DAX aktuell DAX: Packt er es … oder packt er es nicht?

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Zum DAX

Seit dem fulminanten Kurssprung des vergangenen Montags, der unmittelbar auf die vorangegangene Wahl-Rallye folgte und den DAX in Schlagdistanz zu den bisherigen „Post Corona-Hochs“ trug, tritt der Index seit nunmehr sechs Tagen auf der Stelle. Bislang gab es noch keine echte Attacke auf die Widerstandszone 13.314/13.460 Punkte, also an die oberen Wendemarken der Handelsspanne zwischen Anfang Juli und Ende Oktober.

Dass es gelang, das markante Short-Signal, das durch die Vollendung einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation und den Bruch der 200-Tage-Linie entstanden war, zu eliminieren und eine markante Kaufwelle zu generieren, ist zwar eine starke Leistung der bullischen Lagers. Aber wenn es ihnen nicht gelingt, den DAX jetzt zeitnah über diese vorgenannte Widerstandszone zu hieven, war das brotlose Kunst. Aber warum hängt der deutsche Leitindex überhaupt fest?

DAX: Tages-Chart vom 17.11.2020, Kurs 13.133,47 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Weil auch im bullischen Lager vielen klar ist, dass die Argumente, die die vorherige Rallye unterfüttert hatten, alle mit einem „aber“ versehen werden müssen.

Den aktuellen Kurs und Chart des DAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Ja, Biden hat die Wahl gewonnen, aber Donald Trump ist noch bis zum 20. Januar Präsident und tut derzeit alles, um der nächsten Regierung den Start so schwer wie möglich zu machen. Die am gestrigen Abend gemeldete Entscheidung, die US-Truppen aus dem Irak und Afghanistan abzuziehen, ist nur eine davon. Die Verweigerung jedweder Schritte in Richtung Amtsübergabe eine weitere. Wenn Mr. Trump fortfährt, dieses Prinzip der „verbrannten Erde“ zu praktizieren, würden sich dringend nötige Maßnahmen wie ein klarer Plan zur Eindämmung der Pandemie und das so dringend nötige US-Konjunkturpaket noch weiter verzögern.

Und dass die Reaktion auf das zweite Unternehmen (Moderna), das am Montag meldete, sein COVID19-Impfstoff habe einen immens hohen Wirkungsgrad und stehe kurz vor dem Zulassungsantrag, weit kleiner ausfiel als auf die Meldung von BioNTech/Pfizer in der Woche zuvor, ist bezeichnend. Denn solche Meldungen sind eben nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Pandemie. Es werden Monate vergehen, bis man flächendeckende Impfungen durchgeführt hat. Und es ist ungeklärt, wie man derzeitige Einschränkungen aufheben könnte, wenn die Impfbereitschaft gering bleibt, weil viele diesen untypisch rasant entwickelten und dann wohl ebenso untypisch rasant zugelassenen Vakzinen nicht recht trauen.

Dadurch hängt der DAX jetzt unterhalb dieser wichtigen Widerstände in einer Art fragilem Gleichgewicht zwischen Optimismus und Skepsis fest. So fragil, dass die nächste wichtigere Nachricht den Ausschlag geben kann. Und was da an Nachrichten den DAX in welche Richtung in Marsch setzt – man könnte es nicht vorhersagen.

Klar ist, dass die Trader deshalb grundsätzlich auf gepackten Koffern sitzen. Sollte der DAX die in den vergangenen Tagen mehrfach sorgsam verteidigte 13.000er-Marke deutlicher unterbieten, könnte sich der Optimismus rasant in Luft auflösen und Long-Positionen mit ihm. Dann könnte es schnell zu einem Test der nächstgelegenen Unterstützung in Form der 20-Tage-Linie bei derzeit 12.500 Punkten kommen. Aber:

Genauso dürften diejenigen, die auf dem aktuellen Kursniveau ausgestiegen sind, wieder einsteigen, wenn der DAX diese Widerstandszone 13.314/13.460 Punkte angeht und überwindet. Auch diejenigen, die jetzt darauf wetten, dass der DAX nach unten abdreht, würden dann ihre Short-Trades sofort eindecken und den Anstieg dadurch noch intensivieren.

In einem nervösen Umfeld wie diesem kann die Entscheidung schnell gehen und weit reichen. Was indes nicht unbedingt ein Problem ist, denn die Ankerpunkte sind relativ klar und liegen mit 13.000 und 13.460 Punkten nicht allzu weitauseinander. Packt er es oder packt er es nicht? Bereits die kommenden Tage dürften die Antwort liefern.

DAX: Monats-Chart vom 17.11.2020, Kurs 13.133,47 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des DAX Index

Genau zum Start in den November machte der DAX, der zuvor eine Schulter-Kopf-Schulter-Abwärtstrendwende-Formation vollendet und die 200-Tage-Linie durchschlagen hatte, auf dem Absatz kehrt. Mit einem Mal gab es nur noch eines: kaufen! Die erste November-Woche bestimmte die US-Wahl die Hausse, in der laufenden Woche war es die am Montagmittag lancierte Meldung eines nahenden COVID 19-Impfstoffs, die die Käufer in Marsch setzte. Dadurch nähert sich der DAX jetzt dynamisch den entscheidenden, bis zum Rekordhoch bei 13.795 Punkten reichenden letzten Hürden vor einem Griff nach den Sternen. Was sollte da jetzt noch schiefgehen?

Da könnte noch einiges schiefgehen. Dass der DAX kurzfristig bullisch ist, steht außer Frage. Und auch, wenn das erst dann in Stein gemeißelt wäre, wenn es vollzogen ist, so könnte er allemal diese jetzt angelaufenen Widerstände überwinden. Aber dass er dann immer weiter nach oben liefe, nach der Bärenfalle zur Monatswende eine Bullenfalle auszuschließen wäre, das sind sicherlich die Erwartungen des bullischen Lagers. Aber ob man bekommt, was man erwartet, ist an der Börse immer offen. Wo liegen die Fußangeln? Sie liegen in der Kombination aus Faktenlage, Erwartungshaltung und Charttechnik, konkret:

Tageschart vom 10.11.2020, Kurs 13.163,11 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Was die Marktteilnehmer jetzt bereits einpreisen, ist die Erwartung einer deutlichen Verbesserung der Rahmenbedingungen im Frühjahr und Sommer. Denn vorher sind flächendeckende Impfungen in den meisten Ländern nicht denkbar, klüger wäre es, eher vom Spätsommer auszugehen. Selbst wenn der gestern als Basis eines Kursfeuerwerks dienende Impfstoff von BioNTech und Pfizer noch im Dezember zugelassen würde, es dauert, die Unmengen an nötigen Impfstoffdosen herzustellen, zu verteilen und zu verabreichen. Und das gilt eben nicht nur für die Corona-Problematik.

In den knapp zehn Wochen bis zur Vereidigung des US-Präsidenten am 20. Januar kann viel Ungutes passieren. So, wie sich die Lage derzeit darstellt, wird eine geordnete Übergabe nicht geschehen, im Gegenteil. Das Verhalten der US-Regierung, die selbst eigene Senatoren und wichtige ausländische Staatsoberhäupter einfach ignoriert, welche Joe Biden längst gratuliert haben, deutet an, dass die neue Regierung vor leeren Büros und Servern stehen könnte. Was es sehr schwer machen würde, nötige Maßnahmen wie das Konjunkturpaket, das die US-Wirtschaft so dringend bräuchte, umgehend anzugehen. Davon abgesehen, dass der derzeitige Präsident gerade durch die jetzt auch die Republikaner im Senat spaltende Verhaltensweise bis zum Januar so gut wie gar nichts mehr bewegen wird, in einer Phase, in der unbedingt vieles bewegt werden müsste.

Ein DAX auf neuen Rekorden jedoch würde grundsätzlich ja einpreisen, dass die Konjunktur insgesamt und die Unternehmensgewinne im Besonderen bereits an dem Level vorbeigezogen wären, der vor Beginn der Corona-Krise in einem Umfeld galt, in dem man den Phase I-Deal der USA mit China feierte, der derzeit keine Rolle spielt. Doch von diesem Punkt könnte man selbst im kommenden Frühjahr noch ein gutes Stück entfernt sein. Das wird von denen, die mit dem DAX gegen seine charttechnische Decke klopfen, derzeit ausgeblendet.

Aber was ist mit denjenigen, die diese Problematik sehr wohl erkennen und hoch investiert sind? Warum sollte diese Gruppe sich nicht die Charts ansehen, feststellen, dass zwischen 13.314 und 13.795 Punkten eine ganze Phalanx an teilweise bis ins Jahr 2018 zurückreichenden oberen Wendemarken wartet und das Anrennen der Bullen nutzen, um Gewinne mitzunehmen? Das wiederum muss den DAX nicht an dieser Widerstandszone scheitern lassen. Aber das würde es, wenn nicht weiterer bullischer Treibstoff geliefert würde, der jetzt, wo der Widerstand aus charttechnischer Sicht zunimmt, genug Schwung liefert, um die Käufe idealerweise noch zu befeuern. Da man derzeit in den beiden wichtigsten Bereichen fast ein „Best Case“-Szenario eingepreist hat, wäre es zwar möglich, dass dieser „Treibstoff“ geliefert wird. Aber es ist eben keineswegs sicher.

Wochenchart vom 10.11.2020, Kurs 13.163,11 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Der DAX startete den Mittwoch mit 1,6 Prozent im Minus und beendete ihn knapp zwei Prozent im Plus. Am Morgen war man noch verstört darüber, dass die Demokraten bei der US-Wahl weitaus weniger stark waren als gedacht. Im weiteren Handelsverlauf wurde dann aber vielen klar, dass Bidens Chance auf das Oval Office noch vorhanden ist, weil von vornherein damit gerechnet wurde, dass die Mehrheit der Briefwähler für die Demokraten gestimmt hat, weil diese ihre Wähler dazu aufgefordert hatten, die Republikaner hingegen für die Stimmabgabe im Wahllokal plädierten. Und diese Stimmen werden in den offenen Bundesstaaten noch ausgezählt. Dies und die Ansicht, dass ein weiterhin republikanisch dominierter Senat womöglich sogar von Vorteil wäre, wie das einen fruchtbaren politischen Diskus fördern könnte, ohne wichtige Maßnahmen deswegen zu behindern, brachte viele Trader dazu, Meinung und Position zu drehen.

Das erinnert sehr an das Geschehen nach der Wahl 2016, als der DAX damals ebenso im Minus startete, im Plus schloss und dies der Beginn einer langen Hausse wurde. Und wenn man sich den DAX auf Tagesbasis ansieht, schaut das jetzt allemal ermutigend aus. Erst hatte der deutsche Leitindex eine Schulter-Kopf-Schulter-Abwärtstrendwende-Formation klar vollendet, dann die wichtige 200-Tage-Linie (im Tageschart dick schwarz hervorgehoben) durchschlagen. Und der Versuch einer Bodenbildung, den der Index bis zum vergangenen Freitag zeigte, wirkte reichlich blutleer. Doch jetzt sieht die Sache schon anders aus:

Tageschart vom 04.11.2020, Kurs 12.324,22 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Am Dienstag war er dynamisch an die 200-Tage-Linie zurück gelaufen, gestern klar darüber gestiegen. Jetzt würde nicht mehr viel fehlen, und die Nackenlinie der Schulter-Kopf-Schulter-Formation und die 20-Tage-Linie wären zurückerobert und das bärische Chartbild gesprengt. Schlusskurse über 12.500 Punkten würden dazu reichen. Doch das Eis, auf dem die Bullen da tanzen, ist noch äußerst dünn.

Am Mittwochmorgen hatte man noch erleichtert registriert, dass es nicht zu den befürchteten Ausschreitungen im Zuge der Wahl gekommen ist. Dass die Republikaner jetzt auf die Barrikaden gehen, obgleich jeder damit rechnen konnte, dass die Briefwahlauszählung die Demokraten in den Staaten, in denen diese Stimmen nach den Vor-Ort-Stimmabgaben ausgewertet werden, voranbringt, birgt das Risiko, dass diese Wahl doch noch auf die Straße getragen wird.

Wundern darf die demokratische Aufholbewegung niemanden, weil man das bei Staaten wie Florida, Ohio und Texas umgekehrt sehen konnte, die die Briefwahl- und im Vorfeld der Wahl in den Wahllokalen abgegeben Stimmen zuerst auszählten. Das führte dort zu verblüffenden, anfänglichen Vorsprüngen der Demokraten, die dann mit der Auszählung der Vor-Ort-Stimmen verschwanden und die Republikaner in Führung gingen. Trumps Wahlkampfteam attackiert die Wahlauszählungen nur dort, wo Biden jetzt doch zu gewinnen droht. Die Chancen vor Gericht sind nicht umwerfend, denn käme es nur zu Nachzählungen, würde dies das Ergebnis wohl kaum ändern (2016 veränderte sich das Ergebnis für Donald Trump bei einer Nachzählung in Wisconsin um gerade einmal 131 Stimmen zu seinen Gunsten). Aber der Graben zwischen den beiden politischen Lagern, der sich nach der Wahl hätte verkleinern können, wird so erneut tiefer.

Damit droht genau das, dessen Ausbleiben man unter anderem am Aktienmarkt am Mittwoch bejubelt hatte. Vielen Investoren, das bestätigen die alten Hasen unter den US-Beobachtern, war es eher egal, wer ab Januar im Weißen Haus sitzen würde. Wichtig war ihnen vor allem, dass sich die Befürchtungen von Auseinandersetzungen unter den Bürgern nicht bewahrheiten. Und genau dieser für die Wirtschaft so wichtige Friede ist jetzt durch die aggressive Weise, mit der sich beide politische Lager attackieren und sogar die Bürger um Spenden bitten, um Rechtsstreitigkeiten mit der Gegenseite zu bezahlen, in Gefahr. Würde das die Wall Street doch wieder kippen, würde sich der DAX dem nicht entziehen können.

Der DAX wäre „durch“, wenn er sich so lange solide im Bereich um die bei 12.076 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie hält, bis sich die Wogen dieser Wahl glätten und ein Wahlsieger zumindest unter Vorbehalt gerichtlichen Gezänks wahrscheinlich ist. Dann stünde die Chance, dass er danach über 12.500 Punkte in wieder bullisches Terrain einzieht, sehr gut. Aber sollte das Eis einer friedlichen US-Wahl brechen, würde ein DAX, der vom aktuellen Level aus wieder nach unten abdreht, nur einen Pullback an den Ausbruchlevel vollzogen haben, was hieße: Wenn er das letzte Zwischentief bei 11.450 Punkten dann unterschreitet, wäre die bärische Aussage der Schulter-Kopf-Schulter-Formation sogar noch bekräftigt.

Wochenchart vom 04.11.2020, Kurs 12.324,22 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Die Märkte haben kaum eine nennenswerte Korrektur vollzogen und schon geht die EZB in Stellung.

Es ist wirklich erstaunlich. Der Dax notiert auf demselben Niveau wie im Juli 2020 oder im September 2019 und satte 40% über dem Crash-Tief.

Es reicht scheinbar schon aus, dass die Märkte nicht mehr unmittelbar am Allzeithoch kleben, um die EZB auf den Plan zu rufen.

Das kann nur eins bedeuten: Die Europäische Notenbank schätzt die aktuelle Lage als äußerst fragil ein.

Klare Ansage

EZB-Chefin Lagarde stellte bereits gestern eine Corona-Intervention in Aussicht. Heute legen einige Ratsmitglieder nach.

Normalerweise sprechen Notenbanken in Codeworten, die normalen Menschen kaum zugänglich sind.
Selten wird etwas ganz offen und direkt ausgesprochen.

Die heutigen Aussagen der EZB-Ratsmitglieder Holzmann und Mersch könnten aber nicht klarer sein.

Folgend die Worte des österreichischen EZB-Mitglieds Holzmann:
„Es ist richtig anzunehmen, dass (EZB-Chefin) Lagarde mehr Anreize signalisiert hat.“
„Zinssenkungen sind wenig effektiv.“
„Im Dezember könnten neue Instrumente genutzt werden.“

Folgend die Aussagen des Luxemburger EZB-Mitglieds Mersch:
„Die Situation hat sich plötzlich verschlimmert.“
„Die EZB ermutigt die Regierungen, mehr auszugeben.“
„Die EZB wird im Dezember über die Flexibilität der Instrumente beraten.“
„Die EZB wird während der zweiten Pandemie-Welle ihren Beitrag leisten. „
„Es wird nichts ausgeschlossen.“

Geldflut 2.0

Um es zusammenzufassen: Die EZB hat die Regierungen aufgefordert mehr Geld auszugeben und will auch selbst intervenieren. Öffnet die Schleusentore.

Die Europäische Zentralbank möchte wohl alles und jeden retten. Man erwägt sogar neue Instrumente und Maßnahmen, vor denen man bisher zurückgeschreckt ist.

Man erwägt sie nicht nur, man kommuniziert bereits jetzt, dass es wohl dazu kommen wird.
Darüber hinaus hat die EZB zum Ausdruck gebracht, dass auch alle bisherigen Maßnahmen angepasst – also aufgestockt und ausgeweitet – werden könnten.

Eins dürfte sicher sein: Die nächste Geldflut kommt.

Welche Maßnahmen können wir erwarten?

Man hat schließlich schon alle Welt mit Krediten und Liquidität zum Nullzins überhäuft und für astronomische Summen Anleihen gekauft.
Was kommt als nächstes?

Wahrscheinlich einfach noch mehr davon. Vielleicht senkt man aber auch noch den Leitzins auf unter null?
Doch selbst das wäre nur ein symbolischer Akt. Negative Zinsen sind schon lange Realität.

Über die TLTRO-Programme erhalten die europäischen Banken schon jetzt Geld mit einem Zinssatz von bis zu -1%.

Die nächste Stufe: Helikoptergeld?

Was bleibt also noch? Aktienkäufe? Helikoptergeld? Wir dürfen gespannt sein.

So unwahrscheinlich es auch ist, aber eine direkte Finanzspritze der EZB an jeden EU-Bürger wäre womöglich die beste Option.
So kommt das Geld wenigstens bei den Menschen an.

Inzwischen gibt es namhafte Befürworter von Helikoptergeld. Darunter der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Fratzscher und der ehemalige stellvertretende FED-Chef Fischer.

Durch Helikoptergeld könnte die Notenbanken auch ihren schlechten Ruf bei den Bürgern aufpolieren.

Crash abgesagt?

Und eins ist sicher: Es würde sich wohl kaum jemand beschweren, wenn er einfach Geld geschenkt bekommt. Mit politischem Widerstand wäre nicht zu rechnen.

Welche Folgen all die Maßnahmen der EZB am Ende haben werden? Das kann niemand mit Sicherheit sagen, die Europäische Zentralbank weiß es meines Erachtens selbst nicht.

Dass die gesellschaftlichen Spannungen durch die Geldflut ab 2009 aber massiv zugenommen hat ist sicher.
Viel mehr davon verkraften wir nicht mehr.

Der Crash könnte dadurch aber vorerst abgesagt sein. Hoch lebe König Liquidität III.

Chart vom 30.10.2020 Kurs: 11.579 Kürzel: DAX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 30.10.2020 Kurs: 11.579 Kürzel: DAX – Wochenkerzen

Dass einem derart herben Abstieg am Montag keine Gegenbewegung folgte, sondern der DAX am Dienstag gleich noch einmal 114 Punkte verlor, ist bemerkenswert. Vor allem, weil er dadurch die 200-Tage-Linie durchbrach. Die an sich schon eine wichtige charttechnische Unterstützung darstellt. Aber in diesem Fall war sie auch noch das Fangnetz, die letzte Sicherung, nachdem der Index am Montag die im Chart auf Tagesbasis blau eingezeichnete Nackenlinie seiner Schulter-Kopf-Schulter-Formation unterboten hatte. Dass das Touchieren dieser derzeit bei ca. 12.130 Punkten verlaufenden Linie kein Aufbäumen zur Folge hatte, zeigt, dass die Marktstimmung massiv ins Wanken geraten ist.

Natürlich könnte es sich immer noch um eine Bärenfalle handeln. Wobei man das erst dann ausschließen könnte, wenn der DAX gleich mehrere hundert Punkte unter diese 200-Tage-Linie gefallen wäre, daher wäre es verwegen, dass einfach zu unterstellen und beherzt ins fallende Messer zu greifen. Zumal es nicht nur fällt, sondern auch ziemlich scharf sein dürfte, weil es derzeit eigentlich gar nichts gibt, woran sich das bullische Lager klammern könnte.

DAX: Tages-Chart vom 27.10.2020, Kurs 12.063,57 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Allen ist klar, dass mit einem Impfstoff, der einigermaßen sicher ist und an die Mehrheit der Bevölkerung verteilt werden kann, nicht vor März oder April zu rechnen wäre. Und dass man offenbar doch nicht ohne scharfe Einschränkungen auskommt, zeigen die immer konkreter werdenden Diskussionen in der Politik. Das bedeutet, dass der Versuch der Wirtschaft, wieder auf die Beine zu kommen, der ohnehin zuletzt schon an Schwung verlor, ausgebremst wird. Womöglich nicht so umfassend wie im Frühjahr, aber es reicht, um die mit den Kursen des DAX immer weiter gestiegenen Erwartungen der bullischen Investoren massiv auszuhebeln.

Hinzu kommen die jetzt in schnellerer Folge einlaufenden Quartalsbilanzen. Das, was bisher auf dem Tisch liegt, ist zwar mit Blick auf die Gesamtsituation nicht überraschend, aber auch da hatten viele wohl mehr erhofft. Reaktionen wie der Abriss der SAP-Aktie auf gar nicht einmal so dramatisch schwache Zahlen machen deutlich, dass viele wirklich an eine rasante, v-förmige Erholung der Wirtschaft geglaubt hatten. Und dann wäre da ja noch die US-Wahl.

Wenn man schon an der Wall Street unübersehbar keine Ahnung hat, worauf man da setzen soll, wie wollten es die Trader hierzulande tun, zumal Tendenzen im Vorfeld bei Umfragen und am Aktienmarkt gleichermaßen keinerlei echte Prognosekraft besitzen. Also? Kann und wird es ab jetzt erst einmal nur noch abwärts gehen?

Die Bären haben jetzt sehr gute Karten, aber Vorsicht wäre unbedingt geboten. Je extremer die Stimmung ist, desto empfänglicher werden die Trader für jeden Strohhalm, den man ihnen hinhält. Moderate Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen, die eine oder andere überraschend gute Quartalbilanz, ein eindeutiger Sieger bei der US-Wahl mit einer Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses oder zügige Zulassungen von Impfstoffen und binnen kürzester Zeit, all das könnte die Hoffnung mit Macht zurückbringen. Solange der DAX nicht zumindest über 12.750 Punkte laufen würde und damit die 200-Tage-Linie sowie die Nackenlinie der Schulter-Kopf-Schulter-Formation klar zurückerobert, bleibt er zwar bärisch und könnte zügig in Richtung 11.600 als nächstes Kursziel abrutschen. Aber die Möglichkeit, dass es zu einer solchen Gegenreaktion trotz gebrochener 200-Tage-Linie tatsächlich kommt, sollte man nicht zu gering einschätzen.

DAX: Monats-Chart vom 27.10.2020, Kurs 12.063,57 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Dass der DAX am Donnerstag nach anfänglich erneut kräftigen Abschlägen wieder nahe an den Level des Vortages-Schlusskurses heranlief, macht deutlich, dass dem bullischen Lager klar ist, dass die Zeit für konsequente Defensivarbeit gekommen ist. Die Frage ist nur, wie weit man damit kommt. Immerhin galt es zuletzt Ende Juli und Ende September, wichtige Unterstützungen zu verteidigen. Dass das in beiden Fällen gelang, ist im Chart zwar nicht zu übersehen. Aber es reichte eben nicht, um „umzuschalten“ und aus einer erfolgreichen Verteidigung wichtiger Supportmarken den Schwung mitzunehmen, um einen Ausbruch nach oben zu vollziehen. Und dass es so bald schon wieder zu einer erneuten Defensiv-Phase kommt, ist nicht gerade ein gutes Zeichen.

Seit Anfang September liegen die Zwischenhochs, die dabei erreicht werden, auch noch jeweils unter dem vorherigen. Den Bullen gehen Entschlossenheit und womöglich auch das Kapital aus, wie es scheint. Und wenn man schon sieht, dass nach der Verteidigung von Unterstützungen nicht viel nachkommt, man dabei aber immer mehr Kapital aufwenden muss, ist natürlich irgendwann der Punkt erreicht, an dem die ersten größeren Trader sich verweigern und lieber aussteigen, statt mit viel Aufwand Defensivarbeit zu betreiben … und womöglich schlussendlich sogar ins bärische Lager überlaufen.

DAX: Tages-Chart vom 22.10.2020, Kurs 12.543,06 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX

Zum einen verfestigt sich der Eindruck, dass die Erholung der Wirtschaft weit unterhalb des Prä Corona-Levels zu stagnieren beginnt. Der am Donnerstagmorgen veröffentlichte, aktuelle GfK-Konsumklimaindex fiel gegenüber dem Vormonat zurück. In Frankreich fiel das Geschäftsklima deutlicher als erwartet. Und in den USA zeigt der gestern vorgelegte Index der Frühindikatoren für den September, dass das Wachstum dort bereits den vierten Monat wieder an Fahrt verliert. Ein breit angelegter, erneuter finanzieller Stimulus wäre fällig, in den USA ebenso wie in Europa. Es eilt – aber es scheint, als hätte die Politik dies- ebenso wie jenseits des Atlantiks diese Eile nicht. Diskutiert wird viel, angeschoben bislang nichts. Und zu Recht fürchten Investoren, dass solche Stimuli verpuffen, wenn man wartet, bis der Karren schon wieder im Dreck festsitzt.

Zum anderen präsentiert sich das DAX-Chartbild auf Tagesbasis nicht gerade als Motivation für Long-Trades. Niemand dürfte übersehen, dass sich da gerade eine Schulter-Kopf-Schulter-Trendwendeformation (SKS) ausbildet. Deren „natürliche“ Nackenlinie stellt die für sich genommen schon wichtige 200-Tage-Linie bei aktuell 12.143 Punkten dar. Am gestrigen Tagestief war diese Linie gerade noch 200 Punkte entfernt, kein Wunder also, dass das bullische Lager versuchte, den Ball aus der eigenen Spielhälfte herauszubekommen. Aber:

Vor das Tor der Bären käme man eben erst, wenn die drei Zwischenhochs dieser noch nicht vollendeten Formation überwunden wären. Was hieße: Für einen Befreiungsschlag müsste man den DAX über 13.460 Punkte tragen. Stand Donnerstagabend wäre der Weg zum Sieg der Bullen also über 900 Punkte lang. Die Vollendung der SKS-Formation durch einen Bruch der 200-Tage-Linie liegt im Gegenzug nur 400 Punkte entfernt. Damit wird deutlich: Es wird langsam richtig eng für die Bullen. Aber erst, wenn diese SKS-Formation vollendet, die 200-Tage-Linie auf Schlusskursbasis gebrochen wäre, hätte die Bären gewonnen, bis dahin könnten die Bullen, in die Ecke gedrängt, jederzeit eine Überraschung aus dem Hut zaubern.

DAX: Monats-Chart vom 22.10.2020, Kurs 12.543,06 Punkte, Kürzel DAX | Online Broker LYNX