MDAX aktuell MDAX: 9. Monats-Schlussrekord in Folge – und das geht so weiter?

News: Aktuelle Analyse des MDAX Index

von |
In diesem Artikel

MDAX
ISIN: DE0008467416
|
Ticker: MDAX --- %

---
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zum MDAX

Der MDAX wird heute den neunten Monat in Folge einen Monats-Schlussrekord verbuchen. Blickt man auf die große Aufwärtswende 2009 zurück, stellt man fest: Damals ging es über zwei Jahre fast am Stück aufwärts. Doch die Rahmenbedingungen sind nicht die gleichen!

Charttechnisch passt alles, keine Frage. Der „Index der zweiten Reihe“ hat in den vergangenen sechs Wochen mehrfach kurze, scharfe Rücksetzer souverän wieder ausgebügelt und jeweils oberhalb der alten Rekordlevels vom Februar und April wieder nach oben gedreht, wodurch diese Zone 33.160/33.410 Punkte zu einer soliden Unterstützungszone wurde, die aktuell noch durch die Ende Oktober etablierte, mittelfristige Aufwärtstrendlinie verstärkt wird. Dass die markttechnischen Indikatoren ebenso auf Tages- wie auf Wochenbasis in der überkauften Zone rangieren, ist zwar richtig, aber der Blick auf den Chart macht klar: Da können sie sich, solange das Momentum des Trends hoch bleibt, ziemlich lange aufhalten. Allein deswegen jetzt sukzessive Positionen abzubauen, erscheint daher verfrüht.

Einen anderen Aspekt sollte man aber besser nicht außer Acht lassen: die Bewertung. Man kann es drehen und wenden wie man will, der MDAX ist ungewöhnlich teuer. Auf Basis der für 2021 geschätzten Gewinne der 60 im Index gelisteten Unternehmen käme man derzeit auf ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von knapp 40. Das wäre nicht wirklich etwas, bei dem eine Augenbraue nach oben gehen müsste, wenn die Gemengelage der aus dem Jahr 2009 gleichen würde. Das tut sie aber nur bedingt.

MDAX: Monatschart vom 29.07.2021, Kurs 35.272,92 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Das Chartbild ähnelt der aktuellen Phase durchaus, wie Sie im langfristigen, logarithmisch skalierten Monatschart sehen können: Es ging massiv abwärts, dann kam es im März 2009 zu einer vergleichbar abrupten und dynamischen Aufwärtswende wie im März 2020. Und damals ging es über zwei Jahre ohne nennenswerte Korrekturen aufwärts: bis Juni 2011. Aber die Rahmenbedingungen sind nicht dieselben, denn:

Damals waren die Gewinne der Unternehmen wirklich massiv unter Druck geraten, immerhin ging es da über anderthalb Jahre mit der Konjunktur bergab. Die Basis war fast bei null. 2020 jedoch hat die Corona-Problematik insgesamt bei den Unternehmensgewinnen nur einen überschaubaren Schaden hinterlassen. Einige Unternehmen gingen dramatisch in die Knie, so z.B. die Lufthansa und Airbus. Andere hingegen wie HelloFresh oder Medizintechnik-Unternehmen wie Carl Zeiss und Sartorius konnten 2020 sogar steigende Gewinne verbuchen. Die „Gewinndelle“ ist also diesmal weit kleiner und die Bewertung über das Kurs/Gewinn-Verhältnis dadurch schon jetzt ungewöhnlich hoch. Und:

Die Erholung damals lief zwar auch auf dem Rücken „billigen Geldes“ seitens Regierungen und Notenbanken, wurde jedoch nicht von einem vergleichbaren Inflationsproblem begleitet. Damals stiegen die Preise zwar ebenfalls mit. Aber im Vorfeld der Eurokrise, die den MDAX dann 2011 wieder drückte, hatte die deutsche Inflation gerade einmal 2,6 Prozent erreicht. Da konnte die EZB relativ gelassen bleiben und den für die Aktien-Hausse so wichtigen Geldhahn offenlassen. Aktuell sieht das hingegen anders aus: Gestern kamen die Juli-Inflationsdaten für Deutschland mit +3,8 Prozent zum Vorjahresmonat und +0,5 Prozent zum Vormonat herein. Seit Dezember sehen wir hier jeden Monat deutlich anziehende Preise zum Vormonat.

Der MDAX wurde zwar, so wie die anderen großen Indizes weltweit ebenfalls, durch eine große Zahl neu hinzugekommener Anleger massiv höher getragen. Aber der Zustrom neuer Anleger und frischen Geldes ist, vor allem, da die Löhne nicht parallel zu den Preisen steigen, endlich. Wann er endet, wann die hohe Bewertung den MDAX kippt und/oder wann die EZB klein beigeben und doch am Geldhahn drehen muss, lässt sich nicht vorhersagen. Aber klar wird dadurch:

Dass diese Hausse zu einer exakten Kopie der Phase zwischen März 2009 und Juni 2011 wird und demnach noch fast ein Jahr weitergeht, ist fraglich. Es wäre unbedingt zu überlegen, sich für den Fall des „Unerwarteten“ in Form einer Abwärtswende zu wappnen, indem man seine Positionen auf den Index knapp unterhalb der jetzt entscheidenden Unterstützungszone 33.160/33.410 Punkte mit Stoppkursen absichert. Denn die alten Hasen wissen: Das Unerwartete ist an der Börse quasi zu Hause!

MDAX: Tageschart vom 29.07.2021, Kurs 35.272,92 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX
Sie möchten an der Börse handeln?

Nutzen Sie für Ihre Börsengeschäfte ein Depot über den Online-Broker LYNX. Alles aus einer Hand: Aktien kaufen, Optionen handeln, Futures traden oder in ETFs investieren.

Informieren Sie sich hier über den Online-Broker LYNX.

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
Tageshoch
Tagestief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen


Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Vorherige Analysen des MDAX Index

In den letzten Monaten läuft der MDAX so, wie man es von einem tadellosen Aufwärtstrend erwarten darf, ohne dabei aber so steil davonzuziehen, dass dies Gewinnmitnahmen provozieren würde. Das darf gerne so weitergehen, sagen die Bullen. Wird es das?

Das wird vor allem auf zwei Dinge ankommen. Zum einen müsste die „Trenddisziplin“ erhalten bleiben: Neue Hochs werden immer wieder korrigiert, dabei entstehen sukzessiv höhere Zwischentiefs, die dann erneut zu neuen Hochs führen. Und das, ohne dass man von einer Kaufpanik sprechen könnte, weil der MDAX moderat, in ruhigen Bahnen zulegt. Bleibt das so, würde das Risiko, dass die Long-Seite zu „zockerhaltig“ würde und dies einen Selloff provoziert, überschaubar bleiben.

Zum anderen muss auf den Tisch kommen, was die Käuferseite erwartet: überzeugende Quartalsbilanzen nebst ebenso tadellosen Ausblicken auf den Rest des Jahres. Da darf es nicht allzu viele Enttäuschungen geben. Denn schon die Reaktionen auf die Ergebnisse des ersten Quartals unterstreichen, dass die Erwartungshaltung sehr hoch ist.

MDAX: Tages-Chart vom 02.07.2021, Kurs 34.462,97 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Und „billig“ ist der MDAX durchaus nicht, obgleich das bullische Lager gerne darauf verweist, dass die Gewinndynamik hier bei vielen Unternehmen höher ist als bei den Blue Chips des DAX. Was zwar stimmt, aber das gilt eben in beide Richtungen. Wenn das Wachstum nicht so dynamisch läuft und vor allem weitergeht, wie das momentan eingepreist ist, kann der Fahrstuhl auch schnell nach unten sausen. Denn schaut man sich das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) des MDAX auf Basis der geschätzten 2021er-Gewinne an (die ja erst einmal eingefahren werden müssten), liegt dieses KGV bei sagenhaften 39,6. Und dabei wurden die acht Unternehmen, die derzeit gar keinen Gewinn erzielen, nicht mitgerechnet.

Momentan liest man in einigen Börsenmedien, dass die Nebenwerte Nachholpotenzial hätten, weil sie deutlich weniger gelaufen seien als der DAX. Das stimmt … aber nur, wenn man sich einen Startzeitpunkt aussucht, für den diese Berechnung passt, nämlich entweder das Zwischentief von Ende November oder den letzten Kurs 2020. Dann läge der MDAX in der Tat hinter der Performance des DAX zurück. Allerdings nur zwei Prozent. Und misst man von Corona Crash-Tief im März 2020, läge der MDAX vorne. Daraus abzuleiten, dass jetzt aber mal die Aktien der „zweiten Reihe“ dran seien, ist ein wenig verwegen. Wer ohnehin bullisch ist, dürfte bei solchen Aussagen nicht so genau hinter den Vorhang schauen, nur:

Das sollte man besser tun, denn angesichts der offenen Frage, wie ein nachlassendes Wachstumstempo, noch skeptische Verbraucher und eine nicht angegangene Inflation auf die Unternehmen wirken, ist es zumindest fraglich, ob man auch in drei oder sechs Monaten vom MDAX sagen kann, er sei „der, der immer steigt“.

MDAX: Wochen-Chart vom 02.07.2021, Kurs 34.462,97 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Sich gegen den Fall, dass zu große Erwartungen in Enttäuschung und Abgabedruck umschlagen, mit konsequenten Stoppkursen abzusichern, wäre unbedingt zu überlegen. Bei 32.750 Punkten verläuft die übergeordnete, im März 2020 etablierte Aufwärtstrendlinie. Würde sie fallen, wären auch die Zwischenhochs vom Februar und April unterboten und das Chartbild auf einmal kritisch, daher würde sich zur Absicherung ein Level knapp darunter anbieten.

Man kann komplexe Rechenmodelle erstellen, sich die Bewertungen der 60 MDAX-Aktien einzeln anschauen, sich nächtelang den Kopf zerbrechen. Aber eigentlich ist die Antwort, ob und wie lange man beim MDAX Long sein sollte, einfach: Die Charttechnik weist den Weg.

Ja, es ist schon richtig, dass die Bewertung des MDAX auf Basis des durchschnittlichen Kurs/Gewinn-Verhältnisses der 60 dort gelisteten Aktien ungewöhnlich hoch ist. Das ist ein Risiko, das man kennen muss. Aber aus einem Risiko wird nicht automatisch ein Verkaufssignal. Solange die Mehrheit der anderen Marktteilnehmer dieses Risiko entweder ignoriert oder sich diesem nicht einmal bewusst ist, spielt es erst einmal keine Rolle. Was aber eine Rolle spielt, ist der Trend. Und da passt eben noch alles.

Im langfristigen Chartbild auf Monatsbasis sehen wir, dass der „Index der zweiten Reihe“, wie man ihn auch nennt, nur im Herbst 2020 eine kurze Auszeit nahm, die Hausse seit dem Tief im März 2020 aber ansonsten eine unglaubliche Erfolgsgeschichte ist. Von diesem Tief bei 17.715 Punkten hatte sich der MDAX zuletzt im Kurs fast verdoppelt.

MDAX: Monats-Chart vom 21.06.2021, Kurs 34.198,71 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Und rechnet man vom Hoch am 20. Februar 2020 aus, bevor Corona alles durcheinandergewirbelt hatte, notierte der Index am Freitag, als das bisherige Rekord-Verlaufshoch von 34.389 Punkten markiert wurde, immerhin stattliche 16,8 Prozent höher.

Da ist viel Hoffnung im Markt, vielleicht auch eine zu große Preise Leichtsinn. Aber erst, wenn beides aus dem Markt entweicht, wäre es Zeit, das Geld auf der Long-Seite vom Tisch zu nehmen und aufs Konto zu packen bzw. auf die Short-Seite zu wechseln. Und noch scheinen die bullischen Akteure zahlreich und entschlossen genug zu sein, um den Index höher zu tragen. Sehen wir uns dazu den Chart auf Tagesbasis an:

MDAX: Tages-Chart vom 21.06.2021, Kurs 34.198,71 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Anfang des Monats hatte sich der MDAX aus seiner breiten, vier Monate währenden Seitwärtsrange nach oben abgesetzt. Dass der Freitag, ausgerechnet der Abrechnungstag an der Terminbörse, von einem Verlaufsrekord aus zu einem bärischen Intraday-Reversal mutierte, ist zwar grundsätzlich ein Warnsignal. Aber dass die Bullen schon bei der nächstgelegenen Supportlinie in Form der 20-Tage-Linie (im Chart auf Tagesbasis blau) wieder zugriffen, zeigt: Die Kaufbereitschaft ist noch ungebrochen. Wobei ohnehin erst dann etwas anbrennen würde, wenn der Index die obere Zone der vorherigen Seitwärtsspanne, den Bereich 33.159/33.411 Punkte, auf Schlusskursbasis nach unten durchbrechen würde. Damit haben wir hier tadellose Ankerpunkte, an denen man sich hinsichtlich der Frage, wann es an der Zeit wäre, sich von Long-Trades zu verabschieden, orientieren kann. Schlusskurse unter 33.159/33.411 Punkten wären eine Grundlage, sich von aggressiven Long-Trades zu verabschieden. Wer mittelfristig agiert, sollte aber auch einen erneuten Test der unteren Begrenzung dieser alten Seitwärts-Spanne hinnehmen können. Erst, wenn diese Zone zwischen 30.534 und 30.688 Punkten fallen würde, wäre wirklich Feuer unter dem Dach, zumal diese Zone aktuell durch die wichtige 200-Tage-Linie verstärkt wird. Darunter wären Short-Trades einen Gedanken wert … solange sich der MDAX darüber hält, nicht.

34.000 erreicht, 35.000 im Visier: Während der DAX sich etwas schwertut und der TecDAX nicht vorankommt, markiert der MDAX einen Rekord nach dem anderen. Und solange man die Bullen nicht nervös macht, wären die 35.000 durchaus bis nächsten Freitag erreichbar.

Dass der Faktor Inflation ein Risiko darstellt, könnte grundsätzlich jeder Marktteilnehmer wissen. Dass die Gefahr besteht, dass das Wachstum verflacht, bevor es nachhaltig werden könnte, weil in Brüssel nicht genug unternommen wurde, um die Eurozone nach den in Relation zu den USA weit umfassenderen Einschränkungen wieder stabil auf die Schiene zu stellen, ebenso. Immerhin lag das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone in den beiden letzten Quartalen jeweils im Minus, rein vom Lehrbuch her ist die Rezession also wieder da. Trotzdem steigt der MDAX bislang immer weiter, als stünde alles zum Besten. Wieso?

Zum einen liegt das daran, dass viele MDAX-Unternehmen imstande waren, sich vom Sog der Corona-Krise effektiv zu lösen. Und für viele dieser Unternehmen bleibt auch die Perspektive bullisch. Zum anderen ist der Anteil unerfahrener Anleger, die erst in den letzten zwölf Monaten erstmals am Aktienmarkt investiert haben und daher großenteils nicht das Hintergrundwissen haben, um die Damoklesschwerter zu erkennen, die über dem Markt hängen, derzeit ungewöhnlich hoch. Und eine Gefahr, die man als solche nicht erkennt, ist keine. Zumindest zunächst nicht.

MDAX: Tages-Chart vom 08.06.2021, Kurs 33.782,97 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass das Auf und Ab des Index nur von der Relation bei Angebot und Nachfrage derer abhängt, die gerade aktiv handeln, wundert man sich über diesen Anstieg daher nicht. Wenn erfahrene und/oder große Investoren die Risiken zwar erkennen, aber einfach gut abgesichert dem Aufwärtstrend folgen und nicht aussteigen, während die weniger erfahrenen Marktteilnehmer weiter kaufen, mag die Zahl derer, die beunruhigt und skeptisch sind, zwar die der Unbesorgten übersteigen; da erstere Gruppe aber nichts tut, läuft die Hausse eben weiter. Was bedeutet:

Solange die Käufer nicht nervös werden, ist nach oben grundsätzlich nichts unmöglich. Was man dabei aber im Hinterkopf haben sollte ist: Es gibt so einiges, womit man diese Klientel nervös machen könnte, wenn man das denn „anschieben“ wollte.

Vom Faktor Inflation abgesehen ist der MDAX insgesamt bereits recht teuer bewertet: Wenn man die bisher wirklich eingelaufenen Gewinne rechnet und nicht irgendwelche Prognosen für 2022, kommt man auf ein „sportliches“ Kurs/Gewinn-Verhältnis von knapp 38. Und dabei sind die sieben MDAX-Unternehmen schon ganz herausgerechnet, die derzeit keine Gewinne erzielen. Und die Charts zeigen: Der MDAX ist aktuell nicht nur auf Tagesbasis (siehe oben) von der Markttechnik her ziemlich überkauft, sondern, was die in beiden Charts unten miteingeblendete Stochastik angeht, sogar auf Monatsbasis.

MDAX: Monats-Chart vom 08.06.2021, Kurs 33.782,97 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Würden bärische und zugleich große Akteure es wollen, gäbe es also so einiges, womit man die momentan noch unbesorgten Akteure zu Wackelkandidaten oder gar zu Verkäufern machen könnte. Denkbar ist, dass da bis zur großen Abrechnung an der Terminbörse am Freitag nächster Woche noch Waffenruhe herrscht, sofern die jetzt anstehenden US-Inflationsdaten nicht zu bärisch ausfallen. Aber wie es danach aussieht, weiß man nicht. Ein sanftes Ruhekissen ist der MDAX jedenfalls nicht. Richtig ist: Long ist da derzeit alternativlos. Aber sich konsequent mit Stoppkursen, bei aggressiven Long-Trades vorzugsweise mit Stop Loss-Verkaufsorders, abzusichern, ebenfalls. Der Vorteil: Durch den zu Monatsbeginn vollzogenen Ausbruch aus der monatelangen, breiten Seitwärtsspanne nach oben ist die vormalige Widerstandszone 33.159/33.411 Punkte zu einer Unterstützung geworden, die in Kürze auch von der heute um 32.900 Punkte verlaufenden, zügig steigenden 20-Tage-Linie verstärkt wird. Sich knapp darunter gegen das Risiko eines abrupten Abverkaufs abzusichern, kann wirklich nicht schaden.

Ruhig kommt er daher, der MDAX. Und die unmittelbare Nähe zum bisherigen Verlaufshoch macht deutlich, dass er jederzeit nach oben ausbrechen könnte. Doch diese Ruhe ist trügerisch … und ausbrechen könnte er nach beiden Seiten.

Eine ganze Reihe an Quartalsbilanzen von MDAX-Unternehmen liegt, teilweise als vorläufige Ergebnisse, bereits vor. Und großenteils waren diese Zahlen überzeugend, schlugen die Analysenerwartungen bisweilen sogar deutlich. Da könnte man mutmaßen, dass der Ausbruch des momentan Wasser tretenden MDAX nur eine Frage der Zeit, aber letztlich vorprogrammiert ist. Doch da könnte man sich täuschen.

Denn es fällt auf, dass der Index selbst zwar relativ ruhig wirkt, innerhalb des Index mit seinen 60 Aktien aber durchaus einiges in Bewegung ist. Nur wechseln die Favoriten stetig, zugleich finden sich immer wieder einige schwache Titel, die verhindern, dass an einem Tag stark laufende Aktien imstande wären, den MDAX über das bisherige Rekordhoch zu tragen. Es gibt also sehr wohl eine gewisse Unruhe im Markt. Die Trader bleiben aktiv, nur haben ihre Aktionen momentan keine klare Struktur. Und das ist eine Warnung in Bezug auf die Erwartung, der „Index der zweiten Reihe“ müsste zwingend in Richtung neuer Rekorde davonziehen. Er kann, aber er muss nicht. Denn wenn sich bereits ein Bild abzeichnet, das hinter den Ergebnissen des ersten Quartals einen grünen Haken erlaubt und der MDAX trotzdem nicht in Fahrt kommt – wann dann?

Es wirkt, als wäre das Boot des bullischen Lagers bereits recht voll, als würde nicht mehr genug Kapital nachkommen, um neue Dynamik zu erzeugen. Der April geht heute zu Ende, wird damit mal wieder ein nennenswertes Plus ausgewiesen, nachdem die ersten drei Monate des Jahres zwar relativ viel Bewegung zeigten, wie wir im Chart auf Monatsbasis sehen, aber jeweils in etwa da endeten, wo sie begannen. Denkbar, dass ein starker Monat die Käufer wieder motiviert. Aber zu sicher sollte man sich, nicht zuletzt angesichts des Umstands, dass der MDAX auf Monatsbasis mittlerweile markttechnisch überkauft ist, nicht sein. Dass Vorsicht angebracht ist, wird auch im kurzfristigen Zeitfenster bestätigt:

MDAX: Monats-Chart vom 29.04.2021, Kurs 32.756,06 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Denn auch, wenn der Index am 19. April mit 33.411 Punkten das Rekordhoch des Februars überbot, dieses neue Hoch war nicht Basis eines neuen Rallye-Schubes, sondern wurde zur Bullenfalle, die Anschlusskäufe blieben aus. Das muss in einem erneuten Ausbruchsversuch nicht erneut passieren, aber wenn, sollte man gewappnet sein.

Der Chart auf Tagesbasis zeigt, dass wie so oft die 20-Tage-Linie den Leitstrahl der Bullen stellt. Dieser gleitende Durchschnitt wurde in der vergangenen Woche getestet und gestern erneut … einen Stop Loss Long knapp unter das Zwischentief der Vorwoche, d.h. des Tiefs beim ersten Test der Linie (32.234 Punkte) zu legen, wäre zumindest für aggressive Long-Trades daher zu überlegen.

MDAX: Tages-Chart vom 29.04.2021, Kurs 32.756,06 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Denn sollte die 20-Tage-Linie einem erneuten Test nicht standhalten, wäre es keine große Überraschung, wenn der MDAX die untere Begrenzung seiner seit drei Monaten geltenden Seitwärts-Range im Bereich 30.500730.700 Punkten anlaufen würde.

Oft reicht der Arm der Terminbörse nicht bis zu Indizes wie dem MDAX. Aber diesmal war der Einfluss der am Freitag absolvierten Terminmarkt-Abrechnung deutlich zu spüren. Jetzt werden die Karten neu gemischt: Wer bekommt die besseren?

Den meisten Investoren ist klar, dass die Hausse der Aktienmärkte eine mächtige Hypothek auf das bislang noch ausbleibende Durchstarten des Wachstums bedeutet. Aber nachdem man bereits so lange und eisern auf die Wende der Rahmenbedingungen gesetzt hat, bräuchte es schon neuer, negativer Argumente, um die Trader von ihrem bisherigen Kurs abzubringen.

Dabei spielen erneute Lockdowns oder neue Enttäuschungen beim Impf-Fortschritt eine weit geringere Rolle als die jetzt sukzessiv einlaufenden Unternehmensbilanzen und ggf. angepasste Ausblicke auf das Gesamtjahr. Denn natürlich wissen die Anleger, dass die Gesamtwirtschaft und die Entwicklung der einzelnen Unternehmen sehr unterschiedlich laufen können. Was vor allem auf zwei Faktoren basiert:

MDAX: Tages-Chart vom 16.04.2021, Kurs 33.263,21 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Zum einen sind viele der 60 im MDAX gelisteten Unternehmen sogenannte „Export-Weltmeister“, da ist es nicht unbedingt entscheidend, ob Deutschland gerade in Sachen Wachstumsdynamik innerhalb der Eurozone durchgereicht wird, wenn andere Regionen in Europa, Asien und die USA wieder in Fahrt kommen und diese Unternehmen einen starken Exportanteil in diese Regionen haben.

Zum anderen kommt es darauf an, wie schnell und effektiv sich die Unternehmen auf die komplexen Herausforderungen des Corona-Jahres 2020 eingestellt hatten und wie nachhaltig Restrukturierungen, Rationalisierungen und Investitionen wirken. So manches MDAX-Unternehmen hat da ganze Arbeit geleistet, so dass in der Tat die Chance besteht, dass viele MDAX-Aktien weiter bullische Perspektiven haben. Vorausgesetzt, die jetzt anstehenden Bilanzen bestätigen das.

Damit kommt den kommenden zwei bis drei Wochen besondere Bedeutung zu. Klar ist, bei einem Index auf Rekordhoch, dass in den Kursen ein „Best Case“-Szenario steckt, was bedeutet, dass selbst ein „wie erwartet“ bei zu vielen Bilanzen ausreichen kann, um eine Korrektur auszulösen. Hinzu kommt, dass man mit Händen greifen konnte, dass der Run des Index an und leicht über das vorherige, im Februar bei 33.159 Punkten markierte Rekordhoch zu großen Teilen auf die Aktivitäten großer Akteure am Terminmarkt mit Blick auf die am Freitag absolvierte Abrechnung der April-Optionen zurückging. Was bedeutet:

MDAX: Monats-Chart vom 16.04.2021, Kurs 33.263,21 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Die derzeit einlaufenden Vorab-Meldungen der Unternehmen zum ersten Quartal müssen die Marktteilnehmer motivieren, am Ball zu bleiben, idealerweise zuzukaufen, um zu verhindern, dass das neue Verlaufshoch, welches der MDAX am Freitag markierte, zur Bullenfalle wird. Allerdings sind die bislang eingelaufenen Vorab-Meldungen in der Tat vielversprechend: Gerade bei Publikumslieblingen wie z.B. Shop Apotheke, HelloFresh oder Sartorius gab es in den letzten Tagen und Wochen gute Nachrichten. Die Chance, dass das bullische Lager ab Montag, wenn das Thema Terminmarkt-Abrechnung vom Tisch ist und die Karten neu gemischt werden, erneut ein gutes Blatt in Händen hält, ist also da. Aber da unstrittig ist, dass man da hoch pokert, sollte in jedem Fall mit konsequenten Stoppkursen auf der Long-Seite agiert werden. Aktuell wäre die heute bei 32.230 Punkten ankommende 20-Tage-Linie eine sinnvolle Orientierung. Sobald es dem MDAX gelingen sollte, sich mindestens um ein Prozent über das Februar-Hoch von 33.159 Zählern nach oben abzusetzen, wäre es zu überlegen, den Stop Loss knapp unter dieses alte Hoch nachzuziehen.