NASDAQ 100 aktuell Nasdaq 100: Nicht gut, gar nicht gut …

Aktuelle Analyse des NASDAQ 100 Index

In diesem Artikel

NASDAQ 100
ISIN: US6311011026
Ticker: NDX
Währung: Punkte

---
---% (1D)
1W ---
1M ---
1Y ---
NDX --- %
Zum NASDAQ 100

Zwei Schwergewichte des Nasdaq 100, Microsoft und Tesla, meldeten am Mittwochabend nach Handelsende ihre Ergebnisse des zweiten Quartals. Beide lagen klar über den Analystenprognosen. Microsoft fiel trotzdem schon im nachbörslichen Handel, Tesla hingegen legte ordentlich zu. Doch im regulären Handel des Donnerstags drehte auch Tesla ins Minus, Microsoft baute seine Verluste aus … und das riss den Nasdaq 100 in die Verlustzone. Am Ende des Tages stand beim Index ein Minus von 2,67 Prozent zu Buche. Eines, das die Bullen nervös machen dürfte.

Schon bei Netflix hatte es als Reaktion auf die in der vergangenen Woche vorgelegte Bilanz Abgabedruck gegeben. Jetzt auch noch bei diesen beiden Publikumslieblingen. Da stellt sich natürlich die Frage, ob der Optimismus unter den Tradern wirklich so groß ist, wie es angesichts der Super-Rallye des Technologieindex schien? Waren viele womöglich nur dem dynamischen Trend gefolgt, ohne wirkliche Überzeugung, immer mit einem Fuß im Notausgang? Wenn, dann würde es jetzt zum Schwur kommen. Denn Sie sehen es im Chart auf Tagesbasis:

Der Nasdaq 100 steht kurz vor einem mehrfachen Short-Signal. Zum einen ist er schlagartig wieder auf die 20-Tage-Linie zurück gesackt (aktuell bei 10.530 Punkten). Auf die Linie also, die er seit Anfang April immer wieder auf Schlusskursbasis hatte verteidigen können. Darüber hinaus hat er ausgerechnet knapp über der runden Marke von 11.000 Punkten erneut nach unten abgedreht. Das wirkt, als würden viele diese Marke als Kursziel ansehen. Und daraus würde ein vollendetes Doppeltopp entstehen, sollte der Index das Zwischentief von 10.370 Zählern auf Schlusskursbasis durchbrechen. Nur geringfügig darunter läge die April-Aufwärtstrendlinie, die zusammen mit der 20-Tage-Linie den Leitstrahl dieser Rallye stellt. Und das würde dann auch noch dazu führen, dass der Trendfolge-Indikator MACD, der bereits jetzt marginal auf Verkauf gedreht hat, ein klares, bärisches Signal generieren würde.

Nasdaq 100 Chart auf Wochenbasis vom 23.07.2020, Kurs 10.580,59 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Würde das bullische Lager heute nicht zu einem effektiven Gegenangriff ansetzen, würde auch das Chartbild auf Wochenbasis deutlich wackliger aussehen. Hier sehen wir, dass es in der Vorwoche zu einer „Piercing Line“ kam, indem die rote Kerze knapp unter der Mitte der vorherigen grünen Kerze endete. Das alleine war nur ein leichtes Warnsignal, das die Bullen schnell hätten ausbügeln können. Das Problem ist: Genau das haben sie ja mit dem erneuten Run über 11.000 Punkte versucht. Und das ging schief. Was wir per Donnerstagabend sehen, ist ein „Shooting Star“. Wenn der nicht heute „weggekauft“ würde, würde sich auch die Wochenebene mit Blick auf den dort überkauften, unten im Chart mit eingeblendeten Stochastik-Oszillator als „Matchball“ für potenzielle Short-Seller präsentieren.

Bedenkt man, wie ernüchternd markante Verkäufe als Reaktion auf scheinbar grandiose Quartalszahlen wirken müssen, wenn man als bullischer Trader eigentlich mit kräftigen Kursgewinnen gerechnet hat, wird klar: Das ist ganz und gar nicht gut für die Bullen, was hier gerade passiert. Für sie lautet die Devise jetzt: make it … or break it!

Nasdaq 100 Chart auf Tagesbasis vom 23.07.2020, Kurs 10.580,59 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

[symbol_link]

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
Tageshoch
Tagestief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Displaying today's chart

Vorherige Analysen des NASDAQ 100 Index

Läuft eine starke Hausse gegen die Rahmenbedingungen, wird es gefährlich. Ist die Marktbreite der Rallye schwach, weil nur wenige Aktien eines Index diesen immer höher ziehen, wird es noch gefährlicher. Naht ein Abrechnungstermin an der Terminbörse, wird die Lage dann leicht unberechenbar. Alle drei Faktoren treffen derzeit auf den Nasdaq 100 zu. Die erfahrenen Trader wissen: So etwas kann verblüffend lange gutgehen. Aber wenn es schiefgeht, dann richtig. Und welche Variante es am Ende wird, weiß man eben nicht vorher, denn zum Ausstieg wird nicht geklingelt, wie ein altes Börsensprichwort zu berichten weiß.

Die Rahmenbedingungen sind nicht nur nicht positiv genug für die Super-Rallye der Nasdaq, sie laufen in die Gegenrichtung. Die Corona-Pandemie ist nicht im Griff. Und in Washington tut man so, als wäre alles bestens um keine Fehler eingestehen zu müssen, statt entschlossen dagegen zu halten. Die bislang weit verbreitete Erwartung, die US-Wirtschaft werde noch in diesem Jahr wieder an das vorherige Niveau anknüpfen, entbehrt Tag für Tag mehr der Grundlage.

Die Marktbreite der Super-Rallye, die den Nasdaq 100 längst über das „Prä Corona“-Rekordhoch bei 9.736 Punkten getrieben hat, die nach dem erstmaligen Break über die „magische“ 10.000 am 10. Juni nur 22 Handelstage benötigte, um am Montag erstmals die 11.000 Punkte-Marke zu touchieren, ist miserabel. Es sind nur recht wenige der im Index gelisteten 100 Aktien, die laufen. Die aber dafür umso extremer. Sieht man sich die Namen der Zugpferde an, findet man mit Adobe, amazon.com, Apple, ASML, Cadence, eBay, JD.com, Netflix, Nvidia, PayPal, Synopsis, Tesla und Zoom viele typische Publikumslieblinge darunter. Also Aktien, die eher unerfahrene Anleger kaufen. Vor allem jetzt, denn je steiler der Anstieg, desto größer ist der Zulauf derer, die mangels Fachkenntnis und Erfahrung nicht erkennen, wann eine Aktie zu heiß wird.

Und das trifft jetzt übermorgen auf den Abrechnungstermin der in den USA als Derivate äußerst wichtigen Optionen auf Indizes und Aktien. Das ist eine Gemengelage wie reines Dynamit. Es war daher zu erwarten, dass diejenigen großen Akteure am Terminmarkt, die wie meist eine Abrechnung der Optionen auf maximal hohem Niveau anstreben, weil ihre Positionierungen dann den größten Gewinn einbringen, nicht einfach die Waffen strecken würden. Ungewöhnlich ist dabei aber, wie man am Dienstag versucht hat, die Situation in den Griff zu bekommen.

Denn es kam nicht, wie man hätte vermuten dürfen, zu massiven Käufen, um das negative Signal des Abwärts-Turnarounds des Vortages sofort zu eliminieren. Das wäre der Normalfall gewesen, zumal Sie im Chart auf Tagesbasis sehen, dass dadurch ein großes „bearish engulfing pattern“ entstand, eine lange rote Kerze, welche die grüne des Vortags komplett einhüllt. Und das auch noch auf Rekordniveau bei überkauften markttechnischen Indikatoren. Nein, es ging mit dem Nasdaq 100 zunächst sogar weiter abwärts, zum Handelsende lag er moderat höher, aber auch nur aufgrund einer Kaufwelle in den letzten Handelsminuten, eine halbe Stunde vor Schluss hatte er noch im Minus notiert. Die wilde Kaufwelle blieb hier aber aus, fand dafür aber woanders statt: im Dow Jones.

Dort wurde vom Handelsstart weg massiv gekauft, so dass es gelang, den Break über die 200-Tage-Linie, an welcher der Dow Jones wochenlang nicht vorbeikam, doch noch zu erzwingen, nachdem dieser Versuch am Montag durch den Abwärts-Turnaround vereitelt wurde. Der Dow schloss im Gegensatz zum Nasdaq 100 deutlich höher. Es wirkt, als würden große Akteure aufgrund der Marktenge der Rallye, dem Risiko, dass diese zu wenigen, dafür aber zu viel gestiegenen Aktien im Nasdaq 100 darstellen, Kapital in den noch weit unter seinen alten Hochs notierenden Dow Jones umschichten. Womöglich auch mit Blick auf das ganz langfristige Chartbild. Denn in dem diesmal mit logarithmischer, prozentual vergleichbarer Skalierung gezeigten Chart auf Monatsbasis sehen wir, dass der Nasdaq 100 nahe an der oberen Begrenzung des übergeordneten, 2009 begonnenen Aufwärtstrendkanals rangiert. Diese Begrenzung liegt im Juli bei ca. 11.750 Punkten. Da ist nicht mehr viel Luft, beim Dow Jones sähe das anders aus.

Nasdaq 100 Chart auf Monatsbasis vom 14.07.2020, Kurs 10.689,52 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Aber dass es zumindest am Dienstag so wirkte, als würden einige der großen Adressen beim Nasdaq 100 das nahe Ende der Rallye sehen und entsprechend umschichten, ist so nahe vor einem Terminmarkt-Abrechnungstermin schon ungewöhnlich. Es ist denkbar, dass die Käufe heute doch wieder einsetzen, der Nasdaq 100 am Freitag zur Abrechnung der Index-Optionen doch über 11.000 Punkten notiert. Aber sollte es in den kommenden Tagen erneut zu plötzlichem, stärkeren Abgabedruck kommen, sollte man sich überlegen, hier auf der Long-Seite den Dienst zu quittieren. Spätestens, wenn der Nasdaq 100 nach der 20-Tage-Linie und der April-Aufwärtstrendlinie auch noch das alte Rekordhoch von 9.736 Punkten auf Schlusskursbasis durchbrechen würde, wäre hier ein klar negatives Signal entstanden.

Nasdaq 100 Chart auf Tagesbasis vom 14.07.2020, Kurs 10.689,52 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

[symbol_link]

Der Nasdaq 100 markierte in den vergangenen Wochen zwar ein neues Rekordhoch nach dem anderen. Er überwand das alte, aus dem Februar stammende Allzeithoch von 9.736 Punkten. Er sprang über die magische Marke von 10.000 Zählern, fiel zweimal wieder darunter und eroberte sie zweimal wieder zurück. Und trotzdem ziehen chart- und markttechnisch orientierte Trader sukzessiv den Kopf ein. Denn es wird dünn, dieses Eis, auf dem die Bullen tanzen.

Zweimal endete ein Anstieg über die 10.000er-Marke zeitnah in einer potenziell bärischen „Evening Star“-Formation. Beide Male gelang es, die Formation durch umgehende Käufe zu entschärfen. Beide Male war es der doppelte Leitstrahl der Rallye, bestehend aus der 20-Tage-Linie und der unteren Begrenzung eines im April etablierten Aufwärtstrendkanals, die hielten und neue Käufe hervorbrachten. Aber dieser Trendkanal hat eben auch eine obere Begrenzungslinie. Beide Dojis, die zur Basis der beiden bisherigen Evening Stars wurden, entstanden dort. Und am Donnerstag, vor dem feiertagsbedingten langen Wochenende, entstand der dritte Doji. Wieder an der oberen Begrenzung des Trendkanals. Und der RSI-Indikator, der die relative Stärke einer Bewegung misst, lag an diesem Tag unter dem vorherigen Zwischenhoch, dieses wiederum unterhalb des ersten. Die drei Zwischenhochs im Index fanden somit keine Bestätigung in diesem Indikator. Das nennt man eine negative Divergenz. Ein Warnsignal, so, wie dieser dritte Doji selbst. Was bedeutet:

[symbol_link]

Expertenmeinung: Heute, zum Start in die neue Woche, werden Weichen gestellt. Sollte der Nasdaq 100 eine rote Kerze ausbilden, womöglich sogar mit einem Abwärts-Gap starten, wäre der dritte „Evening Star“ binnen weniger Wochen entstanden … und das wäre, zusammen mit der negativen Divergenz des RSI-Indikators, womöglich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Zumal die Rahmenbedingungen nicht besser werden. Die am Donnerstag vorgelegten US-Arbeitsmarktdaten für den Juni wirkten grandios. Aber es bleiben 14 Millionen Arbeitsplätze in den USA, die trotz der Wiedereröffnung des ganz überwiegenden Teils der US-Unternehmen noch nicht wiederbesetzt wurden. Und zugleich klettert die Zahl der Neuinfektionen in den USA auf einen Rekord nach dem anderen.

Dass die US-Investoren diese kritischer werdende Gemengelage in Form einer größer werdenden Schere zwischen Aktienmarkt-Hausse und wider der Hoffnung vieler weiterhin äußerst problematischen Rahmenbedingungen sehr wohl erkennen, wurde am Donnerstag schon dadurch deutlich, dass der Nasdaq 100 diesen Doji ausbildete, indem er knapp unterhalb des Eröffnungsniveaus schloss, zeitweise deutlich größere Gewinne nicht halten konnte. Sollte es heute tatsächlich zu einem dritten Evening Star kommen, indem der Nasdaq 100 den Tag mit einer roten Kerze beendet, wäre das ein erstes Signal für einen neuen Abwärtsimpuls. Aus charttechnischer Sicht wäre der entscheidende Schritt hierfür dann vollzogen, wenn der Index aus diesem Aufwärtstrendkanal nach unten herausrutscht und dadurch auch das alte Februar-Rekordhoch bei 9.736 Punkten erneut unterbietet.

Nasdaq 100 Chart vom 02.07.2020, Kurs 10.341,89, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Natürlich wollten die Investoren den Durchhalteparolen aus Washington glauben. Wer wollte denn nicht, dass alles schnell wieder normal würde, die US-Wirtschaft im Eiltempo wieder auf den vorherigen Level zurückkehrt und die Unternehmensgewinne so schnell die vorherigen Rekorde überwinden, dass man lieber heute als morgen massiv auf die Long-Seite setzen muss? Nur wenige Investoren, die erfahrenen und flexiblen unter ihnen, können mit einer Baisse etwas anfangen. Die Masse „kann“ nur Long. Also war der Glaube groß, dass es so laufen würde, dass in wenigen Monaten alles wieder normal ist und die Billionen der Regierung und der US-Notenbank dafür sorgen, dass Donald Trump Recht behält und die Wirtschaft schnell deutlich über das vorherige Niveau hinaus schießt. Dabei zeigt sich Hoffnung meist recht lange gegen Fakten immun, das war auch diesmal der Fall. Aber jetzt könnte dieses Kartenhaus aus großen Erwartungen zusammenbrechen.

Denn die USA bekommen die Pandemie nicht nur nicht in den Griff. Es wird deutlich, dass das, was der Präsident von „seinen“ republikanischen Gouverneuren forderte, nämlich die umgehende Rückkehrt zur Normalität, ein katastrophaler Fehler war. Ein Fehler, der dazu führt, dass die Infektionszahlen zu einem Zeitpunkt aus dem Ruder laufen, zu dem man, wäre man wie in Europa den vorsichtigen Weg gegangen, schon eine effektive Eindämmung erreicht hätte. Jetzt müssen die ersten Staaten vorher aufgehobene Beschränkungen wieder aktivieren. Und selbst wenn es trotzdem keinen zweiten „Lockdown“ geben würde, wird die Erholung der US-Wirtschaft dadurch erheblich gebremst, denn es wird wohl nicht dabei bleiben, dass nur Bars geschlossen werden. Während der Dow Jones dadurch schon wieder sehr problematisch aussieht und beim Versuch, seine 200-Tage-Linie zurückzuerobern, zu scheitern scheint, hat sich der Nasdaq 100 den zunehmenden Zweifeln vieler Marktteilnehmer scheinbar effektiv entzogen und erreichte am vergangenen Dienstag einen erneuten Verlaufsrekord. Das sieht gut aus … oder?

[symbol_link]

Expertenmeinung: Wenn man genauer hinsieht, nicht. Noch hat das bullische Lager das Ruder zwar nicht aus der Hand gegeben, aber wir sehen im Chart des Nasdaq 100 Future mit September-Laufzeit mehrere Indizien, dass der im April und Mai noch souveräne Anstieg des Index seit ca. drei Wochen Risse bekommt. Der Index kann sich von seinem „Leitstrahl“, der 20-Tage-Linie, nicht mehr nachhaltig lösen. Derzeit sehen wir bereits den fünften Test dieser Linie innerhalb von acht Wochen. Und diesmal ist das Risiko, dass diese Linie und die parallel dazu laufende April-Aufwärtstrendlinie brechen, größer als zuvor, denn die langsam wankende Hoffnung, dass nach dem Aktienmarkt auch die US-Wirtschaft eine „V-Erholung“ vollzieht und den vorgelaufenen Aktienmarkt dadurch unterfüttert, hat zuletzt gleich zu zwei „Evening Stars“ geführt. Einer ist nur ein Warnsignal. Zwei in kurzer Zeit sind hingegen kritisch.

Der Chart zeigt, dass es gelungen war, den am 9. bis 11. Juni ausgebildeten Abendstern (Evening Star) zeitnah zu neutralisieren, nachdem der Nasdaq 100 im Vorfeld der am 19. Juni vollzogenen Abrechnung am Terminmarkt im Bereich des vorgenannten „Leitstrahls“ nach oben drehte. Auch die dabei nur kurz überwundene, runde Marke von 10.000 Punkten wurde schnell zurückerobert. Aber nachhaltig überboten wurde sie eben doch nicht. Denn beim Versuch, den vorherigen Verlaufsrekord zu überbieten, entstand am Dienstag ein Doji, gefolgt von einer roten Kerze: Der zweite „Evening Star“ war entstanden.

Der Nasdaq 100 müsste umgehend über den jüngsten Verlaufsrekord von 10.296 Punkten hinaus, um das Risiko dieses zweiten „Evening Stars“ zu eliminieren. Aber das Minus von 2,5 Prozent am Freitag zeigt, dass es derzeit nicht gerade danach aussieht. Immer mehr Bullen bekommen offenbar kalte Füße. Und auszusteigen würde ihnen mit Blick auf die sagenhafte Performance der vergangenen Monate leicht gemacht. Bricht diese doppelte Leitlinie der Rallye in Form der April-Aufwärtstrendlinie und der 20-Tage-Linie nahhaltiger, indem der Nasdaq 100 mit Schlusskursen unter 9.450 Punkten auch das Tief zwischen den beiden „Evening Stars“ unterschreitet, könnte das der Beginn des zweiten Beins der Corona-Baisse sein, das nahezu alle angesichts der neuen Index-Rekorde bereits als vom Tisch angesehen hatten.

Nasdaq 100 Chart vom 26.06.2020, Kurs 9.849,35 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Bis auf 2,7 Prozent war der Nasdaq 100 mit seinen großen Publikumslieblingen wie Apple, Amazon, Netflix u.a. der magischen Marke von 10.000 Punkten im Februar nahegekommen, dann kam der große Selloff. Und vor drei Monaten hätte wohl niemand damit gerechnet, dass er diese „magische“ Marke so schnell doch noch erreichen würde. Das gelang erstmals vor genau einer Woche. Und am Mittwoch folgten dann auch noch Anschlusskäufe, so dass die Bullen den Eindruck gewannen, dass dieser fulminante Anstieg die Akteure nicht zu Gewinnmitnahmen verleitet und die 10.000 nicht Kursziel, sondern Etappe auf dem Weg zu weiteren Rekordhochs wäre. Doch dann ging die Sache schief … oder doch nicht?

Die entscheidende Frage bleibt bislang offen: Signalisiert der Abgabedruck der vergangenen Tage das Ende der Fahnenstange oder handelt es sich nur um eine kurze Irritation, die schnell aufgefangen wird und der Anstieg dadurch sogar neue Kraft schöpft? Das hängt jetzt von zwei Aspekten ab: Beginnen viele Akteure diese 10.000er-Marke jetzt doch als Endpunkt der Rallye anzusehen und steigen weiter aus? Und was tun die großen Akteure am Terminmarkt?

Letzteres ist deswegen gerade so wichtig, weil am Freitag der „dreifache Hexensabbat“ (triple witching day) ansteht, an dem, wie alle drei Monate am dritten Freitag des dritten Monats eines Quartals, nicht nur die Optionen auf Aktien und Indizes, sondern auch die Index-Futures abgerechnet werden. Da geht es immer um gigantische Summen, die verdient … aber auch verloren werden können. Und so, wie der Nasdaq 100 in den vergangenen Wochen lief, darf man unterstellen, dass das Gros der kapitalkräftigen Akteure an der Terminbörse auf Hausse und eine Abrechnung dieser Derivate auf dem höchstmöglichen Level gesetzt hat. Würde dieser Plan durch die Abgaben der vergangenen Woche durchkreuzt, müssten diese „big player“ ihre auf Long ausgerichteten Positionierungen absichern (hedgen), indem sie Gegenpositionen auf der Short-Seite installieren, um Verluste auf der Long-Seite auszugleichen. Und das würde den Druck auf den Index noch erhöhen.

Daher darf man unterstellen, dass weitere Abgaben der „normalen“ Akteure kurzfristig die zweite Geige spielen, weil der Terminmarkt so kurz vor einem dreifachen Hexensabbat weitaus mehr bewegt und der Rest der Marktteilnehmer diesen Vorgaben einfach folgen wird. Am frühen Montagmorgen sah es so aus, als würden sich die großen Spieler am Terminmarkt in ihr Schicksal ergeben und sich umgehend absichern. Der Nasdaq 100 sackte im asiatischen Handel über den Future auf unter 9.400 Punkte durch. Aber kaum begann die Vorbörse in Europa, erholte sich der Future etwas. Kurz nach Beginn des regulären US-Handels ging die Erholung weiter, zur Sitzungsmitte in den USA hatte der Index bereits wieder die Gewinnzone erreicht. Die großen Akteure an der Terminbörse gingen unübersehbar zum Gegenangriff über, statt ihr Ziel einer Abrechnung „as high as possible“ aufzugeben. Was bedeutet:

Die 10.000 ist noch nicht verloren, auch, dass letzte Woche markierte Verlaufs-Rekordhoch von 10.155 Zählern bleibt in Reichweite. Und das Umfeld wirkt, wie so oft vor solchen wichtigen Abrechnungsterminen, unterstützend. Der wichtige Konjunkturindex der Region New York, der „New York Empire State Manufacturing Index“, fiel besser aus als erwartet. Mr. Trump versuchte, die Sorge um die wieder steigenden Infektionsraten in den USA verbal zu mindern. Und die US-Notenbank verkündete am Abend eine Ausweitung ihres Anleihekaufprogramms. Aber eines sollte man nicht außer Acht lassen:

Nasdaq 100 Chart auf Monatsbasis vom 15.06.2020, Kurs 9.776,89 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Es wäre nicht das erste Mal, dass es gelingt, Tendenzen in die „falsche“ Richtung, die so kurz vor einem solchen großen Abrechnungstermin an der Terminbörse kommen, niederzuringen. Aber sobald dieses Zugpferd ausgeschirrt ist, sprich nach diesem Freitag, müssten die Bullen wieder alleinstehen bzw. vorankommen können. Nur, wenn es gelingt, die Käufe so überzeugend zu gestalten (und bis zum Freitag auch durchzuhalten!), dass sie die in der Vorwoche noch mit Händen greifbaren Bedenken der Anleger zerstreuen, wäre das Risiko gebannt, dass der Juni so endet wie der Februar. Damals ging es zunächst, das zeigt unser langfristiger Chart auf Monatsbasis, auch hoch hinaus, aber zum Monatsende kippte der Index doch noch. Es dürfte kein Fehler sein, einen Stoppkurs um 9.450 Punkte zu platzieren, der damit knapp unter den Tagestiefs vom Freitag und Montag sowie unter der dabei beide Male verteidigten 20-Tage-Linie läge.

Nasdaq 100 Chart auf Tagesbasis vom 15.06.2020, Kurs 9.776,89 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

[symbol_link]

So richtig dynamisch war er ja nicht, dieser Ausbruch des Nasdaq 100 über sein bisheriges Allzeithoch, das er am 19. Februar bei 9.736 Punkten markiert hatte. Der technologielastige Index legte am Freitag zwar mit dem Rückenwind der verblüffend stark ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten zu, blieb in der Größenordnung des Anstiegs aber hinter Dow Jones und S&P 500 zurück. Überhaupt hatte sich der Nasdaq 100 in der abgelaufenen Woche im Vergleich zu den anderen US-Blue Chip-Indizes recht schwergetan. Im Chart auf Tagesbasis wird gut erkennbar, dass man sich mit diesem bisherigen Rekordhoch ein wenig schwertat. Was indes nicht überraschen darf.

Schließlich hat dieser Index als erster das „Prä-Corona-Level“ erreicht, obwohl die Pandemie in den USA keineswegs im Griff ist. Und obwohl man wissen kann, wenn man es denn wissen will, dass eine effektive Eindämmung der Pandemie, so sie denn gelingt, nicht heißt, dass die Wirtschaft einfach wieder durchstartet. Diese US-Arbeitsmarktdaten, die am Freitag vorgelegt wurden, vermitteln zwar genau diesen Eindruck. Aber so vieles an diesen Daten war nicht nachvollziehbar, dass zweifellos eher wenige überzeugt wurden, dass die Phase der großen konjunkturellen Aufholjagd wirklich bereits begonnen hat. Den meisten Tradern dürfte klar sein, dass dieser Break über das bisherige Rekordhoch ein gewaltiger Vorgriff auf eine konjunkturelle Wende ist, deren Zeitpunkt und Tempo noch niemand absehen kann. Dabei ließen sich solche Erwägungen vorher besser verdrängen als jetzt, denn:

Das alte Hoch ist ein Punkt, an dem man normalerweise innehält und sich hinterfragt, ob es gälte, Gewinne mitzunehmen, voll investiert zu bleiben oder sogar zuzukaufen. Denn dorthin zurück zu gelangen, das war das Ziel der Bullen über all die Wochen dieser Rallye. Jetzt ist das Ziel erreicht, automatisch folgt daher die Frage: und wie weiter? Zumal in diesem Fall gleich die nächste „magische Marke“ ansteht, die runde 10.000 Punkte-Marke. Um zu verhindern, dass die Kombination aus altem Rekordhoch und dieser großen runden Marke dazu führt, dass Gewinnmitnahmen zu- und Käufe abnehmen, bräuchte es starke Argumente.

Und die US-Arbeitsmarktdaten waren einfach zu gut, um glaubhaft zu sein. 2,5 Millionen im Mai neu geschaffene Stellen wurden gemeldet, statt, wie von den Volkswirten zuvor im Schnitt geschätzt, acht Millionen weitere, verlorene Jobs. Und das, obwohl sich in diesem Zeitraum über neun Millionen US-Bürger erstmals arbeitslos gemeldet haben – wie soll das zusammenpassen? Am Freitag konnte man mit Händen greifen, dass sich die Marktteilnehmer noch keine abschließende Meinung gebildet hatten, ob man den Daten trauen kann und wenn nicht, ob man dann nicht alles hinterfragen müsste, was an Zahlen aus Washington kommt.

Aber letzten Endes muss man nicht in die Köpfe der Anleger schauen können, um eine taugliche Basis für die eigenen Dispositionen zu erhalten. Denn diese beiden großen Chartmarken und die Art und Weise, wie sich der Nasdaq 100 dort bewegt, wird taugliche Vorgaben liefern und zeigen, wie sich das Stimmungsbild der Akteure jetzt darstellt. Entweder, es gelingt relativ zeitnah, den Ausbruch über das bisherige Allzeithoch mit einem Anstieg über die magische Marke von 10.000 Punkten zu zementieren oder es könnte schnell eng werden.

Nasdaq 100 Chart auf Monatsbasis vom 05.06.2020, Kurs 9.824,39 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Sollte der Index die steile Aufwärtstrendlinie, von der er sich zuletzt nicht mehr recht absetzen könnte, durchbrechen und danach noch die diese Linie begleitende, im Chart auf Tagesbasis dick blau markierte 20-Tage-Linie fallen, wäre der Versuch, ohne den nötigen Unterbau seitens der Rahmenbedingungen nach den Sternen zu greifen, gescheitert. Diese 20-Tage-Linie wird heute bei etwa 9.430 Punkten verlaufen. Sich auf der Long-Seite knapp darunter mit einem Stoppkurs abzusichern, wäre in jedem Fall zu überlegen. Mit einer solchen Absicherung im Rücken ließe es sich deutlich gelassener abwarten, ob dem bullischen Lager gelingt, was man vor ein paar Wochen für unmöglich gehalten hätte … oder eben nicht.

Nasdaq 100 Chart auf Tagesbasis vom 05.06.2020, Kurs 9.824,39 Punkte, Kürzel NDX | Online Broker LYNX

Den aktuellen Kurs und Chart des NASDAQ 100 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.