EURO STOXX 50 aktuell Euro Stoxx 50: Er hat geschafft, was die DAX-Bullen gerne hätten

News: Aktuelle Analyse des EURO STOXX 50 Index

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EURO STOXX 50
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Zum EURO STOXX 50

So beeindruckend die Rallye seit Anfang November auch war, noch hat der DAX die Hochs der vergangenen Monate nicht überboten, sondern hängt im Gegenteil knapp darunter derzeit fest. Anders sieht das beim Euro Stoxx 50 aus. Sie sehen es im Chart auf Tagesbasis: Hier hat der Schwung der US-Wahl/Impfstoff-Rallye ausgereicht, um den europäischen Leitindex über die Widerstandszone 3.395/3.451 Punkte hinaus zu katapultieren. Optimisten könnten daraus schließen, dass der DAX ihm nachfolgen wird, immerhin rekrutiert sich ein Drittel der im Euro Stoxx 50 gelisteten Aktien aus dem DAX. Doch nüchtern betrachtet ist das keineswegs eine beschlossene Sache.

Denn wo bleiben die Anschlusskäufe, nachdem diese wichtige Hürde im Euro Stoxx 50 genommen wurde? Er hält sich zwar bislang auf Schlusskursbasis über dieser jetzt als potenzielle Unterstützung fungierenden Zone 3.395/3.451 Punkte. Aber der Schwung ist dahin und darüber hinaus weisen markttechnische Indikatoren wie der im Tageschart mit eingeblendete Stochastik-Oszillator aus, dass der Index kurzfristig überkauft ist.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 19.11.2020, Kurs 3.451,97 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Der Chart auf Monatsbasis zeigt, dass der Euro Stoxx 50 auf dem Sprung wäre, denn Bann der vorangegangenen fünf Monate zu brechen. Fünf Monate, in denen zum Ende des jeweiligen Monats immer wieder Abgabedruck aufkam, der verhinderte, dass sich der Index nach oben absetzen konnte. Würde das im November anders, könnte er das derzeitige Niveau auch nur ein wenig ausbauen, wäre der Weg aus rein charttechnischer Sicht frei, um einen erneuten Anlauf zu wagen, sich aus dem langfristigen „Käfig“ zwischen 2.670 und 3.840 Punkten zu befreien, nachdem der erste Versuch im Februar durch den „Corona-Crash“ abgeschossen wurde. Die Bullen hätten also ein äußerst starkes Motiv, um am Ball zu bleiben. Allein, bislang ist noch nicht erkennbar, dass sie das aktiv angehen würden.

Den aktuellen Kurs und Chart des EURO STOXX 50 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Was die Käufer derzeit zurückhaltend stimmt, dürfte sich auf zwei Ebenen abspielen. Zum einen ist der Index rasant gelaufen, ohne bislang auch einmal „auszuatmen“. Da fürchtet man zu Recht, direkt vor einem womöglich größeren Rücksetzer einzusteigen und hält die Füße still. Zum anderen sind die aktuellen Rahmenbedingungen weiterhin kritisch. Es ist allein die wieder aufgeflammte Hoffnung, dass sich das in wenigen Monaten deutlich zum Positiven verändert, die den Euro Stoxx 50 nach oben trieb. Und die Akteure wissen: Die Faktenlage wird „good news“ in den kommenden Wochen, wenn, dann nur begrenzt liefern können. Was auch bedeutet:

Ein Rücksetzer kann jederzeit auftreten und er könnte allemal auch größer ausfallen. Denn wanken die Kurse, wankt die Zuversicht sofort mit und die Bereitschaft, die in so kurzer Zeit aufgelaufenen Gewinne mitzunehmen, solange sie noch da sind, steigt dann schnell.

Sollte der Euro Stoxx 50 nicht nur in diese Supportzone 3.395/3.451 Punkte zurücksetzen, sondern durch sie hindurchrutschen, wäre das mögliche Zugpferd für den noch unter den vergleichbaren Hürden festhängenden DAX ausgeschirrt. Das muss nicht so kommen, es könnte jederzeit eine Attacke der Bullen kommen und mit einem erneuten Aufwärtsschub die Hoffnung hinreichend zementiert werden, um überwintern zu können. Aber es wäre riskant, ein Scheitern dieser Rallye einfach auszuschließen!

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 19.11.2020, Kurs 3.451,97 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des EURO STOXX 50 Index

Wer nach einem Handelstag wie dem gestrigen zur Vorsicht mahnt, wird schnell als notorischer Schwarzseher eingestuft. Wobei ich keinen Grund sehe, bärisch zu sein, angesichts dessen, was der Euro Stoxx 50 da gestern aufs Parkett legte. Zu Vorsicht gibt es meiner Ansicht nach aber jetzt noch mehr Grund als Ende letzter Woche. Und das selbst ohne einen Blick auf die zwei Damoklesschwerter, die in Form der Pandemie und der Folgen der US-Wahl über dem Index schweben.

Denn allein, wenn man sich den Index auf charttechnischer Ebene anschaut, wird deutlich: Er ist an die entscheidende Zone für einen Befreiungsschlag herangelaufen. Aber heran- und vorbeikommen sind eben zweierlei. Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der europäische Leitindex in den Bereich der oberen Wendepunkte der vergangenen fünf Monate gelaufen ist. Jedes Mal, wenn er dort ankam, waren die Bullen sicher, dass er weiterläuft und dadurch der Weg an das Jahres-Verlaufshoch bei 3.867 Punkten frei würde. Bislang gelang das nicht. Warum sollte es diesmal funktionieren?

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 09.11.2020, Kurs 3.407,91 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Wegen der gestrigen Meldung, dass die deutsche Biotechfirma BioNTech, die zusammen mit Pfizer an einem COVID 19-Impfstoff forscht, eine herausragend hohe Wirksamkeitsrate erreicht hat und eine Eilzulassung womöglich schon in wenigen Wochen erfolgen könnte? Natürlich ist das außerordentlich ermutigend. Aber dieser positive Schritt bedeutet nicht, dass das Problem in ein paar Wochen vom Tisch wäre. Nach der Zulassung eines Impfstoffs würde es einige Monate brauchen, dieses Vakzin zu produzieren, zu verteilen und zu verabreichen. Und erst, wenn solche Impfungen weltweit in großem Umfang erfolgt sind und es a) zu nur minimalen Nebenwirkungen und b) zu einem hohen Wirkungsgrad käme, wäre das Damoklesschwert, das über der Weltwirtschaft schwebt, wirklich fort.

Wegen des Wahlsiegs von Biden? Auch das gehört für viele zu den erfreulichen Entwicklungen der letzten Tage, sicher. Aber dieser Sieg ist noch nicht amtlich. Auch, wenn es keine Hinweise gibt, dass Donald Trump wirklich belegen könnte, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen wäre, die über zweistellige Stimmen-Zahlen hinausgehen: Nachzählungen und Prozesse werden die offizielle Bekanntgabe des Wahlergebnisses verzögern, womöglich lange. Und bis dahin bleibt die Lage im Land brenzlig, zumal Trump gestern am Abend auch noch seinen Verteidigungsminister feuerte. Was als ein Schritt interpretiert wird, jemanden im Pentagon haben zu wollen, der keine Probleme damit hätte, das Militär gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen, wogegen sich der entlassende Verteidigungsminister Esper gesperrt hatte. Diese Entwicklung spaltet jetzt auch noch die Republikanische Partei, so dass es keinen Grund gibt, am Aktienmarkt sicher sein zu können, dass die kommenden zehn Wochen bis zur Vereidigung des Präsidenten am 20. Januar ein bullisches Umfeld bieten.

Diese zwei Damoklesschwerter schweben somit weiter über einem Aktienmarkt, der gerade beide Aspekte als deutlich positiver einzustufen gefeiert hat. Die Stimmung ist besser, die faktische Gemengelage kommt diesem Kurssprung aber nicht hinterher. Man sollte daher nicht zu sicher sein, dass der jetzt angesteuerte Widerstandsbereich 3.395/3.451 Punkte bezwungen wird. Gelingt das, wäre die Charttechnik deutlich bullisch, aber selbst dann müsste es weitere Good News“ in einer, idealerweise in beiden „Problemzonen“ geben, um das Risiko einer Bullenfalle zu verringern!

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 09.11.2020, Kurs 3.407,91 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

In einigen Medien war zu lesen, dass die EZB den Abstieg des europäischen Aktienmarkts mit der Ankündigung neuer Stimuli gestoppt habe. Ich bezweifle, dass das ein Grund war, warum der Euro Stoxx 50 am Donnerstag immerhin knapp behauptet schloss, statt weiter massiv abzurutschen. Zum einen, weil es nichts hilft, wenn die EZB einen konjunkturell schwachen November avisiert und eventuelle Ausweitungen ihrer Maßnahmen auf den Dezember terminiert, statt sofort zu handeln. Immerhin hatte man dort klar hervorgehoben, dass die Konjunkturerholung längst deutlich an Fahrt verliert, hatte betont, dass es nicht sicher sei, dass im vierten Quartal Wachstum erreicht würde. Da wäre umgehendes Handeln angesagt und kein Vertrösten. Hätten die Anleger diese EZB-Pressekonferenz als bullisch eingestuft, wäre der Index nicht um 0,1 Prozent gefallen, sondern um drei, vier oder mehr Prozent gestiegen.

So wird der Oktober zu dem, was man ihm nachsagt, was statistisch aber eher die Ausnahme ist: zu einem äußerst schwachen Monat. Und betrachtet man sich den europäischen Leitindex auf Monatsbasis, wirkt das, als könnte da noch einiges nachkommen. Fünf Monate in Folge rannte der Euro Stoxx 50 an die 200-Tage-Linie an, nie kam er nachhaltig daran vorbei. Jetzt haben die Bullen aufgegeben. Daran, dass der Oktober der Monat der langen Gesichter wurde, kann der heutige, letzte Handelstag des Monats nichts entscheidendes mehr ändern. Ist damit ein bärischer November, womöglich ein Baisse-Schub bis zum Jahresende, vorprogrammiert?

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 29.10.2020, Kurs 2.960,03 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Man könnte es denken, angesichts der Risiken, die die US-Wahl birgt. Angesichts des Drucks auf die Wirtschaft, der durch die fast überall in der Eurozone massiv hochgefahrenen Corona-Abwehrmaßnahmen ausgelöst werden könnte. Und mit Blick auf die langsam gegen null schwindende Chance, sich mit Großbritannien noch bis Ende 2020 zu einigen. Hinzu kommt, dass zwar einige Unternehmen mit absolut überzeugenden Quartalsbilanzen glänzen, viele aber die mit der Sommer-Rallye mit gestiegenen Erwartungen der Investoren enttäuschen. Kann es da zu „abwärts“ eine Alternative geben?

Die kann es geben, wenn beispielsweise die US-Wahl ein klares Ergebnis bringt, klare Mehrheiten im Kongress und damit die Chance, dass das gegenseitige Blockieren überfälliger Maßnahmen schnellem, zielführendem Handeln weicht. Die kann es geben wenn deutlich wird, dass der „Teil-Lockdown“ nicht die Wirtschaft massiv ausbremst, sondern die Verbreitung des Virus. Das wären Entwicklungen, die genau das zurückbringen würden, was derzeit aus dem Markt entweicht wie Luft aus einem lecken Heißluftballon: die Zuversicht.

Aber es kann auch noch weit dramatischer werden, wenn vorgenannte Aspekte negativ ausgehen, vor allem die US-Wahl. Wenn es dort zu Nachzählungen, Anfechtungen und Chaos auf den Straßen käme, bleibt die Wirkung eines solchen Ausgangs nicht auf die Wall Street beschränkt. Dann könnte der Euro Stoxx 50 zügig in Richtung der nächsten potenziellen Unterstützung, dem Mai-Tief bei 2.708 Punkten abrutschen. Einfach darauf zu wetten, dass es irgendwie doch alles gutgehen wird, wäre daher leichtsinnig. Der Euro Stoxx 50 müsste wieder in seine jetzt klar nach unten verlassene, vorherige Seitwärtsrange zurück und sich in dieser glaubwürdig festsetzen. Die Mindestanforderung dafür wäre, sich wieder über die im Chart auf Tagesbasis dick schwarz hervorgehobene 200-Tage-Linie zu retten, die derzeit bei 3.204 Punkten verläuft. Vorher bliebe eine Rallye eine Hoffnung und wäre nichts, worauf man mit guten Chancen setzen könnte.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 29.10.2020, Kurs 2.960,03 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Wenn eines der beiden ewig unversöhnlichen Lager der Bullen und Bären kurz davor steht, zu verzweifeln, weil sich ein ergebnisoffenes Kursbild einfach nicht in die richtige Richtung entwickeln will, ist bisweilen Rettung nahe. Denn wenn es z.B. einfach nicht zu einem Befreiungsschlag nach oben kommen will, gehen der Gegenseite, den Bären, leicht mal die Verkäufer aus. Wieso? Weil immer dann, wenn der Kurs wieder nach unten abdreht, Verkäufe und aktive Short-Trades dafür verantwortlich sind. D.h. es wird immer mehr Kapital der Bären gebunden. Kein Problem, wenn sie zeitnah dafür belohnt werden und der Kurs nach unten ausbricht. Aber wenn das nicht der Fall ist, werden auch die Bären ungeduldig und könnten aufgeben. Was hieße: Sie decken ihre Short-Trades wieder ein … und das zieht die Kurse tendenziell nach oben. Werden die Bullen also im Fall des ewigen Seitwärtstrends des Euro Stoxx 50 also bald erlöst?

Momentan hoffen sie zweifellos genau darauf, aber nein, in diesem Fall sollte man darauf besser nicht wetten. Denn wer konstatiert, dass den Bären bald Zuversicht und Kapital ausgehen könnten, weil der Ausbruch nach unten nicht erfolgt, muss einräumen, dass das für die Bullen dummerweise ebenso gilt. Beide Lager kaufen und verkaufen an den vielen charttechnischen Wendepunkten, die sich seit Juni in dieser Seitwärtsbewegung gebildet haben, die einfach nicht enden will.

Der Grund dafür ist, dass sich positive und negative Elemente und Erwartungen bislang gegenseitig aufheben. Sei es in Bezug auf die Corona-Problematik, die Erholungs-Perspektiven der Konjunktur, die US-Wahl oder die Unternehmensgewinne. Keines dieser potenziell trendentscheidenden Elemente hat sich zuletzt so deutlich in die positive oder negative Richtung bewegt, dass es die anderen überlagern und das wacklige Gleichgewicht zwischen Bullen und Bären zu Gunsten eines Lagers aufheben könnte. Geht das jetzt also ewig so weiter?

Tageschart vom 21.10.2020, Kurs 3.180,70 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Sicherlich nicht, nur ist es nicht möglich vorherzusagen, wann dieser Spuk endet. Die US-Wahl kann, muss aber nicht dieser Faktor sein, der den Knoten platzen lässt. Denn es ist nicht nur offen, wie die Investoren bei einem Sieg von Trump oder Biden reagieren. Es ist keineswegs abwegig, dass wir am Folgetag, also am 4. November, nicht wissen, wer wirklich gewonnen hat. Weil noch Briefwahlunterlagen ausgezählt werden, weil einige Bundesstaaten „too close to call“ sind oder weil Trump das Ergebnis anfechtet. Daher kann bzw. sollte man gar nicht erst versuchen, im Vorfeld auf diese Wahl als Basis einer Entscheidung zu setzen – es käme einem Münzwurf gleich, bei dem die Münze leicht auf ihrem Rand zu stehen kommen könnte.

Für den Moment haben die Bären die Nase zwar vorne. Und was das Bullen-Lager besonders zermürben dürfte, sieht man im Chart auf Wochenbasis: Es zeichnet sich ab, dass der Euro Stoxx 50 den fünften Monat in Folge an seiner 200-Tage-Linie scheitert. Aber solange das bullische Lager noch eine ganze Reihe an Unterstützungslinien unter sich weiß, wird es dennoch nicht aufgeben. Auch, wenn der Index jetzt wieder am Unterstützungsbereich 3.150/3.174 Punkte gelandet ist, so ist er zum einen noch nicht durch diese Zone hindurch gerutscht, zum anderen würde knapp darunter, im Bereich 3.024/3.054 Punkte, die nächste Auffangzone warten. Doch wer daraus folgert, dass hier vorerst nichts passieren kann, dürfte irren. Im Gegenteil:

Es könnte jeden Tag, ja jede Stunde zu einer massiven Bewegung kommen, die diesen Kordon aus Unterstützungen und Widerständen sprengt, gerade weil die Nerven in beiden Lagern dünner werden. Nur ist es eben müßig raten zu wollen, wer da dann auf dem falschen Fuß erwischt wird und hastig auf die Gegenseite wechseln muss. Daher:

Der Euro Stoxx 50 schläft nicht, er ruht nur … und könnte wie ein ruhender Vulkan jederzeit ausbrechen. Ob man einem solchen starken Impuls dann trauen und ihm die Qualität eines echten Befreiungsschlags zubilligen kann, lässt sich hier und heute nicht an charttechnischen Ankerpunkten festmachen, aber sollte es dazu kommen, holen wir uns diesen „ruhenden Vulkan“ sofort auf den Schirm!

Chart vom 21.10.2020, Kurs 3.180,70 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Der ganz langfristige Chart des Euro Stoxx 50 auf Monatsbasis zeigt, dass der europäische Leitindex seit vielen Jahren in einer breiten Seitwärtsrange zwischen 2.670 und 3.840 Punkten verläuft. Erst, wenn er aus diesem „Käfig“ herauskäme, wäre der Weg wirklich frei, zurück an die Levels um 4.500 Punkte, die der Index vor dem Platzen der Subprime-Blase im Jahr 2008 gesehen hatte. Aber die Bullen wären derzeit ja schon froh, wenn es überhaupt gelingen würde, die obere Begrenzung dieser großen Handelsspanne bei 3.840 Punkten zu erreichen.

Unmittelbar vor dem Corona-Crash war der Euro Stoxx 50 auf dem Sprung, hatte diese Hürde schon kurz überboten, um dann durch die Verkaufswelle, ausgelöst durch die damals noch völlig unklaren Folgen der Virus-Pandemie, kurzzeitig sogar nach unten aus dem „Käfig“ herauszurutschen. Das konnte auf Monatsbasis durch die massive Rückkauf- und Eindeckungswelle Ende März zwar verhindert werden. Aber seither versperrt die wichtige 200-Tage-Linie, die aktuell mit 3.244 Punkten in der Mitte der übergeordneten Handelsspanne verläuft, den Bullen den Weg.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 12.10.2020, Kurs 3.298,12 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Vier Monate lang versuchten sich die Bullen an diesem gleitenden Durchschnitt. Nie beendete der Index einen Handelsmonat über dieser Linie. Jetzt läuft mit dem Oktober der fünfte Anlauf. Wenn es in absehbarer Zeit etwas werden soll mit der Rückkehr an das Jahreshoch und einem Ausbruch in Richtung 4.500 Punkte, muss der Euro Stoxx 50 diese 200-Tage-Linie in diesem Monat endlich aus dem Weg räumen. Und das nicht nur, wie das seit Juli mehrfach der Fall war, knapp, für kurze Zeit und innerhalb des Handelsmonats. Dieser Ausbruch müsste klar und nachhaltig sein … und das muss auch noch der Fall sein, wenn dieser Handelsmonat am Freitag, den 30. Oktober endet. Kann das klappen?

Das kann es, wenn die Bullen sich durch die nächsten genau 153 Punkte hindurchbeißen können. Denn auch, wenn der Euro Stoxx 50 am Freitag über die 200-Tage-Linie lief und am Montag weiter zulegte: So etwas haben wir auch schon im Juli, August und September erlebt. Um das Risiko loszuwerden, sofort wieder sang- und klanglos unter die 200-Tage-Linie zurückzufallen, muss es gelingen, einen tauglichen Sicherheitspuffer zu dieser Linie aufzubauen. Der dann gegeben wäre, wenn der Index aus seiner seit Anfang Juni geltenden Seitwärtsspanne nach oben ausbrechen würde, indem ein Schlusskurs über deren oberer Begrenzung im Bereich 3.40073.451 Punkte gelingt. Was aber ein ziemlich steiniger Weg ist.

Sie sehen im Tageschart, dass da gleich mehrere charttechnische Widerstände auf die bullischen Trader warten. An jeder könnten Gewinnmitnahmen und gezielte Short-Attacken der Bären das Fortkommen erschweren oder sogar unmöglich machen. Es wäre daher ideal, wenn sich die Rahmenbedingungen so aufhellen würden, seien es gute Nachrichten zur Pandemie, zur Konjunkturlage der Eurozone oder positive Vorab-Ergebnisse zur Bilanz-Saison, dass es den Akteuren gar nicht erst in den Sinn käme, unterhalb 3.400/3.451 Punkten Gewinne mitzunehmen oder Short zu gehen. Wenn beides passen würde, d.h. die Nachrichtenlage positiver wird und der Euro Stoxx 50 nach oben aus diesem kleineren „Käfig im Käfig“ ausbrechen könnte, wäre die Kuh vom Eis und nach oben einiges drin. Bis dahin aber bleibt der Index ein schwieriger Kandidat für Long-Trades.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 12.10.2020, Kurs 3.298,12 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Die Investoren beobachten den Start in ein neues Quartal zu Recht sehr genau. Denn wenn die charttechnische Situation das hergibt, neigen institutionelle Investoren dazu, seitens der Sparer zum Monats- und Quartalswechsel zugeflossenes Kapital schnell zu investieren. Für ETFs gilt das erst recht, die müssen umgehend reagieren, wenn neues Geld in die Kassen fließt. Aus dieser Warte heraus könnte man den Start in das vierte Quartal für den Euro Stoxx 50 als Fehlstart ansehen, denn es ging absolut nichts voran, der europäische Leitindex beendete den Donnerstag unverändert zum Vortag. Wenn man sich in den Charts ansieht, dass der Index gerade eher mit Unterstützungen ringt als an Widerstände klopft, ist das eine Enttäuschung, aber:

Der allererste Tag alleine hat oft noch keine verlässliche Aussage. Ob beim Euro Stoxx 50 zu Quartalsbeginn wirklich nichts vorangehen wird, dies womöglich die Bären anlockt und den Index aus seiner monatelangen Seitwärtsspanne nach unten herausdrückt, wird sich erst heute deutlicher abzeichnen.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 01.10.2020, Kurs 3.194,09 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Zum einen, weil die massiv gedrückte Bayer-Aktie auch im Euro Stoxx 50 gelistet ist und den Index am Donnerstag ausbremste. Zum anderen, weil es durchaus sein kann, dass viele große Adressen am Terminmarkt die Entscheidung, wie man sich zum Start dieses so unsicheren und unvorhersehbaren letzten Quartals 2020 positionieren will, zurückgestellt haben, bis man die heute anstehenden US-Arbeitsmarktdaten für September auf dem Tisch hat und die Reaktion der US-Börsen sieht. Nicht zuletzt, weil auch am US-Markt spürbar wurde, dass man sich da am ersten Handelstag des Quartals noch nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen mochte.

Nötig hätte der Euro Stoxx 50 neuen Schwung allemal. Der Chart auf Monatsbasis zeigt noch deutlicher als das kurzfristige Chartbild, dass die mittelfristig wichtige 200-Tage-Linie nicht einen, nicht zwei oder drei, sondern gleich vier Monate lang nicht zu bezwingen war. Immer wieder wurde versucht, an dieser Linie vorbei zu kommen, immer wieder blieben die nötigen Anschlusskäufe aus. Und mittlerweile, das zeigt der Chart auf Tagesbasis, liegt die 200-Tage-Linie in der Mitte der Seitwärtsspanne. Würde endlich ein nachhaltiger Anstieg darüber gelingen, müssten es die Käufer trotzdem erst noch über den Widerstandsbereich 3.400/3.451 Punkte schaffen, um diese fruchtlose Seitwärtsphase zu ihren Gunsten zu beenden.

In einer solchen Konstellation ist der Index natürlich immens anfällig für bärische Attacken. Dass die Gegenwehr auf den Anfang vergangener Woche entstandenen Abverkauf bislang äußerst mager ausfiel, unterstreicht das. Was heißt:

Wenn der heutige Tag ebenfalls keine überzeugenden Käufe bringt, werden die Bullen noch nervöser … und die Bären noch mutiger. Die 200-Tage-Linie bei aktuell 3.262 Punkten zu überwinden und mehrere Tage darüber zu bleiben, wäre daher nicht nur ein erster, sondern auch ein dringlicher Schritt. Ansonsten wäre die Wahrscheinlichkeit, dass die größeren Gewinne in den kommenden Wochen auf der Short-Seite zu erzielen sind, hoch.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 01.10.2020, Kurs 3.194,09 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX