Dow Jones aktuell Dow Jones: Wird das die Mutter aller Bullenfallen?

News: Aktuelle Analyse des Dow Jones Index

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Dow Jones
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Zum Dow Jones

Am Mittwoch stieg der Dow Jones mit immensem Schwung auf neue Rekordhochs. Am Donnerstag jedoch verlor er mehr, als er am Vortag zugelegt hatte. Der Ausbruchsversuch wurde zur Bullenfalle. Das könnte Konsequenzen haben, die nur die Bären begeistern würden.

Der Januar verlief ganz und gar nicht im Sinne der Käuferseite. Der Dow Jones blieb an der 2018 etablierten Hausse-Begrenzungslinie, der Parallelen zum übergeordneten, 2009 etablierten Aufwärtstrend, hängen. Zum Ende des Februars sollte das ausgemerzt werden. Und ja, am Mittwochabend sah es so aus, als könnte da kurz vor dem heutigen Ende des Handelsmonats nichts mehr anbrennen. Doch das gestrige, kapitale Minus von 560 Punkten stellt das infrage. Denn sollte der Index nicht nennenswert über 31.000 Zählern schließen, wäre er schon wieder an dieser im Chart auf Monatsbasis zu sehenden Linie hängengeblieben. Und das könnte noch Folgen haben, aus mehreren Gründen.

Dow Jones: Tages-Chart vom 25.02.2021, Kurs 31.402,01 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Erstens hatte man am Mittwoch ohne besondere Nachrichten zur Attacke geblasen und wollte es wirklich sauber hinkriegen. Nachdem der Index zuvor zwar über das Januar-Hoch von 31.272 Punkten hinausgekommen war, sich dann aber nur müde seitwärts schleppte und tagelang immer wieder in der Zone 31.500/31.700 Punkte abdrehte, wollten die Bullen sicherstellen, dass der Ausbruch nicht knapp gelänge, sondern so deutlich, dass die Akteure gar nicht auf die Idee kommen würden, Gewinne mitzunehmen. Der Eindruck eines gerade beginnenden, dynamischen neuen Aufwärtsimpulses sollte entstehen und am Donnerstag und Freitag für Anschlusskäufe sorgen. Dass das derart schiefging, ist für das bullische Lager wie ein Tritt in die Magengrube. Es jetzt gleich noch einmal zu versuchen, wäre nötig. Aber ob jetzt noch genauso viele bereit wären, hier in Sachen Ausbruch aktiv Hand anzulegen, wie am Mittwoch, ist sehr fraglich.

Den aktuellen Kurs und Chart des Dow Jones sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Zweitens fand dieser Ausbruch in einem ungünstigen Umfeld statt. Zum einen waren die Technologietitel seit Tagen sehr schwach, das drückte auf die Stimmung. Zum anderen kam es seit einiger Zeit zu kräftig steigenden Anleihe-Renditen, was sich ausgerechnet gestern noch beschleunigte. Und das positiv zu sehen (mehr dazu in der heutigen Analyse zu den US T-Bonds) fällt schwer. Zumal zugleich auch noch Gold und die Tech-Aktien fielen. Es wirkte, als müssten große Akteure in größerem Umfang Kapital aus dem Markt nehmen, nur konnte nicht einmal die US-Notenbank bis Donnerstagabend sagen, was genau da vorgeht.

Ein nervöses Umfeld, eine kapitale Bullenfalle und dann auch noch die Charttechnik: Im Chart auf Tagesbasis sehen Sie, dass der Dow Jones am Tagestief fast genau auf das Januar-Verlaufshoch aufsetzte und nicht allzu weit darüber schloss. Würde diese Linie nebst der knapp darunter, bei 31.202 Punkten, verlaufenen 20-Tage-Linie auch noch gebrochen, wäre auch noch der Ausbruch vom Februar eliminiert. Und unter 31.000 Punkten würde auch noch der gesamte Handelsmonat zu einer erneuten Pleite für die Bullen. Dann könnte sich der Index sehr schnell in der nächsten Supportzone bei 29.755/29.934 wiederfinden. Und dann hätten wir hier wirklich die „Mutter aller Bullenfallen“ gesehen, die gezielte Short-Trades anlocken würde die das Licht die Motten!

Dow Jones: Monats-Chart vom 25.02.2021, Kurs 31.402,01 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des Dow Jones Index

Eine Hausse lebt vom Blick nach vorne. Doch dass die bereits investierten Akteure auch immer das „Ist“ im Blick behalten und ab und an nach unten schauen, statt blind einem immer im Nebel liegenden Gipfel entgegen zu streben, liegt in der Natur der Sache. Und es scheint, dass beim Dow Jones die Zahl der Gipfelstürmer nachlässt und die der Realisten zunimmt.

Wenn man fast jeden Tag von neuen Rekordhochs hört und liest, bekommt man den Eindruck, dass die Rallye im vollen Saft steht. Doch schaut man sich den Chart des US-Index-Flaggschiffs an, kommt man nicht umhin zu erkennen: Der Dow droht, eine lahme Ente zu werden. Seit dem letzten Kurs des Jahres 2020 hat der Index gerade einmal 2,78 Prozent zugelegt. Sicher, das ist für anderthalb Monate nicht unbedingt schlecht, vor allem, wenn es in diesem Tempo das ganze Jahr weiterginge. Aber dazu sollte etwas gelingen, das momentan ausbleibt:

Dow Jones: Tages-Chart vom 15.02.2021, Kurs 31.458,40 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Dieser Weg der Investoren durch diese im Nebel liegende Zukunft sollte, sobald die Phase, die man vorwegnahm, eingetreten ist, Argumente liefern, dass die Käufe der vergangenen Monate berechtigt waren. Und dass Grund besteht anzunehmen, dass solche „good news“ in regelmäßigen Abständen erneut auftauchen und rechtfertigen, dass nach „hoch“ „noch höher“ kommen muss. Da Konjunkturdaten wie die Arbeitsmarktdaten und das Verbrauchervertrauen das zuletzt nicht hergaben, hätten es die Unternehmensgewinne richten müssen. Was sie aber nicht überzeugend konnten.

Natürlich überschlug man sich in den Medien damit zu melden, dass zahllose Unternehmen die Prognosen der Analysten überboten hätten. Doch so langsam wissen die meisten Akteure, dass solche Prognosen vor allem in Krisenzeiten bewusst tief angesetzt werden, um das Feuer der Begeisterung bei den Marktteilnehmern hoch zu halten. Immer mehr Anleger vergleichen die einlaufenden Zahlen, wie es sinnvoll ist, mit denen des Vorjahresquartals. Und dann kommt es oft nicht zu einem gewaltigen Kurssprung, sondern zu Gewinnmitnahmen, weil man feststellt, dass diese Ergebnisse nicht so gut sind, wie man sie verkaufen will.

Dass der Dow Jones genau zum Start in den Februar noch einmal Gas gab, war zwar grundsätzlich bullisch, zumal es gelang, den Index in einer wichtigen Unterstützungszone nach oben zu drehen, wie der Chart auf Tagesbasis zeigt. Aber Zeit und Ort des Aufwärtsschubes identifiziert hinter diesem Aufwärts-Schwenk eben das Investieren neu zugeflossenen Sparer-Geldes zum Monatsstart seitens der großen Adressen und die Charttechnik als Motivation, nicht ein „Daumen hoch“ zuversichtlicher, erfahrener Investoren. Wäre das der Fall, wäre es nicht so schnell wieder zu einem kraftlosen Seitwärts-Geschiebe gekommen, wie man das schon nach der Kaufwelle Anfang Januar gesehen hatte. Jetzt notiert der Index nur hauchdünn über dem vorherigen, im Januar markierten Verlaufsrekord und produziert einen Doji nach dem anderen, statt dynamisch davonzuziehen.

Es wundert nicht. Der Index hat viel vorweggenommen in Sachen eines nachhaltigen, wiederbelebten Wachstums, das aber weiterhin noch nicht geliefert wird. Die Bewertung ist hoch, das Kurs/Gewinn-Verhältnis des Index liegt auf Basis der tatsächlich gemeldeten Gewinne jetzt bei 32,5, so hoch wie seit der letzten Rezession nicht mehr. Sicher, man könnte das auf KGVs von 20 oder 15 herunterphantasieren, indem man einfach irrwitzige Gewinnsteigerungen bei den im Dow gelisteten Unternehmen in diesem und dem nächsten Jahr unterstellt. Da aber die meisten im Dow Jones enthaltenen Unternehmen gar keinen dramatischen Gewinneinbruch im Jahr 2020 hinnehmen mussten, einige im Gegenteil sogar neue Rekordgewinne meldeten, wäre eine Verdoppelung der Gewinne dieser 30 Unternehmen in ein bis zwei Jahren ziemlich unwahrscheinlich. Und erfahrene und/oder große Investoren wissen das. Der Dow Jones müsste jetzt ein, zwei Tage dynamisch davonziehen und nicht sofort wieder zurückfallen, dann könnte das dadurch zurückgewonnene Momentum immerhin die rein chart- und markttechnisch agierenden Trader mobilisieren. Aber trotzdem wäre es realistischer, dass eine mit 2020 vergleichbare Dynamik in diesem Jahr ausbleiben wird. Hier wären Long-Trades daher auf Sicht lukrativer, wenn man diese nach Rücksetzern eingeht, in deren Verlauf wichtige Supportzonen oder gleitende Durchschnitte verteidigt wurden wie zuletzt Anfang Februar, und nicht bei neuen Hochs. Denn ja, im Vergleich zu 2020 droht der Dow in den kommenden Monaten tatsächlich eine relativ lahme Ente zu werden.

Dow Jones: Monats-Chart vom 15.02.2021, Kurs 31.458,40 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Jetzt wird sich zeigen, ob die Bullen nicht nur stark genug sind, die „magische Marke“ von 30.000 Punkten beim Index-Flaggschiff Dow Jones zu verteidigen, sondern es auch fertigbringen, den Index nachhaltig über das Rekord-Verlaufshoch vom 21. Januar bei 31.272 Punkten zu heben. Momentan wirkt es, als wäre das ein Spaziergang … aber es ist womöglich schwieriger, als manche denken. Denn es gibt jetzt drei Möglichkeiten:

Der Index, der am Freitag bis auf 20 Punkte an diese bisherige Bestmarke herankam, könnte schon nach dieser Annäherung sang- und klanglos nach unten abdrehen und die 30.000 im nächsten Anlauf deutlich durchbrechen. Er könnte die 31.272 Punkte-Marke mit Schwung überbieten und, getrieben durch das dadurch neu belebte Momentum, deutlich und schnell höher laufen. Es könnte aber auch zu einem „false breakout“ kommen, einer Bullenfalle, indem der Dow die Hürde zwar nimmt, dann aber die Anschlusskäufe ausbleiben und die Akteure deshalb umgehend den Rückzug antreten.

Dow Jones: Tages-Chart vom 05.02.2021, Kurs 31.148,24 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Die Chance, das bereits zum Wochenschluss zu entscheiden, ließen die Bullen liegen. Was nicht unbedingt überrascht, denn der potenzielle „Anschieber“ für einen Ausbruch nach oben, die am Freitag präsentierten US-Arbeitsmarktdaten für den Januar, wirkten zwar akzeptabel, aber nur, wenn man nicht genauer hinsah.

Die Konsens-Prognose der Analysten lag bei +50.000 Stellen. Mit +49.000 wurde diese Erwartung erfüllt. Und obwohl diese geringe Zahl neuer Jobs das eigentlich nicht hergab, sank die offizielle Arbeitslosenrate von 6,7 Prozent im Dezember auf 6,3 Prozent. Diese gesunkene Arbeitslosenrate war auch deswegen nicht allzu glaubwürdig, weil der im Dezember entstandene Stellenabbau im Zuge der Korrektur dieser Daten noch größer wurde: Die Anfang Januar berichteten -140.000 Jobs wurden auf -227.000 korrigiert.

Diese Diskrepanz zwischen im Saldo 178.000 verlorenen Arbeitsplätzen im Dezember und Januar und einer zugleich von 6,7 Prozent im November auf 6,3 Prozent im Januar gefallenen Arbeitslosenrate liegt zum einen darin, dass diese beiden Daten in unterschiedlichen Umfragen ermittelt werden. Zum anderen darin, dass das US-Arbeitsministerium imstande ist, die Arbeitslosenrate dadurch zu beeinflussen, dass die Partizipationsrate, d.h. der Anteil der US-Bürger, die als dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehend gesehen werden, verändert wird.

