Delivery Hero: Nur etwas für Daytrader, es sei denn …

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Delivery Hero
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Zur Delivery Hero Aktie

Als die Ergebnisse des dritten Quartals auf den Tisch kamen, reagierte die Delivery Hero-Aktie überaus positiv. Aber nach wenigen Tagen verhungerte die Rallye – unterhalb entscheidender Charthürden. Jetzt sind die Bullen erneut in der Defensive. Steht der Ausbruch nach unten an?

Wenn, dann waren die Ergebnisse des Sommerquartals, die der Mahlzeiten-Lieferservice Delivery Hero am 11. November vorlegte, eher eine positive Überraschung. Mit einem Wachstum von 52 Prozent bei den Bestellungen und von knapp 65 Prozent beim Bruttowarenvolumen wurde die durchschnittliche Analysten-Prognose jeweils leicht übertroffen. Und dass die EBITDA-Marge negativ bleiben würde, war jedem Anleger klar, da blieb es bei dem bisherigen, unternehmenseigenen Ausblick von -2,0 Prozent.

Für einige Akteure war das Grund genug, in die schon zwei Tage zuvor langsam wieder anziehende Aktie einzusteigen. Doch acht Tage später war es vorbei mit der Rallye, seither fällt der Kurs und hat nicht mehr allzu viel Spielraum bis zu den 111,90 Euro, bei denen die Delivery Hero-Aktie am Vorabend der Bekanntgabe dieser Quartalsergebnisse geschlossen hatte. Im Gegensatz zu denen, die die Bilanz tadellos und ermutigend fanden, gab es also offenbar genug Anleger, die noch unterhalb mittelfristig entscheidender Charthürden die Gelegenheit nutzten, auszusteigen oder sogar Short zu gehen.

Könnte man ermessen, was diese Verkäufer umtreibt, ließe es sich vielleicht abschätzen, ob sich die Aktie rechtzeitig fängt, um einen neuen Anlauf für einen Befreiungsschlag nach oben zu starten … oder der Weg nach unten mit diesem Abwärtsschwenk vorprogrammiert ist. Aber das ist gerade bei einer Aktie wie Delivery Hero knifflig, denn:

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Delivery Hero Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Wie errechnet man den fairen Wert der Aktie eines Unternehmens, das noch keinen Gewinn erwirtschaftet und in den kommenden zwei Jahren auch nicht erwirtschaften wird? Das Kurs/Gewinn-Verhältnis fällt als Basis aus. Und das Kurs/Umsatz-Verhältnis ist problematisch, weil speziell bei Delivery Hero zwar der Umsatz rasant steigt, aber der Verlust pro Aktie erst einmal nicht nennenswert sinkt, weil zugleich die Investitionen und Zukäufe zulegen. Und da man kaum vergleichbare Unternehmen findet, ist es knifflig abzusehen, wo die Gewinnmarge zukünftig liegen könnte. Bei einem Prozent, vielleicht bei zwei? Aber genau das ist die Scheidemarke zwischen winzigen und immensen Gewinnen.

Daher entsteht hier eine Art wackliges Gleichgewicht zwischen Optimisten und Pessimisten, die eine Aktie wie diese in einer naturgemäß recht breiten Kursspanne halten. Da ist es eher normal, wenn die Skeptiker nahe deren oberer Begrenzung aussteigen oder Short gehen, die Optimisten hingegen am unteren Ende der Spanne kaufen. So gesehen hat der Abwärts-schwenk unterhalb der oberen Begrenzungszone dieser Handelsspanne, die zwischen 133 und 135 Euro liegt, ebenso wenig mittelfristige Prognosekraft wie die Käufe zuvor, die wiederum noch ein gutes Stück über der unteren Begrenzungszone um 100 Euro einsetzten.

Relevant wird es daher erst, wenn diese Zone entweder nach oben oder nach unten verlassen wird. Da der Kurs der Aktie von allen Seiten subjektiv beurteilt wird, wäre zu erwarten, dass ein Ausbruch nach oben oder unten dann auch die Beurteilung der Aktie durch die Anleger verschiebt. Ein Ausbruch nach oben würde die Grundstimmung aufhellen, einer nach unten die Zahl der Skeptiker deutlich ansteigen lassen, einfach, weil man außerhalb des Trends des Kurses kaum mittelfristig taugliche „Messinstrumente“ zur Verfügung hat. Also:

Innerhalb dieser breiten Spanne zwischen 100 und 135 Euro wäre die Delivery Hero-Aktie eigentlich nur etwas für Daytrader oder kurzfristige Akteure. Aber sollte diese Handelsspanne verlassen werden, wäre ein Trade in Ausbruchsrichtung allemal auch auf mittelfristiger Zeitebene lukrativ … wobei man immer im Hinterkopf haben muss: Je länger eine Handelsspanne andauert, desto eher kommt es zu Bullen- oder Bärenfallen, ein einigermaßen enger Stoppkurs wäre daher bei einem sogenannten „Breakout-Trade“ zu empfehlen.

Chart vom 25.11.2021, Kurs 113,70 Euro, Kürzel DHER | Online Broker LYNX
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Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Überaus positive Quartalsergebnisse haben die Delivery Hero-Aktie zum Ende der vorigen Wochen wieder nach oben schnellen lassen. Somit stehen die Chancen recht gut, dass die Schwäche der letzten beiden Monate beendet werden könnte. Auch zahlreiche Investmenthäuser haben sich überaus positiv zu den neuesten Zahlen geäußert.

Anfang Oktober konnte aus technischer Sicht der Bruch der psychologisch wichtigen Marke bei 100 EUR verhindert werden. Dass dieses Niveau unbedingt gehalten werden muss, hatten wir bereits in unserer letzten Analyse erwähnt. Das aktuell gebildete höhere Tief deutet auf erhöhtes Kaufinteresse hin und so könnte die Aktie bald wieder in einen neuen Aufwärtstrend übergehen.



Expertenmeinung: Es ist an der Zeit, unsere Aussichten etwas nach oben anzuheben. Das Zwischenhoch von Ende Oktober bei 119.30 EUR ist für die kommenden Tage der wohl wichtigste Punkt im Chart. Der Bruch nach oben würde ein frisches Kaufsignal mit sich bringen und könnte die Kurse in Folge schnell wieder in Richtung der Sommerhochs bringen. Hier wartet dann noch eine Widerstandslinie, welche sich bei rund 130 EUR bemerkbar machen würde. Wenn alles gut laufen sollte, könnte die Reise bis auf dieses Niveau gehen. Die Unterstützungen im Bereich von 100 bis 101.65 EUR sollten natürlich weiterhin beobachtet werden.

Aussicht: BULLISCH

Chart vom 12.11.2021 Kurs: 118.00 Kürzel: DHER | Online Broker LYNX

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Zusammen mit dem DAX ging es in den letzten Wochen auch mit der Delivery Hero-Aktie stark bergab. Doch der Abverkauf kam nicht überraschend. Im ersten Anlauf konnten die Bullen im September noch die nach oben gerichtete Trendlinie halten, doch spätestens beim Bruch nach unten war klar, dass es von hier an eine Etage weiter in Richtung Süden gehen dürfte. Gesagt, getan. In Folge verlor das Papier abermals heftig an Wert und näherte sich in Windeseile der psychologisch wichtigen Marke bei 100 EUR. Hier befindet sich zudem ein wichtiges Pivot-Tief aus dem Monat Mai, welches bei 101.20 EUR gebildet wurde. Angekommen am Support, kam es diese Woche zumindest zu einer Gegenbewegung nach oben. Der Trend ist mittlerweile in eine neutrale Verkaufsphase abgerutscht.

Expertenmeinung: Vorerst hält sich der technische Schaden noch in Grenzen. Die Kurse gehen gerade nach oben und werden sich in den kommenden Tagen wohl mit den gleitenden Durchschnitten der Perioden 20 und 50 herumschlagen. Diese werden als Widerstände in den Verlauf der Aktie eingreifen. Die Frage ist eher, was passiert, wenn der eingezeichnete Boden brechen würde. Dies wäre ein mächtiges Verkaufssignal, welche die Aktie auch langfristig in Bedrängnis bringen würde. Kursziele im Bereich von bis zu 60 EUR würden dann im Raum stehen. Vorerst ist die Gefahr jedoch gebannt. Anleger sollten dieses wichtige Niveau dennoch nicht außer Acht lassen.

Aussicht: NEUTRAL

Chart vom 12.10.2021 Kurs: 109.50 Kürzel: DHER | Online Broker LYNX

Die Aktie des Mahlzeiten-Lieferdienstes Delivery Hero hat gestern eine immens wichtige Unterstützungslinie erreicht. Hält sie, wäre eine 20 Prozent-Rallye durchaus drin. Aber hält sie nicht, bliebe nur noch eine weitere Unterstützung, bevor die Bären massiv zuschlagen dürften.

Die Analysten bleiben bei Delivery Hero eisern bullisch, doch die Anleger folgen den Empfehlungen. Während sich im Aktienkurs eine große Toppbildung formiert, bleiben drei Viertel der die Aktie beobachtenden Experten beim „Kaufen“-Rating, das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei sagenhaften 163 Euro und damit zwölf Prozent über dem bisherigen Verlaufsrekord der Aktie, der Anfang Januar bei 145,40 Euro erreicht wurde. Und dieses bisherige Allzeithoch selbst liegt schon in unerreichbar weiter Ferne, wie es scheint.

Es scheint, die Anleger mögen die Story nicht besonders. Erst stieß Delivery Hero das Deutschland-Geschäft ab, jetzt baut man es neu auf. Das Wachstum der Umsätze bleibt rasant, aber noch nähert man sich der „schwarzen Null“ nicht. Und zuletzt nahm Delivery Hero Anfang September neues Geld auf, indem der Lieferdienst für 1,25 Milliarden Euro Wandelanleihen ausgab. Das Ziel der Profitabilität ist Jahre entfernt und noch ist nicht wirklich sicher, dass es auch erreicht wird. Da braucht es viel Risikobereitschaft seitens der Anleger und regelmäßig positive Nachrichten, um sie bei Laune zu halten. Und letzteres war zuletzt relativ dünn gesät.

Expertenmeinung: Wenn eine Aktie nicht mehr vorankommt, sondern in eine Seitwärtsbewegung einschwenkt, die zudem auch noch äußerst volatil ist, ist das für die Nerven der Marktteilnehmer alles andere als zuträglich. Das führt oft dazu, dass sich die Impulse hochschaukeln, weil immer mehr Anleger ihre fundamental ja schwach unterfütterte Meinung gegenüber der Aktie entsprechend der kurzfristigen Impulse ausrichten und somit immer wieder wechseln. Und derzeit dürfte die Stimmung ziemlich problematisch geworden sein, denn der Gesamtmarkt wackelt … und die Delivery Hero-Aktie erst recht.

Der Kurs ist jetzt an die untere Begrenzungslinie einer großen Dreieckformation gerutscht, die aktuell bei 110 Euro verläuft. Sollte es gelingen, das Ruder hier herumzureißen, wäre eine Rallye an die obere Begrenzungslinie dieser Formation bei aktuell 137 Euro durchaus möglich. Aber was, wenn die Linie bricht, der Start ins neue Quartal heute zu wenig frisches Kapital in den Markt bringt … oder aber neues Geld da wäre, dieses aber an dieser Aktie vorbei fließt?

Dann ginge es um die runde 100 Euro-Marke. Wird die Dreiecksformation gebrochen, wären die Tiefs der Monate März und Mai bei 100,05/101,20 Euro die unmittelbar nächste Auffanglinie. Und sollte diese Zone fallen, Delivery Hero damit in die Kurs-Zweistelligkeit zurückgeworfen werden, kann das immensen Druck auslösen. Denn wie gesagt: Bei Aktien, deren Unternehmen tief in den roten Zahlen operieren, ist der Kurs selbst ein weit wichtigerer Leitstrahl für das Verhalten der Akteure als bei etablierten Blue Chips. Hier einfach darauf zu wetten, dass die Aktie bei 110 Euro schon wieder nach oben drehen wird, wäre daher verwegen. Und spätestens unter 100 Euro sollte man sich überlegen, hier neutral zu sein.

Delivery Hero-Aktie: Chart vom 30.09.2021, Kurs 110,45 Euro, Kürzel DHER | Online Broker LYNX

Wann wird Delivery Hero die Gewinnzone erreichen? Und auf wie viel Gewinn pro Aktie könnte man hoffen? Diese Fragen lassen sich vorerst nicht beantworten, daher sind Marktstimmung und Charttechnik die treibenden Elemente der Aktie – die beide Chancen für die Bullen bieten.

Der DAX begann am ersten Handelstag des neuen Monats stark, ließ dann aber umso stärker nach und landete im Minus. Die einzige Aktie des deutschen Leitindex, die wirklich stark lief, war Delivery Hero. Auslöser könnte gewesen sein, dass die niederländische Holding Prosus, bereits jetzt schon mit knapp 25 Prozent der größte Anteilseigner von Delivery Hero, ihren Anteil um weitere 2,5 Prozent aufstocken will. Das führte bereits am Dienstagnachmittag, als diese Nachricht eintraf, zu Kursgewinnen, am Mittwoch ging es weiter.

Aber ist diese Nachricht einen Kurssprung von zehn Prozent binnen zweier Handelstage wert? Da landet man sofort wieder bei der Frage, auf welchem Level die Aktie grundsätzlich korrekt bewertet wäre. Und da man, siehe oben, noch absolut nicht absehen kann, wann und wie viel Delivery Hero irgendwann verdienen wird, weil das Unternehmen mitten in einer kostenintensiven Wachstumsphase steckt, die diesen Weg in die schwarzen Zahlen zunächst ebnen und dann sichern soll, bleibt nur eine Antwort: das ist absolut Ansichtssache.

Expertenmeinung: Natürlich könnte man aufgrund des mangels Gewinn nicht ermittelbaren Kurs/Gewinn-Verhältnisses (KGV) mit anderen Bewertungsmodellen arbeiten, z.B. dem KUV (Kurs/Umsatz-Verhältnis) oder dem KCV (Kurs/Cashflow-Verhältnis). Aber der Boden, auf dem man dann stünde, wäre auch nicht fester, weil man nicht abschätzen kann, wie sich die Marge, d.h. das, was als Gewinn vom Umsatz übrigbleiben wird, in ein paar Jahren darstellt.

Daher agieren auch die Analysten mit ihren Einschätzungen und Kurszielen mehr im Ungewissen als bei anderen Unternehmen. Wenn man dort mehrheitlich bullisch ist und das durchschnittliche Analysten-Kursziel bei 160 Euro liegt, kann man damit richtig liegen oder sich irren. Für den Anleger wäre es daher besser, diese ungewisse Zukunft nicht einfach strikt positiv oder negativ zu beurteilen, sondern pragmatisch der Charttechnik zu folgen. Die jetzt in der Tat eine Chance auf den Ausbruch nach oben böte, aber:

Delivery Hero-Aktie: Chart vom 01.09.2021, Kurs 130,20 Euro, Kürzel DHER | Online Broker LYNX

Eine Chance bedeutet nicht, dass das klappen muss. Dass die Delivery Hero-Aktie im August zunächst auf Höhe der bereits zuvor bestätigten März 2020-Aufwärtstrendlinie nach oben drehte und ein Rücksetzer zu Wochenbeginn sauber auf Höhe der knapp über dem mittelfristigen Aufwärtstrend laufenden 200-Tage-Linie erneut in steigende Kurse überging, ist eine perfekte Ausgangsbasis für den Ausbruch. Aber erst, wenn das Anfang August entstandene Zwischenhoch bei knapp 133 Euro und die über die beiden Hochs vom Januar und April zu konstruierende Abwärtstrendlinie bei 138 Euro bezwungen wurden, wäre dieser Ausbruch auch gelungen. Und eines sollte man im Hinterkopf haben: Als Delivery Hero am 12. August die Bilanz des zweiten Quartals vorlegte, sorgte das für ein Minus von über sieben Prozent, das diesen Test des Aufwärtstrends erst auslöste. Damals sackte der Kurs bis 112 Euro durch. Und das, was da für Abgaben sorgte, ist in Sachen Umsatz und Gewinn bzw. Verlust der letzte Stand der Dinge. Wer erwartet, dass Delivery Hero jetzt, kurz danach, über 138 Euro läuft und weiter steigt, sollte das in jedem Fall bedenken.

Delivery Hero hat Halbjahreszahlen vorgelegt und im Endeffekt sehen die so aus wie immer.
Mehr Umsatz, aber auch immer mehr Verlust.

Die Frage, wie nachhaltig das ist, kann sich jeder selbst beantworten. Bisher scheint das an der Börse aber niemanden zu interessieren.

Unterdessen stopft sich der Vorstand die Taschen voll – solange es noch geht.

Strukturell unprofitabel?

Inzwischen muss man sich ernsthaft die Frage stellen, ob Delivery Hero nicht strukturell unprofitabel ist und niemals ein positives Ergebnis erzielen wird. Die Kommunikation mit den Anlegern kann man ebenfalls kritisieren.

Unter dem Strich hat Delivery Hero noch nie Geld verdient und wird es auf unabsehbare Zeit auch nicht.

Nehmen wir das letzte Geschäftsjahr. Der Umsatz hat sich von 1,24 auf 2,47 Mrd. Euro nahezu verdoppelt.
Die Umsatzkosten sind allerdings um 113% gestiegen, also noch stärker als die Einnahmen.
Der Konzernverlust legte um 1,09% auf -1,39 Mrd. Euro zu.

Die wichtigsten Wettbewerber wie Doordash, Deiveroo oder Just Eat haben auch durchweg deutlich höhere Bruttomargen. Wer sich im Sektor engagieren möchte, ist dort wohl besser aufgehoben.

Selbst im Corona-Umfeld und explodierenden Einnahmen ist Delivery Hero der Sprung in die Profitabilität nicht gelungen. Es ist schon bemerkenswert, dass das Unternehmen all die Einnahmen so schnell ausgeben konnte.

Besonders negativ ist auch das Verhältnis zwischen Umsatz und Verlust und der Umstand, dass sich die Lücke einfach nicht schließt.
Man könnte auch den Umstand kritisieren, dass sich der Vorstand trotz der anhaltenden Verluste Millionenboni in Form von Aktienpaketen genehmigt.

Im letzten Jahr hat man dafür immerhin 86,1 Mio. Euro ausgegeben. Die Zeche zahlen die Aktionäre.

Aktuelle Lage

Im ersten Halbjahr 2021 hat sich die Entwicklung konsequent fortgesetzt. Der Umsatz legte um 109% auf 2,90 Mrd. Euro zu, die Zahl der Bestellungen um 83,2% und der Bruttowarenwert um 78,4%.

Daraus kann man einige entscheidende Informationen ableiten. Das bedeutet, dass die Bestellsumme je Order kleiner geworden ist und Delivery Hero von den Restaurants eine höhere Provision kassiert hat als zuvor.

Der Verlust ist unterdessen von -448 auf -918,1 Mio. Euro gestiegen, also um 105%. Die Lücke schließt sich einfach nicht.

Der Verweis des Unternehmens auf ein „bereinigtes EBITDA“ des Europa-Geschäfts von 1,0 Mio. Euro erheitert mich in diesem Zusammenhang eher.

Nicht korrekt

Man könnte auch kritisieren, dass Delivery Hero stets auf die EBITDA-Margin im Verhältnis zum GMV (Bruttowarenwert) verweist, da sich viele Anleger darunter nicht viel vorstellen können.

Eine Marge von -2% hört sich unproblematisch an und wäre es auch. Der Bruttowarenwert entspricht aber natürlich nicht den Einnahmen von Delivery Hero.

Die bereinigte EBITDA-Marge des Unternehmens im Verhältnis zum Umsatz – und nur das zählt – lag zuletzt bei 11,5%.
Das „bereinigtes EBITDA“ ist aber ohnehin eine Frankenstein-Kennzahl und eine Beschönigung der Lage.

Man könnte noch eine ganze Weile fortfahren, aber ich glaube, Sie verstehen den Punkt.
Ein paar „Kleinigkeiten“ möchte ich aber noch ansprechen: Delivery Hero versteht es sehr geschickt, seine Zahlen zu verschleiern. Um ein vollständiges Bild zu erhalten, muss man sich drei verschiedene Dokumente und Meldungen kämpfen.

Aktien für Mitarbeiter werden unter „Verwaltungsaufwendungen“ gebucht. Teilweise widersprechen sich die Zahlen und teilweise werden außerordentlich wichtige Kennzahlen in den einzelnen Meldungen auch nicht genannt.

Verschleierungstaktik

Dass Delivery Hero ein Nettoergebnis von -918 Mio. Euro eingefahren hat, geht aus der Pressemitteilung (Link) zum Beispiel nicht hervor. Warum?

Ebenso wenig, dass der „Umsatz der Segmente“ nicht der eigentliche Konzernumsatz ist, sondern auch den Wert eingelöster Gutscheine beinhaltet. Geld, welches man nie vereinnahmt hat.
Den eigentlichen Konzernumsatz findet man dann erst auf Seite 6 des Halbjahresfinanzberichts. Es sind 2,46 Mrd. Euro.

Hauptsache es wurden trotz 918 Mio. Euro Verlust in nur einem halben Jahr Aktien mit einem Wert von 131,7 Mio. Euro an die Mitarbeiter verteilt – im kompletten Vorjahr waren es „nur“ 86,1 Mio. Euro.

Wie viel davon an die Vorstände geflossen ist, werden wir erst in einigen Monaten erfahren. Man kann es aber ungefähr erahnen.
Denn im letzten Geschäftsjahr hat der Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg 45,7 Mio. Euro verdient.

Das ist in Anbetracht der enormen Verluste obszön und sprengt auch alles, was bisher an Bezahlung im Dax üblich war.

Chart vom 26.08.2021 Kurs: 122,10 Kürzel: DHER - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 26.08.2021 Kurs: 122,10 Kürzel: DHER – Tageskerzen

Zum Vergleich: 28 der 30 Dax-Chefs haben zuletzt unter 10 Millionen Euro verdient und durchschnittlich waren es 5,3 Mio. Euro.

VW-Chef Diess verdiente zum Beispiel weniger als ein Siebtel, obwohl sein Konzern fast das Hundertfache an Umsatz generiert.
Hätte er im Verhältnis zum Konzernumsatz ein vergleichbares Gehalt erhalten, wären es 4,12 Mrd. Euro gewesen.

Den Aktionären von Delivery Hero wünsche ich viel Erfolg.