EURO STOXX 50 aktuell Euro Stoxx 50: Drehen die Bullen das Ding wieder?

News: Aktuelle Analyse des EURO STOXX 50 Index

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EURO STOXX 50
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Zum EURO STOXX 50

Seit April kam es immer wieder zu einzelnen, sehr schwachen Tagen beim Euro Stoxx 50. Ein ums andere Mal wurden die Verluste sofort wieder aufgekauft, wodurch nervöse Anleger beruhigt wurden und investiert blieben. Das könnte jetzt erneut klappen. Aber wenn nicht …

… kann es sehr schnell sehr ungemütlich werden beim europäischen Leitindex. Denn der charttechnische Schaden ist diesmal größer als bei den „Schwächeanfällen“ der letzten Monate. Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Index durch das kräftige Minus von 2,12 Prozent durch die Ende Januar etablierte, mittelfristige Aufwärtstrendlinie gerutscht ist. Damit fiel auch die Supportlinie bei 4.043 Punkten, die im April und Mai die obere Begrenzung der damaligen Seitwärtsbewegung markierte. Jetzt ist der Euro Stoxx 50 wieder in diese alte Seitwärtsspanne hineingerutscht, die auf der Unterseite durch das Prä-Corona-Hoch vom Februar 2020 bei 3.867 Punkten definiert wird.

Tageschart vom 08.07.2021, Kurs 3.991,66 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Dass der Index bereits unmittelbar zum „dreifachen Hexensabbat“, der großen Abrechnung der Optionen und Futures im Juni, jeglichen Schwung verlor, ist dabei zumindest auffällig. Es scheint, als hätten die großen Akteure am Terminmarkt kein Interesse mehr, auf der Long-Seite etwas zu bewegen. Die Frage ist jetzt: Werden sich diese Trader als aktive Short-Seller betätigen? Wenn ja, wäre es keine Überraschung, wenn der Euro Stoxx 50 die untere Begrenzung der alten Handelsspanne testen würde. Und je nach Datenlage wäre sogar deren Bruch nicht auszuschließen.

Würde sich die Situation in Sachen Corona wieder verschärfen, könnte das umgehend sehr negativ auf den Konsum in Europa wirken und damit den großen Optimismus in Sachen Wachstum, der ohnehin schon teilweise von der Realität kassiert wurde, komplett vom Tisch fegen. Darüber hinaus stehen die Ergebnisse des zweiten Quartals vor der Tür. Und unter den wenigen Daten, die dahingehend bislang als vorläufige Ergebnisse eingelaufen sind, waren bereits einige, die hinter den Prognosen zurückblieben.

Doch dieser kräftige Abriss des Donnerstags war „nur“ eine Verkaufswelle, keine gezielte Short-Attacke. Wären bereits in größerem Umfang Short-Seller aktiv, hätte sich der Tag anders dargestellt. Und noch könnte man sich an die Vorgaben aus Übersee klammern, wo man zumindest versuchte, den Abverkauf der US-Indizes mit aller Macht aufzuholen. Dort kämpfen die Bullen also noch, denkbar, dass das die Käufer am europäischen Markt animiert, diese charttechnische Delle zum Wochenschluss auszubügeln.

Gelingt das, würden zwar die Damoklesschwerter Corona, Wachstumsschwäche und Inflation bleiben. Aber in Situationen wie diesen geht es den Akteuren erst einmal um die unmittelbare Situation. In Phasen, in denen eine Hausse weit ausgereizt ist, die Rahmenbedingungen nicht ideal sind und die Volatilität zunimmt, entscheiden viele auch große Adressen aus dem Augenblick heraus, was sie tun. Zunächst einmal sollte man daher auf die kommenden Tage achten. Gelingt es, den Euro Stoxx 50 wieder über 4.100 Punkte zu ziehen, wäre die Kuh erst einmal vom Eis.

Sollte eine Gegenbewegung nach oben aber scheitern, muss das Augenmerk zunächst der vorgenannten Marke von 3.867 Punkten gelten. Sie ist aber nur ein Teil der mittelfristigen Schlüsselzone, die den Index von einem erneuten Abwärtsimpuls trennt. Sie sehen das im Chart auf Monatsbasis:

Montaschart vom 08.07.2021, Kurs 3.991,66 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Es sind drei obere Wendemarken, die aus den Jahren 2008, 2015 und 2020 stammen, welche die obere Begrenzung der jahrelangen, breiten Range stellen, in der sich der Euro Stoxx 50 vor dem im März gelungenen Ausbruch nach oben bewegt hatte. Schlusskurse unter 3.800 Punkten würden den europäischen Leitindex eindeutig in diese alte Zone zurückwerfen. Und spätestens dann würden sich viele auch große Trader umgehend auf die Short-Seite schlagen.

Den aktuellen Kurs und Chart des EURO STOXX 50 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

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Vorherige Analysen des EURO STOXX 50 Index

Der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 wird das zweite Quartal 2021 mit kräftigen Gewinnen beenden und hätte aus charttechnischer Sicht weiter Luft nach oben. Aber diese Hausse hat eine Achillesferse. Nicht wenige wissen es, aber viele wohl auch nicht.

Für Europa gibt es vergleichbare Daten noch nicht, aber in den USA meldeten die Behörden gestern im Zuge der korrigierten Berechnung des Bruttoinlandsprodukts, dass die Gewinne der US-Unternehmen im ersten Quartal 2021 um 1,7 Prozent zum Vorquartal gestiegen seien. Das ist an sich schon nicht viel. Aber es ist umso ernüchternder, wenn man die ausgewiesenen 1,98 Billionen US-Dollar mit der Zeit vor dem Corona-Crash vergleicht: Im ersten Quartal 2020 lagen sie genauso hoch. Doch der US-Aktienmarkt notiert mittlerweile meilenweit über den damaligen Kursen. Das heißt, dass die US-Anleger weiterhin eine große Hypothek auf starkes Wachstum in der Zukunft halten. Und das gilt für Europa, wo das Wachstum geringer ist und die Eurozone vom Lehrbuch her nach zwei negativen Quartalen immer noch in einer Rezession ist, erst recht.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 24.06.2021, Kurs 4.122,43 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Das ist eine Achillesferse, die dann zu einem ernsten Problem würde, wenn sich solche Erkenntnisse zum einen unter den Anlegern verbreiten, sie zum anderen ernst genommen würden und zu viele Marktteilnehmer in zu kurzer Zeit versuchen würden, ihre Gewinne zu sichern. Denn noch sind diese eben, so grandios das Chartbild des Euro Stoxx 590 auch aussieht, nur Buchgewinne. Reinkommen ist leicht, rauskommen nicht … das erinnert an Alcatraz, aber es gilt auch für einen Aktienmarkt, der Risiken ausblendet, zugleich immer mehr Kapital bindet und in dem die Risikobereitschaft steigt, sprich der Anteil an Derivaten stark gestiegen ist. Eine Kombination aus negativen Nachrichten, so z.B. unter den Erwartungen ausfallende Quartalsergebnisse, kombiniert mit einer weiter zu hohen Inflation, kann daher dazu führen, dass zu viele Akteure zeitgleich aus dem Markt herauswollen, ihnen aber deutlich zu wenige Käufer gegenüberstehen. Kommt es so? Und wenn ja, wann?

Die Antwort auf diese Fragen ist genau der Punkt, mit dem sich diejenigen beruhigen, die extrem große Portfolios verwalten, die sie im Fall plötzlich abkippender Notierungen nicht nennenswert verkleinern könnten, ohne aus einer scharfen Korrektur einen Crash zu machen. Und ebenso diejenigen, die mit hohem Hebel massiv auf Hausse spekulieren: Das kann man nicht vorhersehen. Und da ist es dann nicht weit zu dem Spruch: Eines Tages kracht es … aber an allen Tagen davor eben nicht. Das ist eine leichtfertige Sichtweise, zugleich aber auch vollkommen richtig, wenn man das vernünftig einordnet, indem man in einem Umfeld wie diesem entscheidet: dranbleiben, dem Trend folgen, aber nicht mehr ohne Fallschirm.

Denn jetzt angesichts dieser Achillesferse auf die Baisse-Seite zu wechseln und darauf zu warten, dass passiert, was passieren könnte, kann immens schief gehen. Erstens, weil man nicht sicher sein kann, dass sich die Rahmenbedingungen nicht doch so aufhellen, dass der Aktienmarkt um einen nennenswerten Abwärtsimpuls herumkommt. Zweitens, weil diese Erkenntnisse ja keineswegs neu sind. Und wenn das Gros der Akteure sie Wochen und Monate ignorieren kann, könnte man es auch noch weitere Wochen und Monate tun und der Euro Stoxx 50 an das mittelfristige Kursziel laufen, das er sich durch den Ausbruch aus seiner jahrelangen Handelsspanne erarbeitet hat: Die Zone des alten Rekordhochs des Jahres 2007 bei 4.500/4.573 Punkten.

Aber den Umkehrschluss zu ziehen, dass ein „Vielleicht“ hinsichtlich des Ausbleibens einer Abwärts-Trendwende automatisch die Fortsetzung der Hausse bedeutet und daher kein Risiko auf der Long-Seite zu groß wäre, wäre fatal.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 24.06.2021, Kurs 4.122,43 Punkte, Kürzel SX5E | Online Broker LYNX

Die Charts zeigen, wo die Achillesfersen des Euro Stoxx 50 auf charttechnischer Ebene lägen. Auf mittelfristiger Ebene wäre die Rückkehr in die alte Handelsspanne durch den Bruch der Zone 3.836 zu 3.906 Punkte ein immens bärisches Signal. Auf kurzfristiger Ebene läge die „Problemzone“ deutlich höher, konkret wäre das der Bruch der Zone aus den April-Hochs und der Januar-Aufwärtstrendlinie zwischen 4.020 und 4.040 Punkten.   Um es abschließend einzuordnen: Eine Analyse, die Risiken nennt, mag manchen, die fest mit immer weiter steigenden Kursen rechnen, unangenehm sein. Aber eine Analyse muss beide Seiten der Medaille beleuchten und nicht nur die, die diejenigen, die sie lesen, als erfreulicher ansehen. Der Euro Stoxx 50 läuft in einem intakten Aufwärtstrend, daher gibt es keinen Grund, hier Short zu sein. Aber wenn man nüchtern betrachtet, wie dünn das Eis ist, muss man zu dem Schluss kommen, dass es zwar nicht brechen muss, aber jederzeit kann. Daher muss man dazu raten, Long-Trades zwar zu halten, aber immer mit Stoppkurs, im Idealfall mit Stop Loss-Orders zu agieren und diese mit dem Trendverlauf nachzuziehen. Wer so agiert, die Risiken kennt und sie entsprechend berücksichtigt, macht definitiv alles richtig.

Es war zwar nicht wie beim DAX ein neuer Verlaufsrekord, aber der Euro Stoxx 50 erreichte gestern immerhin den höchsten Stand seit über 13 Jahren. Die Hausse scheint in Stein gemeißelt zu sein. Aber da ist eine Falltür im Weg, die sich zwar nicht auftun muss, aber kann.

Sieht man sich den europäischen Leitindex im ganz langfristigen Chartbild auf Monatsbasis an, könnte es nicht besser laufen. Der Euro Stoxx 50 verließ im April die jahrelange, breite Seitwärtsspanne nach oben, testete deren obere, jetzt zum Support gewordene Begrenzungszone im Mai erfolgreich und zog darauf auf neue 13-Jahres-Hochs an. Das charttechnische Kursziel wäre damit der Bereich der Hochs des Jahres 2008 in der Region 4.500/4.573 Punkte. Gut zehn Prozent Luft wäre da also, wenn alles glatt laufen würde. Wenn.

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 14.06.2021, Kurs 4.132,67 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Es ist keineswegs so, dass die Ambitionen der Bullen scheitern müssen. Wichtig ist nur zu realisieren, dass diese Möglichkeit durchaus besteht. Und dass der Weg hin zu einem solchen Scheitern womöglich schon morgen geebnet werden könnte. Falls die US-Notenbank das aus Sicht des bullischen Lagers Falsche tut und beginnt, die Politik des billigen Geldes langsam zu beenden.

Würde sie das nicht tun, würde sie die mittlerweile fünf Prozent betragende US-Inflation weiterhin als temporär und damit als unproblematisch abtun, könnte das ein Freibrief für die Bullen werden. Die derzeit weit verbreitete Sorglosigkeit könnte weitergehen, sich steigern, den Euro Stoxx 50 schnell, womöglich sogar sehr schnell in diese Kursziel-Region 4.500/4.573 Punkte tragen.

Aber sollte die US-Notenbanksitzung eine negative Reaktion am US-Aktienmarkt nach sich ziehen, würde der Euro Stoxx 50 mit hoher Wahrscheinlichkeit hinterher fallen. Denn wenn die „Fed“ beginnt, die Geldflut einzugrenzen, hätte die EZB die Rückendeckung, bei ihrer nächsten Sitzung ähnliches zu tun oder es, ob der hier noch niedrigeren Inflationsraten, zumindest zu avisieren.

Daher sollte man sich meiner Ansicht nach hüten, das gestern erzielte, neue Hoch als Beweis der Unverwundbarkeit der Hausse anzusehen. Diese US-Notenbanksitzung ist die Falltür, auf die die Bullen jetzt fröhlich zu tanzen. Sie kann geschlossen bleiben. Sie kann sich aber auch öffnen und den Weg in die Tiefe bedeuten. Dagegen feit ein neues Hoch nicht. Denn eines sollte man sich immer vergegenwärtigen:

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 14.06.2021, Kurs 4.132,67 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Der Beginn eines Abwärtstrends ist, logisch, immer „oben“, immer an einem Hoch. Wo ein solches Hoch am Ende gelegen hat, weiß man immer erst nachher, denn an der Börse wird zum Ausstieg eben nicht geklingelt. Und dass die Marktstimmung weiter positiv ist, dass es wirkt, als würde kaum jemand ob dieser anstehenden Entscheidung der US-Notenbanker nervös, hat nichts zu sagen. Zum einen, weil niemand weiß, wie viele Akteure, die gerade nicht aktiv handeln, bereits einen Finger über der Verkaufstaste haben. Zum anderen, weil die Stimmung an einem Hoch immer am besten ist … sonst würde es ja nicht zustande kommen.

Besser hätte es für das bullische Lager nicht laufen können. Der Angstmonat Mai ist bezwungen, dem Euro Stoxx 50 ein Monats-Plus nicht mehr zu nehmen. Und auch, wenn die Käufe des Freitags „angeschoben“ wirken: Jetzt wäre Luft nach oben.

Dass die Risikofaktoren eines verflachenden Wachstums bei zeitgleich anziehender Inflation fortbestehen, weiß man in den Kreisen der großen Adressen natürlich. Aber dort weiß man eben auch, dass nicht die Datenlage, sondern der Strom des Geldes den Trend macht. Und solange die normalen Anleger, die oft in Sachen volkswirtschaftlicher Faktoren weniger versiert sind, den Eindruck haben, dass der Trend weiter aufwärts weist, können diejenigen, die das Geld passiv agierender Sparer verwalten, darauf hoffen, dass dieser Geldstrom nicht abreißt. Und genau dafür, für diesen Eindruck eines intakten Aufwärtstrends, waren die Käufe zum Wochenschluss Gold wert.

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 dadurch aus seiner wochenlangen Seitwärtsrange nach oben hinausgetragen wurde, nachdem die Notierungen zuvor drei Handelstage lang zwar in Schlagdistanz für einen Ausbruch nach oben waren, aber Kraft und Motivation fehlten, diesen auch zu vollziehen. Dadurch sehen wir im Chart auf Monatsbasis ein perfektes Bild:

Euro Stoxx 50: Monats-Chart vom 28.05.2021, Kurs 4.070,56, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Wir sehen einen Euro Stoxx 50, der signifikant aus einer über sechs Jahre währenden, großen Seitwärtsspanne nach oben ausgebrochen ist, nachdem die Kurse im Monatsverlauf noch einmal die obere Begrenzungszone dieser Range getestet und von dort aus nach oben gedreht hatten. Damit wäre der Weg jetzt erst einmal frei, denn die nächsten Charthürden von Bedeutung warten, wie dieser langfristige Chart zeigt, erst im Bereich 4.503/4.573 Punkte. Kann der Index wirklich bis dorthin laufen, in einem Umfeld, in dem eine sukzessiv anziehende Inflation immer breiter diskutiert wird und auch den Anlegern nicht entgehen kann, die sich ansonsten um solche fundamentalen Aspekte nicht kümmern?

Möglich wäre es allemal, solange es gelingt, das Momentum der Aufwärtsbewegung hoch zu halten. Denn in solchen Phasen siegt dann bei genügend Tradern die Gier über den Verstand, zumal es, solange der Trend dynamisch bleibt, letztlich gar nicht unvernünftig ist, mit dem Trend zu laufen – solange man sich konsequent für den Fall absichert, dass eine solche Rallye schlagartig endet. Denn das ist ein Risiko, das man in Phasen, in denen die Schere zwischen Kursen und Fakten wächst, immer einkalkulieren muss.

Wichtig wäre, dass dieser am Freitag vollzogene Ausbruch Anschlusskäufe sieht, idealerweise entweder gleich heute oder morgen zum Start in den neuen Börsenmonat. Gelingt das, bleibt Long die richtige Seite. Aber es wäre opportun, Long-Trades knapp unterhalb des Ausbruchslevels aus der im April begonnenen Seitwärtsrange abzusichern, wobei sich die zuletzt bis auf 4.000 Zähler mitgelaufene 20-Tage-Linie als Orientierung anbieten würde.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 28.05.2021, Kurs 4.070,56, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Denn würde der Euro Stoxx 50 nennenswert in diese Handelsspanne zurückfallen, dieser Ausbruch also zur Bullenfalle, hätte das markant negative, psychologische Konsequenzen, die dazu führen könnten, dass alle auf einmal versuchen würden, ihr Geld aus dem Markt abzuziehen. Für aggressive Positionen wäre daher sogar eine Absicherung über Stop Loss-Verkaufsorders zu erwägen, um im Fall der Fälle umgehend zu reagieren.

Nichts scheint die Bullen aufzuhalten: Vergangene Woche wurden anfangs deutlich fallende Kurse aufgefangen, am Ende notierte der Euro Stoxx 50 in Schlagdistanz für einen Ausbruch nach oben. Aber es gibt Warnsignale, die man besser nicht unterschätzen sollte.

Sieht man sich den europäischen Leitindex im Chart auf Tagesbasis an, könnte die Lage für die Bullen eigentlich nicht günstiger sein. Der Euro Stoxx 50 bewegt sich seit Anfang April in einer Seitwärtsrange. Zwar liegen die Zwischentiefs sukzessiv tiefer, aber immer wieder kehren die Notierungen schnell ans obere Ende der Handelsspanne zurück. Und vergangene Woche wurde dabei auch noch die wichtige Unterstützung in Form des Jahreshochs 2020 bei 3.867 Punkten getestet und verteidigt.

Euro Stoxx 50: Tages-Chart vom 17.05.2021, Kurs 4.009,29 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Ein Ausbruch nach oben wäre damit jederzeit möglich, auch, wenn der Index diese Hürde, das Jahres-Verlaufshoch bei 4.041 Punkten, am Montag zunächst nicht angegangen ist. Aber am Freitag werden an der Terminbörse die Optionen auf Aktien und Indizes abgerechnet. Das könnte dazu beitragen, den Euro Stoxx 50 über diese Hürde hinaus zu ziehen. Doch man sollte zumindest vorsichtig sein mit dem Glauben, dass ein solcher Ausbruch nach oben die Basis eines größeren Rallye-Impulses werden muss.

Die Konjunkturdaten sind eher gemischt, das Inflationsproblem nicht zu unterschätzen und die Reaktionen auf die Quartalsbilanzen mittlerweile über die Bühne. Der Euro ist sehr fest, vor allem zum US-Dollar, was die Perspektiven der Exporteure behindert. Und ein positiver Impuls für das Wachstum durch die nach und nach erfolgende Normalisierung innerhalb der Eurozone ist seit Monaten eingepreist. Sollte also ein Ausbruch nach oben gelingen, würde es den Bullen an frischen Argumenten seitens der Rahmenbedingungen fehlen.

Hinzu kommt, dass man erkennen kann, dass sich viele auf Seiten des bullischen Lagers dessen sehr wohl bewusst sind. Denn gerade das sture Wegkaufen kleinster Korrekturen zeugt davon, dass man nervös wird, fürchtet, dass aus einer Konsolidierung in einem solchen Umfeld, in dem fortbestehende Risiken auf Hochs am Aktienmarkt treffen, leicht eine Verkaufslawine werden kann. Sieht man sich den Chart auf Wochenbasis an, manifestiert sich das in der Candlestick-Kerze der vergangenen Woche:

Euro Stoxx 50: Wochen-Chart vom 17.05.2021, Kurs 4.009,29 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Diese Kerze, ein Doji mit einem langen unteren und einem fehlenden oberen Docht, stellt einen sogenannten „hanging man“ dar. Nach einer Abwärtsbewegung wäre eine solche Kerze bullisch, aber am oberen Ende einer Handelsspanne manifestiert sie genau das Vorgenannte: Die Angst der Bullen vor der Korrektur, die sie dazu bringt, jeden Rücksetzer aufzukaufen, um andere vom Ausstieg abzuhalten. Anders wäre es, hätte die zweite Hälfte der Vorwoche Daten oder Nachrichten gebracht, die diese Käufe hätten begründen können. So aber wird klar: Das Bild ist weniger bullisch, als es auf den ersten Blick scheint. Zwar kann die anstehende Terminbörsen-Abrechnung die Motivation bringen, um den Index aus seiner Handelsspanne nach oben hinauszutragen. Aber da besteht ein höheres Risiko als sonst, dass dann, vor allem nach dieser Abrechnung am Freitag, die Anschlusskäufe ausbleiben. Das muss nicht so kommen, aber in einem solchen Gesamtumfeld sollte man das im Hinterkopf haben und Käufe bzw. Zukäufe auf der Long-Seite in jedem Fall eng absichern.

Der Start in den Mai schien ein kapitaler Fehlstart zu werden. Kräftige Abgaben, charttechnisch negative Signale: Der Optimismus geriet ins Wanken. Doch die Bullen entschieden sich zur Gegenwehr beim Euro Stoxx 50. Das kann funktionieren – aber ein Selbstläufer ist das nicht.

Der Beginn eines neuen Handelsmonats ist eine Art Lackmus-Test für das bullische Lager. Normalerweise bedeutet ein gesundes, bullisches Umfeld, dass die vielen passiven Anleger ihren Fonds und ETFs zur Monatswende einen Teil ihres Gehalts überweisen. Und die geben dieses frische Geld dann umgehend in den Markt. Bleibt das aus, ist etwas faul. Und ein solches Signal ausbleibenden Kapitalnachschubs kann dazu führen, dass ein Aufwärtstrend in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus. Vor allem dann, wenn er genau das ist, ein Kartenhaus, weil die Hoffnungen der Trader die Fakten längst überholt haben und man damit auf einem fragilen Gerüst großer Erwartungen balanciert.

Genau diesen Eindruck gewann man am Dienstag, als nach einem verhaltenen ersten Handelstag am Montag kräftiger Abgabedruck aufkam, der darüber hinaus keine Entsprechung auf der Nachrichtenseite hatte. Die Mutmaßung, dass den institutionellen Investoren wie Fonds, Hedgefonds, ETFs, Versicherungen oder Pensionskassen womöglich nicht nur relativ wenig frisches Kapital zugeflossen sein könnte, sondern es sogar zu Abflüssen gekommen ist, war naheliegend. Aber bisweilen taktieren die großen Adressen auch nur.

Man schaut sich an, was die Konkurrenz tut. Verkaufen die ein wenig, tut man es auch, weil man als Verwalter großer Summen zwar die eigenen Zu- und Abflüsse sieht, aber nicht die der anderen. Daher neigt man dazu, einem Impuls in dieser Anfangsphase eines Monats zügig zu folgen. Vor allem, wenn dadurch negative charttechnische Signale auftreten. Sie sehen im Chart des Euro Stoxx 50 auf Tagesbasis, dass das kräftige Minus des Dienstags die zuvor mehrfach getestete und dabei immer einigermaßen gut verteidigte 20-Tage-Linie ebenso durchbrach wie die November-Aufwärtstrendlinie. Das alleine dürfte den Druck durch ausgelöste Stop Loss-Verkaufsorders intensiviert haben. Aber jetzt könnte sich dieser Abwärts-Ruck als Bärenfalle entpuppen.

Tageschart vom 05.05.2021, Kurs 4.002,79 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX

Der Euro Stoxx 50 startete am Mittwochmorgen ansatzlos durch und holte die Kursverluste des Vortages komplett wieder auf. Kommt jetzt also statt eines Korrektur-Impulses der Ausbruch nach oben?

Möglich ist es, sicher ist es aber erst, wenn es passiert ist. Denn was wir nicht wissen: Haben viele der institutionellen Investoren erst einmal nur taktiert, ihr frisches Kapital in der Hinterhand gehalten und greifen jetzt mit einem dicken Kapitalpolster an? Oder war der Kapitalzufluss tatsächlich mager und einige große Adressen bestreiten den Gegenangriff nur mit ihrer traditionell dünnen Kapitalreserve, so dass sie auf Anschlusskäufe normaler Trader angewiesen wären, um diesen Konter zum Erfolg zu führen?

Daher würde es sich anbieten, dem Braten noch nicht zu trauen. Der Euro Stoxx 50 muss über dem bisherigen Jahres-Verlaufshoch bei 4.041 Punkten schließen, um diesen Gegenangriff erfolgreich zu gestalten. Würde das klappen, hätte der Index umgehend wieder Luft nach oben. Aber bevor das bisherige Hoch nicht geknackt wurde, kann sich diese Attacke der Bullen jederzeit noch als Fehlschlag erweisen. Sollte der europäische Leitindex das Dienstags-Tief bei 3.919 Punkten auf Schlusskursbasis unterschreiten, wäre der Weg nach unten frei, noch ist also Vorsicht geboten.

Wochenchart vom 05.05.2021, Kurs 4.002,79 Punkte, Kürzel ESTX50 | Online Broker LYNX