Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.


Börse aktuell vom 14.-20.06.2021

Uns steht eine brandheiße Woche bevor

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DAX
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Zum DAX

Die US-Inflationsdaten bleiben kritisch hoch. Was wird die US-Notenbank tun, nachdem die EZB weiterhin keine Anstalten macht, einer ausufernden Teuerung entgegenzuwirken? Am Mittwochabend werden wir es wissen. Der Aktienmarkt ist im Vorfeld spürbar nervös, nicht zuletzt, weil am Freitag auch noch der „dreifache Hexensabbat“ an der Terminbörse ansteht, der aufgrund dieser Kombination Inflationsdaten/Notenbank ein heißer Ritt werden könnte.

Heute schrieb mir ein Kollege: „Die Börse ist echt öde geworden, die Spannung ist raus“. Tja, so wirkt es zwar. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das derzeitige Geschiebe auf engem Raum nichts anderes ist als die Ruhe vor dem Sturm. Weniger sicher bin ich mir, dass dieser Sturm noch in dieser Woche losbricht. Aber ich halte es für möglich. Denn das, was da an der Börse aktuell auf uns zukommt, hat Pfeffer.

Diese ewige „unheilige Verbindung“

Es ist schon grundsätzlich nicht gerade gut, dass eine US-Notenbankentscheidung und ein Abrechnungstermin an der Terminbörse nur zwei Tage auseinander liegen. Und doch ist das seit vielen Jahren sehr oft so. Diese enge Verbindung birgt Risiken, denn eine heftige Reaktion auf eine Notenbankentscheidung kann die komplexen Positionen der großen Terminmarkt-Akteure in Schieflage bringen. Die müssen sich in diesem Fall gegen zu große Verluste absichern, sprich „hedgen“ und blasen die Kursreaktionen am Markt dadurch auf. Das lässt dann die Reaktion auf eine Entscheidung der „Fed“ unnatürlich stark wirken und verunsichert die normalen Investoren.

Oder aber es gelingt, eine erste, heftige Reaktion abzufangen, die Kurse wieder in den von den Terminmarkt-Granden anvisierten Abrechnungs-Zielbereich zurückzuführen. Dann kann der Eindruck entstehen, eine Notenbank-Entscheidung, die eigentlich eine Veränderung der Gesamtsituation bedeutet, wäre irrelevant, weil der Markt schließlich – scheinbar – kaum reagiert hat. Ja, das ist an sich schon eine unheilige Verbindung. Aber diesmal ist die Sache noch weitaus extremer, aus zwei Gründen:

Zum einen, weil es diesmal um eine große Abrechnung geht, um den sogenannten „dreifachen Hexensabbat, in den USA „triple witching day“ genannt, an dem neben den Optionen auf Aktien und Indizes auch noch die Futures auf Indizes auslaufen.

Zum anderen, weil diese US-Notenbanksitzung womöglich eine deutlich größere Tragweite hat als die meisten anderen. Denn jetzt hat die US-Inflation einen Level erreicht, auf dem es für die „Fed“ äußerst schwierig wird, so zu tun, als gäbe es keinerlei Handlungsbedarf. Sehen wir uns das mit dieser Inflation mal an:

Bei der letzten Fed-Sitzung konnte man noch so tun, als wäre nichts … aber jetzt?

Die letzte Sitzung der US-Notenbank war Ende April. Zu diesem Zeitpunkt waren die aktuellsten US-Inflationsdaten die für den März. Da lag die Teuerungsrate noch bei 2,6 Prozent. Erst danach kamen die Daten zum April mit 4,2 Prozent und, letzte Woche, die für den Mai mit satten 5,0 Prozent. Das ist weit über dem, was die US-Notenbank tolerieren dürfte. Und es ist auch weit über dem, was die US-Notenbanker in ihren Kommentaren unmittelbar vor und nach dieser letzten Sitzung avisiert hatten. Es könnten drei, ganz kurz vielleicht vier Prozent werden, hieß es. Man lag daneben. Und das hat niemand übersehen. Warum also sollte die „Fed“ nicht auch mit ihrer Behauptung schief liegen, dass sich das alles in Kürze von alleine erledigen werde? Die US-Notenbank hat mit ihren Vorhersagen in den letzten Jahrzehnten schon unangenehm oft danebengelegen.

Diese jetzt erreichten fünf Prozent sind auch im ganz langfristigen Vergleich viel, wie der folgende Chart zeigt. Und morgen, nur einen Tag vor der Entscheidung der „Fed“, kommen noch die US-Erzeugerpreise für den Mai. Die hatten im April schon bei 6,2 Prozent gelegen. Die Unternehmen müssen derzeit also eine klar höhere Teuerung hinnehmen als die Verbraucher. Die Grafik zeigt, dass das oft, wenngleich nicht immer, den Anstieg der Verbraucherpreise weitertreibt.

Börse aktuell: Vergleich der Entwicklung der US-Erzeugerpreise mit der US-Inflationsrate von 1989 bis 2021 | Online Broker LYNX

Somit wird es womöglich schon morgen „heiß“ am Markt, der letzte Woche noch so vor sich hin dümpelte. Und das gilt auch für DAX & Co, denn davon abgesehen, dass die heimischen Indizes der Wall Street derzeit mal wieder folgen wie ein Dackel, ist vielen klar, dass das Inflationsproblem auch für die Eurozone und die EZB gilt, auch, wenn wir da für Deutschland zuletzt „nur“ 2,5 Prozent, für die Eurozone 2,0 Prozent gesehen haben. Da kann leicht noch einiges nachkommen.

Die Frage ist, warum die Inflation den Aktienmarkt überhaupt irritieren sollte und wenn ja, warum die Anleger dann nicht gleich bei der Vorlage der US-Inflationszahlen letzte Woche verschreckt reagiert haben. Antwort:

Die Notenbanken und ihre Zwickmühlen

Weil weiterhin viele an der Börse aktuell darauf wetten, dass die US-Notenbank trotz dieser fünf Prozent Inflation nichts unternehmen wird. Sollte es tatsächlich so kommen, könnte (muss nicht!) es am Mittwochabend zu einem kräftigen Kurssprung nach oben kommen. Wie stellt sich die Problematik dar?

Inflation ist deswegen ein Problem, weil sie immer schneller zulegt als die Löhne. Auch, wenn die bei zu stark steigenden Preisen angeglichen werden: Da das die Kosten der Unternehmen zusätzlich erhöht, wird das wieder auf die Preise abgewälzt, drückt die Kaufkraft also erneut. Bei einer Lohn/Preis-Spirale sind es immer die Löhne, die verlieren. Was wiederum den Konsum drückt und damit am Ende die Gewinne der Unternehmen, egal, ob es da um Einzelhändler, Hersteller von Konsumgütern oder die Produzenten von Teilen oder Maschinen zur Herstellung von Konsumgütern geht.

Und fallende Unternehmensgewinne und Aktienindizes auf Rekordhoch, das passt nicht gerade gut zueinander. Vor allem nicht, wenn der Markt mit Blick auf die jetzt schon untypisch hohe Bewertung z.B. des Dow Jones darauf wettet, dass diese Unternehmensgewinne nicht fallen, sondern stark steigen.

Also müsste man ja eigentlich erfreut sein, wenn die „Fed“ handelt, indem sie das Wachstum so dämpft, dass es auf einem Level weiterläuft, das keine ausufernden Preise verursacht. Was man in der Tat annehmen könnte, würden wir uns an der Börse aktuell in einem normalen Umfeld bewegen. Tun wir aber nicht.

Über die vergangen Jahrzehnte, vor allem aber seit dem Platzen der Subprime-Blase 2007 und der daraus resultierenden Baisse am Aktienmarkt und der Rezession der Weltwirtschaft 2008/2009 ist eine Schuldenblase entstanden. Eine Blase, die immer weiter und weiter aufgebläht wurde, weil die Notenbanken nicht zurück konnten, als sie erst einmal damit angefangen hatten, eine Krise dadurch zu lösen, Geld derart billig und leicht zugänglich zu machen, dass viele förmlich nicht anders konnten als noch mehr Kredite aufzunehmen und das Geld für egal was aus dem Fenster zu werfen. Das belebte zwar das Wachstum wieder. Aber es schuf auch ein dauerhaftes Problem.

Selbst leicht anziehende Zinsen konnten bereits vor der Corona-Krise fatal wirken, denn wer versteht, dass das Wachstum in den USA, Japan, Europa und China nur noch durch immer mehr Kredite funktioniert, versteht auch, was passiert, wenn solche Kredite weniger oder kaum noch nachgefragt werden, weil sie zu teuer bezahlt werden müssen. Nach so vielen Jahren mit nahezu Nullzinsen, siehe auch die folgende Grafik, laufen zudem derart viele Kredite auf niedrigstem Zinslevel, dass ein höherer Zins nach Ende der Zinsbindung dazu führen kann, dass Kredite platzen wie Seifenblasen. Das ist der eigentliche Grund, warum Donald Trump derart auf die Palme ging, als die „Fed“ 2017/2018 die Leitzinsen anhob.

Börse aktuell: Entwicklung des US-Leitzins von 1971 bis 2021 | Online Broker LYNX

Selbst das Zurückfahren des Volumens der Notenbank-Käufe am US-Anleihemarkt könnte jetzt reichen, um diesen Effekt auszulösen. Am Anfang könnte es noch eine Welle neuer Kredite geben, weil sich viele noch einen Billig-Zins sichern wollen, bevor der steigt. Aber nicht einmal das wäre sicher. Das Problem der Notenbank ist also: Tut sie umgehend, was sie eigentlich tun müsste und beginnt, den Geldhahn etwas zuzudrehen, kann das Verbraucher und Unternehmen und mit ihnen das Wachstum im D Zug-Tempo ausbremsen. Die Deutsche Bank führte in einer Studie kürzlich an, dass die US-Notenbank in ihrer gut hundertjährigen Geschichte noch nie imstande war, die Inflation effektiv zurückzudrängen, ohne dabei eine Rezession auszulösen.

Tut sie hingegen nichts, wird die Inflation womöglich noch weiter zulegen und die dann das Wachstum abwürgen. Das aber würde man am Aktienmarkt eher hinnehmen, denn das hieße: Erst noch eine Zeitlang billiges Geld … von dem ja immer auch einiges am Aktienmarkt ankommt … und ein böses Ende, das auf der Zeitachse weiter hinten liegt. Das heißt:

Fed-Maßnahmen könnten jetzt sofort übel ausgehen, ein erneutes Nichtstun vielleicht erst in drei, sechs oder gar zwölf Monaten eine Abwärts-Trendwende am Aktienmarkt nach sich ziehen. Sie erkennen die Zwickmühle: Egal, was die „Fed“ tut, es wäre am Ende problematisch.

Diese scheinbare Ruhe bei Dow & Co. ist eher nur die Ruhe vor dem Sturm

Sollte die US-Notenbank am Mittwoch den Eindruck haben, dass sie einen „glücklichen“ Aktienmarkt einfach nicht mehr gegen ein langfristiges, massives Inflationsproblem eintauschen darf, das dann alle trifft, auch die, die nicht am Aktienmarkt aktiv sind, wird es also zur Sache gehen. Denn wie eingangs hervorgehoben, folgt die Abrechnung der Optionen und Futures gleich am übernächsten Tag. Sollte es zu heftigen Kursreaktionen kommen, sind die großen Akteure am Terminmarkt mittendrin.

Gerade deswegen schleichen die Kurse an der Börse momentan so vor sich hin. Nicht, weil man allerorten gelassen und zufrieden ist, sondern weil alle großen Akteure wissen, dass es jetzt richtig heiß wird. Man tut nichts, weil man sich nicht auf dem falschen Fuß erwischen lassen will. Aber Obacht, es ist völlig offen, was dann ab Mittwoch passiert, gerade weil so immens viel auf dem Spiel steht, direkt vor dem „dreifachen Hexensabbat“.

Börse aktuell: Vergleich der Entwicklung des Dow Jones mit dem RSI-Indikator von Oktober 2020 bis Juni 2021 | Online Broker LYNX

Es kann sein, dass die Aktienindizes wie ein defekter Fahrstuhl nach unten rauschen, der Dow Jones die wichtige Unterstützungszone bei 34.000 Punkten durchschlägt und sich panisch hedgende Terminmarkt-Akteure und ausgelöste Stop Loss-Verkäufe den Selloff noch intensivieren.

Es kann aber auch sein, dass eine negative Reaktion sofort mit aller Macht aufgefangen und gedreht wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Terminmarkt das hinbekommt. Klar ist das Risiko groß, dass das schiefgeht. Aber das Risiko, ansonsten haltlos nach unten abzurauschen, ist eben noch größer. Und angekommen es gelingt, Dow, S&P und Nasdaq zu drehen und ins Plus zu kaufen, obwohl die US-Notenbank etwas unternimmt, kann das dazu führen, dass die Kurse senkrecht davonziehen. Erstens, weil sich dann das bärische Lager am Terminmarkt hedgen muss, weil die Kurse dann am Freitag noch höher in die Abrechnung gehen als erwartet. Und zweitens, weil dann viele aufgrund einer solchen Rallye glauben werden, man sei begeistert, dass die „Fed“ konsequent und zugleich behutsam agiert und das Wachstum so bleiben, die Inflation aber verschwinden wird.

Erwarten Sie das Unerwartete

Dass es eher unwahrscheinlich ist, dass der US-Notenbank dieses Kunststück in einem Umfeld wie diesem gelingt, wissen diejenigen, die sich mit der Materie auskennen und schon lange am Markt dabei sind. Aber all die Unerfahrenen, die seit letzten Frühjahr in Massen an die Börse geströmt sind, wissen es nicht. Und die könnten dann eine solche, eigentlich absurde Kaufwelle noch immens intensivieren. Was bedeutet:

Es ist unmöglich vorherzusagen, wie diese Börsenwoche endet. Aber eines kann man schon mal behaupten: Es wird ruppig zugehen in der zweiten Wochenhälfte. Und man täte gut daran, nichts auszuschließen. Diesmal gilt, mehr noch als sonst, die alte Börsenregel: Erwarten Sie das Unerwartete!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 11.06.2021, marketmaker pp4

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Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

Oft verkaufen gerade erfahrene Investoren zu früh, weil sie mit Logik an die Sache herangehen, während das Gros der anderen Trader emotional agiert. Aber es gibt durchaus Indizien, die Hinweise geben, wann man noch dabeibleiben, sogar zukaufen kann und wann man besser zügig aussteigen und ggf. sogar auf die Short-Seite wechseln sollte.

Wann ist ein Trend nicht nur alt, sondern regelrecht gebrechlich und könnte daher jederzeit kippen? Das ist gar nicht so einfach erkennbar. Um es schon einmal vorwegzunehmen:

Aktuell sind die Trends am Aktienmarkt in der Tat bereits gebrechlich und wacklig. Aber sie sind bislang erst in einem Stadium, das besondere Vorsicht erfordert, indem man sich konsequenter absichert und das Risiko herausnimmt. Noch ist nicht die Zeit gekommen, um an der Börse aktuell nennenswerte Short-Positionen aufzubauen. Aber werfen wir erst einmal ein Blick auf einen Faktor, den viele irrtümlich als relevant ansehen: Die Dauer des Trends.

Auch Senioren können noch topfit sein

Das Alter eines Trends und seine Robustheit haben nichts miteinander zu tun. So wie auch unter den Menschen Senioren topfit sein können und junge Menschen beim kleinsten Windstoß umkippen können, sind auch Trends nicht von ihrem Alter her zu beurteilen. Davon abgesehen, dass es sehr subjektiv ist, welche oberen und unteren Wendepunkte ein Investor als Ankerpunkte eines Trends ansieht und es zudem ein großer Unterschied ist, ob man dann eine normale Skalierung oder, wie im folgenden Chart, eine logarithmische Skalierung einsetzt, können Trends immer wieder eine „Frischzellenkur“ erhalten, indem neue Argumente auftauchen, die die Kurse weiter treiben. Das beste Beispiel dafür sehen wir gerade:

Börse aktuell: Dax Trends - Entwicklung Dax von 1959 bis 2021 in logarithmischer Darstellung | Online Broker LYNX

Wäre es nicht zur Corona-Krise gekommen, wäre der im März 2009 begonnene, übergeordnete Aufwärtstrend womöglich 2020 zu Ende gegangen. Denn gerade diese wirtschaftliche Vollbremsung … die besonderen Lebensumstände, die für die meisten Menschen plötzlich galten … die gigantische Flut an von Regierungen und Notenbanken aus dem Hut gezaubertem Geld … die Verunsicherung, was man mit seinem Ersparten tun sollte:

All das führte dazu, dass der Aktienmarkt zunächst zwar scharf einbrach, dann aber ein gewaltiger Strom an Menschen an den Markt strömte. Menschen, die zur Erkenntnis gelangten, dass dort und nur dort ihr Geld am besten aufgehoben sei. Das Pendel schlug weit ins Terrain einer hohen Nachfrage aus, die Kurse stiegen. All das war zuvor nicht absehbar. Und das gilt letztlich für die meisten Faktoren, die imstande wären, einen Trend zu verlängern oder zu brechen.

Auch die Inflation ist ein solcher Faktor. Vor einem Jahr hatte man diesen Aspekt noch gar nicht auf dem Zettel, auch heute ignorieren ihn noch viele. Die Inflation kann zum Sargnagel der Aktienmarkt-Hausse werden. Aber je nachdem, wie sich die Rahmenbedingungen weiter entwickeln, muss das nicht so kommen. Wie darf man das verstehen?

Noch haben die meisten Investoren auf die Risiken, die sich aus einer nicht zeitgerecht bekämpften Inflation ergeben, nicht reagiert. Und es könnte ja durchaus gelingen, das Problem in den Griff zu bekommen, bevor es nachhaltig negativ auf den Aktienmarkt ausstrahlt. Das kann man heute noch nicht absehen. Und genau das ist der Punkt:

Auf ein Risiko kann man reagieren, muss es aber nicht. Das hängt davon ab, wie die Mehrheit der Marktteilnehmer reagiert … und die gehorchen nicht wie Maschinen objektiv den Rahmenbedingungen, sondern filtern sie, beurteilen sie subjektiv und emotional. Daher vertun sich diejenigen, die die Lage rein von der Logik her betrachten, oft massiv. Nicht zuletzt, weil viele Anleger am Aktienmarkt gar nicht wissen, wie bestimmte Aspekte zu beurteilen sind. Nehmen wir da nur das Beispiel der Bewertung.

Man könnte argumentieren, dass die derzeit ungewöhnlich teure Bewertung des Aktienmarkts, hier nachfolgend das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) des Dow Jones (errechnet aus dem Durchschnitt der KGVs der 30 Dow Jones-Aktien auf Basis der tatsächlich gemeldeten Gewinne) in Kombination mit einem nachlassenden Wachstum und der Gefahr einer aus dem Ruder laufenden Inflation an der Börse aktuell ein klares Verkaufssignal sei. Aber das ist es eben nicht.

Börse aktuell: Entwicklung des KGV der 30 Dow Jones Aktien von 2011 bis 2021 | Online Broker LYNX

Was man alleine daran erkennen kann, dass es überhaupt zu einer derart hohen Bewertung gekommen ist. Das scheint die Anleger offenbar nicht abzuschrecken, also kann man daraus keine Kauf- oder Verkaufssignale für den Gesamtmarkt ableiten. Zumal: Solange genug Marktteilnehmer fest darauf bauen, dass die Unternehmensgewinne rasant weiter steigen werden, was das KGV schnell und deutlich senken würde, kippt das den Markt ebenso wenig wie ein untypisch niedriges KGV automatisch eine Trendwende nach oben auslösen müsste. Gerade anhand dieses Beispiels kann man gut erkennen, dass „teuer“ oder „billig“ eine völlig subjektive Einschätzung ist. Aber in dieser Erklärung ist der Knackpunkt bereits verborgen:

Ein Trend kann wacklig und alt sein, wie er will, erst, wenn das auch von einer wachsenden Zahl an Anlegern so wahrgenommen wird, ist das relevant und eine potenzielle Basis für eine Wende. Also muss man, wenn man die „Fitness“ eines Trends beurteilen will, genau dorthin schauen: Auf den Zustand eines Trends an sich, nicht auf Fakten, die ihn befeuern oder ausbremsen könnten, aber nie müssen.

Die Wende beginnt zuerst in den Köpfen der Trader

Um Warnsignale zu erkennen, die erhöhte Vorsicht oder bereits Verkäufe rechtfertigen, muss man auf das achten, was Anleger, die sich um Fakten und Logik nicht scheren, nervös machen könnte.

Dass die Zahl an Marktteilnehmern hoch ist, die alleine aufgrund des fehlenden Wissens nicht auf Basis von Konjunkturdaten oder Bewertungsmodellen entscheiden, wissen wir. Die Zahl neuer, noch unerfahrener Anleger ist gerade seit dem Corona-Crash an der Börse aktuell immens hoch. Hinzu kommt, dass sehr viele Akteure nicht aktiv agieren, sondern „anlegen lassen“, indem sie in Fonds und ETFs investieren. Und solange diese wachsende Gruppe einfach weiter kauft, wird der Aufwärtstrend nicht kippen.

Was also könnte diese Gruppe an Akteuren dazu bewegen, nicht mehr weiter zu kaufen, sie womöglich zum Ausstieg treiben? Wenn die Rahmenbedingungen es nicht sind, bleibt nur eines: Der Stand ihrer Portfolios. Solange die Tendenz da weiter aufwärts weist, werden diese Akteure am Ball bleiben und Short-Seller ein ums andere Mal gegen die Wand fahren. Aber wie soll die Tendenz da nach unten drehen, wenn diese Akteure einfach weiter kaufen? Das klingt ja wie ein Perpetuum Mobile!?

Und ja, das ist es auch bis zu einem gewissen Grad. Das ist der Grund, warum Aufwärtstrends viel länger anhalten, als man es von der Logik her erwarten könnte. Was aber auch den Rückschluss zulässt: Wenn das Geld zu fließen aufhört, wird es sofort spannend. Sehen wir das gerade, ein solches Versiegen des Stroms an frischem Geld?

Favoriten und Branchenrotation: Darauf sollten Sie an der Börse aktuell besonders achten

Das ist nicht sicher messbar. Denn es kommt ja nicht darauf an, ob theoretisch noch viel Kapital bei den Anlegern vorhanden wäre, das in Aktien fließen könnte … oder ob noch genug Sparer neu an den Aktienmarkt strömen könnten. Ob Geld, das da ist, in Aktien wandert oder nicht, ist eine subjektive, individuelle Entscheidung jedes Einzelnen, das kann man nicht in Rechenmodelle pressen und vorhersagen. Aber man kann Tendenzen ausmachen, Indizien finden. Die da wären?

Zum einen lohnt immer ein Blick auf die Favoriten der Anleger. Wenn die nicht nur korrigieren, sondern dann auch nicht mehr in Fahrt kommen, ist etwas faul. Aber ist an der Börse aktuell etwas faul?

Börse aktuell: Vergleich der Entwicklung von DAX, Dow Jones und Nasdaq 100 von Februar 2020 bis Juni 2021 | Online Broker LYNX

Das fällt derzeit sogar im übergeordneten Bild auf. Zum einen sehen wir in vorstehendem Chart den „Barscheck-Effekt“: In den USA wurde viel Geld an die Bürger verteilt, aber nicht jeder brauchte dieses Geld auch, um seine Rechnungen bezahlen zu können. Dieses Geld, zuletzt kam der größte Scheck im März, ist zweifellos zu einem nicht unwesentlichen Teil an den Aktienmarkt geflossen. Aber es ist nicht wahrscheinlich, dass noch weitere Schecks kommen. Und es ist ebenso wenig wahrscheinlich, dass da viel Geld zurückgehalten wurde. Dieses Geld ist im Markt, der Nachschub bleibt aus. Das wird auch für einen großen Teil an sonstigen Sparguthaben gelten, denn wer wartet, bis die Kurse durch die Decke gegangen sind, um erst dann zu kaufen? Nicht viele.

Was es jetzt also bräuchte, um die Kurse wieder in Fahrt zu bringen, wären entweder neue Argumente oder frisches Geld. Idealerweise natürlich beides. Dass der Favorit der Anleger, der technologielastige Nasdaq 100, derzeit auf dem Level des Februars notiert, ist dahingehend ein Warnsignal. Da fließt nicht mehr so viel Geld hinein wie in den Monaten zuvor. Aber das alleine ist noch kein Grund, um rote Warnleuchten für den gesamten Aktienmarkt aufzustellen, denn der Chart zeigt auch, dass die klassischen Indizes Dax und Dow Jones dafür seit Februar ein neues Hoch nach dem anderen erreicht haben. Das deutet an: Das Geld fließt bislang noch nicht ab, es wird nur umgeschichtet.

Es könnte jetzt passieren, dass diese Umschichtungen weitergehen, indem die Anleger die Aktien der klassischen Branchen, die zuletzt wie geschnitten Brot liefen, wieder verkaufen und zu den alten Favoriten zurückkehren. Käme es so, würde der Gesamtmarkt nicht kippen und man könnte mit Short-Trades weiterhin nichts gewinnen. Da empfiehlt es sich, sich die absoluten Top-Aktien genau anzusehen. Beispiel Apple:

Börse aktuell: Kursentwicklung der Apple Aktie von Juni 2020 bis Juni 2021 und der Abstand zur 200 Tage Line | Online Broker LYNX

Man mag es gar nicht glauben, dass diese Aktie auf einmal so daniederliegt. Und das gilt nicht nur für Apple. Auch ein anderer vorheriger Top-Favorit der Anleger ringt mit der wichtigen 200-Tage-Linie, hat zuletzt keine neuen Hochs mehr erreicht: Tesla. Wenn solche Aktien nicht mehr in Fahrt kommen, wird es spannend, dann könnte der Gesamtmarkt kurz vor der Abwärtswende stehen. Denn wenn das Erreichen wichtiger Unterstützungen, wie die 200-Tage-Linie eine ist, die Anleger nicht mehr motiviert, aktiv zu werden – egal, ob andere Branchen gerade noch laufen oder nicht – könnte es an den entscheidenden Elementen der Hausse fehlen: an Geld und Optimismus.

„internal data“ liefert oft gute Signale

Auch die sogenannten „internen Daten“ sind in dieser Hinsicht gute Indikationen, wenn man mehrere von ihnen zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Aktuell sollten Sie da auf die Kombination aus Aktien über der 200-Tage-Linie und den neuen 52-Wochen-Hochs an der Wall Street achten. Vor allem dort sind diese Indikationen wichtig, denn letzten Endes werden sich Dax und Euro Stoxx 50 Impulsen, die an den US-Börsen entstehen, nicht widersetzen. Und es ist selten, dass eine Initialzündung in Europa beginnt und nicht in den USA. Sehen wir uns die beiden Indikationen mal an.

Börse aktuell: Prozentualer Anteil von Aktien an der NYSE über ihrem 200 Tage Druchschnitt - Zeitraum 1985 bis 2021 | Online Broker LYNX

Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1985 haben noch nie so viele Aktien an der New York Stock Exchange (NYSE) über ihrer 200-Tage-Linie notiert wie im Mai – in der Spitze waren es 97 Prozent. Ein hoher Anteil an Aktien über der wichtigen 200-Tage-Linie ist gut, das indiziert einen starken, gesunden Aufwärtstrend. Aber es ist wie bei allem: Wenn es zu extrem wird, wird es gefährlich.

Zum einen deutet dieser Extremwert an, dass auch die Aktien von Unternehmen steigen, denen es nicht gut geht und deren Anteile eigentlich nicht von einer Hausse erfasst werden sollten. Passiert das doch, ist die Gefahr groß, dass der Aktienmarkt nicht nur überhitzt, sondern auch zu viel Leichtsinn im Markt ist. Zwar hatten wir dieses Phänomen nach den Baissen 2000-2003 und 2008/2009 auch, aber als da dann Extremwerte erreicht wurden, ging die Aktienmarkt-Rallye in eine Korrekturphase über.

Eine Konsolidierung wie 2004, als es nach einer Super-Rallye erst einmal eine Zeitlang volatil seitwärts ging, das wäre ein Grund, mal Gewinne mitzunehmen. Aber noch keiner, um sich hauteng mit Stoppkursen abzusichern oder eine Watchlist Short für den Fall eines Trendbruchs zu erstellen. Doch diese Situation ist nicht dieselbe wie 2003 oder 2008, bei den letzten beiden Super-Rallyes nach vorherigem, scharfen Abverkauf.

Denn damals strömte keine Flut an unerfahrenen Anlegern an den Markt, die waren vorher eingestiegen und hatten heftige Verluste erlitten. Zudem war die Wiederbelebung der Wirtschaft nicht so extrem von billigem Geld abhängig wie diesmal. Was wir damals sahen, waren Rallyes entlang einer Mauer der Angst. Was wir an der Börse aktuell sehen, ist eine Rallye entlang des Pfades des billigen Geldes und der Gier.

Hinzu kommt, dass dieser immens hohe Anteil an Aktien über der 200-Tage-Linie mit einem überraschend schwachen Wert an neuen 52-Wochen-Hochs einhergeht:

Börse aktuell: Anzahl von Aktien an der NYSE mit neuem 52-Wochen-Hoch - Zeitraum 2010 bis 2021 | Online Broker LYNX

Wenn die Aktienindizes alle nahe ihrer Rekordhochs notieren, dabei zuletzt aber nur 225 Aktien der 2.400 an der New York Stock Exchange gelisteten Titel neue 52-Wochen-Hochs markieren, ist etwas nicht so, wie es in einem starken Aufwärtstrend sein sollte. Der Hausse kommt offenbar gerade die Marktbreite abhanden. Und wenn es dann ausgerechnet Top-Aktien wie Apple sind, die um ihre 200-Tage-Linie ringen müssen, dann haben wir genug Indizien, um festhalten zu können:

Vorsicht hochfahren, Risiko herausnehmen!

Ob die Hausse heute, in einer Woche, in einem Monat oder in einem Jahr kippt, weiß wie gesagt niemand, weil immer etwas Unerwartetes auftauchen kann, das eine Wende beschleunigt – oder verhindert. Aber wir haben genug Warnsignale, um sagen zu können, dass das Risiko, dass eine Wende auftritt, jetzt höher ist als sonst. Daher denke ich, dass man blinden Optimismus, gepaart mit Leichtsinn und wachsendem „Risikohunger“, jetzt unbedingt anderen überlassen sollte.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Wir Anleger sind im Prinzip alle gleich. Sicher, die einen verwalten Milliarden, andere nicht. Manche sind ein Muster an Selbstdisziplin, andere handeln aus dem Bauch heraus. Aber die Kernaspekte, die über Kauf oder Verkauf entscheiden, sind überall dieselben … und es ist nicht die Vernunft. Wer meint, es gäbe den „homo oeconomicus“, der, wie es in den Medien oft suggeriert wird, wie eine Maschine auf externe Einflüsse reagiert, begeht einen Irrtum, der schnell teuer zu stehen kommt.

Wer davon überzeugt ist, dass der Markt auf einlaufende Nachrichten immer sofort und rational reagiert, irrt. Und dieser Irrtum führt dazu, dass man, wenn man versucht, Kursbewegungen entsprechend der Fakten „zu lesen“, den falschen Mond anheult.

Wenn die Kurse die Nachrichten „machen“

Es ist gängige Praxis in den Medien, Kursbewegungen mit aktuellen Nachrichten zu verknüpfen. Das geht einfach und man kann darauf setzen, dass die meisten Anleger schnell vergessen, was gestern angeblich der Grund für steigende Kurse war, so dass man immer imstande ist, die Aussage neuer Daten den Kursen anzupassen. Doch haben Sie sich nicht auch schon oft gefragt, wie es sein kann, dass z.B. der DAX angeblich am Dienstag wegen der Sorge der Anleger vor einer ausufernden Inflation fällt, am Mittwoch dann mit der Begründung steigt, dass die Anleger die Inflationsängste abschütteln, nur, um zu sehen, dass er am Donnerstag wieder angeblich wegen Inflationssorgen fällt?

Wechseln Sie täglich und über Nacht ihre Meinung und, darüber hinaus, ihre Depotausrichtung? Ich nicht … und auch sonst niemand. Das wäre nicht nur ein Riesenaufwand, es führt auch nirgendwohin außer zu schleichenden Verlusten. Und es wäre alleine deswegen sinnlos, weil in keiner Marktphase nur positive oder nur negative Nachrichten auflaufen, so dass man einem stetigen Hin und Her folgen müsste statt dem, worauf es wirklich ankommt: dem Trend.

Die Gründe, die wirklich die Kurse bewegen, sind oft ganz andere als das, was einem medial vorgesetzt wird. Aber wieso kommuniziert man das dann so? Weil es einfacher ist. Wollten Marktkommentatoren, ob im Fernsehen, in Zeitungen oder im Internet, wirklich darlegen, wieso sich die Notierungen an einem bestimmten Tag nach oben oder unten orientieren, hätten sie viel zu berichten und zu erklären. Was die Kurse bewegt, ist nicht in drei Minuten erklärt. Also lesen wir in der Regel eine vereinfachte Variante, die aber, dummerweise, nicht nur einfach, sondern meist auch falsch ist. Aber was ist es denn, was die Kurse wirklich bewegt?

Wir reagieren alle individuell … und auch wieder nicht

Es ist der „Mehrheitsentscheid“ als Ergebnis der subjektiven Beurteilung der Lage durch jeden einzelnen Anleger. Wenn genug Akteure die Lage an der Börse aktuell positiv interpretieren und dabei bereit und imstande sind, diese Einschätzung auch aktiv zu vertreten, indem sie kaufen … und wenn deren Kapitaleinsatz größer ist als der derjenigen, die das anders sehen und verkaufen, steigen die Kurse. Ist es umgekehrt, fallen sie. Daher ist meine typische Antwort auf die Frage von Kollegen „weißt Du, warum es heute runtergeht?“, nämlich „weil mehr verkaufen als kaufen“ durchaus nicht so lakonisch, wie sie meist aufgefasst wird. Denn nur darum geht es.

Das Knifflige an dieser scheinbar simplen Sache ist, zu verstehen, warum das Pendel mal in Richtung Bullen, mal in Richtung Bären ausschlägt und zu erkennen, wenn sich an dieser Situation etwas so Grundlegendes verändert hat, dass es zu einer Trendwende kommt.

Dazu muss man sich auf die Ebene von „Behavioural Finance“ begeben, den Bereich der Börsenpsychologie. Denn ja, Konjunkturdaten, Bilanzen, Notenbankentscheidungen sind alle wichtig und hätten, objektiv betrachtet, in der Regel eine entweder klar positive oder klar negative Aussage. Aber zwischen diesen Fakten und dem, was an der Börse dann passiert, steht ein Filter mit dem Charme eines rotierenden Wegweisers: die subjektive Auslegung der Daten durch den jeweiligen Anleger.

Nun könnte man da die Waffen strecken, weil man sich sagt: Wir sind alle Individuen mit einer völlig eigenen Sichtweise der Dinge. Daher kann es keine Möglichkeit geben, diese Unbekannte in der Gleichung zu fixieren, immerhin könnten die Leute ja andauernd ihre Meinung wechseln. Aber so individuell sind wir, zumindest als Anleger, gar nicht. Denn in der Regel wird man als Anleger von einem Aspekt korrumpiert: davon, was man im Depot hat!

Wir sind Sklaven unseres Depotbestands

Wirklich objektiv könnte man als Trader an der Börse aktuell nur dann auf Nachrichten reagieren, wenn man keine Position hat und keine Marktmeinung. Was impliziert: die wenigsten Akteure beurteilen Informationen unvoreingenommen. Und damit hat sich der Gedanke, dass Nachrichten grundsätzlich die Kurse „machen“, erledigt.

Man muss sich doch nur selbst einmal im Spiegel betrachten. Wenn ich bärisch bin, will ich ja, dass der Markt in die Knie geht, weil ich Short investiert bin. Und das geht allen Bären so. Denn wer ist denn bärisch und ist bis über die Halskrause Long? Wenn ich eine bärische Marktmeinung habe, das Depot entsprechend ausgerichtet ist, dann will ich meine Meinung und Positionierung natürlich bestätigt sehen. Da findet man dann in einer Bilanz immer ein Haar in der Suppe, betrachtet Konjunkturdaten im Zweifel durch die dunkle Brille und ignoriert, wenn es ganz dick kommt, sogar, dass der Trend des Marktes in Wirklichkeit nach oben weist. Geht es Ihnen nicht bisweilen auch so?

Ich würde Nachrichten ganz anders „lesen“, wenn ich neutral wäre, aber das bin ich ja als Trader so gut wie nie. Wobei ich gleich betonen möchte: Ich selbst bin solange kein Trader mit größeren Positionen, solange ich als Analyst tätig bin, das geht nicht zusammen. Auch so ist es nicht immer leicht, die Lage so neutral wie möglich zu betrachten und weiterzugeben, aber würde ich zugleich Heavy-Trader und Analyst sein wollen, würde ich in einem der beiden Bereiche versagen. Wenn ich also in diesem Zusammenhang „ich“ schreibe, meine ich meine Erfahrungen aus der Zeit, in der ich hauptsächlich Trader war.

Fassen wir zusammen: Jeder Marktteilnehmer will, dass seine eigenen Positionen Gewinn abwerfen. Kein Trader will dauernd sein Depot umschichten. Und sehr viele tun sich immens schwer damit, sich einer subjektiven „Marktmeinung“ zu enthalten und völlig pragmatisch der jeweiligen Trendrichtung zu folgen. Das Ergebnis ist, dass eine Mehrheit der Marktteilnehmer die Realität durch den Filter des eigenen Depotbestands wahrnimmt.

Ist damit jegliche taugliche Beurteilung des Marktes unmöglich? Schließlich kann man den Anlegern nicht in die Köpfe sehen und so erkennen, ob die Bullen und Bären überwiegen. Stimmt schon, aber wozu sollte man das auch müssen?

Was zählt, hat jeder direkt vor der Nase

Worauf kommt es denn letztendlich an, im Allgemeinen und an der Börse aktuell? Recht zu haben mit der eigenen Meinung? Das wäre zwar nett. Aber da es da nicht auf Weisheit ankommt sondern darauf, ob andere genauso denken und handeln, die sich aber womöglich in keiner Weise um die meiner Ansicht nach relevanten Fakten scheren, hat der alte Börsenspruch schon seinen Sinn: „Recht haben und Recht bekommen sind an der Börse zweierlei.“

Nein, es kommt einzig und allein darauf an, mittelfristig Gewinne zu erzielen. Eine explizite und vor allem eine festgezurrte Marktmeinung ist dabei, wie man sich anhand der bisherigen Aussagen denken kann, eher hinderlich als hilfreich. Was zählt, ist auf der richtigen Seite des Trends zu stehen. „Ich halte dagegen, weil die alle spinnen“, klingt zwar heroisch, aber es klingt auch nach Verlusten. Denn welche Seite ist denn die richtige? Dadurch, dass zwischen Daten und Kursen immer dieser emotionale Filter namens Mensch sitzt, ist das ja nicht einmal objektiv zu klären, wenn man Außenstehender ist, denn der Faktor Mensch als Meinungs-Brummkreisel ist ja ein unabdingbarer Teil des „Gesamtkunstwerks“ Börse!

Am Ende sind es eben die Kurse selbst und damit das, was aus dieser „Verwurstung“ der einlaufenden Informationen durch die von Gier, Angst, Verunsicherung und dem eigenen Depot getriebenen Menschen herauskommt, was zählt. Was bedeutet: Am Ende zählt eben nicht die Realität, denn die hat tausend Facetten, je nachdem, wer die Dinge wann unter welchen Umständen betrachtet. Es zählt der Trend. Und da kommt man, wenn man diese so komplexe Problematik durchdacht hat, auf einmal doch wieder beim einfachsten aller Tipps heraus: Folgen Sie dem Trend!

Mit „müsste eigentlich“ kommt man an der Börse nicht weit

Ob der Trend in einem jeweiligen Index, einer Aktie, einem Währungspaar oder einem Rohstoff an der Börse aktuell von den Fakten unterfüttert ist oder nicht: Gegen den Trend zu agieren bedeutet, dass Sie die weitaus schlechteren Karten haben. Natürlich ist es relevant, ob dieser Trend „logisch“ ist, sprich von den Rahmenbedingungen unterfüttert ist oder nicht. Aber nur dahingehend, dass ein Trend, der nur deswegen noch besteht, weil die Mehrheit der Akteure in eine Richtung spekuliert und nicht umschwenken kann oder will, fragiler ist. Weshalb man sich dann besonders sorgsam und eng absichern muss, wenn man diesem Strom folgt. Aber das ist es dann auch schon.

Phasen, in denen etwas „eigentlich passieren müsste“, gab es in der Geschichte der Börsen schon zuhauf. Und in solchen Phasen hat es meist gerade die, die besonders intensiv nachdenken, hinter den Vorhang schauen und erkennen, dass da etwas nicht ist, wie es normalerweise sein müsste, in die Pleite getrieben, daher: Egal, ob ein Trend fundiert ist oder es sich um einen sogenannten „dummen Trend“ handelt: er ist Ihr Freund, wenn es darum geht, Geld zu verdienen!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Die Notenbanken behaupten, dass sich die aktuell markant anziehenden Inflationsraten von alleine zurückbilden, wenn der derzeitige, massive Nachfrageüberhang nachlässt. Damit könnten sie Recht haben, wenngleich das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale, die die Preise dann weiter anheizt, bleibt. Doch schaut man über den Tellerrand hinaus, hat die Aussage, dass der Nachfrageüberhang bald verschwinden wird, nichts Beruhigendes.

„Bald wird sich alles wieder einrenken“, das ist eine Erwartungshaltung, die im Prinzip ja immer richtig ist. Es ist eben nur die Frage, wann das passiert.

Diese Denkweise hielt viele Anleger davon ab, im Zuge des Corona-Crashs auszusteigen, viele kauften, als die Kurse wieder nach oben drehten, sogar noch zu. Und dasselbe gilt für das derzeitige Menetekel namens Inflation. Natürlich will man an der Börse aktuell den Notenbanken glauben, dass sich dieses Problem von alleine erledigen wird. Selbst dann, wenn man weiß, dass die Notenbanken die Preisentwicklung gar nicht vorhersehen können und da schon das eine oder andere Mal fatal daneben lagen, so z.B. in den Sechziger und Siebziger Jahren, als die Teuerung völlig aus dem Ruder lief. Aber es ist nun einmal so, dass der eigene Depotbestand die Wahrnehmung korrumpiert:

Wer massiv Long ist, womöglich noch mit hohem Hebel via Derivate, nimmt ungern etwas zur Kenntnis, das bedeuten könnte, dass das Boot der Bullen ein Leck hat. Da will man gar nicht wissen, dass die Basis dieser Aussagen darin liegt, dass die Notenbanken nicht wagen, etwas zu tun, das den Preisauftrieb stoppen würde, weil die gesamte Erholung darauf fußt, dass billiges Geld jetzt noch leichter und noch billiger zu haben ist.

Aber es wäre unbedingt ratsam, sich in dieser Hinsicht Gedanken zu machen. Denn angenommen, die Notenbanken bekommen mit ihren beschönigenden Statements Recht, was dann? Was passiert denn, wenn dieser momentane „Flaschenhals“ durchschritten wäre? Zunächst mal zum aktuellen Stand der Dinge:

Die Preise steigen mit einer Bugwelle

Die aktuellsten Inflationsdaten beziehen sich auf den April. Die US-Verbraucherpreise sind mit 4,2 Prozent schon untypisch stark gestiegen, eine solche Inflationsrate gab es zuletzt 2008. Für Deutschland sieht die Sache noch harmlos aus: 2,0 Prozent gehen noch an, vor allem, wenn EZB und US-Notenbank mit ihrer Unterstellung, das werde sich beizeiten von alleine erledigen, richtig liegen würden. Aber erst einmal dürfte die Teuerung noch weiter zulegen, denn:

Börse aktuell: Vergleich der Entwicklung der Inflation in Deutschland und den USA von 2012 bis 2021 | Online Broker LYNX

Die Preise haben in den Erzeugerpreisen eine nicht zu unterschätzende Bugwelle, die der Verbraucherinflation vorausläuft. Die Erzeugerpreis-Inflation ist die Teuerungsrate, der das produzierende Gewerbe unterliegt, d.h. für die Unternehmen gilt, die Waren herstellen. Und die liegt aktuell deutlich höher, wie der folgende Chart zeigt. Satte 6,2 Prozent in den USA und 5,2 Prozent in Deutschland, das ist der Level für den April. Das heißt: bislang haben die Unternehmen die gestiegenen Kosten nur zum Teil an die Verbraucher weitergegeben. Da Unternehmen natürlich nicht freiwillig auf Gewinn verzichten, wird man, wo immer das möglich ist, diese Preissteigerungen noch weiter reichen, so dass es nicht überraschen würde, wenn wir für den Mai in Kürze noch etwas höhere Verbraucherpreis-Steigerungsraten sehen. Und natürlich ist das ein Problem, denn das mindert die Kaufkraft und bremst dadurch das Wachstum aus. Zumindest, wenn es mehr ist als ein vorübergehendes Phänomen.

Börse aktuell: Vergleich der Entwicklung der Erzeugerpreise in Deutschland und den USA von 2015 bis 2021 | Online Broker LYNX

Was sich erst herausstellen muss, was die Notenbanken eigentlich auch wissen. Doch sie sitzen in der Zwickmühle, weil sie, wenn sie versuchen, die Teuerung zu bremsen, den Geldhahn zudrehen müssten. Sicher, da würde erst einmal nur ein bisschen ausreichen. Aber auch das kann übel ausgehen in einem Umfeld, das so sehr auf extrem billiges Geld angewiesen ist. Also tut man nichts und behauptet, die Inflation erledige sich bald von selbst und wenn nicht (aha?) habe man genug „Tools“, die Sache einzugrenzen. Richtig ist:

Diese Sache mit dem „Flaschenhals“

Wir sehen auch deshalb so kräftig steigende Preise, weil die anziehende Nachfrage als Reaktion auf die mit fortschreitenden Impfungen zusehends normalisierten Bedingungen in einen Flaschenhals geführt hat.

Insgesamt ist die Kapazitätsauslastung der Industrie, egal ob in Europa oder den USA, zwar noch deutlich unter dem „Prä Corona“-Level. Aber es geht hier um bestimmte Bereiche, die jetzt auf Volllast fahren, da hilft es nichts, dass in anderen Bereichen noch Spielraum wäre. Dadurch werden bestimmte Rohstoffe auf einmal massiv mehr nachgefragt. Die werden knapp und die Preise gehen durch die Decke. Hier einmal ein paar Beispiele für Bereiche am Rohstoffmarkt, die durch diesen „bottle neck“ rapide teurer wurden:

Börse aktuell: Vergleich der Entwicklung der Preise wichtiger Rohstoffe wie Bauholz, Heizöl, Rohöl, Sojabohnen und Kohle von Januar 2021 bis Mai 2021 | Online Broker LYNX

Solche Preissteigerungen finden sich keineswegs in allen Bereichen, so manches wurde seit Jahresanfang auch billiger. Aber einige Sektoren sind halt jetzt in diesem Flaschenhals … und die Transportkapazitäten ebenso. Denn da ist man nicht endlos flexibel. Geht das, was transportiert werden soll, über einen bestimmten Level hinaus und wird dann auch noch wegen der gestiegenen Preise „gehamstert“, steigen auch die Transportkosten rasant. Für Container-Schifffracht beispielsweise liegt der Preis aktuell gegenüber dem Jahresanfang um 80 Prozent höher und damit fast auf dem Level der Hochs des bisherigen Jahrhunderts, das in den frühen 2000er-Jahren markiert wurde.

Was die Unterstellung angeht, dass sich das beruhigt, dürften die Notenbanken zweifellos Recht bekommen. Und gesetzt den Fall, dass es dann nicht an einer anderen Front, nämlich den Löhnen, zu Inflationsdruck kommt, weil zwar die Zahl der Arbeitslosen hoch ist, vor allem aber Spezialisten gesucht werden, die knapp sind (was die Löhne steigen lässt und damit erneut ein Grund für Unternehmen wäre, die Preise anzuheben), hieße das:

Irgendwann in den nächsten Monaten wird der Inflationsdruck nachlassen. Aber sollte man sich darüber freuen? Ist es wirklich gut, dann das eingangs erwähnte Argument als Grund für das Beibehalten großer Long-Positionen bzw. zum Zukauf hervorzuholen, irgendwann werde sich das alles wieder einrenken? Wer an der Börse aktuell über den Tellerrand schaut, dürfte das anders sehen, denn gerade der Umstand, dass dieser Flaschenhals über kurz oder lang durchschritten sein wird, könnte vom Regen in die Traufe führen. Überlegen wir mal:

Vom Regen in die Traufe: Wenn das Wachstum ins Loch fällt

Wenn dieser „bottle neck“ und damit der Nachfrageüberschuss überwunden sind, wird die jetzt besonders hohe Nachfrage nach Produkten abgearbeitet sein. Was jetzt wegen fehlendem Material und reißenden Lieferketten nicht gefertigt werden kann, wird ja in den kommenden Monaten letztendlich fertig und geliefert. Aber was momentan an Bestellungen auf Halde liegt, müsste, um das derzeitig hohe Wachstum – vor allem in den USA – aufrechtzuerhalten, in eine weiterhin hohe Nachfrage übergehen. Ist damit zu rechnen?

Dieser jetzt existierende Engpass in vielen Bereichen ist dafür kein Beweis, auch, wenn das viele bullische Anleger an der Börse aktuell so sehen wollen.

Börse aktuell: Vergleich der Entwicklung der Industrieproduktion in den USA mit dem S&P 500 von 2006 bis 2013 | Online Broker LYNX

Der Flaschenhals und die dadurch steigende Inflation machen deutlich, dass viele Konsumenten jetzt kaufen, was sie in den vergangenen zwölf Monaten sicherheitshalber aufgeschoben haben. D.h. wir sehen einen Konsumschub, der automatisch in ein Loch bei Aufträgen und Verkäufen führt, wenn da nicht noch sehr viel nachkommen würde. Und, wird viel nachkommen?

Das ist nicht sicher vorhersehbar, denn das Verhalten der Konsumenten vorherzusagen ist fast unmöglich, schließlich geht es hier sehr oft um emotionale und meist auch impulsive Entscheidungen, etwas zu kaufen oder eben nicht. Aber alleine der Umstand, dass wir gerade in vielen Bereichen eine auffallende Knappheit sehen, die sich bekanntlich auch auf den Chipsektor erstreckt, deutet an, dass man damit rechnen muss, dass das, was heute mehr gekauft oder bestellt wird, in ein paar Monaten weniger über die Ladentische geht. Anders formuliert:

Börse aktuell: Es wäre ratsam, auf der Long-Seite auf gepackten Koffern zu sitzen

Es besteht durchaus die Gefahr, dass ein Abflauen der Inflation in die Traufe eines sehr deutlich ins Loch fallenden Wachstums führen wird. Und das ist etwas, das an der Börse aktuell nur sehr wenige Anleger im Hinterkopf haben dürften.

Eine Gefahr, die kaum jemand sieht bzw. sehen will, führt auch nicht unmittelbar zu Abgabedruck. Jetzt aufgrund des Risikos zu verkaufen, dass die Wirtschaft vom Regen in die Traufe torkelt und damit das Kartenhaus der mit der Hausse stetig steigenden Erwartungen des bullischen Lagers zusammenbricht, wäre daher nicht zwingend. Sich dieses Aspekts bewusst zu sein, aber schon. Denn nur, wenn man weiß, wie dünn das Eis ist, auf dem die Bullen tanzen, ist man imstande, schnell und konsequent zu reagieren, wenn entscheidende Trends brechen.

Wer weiterhin glaubt, dass die Rahmenbedingungen die beste aller Welten darstellen, würde, wenn es anders kommt, stur investiert bleiben und in fallende Kurse immer weiter zukaufen. Ja, diese „Strategie“ ging beim Corona-Crash gut. Aber das ist kein Beweis dafür, dass das Ignorieren von charttechnischen Verkaufssignalen, das Weglassen vor Stoppkursen und damit der Verstoß gegen alle Basisregeln des Investierens auch ein weiteres Mal gutgeht.

Fazit: Es kann an der Börse aktuell wirklich nicht schaden, zwar weiterhin konsequent den unverändert noch aufwärts weisenden Trends zu folgen, dabei aber mental auf gepackten Koffern zu sitzen!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts v. 20.05.2021, Chartquelle marketmarker pp4

Seit Wochen laufen die sonst so dynamischen Technologie-Indizes wie der TecDAX oder der Nasdaq 100 schlechter als DAX oder Dow Jones. Begründet wird das mit einem Exodus vieler Investoren heraus aus den Wachstumsaktien (Growth Stocks) hinein in die konservativeren Dividendentitel mit hohem inneren Wert (Value Stocks). Tun die, die da wechseln, das Richtige? Und wie wichtig ist diese Unterscheidung für einen Anleger überhaupt?

Der Grundgedanke, der hinter der Unterscheidung zwischen Wachstums- und Dividendenaktien steht und unter bestimmten Voraussetzungen ein Umschichten von der einen in die andere Gruppe ratsam erscheinen lässt, hat schon etwas für sich. Definieren wir zunächst mal, was man welcher Gruppe zuordnen kann:

Growth-Aktien: Die erste Wahl, wenn den Verbrauchern das Geld locker sitzt

In Phasen starken Wirtschaftswachstums, gestützt durch einen starken Konsum, sind Wachstumsaktien die grundsätzlich lukrativere Wahl. Hier finden sich Aktien von Herstellern beliebter Hightech-Produkte, aufstrebende Online-Händler und alles, was mit steigenden Konsumausgaben aufblüht. Dabei sind das meist schnell wachsende Unternehmen, die sich in einer Phase befinden, in der das Streben nach Marktanteilen wichtiger ist als die Gewinnerzielung … oder Unternehmen, die gerade erst vor wenigen Jahren in die schwarzen Zahlen gelaufen sind und daher prozentual immense Gewinnsteigerungen verbuchen. Das sind Unternehmen, die immer noch nahezu alles in das Wachstum stecken, den laufenden Boom im Konsum nutzen. Diese Aktien sind daher in Relation zum Bilanzwert des Unternehmens recht teuer bewertet, zugleich zahlen solche Unternehmen nur kleine, meist sogar gar keine Dividenden.

Börse aktuell: Vergleich der Entwicklung von Dax mit den Aktien von Shop Aphotheke und Zalando von Mai 2019 bis Mai 2021 | Online Broker LYNX

Die im vorstehenden Chart in Relation zum DAX über zwei Jahre abgebildeten Aktien der Online-Händler Zalando und Shop Apotheke sind typische Beispiele für solche Wachstumsaktien. Sie sehen: Seit der abrupten Wende hin zur Wachstums-Hoffnungsrallye im Frühjahr 2020 waren diese Aktien der Renner … doch seit nunmehr drei Monaten wird hier tendenziell verkauft. Dafür sind auf einmal Value-Aktien an der Börse aktuell heiß begehrt.

Value-Aktien: Da weiß man, was man hat?

Als Value-Aktien bezeichnet man die Aktien von Unternehmen, die seit Langem am Markt etabliert und deren Aktien meist Urgesteine der Börse sind. Diese Unternehmen haben einen hohen inneren Wert, d.h. der betriebswirtschaftliche Wert des Unternehmen ist, z.B. aufgrund hohen Immobilienbesitzes und vieler werthaltiger Standorte, immens und übersteigt bisweilen sogar die Marktkapitalisierung. Sie haben keine großen Wachstumsraten mehr, zahlen dafür aber meist gute Dividenden. Typische Vertreter dieser Kategorie wären im Dow Jones z.B. der Baumaschinen-Riese Caterpillar oder der Industriekonzern Honeywell.

Börse aktuell: Vergleich der Entwicklung des Dow Jones mit den Aktien von Caterpilar und Honeywell von März 2020 bis Mai 2021 | Online Broker LYNX

Was ist der Hintergrund dieser Umschichtungen?

Derzeit treibt viele Investoren die Sorge um, dass die Inflation aus dem Ruder laufen und damit die Wende hin zu einem starken und vor allem nachhaltigen Wachstum torpediert wird. Die vergangenen Mittwoch veröffentlichten US-Verbraucherpreise für den April waren dahingehend eine Bestätigung. Einen Preisanstieg von 4,2 Prozent zum Vorjahr hat es seit 2008 nicht mehr gegeben.

Börse aktuell: Entwicklung der Inflation in den USA von 2001 bis 2021 | Online Broker LYNX

Zwar könnte man argumentieren, dass stark anziehende Preise nur eine Begleiterscheinung besonders starken Wachstums sind. Und auf diesem Weg versuchen die Notenbanken auch, die Anleger an der Börse aktuell zu beruhigen. Aber die Inflation muss nicht enden, wenn das Wachstum verflachen sollte.

Nicht zuletzt die jüngsten, überraschend mageren US-Arbeitsmarktdaten schüren die Sorge, dass der Effekt der gewaltigen Geldsummen, die seitens Notenbanken und Regierungen zur Stabilisierung und Wiederbelebung der Weltwirtschaft aus dem Hut gezaubert wurden, nur kurze Zeit anhält, dann aber u.a. die immense Verschuldung dafür sorgt, dass das Wachstum verkümmert. Da aber die Notenbanken die Inflationsgefahr kleinreden, aus Angst, dass auch kleinste Gegenmaßnahmen dieses noch junge und instabile Wachstum unterminieren, kann die Teuerung sich durch eine Lohn/Preis-Spirale auch dann verselbständigen, wenn das Wachstum stockt.   

Deshalb sehen viele Akteure es an der Börse aktuell als klug an, die 2020 wegen der Anleger-Vorkäufe auf die wirtschaftliche Wende bereits stark gelaufenen Growth-Aktien zu verkaufen und sich gegen ein schwierigeres Umfeld zu wappnen, indem sie ihr Kapital in konservativere, dividendenstarke Aktien umschichten. Die Frage stellt sich: Ist das eine gute Idee, sprich sollte man sich diesen Umschichtungen anschließen?

Mitmachen oder ignorieren – was wäre jetzt die bessere Lösung?

Ich persönlich meine, dass man sich das genau überlegen sollte … und selbst wenn man zu dem Schluss käme, mit Value besser zu fahren, dahingehend nichts übers Knie brechen sollte. Denn das tun schon zu viele andere Akteure. Wenn wir uns mal den folgenden Chart ansehen, der den Verlauf des Dow Jones als Heimatindex vieler Value-Aktien im Vergleich zum Growth-Index Nasdaq 100 ansehen, stellen wir fest, dass diese Entwicklung zwar erst seit einigen wenigen Wochen allgemein diskutiert wird, aber schon seit fast drei Monaten, konkret seit Mitte Februar, intensiv läuft:

Börse aktuell: Vergleich der Entwicklung des Dow Jones und des Nasdaq 100 von Januar bis Mai 2021 | Online Broker LYNX

Grundsätzlich ist es zwar richtig, dass Value-Aktien in Phasen starken Wachstums meist weniger stark laufen, dafür aber stabiler bleiben, wenn die Konjunktur sich abschwächt und als Zubrot für Phasen, in denen in Sachen Kursgewinn wenig bis gar nichts zu holen ist, eine solide Dividende liefern. Aber ein solcher Switch in defensivere Aktien wird nur dann etwas bringen, wenn man damit nicht einer allgemeinen Mode hinterherläuft. Und wenn Sie sich im folgenden Chartbild ansehen, wie extrem diese Umschichtungen auch hierzulande bereits abgelaufen sind, ist die Frage erlaubt, ob man da nicht sogar schon wieder darüber nachdenken sollte, die abverkauften Technologietitel wieder einzusammeln:

Börse aktuell: Vergleich der Entwicklung des DAX mit den Branchen Finanzindustrie und Technologie von Januar bis Mai 2021  | Online Broker LYNX

Hier sehen Sie den DAX zusammen mit zwei Branchenindizes des deutschen Aktienmarkts (DAXsector genannt, erfasst werden aber die Aktien einer entsprechenden Branche des ganzen deutschen Markts, nicht nur des DAX). Der DAXsector Technologie ist in den vergangenen drei Wochen förmlich eingebrochen, eine Woche früher begann die Hausse des DAXsector Banken. Die rechte Skala zeigt die prozentuale Veränderung: Das sind Bewegungen, die den Eindruck erwecken, dass an der Börse aktuell impulsiv und überzogen agiert wird. Und immer dann, wenn zu viele Akteure zu extrem agieren, sollte man lieber einen Schritt zurück tun, sich aus dem Getümmel lösen, um die Gesamtsituation im Blick zu behalten. Und dann erkennt man:

Der Switch von „Growth“ zu „Value“ ist einer von „teuer“ zu „auch teuer“!

Diese „Value“-Aktien sind längst nicht mehr „billig“. Zwar sind im Dow Jones als einem typischen Vertreter des Value-Bereichs auch einige Technologieaktien gelistet, aber sie sind es nicht, die dazu geführt haben, dass das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis auf Basis der tatsächlich gemeldeten Gewinne beim Dow Jones derzeit bei ungewöhnlich hohen 30 liegt.

Börse aktuell: Entwicklung des KGV (Kurs/Gewinn-Verhältnis) der Aktien im Dow Jones von Mai 2011 bis Mai 2021 | Online Broker LYNX

Das basiert darauf, dass auch der Value-Sektor seit März 2020 mit gestiegen ist und diese aktuellen Umschichtungen bereits seit Wochen laufen. Wer jetzt noch umschichten würde, würde von recht hoch bewerteten Technologieunternehmen und Onlinehändlern, die aber bereits deutlich korrigiert haben, in kaum weniger teure Value-Aktien wechseln, die eine geringere Wachstumsrate haben. Und deren Dividendenhöhe ist, wenn sich die Lage eintrübt, zugleich keineswegs garantiert. Also?

Warum denn nicht einfach dem Trend folgen!

Aus meiner Sicht wäre es unklug, sich solchen „Hypes“ einfach blind anzuschließen. Warum sollten nicht auch mittel- und langfristig orientierte Investoren den Trend als Basis ihrer Kauf- und Verkaufsentscheidungen hernehmen? Wenn ein mittel- oder langfristiger Trend eindeutig bricht, ist es an der Zeit, sich davonzumachen. Und werden wichtige Charthürden überboten oder zurückerobert und das Unternehmen, das hinter der Aktie steht, stellt sich seitens Umsatz und Gewinn solide dar, ist das eine Gelegenheit zum Kauf. Ob dieses Unternehmen dann zur Value- oder der Growth-Gruppe gehört ist dann, wenn man dem Trend folgt und nie vergisst, sich mit Stoppkursen abzusichern, letztlich völlig egal!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts v. 12.05.2021, Chartquelle marketmarker pp4

Die Volatilität am Aktienmarkt nimmt deutlich zu. Und die Nachrichtenlage trägt ihren Teil dazu bei, hier geben sich grandios bullische Kursziele und düstere Warnungen die Klinke in die Hand. Wenn es an der Börse hektisch wird, bieten sich grundsätzlich zwei Möglichkeiten an … mitmachen oder raushalten. Aber für wen ist welche Lösung die bessere? Und gibt es taugliche Grundregeln, um in einem solchen Umfeld, wie es an der Börse aktuell vorherrscht, zu bestehen? Die gibt es.

An der Börse gibt es immer ein Für und Wider. Es gibt keine Hausse ohne Gegenargumente, es gibt keine Baisse, in der sich nicht gute Gründe für eine Aufwärtswende finden ließen. Diese Argumente verändern sich eher gemächlich: Zinsentwicklung, Konjunktur, Fiskalpolitik, die Umsatz- und Gewinnentwicklung der Unternehmen. Doch wie diese Argumente von den Marktteilnehmern wahrgenommen und umgesetzt werden, ist weit weniger fließend.

Warum sich die Kurse an der Börse aktuell „aufschaukeln“ können

Dem überwiegenden Teil der Investoren sind Gegenargumente zu ihren Positionen sehr wohl bekannt. Man steht zu seinen Argumenten für einen Trade, aber das „ja, aber“ ist immer im Hinterkopf mit dabei. Nur wird es in der Regel eben nicht beachtet, weil man das „Für“ der eigenen Position als stärker ansieht. Bei manchen reicht eine Bewegung in die für sie falsche Richtung nicht aus, um in dieser Hinsicht wankend zu werden, bisweilen wird dann umso verbissener an den eigenen Argumenten festgehalten. Aber keineswegs bei allen. Und gerade dann, wenn die Kurse volatiler werden, ist der Schritt hin zu einem Schwenk der Meinung und zugleich der Position recht klein. Was bedeutet:

Wenn es erst einmal zu etwas größeren Schwankungen kommt, nimmt auch die Zahl derer zu, die schnell ihre Positionen drehen, weil sie fürchten, sonst auf dem falschen Dampfer zu sein und mit ihm unterzugehen. Das ist ein sich selbst nährender Prozess: Je intensiver dieses hektische Auf und Ab wird, desto mehr Trader werden von dieser Unruhe erfasst und beginnen, ihre Trades entlang der kurzfristigen Tendenz zu drehen. Da dadurch aber umso öfter Meinungen und charttechnische Signale miteinander kollidieren und dadurch bei immer mehr Akteuren immer öfter einen Wechsel in der Position auslösen, können sich die Kurse in solchen Phasen zu einem richtigen Hexenkessel aufschaukeln. Was noch mehr Trader nervös macht, die daraufhin fürchten, sie würden mit ihren Positionen untergepflügt, wenn sie nicht sofort reagieren, den Markt nicht mehr aus den Augen lassen und jeden Schwenk mitmachen.

Börse aktuell: Entwicklung DAX Anfang Mai 2021 im 15 Minuten-Chart | Online Broker LYNX

V&V: Ob long, ob short, das Geld ist fort – es sei denn …

Aber je größer der Stress, desto schreckhafter wird man. Und je höher die Nervosität, desto eher macht man fatale Fehler, das ist ja nicht nur an der Börse so.

In einem solchen Umfeld greift dann meist der alte Spruch „ob long, ob short, das Geld ist fort“, weil man irgendwie immer das Falsche tut, zu spät kommt und die Kurse schon wieder drehen, wenn man einem Impuls folgt, obwohl man sich schon gar nicht mehr traut, sich vom Bildschirm zu entfernen. Das führt zu V&V: zu Verlusten und Verdruss. Aber das ist vermeidbar. Schön, nur wie?

Indem man in dem Moment einen großen Schritt zurück macht, an dem man bemerkt, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, weil man sich in den Sog hat hineinziehen lassen, den eine zunehmende Volatilität auslöst. Sobald man sich dessen bewusst wird, muss man umgehend handeln, auch, wenn das schwerfällt.

Denn natürlich bleibt die Sorge, zu spät zu kommen, wenn man sich dem zunehmenden Tempo verweigert, unterbewusst erhalten. Man muss erreichen, seine eigenen Emotionen stillzulegen … das erfordert Selbstdisziplin. Wobei: Wenn das ein paarmal gelungen ist, klappt das, zumindest nach meiner eigenen Erfahrung, schnell und problemlos. Und was gälte es dann zu tun?

Börse aktuell: 5 Tipps gegen die Fallstricke eines hektischen Gesamtmarkts

Sobald das Marktumfeld sich spürbar und schnell verändert und die Volatilität dabei nicht ab-, sondern zunimmt, kann es sinnvoll sein, sich beim Trading auf eine deutlich kürzere Zeitebene zu begeben. Aber nur, wenn man dabei sieht, dass im Zuge dieser zunehmenden Schwankungen bereits eine klare charttechnische Entscheidung gefallen ist und diese kürzere Zeitebene eine saubere charttechnische Struktur zeigt.

In unserem begleitenden Beispiel des DAX war das an der Börse aktuell aber nicht der Fall, im Gegenteil. Wenn man einen Schritt zurück macht und sich den Chart des deutschen Leitindex auf Tagesbasis ansieht, stellt man fest, dass der Selloff der vergangenen Woche nur den mittelfristigen Aufwärtstrend getestet hat. Von dort aus startete die Gegenreaktion nach oben, wie der folgende Chart zeigt:

Börse aktuell: Entwicklung DAX von Oktober 2020 bis Mai 2021 auf Tagesbasis mit intaktem Aufwärtstrend | Online Broker LYNX

Sich von der Hektik vereinnahmen zu lassen, hätte somit dazu führen können, dass man trendkonforme Long-Positionen vor der Zeit verkauft hat, weil man sich zu sehr vom Schwung der Abwärtsbewegung hat beeindrucken lassen, die das Gefühl vermittelte, jetzt brechen alle Dämme … obwohl der entscheidende Damm hielt.

Tipp 1: Kümmern Sie sich als erstes um das zu beobachtende Zeitraster

Gesetzt den Fall, im Zuge eine steigenden Volatilität kam es tatsächlich zu charttechnischen Signalen auf Tages- oder sogar Wochenebene, kann es zu starken, sehr dynamischen Impulsen kommen, die es sinnvoll machen, dass jemand, der normalerweise auf Basis von Charts auf Tagesbasis agiert, auf eine 60-Minuten-Ebene heruntergeht, ggf. sogar auf eine noch kürzere Ebene. Wenn man aber wie im folgenden Chart des DAX auf Eine-Minute-Zeitebene erkennt, dass da überhaupt keine Struktur mehr zu finden ist, gilt: Weg von den ultra-kurzen Zeitrastern und zurück auf eine längere Ebene, auf der man dann wieder eine Struktur sehen kann – in unserem Beispiel des DAX also momentan die Tagesebene.

Börse aktuell: Entwicklung DAX Mai 2021 auf Minutenbasis | Online Broker LYNX

Aber wenn man die Trading-Zeitebene herunterfährt, sollte man es da auf keinen Fall übertreiben, denn:

Tipp 2: Denken Sie daran, dass Ihre Kraft und Konzentration begrenzt sind!

Die Charts zeigen, dass eine steigende Volatilität auch mit häufigen, großen Kurslücken zum Handelsstart einhergeht. Das liegt daran, dass die großen Indizes über Derivate rund um die Uhr und rund um die Welt gehandelt werden. Gerade dann, wenn es hektisch wird und die kurzfristigen Zocker das Geschehen zu dominieren beginnen, werden gerne „Attacken“ außerhalb der regulären Handelszeit geritten, um die normalen Anleger zu Aktivitäten zu zwingen. Natürlich kann man heutzutage selbst ebenso außerhalb der regulären Handelszeit agieren. Aber denken Sie daran:

Die großen Player am Markt nutzen rasend schnelle, vollautomatisierte Handelsprogramme. Die werden nicht müde, werden nicht krank und reagieren in jedem Moment genauso schnell wie immer – und schneller, als ein Mensch es könnte. Nonstop 24 Stunden am Tag gegen diese „Maschinen“ anzutreten, hält man nicht durch … es wäre daher ratsam, es gar nicht erst zu versuchen. Wenn die Computer so richtig loslegen, ist man daher besser beraten, sich auf eine längere Zeitebene als eigene Trading-Basis zu begeben, in der diese rasanten, kräftigen Kurssprünge nicht mehr entscheidend sind – in unserem Beispiel des DAX und in speziell dieser Situation, wie sie an der Börse aktuell vorkam, also auf die Tagesebene.

Tipp 3: Weniger ist mehr – Vorsicht vor zu hohem Kapitaleinsatz

Je intensiver die Kurse auf und ab springen, desto größer werden die Gewinnchancen, aber zugleich eben auch die Risiken. Daher ist es unbedingt zu empfehlen, den Kapitaleinsatz beim Trading in solchen Phasen eher herunter- statt heraufzufahren. Denn je mehr Geld aktiv investiert ist, desto mehr lastet das auf den Nerven. Und gerade die müssen Sie schonen.

Erstens, um Fehlentscheidungen so gering wie möglich zu halten (wobei man im Hinterkopf haben muss, dass man Fehler nie ganz vermeiden kann) und zweitens, weil Sie nicht wissen können, wie lange eine hektische Marktphase andauert. Das kann sich ruckzuck wieder beruhigen, kann aber auch immer extremer werden. Da sollte man nicht in eine Situation geraten, in der man zwangsläufig Positionen verkaufen muss, weil man sich übernommen hat.

Tipp 4: Overnight-Positionen vermeiden

Bei Trading auf kurzfristiger Ebene sollte man zudem erwägen, in solchen Situationen keine Overnight-Positionen zu halten. Natürlich könnte man dann einen starken Impuls in die richtige Richtung verpassen. Aber es kann eben auch das Gegenteil passieren … und Stop Loss-Absicherungen helfen nicht, wenn ein Long-Trade ausgestoppt wird, ein Short-Trade automatisch über Stop Buy gekauft wird und das Ganze dann mitten in der Nacht, wenn man schläft, wieder in die Gegenrichtung dreht. Doppelt zu verlieren kann allemal in solchen Phasen über Nacht passieren. Das sollte man sich keinesfalls antun!

Tipp 5: „Keep Covered“ – immer an der Wand lang

Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, Ihre Trading-Disziplin über Bord zu werfen. Leicht handelt man impulsiv, aus dem Bauch heraus, agiert gegen den Trend und ohne Absicherung, wenn der Markt immer schneller hin und her springt. Das Gegenteil ist ebenso richtig wie zwingend:

Lassen Sie sich in solchen Phasen nie ohne Deckung erwischen, gehen sie nicht ungeschützt auf freies Feld. Sie müssen immer gute Argumente für einen Trade haben, so, wie sonst auch. Sie sollten, egal, welche Zeitebene sie auf charttechnischer Basis gerade verfolgen, unbedingt dem Trend folgen, um diesen im Rücken, statt gegen sich zu haben. Und niemals sollten sie ohne eine Stop Loss-Absicherung traden. Wenn die aufgrund des Chartbildes weiter gesetzt werden muss, sollten Sie im Gegenzug die Positionsgröße verkleinern, um sich keiner nervlichen Belastung auszusetzen, die Sie in Fehler treibt. Kurz: „Immer an der Wand lang“ ist auch in Phasen wie diesen ein Motto, dem man konsequent folgen sollte. 

Fazit: Das Chaos lässt sich beherrschen

Entscheidungen unter Unsicherheit sind normal an der Börse. Entscheidend ist dabei, dass man das Unvorhersehbare bzw. dessen Konsequenzen immer im Griff behält, egal wie sich die Kurse an der Börse aktuell entwickeln. Wem es gelingt, sich in Phasen, in denen die Emotionen die Kontrolle zu übernehmen drohen, zurückzunehmen und nach dem Motto „weniger ist mehr“ besonders kontrolliert zu handeln, für den sind solche chaotischen Phasen mehr eine spannende Herausforderung als ein Groschengrab.

Das ist, keine Frage, natürlich immer leichter gesagt als getan. Vor allem, wenn Verluste auflaufen, will man, von den Emotionen getrieben, diesen Verlust so schnell wie möglich wettmachen und wird dadurch erst Recht in Fehler getrieben. Solchen Impulsen zu widerstehen, ist nicht unbedingt einfach. Aber mit etwas Übung gelingt es jedem zu verhindern, dass man sich unnötig selbst ein Bein stellt!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 30.04.2021, Chartquelle marketmarker pp4