DAX Prognose DAX: Drei Tage Hochspannung, die Weichen stellen dürften

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

von |
In diesem Artikel

DAX
ISIN: DE0008469008
|
Ticker: DAX --- %

---
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zum DAX
Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Seit gut zwei Wochen läuft der DAX auf sehr hohem Niveau in einer engen Handelsspanne seitwärts. Sind die Bullen derart überzeugt, dass der Ausbruch nach oben erfolgen muss, dass sie trotz wankender Wall Street nicht locker lassen … oder steckt etwas anderes dahinter?

Es gibt für Trends selten nur einen einzigen Grund, fast immer kommen mehrere Aspekte zusammen, die imstande sind, Gegenargumente in den Hintergrund zu drängen. Das ist auch im Fall der DAX so. Der erste Grund ist die Hoffnung, dass die mit steigenden Kursen automatisch immer mehr um sich greifende Erwartung auch wirklich eintreten wird, dass sich ein eigentlich nicht so einfach lösbares Problem, konkret diese unheilvolle Kombination aus Inflation, steigenden Zinsen und hohen Schulden, irgendwie von alleine löst.

Der zweite Grund ist das Chartbild. Auf der einen Seite ist es gelungen, sich über die Nackenlinien-Zone des 2022er-Topps zu schieben (14.816 zu 15.060 Punkte). Dadurch ist diese Zone zu einer Unterstützung geworden, die bislang erfolgreich verteidigt wird. Zum einen wegen oben genannter Hoffnungen, zum anderen aber auch, weil man natürlich seitens institutioneller Investoren versucht, diesen starken Januar auf ideal hohem Kursniveau in den Monatsultimo zu retten, um eine werbewirksam starke Performance ausweisen zu können.

Aber der Monatsultimo ist heute. Ob der Februar genauso bullisch wird, womöglich das bisherige Rekordhoch von 16.290 Punkten angelaufen wird, wie es einige bereits als sicher ansehen, ist eine ganz andere Sache. Denn schon ab heute Nachmittag werden, um diese Plattitüde zu bemühen, die Karten neu gemischt.

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Hedgefonds, die Europa seit Anfang Oktober übergewichtet haben und entscheidend dazu beigetragen haben könnten, dass DAX, Euro Stoxx 50 und die meisten anderen wichtigen Eurozone-Indizes die Wall Street ungewöhnlich deutlich hinter sich ließen, halten solche Positionen nicht für alle Ewigkeit bzw. bis man in irgendwelche Stopps rutscht. Die Ausrichtung der Portfolios wird regelmäßig überdacht, Monatswenden sind dafür typische Termine. Und speziell diese Monatswende hat „Pfeffer“, denn:

Heute um 14 Uhr kommt die Vorab-Berechnung der deutschen Verbraucherpreise für Januar. Die Prognosen verheißen nichts Gutes. Wenn die Volkswirte Recht bekommen sollten, wären die Preise zum Dezember um 1,1 Prozent gestiegen, die Jahresrate würde von zuvor 8,6 wieder auf 9,2 Prozent steigen. Hat man das bereits auf dem Schirm und würde eine auch nur etwas weniger unschöne Zahl einen Ausbruch nach oben ermöglichen? Oder sehen viele bislang nichts anderes vor sich als das Ziel, eine optimale Long-Performance ins heutige Handelsende zu retten? Das werden wir nach den Inflationsdaten sehen. Aber damit ist die Sache noch nicht durch, nicht einmal ansatzweise.

Hinzukommen, das aber aufgrund der anderen beiden „Großveranstaltungen“ nur als eine Art Beiwerk, die Quartalszahlen von Mega-Techs wie – unter anderen – AMD, Alphabet, Apple und Amazon. Aber entscheidend ist, dass morgen Abend die US-Notenbank ihr Statement vorlegt, am Donnerstagnachmittag folgt die EZB. Die Frage muss sich stellen:

Rechnen diejenigen, die gerade beim DAX jeden kleinen Rücksetzer aufkaufen, damit, dass beide Notenbanken ihre bisherigen Aussagen über den Haufen werfen und einen Kurswechsel hin zu einer Aktienmarkt-freundlichen, „taubenhaften“ Politik kommunizieren? Oder ist man da so hartgesotten, dass man auch dann weiter kauft, wenn sich herausstellt, dass weder „Fed“ noch EZB daran denken, die Inflationsbekämpfung auf dem Altar des allseits vermissten billigen Geldes zu opfern?

DAX: Tages-Chart vom 30.01.2023, Kurs 15.126,08 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Inflationsdaten am Dienstag, US-Notenbank am Mittwoch, EZB am Donnerstag und da dann abends eine Ballung von Quartalsbilanzen: Diese drei Tage können Weichen stellen. Aber Vorsicht, Falle:

Wenn so viel auf einmal kommt, kochen die Emotionen gerne mal über. Was auch heißt: Das muss nicht, kann aber ganz leicht zu einem chaotischen Kursverhalten führen, bei dem Ausbrüche aus dieser aktuellen, schmalen Handelsspanne des DAX zwischen 14.906 und 15.270 Punkten in beide Richtungen abgefangen werden und sich gleich mehrere Bullen- und Bärenfallen aneinander reihen.

Da man nie vorher weiß, ob ein Ausbruch durchgeht oder doch abgefangen wird, kann man nur zu einem raten: An Tagen wie diesen sollte man mit nicht zu hohem Einsatz und mit moderaten Hebeln agieren. Denn wer da zu viel wagt und/oder hektisch permanent die Seite wechselt, läuft Gefahr, am Ende ohne Not als Verlierer aus einer solchen Woche zu gehen.

DAX: Monats-Chart vom 30.01.2023, Kurs 15.126,08 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2023? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top FlopMDAX Top FlopEuro Stoxx Top FlopDow Jones Top FlopNasdaq 100 Top Flop

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
T-Hoch
T-Tief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen

Alle Börsenblick-Artikel

Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Vorherige Analysen des DAX Index

Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Mit dem Ausbruch über die entscheidende Widerstandszone 14.816/15.060 Punkte hat der DAX nur noch einen einzigen charttechnischen Widerstand über sich: Das alte Rekordhoch bei 16.290 Punkten. Manche sehen dessen Erreichen als ausgemachte Sache an. Ist das so?

Der Bereich 14.816/15.060 Punkte ist die Nackenlinien-Zone des großen Topps, das der DAX 2021 ausgebildet hatte. Als es Anfang 2022 vollendet wurde, bedeutete das zugleich, dass er an der oberen Begrenzung des ganz langfristigen, 2009 etablierten Aufwärtstrendkanals abgewiesen wurde, die er zuvor monatelang vergebens attackiert hatte. Jetzt ist er wieder über dieser Zone. Damit läge das Rekordhoch auf dem Präsentierteller. Und wer weiß, womöglich wäre dann auch ein erneuter Anlauf an die obere Begrenzung des langfristigen Trendkanals drin, die momentan bei 16.650 Punkten verläuft?

Rein charttechnisch betrachtet spräche dem nichts entgegen. Und dass der DAX auf Tagesbasis derzeit mal wieder überkauft ist, wie der im Tageschart unten eingeblendete RSI zeigt, muss nicht zwingend eine Korrektur nach sich ziehen. Es könnte auch, wie im November, eine Seitwärtsbewegung reichen, um die Überhitzung abzubauen, aus der heraus man dann das Ziel Allzeithoch angehen könnte. Soweit passt also alles.

DAX: Tages-Chart vom 18.01.2023, Kurs 15.181,80 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Aber es gibt ein Problem: Darüber hinaus passt eher wenig.

Expertenmeinung: Auf Dauer ist es noch nie gelungen, sich völlig von der Wall Street abzukoppeln. Und während der DAX ein Tagesplus an das andere reiht, klemmt es dort gewaltig. Der marktbreite S&P 500 hat seit dem letzten Kurs des Jahres 2022 nur etwa drei Prozent zugelegt, der DAX aber das Dreifache. Die bisherige Jahresbilanz des Dow Jones ist sogar noch trüber. Entweder die US-Indizes starten jetzt umgehend und überzeugend durch … oder für den DAX wird die Luft da oben dünn, auch, wenn er nicht alleine steigt, sondern die Euro-Börsen insgesamt derzeit der Wall Street davonlaufen. Wobei die Argumentation derer, die grade massiv Europa übergewichten, gleich zum nächsten, potenziellen Fallstrick führt.

Denn das Kaufargument ist vordergründig die Aussicht auf Währungsgewinne durch den zum US-Dollar gerade kräftig steigenden Euro. Dahinter steht die Erwartung, dass die US-Notenbank die Leitzinsen weniger rigide anheben wird als die EZB, weil in den USA immer mehr Konjunkturdaten einlaufen, die klar machen: Da wird es jetzt richtig ungemütlich. Alleine am Dienstag und Mittwoch zeigten ein weggebrochener New York Empire State Manufacturing Index sowie deutlich schlechter als erwartet ausgefallene Daten zum US-Einzelhandel und der Industrieproduktion, dass die höheren Leitzinsen ihre Wirkung mittlerweile voll entfalten. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass es diesmal anders läuft als sonst, sprich, dass Europa solchen konjunkturellen Entwicklungen in den USA in drei bis sechs Monaten nicht folgt?

Es ist sogar äußerst unwahrscheinlich. Und kommt es so, ist nicht nur da Argument einer sich schließenden Leitzins-Schere nebst eines steigenden Euro dahin. Auch die Erwartung, dass die Konjunktur der Eurozone stabiler bleibt und dadurch die hiesigen Unternehmensgewinne nennenswert besser aussehen als die der US-Unternehmen, ist dann vom Tisch. Damit steht eine bullische Charttechnik gegen bärische Rahmenbedingungen. Das ist ein Ringen, das die Charttechnik auf Dauer nicht gewinnen wird. Aber:

Auch, wenn das vielen Tradern völlig klar sein dürfte, folgen sie doch primär dem Trend. Erst, wenn sich zeigt, dass die Rallye des DAX zu Ende ist, sich womöglich umkehrt, wird sich das Damoklesschwert des fehlenden fundamentalen Rückenwinds auswirken. Dann aber kann es schnell gehen, immerhin dürften viele nicht so völlig abseits der Realität nur das alte Hoch im Blick haben, sondern auch nach unten, auf die gerade erst überwundene Zone 14.816/15.060 Punkte blicken. Dass der deutsche Leitindex nach deren Überwinden nicht rasant davon zog, sondern sich mangels umfassender Anschlusskäufe eher schwertut, unterstreicht, dass da viele auf der Hut sind, daher: Ein Stop Loss Long, der greifen würde, sobald der DAX mit Schlusskursen unter 14.700 signifikant unter diese Zone zurückfällt, wäre es vermutlich kein Fehler.

DAX: Monats-Chart vom 18.01.2023, Kurs 15.181,80 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Erinnern Sie sich noch? Es ist nicht lange her, da wurden wir an der Börse mal wieder mit apokalyptischen Szenarien überhäuft. Jetzt läuft plötzlich eine brachiale Rallye.

Wo sind all die Crashpropheten hin, die Mitte Oktober 2022 noch den Untergang des Abendlandes gepredigt haben?
Wo sind sie? Wohin ist all die Panik? Derzeit herrscht höchstens Kaufpanik.

Dabei ist es erst 12-13 Wochen her, seitdem die meisten Indizes ihre jeweiligen Tiefststände erreicht hatten.
Der Dax hat inzwischen dreiviertel der Verluste wieder aufgeholt.

Chart vom 13.01.2023 – Kurs: 15.091 Kürzel: DAX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 13.01.2023 – Kurs: 15.091 Kürzel: DAX – Wochenkerzen

Das scheint zwar überzogen zu sein, aber in Anbetracht der Tatsache, dass sich all die Hiobsbotschaften bisher nicht materialisiert haben, sind steigende Kurse durchaus nachvollziehbar.
Ich hatte in diesen Wochen der Aufwärtsbewegung immer wieder darauf hingewiesen, dass die Lage womöglich nicht so schlecht ist, wie es uns medial suggeriert wird, zuletzt beispielsweise hier:
Krise abgesagt? Wer wären die Gewinner?

Verinnerlichen Sie das

Doch das ist gar nicht das Wichtigste. Eine der zentralen Erkenntnisse, die Anlegern zu besseren Resultaten an der Börse verhelfen, ist zu verstehen, dass die kurzfristige Kursentwicklung überhaupt nichts mit der Realität zu tun hat.

Kurse entstehen spontan, geradezu beliebig und auf Basis von Emotionen.

Und diese Emotionen werden maßgeblich durch die Berichterstattung beeinflusst. Doch die Berichterstattung hat nicht zum Ziel, Ihre Anlageentscheidungen zu verbessern, sondern Klicks.
Mehr Klicks bedeutet mehr Werbeeinnahmen und Medienunternehmen sind eben gewinnorientiert.

Die letzten Wochen sind geradezu ein Paradebeispiel dafür, wie schnell die Berichterstattung und der emotionale Zustand der Börse drehen können.

Als Anleger muss man das verstehen und sich davon frei machen.

Wer kühl und emotionslos gehandelt und eingekauft hat, kann jetzt schon darüber nachdenken, seine Früchte zu ernten.
Die Mehrheit schaut hingegen ungläubig einer Rallye hinterher und steht nun vor der Frage, ob sie noch auf den fahrenden Zug aufspringen soll.

Die Verlierer von gestern

Ob die laufende Rallye wirklich nachhaltig ist, das darf man in Frage stellen. Es wird auch maßgeblich davon abhängen, wie sich der Dreiklang aus Konjunktur, Inflation und Leitzinsen entwickelt.
Aber vorerst hat der Wind gedreht und plötzlich sind die Verlierer von gestern die großen Gewinner.

Nehmen wir beispielsweise Adidas. Die Aktie des Sportartikelherstellers wurde im vergangenen Jahr gnadenlos in den Boden gehämmert.
Jetzt scheint es plötzlich keine bessere Aktie zu geben.

Vom Hoch sind wir zwar noch meilenweit entfernt, wer allerdings nahe des Tiefs gekauft hat, ist aktuell schon über 50% im Plus.

Es ist kein neues Phänomen, dass um den Jahreswechsel plötzlich der Wind dreht. Unter anderem ist das auf Window-Dressing zurückzuführen. Darauf hatten wir hier hingewiesen:
Expedia: Bilanzkosmetik als Mega-Chance?

Die Rallye von Adidas läuft mit voller Wucht und aus technischer Sicht stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie vorerst weitergeht.
Denn die nächsten größeren Hürden liegen erst bei 157 sowie 166 Euro, zuvor gibt es für Trader wenig Gründe, auszusteigen.

Chart vom 13.01.2023 – Kurs: 147 Kürzel: ADS - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 13.01.2023 – Kurs: 147 Kürzel: ADS – Wochenkerzen

Auf dem genannten Niveau sollte allerdings mit größerem Abgabedruck und Gewinnmitnahmen gerechnet werden.
Es dürfte schwierig werden, diesen Widerstandsbereich in einem ersten Anlauf zu überwinden.

Adidas: Ausblick und Bewertung

Der Abverkauf bei Adidas war nicht gerade grundlos. Nachdem man 2020 einen erheblichen Gewinneinbruch verzeichnete, erzielte man 2021 ein Rekordergebnis und die Welt schien in Ordnung.
Daher notierte die Aktie auch auf Allzeithoch.

Doch dann zeichneten sich im Geschäftsjahr 2022 allerlei Probleme ab und der Gewinn kollabierte erneut.
Aktuell liegen die Konsensschätzungen bei einem Ergebnis von 2,85 Euro je Aktie, nach 10,90 Euro im Vorjahr.

Perspektivisch soll sich die Profitabilität zwar wieder erholen, doch selbst für 2025 wird noch ein Gewinn unter dem Niveau von 2021 oder 2019 erwartet.
Damit steht man deutlich schlechter da als die Konkurrenten bei Nike oder Puma.

Man kann die Sache aber auch positiv betrachten. Die Prognosen sind vermutlich zu pessimistisch und selbst wenn sie es nicht sind – der Gewinn soll in den kommenden 2-3 Jahren jeweils um 30-50% steigen.

Sollte es dazu kommen oder kann Adidas die Profitabilität sogar schneller wieder auf das Vorkrisenniveau steigern, wird der Aktienkurs nur schwer sinken können.

Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Auf diesem Level wäre beim DAX nicht nur die Inflation „ausgepreist“, sondern auch eine rezessive Phase, die eine logische Folge der besiegten Inflation wäre. Das ist äußerst gewagt. Aber bezwingt der DAX die jetzt erreichte Widerstandszone, kann die Rallye trotzdem weitergehen!

An fünf der sechs Handelstage des neuen Jahres legte der DAX kräftig zu, schaffte dabei über 850 Punkte nach oben und erreichte damit den höchsten Level seit Ende März 2022. Damals lief der DAX für einen Tag in eine markante Widerstandszone hinein. Dort endete dann die Rallye nach dem Selloff vom Februar, es ging umgehend wieder abwärts. Natürlich geht man im bullischen Lager davon aus, dass der DAX diesmal durch diese Widerstandszone durchgeht. Wer davon nicht überzeugt wäre, hätte gestern nicht gekauft. Aber ist das überhaupt denkbar?

Diese Widerstandszone ist die Nackenlinien-Zone des großen Topps, das sich zwischen April 2021 und Februar 2022 gebildet hatte, das sehen wir gut im Chart auf Wochenbasis. Diese Zone liegt zwischen 14.816 und 15.060 Punkten.

Liefe der deutsche Leitindex darüber hinaus, würde er sich wieder in einem Terrain bewegen, das man als angemessen sah, als man noch nicht an die Zähigkeit der Lieferengpässe glaubte. Zu dieser Zeit dachte man noch, dass die Inflation nur eine kurze Episode wäre. Und war sich sicher, dass die Notenbanken die Zinsschraube nicht anziehen würden, immerhin hatte man vor einem Jahr noch bei beiden Notenbanken so getan, als sei die Inflation nur vorübergehend. Und den Ukraine-Konflikt gab es 2021 auch noch nicht.

In diese Zone soll der DAX also vorstoßen, was rein charttechnisch dann auch noch freie Bahn bis zum bisherigen Rekordhoch von 16.290 Punkten bedeuten würde? Das wäre nicht logisch, aber man sollte nie vergessen:

Expertenmeinung: Die meisten Marktteilnehmer haben wenig Fachwissen und agieren meist emotional. Was mit dem DAX passiert, muss daher nicht logisch sein. Unmöglich ist an der Börse nun einmal nichts, vor allem deswegen.

Und diese emotionale Ebene spielt gerade jetzt eine große Rolle. Die Käuferseite fokussiert sich völlig auf die zuletzt wieder sinkenden Inflationsraten und unterstellt dann zwei Dinge: Zum einen, dass die Notenbanken die Zinsen nicht mehr lange und nicht mehr weit anheben, dafür aber bald senken werden. Zum anderen, dass die sinkende Teuerung bedeutet, dass eine Rezession ausbleibt oder, wenn sie doch käme, dass sie nur leicht und kurz ausfallen wird. Das ist zwar beides nicht allzu wahrscheinlich.

DAX: Wochen-Chart vom 09.01.2023, Kurs 14.792,83 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Aber bis klar wird, wie markant die Wirtschaft unter Druck gerät, wie konsequent die Notenbanken sein werden und wie sehr sich das auf die Unternehmensgewinne auswirken wird, ließe sich dem bullischen Lager nicht das Gegenteil beweisen. Und da wir hier über die optimistische, „rosa“ Variante der Zukunft sprechen, wird sie von denen, die wenig volkswirtschaftliche Kenntnisse haben und daher nicht erkennen, dass man da Luftschlösser baut, gerne angenommen. Was bedeutet:

Dass ein Ausbruch über die Zone 14.816/15.060 Punkte nicht logisch wäre, mag zwar sein, aber das würde die Bullen nicht abhalten. Die Frage ist aber, wie viele da noch an der Seitenlinie stehen und nur abwarten, bis die Käufe abflauen, um dann auf erfreulich hohem Kursniveau weiter Positionen abzubauen oder Short-Trades zu starten. Das ist eine unbekannte Größe, daher bliebe der DAX sogar dann, wenn er über 15.060 Punkten schließt, ein Pulverfass.

Sollte der Ausbruch nach oben gelingen, könnte das alleine über Short-Eindeckungen schnell noch einmal zwei-, dreihundert Punkte nach oben bringen. Aber man täte dann auf der Long-Seite gut daran, seine Stop Loss umgehend und eng nachzuziehen, denn wenn die Rahmenbedingungen nicht zu den Kursen passen, ist das Risiko eines „sudden death“ für eine solche Rallye nicht zu unterschätzen.

DAX: Tages-Chart vom 09.01.2023, Kurs 14.792,83 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX
Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

So volatil das Jahr vorher auch war, seit Mitte November tat sich im DAX verblüffend wenig. Aber ein Blick auf den Terminkalender lässt erwarten, dass hier gleich vom Start weg Bewegung hineinkommt, die wieder lukrative Trades ermöglicht. Was steht an?

Die normalerweise Ende des jeweiligen Monats erfolgende Veröffentlichung der vorläufigen deutschen Inflationsdaten kam, der Weihnachtswoche wegen, nicht Ende Dezember, sondern steht laut Terminkalender morgen um 14 Uhr auf dem Programm. Erwartet wird ein Rückgang der Preise um 0,4 Prozent gegenüber November und ein Absinken der Jahresrate, d.h. der Veränderung zum Vorjahresmonat, von 10,0 auf 9,0 Prozent. Das kann durchaus auch so kommen, da die Energiepreise im Dezember, auch durch die Mithilfe eines schwächeren US-Dollars, gesunken sind. Aber ob man das dann bullisch wertet oder nicht, wird sehr davon abhängen, wie sich die Preise außerhalb der volatilen Bereiche Energie und Nahrungsmittel darstellen. Steigen die Preise in anderen Segmenten weiter, wäre wenig Raum für Erleichterung.

Ebenfalls Einfluss darauf, wie der DAX ins neue Jahr geht, werden die im Wochenverlauf einlaufenden Einkaufsmanagerindizes aus den USA und Europa haben, dazu am Freitag die deutschen Einzelhandelsumsätze des Novembers und, vor allem, die US-Arbeitsmarktdaten. Bei denen wird es dann weniger auf die Zahl der neugeschaffenen Stellen ankommen, sofern die nicht dramatisch von der Prognose von +200.000 abweichen. Man wird auf die Stundenlöhne schauen, um zu sehen, ob die Gefahr einer die Inflation befeuernden Lohn/Preis-Spirale bestehen bleibt oder nicht. Da liegen die Prognosen für die Lohnveränderung des Dezembers bei +0,4 Prozent zum Vormonat und bei einer Jahresrate von +5,0 Prozent.

Da der DAX zuvor stur seitwärts lief, kann das schon reichen, um den deutschen Leitindex wieder in Schwung zu bringen. Aber welche Richtung ließe sich da präferieren?

Expertenmeinung: Realistisch gesehen keine. Auch, wenn der DAX Mitte Dezember, kurz vor der Abrechnung an der Terminbörse, einen Ruck nach unten vollzogen hatte und dadurch aus einer wochenlangen Seitwärtsrange herausfiel, wird beim Blick auf die Charts auf Tages- ebenso wie auf Monatsbasis klar:

DAX Monatschart vom 30.12.2022, Kurs 13.923,59 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Der Index sitzt derzeit zwischen Baum und Borke fest. Unter der vorherigen, kurzfristigen Seitwärtsspanne, aber ohne Fahrt nach unten aufzunehmen, so dass er immer noch komfortabel über der Supportzone 13.381/13.578 Punkte und der knapp darüber verlaufenden 200-Tage-Linie liegt. Und damit ist er zugleich unter der Nackenlinie des Anfang 2022 vollendeten Topps und über den Hochs der Jahre 2018 und 2020 eingekeilt, wie wir im Monatschart sehen. Das macht deutlich: Die Akteure warten auf neue Vorgaben. Auf Antworten auf die Frage, ob sich eine Normalisierung so deutlich abzeichnet, dass man es wagen könnte, weiter zu kaufen … oder ob die Befürchtung, die Probleme in Sachen Konjunktur gehen jetzt erst richtig los, zutreffen, so dass es gälte, die Reißleine zu ziehen.

DAX Tageschart vom 30.12.2022, Kurs 13.923,59 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Man muss diese Daten der ersten Woche einfach abwarten, wobei man eines klar hervorheben muss: Solche Phasen, vor allem, wenn sie mit dem Jahresanfang zusammenfallen, bringen sehr oft Bullen- und Bärenfallen hervor. Schwung wird wieder hineinkommen in den Dax, keine Frage. Aber ob die dann eingeschlagene Richtung vorhalten wird, muss sich dann erst zeigen, zumal dann Mitte Januar auch schon die Zeit der Unternehmensbilanzen beginnt. Da wäre also beim Trading Vorsicht und ein behutsamer Kapitaleinsatz ratsam, mit einem allzu beherzten „all in“, egal ob Long oder Short, könnte man da leicht kräftig auf die Nase fallen.

Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Erst machte die US-Notenbank am Mittwochabend klar, dass sie an ihrem bisherigen Kurs konsequent festhalten werde, dann folgte gestern die EZB in demselben Tenor. Der DAX kam kräftig unter die Räder … und für die Bullen wird die Sache auf einmal haarig!

Man konnte gestern im Handelsverlauf förmlich mit ansehen, wie zahllose Hoffnungsblasen platzten … und jetzt geht es für die Trader auf einmal nicht mehr um Widerstände, die man erobern könnte, sondern um Unterstützungen, die dringend halten müssten. Denn zu viele hatten zu intensiv darauf gesetzt, dass die Notenbanken so vorgehen würden, wie es in früheren Jahren durchaus nicht selten war, als sie zwar Härte und Konsequenz vorgaben, dann aber doch taten, was der Aktienmarkt sich wünscht. Diesmal offenbar nicht.

Wir hatten in unserer gestrigen Analyse zum Dow Jones die Kernaussagen und Projektionen der US-Notenbank genannt, die EZB stieß gestern ins selbe Horn. Auch hier waren die Projektionen für 2023 dergestalt, dass man da keine Grundlage für einen „Tauben-Kurs“ in Sachen Leitzinsen ausmachen konnte. Das 2023er-Wachstum der Eurozone sieht man bei der Europäischen Zentralbank jetzt bei 0,5 Prozent, die Inflation im Jahresschnitt bei 6,3 Prozent. Keine größere Rezession also, wegen der man einen sanfteren Kurs erhoffen könnte und eine hartnäckig über dem Zielkorridor verbleibende Teuerung: Da ist für Zinssenkungen keine Grundlage vorhanden.

DAX: Monats-Chart vom 15.12.2022, Kurs 13.986,23 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Und das wurde im Zuge der Pressekonferenz von Christine Lagarde auch entsprechend klar formuliert: Die Zinsen müssen weiter signifikant steigen. Mit dem Blick auf die Geldspritzen verschiedener Eurozone-Regierungen machte sie auch erneut klar: Fiskalische Maßnahmen dieser Art können eine stärkere geldpolitische Antwort erzwingen, sprich: Je mehr Geld unter den Leuten verteilt wird (vor allem, wenn es ungezielt erfolgt), desto höher müsste die EZB den Leitzins ansetzen, um den Konsum zu bremsen und so die Inflation in den Griff zu bekommen. Gegen Ende der Pressekonferenz wurde das für die bullische Fraktion noch einmal glasklar zusammengefasst: Wer glaubt, die EZB werde einen Kurswechsel vollziehen, liegt falsch. Die Reaktion des DAX sehen Sie vor allem im Chart auf Tagesbasis:

Expertenmeinung: Nur zwei Tage, nachdem es als Reaktion auf die US-Inflationsdaten schien, als würde der DAX aus seiner wochenlangen, schmalen Trading-Range nach oben ausbrechen, erfolgte der Ausbruch nach unten. Um dieses negative Signal zu heilen, würde es dabei jetzt nicht mehr reichen, mit Schlusskursen über 14.150 Punkten wieder in diese Seitwärts-Spanne zwischen 14.150 und 14.585 Punkten hineinzulaufen – er müsste sie überwinden. Und das idealerweise so schnell wie möglich. Angesichts dieser beiden Tiefschläge für die Bullen durch US-Notenbank und EZB wäre dies das jetzt klar weniger wahrscheinliche Szenario.

Auch interessant



Auf der Unterseite geht es zunächst um das August-Hoch bei 13.948 Punkten. Diese Linie hatte der DAX gestern schon fast erreicht. Sie wird entscheidend dafür sein, ob der deutsche Leitindex womöglich schnell an die Zone durchgereicht wird, unter der dann der Weg in die untere Hälfte der Handelsspanne der vergangenen zehn Monate freigegeben würde: Der durch die 200-Tage-Linie verstärkte Supportbereich 13.381/13.566 Punkte. Noch ist das Eis nicht vollends gebrochen, aber es wird klar: Für das bullische Lager steht es Spitz auf Knopf!

DAX: Tages-Chart vom 15.12.2022, Kurs 13.986,23 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX