Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.


Börse aktuell vom 19.-25.02.2024

Kann man Risiken an der Börse wirklich „wegkaufen“?

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Im Herbst waren die Bullen angetreten, den Deckel von den großen Indizes zu stoßen. Im Gepäck: Eine Art „Best Case-Szenario“, das den Hausse-Impuls unterfüttern sollte. Doch während dieses Szenario sich immer mehr verflüchtigt, steigen die Kurse weiter, weil jede negative Nachricht nur kurz wirkt und dann durch erneute Käufe umgehend egalisiert wird. Kann das auf Dauer gutgehen?

Gleich vorweg ließe sich eines festhalten. Dass es geht, sehen wir ja. Die negativen Nachrichten der vergangenen Woche in Form der US-Verbraucher- und Erzeugerpreise wurden ebenso entschlossen wie erfolgreich „weggekauft“, wie der unten folgende Chart des Nasdaq 100 auf 60-Minuten-Basis über zwei Wochen zeigt.

Und ob das auf Dauer gutgeht, kommt zwar grundsätzlich darauf an, ob die sich momentan für eine Aktien-Hausse eigentlich eintrübenden Rahmenbedingungen rechtzeitig besser werden, um das erreichte Kursniveau nachträglich zu unterfüttern und ob eine ausreichende Zahl an Akteuren so lange die Finger vom Exit-Button lässt und im Gegenteil fleißig weiter kauft, bis das der Fall ist. Da wir das aber nicht sicher wissen können, müsste man die Frage, wie lange das noch funktioniert, ohne Antwort lassen. Nur:

Börse aktuell: Wegkauf negativer Nachrichten im Nasdaq 100 im Februar 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Wegkauf negativer Nachrichten im Nasdaq 100 im Februar 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Das macht auch nichts, denn das ist gar nicht der Knackpunkt dafür, dass man derzeit so beflissen dabei ist, negative Reaktionen auf negative Nachrichten „wegzukaufen“. Da geht es nicht um einen längerfristigen Horizont, sondern um eine kurzfristige Ebene. Diejenigen, die da beteiligt sind, lassen sich grob in drei Gruppen aufteilen:

Drei Gruppen als „Mitwirkende“ … die einen bewusst, die anderen nicht

Die einen wissen gar nicht, was sie da machen, weil sie stur Vorgaben auf chart- und markttechnischer Ebene befolgen und nicht nachdenken: Das sind computergesteuerte Handelsprogramme, die Rücksetzer gegen einen noch intakten Trend eben kaufen.

Dann wären da Privatanleger, die sich vom Sog neuer Rekorde mitreißen lassen. Entweder, weil sie gar nicht wissen, wie sich die zugrundeliegende Lage darstellt, ob der Aktienmarkt billig oder teuer bewertet ist oder ob Chart- und Markttechnik längst heiß gelaufen sind oder nicht. Oder weil sie glauben, wie es bei starken Trends oft der Fall ist, dass all das egal ist und nichts die Hausse aufhalten wird. Letzteres vor allem, weil die weiter steigenden Kurse und das „Wegkaufen“ von Bad News ja wie ein Beweis dafür wirken, dass man mit dieser Denkweise richtig liegt.

Und dann wären da diejenigen, die diese beiden vorstehenden Faktoren ganz genau erkennen und sie gezielt für sich zu nutzen wissen. Nein, nicht irgendwelche düsteren Mächte mit unbegrenztem Kapital und finsteren Absichten. Sondern große Adressen, die nichts anders tun, als das, was wir alle wohl tun würden, würden wir in ihren Schuhen stecken: Sie nutzen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die „Mechanik der Börse“, um Gewinn zu erzielen. Was gerade zuletzt der Fall war.

Motivation Abrechnungstermin – und das klappt meist perfekt

Am Freitag fand eine Abrechnung an der Terminbörse statt. Bei der es zwar „nur“ um Optionen auf Aktien und Indizes ging, denn Futures laufen ja immer nur an jedem dritten Monat eines Quartals mit aus. Aber im Gegensatz zu uns hierzulande, die unter einer Vielzahl an Derivate-Alternativen auswählen können, sind Optionen in den USA neben den Futures „das“ Derivat und, weil die Futures wegen der Margins, die man da hinterlegen muss, nicht für alle erschwinglich sind, das Schlüssel-Derivat der Privatanleger.

Nun konnte man erwarten und fand es auch in den Kursbewegungen bestätigt, dass die großen Akteure an der Terminbörse das Ziel hatten, die Abrechnung am oberen Ende der Handelsspanne zu absolvieren … und dieses „obere Ende“, wenn möglich, noch ein wenig nach oben auszudehnen. Das ist bei insgesamt aufwärts weisenden Trends normal und kann z.B. darauf basieren, dass solche großen Akteure Calls mit Basispreisen über den bis dahin höchsten Kurslevels gekauft und Puts mit entsprechenden Basispreisen an Anleger verkauft haben. Bei einer solchen Ausrichtung sind nach unten wegkippende Kurse nicht nur unerwünscht, sie können diese großen Akteure sehr, sehr teuer zu stehen kommen.

Ich las am Freitag, dass der Wert der Optionen, die am Freitag in den USA ausgelaufen sind, etwa bei 2,4 Billionen US-Dollar gelegen haben soll. Dieser Wert errechnet sich aus dem Wert der Aktien und Indizes, die da gehebelt über diese Optionen betroffen sind. Zum Vergleich: Die gesamte Marktkapitalisierung aller im S&P 500 gelisteten Aktien (und das sind etwa 75 Prozent der Marktkapitalisierung des gesamten US-Aktienmarkts) lag Ende 2023 bei 40 Billionen. Daran sieht man: Hier geht es nicht um „Peanuts“, daher ist es völlig normal, wenn solche großen Adressen nötigenfalls aktiv eingreifen, damit ihnen ihr fragiles Gebäude aus hoch gehebelten Spekulationen nicht im letzten Moment vor der Abrechnung zusammenbricht. Und das hätte diesmal durch die wider Erwarten hoch ausgefallenen US-Inflationsdaten eben passieren können. Also greift man ein, indem man diese Bad News „wegkauft“.

Aber, werden nun viele fragen, wie will man sich gegen einen in die Gegenrichtung laufenden Gesamtmarkt durchsetzen? Das muss doch teurer kommen als würde man Verluste in den Options-Positionen hinnehmen? Und läuft man nicht Gefahr, noch mehr Geld zu verbrennen, wenn man dafür Milliarden einsetzt und trotzdem scheitert?

Allgemeine Schützenhilfe: Darauf kann man sich verlassen

Das würde man zwar theoretisch tatsächlich riskieren, aber diese großen Akteure wissen schon, was sie tun. Sie kennen den Markt und, vor allem, wissen sie, wie die Marktteilnehmer „ticken“. Das nutzen sie natürlich aus, warum auch nicht. Überlegen wir mal, welche Ausgangslage herrschte, als am Dienstag die unerfreulich hoch ausgefallenen US-Verbraucherpreise und dann am Freitag die ebenfalls klar über der Prognose gelegenen US-Erzeugerpreise auf den Tisch kamen:

Börse aktuell: Aufwärtstrend im S&P 500 von November 2023 bis Februar 2024 als Voraussetzung für das Wegkaufen von Problemen | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Aufwärtstrend im S&P 500 von November 2023 bis Februar 2024 als Voraussetzung für das Wegkaufen von Problemen | Quelle: marketmaker pp4

Wir sehen hier anhand des marktbreiten S&P 500-Index eine im Herbst etablierte Aufwärtstrendlinie, die in der vergangenen Woche noch durch die auf kurzfristiger Ebene wichtige 20-Tage-Linie verstärkt wurde. Und wir haben einen Index, der kurz zuvor mit einem Anstieg über die runde Marke von 5.000 Punkten ein neues Rekordhoch markierte. Das bedeutet:

Chart- und markttechnisch ausgerichtete Handelsprogramme waren Long. Die normalen Privatanleger waren in Goldgräberstimmung (und meist ohne die Fachkenntnis dahingehend, ob das Umfeld zu dieser Hausse überhaupt passt). Und die großen Akteure am Terminmarkt wollten eine Abrechnung am Freitag „as high as possible“.

Wer also wäre denn da überhaupt auf der Verkäuferseite gewesen? Zumal man im bärischen Lager ja weder dumm noch blind ist, d.h. auch da erkannte man, dass man, würde man ausgerechnet kurz vor der Terminmarkt-Abrechnung dagegenhalten, eine „einer gegen alle“-Situation vorfinden würde. Leichter als in dieser Situation konnte es also gar nicht sein, diese unerfreulichen Inflationsdaten „wegzukaufen“, denn man hatte ja von allen Seiten bereitwillige Schützenhilfe zu erwarten. Und das geht jetzt immer so weiter? Obacht …

Je öfter man es tut, desto einfacher wird es. Aber das wird enden, wenn …

… mit solchen Gedanken sollte man vorsichtig sein. Denn je öfter so etwas passiert, desto mehr Marktteilnehmer sind sich sicher, dass absolut nichts die Hausse stoppen kann. Die Konsequenz: Immer mehr Akteure kaufen sofort, wenn negative Nachrichten einen kurzen Rücksetzer nach sich ziehen. So wie es auch letzte Woche beim DAX perfekt funktionierte, wie der folgende Chart zeigt. Aber das wäre auch die ideale Basis für eine sogenannte „Distributionsphase“!

Börse aktuell: Wegkauf negativer Nachrichten im DAX im Februar 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Wegkauf negativer Nachrichten im DAX im Februar 2024 | Quelle: marketmaker pp4

In einer Distributionsphase versuchen große Adressen, so viel wie möglich ihrer naturgemäß gewaltigen Positionen abzustoßen. Und das, ohne dabei den Markt zu kippen. Denn wollte man die eigene Exposition an der Börse aktuell um 20 Prozent zurückfahren, weil man damit rechnet, dass die Kurse jetzt jederzeit abdrehen könnten, würde man, wenn nicht genug Käufer die Abgaben aufnehmen, genau das auslösen, dem man entgehen will: einen Kursrutsch, bei dem man dann nur noch schlechte Verkaufskurse bekommt. Also braucht es genau dieses Kaufinteresse. Und wann, wenn nicht in einem Markt, indem viele denken, der Weg nach oben sei ebenso alternativ- wie risikolos, wäre das gegeben? Das heißt:

Sobald große Akteure am Kassa- und/oder Terminmarkt der Ansicht sind, dass die Schere zwischen Kursen und Rahmenbedingungen bereits zu weit auseinander klafft, kann die Party jederzeit zu Ende sein. Denn stellen sich diese „Großen“ den Privaten und den Computer-Systemen entgegen, sieht die Verteilung zwischen Käufern und Verkäufern eben schon ganz anders aus. Dass der DAX am Freitagnachmittag schon im Vorfeld der US-Erzeugerpreise, die um 14:30 Uhr kamen, nachgab und nach dem US-Handelsstart eher wenig zurück nach oben lief, ist in dieser Hinsicht etwas, das man im Auge behalten sollte … zumal die US-Indizes in den letzten zwei Handelsstunden des Freitags ordentlich Druck sahen. An einer Terminmarkt-Abrechnung ist so etwas zumindest nicht die Regel.

Wenn zu viele glauben, es könne nichts mehr passieren, muss man selbst besonders aufpassen!

Kann es also sein, dass wir letzte Woche die Abschiedsrunde des „Risiken-Wegkaufens“ gesehen haben? Es kann sein, aber sicher zu sein ist da unmöglich, schließlich können wir den zahllosen Akteuren nicht in die Köpfe schauen. Aber eines sollte man immer im Hinterkopf haben:

Dieses „Wegkaufen“ von negativen Faktoren ist alles andere als ein Hexenwerk, solange die Privatanleger mit großer Mehrheit bullisch sind. Denn sie wollen steigende Kurse und helfen dadurch, meist unbewusst, mit. Zugleich entsteht dadurch aber die ideale Basis für eine Distributionsphase, in der diejenigen, die die Risiken ignorieren, weil die Kurse wirken, als könne man sich genau das leisten, am Ende die Verlierer sind. Vorsicht ist also nicht trotz, sondern gerade wegen des Umstands, dass der Aktienmarkt so „unfallbar“ wirkt, geboten!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

*Es gelten die Teilnahmebedingungen

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Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

„Zum Ausstieg wird nicht geklingelt“ ist ein uralter Börsenspruch, der daran erinnern soll, dass der Markt nicht so freundlich ist, einem klar und rechtzeitig anzuzeigen, wann es Zeit ist, den Gewinn in Sicherheit zu bringen. Während Einstiegssignale meist deutlich klarer zu identifizieren sind, ist das vor einer Abwärtswende selten der Fall. Warum ist das so … und wie kann man das in den Griff bekommen?

Um gleich mal bei den Sprüchen und Regeln der Veteranen zu bleiben: Die letzten paar Punkte einer Hausse sind immer die teuersten, sagt man. Gemeint ist: Wer versucht, eine Aufwärtsbewegung bis zum allerletzten Punkt auszureizen, fällt damit meist auf die Nase. Grund: Wenn es kippt, dann a) meist ohne Vorwarnung und b) sehr oft blitzschnell und weitreichend. Womit da keinesfalls ein Crash gemeint ist. Für Trader, die mit gehebelten Derivaten unterwegs sind, reichen ja auch schon oft drei, vier Prozent unerwarteten Abstiegs, um eine herbe Scharte ins Konto zu hauen.

Oder aber c) es bröckelt lange vor sich hin, so dass man nicht reagiert, weil man denkt, das alles sei bloß eine normale Konsolidierung, so dass viele dann Long zukaufen, statt auszusteigen … und erst merken, dass da was schiefläuft, wenn die Verluste bereits größer sind, als man das eigentlich hätte hinnehmen wollen.

Die Frage, die man als erstes klären sollte ist: Unterscheiden sich Auf- und Abwärtswenden denn nennenswert? Und wenn ja, wieso? Antwort: Ja, das tun sie.

Runter geht es selten schneller

Es gibt noch so einen Spruch, der indes meiner Ansicht nach in die Irre führt: „Runter geht es immer schneller“. Klingt logisch, stimmt aber eher selten. Das passiert bei Aktien, wenn plötzlich unerwartete, fatale Nachrichten auftauchen. Das passiert bei Indizes bei einem Crash. Aber Ersteres kann man nicht vorhersehen und ist daher machtlos. Und Letzteres sind Raritäten der Börsenhistorie, selten genug, um sie nicht als relevanten Faktor des täglichen Handels ansehen zu dürfen.

Nein, meistens gibt es zwar diese obengenannte Kombination aus einem ersten, unerwarteten Abstieg, der es durchaus in sich haben kann. Aber eine echte Abwärtswende zieht sich sehr oft länger hin, so sehr, dass man erst an kurze Gewinnmitnahmen, dann an eine Konsolidierung, später an eine Korrektur glaubt und erst merkt, dass es viel zu lange viel zu weit abwärts ging, wenn es zum Verkauf eigentlich schon zu spät ist.

Anders herum, nach oben, drehen die Märkte aber in aller Regel weitaus schneller und dynamischer. Sehen wir uns dazu mal das Beispiel des S&P 500 ab dem letzten Sommer an:

Börse aktuell: Schnelle Aufwärtswende im S&P 500 ab Oktober 2023 | Quelle: marketmaker pp4 | Onliner Broker LYNX
Börse aktuell: Schnelle Aufwärtswende im S&P 500 ab Oktober 2023 | Quelle: marketmaker pp4

Der S&P 500 bröckelte monatelang ab, was aber nie bedrohlich wirkte, so dass viele gar nicht erst über Verkäufe nachdachten. In der zweiten Oktoberhälfte dürften einige dann doch weich geworden sein, die Dynamik der Abwärtsbewegung nahm zu. Aber kaum hatte der RSI-Indikator dann wieder einen überverkauften Level erreicht, ging alles ganz schnell. Der S&P 500 zog rasant nach oben, der RSI erzeugte dadurch eine positive Divergenz zum Index: bullisch. Kurz darauf überwand er die 200-Tage-Linie: bullisch. Und dann auch noch die Juli-Abwärtstrendlinie: bullisch. Nur zwei Wochen nach dem Tief waren die Bären vernichtend geschlagen. Und auf der Oberseite …

… werden aus zu steilen, auf Dauer nicht zu haltenden Aufwärtstrendlinien einfach flachere. Und der RSI-Indikator ist jetzt bereits zum fünften Mal seit November in die überkaufte Zone eingetreten, ohne dass es zu einer Reaktion beim S&P 500 selbst käme. Das zeigt, dass auf riskante Situationen anders reagiert wird als auf Chancen. Und das lässt sich begründen.

Der Unterschied hat seine Basis in den Köpfen der Anleger

Man könnte es sich leicht machen und behaupten, dass diese Super-Rallye seit Ende Oktober auf der Nachrichtenlage basieren würde. Aber das wäre unrichtig. Denn erstens ist mittlerweile klar, dass die Basis der Kaufwelle, nämlich baldige und weitreichende Leitzinssenkungen in schneller Folge, so nicht kommen. D.h. die Kurse haben ein „Best Case Szenario“ eingepreist, das weniger positiv laufen wird als erhofft … und sie steigen ja einfach trotzdem weiter. Und zweitens könnte jeder wissen und logisch nachvollziehen, dass ein Wachstumsschub in Konjunktur und Unternehmensgewinnen nicht zu Beginn, sondern erst gegen Ende einer Zinssenkungsphase eintritt. Aber die Kurse steigen eben trotzdem weiter.

Der entscheidende Punkt, der zu diesen Unterschieden bei Auf- und Abwärtswenden führt, liegt nicht in den Nachrichten selbst, sondern darin, wie sie von der großen Mehrheit der Anleger wahrgenommen werden. Er findet sich also nicht auf dem Papier, auf dem die News stehen, sondern in den Köpfen derer, die sie lesen … und „interpretieren“:

Die meisten Anleger gehen nicht je nach Trendrichtung flexibel Long oder Short. Sie kaufen Aktien, Fonds, ETFs und sind damit „dauer-bullisch“ ausgerichtet. Für sie sind nur steigende Kurse gut, die wollen sie sehen, sonst nichts. Das führt dazu, dass man, vor allem, wenn einem das Fachwissen fehlt … was wiederum auf die Masse der Anleger und damit auf die Masse des am Markt investierten Kapitals zutrifft … alles nur zu gerne glaubt, was nach steigenden Kursen klingt und ebenso gerne weghört, wenn es um Risiken und graue Perspektiven geht. Man hört und nimmt wahr, was man hören und wahrnehmen will. Das gilt für das tägliche Leben, das gilt für die Börsen ebenfalls.

Und je länger man damit gut fährt, weil sie Kurse ja steigen, desto eher neigt man dazu, selbst noch mehr Geld in den Markt zu investieren. Das führt dazu, dass Aufwärtswenden oft nur aufgrund von reinen Hoffnungen entstehen und sich selbst dann lange halten, wenn die Hoffnungen platzen, weil man ja daran glauben kann, dass das schon irgendwie so kommen wird und die Kurse schließlich steigen. Und es führt dazu, dass Abwärtswenden oft dann erst kommen, wenn kaum noch jemand daran glaubt, weil die Anleger zuvor zahllose haushohe Risiken einfach „weggekauft“ haben. Warum also sollte der Markt dann noch kippen?

Börse aktuell: Rekordhochs und Abwärtswende im DAX in den Jahren 2021 und 2022 | Quelle: marketmaker pp4 | Onliner Broker LYNX
Börse aktuell: Rekordhochs und Abwärtswende im DAX in den Jahren 2021 und 2022 | Quelle: marketmaker pp4

Das Problem ist, dass diese vermeintliche Sicherheit trügerisch ist, weil diejenigen, die glauben, dass die Hausse nichts zu Fall bringt, dann auch nicht hinsehen, wenn sie gerade doch kippt. Sie reagieren daher erst, wenn eine größere Abwärtswende abgeschlossen wurde und massivste Verkaufssignale entstanden sind, wie wir im vorstehenden DAX-Chart sehen, der die Zeit Frühjahr 2021 bis Frühjahr 2022 zeigt. Dann erst zu verkaufen, ist indes eigentlich schon viel zu spät. Aber wie kann man denn sonst einigermaßen genau vorhersehen, wo „oben“ ist und man aussteigen muss?

Wenn die Glaskugel versagt: Alternative Lösungen suchen

Der erste Schritt, dieses Phänomen der Unberechenbarkeit von Abwärtswenden in den Griff zu bekommen ist, eben dies zu akzeptieren, d.h. zu verstehen, dass man nicht darauf setzen kann und darf, „ganz oben“ zu verkaufen und/oder auf Short zu drehen, einfach, weil man nie wissen wird, wo „ganz oben“ ist.

Der zweite Schritt ist, sich alternative Lösungen zu suchen. Wenn ein Hoch nicht durch Nachrichtenlage, Candlestick-Formationen oder markttechnische Indikatoren unmittelbar bei seinem Auftreten sicher zu identifizieren ist, wie ließe es sich ansonsten vorgehen?

Diese Lösung zu suchen und einen Weg auszuprobieren, muss und wird immer sehr individuell laufen, daher will ich nur den Weg beschreiben, den ich in dieser Situation gehen würde.

Ich denke, dass man die Fundamentaldaten auch dann immer im Blick behalten und abwägen muss, wenn die Masse der Anleger sie nicht lesen kann oder will. Speziell momentan sehe ich die Frage als wichtig an, wie lange der Geldfluss für die Hausse an der Börse aktuell noch vorhalten kann. Denn immerhin steigen auch die Anleihekurse erheblich. Und dort muss (alleine wegen der schieren Größe der Bondmärkte) sehr viel Geld hineinfließen, um die Renditen so zu drücken, wie es zuletzt passiert ist. Das ist Geld, das der Aktien-Hausse grundsätzlich erst einmal fehlt, zumal das Gros des Kapitals am Anleihemarkt eher mittelfristig investiert wird.

Ich vermute, dass dies den großen Adressen am Aktienmarkt sehr wohl klar ist und diejenigen, die in größerem Umfang aussteigen oder sogar auf Short drehen können, dies bereits versuchen, indem sie in die Käufe derer, die die Gefahren nicht sehen wollen, selbst verkaufen (das nennt man „Distributionsphase“). Das muss die Hausse nicht kippen. Aber es bringt sie näher an den Kipppunkt heran.

Börse aktuell: Kursziele für den S&P 500 nach oben und unten Anfang 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Onliner Broker LYNX
Börse aktuell: Kursziele für den S&P 500 nach oben und unten Anfang 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Und wenn man sich ansieht, dass z.B. JP Morgan immer noch ein Kursziel von 4.200 per Jahresende 2024 für den S&P 500 hat und Goldman Sachs‘ Kursziel von 5.100 Punkten beinahe erreicht ist (im Februar!) könnte ich mir gut vorstellen, dass nach dem Erreichen runder Marken wie der 5.000 im S&P, der 18.000 im Nasdaq 100 (das sollte in Kürze wohl passieren) oder der 40.000 im Dow Jones (noch 3,4 Prozent würden dafür fehlen), einfache Gewinnmitnahmen auftauchen. Was reichen kann, die Sache ins Wanken zu bringen. Denn wer nur auf die Kurse achtet und sich von der Gier verleiten lässt, dürfte mittlerweile so ziemlich alles in die Aktien gesteckt haben, was er kann. Dem Markt könnte also das Geld ausgehen.

Nicht auf das „Klingeln“ warten

Da all das aber trotzdem nur Vermutungen sein können, könnte man sich auf das scheibchenweise Heraus-Verkaufen auf dem Markt verlegen:

Immer dann, wenn der Markt wieder mal überkauft ist (ich mag da den RSI lieber als die eher schwammige Stochastik), nimmt man hier und dort ein paar kleine Gewinne mit. Und wer weiß, was er/sie nicht weiß, nämlich, wo ganz genau „oben“ sein wird und zum Ausstieg nicht geklingelt wird, würde durch diese stückchenweise Verabschieden von Positionen mit jedem Tag, den der Kessel höher kocht, ein wenig weniger im Risiko stehen, ohne das frustrierende Gefühl, ein leeres Depot zu haben, während der Markt weiter steigt

Ja, das erfordert Geduld und Gleichmut … aber ist es nicht genau das, was man ohnehin braucht, wenn man an der Börse zu etwas kommen will? Und, um im letzten Moment noch einen Börsenspruch unterzubringen: Von Gewinnmitnahmen ist ja auch noch keiner arm geworden!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Rekorde, Rekorde und nochmal Rekorde: Die Rallye von November und Dezember 2023 war so markant, dass man sich nicht hätte wundern dürften, wenn den Käufern im Januar die Luft ausgegangen wäre. Wobei das anfangs ja auch so war. Aber jetzt zeigen die Daumen der Bullen an der Börse aktuell wieder unisono nach oben. Was sagen die Daten, die einen Blick auf die Struktur des Trends erlauben, dazu? Werfen wir, wie in jedem Quartal, mal wieder ein Auge auf die „Internals“.

Die US-Aktienindizes erreichen ein Rekordhoch nach dem anderen, der DAX steht sprungbereit, um nachzuziehen. Dass die Rahmenbedingungen das keineswegs unterstützen, wissen Profis und versierte Privatanleger natürlich, zumal die Statements der US-Notenbank und der EZB ebenso wie die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten klar machen, dass es so schnell nicht gehen kann mit den in die Kurse längst eingepreisten, weitreichenden Leitzinssenkungen. Aber:

Das Gros der Anleger kennt sich mit volkswirtschaftlichen Aspekten nicht aus. Und viele sehen dazu auch keine Notwendigkeit, denn solange die Kurse weiter steigen, muss ja wohl alles in Ordnung sein. Dass die Kurse steigen, weil sehr viele so denken und diejenigen, die es besser wissen, als Fonds- oder ETF-Manager gar keine Wahl haben, als das von der Hausse angelockte, frische Geld zeitnah in den Markt zu geben, wird meist nicht erkannt. Und damit entsteht ein Kreislauf aus Käufen, steigenden Kursen und daraufhin noch mehr Käufen, der kritische Aspekte wie den, dass die Grundlage der Ende Oktober etablierten Rallye so gar nicht mehr existiert, einfach ausklammert. Es könnte also immer so weitergehen, aber:

DAX: Die Chart- und Markttechnik würde für einen Ausbruch nach oben passen

Auch, wenn die Masse des Geldes den Trend macht und nicht die Ratio, so gibt es doch genug erfahrene Investoren, Großanleger und Hedgefonds, die sehr wohl wissen, dass a) das Fundament der Hausse aus Treibsand besteht und b) ein Markt voller nichtsahnender Anleger sehr gute Chancen für gezielte Short-Attacken bietet. Ob der Moment dafür gekommen ist, machen solche Akteure in der Regel an Indikationen fest, die ich „interne Daten“ nenne, weil sie sozusagen die Charts hinter den Charts sind und messen, wie gesund oder eben nicht gesund ein Trend ist. Daher kann es nicht schaden, sich solche Daten und Charts alle paar Monate einmal anzuschauen. Chart 1 zeigt dabei den DAX an sich und seine charttechnische Situation. Wir sehen:

Börse aktuell: DAX an der Marke bei 17.000 Punkten im Februar 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
DAX an der Marke bei 17.000 Punkten im Februar 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Rein aus chart- und markttechnischer Sicht spricht momentan nichts dagegen, dass der Index die 17.000er-Marke überwindet. Er klopft schon ein paar Tage dort an, nachdem er im Vorfeld die wichtige Supportzone aus den drei damals jeweils Rekordhochs markierenden Zwischenhochs des Vorjahres verteidigt hatte. Was zudem auch die zuvor extrem heiß gelaufene Markttechnik, vor allem beim hier abgebildeten RSI, wieder abkühlte. Nach oben rauszukommen wäre also drin. Stellt sich indes die Frage, ob das als Bullenfalle endet oder sich der DAX auf neuen Rekordlevels etablieren kann. Das hängt davon ab, wie die Profis diese „Internals“ einschätzen. Sehen wir uns mal ein paar davon an.

Der DAX haussiert derzeit in Bezug auf Deutschland fast im Alleingang

Börse aktuell: Entwicklung der Anzahl deutscher Aktien über der 200-Tage-Linie von 2007 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung der Anzahl deutscher Aktien über der 200-Tage-Linie von 2007 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Der vorstehende Chart zeigt, dass irgendetwas mit der Marktbreite nicht recht stimmt. Nur 56 Prozent der deutschen Aktien notierten am Freitag über ihrer 200-Tage-Linie. Das passt so gar nicht zu einem DAX auf Rekordlevel. Aber der DAX macht diese Statistik ja nicht alleine. Hierzu wird der deutsche Gesamtmarkt gemessen, nicht nur die 40 im DAX gelisteten Titel. Und die folgende Grafik zeigt, wo an der Börse aktuell das Problem liegt:

Börse aktuell: Entwicklung von DAX, MDAX, TecDAX und SDAX seit November 2023 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung von DAX, MDAX, TecDAX und SDAX seit November 2023 | Quelle: marketmaker pp4

Außer dem (aber auch nur 30 Aktien umfassenden) TecDAX, der von den haussierenden Big Cap-Aktien der Nasdaq mitgezogen wird, läuft der breite Markt schlechter als der DAX. Was den MDAX mit seinen immerhin 50 Aktien angeht, sogar sehr deutlich schlechter. Das ist kein allzu gutes Zeichen, denn dass sich die DAX-Titel nur, weil sie im DAX sind, dem Druck auf die Wirtschaft entziehen, dem so viele Unternehmen ausgesetzt sind, ist nicht realistisch. Da haben wir also eine Achillesferse, die den versierten großen Investoren nicht entgehen wird.

Die Frage ist indes, ab das den DAX kippen könnte, solange die Wall Street als der übliche Vorlagenlieferant weiter steigt. Die Antwort lautet: Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Aber nur, weil Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq von einem Rekord zum anderen eilen, muss deren „internes Fundament“ ja nicht stabil sein. Schauen wir hin:

Auch wenn die Kurse dort haussieren: Die US-Indizes stehen genauso auf Treibsand

Auch an der Wall Street gibt es an der Börse aktuell ein Problem mit der Marktbreite, wir sehen das an der folgenden Grafik, die zeigt, wie viele neue 52-Wochen-Hochs und 52-Wochen-Tiefs am Freitag an der New York Stock Exchange erreicht wurden. Eigentlich müsste die Zahl der neuen Hochs immens, die der neuen Tiefs niedrig sein, so, wie das beispielsweise Anfang 2021 der Fall war. Aber mit 204 Hochs zu 174 Tiefs passt die Relation nicht. In diesem Fall nicht, weil ein oder zwei Indizes im Alleingang steigen. Die Indizes an sich sind nicht das Problem, sondern das Bild, das die einzelnen Aktien abgeben: Nur relativ wenige Aktien haussieren, die dann aber so massiv, dass sie die Indizes nach oben ziehen.

Börse aktuell: Entwicklung der Anzahl von Aktien mit neuen 52-Wochen-Hochs und neuen 52-Wochen-Tiefs an der NYSE von 2019 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung der Anzahl von Aktien mit neuen 52-Wochen-Hochs und neuen 52-Wochen-Tiefs an der NYSE von 2019 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Das birgt ein Risiko, denn wenn diese „Zugpferde“ markttechnisch überhitzen und/oder überbewertet sind und durch Gewinnmitnahmen wegsacken, könnten die vielen weniger stark gestiegenen Aktien das womöglich nicht auffangen, weil sie meist ja zu recht nicht so gut laufen. Denn diese Hausse hat dazu geführt, dass der Markt an sich bereits teuer bewertet ist, das schließt die Nachzügler ja mit ein. So sehen wir im folgenden Chart, dass das Kurs/Gewinn-Verhältnis des Dow Jones als Ergebnis des Schnitts der Kurs/Gewinn-Verhältnisse der einzelnen 30 Dow Jones-Aktien auf Basis der Gewinne der letzten 12 Monate für eine „normale“ Börsenphase sehr hoch ist.

Börse aktuell: Entwicklung Kurs/Gewinn-Verhältnis des Dow Jones von 2019 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Kurs/Gewinn-Verhältnis des Dow Jones von 2019 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Dass das Kurs/Gewinn-Verhältnis Anfang 2021 viel höher lag, basierte darauf, dass die Gewinne durch die Corona-Problematik 2020 massiv unter Druck geraten waren … und Anfang 2021 wurden ja auch die Gewinne der letzten 12 Monate, mit Masse also von 2020, gemessen. Heute aber sieht das eben anders aus. Die Gewinne sind mehrheitlich gestiegen, aber die Aktien noch deutlich schneller. Das ist ein markantes Risiko … und es scheint, als würden die Profis dem im Gegensatz zu den Privatanlegern Rechnung tragen. Denn wir sehen im nächsten Chart, dass die „Profi-Zocker“ seit einiger Zeit deutlich vorsichtiger agieren.

Börse aktuell: Entwicklung der Börsenkredite in den USA und des S&P 500 im Vergleich von 2007 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung der Börsenkredite in den USA und des S&P 500 im Vergleich von 2007 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Wir sehen hier, dass das Volumen der Kredite, die für Sicherheitsleistungen im Derivatebereich aufgenommen wurden, über viele Jahre hinweg ein Spiegel der Marktentwicklung war. Je höher der marktbreite US-Index S&P 500 lief, desto höher wurde das Volumen dieser Kredite. Seit Ende 2022 tut sich hier aber eine auffällige Schere auf: Die Profi-Zocker, die zwar hohe Risiken eingehen, dabei aber aufgrund ihrer Erfahrung mehrheitlich sehr genau wissen, was sie tun, haben ihre Kredite kaum hochgefahren. Das sollte man als Warnsignal sehen. Zumal, wie eingangs gesagt, gerade eine Hausse läuft, während das Argument, auf dem sie aufbaut, bröckelt.

Der Anleihemarkt saugt Geld ab & das Wachstum hat einen schweren Stand: Vorsicht!

Auch am Anleihemarkt, hüben wie drüben, setzt man seit Monaten auf den Beginn weitreichender Leitzinssenkungen. Das hat die Renditen der US-Staatsanleihen (T-Bonds) bereits kräftig gedrückt. Aber fallende Renditen kommen nicht von alleine, sie fallen, weil die Kurse der Anleihen steigen. Was bedeutet: Sie werden massiv gekauft. Kein Wunder, immerhin sind die Renditen sehr hoch und man hat sie über Jahre hinweg sicher. Aber massive Anleihekäufe bedeuten:

Börse aktuell: Entwicklung der Rendite von US-T-Bonds mit 2 und 10 Jahren Laufzeit im Vergleich von 2019 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung der Rendite von US-T-Bonds mit 2 und 10 Jahren Laufzeit im Vergleich von 2019 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Das Kapital, das dorthin fließt, kann eben nicht in Aktien fließen. Und auch, wenn man diese Summen nicht klar beziffern kann: Was da seit Wochen in Bonds in den USA und Europa fließt, sind keine „Peanuts“! Und dann wäre da noch die Sache mit dem Wachstum.

Börse aktuell: Entwicklung Harmonisierter Verbraucherpreisindex von Deutschland und der Eurozone im Vergleich von 2016 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Harmonisierter Verbraucherpreisindex von Deutschland und der Eurozone im Vergleich von 2016 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Die Erwartung, dass baldige Zinssenkungen, denen die Notenbanken zuletzt ohnehin eine Absage erteilten, sofort das Wachstum befeuern, ist mehr als gewagt. Erst kommt der an dieser Stelle in den letzten Monaten ja schon mehrmals beschriebene, das Wachstum bremsende „Aufschiebe-Effekt“. Erst, wenn die Leitzinsen schon deutlich gefallen sind und Unternehmen und Verbraucher vermuten, dass sie erst einmal nicht viel billiger werden, wird gekauft und investiert. Und 2024 wird das definitiv noch nicht der Fall sein. Nicht umsonst sind die Wachstumsprognosen von US-Notenbank und EZB für 2024 verhalten.

Dass der Markt das nicht glauben will, heißt nicht, dass er sich sein Recht auf Dauer erzwingen könnte. Und wir sehen an der vorstehenden Grafik ja auch: Selbst, wenn die Preise ab jetzt nicht mehr weiter steigen, liegen sie doch so dramatisch höher als noch vor drei Jahren, dass man sich schon fragen darf, woher das längst in DAX & Dow eingepreiste Gewinnwachstum der Unternehmen kommen soll.

Fazit: Normalerweise kommen die Bären nicht mit massiven Attacken zurück, solange der Trend intakt ist. Neue Rekorde sind da aber immer ein kritischer Moment, weil sie den „Shorties“ in die Käufe der anderen hinein eine sehr gute Basis bieten, größere Short-Positionen aufzubauen und dann, wenn sich die Gelegenheit bietet, mit bereits gut gefüllten Depots gezielt die Blase aus Hoffnung und Gier anzustechen. Man sollte also unbedingt auf der Hut sein!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Der Euro Stoxx 50 hatte am Freitag das vorherige Hoch vom Dezember überboten, der DAX nicht. Das wirkt, als sei der Euro Stoxx 50 stärker. Aber dann stellt man fest: Moment mal, dessen Allzeithoch ist ja noch nicht einmal annähernd erreicht, während der DAX zuletzt ein neues Rekordhoch nach dem anderen markierte. Also muss der DAX letztlich das bessere Investment-Ziel sein, könnte man meinen. Aber die vermeintliche Schwäche des Euro Stoxx 50 ist gar keine!

Ja, es ist wahr, der Euro Stoxx 50 hat zwar am Freitag mit dem Rückenwind der in diesem Index stark gewichteten französischen Luxusgüteraktien als Reaktion auf gute Bilanzzahlen von LVMH das markante Hoch des Jahres 2007 überboten, nicht aber sein Rekordhoch. Denn das lag, wie der folgende Chart zeigt, deutlich höher und geht auf das Jahr 2000 zurück. Und wenn man bedenkt, dass der DAX zu der Zeit, als der europäische Leitindex dieses Hoch markierte, sein Hoch bei 8.136 Punkten ausbildete, heute also mehr als doppelt so hoch steht, ist scheinbar klar:

Börse aktuell: Entwicklung Euro Stoxx 50 von 1999 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Euro Stoxx 50 von 1999 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Der Euro Stoxx 50 ist eine lahme Ente. Schließlich können die historischen Kurse nicht lügen: Der DAX ist, das zeigt die nächste Grafik, extrem viel besser gelaufen. Und in der Tat können die Kurse nicht lügen. Was aber dennoch falsch ist, ist die Aussage zu Gunsten des DAX, die man daraus ableitet. Denn was sehr vielen gar nicht bewusst ist, die solche oft zu sehenden Vergleiche wie im Folgenden betrachten: Der DAX, den Sie im Chart sehen, wird anders berechnet als der Euro Stoxx 50. Und das … und nur das … ist der Grund, warum es so aussieht, als wäre er der besser gelaufene Index!

Börse aktuell: Entwicklung DAX und Euro Stoxx 50 im Vergleich von 1999 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX und Euro Stoxx 50 im Vergleich von 1999 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Kursindex und Performanceindex sind zwei völlig unterschiedliche Berechnungsweisen

Der entscheidende Unterschied ist, dass der Euro Stoxx 50 als sogenannter Kursindex gezeigt wird. Hier fließen ausschließlich die Veränderungen der Kurse der im Index enthaltenen Aktien in die Berechnung ein. Der DAX, den nahezu alle als „den“ DAX kennen, ist jedoch ein Performanceindex. Hier fließen nicht nur die Kursveränderungen der 40 DAX-Aktien in die Berechnung ein, sondern zusätzlich die Dividenden. Und zwar dergestalt, dass man die ausgezahlten Dividenden wie einen Kursanstieg rechnet und diese Dividenden auch noch umgehend rechnerisch reinvestiert, so dass ein Zinseszins-Effekt greift.

Wenn man sich mal überlegt, dass die Dividendenrendite im DAX in den letzten 20 Jahren im Schnitt um die drei Prozent betrug, sind das beileibe keine „Peanuts“. Und wenn diese drei Prozent pro Jahr sich aufsummieren, weil man sie reinvestiert, erst recht.

Ein korrekter Vergleich zeitigt an der Börse aktuell ein für so manchen wohl verblüffendes Ergebnis

Dabei gibt es zwar auch den DAX als Kursindex, ebenso wird der Euro Stoxx 50 auch in der Variante eines Performanceindex berechnet. Nur werden diese beiden Varianten in den Medien eben ignoriert. Regelmäßig sieht der Anleger also den DAX als „gepushte“ Variante in Form eines Performanceindex und den Euro Stoxx 50 in der „schlichten“ Variante als Kursindex. Dass da dann der Eindruck entsteht, dass der Euro Stoxx 50 nicht viel zuwege bringt, ist klar. Aber man vergleicht da eben Äpfel mit Birnen. Und das sehen wir sehr deutlich, wenn wir einmal die beiden Varianten direkt vergleichen, also, wie es fast nie passiert, aber immer sein sollte, Äpfel mit Äpfeln vergleichen:

Börse aktuell: Entwicklung DAX Kursindex und Euro Stoxx 50 Kursindex im Vergleich von 2019 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX Kursindex und Euro Stoxx 50 Kursindex im Vergleich von 2019 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Ob man nun den DAX Kursindex mit dem Euro Stoxx 50 Kursindex vergleicht, hier über einen Zeitraum von fünf Jahren, oder, wie im nachfolgenden Chart, die beiden Indizes als Performanceindizes nebeneinander stellt:

In beiden Fällen ist auf einmal nicht mehr der DAX der klare Sieger, sondern der Verlierer: Der Euro Stoxx 50 liegt über diese Zeitspanne in beiden korrekten Vergleichen vorne! Was auch impliziert, dass sich die Höhe der Dividenden beim Euro Stoxx 50 nicht nennenswert von der der DAX-Unternehmen unterscheidet. Wie auch, immerhin geht es hier zum einen um die Top 50 der Eurozone und zum anderen stellen DAX-Titel etwa ein Drittel der 50 Euro Stoxx 50-Werte.

Börse aktuell: Entwicklung DAX Performanceindex und Euro Stoxx 50 Performaceindex im Vergleich von 2019 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX Performanceindex und Euro Stoxx 50 Performaceindex im Vergleich von 2019 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Den DAX Kursindex sollte man immer im Auge haben, denn andere haben das auch!

Ist der DAX als Fundament eines Depots also die schlechtere Wahl? Nicht unbedingt, denn würde ich einen den Euro Stoxx 50 auch in der gleichen Berechnungsweise schlagenden Startzeitpunkt suchen, würde ich auch einen finden. Der Euro Stoxx 50 ist klar besser als sein Ruf, aber es gibt durchaus Phasen, in denen der DAX der stärkere ist.

Und da man nun einmal immer weiß, was war, aber nie, was kommt, sollte man zwar daran erinnern, bei der Auswahl auf die korrekte Berechnungsweise zu achten, zumal so ziemlich alle außer den deutschen Indizes wie DAX, MDAX, TecDAX und SDAX als Kursindizes gezeigt werden, auch und gerade die US-Indizes. Aber wenn es darum geht, wo man hier und jetzt besser investieren sollte, sollte man sich immer vor allem am Umfeld und dem Trend, sprich an den Fundamentals und der Charttechnik, orientieren. Aber auch dann kann ein vergleichender Blick auf den DAX Kursindex nie schaden, denn:

Börse aktuell: Entwicklung DAX Kursindex von 1999 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX Kursindex von 1999 bis 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Gerade weil nahezu alle anderen Indizes weltweit primär als Kursindex gezeigt und betrachtet werden (auch, wenn für so ziemlich jeden dieser Indizes auch eine Performance-Variante existiert), schauen sich viele große Investoren in Bezug auf die Frage, wie der deutsche Aktienmarkt als potenzielles Investmentziel einzuschätzen ist, den DAX Kursindex an.

Und wenn wir uns den, wie im vorstehenden Chart, einmal isoliert betrachten, stellen wir fest, dass er in dieser Kursvariante zwar im Gegensatz zum Euro Stoxx 50 bereits über dem alten Hoch des Jahres 2000 notiert, nicht aber über dem bisherigen Allzeithoch, denn das datiert auf Ende 2021 und ist eben noch nicht erreicht. Da ist der Euro Stoxx 50 also stärker … und das muss nicht, kann sich aber bei der Wahl internationaler Investoren zwischen Euro Stoxx 50 und DAX negativ für letzteren auswirken!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Dass die drei wichtigsten US-Aktienindizes an einem Tag gleichzeitig neue Rekordhochs erreichen, ist ungewöhnlich. Dass das ausgerechnet an einem Tag passiert, an dem die Optionen auf Aktien und Indizes abgerechnet werden, auffällig. Welcher Zusammenhang besteht da … und was könnte das für die kommenden Tage und Wochen bedeuten?

Dass man in der erdrückenden Mehrzahl medialer Börsenberichte und –analysen so tut, als gäbe es den Terminmarkt nicht oder als sei er ein irrelevantes Anhängsel, an dem irgendwelche Spieler „Wetten“ abschließen, ist seit ewigen Zeiten so.

Ob das daran liegt, dass man dem normalen Anleger nicht erklären mag, dass da einige wenige die Kurse bewegen können, aus Sorge, die Sparer würden den Aktienmarkt dann für ein Spielcasino halten, obwohl das erste das zweite keineswegs bedingt? Ob es aus der Sorge heraus geschieht, sehr komplexe Fakten nicht hinreichend gut in knapper Form erklären zu können? Oder aus schlichtem Unvermögen, weil die Berichtenden selbst nicht wissen, wie entscheidend das, was am Terminmarkt passiert, bisweilen sein kann? Ich weiß es nicht, sehe aber nicht ein, mich dem anzuschließen.

Denn gerade am Freitag war es der Terminmarkt bzw. die da stattfindende Abrechnung von Optionen auf Aktien und Aktienindizes in den USA, die entscheidend für diesen „Triple-Record“ von Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq 100 war. Sehen wir uns mal an, wie das vermutlich ablief, warum das passiert sein dürfte und welche Bedeutung das für die unmittelbar nächste Zeit haben könnte.

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100 von November 2021 bis Januar 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nasdaq 100 von November 2021 bis Januar 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Options-Grundwissen im Format „super-kompakt“

Zunächst muss man zumindest in ganz groben Zügen ein wenig über den Optionsmarkt wissen, um verstehen zu können, was da warum vermutlich abgelaufen ist. Da hierzulande viele Möglichkeiten des Derivate-Handels existieren, spielen Optionen bei uns nicht die erste Geige. In den USA, wo es z. B. Zertifikate oder Optionsscheine so nicht gibt, sind Optionen neben den Futures aber „das“ Derivat für die Trader, für große Adressen ebenso wie für Privatanleger. Daher pflegen solche Abrechnungstermine dort auch mehr Einfluss auf den Gesamtmarkt zu haben.

Am Optionsmarkt gibt es Calls und Puts. Ein Call verbrieft das Recht, einen Index (da dann als Barausgleich) oder eine Aktie (in echt) zu einem bestimmten Preis kaufen zu dürfen. Und zwar von dem, der einem die Option verkauft hat. Das kann irgendwer sein, ein Privatanleger wie man selbst, ein Hedgefonds, ein Großinvestor.

Nehmen wir mal an, die Option hatte den Basispreis 50 US-Dollar, zu der man als Optionskäufer die Aktie X kaufen kann (aber nicht muss, es ist eine Option, keine Pflicht) und lief bis letzten Freitag. Der, der diese Option hat, ist daran interessiert, dass die Aktie X dann weit über 50 US-Dollar steht. So weit, dass er die Aktie zu 50 US-Dollar vom Options-Verkäufer einfordern und sie am Markt dann für mehr verkaufen kann als diese 50 US-Dollar plus die Summe, die er für den Kauf der Option bezahlt hat.

Aber das ist nur eine Seite des Geschäfts. Denn eines ist klar: Derjenige, der diese Call-Option verkauft hat, hätte es liebend gerne, wenn die Aktie X am Abrechnungstag unter 50 US-Dollar notiert. Denn dann wird der Optionskäufer die Aktie nicht einfordern, weil ihm das nichts bringt (zu 50 kaufen, wenn sie bei 45 notiert, wäre halt Unfug). Und kommt es so, hätte er das Geld, das ihm der Käufer für die Call-Option bezahlt hat, als Reingewinn.

Bei Put-Optionen läuft es genau umgekehrt. Hier verkauft der Put-Verkäufer dem Käufer das Recht, die Aktie X zu 50 US-Dollar an ihn verkaufen zu können (oder die Aktie X zu 60, die Aktie Y zu 40 usw., es gibt unzählige Basispreise mit vielen Laufzeiten auf zahllose Aktien). Wenn also jemand eine Put-Option kauft, hofft er, dass die Aktie fällt. Dann kauft er sie nämlich zügig zu z.B. 40 US-Dollar und dient sie dem Put-Verkäufer an, der dann teure 50 US-Dollar auf den Tisch legen muss. Oder man hat sie schon im Depot, dient sie dem Verkäufer zu 50 an und kauft sie sich zu 40 am Markt zurück. Klarer Fall: Der Verkäufer der Put-Option ist daran interessiert, dass die Aktie X am Abrechnungstag über 50 US-Dollar steht, so dass die Put-Käufer ihm die Aktie nicht andienen, er aber dafür den Preis der zuvor an den Käufer verkauften Option als Reingewinn hat.

Warum der Optionsmarkt großen Einfluss nehmen kann … und es auch tut

Das klingt in der Tat, als wäre das ein Nebenschauplatz, der weder Einfluss auf den Gesamtmarkt haben müsste noch, weil das alles ziemlich „mickrig“ klingt, haben kann. Aber da liegt man falsch. Denn wie gesagt: In den USA ist der Optionsmarkt riesig. Und somit auch die Summen, die dort verdient oder verloren werden können. Denn die Sache hat ja eine Hebelwirkung.

Wenn jemand eine Call-Option auf die Aktie X kauft, deren Basispreis (nehmen wir mal 50 US-Dollar) nur zwei Wochen vor dem Ende der Laufzeit, also dem Abrechnungstag, weit außerhalb des aktuellen Kurslevels liegt (das z.B. gerade bei 40 US-Dollar ist), zahlt er dafür nur wenig. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs zur Abrechnung über 50 US-Dollar notiert, der Call-Verkäufer also die Aktie liefern muss, statt den Options-Verkaufspreis als Reingewinn einzustreichen, ist gering.

Nehmen wir jetzt mal an, da hat einer Call-Optionen auf 1.000 X-Aktien zu 1,50 US-Dollar gekauft. Das hat ihn also 1.500 US-Dollar gekostet. Aber auf einmal zieht diese Aktie dramatisch an und läuft am Abrechnungstag mit 55 US-Dollar über die Ziellinie. Hätte er die 1.000 Aktien einfach unmittelbar zu 40 US-Dollar gekauft, wären 15.000 US-Dollar Gewinn bei einem Kaufpreis von zuvor 40.000 aufgelaufen. Mit den Call-Optionen aber hat er zwar „nur“ 3.500 US-Dollar verdient, konkret ist das die Differenz vom Kurs der Aktie (55 USD) und dem Basispreis (50 USD) = 1.000 x 5 USD – der Kaufpreis für die Optionen von 1.500 USD = 3.500 USD. Aber das eben mit einem Kapitaleinsatz von gerade einmal 1.500 US-Dollar!

Daran erkennen Sie, wie immens die Hebelwirkung bei Optionen ist … und warum beide Seiten daran interessiert sind, die Kurse, so es denn machbar ist, in die für sie richtige Richtung zu lenken. Dass die Phase vor und an einem Abrechnungstag „Hexentanz“ genannt wird, weil die Kurse da oft erratisch und unverhofft in beide Richtungen sausen, hat schon seine Gründe.

Attacke kurz vor der Abrechnung … warum?

Aber wie war das nun, aus meiner Sicht, am Freitag gewesen? Dass der Terminmarkt eine entscheidende Rolle spielte, erschließt sich zum einen daraus, dass alle drei großen Indizes zugleich neue Hochs erzielten, zum anderen daraus, dass es dafür keine Gründe auf der Nachrichtenseite gab, dafür aber die Terminmarkt-Abrechnung lief. Dass vorher wenig los war und die Attacke derer, die „so hoch wie irgend möglich“ in die Abrechnung gehen und das auch erzwingen wollten, den Rest der Akteure überrumpelt haben dürfte, sehen wir am folgenden Chart, der den Nasdaq 100 über die vergangenen zwei Handelswochen auf 15-Minuten-Basis zeigt.

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100 zum Abrechnungstermin am Terminmarkt im Januar 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nasdaq 100 zum Abrechnungstermin am Terminmarkt im Januar 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Da tat sich nahezu nichts, bis der Nasdaq 100 am Donnerstag auf einmal mit einem „Gap Up“, einer Aufwärts-Kurslücke, durchstartete und dann am Freitag nach einem erneuten Gap Up wie an der Schnur gezogen immer höher lief. Ohne entsprechende bullische News. Aber während des Abrechnungstags. Die Zuordnung der Käufe auf das Konto des Terminmarkts ist also naheliegend. Die Frage ist: Warum lief das so? Und ist das an der Börse aktuell ein Wegweiser für die kommenden Tage?

Wer hat die Rallye befeuert … und wie?

Mit dem, was wir oben als Mini-Schnellkurs im Kompaktstil über die Optionen erfahren haben, können wir einige „W-Fragen“ beantworten.

Wer? Für diejenigen, die Call-Optionen besaßen oder aber Put-Optionen verkauft hatten, war dieser Ausbruch auf neue Rekorde ideal. Was auch das „Warum“ beantwortet: deutlich mehr Gewinn, vor allem in Bezug auf Options-Basispreise, die vor der am Donnerstag aus dem Nichts losgetretenen Rallye noch unerreichbar schienen. Entsprechend billig waren solche Calls zu haben, entsprechend teuer waren Puts zu verkaufen, weil sicher schien, dass die Kurse den Basispreis nicht überwinden werden.

Wie? Auf der simplen Ebene ist die Antwort natürlich einfach: Indem gezielt gekauft wurde, sei es am Kassamarkt, sei es über die Futures. Aber das greift zu kurz, denn auch, wenn es hier um Unsummen geht, die gewonnen oder verloren werden können und die hohen Hebel gezielte Käufe am Markt rechtfertigen könnten: Man kann ja nie sicher sein, dass die Gegenseite womöglich stärker ist, die Käufe überrannt werden und man so Geld verliert, während die eigene Options-Strategie zugleich ebenso in den Verlust gerät. Um das zu vermeiden, braucht es zwei Faktoren:

Zwei Dinge braucht der Terminmarkt-Trader, um sein Ziel durchzuboxen

Einen Trend, der in die richtige Richtung weist … und Schützenhilfe. Und beides war hier gegeben. Ob im Chart des Dow Jones ganz oben oder im unten folgenden Chart des Nasdaq 100, wir sehen:

Der Trend wies grundsätzlich aufwärts, wenngleich er seit der vorherigen Terminbörsen-Abrechnung Mitte Dezember in eine Seitwärtsbewegung übergegangen war. Damit hatten wir eine Konstellation, in der zwar sehr viele Anleger insgesamt bullisch waren, aber nicht davon ausgingen, dass die bisherigen Hochs kurzfristig nennenswert überwunden werden. Damit ließen sich Puts mit Basispreisen knapp über den bisherigen Hochs, ob bei den Indizes oder Einzelaktien, gut verkaufen. Und Calls mit Basispreisen über den bisherigen Hochs waren, kurz vor ihrer Abrechnung, billig.

Perfekt, wenn es dann nur noch gelingt, die Puts wertlos zu bekommen und die scheinbar wertlosen Calls in die Gewinnzone zu bringen, indem der Markt im letzten Moment nach oben ausbricht. Aber wie, ohne mehr Geld in die Hand nehmen zu müssen, als das einbringt?

Dafür war diese Konstellation ideal. Denn zum einen würde ein Ausbruch dadurch automatisch Käufe technisch orientierter Trader und der Handelsprogramme auslösen. Zum anderen würden dadurch Käufe generiert, die von denen kommen, die Short waren und ihre Stop Loss-Kauforders für leer verkaufte Aktien oder Index-Short-Trades knapp über das bisherige Hoch gelegt hatten. Beides generiert Käufe, so dass man bei den großen Playern am Terminmarkt damit rechnen durfte, dass der eigene, nötige Kapitaleinsatz durch diese zu erwartende Schützenhilfe überschaubar bleibt, weil er sich nur aufs „Anschieben“ des Impulses beschränken muss. Die zwei Tage vor der Abrechnung herrschende Konstellation bot sich für einen solchen Coup also förmlich an.

Nächster Halt, neue Rekorde? Es könnte auch ganz anders kommen.

Und wie lange kann der Ausbruch nachwirken, sprich werden die drei großen US-Indizes jetzt weiterlaufen, wird die nächste Abrechnung dann ebenfalls neue Rekorde bringen? Der folgende Chart, der die Abrechnungstermine der vergangenen Monate beim Dow Jones mit Pfeilen markiert, zeigt: Dass Abrechnungstermine bestehende Trends intensivieren, ist eher üblich. Aber in Bezug auf die Frage, wie es danach weitergeht, gibt es keine klare Guidance. Da muss man anders herangehen.

Börse aktuell: Entwicklung Dow Jones nach den Terminmarkt-Abrechnungen von Juli 2023 bis Januar 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Dow Jones nach den Terminmarkt-Abrechnungen von Juli 2023 bis Januar 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Und zwar mit der Frage, ob die großen Akteure am Terminmarkt sich ausrechnen könnten, dass ein gezieltes Hinarbeiten auf eine Februar-Abrechnung auf erneut höherem Niveau sich rechnet oder nicht. Und da sollte man jetzt genau hinschauen. Denn solche großen Akteure am Terminmarkt sind ja mehrheitlich „alte Hasen“, die die Gemengelage am Markt sehr genau einschätzen können. Und die ist für noch höhere Kurse nicht gerade ideal. Wenn man sich, wie im folgenden Chart gezeigt, ansieht, dass die Renditen am US-Anleihemarkt schon seit einiger Zeit wieder steigen und damit zuvor voreilig eingepreiste, zahlreiche Zinssenkungen der US-Notenbank als Argument für steigende Aktienkurse gerade wieder auspreisen, wird klar:

Man sollte die Wahrscheinlichkeit, dass es zur alternativen Variante von „beim nächsten Mal noch höher“ kommt, lieber nicht zu niedrig einschätzen, denn normalerweise steigen Aktien nicht, wenn Anleihe-Renditen nach oben laufen, sondern fallen, wie der Chart zeigt. Zumal:

Börse aktuell: Entwicklung US-Staatsanleihen mit Laufzeit 10 Jahren und S&P 500 im Vergleich von Mai 2023 bis Januar 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung US-Staatsanleihen mit Laufzeit 10 Jahren und S&P 500 im Vergleich von Mai 2023 bis Januar 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Durch die Schützenhilfe von beim Ausbruch nach oben vorgenommenen Käufen und den Eindeckungen leer verkaufter Aktien ist Kaufdruck entstanden, in den hinein die Terminmarkt-Player die Aktien oder Futures, die sie zum „Anschieben“ dieses für sie perfekten Abrechnungs-Szenarios gekauft haben, ideal sofort wieder abstoßen konnten. Oder es, wenn heute erst einmal durch diese neuen Schlusskurs-Rekorde charttechnisch motivierte Anschlusskäufe kommen, noch tun könnten.

Damit wären sie komplett „raus“: Die Optionen sind abgerechnet und damit nicht mehr existent, die Positionen, um den Markt dafür höher zu ziehen, wieder verkauft. Man wäre also völlig frei, die Strategien jetzt komplett neu auszurichten. Ob es so kommt, werden die kommenden Tage zeigen. Aber damit ist klar: Alles, was diese neuen Hochs bei Dow, S&P und Nasdaq ausgelöst hat, ist jetzt über die Bühne, daher ist Vorsicht geboten: Eine Bullenfalle wäre keinesfalls unmöglich!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Dass große Adressen am Aktienmarkt zu Beginn eines neuen Jahres ihre Strategien überprüfen und neu ausrichten, ist bekannt und auch nachvollziehbar. Doch wie solide sind die dabei losgetretenen Impulse? Ergäbe es einen Sinn, denen zu folgen … oder wäre man im Gegenteil gut beraten, sich nicht auf die Aktionen der institutionellen Investoren zu verlassen?

Der Start des DAX ins neue Jahr war nicht gerade grandios, unter dem Strich lief er seitwärts, liegt an der Börse aktuell knapp 50 Punkte unter dem Schlusskurs 2023. Aber innerhalb der 40 DAX Aktien tat sich allerhand. Einige zogen davon wie vom wilden Affen gebissen, andere Titel kamen massiv unter den Hammer. Und das beschränkte sich nicht auf den DAX, sondern passierte auch in den anderen Indizes, in Europa insgesamt, an der Wall Street. Und es ist ganz normal, dass wir so etwas sehen, denn:

Die Zeitpunkte, die für große Adressen wie Fonds, Hedgefonds oder Pensionskassen wie Meilensteine sind, weil da eine für die Kunden und die, die es noch werden sollen, relevante Performance ausgewiesen wird, sind auch die Gelegenheiten, die Ausrichtung der Portfolios neuen Chancen und Risiken anzupassen. Ein Abschnitt ist geschafft, jetzt schaut man, wie man den nächsten angehen will. Da werden dann bestimmte Branchen untergewichtet oder gar bei Hedgefonds auf der Short-Seite angegangen, andere massiv gekauft, teilweise wird auch innerhalb einer Branche differenziert. Was tat sich da zum Start ins Jahr 2024 beim DAX?

Viele stark gegenläufige Impulse zum Start ins Jahr

Börse aktuell: DAX Verlierer der ersten zwei Handelswochen 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
DAX Verlierer der ersten zwei Handelswochen 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Auffällige Impulse sahen wir beispielsweise bei den Chemietiteln, die kräftig an Boden verloren, auch bei den Automobilwerten kam Druck auf. Am heftigsten erwischte es Zalando als Vertreter des Einzelhandels. Gut liefen Rheinmetall und Airbus, Heidelberg Materials als Baustoff-Hersteller, aber auch die Telekom und Beiersdorf als eine Art „sicherer Hafen“.

Börse aktuell: DAX Gewinner der ersten zwei Handelswochen 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
DAX Gewinner der ersten zwei Handelswochen 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Interessant waren die beiden Versorger-Aktien im DAX, den hier wurde offenbar gezielt ein Unterschied gemacht: E.ON rein, RWE raus aus den Portfolios, allerdings ohne neue Nachrichten seitens der Unternehmen.

Börse aktuell: Kursentwicklung Versorgerwerte im DAX in den ersten zwei Handelswochen 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Kursentwicklung Versorgerwerte im DAX in den ersten zwei Handelswochen 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Und auch das fiel auf: Die beiden Banktitel im DAX zogen in der ersten Woche rasant an, wurden also offenbar von einigen großen Akteuren gezielt übergewichtet, konnten diese Stärke aber nicht in die zweite Woche retten. Ist das nicht bereits ein Indiz dafür, dass solche „Neujahrs-Impulse“ nicht weit reichen und man das besser ignorieren sollte?

Börse aktuell: Kursentwicklung Banken im DAX in den ersten zwei Handelswochen 2024 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Kursentwicklung Banken im DAX in den ersten zwei Handelswochen 2024 | Quelle: marketmaker pp4

Ergebnisse von Neujahrs-Impulsen 2023: Mal so, mal so

So einfach ist es nicht. Oft gehen solche Impulse ins Nichts und man hätte besser daran getan, solchen Käufen und Verkäufen mit der Brechstange nicht zu folgen. Manchmal aber sind sie wirklich Basis längerer Trends. Sehen wir uns dazu einmal die ersten sechs Monate 2023 anhand einiger Beispiele an:

Börse aktuell: DAX-Aktien, die 2023 stark starteten und weiter stiegen | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
DAX-Aktien, die 2023 stark starteten und weiter stiegen | Quelle: marketmaker pp4

Wir sehen hier, dass die vier im folgenden Chart abgebildeten Kandidaten alle zum Jahresstart kräftig gekauft wurden und nach sechs Monaten immer noch gut liefen. Hier, bei Airbus, BMW, DHL und SAP, hätte es sich also gerechnet, den Impulsen zu Jahresbeginn zu folgen. Aber wie eingangs betont: Das läuft ganz und gar nicht immer so. Es folgen vier Beispiele, wie es schief gehen kann:

Auch Chemie und Pharma liefen in den ersten Tagen des Jahres 2023 wie geschnitten Brot. BASF und Bayer zogen immens an. Auch die Medizintechnik war stark, hier als Beispiel mit dabei: Sartorius. Und man setzte große Stücke auf einen wieder erstarkenden Einzelhandel und kaufte sich kräftig bei Zalando ein. Der folgende Chart zeigt, was von diesem Optimismus nach sechs Monaten übrig blieb. Und, was bleibt als Fazit?

Börse aktuell: DAX-Aktien, die 2023 stark starteten und danach fielen | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
DAX-Aktien, die 2023 stark starteten und danach fielen | Quelle: marketmaker pp4

Die, die da viel bewegen, können auch nicht hellsehen

Das Fazit muss lauten: Die institutionellen Investoren mögen viel Erfahrung haben, darauf verlassen, dass daraus auch Gewinn entsteht, kann man sich aber nicht. Denn auch, wenn sie aufgrund der schieren Masse an zu bewegendem Kapital Trends „machen“ können, so ist Erfahrung nicht mit der Fähigkeit gleichsetzbar zu wissen, was die Zukunft bereithält. Auch Profis können dramatisch schief liegen mit ihren Entscheidungen.

Daher wäre der beste Weg, angesichts solcher Impulse erst einmal zu prüfen, ob man diese Bewegungen selbst unterschreiben würde. Ergibt das, was die großen Adressen tun, aus meiner Sicht einen Sinn oder nicht? Ich für meinen Teil wäre da momentan geteilter Meinung: Die Chemie noch weiter zu verkaufen, obwohl sie schon einen gewaltigen Abstieg hinter sich hat, wirkt auf mich nicht allzu tragfähig; dass die Autobauer an der Börse aktuell unter Druck geraten, erscheint mir zumindest bei den Aktien, die 2023 noch recht gut gelaufen waren, nachvollziehbarer.

Dann sollte man darauf achten, ob es wirklich Käufe vermeintlicher 2024er-Favoriten oder Verkäufe von potenziellen Verlierern sind, die die Kurse bewegen. Denn speziell die Airbus-Aktie dürfte vor allem von der Sondersituation profitieren, dass Hauptkonkurrent Boeing erneut ernste Probleme hat. Aber ob Neukunden deswegen zu Airbus abwandern, wie man es jetzt in die Aktie einpreist, ist eben bislang nur eine Vermutung und keine Gewissheit.

Lieber selber denken statt „denken lassen“

Letzten Endes sollte man immer selbst entscheiden, was man für richtig hält. Sich an die Meinungen bzw. Handlungen anderer dranzuhängen in der Hoffnung, dass die es besser wissen, ist immer nur die zweitbeste Lösung. Was übrigens, das soll aber Thema eines anderen Beitrags sein, auch für neue Kursziele und Einstufungen durch Analysten gilt:

Auch da reagieren die Kurse so oft sklavisch entsprechend eines neuen Kursziels, dass man sich fragen muss, ob nicht zu viele Anleger „denken lassen“, statt selbst abzuwägen, was zu tun ist. Ich plädiere ganz entschieden für Letzteres, nicht nur trotz, sondern gerade wegen der Tendenz, dass die künstliche Intelligenz langsam auch an der Börse Einzug hält.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt