Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.


Börse aktuell vom 06.-12.12.2021

Die Bären sind zurück – was sollten Unerfahrene jetzt tun?

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DAX
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Es gibt drei trendbewegende Gruppen von Marktteilnehmern. Normale Anleger, die Aktien kaufen und verkaufen. Bullische Trader, die über Derivate Long gehen und Aufwärtstrends damit intensivieren. Und die Short-Seller, die Bären. Letztere zeigen sich oft Monate, bisweilen Jahre nicht. Aber jetzt sind sie wieder da. Das dürfte vor allem die Unerfahrenen in die Bredouille bringen, denn viele haben noch nie einen „Bärenmarkt“ erlebt!

Es war der Mittwoch an der Wall Street, der in meinen Augen den Beweis lieferte, dass die Angstgegner der Bullen zurück sind: die Bären. Die, die nicht einfach Aktien verkaufen. Sondern die, die sie leer verkaufen, gezielt dort Druck machen, wo es den Bullen am meisten wehtut. Und die über Leerverkäufe hinaus massiv in den Futures Short gehen. Bei Intraday-Turnarounds wie am Mittwoch, hier im folgenden Chart am Beispiel des marktbreiten S&P 500-Index dargestellt, läuft es bullischen Tradern, die so etwas schon kennen, kalt den Rücken herunter. Denn das macht die Sache schwieriger, komplizierter … und riskanter.

Börse aktuell: Intraday Turnaround im S&P 500 im November 2021 | Online Broker LYNX

Aber richtig kritisch würde es vor allem für die wenig erfahrenen Anleger, für diejenigen, die erst seit der Wende nach dem „Corona-Crash“ im März 2020 neu dazugekommen sind. Denn sie wurden mit einem Szenario, in dem sie nicht einfach nur ab und an von größeren Verkäufen gebremst werden, sondern in dem ihre Käufe gezielt gekontert werden und in dem sie in Fallen gelockt werden, noch nie konfrontiert.

Sollten sich diese ersten Lebenzeichen der Bären verstetigen (dessen man sich nie sicher sein kann), kann das viele schnell all das kosten, was sie an Gewinnen im Vorfeld zusammengetragen haben … wenn sie jetzt nicht schnell verstehen, wie man mit einem Markt, in dem die Short-Seller, die Bären, aktiv mitspielen, umgeht.

Wer sind diese „Bären“ eigentlich … und wo kommen sie plötzlich her?

Manch einer mag sich fragen, wo diese Short-Seller auf einmal herkommen, schließlich haben die ja wohl nicht anderthalb Jahre einfach gar nichts getan. In der Tat nicht … und das ist ein ganz entscheidender Punkt: Die Short-Seller, die sich jetzt wieder zeigen, waren vorher Bullen!

Es gibt zwar nicht wenige Marktteilnehmer, die grundsätzlich und immer nur auf der bullischen Seite agieren, d.h. Aktien kaufen, sie aber nie leer verkaufen, in Derivaten Long, aber nie Short gehen. Aber die erfahrenen, flexiblen Trader folgen dem Trend und nutzen Gelegenheiten. Sie sind nicht stur auf eine Richtung fixiert, sondern wechseln schnell und emotionslos das Lager, wenn sie erkennen, dass die Umstände dergestalt sind, dass die Unterseite der Kurse die „weiche“, verletzlichere ist und man daher dort sein Geld verdienen kann. Und das hat einen Effekt, den viele bislang nicht erkannt haben dürften:

Die Käuferseite hat all diese Akteure verloren. Und wenn wir uns ansehen, wie massiv die jüngsten Verkaufswellen ausgefallen sind, lässt sich unterstellen, dass da auch so mancher größere Hedgefonds die Seiten gewechselt hat. Es sind also nicht nur auf einmal Gegner aufgetaucht, wo vorher keine waren. Es handelt sich auch noch um Akteure, die vorher im bullischen Lager agierten, d.h. zeitgleich mit dem Auftauchen der Bären wird das eigene Lager spürbar kleiner. Und wenn das passiert, ändert sich die Struktur des Marktes.

Wenn die „Short-Seller“ aktiv werden, ändert sich die Struktur des Marktes

Denn so hat das bullische Lager doch überhaupt erst einen Gegner. Jemanden, der verkauft, wenn Widerstände erreicht werden. Der Erholungen gezielt abschießt, während normale Anleger einfach mitlaufen, sobald die Bullen an einem Support zur Attacke blasen und ihnen das Leben dadurch zusätzlich erleichtern. Wie sich so etwas auswirkt, lässt sich gut am Verlauf des DAX der Vorwoche zeigen:

Börse aktuell: Der Kampf um die 200 Tage-Linie im DAX im Zeitraum Oktober bis Dezember 2021 | Online Broker LYNX

Derzeit ringt der deutsche Leitindex um die wichtige, im Chart dick rot hervorgehobene 200-Tage-Linie. Das war zuletzt Anfang Oktober der Fall, aber da sah das Chartbild deutlich anders aus. Der DAX war nur einen Tag und nur leicht unter diese Linie gefallen. Und danach sahen wir eine weiße Kerze nach der anderen über dieser Linie, d.h. die Schlusskurse lagen immer wieder über dem Eröffnungsniveau. Die Bullen agierten also nicht nur aktiv, sondern auch erfolgreich, so dass sich der DAX nach wenigen Tagen von dieser Linie löste. Was auch jetzt nicht ausgeschlossen wäre, aber die Chancen dafür stehen deutlich schlechter, weil man sieht, dass die Short-Seller jetzt sehr effektiv mitmischen.

Sie sehen, dass der DAX in der vergangenen Woche einen potenziell bullischen „Morning Star“ ausbilden konnte (rote Kerze, Doji, weiße Kerze). Die weiße Kerze führte sogar dazu, dass der Index wieder über die 200-Tage-Linie stieg. Doch um als Kaufsignal gültig zu werden, hätte der „Morning Star“ durch eine weitere weiße Kerze am Folgetag bestätigt werden müssen. Doch es kamen keine Käufe, sondern umgehend erneuter Abgabedruck. Und am Freitag startete der DAX genau auf Höhe der 200-Tage-Linie, hatte also einen Matchball, um doch noch die Kurve zu kriegen. Aber statt Käufen kamen sofort Verkäufe auf, so dass der Bruch der 200-Tage-Linie dadurch sogar noch bestätigt wurde. So sieht es aus, wenn die Bären agieren. Stellt sich indes die Frage: Warum denn ausgerechnet jetzt?

Wenn es um Geld geht, hört der Spaß auf … und Fakten werden Nebensache

Da gelang es monatelang, gegen Inflation, reißende Lieferketten, einen wankenden chinesischen Immobilienmarkt und die Schuldenblase ein Rekordhoch nach dem anderen zu erzielen und ausgerechnet dieses Auftauchen einer neuen Corona-Variante soll eine Hausse kippen, die zuvor gegen alles immun zu sein schien? Das wirkt unlogisch, immerhin sind die Corona-Maßnahmen der Regierungen jetzt weniger drastisch als zu früheren Phasen. Stimmt, aber:

Es geht ja auch nicht um Logik. Wie vergangene Woche schon geschrieben: Börse ist Kopfsache. Immer.

Jetzt treten die Fakten in den Hintergrund. Das Trading dominiert, charttechnische Marken sind wichtiger als das „Große Ganze“, denn die Emotionen regieren das Geschehen umso mehr, je höher die Volatilität wird. Es geht ums Recht haben und ums Gewinnen.

Wenn sie einen alten Hasen nach dem Grund fragen, wieso es in solchen Phasen vorgestern abwärts, gestern rauf und heute wieder runter ging, dürfte er erstmal tief Luft holen und von Themen sprechen, mit denen weniger erfahrene Anleger nicht rechnen würden. Es wird persönlich. Es geht darum, das Spiel mit dem Geld zu gewinnen. Um Gier und Angst, um den Augenblick. Was man am Chart des DAX gut sehen kann.

Und jetzt spielen die Bullen das Spiel eben nicht mehr alleine. Jetzt sind da große Trader, die die Bullen in Fallen laufen lassen. Die sie z.B. an Widerständen erst durchlassen und dann, wenn noch mehr bullische Trader eingestiegen sind, den Sack zumachen. Wer sich damit nicht auskennt, hochvolatile Phasen noch nie selbst mitgemacht hat, erkennt die Hintergründe der Kurssprünge nicht oder zu spät … und wird letztlich zum „Kanonenfutter“ der erfahrenen, großen Trader.

Und das wird vor allem für diejenigen jetzt gefährlich, die schon eine Zeit lang immer nur auf der Überholspur gefahren sind. Die sich nicht nur daran gewöhnt haben, dass „Long“ immer funktioniert, sondern deshalb auch dazu übergegangen sind, mit Derivaten und entsprechend hohen Hebeln zu agieren weil es doch bislang immer gut gegangen ist.

Die „Torero-Taktik“: Bären agieren sehr geschickt

Bären sind keine „Haudraufs“, sondern agieren sehr überlegt und taktisch clever. Vor allem wissen sie, dass die Gegenseite aus ungewöhnlich vielen „Rookies“ besteht, die ihnen leicht in die Falle gehen. Dass die Bullen zuletzt immer zahlreicher und massiver agierten, die Kurse mit der Brechstange nach oben prügeln und auch jetzt weiterhin versuchen werden, drohende, massive Short-Signale „wegzukaufen“, wird den einen oder anderen, der auf der Short-Seite keine Übung hat, zwar niedermetzeln. Aber nicht diejenigen, die schon vor zehn oder zwanzig Jahren erfahrene Trader waren.

Die passen ihre Positionsgröße der Volatilität an. Sie ziehen sich immer wieder schlagartig zurück, so dass die Käuferseite denkt, die Gefahr sei vorüber. Sie lassen sogar ganz bewusst bullische Signale zu, wenden die sogenannte „Torero-Taktik“ an, bei der sie erst dann wieder – dann aber umso massiver – zuschlagen, wenn den Bullen nach einer Kaufwelle das Geld ausgeht und sie zudem denken, die Sache sei bereinigt. Dann, wenn die bullische Seite nicht mehr so wachsam ist, sind sie auf einmal wieder da und sorgen durch solche Attacken, die man vom Zeitpunkt selten vorhersehen kann, für umso mehr Panik im gegnerischen Lager.

So läuft es immer. Das war 2000 bis 2003 so, 2008/2009 ebenso. Selbst in kürzeren, bärischen Phasen wie im für Europa ja insgesamt schwachen Jahr 2018, hier im Folgenden im Chart des Euro Stoxx 50 abgebildet. Wer das weiß, wird vorsichtig. Aber die meisten der wenig erfahrenen Anleger wissen genau das eben nicht.

Börse aktuell: Kursentwicklung des Euro Stoxx 50 im schwachen Jahr 2018 | Online Broker LYNX

Bleibt das jetzt so … oder ziehen sich die Bären bald wieder zurück?

Erfahrene Trader wissen, wenn sie besser die Seiten wechseln sollten. Das gilt derzeit für diejenigen, die jetzt Short agieren, weil sie den Markt – gerade mit Blick auf die vielen Unerfahrenen – als „reif“ angesehen haben. Aber genau diese Trader hätten auch keinerlei Problem damit, sich wieder ins Bullen-Lager zu begeben. Dass die Rahmenbedingungen für die Börsen das kurzfristig bedingen könnten, indem sie sich nennenswert verbessern, ist zwar eher unwahrscheinlich. Aber das muss auch nicht zwingend die Grundlage sein. Es kann reichen, dass ein Markt so rapide gefallen ist, dass es lohnt, den Gewinn auf der Short-Seite einzustreichen – nichts anderes hatten wir ja im März 2020 erlebt:

Börse aktuell: Das Verhalten der Bären am Beipiel des DAX im März 2020 | Online Broker LYNX

Im März gab es beileibe keine guten Argumente für eine wilde Hausse. Aber die vorherige Abwärtsbewegung war eher ungewöhnlich, weil es keine nennenswerte Gegenwehr gab. Es ging wie ein Strich nach unten. Und als dann die „Mega-Unterstützung“ in Form der Hochs der Jahre 2000 und 2007 in unmittelbare Nähe kam, begannen die ersten Short-Seller, ihre Gewinne einzustreichen, was automatisch dazu führt, dass die Kurse anziehen. Es waren diese Gewinnmitnahmen der Bären, die die Wende brachten. Ein ungewöhnliches Szenario, das den wenig erfahrenen Anlegern indes noch unmittelbar in Erinnerung ist, während sie von einem eher typischen Verlauf einer Baisse wie 2000-2003 oder 2008/2009 wenig oder sogar gar nichts wissen.

Das schürt die Erwartung, dass es, falls es jetzt weiter abwärts gehen sollte, so laufen wird wie 2020 und man deswegen gar nicht erst reagieren müsste – es geht ja sowieso schnell wieder nach oben. Doch letztlich man weiß nie, wann die Kurse nachhaltig wieder nach oben drehen, wenn die Verkaufslawine erst einmal begonnen hat. Das muss man wissen, um sich richtig zu verhalten.

Wie geht man mit dieser Entwicklung um?

Aber was kann man konkret tun, um in einer solchen Situation eben nicht zu Kanonenfutter zu werden? Da man nicht hellsehen kann und da es bei fallenden Kursen noch viel mehr um Emotionen geht als in einer Hausse, darf man nicht erwarten, dass da dann alles klappen wird. Wendemarken nach oben oder unten können, wie der Chart des Euro Stoxx 50 des Jahres 2018 zeigte, charttechnisch fundiert sein, müssen es aber nicht. Bullen- und Bärenfallen häufen sich, wenn Volatilität und Umsätze steigen. Es kann also nur darum gehen, so wenig wie möglich falsch zu machen bzw. in einer unberechenbaren Phase so wenig wie möglich Verluste zu kassieren und im Idealfall mit Gewinn herauszukommen.

  1. Erwarten Sie das Unerwartete: In solchen Phasen Geld zu verdienen, das wirkt leicht, wenn man sich starke Impulse im Nachhinein betrachtet. Aber wenn man mittendrin steckt, weiß man nun einmal nicht, was morgen sein wird. Sie sollten auf keinen Fall etwas als „sicher“ betrachten und erst recht nicht stur an einer (immer subjektiven) Marktmeinung festhalten, völlig egal, ob Sie da steigende oder fallende Kurse erwarten.
  2. Runter mit dem Risiko: Wenn die Prognosereichweite für den Markt so gering ist, dass man auf Sicht navigieren muss, tut man sich nichts Gutes, wenn man mit hohem Kapitaleinsatz, hohen Hebeln oder auch noch mit beidem agiert. Unangenehme Entscheidungen treffen sich leichter, wenn da nicht Haus und Hof davon abhängen. Reduzieren sie das im Markt befindliche Kapital unbedingt so weit, dass Sie ruhig schlafen können. Die größten Gewinne macht man in ruhigen Trendphasen und nicht dann, wenn die Kurse Veitstänze vollführen.
  3. Handeln Sie emotionslos und pragmatisch: Das ist zwar leicht gesagt, aber eben auch entscheidend. Agieren Sie auf keinen Fall gegen die aktuelle Trendrichtung, wenn Sie nicht gerade ein im Pulverdampf ergrauter Trader sind, der Nerven wie Stahlseile hat. Agieren Sie niemals ohne Stoppkurse und nutzen Sie die Möglichkeit, Stop Loss-Orders zu setzen, wenn Sie traden. Denn Stopps, die nur im Kopf existieren, werden, wenn es darum geht, sie umzusetzen, gerne durch Durchhalteparolen und Ausreden ersetzt, weil es halt schon Überwindung kostet, eine Position im Verlust zu beenden.

Wie gesagt: Perfekt kann es in einer Phase, in der wir so viele Risiken haben, die jetzt ins Bewusstsein vieler zurückkehren können und in der es zugleich so viele neue Anleger gibt wie seit dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 nicht, nicht laufen. Wenn es ruppig wird, muss man daher defensiver agieren, obwohl einen die Emotionen locken, jetzt aber mal so richtig zuzuschlagen. Ich persönlich denke, das Wichtigste ist, dass man sich zu jedem Moment darüber im Klaren ist, dass Emotionen nicht nur die anderen in Fallen locken können, sondern auch einen selbst!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 03.12.2021, Chartquelle marketmaker pp4

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Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

Die heftige Reaktion der Aktienmärkte auf die neu entdeckte Virus-Mutation am Freitag zeigt vor allem eines: Was an der Börse passiert, ist manchmal logisch … aber meistens nicht. Das wiederum erscheint denen unlogisch zu sein, die glauben, gerade an den Börsen müssten kluge Köpfe das Geschehen dominieren und Kursbewegungen daher immer rational fundiert sein. Aber das ist nicht so. Börse ist Kopfsache. Immer. Und was in unseren Köpfen vorgeht, wird meist von Emotionen gelenkt.

„Omikron“ heißt sie jetzt also, die neue, in Südafrika entdeckte Mutation des SARS COV19-Virus. Als in der Nacht zum Freitag die ersten Meldungen eintrudelten, verkauften viele Akteure ihre Positionen unlimitiert. Wer etwas nachdachte, erkannte: Logisch war diese Reaktion nicht. Nicht logisch in Bezug auf die möglichen Konsequenzen dieser Mutation, denn die kann man noch nicht abschätzen. Nicht logisch, weil andere Belastungsfaktoren wie Inflation, „Flaschenhals“ und Schuldenblase vorher einfach ignoriert wurden und für die Wirtschaft eigentlich schwerwiegender sind.

Und was wäre, wenn …

Dass „Omikron“ nochmal deutlich ansteckender ist als die „Delta“-Variante, die wiederum weit ansteckender ist als das Ursprungs-Virus, ist wohl sicher. Und ja, das würde bedeuten, dass die eigentlich von der Politik ausgeschlossenen Lockdowns zurück sind. Hierzulande droht das ja schon ohne „Omikron“. Und ja, das wäre gar nicht gut für die Wirtschaft. Aber kommt es denn wirklich so und wenn ja, wie kann man den Schaden dann einordnen, umgerechnet in DAX-Punkte?

Erstens kann man das in keiner Weise absehen, weil solche Situationen nun einmal dazu führen, dass sich Politik und Wissenschaft entlang dem vorantasten, was die Bedrohungslage ihnen unverhofft vor die Füße wirft. Zweitens, und das erscheint mir persönlich entscheidend, weiß man eines noch in keiner Weise: Wie gefährlich „Omikron“ für den menschlichen Körper ist.

Sicher, die Datenlage ist noch viel zu dünn, um daraus mehr als einen Gedanken zu machen, aber aus Südafrika hören wir, dass die bisher verfolgten Verläufe bei der Omikron-Mutation leicht sind. Und das wäre auch logisch. Denn Viren sind ja nicht daran interessiert, ihren Wirt umgehend zu meucheln. Das verhindert ja die Vermehrung. Ebola taucht nur ab und an mal auf und verschwindet von alleine, weil dieses Virus so tödlich ist, dass die Opfer kaum Zeit haben, andere anzustecken. Ideal wäre für diese Mutation, wenn sie nur so viel Schaden anrichten würde wie eine ganz leichte Grippe. Denn wenn der Wirt überlebt, kann er das Virus eben auch lange weitertragen. Am besten ist es da für das Virus, wenn der Wirt nicht mal merkt, dass es da ist.

Und nur mal angenommen, „Omikron“ würde nur leichte Verläufe verursachen und massiv ansteckend sein, so dass es die gefährlicheren Varianten schnell verdrängt: Wäre das letztlich nicht ein „Best Case-Szenario“? Denn das hieße: Der Spuk könnte dank solcher wenig gefährlichen Mutationen bald vorbei sein.

Börse aktuell: Meldung über Corona-Mutation Omikron führt zu Schock beim DAX | Online Broker LYNX

Aber dieser Gedanke tauchte bei der Reaktion der Aktienmärkte, hier vorstehend beispielhaft der DAX auf 15-Minuten-Basis über den Verlauf der vergangenen Woche, nicht auf. Nicht bei einer Abwärts-Kurslücke um die drei Prozent. Zwischenfazit: Viren gehorchen einer gewissen Logik. Anleger an der Börse aktuell nicht. Weil?

Emotionen: Evolutionärer Vorteil und Handicap zugleich

Weil wir als Menschen einen evolutionären Vorteil haben, durch den wir uns aber immer wieder auch selbst ein Bein stellen: Wir haben Emotionen. Wir können Freude, Liebe, Wut, Angst und Trauer empfinden. Wir sind mitfühlend und barmherzig, können aber auch mitleidlos und voller Hass sein. All das bewegt sich auf einer Ebene, die die Logik weitgehend, in extremen Situationen sogar ganz aussperrt. Und je wichtiger etwas für uns ist, desto emotionaler betrachten wir es. Geld ist für die meisten wichtig. Und wenn es um die Altersvorsorge geht, wenn Geld, das dafür da sein soll, uns später durchs Leben zu helfen, mehr oder weniger wird, kann es nicht wundern, dass dabei Emotionen zu Tage treten, die dazu führen, dass wir uns unlogisch verhalten.

Ein weiteres emotionales Element ist die Verunsicherung. Wenn eine Situation so komplex und/oder so unvorhersehbar wird, dass wir nicht mehr erfassen können, wie es weitergeht bzw. was da am Ende dabei herauskommt, neigen wir dazu, uns „anzuhängen“, d.h. uns der Mehrheit der anderen anzuschließen in der Hoffnung, dass die Masse a) weiß was sie tut und b) mehr Sicherheit bietet. Kurz:  Wenn’s eng wird, erliegen viele dem Herdentrieb.

Der Haken dabei ist, dass die Mehrheit keineswegs immer richtig liegt. Vor allem an der Börse nicht, denn erstens ist die im Verhältnis zu den meisten anderen Lebenssituationen besonders komplex. Zweitens sind Emotionen grundsätzlich kein guter Ratgeber, vor allem, wenn es um die an der Börse dominanten Emotionen Gier, Angst und Unsicherheit geht.

Diese Aspekte zusammengenommen führen zu Tagen wie dem vergangenen Freitag. Zu Tagen, bei denen die erfahrenen Anleger (zu denen ich mich nach nunmehr 32 Jahren als Trader zähle) erstmal nur verwundert aus der Wäsche schauen, um dann zu dem Schluss zu kommen, dass der alte Spruch, dass man sich an der Börse irgendwann über nichts mehr wundert, schon seine Berechtigung hat.

Was zu kompliziert ist, kommt unter die Käseglocke

Die Disziplin des „behavioural finance“, die sich mit den Verhaltensmustern der Anleger befasst, kennt diese so seltsam wirkenden Reaktionen. Eine Faustregel ist: Was zu komplex ist und/oder Auswirkungen hat, die man nicht quantifizieren kann, wird tendenziell ausgeblendet. Auf kleine und/oder fassbarere Risiken reagieren die Menschen, auf die ganz großen Probleme nicht, wenn sie den Horizont des Erfassbaren überschreiten. Und das gilt derzeit für so ziemlich alle Damoklesschwerter, die über der Börse aktuell hängen … außer Corona.

Mein Schwerpunkt im Studium war Logistik. Mir war schon damals, in den Achtzigerjahren, bewusst, dass eine minimierte Lagerhaltung, ermöglicht durch „just in time“-Lieferungen, im Prinzip genial ist, aber die Gefahr birgt, dass, wenn da ein Glied in der Kette reißt, alles außer Kontrolle geraten kann. Aber auch ich hätte nie gedacht, dass das Herunter- und Herauffahren der Wirtschaft derartige Probleme auslösen können, hätte nicht ansatzweise abschätzen können, welche Folgen zudem ein ein paar Tage quer im Suezkanal liegendes Containerschiff haben könnte.

Der Rattenschwanz, der daraus entstand, erreicht alle möglichen Branchen zu unvorhersehbaren Augenblicken, mit unvorhersehbarer Dauer und unvorhersehbarer Härte. Das treibt die Preise und sorgt für das nächste Problem in Form von rasant steigenden Kosten. Dauer und Reichweite? Unvorhersehbar, zumal da ja auch noch der Faktor der Spekulation an den Rohstoffmärkten hinzukommt. Das wiederum trifft auf eine Schuldenblase, die, begünstigt durch zu viele Jahre mit niedrigsten Zinsen, bei Unternehmen und Privathaushalten gleichermaßen zu finden ist. Bei Regierungen zwar auch, aber die können im Notfall einfach Geld „machen“, Unternehmen und Bürger nicht (zumindest nicht straflos). Fazit:

Niemand kann wirklich abschätzen, wie heftig das wird, wie lange es dauert, ob man selbst betroffen sein wird oder nicht. Und da steht man als Anleger, wissend, dass „billig“ und „teuer“ schon in normalen Börsenphasen relativ ist, mit einer Sammlung von Fragezeichen über dem Kopf da. Die Folge: Die meisten tun so, als wäre nichts, packen also alles unter eine große Käseglocke und folgen der Herde.

Börse aktuell: Kursverlauf des DAX kurz vor der Subprime-Krise im Jahr 2008 | Online Broker LYNX

Der Haken bei dieser „Strategie“: Die Herde kann falsch liegen. Denn der Gedanke, dass die anderen schon wissen, was sie tun, ist bei derart komplizierten Rahmenbedingungen wie aktuell gewagt. Einer rennt los, ein paar andere folgen … und schon rennt die ganze Herde im Glauben, dass, wer vorne weg läuft, den Weg kennt. Das vorstehende Beispiel des Jahres 2008 zeigt, dass das auch mal dramatisch schiefgehen kann.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Die Risiken der „Herdentaktik“ werden durch die Medien noch verschärft. Denn wenn ein Thema zu komplex erscheint und/oder schon „ausgeleiert“ ist, so dass man damit keine Quote mehr machen kann, fällt es gerne mal unter den Tisch. Ein typisches Beispiel ist die Situation in Myanmar, die mittlerweile von der ersten Position in den Schlagzeilen zur Randnotiz wurde. Genauso war es aber 2008 auch mit der geplatzten US-Immobilienblase!

Nachdem Anfang 2008 nach langer Phase des Ignorierens (dass da etwas ganz gewaltig anbrennt, konnte man schon im Sommer 2007 klar sehen, wollte man aber nicht) eine erste Selloff-Phase entstand, erholten sich die Märkte wieder. Auch deshalb, weil das Feuer eine Zeit lang keine neue Nahrung bekam bzw. weil es so kompliziert, die Konsequenz all dessen so unberechenbar und zugleich die Thematik so unbeliebt war. Die Folge: Immer mehr Anleger verloren dieses eigentlich alles dominierende Problem aus den Augen, sahen die Kurse sich erholen und schlossen sich einfach der Herde an. Erst kurz vor der Lehman-Pleite wurde das Thema wieder in die oberste Reihe der Schlagzeilen gehoben … und viele Anleger fielen aus allen Wolken.

Aus den Augen, aus dem Sinn … das funktioniert umso leichter, je emotional negativer die Einstellung gegenüber der Thematik ist. Wer kann, tut so, als wäre alles wie immer. Und wer die Situation aufgrund  der Komplexität der Problematik nicht überblickt, sowieso.

Daher wundert es mich nicht, dass man nach dieser „Omikron“-Meldung an der Börse aktuell nahezu panische Verkäufe sah, während fatale Inflationszahlen, Meldungen über massenhaft anstehende Preiserhöhungen, Staus von Containerschiffen vor den großen Häfen oder über einen wankenden Immobilienmarkt in China keine oder nur marginale Reaktionen der Anleger nach sich ziehen. All das wirkt weit entfernt, komplex, unberechenbar. Zumal ja Regierungen und Notenbanken mehrheitlich immer noch so tun, als hätten sie all das im Griff. Corona aber, das haben wir direkt vor der Nase.

Das Dumme an dieser Käseglocke ist …

In Bezug auf Inflation, „Flaschenhals“, die Schuldenblase oder China würden die Reaktionen sofort nicht weniger drastisch ausfallen, wenn diese derzeit eher unter dem Teppich vor sich hin gärenden Gefahrenelemente wieder an die Oberfläche treten. Durch die Medien, durch persönliches Erleben vor der eigenen Haustür oder durch beides. Oder wenn …

Börse aktuell: Euro Stoxx 50 kurz vor der 200-Tage-Linie im November 2021 | Online Broker LYNX

… die Kurse jetzt nicht sofort aufgefangen und nach oben gedreht werden. Die Chance wäre ja da. Ja, der DAX ist durch seine 200-Tage-Linie gerasselt. Aber der Euro Stoxx 50 beispielsweise noch nicht, siehe der vorstehende Chart. Gelingt es, sofort und effektiv dagegenzuhalten, besteht die Chance, dass diejenigen, die am Freitag noch massiv erschrocken sind, nicht nur die Chance in „Omikron“ sehen, die eine (bislang ja immerhin mögliche) Kombination aus schneller Verbreitung und geringer Gefährdung aufgrund milden Verlaufs bieten könnte. Sondern dass zudem diese „Käseglocke“, unter der man zusammen mit dem Rest der Herde die anderen, grundsätzlich noch gefährlicheren Probleme verborgen hat, dicht bleibt.

Denn bevor man etwas mehr oder weniger bewusst unter die Käseglocke verbannt, muss man es ja erst einmal wahrgenommen und dann verdrängt haben. Was bedeutet, dass all diejenigen, die nicht komplett ohne Erfahrung und Fachkenntnis dastehen, sehr wohl unterbewusst um diese Risiken wissen. Es fällt leicht, sie unter Verschluss zu halten, solange die Kurse steigen, man sich somit in der Sicherheit der Herde weiß und diese Herde nicht durchdreht. Aber wenn sie durchdreht, wenn es schief geht, egal, weshalb das passiert, dann drängen all diese verdrängten Gefahren wieder ins Bewusstsein zurück.

Jetzt gilt: Augen auf und die Hände ruhig halten!

Die kommenden Tage könnten daher Weichen stellen. Nicht nur bis zum Jahresende, auch darüber hinaus. Wenn die großen Aktienmärkte ihre Schere zwischen Kursniveau und Rahmenbedingungen schließen würden, könnten sie beispielsweise von der Jahres-Performance her nahe an die Märkte heranrücken, bei denen diese Käseglocke nicht entstanden ist, beispielsweise am chinesischen Aktienmarkt, hier im Folgechart repräsentiert durch den HSCEI, den Hang Seng China Enterprises Index, der die größten, in Hongkong frei handelbaren chinesischen Unternehmen listet. Das Problem dabei:

Börse aktuell: Kursentwicklung des S&P 500 im Vergleich zum Hang Seng China Enterprises Index im Jahr 2021 | Online Broker LYNX

Die Nachrichtenlage hinsichtlich Corona wird jetzt zum Zünglein an der Waage. Gelingt es, aufgrund der jetzt am Wochenende eingelaufenen Meldungen, dass z.B. Biotech und Moderna schnell in der Lage wären, sich mit neuen Impfstoffen auf “Omikron“ einzustellen und/oder Meldungen über eine geringere Gefährlichkeit dieser Mutation die Stimmung von Angst zurück auf Hoffnung zu drehen, werden auch die Themen Inflation, Flaschenhals, Schuldenblase oder China unter dem Teppich bleiben. Wenn nicht, könnte, wie im Herbst 2008, alles, was vorher verdrängt wurde, auf einmal wieder hochkochen.

Es ist jetzt ratsam, immer ein Auge auf sein Depot zu haben. Da man aber nicht weiß, was an Nachrichten kommen wird, sollte man sich hüten, kurzen, womöglich nur Stunden vorhaltenden Impulsen hinterher laufen zu wollen. Besser wäre an der Börse aktuell: Positionen so weit reduzieren, dass sie einem nicht den Schlaf rauben, Stoppkurse konsequent entlang charttechnischer Ankerpunkte setzen … und sie, wenn sie erreicht werden und man nicht mit Stop Loss agieren will, auch emotionslos und konsequent umsetzen!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 26.11.2021, Chartquelle marketmaker pp4

Vor über acht Monaten hatte ich an dieser Stelle über das „Notenbank-Dilemma“ geschrieben, über das Problem, dass man seitens der Währungshüter eigentlich nur zwischen Pest und Cholera wählen könne, wenn es darum geht, die Inflation zu stoppen. Damals lag die deutsche Teuerungsrate bei 1,7 Prozent, die in den USA ebenso. Heute liegt die Inflation hierzulande bei 4,5, in den USA bei 6,2 Prozent. Und die Notenbanken tun weiterhin nichts. Wieso?

Zum Zeitpunkt dieses damaligen Artikels war es vor allem die Flut an eilig per Knopfdruck erschaffenem Geld, das erwarten ließ, dass die Inflation über die eigentlich definierten Zielzonen, die, zuletzt gezielt schwammig formuliert, irgendwo zwischen 2,0 und 2,5 Prozent liegen, hinaus schießen würde. Von einem „Flaschenhals“ und einer mit ihm einhergehenden, wüsten Spekulation an den Rohstoffmärkten war damals noch nichts zu sehen. Diese Kombination aus einer völlig aus dem Tritt geratenen Logistik und steigenden Rohstoff- und Energiepreisen kam jetzt noch dazu. Die Notenbanken aber tun trotzdem nichts. Folgt daraus nicht eine Katastrophe mit Ansage?

Wenn man sich anschaut, wie immens die Energiepreise seit Anfang des Jahres gestiegen sind, wird deutlich, dass dieser Winter für sehr viele Menschen hart wird, zumal auch die Preise für immer mehr Nahrungsmittel kräftig zulegen, befeuert durch Lieferengpässe und extrem gestiegene Transportkosten. Als wäre die Preisexplosion bei Öl, Gas und Kohle (siehe der folgende Chart) nicht schon genug, kostet beispielsweise Containerfracht momentan das Dreifache dessen, was man zu Jahresanfang bezahlen musste.

Bugwelle Erzeugerpreise: Zehn Prozent Inflation wären nicht unmöglich

Börse aktuell: Anstieg der Energiepreise am Beispiel von Gas, Kohle und Rohöl im Jahr 2021 | Online Broker LYNX

Da wirken die 4,5 Prozent Inflation in Deutschland, die wir im Oktober sahen, noch erträglich. Doch nur, wenn die Preise jetzt schlagartig einbrechen würden, würde die Inflation auch dort bleiben. Denn die Kosten, die die „Erzeuger“, also das produzierende Gewerbe, zu stemmen haben, sind weit, weit mehr gestiegen. Die folgende Grafik ist schlichtweg erschreckend. Hier sehen wir, wie diese sogenannte Erzeugerpreis-Inflation derzeit aussieht. 18,4 Prozent höher als von einem Jahr liegen die Kosten, wie das Statistische Bundesamt am Freitag meldete. So etwas haben wir in Deutschland zuletzt 1951 erlebt. Damals aber in einem Umfeld immensen Wachstums. Heute hingegen ist das Wachstum instabil und mickrig. Das kann also nicht einfach weggesteckt werden. Von den Unternehmen nicht, von den Verbrauchern nicht. Denn am Ende kommt diese Explosion der Erzeugerpreise bei Letzteren an.

Börse aktuell: Entwicklung der Erzeugerpreise und Verbraucherpreise in Deutschland im Vergleich von 2001 bis 2021 | Online Broker LYNX

Das ifo-Institut führt regelmäßig Umfragen unter Unternehmen der verschiedensten Branchen durch. Schon seit Monaten steigt der Anteil derjenigen Firmen, die ihre Preise erhöht haben bzw. in Kürze erhöhen wollen. Denn natürlich versucht man dort, diesen den Gewinn dramatisch drückenden Kostendruck an die Endkunden weiterzugeben. So gut es eben geht. Natürlich wird es nur in wenigen Bereichen möglich sein, fast 20 Prozent höhere Preise zu verlangen, ohne dadurch Umsatzeinbußen zu kassieren, die die höheren Preise egalisieren. Aber eine Inflationsrate von zehn Prozent hierzulande, das ist keineswegs unmöglich. Was bedeutet:

Die Prognosen lagen voll daneben, trotzdem macht man genauso weiter

Ob US-Notenbank oder EZB, man hätte längst aktiv werden müssen. Zwar sucht man in der Geschichte vergebens nach Fällen, in denen die Notenbanken vorausschauend und schnell gehandelt hätten. Sie sind nahezu immer hintendran, weil sie eine ausufernde Inflation nicht vorhersehen, sondern immer mit Projektionen daherkommen, die eine Zukunft zeichnen, in der alles ganz genau im Lot ist. So hatte die EZB beispielsweise noch im Herbst 2020 vorhergesehen, dass die Inflation Ende 2021 bei 1,7 Prozent liegen werde. Die US-Notenbank „sah“ damals eine Inflationsrate von 1,8 Prozent. Heute wissen wir:

Mehr daneben geht nicht. Und trotzdem behaupten die Notenbanken in einem Umfeld aus dem Ruder gelaufener Teuerung steif und fest: Kommendes Jahr passt wieder alles. Die US-Notenbank behauptet (momentan noch), die Inflation werde Ende 2022 bei 2,2 Prozent liegen, die EZB „sieht“ für Ende 2022 1,7 Prozent. Und behauptete übrigens noch in der jüngsten Prognose vom September, dass die Inflation der Eurozone in diesem Jahr, also per Ende Dezember, bei 2,2 Prozent liegen werde. Was hieße, dass sie ja genau da liegen wird, wo sie sein soll und somit jedwede Aktivitäten unnötig sind. Dass wir für die Eurozone insgesamt per Ende Oktober bei 4,1 Prozent liegen, scheint sie nicht zu irritieren. Dabei könnte es jetzt doch wirklich keine Ausreden mehr geben, um wenigstens mit Gegenmaßnahmen hinterherzulaufen. Kann man so blind sein? Oder steckt etwas anderes dahinter?

Alles nur „temporär“?

Natürlich tut es das. Nur können weder US-Notenbank noch EZB das offen zugeben, denn es hieße, man müsste Fehler eingestehen, die überhaupt erst in diese Bredouille geführt haben.

Der folgende Chart zeigt, dass die EZB seit ihrem Bestehen immer weniger auf die Inflation reagierte. Was sie jedoch eigentlich hätte tun müssen. Denn ihr Auftrag ist die Sicherstellung der Geldwertstabilität. Ein wenig Inflation ist gut … nicht für uns Sparer und Konsumenten, aber für diejenigen, die sich massiv mit Krediten bedienen … zu viel hingegen muss gestoppt werden. Eigentlich. Aber:

Börse aktuell: Entwicklung Leitzins und Inflationsrate in der Eurozone im Vergleich von 1994 bis 2021 | Online Broker LYNX

Jetzt kommen beide Notenbanken mit den Sprüchen daher, dass man sich fürchterlich hüten müsse, „vorschnell“ und „unangemessen“ auf eine nur „temporäre“ Situation zu reagieren. Der verwunderte Zeitgenosse fragt sich da natürlich: Was wäre denn nicht „vorübergehend“ auf dieser Welt? Alles ist eine Frage des Zeitrasters. Und nirgendwo steht, dass ein, zwei Jahre als so temporär anzusehen sind, dass man keinen Finger rühren müsste. Denn eines übersieht, wer sich von solchen Sprüchen beruhigen ließe:

Wenn die Inflation im kommenden Jahr wieder bei zwei Prozent läge, wir aber im Jahr 2021 am Ende bei, sagen wir, sieben Prozent herauskommen, ist der Schaden ja angerichtet, der nicht hätte passieren dürfen. Denn dann kostet etwas, das vorher 100 Euro kostete, eben 107 Euro und würde, mit zwei Prozent Inflation im Jahr 2022 obendrauf, dann mehr als 109 Euro kosten. Genau das soll ja eben nicht sein. Vor allem nicht, wenn die Löhne nicht mit steigen. Was sie nicht tun. Aber …

… würden sie es, würden diese Kosten für die Unternehmen ja noch obendrauf kommen, sie müssten die Preise nur umso mehr erhöhen, weil die Arbeitskosten steigen … und wir hätten die übliche, in jedem VWL-Lehrbuch zu findende Lohn/Preis-Spirale. Das sollten Notenbanker wissen.

Börse aktuell: Entwicklung Leitzins und Inflationsrate in den USA im Vergleich von 1978 bis 2021 | Online Broker LYNX

Aber dort hört man, ob aus den USA oder bei uns, dass man bislang keine Risiken bei der Lohnentwicklung sehe. Fein. Aber wenn sie da sind, ist es zu spät, um einzugreifen. Genau das hat man in den Sechziger- und Siebzigerjahren auch verpfuscht. Und da fanden sich die US-Leitzinsen 1980 dann bei 19 Prozent wieder, nur, weil man vorher nicht zeitgerecht gehandelt hat.

Dass das ganz bestimmt nicht wieder passiert, beteuern Notenbanker derzeit permanent. Ihre Argumente sind jedoch nicht schlüssig. Was nicht wundert, denn sie können nicht schlüssig sein. Man versucht abzuwiegeln, weil man in Wahrheit weiß, was passiert, wenn man dem Auftrag, den Geldwert stabil zu halten, nachkommen würde: Die „Sünden der Vergangenheit“ würden die Notenbanken einholen … und die Bürger müssten diese Zeche bezahlen. Die da wären?

Die Sünden der Vergangenheit

Irgendwann wurde deutlich, dass man in einem Umfeld, in dem zwar das Vermögen einer Bevölkerung permanent steigt, dies aber dadurch zustande kommt, dass immer weniger immer schneller immer mehr haben, während der Großteil der Menschen immer weniger hat, nur noch Wachstum generieren kann, indem man für „billiges Geld“ sorgt. Wachstum geht nur noch, wenn Kredite durch immer neue, noch größere Kredite abgelöst werden. Aber irgendwann ist natürlich der Punkt erreicht, an dem immer mehr ihre Kredite nicht zurückzahlen können. Und wenn das passiert, siehe den Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts 2008, zerbrechen die Banken, die dann mit Geld, für das am Ende alle einstehen müssen, gerettet werden. Geld, das noch „billiger“ ist und die Verschuldung noch höher auftürmt.

Aber ob es zwischendrin zu einem Kollaps kommt oder nicht: All das funktioniert nur, wenn man genug Inflation hat, damit sich die Schulden langsam selbst abzahlen. Und immer niedrigere Zinsen, damit genug Private und Unternehmen gelockt werden, immer mehr Schulden aufzunehmen, um dadurch ein Konsumwachstum zu generieren, das ansonsten nicht mehr existieren würde. Und nur durch einen stetig steigenden Konsum können die Schulden insgesamt, Inflation oder nicht, noch einigermaßen bedient werden. Ein Kreislauf, aus dem man, wenn man es erstmal auf die Spitze getrieben hat, nicht mehr herauskommt. Und all die vielen Jahre mit niedrigsten Kredit- und Hypothekenzinsen sind eben diese „Spitze“.

Würden die Notenbanken ernsthaft die Leitzinsen anheben, hieße das: Die Kosten für die Schuldendienste würden immens steigen. Es ist nicht unbedingt entscheidend, ob die Neufestlegung eines Kreditzinses ein Prozent höher liegt, wenn der Zins vorher bei sieben oder acht Prozent lag. Lag er vorher bei einem Prozent und landet dadurch bei zwei, sehr wohl. Die Notenbanken stecken also in einer Sackgasse. Und das ist nicht einmal das einzige Problem.

Die Ohnmacht gegenüber dieser „besonderen“ Inflation

Eigentlich müsste es völlig egal sein, warum genau die Preise aus dem Ruder laufen. Wenn die Geldvernichtung den von den Notenbanken als „gesund“ angesehenen Level übersteigt, müssen sie handeln. Doch das Dumme ist: Wir sehen gerade eine Gemengelage, in der die Inflation anders strukturiert ist als im Lehrbuch. Grundsätzlich sagt man:

Steigende Preise basieren auf einer zu stark gestiegenen Nachfrage. Die ermöglicht es den Unternehmen, die Preise zu erhöhen, weil die Verbraucher genug Geld haben, um auch mehr zu bezahlen. Um das nicht ausufern zu lassen, muss man nur die Kosten für Kredite erhöhen, sprich die Zinsen anheben, um die Verbraucher in ihrem „Konsumrausch“ zu bremsen. So einfach ist das. Im Lehrbuch. Aber nicht in der Realität.

Denn was wir jetzt sehen, ist eine Inflation, die durch eine Verknappung des Angebots entstanden ist. Weil zu wenig nachkommt, steigen die Rohstoffpreise und das führt zur Inflation. Aber wie will man durch steigende Zinsen die Rohstoffpreise senken? Und, vor allem: Wie will man durch höhere Zinsen erreichen, dass die Spekulation am Rohstoffmarkt aufhört? Denn die Rohstoffpreise, ob Energie oder Grundstoffe, Metalle oder Nahrungsmittel, entstehen an der Börse. Zocken Spekulanten gezielt auf Hausse, steigen die Preise selbst dann, wenn das Angebot ausreichend wäre. Und alle zaghaften Versuche, nach den üblen Erfahrungen der Jahre 2007/2008, als wir schon einmal eine völlig abgedrehte Spekulation-Hausse bei Rostoffen sahen, das einzuschränken, sind gescheitert. Und noch etwas führt dazu, dass die Notenbanken sich darin überschlagen, die Problematik kleinzureden, schauen Sie sich mal den folgenden Chart an:

Börse aktuell: Entwicklung der Börsenkredite in den USA von 1985 bis 2021 | Online Broker LYNX

Die niedrigen Zinsen haben auch die Spekulation auf Kredit an den Börsen befeuert. Das Volumen der Kredite, mit denen Sicherheitsleistungen für Derivate-Geschäfte bezahlt werden, steigt von einem Rekord zum nächsten. Per Ende Oktober waren es 935 Milliarden US-Dollar, alleine in den USA, die da an Krediten laufen. Was, wenn steigende Zinsen diese Kreditkosten verteuern? Wir reden hier ja von gehebelten Derivaten. Das heißt, dass jeder Dollar auf Pump in einem Derivat in Wahrheit fünf, zehn oder zwanzig Dollar am Markt abbildet. Wenn diese Kredite schnell und weit heruntergefahren werden müssten, könnte das den Markt „crashen“, denn das Gros dieses Geldes dürfte, natürlich, an der Börse aktuell auf der Hausse-Seite stecken.

Ausreden, die uns teuer zu stehen kommen können

Unter dem Strich bedeutet das: Die Notenbanken finden eine Ausrede nach der anderen, reden von „vorschnell“ und „unangemessen“, wenn man sie nach der Erfüllung ihrer Pflichten fragt, sprechen von rein „temporären“ Phänomenen. Aber nicht, weil sie das unbedingt auch wirklich glauben. Sie wissen eben, dass es umso schlimmer wäre, würden sie erklären, dass die jahrelange Nullzinspolitik als Kniefall vor einer sich stetig weitenden sozialen Schere und deren Folgen in eine Sackgasse geführt hat, aus der weder ein entschiedenes Handeln noch das Verweigern jedweder Gegenmaßnahmen herausführen würde.

Nur kommen, um diese Aussage vom März zu wiederholen, die Folgen eines „Laissez faire“ gegenüber der Inflation weniger schnell als zügige Zinserhöhungen, zumal, wie gesagt, höhere Zinsen das Problem der steigenden Rohstoffpreise, basierend auf den gerissenen Lieferketten und der Spekulation bei Rohstoffen, ohnehin nicht lösen würden. Und jetzt?

Börse aktuell: Entwicklung Euro Stoxx 50 und Inflationsrate in der Eurozone im Vergleich von 1995 bis 2021 | Online Broker LYNX

Wer sich dessen gewärtig wird, dürfte verstehen, warum man bei dieser Hausse, auch, wenn eine immer höhere Inflation immer mehr Menschen in den Aktienmarkt „presst“ und der Anstieg daher durchaus noch eine Weile anhalten könnte (nie muss!), nicht ohne Fallschirm unterwegs sein darf.

Denn ja, die Inflation kann von alleine wieder weggehen, so, wie das 2008 auch der Fall war. Aber das passierte damals deswegen, weil eine Rezession den Aktienmarkt und den Konsum zeitgleich einbrechen ließ, wie der vorstehende Chart zeigt. Und diese Art von „Lösung“ des Inflationsproblems würde man sich wiederum auch nicht wünschen, denn diese Zeche zahlen wir dann am Ende alle.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 19.11.2021, Chartquelle marketmaker pp4

Jeder von uns hat das schon einmal erlebt: Man platziert, weil man ja vernünftig sein will, eine Stop Loss-Verkaufsorder für eine Position. Der Stop Loss wird „abgefischt“, die Position verkauft und prompt geht es wieder in die eigentlich richtige Richtung. Nur ist man da dann eben draußen. Weil dieser Stop Loss gegriffen hat. Wer hat sich da nicht schon geschworen, sich nie wieder ausbremsen zu lassen? Wer hat dann nicht schon auf eine Absicherung verzichtet … und fiel dann erst Recht auf die Nase? Ein paar Gedanken zum Thema Stoppkurse.

An der Börse gilt „Unverhofft kommt oft“, was heißt: Ein Trend kann aus heiterem Himmel kippen … und dann wäre man, egal, ob Long oder Short, gut beraten, so schnell wie möglich aus einer Position heraus zu sein. Also ergeben Stoppkurse Sinn, vor allem die Stop Loss-Orders, bei denen man automatisch aussteigt, weil man die Verkaufsorder bereits im Vorfeld mit einem entsprechenden Limit zum Ausstieg eingegeben hat. Eigentlich.

Würden die nur nicht so oft „abgefischt“. Wer hat nicht schon das Gefühl gehabt, die Kurse laufen absichtlich genau an diesen vorgegebenen Punkt der Stop Loss-Order, nur, um einem die Position zu kassieren? Aber das ist natürlich nicht so. Bei Index-Trades oder einer Position auf einen Blue Chip sind die Umsätze riesig. Niemand interessiert sich da für meine, im Vergleich zum Gesamtumsatz winzig kleine Position. Also ist der Gedanke, dass da irgendwer sagt: „Guck mal, da hat der Gehrt seinen Stopp, den machen wir platt“ und sich vor Vergnügen auf die Schenkel klopft, blanke Paranoia.

Trotzdem … es passiert halt. Aber ist das ein Argument, um entweder nur noch Stoppkurse auf Schlusskursbasis zu setzen, damit man nicht durch kurzlebige Intraday-Ausschläge „rasiert“ wird? Oder gleich ganz darauf zu verzichten und nur bei einem Kontrollblick auf den Kursverlauf anhand der charttechnischen Lage zu beurteilen, ob es an der Zeit wäre, eine Position zu schließen? Es gibt Fälle, in denen das klug sein könnte. Aber in der Regel meine ich: Die Risiken, die man eingeht, wenn man ohne einen Stop Loss agiert, sind deutlich größer, als ab und an unglücklich aus einer Position zu fliegen. Nur empfindet man das oft nicht so. Das hat vor allem zwei Gründe:

Mehr Schaden als Nutzen? Das täuscht!

Zum einen ist es normal, dass gerade bei aggressiven, kurzfristigen Trades relativ oft der Stop Loss greift, weil man ihn gezielt eng setzt. Dadurch entstehen viele, aber immer nur kleine Verluste. Aber man neigt dazu, deren Zahl im Kopf zu behalten und nicht den dadurch entstandenen Verlust mit einem Schaden zu vergleichen, der entstanden wäre, wenn man keine Absicherung vorgenommen hätte.

Zweitens bleiben einem Trader negative Erlebnisse eher im Bewusstsein als Erfolge. Auch das vor allem wegen der reinen Zahl. Wer mit Stopps arbeitet, hat selten eine Trefferquote über 50 Prozent. Und eigentlich weiß man ja, dass das auch weder machbar noch nötig ist, solange die Gewinntrades mehr bringen, weil man einen Trendimpuls voll mitnimmt, bei den Verlusttrades aber nur kleine Verluste hinnehmen muss … wenn man Stoppkurse setzt.

Aber es ist eben so: Hängen bleiben vor allem solche Fälle, wie sie der folgende Chart zeigt:

Börse aktuell: Positionierung einer Stop Loss Order am Beispiel der Norde Aktie | Online Broker LYNX

Hier sehen wir einen typischen Fall aus der Rubrik „dumm gelaufen“. Nordex eröffnete den Handel am vergangenen Dienstag mit einer gewaltigen Kurslücke nach unten, rutschte dadurch ganz kurz, aber relativ weit unter das vorherige Tief und sauste danach sofort nach oben. Zum Haare raufen! Aber diese Entwicklung hat durchaus einen erklärbaren Hintergrund, dazu gleich.

Wichtig ist vor allem, sich immer daran zu erinnern, dass keineswegs alle, meist nicht einmal mehr als die Hälfte ausgelöster Stop Loss-Verkäufe unglücklich ausgehen. Warum sollte man sich nicht vor allem an diejenigen Fälle erinnern, die einem richtig Geld gespart haben wie beispielsweise unlängst bei der Zalando-Aktie, die der folgende Chart zeigt?

Börse aktuell: Positionierung einer Stop Loss Order am Beispiel der Zalando Aktie | Online Broker LYNX

Stoppkurse im Kopf? Schön und gut, aber …

Dieses Beispiel Zalando zeigt auch, warum Stoppkurse, die man nicht im Vorfeld als Stop Loss eingibt, sondern quasi „im Kopf setzt“, um sie dann selbst umzusetzen, problematisch sein können.

Grundsätzlich klingt es ja sinnvoll, erst einmal abzuwarten, ob sich eine anfangs wegbrechende Aktie nicht doch noch zum Handelsende erholt, so dass man gar nicht aussteigen müsste. Da wäre man im Fall Nordex nie ausgestiegen, wenn man hier vorher einen Long-Trade etabliert hätte, weil der Kurs ja sofort wieder gestiegen war und zum Handelsende nur noch ein Mini-Minus auswies, das für den Verkauf keinen Grund hergegeben hätte. Aber so läuft es ja nicht immer. Das nächste Beispiel zeigt einen typischen Fall, in dem man sich an den typischen Spruch gehalten hätte: „bei Erreichen streichen“:

Börse aktuell: Positionierung einer Stop Loss Order am Beispiel der Grenke Aktie | Online Broker LYNX

Als die Grenke-Aktie mit einem Abwärts-Gap durch den im Mai etablierten Aufwärtstrend rauschte, hätte ein Stop Loss Long natürlich gegriffen. Aber wer nur einen „Stopp im Kopf“ gehabt hätte, hätte einen Ausstieg wohl angesichts der deutlichen Erholung der Aktie vom Tagestief wieder gestrichen. Doch am Folgetag fiel die Aktie doch wieder und schloss noch unter dem Tief des Vortages. Wie viele hätten sich da dann gesagt: Jetzt hat es auch keinen Sinn mehr … und wären nicht ausgestiegen?

Dass Grenke dann das Mai-Tief hielt, wäre in diesem Fall Glück gewesen. Aber: Das war dann eben an der Börse aktuell ein Beispiel von Glück und nicht ein Beweis dafür, dass es klug ist, nicht auf negative Entwicklungen zu reagieren!

Das ist einfach normal: Womit man immer rechnen muss

Jetzt aber noch einmal zurück zum Fall Nordex und dem Grund, warum der Kurs unter das vorherige Tief fiel. Nordex hatte am Vorabend nach Handelsende vorläufige Ergebnisse zu den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres vorgelegt. Die Anleger hatten also bis zum nächsten Morgen Zeit, sich zu entscheiden, was sie am Folgetag tun würden. Sie sehen: viele wollten umgehend aussteigen. Dass die Aktie dadurch so tief eröffnete und das letzte Tief unterbot, ist genau dadurch erklärbar.

Denn dadurch, dass diese Zahlen des Vorabends nicht gut aufgenommen wurden, passierte folgendes:

Börse aktuell: Unterschiedliche Orientierungen für eine Stop Loss Order am Beipiel der Nordex Aktie | Online Broker LYNX

Zunächst einmal gab es mindestens drei typische Bereiche, an denen zuvor Long eingestiegene Trader ihre Stop Loss-Verkaufsorders orientiert haben dürften, die habe ich oben im Chart in grün eingezeichnet. Da lagen also schon Verkaufsorders im Markt. Die werden zwar, im Gegensatz zu direkten Verkäufen, erst „aktiviert“, wenn die Aktie auch den entsprechenden Kurslevel erreicht, aber:

Es kamen ja noch zu Handelsbeginn reichlich „Bestens-Orders“ hinzu, d.h. unlimitierte Verkäufe als Reaktion auf diese Nachrichten vom Vorabend. Und denen standen halt so gut wie keine Kauforders entgegen, denn wer sah, dass Nordex am Vorabend nachbörslich nachgab, ging natürlich hin und stornierte seine Limit-Käufe. Am Dienstagmorgen standen also eine Menge Verkaufsorders nahezu null Kauforders gegenüber. Und das hatte Folgen.

Die Händler können Aktien-Verkaufsorders nur zum nächstliegenden Kaufgebot abwickeln. Und das lag in diesem Fall eben erst meilenweit tiefer. Dabei hätte das vorherige Tief, das am Freitag zuvor ausgebildet wurde, zwar halten können. Aber dadurch, dass diese so tiefe Eröffnung auch noch alle darüber liegenden Stop Loss-Orders auslöste, wurden Kaufgebote, die im Bereich des Freitags-Tiefs lagen, eben schnell „abgearbeitet“ … und da dann immer noch Angebot übrig war, ging der Kurs eben unter dieses Tief.

Erst, als diese hektische Eröffnung über die Bühne war, sortierte man sich neu. Wer sich die Nordex-Zahlen genauer angesehen hatte und erkannte, dass die so übel eigentlich nicht waren, zugleich aber ahnte, dass es womöglich zu einer überzogenen, durch die Abwärts-Kurslücke noch intensivierten negativen Reaktion kommen könnte, hielt sich zunächst zurück. Diese Klientel kaufte erst etwas später, als all diese Verkaufsorders und Stop Loss-Verkäufe abgewickelt waren … und schon ging es mit der Aktie steil aufwärts. Denn die vielen Verkaufsorders waren ja „durch“, so dass diesmal ein Überhang auf der Nachfrageseite entstand. Also:

So etwas passiert, das ist einfach die „Mechanik der Börse“. Und es ist deswegen kein Argument, Stop Loss-Absicherungen einfach bleiben zu lassen. Gut, auch hier könnten einige argumentieren: Ja, aber die Aktie ist ja seither wieder gestiegen, also war es richtig, nicht auszusteigen. Im Ernst?

Ob mit oder ohne Stoppkurs: Schlauer ist man immer erst danach!

Ich höre diese Argumente zwar oft. Und nicht selten werden die dann mit solchen Charts angeblich unterfüttert, in denen ein Kurs nach einem Abriss schnell wieder zulegt. Aber das ist ja nun einmal nicht immer so. Es ist typisch Mensch, dass man, wenn man eigentlich weiß, etwas Unvernünftiges getan zu haben, fleißig nach Argumenten sucht, um das im Nachhinein vor sich selbst zu rechtfertigen. Das erinnert an die Leute, die sich nie anschnallen und einem permanent erzählen, dass ihnen noch nie etwas passiert ist. Dabei ignorieren sie, dass das nur daran liegt, dass sie seither noch keinen Unfall gebaut haben. Im Fall der Stop Loss-Verweigerer ist es ähnlich: Sie halten einem immer wieder Charts unter die Nase, die Bullen- und Bärenfallen zeigen, in denen man mit Stopps auf dem Glatteis gelandet wäre. Charts wie den folgenden sieht man dann nie:

Börse aktuell: Positionierung einer Stop Loss Order am Beispiel der TeamViewer Aktie | Online Broker LYNX

Man weiß nun einmal zum Zeitpunkt eines plötzlich rasant in die falsche Richtung laufenden Kurses nie, wie lange die Bewegung weitergeht, wie weit sie führt. Also kann man auch nicht ernsthaft glauben, dass man zum Zeitpunkt, der eine Entscheidung erfordert, erleuchtet den Blick in die Zukunft geworfen hätte und sah, was die anderen nicht sahen. Das behaupten zwar manche … im Nachhinein. Aber ein solcher Selbstbetrug entlarvt sich schnell, wenn diese „Seher“ in den nächsten Situationen gleich mehrfach voll daneben liegen. Ich habe es noch nie anders erlebt.

Außerdem liefert man sich ja, wenn man Stop Loss-Absicherungen setzt, nicht einfach wehrlos dem Schicksal aus … man kann schon etwas tun, um das Risiko zu reduzieren, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Wohin mit dem Stopp: Ein konkretes Beispiel

Stoppkurse machen Arbeit. Man kann sie natürlich einfach irgendwohin setzen und dort stehen lassen, aber das widerspricht ja ihrem eigentlichen Sinn, eine Position so eng wie möglich und sinnvoll gegen Verluste abzusichern bzw. dann später die Gewinne zu sichern. Also sollte man regelmäßig überprüfen, ob ein Stop Loss da, wo er liegt, noch sinnvoll ist oder ob man ihn nicht enger ziehen sollte. Oder, in Ausnahmefällen, sogar besser etwas weiter setzt. Nehmen wir mal als Beispiel den DAX.

Stand Donnerstag sehen wir hier an der Börse aktuell ein Wassertreten im Bereich des vormaligen, im August bei 16.030 Punkten erreichten Rekordhochs. Der Index rutschte in den letzten Tagen bis 15.985 Punkte, tiefer nicht. Sollte man knapp darunter einen Stop Loss Long setzen? Das könnte man dann tun, wenn man bewusst kurzfristig und aggressiv tradet. Die Frage ist: Was darf man unter „knapp“ verstehen? In diesem Fall: 50 Punkte darunter, eher noch etwas mehr. Grund:

Börse aktuell: Unterschiedliche Orientierungen für eine Stop Loss Order am Beipiel des DAX | Online Broker LYNX

Je länger sich eine Seitwärtsbewegung über einer wichtigen Unterstützung hinzieht, desto mehr Akteure kaufen beim Touchieren dieser Unterstützung und platzieren ihre Stop Loss knapp darunter, um gezielt wenig zu riskieren. Das hieße, dass ein auch nur knappes Abrutschen unter das jüngste, ultra-kurzfristige Tief bei 15.985 Punkten diese Stop Loss auslösen und den DAX für Stunden, womöglich sogar nur für Minuten tiefer drücken könnte, er aber gleich wieder anziehen könnte, sobald diese Stop Loss abgearbeitet sind. Und jetzt muss man weiter überlegen:

Im Bereich 15.780/15.830 Punkte finden wir den doppelten, kurzfristigen Leitstrahl der Rallye in Form der kurzfristigen Aufwärtstrendlinie und der 20-Tage-Linie. Dieser Support liegt also schon nahe und kommt täglich näher. Daher wäre es realistisch zu vermuten, dass der DAX, sollte er kurzfristig nach unten wegsacken, gleich bis dorthin rutscht, dann aber von bullischen Tradern aufgefangen wird. Das hieße, man muss sich jetzt entscheiden:

Entweder man setzt seinen Stop Loss Long bewusst hauteng und steigt, wenn der DAX dann doch gleich wieder dreht, wieder ein. Oder man nimmt die nächste Unterstützungszone 15.780/15.830 Punkte mit in die Überlegung hinein und siedelt den Stop Loss mit einem Risikopuffer von mindestens einem halben Prozent unter dieser Zone an. Sie sehen: Stoppkurse machen Arbeit. Aber die hat auch ihren Sinn.

Nie ohne Gurt!

Fazit: Ja, rein von der Zahl der Fälle her ist es gut möglich, dass man über Stop Loss-Absicherungen öfter flucht als man sie als Segen betrachtet. Aber es geht eben, wie erwähnt, nicht um die reine Zahl, es geht ums Geld. Viele kleine Verluste von – nur im Nachhinein erkennbar – nicht zielführenden Stop Loss-Verkäufen sind in der Regel unter dem Strich viel weniger teuer, als würde man ohne Absicherung seltener, dafür aber äußerst brutal auf dem Bauch landen. Ich agiere so gut wie nie ohne Stop Loss … und wenn, dann nur bei gezielten, extrem spekulativen „Fire & Forget“-Zocks, die selbstredend nur eine Winzigkeit des Gesamtkapitals ausmachen.

Da das Motto der Börse „Unverhofft kommt oft“ lautet, auch, wenn das über keinem Börsenportal in Stein gemeißelt ist, darf man von Absicherungen eben ebenso wenig Perfektion erwarten wie von allem, was man an der Börse tut. Wer das weiß, macht mit konsequenten Absicherungen seinen Frieden und erwartet auch nicht, dann immer zum perfekten Kurs herauszukommen. Wichtig ist doch nur, am Ende mehr und nicht weniger Geld zu haben als vorher. Und um das zu erreichen, sind Stoppkurse nun einmal äußerst hilfreich!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 11.11.2021, Chartquelle marketmaker pp4

Sie, liebe Leserinnen und Leser, die diese Kolumne zum Wochenstart lesen, kennen sich mit der Börse aus, davon kann ich ausgehen. Aber wie viele andere kennen Sie, die glauben, dass hinter der Aktie der Porsche Automobil Holding das Unternehmen steckt, dass die Porsche-Sportwagen baut? Die glauben, die US-Firma Merck und unsere im DAX notierte Merck seien ein und dasselbe und die EBITDA für einen neumodischen Vornamen für Mädchen halten? Ich persönlich denke, jeder von uns sollte zusehen, dass die Ahnungslosen erkennen, dass sie mehr wissen müssen, wenn es um ihr Geld geht. Denn wenn die Schiffbruch erleiden, trifft das am Ende uns alle.

Wer ein Auto steuern kann, aber nicht weiß, was genau wirklich passiert, wenn man das Pedal X tritt oder den Knopf Y betätigt, fällt auf die Nase, wenn das Ding auf einmal stehenbleibt. Entweder tut man dann gar nichts und wartet auf Hilfe. Oder aber man versucht, am Fahrzeug herumzupfuschen ohne zu wissen, was genau man da eigentlich macht … und macht es dadurch in der Regel nur noch schlimmer. Trotzdem sehen sich nur wenige bemüßigt wirklich verstehen zu wollen, wie ihr Auto funktioniert. Schließlich gibt es Pannenhelfer und Werkstätten, die es richten.

Viele neu hinzukommende Anleger sehen das in Bezug auf die Börse genauso. Mit den Jahren wurde es immer einfacher, zu kaufen und zu verkaufen. Ein Tippen auf einer App reicht schon, und man ist dabei. Genauso wie bei den immer mehr mit „Helferlein“ ausgestatteten Autos verliert man dadurch den Eindruck, etwas eigentlich recht komplexes zu tun. Wozu lernen, was hinter all dem steckt, wenn es einem so einfach gemacht wird?

Doch was, wenn es auf einmal nicht so läuft wie gedacht? Wenn die Kurse fallen, obwohl man doch eigentlich sicher war, dass sie immer nur steigen werden? Die Reaktion ist dieselbe wie im Fall der Autopanne: Entweder man tut nichts oder man fängt an, wild herumzupfuschen. Der Unterschied: Hier gibt es dann keine Pannenhelfer und Werkstätten, die einem aus der Patsche helfen.

Daher bin ich der Ansicht, dass es einfach zwingend ist, als erfahrener Anleger diejenigen, die es nicht sind und die glauben, auch keinerlei Wissen erwerben zu müssen, zu animieren, sich zu informieren, was sie da eigentlich tun mit ihrem Geld, das oft das Ersparte von Jahrzehnten und wichtiger Teil der Altersvorsorge ist. Denn mit jedem noch unerfahrenen Anleger, der sich schlau macht, bevor das Kind im Brunnen liegt, ist das Risiko geringer, dass diese Tendenz, ahnungslos an der komplizierten „Maschine Börse“ herumzuwursteln, uns allen auf die Füße fällt.

VW & Porsche sind ein Beispiel, dass zu viele zu wenig wissen

Der folgende Chart ist für mich ein markantes Beispiel dafür, dass sich an der Börse aktuell immer weniger Anleger wirklich auskennen. Was für die USA übrigens noch weit mehr gilt als für uns hierzulande, denn dass die Volkswagen Stammaktie seit Anfang des Jahres so extrem vom Trend der im DAX gelisteten Volkswagen Vorzugsaktie abweicht, basiert auch darauf, dass die Stammaktie im Frühjahr von vielen US-Anlegern wie wild gekauft wurde. Nur ist das eben Unfug.

Börse aktuell: Unregelmäßigkeiten in der Kursentwicklung der VW Stammaktie, VW Vorzugsaktie und der Porsche Holding Aktie | Online Broker LYNX

Denn ja, die Stammaktie hat ein Stimmrecht, die Vorzugsaktie nicht. Aber da die Mehrheit der Stammaktien in der Beteiligungsgesellschaft Porsche Automobil Holding steckt, kann es da nicht darum gehen, dass irgendwer die Stämme kauft mit dem Ziel, VW zu übernehmen. Nein, die Stammaktie wurde von den meist komplett ahnungslosen Akteuren in den US-Zockerforen „gehyped“ … und viele sprangen auf diesen Zug auf. Da sich der Gewinn pro Aktie bei der Stamm- und der Vorzugsaktie gleich darstellt, ist diese Entwicklung also nur ein Beleg dafür, wie viele sich mit Börse nicht auskennen, aber trotzdem mitmachen. Und die Porsche Automobil Holding, hinsichtlich der Performance in der Mitte, müsste eigentlich mit der Stammaktie mitsteigen, da ihr Hauptzweck ja nur ist, eine „Hülle“ für die Mehrheit der VW Stämme zu sein. Aber da die US-Zocker Porsche nicht im Visier haben, stieg sie nicht vergleichbar mit. Dafür steht sie deswegen besser da als die VW-Vorzugsaktie, weil viele Anleger glauben, das sei das Unternehmen, das Porsche-Fahrzeuge baut, wie ich aus Gesprächen mitbekommen habe. Das ist ganz und gar nicht gut.

Ein scheinbares Perpetuum Mobile … aber eben nie auf Dauer

Das größte Risiko an solchen Phasen liegt darin, dass sie so lange gutgehen. Die einen raten zum permanenten Einstieg und Zukauf, weil sie daran verdienen. Und diejenigen, die das unkritisch umsetzen, verdienen selbst ja auch für relativ lange Zeit. Doch darauf kommt es eben nicht an. Es kommt darauf an, diese Buchgewinne auch nach Hause zu bringen, sprich die Gewinne auch zu behalten! Und das geht eben am Ende für viel zu viele schief.

Anfang des Jahres entwickelte sich eine Art Subkultur aus unerfahrenen Spielern, die über Internetforen und Trading-Apps glaubten, sie seien wie Robin Hood, wenn sie den – angeblich bösen – Horden von Leerverkäufern durch gezielte, abgesprochene Kaufwellen entgegentreten. Eine der Lieblingsaktien dieser Zocker ohne Ahnung und Besonnenheit war und ist Gamestop. Wenn Sie sich den Chart dieser Aktie einmal ansehen: Die Ausschläge werden an der Börse aktuell zwar geringer, sind aber immer noch irrwitzig. Sich ein-, zweimal eine blutige Nase abzuholen, scheint vielen noch nicht gereicht zu haben.

Börse aktuell: Volatilität der Gamestop Aktie durch abgesprochene Kaufwellen im Jahr 2021 | Online Broker LYNX

So etwas darf auf keinen Fall auf den Gesamtmarkt übergreifen, sonst endet das fatal. Die Situation ist schon jetzt brenzlig genug, da darf sich so etwas, wie wir es Ende 1999/Anfang 2000 im Zuge der sogenannten „Dot.Com-Blase“ erlebt haben, nicht wiederholen. Aber je weniger Menschen glauben, sich auskennen zu müssen, weil doch alles von alleine läuft, desto näher kommen wir einem solchen Punkt. Nicht unser Problem als erfahrene Investoren? Genau das ist es eben doch!

Wenn die Arglosen in Panik geraten, zahlen alle die Zeche

Wir haben es 2000 erlebt, wir haben es 2008 erlebt. Die, die seither neu an die Börse gekommen sind, aber nicht. Wer noch nie einen Kurseinbruch außer dem „Corona-Crash“ erlebt hat und dort, im Frühjahr 2020 sah, wie schnell die Kurse wieder nahe am vorherigen Level waren, was folgert ein solcher Anleger daraus? Dass es besser ist, nicht zu verkaufen. Dass Stoppkurse einen nur im falschen Moment aus dem Markt werfen. Dass man in steil fallende Kurse kaufen sollte, wenn man so richtig absahnen will. Wer 2000 und 2008 schon dabei war, weiß, wie fatal das schiefgehen kann. Aber die Zahl derer, die das nie erlebt haben, steigt an der Börse aktuell rasant. Und damit würde uns genau das blühen, was 2000 und 2008 auch passierte, dazu der folgende Chart:

Börse aktuell: Entwicklung des deutschen BIP und Kursentwicklung im DAX im Vergleich | Online Broker LYNX

Hier sehen wir, dass nennenswert fallende Aktienmärkte und eine sinkende Gesamtwirtschaftsleistung in der Regel zeitgleich auftreten. Nun könnte man daraus folgern, dass die Aktien ja auch auf die negativer werdende Lage der Konjunktur reagieren. Aber in den beiden genannten Fällen war es nur zum Teil so. Richtig war: Die fallenden Aktien haben diesen wirtschaftlichen Abstieg erst so richtig angefeuert! Denn gab es denn im Jahr 2000 ein rezessives Umfeld, das bewirkte, dass dieser Hype der Internet- und Biotech-Aktien platzte? Nein, es war anders herum.

Man hatte die Kurse völlig überzogen durch die Decke gezockt. Viele völlig unerfahrene Anleger waren da mittendrin. Und dann platzte die Blase, die Kurse brachen unter ihrem eigenen Gewicht zusammen, weil dem Markt die Käufer ausgingen. Auf einmal wollten immer mehr ihre Gewinne sichern, aber es war kaum noch jemand da, der ihre Aktien haben wollte. Das hatte zur Folge, dass, wer sich vorher noch reich wähnte, in Panik geriet. Und das führt immer dazu, dass man hart auf die Konsumbremse tritt. Dass der Sportwagen nicht gekauft wird, das Häuschen auch nicht. Und die Weltreise? Storniert. Bei den Kleinanlegern wird der Urlaub gestrichen, die neue Küche nicht bestellt und so weiter.

2008 war die Blase, auf die es ankam, konkret die Immobilien- und Subprime-Blase, schon ein Jahr zuvor geplatzt. Aber als der Markt dann reagierte, wurde alles im D Zug-Tempo schlimmer, auch diesmal, weil der Konsum in sich zusammenfiel, als die Aktien im Herbst 2008 in den freien Fall übergingen.

Wenn Risiken „weggekauft“ werden, fallen immer mehr wachsame Augen zu

Wer wollte glauben, dass das heute nicht passieren könnte, obwohl wir nicht einen Risikofaktor früherer Baissen vor der Brust haben, sondern so ziemlich alles, was man an Risiken haben kann?

Der „Flaschenhals“ mit offener Dauer und Dimension. Eine bislang ungebremst steigende Inflation. Die durch die Nullzinsen provozierte Schuldenblase bei Unternehmen und Privathaushalten. Das Volumen der Spekulation auf Kredit in den USA auf Rekordlevel. Notenbanken, die der Entwicklung hinterherhinken, aber in den USA jetzt trotzdem handeln. Und Chinas wankender Immobilienmarkt.

Viele glauben tatsächlich, dass nichts passieren wird. Und warum? Weil sie den scheinbaren Beweis dafür vorzeigen können, dass all das dem Aktienmarkt nichts ausmacht:

Börse aktuell: Probleme wurden im S&P 500 weggekauft um die Hausse fortzuführen | Online Broker LYNX

Nachdem der Aktienmarkt im Frühjahr 2020 nach oben drehte, drohte er zwar im Herbst 2020 wieder deutlich in die Knie zu gehen, als man gewahr wurde, dass die Hoffnung, die Krise würde sich eher schnell lösen lassen, verfrüht war. Aber seit November geht es nahezu ungebremst nach oben. Und das, obwohl seither das, was die Anleger Anfang November dazu bewog, massiv einzusteigen, so nicht mehr gilt, wenngleich das Thema Corona keine große Rolle mehr spielt. Inflation und reißende Lieferketten, zögerliche Verbraucher, die Entwicklung an Chinas Immobilienmarkt, all das hatte damals niemand auf dem Zettel. Weiter gekauft wurde trotzdem. Und so entsteht der Eindruck, dass, wenn all diese Risiken die Kurse nicht aufhalten, nichts die Hausse gefährden kann.

Was indes nicht stimmt, denn auch 2008 dachten das viele ja, nachdem die Märkte sich lange gegen eine gezielt ignorierte Krise am US-Immobilienmarkt stemmten, deren weltweite Folgen schlichtweg logisch waren. Man hätte nicht nur wissen können, dass das schiefgeht. Man hätte es wissen müssen!

So etwas darf nicht noch einmal passieren. Schon gar nicht heute, wo wir noch mehr Belastungsfaktoren vor der Brust haben als damals. Das einzige, was da hilft, ist, diejenigen, die glauben, nichts wissen zu müssen, zu animieren, das zu ändern!

Börsenwissen ist spannend … und bei LYNX verfügbar – weitersagen!

Sicher, ich kann da immer nur für mich sprechen. Aber sich damit zu beschäftigen, wie die Börse wirklich funktioniert … was hinter den Kursbewegungen steckt … von Börsenlegenden zu lesen und zu lernen … sich bislang unbekannte Techniken und Strategien anzusehen … all das finde ich überaus spannend und keineswegs anstrengend oder langweilig. Es geht schließlich nicht nur um Geld an sich. Es geht um mein Geld als Investor. Und zudem ist dieses Wissen heutzutage so leicht verfügbar wie nie zuvor!

LYNX stellt Ihnen, aber auch interessierten Anlegern, die nicht bereits bei LYNX sind, dieses Wissen gerne und kostenlos zur Verfügung. Eine solche Gelegenheit liegenzulassen und dadurch Gefahr zu laufen, an diesem „Tag X“, an dem das Kartenhaus wie immer zusammenfällt, in Schwierigkeiten zu geraten, wäre kaum nachvollziehbar. Man müsste denen, die bislang wenig Fachwissen haben, einfach nur zeigen, wo und wie leicht sie es finden können.

Hier einmal nur ein paar Beispiele, wo man bei LYNX fundamentales, aber auch für etwas erfahrenere Akteure geeignetes, spezifischeres Wissen findet:

Alles über die Charttechnik finden Sie hier:

https://www.lynxbroker.de/boerse/trading/technische-analyse/

Grundlagen zum Thema Fundamentalanalyse gefällig? Bitte sehr: https://www.lynxbroker.de/boerse/trading/fundamentalanalyse/

Und wie setzt man sein Wissen an der Börse um, wie agiert man da am besten? Dazu hier mehr: https://www.lynxbroker.de/boerse/trading/traden-lernen/

Hier finden Sie einige interessante Trading-Strategien für Jedermann: https://www.lynxbroker.de/boerse/trading/trading-strategien/

Und wer lieber ein Buch zur Hand nimmt, findet hier meine persönlichen zehn Top-Picks, was Börsenbücher angeht:

https://www.lynxbroker.de/boerse/boerse-kurse/boerseninfo/boerse-news-tipps/diese-10-boersenbuecher-sollten-sie-gelesen-haben/

Zudem gibt es ein paar herausragende Filme, die sich damit beschäftigen, wie es zur Krise 2008/2009 kam und was dahintersteckte, mir fallen da vor allem „Der große CrashMargin Call“ und „The Big Short“ ein. Sehenswert, alle beide.

Oder man empfiehlt die sehr gute Dokumentation des ZDF über den Crash 1929 und vor allem über seine langjährigen Konsequenzen, die noch weit brutaler waren als die der geplatzten Immobilienblase. Diese Doku heißt „1929 Der große Börsencrash“ und ist in zwei Teilen z.B. in der ZDF Mediathek zu finden

Jeder einzelne, der sich besser auskennt, zählt!

Ich meine: Jeder Anleger mehr, der nicht mehr nichtsahnend im Minenfeld umherirrt, sondern weiß, wo der Hase langläuft, reduziert das Risiko, dass der nächste, größere Kursrutsch die Gesamtwirtschaft in die Bredouille bringt, so dass am Ende alle die Zeche für diejenigen mit zahlen müssen, die nicht einmal bemerkt haben, dass sie zu viel wollten und zu wenig wussten.

Wie wäre es also, wenn Sie als erfahrener Anleger diejenigen unter ihren Bekannten und Kollegen, die bislang glaubten, ohne Fachwissen auskommen zu können, mit diesen Links oder Buchtipps dazu animieren, die Sache mit System und Wissen anzugehen? Ich für meinen Teil tue in diese Richtung, so viel ich kann. Machen Sie mit?

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 04.11.2021, Chartquelle marketmaker pp4

Jawohl, diese Hausse ist verrückt. Und ja, die alten Hasen unter den Anlegern kommen aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Aber andererseits kann sich, wer sich mit dieser Realität abfindet, auch freuen. Denn je weiter sich die Kurse vom „Ist“ entfernen, desto schneller und weiter kommen sie auch zurück. Was bedeutet: Man kann heute in der Hausse große Gewinne erzielen und sich zugleich schon mal auf große Baisse-Gewinne freuen. Wann die kommen? Das kann niemand vorhersagen, aber ich für meinen Teil agiere nicht mehr ohne einen permanenten Fallschirm.

Es ist ja sowieso grundsätzlich müßig, bei ungewöhnlichen Situationen andere, ebenso untypische Phasen aus der Börsengeschichte zu Rate ziehen zu wollen, um zu erkennen, wo womöglich „unten“ und „oben“ sein wird. Denn schließlich sind die Rahmenbedingungen immer andere. Dass der Mensch als Triebfeder irrationaler Bewegungen sich nie ändert, mag schon sein. Aber wer das versteht, erkennt auch, dass Emotionen nicht in Schemata pressbar sind. Jede Hausse ist anders, ihr Ende ebenfalls.

Aber momentan ist der Blick in die Historie noch weit weniger hilfreich als sonst. Klar, immer mehr Marktteilnehmer sind unerfahren. Immer mehr agieren an der Börse aktuell viel zu riskant. Immer weniger Investoren beachten die problematischer werdenden Rahmenbedingungen. Gab es alles schon. Und dass so etwas mal am Ende nicht schiefgeht, ist in der Vergangenheit noch nie vorgekommen. Aber daraus kann man nicht ableiten, wann es schiefgeht. Und wie weit die Kurse dann fallen könnten. Und das bedeutet: Diese Hausse könnte noch viel irrwitziger werden, bevor sie endet.

Das einmalige an dieser heutigen Situation ist, dass wir uns hinsichtlich der Rahmenbedingungen sozusagen im „uncharted territory“, auf unbekanntem Terrain, bewegen. Was sich jetzt gerade um die fröhlich weiter kaufenden Anleger herum auftürmt, gab es zwar alles schon früher. Aber nicht auf einmal.

Stagflation an Schuldenblase, dazu ein Flaschenhals und ein wenig China: na Mahlzeit!

Stark steigende Preise, angefacht durch steigende Energiekosten, die dann das Wachstum abwürgen, das gab es schon mal, in den Siebzigerjahren. Und es war beileibe keine gute Börsenphase. Leider habe ich für diese Zeit in Sachen Konjunkturdaten nur Daten ab 1975, so dass der folgende Chart nur die zweite Ölkrise Ende der 70er, nicht die erste 1973/74 abbilden kann. Aber auch dieser Chart reicht, um zu zeigen: Stagflation, wie man die Kombination aus stagnierender Wirtschaftsleistung und hoher Inflation nennt, ist nicht lustig.

Börse aktuell: Kursentwicklung des Dow Jones im Vergleich zur US-Inflationsrate von 1975 bis 1985 | Online Broker LYNX

Der Dow Jones lief über die Jahre, in denen die Inflation damals aus dem Ruder geriet, volatil seitwärts. Sogar noch, als die Teuerungsrate Anfang der Achtziger endlich zurückkam. Und die Dollars, die in dieser Zeit in Aktien steckten, wurden ja trotzdem weniger wert. Wer z.B. Anfang 1977 kaufte und Anfang 1982 wieder ausstieg, hatte nicht nur einen Kursverlust (bezogen auf den Gesamtmarkt), die dann erlösten US-Dollars waren auch deutlich weniger wert als vor fünf Jahren.

Nicht gut. Aber damit wäre es ja diesmal nicht getan. Was es damals nicht gab war eine Schuldenblase historischen Ausmaßes, die alle Bereiche betrifft: Regierungen, Unternehmen, Privathaushalte. Es gab keine für die Weltwirtschaft entscheidende Bindung an einen geopolitisch wie wirtschaftlich wackligen Wirtschaftsriesen namens China. Und es gab keine in sich zusammenfallende Logistik und daraus resultierende Materialverknappungen, weil das „Just in Time“-Prinzip, verbunden mit einer nahe null gehenden Bevorratung von Produktionsmitteln, damals so noch gar nicht existierte.

Da darf man sich nicht fragen, was passiert, wenn die Schere zwischen Rahmenbedingungen und Aktienmärkten noch weiter auseinander geht, jeder muss sich das fragen … und die nötige Vorsorge treffen, denn:

Das Licht am Ende des Tunnels könnte ein Güterzug sein

Notenbanken, Regierungen und Finanzindustrie mögen noch so sehr im Chor beteuern, dass Flaschenhals und Inflation vorübergehend und damit unproblematisch seien und dass der Faktor China die Weltwirtschaft kaum betreffen werde: Es ist derzeit weniger wahrscheinlich, dass sich alles von alleine erledigt, als dass es noch heftiger kommt. Nicht zuletzt gerade weil dieser Chor der Beschöniger daraus ableitet, nicht das Geringste unternehmen zu müssen. Gab es ja auch schon, beispielsweise anno 2008. Wie das ausging, wissen die meisten ja noch.

Wer also gelassen darauf baut, dass z.B. Notenbanken, die noch nie imstande waren, die Inflationsentwicklung treffsicher vorherzusagen, ausgerechnet diesmal Recht bekommen, obwohl sie 2021 komplett versagt hatten, sollte sich gewahr sein, dass diese Gelassenheit das Pfeifen im Walde sein könnte. Womöglich der inständigen Hoffnung geschuldet, die Depot-Gewinne würden sich weiter vermehren, statt auf einmal dahin zu sein.

Börse aktuell: Entwicklung der Inflation in Deutschland im Vergleich zum Bruttosozialprodukt von 2004 bis 2009 | Online Broker LYNX

Wer sich heute darauf verlässt, dass sich alle Probleme von alleine erledigen und die Hausse dann erst so richtig losgeht, tanzt also auf dünnem Eis. Die Büchse der Pandora ist längst offen … und da niemand antritt, sie wieder zu schließen, könnte das Licht am Ende des Tunnels, auf das die Käufer hoffen, leicht das eines entgegenkommenden Güterzugs sein. Aber!

Minus und minus ergibt an der Börse am Ende nicht Plus … aber eine Zeitlang eben schon!

Es ist zwar nicht ganz leicht, sich von all den problematischen Daten abzukoppeln und fröhlich mit der Herde mitzulaufen, sprich Long zu sein, obwohl die großen Indizes „eigentlich“ weit tiefer stehen müssten. Aber erfahrene Investoren müssen diese Fähigkeit mitbringen.

Denn wer sich jetzt ein ums andere Mal auf der Short-Seite skalpieren lässt, macht damit ja einen Fehler, der noch viel größer ist als das unkluge Ausblenden der Realität. Den Fehler, einfach so zu tun, als würden die objektiven Fakten und nicht deren subjektive Wahrnehmung durch die emotional gesteuerten Menschen den Trend machen. Das machen sie nicht!

Natürlich ist es nicht wahrscheinlich, dass diese bislang einmalige Kombination aus Belastungsfaktoren einfach von alleine weggeht, indem niemand etwas dagegen unternimmt. Aber wer die Börse kennt, weiß:

Je länger es gelingt, alle „bad news“ wegzukaufen, desto sicherer fühlen sich diejenigen, die eigentlich alles falsch machen, indem sie in fallende Messer greifen … an der Börse aktuell zu risikoreich agieren, womöglich mit Geld, das ihnen gar nicht gehört … und für die Stoppkurse nur etwas für Weicheier sind. Zudem lockt eine so lange Hausse immer noch mehr Menschen in den Markt, die, weil gerade erst neu dabei, keinerlei Fachwissen und Erfahrung haben und daher gar nicht ahnen, dass sie etwas zu fürchten hätten. Diese wachsende Klientel hat nicht nur keinen Plan B. Sie ahnt nicht einmal, dass man den brauchen könnte!

Solange diese verrückte Phase anhält, wäre man noch mehr ein Narr als die vielen anderen Narren am Markt, wenn man sich wider besseres Wissen stur gegen den Trend stellen würde. „The trend is your friend“ ist nun einmal eine der wenigen sicheren Aussagen am Aktienmarkt. Und ja, diese Hausse wird eines Tages enden, und womöglich schlagartig. Aber an allen Tagen davor eben nicht!

Ein „sudden death“ der Hausse ist möglich!

Wichtig ist dabei nur, immer einen Fallschirm griffbereit zu haben. Denn eine solche Gemengelage birgt das Risiko, dass es nicht zu einer allmählichen, gemächlichen Abwärtswende kommt, sondern zu einem schlagartigen Kurseinbruch ohne Vorwarnung, einem „sudden death“.

Dazu sollte man sich in die vielen unerfahrenen Anleger hineinversetzen, die den „Corona-Crash“ 2020 entweder noch gar nicht als Anleger erlebt haben oder damals einfach gar nichts getan haben und dadurch das Glück hatten, relativ bald wieder in der Gewinnzone zu sein. Diese Erfahrung gaukelt einem doch vor, dass es unheimlich dumm wäre, auszusteigen, wenn es schnell und weit abwärts geht. Erstens, weil man ja eh nicht weiß, ob die Kurse nach dem eigenen Ausstieg noch tiefer gehen und zweitens, weil sich das alles ja sowieso gleich wieder erholt. Was würden diese Anleger tun, wenn es erneut schnell abwärts geht?

Börse aktuell: Kursentwicklung des DAX im Jahr 2020 | Online Broker LYNX

Natürlich würden sie erneut nichts unternehmen und zusehen, wie die Kurse zehn, dann zwanzig und mehr Prozent fallen. Erst, wenn die Dimension der Verkäufe einem den Schlaf zu rauben beginnt, beginnen solche Akteure unruhig zu werden. Denken Sie an 2000 bis 2003. Denken Sie an 2008/2009. Auch damals reagierten sehr, sehr viele lange nicht und verkauften dann in Form einer Kapitulation vor den Verlusten ganz am Ende der Baisse.

Aber was würde passieren, wenn die Kurse nicht wie Anfang 2020 innerhalb von drei Wochen massiv fallen würden, sondern binnen zwei oder drei Tagen, wie es z.B. 1987 der Fall war?

Das könnte alleine deswegen passieren, weil das Volumen an hochriskanten Derivaten so hoch ist wie nie zuvor und das Volumen an Krediten, mit denen Zocker die dafür zu erbringenden Sicherheitsleistungen finanzieren, per Ende September sagenhafte 900 Milliarden US-Dollar umfasste … nur bezogen auf die USA! Wer auf Kredit zockt, kann sich kein „Aussitzen“ leisten. Wenn die Märkte mal vier oder fünf Prozent in kurzer Zeit fallen sollten, müssen diese Zocker austeigen. Das würde eine Verkaufslawine auslösen, in der ausgelöste Stop Loss-Verkaufsorders immer neue Stop Loss auslösen. Und was tut man dann als unerfahrener Sparer?

Stellen Sie sich vor, man glaubt, dass die immer neuen Rekordhochs der Beweis seien, dass die „bad news“ dem Markt nichts anhaben können und dann rauschen die Kurse doch nach unten. Wofür es bei diesem Börsenkredit-Volumen ja schon nicht mal mehr gravierend neue, negative Nachrichten bräuchte, da reicht eine zufällige, ungünstige Konstellation schon aus, um die Lawine ins Rollen zu bringen. Was tun solche Leute dann?

Erst nichts, dann alles auf einmal. Am wahrscheinlichsten ist, dass die ersten in Panik ausbrechen und unlimitiert verkaufen, was natürlich ansteckend wirkt. Ja, ein „sudden death“ der Hausse ist in einem solchen Umfeld nicht auszuschließen. Also, was tun?

Ich agiere keinen Tag mehr ohne Fallschirm!

Ich für meinen Teil wage mich immer wieder auf der Long-Seite in den Markt, bleibe dort aber eher selten über Nacht engagiert. Und ich habe immer Stop Orders auf der Short-Seite, um sofort und automatisch zu reagieren, wenn die Hausse abrupt enden sollte. Dabei kann ein Stop den Kauf von Short Derivaten auslösen und den direkten Verkauf von z.B. Aktien oder ETFs, was über LYNX auch möglich ist. Stop Orders kosten ja effektiv nichts, man muss nur das dafür nötige Kapital bereitstellen.

Und ich halte über das Wochenende, wenn man nicht reagieren kann, sogar kleinere Short-Trades, um einen Fuß in der Tür zu haben, weil in meinen Augen das Risiko, dass der Aktienmarkt auf einmal in der Nacht zum Montag in Asien mit einer großen Abwärts-Kurslücke startet, groß genug geworden ist.

Das ist mein ganz persönlicher „Fallschirm“, das muss man nicht so machen, keine Frage. Aber irgendeinen Fallschirm, und seien es nur Stop Loss-Verkaufsorders auf riskantere Long-Trades, sollte hier und jetzt jeder haben, denn wir bewegen uns im „uncharted territory“, auf unbekanntem Terrain. Und das beschreitet, wer bei Sinnen ist, nicht in Badelatschen und kurzer Hose!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 29.10.2021, Chartquelle marketmaker pp4