EURO STOXX 50 Prognose Euro Stoxx 50: Vorsicht vor „könnte“!

News: Aktuelle Analyse des EURO STOXX 50 Index

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EURO STOXX 50
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Zum EURO STOXX 50
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Der Euro Stoxx 50 hat ein neues Jahrestief markiert. Aber so knapp, dass es noch eine Bärenfalle werden könnte. Immerhin war er auch im Juli nur kurz und leicht unter das März-Tief gefallen. Überverkauft wäre er auch … ob man da nicht vielleicht jetzt Long gehen könnte?

Angesichts des Öls, das derzeit in den Ukraine-Konflikt gegossen wird, der sehr klaren Ansage der US-Notenbank in Richtung eines kompromisslosen Kurses, den Echos, die da aus Richtung der EZB kamen und der zahlreicher werdenden Gewinnwarnungen der Unternehmen wäre das ein „könnte“, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit nicht ansatzweise abzuschätzen ist, aber eher nicht bei 50:50 liegt. Bei solchen Rahmenbedingungen ist der Euro Stoxx 50 ein fallendes Messer, sonst nichts.

Daher ist der Vergleich mit dem Doppeltief von Juli, das damals kurz unter das März-Tief bei 3.387 Punkten führte, auch einer, der eher hinkt. Denn im Sommer hatten Befürchtungen, die Leitzinsen könnten heftiger steigen als gedacht, die Inflation zähen Widerstand leisten und das alles irgendwann auf die Unternehmensgewinne drücken, den Index gedrückt, Heute jedoch weiß man, dass all das der Fall ist und momentan erst der Anfang vom Ende laufen könnte.

Den aktuellen Kurs und Chart des EURO STOXX 50 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Da man damit rechnen muss, dass die Inflation zumindest in Europa kurzfristig noch zulegt, bevor sie zurückkommt, dass die Gewinnwarnungen zunehmen werden und eine Rezession eigentlich schon da ist, ohne dass man einen Plan hätte, wie man da wieder herauskommt, muss man sich fragen:

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 23.09.2022, Kurs 3.348,60 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Wer außer kurzfristigen Tradern und Bären, die Short-Gewinne eindecken wollen, könnte jetzt, mit anderthalb Beinen über dieser Klippe des vorherigen Jahrestiefs, kaufen? Viele Anleger erkennen jetzt, dass wir hier kein Korrektur-Szenario sehen, in das man getrost in fallende Kurse hinein kaufen könnte. Und sollte der Euro Stoxx 50 diese zusammen mit dem Juli-Tief auf 3.357 zu 3.387 Punkte zu verortende Zone auch nur ein bisschen deutlicher unterschreiten als am Freitag geschehen, dürften Stop Loss-Orders ausgelöst werden. Diese Orders könnten den Index schnell und deutlich unter das Tief drücken, so wie wir das am Freitagmittag beim DAX gesehen hatten, der daraufhin schnell über 200 Punkte unter das alte Tief rutschte. 

Es kann sein, dass der europäische Leitindex zum Wochenstart erst einmal durchstartet, weil genug bärische Trader leer verkaufte Aktien eindecken wollen, um ihren Gewinn zu sichern. Aber in einem Umfeld wie diesem muss man schon ein erfahrener Daytrader sein, um eine solche Rallye mitmachen zu können. Und für eine echte Wende, die das Freitags-Closing zu einem idealen Einstiegspunkt machen würde, passen derzeit weder das Chartbild auf kurz-, mittel- und langfristiger Ebene noch die Rahmenbedingungen. Daher wagt man, wenn man jetzt gegen den Trend traden will, leicht mal zu viel!

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 23.09.2022, Kurs 3.348,60 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2022? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top FlopMDAX Top FlopEuro Stoxx Top FlopDow Jones Top FlopNasdaq 100 Top Flop

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Vorherige Analysen des EURO STOXX 50 Index

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Die EZB hat nicht nur einen für sie untypisch großen Zinsschritt vorgenommen. Sie hat auch klar kommuniziert, dass noch einiges an Zinsanhebungen nachkommt. Ein Umfeld, in dem das Bullen-Lager leicht aus der Kurve fliegen kann, zumal der dreifache Hexensabbat naht!

Heute in einer Woche werden nicht nur, wie an jedem dritten Freitag eines Monats, die Optionen auf Aktien und Indizes an der Terminbörse abgerechnet, sondern, wie in jedem dritten Monat eines Quartals, auch die Futures. Dieser „dreifacher Hexensabbat“ genannte Termin pflegt bereits etwa eine Woche vorher Positionskämpfe auszulösen, in denen bullische und bärische Akteure am Terminmarkt um den Level ringen, auf dem dann abgerechnet wird. Natürlich zieht das den Gesamtmarkt mit. Die Frage ist nur: in welche Richtung?

Der Euro Stoxx 50 konnte am Donnerstag mit einem Aufwärts-Turnaround glänzen. Nachdem der Index als Reaktion auf die äußerst konkreten Aussagen der EZB hinsichtlich weiterer Leitzinserhöhungen erst einmal kräftig in die Knie ging, kamen mit Beginn des US-Handels Käufe auf, stark genug, um den Index am Ende ins Plus zu ziehen.

Die Frage stellt sich indes, was diese Käufe motiviert hat. Denn dass die EZB sich jetzt deutlich konsequenter zeigt als noch vor wenigen Monaten, dass die Inflationsprognose der Zentralbank jetzt auch für 2023 weit über dem Ziel liegende Levels avisiert, die Wachstumserwartung für 2023 deutlich gesenkt wurde, all das ist bärisch für den Aktienmarkt. Und das Chartbild deutet auf ein anderes Motiv hin.

Expertenmeinung: Der Euro Stoxx 50 ist, nachdem er noch unterhalb der massiven, durch die 200-Tage-Linie verstärkten Widerstandszone zwischen 3.852 und 4.047 Punkten nach unten abdrehen musste, auch noch unter den Supportbereich 3.527/3.592 Punkte gefallen, was ihn wieder in die unmittelbare Gefahrenregion in Form der Tiefs vom März (3.387 Punkte) und Juli (3.358 Punkte) gebracht hat.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 08.09.2022, Kurs 3.512,38 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Man kann sich gut vorstellen, dass es da so manche große Adresse am Terminmarkt gibt, die große Probleme bekäme, wenn der europäische Leitindex so knapp vor der großen Abrechnung in einer Woche durch diesen Supportbereich auf neue Jahrestiefs abrutschen würde.

Alleine durch dann ausgelöste Stop Loss-Verkaufsorders und die Notwendigkeit des Hedgings seitens vieler auf höhere Abrechnungskurse spekulierende Akteure könnte das dann einen kräftigen Selloff bedeuten, der außerhalb der Planung so ziemlich aller Akteure an der Terminbörse läge.

Ein solches Szenario vermeiden zu wollen, kann allemal die Motivation gewesen sein, um den nach der EZB-Entscheidung wegrutschenden Index aufzufangen und mit einem Intraday-Turnaround einen Sicherheitspuffer zu diesen Tiefs vom März und Juli zu etablieren.

Aber ob das auch funktioniert? Und wenn ja, ob der Euro Stoxx 50 dann nicht kurz nach diesem Abrechnungstermin am 16. September nach unten ausbricht? Die Rahmenbedingungen sind bärisch genug, um bullische Trader, die jetzt zu viel wagen und auf eine erneute Rallye wie im Juli/August wetten, aus der Kurve zu werfen. Der Index müsste im Minimum mit Schlusskursen über 3.600 Punkten die nächstgelegene Widerstandszone zurückerobern und damit ein Signal abliefern, dass die Bullen noch genug Kraft haben, um über kurzfristige Long-Trades auch nur nachzudenken!

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 08.09.2022, Kurs 3.512,38 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

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So dynamisch der Juli beim Euro Stoxx 50 auch war, der August ist es nicht. Und der Monat neigt sich dem Ende zu. Noch ist für die Bullen nicht viel angebrannt. Aber damit die Aufwärts-Chancen erhalten bleiben, müssten die Käufer zeitnah Zeichen setzen.

Man wartet gespannt auf die Aussagen der Chefs der großen Notenbanken, die ab heute im Rahmen des Notenbanker-Treffens in Jackson Hole, Wyoming, anstehen. Die Bullen hoffen, dass vor allem US-Notenbankchef Powell andeuten wird, dass man das Tempo der Leitzinsanhebungen als Reaktion auf die zumindest scheinbare Verlangsamung der Inflation im Juli reduzieren, womöglich bald eine Pause machen werde. Die Bären gehen davon aus, dass sich Powell zu solchen Aussagen ebenso wenig wird hinreißen lassen wie andere Notenbanker im Zuge dieses Meetings.

Nicht selten wird aus diesem jährlichen Treffen am Ende ein Non-Event, weil niemand dort etwas sagt, das nicht alle bereits vorher wussten. Aber mangels anderer, wichtiger Daten haben die Trader eben momentan nur dieses Thema. Und das bedeutet, dass der Euro Stoxx 50 auch dann einen kräftigen Impuls zeigen kann, wenn – eigentlich – nichts von Bedeutung aus Jackson Hole kommt, zumal:

Die kurzfristigen Trader haben den europäischen Leitindex in eine Position bugsiert, vor der aus er schnell ein bullisches, aber eben auch ein bärisches Signal generieren könnte. Es wäre daher eher überraschend, wenn man mir einem solchen, kurzfristigen Patt ins Wochenende gehen und in die neue Woche starten würde. Was muss jetzt aus Sicht der Bullen klappen … und was darf nicht passieren?

Expertenmeinung: Sehen wir uns den Index auf Monatsbasis an, erkennen wir, dass er zwar im Juli mit Schwung von unten an die langfristig wichtige Zone 3.836/3.906 Punkte herangelaufen war, im August aber nicht darüber hinauskam. Das in den wenigen Tagen des Monats doch noch hinzubekommen, ist zwar nicht unmöglich, aber das zu schaffen, dürfte sich wohl kaum ein bullischer Trader auf den Schild geschrieben haben.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 25.08.2022, Kurs 3.674,54 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Schließlich steht man gerade am europäischen Aktienmarkt mit Blick auf die kritischen Perspektiven im Herbst und Winter auf äußerst dünnem Eis, da dürfte man es eher vermeiden, sich so sehr mit Long-Positionen vollzupacken, dass es bricht.

Aber ein kleines, bullisches Signal wäre nicht nur willkommen, sondern nötig. Warum, sehen wir im Chart auf Tagesbasis. Der Index hatte zuletzt noch unterhalb der Hochs vom Mai und Juni und damit auch unterhalb der vorgenannten, wichtigen Widerstandszone abgedreht. Das war zwar nicht ideal, aber ein Rücksetzer war angesichts der vorherigen Rallye jederzeit zu erwarten. Nur darf der eben nicht so weit führen, dass aus ihm eine Korrektur und aus dieser womöglich ein dynamischer Abwärtsimpuls wird. Und um diese Ausweitung des Rücksetzers zu verhindern, wäre genau jetzt der richtige Moment.

Der Euro Stoxx 50 hatte im Wochenverlauf genau auf die zuvor überwundene, im März etablierte Abwärtstrendlinie aufgesetzt. Wenn er von dieser momentan bei 3.635 Punkten verlaufenden Linie dynamisch nach oben zieht, wäre das damit nur ein den Ausbruch nach oben bestätigender Pullback gewesen, der die Chance bietet, die mittelfristige Widerstandszone, die bei 3.836 Punkten beginnt und bis knapp 4.050 Punkte hinauf reicht, erneut anzugehen und im Idealfall dann zu bezwingen. Sollten die Käufer aber wegbleiben und dafür die Bären aktiv werden, würde es brenzlig. Sobald der Euro Stoxx 50 nicht nur diese alte Abwärtstrendlinie, sondern auch noch die knapp darunter verlaufende Supportzone 3.527/3.596 brechen würde, wäre das ein klares Signal, dass die Bullen ihre Chance vertan haben.

Und wenn eine solch wichtige Entscheidung ansteht, dürften die Trader auch weniger tiefschürfende Aussagen aus Jackson Hole als Basis nehmen, um das Ruder zu ihren Gunsten herum zu reißen.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 25.08.2022, Kurs 3.674,54 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
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An der Wall Street spielen bullische Trader die Karte, dass Inflation und Zinserhöhungen früher als gedacht enden werden. Gewagt. Hierzulande sind die Rahmenbedingungen noch deutlich fragiler, aber trotzdem steigt der Euro Stoxx 50 immer weiter. Wie ist das möglich?

Unterstellt man, dass die US-Bullen gerade Luftschlösser bauen, wären die europäischen Marktteilnehmer, die seit Mitte Juli massiv auf Hausse spekulieren, in ihre eigenen Luftschlösser längst eingezogen. Denn der Herbst bringt Druck durch hohe Energiekosten. Das hält nicht nur die Inflation auf zu hohen Levels, es bremst auch den Konsum, das Rückgrat jeden Wachstums. Und ohne Wachstum sind die Bullen mittelfristig auf einer Leiter ohne Sprossen unterwegs. Was sie irgendwann merken werden. Die Frage ist: wann?

Dass sich Rallyes in Bärenmärkten zum einen vor der Faktenlage völlig abkoppeln und zum anderen lange andauern und weit reichen können, ist nicht neu. So etwas hat es nicht nur 2000-2003 oder 2008 gegeben, sondern z.B. auch in den Sechziger- und Siebzigerjahren in Phasen von Inflation, Rezession und Ölpreiskrise. Die Basis solcher Rallyes war dabei immer dieselbe: Marktteilnehmer, die trotz massivster Warnsignale nicht ausgestiegen waren, auf dicken Verlusten sitzen und zugleich nicht das Fachwissen haben, die Komplexität und Reichweite negativer Rahmenbedingungen zu durchdringen, kaufen, weil sie negative Aspekte ausblenden und einfach wollen, dass die Baisse vorbei ist.

Dass die Bestätigung in Form steigender Kurse daher rührt, dass einfach ziemlich viele genau das wollen und nicht daher, dass die Lage wirklich besser wird, bemerken viele nicht. Aber einige eben schon. Das macht es zu einem Tanz auf dem Pulverfass, bei solchen Rallyes ohne eine permanente und konsequente Absicherung mitzuziehen.  

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Expertenmeinung: Diejenigen, die um das Pulverfass wissen, kennen sich auch mit den Grundregeln des Tradings aus … was bedeutet, dass sie nicht versuchen, eine Rallye zu stoppen, solange den Bullen Wille und Geld noch nicht auszugehen drohen. Und gerade weil die letzte Baisse lange her ist und seither immens viele Anleger neu hinzugekommen sind, kaufen viele derzeit im Glauben, dass sie selbst jetzt noch, knapp 13 Prozent über dem bisherigen Jahrestief des Euro Stoxx 50, ein Schnäppchen machen. Auch, weil sie, was für unerfahrene Anleger normal ist, die Distanz zum letzten Hoch des Index als realistisches Gewinnpotenzial ansehen. Doch es gibt Faktoren, die die erfahrenere Klientel dazu bringen können, selbst unterhalb markanterer Widerstandszonen wie die, auf welche der Euro Stoxx 50 gerade zusteuert (die Zone 3.857 zu 4.047 Punkte) bereits Gewinne mitzunehmen und/oder auf die Short-Seite zu wechseln. Wäre eine solche Situation jetzt gegeben?

Euro Stoxx 50: Wochen-Chart vom 15.08.2022, Kurs 3.789,62 Punkte, Kürzel SX5E| Online Broker LYNX

Es wäre zumindest möglich. Dass die Aufwärtswende der US-Indizes unmittelbar nach der Juni-Abrechnung an der Terminbörse erfolgte und hier, beim Euro Stoxx 50, direkt mit der Abrechnung vom Juli zusammenfiel, ist auffällig. Es scheint, als hätten große Adressen am Terminmarkt gezielt ihre Positionen auf Long gedreht. Da sind solche Abrechnungstermine aber nicht nur Ausgangspunkt, sondern auch Ziel. Die nächste Abrechnung steht an diesem Freitag an. So gesehen:

Bei diesen Rahmenbedingungen sollte man diesem Termin besonderes Augenmerk gönnen. Sollte der Euro Stoxx 50 kurz vor oder kurz nach dieser Abrechnung des 19. August Schwäche zeigen und mit Schlusskursen unter 3.650 Punkten die derzeit relevanten, kurzfristigen Unterstützungen unterschreiten, wäre für Long-Trades zu überlegen, ob man nicht umgehend dem alten Spruch folgt: „take the money and run!“

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 15.08.2022, Kurs 3.789,62 Punkte, Kürzel SX5E| Online Broker LYNX
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Die Rahmenbedingungen bleiben äußerst bärisch, aber die Bullen haben sich mit dem Argument „hätte ja schlimmer kommen können“ wochenlang über eine Charthürde nach der anderen gekämpft. Aber jetzt hat der Euro Stoxx 50 eine wichtige Widerstandsmarke erreicht.

Wenn die Bären zurückschlagen wollten, müssten sie sich jetzt zeigen. Der Euro Stoxx 50 ist an die obere Begrenzungslinie des Ende März etablierten Abwärtstrendkanals gelaufen und dort erst einmal stecken geblieben. Aber noch mündete das nicht in größeren Abgabedruck, ein starker Tag, und der europäische Leitindex wäre durch das bisherige Rallye-Hoch von 3.731 Punkten durch und damit auch aus diesem Trendkanal heraus. Voraussetzung:

Es müssten sich genug Trader finden, die diesen Ausbruch wagen, obwohl die Rahmenbedingungen nicht viel Luft nach oben, dafür aber nach unten bieten würden. Obwohl der Euro Stoxx 50 bereits jetzt kurz davorsteht, markttechnisch überkauft zu sein. Und obwohl schon bei 3.853 Punkten die nächste Widerstandszone beginnt, die im Gegensatz zur oberen Begrenzung des Abwärtstrendkanals breit und äußerst massiv ist. Und, wichtiger noch:

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 02.08.2022, Kurs 3.684,63 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Obwohl sie damit rechnen müssen, dass große Adressen nur auf einen solchen Ausbruchsversuch warten könnten, um in die dann höheren Umsätze auf der Long-Seite aussteigen und ideal große Positionen auf der Short-Seite aufbauen zu können. Doch eine Möglichkeit hätten die Bullen auf ihrer Seite:

Expertenmeinung: Die Chance, die Masse der Akteure, die einer solchen Situation normalerweise eher unentschlossen und abwartend gegenübersteht, mit einem „Coup“, einem schnellen Ausbruch unter hohem Kapitaleinsatz, zu überrumpeln, denn damit rechnen jetzt wohl eher wenige. Dann dürften viele fürchten, zu spät zu kommen und deshalb erst kaufen und später nachdenken. Viele Short-Trades würden in ihre Stop Loss laufen, eingedeckt werden und den Index dadurch erst recht höher ziehen.

Dass ein solcher „Coup“ reicht, um die zwischen 3.853 und 4.047 Punkten wartende, super-massive Widerstandszone ernsthaft zu gefährden, ist zwar extrem unwahrscheinlich. Aber sollten Trader eine solchen, überfallartigen Ausbruch nach oben starten, kann es sehr gut sein, dass sich, wer sich bereits jetzt wieder auf der Short-Seite positioniert hat, erst einmal die Finger verbrennt.

Auf deutlich solideren Beinen stünde man, wenn man in Sachen Short-Trade abwarten würde, bis der Euro Stoxx 50 so eindeutig nach unten abgedreht hat, dass auch die nächstliegende Auffangzone bei 3.527/3.592 Punkten unterboten wäre. Da die Rahmenbedingungen vermutlich noch eine Zeitlang negativ bleiben, tendenziell sogar negativer werden, würde man da eher nicht Entscheidendes verpassen. Zumal die untere Begrenzung dieses Abwärtstrendkanals noch in dieser Woche bis auf 3.300 Punkte hinunter reichen wird.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 02.08.2022, Kurs 3.684,63 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX
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Zum Wochenschluss ist es gelungen, den europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 etwas von den bisherigen Jahrestiefs zu lösen. Da das im Zuge der Abrechnung an der Terminbörse ablief, ist das ein ziemlich dünner seidener Faden. Aber immerhin: es ist einer.

Egal, wie miserabel die aktuellen Rahmenbedingungen sind und wie düster die Perspektiven für die kommenden Monate sein mögen: Eine zwischenzeitige Gegenbewegung nach oben ist immer möglich. Und je intensiver die Baisse ist, desto stärker können solche Rallyes ausfallen, alleine deswegen, weil mehr Akteure aggressiv Short sind und bei Gegenreaktionen deswegen mehr Trader ihre Short-Positionen eindecken müssen, was die Kurse zusätzlich befeuert.

Ob und wann solche Rallyes auftauchen, wie lange die anhalten und wie weit sie reichen, kann zwar eine charttechnische Basis haben, muss es aber nicht, das macht volatile Abwärtstrends so knifflig. Dass der Euro Stoxx 50 am Donnerstag den Supportbereich 3.358/3.387 Punkte testete und erst einmal hielt, könnte damit die Basis sein, dass sich die Notierungen erst einmal wieder nach oben orientieren. Aber wenn diese Woche nur ein paar Gewinnwarnungen und erste, schlechte Quartalsbilanzen anstehen, werden sich die Käufer hüten, einzusteigen und die Bären dürften auf der Short-Seite engagiert bleiben.

Expertenmeinung: Zwar kann man nicht absehen, ob solche „bad news“ in so ausreichender Zahl und Ausprägung kommen, dass sie eine Gegenbewegung abwürgen. Aber man kann die Ankerpunkte fixieren, die, wenn sie über- bzw. unterboten werden, die Maschinerie der charttechnischen Trades in Gang setzen, so dass die Nachrichtenlage in den Hintergrund tritt und kurzfristig die rein charttechnisch orientierten Trader und die computergesteuerten Handelsprogramme dominieren.

Ein nur leichtes Unterbieten des in der vorvergangenen Woche bei 3.358 Punkten erzielten, bisherigen Jahrestiefs dürfte nicht reichen, um einen weiteren Selloff auszulösen, zumindest nicht ohne Rückendwind neuer „bad news“. Das könnte dann eher, so wie dieses neue Tief in Relation zum März-Tief bei 3.387 Zählern, zu einer Bärenfalle werden, weil so etwas grundsätzlich eine gute Basis ist, um in hohen Abgabedruck hinein Short-Trades einzudecken, was die Kurse wieder höher zieht …

… was aber nicht passieren würde, wenn die Short-Seller sehen würden, dass der Index mit großem Druck nach unten ausbricht. Dann würden viele getreu dem Spruch „bei Erreichen streichen“ ihre Kauf- und Eindeckungspläne über den Haufen werfen, immerhin sehen wir im Chart auf Monatsbasis, wie viel Luft nach unten durch den Wiedereintritt in die vorherige, jahrelange Seitwärtsspanne entstanden ist.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 15.07.2022, Kurs 3.477,20 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Ein Prozent sollte der Euro Stoxx 50 mindestens unter dem letzten Verlaufstief schließen, d.h. erst bei Closings im Bereich 3.300/3.320 Punkte wäre ein neues Tief signifikant genug, um das Zeug zu haben, das nächste „Bein“ der Abwärtsbewegung zu werden. Und was ist in Sachen Rallye wichtig?

Wenn die Short-Seller in die Defensive geraten sollen, sprich dieser jetzt für die Bullen entstandene seidene Faden halten soll, muss der Euro Stoxx 50 über den Bereich hinaus, an dem er Ende Juni wieder abgedreht hatte: Über die Widerstandszone 3.527/3.596 Punkte. Dann wäre wieder einiges an charttechnischem Spielraum nach oben, so dass ein Ausbruch über diesen Bereich – der aber auch hier signifikant sein muss – die Short-Seller zum Eindecken bringen würde.

Da man definitiv nicht vorhersagen kann, welche Variante in den kommenden Tagen an Kontur gewinnt, kann es derzeit nur eines geben: Short-Trades wären, da der übergeordnete Trend weiter klar nach unten weist, haltenswert. Zukäufe Short oder ein Switch auf Long sollte man aber besser erst dann vornehmen, wenn der Index aus der derzeitigen Handelsspanne ausgebrochen ist!

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 15.07.2022, Kurs 3.477,20 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX