MDAX Prognose MDAX: Mini-Doppeltopp unterhalb massiver Widerstände!

News: Aktuelle Analyse des MDAX Index

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Rechtzeitig zum Quartalsende gelang es, ein massives, langfristig relevantes Short-Signal beim MDAX abzuwenden. Der Index verteidigte die 1.000-Tage-Linie und zog wieder über das „Prä Corona“-Hoch vom Februar 2020 an. Aber Vorsicht, bullisch ist er deswegen noch nicht!

Ein wenig hat bei diesen Käufen der letzten drei Wochen sicher geholfen, dass der MDAX nicht mehr so sehr der Index der Automobilzulieferer und Maschinenbauer ist wie in früheren Jahren. Diese massiv währungs- und exportabhängigen Aktien hatten schon seit Jahren Druck erfahren. Und was zu weit fällt, steigt aus dem Index ab. Jetzt sind es mehr Software- und Immobilienunternehmen, die den MDAX prägen. Aber auch die sind nicht gegen eine sich sukzessiv eintrübende wachstumsperspektive der Gesamtwirtschaft gefeit.

Wenn wir uns den ganz langfristigen Chart auf Monatsbasis ansehen, stellen wir fest, dass der MDAX in diesem jetzt beendeten März scheinbar zunächst keine Chance zu haben schien, um einen Test der übergeordneten, vor 13 Jahren etablierten Trendlinie bei 22.400 Punkten herumzukommen. Doch dann folgten zwei Wochen immenser Käufe, in denen über die Hälfte der Kursverluste seit Jahresbeginn wieder aufgeholt wurden.

MDAX: Monats-Chart vom 31.03.2022, Kurs 31.011,71 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Da diese Käufe vor allem mit der Hoffnung begründet wurden, dass sich die Lage im Ukraine-Konflikt durch Verhandlungen zeitnah würde beruhigen lassen und damit die Folgen der Sanktionen gemildert und die Energieversorgung sichergestellt würde, beides aber nicht eintrat, hängt diese Rallye jetzt argumentativ in der Luft. Die Kurse liefen, die Rahmenbedingungen aber kamen nicht mit.

Den aktuellen Kurs und Chart des MDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Und jetzt? Jetzt müsste der nächste Schritt gelingen, indem die entscheidende Widerstandszone bezwungen wird, die den Übergang von einem reinen Reduzieren massiver Verluste hin zu einem bullischen Signal bedeuten würde. Der Chart auf Tagesbasis zeigt, worum es dabei geht:

Wir sehen hier einen Widerstandsbereich, der sich in zwei Zonen aufteilt. Für ein mittelfristig relevantes, bullisches Signal sollte der MDAX über die Zone 33.160/33.780 Punkte laufen und damit das Dreifach-Topp, das bereits im Januar vollendet wurde, egalisieren. Gelingt das, wäre der Weg nach oben wieder frei. Aber an diesen Resistance-Bereich müsste er erst einmal herankommen.

Zunächst müsste der MDAX dazu den Bereich zwischen 32.000 und 32.350 Punkten überwinden, dort kreuzen sich Januar-Verlaufstief, kurzfristige Abwärtstrendlinie und die Nackenlinie der größeren der beiden Toppformationen, die Ende Februar vollendet wurden. Herangelaufen ist er zwar an diese Zone. Aber kaum war er dort angelangt, war es mit der Aufwärtsdynamik vorbei. Seither läuft er seitwärts, wobei Sie im Chart sehen, dass er dabei ein „Mini-Doppeltopp“ ausgebildet hat. Ein weiterer schwacher Tag, und diese kleine Abwärtstrendwende-Formation wäre vollendet und der Angriff auf diese vorgelagerte Widerstandszone abgewiesen. Sollte der MDAX daraufhin die nächstgelegene Auffanglinie, die 20-Tage-Linie, die gestern bei 30.675 Punkten notierte, auf Schlusskursbasis unterschreiten, würde sich auf der Unterseite erst einmal keine Zone oberhalb des März-Tiefs als potenzielle Unterstützung aufdrängen. Gut möglich also, dass die Short-Seller blitzschnell zurückkehren, sollte der MDAX diese noch in Reichweite liegende Widerstandszone 32.000/32.350 Punkte nicht zeitnah doch noch bezwingen!

MDAX: Tages-Chart vom 31.03.2022, Kurs 31.011,71 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen des MDAX Index

Runter geht es immer schneller – das gilt auch für den Aktienmarkt. Der MDAX hat in wenigen Wochen den gesamten Anstieg des Jahres 2021 verloren. Jetzt ist eine Linie gefallen, deren Verteidigung den Index hätte stabilisieren können … der Weg der Bären bleibt vorerst frei.

29.438 Punkte, das war das Rekordhoch des MDAX im Februar 2020, bevor der „Corona-Crash“ den Index der zweiten Reihe binnen weniger Wochen förmlich zertrümmert hatte. Doch danach wurde der Index zum Phönix aus der Asche. Vom Tief bei 17.715 Punkten am 19. März 2020 stieg er bis zum 2. September 2021 auf 36.429 Zähler. Ein Anstieg von gut 105 Prozent in etwas weniger als anderthalb Jahren. Damals, im März 2020, war keineswegs klar, dass die Käufer das Richtige taten, trotzdem griffen sie zu. Heute hoffen viele, dass es genauso laufen wird. Aber ist diese Hoffnung realistisch?

Die Rahmenbedingungen sind jedenfalls ziemlich unterschiedlich und in der aktuellen Situation deutlich problematischer als vor knapp zwei Jahren. Sicher, Corona war zu diesem Zeitpunkt eine absolut nicht eingrenzbare Bedrohung, niemand wusste im März so recht, wie das ausgehen würde. Aber es geht, wenn man die Erfolgschancen ermitteln will, dass aus einer Gegenbewegung eine Aufwärtstrendwende wird, ja nicht um den Zeitpunkt der ersten Käufe. Denn den Anfang machen sowieso, von der Masse der Käufe her, die Bären, nicht die Bullen. Im März 2020 hatte der DAX auf einer historisch bedeutsamen Unterstützung aufgesetzt. Viele Bären nahmen daraufhin ihre Short-Gewinne mit, was die Kurse immer nach oben zieht. MDAX und TecDAX liefen da einfach mit. Erst danach entscheidet sich, ob eine solche Rallye in sich zusammenfällt und neue Tiefs entstehen … oder sie zur Basis einer Aufwärtswende wird. Und dazu gab es damals mehrere Aspekte, an denen die Trader sich klammern konnten:

MDAX: Wochen-Chart vom 04.03.2022, Kurs 28.858,53 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Zum einen die Erwartung, dass die Notenbanken Märkte und Wirtschaft als Ausgleich für die Lockdowns mit noch mehr billigem Geld fluten würden. Zum anderen die feste Erwartung, dass diese Corona-Problematik zwar heftige, unberechenbare Auswirkungen haben, dafür aber durch Impfstoffe auf der Zeitachse endlich sein würde. Heute sieht das Umfeld anders aus:

Expertenmeinung: Derzeit drückt deutlich mehr auf Markt und Unternehmensgewinne als damals. Materialmangel, Inflation, Zinserhöhungen, die Russland-Sanktionen. Und vor allem der Umstand, dass jetzt nicht mit noch mehr Geld durch die Notenbanken zu rechnen ist, sondern im Gegenteil mit dem Zudrehen des Geldhahns, lässt die Anleger zu Recht zweifeln, dass es zu einer Wiederholung des historisch gesehen ja fast einzigartigen Szenarios von 2020 kommt und der MDAX einfach auf dem Absatz kehrt macht. Natürlich könnte es jederzeit zu einer Eindeckungs-Rallye kommen. Doch dazu sollten zwei Dinge passen:

Der MDAX müsste eine wichtige Unterstützung erreichen, die eine Basis für Eindeckungen von Short-Trades als Initialzündung einer nennenswerten Aufwärtsreaktion sein könnte. Und die Short-Seller, sprich die „Bären“, müssten in ausreichender Zahl glauben, dass diese Unterstützung halten wird. Denn wenn sie daran zweifeln, im Gegenteil gute Chancen sehen, dass die infrage kommende Linie fällt und sich der Abstieg dadurch noch intensiviert, würden sie ja nicht eindecken, sondern ihre Short-Trades im Gegenteil noch verstärken. Was dann auch für die normalen Investoren gälte, die im Vorfeld geplante Käufe sofort sausen lassen wenn sie sehen, dass diese Linie nicht gehalten wird. Genau das ist am Freitag passiert.

Wichtige Chartmarken sind immer auch nervliche Ankerpunkte. Daher war dieses oben genannte 2020er-Hoch 29.438 Punkten eine kritische Marke. Dass der MDAX da am Freitag durch das herbe Tagesminus von 4,86 Prozent deutlich hindurch rutschte, kann daher Akteure, die im Fall eines Haltens dieser Unterstützung mit Käufen schnell bei der Hand gewesen wären, sogar zum Abbau noch bestehender Positionen oder zu Short-Trades animieren. Aber Vorsicht ist da natürlich geboten, denn:

Das ist der Stand per Freitagabend. Je nachdem, ob es bis zum Handelsstart am Montag um 9 Uhr seitens der Nachrichtenlage zu positiven oder negativen Impulsen kommt, kann das die jetzt erst einmal klar in Richtung Bären weisende Waagschale deutlich in Wallung bringen. In Phasen wie diesen gilt „alles kann, nichts muss“. Allerdings derzeit dennoch mit klaren Vorteilen für die Short-Seite.

MDAX: Tages-Chart vom 04.03.2022, Kurs 28.858,53 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Die Käufer haben es geschafft, den MDAX an die charttechnische Zone zurückzuziehen, unter der sich noch einmal fast zehn Prozent weiteres Abwärtspotenzial ergeben hätte. Aber damit ist der Index noch nicht bullisch. Was muss gelingen, um die Kuh vom Eis zu kriegen?

Die Käufer agierten verbissen, stur und für die vergangene Woche gesehen auch erfolgreich. Zu Wochenbeginn sah es noch so aus, als würde der MDAX einfach immer weiter nach unten durchgereicht, denn am Montag fiel die wichtige Supportzone 33.160/33.410 Punkte, wodurch ein großes, ab dem Sommer entstandenes Topp vollendet wurde. Und der Bruch dieser Unterstützungszone war signifikant, so dass man fürchten musste, dass die nächstliegende Auffangzone von Bedeutung, der Bereich 30.500/30.600 Punkte, nicht nur erreicht, sondern womöglich auch sehr schnell angesteuert und gebrochen würde.

Und die Stimmung sprach für die Verkäufer bzw. die Short-Seller. Immerhin hatte man da noch die US-Notenbankentscheidung vor der Brust, zudem drohte eine Eskalation in Sachen Ukraine. Doch bereits im Vorfeld der „Fed“-Entscheidung am Mittwoch regte sich erste Gegenwehr: Die Kurse zogen am Mittwochvormittag bereits an. Die Käuferseite wurde zwar zurückgeworfen, nachdem man an der Wall Street dasselbe tat, die Gewinne dort aber nach der US-Notenbankentscheidung abverkauft wurden. Doch man zog den MDAX am Donnerstag einfach erneut aus anfänglichem Minus ins Plus. Und das gelang auch am Freitag, als ein zeitweise größerer Verlust zum Handelsende in einen kleinen verwandelt wurde.

Eine reife Leistung, die dazu führte, dass diese Nackenlinie des Topps bei 33.160/33.410 Punkten fast wieder erreicht wurde und der MDAX auf Wochenbasis einen „Hammer“ in den Candlesticks ausbildete.

MDAX: Wochen-Chart vom 28.01.2022, Kurs 33.074,81 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Zwar einen mit rotem Kerzenkörper, d.h. es reichte nicht, ihn über den Level des Wochenstarts hinaus zu ziehen, aber immerhin schloss der MDAX knapp 1.100 Punkte über dem Wochentief. Aber was bedeutet das letztendlich?

Expertenmeinung: Es bedeutet, dass man sich auf der Short-Seite jetzt vorsehen sollte, weil damit deutlich wurde, dass die Bullen noch nicht aufgegeben haben und scheinbar auch noch die nötigen Barreserven haben, um Gegenwehr zu leisten. Es bedeutet aber nicht, dass sie bereits gewonnen hätten und der MDAX schon wieder bullisch wäre.

Davon mal abgesehen, dass man nie wissen kann, ob diese für solche „Rettungskäufe“ nötigen Cash-Bestände noch mehr Gegenangriffe erlauben oder womöglich schon fast aufgebraucht sind, hatten die Käufer den Vorteil, dass Short-Seller, die angesichts der plötzlich aufwärts drehenden Notierungen ihre Gewinne sicherten, durch solche „Eindeckungen“ unfreiwillig mithelfen, die Kurse nach oben zu ziehen. Aber zum Schwur kommt es halt erst jetzt. Denn eine Gegenbewegung kommt immer wieder vor, egal, wie dynamisch ein Abwärtstrend auch sein mag, aber:

Die Chance, die Sache wirklich zu bereinigen, wieder freie Bahn nach oben zu haben, eröffnet sich erst, wenn der MDAX auch Widerstände überwindet. Denn ob das bärische Lager sich nur kurz zurückgezogen hat und die Gegenbewegung quasi „durchwinkt“ oder aber tatsächlich genug Akteure wieder auf die Long-Seite gewechselt haben, zeigt sich erst an Charthürden, die normalerweise von den Short-Sellern konsequent verteidigt werden. Und die liegen wo?

Das sehen wir im Chart auf Tagesbasis. Der MDAX müsste nicht nur die jetzt einigermaßen gehaltene Zone 33.160/33.410 Punkte zurückerobern, sondern in jedem Fall auch die 20-Tage- und vor allem die 200-Tage-Linie auf Schlusskursbasis bezwingen, um wieder als bullisch eingestuft zu werden. Letztere verläuft aktuell bei 34.500 Punkten … bis zur Aufwärtswende wären also noch über 1.400 Punkte nach oben zurückzulegen. Und wenn das bärische Lager diese Zone aktiv verteidigt, wird das für die Käufer ein schwerer Gang. Bislang sehen wir hier also nur eine Gegenbewegung innerhalb eines Abwärtsimpulses!

MDAX: Tages-Chart vom 28.01.2022, Kurs 33.074,81 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Ist die „Omikron“-Mutation gefährlicher oder ungefährlicher für den Menschen? Die Antwort auf diese Frage ist entscheidend. Aber bis sie kommt, kann es zwei, drei Wochen dauern. Aber die Anleger müssen beim MDAX jetzt handeln. Daher ist entscheidend, wer da kauft!

Angenommen, Omikron würde eine höhere Gesundheitsgefährdung bedeuten als die aktuell dominierende Delta-Variante, hätte die Welt ein ernstes Problem, denn auch, wenn einige Impfstoffhersteller erklären, dass man binnen ca. drei Monaten einen angepassten Impfstoff entwickeln könne: In drei Monaten kann viel passieren. Und herstellen und verteilen muss man ihn dann auch noch. Sollte Omikron den menschlichen Körper jedoch weniger attackieren als Delta, wäre das ein immenser Glücksfall. Nur weiß man das eben nicht, denn dass man bislang nur milde Verläufe gesehen hat, hat noch nicht viel zu sagen, da die meisten Infizierten jung sind und nicht wenige bereits schon einmal mit Corona infiziert waren. Man muss es einfach abwarten. Aber wer am Aktienmarkt engagiert ist, muss jetzt Entscheidungen treffen.

Entscheidungen unter Unsicherheit … eigentlich ist das ja des Anlegers täglich Brot, denn die Zukunft ist nun einmal immer ungewiss. Aber normalerweise behelfen sich Anleger dadurch, dass sie sich eine Meinung darüber bilden, wie es weitergeht und entsprechend dieser Linie agieren. Das sah man gestern beispielsweise an der Reaktion auf die Vorab-Berechnung der deutschen Inflation für November. Die lag zwar mit 5,2 Prozent zum Vorjahresmonat über den Prognosen der Volkswirte (Eurozone-harmonisiert mit +6,0 Prozent erst recht).

Aber viele verlassen sich darauf, dass die EZB Recht behält und sich das Problem bald von alleine erledigen wird. Die EZB lag zwar mit ihren Voraussagen in Bezug auf Wachstum und Inflation zuletzt immer daneben. Aber was den meist ausschließlich Long agierenden Marktteilnehmern da versprochen wird, ist genau das, was sie hören wollen. So etwas glaubt man gerne auch mal unbesehen. Bei Corona ist das anders.

Noch ist die Inflation in einem Rahmen, den viele nicht massiv im Geldbeutel spüren. Strom oder Gas laufen meist über im Vertrag für ein Jahr fixierte Preise, die neuen Abschläge sind noch nicht da, das wirkt alles relativ weit weg. Einen Lockdown oder andere Verschärfungen, die hat man indes direkt vor der Nase. Das provoziert Reaktionen. Reaktionen wie die nahezu panisch wirkenden Verkäufe am vergangenen Freitag. Und wie die Käufe des Montags. Die Frage ist: Welches von beidem ist hier die Eintagsfliege?

Expertenmeinung: Da bewegen wir uns im Bereich von „behavioural finance“, der Lehre, die sich mit „Börsenpsychologie“ befasst. Wie gesagt: Ob sich die Omikron-Mutation als fatal oder im Gegenteil als ideal erweisen wird, wird wohl frühestens in zwei Wochen tauglich erkennbar sein. Bis dahin bewegen sich die Marktteilnehmer in dichtem Nebel. Was dazu führen wird, dass sie danach handeln, was sie als wahrscheinlicher ansehen. Ohne Daten als Fundament wird es also darum gehen, ob Optimismus oder Pessimismus stärker vertreten sein werden.

Dabei kann es zwar sein, dass neue Konjunkturdaten oder Statements von Unternehmen zum laufenden, von explodierten Erzeugerpreisen und gerissenen Lieferketten beeinträchtigten Quartal mit ins mentale Boot genommen werden. Aber es muss nicht. Wenn die Stricke der Bullen reißen, ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass zuvor erfolgreich verdrängte, negative Aspekte schlagartig ins Bewusstsein zurückkehren. Aber wenn es gelingt, diese Stricke zu stabilisieren, kann es gut sein, dass man weiterhin so tut, als würden alle anderen Probleme entweder nicht existieren oder von alleine verschwinden. So weit, so gut, aber was wird sich denn nun durchsetzen?

Da man den Menschen nicht in die Köpfe schauen kann und die meisten in Phasen wie diesen ohnehin heute noch nicht wissen, wozu sie sich morgen entscheiden, muss man gar nicht erst versuchen, sich dahingehend den Kopf zu zerbrechen. Besser ist es, konsequent auf den Chart zu schauen. Denn letztlich sind es ja die Kurse, die ausweisen, in welche Richtung sich das Pendel bewegt. Und da sehen wir beim MDAX eine Situation, in der jetzt eine Entscheidung fallen muss, weil die nicht zwei oder drei Wochen warten kann. Denn der MDAX ringt um seine 200-Tage-Linie. Und damit steht hier eine Weichenstellung an, bevor die Fakten geliefert werden können, anhand denen man absehen könnte, welche Richtung von dieser Linie aus eigentlich die richtige wäre.

Sie sehen in den Charts auf Tages- und Wochenbasis gleichermaßen, dass dem MDAX eine markante Trendwendeformation in Form eines Doppeltopps droht. Dessen Nackenlinie wäre die Supportzone 33.159/33.411 Punkte. Aber ihr vorgelagert verläuft eben diese 200-Tage-Linie bei ziemlich genau 34.000 Punkten. Am Freitag wurde sie zwar knapp unterboten, aber das war noch keineswegs signifikant. Als diese Linie im Oktober getestet wurde, schloss der Index auch zweimal knapp darunter, nach fünf Tagen zähen Ringens gelang es trotzdem, die Kurve nach oben zu kriegen.

MDAX: Tages-Chart vom 29.11.2021, Kurs 34.052,04 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Das führte zu einem Anlauf an das Anfang September bei 36.429 Punkten markierte Rekordhoch. Doch dieser Anlauf scheiterte, was den MDAX jetzt in diese kritische Situation gebracht hat. Und das macht klar: Bullen und Bären können und werden nicht warten, bis klar wird, wie sich die Sachlage bei Omikron darstellt. Und da eine Entscheidung an einer derart wichtigen Linie imstande ist, das Meinungsbild zu beeinflussen, Hoffende in Pessimisten zu verwandeln oder umgekehrt, ist dieser Test eine sinnvolle Entscheidungsgrundlage für Trader, die jetzt vor der Frage stehen: rein … oder raus?

Da die eigentliche Nackenlinien-Zone des jetzt ja noch nicht vollendeten Doppeltopps bei 33.159/33.411 Punkten liegt, sollte man aber diese Zone und nicht die 200-Tage-Linie als Basis der Entscheidung wählen. Denn der Bereich von 33.159/33.411 Punkten würde ja als Rettungsanker fungieren, falls die 200-Tage-Linie bricht. Erst unter 33.000 Punkten würde der MDAX ein bärisches Signal auf mittelfristiger Ebene abliefern.

Auf der Oberseite wäre ein wirklich signifikantes Schließen der am Freitagmorgen entstandenen Abwärts-Kurslücke ein bullisches Signal, dem sich viele Trader wohl anschließen würden. Auch da sollte man nicht zu voreilig agieren: Erst, wenn auch das Hoch des Vortages, d.h. des Donnerstags, mit Schlusskursen über 35.070 Punkten überboten wäre, ließe sich unterstellen, dass die Bullen wieder die Kontrolle haben.

Aber Vorsicht: Da diese Sache mit Omikron erst später Fakten liefern dürfte, muss man auch nach einer charttechnisch klar wirkenden Entscheidung weiterhin auf Überraschungen gefasst sein!

MDAX: Wochen-Chart vom 29.11.2021, Kurs 34.052,04 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Seit fünf Tagen versucht man sich beim MDAX an einer Stabilisierung auf Höhe der wichtigen 200-Tage-Linie, die zudem mitten in einer mittelfristig relevanten Supportzone liegt. Das wäre eine perfekte Basis für eine Rallye – aber wehe, wenn das schiefgeht. Und noch ist alles offen!

Nach dem Ende September erfolgten Bruch der mittelfristigen, im März 2020 etablierten Aufwärtstrendlinie hielten sich die Käufer unübersehbar zurück. Das änderte sich in dem Moment, als der MDAX die nächste wichtige Unterstützungszone erreichte: Die Zone zwischen 33.160 und 33.650 Punkten, bestehend aus den Hochs der Monate Februar und April, dem Juni-Tief und, am wichtigsten von allen Linien, aus der 200-Tage-Linie.

Hier geht es seit mittlerweile fünf Handelstagen hin und her. An jedem dieser Tage stand die 200-Tage-Linie im Feuer, gestern gelang es erstmals, sie etwas mehr als ein halbes Prozent unter dem Schlusskurs zu lassen. Grundsätzlich ist das eine perfekte Basis für eine Rallye, nicht zuletzt mit Blick auf den RSI-Indikator, der auf Tagesbasis die überverkaufte Zone erreicht hatte. Und man sieht an den Tiefs der letzten Tage, die präzise auf der unteren Begrenzung dieser Auffangzone liegen, dass die Trader diesen Bereich klar als Entscheidungszone erkennen. Aber mit dem gestrigen Schlusskurs ist die obere Begrenzung dieser Unterstützungszone nur erreicht, nicht bereits überboten worden. Und damit ist der Dienstag zwar ein Matchball für die Bullen, aber der muss eben erst einmal verwandelt werden.

Expertenmeinung: Und dafür reicht es nicht, sich aus der Zone 33.160/33.650 Punkte knapp heraus zu kämpfen. Die Mindestanforderung dafür, den MDAX wieder als bullisch einstufen zu können, ist ein Schlusskurs über 34.510 Punkten. Dort lag das Tief vom 20. September, als der Index die mittelfristigen Aufwärtstrendlinie zunächst noch hatte verteidigen können. Schlusskurse über diesem Zwischentief würden zugleich einen Schlusskurs über der für kurzfristige Trader wichtigen 20-Tage-Linie bedeuten. Erst dann ließe sich unterstellen, dass die aktuellen Bemühungen erfolgreich waren und so das Fundament für eine Rallye Richtung Jahresende geschaffen wurde.

Chart vom 12.10.2021, Kurs 33.624,67 Punkte, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Ein entscheidender Grund, momentan lieber ein bisschen zu vorsichtig als zu wagemutig zu sein und einen Beleg für eine Aufwärtswende einzufordern, liegt in den Rahmenbedingungen. Materialknappheit, massiv steigende Produktionskosten, Transportprobleme: Diese Symptome des „Flaschenhalses“ treffen vor allem exportlastige Unternehmen und Zulieferer. Und von denen wimmelt es im MDAX. Dass sich Umsatz- und Gewinnwarnungen bislang in Grenzen halten, sollte dabei nicht dazu führen, die MDAX-Unternehmen als nicht betroffen zu wähnen. Denn im jetzt beendeten, dritten Quartal hatten diese Schwierigkeiten erst ihren Anfang genommen. Wichtiger als der Blick zurück im Rahmen der in den kommenden Wochen beginnenden Flut der Quartalsbilanzen ist daher der Blick nach vorne, sind die Perspektiven, die die Unternehmen für das angelaufene vierte Quartal und das Gesamtjahr vorlegen werden.

Nicht wenige im bullischen Lager dürften ahnen, dass da Ungemach ansteht … die Bären nicht minder. Besser wäre es daher abzuwarten, ob die Verteidigung der Auffangzone 33.160/33.650 Punkte nicht nur gelingt, sondern ob auch Anschlusskäufe kommen, die die nächsten Hürden zu nehmen imstande sind!

Monatelang gelang es, schnelle, scharfe Rücksetzer sofort zu drehen und neue Allzeithochs zu erreichen. Doch jetzt sieht das Chartbild des MDAX kritisch aus. So schwer haben sich die Bullen in diesem Jahr noch nicht getan, die Sache zu drehen – diesmal könnten sie scheitern.

Das Chartbild sieht kritisch aus. Die Situation erinnerte bisher an die April/Mai-Korrektur. Es ging damals einige Wochen lang eher moderat abwärts, doch als die Abgaben dynamischer wurden, bliesen die Bullen zum Gegenangriff, drehten den MDAX und schafften es binnen weniger Wochen, das vorherige Rekordhoch zu überwinden. Das Drehen des Index lief damals recht schnell und reibungslos ab, das galt auch für die Rücksetzer davor und danach. Diesmal läuft es anders.

Der Chart auf Tagesbasis zeigt, dass man zwar am Mittwoch nach dem am Vortag erfolgten Bruch der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie versuchte, das Ruder herum zu reißen.

MDAX: Tages-Chart vom 30.09.2021, Kurs 34.369,69 Euro, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX

Aber dieser Versuch wurde abverkauft. Dass die Wende nicht im ersten Anlauf gelingt, ist indes keine Seltenheit, daher griffen die Käufer am gestrigen Donnerstag unbeeindruckt erneut zu. Doch auch dieser Versuch, den Index zu stabilisieren und schnell wieder über die Trendlinie zu heben, ging schief. Und das ist ungewöhnlich. Was ist jetzt anders als in den Monaten zuvor?

Expertenmeinung: Ist es langsam zu viel geworden, was man an Risiken beiseiteschieben muss, um in fallende Kurse hinein ein ums andere Mal beherzt zuzugreifen? Ist es die Angst davor, dass der wankende chinesische Immobilienmarkt entgegen der Beteuerung vieler doch Stoßwellen aussenden könnte, die das ohnehin wacklige deutsche Wachstum, von Inflation und „Flaschenhals“ gebeutelt, ins Gegenteil verkehren? Möglich ist es.

Aber vielleicht braucht es das Damoklesschwert China nicht einmal mehr. Immerhin hatten viele bei den MDAX-Aktien zugegriffen, weil sie sicher waren, dass die durch Corona freigesetzte Geldflut für rasant steigende Unternehmensgewinne sorgen würde, befeuert durch ein starkes und zugleich stabiles Wachstum auf Basis eines kräftig anziehenden Konsums. Aber je älter das Jahr 2021 wird, desto deutlicher wird, dass es so nicht laufen wird. Und wenn man sich die Charts ansieht, stellt man fest: Der MDAX ist gegenüber Ende 2020 trotzdem noch weit in der Gewinnzone. Es kann also allemal sein, dass diese schon verdächtig lange Schwächephase dazu führt, dass sich mehr und mehr Akteure sagen: Wer zuerst verkauft, bekommt noch die besten Kurse.

Sollte der Index sich nicht heute glaubwürdig fangen, sondern im Gegenteil noch weiter nachgeben, besteht die Gefahr, dass sich die Verkäufe deutlich intensivieren. Nachdem der MDAX das Vorwochentief (im Gegensatz zum DAX) bereits unterboten hat, könnten viele Akteure nach einem schwachen September auf die wichtige, durch die 200-Tage-Linie verstärkte Supportzone 33.160/33.650 Punkte starren und diese als potenziellen Einstiegspunkt definieren. Das wäre, immer vorausgesetzt, die Bullen bekämen heute erneut nichts zuwege, das nächste Kursziel. Und würde es erreicht, ginge es sofort um die mittelfristige Tendenz, d.h. dann wird es hier erst richtig spannend!

MDAX: Monats-Chart vom 30.09.2021, Kurs 34.369,69 Euro, Kürzel MDAX | Online Broker LYNX