Euro Stoxx 50: Wieder die Kurve gekriegt – neues Hoch in Sicht?

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EURO STOXX 50
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Zur EURO STOXX 50

Anfang der Woche wirkte es, als seien die Bullen diesmal fällig. Aber wieder gelang es, den Euro Stoxx 50 über entscheidenden Unterstützungen nach oben zu drehen, zumindest vorerst. Denn auch, wenn der Index aus der Gefahrenzone heraus ist: Die Risiken sind noch da.

Die US-Notenbank beschränkte sich am Mittwochabend darauf, die Reduzierung der Anleihe-Stützungskäufe zu avisieren, nicht aber unmittelbar zu starten. Darauf hatten diejenigen, die bereits im Vorfeld in fallende Kurse hinein zugegriffen hatten, gesetzt – und gewonnen. Aber das Ende des super-billigen Geldes ist dennoch absehbar. Und auch die EZB, die bislang so tut, als sei Inflation ein Problem anderer Leute, wird dann nicht umhinkommen, zumindest teilweise mitzuziehen.

Weder die Inflation noch die Lieferengpässe und die in einigen Branchen eklatante Materialknappheit sind vom Tisch. Derzeit sind es vor allem die Energiepreise, die rasant steigen. Das geht weder am Konsumverhalten noch an den Unternehmensgewinnen spurlos vorbei. Und zu behaupten, dass hätten die Investoren im Euro Stoxx 50 bereits berücksichtigt, erscheint angesichts der immer neuen, mehrjährigen Hochs gewagt.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 23.09.2021, Kurs 4.194,92 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Auch das China-Problem namens Evergrande ist in keiner Weise erledigt. Derzeit scheint man bereits wieder zu kaufen, wenn einmal für mehrere Stunden keine neuen, kritischen Nachrichten eintrudeln. Aber eine „Teileinigung“ mit Gläubigern, die der Immobilienriese dieser Tage verkündete und vereinzelt geleistete, fällige Zinszahlungen sind keine gebannte Gefahr. Evergrande dürfte ohne massives Eingreifen der Regierung nicht zu retten sein. Und dass ein Kollaps dieses gewaltigen Unternehmens keine größeren Auswirkungen habe, nicht auf die chinesische Wirtschaft und schon mal gar nicht auf den Rest der Welt, sind Behauptungen ohne Beweiskraft. Die einen an den gebetsmühlenartigen Spruch vor der Super-Baisse 2008 erinnert, mit dem der damalige Präsidentschaftskandidat McCain die Menschen beruhigen wollte: „the economy is strong“.

Aber trotzdem steigt der Euro Stoxx 50. Und er könnte noch weiter steigen. Warum?

The current price and chart of the EURO STOXX 50 as well as price information and all stocks in the index can be found here.

Expertenmeinung: Zwar lag McCain damals so falsch, wie man falscher nicht liegen konnte. Aber natürlich wollen sich Anleger, die voll und hoch spekulativ auf Hausse spekulieren, nur zu gerne beruhigen lassen. Und wer beruhigt ist, kauft weiter.

Dennoch: Wenn die Risiken und die Behauptungen so weit auseinander liegen, ist größte Vorsicht angebracht. Denn in einer solchen Situation muss ja nicht die Realität negativ werden, was seine Zeit dauern würde. Sie ist es ja schon in vielen Bereichen. Es muss nur der Glaube, dass alles irgendwie von alleine gut wird und die Kurse noch genug Luft nach oben haben, um erneut einzusteigen oder zuzukaufen, erschüttert werden. Und das passiert gemeinhin schnell und ohne Vorwarnung.

Daher wäre es zwar mehr als verwegen, sich dieser Rallye einfach entgegenzustellen, denn sie muss zwar nicht, kann aber allemal über das letzte, mehrjährige Hoch bei 4.253 Punkten hinausführen. Ob man da aber mitzieht, indem man bestehende Long-Positionen ausbaut oder gar jetzt erst neu einsteigt, sollte man sich lieber zweimal überlegen, zumal der Index jetzt binnen kürzester Zeit wieder nahe an den letzten Hochs notiert.

Wenn man sich den Chart auf Tagesbasis ansieht, fällt auf, dass das Aufkaufen von „Schwächeanfällen“ immer rasant vonstattengeht, der Euro Stoxx 50 dann aber sofort, wenn der vorherige Level wieder erreicht ist, an Schwung verliert:

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 23.09.2021, Kurs 4.194,92 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Was auch nicht überrascht. Denn denen, die jeden Rücksetzer ungeachtet der Rahmenbedingungen als Einstiegschance nutzen, stehen diejenigen gegenüber, die mit Blick auf eben diese Rahmenbedingungen der Ansicht sind, dass ein Euro Stoxx 50 auf einem Niveau, das zuletzt 2008 gesehen wurde, eine tadellose Gelegenheit bietet, Long-Gewinne mitzunehmen.

Der Euro Stoxx 50 würde diesen „Deckel“ nur dann sprengen, wenn sich die kritische Gemengelage aufhellen würde: Zeitnaher Rückgang der Inflation, ermutigende Wachstumsdaten, eine Lösung des Evergrande-Problems, starke Quartalsbilanzen. Bislang ist aber von alldem nichts zu sehen. Im Gegenteil lagen die gestern für den September als Zwischenstand vorgelegten Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone mehrheitlich deutlich unter den Levels vom August und klar unter den Prognosen der Analysten. Daher gälte festzuhalten: Auch, wenn die Bären beim Euro Stoxx 50 weiterhin nichts zu gewinnen haben, ist der deswegen nicht automatisch eine sichere Bank für die Bullen.

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In fallende Kurse zu greifen, widerspricht den Grundregeln des Investierens, ging aber in den letzten Monaten so oft gut, dass viele Trader die klassischen Regeln einfach ignorieren. Auch beim Euro Stoxx 50 wurde gestern ins fallende Messer gegriffen. Geht das auch diesmal gut?

Die Vorbörse war völlig ruhig. Aber kaum startete gestern um 9 Uhr der reguläre Handel, ging es mit europäischen Aktien senkrecht abwärts. Die Vehemenz der Verkäufe deutete auf große Adressen hin, die da ordentlich Bestände abluden. Aber wieso ausgerechnet am gestrigen Mittwoch, an dem es morgens keine wirklich wichtigen, neuen Daten gab? Der Blick in den Terminkalender zeigt momentan nur eine plausible Möglichkeit: die heutige EZB-Sitzung.

Heute wird die EZB erstmals nach ihrer Sommerpause zusammenkommen. Mit im Gepäck dürften wie üblich im September neue Wachstums- und Inflationsprojektionen sein. Und, vielleicht, eine Entscheidung darüber, ob das Volumen der Anleihekäufe zurückgefahren wird und wenn ja, ab wann und wie schnell. Aber wäre das so problematisch für den Aktienmarkt?

Tageschart vom 08.09.2021, Kurs 4.177,15 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Normalerweise eigentlich nicht. Aber zum einen ist die Eurozone-Wirtschaft derzeit noch weit abhängiger von billigsten Kreditlevels als je zuvor. Zum anderen sorgt man sich nicht zu Unrecht, dass die EZB ihre rosa Brille absetzen und sich des Inflationsproblems annehmen könnte. Denn eine interessante Meldung aus der Konjunktur-Ecke kam gestern eben doch:

Eine gestern vorgelegte Umfrage des ifo-Instituts meldet für Deutschland ein eklatantes Problem in Sachen Materialverfügbarkeit, das laut den Aussagen vieler Unternehmen in steigende Preise münden wird. Da offen ist, wie lange dieser „Flaschenhals“ der Weltwirtschaft, der sich derzeit selbst intensiviert, noch währt, ist das eine Situation, in der die Untätigkeit der EZB womöglich eben doch schwerer wiegen könnte als die Folgen eines sich langsam schließenden Geldhahns. Denn der Punkt bei dieser Umfrage ist: die Preise werden erst noch angehoben. Hier war nicht die Rede von bereits vollzogenen Preiserhöhungen, sondern von geplanten.

Damit hat man jetzt zwei Aspekte, die nervös machen. Zum einen, dass der Hausse langsam eben doch das Geld ausgehen könnte, weil die bisherige Liquiditätsflut immer auch teilweise am Aktienmarkt ankam. Zum anderen, dass die Inflation eben doch nicht in Kürze zu den Akten gelegt werden kann und steigende Kosten einerseits und eine schwindende Kaufkraft der Verbraucher andererseits die Unternehmensgewinne drücken werden. Und beides ist nicht aus der Luft gegriffen.

Damit wird das, was die EZB entscheiden wird, wohl auch entscheiden, ob diejenigen, die den Euro Stoxx 50 gestern von seinem Tagestief weggezogen und zum Handelsende wenigstens auf Tuchfühlung mit der auf kurzfristiger Ebene entscheidenden Supportzone aus Juli-Aufwärtstrendlinie, 20-Tage-Linie und Juni-Hoch zwischen 4.165 und 4.195 Punkten halten konnten, genau das Richtige getan oder im Gegenteil auf Sand gebaut haben.

Sollte diese Zone auch heute zum Handelsende halten, wären die Bullen einer Korrektur wieder einmal von der Schippe gesprungen. Sollte der Euro Stoxx 50 aber nennenswert im Minus schließen, könnte die um sich greifende Meinung, dass einem nichts passieren kann, wenn man in ein fallendes Messer greift, zügig widerlegt werden. Falls der Index heute nennenswert wegrutschen sollte, wäre sein Kursziel die mittelfristig entscheidende Supportzone zwischen 3.836 und 3.905 Punkten.

Tageschart vom 08.09.2021, Kurs 4.177,15 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Der Euro Stoxx 50 umfasst die 50 von der Marktkapitalisierung her größten Eurozone-Aktien. Da sollte man denken, dass er eine klare Trendstruktur aufweist, aber das Gegenteil ist der Fall. Ist der europäische Leitindex „untradebar“? Nein, es ist nur eine Frage des Zeitrasters.

Wer den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, tut gut daran, aus ihm herauszutreten. Im Fall des Euro Stoxx 50 ist das derzeit absolut notwendig, denn wenn wir uns den Kursverlauf auf Tagesbasis ansehen, wäre „ein wenig wirr“ noch höflich formuliert.

Bis vor zwei Monaten ging das alles noch ganz gut, doch seither werden obere und untere Wendemarken ebenso wie gleitende Durchschnitte, normalerweise wichtige, charttechnische Orientierungsmarken, einfach ignoriert. Und mit Trendlinien muss man auf dieser Zeitebene gar nicht erst anfangen. Denn zwei Punkte lassen sich immer verbinden, eine Bestätigung der Relevanz einer solchen Linie dadurch, dass es zu einem dritten Punkt entlang einer Linie kommt, findet sich aber nicht.

Aber das ist kein Grund, sich entnervt von einem Index abzuwenden, der für Investoren eine derart hohe Bedeutung hat. Man muss eben nur „aus dem Wald hinaus“, dann sieht die Sache schon besser aus. Mittel- und langfristig ist der Euro Stoxx 50 weiterhin gut zu greifen … sehen wir uns das einmal anhand der Charts auf Tages- und Wochenbasis an:

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 24.08.2021, Kurs 4.178,08 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Euro Stoxx 50: Wochen-Chart vom 24.08.2021, Kurs 4.178,08 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Im ganz großen Bild auf Monatsbasis sehen wir, dass das bullische Lager das Geschehen über das ziellose Geplänkel auf Tagesebene hinaus grundsätzlich dominiert. Der Ausbruch aus der 2015 etablierten, langjährigen Handelsspanne wurde im März vollzogen und im Mai ebenso wie im Juli durch aufgekaufte Rücksetzer bestätigt.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 24.08.2021, Kurs 4.178,08 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Auf Wochenbasis findet sich ein sich leicht verjüngender Aufwärtstrendkanal, zu dessen oberer Begrenzung bei aktuell 4.315 Punkten der europäische Leitindex noch ein gutes Stück Luft hätte. Darüber hinaus sind wichtige markttechnische Indikatoren wie der Trendfolgeindikator MACD auf Wochenebene und der Stochastik-Oszillator auf Monatsebene ungebrochen bullisch.

Der Grund für die im kurzfristigen Zeitraster fehlende Struktur dürfte vor allem darin liegen, dass die einzelnen hier gelisteten Aktien ungewöhnlich uneinheitlich tendieren. In „gesunden“ Auf- oder Abwärtstrends entspricht die Trendrichtung der allermeisten im Index gelisteten Aktien dessen Trendrichtung. Seit einigen Monaten erleben wir da aber eine äußerst unstrukturierte Entwicklung, was, weniger intensiv, auch für DAX, Dow Jones und manche anderen großen Indizes gilt. Aber auf solche Veränderungen lässt es sich ja reagieren.

Eine Anpassung des Trading-Zeitrasters auf Wochenebene lichtet, wie die Charts zeigen, den Nebel. Derzeitige Aussage: Die Luft nach oben ist zwar recht dünn, aber eben noch vorhanden. Ein Rücksetzer an das untere Ende dieses mittelfristigen Aufwärtstrendkanals bei aktuell 3.760 Punkten muss als Möglichkeit aber im Hinterkopf sein, wer aggressiv und mit stark gehebelten Derivaten agiert, könnte daher die Risikoexposition entsprechend absenken und ggf. auf Einzelwerte des Euro Stoxx 50 mit dynamischen, intakten Trends ausweichen.

Der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 hat geschafft, was die Bullen beim DAX gerne schaffen würden: neue Hochs. Zwar liegt das eigentliche Rekordhoch aus dem Jahr 2007 beim Euro Stoxx 50 noch ein gutes Stück höher. Aber man ist auf gutem Weg dorthin.

In früheren Jahren war es meist das Drittel an aus dem DAX stammenden Aktien im Index, die den Euro Stoxx 50 gezogen haben. Doch seit einiger Zeit sind die eher zum Klotz am Bein geworden. Was nicht unbedingt überrascht, denn letztlich ist das nur das Spiegelbild der Wachstums-Situation innerhalb der Eurozone: die einstige Konjunkturlokomotive Deutschland wird zum Bremsklotz. Es musste also ohne die Zugkraft der DAX-Aktien gehen … und es ging.

Sie sehen im langfristigen Chart auf Monatsbasis, dass sich der Index bereits im März aus einer jahrelangen Seitwärtsspanne nach oben absetzen konnte. Das war schon mal gut, entscheidend ist aber, dass dieser Ausbruch im Mai und dann noch einmal im Juli als tragfähig bestätigt wurde, nachdem der Euro Stoxx 50 in beiden Monaten auf der oberen Begrenzung dieser alten Handelsspanne, eine jetzt zum Support gewordene Zone zwischen 3.836 und 3.867 Punkten, aufsetzte und nach oben drehte. Solange diese Zone hält, bleibt die Chance erhalten, das bisherige Rekordhoch anzugehen und im Idealfall auch zu überwinden. Das sehen Sie im langfristigen Chart: Im Jahr 2007 wurde diese Bestmarke erreicht, bei 4.573,13 Punkten. Bis dorthin fehlen dem Index noch 9,2 Prozent. Machbar ist das. Sicher ist es nicht.

Monatchart vom 10.08.2021, Kurs 4.187,82 Euro, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Immer wieder kam es seit April zu abrupten, scharfen Rücksetzern, immer wieder wurden diese umgehend aufgeholt. Das würde normalerweise die nötige Zuversicht geben, um vorbestehende Hochs im Sturm zu nehmen. Aber über das letzte Hoch von Mitte Juni (4.165 Punkte) wurde am vergangenen Freitag eher im Schleichgang überboten. Und auch, wenn der Euro Stoxx am Montag und Dienstag stur weiter zulegte: Von Dynamik ist da keine Spur. Ist das ein Grund zur Sorge?

Momentan kann man das eher positiv sehen. Denn es bedeutet, dass man vorsichtig agiert, sich Risiken wie des relativ schwachen Wachstums und der zu hohen Inflation bewusst ist, aber trotzdem selektiv weiter einsteigt. Das ist diese viel zitierte „Mauer der Angst“, an welcher es gemeinhin sicherer nach oben geht als in einem Umfeld, in dem zu viele zu sorglos agieren.

Dabei könnte durchaus neuer Elan in diesen Aufwärtstrend kommen, wenn es gelingt, die Ende Januar etablierte und im Juli dann gebrochene, vormalige Aufwärtstrendlinie zu überbieten, die, wie der Chart auf Tagesbasis andeutet, aktuell als eine Hausse-Begrenzungslinie fungiert. Aber ob und wie schnell der Euro Stoxx 50 seinen Weg an und über das bisherige Rekordhoch aus dem Jahr 2007 finden wird, ist für Akteure, die hier trendkonform Long investiert sind, weniger bedeutsam als eine sinnvolle Absicherung für den Fall, dass sich zusehends eintrübende Rahmenbedingungen die Aufwärtsbewegung doch noch torpedieren könnten. Hier würde sich für kurzfristig und aggressiv agierende Trader ein Stoppkurs knapp unter diesem jetzt überwundenen Juni-Hoch (4.165 Punkte) anbieten, während mittelfristig ausgerichtete Investoren erst dann einen Grund hätten, ihre Long-Position zu verkaufen, wenn der Index mit Schlusskursen klar unter 3.836 Punkten wieder in die alte Handelsspanne der Jahre 2015 bis 2020 zurückfallen würde.

Tageschart vom 10.08.2021, Kurs 4.187,82 Euro, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Seit Mitte April beobachten wir das immer wieder: Auf einmal rutscht der Euro Stoxx 50 weg. Aber die Bullen sind auf dem Posten, ziehen den Index umgehend wieder nach oben und dann … kommt nichts mehr. Dieses „Offensiv-Problem“ könnte sich jederzeit rächen.

Beim Blick auf die Charts fällt es sofort auf: Der Euro Stoxx 50 ist zwar Ende März über das „Prä-Corona-Hoch“ vom Februar 2020 gestiegen, kann sich von diesem alten Hoch bei 3.867 Punkten nicht effektiv lösen. Erst vorvergangene Woche war es zu einem Rücksetzer gekommen, der nur knapp über dieser jetzt als wichtige Unterstützung fungierenden Linie abgefangen werden konnte. Und solche Rücksetzer häufen sich. Seit Mitte April kam es bereits sieben Mal zu abrupt wegrutschenden Kursen. Die wurden immer sofort wieder aufgefangen und der Index dorthin zurückgezogen, wo er vor solchen „Schwächeanfällen“ notierte, aber:

Allzu viel mehr passiert nicht. In einem gesunden Aufwärtstrend wären solche Kaufimpulse eine ideale Basis, um im Gegenzug einen Ausbruch nach oben zu vollziehen. Davon ist hier aber nichts zu sehen. Die Defensive funktioniert, die Offensive ist eine Pleite. Und damit gewinnt man nun einmal nichts. Hinzu kommt, dass der Trend dadurch auf kurzfristiger Ebene immer mehr „ausfranst“.

Auf mittelfristiger Ebene im Wochenchart passt im Prinzip noch alles:

Euro Stoxx 50: Wochen-Chart vom 02.08.2021, Kurs 4.116,62 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Der im März 2020 etablierte Aufwärtstrend hält ebenso wie die 200-Tage-Linie. Und diese beiden mittelfristigen Leitlinien sind noch ein gutes Stück entfernt. Was auffällt ist, dass der Schwung weg ist. Aber das alleine heißt nicht, dass ein Ausbruch nach oben nicht drin wäre. Es bedarf nur entsprechender Anreize, z.B. durch starke Konjunkturdaten und Unternehmensbilanzen.

Aber wo bleiben die? Ein Wachstum von 2,0 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) des zweiten Quartals in der Eurozone und von 1,5 Prozent in Deutschland, das ist mager. Darüber hinaus scheint das Thema Corona nicht, wie das viele noch in der ersten Jahreshälfte dachten, weitgehend vom Tisch zu sein. Und viele der Quartalsergebnisse liegen, und sei es als Vorab-Ergebnisse, schon auf dem Tisch, ohne dass der Euro Stoxx 50 Anstalten gemacht hätte, sich nach oben in Marsch zu setzen. Allzu viel an Daten, die eine guter Anlass für die Wiederbelebung der Offensive sein könnten, steht kurzfristig nicht mehr an.

Obendrein sieht das Chartbild auf Tagesebene nicht gut aus. Kurzfristige Trends können nicht gehalten werden, der Steigungswinkel der Trends wird immer geringer. Und diese „Schwächeanfälle“ werden nicht an nennenswerten charttechnischen Unterstützungen abgefangen, was andeutet, dass das bullische Lager nicht mehr besonders konzertiert handelt. Ein solches Chartbild kann sich jederzeit rächen, denn die Aussage ist unübersehbar:

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 02.08.2021, Kurs 4.116,62 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Dieses Abfangen abrutschender Kurse mag noch funktionieren, aber es führt nirgendwohin. Warum also sollte man sich selbst noch an solchen „Rettungskäufen“ beteiligen, wenn daraus kaum Profit entsteht? Je öfter die Offensive versagt, desto mehr Trader werden zu diesem Schluss kommen, daher: Wenn der Euro Stoxx 50 nicht bald über das bisherige Jahres-Verlaufshoch bei 4.166 Punkten ausbricht, könnte der nächste schwache Tag eben nicht mehr aufgefangen werden. Achten Sie da besonders auf dieses 2020er-Hoch bei 3.867 Punkten. Diese Linie darf nicht fallen. Wenn doch, ist etwas angebrannt!

Seit April kam es immer wieder zu einzelnen, sehr schwachen Tagen beim Euro Stoxx 50. Ein ums andere Mal wurden die Verluste sofort wieder aufgekauft, wodurch nervöse Anleger beruhigt wurden und investiert blieben. Das könnte jetzt erneut klappen. Aber wenn nicht …

… kann es sehr schnell sehr ungemütlich werden beim europäischen Leitindex. Denn der charttechnische Schaden ist diesmal größer als bei den „Schwächeanfällen“ der letzten Monate. Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Index durch das kräftige Minus von 2,12 Prozent durch die Ende Januar etablierte, mittelfristige Aufwärtstrendlinie gerutscht ist. Damit fiel auch die Supportlinie bei 4.043 Punkten, die im April und Mai die obere Begrenzung der damaligen Seitwärtsbewegung markierte. Jetzt ist der Euro Stoxx 50 wieder in diese alte Seitwärtsspanne hineingerutscht, die auf der Unterseite durch das Prä-Corona-Hoch vom Februar 2020 bei 3.867 Punkten definiert wird.

Tageschart vom 08.07.2021, Kurs 3.991,66 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Dass der Index bereits unmittelbar zum „dreifachen Hexensabbat“, der großen Abrechnung der Optionen und Futures im Juni, jeglichen Schwung verlor, ist dabei zumindest auffällig. Es scheint, als hätten die großen Akteure am Terminmarkt kein Interesse mehr, auf der Long-Seite etwas zu bewegen. Die Frage ist jetzt: Werden sich diese Trader als aktive Short-Seller betätigen? Wenn ja, wäre es keine Überraschung, wenn der Euro Stoxx 50 die untere Begrenzung der alten Handelsspanne testen würde. Und je nach Datenlage wäre sogar deren Bruch nicht auszuschließen.

Würde sich die Situation in Sachen Corona wieder verschärfen, könnte das umgehend sehr negativ auf den Konsum in Europa wirken und damit den großen Optimismus in Sachen Wachstum, der ohnehin schon teilweise von der Realität kassiert wurde, komplett vom Tisch fegen. Darüber hinaus stehen die Ergebnisse des zweiten Quartals vor der Tür. Und unter den wenigen Daten, die dahingehend bislang als vorläufige Ergebnisse eingelaufen sind, waren bereits einige, die hinter den Prognosen zurückblieben.

Doch dieser kräftige Abriss des Donnerstags war „nur“ eine Verkaufswelle, keine gezielte Short-Attacke. Wären bereits in größerem Umfang Short-Seller aktiv, hätte sich der Tag anders dargestellt. Und noch könnte man sich an die Vorgaben aus Übersee klammern, wo man zumindest versuchte, den Abverkauf der US-Indizes mit aller Macht aufzuholen. Dort kämpfen die Bullen also noch, denkbar, dass das die Käufer am europäischen Markt animiert, diese charttechnische Delle zum Wochenschluss auszubügeln.

Gelingt das, würden zwar die Damoklesschwerter Corona, Wachstumsschwäche und Inflation bleiben. Aber in Situationen wie diesen geht es den Akteuren erst einmal um die unmittelbare Situation. In Phasen, in denen eine Hausse weit ausgereizt ist, die Rahmenbedingungen nicht ideal sind und die Volatilität zunimmt, entscheiden viele auch große Adressen aus dem Augenblick heraus, was sie tun. Zunächst einmal sollte man daher auf die kommenden Tage achten. Gelingt es, den Euro Stoxx 50 wieder über 4.100 Punkte zu ziehen, wäre die Kuh erst einmal vom Eis.

Sollte eine Gegenbewegung nach oben aber scheitern, muss das Augenmerk zunächst der vorgenannten Marke von 3.867 Punkten gelten. Sie ist aber nur ein Teil der mittelfristigen Schlüsselzone, die den Index von einem erneuten Abwärtsimpuls trennt. Sie sehen das im Chart auf Monatsbasis:

Montaschart vom 08.07.2021, Kurs 3.991,66 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Es sind drei obere Wendemarken, die aus den Jahren 2008, 2015 und 2020 stammen, welche die obere Begrenzung der jahrelangen, breiten Range stellen, in der sich der Euro Stoxx 50 vor dem im März gelungenen Ausbruch nach oben bewegt hatte. Schlusskurse unter 3.800 Punkten würden den europäischen Leitindex eindeutig in diese alte Zone zurückwerfen. Und spätestens dann würden sich viele auch große Trader umgehend auf die Short-Seite schlagen.