LVMH Aktie aktuell LVMH: Einmal zu viel in die heiße Zone gelaufen?

News: Aktuelle Analyse der LVMH Aktie

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LVMH
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Reagieren die Marktteilnehmer auf die ignorierten, negativen Fakten? Wird sich die Aktie von LVMH nun doch in Kürze auf einem deutlich tieferen Kursniveau wiederfinden? Aktuell wirkt es zumindest so, als hätten sich die Käufer jetzt doch einmal zu viel in die heiße Zone, den Widerstandsbereich der Zwischenhochs vor dem Corona-Crash, hineingewagt. Solange der Optimismus am gesamten Aktienmarkt stark war, fiel es leicht, auch bei der LVMH-Aktie einfach zuzugreifen. Das Motto ist da immer dasselbe: LVMH ist stark aufgestellt und Luxus verkauft sich auch in der Krise gut. Zumal diese Krise ja, genau das hat die Aktienmärkte ja so weit nach oben getrieben, von vielen als längst überwunden angesehen wird. Was sie zwar nicht ist. Aber was zählt ist, was die Anleger sehen wollen und nicht, was zwar real ist, aber nicht zur Kenntnis genommen wird.

Aber eine solche Sichtweise abseits der Fakten ist fragil. Ideal ist, wenn sich diese stur optimistische Haltung ebenso aus einem stark zulegenden Gesamtmarkt speist wie aus einem intakten Aufwärtstrend der betreffenden Aktie. Und wenn Unternehmensdaten ebenso wie Analystenmeinungen die eigene Erwartung unterstützen. Bei LVMH brach das erste Bein der Optimisten weg, als Ende Juli eine äußerst unerfreuliche Halbjahresbilanz vorgelegt wurde: Ein Umsatzminus von 27 Prozent (organisch sogar 38 Prozent) und ein Gewinneinbruch um 68 Prozent zum Vorjahr. Das machte sehr deutlich, dass die Bullen mit ihrer Überzeugung, dass sich Luxus auch in der Krise gut verkauft, daneben lagen, zumal der zum Umsatz überproportionale Einbruch des Gewinns unterstreicht, dass auch die Gewinnmarge markant unter Druck geraten war. Und das Statement des Vorstands, dass man auf eine „schrittweise Verbesserung im zweiten Halbjahr“ hoffe, war alles, nur kein Indiz dafür, dass die Erwartung der Analysten, die mehrheitlich unterstellen, dass LVMH 2021 bereits wieder an die Rekordgewinne des Jahres 2019 anknüpfen werde, allzu solide untermauert ist.

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Expertenmeinung: Trotzdem stieg die Aktie, nachdem sie Ende Juli klar negativ auf das Zahlenwerk reagiert hatte, einfach wieder auf den Level, der vor der Bilanz erreicht wurde. Wieso? Weil der Gesamtmarkt weiter stieg und damit diese so ansteckende Zuversicht aufrechterhielt. Wenn alle kaufen, fühlt sich das Risiko geringer an. Und wenn man dabei durch tatsächlich wieder anziehende Kurse innerlich bestätigt wird, erst recht. Aber jetzt wankt eben auch der Gesamtmarkt, so dass es fraglich ist, ob der jüngste, jetzt ins Stocken geratene Vorstoß in die von 405 bis zum Rekordhoch bei 439 Euro reichende Widerstandszone, der diese schwache, zudem unter den Analystenprognosen gelegene Halbjahresbilanz einfach vom Tisch wischte, von Erfolg gekrönt sein wird.

Man müsste diesen mittlerweile dritten Anlauf in den Bereich 405/439 Euro als abgewiesen ansehen, wenn die Aktie nach der 20-Tage-Linie und der März-Aufwärtstrendlinie auch die zuletzt vor drei Wochen getestete und gehaltene 200-Tage-Linie (aktuell bei 383 Euro, im Chart dick schwarz hervorgehoben) durchbrechen würde. Aber das wäre noch keine Situation, in der die Bullen zwingend aufgeben müssten, in der sie es nicht noch ein viertes Mal versuchen könnten. Erst, wenn die seit Mitte März von beiden Seiten mehrfach angesteuerte Wendezone 362/370 Euro gefallen wäre, wäre das ein Signal, dass die Bären wirklich das Ruder übernommen hätten. Bis dahin sollte man mit dem Gedanken an einen Short-Trade noch vorsichtig sein.

LVMH Aktie: Chart vom 08.09.2020, Kurs 404,70 Euro, Kürzel MC | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der LVMH Aktie

Den letzten Blick auf die Aktie des französischen Luxusgüterkonzerns Louis Vuitton Moet Hennessy (LVMH) vor zwei Wochen hatte ich mit „ist das Optimismus … oder doch Leichtsinn?“ übertitelt. Denn es wirkte gewagt, angesichts der weltweit keineswegs überzeugenden Zahlen zum Einzelhandel einfach davon auszugehen, dass der Spruch „Luxus verkauft sich immer“ auch diesmal zu positiven Überraschungen in der Ende Juli anstehenden Halbjahresbilanz führen würde. Der Kursanstieg der Aktie wirkte auch deswegen leichtsinnig, weil LVMH nur zu Halbjahreswenden eine vollständige Bilanz mit Umsatz, Gewinn und Margen vorlegt. Was hieß: Über wenige Eckdaten zum ersten Quartal hinaus konnte man gar nicht wissen, wie sich die Lage hier eigentlich darstellt. Jetzt weiß man es indes, denn am Montagabend nach Handelsende kam sie jetzt, die Bilanz der ersten sechs Monate 2020. Und der Chart zeigt, wie man das Ergebnis quittierte.

LVMH erzielte im ersten Halbjahr mit 1,67 Milliarden einen Gewinn, der sehr weit unter der durchschnittlichen Analystenprognose von 2,32 Milliarden lag. Im ersten Halbjahr 2019 hatte der Konzern noch 5,3 Milliarden Euro verdient. Ein Gewinneinbruch um 68 Prozent zum Vorjahr, der einem Umsatzminus von 27 Prozent (organisch sogar 38 Prozent) gegenüberstand. Was auch deutlich machte, dass die Gewinnmarge deutlich unter Druck geraten ist. Dass die Chefetage hofft, im zweiten Quartal eine schrittweise Verbesserung zu sehen, konnte die Enttäuschung der zuvor zu optimistischen Akteure nicht dämpfen. Denn diese „schrittweise Verbesserung“ muss von einem unerwartet tiefen Niveau aus starten.

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Expertenmeinung: Die Aktie geriet dadurch am Dienstag unter Druck. Aber es war gut zu erkennen, dass man aktiv versuchte, den charttechnischen Flurschaden zu begrenzen. Zur Mittagszeit versuchte man sich an einer Bodenbildung, um die mittelfristig entscheidende Kreuzunterstützung aus der März-Aufwärtstrendlinie und der 200-Tage-Linie im Bereich 383/385 Euro zu halten. Darunter könnte zwar eine Auffangzone zwischen 362/370 Euro als Sprungtuch für fallende Kurse wirken. Aber diejenigen, die im Bereich 383/385 Euro verbissen Verkäufe auffingen, dürften sich zu Recht gesagt haben, dass ein im Fall eines Bruchs der Zone markantes Short-Signal angesichts derart schwacher Zahlen dazu führen würde, dass sich die Leerverkäufer über die LVMH-Aktie hermachen und effektiv drücken. So effektiv, dass der Bereich 362/370 Euro dann zu dünn wäre, um einen Baisseschub der Aktie zu stoppen.

Zum Handelsende ist es gelungen, diese im Tagesverlauf bereits deutlich unterbotene Kreuzunterstützung zu verteidigen. Die sollte man aber besser in den kommenden Tagen nicht aus den Augen lassen. Denn die Bilanzdaten waren schlecht genug um klar zu machen, dass die gestrigen Rückkäufe eine reine Defensiv-Aktien waren um zu verhindern, dass sich ein größeres, charttechnisches Abwärtspotenzial auftut. Und Defensiv-Käufe basieren nicht auf Überzeugung, sondern auf der Angst vor Schlimmerem. Wer da gestern versuchte, diese Unterstützungen zu halten, ist demnach eher nervös. Und das könnten die Leerverkäufer, die „Bären“, natürlich in den kommenden Tagen ausnutzen, indem sie erneut und entschlossen Druck auf den LVMH-Kurs ausüben.

LVMH Chart vom 28.07.2020, Kurs 387,20 Euro, Kürzel MC | Online Broker LYNX

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Seit fast einem halben Jahr basiert das Auf und Ab der Aktie des Luxusgüterkonzerns LVMH vor allem auf Annahmen und Vermutungen. Für die Investoren entscheidend sind, auch am Aktienmarkt insgesamt, die Ergebnisse des zweiten Quartals und die dann von den Unternehmen mitgelieferten Perspektiven, weil das erste Quartal nur das „Abwärts“, nicht aber den Grad der Erholung dokumentieren konnte. Aber bei LVMH gab es ja nicht einmal das. Sicher, die Umsatzentwicklung wurde im April für das erste Vierteljahr vorgelegt. Aber ein taugliches Bild ergibt sich nur, wenn offenbar wird, was auf Basis der Umsätze hängenblieb, wie die Marge, wie der Gewinn aussieht. Und Louis Vuitton Moet Hennessy pflegt zu Gewinn und Marge nur am Ende eines Halbjahres Stellung zu nehmen. Man weiß also wenig bis nichts.

In anderthalb bis zwei Wochen ist mit diesen Zahlen zu rechnen. Dann kommt es zum Schwur. Alles, was bis dahingelaufen ist, kann damit auf den Kopf gestellt oder aber intensiviert werden. Derzeit, das macht der Chart sehr deutlich, setzen die Bullen darauf, dass das Zahlenwerk des ersten Halbjahrs grandios ausfallen und belegen wird: Luxus läuft auch in der Krise gut. Der Kurs hat sich zum Wochenstart an das Juni-Zwischenhoch herangeschoben. Dort hatte die Aktie zunächst nach unten abgedreht, nachdem das letzte „Gap“, die Kurslücke vom 24. Februar, geschlossen wurde. Jetzt soll sie genommen und die Aktie idealerweise im Vorfeld der Bilanz an das bisherige Rekordhoch von 439 Euro gezogen werden, um gleich die ideale Basis für den Ausbruch nach oben zu schaffen, wenn LVMH eine Bilanz vorlegt, die Skeptiker verblüfft. Der Haken dabei: Das hoffen die Bullen zwar. Aber es muss nicht so kommen.

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Expertenmeinung: Man könnte dieses Verhalten optimistisch, aber auch purer Leichtsinn nennen. Denn eigentlich weist gar nicht so viel darauf hin, dass die Luxusmarken des Konzerns nicht nur laufen wie vor der Pandemie nebst Rezession, sondern Umsatz und Gewinn (denn nur dann wären neue Rekorde in der Aktie ja nachvollziehbar) noch zugelegt haben. Immerhin hatte LVMH im ersten Quartal ein Umsatzminus von 15 Prozent gemeldet und mit Blick auf die anstehenden Monate die Dividende gekürzt. So agiert kein Unternehmen, das sicher ist, die Krise ohne Beeinträchtigung seines Wachstums zu durchschreiten. Das denken bislang also nur diejenigen, die den Kurs seit Monaten in einem Aufwärtstrend halten. Davon abgesehen wird stur ausgeblendet, dass die Übernahme von Tiffany den Konzern äußert teuer kam.

Ob hier also Milch und Honig fließen oder man bei LVMH derzeit den Gürtel enger schnallt, wird entscheidend dafür, ob es zu einem markanten Rücksetzer im Kurs kommen wird. Da die Bullen bereits ein positives Szenario eingepreist haben, wäre eine negative Reaktion leicht passiert. Sich bei Long-Positionen knapp unter der breiten, unter anderem aus dem mittelfristigen Aufwärtstrend sowie der 20-Tage- und der 200-Tage-Linie bestehenden Supportzone zwischen 362 und 391 Euro abzusichern, wäre daher unbedingt zu überlegen.

LVMH Aktie Chart vom 13.07.2020, Kurs 408,35 Euro, Kürzel MC | Online Broker LYNX

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Vereinbart war die Übernahme des US-Luxusgüterunternehmens Tiffany & Co. durch den französischen Luxusgüter-Konzern LVMH zwar, aber noch nicht endgültig abgewickelt. Was im Prinzip die Möglichkeit bietet, die Sache noch nachzuverhandeln. Genau das hat Louis Vuitton Moet Hennessy, kurz LVMH vor, weil man die Perspektive von Tiffany im Zuge der Folgen der Corona-Krise und der Unruhen in US-Großstädten anders bewertet. Doch die Sache hat einen Haken:

LVMH hat einen Kaufpreis von 135 US-Dollar pro Tiffany-Aktie vereinbart, das ist eine Menge Holz. Die Aktie schoss zwar, als dieser Deal im Herbst ruchbar wurde, genau dorthin, aber der Kurs hatte zuvor lange in einer Range zwischen 80 und 100 US-Dollar gelegen. Diese 135 US-Dollar pro Aktie dürfte LVMH jetzt verständlicherweise wie ein Kloß im Hans sitzen, aber einfach aus dem Deal auszusteigen wird nicht gehen. Denn nur Tiffany hätte diese Option, gegen eine Zahlung von 575 Millionen US-Dollar. Die Tendenz geht somit dahin, dass LVMH diese Kröte schlucken muss. Doch die Anleger scheinen das anders zu sehen, denn:

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Expertenmeinung: Dass man mit Analysten klar unterstrichen, dass Tiffany in einem solchen Fall vor Gericht ziehen und mit hoher Wahrscheinlichkeit Recht bekommen würde. Und es war nicht die Erkenntnis, dass der derzeitige Stand der Dinge kein Grund ist, LVMH auf diesem Level noch zu kaufen, der diese Rallye beendete.

Es war zum einen der Umstand, dass die Aktie durch die Käufe Anfang letzter Woche bei überkaufter Markttechnik an der oberen Begrenzung der letzten, noch im Weg stehenden Kurslücke im Chartverlauf angestoßen war, der den Anstieg ausbremste. Zum anderen war es der massive Druck am Gesamtmarkt, der dann am Donnerstag für einen kräftigen Rücksetzer sorgte. Jetzt muss sich herausstellen, ob die Devise „Luxus läuft auch in der Krise“ zusammen mit dieser noch positiven Interpretation der Wirren um Tiffany imstande ist, die Aktie aus der jetzt erreichten, kurzfristig wichtigen Schlüsselzone wieder nach oben heraus zu tragen.

Um bullisch zu bleiben, müsste LVMH dieses Vorwochen-Hoch bei 405,30 Euro überbieten. So würde diese Kurslücke geschlossen und nach oben verlassen. Aber sollte die jetzt erreichte, wichtige Auffangzone, bestehend aus der oberen Begrenzung der Handelsspanne von Ende März bis Ende Mai, der 200-Tage- ebenso wie der 20-Tage-Linie im Bereich 362/378 Euro brechen, wäre es wohl schnell vorbei mit dem Optimismus. Das nächste Kursziel läge dann bei 325 Euro.

LVMH Aktie Chart vom 12.06.2020, Kurs 377,45 Euro, Kürzel MC | Online Broker LYNX

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Die Aktie des Luxusgüterkonzerns Louis Vuitton Moet Hennessy ist auf dem Sprung, mittelfristig entscheidende Charthürden zu bezwingen. Sie sehen im Chart, dass sich bereits Ende März nach einer rasanten Gegenreaktion nach oben eine Seitwärtsrange gebildet hat, aus der die Aktie bislang nicht auszubrechen vermochte. Durch die lange Dauer dieser Seitwärtsbewegung erhält die obere Begrenzung dieser Range jetzt zusätzliche Relevanz. Denn mittlerweile hat die übergeordnete, im Januar etablierte Abwärtstrendlinie, derzeit bei 366 Euro, diesen Bereich erreicht. Und die Trader proben, wie man im Chart sehen kann, den Ausbruch.

Würde dieser gelingen, müsste die Aktie zwar noch am Hoch des letzten, abgewiesenen Ausbruchsversuchs bei 370 Euro und an der 200-Tage-Linie bei aktuell 376,60 Euro vorbei, um aus rein charttechnischer Sicht wirklich erst einmal freie Bahn nach oben zu haben. Aber diejenigen, die auf den Ausbruch setzen, haben bei dieser Wette einen Vorteil: Ob sie damit richtig liegen, wird sich erst in gut zwei Monaten herausstellen. Denn erst dann stehen die Halbjahresergebnisse des Unternehmens an. Und mit ihnen erstmals Daten zum Gewinn. Denn LVMH meldet in den Quartalsbilanzen die Entwicklung der Umsätze, zum Gewinn nimmt man dort aber nur am Ende eines Halbjahres Stellung. Wird die Wette der Bullen aufgehen?

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Expertenmeinung: Diejenigen, die versuchen, die Aktie aus ihrer Handelsspanne nach oben heraus zu bekommen, gehen davon aus, dass der weltweite Einbruch des Einzelhandels den Luxusgütersektor nur moderat betroffen hat. Die Wette lautet also, dass sich Luxus immer gut verkauft, weil die Reichen von der derzeitigen Rezession weniger bis gar nicht betroffen sind und ihr Konsumverhalten deswegen auch nicht ändern. Eine gewagte Wette, denn im ersten Quartal hat LVMH organisch immerhin 17 Prozent weniger umgesetzt und teilte im Zuge der Veröffentlichung dieser Zahlen mit, dass man die Dividende reduzieren müsse. Zwar ist China für den Konzern ein sehr wichtiger Markt und die Geschäfte konnten dort weit früher wieder öffnen als in Europa oder den USA. Aber China war schon wieder „offen“, als das Unternehmen am 17. April die Quartalsumsätze vorlegte. Wäre man sicher, ungeschoren aus der Krise hervorzugehen, hätte man die Dividende eher nicht gekürzt.

Sollte es dem bullischen Lager gelingen, sich nach oben abzusetzen, kann der Kursanstieg dennoch relativ weit reichen, alleine, weil man ja weiß, dass die Halbjahreszahlen und damit die Auflösung der Wette erst Ende Juli anstehen. Aber zum einen ist der Ausbruch noch nicht gelungen, zum anderen könnte es angesichts eines derart fragilen Unterbaus dieses Optimismus nicht schaden, auch die Unterseite im Auge zu behalten. Denn sollte es den Tradern noch ein paar Tage lang nicht gelingen, LVMH aus seiner Handelsspanne nach oben hinaus zu befördern, werden einige sicherlich testen, ob die Short-Seite nicht vielleicht doch ein leichteres Durchkommen bietet.

LVMH Aktie Chart vom 21.05.2020, Kurs 361,00 Euro, Kürzel MC | Online Broker LYNX

Luxus, wie ihn Louis Vuitton Moet Hennessy mit seinen zahlreichen Top-Marken wie Dior, Fendi, Dom Perignon oder Tag Heuer, um nur einige zu nennen, anbietet, verkauft sich auch in Krisen, heißt es. Denn die, die sich solche Produkte leisten können, tun das auch in schwierigen Zeiten. Mit diesem Motto trotzte die LVMH-Aktie den Folgen des US-Handelskriegs, der zuletzt speziell Frankreich ins Visier genommen hatte. Und der stetig wachsende Umsatz und Gewinn des Luxusgüterkonzerns gab den Anlegern bislang Recht. Jetzt jedoch nicht mehr. Am 16. April nach Handelsende meldete LVMH das Ergebnis des ersten Quartals, das deutlich machte, dass die Beschränkungen und die Verunsicherung, die mit der Pandemie einhergehen, auch die Vermögenden zurückhaltender stimmt.

Die Entwicklung des Gewinns wird bei LVMH traditionell nur zu einem Halbjahresende offengelegt, so dass sich die Anleger hinsichtlich des ersten Quartals mit der Umsatzentwicklung begnügen mussten. Aber dieser Umsatz fiel gegenüber dem ersten Quartal 2019 auf organischer Basis um satte 17 Prozent. Heftig genug, um LVMH zu veranlassen, Kosten zu sparen und die Dividende zu kürzen. Doch wer dachte, der Kurs würde daraufhin einbrechen, sah sich getäuscht: Die Reaktion am Folgetag, dem 17. April, war ein sattes Plus von 4,3 Prozent. Seither allerdings, und das ist auffällig, geht nichts mehr voran.

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Expertenmeinung: Der Grund für den Kurssprung als Reaktion auf die eigentlich ernüchternde Bilanz mag darin liegen, dass sie nicht fatal genug ausfiel, um weitere Abgaben auszulösen und man daraufhin seitens der Bären, der Leerverkäufer, umgehend versuchte, seine Short-Gewinne zu sichern. Solche sogenannten Eindeckungen ziehen den Kurs höher. Zugleich dürften manche eingestiegen sein, die davon ausgehen, dass ein derart starker Konzern wie LVMH die Lage in den Griff bekommen wird und die Kunden in Kürze wieder vermehrt zugreifen werden, nicht zuletzt mit dem Blick auf China. Dort läuft der Handel wieder. Und dort liegt ein für LVMH Jahr für Jahr bedeutsamer werdender Absatzmarkt. Aber:

Ob man davon ausgeht, dass sich die Lage speziell für LVMH schnell wieder bereinigt oder das Gröbste in Sachen Absatzschwund noch bevorsteht, beides ist eine subjektive, emotionale Einschätzung, weil man das in einer Situation wie dieser nicht vorhersagen kann. Damit wird es nicht leicht, über die bisherige Korrektur des vorherigen Abverkaufs hinaus weiter nach oben zu laufen, zumal die wirklich markanten Widerstandsmarken erst noch bevorstehen.

Sie sehen im Chart, dass LVMH zwar als Reaktion auf die Quartalsbilanz am 17. April stieg, dabei aber am vorherigen Zwischenhoch der Gegenbewegung bei 362 Euro hängen blieb. Selbst wenn es gelingt, sich aus der daraus entstandenen, kurzfristigen Seitwärtsrange nach oben zu lösen, warten bei 379 die 200-Tage-Linie und bei 381 Euro die Februar-Abwärtstrendlinie als voraussichtlich hartnäckige Widerstandslinien auf die Anleger. Erst, wenn die Aktie diese Hürden bezwungen hätte, wäre der Weg nach oben frei, erst dann hätte sich die subjektive Sicht des „wir schaffen das“ vorerst durchgesetzt. Unterhalb von 381 Euro bleibt LVMH aus bullischer Sicht aber ein Wackelkandidat.

LVMH Aktie Chart vom 27.04.2020, Kurs 349,45 Euro, Kürzel MC | Online Broker LYNX