Dass das bullische Lager nach der erfolgreichen Verteidigung der 30.000er-Marke kurzfristig das Geschehen dominiert, dürfte bewirkt haben, dass der Dow daraufhin nicht nachgab, sondern ein kleines Plus von 0,3 Prozent ins Wochenende rettete, das ihn in unmittelbarer Reichweite des Verlaufsrekords hielt. Dass man den Index vor dem Wochenende kurz unter einem entscheidenden Widerstand „parkt“, ist durchaus nicht selten. Sofern es über das Wochenende und am heutigen Montag nicht zu nennenswert negativen Nachrichten kommt, dürfte man versuchen, den Index noch vor dem Handelsstart über den Future nach oben zu ziehen. Und meist stellt sich einem Versuch, die Anleger gleich zum Start durch ein Opening auf neuem Rekordlevel vor vollendete Tatsachen zu stellen, niemand entgegen. Aber:

Das sieht im regulären Handel anders aus. Dann wird sich sehr schnell zeigen, ob dieser Kniff Anschlusskäufe auslöst oder so viele Akteure diese Gelegenheit nutzen, um zu ideal hohen Kursen auszusteigen, dass der Angriff der Bullen zum Rohrkrepierer wird. Sollte der Dow-Future heute Vormittag nach oben laufen, dürfte das ein äußerst spannender Tag werden!

Dow Jones: Monats-Chart vom 05.02.2021, Kurs 31.148,24 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Das FBI meldete etwa zweieinhalb Stunden vor US-Handelsende, dass offenbar vor jedem einzelnen der 50 Parlamentssitze der US-Bundesstaaten in dieser Woche bewaffnete Demonstrationen geplant seien. Die Sorge, dass Donald Trump die Büchse der Pandora weit geöffnet hat und keinerlei Interesse daran hat, deren Deckel wieder zu schließen, wächst. Und jeder Investor weiß sehr wohl, dass eine solche Situation, in der Szenen wie die der vergangenen Woche immer öfter auftauchen, unmöglich an der Börse vorbeigehen können.

Dass die ganz großen börsennotierten Unternehmen, die Giganten aus dem Dow Jones, im Fall einer Verstetigung von Unruhen nicht sofort Gewinneinbrüche erleiden, mag schon sein. Aber wenn neben der Sorge hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektive, der Angst vor der zuletzt seitens des Weißen Hauses ignorierten Pandemie auch noch die stete Angst um Haus und Hof und die eigene Unversehrtheit hinzukommt, wird der Konsum das sofort zu spüren bekommen. Und von ihm ausgehend wird diese Situation die Lieferkette entlang kriechen, bis hin zu denen, die Teile und Maschinen für die Zulieferer der großen Unternehmen bereitstellen, seien es Sportartikelhersteller wie Nike, Technologieunternehmen wie Apple oder Einzelhändler wie Walmart. Aber der Dow Jones steigt. Wie kann das angehen?

Dow Jones: Tages-Chart vom 11.01.2021, Kurs 31.008,69 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Gerade die immense Dimension der Risiken löst diese Käufe aus. Sie ist so groß, dass man sie nicht mehr einordnen kann und deswegen einfach auszublenden versucht. Das haben wir schon x-mal erlebt, im Zuge der Dot.Com-Blase, der Subprime-Blase, der sogenannten „Alles-Blase“ vor dem Corona-Crash … und jetzt erneut. Natürlich klappt das Ausblenden nicht mehr, wenn die Lawine erst einmal abgegangen ist. Aber das ist sie noch nicht. Auch deshalb, weil die großen Adressen wie üblich versuchen, die Akteure zu beruhigen, indem sie aktiv kaufen, die Kurse stabil halten und, im Idealfall höher ziehen. Sehen sich Sparer mit vollen, rein Long ausgerichteten Depots zwischen den zwei Stühlen zunehmender Risiken auf der einen und weiter steigenden Kursen auf der anderen Seite, neigen die meisten dazu, sich auf die Entscheidung zu reduzieren: „Ich kann immer noch verkaufen, wenn die anderen verkaufen.“

Die Angst davor, dass jetzt alles in sich zusammenfallen könnte, ausgelöst durch erneute, womöglich deutlich weiter reichende Unruhen, führt dazu, dass die einen, die „Großen“, aus der Angst geboren die Flucht nach vorne antreten und kaufen … und die anderen, die „Kleinen“, den Kopf in den Sand stecken. Und ja, das könnte auch gutgehen. Vorausgesetzt, es gelingt, erneute Gewaltaktionen einzugrenzen und im Idealfall großenteils zu verhindern. Aber ob das gelingt, weiß niemand. Das Risiko, dass die kommenden Tage erneut fatale Bilder bringen, ist alles andere als klein. Und damit auch das Risiko, dass der Dow Jones, der so auffällig mit aller Macht auf Rekordniveau gehalten wird, wie ein defekter Fahrstuhl in die Tiefe saust.

Wie unruhig die Kurse auf diesem Niveau sind, machen die beiden Dojis deutlich, die der Index am Freitag und Montag produziert hat. Viel Volatilität und doch kaum Raumgewinn … für beide Seiten. Und dass das US-Index-Flaggschiff zum Wochenstart das Gros vorbörslicher Verluste wieder aufholte, weil es direkt zu Beginn des regulären Handels um 15:30 Uhr zu einer Kaufwelle kam, die prompt endete, als die Kurse aus dem Gröbsten heraus waren, unterstreicht: Hier kauft die Angst. Die Angst vor bärischen Signalen, die die Lawine lostreten könnten.

Die Sache wird zusätzlich knifflig, weil da einiges an Spielraum vorhanden wäre, den der Index nach unten ausloten könnte. Selbst bis zur Generierung eines mittelfristig relevanten Short-Signals wären um die 2.200 Punkte Spielraum. Er müsste unter die Hochs der Monate September und Oktober bei 28.958/29.200 Punkten rutschen. Und mit einem Seitenblick auf die Verbindungslinie zwischen dem alten Februar 2020-Rekordhoch, den vorgenannten Zwischenhochs und der oberen Begrenzung des riesigen Gaps von Anfang November (im Chart auf Wochenbasis) müsste dieser Bruch deutlich ausfallen. Das hieße: Oberhalb von 28.800 Zählern wäre der Dow noch nicht wirklich bärisch. Auf einem Level von derzeit um die 31.000 Punkte ist das ein Wort.

Daher wäre es für Akteure, die aggressivere, kurzfristigere Long-Positionen halten, zu überlegen, sich an der einigen einigermaßen tauglichen, nahe liegenden Supportlinie in Form der 20-Tage-Linie zu orientieren, wenn es um eine Stop Loss-Absicherung geht. Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass diese Linie in den vergangenen drei Wochen zweimal kurz unterboten wurde und die Bullen den Index beide Male zum Handelsende wieder auf sicheres Terrain, sprich über diese Linie, gezogen haben. Wenn das schiefgeht und der Dow Jones mindestens 200 Punkte unter dieser aktuell bei 30.380 Punkten verlaufende Linie schließt, wäre das ein erhebliches Warnsignal. Dann hätten die Bullen für alle sichtbar verloren, das kann schon reichen, um in einer Situation so sorgsam unterdrückter Angst die nächste Stufe zu zünden. Die hieße dann Panik. Und dann verkaufen auch die, die derzeit versuchen, die Deiche am Brechen zu hindern!

Dow Jones: Wochen-Chart vom 11.01.2021, Kurs 31.008,69 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Er war der letzte der drei großen US-Indizes Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq 100, der Ende 2020 neue Rekordhochs erreichte. Aber am Ende wurde es auch für das US-Index-Flaggschiff ein perfektes Jahr: Mit 30.606,48 Punkten schaffte der Dow Jones aktuell in der Bilanz des Jahres 2020 ein Plus von 8,58 Prozent und beendete das Jahr an Silvester mit einem neuen Schlusskurs-Rekord. Damit läuft der vor Wochen skizzierte Fahrplan der Bullen weiter wie geschmiert:

Erst eine Abrechnung der Futures und Optionen im Zuge des „dreifachen Hexensabbats“ des Dezembers auf Rekordhoch. Passt. Dann das die Kurse höher ziehende „Window Dressing“ der institutionellen Investoren zu Jahresultimo. Passt nunmehr auch. Und jetzt setzt man darauf, dass der Umstand, dass ein von den Rahmenbedingungen her extrem negatives Jahr trotzdem zu Indizes in der Gewinnzone führte, die Anleger animiert hat, zur Jahreswende kräftig frisches Geld an die Fonds, ETFs, Hedgefonds, Versicherungen und Pensionskassen zu überweisen. Und die sollten diesen Kapitalfluss idealerweise umgehend zum Jahresstart in den Markt investieren. So soll ein „Kick Off“ entstehen, ein dynamischer, bullischer Start ins neue Jahr, der die Zweifler weiterhin in die Ecke drängen würde. Kommt es so?

Dow Jones: Tages-Chart vom 31.12.2020, Kurs 30.606,48 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Was die ersten Handelstage des Jahres 2021 angeht, steht die Chance dafür in der Tat gut. Wenn die Kurse steigen, ist das für die Anleger wichtiger als die Rahmenbedingungen. Solange es rund läuft, schaut man einfach weg, was kritische Aspekte angeht. Und da die Mär, dass die ersten zehn Tage des neuen Jahres ein Omen für das Gesamtjahr sind, nicht ausstirbt (zumal es 2020 auch funktioniert hat), wären weitere Kursgewinne zu Jahresbeginn realistisch.

Aber da sprechen wir über die kurzfristige Zeitebene. Was passiert, wenn der erste Schwung dahin ist, das frische Geld der Sparer investiert wurde? Spätestens dann, irgendwann im Bereich Mitte Januar, kommt es zum Schwur. Bis dahin reicht der bullische Fahrplan nicht, da endet die Strickleiter aus potenziell die Kurse ziehenden Terminen. Und dann, Mitte Januar, nahen die ersten Bilanzen des vierten Quartals. Des Quartals also, das die Bullen als stark gelaufen voraussetzen. Aber das müssten die Bilanzen erst einmal beweisen. Und dass das eigentlich alles andere als sicher ist, wissen auch die Bullen. Und das ist noch nicht alles.

Dass die Republikaner die Verkündung des offiziellen Wahlergebnisses blockieren wollen macht deutlich, dass die Regierung Biden einen extrem schweren Stand haben wird. Vieles dessen, was längst im Markt eingepreist ist, z.B. ein weiteres Konjunkturpaket und das unter Donald Trump nicht realisierte, riesige Infrastrukturprogramm, steht in den Sternen. Und der Kompromiss, auf den man sich an Weihnachten mit Monaten Verspätung geeinigt hatte, wird nicht ausreichen, um das Wachstum wiederzubeleben, das die bullische Seite mit ihrem Sturmlauf auf neue Rekorde eskomptiert hat. Fazit:

Der „Kick Off“ ins Jahr 2021 könnte klappen, danach wird es eng. Auch aus charttechnischer Sicht, denn der Index hat, wie der Dow Jones-Chart auf Monatsbasis zeigt, die Parallele zur langfristigen, 2009 etablierten Aufwärtstrendlinie erreicht. Gut möglich, dass er im Verlauf des Januars darüber hinaus läuft. Aber um bullisch zu bleiben, müsste der Index diese jetzt minimal überbotene Linie auch per Ende Januar überboten haben. Auf mittelfristiger Ebene würde der Dow Jones zwar erst bärisch, wenn er mit Schlusskursen unter 28.957 Punkten durch die im Tageschart grün markierte Supportzone fallen würde. Aber was kurzfristige, aggressive Long-trades angeht, will man natürlich nicht so weit nach unten mitlaufen müssen. Hier sollte man ein Auge auf die 20-Tage-Linie (per 31.12. bei 30.113 Punkten) haben, die momentan den Leitstrahl der Bullen darstellt. Sollte diese Linie auf Schlusskursbasis um mindestens 100 Punkte unterboten werden, kann das bereits der Startschuss für größere Gewinnmintahmen sein.

Dow Jones: Monats-Chart vom 31.12.2020, Kurs 30.606,48 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Der Schlusskurs des Dow Jones am Donnerstag wäre eine ideale Telefonnummer, weil leicht zu merken: 30.303,30. In erster Linie ist das aber der höchste je erreichte Schlusskurs des Index. Ein Beleg, dass der Dow die 30.000 nachhaltig überwunden hat und jetzt nach den Sternen greifen wird, ist es jedoch noch nicht. Denn diesen Level hatte der Index auch schon am vergangenen Mittwoch und am Montag erreicht. Geschlossen hatte er in diesem Bereich über 30.300 Punkten zwar vorher nicht. Aber um den Anstieg über die „magische Marke“ von 30.000 Punkten signifikant zu machen, müsste der Index jetzt noch weiter steigen.

Die Chance dazu hat er. Die Bullen dürfen es nur nicht vermasseln. Sie finden sich in der Rolle eines Trapezartisten wieder: Gelingt der Sprung, ist ein bullischer Jahreswechsel hoch wahrscheinlich. Greifen sie aber ins Leere, könnten sie tief fallen. Und es ist offen, wie die Sache ausgeht, denn es hängt nicht alleine von der grundsätzlichen Kaufbereitschaft ab. Die wäre durchaus da. Sie braucht aber auch eine Grundlage, die über den heutigen „dreifachen Hexensabbat“, die Abrechnung der Optionen und Futures mit Laufzeit Dezember an der Terminbörse, hinausgeht.

Dow Jones: Tages-Chart vom 17.12.2020, Kurs 30.303,30 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX

Das kann bzw. muss das US-Stimulus-Paket sein, über welches sich der US-Senat angeblich jeden Moment einigen könnte. Am Donnerstag kamen stetig Statements einzelner Senatsmitglieder, die andeuteten, dass dieses längst überfällige und dadurch für die US-Wirtschaft zwingend erforderliche Konjunkturpaket eventuell heute schon kommen könnte, aber auf jeden Fall vor Weihnachten wahrscheinlich ist. Ermutigend, aber:

Das Risiko liegt nicht nur darin, dass diese Verhandlungen, so weit sie auch fortgeschritten sein mögen, noch platzen können. Dass das denkbar wäre, wissen wir ja spätestens seit den Verhandlungen im Handelskrieg: Die letzten offenen zehn Prozent sind nun einmal die schwierigste Hürde. Es kann eben auch sein, dass die Erwartung der Investoren enttäuscht wird, d.h. dass dieses Paket womöglich nicht groß und zielgerichtet genug ist, um aus der Gefahr, dass die USA in die Rezession zurückfallen, herauszukommen und die Rückkehr zum Wachstum zu zementieren.

Würde dieses Paket geschnürt und seitens der Mehrheit der Investoren für gut befunden, wäre der Weg hin zu einer Jahresendrallye mit einem starken Start ins neue Jahr geebnet. Unser Chart auf Monatsbasis zeigt, dass der Index bis Ende Dezember Spielraum bis 30.700 Punkte hätte, dort würde die ab Anfang 2018 zu konstruierende Hausse-Begrenzungslinie warten. Die indes auch überboten werden könnte.

Aber wenn nicht, kann dieses Paket oder die Meldung, dass die Verhandlungen wieder einmal im letzten Moment gescheitert sind, wie eine Falltür wirken, in die das bullische Lager fällt: abrupt und tief. Denn man darf unterstellen, dass ein Gutteil einer Einigung inklusive eines umfassenden, zufriedenstellenden Pakets bereits in den Kursen eingepreist ist. Käme es also zu einer Enttäuschung, ist nach unten nichts unmöglich. Der schwache Philadelphia Fed-Index und die wider Erwarten erneut angestiegenen Zahlen der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe, beide am Donnerstag gemeldet, machen sehr deutlich, wie sehr es mit einem starken Stimulus eilt. Und da die US-Notenbank am Mittwochabend nichts Neues zu bieten hatte außer dem Hinweis, dass die Leitzinsen wohl noch lange auf dem Nahe-Null-Level bleiben werden, kommt es entscheidend auf dieses Paket aus Washington an. Greifen die Bullen am Trapez daneben, wäre ein Bruch der breiten Supportzone zwischen dem Oktober-Verlaufshoch bei 28.958 Punkten und dem alten Rekordhoch vom Februar bei 29.568 Zählern ein Signal, um sich auf der Long-Seite eilig zurückzuziehen.

Dow Jones: Monats-Chart vom 17.12.2020, Kurs 30.303,30 Punkte, Kürzel INDU | Online Broker LYNX