Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.


Börse aktuell vom 10.-16.05.2021

Was tun, wenn alles durcheinander läuft?

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DAX
ISIN: DE0008469008
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Zum DAX

Die Volatilität am Aktienmarkt nimmt deutlich zu. Und die Nachrichtenlage trägt ihren Teil dazu bei, hier geben sich grandios bullische Kursziele und düstere Warnungen die Klinke in die Hand. Wenn es an der Börse hektisch wird, bieten sich grundsätzlich zwei Möglichkeiten an … mitmachen oder raushalten. Aber für wen ist welche Lösung die bessere? Und gibt es taugliche Grundregeln, um in einem solchen Umfeld, wie es an der Börse aktuell vorherrscht, zu bestehen? Die gibt es.

An der Börse gibt es immer ein Für und Wider. Es gibt keine Hausse ohne Gegenargumente, es gibt keine Baisse, in der sich nicht gute Gründe für eine Aufwärtswende finden ließen. Diese Argumente verändern sich eher gemächlich: Zinsentwicklung, Konjunktur, Fiskalpolitik, die Umsatz- und Gewinnentwicklung der Unternehmen. Doch wie diese Argumente von den Marktteilnehmern wahrgenommen und umgesetzt werden, ist weit weniger fließend.

Warum sich die Kurse an der Börse aktuell „aufschaukeln“ können

Dem überwiegenden Teil der Investoren sind Gegenargumente zu ihren Positionen sehr wohl bekannt. Man steht zu seinen Argumenten für einen Trade, aber das „ja, aber“ ist immer im Hinterkopf mit dabei. Nur wird es in der Regel eben nicht beachtet, weil man das „Für“ der eigenen Position als stärker ansieht. Bei manchen reicht eine Bewegung in die für sie falsche Richtung nicht aus, um in dieser Hinsicht wankend zu werden, bisweilen wird dann umso verbissener an den eigenen Argumenten festgehalten. Aber keineswegs bei allen. Und gerade dann, wenn die Kurse volatiler werden, ist der Schritt hin zu einem Schwenk der Meinung und zugleich der Position recht klein. Was bedeutet:

Wenn es erst einmal zu etwas größeren Schwankungen kommt, nimmt auch die Zahl derer zu, die schnell ihre Positionen drehen, weil sie fürchten, sonst auf dem falschen Dampfer zu sein und mit ihm unterzugehen. Das ist ein sich selbst nährender Prozess: Je intensiver dieses hektische Auf und Ab wird, desto mehr Trader werden von dieser Unruhe erfasst und beginnen, ihre Trades entlang der kurzfristigen Tendenz zu drehen. Da dadurch aber umso öfter Meinungen und charttechnische Signale miteinander kollidieren und dadurch bei immer mehr Akteuren immer öfter einen Wechsel in der Position auslösen, können sich die Kurse in solchen Phasen zu einem richtigen Hexenkessel aufschaukeln. Was noch mehr Trader nervös macht, die daraufhin fürchten, sie würden mit ihren Positionen untergepflügt, wenn sie nicht sofort reagieren, den Markt nicht mehr aus den Augen lassen und jeden Schwenk mitmachen.

V&V: Ob long, ob short, das Geld ist fort – es sei denn …

Aber je größer der Stress, desto schreckhafter wird man. Und je höher die Nervosität, desto eher macht man fatale Fehler, das ist ja nicht nur an der Börse so.

In einem solchen Umfeld greift dann meist der alte Spruch „ob long, ob short, das Geld ist fort“, weil man irgendwie immer das Falsche tut, zu spät kommt und die Kurse schon wieder drehen, wenn man einem Impuls folgt, obwohl man sich schon gar nicht mehr traut, sich vom Bildschirm zu entfernen. Das führt zu V&V: zu Verlusten und Verdruss. Aber das ist vermeidbar. Schön, nur wie?

Indem man in dem Moment einen großen Schritt zurück macht, an dem man bemerkt, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, weil man sich in den Sog hat hineinziehen lassen, den eine zunehmende Volatilität auslöst. Sobald man sich dessen bewusst wird, muss man umgehend handeln, auch, wenn das schwerfällt.

Denn natürlich bleibt die Sorge, zu spät zu kommen, wenn man sich dem zunehmenden Tempo verweigert, unterbewusst erhalten. Man muss erreichen, seine eigenen Emotionen stillzulegen … das erfordert Selbstdisziplin. Wobei: Wenn das ein paarmal gelungen ist, klappt das, zumindest nach meiner eigenen Erfahrung, schnell und problemlos. Und was gälte es dann zu tun?

Börse aktuell: 5 Tipps gegen die Fallstricke eines hektischen Gesamtmarkts

Sobald das Marktumfeld sich spürbar und schnell verändert und die Volatilität dabei nicht ab-, sondern zunimmt, kann es sinnvoll sein, sich beim Trading auf eine deutlich kürzere Zeitebene zu begeben. Aber nur, wenn man dabei sieht, dass im Zuge dieser zunehmenden Schwankungen bereits eine klare charttechnische Entscheidung gefallen ist und diese kürzere Zeitebene eine saubere charttechnische Struktur zeigt.

In unserem begleitenden Beispiel des DAX war das an der Börse aktuell aber nicht der Fall, im Gegenteil. Wenn man einen Schritt zurück macht und sich den Chart des deutschen Leitindex auf Tagesbasis ansieht, stellt man fest, dass der Selloff der vergangenen Woche nur den mittelfristigen Aufwärtstrend getestet hat. Von dort aus startete die Gegenreaktion nach oben, wie der folgende Chart zeigt:

Sich von der Hektik vereinnahmen zu lassen, hätte somit dazu führen können, dass man trendkonforme Long-Positionen vor der Zeit verkauft hat, weil man sich zu sehr vom Schwung der Abwärtsbewegung hat beeindrucken lassen, die das Gefühl vermittelte, jetzt brechen alle Dämme … obwohl der entscheidende Damm hielt.

Tipp 1: Kümmern Sie sich als erstes um das zu beobachtende Zeitraster

Gesetzt den Fall, im Zuge eine steigenden Volatilität kam es tatsächlich zu charttechnischen Signalen auf Tages- oder sogar Wochenebene, kann es zu starken, sehr dynamischen Impulsen kommen, die es sinnvoll machen, dass jemand, der normalerweise auf Basis von Charts auf Tagesbasis agiert, auf eine 60-Minuten-Ebene heruntergeht, ggf. sogar auf eine noch kürzere Ebene. Wenn man aber wie im folgenden Chart des DAX auf Eine-Minute-Zeitebene erkennt, dass da überhaupt keine Struktur mehr zu finden ist, gilt: Weg von den ultra-kurzen Zeitrastern und zurück auf eine längere Ebene, auf der man dann wieder eine Struktur sehen kann – in unserem Beispiel des DAX also momentan die Tagesebene.

Aber wenn man die Trading-Zeitebene herunterfährt, sollte man es da auf keinen Fall übertreiben, denn:

Tipp 2: Denken Sie daran, dass Ihre Kraft und Konzentration begrenzt sind!

Die Charts zeigen, dass eine steigende Volatilität auch mit häufigen, großen Kurslücken zum Handelsstart einhergeht. Das liegt daran, dass die großen Indizes über Derivate rund um die Uhr und rund um die Welt gehandelt werden. Gerade dann, wenn es hektisch wird und die kurzfristigen Zocker das Geschehen zu dominieren beginnen, werden gerne „Attacken“ außerhalb der regulären Handelszeit geritten, um die normalen Anleger zu Aktivitäten zu zwingen. Natürlich kann man heutzutage selbst ebenso außerhalb der regulären Handelszeit agieren. Aber denken Sie daran:

Die großen Player am Markt nutzen rasend schnelle, vollautomatisierte Handelsprogramme. Die werden nicht müde, werden nicht krank und reagieren in jedem Moment genauso schnell wie immer – und schneller, als ein Mensch es könnte. Nonstop 24 Stunden am Tag gegen diese „Maschinen“ anzutreten, hält man nicht durch … es wäre daher ratsam, es gar nicht erst zu versuchen. Wenn die Computer so richtig loslegen, ist man daher besser beraten, sich auf eine längere Zeitebene als eigene Trading-Basis zu begeben, in der diese rasanten, kräftigen Kurssprünge nicht mehr entscheidend sind – in unserem Beispiel des DAX und in speziell dieser Situation, wie sie an der Börse aktuell vorkam, also auf die Tagesebene.

Tipp 3: Weniger ist mehr – Vorsicht vor zu hohem Kapitaleinsatz

Je intensiver die Kurse auf und ab springen, desto größer werden die Gewinnchancen, aber zugleich eben auch die Risiken. Daher ist es unbedingt zu empfehlen, den Kapitaleinsatz beim Trading in solchen Phasen eher herunter- statt heraufzufahren. Denn je mehr Geld aktiv investiert ist, desto mehr lastet das auf den Nerven. Und gerade die müssen Sie schonen.

Erstens, um Fehlentscheidungen so gering wie möglich zu halten (wobei man im Hinterkopf haben muss, dass man Fehler nie ganz vermeiden kann) und zweitens, weil Sie nicht wissen können, wie lange eine hektische Marktphase andauert. Das kann sich ruckzuck wieder beruhigen, kann aber auch immer extremer werden. Da sollte man nicht in eine Situation geraten, in der man zwangsläufig Positionen verkaufen muss, weil man sich übernommen hat.

Tipp 4: Overnight-Positionen vermeiden

Bei Trading auf kurzfristiger Ebene sollte man zudem erwägen, in solchen Situationen keine Overnight-Positionen zu halten. Natürlich könnte man dann einen starken Impuls in die richtige Richtung verpassen. Aber es kann eben auch das Gegenteil passieren … und Stop Loss-Absicherungen helfen nicht, wenn ein Long-Trade ausgestoppt wird, ein Short-Trade automatisch über Stop Buy gekauft wird und das Ganze dann mitten in der Nacht, wenn man schläft, wieder in die Gegenrichtung dreht. Doppelt zu verlieren kann allemal in solchen Phasen über Nacht passieren. Das sollte man sich keinesfalls antun!

Tipp 5: „Keep Covered“ – immer an der Wand lang

Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, Ihre Trading-Disziplin über Bord zu werfen. Leicht handelt man impulsiv, aus dem Bauch heraus, agiert gegen den Trend und ohne Absicherung, wenn der Markt immer schneller hin und her springt. Das Gegenteil ist ebenso richtig wie zwingend:

Lassen Sie sich in solchen Phasen nie ohne Deckung erwischen, gehen sie nicht ungeschützt auf freies Feld. Sie müssen immer gute Argumente für einen Trade haben, so, wie sonst auch. Sie sollten, egal, welche Zeitebene sie auf charttechnischer Basis gerade verfolgen, unbedingt dem Trend folgen, um diesen im Rücken, statt gegen sich zu haben. Und niemals sollten sie ohne eine Stop Loss-Absicherung traden. Wenn die aufgrund des Chartbildes weiter gesetzt werden muss, sollten Sie im Gegenzug die Positionsgröße verkleinern, um sich keiner nervlichen Belastung auszusetzen, die Sie in Fehler treibt. Kurz: „Immer an der Wand lang“ ist auch in Phasen wie diesen ein Motto, dem man konsequent folgen sollte. 

Fazit: Das Chaos lässt sich beherrschen

Entscheidungen unter Unsicherheit sind normal an der Börse. Entscheidend ist dabei, dass man das Unvorhersehbare bzw. dessen Konsequenzen immer im Griff behält, egal wie sich die Kurse an der Börse aktuell entwickeln. Wem es gelingt, sich in Phasen, in denen die Emotionen die Kontrolle zu übernehmen drohen, zurückzunehmen und nach dem Motto „weniger ist mehr“ besonders kontrolliert zu handeln, für den sind solche chaotischen Phasen mehr eine spannende Herausforderung als ein Groschengrab.

Das ist, keine Frage, natürlich immer leichter gesagt als getan. Vor allem, wenn Verluste auflaufen, will man, von den Emotionen getrieben, diesen Verlust so schnell wie möglich wettmachen und wird dadurch erst Recht in Fehler getrieben. Solchen Impulsen zu widerstehen, ist nicht unbedingt einfach. Aber mit etwas Übung gelingt es jedem zu verhindern, dass man sich unnötig selbst ein Bein stellt!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 30.04.2021, Chartquelle marketmarker pp4

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

Die Inflation zieht an. Normalerweise ein großes Risiko für die Konjunktur weltweit. Doch diesmal sei das anders, beschwichtigen US-Notenbank und EZB. Das Anziehen der Teuerung sei nur vorübergehend. Haben sie Recht? Wenn nicht, wird die Situation brandgefährlich.

Warum eine über einen gewissen Level hinaus steigende Inflation zu einer Gefahr für die Volkswirtschaften und letztlich auch für den Aktienmarkt und somit die Börse aktuell wird, muss man genauer erklären, denn im ersten Moment könnte man sich sagen: Inflation geht mit starkem Wachstum einher – und das wiederum ist ja eigentlich positiv. Und das ist auch richtig, die Sache hat aber einen Haken.

Wenn die Preise stark steigen, kann das zwei Gründe haben, die einzeln, aber auch zusammen auftreten können. Der erste Auslöser können markant steigende Kosten sein, d.h. die Unternehmen müssen die Preise anheben, weil Lohn- und Materialkosten aus dem Ruder laufen und sie sonst keinen Gewinn mehr erzielen.

Der zweite Auslöser kann eine massiv anziehende Nachfrage sein. D.h. die Verbraucher wollen mehr Ware als da ist, das verknappte Angebot ermöglicht es den Unternehmen daher, die Preise zu erhöhen, weil auch höhere Preise bezahlt werden. Kurz: Die beiden üblichen Auslöser für eine anziehende Inflation sind Not und Gier. Haben wir eine dieser Situationen? Nein. Wir haben beide.

Not und Gier Hand in Hand: Der Weg für starke Inflation wäre frei

Im Folgenden sehen Sie einige Beispiele für gewaltig gestiegene Rohstoffpreise, wie sie an der Börse aktuell zu beobachten sind. Mehrere Faktoren kommen da zusammen, die diese Rohstoff-Hausse antreiben. Zum einen hatten viele Unternehmen im Zuge der Corona-Krise ihre Kapazitäten heruntergefahren, so dass das Angebot bei einer schlagartig und deutlich anziehenden Nachfrage nicht sofort nennenswert ausgeweitet werden konnte. Und die Nachfrage zog in den vergangenen Monaten wieder deutlich an. Dass die Kurssteigerungen indes in einigen Bereichen so massiv ausfielen, ist aber auch auf den Faktor der Spekulation zurückzuführen.

Denn bei den börsennotierten Rohstoffen ist es nicht unbedingt die reine Angebot-/ Nachfragesituation, die den Preis bestimmt, sondern auch der Handel am Rohstoffmarkt. Spekulanten können über Futures für massive Kursbewegungen in beide Richtungen sorgen. Und in einigen wichtigen Rohstoffen wie Kupfer oder Aluminium scheint das definitiv der Fall zu sein.

Steigen die Rohstoffpreise, schlägt sich das schnell in den Kosten großer Unternehmen z.B. aus der Automobilindustrie nieder. Das reduziert ihre Rendite, also nimmt man in dieser Not jede Chance wahr, diesen Kostendruck einerseits auf die Zulieferer, andererseits auf die Kunden abzuwälzen. Noch ist die Corona-Problematik zwar bei uns in Europa nicht vom Tisch, so dass es schwierig ist, Preiserhöhungen durchzusetzen, die nicht über Umsatzeinbußen zum Bumerang werden. Aber in den USA sieht das ebenso anders aus wie in China.

Vor allem in den USA, denn dort hat die Regierung den Konsum mit den Barschecks, die im Dezember und März an die Bürger gingen, mit der Brechstange angekurbelt. Und das eröffnet den unternehmen die Chance, ein wenig mehr zu verlangen als vorher, weil sie darauf setzen können, dass es bezahlt wird. Dieser Faktor „Gier“ seitens der Unternehmen (der grundsätzlich ja verständlich ist, denn wer will nicht so viel Gewinn machen wie möglich), kombiniert mit der Spekulation am Rohstoffmarkt, wie wir sie an der Börse aktuell sehen, ist ein Risiko. Denn sollte der Konsum auch in Europa wieder durchstarten, darf man erwarten, dass die Unternehmen und die Hausse-Spekulanten ihr Bestreben nach steigenden Preisen noch intensivieren.

Wenn Inflation direkt in den Einkaufskorb wandert

Hinzu kommen Preissteigerungen, die die Verbraucher nicht umgehen können, selbst, wenn sie sich bei typischen Konsumgütern wie Autos, Unterhaltungselektronik oder Mobiltelefonen zurückhalten würden. Heizen, tanken und essen müssen wir alle. Und auch da wird es langsam ungemütlich. Die Preise für Zucker, Baumwolle und vor allem für Rohöl sind zuletzt deutlich gestiegen. Das drückt auf die Haushaltskasse, denn davon werden die Grundbedürfnisse Kleidung, Benzin, Heizöl und Nahrungsmittel berührt. Dabei ist der Anstieg des Ölpreises sogar noch relativ moderat, wenn man sich im folgenden Chart die Preise früherer Jahre ansieht. Aber man kann sich keineswegs sicher sein, dass der Ölpreis solch höhere Levels nicht erreichen wird.

Die Notenbanken sind seit einigen Jahren dazu übergegangen, genau diese Bereiche einfach zu ignorieren, indem sie die sogenannte „Kernrate“ als für ihre Geldpolitik entscheidend betrachten, welche die Preise für Nahrungsmittel und Energie einfach ausklammert. Das Argument: Diese Preise sind sehr volatil, so dass man ein dauerndes Hin und Her in der Geldpolitik auslösen würde, wenn man sie berücksichtigen würde. Der Haken ist: Ja, Preise steigen und fallen. Und in diesen Bereichen gehen die Schwankungen oft schneller vonstatten. Aber wenn diese Preise zu schnell zu weit steigen, betrifft das eben alle und drückt brutal auf die Kaufkraft, während die Notenbanken das ignorieren und so tun, als wäre nichts.

Und die Zahl derer, für die es finanziell nicht tragisch ist, wenn ein Liter Heizöl nicht 50 Cent, sondern einen Euro kostet, sinkt. Darüber hinaus ist die Kaufkraft nun einmal entscheidend, will man sicherstellen, dass das Wachstum zurückkehrt bzw. nicht abgewürgt wird.

Adieu, Zwei-Prozent-Schwelle: Die aufgeweichte Eingreifschwelle

Und nicht nur dieses Ignorieren entscheidender Bereiche der Grundversorgung stellt eine Gefahr dar. Die großen Notenbanken dieser Welt haben unlängst entschieden, die übliche Schwelle, bei der man beginnt, Inflation durch höhere Leitzinsen zu bekämpfen, aufzuweichen. Früher lag diese Schwelle um die zwei Prozent. Geht die Inflation ein paar Monate über diese Schwelle hinaus, beginnt die Notenbank, dagegenzuhalten.

Das tut sie, indem sie die Leitzinsen anhebt, um dadurch die Kreditaufnahme zu verteuern und damit zu bremsen. Auch Unternehmen gehen es dann in Sachen Investitionen langsamer an. Solange man da einigermaßen geschickt und frühzeitig reagiert, ist es möglich, den Preisauftrieb so zu stoppen. Verpasst man aber den Zug, kommt es so, wie wir es in der folgenden Grafik sehen, die US-Inflation und US-Leitzinsen bis zurück in die Siebzigerjahre zeigen.

In den Siebzigerjahren hatte die US-Notenbank nicht rechtzeitig und vor allem nicht konsequent genug eingegriffen und lief der Inflation permanent hinterher. Das Ergebnis waren astronomisch hohe Leitzinsen und ein Wachstum, das dadurch in Grund und Boden gedrückt wurde.

Jetzt haben die Notenbanken eine höchst schwammige „Eingreifschwelle“. Man sagt, dass die Kerninflation eine längere Zeit deutlich über zwei Prozent liegen müsse, um ein Eingreifen auszulösen. Wobei keine der großen Notenbanken sich klar festgelegt hat, was in ihren Augen eine „längere Zeit“ wäre und was genau „deutlich über zwei Prozent“ sind. Aber warum haben die Notenbanken diese Zwei Prozent-Schwelle gegen eine solch vage Formulierung eingetauscht?

Die große Angst vor dem Platzen der Schuldenblase

Dazu gibt es zahllose offizielle Erklärungen, die indes alle unbefriedigend sind. Was nicht überraschen kann, denn den Hauptgrund kann man eigentlich nicht kommunizieren ohne damit einzugestehen, dass man sich in einer fatalen Zwickmühle befindet. Es ist die gewaltige Verschuldung, die das Problem darstellt. Und die wiederum hat ihre Basis einerseits darin, dass die Politik in den Wirtschaftsnationen nie dringend nötige Reformen anging, weil man da sehr unpopuläre Maßnahmen hätte vollziehen müssen und andererseits darin, dass die Notenbanken dieser „Vermeidungspolitik“ Schützenhilfe geleistet hatten.

Wie die vorstehende Grafik zeigt, liegen die Zwischenhochs der Leitzinsen immer niedriger. Und wir sehen auch, dass die Inflation nach der Subprime-Krise in den 10er-Jahren in den USA teilweise deutlich über zwei Prozent stieg, die US-Notenbank aber nicht eingriff, der Leitzins blieb an der Null-Prozent-Marke. Der Grund war derselbe wie aktuell:

Man weiß, dass Wachstum seit vielen Jahren nur durch immer mehr Kredite zu erreichen ist. Mehr Kredite für Unternehmen, für die Konsumenten, zugleich stiegen auch die Staatsschulden wie auf Schienen. Und damit Unternehmen und Private immer mehr Kredite aufnehmen, muss man sie immer billiger machen.

Auf diese Weise hat man in den Neunzigerjahren zuerst versucht, Rezessionen zu verhindern. Das wirkte zunächst clever, aber der obige Chart zeigt, dass man dadurch immer tiefer gehen musste. Und jetzt ist man bereits bei Nullzinsen. Und der Weg zurück zu normalen Leitzinsen, zu normalen Kreditkosten und damit auch zurück zu Zinsen für Anleihesparer ist verbaut. Weil?

Weil höhere Zinsen die Kosten für die immer weiter anwachsenden Schulden erhöhen, denn selten sind die Kreditzinsen lange fixiert. Feste Zinsen von zehn und mehr Jahren sind nur bei Hypotheken relativ oft zu finden … und auch dort nicht immer und vor allem nicht in den USA. Außerdem müssen sich Unternehmen ebenso wie der Staat stetig refinanzieren, d.h. alte Anleihen laufen aus und werden durch neue ersetzt. Muss man für neue Anleihen nennenswert mehr Zins bezahlen als für die alten, wird es kritisch. Gerade in einer Phase, in der man versucht, das Wachstum nach einem Beinahe-Zusammenbruch durch Corona mit billigem Geld wieder anzuschieben, wäre es somit fatal, die Leitzinsen anzuheben, es wäre, als würde man einem bei voller Fahrt einen Stock in die Fahrradspeichen werfen.   

Aber was könnte denn passieren, wenn die Notenbanken einfach die Hände im Schoß lassen? Die Preise werden schon nicht durch die Decke gehen … oder?

Das Problem der Lohn-/Preis-Spirale

Das weiß man nie sicher vorher. Aber wenn es so kommt, kann das fatale Folgen haben. Der folgende Chart zeigt ein entscheidendes Problem, wenn man die Zügel zu lange locker lässt: die Lohn/Preis-Spirale.

In den Achtzigerjahren kam es in den USA zu einer solchen Situation, wobei die damals noch glimpflich ausging, weil die Notenbank dann doch noch entschlossen agierte und die Leitzinsen von sechs auf zehn Prozent anhob. Im Chart sehen Sie, dass 1987 ein kräftiger Preisanstieg begann, kurz darauf steigen dann auch die Löhne. Da könnte man denken, dass dadurch keine Gefahr besteht, weil die Leute zwar mehr bezahlen müssen, aber auch mehr verdienen. Aber die Rechnung geht eben nicht nur nicht ganz auf, diese enge Bindung von Löhnen und Preisen ist auch ein entscheidender Treibstoff für noch mehr Inflation, denn:

Wenn Unternehmen die Preise erhöhen und dadurch höhere Gewinne einfahren, können die Arbeitnehmer auch höhere Gehälter durchsetzen. Da das aber die Kosten des Unternehmens wieder erhöht und zugleich die Kaufkraft der Arbeitnehmer steigt, führt das leicht zu noch höheren Preisen. Dadurch wird eine Spirale losgetreten, die sich ungehindert fortsetzen kann, wenn nicht durch höhere Zinsen zumindest versucht wird, dagegenzuhalten.

Besonders problematisch wird die Inflation aber, wenn die höheren Preise die Gewinne gar nicht erhöhen, weil sie durch aus dem Ruder laufende Rohstoffkosten ausgelöst werden. Dann steigen die Preise, aber nicht die Gehälter. Dann kann es sogar in Rezessionsphasen zu einer kritischen Inflation kommen, was die Notenbanken erst Recht in große Probleme bringt. Denn in einer Rezession die Zinsen zu erhöhen, würde sie normalerweise verschärfen. Und solche Situationen gab es durchaus, auch in Deutschland, wie der folgende Chart zeigt.

Börse aktuell: Das Pfeifen im Walde – Das Beschönigen der Notenbanken kann fatal enden!

Dass EZB und US-Notenbank so tun, als müsste man sich keinerlei Sorgen machen, ist zwar wegen der Angst verständlich, dass alleine das Drohen mit höheren Zinsen ausreichen könnte, um diese mit gigantischen, aus dem Hut gezauberten Geldsummen finanzierte Aktion, das Wachstum wieder anzuschieben, abzuwürgen und durch platzende Kredite einen in die Rezession führenden Dominoeffekt auszulösen. Aber:

Zum einen wissen erfahrene Investoren, dass die Notenbanken in keiner Weise vorhersehen können, wie sich die Inflation in den kommenden Monaten entwickeln wird, weil sie an der Börse aktuell natürlich nicht die Entwicklung der Rohstoffpreise und auch nicht die Entwicklung der Preise für Konsumgüter vorhersehen können, ebenso wenig wie das Kaufverhalten der Verbraucher. Und vor allem können sie es nicht beeinflussen! Wenn US-Notenbank und EZB beteuern, dass die anziehenden Preise nur ein vorübergehendes Phänomen seien, ist das keine Gewissheit, es ist einzig und alleine eine Hoffnung.

Und zugleich feuern sie damit das Problem noch an! Denn gerade weil die Notenbanken ängstlich darauf bedacht sind, nicht einmal den Eindruck zu erwecken, sie könnten in nächster Zeit etwas unternehmen, wagen sich die Spekulanten bei den Rohstoffen an der Börse aktuell so weit vor. Sie setzen darauf, dass eine solche Spirale steigender Preise entsteht und sie niemand bei ihrer Hausse-Spekulation ausbremsen wird.

Und, was kann man tun?

Die Gefahr ist also real und wächst, je länger die Notenbanken so tun, als gäbe es sie nicht. Aber es bleibt ja ohnehin diese Zwickmühle: Tun die Notenbanken nichts, kann eine ausufernde Inflation die Kaufkraft deutlich drücken und so das Wachstum abwürgen. Tun sie etwas, sind es die höheren Zinsen, die das Wachstum kippen können. Was sollte man als Anleger tun, um diesem Problem zu begegnen?

Darauf gibt es keine einzig richtige Antwort. Gold kaufen kann, muss aber keineswegs funktionieren. An der Börse aktuell noch mehr Aktien kaufen? Dito, das kann sich als richtig erweisen oder auch nicht. Das kommt zum einen darauf an, wie genau sich das Szenario weiter entwickelt, zum anderen, wie sich andere Investoren verhalten. Eines ist aber schon mal entscheidend: dass man um die Gefahr weiß!

Viele Anleger glauben den Notenbanken nur zu gerne, wenn die behaupten, dass die Preise einfach irgendwie von alleine wieder fallen werden, denn sie wollen, dass alles problemlos weitergeht und neigen daher dazu, unerfreuliche Aspekte einfach auszublenden. Wer das nicht tut, sondern die Risiken erkennt, wird nicht überrumpelt, wenn die Sache aus dem Ruder läuft und kann besonnen und zügig richtige Entscheidungen treffen, während die meisten anderen in Panik verfallen. Beobachten wir die Sache also aufmerksam weiter!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 30.04.2021, Chartquelle marketmarker pp4

Viele von denen, die in den vergangenen zwölf Monaten erstmals mit der Börse in Kontakt kamen, werden dem Markt in ein, zwei Jahren entmutigt den Rücken zugekehrt haben. Denn das Bild, dass man mit Aktien spielend leicht ein Vermögen machen kann, ist irreführend und deswegen die Basis für massive Enttäuschungen. Dabei könnten viele, die an der Börse scheitern, erfolgreich sein, wenn sie erkennen würden, was man für nachhaltigen Erfolg wirklich braucht.

Je unseriöser manche Werbungen zum Thema Börse sind, die auf irgendwelchen Internetseiten auftauchen, desto mehr bleiben sie einem im Gedächtnis. Aktien, die angeblich in Kürze völlig einbrechen. Andere, mit denen man, ebenso ruckzuck, steinreich wird. Und all das mit zwei, drei Fingertipps auf dem Smartphone: Diese „Verbraucherhinweise“ agieren ganz gezielt mit den Emotionen der Menschen, die am tiefsten gehen: Gier und Angst.

Und damit beginnen diejenigen, die sich auf diese Weise locken lassen, gleich auf einer fatalen Ebene, die das Risiko des Scheiterns immens erhöht. Denn es wird einem vorgegaukelt, dass a) die Meisten an der Börse Geld machen und b) dass man ernsthaft heute wissen könnte, was übermorgen sein wird. Beides ist unwahr.

Wenn man mit diesen falschen Prämissen startet, erkennt man das aber nicht sofort. Sicher, irgendwann merkt der auf dem Glatteis falscher Hoffnungen ausgerutschte Anleger, dass nichts so funktioniert, wie man es ihm weisgemacht hat. Aber zum einen müsste er dann die richtigen Schlussfolgerungen daraus ziehen. Was oft nicht passiert, im Gegenteil höre ich solche Leute dann toben, dass „die Börse“ doch bloß Betrug sei, sprich man gibt dem Medium die Schuld und nicht sich selbst, dem Handelnden.

Und zum anderen müsste dann noch genug Geld übrig sein, um einen vernünftigen Neustart zu vollziehen. Was, wenn man den Sirenengesängen aufsitzt, oft nicht der Fall ist, weil man dann auch noch direkt in riskante Börsengeschäfte gelockt wurde.

Aber was muss man denn nun mitbringen, um nicht nur jahrelang irgendwie an der Börse zu überleben, sondern sukzessiv sein Geld zu mehren? Dazu erst einmal der Blick auf das, was man nicht erwarten kann: absolute Vorhersehbarkeit.

Kein Grund für Frust: Sie können nicht hellsehen, aber die anderen auch nicht!

Wie oft bekommt man, wenn man sich die Börsennachrichten anschaut, das Gefühl, dass alle anderen Geld an der Börse aktuell verdienen, nur man selbst nicht? Da ist dann von spektakulären Kursgewinnen in irgendwelchen Aktien die Rede oder von einem Kurssprung bei einem Index … und man ist nicht dabei. Dafür hat man bisweilen das Gefühl … das kenne ich von mir selbst ebenso wie von vielen meiner altgedienten Kollegen … dass man immer dort investiert ist, wo die Kurse plötzlich senkrecht einbrechen. Aber wenn eines kontraproduktiv ist, wenn man sich als Investor etablieren will, dann Selbstmitleid. Wer glaubt, vom Schicksal benachteiligt zu sein, unterhöhlt das eigene Selbstvertrauen ohne jede Not.

Denn erstens geht es anderen genauso. Nur reden die meisten Trader nie über ihre Misserfolge, sondern erzählen Ihnen von ihren großen Gewinntrades, bis sie es nicht mehr hören können. Und zweitens muss man immer daran denken, dass Misserfolge sich bei den meisten Menschen im Bewusstsein tiefer festsetzen als Erfolge.

Und es gibt nun einmal Situationen, in denen es einen „erwischt“. Situationen wie z.B. Unternehmensbilanzen, die vor Handelsbeginn oder nach Handelsende kommen und dazu führen, dass eine Aktie mit einer großen Kurslücke nach oben oder unten eröffnet. Ein Beispiel aus der vergangenen Woche ist Netflix.

Sicher, man wusste, dass die Zahlen am Dienstagabend kommen würden. Aber niemand, Sie nicht, andere auch nicht, konnten wissen, wie die ausfallen würden und darüber hinaus nicht, wie der Markt darauf reagieren würde. Im Januar quittierten die Akteure die Zahlen mit einem gewaltigen Kurssprung nach oben. Wer da letzte Woche vorher schon Short war, hätte gegen den Trend getradet und damit gegen die Grundregeln des Tradings verstoßen. Was übrigens auch gegolten hätte, wäre man bei der gegenteiligen, positiven Reaktion auf die Bilanz des vierten Quartals 2020 im Januar vorher Long gewesen, denn einige Zeit vor diesem damaligen Kurssprung nach oben war der Aufwärtstrend gebrochen.

Gerade deshalb fiel die Reaktion auch so extrem aus: Die, die vernünftig agiert hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Aber:

Börse aktuell: Das „Unerwartete“ ist nicht nur Ihr ständiger Begleiter, es begleitet uns alle!

Erstens ist das beileibe nicht die Regel. Zweitens muss man sich nicht grämen, wenn es einen erwischt, denn die großen Kurslücken zeigen ja: Man hätte nicht zu besseren Kursen im Januar kaufen oder im April aussteigen können – mit diesen Kurslücken stand man wie alle anderen auch mit einem Schlag vor vollendeten Tatsachen.

Und Bilanzen oder Vorab-Meldungen von Bilanzen, Prognoseanhebungen oder –senkungen kommen dauernd. Bei allen Unternehmen, weltweit. Dazu politische Meldungen aus dem Nichts. Konjunkturdaten, die unerwartet stark oder schwach ausfallen. Notenbank-Entscheidungen, die die Kurse schlagartig ziehen oder drücken.

Das Unerwartete ist somit an der Börse aktuell unser aller ständiger Begleiter. Mal hat man dabei Glück, mal Pech. Es kann nichts Gutes daraus entstehen, wenn man damit hadert, denn das ist ja ein elementarer Teil der Börse. Wenn Sie sich das bewusst machen wissen Sie, dass nicht nur immer etwas schiefgehen kann, sondern dass das auch tatsächlich regelmäßig passiert. Und das bedeutet: Man kann eben nicht immer gewinnen. Was zu einer ersten Erkenntnis führt:

Leute, die es nicht ertragen, eine Niederlage zu erleiden, sind für die Börse ungeeignet und werden eher über kurz als über lang keine Trader mehr sein. Zumal speziell diese Menschen dazu neigen, solche scheinbar „unfairen“ Niederlagen wettmachen zu wollen, indem sie Kapitaleinsatz und Risiko noch erhöhen, z.B., indem sie bei fallenden Kursen nicht konsequent aussteigen, sondern wie wild ins fallende Messer hinein immer mehr zukaufen, um ihr Ego durch eine vermeintliche Verbilligung des Einstandskurses zu besänftigen. Was indes, wenn die Kurse weiter fallen, nur dazu führt, dass die Verluste noch schneller anwachsen. Entweder, man lernt, dass Verlust-Trades zur Börse dazugehören … oder man scheidet zügig aus dem Rennen aus.

Zwei Schritte, vor, einer zurück: Richten Sie Ihre eigenen Ansprüche an der Realität aus

Und es ist ja nicht nur so, dass nicht jeder Trade im Gewinn enden kann. Realistisch betrachtet kann man froh sein, wenn ein bisschen mehr als die Hälfte am Ende ein Plus bringt. Und das ist, wenn man es sich realistisch überleget, auch a) kein Wunder und b) kein Problem. Selbst mit nur einem Drittel an Trades, die im Gewinn enden, können sie langfristig solide Gewinne erreichen. Wenn Sie es richtig anstellen. Was aber nur gelingt, wenn Sie mit realistischen Ansprüchen antreten. Die da wären?

Man muss eben akzeptieren, dass man immer wieder auch einen Schritt zurück manchen muss, weil man nie sicher vorher weiß, was passieren wird und deswegen Trades im Verlust enden können. Wer das hinnehmen kann, hat es deutlich leichter, die Grundregel einzuhalten, mit der man sein Geld am Ende eben auch mit 30 oder 40 Prozent Gewinntrades mehren kann: Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen. Auch, wenn Letzteres immer, auch für erfahrene Trader, ein wenig unangenehm ist. Aber wenn wir uns hier einfach mal den DAX anschauen:

Wie wollte man sich ernsthaft einbilden, da immer auf der richtigen Seite zu sein? Wer will wirklich behaupten, er/sie hätte vorher gewusst, wann ein Seitwärtstrend endet? Dass ein scheinbar klarer Ausbruch zu einer Bullen- oder Bärenfalle wird? Dass eine Korrektur am Punkt X endet und der Markt dreht? Die Börse ist nun einmal ein Minenfeld im Nebel. Blind voranzustürmen ist da ebenso wenig ratsam wie wütend mit dem Fuß aufzustampfen.

Setzen Sie sich daher unbedingt realistische Ziele und schalten das Rauschen der Medien, das zu oft eher ein Getöse ist, ab. Hören sie nicht hin, lesen Sie es nicht, wenn irgendwelche Stories Ihnen vorgaukeln, dass die Börse ein Kinderspiel ist und Hinz oder Kunz angeblich binnen ein paar Wochen zum Millionär geworden seien. Wobei: So etwas passiert wirklich. Aber nicht einmal einem Prozent der Anleger. Und meistens haben solche Leute dann einfach nur Glück gehabt, oft eigentlich völlig verkehrt agiert und dann durch ein unerwartetes Ereignis einen Riesengewinn eingefahren. Was übrigens auch impliziert, dass weder Hinz noch Kunz solche Millionen lange behalten, denn:

Wer Glück hat … und das dann auch noch, weil er gegen alle Börsenregeln verstoßen hat … hat eigentlich von Tuten und Blasen keine Ahnung. Solche Leute neigen dazu, zu glauben, sie seien genial, wiederholen ihre halsbrecherischen Spielchen und laufen im D-Zug-Tempo auf Grund. Denn das Glück ist einem Trader nun einmal nie lange hold. Wer in ein paar Jahren mehr auf dem Depot haben will als heute (ohne einfach mehr einzuzahlen, versteht sich), muss sich auf andere Dinge stützen. Auf das, was wir alle in uns haben, es aber meist erst einmal aktivieren müssen:

Die „Glorreichen Drei“: Disziplin, Geduld und Beharrlichkeit.

Disziplin, Geduld und Beharrlichkeit. Das klingt ziemlich „uncool“, denn wo bleibt denn da die Spannung, das Abenteuer, der „thrill“? Tja, die bleiben vor der Tür, denn wenn Sie nicht zocken, sondern traden wollen, haben Spiel, Spaß und Spannung dort nur insofern etwas zu suchen, als es Spaß macht, wenn man sich im Spiegel sagen kann: Ich habe auch in diesem Monat Geld verdient … und das habe ich nur einem zu verdanken – mir selbst.

Der erste Schritt bei alldem ist natürlich, zu verstehen, dass die elementaren Grundregeln des Investierens nichts sind, das man ignorieren kann, weil man eh schlauer ist als alle anderen (wer davon überzeugt ist, befindet sich schon auf halbem Weg in die Pleite), sondern die Quintessenz aus den Erfahrungen von mittlerweile mehreren Jahrhunderten des Börsenhandels.

Folge dem Trend. Trade nur mit Geld, das nicht in absehbarer Zeit benötigt wird. Handle niemals mit bei Banken geliehenem Geld. Sichere jede Position konsequent ab. Und: habe Geduld!

Ich habe das schon dermaßen oft erlebt, dass ich es glatt als normal ansehen möchte: Sobald jemand Geld frei hat oder frei bekommt, will er/sie sofort, ohne Zeitverzug, loslegen. Was der Börse, mit Verlaub, völlig gleichgültig ist. Der Markt mit seinen Millionen von Akteuren wird sich nicht nach jemandem richten, der jetzt 10.000 Euro in die Hand nimmt und erwartet, dass die sich sofort vermehren, weil die Gelegenheit des Jahres pünktlich dann auftaucht, wenn das Geld auf dem Depotkonto eingebucht wird. Und das ist nur ein Beispiel für fehlende Geduld.

Ausgestoppt werden, sehen, dass man unglücklich herausgeflogen ist und hektisch gleich zurückkaufen, statt sich die Sache erstmal mit Abstand anzuschauen, weil man dem Trieb folgt, verlorenes Geld sofort wieder zurückholen zu wollen: fatal.

Sich jammernd zurückziehen und auf die böse Börse schimpfen, wenn man dreimal nacheinander mit Verlust ausgestoppt wurde, statt beharrlich dem eigenen System und den Grundregeln der Börse zu folgen: fatal. Noch fataler: Dann auf die Idee zu kommen, einfach das Gegenteil dessen zu tun, was eigentlich richtig wäre, weil man denkt, dass der Markt halt „spinnt“ und Short logischerweise richtig sein müsse, wenn Long es nicht ist. Oder auf Stoppkurse zu verzichten weil die doch eh nie funktionieren.

Der vierte Trade wäre vielleicht auch noch im Minus geendet. Oder sogar der fünfte. Gerade Seitwärtsphasen können Nerven kosten. Aber irgendwann wäre man dann eben beim Ausbruch dabei gewesen. Und hätte verdient, was zuvor verloren ging … wenn man beharrlich und diszipliniert gewesen wäre.

Vermeiden Sie, dass die Börse für Sie zur Fallgrube wird!

Das alles klingt a) logisch und b) könnte man denken, das sei doch so schwer nicht zu bewerkstelligen. Ja, das denkt man, bis man im Getümmel steht, die Kurse nach oben und unten sausen und einen die eigenen Emotionen einfangen.

Nein, diese „Glorreichen Drei“ namens Disziplin, Beharrlichkeit und Geduld sind für viele Anleger an der Börse aktuell keine Selbstverständlichkeit. Auch für mich nicht, nach mittlerweile 32 Jahren als Anleger. Aber was mir hilft ist, mich meiner Fehlbarkeit immer wieder zu erinnern und mir dann vorzubeten, worauf es ankommt. Da kann es durchaus sinnvoll sein, sich am Schreibtisch einen Zettel aufzuhängen, auf dem die ehernen Grundregeln notiert sind.

Auf Dauer als Investor erfolgreich zu sein, ist nun einmal ein etwas steiniger Weg. Aber es ist ein Weg. Für diejenigen, die glauben, dass derartige Regeln für sie nicht gelten, ist es eine Fallgrube.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 22.04.2021, Chartquelle marketmarker pp4

Börsenweisheiten können in der Tat guten Rat beinhalten, bisweilen sind sie aber schlicht Unfug und halten sich nur, weil sie schön griffig klingen. Letztere sind angebliche Regeln, die versuchen, etwas Kompliziertes einfach zu machen. Aber damit pflegt man sich an der Börse gemeinhin zu verheben: Die Börse lässt sich nicht in simple Faustregeln pressen. Gilt das auch für den Spruch „Sell in May“ … oder steckt da nicht doch ein wenig Wahrheit drin?

Eigentlich müsste man sofort skeptisch werden bei solchen Faustregeln wie „Sell in May“. Schließlich lässt sich die Börse nicht einfach in simple Formen pressen. Jeder, der schon ein paar Jahre dabei ist, weiß das aus eigener Erfahrung. Aber der Wunsch, Ordnung ins Chaos zu bringen, ist groß. Und damit auch die Bereitschaft, im Zweifel daran zu glauben, dass es eben doch ein einfaches System gäbe, mit dem es sich mit weniger Aufwand und Nerven mehr verdienen ließe.

Da käme diese „Regel“, die vollständig lautet „Sell in May and go away, but remember to come back in September“ wie gerufen. Die Aussage dahinter: Zwischen Mai und September tendieren die Aktienmärkte meist schwächer, während die Monate September bis April eine deutlich bessere Performance ausweisen. Ist das so? Tun wir zwei Dinge:

Erstens fragen wir uns, was dahinter stecken könnte und ob diese Grundidee einen Sinn ergibt.

Zweitens schauen wir anhand des DAX seit dem Jahr 2000 nach, wie sich diese Regel bewährt hätte.

Sell in May: Der historische Hintergrund

Die ursprüngliche Idee hinter dieser Faustregel war einst durchaus schlüssig, nur hat sie sich im Lauf der Zeit erledigt. In früheren Zeiten, als sich eine Order nur bei einer Bank oder sogar nur direkt an einem Börsenplatz aufgeben ließ … in denen es Stunden, bisweilen auch mal ein, zwei Tage dauerte, bis ein Kauf- oder Verkaufsauftrag umgesetzt war …. noch einmal länger, bis man als Anleger wusste, ob, wie viel und zu welchem Kurs man kaufen oder verkaufen konnte … und in denen man nicht auf Knopfdruck die aktuellen Kurse bekam … in diesen Zeiten musste man sich weit mehr vorsehen als heute.

Wer sich als Anleger damals in die Ferien verabschiedete und wochenlang außer Haus war, lief Gefahr, dass an der Börse in dieser Zeit etwas schiefläuft und man nicht nur nicht reagieren könnte, nein, man würde es nicht einmal mitbekommen, sondern erst, wenn einen die Zeitungen mit einiger Verspätung erreichen. Und niemand will erfahren, dass ein Crash einem das Vermögen eingeschmolzen hat, während man gerade am Strand die Füße in die Sonne gestreckt hatte.

Die Angst vor einem solchen Szenario entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die ersten Crashs der Börsen-Neuzeit deutlich machten, dass die damaligen Systeme, mit denen die Kursmeldungen aus den Handelssälen transportiert wurden, in kritischen Phasen, in denen die Umsätze anschwellen und die Lage hektisch wird, einfach zu langsam waren. Die telegrafische Übermittlung der Kurse über den „Stock Ticker“ hinkte beispielsweise im Zuge des 1929er Crashs um viele Stunden hinterher. Würde man dann in einer solchen Situation auch noch im Urlaub weilen, wäre man verloren.

Also pflegten nicht wenige Investoren damals ihre Portfolios vor Beginn der Feriensaison im Juni zu reduzieren oder gar alles zu verkaufen und die Aktien im September zurückzukaufen, wenn die Schulferien vorbei waren. Auch diejenigen, die nicht unbedingt an die Gefahr an sich glaubten, zogen oft mit. Einfach, weil sie davon ausgingen, dass genug andere so vorgehen würden, dass sich der Ausstieg rechnen würde.

Doch schon in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts funktionierte diese Systematik nicht mehr unbedingt zuverlässig, wie der vorstehende Chart zeigt. Und heute fällt das Argument, nicht reagieren zu können, komplett weg. Sie können an der Börse aktuell nahezu überall auf der Welt in Echtzeit die Kurse verfolgen und binnen Sekunden kaufen oder verkaufen. Aber diese historische Betrachtung der „Sell in May“-Theorie ist nicht die einzig mögliche. Es gibt auch noch eine psychologische Ebene, die man sich ansehen sollte.

Sell in May: Der psychologische Hintergrund

Normalerweise sehen Menschen ein neues Jahr als Chance an. Das Negative des alten Jahres wird im neuen Jahr verschwinden und guten Dingen weichen, das ist eine Hoffnung, die bei vielen von uns unterbewusst mitläuft. Daher warten Investoren eher nicht mit bösen Vorahnungen, sondern mit optimistisch angehauchter Spannung auf die Prognosen der Volkswirte und Unternehmen für das neue Jahr.

Dadurch ist man eher bereit, schon ab dem Herbst optimistisch vorauszublicken. So etwas hält sich gerne, wenn der Trend passt und die Rahmenbedingungen nicht zu negativ dagegenhalten, bis ins Frühjahr. So lange also, bis die Fakten so eindeutig negativ sind, dass sich dieser Optimismus nicht mehr halten lässt. Das passiert gerne nach den Bilanzen des ersten Quartals eines neuen Jahres, also im April. Und sollte die Lage weiter die Hoffnungen enttäuschen, bleibt der negative Impact meist bestehen, bis die Hoffnung auf das nächste Jahr im Herbst wieder aufkeimt. Das bedeutet:

Dieses psychologische Element kann die Regel, im Mai auszusteigen, um eine schwache Phase zu umgehen, und dann im September vor den starken Monaten wieder einzusteigen, grundsätzlich unterstützen. Das setzt aber voraus, dass die externen Einflüsse auf das Kursgeschehen nicht so gut ausfallen, dass sie die großen Hoffnungen erfüllen. Und sie dürften für die „Sell in May“-Regel eben auch nicht zur Unzeit kommen. Was man nicht absehen kann, denn „bad news“ halten sich, wie wir ja gerade im vergangenen Jahr erfahren haben, nicht an den Kalender.

Sell in May: Die Statistik

Sehen wir uns jetzt einmal an, wie sich diese Regel in den vergangenen 21 Jahren bewährt hätte. Ich habe das nach folgendem Kriterium geprüft: Hätte man, wäre man Anfang Mai ausgestiegen, Anfang September billiger einsteigen können oder nicht? Denn nur dann würde die Sache ja einen Sinn ergeben.

Alleine darauf zu schauen, ob es ab Mai eine Zeitlang abwärts gegangen wäre, ist nicht ausreichend. Denn wenn es im Mai und Juni steil abwärts, im Juli und August aber noch steiler aufwärts geht, hätte man nicht Verluste vermieden, sondern Gewinne eingebüßt, auch, wenn es im ersten Moment wirkt, als hätte die Regel etwas getaugt. Also?

In einigen Jahren hätte sich das in der Tat gerechnet, aber oft nur geringfügig. So wäre man im Jahr 2000 in der Tat billiger wieder in den DAX hinein gekommen, wenn man am 1. Mai aus- und am 1. September wieder eingestiegen wäre. Aber nur knapp 200 Punkte billiger … und hätte mitten in eine Baisse hinein weiter gekauft. Ein anderes Beispiel ist das Jahr 2006. Raus bei 6.014 Punkten, rein bei 5.861 Punkten. Oder 2010: Raus bei 6.122, wieder rein bei 5.936 Punkten … ob das sich für den Aufwand wirklich gerechnet hätte, ist fraglich.

Unter dem Strich haben wir über die letzten 21 Jahre, d.h. 2000 bis 2020 einschließlich, 13 Fälle, in denen diese Regel einen rechnerischen Vorteil gebracht hätte. Eine Erfolgsquote von 62 Prozent, das ist … überschaubar. Vor allem, wenn man sich ansieht, dass einige Jahre nur eine Winzigkeit an Vorteil gebracht hätten, man aber bisweilen eine Menge verpasst hätte.

Auffällig war nämlich, dass in den Jahren, in denen es zwischen Mai und August einschließlich aufwärts ging, oft rasant nach oben ging. Und in Jahren wie 2001, 2002, 2008 wäre man Anfang September zwar niedriger eingestiegen, dann aber sofort in einen Selloff geraten. Besser wäre man da gefahren, wenn man nicht Anfang September, sondern erst Anfang Oktober zurückgekommen wäre. Aber davon mal abgesehen ist die Aussage eindeutig:

Sell in May: Das Fazit

Diese Regel ist keine Basis für sinnvolle Dispositionen. Es fällt schon beim ersten Blick auf den vorstehenden DAX-Chart seit Beginn des Jahrhunderts auf: Was wirklich als Guidance taugt, ist die übergeordnete Trendrichtung. Wenn man mitten in einer Baisse steckt, wie das 2000-2003 und 2008 der Fall war, hilft es auch nichts, die Monate Mai bis September (egal, ob man da dann Anfang oder Ende September zurückgekommen wäre) auszusteigen. Und bewegt sich der Markt in einem mittel- und langfristig intakten Aufwärtstrend, ist das Risiko, mit einer solchen „Pause“ Gewinne zu verpassen, sehr hoch.

Was auch immer ich mir an scheinbar simplen Faustregeln für ein erfolgreiches Anleger-Leben über die Jahre angeschaut und verfolgt habe, sei es dieses „Sell in May“, sei es der Superbowl-Indikator, die Wirksamkeit von Hindenburg-Omen und so weiter und so fort, am Ende bleibt eine Erkenntnis:

Die Börse ist zu komplex, um sie mit simplen Faustregeln in den Griff zu bekommen. Solange das Unerwartete am Markt Stammgast ist, solange die Emotionen der Menschen über die Fakten siegen, kann es keine Regeln geben, die aus einer spannenden, aber auch komplexen Sache ein Kinderspiel machen. Unter dem Strich hat nur eine Regel in dieser Hinsicht wirklich Bestand: Folgen Sie dem Trend!

Sell in May: 2021 an der Börse aktuell eine gute Idee?

Damit beantwortet sich auch die im Titel der Kolumne in den Raum gestellte Frage. Die, ob der Ausstieg Anfang Mai in diesem Jahr eine gute Idee sein könnte. Aber ob DAX & Co. Anfang … oder Ende, man weiß es ja nicht … September tiefer stünden als Anfang Mai, kann man nicht vorhersehen. Wollte man es zu ergründen versuchen, würde man schnell merken:

Die Fragen, die man dazu beantworten müsste, haben mit der Grundidee des „Sell in May“ nichts zu tun. Es sind die Fragen, die sich jeder Anleger zu jeder Zeit stellt und somit auch an der Börse aktuell stellt:

Unterfüttern die Fakten die Börsenstimmung, so dass die anfängliche Welle der Hoffnung von einem soliden Unterbau abgelöst wird, der die Kurse stabilisiert und sie im Idealfall über den Sommer höher trägt … oder nicht?

Es ist die grundlegende Marktstimmung, die die Kurse lenkt. Es ist der Trend, der die Kurse führt und diese Stimmung beeinflusst. Und es sind einlaufende, oft unerwartete Nachrichten, die die Stimmung und den Trend festigen oder im Gegenteil kippen können. Der Kalender jedoch ist es nicht.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 15.04.2021, Chartquelle marketmarker pp4

Es gibt eine Menge Anleger, die nicht nur ausschließlich Long gehen wollen, sondern diese Vorgehensweise so verinnerlicht haben, dass sie sich weder in die Denkweise der Short-Seller hineinversetzen können noch imstande sind, einen koordinierten Ausstieg zu planen. Damit lebt man extrem gefährlich.

Man stelle sich vor, man setzt sich in einen Sportwagen und weiß zwar, wie man beschleunigt, nicht aber, wie man bremst. Dass einem Fahrer das erst auffällt, wenn der Bolide auf eine Klippe zurast, ist ein klassisches Bild aus Slapstick-Filmchen. Umso ernüchternder ist es, dass genau dieses Phänomen an der Börse sehr wohl existiert. Und dass die „Corona-Hausse“ seit einem Jahr so viele neue Anleger an die Börsen spült wie seit gut zwanzig Jahren nicht mehr, erhöht das Risiko, das davon für den Gesamtmarkt ausgeht, noch deutlich.

Börse aktuell: Noch funktioniert das „Schneeball-Prinzip“

Die in Mode gekommenen Trading-Apps suggerieren, dass der Aktienhandel ein Kinderspiel wäre – drei Klicks, und man ist dabei und verdient Geld. Natürlich erwähnen solche Werbungen nur im Kleingedruckten, dass man mit drei Klicks dabei ist, aber damit auch Geld verlieren könnte. Aber solange dieser Zustrom an neuen Anlegern mit frischen Geld nicht abreißt, funktioniert das Schneeball-Prinzip: Die „Neuen“ verhindern an der Börse aktuell mit ihren Käufen, dass die Kurse in größerem Umfang durchsacken.

Doch dieser Zustrom an Anlegern und Geld ist endlich. Wer das bezweifelt, dürfte zu denen gehören, die die Phase der Internetblase 1999/2000 und das, was danach kam, nicht miterlebt haben. Wer damals dabei war, weiß, was man nicht tun sollte: Blind kaufen und sich keine Gedanken darüber machen, was man tun muss, wenn es nicht läuft wie gedacht. Wer einen kapitalen Kurseinbruch indes noch nie selbst erlebt hat, weiß es nicht.

Was also sollte man tun? Als Faustregel sollte man immer im Hinterkopf haben:

An der Börse tut man gut daran, mental immer auf gepackten Koffern zu sitzen.

Es ist entscheidend zu verstehen, dass das Unerwartete hinter jeder Ecke lauert. Es kann jederzeit etwas passieren, das einen bestimmten Trade torpediert … oder sogar das gesamte Depot. Also ist ein konsequentes Risikomanagement zwingend, egal, wie wolkenlos der Himmel auch zu sein scheint. Man wird schneller vom Blitz getroffen, als man denkt. Grundelemente vernünftigen Risikomanagements sind:

Das sind die fünf Regeln fürs Risikomanagement, die jeder Anleger befolgen muss:

  1. Setzen Sie nie Geld ein, das sie in absehbarer Zeit benötigen.
  2. Handeln Sie nicht mit Geld, dass Sie als Kredit aufgenommen haben.
  3. Sorgen Sie für eine taugliche Risikostreuung, indem ihr Geld auf mehrere Bereiche verteilt wird. Eine solche Streuung sollte mehrere Branchen umfassen, idealerweise auch verschiedene Assetklassen abdecken.
  4. Jede Position muss eine Absicherung haben, sprich agieren sie niemals ohne Stoppkurse.
  5. Stellen Sie sich nicht gegen einen entgegenkommenden Güterzug, klammern Sie sich niemals an eine Meinung, sondern folgen Sie dem Trend!

Das klingt simpel. Ist es aber für viele nicht. Warum? Weil wir immer wieder unseren eigenen Emotionen zum Opfer fallen. Die an der Börse so entscheidende Selbstdisziplin fällt Ungeduld, Bequemlichkeit und Gier zum Opfer. Und immer finden sich Ausreden, mit denen man sich selbst davon überzeugt, dass es anders doch viel leichter geht:

Warum sich mit Stoppkursen belasten? Die muss man dauernd überwachen und anpassen. Und dann wird man trotzdem immer wieder mal unglücklich ausgestoppt, so dass man in solchen Fällen besser gefahren wäre, wenn man sich nicht abgesichert hätte. Und wieso sollte man nicht schnell auch mal Geld einsetzen, das man in ein, zwei Monaten braucht, wenn es an der Börse aktuell gerade läuft wie geschnitten Brot? Wozu soll man ein breit gestreutes Portfolio aufbauen, das viel mehr Aufwand bei der Überwachung benötigt, wenn man ein, zwei Aktien im Auge hat, die sowieso alle anderen abhängen werden?

Ein Markt voller Neueinsteiger erhöht die Risiken

Manch einer von Ihnen wird jetzt mitleidig lächeln. Wie könnte man so naiv sein, so zu denken und zu handeln?! Tja, ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich für meinen Teil muss nur weit genug in die Vergangenheit zurückgehen und mir selbst in meiner Zeit als „Rookie“ über die Schulter schauen. Denn obwohl ich damals alles über die Börse gelesen habe, was zu kriegen war und darüber hinaus ja ein nicht gerade fachfremdes Studium absolviert hatte, habe ich all diese Fehler selbst gemacht. Nicht alle auf einmal, aber da war insgesamt schon alles dabei. Mit den entsprechenden Konsequenzen natürlich. Und heute an der Börse aktuell …

… ist vor allem der Aktienmarkt voll von Anlegern, die die Erfahrungen noch nicht gemacht haben, die sich alten Hasen tief genug in Kopf und Konto gebrannt haben, um sie nie zu wiederholen. Aber wir wissen ja: Sie selbst können noch so sicher fahren – wenn der Highway voller Anfänger in Sportwagen ist, steigt das Risiko. Umso mehr Disziplin fordert das denen ab, die sicher durch diesen Highway kommen wollen, der für viele wie eine Einbahnstraße wirkt, aber keine ist. Was tun?

Bullen sollten wie Bären denken … und umgekehrt

Neben dem sturen Befolgen der obengenannten Grundregeln ist es meiner Meinung nach ganz entscheidend, sich nicht nur in das Denken der Gegenseite hineinversetzen zu können, sondern es auch wirklich zu tun. Nicht ab und an, sondern immer. So komisch es für manche klingen mag: Meiner Meinung denken die besten Trader immer auf den Kopf gestellt. Sind sie bullisch, denken sie wie Bären. Sind sie bärisch, denken Sie wie Bullen.

Was soll das bringen? Stellen Sie sich dazu einfach eine Frage: Wer bringt ihre Trades zu Fall? Die, die mit Ihnen sind? Nein, die „anderen“. Die, die verkaufen, obwohl Sie selbst glauben, da geht noch was. Die, die auf die Gegenseite wechseln und den Trend dadurch umkehren. Wenn Sie sich mit deren Denken und Argumenten nicht auseinandersetzen, werden Sie immer überrascht sein, was da auf einmal schiefgeht. Ein Beispiel:

Warum drehte der DAX im März 2020 plötzlich? Die Probleme durch COVID19 hatten zu diesem Zeitpunkt erst richtig begonnen. Niemand konnte absehen, wie heftig oder nicht heftig es werden würde. Und man hätte eine Menge Argumente gehabt, wieso die Kurse hätten weiterfallen müssen. Aus Sicht einiger Bären, die plötzlich mit ihren Positionen ausgequetscht wurden wie Zitronen, waren diese Argumente stichhaltig. Trotzdem drehte der Index. Nicht sanft, nicht mit einer Bodenbildung, sondern abrupt. Wieso?

Das hatte zwei Gründe. Der eine lag in dem Denken erfahrener, bärischer Trader, der andere in der Motivation großer, institutioneller Investoren. Wenn man sich vorstehenden Chart ansieht, wird das deutlich.

März 2020: Bären, die wie Bullen dachten, waren nicht überrascht

Die großen Adressen wussten, wenn die Super-Supportlinie aus den Hochs der Jahre 2000 und 2008 fällt, könnte aus dem Ausverkauf ein Crash werden. Sie mussten alles versuchen, um den Verkaufsdruck in diesem Bereich abzufangen, koste es, was es wolle.

Und die erfahrenen Bären konnten das ahnen, weil sie sich in das Denken dieser großen Fonds, Banken, Versicherungen, Pensionskassen, die Billionen für Sparer verwalten, hineinversetzen konnten. Deswegen kam es zu diesem abrupten Richtungswechsel:

Die großen Adressen, die mit ihren riesigen Aktien-Portfolios nicht einfach in beide Richtungen traden können, hielten in diesem Bereich um 8.200 DAX-Punkte mit allem dagegen, was noch da war. Und die erfahrenen Bären wussten: Das ist genau der Moment, um die Gewinne mitzunehmen. Sie deckten sofort leer verkaufte Positionen ein (was die Kurse nach oben zieht) als sie sahen, dass die Verteidigung dieser langfristigen Schlüsselzone erfolgreich sein würde.

Wer von der aufkommenden Panik überall, die durch immer weiter und schneller fallende Kurse intensiviert wurde, in den Bann gezogen wurde, wurde von dieser Wende komplett überrumpelt. Wer sich in die Gegenseite hineinversetzen konnte, nicht.

Kenne deinen Gegner: Bullen müssen wissen, wie Bären „ticken“

Ein Beispiel für die Gegenseite: Der scheinbar plötzliche Abwärtsschwenk der Aktienmärkte zu Beginn des vierten Quartals 2018. Das Argument für dieses immens schwache Quartal waren die immer weiter steigenden Zinsen. Die Investoren fürchteten, dass die US-Notenbank das Wachstum durch zu schnelle, zu weit führende Leitzinserhöhungen abwürgen würde. Aber wieso fürchteten das scheinbar alle auf einmal gleich zu Beginn des neuen Quartals, nachdem man zuvor wochenlang den Anstieg der kurzfristigen Zinsen ignoriert hatte?

Viele bullische Anleger fielen da aus allen Wolken. Wer wusste, wie die Bären denken und agieren, nicht. Im Gegensatz zu den Bullen, denen man ja zumindest nachsagt, dass sie blind losstürmen und darauf bauen, dass sie alles, was sich ihnen in den Weg stellt, auf diese Weise niederwalzen, warten die Bären still und leise auf ihre Chance.

Erfahrene Trader wissen, dass es keinen Sinn hat, sich einem noch intakten Trend entgegenzustellen. Das kostet Nerven und Geld, aber solange die Gegenseite dominiert, können gegenläufige Trades den Trend nicht drehen. Den richtigen Moment abzupassen, ist also entscheidend. Und genau das passierte auch damals.

Die großen Adressen am Aktienmarkt wollten mit aller Macht ein starkes drittes Quartal ins Ziel retten, denn damals wie heute versuchte man, mit starken Gewinnen zum Stichtag eines Quartalsultimos neue Anleger zu gewinnen. Doch viele große Investoren, auch und gerade Hedgefonds, unterziehen ihre Strategien zur Quartalswende einer Überprüfung. Und da reagierte man dann auf die gestiegenen Zinsen und die Sorge vor weiteren Zinserhöhungen. Der Markt war bullisch, doch nachdem frisch zugeflossenes Kapital der Sparer gleich zu Monatsbeginn in den Markt geflossen war, ebbte der Kaufdruck ab. Das war der perfekte Zeitpunkt, um den Spieß umzudrehen und die Bullen zu überrennen. Und dasselbe, nur auf den Kopf gestellt, passierte an Weihnachten 2018:

Da ging es schlagartig in die Gegenrichtung, kaum dass die Bären zur Abrechnung an der Terminbörse ihre starken Gewinne vereinnahmt hatten. Als viele sicher waren, dass es weiter abwärts gehen würde, drehte die Tendenz daraufhin erneut – und das ähnlich abrupt und aus denselben Motiven heraus wie im obenstehenden Beispiel des März 2020. Fazit:

Das Januskopf-Prinzip ist für Trader von Vorteil

Wer bullisch handelt, dabei aber immer wie ein Bär denkt, ist für solche scheinbaren Überraschungen gewappnet; ebenso sollte, wer Short ist, immer im Geiste wie ein Bulle denken. Solange der Trend hält, passt alles … aber wenn nicht, sollte man dafür Sorge tragen, nicht aus allen Wolken zu fallen, daher ist es kein Schaden, als Trader wie ein Januskopf zu denken.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Vielen fällt es gar nicht auf, aber sehr oft erleben wir Trendwenden, die nahe an einem Monatswechsel oder einem Verfallstermin an der Terminbörse liegen. Auch zum Start ins zweite Quartal 2021 könnte das passieren, denkbar ist ein Favoritenwechsel zurück zu den zuletzt ins Abseits geratenen Hightech-Aktien. Wir sehen uns an, worauf dieses Phänomen beruht.

Die Rahmenbedingungen für die Börse sind jeden Tag in Bewegung. Neue Bilanzen, Konjunkturdaten, politische Entscheidungen oder Zinsmaßnahmen verändern die Gemengelage nonstop. Daher wäre es eigentlich absurd, seine Investments an den Kalender zu binden. Und doch gibt es da Auffälligkeiten. Die konzentrieren sich auf zwei Termine: Die Abrechnungen der Aktienmarkt-Derivate an den Terminmärkten und die Quartalswechsel. Wieso?

Es sind die großen Investoren, die die Trends am Aktienmarkt „machen“. Sie agieren mit gewaltigen Summen, groß genug, Trends zu beginnen, fortzuführen oder auch zu drehen. Und natürlich ist das Ziel dieser großen Player dasselbe wie das unsere: möglichst viel Gewinn zu erzielen. Dabei kann man in zweierlei Hinsicht zwei Gruppen unterscheiden.

Zwei Zeitpunkte, an denen Geld „neu sortiert“ wird

Zum einen geht es darum, mit wessen Geld agiert wird. Die eine Gruppe verwaltet Geld anderer, so z.B. Fonds, Hedgefonds, Versicherungen oder Pensionskassen. Die zweite Gruppe agiert auf eigene Rechnung, das sind vor allem Banken im Eigenhandel und große, sogenannte „Family Business“-Trader.

Die andere Ebene, in der sich die großen Adressen unterscheiden, ist deren Ausrichtung. Die einen, wie Hedgefonds, oft aber auch die Banken im Eigenhandel, agieren meist mit Derivaten wie Futures und Optionen an der Terminbörse, der „Rest“ agiert vornehmlich direkt am Aktienmarkt.

Damit gibt es zwei Zeitpunkte, die für diese großen Adressen wichtig sind. Die Termine, an denen Derivate abgerechnet werden, deren Laufzeit endet … und die Termine, zu denen normalerweise frisches Geld der Sparer zufließt.

Ersteres, die Terminmarkt-Abrechnungen, sind die dritten Freitage eines jeden Monats. Wobei der dritte Freitag des dritten Monats eines Quartals besonders wichtig ist, denn nur zu diesen vier Terminen im Jahr laufen nicht nur Optionen, sondern auch Futures aus. Das nach den Abrechnungen frei gewordene Kapital bedarf dann neuer Anlage.

Letzteres sind vor allem die Monatswechsel, zu denen Gehälter gezahlt werden und zum Teil dann in Sparpläne oder direkt in Fonds etc. fließen. Besonders nach einem abgeschlossenen Quartal werden da gerne neue Entscheidungen getroffen, was die Verwendung des Ersparten angeht, weil das Stichtage sind, zu denen Fonds, Hedgefonds sowie Versicherungen und Pensionskassen mit Aktienmarkt-Produkten ihre Ergebnisse vorlegen und dann in die nächste, neue Quartals-Etappe starten.

Quartale als Etappen im ewigen Wettlauf

Diese zwei Termine, die Abrechnung am Terminmarkt und die Monatswenden, sind damit für diese großen Adressen wichtig, wobei diese beiden Termine vor allem im dritten Monat jedes Quartals besonders bedeutsam sind. Man kann das wie eine Etappe in einem endlosen Wettlauf sehen: Man hat ein Zwischenziel erreicht, holt kurz Atem, prüft die Lage und entscheidet dann, ob man die Strategie neu ausrichtet oder wie gehabt weitermacht. Denn natürlich verfolgen alle eine Strategie, entscheiden immer wieder aufs Neue, wie das Ziel, den Gewinn zu optimieren, erreicht werden soll.

Und wenn man die bisherige Strategie zu solchen Zeitpunkten auf den Prüfstand stellt, kann es leicht dazu kommen, dass die Entscheider zu dem Schluss kommen, dass es sinnvoll ist, sie an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Das kann natürlich auch außerhalb solcher Stichtage vorkommen, aber nach einer Terminmarkt-Abrechnung und zu Beginn eines neuen Monats, vor allem eines neuen Quartals, wird dort grundsätzlich hinterfragt, ob immer noch richtig ist, was bis dahin als richtig angesehen wurde. Daher erleben wir nicht selten, dass zu solchen Terminen die Trendrichtung wechselt, siehe der folgende DAX-Chart.

Dabei beschränkt sich eine solche Strategie, wenn sie auf den Aktienmarkt abzielt, nicht einfach darauf, alles querbeet zu kaufen oder im Gegenteil defensiver zu werden und die Barreserven hochzufahren.

Branchenrotation als Alternative zu höheren Cash-Reserven

ETFs, die Indizes nachbilden, haben da ohnehin keinen Spielraum, sie müssen investieren, was die Anleger ihnen zukommen lassen und die Indizes damit genau nachbilden. Aber auch bei Fonds ist der Entscheidungsspielraum oft überschaubar, was die Investitionsquote angeht, denn je höher die Barreserve, desto mehr bremst sie die Performance. Und da die Konkurrenz groß ist und die Anleger dorthin wandern, wo gerade das meiste herausspringt, scheuen die Fonds durch den steten Konkurrenzkampf eine oft ja durchaus ratsame, defensive Vorgehensweise. Daher agieren solche Akteure gerne flexibel innerhalb von einzelnen Branchen. Das gilt für Fonds, in Aktien anlegende Versicherungen, Pensionsfonds, aber auch für Banken im Eigenhandel. 

Das wird gerne auch mal medial verbreitet, da liest man dann z.B., dass die X-Bank jetzt massiv zu Gunsten von Tech-Aktien, Versorgern oder was auch immer umschichtet. Das hat den Zweck, andere Anleger mit ins Boot zu holen: Je mehr sich auf eine favorisierte Branche stürzen, desto größer ist die Chance auf Gewinn. Das führt dazu, dass die einzelnen Branchenbereiche innerhalb des Aktienmarkts oft sehr deutlich auseinander laufen, sehen Sie sich dazu den folgenden Chart an, der neben dem DAX drei DAXsector-Indizes zeigt, die die jeweils am deutschen Aktienmarkt zu diesen Brachen gehörigen Aktien umfassen:

Schauen wir uns da mal den Beginn des ersten Quartals dieses Jahres an. Da sieht es aus, als hätte man anfangs vor allem die Technologiebranche favorisiert. Ansonsten tat sich im Januar wenig. Doch zum Start in den Februar zogen sofort die Automobiltitel an, während der Bereich der Versorgerwerte kräftig unter Druck gesetzt wurde. Anfang März dann liefen die Autowerte weiter, dafür wurden die Technologiewerte wieder untergewichtet, während auf einmal die zuvor schwachen Versorgerwerte eingesammelt wurden.

Strategie geht oft vor Rahmenbedingungen

Solche Entscheidungen werden nicht immer durchgehalten, denn natürlich kommt es bisweilen zu Veränderungen des Gesamtumfelds, die so drastisch sind, dass sofortiges Reagieren nötig wird. Aber nicht selten beißen sich diese großen Adressen eisern durch und halten den Kurs bis zur Monats- bzw. Quartalswende. Und das gilt auch für die Klientel, die ihren Schwerpunkt an der Terminbörse hat. Der Verlauf des Aktienmarkts während der Corona-Panik Anfang 2020 ist dafür ein beeindruckender Beleg, wie der folgende Chart des Nasdaq 100 aus dieser Zeitspanne zeigt:

Es ist beileibe kein Zufall, dass der Aktienmarkt im Februar auf Rekordniveau blieb, obwohl Mitte des Monats bereits absehbar war, welche großen Probleme durch die Ausbreitung des Corona-Virus entstehen würden. Die Kurse blieben stur „oben“, bis die Abrechnung an der Terminbörse vorbei war. Nachdem die indes über die Bühne war, richteten die großen Akteure am Terminmarkt ihre Positionierung neu aus … das Ergebnis war ein sofortiger Kurseinbruch.

Und dass der wiederum an der Nasdaq genau mit dem Tief des Corona-Crashs zusammenfiel, die Notierungen unmittelbar nach der Abrechnung im März senkrecht anstiegen, war ebenfalls das Ergebnis dieses Phänomens. Nach einem solchen Termin disponieren die großen Akteure oft neu, was hier hieß: Das Realisieren der Short-Gewinne und der Switch auf Long, was zu rasanten Kurssteigerungen führte. Mit dem Beginn des zweiten Quartals kamen dann auch noch Fonds und andere „Kapitalsammelstellen“ hinzu, was der Rallye einen umgehenden, zweiten Schub verlieh. Und heute?

Börse aktuell: Erneute Branchenrotation zu Gunsten der Tech-Werte?

Hinsichtlich des an der Börse aktuell begonnenen zweiten Quartals wird es vor allem hinsichtlich der Branchenrotation spannend. Werden die großen Adressen ihre Schwerpunkte neu definieren? Der folgende Chart zeigt, worum es geht:

Grundsätzlich haben Unternehmen aus den Bereichen Technologie und Onlinehandel die stärkeren Perspektiven hinsichtlich des Umsatz- und Gewinnwachstums. Daher sieht man immer wieder, zuletzt zu Beginn des 3. Quartals 2020 und des 1. Quartals 2021, dass diese Bereiche, im Chart vertreten durch den technologielastigen Nasdaq 100-Index in grün, stärker laufen, sprich übergewichtet werden, aber:

Wenn die Schere zwischen dem Gesamtmarkt und den Tech-Branchen zu groß wird, beginnen diese großen Adressen, ihre Positionierung zurückzufahren und dafür mehr in die zurückgebliebenen Branchen der „Old Economy“ zu investieren. Das haben wir im September 2020 ebenso erlebt wie Mitte Februar 2021. Dadurch schließt sich diese Schere – bis zu dem Zeitpunkt, zu dem die Entscheider ihre Strategien erneut überprüfen, wie das auch an der Börse aktuell, mit dem Start ins neue Quartal, der Fall sein wird.

Das kann die Geburtsstunde eines neuen Rallye-Impulses in den Branchen der „New Economy“ werden, es dürfte sich daher lohnen, diese Aktien, diese zuletzt teilweise kräftig zurückgekommenen Gipfelstürmer der Hightech-Sektors, jetzt im Auge zu behalten!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 01.04.2021, Chartquelle marketmarker pp4