttechnischer Signale zu agieren …

… die ja neben den Inflationsdaten aus den USA ihr Scherflein dazu beigetragen haben, dass der DAX seit Dienstag an Schwindsucht leidet. Denn dadurch hat er genau am oberen Ende der Widerstandszone 13.381/13.578 Punkte abgedreht, knapp unter der übergeordneten Abwärtstrendlinie, an der er bereits im August gescheitert war. Und was auch immer vom Terminmarkt kam und womöglich noch kommt, eines ist sicher: Solange er über diese aktuell bei 13.630 Punkten verlaufende Linie nicht hinauskommt, ist der DAX nicht bullisch!

Wochenchart vom 15.09.2022, Kurs 12.956,66 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

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Das erste Mal ging es noch gut: Als der DAX im Juli das bisherige Jahrestief aus dem März testete, entstand ein Doppeltief – und aus dem Doppeltief eine 1.500-Punkte-Rallye. Doch jetzt rutscht der Index erneut auf diese Zone zu. Und der verbliebene Puffer ist gefährlich klein.

Und nicht nur der Sicherheitsabstand zu dieser Supportzone zwischen 12.391 und 12.439 Punkten schrumpft, sondern auch die Zahl der bullischen Argumente. Was man schön Ende vergangener Woche sehen konnte. Dass die US-Arbeitsmarktdaten ein Kaufargument seien, weil der Anstieg der Stundenlöhne kleiner ausgefallen war als befürchtet, war ein sehr dünnes Argument. Dass Russland den Gashahn jetzt, wohl auch als Antwort auf die Bestrebungen der G7 in Sachen Erdöl-Preisdeckel, komplett zugedreht hat, ist hingegen ein starkes, bärisches Argument. Und dieses Ungleichgewicht beim sonst so normalen „einerseits, andererseits“ zu Gunsten der Bären findet sich in allen Bereichen wieder: Inflationsperspektive, Folgen höherer Leitzinsen, Konsumschwäche und, und, und. Die Bären wissen das … und die Bullen auch.

Daher war es nicht wirklich überraschend, dass die DAX-Rallye im Kielwasser der US-Reaktion auf die dortigen Arbeitsmarktdaten am Freitagabend nachbörslich umgehend zu Staub zerfiel, als gemeldet wurde, dass Nord Stream 1 abgeschaltet wurde. Eher überraschend ist, dass der DAX dadurch nicht gleich im D-Zug-Tempo an und unter die bisherigen Jahrestiefs rutschte, sondern sich etwa 200 Punkte über dieser Supportzone erst einmal fing. Aber auch das ist erklärbar:

Expertenmeinung: Akteure, die ausschließlich Long gehen und bullisch denken, gibt es nicht gerade wenige. Zudem hätten viele große institutionelle Investoren, die das Geld anderer verwalten, allerhand zu verlieren, sollte der DAX jetzt einfach auf neue Tiefs abrutschen. Daher ist es normal, dass die Strohhalme, an die sich diese Klientel klammert, umso dünner sein dürfen, je kritischer die Lage ist: Man nimmt alles als Argument, warum man hier und jetzt nicht in Deckung gehen, sondern kaufen sollte. In diesem Fall ist die morgige EZB-Entscheidung der Strohhalm, um den es geht.

Aber der ist eben, wie zu befürchten, ebenfalls dünn. Denn es ist faktisch nicht entscheidend, ob die EZB den Leitzins morgen einen halben oder einen dreiviertel Prozentpunkt anhebt. Für den Aktienmarkt ist beides ungut. Und die Inflation wird dadurch nicht einfach ab Freitag verschwinden. Dieser Prozess braucht seine Zeit, um weiteren Druck auf die Konjunktur wird man dabei nicht herumkommen. Und wie gesagt: Auch den meisten Bullen ist das insgeheim klar. Trotzdem könnte das Ringen um die Zone 12.391/12.439 Punkte relativ hartnäckig ausfallen. Ein entscheidender Grund dafür, dass die Verteidiger dieses Supports ihr Bestes geben werden, findet sich im DAX-Chart auf Monatsbasis:

DAX: Monats-Chart vom 06.09.2022, Kurs 12.871,44 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Wenn diese Zone fällt, wäre da zwar noch das Tief vom Oktober 2020 um 11.450 Punkte. Aber das ist nicht gerade eine massive Auffanglinie. Massiv wäre erst die untere Begrenzung des langfristigen Aufwärtstrendkanals. Und die, die wartet erst bei 10.900 Punkten! Die muss nicht zwingend erreicht werden. Aber sollte der DAX neue Jahrestiefs markieren, wäre ein Anlauf an diese Linie zumindest recht wahrscheinlich. Kein Wunder also, dass Strohhalme derzeit nur zu gern ergriffen werden.

DAX: Tages-Chart vom 06.09.2022, Kurs 12.871,44 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
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Schaut man sich die Großwetterlage an, kommt wenig Kauflaune auf. Die wirtschaftliche Gesamtsituation scheint von Tag zu Tag schlechter zu werden und die Rallye stand ohnehin auf tönernen Füßen.
Die Charttechnik sendet ebenfalls Warnsignale und die meisten Aktien, die am Jahrestief attraktiv und günstig waren, haben eine schnelle Aufwärtsbewegung vollzogen, wodurch das Chance-Risiko-Verhältnis inzwischen wieder mittelprächtig ist.

Und als wäre das nicht alles problematisch genug, sind vermutlich auch noch die Gewinnschätzungen für 2022 bei den meisten Unternehmen zu optimistisch.
Warum das noch immer der Fall ist, entzieht sich meinem Verständnis.

Nachdem die meisten Unternehmen die Erwartungen im zweiten Quartal verfehlt haben, gab es in Summe kaum eine Anpassung der Prognosen. Nach wie vor wird erwartet, dass die Unternehmen im S&P 500 den Gewinn in diesem Jahr um 8,1% steigern werden.

Das erscheint zu optimistisch zu sein, auch wenn der Großteil der Gewinnsteigerungen auf den Energiesektor entfallen.
Schauen wir uns die einzelnen Punkte nacheinander an.

Von Tag zu Tag schlechter

Man muss sich eigentlich nur umschauen. Die USA befinden sich ohnehin schon in einer technischen Rezession und das Wachstum in der EU lag zuletzt nur noch marginal über der Nullgrenze.
Selbst wenn man den offiziellen Statistiken vertraut, dürfte jedem bewusst sein, dass man die Wirtschaftsleistung nicht auf die Nachkommastelle genau messen kann.

Es wäre also gut möglich, dass wir uns ebenfalls bereits in einer Rezession befinden und was noch nicht ist, kann ja noch kommen.

Das Konsumklima in Deutschland hat im April bereits ein Rekordtief erreicht, ist seitdem noch weiter gesunken und soll im September den nächsten Negativ-Rekord erreichen (Link).

In den USA sieht es nicht viel besser aus. Der Konsum an sich läuft zwar noch, aber wenn die Verbraucher perspektivisch streiken oder durch die explodierenden Energiepreise schlichtweg zum Sparen gezwungen werden, wie soll da die Wirtschaft laufen?

Grätsche durch die Fed

Dementsprechend passt es auch ins Bild, dass die Atlanta FED vor wenigen Wochen für das dritte Quartal noch ein US-Wirtschaftswachstum von 2,5% prognostiziert hatte.
Inzwischen muss man mehrfach zurückrudern und stellt nun 1,6% in Aussicht. Der Vollständigkeit halber: Zwischenzeitlich waren es auch schon 1,4%.
Die Tendenz zeigt aber ganz offensichtlich zur Unterseite.

Und genau das scheint auch das zu sein, was die FED will. Die Worte von FED-Chef Jerome Powell vom vergangenen Freitag waren eindeutig.

Demnach wird die US-Notenbank an dem harten Kurs zur Inflationsbekämpfung festhalten und kündigte auch gleich, dann, dass das schmerzhaft sein wird und eine längere Phase schwächeren Wachstums bedeuten wird.

Hier die relevantesten Aussagen:
„Preisstabilität „ist der Fels unserer Wirtschaft.“
„Ohne stabile Preise funktioniert die Wirtschaft für niemanden.“
„Wir hören nicht auf, bis wir am Ziel sind.“
„Das wird für Haushalte und Unternehmen schmerzhaft sein.“
„Das sind leider die Kosten dafür, dass man Inflation bekämpft.“

Tönerne Füße und Charttechnik

Der Rallye der letzten Wochen fehlte die Marktbreite, ebenso wie die Rallye vergangenen Jahres.
Damals war es nahezu sicher, dass das Kartenhaus zusammenbricht, dasselbe gilt oder galt in der aktuellen Lage.

Derzeit notieren 75% aller US-Aktien unter dem SMA 200 und befinden sich somit im Bärenmarkt.
Das zeigt auf einen Blick, wie es um den Aktienmarkt steht. Die Rallye wurde von wenigen hochkapitalisierten Unternehmen getragen.

Doch selbst für die sieht es in der Mehrheit schlecht aus. In den meisten Fällen sind die Aktien an zentralen Hürden gescheitert, daher sieht es beim S&P 500 nicht anders aus.

Chart vom 29.08.2022 – Kurs: 4.057 Kürzel: SPX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 29.08.2022 – Kurs: 4.057 Kürzel: SPX – Wochenkerzen

Der beherrschende Abwärtstrend konnte nicht überwunden werden und mit Unterschreiten von 4.155 Punkten wurde ein prozyklisches Verkaufssignal ausgelöst.
So schnell kann sich eine Rallye an der Börse in Luft auflösen. Von einer Sekunde zur anderen stehen plötzlich wieder Kursziele bei 4.000 – 3.950 sowie 3.725 zur Disposition.

Aus technischer Sicht ist die Party vorbei, es sei denn, es gelingt zeitnah eine Rückkehr über 4.155 und besser noch ein Ausbruch über den Abwärtstrend.

Chart vom 29.08.2022 – Kurs: 12.802 Kürzel: DAX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 29.08.2022 – Kurs: 12.802 Kürzel: DAX – Wochenkerzen

Der Dax sieht natürlich nicht besser aus. Unser lieber Leitindex ist an der Abwärtstrendlinie abgeprallt und hat unmittelbar Fahrt in Richtung Jahrestief bei 12.500 Punkten aufgenommen.

Wird auch dieser Support unterschritten, drohen weitere Verluste. Mögliche Anlaufstellen liegen bei 12.000 sowie 11.450 Punkten.

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Bärenmarkt-Rallyes sind von zeitlicher Ausdehnung und Reichweite her nie vorhersagbar. Aber das Grundprinzip ist beim Ablauf ebenso wie bei ihrem Ende dennoch immer gleich. Vieles deutet deshalb jetzt darauf hin, dass die Bullen beim DAX vorerst Feierabend haben.

Wenn die Rahmenbedingungen negativ werden, wollen das bei Weitem nicht alle Anleger auch wahrhaben. Man hofft und setzt darauf, dass Abwärtsimpulse so, wie sie es vorher schließlich jahrelang auch waren, nichts anderes sind als Einstiegschancen. Aspekte, die zu dieser Einstellung nicht passen, werden entweder als Unfug abgetan oder ignoriert. Was aber nur dann gutgeht, wenn sich die Rahmenbedingungen zeitnah tatsächlich aufhellen.

Weil das viele derjenigen, die in den vergangenen Wochen massiv auf die Aufwärtswende gesetzt hatten, im Hinterkopf durchaus wissen, waren Behauptungen wie die, dass die US-Konjunktur robust genug für höhere Leitzinsen sei, dass die Inflation ihr Hoch bereits hinter sich hat, die Probleme Europas mit seiner Energieversorgung medial überzogen sind und die Unternehmen weiter steigende Gewinne ausweisen werden, äußerst beliebt. Aber damit ist man davon abhängig, dass Gegenteiliges nicht zu geballt auf den Tisch kommt und auch die kurzfristig agierenden, rein chart- und markttechnisch ausgerichteten Trader den Long-Kurs beibehalten. Beides ist in den letzten Tagen schiefgelaufen. Und damit besteht eine durchaus realistische Chance, dass es beim DAX die Bären sein werden, die in den nächsten Wochen, womöglich sogar für länger, die Nase vorn haben. Denn „bad news“ gab es reichlich.

So warnte die US-Ratingagentur Fitch Ende vergangener Woche, dass die Gewinnmargen der europäischen Autobauer durch Inflation und die kritische Energieversorgung unter Druck kommen dürften. Die Bundesbank teilte gestern mit, dass man damit rechnen müsse, dass die Inflation ihr Hoch noch nicht gesehen hat und dass eine Rezession hierzulande einkalkuliert werden müsste. Und der Nachrichtensender „Bloomberg“ meldete, dass nach deren Informationen die Hälfte aller US-Unternehmen Entlassungen vorbereitet. Der Ölpreis rutschte immer weiter ab, aber nur, weil man am Ölmarkt mit einer rückläufigen Nachfrage durch eine weltweite Rezession rechnet. Und die Preise für Erdgas und Strom an den europäischen Terminmärkten schossen auf neue Hochs. Eine solch massive Ballung unerfreulicher Nachrichten unterminiert die Fähigkeit, sich Negatives einfach wegzudenken, erheblich.

Und das Problem des bullischen Lagers intensiviert sich aktuell durch kurzfristige Trader, die nicht entlang von Hoffnungen und Wunschdenken, sondern entlang der Charts agieren. Denn die haben offenbar genau da das bullische Lager verlassen und die Fronten gewechselt, wo man das in einem Bärenmarkt erwarten durfte: an der übergeordneten Abwärtstrendlinie.

Expertenmeinung: Noch am vergangenen Mittwoch hatten die Bullen die Chance, die DAX-Rallye zu verlängern, indem sie die bei knapp 14.000 Punkten verlaufende Abwärtstrendlinie bezwingen und dadurch den Weg an die 200-Tage-Linie bei derzeit 14.440 Punkten frei machen. Aber ausgerechnet dort kam kräftiger Abgabedruck auf. Dass der hinsichtlich der Intensität der Verkäufe an dieser Trendlinie deutlich stärker war als die Abgaben an den US-Märkten, was schon verdächtig. Dass der Druck begann, bevor die großen Trader an der Terminbörse am Freitag dann ihre Long-Gewinne einfahren wollten, auch. Aber solange die Supportzone 13.381/13.566 Punkte hielt, war das nur ein Rücksetzer, der jederzeit in neue Käufe münden konnte, mit denen man die Abwärtstrendlinie dann im zweiten Ablauf hätte bezwingen können.

DAX: Monats-Chart vom 22.08.2022, Kurs 13.230,57 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Doch der Montag sah keine Käufe, sondern einen Abstieg, der nahezu ohne Gegenwehr des Käufer-Lagers durch eben diese Unterstützungszone hindurch führte. Was auch zur Folge hatte, dass der deutsche Leitindex droht, auf Monatsbasis doch noch an der bis ins Jahr 2018 zurückreichenden Zone 13.597/13.795 Punkte zu scheitern.

Ein solcher Wochenstart kann schon reichen, um die zuvor mit jedem Prozent Kursgewinn rosiger werdende Sicht vieler Akteure komplett ins Gegenteil zu verkehren. Sollte der DAX diese Zone 13.381/13.566 Punkte schnell und auf Schlusskursbasis zurückerobern, ließe sich die Sache vielleicht noch drehen. Aber dazu müssten sich jetzt eben genug finden, die, von diesem schnellen Abstieg seit vergangenen Mittwoch ernüchtert, trotzdem aktiv zugreifen und ihr Kapital auf der Long-Seite einsetzen. In der nüchtern betrachtet nur vagen Hoffnung, dass genug andere mitziehen und eine solche Gegenbewegung dann ausreicht, um die hoffnungsvolle Stimmung der Vorwochen aufrechtzuerhalten, statt schnell wieder abverkauft zu werden. Die Chance, dass das gelingt, ist zwar vorhanden. Aber groß ist sie nicht gerade, denn nüchtern betrachtet dürfte die Nachrichtenlage in den kommenden Monaten nicht besser werden. Die meisten Bullen wissen das … und sie wissen auch, dass die Bären das ebenfalls wissen!

DAX: Tages-Chart vom 22.08.2022, Kurs 13.230,57 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX