DAX aktuell DAX: Bärischer Island Reversal vs. Aufwärtstrendlinie!

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Der Versuch, den bisherigen Verlaufsrekord vom April zu überwinden, endete beim DAX-Index gestern mit einem bärischen „Island Reversal“. Aber auf der anderen Seite hielt die November-Aufwärtstrendlinie stand: Hier fallen jetzt Entscheidungen!

Der DAX rutschte am Dienstag vom Start weg ab, wobei er den Handel bereits mit einer großen Abwärts-Kurslücke (Gap Down) begann. Auslöser waren die über Nacht unter Druck geratenen US-Futures, wo man zum Wochenstart beim Dow Jones zwar einen neuen Verlaufsrekord erzielte, der Tag aber mit einem sogenannten „Gravestone Doji“ endete. Ein Warnsignal, das viele US-Trader offenbar bewog, so schnell wie möglich Gewinne zu sichern. Das riss den DAX mit in die Tiefe. Und da wirkte ein beeindruckend starker ZEW-Index, der am Vormittag vorgelegt wurde, womöglich sogar kontraproduktiv.

Denn kaum rutschen die Kurse, kommen zuvor in den Hinterkopf verbannte Risikofaktoren wieder zum Vorschein. Neben einer recht hohen Bewertung des Aktienmarkts und der offenen Frage, ob und wenn ja wie nachhaltig Deutschland und die Eurozone wieder auf die Wachstumsschiene gebracht werden können, ist das Thema Inflation eines der aktuell brisantesten. Und ein ZEW-Index der Konjunkturerwartungen für den Mai, der den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht hat, trägt natürlich dazu bei, Inflationssorgen zu befeuern.

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Ob sich die Rückkehr verdrängter Risiken in weiteren Abgaben entlädt, womöglich auch mittelfristig relevante Unterstützungen fallen oder aber dieser schwache Handelstag eine Eintagsfliege bleibt wie der Dienstag eine Woche zuvor, lässt sich nicht vorhersehen. Zu sehr spielen da individuelle, emotionale Entscheidungen der Trader hinein. Aber aus charttechnischer Sicht sind die Ankerpunkte, an denen sich wichtige Signale im DAX festmachen lassen, gut definiert. Zunächst das, was für die Bären sprechen würde:

Das bullische Lager hatte, nachdem es vergangene Woche zu einem erfolgreichen Test der im Chart auf Tagesbasis zu sehenden November-Aufwärtstrendlinie kam, den Versuch gestartet, den deutschen Leitindex über sein bisheriges Verlaufshoch von 15.502 Punkten hinaus zu tragen. Doch kaum war der Index in Schlagdistanz gekommen, blieben die Käufer weg. Der DAX bildete am Freitag und Montag zwei auffällig kleine Kerzen knapp unterhalb des Rekordhochs. Durch den Gap Down gestern stehen diese beiden Kerzen isoliert im Raum – das ist, da es zuvor ein Gap Up gab, eine sogenannte Inselumkehr, ein „Island Reversal“. Ein markantes Warnsignal, vor allem, wenn sich eine solche Formation nahe eines Hochs bildet.

Das wäre eine Steilvorlage für die Bären. Auch, dass der DAX auf Tagesbasis längst ein bärisches Signal im Trendfolgeindikator MACD generiert hat und der RSI-Indikator auf Wochenebene gerade aus der überkauften Zone nach unten herausgelaufen ist, deutet auf eine Fortsetzung der Verkäufe hin, aber:

Dazu müsste der DAX erst einmal die November-Aufwärtstrendlinie brechen, denn die hielt vergangenen Dienstag stand – und gestern erneut. Somit müsste der Index klar unter der gestern verteidigten, runden Marke von 15.000 Punkten schließen. Dann wäre es in der Tat möglich, dass er auch in die im Chart auf Wochenbasis schwarz hervorgehobene, mittelfristig relevante Keilformation zurück rutscht und die langfristig wichtige, durch die 200-Tage-Linie verstärkte Supportzone im Bereich 13.500/13.800 Punkte testet. Aber erst, wenn diese Zone fiele, würde ein über das kurzfristige Zeitraster hinaus reichendes, bärisches Signal entstehen. Noch hätte das bullische Lager also seine Chance, zu kontern. Halten die Bullen den DAX über dieser November-Aufwärtstrendlinie, könnten sich die Short-Seller schnell zurückziehen. Und gelingt dann mit dem Rückenwind einer verteidigten Aufwärtstrendlinie der Ausbruch über das Verlaufshoch bei 15.502 Zählern, könnte die Rallye doch noch einmal in eine weitere Runde gehen. Die kommenden Tage werden es weisen, denn eine solche Chartkonstellation fordert zügige Entscheidungen ein!

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des DAX Index

Geht der DAX über die 15.500 oder rutscht er doch unter 15.000? Noch findet sich keine Mehrheit für eines der beiden Szenarien. Aber dass der Start in einen neuen Monat dahingehend keine Zeichen setzen konnte, ist eher ein Punkt für die Bären.

Neuer Monat, neues Glück: In den letzten Monaten haben wir öfter erlebt, dass die Notierungen des deutschen Leitindex in der ersten Woche eines neuen Monats kräftig Fahrt aufnahmen. Was indes noch kommen könnte: Die erste Handelswoche im Mai hat ja gerade erst begonnen. Aber wenn man sich ansieht, dass der DAX aktuell in einer engen Handelsspanne eingekeilt ist, hätten die Bullen da leicht Zeichen setzen können. Die blieben aus – ein Grund, den DAX jetzt nicht aus den Augen zu lassen.

Die zuletzt sehr oft festere Tendenz zu Monatsbeginn basierte vor allem auf dem Zufluss frischen Kapitals, das die passiv agierenden Anleger den Fonds und ETFs zukommen lassen. Doch irgendwann wird dieser Zustrom natürlich abnehmen. Wer angesichts der „Wette“ auf das Wiedererstarken der Wirtschaft am Aktienmarkt dabei sein oder seine Positionierung verstärken will, tut das nicht auf ewige Zeit. Mit einer Korrektur ist daher dann zu rechnen, wenn fast alle, die einsteigen wollten, schon drin sind und die, die langsam an Gewinnmitnahmen denken, noch drin sind. Ist dieser Moment nahe … oder sehen wir ihn gerade, so dass das Beherzigen des uralten, eigentlich längst nicht mehr sinnvollen Spruchs „sell in may and go away“ diesmal eine gute Idee wäre?

So etwas kann man nicht vorhersagen, denn es kommt recht oft vor, dass die institutionellen Investoren an den ersten ein, zwei Tagen eines neuen Monats erst einmal die Lage sondieren. Schließlich wissen auch die nicht, ob und wie viel frisches Kapital bei der Konkurrenz angekommen ist und wie man dort dann disponiert. Was spräche dafür, dass es tatsächlich eng wird für die Bullen? Die Quartalsbilanzen sind ja derzeit tadellos. Und dass die Konjunkturdaten bestenfalls gemischt ausfallen, kann niemanden wundern, immerhin hat die im Sommer/Herbst 2020 erwartete, dynamische Erholung Verspätung. Was kritisch ist, aber das wusste jeder auch schon im März oder April. Warum sollte es jetzt also Probleme geben?

Gerade deshalb. Die große Mehrheit der Marktteilnehmer dürfte bereits auf die mehrheitlich starken Quartalsergebnisse und die vielen angehobenen Prognosen reagiert haben. Und jeder weiß, dass die Rückkehr zum Wachstum nicht nur langsamer vonstattengeht, sondern auch deutlich weniger intensiv. Nur darf man bei einem DAX in unmittelbarer Nähe eines gerade erst vor zwei Wochen markierten Rekordhochs unterstellen, dass die meisten derjenigen, die sich vom Wachstum der Gesamtwirtschaft ursprünglich weit mehr erwartet haben, noch investiert sind und einfach darauf hoffen, dass der Kelch einer Korrektur an ihnen vorbeigeht.

Was dann, zumindest vorerst, der Fall wäre, wenn die institutionellen Akteure tatsächlich im weiteren Wochenverlauf durchstarten und der DAX über 15.502 Punkten, dem bisherigen Verlaufshoch, schließt. Sollte aber die runde Marke von 15.000 Punkten fallen, dadurch die Mini-Handelsspanne der vergangenen vier Wochen nach unten verlassen werden und der Index zugleich in seinen Dezember-Aufwärtstrendkanals zurückrutschen, könnte es allemal bis hinunter an die untere Begrenzung dieses im Chart auf Tagesbasis schwarz eingezeichneten Trendkanals bei 14.000 Punkten gehen. Denn wenn zu viele nach dem Motto „ich verkaufe, wenn die anderen auch verkaufen“ handeln, ist eine Verkaufslawine oft nicht fern.

Die Terminbörsen-Abrechnung letzten Freitag hatte den DAX gezogen, folgerichtig kam es in den Tagen danach zu einem Rücksetzer. Aber der DAX drehte genau dort, wo er drehen musste, um kurzfristig bullisch zu bleiben. Sind jetzt neue Hochs drin?

Die Wall Street als klassischer Vorlagen-Lieferant kommt momentan etwas müde daher. Der Euro steigt zum US-Dollar, das ist unerfreulich für die Exportperspektiven. Und dass die EZB gestern mit einem „weiter so“ die Risiken der Inflation ebenso klein redete wie zuvor die US-Notenbank, sollte nicht unbedingt beruhigen. Aber die Bullen lassen sich derzeit nicht bange machen. Und sie haben Argumente, die durchaus etwas für sich haben:

Die bislang eingelaufenen Quartalsergebnisse der Unternehmen waren absolut überzeugend. Zwar kamen viele der Bilanzen auch aus dem MDAX, dem TecDAX oder dem SDAX, aber gerade in der Breite dieses bislang gezeichneten Bildes kann man festhalten: Den meisten börsennotierten Firmen scheint es zu gelingen, die Folgen des Dauer-Lockdowns und der damit verbundenen, fehlenden Planungsperspektive zu umschiffen bzw. niederzuringen.

Auch, wenn für die Gesamtwirtschaft im ersten Quartal mit einer erneuten Schrumpfung zu rechnen ist: Für die Anleger geht es nicht um die Sorgen und Nöte der kleinen und mittleren Betriebe, um die Probleme, mit denen eine wachsende Zahl von Konsumenten konfrontiert sind. Die Investoren schauen ausschließlich auf die größeren Unternehmen am Aktienmarkt und sehen:

Die können sich behaupten und profitieren zugleich davon, dass die Rückkehr zum Wachstum in den USA und Asien effektiver und schneller vonstattengeht als in Europa. Das ist es, was zählt und dazu führte, dass die Bullen den DAX genau dort auffingen, wo er drehen musste, um sich unmittelbares, weiteres Aufwärtspotenzial zu erhalten.

Natürlich bleiben Faktoren wie der massive Rückstand der EU gegenüber den USA und Asien, die Problematik vieler nachhaltig unter Druck geratener Konsumenten und die Inflation eine brandgefährliche Mixtur. Aber noch kann man deren Auswirkungen nicht mit Händen greifen, nur vorausahnen. Und solange weiterhin überzeugende Bilanzen und Gesamtjahres-Prognosen einlaufen, dürften viele Marktteilnehmer nur zu gerne bereit sein, derartige Vorahnungen umgehend zu verdrängen.

Dennoch heißt die blitzsaubere Verteidigung der nächstgelegenen Kreuzunterstützung aus der 20-Tage-Linie und der unteren Begrenzung des kurzfristigen Aufwärtstrendkanals nicht automatisch, dass das bisherige Verlaufshoch des DAX, am Montag bei 15.501,84 Punkten markiert, zwingend überwunden werden muss. Unterstützungen zu verteidigen, bevor es wirklich zu nennenswerten Aktivitäten der Short-Seller kommt, ist eine Sache. Sich durch mögliche, größere Verkaufsorders am Hoch durchzubeißen, eine andere.

Der DAX muss sich nicht nur halten, er muss dieses bisherige Hoch überwinden. Und das auf Schlusskursbasis. Dann wäre der Weg frei, zumindest bis an diese obere Begrenzung des vor zwei Monaten etablierten Aufwärtstrendkanals. Gut möglich, dass das gelingt, denn dieser Trendkanal hat einen hohen Steigungswinkel, schon heute läge dessen obere Begrenzungslinie bei 15.735 Zählern und steigt zügig höher, das dürfte die Bullen locken. Aber:

Auch, wenn die Bullen derzeit auf einer „Sahneschicht“ aus ermutigenden Unternehmensperspektiven und ignorierten Gefahren schwimmen, sollte man sich für den Fall, dass der Abgabedruck zunimmt, konsequent absichern. Sollte der DAX dort durchrutschen, wo er zur Wochenmitte nach oben drehte, konkret bei 15.071 Punkten, wäre etwas angebrannt, das zumindest für aggressiv und kurzfristig Long positionierte Trader den Ausstieg überlegenswert machen würde.

Erst war der DAX-Index auf seiner Rekordfahrt nicht zu bremsen, jetzt tritt er seit acht Handelstagen auf der Stelle. Ist das ein Warnsignal? Das schon, aber ein Verkaufssignal ist es noch nicht. Wir schauen genauer hin.

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Seit acht Handelstagen und damit seit der Osterpause bewegt sich der deutsche Leitindex einerseits zwar auf dem Niveau neuer Rekordhochs, andererseits aber nur in einer Handelsspanne von gerade einmal 1,1 Prozent. Normalerweise dürfte man erwarten, dass eine Rallye, wie sie hier Anfang März begonnen hatte, entweder weitergeht oder aber, durch Gewinnmitnahmen ausgelöst, eine Korrektur einsetzt. Aber weder noch? Der DAX wirkt, als wäre er festgenagelt. Und das könnte tatsächlich nahe an der Wahrheit sein.

Denn heute ist der Abrechnungstermin für die Optionen auf Aktien und Aktienindizes mit der Laufzeit April. Und es ist gut möglich, dass dieser Bereich des DAX für die großen Akteure am Terminmarkt, für die es da um gewaltige Summen geht, ideal ist, einen optimalen Gewinn bedeuten würde. Manchen Investoren mag es ausgeschlossen scheinen, dass die „Big Player“ der Terminbörse imstande sein könnten, bei Indizes gezielt bestimmte Kurslevels anzusteuern und dann zu verteidigen, aber:

Es geht da um komplexe, über verschiedene Derivateklassen verteilte Positionierungen, die mit hohem Kapitaleinsatz und hohen Hebeln gefahren werden. Da vor allem der DAX-Future über die Arbitrage ein ideales Tool ist, um den DAX mit hohem Hebel indirekt zu bewegen, ist er auch geeignet, eine bestimmte Zone durch große Kauf- und Verkaufsorders an den Grenzen einer Handelsspanne zu „verriegeln“. Wenn die Trader sehen, dass diese Orders bei normalen Umsätzen kaum zu überwinden sind, erkennen sie schnell, dass es nicht lohnt, dagegen anzugehen … zumal die Dauer dieser seit Jahren immer mal wieder auftretenden Sperrriegel auf die Abrechnung am Terminmarkt limitiert ist.

Dass die Terminbörse ihre Hände im Spiel hat, ist beim DAX weniger deutlich auszumachen als in anderen Indizes. Denn oft werden die Kurse gezielt an runde Marken und damit an auffällige „Strike Prices“ am Optionsmarkt gelenkt. Das ist beim DAX nicht so auffällig, anders indes beim Euro Stoxx 50 (4.000 Punkte), beim MDAX (33.000 Punkte) oder beim Nasdaq (14.000) und beim Dow Jones (34.000).

Das mag erklären, warum der DAX, der offenbar frühzeitig dieses ideale Abrechnungsniveau erreicht hatte, wie festgezurrt wirkt: er ist es auch. Aber wie geht es danach weiter? Denn eines weiß man ja, auch, wenn man die Terminbörse als „Täter“ identifizieren kann, dennoch nicht: Bremst der Terminmarkt den Anstieg? Oder stützt dieser Sperrriegel den DAX im Gegenteil?

Das ist, bevor die heutige Abrechnung ab Montag keine Rolle mehr spielt, nicht abschätzbar. Klar ist aber: Während es in den USA derzeit starke Konjunkturdaten hagelt, sind die hierzulande keineswegs stark. Und das permanente Hin und Her um Lockdowns bei zugleich frustrierend schleppenden Impf-Fortschritten macht klar, dass mit einem nachhaltigen Durchstarten der Konjunktur weiterhin nicht zu rechnen ist. Kein ideales Umfeld für einen Index auf Rekordniveau, der zugleich auch noch auf Tages- ebenso wie auf Wochenbasis markttechnisch überkauft ist. Andererseits weiß man schon lange um diese negativen Aspekte und kauft trotzdem immer weiter. Einfach darauf zu wetten, dass es nach dieser Terminbörsen-Abrechnung vorbei ist mit der Herrlichkeit, wäre daher unklug.

Aber der Chart macht deutlich, dass das auch nicht nötig wäre, denn die kurzfristig entscheidende Schlüsselzone, deren Bruch indizieren würde, dass die Rallye erst einmal vorbei ist, liegt recht nahe, zwischen 14.700 und 14.950 Punkten.

Im Chart auf Tagesbasis sehen Sie den oberen Bereich dieser Zone zwischen 14.830 und 14.950 Punkten, bestehend aus der oberen Begrenzung des Dezember-Trendkanals, der unteren Begrenzung des ganz kurzfristigen Aufwärtstrendkanals und der 20-Tage-Linie. Sollte der DAX da durchrutschen, wäre das schon mal problematisch.

Aber erst, wenn er mit Schlusskursen unter 14.700 Zählern wieder in die große Keilformation zurück fiele, die man im Chart auf Wochenbasis sieht, wäre nennenswert Spielraum nach unten. Ein Abwärtsspielraum, der in der unteren Begrenzungslinie dieser Keilformation bei derzeit 13.900 Punkten ein erstes Kursziel finden würde.

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Es scheint, als könnte nichts den DAX aufhalten. Am Markt herrscht Champagnerlaune … aber heißt es nicht, die Stimmung ist am Hoch am besten? Was könnte jetzt eine Korrektur auslösen?

Das bullische Lager argumentiert, dass der Weg alleine deshalb weiter nach oben weisen müsse, weil der DAX Inflationssorgen und steigende Renditen an den Anleihemärkten ebenso weggesteckt hat wie den Umstand, dass das erwartete Durchstarten des Wachstums auf der Zeitachse ein ums andere Mal verschoben werden muss. Wenn diese negativen Einflüsse die Hausse nicht bremsen können, was dann?

Das Argument hat etwas für sich. Ebenso wie der Verweis auf die dramatisch negativen Realzinsen (durchschnittliche deutsche Anleiherendite abzüglich der Inflationsrate), die die Sparer zwangsläufig weiter in den Aktienmarkt drängen, selbst diejenigen, die das normalerweise eher nicht tun würden. Wenn die Zahl der Aktien nicht steigt, dafür aber die Zahl der Sparer bzw. das Volumen des im Aktienmarkt investierten Kapitals, dann können die Kurse ja nur steigen. Das klingt logisch, ist es aber nur bedingt.

Denn wir haben auch in Phasen negativer Zinsen immer wieder scharfe Korrekturen erlebt. Das passiert z.B. dann, wenn sich die Lage auch nach einiger Zeit des Ausharrens nicht wie von den meisten erhofft entwickelt. Oder wenn im Vorfeld bereits zu viele auf eine positive Entwicklung gesetzt haben wie z.B. zwischen Frühjahr 2015 und Frühjahr 2016. Oder aber, wenn eine neue Krise die Hoffnungen auf die große Wende torpediert, wie das durch die Eurokrise 2011 geschah. Wobei es sich dabei um die mittelfristige Ebene dreht.

Auf der kurzfristigen Ebene ist die Sache simpler, da reicht es, wenn dem Markt kurzzeitig die Käufer ausgehen, während Trader, die sich der überkauften Situation gewärtig sind, den Gewinn mitnehmen, weil sie damit rechnen, nach einer sukzessiv wahrscheinlicher werdenden Korrektur deutlich tiefer wieder Long gehen zu können.

Solche „Wetten“ auf eine Korrektur gehen bisweilen auch schief. Und wenn sie schiefgehen, beschleunigt das den Anstieg sogar, weil dann nicht nur die normalen, weiter einsteigenden Akteure die Kurse treiben, sondern auch diejenigen, die vorher ausgestiegen sind, schnell wieder in den Markt wollen. Haben wir gerade eine solche Situation? Dafür spricht einiges.

Erst heute reagiert der DAX auf die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten, die einen Stellenzuwachs von über 900.000 Jobs im März vermeldeten. Das führte zwar dazu, dass die US-Anleiherenditen ihre Gegenbewegung abbrachen und wieder stiegen, aber am US-Aktienmarkt wurde das am Montag ignoriert. In dessen Kielwasser dürfte der deutsche Leitindex heute erneut auf Rekordniveau starten. Und dann wird es langsam interessant:

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der RSI-Indikator deutlich in die überkaufte Zone gelaufen ist. Das passiert selten und ist oft der Vorbote einer Korrektur. Im Chart auf Monatsbasis sieht der DAX zwar stark aus, wie er stärker nicht sein könnte, aber selbst dort hat die Markttechnik (dort abgebildet der Stochastik-Oszillator) die Überhitzungszone erreicht.

Überkaufte Levels können sich zwar auch mal längere Zeit halten. Aber wir haben jetzt die vorerst letzte Station des zuletzt schon genannten, bullischen Fahrplans erreicht. Nach dem „dreifachen Hexensabbat“ an der Terminbörse und dem „Window Dressing“ zum Quartalsultimo sahen wir am Gründonnerstag das Investieren des seitens der Sparer neu zugeflossenen Kapitals durch die institutionellen Anleger. Das wird heute weitergehen, kann (muss nicht) noch ein paar Tage anhalten … aber wie geht es dann weiter? Die dann langsam anrollende Saison der Quartalsbilanzen wird in den USA wohl manche positive Überraschung bringen. Aber in Europa läuft es eben bislang nicht ansatzweise so gut. Also, lieber den Gewinn mitnehmen, solange die Stimmung noch gut ist?

Es wäre zu überlegen, aber aus aktueller Sicht wäre es nicht zwingend, das sofort komplett zu tun. Man könnte jetzt Teilverkäufe bei aggressiven und kurzfristig ausgerichteten Long-Positionen erwägen, aber um eine komplette Trading-Position aufzulösen, hätte man aktuell eine so nahe liegende Supportzone, deren Bruch das Startsignal eines größeren Rücksetzers sein könnte, dass man die Segel nicht unmittelbar komplett streichen sollte.

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der DAX aus dem im Dezember etablierten Aufwärtstrendkanal nach oben ausgebrochen ist und einen im Chart grün markierten, noch steileren Trendkanal ausgebildet hat. Dessen untere Begrenzung, die 20-Tage-Linie und die obere Begrenzungslinie des nach oben verlassenen Trendkanals bilden zwischen 14.600 und 14.780 Punkten eine kurzfristig entscheidende Auffangzone.

Solange die hält, ist der Weg nach unten zugestellt. Bricht sie aber, wäre ein Test der unteren Begrenzung des im Chart schwarz gehaltenen Dezember-Trendkanals bei aktuell 13.800 Punkten ein realistisches Ziel einer Korrektur; dann wäre die Chance, im Fall eines kompletten Ausstiegs aus Long-Trades auf lohnend tieferem Niveau neu einsteigen zu können, besser.

Immer mehr Experten senken ihre 2021er-Wachtumsprognose für Deutschland. Der DAX klammert sich trotzdem an seine Rekordhochs, aber ist eine Korrektur überhaupt zu verhindern?

Das Hin und Her in Sachen Lockdown und Impfungen wäre ein erheiterndes Possenspiel, würde es nicht einen immer größeren Schaden in der deutschen Wirtschaft anrichten. Und vor allem die mittel- und langfristigen Folgen werden gravierend sein. Viele der Volkswirte, die in den letzten Tagen ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr nach unten korrigierten, haben den Wachstumsschub einfach auf 2022 vertagt. Aber das Ende der Corona-Problematik bedeutet nicht automatisch das Ende der daraus entstandenen Probleme. Und vielen Anlegern ist das durchaus bewusst. Es wird also nicht allzu einfach, den DAX in einem solchen Umfeld einfach immer höher zu schrauben, zumal:

Die Schwergewichte des Index sind zuletzt allesamt stark gelaufen. Und gerade die so massiv gestiegenen Automobiltitel sind jetzt, was „good news“ angeht, erst einmal durch, da setzen bereits Gewinnmitnahmen ein. Andere Titel aus dem Bereich der Top Ten der Index-Schwergewichte, die den DAX „ziehen“ könnten, sind aber auch zuletzt stark gestiegen: Siemens, BASF, Allianz, die Telekom, die Post oder Linde.

Hinzu kommt die überkaufte Situation auf chart- und markttechnischer Ebene. Der DAX war zwar kurzzeitig über seine große, mittelfristige Keilformation hinaus gelaufen, die Sie im Chart auf Wochenbasis sehen. Dort stieß er aber auf Gewinnmitnahmen, die auch daraus resultieren dürften, dass nicht nur die obere Begrenzung dieses Keils, sondern auch die des im Dezember etablierten Aufwärtstrendkanals erreicht wurde.

Dies in Kombination mit diesen sukzessiv trüber werdenden, kurz- und mittelfristigen Wachstumsperspektiven bedeutet, dass das bullische Lager mit zunehmendem Gegenwind zu kämpfen hat. Im Chart auf Tagesbasis sehen Sie anhand der seit dem Befreiungsschlag des 8. März dominierenden grünen Kerzen, dass die Käufer eisern bei der Stange bleiben, der DAX schließt selbst dann meist über seinem Eröffnungskurs, wenn er im Minus startet. Aber auch, wenn das im Fall einer positiven Wall Street-Vorlage die Chance bietet, doch noch einmal neue Rekordhochs auszuloten, womöglich an und knapp über die 15.000 zu laufen:

Über kurz oder lang – und eher über kurz – kommt der Index um eine Korrektur nicht herum. Zurückzusetzen, die Verkaufswilligen „abschütteln“, dann auf Höhe relevanter Unterstützungen drehen und mit neuem Schwung nach oben ausbrechen, das wäre das weitaus „gesündere“ Szenario für die kommenden Wochen. Der Bereich der Monatshochs vom Januar und Februar im Bereich 14.130/14.170 Punkte könnte da schon ausreichen. Wobei eine etwas umfassendere Korrektur, die mit der unteren Linie der Keilformation zugleich auch das 2020er-Hoch bei 13.795 Punkten bestätigen würde, noch besser wäre.

Dort Stoppkurse anzusiedeln, wäre momentan sinnvoll. Denn je länger sich die Bullen einem Rücksetzer verweigern, desto größer wird das Risiko, dass solche Unterstützungen dann nicht halten, sondern nur zur Etappe einer größeren Korrektur werden. Noch ist die Long-Seite beim DAX folgerichtig, aber es wäre gewagt, sich darauf zu verlassen, dass das so bleiben muss.