Dow Jones Prognose Dow Jones: Auffällige Underperformance – die Bullen müssen was tun!

News: Aktuelle Analyse des Dow Jones Index

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Dow Jones
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Zum Dow Jones
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Während die Aktienindizes in Europa auf einen ungewöhnlich starken Januar zusteuern, ist es in den USA nur der Nasdaq 100, der gut ins neue Jahr gekommen ist. Der Dow Jones hat seit Ende 2022 gerade einmal 1,8 Prozent zugelegt. Die Bullen müssten sich jetzt ranhalten.

Zwei Monate lang, im Oktober und November, war das Index-Flaggschiff Dow Jones beeindruckend schnell und weit nach oben gelaufen. Und auch, wenn der Dow im Dezember etwas zurückkam, hielt er sich dabei immerhin deutlich besser als der sonst so dynamische Nasdaq 100 mit seinen Hightech-Aktien. Doch seit Anfang Januar holt der Nasdaq deutlich auf. Dort wird gekauft, der Dow Jones dümpelt derweil nur vor sich hin. Wo klemmt es?

Der Grund dürfte recht einfach sein: Die den Index dominierenden Aktien aus dem Bereich der „Old Economy“, d.h. Aktien eher konservativer Unternehmen aus den Bereichen Konsumgüter, Konsum, Pharma oder Finanzindustrie waren zuvor so stark gelaufen, dass ihnen die Käufer ausgingen. Und zugleich die Argumente, um weiter zu kaufen.

Wir hatten im Oktober und November eine massive Umschichtung in Richtung dieser konservativen Unternehmen gesehen, die dadurch zwar kräftig zulegten, dann aber auch auf dem höheren Niveau gefährlich teuer bewertet waren bzw. es noch sind. Zugleich begannen sich zweifellos viele Marktteilnehmer zu fragen, ob es denn überhaupt noch sinnvoll wäre, den Schwerpunkt auf konservative Aktien zu legen, denn:

Den aktuellen Kurs und Chart des Dow Jones sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Auch, wenn man damit gegen die „Fed“ agiert, indem man unterstellt, dass die ihren x-mal bekräftigten, konsequenten Kurs zur Bekämpfung der Inflation abbricht, weil die Konjunkturdaten seit Wochen einen scharfen Abriss des Wachstums indizieren, so breitet sich die Erwartung, dass die Rezession ausbleibt, weil die Notenbank einknickt, immer weiter aus. Und läge man mit dieser Hoffnung richtig, wären nicht die angeblichen, im Dow Jones stark vertretenen „sicheren Häfen“ die erste Wahl, sondern die Aktien, die man aus Angst vor einer heftigen Rezession und deutlich höher steigenden Leitzinsen zuvor auf den Markt geworfen hatte: die Technologieaktien.

Ob man da wirklich auf dem richtigen Dampfer ist, ist zwar ziemlich fraglich, aber in komplizierten Gemengelagen neigen Anleger zum Herdentrieb. Und so zieht der Nasdaq 100 seit der Jahreswende kräftig an, während der Dow Jones ohne einige auch dort notierte Technologietitel wie Apple, Intel oder Salesforce nicht einmal die mageren 1,8 Prozent zuwege gebracht hätte, die er seit dem 30.12. zulegen konnte. Das bedeutet:

Aufgrund dieses Schwenks der Anlegerstimmung hin in Richtung „alles wird gut“ wäre es absolut nicht selbstverständlich, dass der Dow Jones nachzieht. Die mehrheitlich auffallend zurückhaltenden Reaktionen auf erste, bei Dow Jones-Aktien eingelaufene Quartalsbilanzen deuten an, dass sich das bullische Lager wirklich ranhalten muss, um die Sache zu einem aus ihrer Sicht guten Ende zu bringen. Was muss gelingen, was darf nicht passieren?

Wir sehen im Chart, dass der Dow Jones bis auf zwei kurze, schnell abgefangene Ausreißer nach oben seit über zwei Monaten in einer Handelsspanne gefangen ist, die sich aus dem Hoch des Septembers auf der Unterseite (32.504 Punkte) und dem Hoch des Augusts auf der Oberseite (34.281 Punkte) definiert. Die Unterstützungszone ließe sich noch bis 32.300 Punkte nach unten ausdehnen, denn knapp unterhalb dieser Seitwärts-Range würden die 100-Tage-Linie, die 200-Tage-Linie und die im November bezwungene, vorherige Abwärtstrendlinie als eine Art „Sprungtuch“ fungieren. Aber auch das könnte reißen, wenn der Dow nicht in den nächsten ein, zwei Wochen nach oben ausbricht. Und aus aktueller Sicht wäre das zumindest kein ganz einfaches Unterfangen.

Dow Jones: Chart vom 24.01.2023, Kurs 33.733,96 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen des Dow Jones Index

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Der Dow Jones kam zunächst gar nicht gut ins neue Jahr. Die Basis für einen Rallye-Schub war da, aber die Käufer kamen nicht. Dann kam der Freitag und mit ihm ein kräftiger Impuls, der den Bullen alle Chancen eröffnet. Nur die Rahmenbedingungen, die passen dazu nicht.

Wenn man sich darüber klar werden will, wie sich die Chance/Risiko-Situation für das US-Flaggschiff derzeit darstellt, stellt man fest, dass sich Chartbild und Umfeld eigentlich eher widersprechen. Denn die vorgeblichen Argumente dafür, dass der Index nach drei ersten, schwachen Handelstagen am Freitag doch noch durchstartete, sind eigentlich gar nicht bullisch. Zumindest nicht, wenn man die Sache richtig durchdenkt. Auf der anderen Seite ist es kein Novum, dass sich die Kurse auch mal längere Zeit gegen die Logik bewegen. Entscheidend ist dann nur, dass das genug Tradern egal ist oder es ihnen gar nicht auffällt. Beides könnte momentan der Fall sein. Zunächst zur charttechnischen Ausgangslage:

Wir sehen im Chart, dass der Dow Jones seinen übergeordneten Abwärtstrend Anfang November zwar mit Schwung überboten hatte, dann aber Mitte Dezember dorthin zurückfiel. Damit wurde die Sache für die Bullen knifflig, zumal der Index sich nicht sofort wieder nach oben lösen konnte. Er hätte über etwa 33.450 Punkten schließen müssen, um diesen Test der alten Abwärtstrendlinie zu einem erfolgreich abgeschlossenen Pullback an den Ausbruchslevel zu machen. Aber genau da wurde er tagelang immer wieder abgewiesen. Außer am Freitag, da ging er durch.

Dadurch hat er die Abwärtstrendlinie als Unterstützung bestätigt, oberhalb der 100-Tage- und der 200-Tage-Linie nach oben gedreht und die 50-Tage-Linie zurückerobert. Zugleich steht der Trendfolgeindikator MACD unmittelbar vor einem neuen, bullischen Signal. Damit ist der Boden bereitet, um das letzte Zwischenhoch bei 34.712 Punkten anzugehen und, wenn es bezwungen wird, Kurs Richtung 35.500 Punkte zu nehmen. Das einzige Problem ist: Eigentlich waren die Konjunkturdaten, die als Argument für diesen Befreiungsschlag auf kurzfristiger ebene herhielten, bärisch. Wieso?

Expertenmeinung: Man führte als Grund für den Anstieg drei Konjunkturdaten an. Zunächst, dass die im Zuge der Dezember-Arbeitsmarktdaten veröffentlichte Veränderung der durchschnittlichen Stundenlöhne unter den Prognosen blieb. Man deklarierte das im bullischen Lager als Beweis dafür, dass eine Lohn/Preis-Spirale als Inflationstreiber vom Tisch sei. Es ist zwar richtig, dass die dadurch jetzt geltende Jahresveränderung von 4,6 Prozent bei den Stundenlöhnen nicht brenzlig ist. Aber der Arbeitsmarkt reagiert mit immenser Verspätung auf wirtschaftliche Veränderungen, auch die Löhne. Dass die Zahl neu geschaffener Jobs zugleich über den Erwartungen lag, unterstreicht das. Und zeigt eigentlich auch, dass die Löhne angesichts des engen Arbeitsmarkts sehr wohl noch stärker steigen können.

Dann folgte der Auftragseingang der US-Industrie für den November. Aufgrund der bereits vorliegenden Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter hatte man einen moderaten Rückgang von 0,8 Prozent prognostiziert, es wurden aber herbe -1,8 Prozent. Und die Oktober-Auftragseingänge wurden zugleich von +1,0 auf jetzt nur noch +0,4 Prozent nach unten korrigiert. Das deutet an, dass die höheren Leitzinsen jetzt wirken, sprich die Konjunktur unter Druck gerät. Das ist nicht bullisch, man sah es aber so. Oder besser: Man wollte es so sehen.

Ebenso wenig bullisch war der unerwartete Abriss des US-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich. Der fiel heftig von einem soliden Wachstumslevel bei 56,5 Punkten im November auf 49,6 Punkte im Dezember. Die 50 Punkte-Marke ist die Scheidemarke zwischen Wachstum und Schrumpfung bei diesem Indikator. Auch das macht klar: Der Druck auf die Konjunktur ist stark geworden. Aber man interpretierte auch das positiv. Das Argument:

Bei derart schwachen Daten und weniger stark als befürchtet steigenden Löhnen wird die US-Notenbank die Zinsen nicht mehr weit und nicht mehr lange anheben, weil damit ja klar sei, dass man die Konjunktur jetzt stützen müsse, um eine Rezession zu vermeiden. Dabei wurden die Käufer zweifellos auch dadurch motiviert, dass einige angebliche Auguren in den US-Medien gebetsmühlenartig predigen, dass die US-Notenbank ganz sicher nicht tun wird, was sie mehrfach klar kommuniziert hat, sondern schon bald die Zinsen senken und damit eine gewaltige Aktienhausse lostreten wird. Dass es dafür keine Argumente gibt, weil genau das die Inflation sofort wieder aufleben lassen würde, ist sehr vielen Anleger nicht klar, denn die Gemengelage ist komplex und Fachwissen eher wenig verbreitet. Also?

Also kann eine solche Bewegung gegen die Vernunft ab und an auch mal verblüffend lange vorhalten und weit führen. Das muss nicht so kommen, zumal der Dow ja erst einmal über das Dezember-Hoch hinausmüsste, um wirklich freie Bahn zu haben. Aber es wäre ratsam, erst dann einen Short-Trade zu erwägen, wenn dieser Ausbruch zur Bullenfalle werden und der Dow Jones mit Schlusskursen unter 32.200 Punkten ein bärisches Signal abliefern würde. Und es wäre im Gegenzug ratsam, diesem bullischen Impuls nur mit konsequent engen und regelmäßig nachgezogenen Stop Loss-Orders zu folgen!

Dow Jones: Chart vom 06.01.2023, Kurs 33.630,61 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX
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Vom anfangs gewaltigen Kurssprung als Reaktion auf die US-Inflationsdaten des Dienstags blieb am Ende nur wenig übrig. Das bullische Lager blieb zuversichtlich, hoffte auf die US-Notenbank. Aber was die zu verkünden hatte, war nichts, was den Bullen gefallen konnte.

Dass die US-Notenbank, kurz „Fed“ für „Federal Reserve Bank“, den Leitzins diesmal nicht um 0,75, sondern um 0,50 Prozent anheben würde, war längstens bekannt und konnte damit nicht als Kaufargument dienen. Worauf man diesmal besonders schaute, waren die vierteljährlich adjustierten Projektionen der „Fed“ in Bezug auf Wachstum, Inflation und, vor allem, in Bezug auf das Leitzinsniveau.

Das Wachstum der US-Wirtschaft sieht die „Fed“ jetzt 2023 nur noch bei +0,5 Prozent, im September hatte man da noch 1,2 Prozent gesehen. Auch für 2024 liegt die Projektion nur bei +0,5 Prozent, was bedeutet: Stärkeres Wachstum wird vorerst nicht mehr erwartet. Dafür sehen die Notenbank-Mitglieder die Inflation als hartnäckiger an als noch im September und erwarten zum Jahresende 2023 eine Inflation von 3,5 Prozent (zuvor 2,8 Prozent), was auch impliziert, dass man nicht erwartet, das Inflationsziel von um die 2,0 Prozent in einem Jahr bereits erreicht zu haben.

Aber interessanter waren für die Trader die Zinsprojektionen, sprich die Voraussage, wo man den Leitzins in ein, in zwei und in drei Jahren sieht. Und vor allem das war es, was das Plus des Dow Jones, das er im Vorfeld des um 20 Uhr unserer Zeit vorgelegten Statements aufgebaut hatte, in ein Minus verwandelte: Für Ende 2023 avisiert die „Fed“ einen Leitzins von 5,1 Prozent, für 2024 dann einen von 4,1, für Ende 2025 einen von 3,1 Prozent. Das impliziert gleich mehrere für das bullische Lager unerfreuliche Dinge:

Expertenmeinung: Zum einen, dass man bei der Notenbank mit einer deutlich längeren Phase höherer Zinsen aufgrund einer Inflation rechnet, die man seitens vieler Anleger nach den zwei ermutigend ausgefallenen Inflationsdaten für Oktober und November schon vorschnell als besiegt ansah. Zuletzt hatte man am Futures-Markt einen Leitzins von maximal 5,0 Prozent in 2023 eingepreist, der dann zum Jahresende bereits durch Zinssenkungen ein gutes Stück niedriger liegen würde. Das steht jetzt infrage, zumal klar hervorging, dass man bei der US-Notenbank selbst keine Leitzinssenkungen im kommenden Jahr sieht.

Hinzu kommt, dass man sieht, dass die „Fed“ nicht damit rechnet, dass in den nächsten zwei Jahren nennenswertes Wachstum erreicht wird. Und zuletzt machen die Zinsprojektionen klar, dass man nicht vorhat, auf absehbare Zeit zu einer für die Aktienmärkte so hilfreich gewesenen Niedrigzinsphase zurückzukehren.

Ob Hoffnungen fundiert oder aus der Luft gegriffen sind, ist egal: Wenn sie platzen, fällt so mancher aus allen Wolken. Der Turnaround des Dow Jones am Mittwochabend zeigt, vor allem in Kombination mit den markanten Gewinnmitnahmen nach dem Kurssprung des Dienstags, dass genau das gerade passiert. Und wenn man einen Schritt zurück macht, auf das übergeordnete Bild auf Monatsbasis wechselt und sieht, wie nahe der Dow Jones schon wieder an sein Rekordhoch herangelaufen war und das mit dieser Projektion längerer Zeit höherer Zinsen und schwachen Wachstums in Relation setzt, würde man sich nicht wundern, wenn da noch einiges an Luft nach unten wäre.

Wochenchart vom 14.12.2022, Kurs 33.946,48 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Doch ob dieses Abwärtspotenzial auch tatsächlich ausgelotet wird, sollte man am aktuellen Chartbild festmachen. Dass der Ausbruch über das Anfang des Monats markierte Zwischenhoch und damit das Heilen des da entstandenen Fehlausbruchs über die Charthürde des August-Hochs erst einmal scheiterte, ist zwar ein Punkt für die Bären. Aber unmittelbar bärisch ist der Dow Jones damit eben noch nicht. Erst, wenn das bisherige Monats-Verlaufstief bei 33.418 Punkten auf Schlusskursbasis fällt, wäre dadurch eine Abwärtswende-Formation in Form eines Doppeltopps entstanden. Und auch dann würde das US-Index-Flaggschiff sehr bald auf markante Unterstützungen treffen:

Und zwar auf, in dieser Reihenfolge, die zuvor überbotene, mittelfristige Abwärtstrendlinie, die 50-Tage-Linie, das Zwischenhoch des Septembers, die 200-Tage-Linie und, als Abschluss auf der Unterseite, auf die 100-Tage-Linie bei aktuell 32.170 Punkten. Erst, wenn auch diese Zone gefallen wäre, würde aus dem kurzfristig bärischen Signal eines (jetzt immer noch potenziellen) Doppeltopps ein mittelfristig bärisches Signal, das indizieren würde, dass die Stimmung nachhaltig umgeschlagen ist und man besser nicht mehr auf der Long-Seite unterwegs sein sollte.

Tageschart vom 14.12.2022, Kurs 33.946,48 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX
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Dass die Argumente für die Super-Rallye des Dow Jones vor allem auf Wunschdenken basieren, wissen viele, wenngleich nicht alle, die da gerade kaufen. Die, die es wissen, agieren vor allem auf chart- und markttechnischer Ebene. Wie ist die Lage des Dow in dieser Hinsicht?

Dass die Inflation weiterhin ein Gefahrenpunkt ist und die US-Notenbank daher mit größter Wahrscheinlichkeit nicht von ihrem auch immer wieder bestätigten Kurs abweichen wird, wissen die meisten US-Investoren. Dass man den Notenbankern glauben sollte, wenn sie von einer wachsenden Rezessionswahrscheinlichkeit und anstehenden Problemen für den Arbeitsmarkt sprechen, auch. Trotzdem fehlen dem Dow Jones, vom Rekordhoch aus gerechnet, weniger als zehn Prozent, um dieses wieder zu erreichen. Aber man muss ja auch nicht zwingend Luftschlösser bauen, um momentan beim US-Index-Flaggschiff Long zu sein.

Viele, auch und gerade die computergesteuerten Handelsprogramme, agieren rein auf chart- und markttechnischer Ebene. Aber das heißt nicht, dass immer weiter gekauft würde, solange der Index steigt. Wäre es so einfach, würden Rallyes ja nie enden. Das tun sie aber. Werfen wir einfach mal einen Blick auf ein paar dahingehend interessante technische Indikatoren und lassen die Rahmenbedingungen bei dieser Analyse komplett außen vor. 

Expertenmeinung: Beide Charts zeigen den Dow Jones seit Jahresbeginn. Der eine ist der, den wir üblicherweise zeigen. Hier sehen wir, dass der Index seine mittelfristige Abwärtstrendlinie längst bezwungen hat und per Freitagabend auch das Rallye-Hoch vom August hauchdünn überboten hat.

Die nächste Widerstandszone wäre jetzt der Bereich 35.492/35.824 Punkte. Und das wäre dann auch die letzte Widerstandszone vor dem Rekordhoch, das Anfang des Jahres bei 36.953 Punkten erzielt wurde. Damit ist die Rallye jetzt schon größer als die vom Sommer, als man schon einmal dachte, die Inflation wäre vom Tisch … und die dann zu neuen Jahrestiefs führte. Und diesmal?

Trader, die rein charttechnisch agieren, dürften jetzt erst einmal sehen wollen, dass dieses August-Hoch auch wirklich signifikant überwunden wird und nicht nur so knapp wie zum Freitagabend. 200 Punkte obendrauf, und das wäre erledigt, dann könnte man, würde man sich ausschließlich auf das Chartbild an sich stützen, die 35.492/35.824 Punkte-Zone in Angriff nehmen. Aber die wenigsten Trader und erst recht so gut wie keine Handelsprogramme ignorieren markttechnische Indikatoren.

In dieser Hinsicht sehen wir, dass der im ersten Chart mit eingeblendete RSI-Indikator die überkaufte Zone erreicht hat. Das passiert selten. Und wenn, dann ist eine Seitwärtsbewegung hoch wahrscheinlich, eine schärfere Korrektur wäre zumindest einzukalkulieren.

Dow Jones: Tages-Chart mit RSI-Faktor vom 25.11.2022, Kurs 34.347,03 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Im August, vor dem letzten größeren Baisse-Schub des Dow, sah der RSI ähnlich aus. Aber sehen wir uns zusätzlich noch den zweiten Chart an:

Hier haben wir zwei weitere Indikatoren, die ich normalerweise nicht abbilde. Zum einen sehen wir unten den Chaikin Volatility Indikator, der vergleichbar funktioniert wie der VIX, der die Volatilität des marktbreiten S&P 500 abbildet und sogar eigenständig handelbar ist.

Dow Jones: Tages-Chart mit Chaikin Volatility vom 25.11.2022, Kurs 34.347,03 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Immer dann, wenn dieser die Volatilität abbildende Indikator unter 25 rutscht, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen oberen Wendepunkt. So wie jetzt.

Darüber hinaus ist der Kursverlauf selbst in diesem Chart von den sogenannten „Bollinger-Bändern“ umgeben. Sie arbeiten auf Basis statistischer Wahrscheinlichkeiten bzw. der Beobachtung, dass sich die Gauß’sche Normalverteilung oft auch an der Börse wiederfindet. Das obere und untere Band der Bollinger-Bänder, sind eine mathematische Ableitung des mittleren Bandes, das einen gleitenden Durchschnitt darstellt. Da diese Bänder dadurch mit dem Kurs mitlaufen, ist es selten, dass das untere oder obere Band einen Trendimpuls unmittelbar stoppt, diese Bänder verhalten sich eher wie Gummibänder. Interessant ist da etwas anderes: Länger als vier bis fünf Wochen läuft ein Kurs so gut wie nie unmittelbar an einem der beiden Außenbänder, egal, ob die Bewegung auf- oder abwärts führt. Dann pflegt der Kurs normalerweise zumindest an das mittlere Band zurück zu laufen. Und der Dow Jones läuft jetzt bereits seit fast fünf Wochen am oberen Band.

Fazit: Trader, die rein chart- und markttechnisch agieren, dürften so langsam anfangen, ihre Long-Positionen abzubauen oder gar auf Short zu drehen. Um trotzdem eine Korrektur zu verhindern, müssten die „Luftschloss-Akteure“, die einfach nur auf Basis der Erwartung von bald wieder sinkenden Zinsen, einer ab jetzt harmlosen Inflation und dem schnell wiederbelebten Wirtschaftswachstum kaufen, solche Gewinnmitnahmen auffangen bzw., um den Trend intakt zu halten, überkompensieren. Da es nach einer so langen Rallye unwahrscheinlich ist, dass diese Klientel ihr Kaufvolumen jetzt noch deutlich erhöht … bzw. überhaupt erhöhen kann … lässt sich festhalten: Das wird nicht mehr allzu lange gutgehen mit dieser Super-Rallye.

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Wer dachte, die Juli/August-Rallye des Dow Jones sei kaum zu überbieten, stellt jetzt fest: Doch, das geht, es passiert gerade. Der Dow lief durch massive Charthürden, als wären sie gar nicht da. Und das, obwohl die Argumente der Bullen höchst dünn sind. Wie kann das sein?

Es ist schon bemerkenswert, dass die Super-Rallye am 13. Oktober nach den US-Inflationsdaten für September ihren Anfang nahm, obwohl diese Daten keineswegs gut ausgefallen waren. Aber Sie sehen im Chart, dass der Dow Jones damals zunächst massiv eingebrochen war. Erst kurz nach der Eröffnung des regulären Handels schossen die Kurse nach oben und erreichten den gewaltigsten Kursanstieg seit langem. Nicht, weil man eine Stunde nach Vorlage der Verbraucherpreise auf einmal dachte, die seien ja gar nicht super-bärisch, sondern super-bullisch. Sondern weil es darum ging zu verhindern, dass das bisherige, Ende September entstandene Jahrestief fiel. Es war eine Rettungsaktion, mehr nicht. Aber wie wir sehen: eine immens erfolgreiche.

Dow Jones: Monats-Chart vom 11.11.2022, Kurs 33.747,86 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Und auch die am letzten Donnerstag vorgelegten Oktober-Inflationsdaten waren nicht gut. Weniger schlecht als erwartet, das wohl. Aber sie waren kein Signal dafür, dass die Inflation effektiv in die Defensive gedrängt worden wäre … was einige Notenbanker-Kommentare auch unterstrichen. Doch die Trader schienen sich darum nicht zu scheren, werteten die Zahlen bullisch und erreichten so den Ausbruch über die flachere der beiden zu Jahresbeginn etablierten Abwärtstrendlinien.

Aus einem klaren, bärischen Signal in Form des Bruchs des Prä-Corona-Hochs und der 1.000-Tage-Linie Ende September wurde dadurch eine beeindruckende Rallye und eine massive Bärenfalle. Jetzt wäre das August-Hoch bei 34.281 Punkten das nächste Kursziel, darüber ginge es schon um die Region um 35.500 Punkte als letzte größere Widerstandszone vor dem Allzeithoch. Wer wollte da noch bärisch denken, geschweige denn, es sein?

Expertenmeinung: In solchen Situationen sollte man eines nie außer Acht lassen: Diese Rallye wurde nicht von allen Tradern getragen. Was wir hier sehen, ist eine seit Wochen anhaltende Dominanz der Käufer. Aber was ist mit den Short-Sellern, den Bären? Sind die ins bullische Lager übergelaufen? Das wäre dann anzunehmen, wenn die Rahmenbedingungen wirklich bullisch wären. Aber zu viele Quartalsbilanzen zeigten, dass der wirtschaftliche Druck in den USA, mehr als bislang hierzulande, auch bei vielen Großunternehmen angekommen ist. Die Wahlen konnten den Markt nicht wirklich beleben, wie es im November 2020 der Fall war. Und die Inflation ist, ob die Bullen das glauben wollen oder nicht, noch lange nicht besiegt. Aber wenn genauer nachdenkt, ahnt man, wo die Bären abgeblieben sind:

In Deckung, in Lauerstellung, aber jederzeit sprungbereit. Wenn man sieht, dass das Momentum so immens ist, hat es keinen Zweck, sich dagegenzustellen. Erfahrene Trader wissen, wie lange und intensiv sich blinde Hoffnung gegen negative Fakten stemmen kann. Man wartet deshalb, bis den Käufern die Kraft ausgeht, erst dann geht man zum Gegenangriff über. Und so bullisch der Ausbruch über diese flachere der beiden Abwärtstrendlinien an sich auch ist: Genau auf so etwas warten die Bären. Warum?

Weil da die letzten, die noch unüberlegt zu hohe Leerverkaufspositionen hielten, aus dem Markt gedrückt wurden. Weil durch dieses Signal so ziemlich die letzten gekauft haben dürften, die nach einer solchen Super-Rallye noch nicht Long gegangen sind, obwohl sie es (in Unkenntnis oder einfach trotz der negativen Rahmenbedingungen) vorhatten. Jetzt könnten dem Markt also langsam die Käufer ausgehen. Jetzt könnten Short-Attacken Erfolg haben und imstande sein, mit einem Rebreak der beiden Abwärtstrendlinien eine kapitale Bullenfalle zu generieren. Achten Sie auf die Kreuzunterstützung aus der steileren der Abwärtstrendlinien, der 200-Tage-Linie und der steilen Oktober-Aufwärtstrendlinie um 32.500 Punkte. Wenn diese Zone fällt, sind die momentan unsichtbaren Bären wieder da!

Dow Jones: Tages-Chart vom 11.11.2022, Kurs 33.747,86 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX
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Normalerweise läuft das Index-Flaggschiff Dow Jones in viel ruhigeren Bahnen als der Nasdaq 100. Der Dow ist Heimat der Value-Aktien und der Investoren, die Nasdaq Heimat der Growth-Aktien und der Trader. Aber auf einmal ist es der Dow, der davonzieht. Was passiert da?

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Die Performance des Dow Jones betrug im Oktober 13,95 Prozent, die des Nasdaq 100-Index nur 3,96 Prozent. Das ist ein völlig untypisches Bild. Schließlich beherbergt der Dow Jones mehrheitlich große Unternehmen aus klassischen Branchen, deren Umsatz- und Gewinnentwicklung eher träge verläuft, während der Nasdaq 100 die Heimstatt der Publikumslieblinge und Wachstumsraketen wie Apple, Amazon, Netflix, Nvidia, Tesla und vielen mehr ist.

Langfristig hat der Nasdaq 100 den Dow Jones daher in der Performance dramatisch abgehängt. Gerechnet vom Monatsultimo des Oktobers lag die Performance des Dow Jones in den vergangenen zehn Jahren bei 150 Prozent, die des Nasdaq 100 aber bei 330 Prozent. Und jetzt so etwas. Warum läuft der Dow Jones gerade so viel besser als der Nasdaq 100, von dem man eigentlich eine Outperformance erwarten sollte?

Expertenmeinung: Weil massiv Kapital in das umgeschichtet wird, was man vor dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 abschätzig „Old Economy“ nannte. Das hat zwei Gründe. Zum einen ist es gerade diese Trägheit bei Umsatz und Gewinn, die dazu führt, dass immer mehr Anleger die Dow Jones-Aktien als eine Art „sicheren Hafen“ ansehen, weil sie unterstellen, dass die Unternehmensgewinne hier weniger weit und schnell fallen als bei den Wachstumsaktien im Nasdaq 100.

Zum anderen werden die massiv gestiegenen Zinsen für nicht wenige Nasdaq 100-Schwergewichte zum Problem. Erstens, weil sie in der Regel deutlich höher verschuldet sind als die Dow Jones-Unternehmen und daher höhere Kosten für den Schuldendienst haben, die den Gewinn zusätzlich drücken. Zweitens, weil die immer lukrativeren, hohen Zinsen am Anleihemarkt nur bei den oft hohen Dividenden der Value-Aktien des Dow Jones eine Entsprechung finden.

Die Frage ist indes, wie man jetzt, nach dieser Rallye des Dow Jones, damit umgehen sollte. Noch mitziehen oder aber dagegenhalten? Eine knifflige Frage, die man vorsichtig beantworten muss. Tendenziell sollte man immer vorsichtig sein, wenn alle an der Börse dasselbe tun und ein solcher Prozess schon weit fortgeschritten zu sein scheint. Und wenn wir uns die beiden Charts im Vergleich ansehen, kommt man nicht umhin zu konstatieren:

Dow Jones: Chart vom 01.11.2022, Kurs 32.653,20 Punkte / 11.288,95 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Der Dow ist schon sehr weit gelaufen. Und da diese vermeintliche Stabilität der meisten Dow Jones-Aktien nicht heißt, dass nicht auch dort Druck auf den Unternehmensgewinn käme, steigt die Bewertung des Index durch diese Umschichtungen zügig in Richtung „zu teuer“, selbst dann, wenn sich die Konjunkturlage nicht weiter verschärfen würde. Außerdem ist der Index jetzt schon an den beiden übergeordneten Abwärtstrendlinien angekommen und auf markttechnischer Ebene überkauft. Da noch Long zu gehen, wäre daher in der Tat gewagt. Aber heißt das umgekehrt, dass einem auf der Short-Seite im Dow nichts passieren kann?

Nein, das heißt es nicht, weil man nie sicher sein kann, wie extrem eine solche Bewegung ausfällt. Sie kann heute vorbei sein, aber auch erst in ein oder zwei Monaten und auf weit höherem Niveau. Da hier mehr Emotionen als die Ratio eine Rolle spielen und Erstere mit Fortgang der Bewegungen immer mehr an Gewicht bekommen, darf man da nichts ausschließen. Und auch beim Nasdaq 100, der im Gegensatz zu Dow ein Bild des Elends ist (sofern man nicht Short ist), gilt das.

Ja, der ist alles, nur nicht überkauft und hängt immer noch in der Nähe der in beiden Charts dick violett hervorgehobenen 1.000-Tage-Linie fest. Aber diese Linie könnte er auch brechen, denn noch muss sich diese Schere zwischen Dow Jones und Nasdaq 100 nicht schließen. Sie wird es sicherlich, sobald die Zeichen wieder auf Wachstum, vor allem auf einem wachsenden Konsum, stehen. Aber bis dahin sollte man bei beiden Indizes vorsichtig sein und im Zweifel dem Trend folgen, ohne sich dabei aber durch Zukäufe einem höheren Risiko auszusetzen.

Wer dabei wäre, könnte beim Dow Jones Long und beim Nasdaq 100 Short bleiben, solange diese gegenläufigen Trends anhalten. Als „Trigger“, dass sich da etwas in Richtung eines Schleißens dieser so ungewöhnlichen Schere tut, wäre in beiden Fällen momentan ein Überkreuzen der in den Charts hellblau eingezeichneten 100-Tage-Linien interessant.

Nasdaq 100: Chart vom 01.11.2022, Kurs 32.653,20 Punkte / 11.288,95 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX