EURO STOXX 50 Prognose Euro Stoxx 50: Welche Karte spielen die Bullen hier eigentlich?

News: Aktuelle Analyse des EURO STOXX 50 Index

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EURO STOXX 50
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Am Donnerstagabend fehlten dem Euro Stoxx 50 gerade mal ca. 4,1 Prozent zum Hoch vom November 2021. Was kein Rekordhoch war, aber der höchste Stand seit Anfang 2008. Und das bei bärischen Konjunkturdaten und steigenden Leitzinsen. Worauf setzen die Käufer hier?

Sie setzen darauf, dass es der Konjunktur und mit ihr den großen, im Euro Stoxx 50 gelisteten Unternehmen gelingt, eine Brücke zu schlagen, indem sie ihre Gewinne hochhalten, bis das Wachstum durchstartet und die Leitzinsen wieder sinken. Diese Hoffnung basiert allerdings auf einer auffällig selektiven Wahrnehmung, indem man z.B. nur diejenigen Aussagen der EZB zur Kenntnis nahm, die dieses Szenario stützen würden.

So sagte Christine Lagarde im Zuge der Pressekonferenz im Anschluss an die Verlautbarung der Entscheidung, den Leitzins um 0,5 Prozent auf jetzt 3,0 Prozent anzuheben, dass man momentan erwarte, dass die Energiepreise signifikant nachgeben werden und die Inflation dadurch schneller als erwartet zurückkommen könne. Zudem sieht die EZB die Konjunktur der Eurozone als stabiler an, als man es im Herbst noch vermutet hatte und erwartet, dass die Wirtschaft sich über die nächsten Quartale hinweg erholt. Das klingt ohne Zweifel bullisch.

Doch es gab eben auch Aussagen, die für den Aktienmarkt ganz und gar nicht bullisch gewesen wären, hätte man sie nicht umgehend aus der Wahrnehmung entfernt. So war es ein Novum, dass die EZB gleich mit dieser Zinserhöhung ankündigte, den Leitzins auch in der nächsten Sitzung im März um weitere 0,5 Prozent anzuheben.

Zudem betonte Frau Lagarde, dass in allen konjunkturellen Szenarien signifikante Zinserhöhungen nötig seien. Man wird – und nicht „man überlegt“ – den Zins in den restriktiven Bereich anheben, der jetzt noch nicht erreicht sei. Und sie unterstrich, dass man gut daran täte, die Entschlossenheit der EZB nicht anzuzweifeln. Trotzdem wurde massiv weiter gekauft. Welche Karte spielen die Bullen da?

Den aktuellen Kurs und Chart des EURO STOXX 50 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Sie wetten darauf, dass die Zinserhöhungen zeitlich eng begrenzt sein werden und imstande sind, die Inflation so schnell niederzuringen, dass die Unternehmensgewinne nicht nennenswert unter Druck kommen. Ist das wahrscheinlich?

Es ist nicht ausgeschlossen, aber derzeit wäre es die weniger wahrscheinliche Variante der kommenden Monate. Denn dass höhere Zinsen mit drei bis sechs Monaten Verzögerung wirken, weiß man. Und jetzt beginnen einige Konjunkturdaten, unschön auszusehen, zuletzt z.B. der deutsche Einzelhandelsumsatz und der Auftragseingang, aber auch der Export und der Import im Dezember. Und in den USA, wo man von der Konjunktur her etwa drei Monate voraus ist, sind die Konjunkturdaten bereits äußerst unerfreulich.

Richtig ist, dass große Unternehmen sich länger halten können und werden als kleine und mittlere Firmen, so dass der Grundgedanke, dass die großen Konzerne im Euro Stoxx 50 imstande sein werden, sich eine Zeitlang auf hohem Niveau durchzuschlängeln, nicht falsch ist. Aber andererseits muss man sich nur das langfristige Chartbild des Euro Stoxx 50 ansehen oder den überkauften Level der Markttechnik auf Tagesbasis, um zu sehen:

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 02.02.2023, Kurs 4.241,12 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Der Index ist jetzt schon sehr nahe an dem Punkt, an dem man zur Jahreswende 2021/2022 sicher war, dass die Inflation schnell verschwinden würde, die Leitzinsen bei null bleiben und das Wachstum durchstarten wird. Jetzt haben wir weder noch, aber einen europäischen Leitindex, der ein Best Case-Szenario einpreist.

Rein charttechnisch betrachtet ist dieser Ausbruch über die Seitwärts-Spanne der letzten Wochen natürlich bullisch und der Weg bis an diese beiden Hochs vom November 2021 und Januar 2022 im Bereich 4.396/4.415 Punkte frei.

Aber es ist ja nicht nur so, dass der Weg bis zum Erreichen der Phase niedriger Inflation, sinkender Leitzinsen und starkem Wachstum länger sein könnte als die meisten denken. Es ist nicht einmal sicher, ob es überhaupt gelingt, ein solches Szenario zu erreichen, das man jetzt bereits eingepreist hat.

Daher sollte man bei diesem steilen Anstieg nicht nur nach dem Gipfel Ausschau halten, sondern immer auch nach unten schauen. Was heißt: Long-Trades müssen konsequent gegen die bisweilen ja ohne Warnung zurückkehrende Realität abgesichert werden. Sobald der Index die Supportzone 4.027/4.047 und mit ihr dann auch den steilen Aufwärtstrendkanal durchbrechen sollte, würden die Bullen auf einmal ein äußerst ungutes Blatt in Händen halten. Das muss nicht so kommen, erst recht nicht kurzfristig. Aber man sollte sich darüber im Klaren sein, dass es jederzeit so kommen kann.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 02.02.2023, Kurs 4.241,12 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2023? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top FlopMDAX Top FlopEuro Stoxx Top FlopDow Jones Top FlopNasdaq 100 Top Flop

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Vorherige Analysen des EURO STOXX 50 Index

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Plus 8,8 Prozent in den erst neun Handelstagen des neuen Jahres, der Ausbruch über eine wichtige Widerstandszone, das wirkt, als könnte den Euro Stoxx 50 niemand mehr bremsen. Aber immer dann, wenn Euphorie um sich greift, denken erfahrene Trader an den Ausstieg.

Da prallen zwei uralte Börsenregeln unvereinbar aufeinander. Auf der einen Seite heißt es: „Folge dem Trend“. Auf der anderen: „Trade nie gegen die Notenbanken“. Was denn nun?

Der Trend des europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 weist nach oben, daran lässt sich nicht rütteln. Es ist gelungen, die Nackenlinien-Zone des Topps aus der Zeit April 2021 bis Februar 2022 bei 4.035/4.047 Punkten zu überwinden. Damit bewegt sich der Euro Stoxx 50 also in einer Zone, in der es damals noch keine ernsthafte Sorge vor Leitzinserhöhungen der EZB gab, die Inflation noch unterschätzt wurde und man für 2022 weit mehr Wachstum erwartet hatte, als es dann am Ende wurde.

Aus rein charttechnischer Sicht wäre damit der Weg in den Bereich der beiden Topps vom November 2021 und Januar 2022 frei, die bei 4.396 und 4.415 die nächsten, markanteren Widerstände darstellen. Noch einmal bis zu sieben Prozent Aufwärtspotenzial also. Und auch, wenn der Index aktuell markttechnisch überkauft ist, dürften viele bullische Akteure diese alten Hochs im Visier haben und daher davon ausgehen, dass die Party noch lange nicht vorbei ist. Aber ist das klug?

Expertenmeinung: Es ist nicht klug, wenn man sich beispielsweise die gestrigen US-Inflationsdaten ansieht, die zwar im Rahmen der Erwartungen zurückkamen, bei denen ein Blick ins Detail, z.B. in Bezug auf die weiter steigende Inflationsrate im Dienstleistungsbereich, aber deutlich macht, dass der Preisdruck trotz der in den USA deutlich angehobenen Leitzinsen nicht von alleine verschwinden wird. Und auch, wenn die jüngsten Vorab-Berechnungen der Dezember-Inflation der Eurozone einen Rückgang ausweisen:

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 12.01.2023, Kurs 4.126,68 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Zum einen ist die Rate immer noch meilenweit zu hoch, zum anderen ist die Erholung alleine das Ergebnis aus einem fallenden US-Dollar-Kurs und den dadurch für Euroland besonders deutlich gesunkenen Energiekosten. Beides nichts, auf dessen Stetigkeit man sich verlassen könnte. Zu ignorieren, dass die EZB stetig warnt, die Inflation nicht vorschnell abzuschreiben und darauf hinweist, dass weitere Zinsanhebungen nötig sind, ist damit leichtsinnig, aber:

Auch, wenn man vermuten darf, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Bullen sich da gerade überheben, hoch ist, weiß man doch nicht, wann die Käufer in ihrer Euphorie, die mit steigenden Kursen erfahrungsgemäß immer größer wird, der Sonne so nahe kommen, dass sie wie Ikarus in der griechischen Sage haltlos zu Boden stürzen. Daher wäre es sinnvoll, bei diesem Konflikt zwischen Trendfolge und Rahmenbedingungen der Charttechnik den Vorrang einzuräumen, was hieße:

Solange diese jetzt bezwungene Zone 4.035/4.047 Punkte nicht klar und auf Schlusskursbasis unterboten wird, ist Long grundsätzlich die richtige Seite. Aber falls die Sonne für die Überflieger zu heiß wird, kann es ansatzlos und schnell abwärts gehen, daher sollte man Long-Trades auf keinen Fall ohne konsequente Stop Loss, derzeit idealerweise knapp unter dieser Zone 4.035/4.047 Punkte, laufen lassen.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 12.01.2023, Kurs 4.126,68 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
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Dass ein guter Jahresanfang für das gesamte Jahr richtungweisend wäre, ist weder statistisch noch logisch haltbar. Aber trotzdem sollten die Bullen sich jetzt ranhalten, denn dieser Monat kann beim Euro Stoxx 50 allein aus charttechnischer Sicht Weichen stellen.

Die gestern veröffentlichten deutschen Vorab-Inflationsdaten für den Dezember hätten nicht nur beim DAX, sondern auch beim Euro Stoxx 50 einen immensen Kurssprung auslösen können. Immerhin war das an den US-Börsen Mitte November und Mitte Dezember als Reaktion auf die jeweiligen Inflationszahlen des Vormonats der Fall. Und das riss damals auch den europäischen Leitindex mit.

Daher dürften viele gestern darauf gesetzt haben, dass diese Konjunkturdaten einem soliden ersten Handelstag im Jahr 2023 einen fulminanten zweiten folgen lassen. Zumal die Zahlen dann auch noch niedriger lagen, sprich besser ausfielen, als seitens der Experten im Vorfeld prognostiziert. Ein Plus von knapp 0,7 Prozent im Index war dahingehend eine herbe Enttäuschung. Denn das deutete etwas an, das dem bullischen Lager gar nicht gefallen kann:

Expertenmeinung: Es mag wohl sein, dass viele Anleger darauf hoffen, dass Europa um eine Rezession herumkommt. Darauf, dass diese Dezember-Inflationsdaten aus Deutschland der erste, klare Schritt zum schnellen Sieg über die Inflation ist. Und dass der Druck auf die Unternehmensgewinne ausbleiben oder so gering ausfallen wird, dass die derzeit niedrige Bewertung der meisten Aktien des Euro Stoxx 50 nicht nur vorübergehend niedrig ist, sondern die Basis für eine neue Hausse wird. Aber diese enttäuschend geringe Reaktion auf die Zahlen lässt fürchten, dass viele skeptisch genug sind, um diese Hoffnungen erst einmal nicht in Käufe umzusetzen. Was hieße:

Entweder kommen weitere Belege dafür, dass die Perspektiven deutlich besser sind als befürchtet, wobei diese Inflationsdaten bei genauem Hinsehen alleine wegen Sonderfaktoren wie der Kostenübernahme des Dezember-Energieabschlags bei Gas noch kein solcher Beleg sein können. Oder man sieht, dass man mit seinen bullischen Hoffnungen nicht alleine ist, indem der Euro Stoxx 50 die Charthürden überwindet, die einem erneuten Rallye-Impuls momentan noch im Weg stehen.

Wir sehen im Chart auf Tagesbasis, dass sich der Euro Stoxx 50 zuletzt zwar stabilisiert hat.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 03.01.2023, Kurs 3.882,29 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Aber erst, wenn er die Nackenlinien-Zone der Toppbildung überwindet, die im vergangenen Februar vollendet wurde und in der er im Dezember zweimal nach unten abgewiesen wurde, wäre er nach oben wirklich erst einmal frei. Dazu müsste er über 4.050 Punkte laufen. Das ist mit Blick auf die mageren Käufe gestern kein allzu kurzer Weg. Hinzu kommt:

Wenn die Bullen im Januar keine Zeichen setzen, würde der Index wieder in die Handelsspanne der Jahre 2014 bis 2020 zurückfallen, aus der er sich gerade bemüht, im zweiten Anlauf herauszukommen. Das kann gelingen … aber der Dienstag macht deutlich, dass die Bullen da jetzt nicht nachlassen dürfen, sonst wird ihnen unweigerlich das Ruder aus der Hand gerissen.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 03.01.2023, Kurs 3.882,29 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
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Dass der europäische Aktienmarkt ein wenig mitzieht, wenn die US-Indizes auf besser als prognostiziert ausgefallene Inflationsdaten reagieren, wäre nicht verwunderlich. Dass der Euro Stoxx 50 aber so stark steigt wie der S&P 500, scheint völlig überzogen. Ist es das auch?

Das war schon verblüffend: Der Euro Stoxx 50 und mit ihm alle wichtigen europäischen Aktienindizes machten einen fast so großen Satz nach oben wie die Futures der US-Indizes, nachdem die US-Inflationsdaten des Novembers mit +0,1 Prozent zum Vormonat deutlich erfreulicher ausfielen als vorhergesagt. Und als die US-Indizes mit Beginn des regulären Handels von den vorherigen Hochs zurückkamen, stiegen Euro Stoxx 50 und u.a. auch der DAX zunächst sogar noch weiter.

Ist das nicht völlig absurd? Schließlich geht es um die US-Inflation. Dort ist die Gemengelage anders als hier, was zuletzt ja auch durch die heimischen November-Inflationsdaten unterstrichen wurde. Während die zeitweise über der Eurozone liegende Jahresrate der US-Verbraucherpreise für November auf 7,1 Prozent zurückkam, lag sie für die Eurozone bei 10,0 Prozent. Dieser Kaufrausch im Euro Stoxx 50 ergäbe nur dann einen Sinn, wenn man unterstellen könnte, dass sich das reduzierte Tempo der US-Teuerung zeitnah auch bei uns zeigen würde. Was aber bislang nicht der Fall war … warum sollte sich das ändern?

Expertenmeinung: Das Argument dafür findet sich am Devisenmarkt, konkret in der Euro/US-Dollar-Relation. Der Haken bei dieser Argumentation ist, dass sie nicht wirklich belastbar ist. Aber im ersten Denkschritt hat die Sache etwas für sich:

Die gut ausgefallenen US-Inflationsdaten bieten der US-Notenbank die Möglichkeit, die Leitzinsen weniger stark und nicht so lange wie noch vor einigen Wochen vermutet anzuheben. Die ersten Akteure beginnen sogar, die Inflation als besiegt anzusehen und preisen bereits für das zweite Halbjahr 2023 Zinssenkungen der US-Notenbank ein. Was ziemlich voreilig ist, aber entscheidend ist, dass viele darauf setzen. Eine niedrigere Zinserwartung drückt auf den US-Dollar, der Euro legt, wie wir heute auch in der entsprechenden Analyse zeigen, zum Greenback zu. Das bedeutet, dass die vielen Rohstoffe, die Europa importieren und in US-Dollar bezahlen muss, günstiger werden. Und das wiederum wird dann auch die Inflation in der Eurozone drücken und ermöglicht auch der EZB einen sanfteren Kurs. Der Haken?

Es sind gleich mehrere. Zum einen reagieren auch die Rohstoffe auf die Idee, dass die Zinsen bald wieder sinken, die Rezession ausfällt und Wachstum und Konsum somit rasant zulegen werden, mit deutlichen Kurssteigerungen. So stieg z.B. der Ölpreis nach den US-Inflationsdaten deutlich stärker als der Euro, so dass die euphorische Reaktion auf diese Zahlen ihren für Euroland potenziell positiven Effekt selbst eliminierte. Zum anderen haben die Notenbanken deutlich kommuniziert, dass man sich hüten werde, die Zinsen vorschnell zu senken. Und wenn man sich ansieht, dass die US-Reallöhne seit einigen Monaten wieder steigen, sprich der Lohnanstieg über der Inflation liegt, wird klar: Sie täten auch gut daran, vorsichtig zu sein.

Dass man es beim Euro Stoxx 50 gestern nicht war und es wirkte, als hätte man mit diesen weniger stark als gedacht, aber ja trotzdem weiter gestiegenen US-Preisen den Freibrief für eine Super-Hausse bekommen, obwohl die US-Notenbank noch gar nichts entschieden und kommuniziert hat (heute Abend) und die EZB ebenso wenig (morgen Nachmittag), kann aber auch einen weiteren Grund haben. Und vor dem sollte man auf der Hut sein:

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Am Freitag wird diese ereignisreiche Woche vom Abrechnungstermin für Futures und Optionen beendet. Jeder starke Kursausschlag bringt große Adressen am Terminmarkt, die größere Positionen abrechnen müssen, leicht in die Bredouille. Da muss man aus dem Ruder laufende Positionen umgehend absichern. Und ein solches Hedging intensiviert Kursimpulse immer umgehend deutlich.

Es ist also keineswegs sicher, dass dieser Kurssprung tragfähig ist. Zum einen wegen der zeitlich begrenzten Aktionen am Terminmarkt. Zum anderen, weil diese Argumentation, dass die guten US-Daten über den Umweg eines wieder fallenden US-Dollars automatisch nach Europa ausstrahlen, seine Haken hat. Haken, die offenbar gar nicht so wenige auch erkennen, denn kaum hatte sich der Pulverdampf dieser direkt nach den US-Daten losgetretenen Kaufwelle verzogen, kam es zu Gewinnmitnahmen diesseits wie jenseits des Atlantiks.

Und auch der Blick auf die Charts zeigt, dass Vorsicht angebracht wäre. Positiv ist, dass die Monatsbilanz des Euro Stoxx 50 durch diesen Impuls wieder leicht positiv ist und er damit auf dem Weg wäre, den im November gelungenen Ausbruch über die wichtige Zone 3.836/3.901 Punkte zu zementieren, aber:

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 13.12.2022, Kurs 3.986,83 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Im Chart auf Tagesbasis sehen wir, dass der Index an die Nackenlinien-Zone der vor einem Jahr etablierten, großen Topp-Bildung bei 4.025/4.047 Punkte herangelaufen ist. Dass er dort erst einmal abgewiesen wurde, unterstreicht: Die zu bezwingen wird nicht einfach. Und gelingt es doch, sollte man, wenn man sein Risiko im Griff behalten will, besser abwarten, ob das auch noch am kommenden Montag, nach den Notenbankentscheidungen und der Terminbörsen-Abrechnung, der Fall wäre.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 13.12.2022, Kurs 3.986,83 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
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Notenbanker und Marktstrategen warnen, aber das scherte die Bullen wochenlang nicht: Der Euro Stoxx 50 stieg einfach weiter. Jetzt aber sind die Käufer in der Defensive. Ist das der Beginn des nächsten Abwärtsschubes? Er könnte es sein – aber noch ist die Sache offen!

Wenn wir uns das übergeordnete Bild in Form des Euro Stoxx 50 auf Monatsbasis seit dem Allzeithoch im Jahr 2007 ansehen, fällt sofort ins Auge, dass die Rallye der Monate Oktober und November etwas sehr Wichtiges bewerkstelligt hat: Es ist gelungen, den Index aus der breiten, von 2013 bis 2020 geltenden Handelsspanne nach oben hinauszutragen. Jetzt ist deren obere Begrenzungszone zwischen 3.836 und 3.901 Punkten wieder eine Unterstützung. Bevor diese Zone nicht gefallen ist, haben die Bären nicht gewonnen. Aber fällt sie, dann ist nach unten nichts unmöglich, denn:

Dass die Idee, dass eine Rezession nicht mehr kommt, weil sie bislang ja auch nicht kam, nicht fundiert ist, erkennen nach und nach immer mehr derjenigen Trader, die auf diese Meinung hin in den vergangenen Wochen massiv Aktien eingesammelt haben. Doch noch wichtiger ist, dass die Reihen derer, die die Inflation als besiegt ansehen, zu wanken beginnen. Denn die Vorab-Daten des Novembers deuten für die Eurozone keine Wende an. Und selbst, wenn es in den USA besser aussieht: Im Euro Stoxx 50 sind die 50 größten Unternehmen der Eurozone gelistet und nicht der USA. Weder muss die Inflation in Europa der in den USA deckungsgleich folgen, noch müsste die EZB die US-Notenbankpolitik kopieren.

So gesehen ist die Perspektive für die Unternehmensgewinne kritischer, als viele zuletzt dachten. Aber wachsende Bedenken sind eine Sache, ob die sich auch unmittelbar im Kursbild des europäischen Leitindex widerspiegeln, eine andere. Zumal erst in der kommenden Woche entscheidende Termine anstehen:

Expertenmeinung: Am Mittwoch steht die letzte Entscheidung der US-Notenbank in diesem Jahr an. Dass da dann ein gegenüber den Schritten zuvor kleinerer Zinsschritt von 0,50 Prozent erfolgt, wird mehrheitlich bereits erwartet. Was aber die EZB am Donnerstag tun und sagen wird, ist weit weniger klar. Und dass diese beiden Termine ordentlich Schwung in den Euro Stoxx 50 bringen werden, dafür wird die dann direkt folgende Abrechnung der Futures und Optionen an der Terminbörse am Freitag, dem 16.12. sorgen.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 07.12.2022, Kurs 3.920,90 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Da könnten also Weichen gestellt werden, die relevant genug sein können, um sogar das „Schließen der Bücher“ kurz vor Weihnachten zu verzögern, sprich es wäre keine Überraschung, wen statt vorweihnachtlicher Ruhe dann Volatilität und Hektik am Markt dominiert. Aber ob das zu einem Triumph für das Bären-Lager wird oder die Bullen sich doch noch durchsetzen und den Euro Stoxx 50 über das letzte Zwischenhoch bei 4.004 Punkten hebeln können, lässt sich in Unkenntnis der Entscheidungen der Notenbanken und der Reaktion darauf in keiner Glaskugel vorhersehen. Was tun?

Das, was man immer tun sollte, wenn Bullen und Bären gerade miteinander ringen und neue Argumente anstehen, von denen man nicht wissen kann, wem sie nützen werden: Man orientiert sich konsequent am Chart. Auf der Unterseite ist die Entscheidungszone durch die obengenannte obere Begrenzung der alten Handelsspanne bei 3.836/3.901 Punkten definiert, die man besser bis zum Support in Form des Zwischenhochs vom August bei 3.819 ausdehnen sollte. Da muss der Euro Stoxx 50 drunter, vorher wären die Bullen nicht besiegt.

Die wiederum müssten nicht nur das letzte Zwischenhoch bei 4.004 Zählern überwinden, denn Sie sehen es im Chart auf Tagesbasis: Knapp darüber wird es erst richtig interessant, denn im Bereich 4.027/4.054 Punkte finden wir die Nackenlinien-Zone des im Winter 2021/2022 entstandenen und im Februar vollendeten Topps, das die Baisse eingeläutet hatte. Dieser Deckel muss gesprengt werden, um nach oben wieder freie Bahn zu haben. Was in einem Umfeld wie diesem zwar knifflig würde … aber unmöglich ist an der Börse ja bekanntlich nichts!

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 07.12.2022, Kurs 3.920,90 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
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Der Euro Stoxx 50 hat in der Spitze über 60 Prozent des Abstiegs vom Hoch zu Jahresbeginn bis zum Tief Ende September wieder aufgeholt. Das wirkt, als sei die Krise vorbei. Aber das ist sie nicht, sie ist nur derzeit „ausgepreist“ … was für die Bullen eine offene Flanke bedeutet.

Es sind die Aktien der ganz großen Unternehmen der Eurozone, die im Euro Stoxx 50 gelistet sind. Und die meisten dieser Riesen-Konzerne hatten sich, was die Bilanzen unterstrichen, auch noch im dritten Quartal 2022 wacker geschlagen, Inflation und vorsichtiger werdenden Verbrauchern getrotzt. Und da man deren Umsatz und Gewinn bewertet und nicht die Lage der Gesamtwirtschaft, wenn es um diese Einzelwerte und ihren Index geht, wirkt es logisch, dass die Investoren wieder zugreifen. Aber ist es das auch … oder wirkt es nur so?

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 21.11.2022, Kurs 3.909,28 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Der Gedankengang ist nachvollziehbar, riskant ist es trotzdem. Denn was derzeit die kleinen und mittleren Unternehmen drückt, die gestiegenen Herstellungskosten, der Druck der Abnehmer auf die Preise für die Zulieferindustrie, die Verbraucher, die entweder nicht mehr so konsumieren können oder wollen wie zuvor, all das erreicht die größten der Großen am Ende natürlich auch. Das sieht man bei einigen großen Konzernen an den im dritten Quartal schwächer gewordenen Margen, bei anderen am Auftragseingang. Und was bislang an Zahlen vorliegt, endet am 30.9. … wie es seither läuft, weiß man nicht genau. Was bedeutet:

Expertenmeinung: Die immense Kaufwelle, die den Euro Stoxx 50 in den vergangenen Wochen über 20 Prozent höher trug, wird nur dann weitergehen bzw. das erreichte Niveau nur dann wenigstens gehalten werden können, wenn sich die Rahmenbedingungen sehr zügig und glaubwürdig aufhellen. Und das in allen Bereichen: Bei den Preisen, beim Verbraucherverhalten, in Sachen Geopolitik und bezüglich des Kurses der EZB. Was zwar nicht ausgeschlossen werden kann … aber allzu wahrscheinlich ist ein derartiges, wieder rosiges Umfeld nicht. Und das heißt:

Das bullische Lager hat sich damit eine „offene Flanke“ eingehandelt. Nicht nur, dass der Euro Stoxx 50 jetzt auf dem höchsten Stand seit Ende März markant überkauft ist, es fehlt auch am nötigen Fundament, um diesen Level zu halten. Solange genug Trader daran glauben wollen, dass die Krise eigentlich schon vorbei ist, kann der Anstieg zwar weitergehen, aber:

Viel Luft nach oben dürfte da angesichts der überhitzten Indikatoren und des Wegfalls der die Kurse in solchen Situationen höher ziehenden Abrechnung am Terminmarkt (die letzten Freitag absolviert wurde), eher nicht sein. Daher sollte man eher daran denken, bei Long-Positionen den Gewinn mitzunehmen, anstatt diese noch aufzustocken. Und sollte der europäische Leitindex wieder unter die Hochs der Monate Juni und August bei 3.819/3.857 Punkten zurückfallen, wäre das ein Signal, um das Thema Long sicherheitshalber – zumindest vorerst – zu beenden.

Euro Stoxx 50: Wochen-Chart vom 21.11.2022, Kurs 3.909,28 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX