Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.


Börse aktuell vom 27.-03.10.2021

Kursziele: Was können wir damit wirklich anfangen?

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DAX
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Zur DAX

Kursziele findet man als Anleger an jeder Ecke. Der DAX müsste aus charttechnischer Sicht bis X steigen, hätte aus fundamentaler Sicht aber nur ein Kursziel von Y. Ein Analyst hebt das Kursziel für eine Aktie an und geht damit höher als alle anderen, während am selben Tag ein anderer Experte für dieselbe Aktie ein Ziel ausruft, das 20 oder 30 Prozent niedriger liegt. Es wirkt, als gäbe es für Bullen und Bären immer und überall ein Kursziel, an das sie „glauben“ können. Aber Kursziele können durchaus äußerst hilfreich sein, wenn man richtig damit umgeht.

Die Idee zu diesem Beitrag kam mir, als ich vorvergangene Woche las, dass das Bankhaus Metzler das Kursziel für die BASF-Aktie von 47 auf 81 Euro anhob … um sportliche 72 Prozent auf einmal also. Zu diesem Zeitpunkt notierte die Aktie um 65 Euro. Kaum eine Woche später, am Mittwoch vergangener Woche, senkte man bei der UBS das Kursziel für BASF von 77 auf 70 Euro. Unmittelbare, wichtige Nachrichten oder Bilanzzahlen gab es in dieser Zeit keine. Und insgesamt?

Börse aktuell: Kursziele und Entwicklung der BASF Aktie von 2016 bis 2021 | Online Broker LYNX

Insgesamt liegen die Kursziele für die BASF-Aktie bei den diese Aktie beobachtenden Experten zwischen 60 und 113 Euro. Da die Aktie im Verlauf der Vorwoche genau auf dem unteren Ende dieser Kursziel-Spanne aufgesetzt hatte, könnte man auf die Idee kommen, an der Börse aktuell unbesorgt einsteigen zu können. Aber so einfach ist die Sache nicht.

Kursziel-Roulette mit dem Charme eines rotierenden Wegweisers

Denn weder die Anleger noch die Realität sind so nett, die Ziele, die Analysten oder auch Charttechniker ausrufen, zwingend zu erreichen. Und selbst wenn es so wäre: Wir beobachten dann oft, dass ein erreichtes Ziel einfach nach oben verlängert wird, ob es dazu triftige Argumente gibt oder nicht. Und überhaupt: Ergäbe es denn einen Sinn, einfach zu verkaufen, wenn ein solches Ziel erreicht ist … und wenn ja, welches hätte man denn dann gerne? Immerhin reicht die Spanne der Kursziele bei BASF von 60 bis 113 Euro! Und das geht noch weitaus krasser, sehen Sie sich mal den nächsten Chart an:

Börse aktuell: Kursziele und Entwicklung der Tesla Aktie von 2016 bis 2021 | Online Broker LYNX

Bei Tesla liegen die Analysten-Kursziele derzeit zwischen 67 und 1.591 US-Dollar. Das ist keine Orientierung, das ist bestenfalls ein schnell rotierender Wegweiser mit Verwirrungspotenzial. Da kann man sich dann wirklich aussuchen, wem man denn glauben will, geht daraufhin Long oder Short … und womöglich tut die Aktie dann das genaue Gegenteil. Irgendwer unter denen, die da Kursziele ausgeben, hat dann irgendwann zwar mal Recht – aber was bringt so etwas Ihnen und mir, außer Verdruss?

Was man bei Analysten-Kurszielen bedenken muss

Wichtig ist, sich die Kursziele, die Analysten neu ausgeben, genau anzusehen. Normerweise sind solche Analysen dann zumindest zusammengefasst im Internet zu finden. Denn das Kursziel alleine kann irreführend sein, wenn man nicht weiß, welche Prämissen der Analyst für das Erreichen des Ziels gesetzt hat und welcher Zeithorizont dafür angesetzt wurde.

Man muss auch bedenken, dass manche Kursziele schon ziemlich alt sein können. Denn Analysten überwachen nicht nur eine Aktie, sie haben meist einen ganzen Pool, der ihrer Aufmerksamkeit harrt. Wenn man das weiß, ist die Anhebung des BASF-Kursziels von BASF um satte 72 Prozent keine Sensation, sondern nur die Anpassung einer längst nicht mehr aktuellen Analyse an aktuelle Rahmenbedingungen.

Analysen, die zu Einstufungen wie „Kaufen“, „Übergewichten“, „Halten“, „Untergewichten“ oder „Verkaufen“ führen, basieren auf einer Analyse der aktuellen Lage und einer Projektion. Letztere basiert auf Annahmen, wie sich das Unternehmen selbst sowie die auf die Geschäfte einwirkenden Rahmenbedingungen entwickeln werden. Das ist der Grund, warum Analysten bisweilen zu gravierend unterschiedlichen Ergebnissen, Einstufungen und Kurszielen kommen können, auch, wenn ihre Analysten zeitgleich vorgenommen werden.

Das ist beim zweiten Beispiel Tesla besonders extrem. Ob man dieser Aktie eine strahlende Zukunft zubilligt oder aber einen Zusammenbruch erwartet, basiert auf vielen solcher Annahmen.

Wer ein dramatisch tiefes Kursziel ausruft, geht davon aus, dass Teslas Tanz auf dem Drahtseil in Form immensen Kapitalbedarfs und einer auf Biegen und Brechen hochgepeitschten Produktion schiefgeht. Sei es, weil die Gläubiger den Hahn zudrehen oder die Verbraucher die Fahrzeuge nicht in der Menge abnehmen, die Tesla erreichen müsste, um dauerhaft so sehr profitabel zu werden, dass der aktuelle Aktienkurs gerechtfertigt wäre. Auch die Befürchtung, dass andere, etablierte Autobauer sich Teslas „Vordenk-Arbeit“ bedienen und dem Pionier dann mit größeren Produktionsmengen zu höheren Renditen das Wasser abgraben, könnte bei bärischen Kurszielen mit hinein spielen.

Wer hingegen ein sehr hohes Kursziel ausruft, geht davon aus, dass Tesla nicht mehr von der Spitze im Bereich Elektromobilität verdrängt wird, Elon Musks riskantes Spiel aufgeht und Tesla bald beeindruckende Umsatzrenditen erreichen wird, die dazu führen, dass sich das heute noch schwindelerregend hohe Kurs/Gewinn-Verhältnis schnell abbaut.

Es ist daher auf jeden Fall lohnend, sich das alles genau anzusehen, statt einfach mit dem Kursziel, das einem selbst in den Kram passt, weil es die eigene Erwartung bestätigt, von dannen zu ziehen und sich nicht darum zu scheren, wie es zustande kam.

Vorsicht, wenn Kursziele angehoben werden, weil sie überboten wurden

In den vergangenen Jahren habe ich festgestellt, dass die Einschätzungen der Analysten sukzessiv fundierter und realitätsnaher wurden. Trotzdem gibt es sie immer noch, die „Verlängerer“: Kursziele, die einfach weiter angehoben werden, weil das bisherige Ziel vom Aktienkurs bereits überboten wurde. Wenn es für die Anhebung gute Gründe gibt, sollte man die dann sehen wollen. Denn ansonsten ist das natürlich für die Katz und wirkt wie eine Möhre, die einem Esel … in diesem Fall den potenziellen Aktien-Käufern … stets vor der Nase hängt, damit er schön weiter läuft.

Unter dem Strich bleibt eines festzuhalten: Analysten können nicht hellsehen. Ihre Einstufungen und Kursziele basieren auf dem „Ist“, das mit Annahmen und einer subjektiven Meinung angereichert zu einer Perspektive führt, wo eine Aktien in drei oder sechs Monaten, in einem oder in zwei Jahren notieren würde, vorausgesetzt, die Anleger tun, was der Analyst unterstellt und die Annahmen hinsichtlich der Rahmenbedingungen treffen auch ein.

Wenn die Anleger einfach nicht hören wollen

Was oft eben nicht so kommt, vor allem sehen wir oft, dass die Anleger sich in keiner Weise um die Kursziele der Analysten scheren und einfach tun, was sie wollen. Beispiel TeamViewer:

Börse aktuell: Kursziele und Entwicklung der TeamViewer Aktie von 2016 bis 2021 | Online Broker LYNX

Von den 14 die Aktie regelmäßig überwachenden Analysten hat kein einziger eine „Verkaufen-“ oder auch nur „Untergewichten“-Einstufung. Das durchschnittliche Kursziel für diese Aktie liegt um 42,50 Euro, die Spanne liegt zwischen 27,60 und 60,00 Euro. Aber Sie sehen, was die Aktie tut: Sie notiert an der Börse aktuell auf dem Level des aller niedrigsten der aktuellen Kursziele um kommt einfach nicht in Fahrt.

Gehen Sie also nie davon aus, dass ein Kursziel auch wirklich erreicht wird. Es ist ein Ziel, keine zwingende Vorgabe. Und erwarten Sie auch nicht, dass die Aktie dann dort präzise in die Gegenrichtung dreht. Es geht hier um Annahmen, die Monate alt sein können. Und die Anleger, die die Aktie hier und heute bewegen, können zum einen ganz anderer Ansicht sein als ein Analyst, zum anderen können die Annahmen längst überholt sein.

Analysten-Kursziele alleine sind keine gute Basis für die eigenen Dispositionen. Zu wissen, warum ein Analyst so urteilt, wie er es getan hat, hingegen sehr wohl, denn das erweitert die eigenen Erkenntnisse, dort findet man neue, ggf. konträre Ansichten und Ideen!

Stellt sich die Frage, ob man da mit charttechnisch basierten Kurszielen nicht besser fährt?

Charttechnische Kursziele: Wie sie entstehen, wie man sie werten sollte

Charttechnische Kursziele ergeben sich aus dem Kursbild des Basiswerts, z.B. einer Aktie, eines Index, eines Rohstoffs, man kann sie überall ermitteln. Es gibt eine ganze Reihe Ebenen, aus denen Kursziele dieser Art entstehen können. Das können die oberen Begrenzungen eines Aufwärtstrendkanals oder die untere Linie eines Abwärtstrendkanals sein. Es kann eine sogenannte „Hausse-Begrenzungslinie“ sein wie beim folgenden Beispiel Apple, wo wir einen Trendkanal sehen, dessen obere Linie aber nicht ganz parallel zur unteren verläuft, sondern sich an den letzten beiden Topps orientiert und dadurch eine solche „Hausse-Begrenzung“ bildet.

Börse aktuell: Kursziele und Entwicklung der Apple Aktie von 2016 bis 2021 | Online Broker LYNX

Aber auch aus Trendwendeformationen können Kursziele erwachsen. In der Regel gilt hier, dass das Kurspotenzial nach Vollendung einer Auf- oder Abwärtstrendwendeformation die Distanz ist, die sich aus dem höchsten Punkt und dem tiefsten Zwischentief (bei einer Abwärts-Formation) bzw. dem tiefsten Tief und dem höchsten Zwischenhoch (bei einer Aufwärts-Formation) errechnet. Diese wird an den Ausbruchspunkt angetragen und ergibt das sogenannte rechnerische Kursziel einer Formation. Hier haben wir als Beispiel die Schulter-Kopf-Schulter-Formation, die sich im Jahr 2018 im DAX gebildet hatte. Sie sehen:

Börse aktuell: Kursziele und Entwicklung des DAX von 2016 bis 2021 | Online Broker LYNX

Deren Vollendung hat zwar in der Tat kräftigen Abgabedruck nach sich gezogen, das rechnerische Kursziel wurde aber nicht erreicht. Und das ist keine Seltenheit, weder bei Analysten-Kurszielen noch bei charttechnischen Kurszielen, egal, wie man sie herleitet. Und damit stellt sich eine elementare Frage: Was tun, wenn es den Anschein hat, dass das Kursziel nicht erreicht wird? Und was tun, wenn es überboten bzw. bei Abwärts-Kurszielen unterboten wird?

Was übrigens, der Vollständigkeit halber, auch für alle anderen Kursziele gilt, sei es z.B. durch Elliott-Analyse ermittelte Ziele, durch Fibonacci-Retracements oder die vielen anderen ein wenig exotischeren Methoden. Denn eines darf man ja nie vergessen:

Egal welche Ziele erreicht werden sollen, die Marktteilnehmer müssen kaufen oder verkaufen, damit der Kurs dorthin kommt, wo dieses Ziel verortet ist. Und das tun sie eben nicht einfach so.

Kursziel verfehlt oder übertroffen: Was tun, wenn es nicht nach Plan läuft?

Wer sich stur an Kurszielen orientiert, indem er/sie z.B. eine Aktie bei 50 kauft und fest darauf fixiert ist, dass sie das von Analysten oder der Charttechnik avisierte Kursziel von 70 erreicht, tut was, wenn diese Aktie bei 60 auf einmal scharf nach unten dreht und unter den Einstiegspreis rutscht? Einfach Augen zu und durch? Zukaufen? Auf Einstiegkurs aussteigen?

Was sollte man tun, wenn ein Kurs im Eiltempo das Kursziel überschreitet bzw. bei Baisse-Trades unterschreitet? Dranbleiben oder trotzdem verkaufen?

Wer sich ausschließlich an Kurszielen orientiert, bekommt, Sie sehen es, ganz leicht ein Problem. Man muss sich ja nur unser obenstehendes Beispiel der TeamViewer-Aktie ansehen. Die Kursziele liegen bis auf eines alle höher, teilweise weit höher, aber andere Anleger kaufen eben nicht, also bleibt die Aktie erst einmal im Keller.

Und es gibt eine ganze Reihe weiterer offener Fragen, die auftauchen können, wenn man sich nur nach Kurszielen richtet, z.B. verändern sich ja die Rahmenbedingungen mit der Zeit. Das Kursziel, das ich verfolge, ist daher irgendwann alleine dadurch obsolet, weil die Welt sich weiter dreht. Bei einer Aktie könnte das Unternehmen ein paar Monate nach meinem Einstieg ganz andere Perspektiven haben, die niemand zu der Zeit vorhersehen konnte, als das Kursziel aufgerufen wurde.

Und überhaupt: Bei diesen oft riesigen Spannen an Kurszielen für egal welches Asset neige ich als Anleger doch immer dazu, mir das herauszusuchen, was meinem Depotbestand entspricht. Nur als Beispiel: Wenn ich in einer Aktie Long bin, neige ich doch dazu, die höchsten Kursziele, die da neu einlaufen, als „richtig“ anzusehen; Kursziele, die bedeuten würden, dass meine Aktie ins Minus rutscht, würde ich dafür als Humbug abtun. Also?

Kursziele sind ein Tool von vielen … und vor allem dann nützlich, wenn man sie hinterfragt

Also meine ich, dass man Kursziele nur als interessanten Anhalt ansehen, aber nie als einzige Orientierung ansehen darf, denn dann landet man schnell bei offenen Fragen ohne Antwort.

Was ich an Kurszielen nützlich finde, ist deren Entstehung, denn das regt zum Nachdenken und Hinterfragen an. Warum urteilt ein Analyst so, wie er es getan hat? Welche Relevanz hat ein Trend oder eine Formation, aus der sich ein Kursziel errechnet?

Sobald man sich Fragen stellt, rekapituliert und überprüft man seine eigenen Beweggründe: Warum bin ich hier Long, dort Short? Was sagen Experten dazu, was die Charts … und gibt es Grund, die Sache neu zu bewerten, weil der Kurs auf dem Weg zu seinem Kursziel auf einmal in die falsche Richtung zu laufen beginnt?

Wenn man Kursziele auf diese Weise sieht und damit als Anregung, sind sie außerordentlich nützlich. Sieht man sie aber als eine in Stein gemeißelte Prophezeiung, können sie mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 23.09.2021, marketmaker pp4

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Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

In den letzten Tagen und Wochen häufen sich Artikel, in denen die verschiedensten Szenarien für die politische Landschaft nach der Wahl sowie die möglichen Konsequenzen für Investoren aufgezeigt werden. Welche Branchen profitieren, welche kommen unter Druck, wenn X oder Y passiert? Das klingt alles interessant, aber welche Bedeutung hat das für Sie als Investor an der Börse aktuell wirklich? Werfen wir doch mal einen Blick auf die letzten vier Bundestagswahlen und ihre Folgen für den Aktienmarkt.

Sie sehen in den folgenden vier Charts, wie sich der DAX im Vorfeld sowie im Anschluss an die vergangenen vier Bundestagswahlen entwickelt hat, betrachtet wird dabei jeweils das zweite Halbjahr des Wahljahres. Es fällt auf, dass der deutsche Leitindex am Ende eines Wahljahres jeweils höher notierte als zum Zeitpunkt der Wahl. Betrachtet man diese „Wahl-Halbjahre“ in ihrer Gesamtheit, gilt das erst recht. Womit die Frage im Raum steht: Ließe sich das verallgemeinern, wird der DAX also auch diesmal Richtung Jahresende durchstarten?

Börse aktuell: Entwicklung des DAX im Vorfeld der Bundestagswahl 2005 und im Anschluss | Online Broker LYNX

Möglich, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Da wäre es zunächst einmal sinnvoll, sich anzusehen, in welchem Umfeld die vorangegangenen vier Wahlen der Jahre 2005, 2009, 2013 und 2017 abliefen. Und das war grundsätzlich ein Positives.

Welche Rolle spielt das Umfeld?

2005 war ein Jahr mit starkem Wachstum, alles schien in geordneten Bahnen vorwärts zu gehen, von der Subprime-Krise ahnte man noch nichts. 2009 berappelte sich die Börse von eben dieser Subprime-Krise, die Hoffnung war groß, dass man die Sache bald wieder ins Lot bekommt. 2013 war eine Phase, in der Europa nach der Eurokrise von der Erwartung bestimmt wurde, dass es jetzt endlich vorbei sei mit den Krisen und die niedrigen Zinsen den Laden wieder nachhaltig in Schwung bringen würden. Und 2017 war das „Trump-Jahr“, in dem die Anleger weltweit sicher waren, dass Trumps Versprechungen die US-Wirtschaft kräftig in Schwung bringen würden und der Rest der Welt davon seinen Teil abbekommen würde. Was zu diesem Zeitpunkt ja auch der Fall war.

Hinzu kam, dass man eher nicht davon ausging, dass sich die grundsätzliche Struktur der Wirtschafts- und Fiskalpolitik nach den Wahlen ändern würde. Man mag zwar andauernd mit dem Wort „Schicksalswahl“ hausieren gegangen sein, aber für den Aktienmarkt waren das leere Worte. Warum?

Weil die großen Unternehmen gemeinhin ganz gut dafür sorgen, dass man ihre Kreise nicht allzu sehr stört. Daher sind die Rahmenbedingungen hinsichtlich der Weltwirtschaft für den Trend wichtiger als der Wahlausgang. Solange das Umfeld positiv ist, werden die Investoren, nationale wie internationale, ihre Marktmeinung und ihr Verhalten am Markt nicht ändern, der übergeordnete Trend wird durch einen Wahlausgang nicht verändert. Normalerweise.

Nur, wenn es massive Einmischungen geben würde, die mehr als eine nur kurzzeitige Wirkung entfalten, wird es kritisch. Aber müsste man genau damit diesmal nicht rechnen? Und wenn ja – was tun?

Diesmal ist der Wahlausgang offener als sonst, aber …

Richtig ist schon, dass diesmal wirklich völlig offen ist, wie die Sache ausgeht. Die großen Parteien rücken in den Umfragen relativ eng zusammen, die kleineren Parteien bekommen dadurch die Chance, zum Zünglein an der Waage zu werden. Und dann rechne zumindest ich persönlich damit, dass die sogenannten „Sonstigen“ diesmal deutlich mehr Stimmen erhalten als früher und dadurch die Ergebnisse derjenigen Parteien, die die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, schwerer wiegen. Das kann dazu führen, dass sich die Koalitionsverhandlungen ewig hinziehen. Das wäre grundsätzlich nicht gerade positiv. Unsicherheit mögen die Anleger ja nicht gerade. Nur wissen wir ja heute eigentlich nur eines sicher: dass nichts sicher ist. Wie und warum also sollte man im Vorfeld auf ein völlig offenes Szenario reagieren?

Börse aktuell: Entwicklung des DAX im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 und im Anschluss | Online Broker LYNX

Es ist ja nicht einmal so, dass man davon ausgehen müsste, dass eine Regierung ohne CDU/CSU den Aktienmarkt drücken wird. Denken wir nur zurück: Als Rot/Grün 1998 die Regierung Kohl ablöste, folgten zunächst sehr starke Jahre für den Aktienmarkt. Und dass man damals extrem überzog und diese Euphorie in einer Baisse endete, war ja nicht Schuld der Politik. Und kaum war die neue „GroKo“ Ende 2017 im Amt, begann der Abstieg des deutschen Wachstums, der das Land von der Wachstumslokomotive der Eurozone in Richtung Zugende durchreichte – trotz CDU/CSU-Beteiligung.

Wahlprogramme und die Realität waren schon immer zweierlei

Und letzten Endes hat die Geschichte gezeigt, dass Wahlprogramme und Absichtserklärungen immer im Feuer der Realität verbrennen. Wer auch immer die nächste Regierung stellt, sieht sich Herausforderungen gegenüber, denen Denkmodelle und Werbesprüche nicht standhalten. Da gilt es dann, auf das Problem X eine Lösung zu finden. Und wie oft haben wir dann erlebt, dass Politiker dann nicht tun, was man aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit vermutet hätte, sondern pragmatisch entscheiden. Falls sie denn imstande sind, zu entscheiden. Wie oft hörte man schon, dass Frau X oder Herr Y eigentlich in der falschen Partei seien? Das wird diesmal nicht anders werden.

Börse aktuell: Entwicklung des DAX im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 und im Anschluss | Online Broker LYNX

Vorsicht, Umfragen können deutlich daneben liegen

Wir wissen hier und heute noch nicht, was wir in genau einer Woche wissen werden, nämlich, welche Koalitionen überhaupt rechnerisch möglich sind. Frühere Umfragen lagen nicht selten relativ deutlich daneben. Das kann gerade diesmal wieder der Fall sein, nicht zuletzt, weil ungewöhnlich viele Menschen sich (zumindest laut Umfragen!) noch nicht entschieden haben, ob sie wählen gehen und wenn ja, wen. Hinzu kommt die Problematik der Überhangmandate, die diesmal so wichtig werden wie nie, weil die beiden Parteien, die Wahlkreise nahezu ausnahmslos gewinnen, über die Zeitstimmen ungewöhnlich geringe Prozentzahlen erreichen dürften. Wir wissen also schlicht gar nichts.

Welchen Sinn hätte es also, im Vorfeld der Wahl auch nur zu erwägen, an der Börse aktuell bestimmte Branchen zu verkaufen, andere einzusammeln, die … eventuell … leiden bzw. profitieren werden, wenn die Parteien X oder Y stark abschneiden? So, wie sich die Lage derzeit darstellt, muss nicht einmal die prozentual stärkste Partei zwingend in der nächsten Regierung dabei sein.

Hinzu kommt, dass sich das Hauen und Stechen zur Bildung einer neuen Regierung Monate hinziehen kann und solange völlig offen bleiben könnte, wer da am Ende mit wem koaliert und wer auf der Oppositionsbank landet.

Börse aktuell: Entwicklung des DAX im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 und im Anschluss | Online Broker LYNX

Ich persönlich denke, dass es womöglich in der kommenden Woche ein bisschen volatil zugehen könnte. Vielleicht kann es Druck geben, wenn das Ergebnis so ausfällt, dass mindestens drei Parteien zusammengehen müssen, um eine Mehrheit zu bekommen. Denn das hieße, dass mindestens eine eigentlich nicht recht will, wenn eine der beiden anderen dabei ist und es zu einer monatelangen Phase kommt, in der die alte Regierung schon die Koffer packt und eine neue noch nicht greifbar ist. Aber:

Am Ende werden es die üblichen Themen sein, die den DAX-Trend bestimmen

Ob der DAX an Silvester höher oder tiefer steht als heute, wird nur dann von dieser Wahl mit beeinflusst, wenn es zu wirklich ungewöhnlichen Entwicklungen kommt. Wirklich sicher wäre ich mir nicht einmal im Fall einer Tendenz zu Rot/Rot/Grün, dass der Aktienmarkt deswegen massiv fallen würde, denn wie gesagt: Was man vorher verspricht, wird auf der Regierungsbank zwangsläufig sehr schnell problemorientierten Lösungen untergeordnet … auch, wenn diese vorgenannte Koalition nicht zu Unrecht an der Börse aktuell manchen Aktienmarkt-Bullen nervös machen dürfte.

Es werden wahrscheinlich schnell wieder die üblichen Themen sein, die den Trend bestimmen: Wachstum, die Inflation, die Unternehmensgewinne, das Konsumverhalten, womöglich, wir wollen es nicht hoffen, spielt auch Corona noch einmal eine Rolle. Aber die Wirtschaft war schon immer recht gut imstande, die Politik von für das Wachstum und damit für den Aktienmarkt unklugen Schritten abzuhalten. Es würde mich wundern, wenn es diesmal anders käme, daher:

Im Vorfeld dieser Wahl nervös hin und her zu traden, womöglich damit zu beginnen, das Depot zu leeren, halte ich nicht für zielführend, denn noch haben wir ja nicht einmal eine Ahnung, ob wir Grund hätten, nervös zu werden und wenn ja, wovor genau. Ich persönlich werde mir das am Sonntagabend erst einmal ansehen, schauen, wie der Markt am Montagvormittag reagiert und dann überlegen, ob da etwas nach oben oder unten in die Gänge kommt, das mehr werden könnte als eine Eintagsfliege. Spannend wird’s allemal!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 17.09.2021, marketmaker pp4

Man hätte sich nicht wirklich wundern dürfen, wenn der Aktienmarkt einen Luftsprung gemacht hätte, nachdem die EZB vergangenen Donnerstag schon wieder die Hände im Schoß liegen ließ. Dass die Anleger dann doch eher verhalten reagierten, könnte daran liegen, dass immer mehr den Eindruck gewinnen, dass ein Ende mit Schrecken für die Aktienmarkt-Bullen mittelfristig weniger problematisch sein könnte als ein Schrecken ohne Ende.

Man habe vor, im vierten Quartal etwas weniger Anleihen über das PEPP-Programm (Pandemic Emergency Purchase Program) zu kaufen als bislang, verkündete die EZB und ließ es damit gut sein. Die „APP“-Käufe (Asset Purchase Program), auf welche die PEPP-Käufe oben draufgesetzt wurden, bleiben derweil unverändert. Die Zahl derer, die davon ausgingen, dass die EZB bei dieser ersten Sitzung nach der Sommerpause nicht mehr umhin kommen würde, den Geldhahn zumindest langsam zuzudrehen, rieben sich da wohl die Augen. Das war’s schon?

Der Aktienmarkt reagierte verdächtig moderat

Ja, das war’s. Und die Begründung für diese kosmetische Maßnahme einer nicht einmal von der Größenordnung her bezifferten Reduzierung der PEPP-Käufe war ebenso problematisch, wenn auch nicht wirklich überraschend: Das Wachstum habe sich mittlerweile ausreichend stabilisiert und die Impfungen seien so weit vorangeschritten, dass man da eben jetzt ein bisschen weniger tun müsse.

Von Inflation kein Wort in Bezug auf diese Maßnahme. Die sehe man weiterhin als nur vorübergehend an, so EZB-Chefin Christine Lagarde bei der Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag und zückte die neuesten Projektionen für die Inflation in der Eurozone: +2,2 Prozent am Ende dieses Jahres, +1,7 Prozent Ende 2022, +1,5 Prozent Ende 2023. Alles also kein Problem, immerhin strebe die EZB ja mit ihrer mittlerweile noch schwammiger formulierten Zielsetzung eine Inflation an, die mittelfristig irgendwo über zwei Prozent liegt.

Die europäischen Indizes, die im Vorfeld der EZB-Entscheidung schon mal den Kopf eingezogen hatten, streckten diesen daraufhin zwar wieder aus der Deckung. Aber statt einer wilden Kaufwelle als Reaktion auf die versteckte Versicherung, dass man weiterhin Liquidität im Überfluss erwarten dürfe, ging es eher moderat aufwärts.

So langsam scheinen mehr und mehr Marktteilnehmer an der Börse aktuell den Eindruck zu gewinnen, dass diese Arbeitsverweigerung der EZB hinsichtlich ihres Basismandats der Preisstabilität mittelfristig übel ausgehen könnte und erkennen die Sackgasse, in die sich die EZB, aber auch die US-Notenbank und andere große Notenbanken, zusammen mit der Politik schon vor vielen Jahren hinein manövriert haben.

Börse aktuell: Entwicklung der US-Inflation und des US-Leitzins von 1976 bis 2021 im Vergleich | Online Broker LYNX

Die Anleihekäufe bringen beileibe nicht nur Vorteile

Dass man sich in keiner Weise selbst vom Weg abbringt, wenn man die Anleihekäufe jetzt ein klein wenig zurückfährt, kann man sich seitens der Investoren denken. Zumal sie nicht gerade umwerfend viel bringen – ausgenommen, über Umwege, dem Aktienmarkt.

Das Volumen ist derart gigantisch (das PEPP-Programm hat ein beschlossenes Gesamtvolumen von 1,85 Billionen Euro), dass die Refinanzierung der Staaten und Unternehmen zwar dadurch zu niedrigsten bzw. negativen Zinsen gesichert wäre. Aber da das Wachstum so stark gar nicht ist, führen diese Programme dazu, dass man sich nicht mehr bei Investoren Geld leiht, sondern vor allem bei der EZB. Was eine absurde, gefährliche Situation erzeugt, denn damit wird zum Schuldner, der die Schulden steuern und nötigenfalls auch einfach abschreiben kann.

Doch obwohl man damit beinahe ungehemmt agieren könnte, hat die Intensität dieser Anleihekäufe dazu geführt, dass die Europäische Zentralbank – laut eines Kommentars der Volkswirte von Nomura auf die EZB-Sitzung – selbst dann 85 Prozent des verfügbaren Angebots an Anleihen „wegkaufen“ würde, wenn sie die PEPP-Käufe von derzeit im Schnitt 80 auf 60 Milliarden Euro pro Monat herunterfahren würde.

Auch in den USA ist das ein Problem, weshalb die US-Banken derzeit um eine Billion US-Dollar über Reverse Repo-Kredite bei der US-Notenbank parken – man erstickt in Geld, das man nicht unmittelbar einsetzen kann.

Dadurch werden Anleihen zur Mangelware. Nicht tragisch, könnte man denken: Bei den derzeitigen Negativzinsen, mit denen sich jetzt halt die EZB herumschlagen muss, will die ja keiner haben. Aber ganz so ist es nicht, die Nachfrage ist durchaus da … und Anleihen werden, ob in den USA oder in Europa, langsam zu knapp. Zum Vorteil des Aktienmarkts, denn einiges an Kapital, das ansonsten in Anleihen gewandert wäre, landet so dort. Der dadurch aber nicht stabiler wird. Beispiel:

Am Donnerstagabend sorgte die Auktion einer 30 Jahre laufenden US-Staatsanleihe binnen weniger Minuten für einen Einbruch des Dow Jones um 150 Punkte. Grund: Die Nachfrage nach der Anleihe war überraschend hoch. Das sorgte auch in anderen Laufzeiten für Käufe, weil die Akteure am US-Bondmarkt dadurch einmal mehr erkannten: Anleihen sind knapp … und wenn die Notenbanken nicht wollen, dass der Kapitalmarkt komplett aus dem Gleichgewicht gerät, müssen sie ihr Kaufvolumen zurückfahren. Und zwar zügig. Was wiederum aber Geld aus dem Aktienmarkt saugen würde, daher diese negative Reaktion der US-Aktienindizes.

Anders sieht es in der Eurozone auch nicht aus. Und zugleich zeigt das reichlich magere Wachstum der letzten Quartale, dass der erhoffte „Booster“, den man sich durch billigstes, reichlich verfügbares Geld für Investitionen erhoffte, nicht gekommen ist. So gesehen kann man durchaus diskutieren, ob diese Anleihekäufe mit der Brechstange nicht womöglich mehr schaden als nützen. Aber warum kommt die EZB dann nur mit einer derart mickrigen, kosmetischen Entscheidung daher, die dieses Problem so gut wie gar nicht löst?

Börse aktuell: Entwicklung EZB-Leitzins und Inflation in Deutschland von 1994 bis 2021 im Vergleich | Online Broker LYNX

Die Angst vor der Reaktion am Aktienmarkt

Das hat gleich mehrere Gründe. Zum einen weiß man natürlich im EZB-Rat, dass ein haussierender Aktienmarkt den Konsum stützt. Denn je mehr Menschen mit ihrem Ersparten an der Börse aktuell Gewinne machen, desto eher neigen sie dazu, Anschaffungen zu tätigen, weil sie glauben, es sich leisten zu können. Aber das hat Haken … und nicht nur einen.

Erstens steigt zugleich die Zahl derer, die sich immer weniger leisten können, weil die Lebenshaltungskosten, vor allem die Mieten, immer weiter steigen. Was diese Menschen weniger konsumieren können, sollen/müssen die, die sich vermögend wähnen, kompensieren.

Zweitens sitzen die Anleger ja immer nur auf Buchgewinnen. Erst, wenn die Aktien verkauft und das Geld wieder auf dem Konto ist, ist ein Gewinn wirklich sicher. Und würden zu viele aussteigen, würde dieses für den Konsum hilfreiche Umfeld in sich zusammenbrechen. Da kann es allemal schon reichen, wenn die EZB am Anleihemarkt wieder Luft lässt, Geld von Aktien zurück in Anleihen wandert, um die Hausse zu destabilisieren und dadurch eine Verkaufslawine auszulösen. Also traut man sich nicht, diesen Schritt zu tun.

Und was ist mit der Inflation?

Dass die EZB derzeit gut damit zu tun hat, sich um Konsequenzen herum zu winden, sieht man auch an den Aussagen zum Wachstum. Das sei, so die EZB, zwar gut, aber dann doch wieder nicht so gut, dass man die Anleihekäufe zurückfahren könne, von veränderten Leitzinsen natürlich ganz zu schweigen. Begründet wird das aber nicht mit der Inflation, sondern mit der Delta-Variante des COVID 19-Virus und den Lieferengpässen der Weltwirtschaft. Wobei letztere mit entscheidend für die explodierenden Erzeugerpreise sind, die eher über kurz als über lang noch mehr Auftrieb bei den Verbraucherpreisen auslösen werden. Nur ist das eben ein Thema, das man zurechtbiegen muss, denn:

Auch, wenn die EZB natürlich weiß, dass die derzeitige Situation, die von Materialmangel und knappen Transportkapazitäten geprägt ist, schon jetzt zu immens gestiegenen Erzeugerpreisen geführt hat und die Unternehmen (zuletzt von einer ifo-Umfrage unter deutschen Firmen bestätigt), diese gestiegenen Kosten an die Verbraucher weitergeben werden, tut sie so, als würde die Inflation einfach von allein verschwinden. Und nicht nur das:

Die am Donnerstag vorgestellten, neuen Projektionen der EZB weisen je, wie oben erwähnt, eine bis 2023 wieder fallende Inflation aus. Das hieße, die Inflation wäre sogar zu niedrig! Immerhin liegt das Ziel ja bei schwammig formulierten, mittelfristigen zwei Prozent oder etwas darüber. Wobei man schon ganz bewusst offen lässt, was „mittelfristig“ und „etwas darüber“ genau bedeuten soll.

So hätte man ein Argument, die Leitzinsen auf Dauer bei null zu belassen und auch die Anleihemarkt-Renditen weiter zu drücken, denn was genau der Level von „Geldwertstabilität“ ist, welche die EZB sicherzustellen hat, kann sie nun einmal selbst definieren.

Auf diese Weise ließe sich die Lösung des Problems, dass Schulden nur durch immer noch mehr Schulden abbezahlt werden und das Wachstum, so mager es ohnehin ist, nicht organisch, sondern künstlich erzeugt ist, noch eine Zeitlang hinausschieben. Nicht, weil man den Aufwand scheut, es zu lösen. Sondern weil es keine Lösung gibt.

Die Anfänge des Problems reichen Jahrzehnte zurück

Über viele Jahre hinweg wurde die Schuldenblase immer weiter aufgebläht, ermöglicht durch immer billigere Kredite. Denn schon seit langer Zeit wäre ein effektiver Abbau der Verschuldung nicht mehr möglich, ohne dieses Kartenhaus zusammenbrechen zu lassen. Unternehmen, Privathaushalte, letzten Endes aber auch Regierungen würden schon in die Bredouille kommen, wenn die Leitzinsen in der Eurozone auch nur von 0,0 auf 1,0 Prozent steigen würden. Was auch ein Grund war, wieso die EZB ihre Leitzinsen in den Jahren 2016 bis 2018 nicht anhob, als die US-Notenbank genau das tat, um wieder Spielraum in ihrer Geldpolitik zu erhalten. Man hatte damals keinen Spielraum, heute hat man ihn erst recht nicht.

Natürlich ist der EZB völlig klar, dass ihre „Projektionen“ in Sachen Inflation der kommenden Jahre nicht das Papier wert sind, auf denen sie gedruckt wurden. Denn niemand kann heute sagen, wo die Teuerungsrate der gesamten Eurozone an Silvester 2023 liegen wird. Der Verbraucher ist keine berechenbare Größe. Und die Preisentwicklung ist ja nicht nur von ihm abhängig. Alleine der Umstand, dass die Rohstoffpreise stark von der Spekulation beeinflusst werden, macht Projektionen unmöglich. Immerhin hatte die EZB vor einem Jahr auch noch keine Ahnung davon, dass die Preise überhaupt so deutlich anziehen würden: Noch im Dezember 2020 ging man von einer 2021er-Inflation von 1,0 Prozent aus!

Börse aktuell: Entwicklung US-Leitzins und EZB-Leitzins von 2005 bis 2021 im Vergleich | Online Broker LYNX

Stagflation … ein Grund, warum die Anleger langsam kalte Füße kriegen

Bislang hatte man am Aktienmarkt kein Problem damit, unbesehen zu glauben, was die EZB und die „Fed“, die US-Notenbank, nahezu unisono von sich gaben: Das Wachstum ist stark, die Inflation geht von alleine wieder weg und ihr behaltet euer billiges Geld im Überfluss, weil wir, die Notenbanken, schon Argumente finden werden, um es euch weiterhin zu sichern. Dass man die bisherigen Inflationsziele aufweichte, um so von einer für alle nachprüfbaren „Eingreif-Schwelle“ von zwei Prozent wegzukommen, bestätigte vor allem diejenigen in Industrie, privatem Sektor und Finanzwelt, die diese niedrigen Zinsen massiv ausnutzten, in ihrem Glauben: Alles bleibt, wie es ist.

Aber momentan taucht ein Schatten am Horizont auf, der für absolut alles in der Weltwirtschaft fatal wäre: Stagflation. Dieser Begriff bezeichnet eine Situation, in der trotz geringem oder gar nicht mehr vorhandenem Wachstum die Preise deutlich steigen.

Dieses Szenario ist an sich schon erschreckend. In Verbindung mit dieser gewaltigen, durch das „Dauer-Pressing“ der Notenbanken immer weiter wachsenden Schuldenblase wäre das indes vernichtend. Man muss sich vorstellen, was dann passieren würde:

Weiter steigende Preise drücken auf die Unternehmensgewinne. Die Unternehmen versuchen, die Kosten auf die Verbraucher abzuwälzen, was aber nur geht, wenn man dort noch mehr auf Kredit konsumiert oder die Löhne steigen.

Höhere Löhne würden die Unternehmensgewinne aber erneut drücken. Und noch mehr Kredite in einem künstlich generierten Wachstumsumfeld würden die Kreditausfallrate schlagartig steigern. Und mit der dann in Turbulenzen geratenen Finanzindustrie würden wie schon 2008 die Probleme erst anfangen. Hypotheken würden platzen, die Arbeitslosenrate würde nach oben schießen, weil die Unternehmen auf die steigenden Kosten wie immer mit Entlassungen reagieren werden. Die Rezessionsspirale wäre losgetreten und würde durch das Platzen der Kreditblase noch beschleunigt. Im Prinzip ein Szenario wie 2008, mit einem Unterschied:

Diesmal würde der Effekt eines daraufhin wegbrechenden Aktienmarkts noch brutaler wirken, weil noch mehr Menschen noch viel mehr Geld dort hineingesteckt haben und der Anteil an Derivaten und auf Kredit laufenden Spekulationen heute noch weit höher ist als damals. Dass ein solches Zusammenklappen des Kartenhauses relativ bald doch einen Rückgang der Inflation nach sich ziehen würde, ist zwar zu erwarten. Genau das passierte auch 2008 und sorgte dafür, dass die drohende Stagflation „nur“ zur heftigen Rezession wurde. Aber …

Börse aktuell: Entwicklung der Erzeugerpreise und Verbraucherpreise in der Eurozone von 1988 bis 2021 im Vergleich | Online Broker LYNX

Ein „Ende mit Schrecken“ wäre besser – aber das wird wohl nicht passieren.

… damals beseitigte man das Problem mit der Flutung der Wirtschaft mit Billionen. Das tut man aber gerade schon.

Es ist daher absolut nachvollziehbar, dass mehr und mehr Marktteilnehmer an der Börse aktuell diese Strategie der Notenbanken, die letztlich nur ein hilfloses Zuhalten von immer mehr Lecks ist, mit großer Sorge verfolgen. Würde man wenigstens dieses wilde Wegkaufen am Anleihemarkt einstellen und hinnehmen, dass diese „Billiges Geld-Hausse“ am Aktienmarkt unsanft endet, wäre es noch möglich, den Markt zu konsolidieren.

Wenn Leichtsinn und Gier in Aktienmarkt und Wirtschaft durch eine konsequente Notenbankpolitik heruntergefahren würde, hätte man eine Chance, in engem Zusammenwirken mit der Politik eine langwierige, aber für die kommenden Generationen zwingend nötige Konsolidierung zu erreichen, die Sparen wieder erstrebenswert macht und eine auf stabilen Füßen stehende Weltwirtschaft schafft, in der dann zwar kleinere, aber gehaltvollere Brötchen gebacken werden.

Aber wer einmal begonnen hat, sich um die Realität herum zu lavieren, weil man ein Ende mit Schrecken scheut … wer zudem nicht darauf hoffen kann, dass ein „enges Zusammenwirken mit der Politik“ mehr sein könnte als wirre Phantasie … wird seinen Kurs nicht ändern. Weder bei der EZB noch bei der „Fed“. Das Risiko, dass uns das einen Schrecken ohne Ende einbrockt, weil es eben ein großer Unterschied ist, ob man eine Schieflage konsequent und unter harten Einschnitten angeht oder ob man auf Zeit spielt in der Hoffnung, dass ein Zusammenbruch irgendwie, wie auch immer, doch zu vermeiden ist, ist nicht zu unterschätzen.

Fazit: Am Ende lacht die Vernunft

Da bleibt nur, als Fazit zu betonen: Halten Sie sich heute mehr denn je ohne Wenn und Aber an die Grundregeln des Investierens:

Streuen Sie Ihre Investments. Agieren Sie nie ohne Stoppkurse, bei aggressiven Positionen sollten es automatisch greifende Stop Loss-Verkaufsorders sein. Spekulieren Sie niemals mit Geld, das Sie in absehbarer Zeit brauchen … und erst Recht nicht auf Kredit ohne Sicherheiten.

Diejenigen, die all diese Grundregeln derzeit in den Wind schießen, mögen heute noch lachen. Aber es wäre das erste Mal in der Geschichte der Börsen, dass am Ende nicht doch diejenigen lachen, die auf dem Teppich geblieben sind!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Zuerst der Wirecard-Skandal, dann der Delivery Hero-Aufstieg in den DAX: Im Jahr 2020 wurde offenbar, dass man einige Dinge in Bezug auf die deutschen Aktienindizes ändern muss. Das ist jetzt erledigt, aber kaum jemand nimmt die Anpassungen der Regularien wahr, weil die Deutsche Börse zugleich DAX und MDAX „reformiert“: Aus dem DAX 30 wird der DAX 40, dem MDAX werden 10 der 60 Aktien genommen. Und auch darüber hinaus wird noch kräftig rotiert, auch im TecDAX und im SDAX wird auf- und abgestiegen. Sehen wir uns an, was da passiert und ob das jetzt der große Wurf ist … oder nicht.

Fangen wir mit den Aspekten an, die weniger spektakulär sind, weil sie die Regularien für eine DAX-Mitgliedschaft betreffen und zum Teil auch schon zwischen Dezember 2020 und März 2021 umgesetzt wurden. Das ist schnell abgehandelt und nicht wirklich spannend, aber ich meine, man sollte wissen, wie man im Jahresverlauf seitens der Deutschen Börse AG auf die Wirecard-Krise und die Kritik an der Aufnahme von Delivery Hero reagiert hat.

Damit sich der „Fall Wirecard“ nicht wiederholt: Neue Regeln für Aufstieg, Abstieg und Verbleib im Index

Im DAX notierte Unternehmen müssen jetzt zwingend vierteljährlich Bilanzen abliefern, diese müssten testiert sein und ihre Veröffentlichung darf nicht über Gebühr hinausgezögert werden. Zudem kann ein Unternehmen, das insolvent wird, umgehend aus dem DAX entfernt werden. Darüber hinaus muss ein Unternehmen mindestens in den zwei Jahren vor der Aufnahme einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) erzielt haben.

Damit will man verhindern, dass sich etwas wie der Wirecard-Skandal wiederholt und dass zukünftig ein Unternehmen wie Delivery Hero, das noch nie Gewinn erzielt hat, in den DAX kommen kann. Auch eine andere Aufnahmebedingung wurde verändert:

Bislang waren es die Marktkapitalisierung (d.h. die Zahl der Aktien multipliziert mit dem Börsenkurs) und der Börsenumsatz, die zusammen die Messgröße darstellten, die bemisst, ob ein Unternehmen in den nächstgrößeren Index aufsteigen kann oder in einen kleineren absteigen muss. Jetzt zählt nur noch die Marktkapitalisierung.

Zu meiner persönlichen Ansicht hierzu komme ich weiter unten, jetzt erst einmal der Blick auf das Auf und Ab, das am Freitagabend gegen 22 Uhr bekanntgegeben wurde und beileibe nicht nur den DAX betrifft und ab heute in zwei Wochen, also ab dem 20. September, auch de facto umgesetzt sein wird:

DAX Familie: Wer steigt auf, wer steigt ab, wer muss ganz weichen?

Veränderungen im DAX:

Aufstieg: Airbus, Brenntag, HelloFresh, Porsche, Puma, Qiagen, Sartorius, Siemens Healthineers, Symrise, Zalando.

Abstieg in kleinere Indizes: keine

Börse aktuell: Kursentwicklung der MDAX Aufsteiger zwischen März und September 2021 | Online Broker LYNX
Veränderungen im MDAX:

Neu aufgenommen werden: Befesa, Jungheinrich, Hypoport, Vantage Towers, Zooplus

Aus dem MDAX weichen müssen: Encavis, Hochtief, Morphosys, Shop Apotheke und Nordex.

Darüber hinaus verlassen die oben genannten zehn Unternehmen den MDAX, die in den DAX aufgenommen werden, für sie gibt es keinen Ersatz, d.h. der MDAX wird in zwei Wochen nur noch 50 Unternehmen umfassen.

Veränderungen im TecDAX:

Neu aufgenommen werden: Suse und Vantage Towers

Aus dem TecDAX herausgenommen werden LPKF Laser und Drägerwerk.

Veränderungen im SDAX:

Neu aufgenommen werden: Suse, Synlab, About You Holding, secunet Security Networks, PVA TePla und Sto. Hinzu kommen die Absteiger aus dem MDAX: Encavis, Hochtief, Morphosys, Shop Apotheke und Nordex.

Herausgenommen werden Befesa, Jungheinrich, Hypoport, Vantage Towers, Zooplus, die in den MDAX aufsteigen. Ganz aus dieser Indexfamilie weichen müssen Süss Microtec, Borussia Dortmund, Vossloh, Medios, ElringKlinger und die Hamburger Hafen und Logistik AG.

Aus dem DAX 30 wird der DAX 40 … ist das wirklich ein „großer Wurf“?

Vorstehend das, was jetzt entschieden wurde, aber wieso hat man den DAX überhaupt auf 40 Unternehmen ausgeweitet? Das soll sicherstellen, dass der DAX als Flaggschiff-Index einen breiteren Querschnitt der deutschen Wirtschaft abbildet. Was grundsätzlich zwar der Fall ist, denn jetzt ist der Bereich Medizintechnik dabei, zudem mit Zalando ein Onlinehändler und mit Airbus einer der beiden weltweit wichtigsten Flugzeugbauer … wobei die Branche an sich ja schon durch MTU Aero Engines vertreten war. Aber so ganz rund wirkt die Sache nicht gerade, denn:

  1. Jetzt ist mit Siemens, Siemens Energy und Siemens Healthineers der gesamte „Siemens-Clan“ im DAX, das verleiht dem Siemens-Konzern an der Börse aktuell ein ziemlich großes Gewicht im DAX, was ich persönlich etwas unglücklich finde.
  2. Wir hatten bereits vier Vertreter der Automobilindustrie im DAX: BMW, Continental, Daimler und Volkswagen. Jetzt kommt die Porsche Automobil Holding hinzu … die de facto auch noch das Gewicht des VW-Konzerns im DAX erhöht. Zwar ist die Porsche Automobil Holding nicht das Unternehmen, das Porsche-Fahrzeuge herstellt (das ist die Porsche AG, die ein Teil des VW-Konzerns ist), sondern eine Holding, die nichts produziert. Aber sie hält die Mehrheit der Stammaktien des VW-Konzerns. Was faktisch bedeutet, dass hier über den Umweg der die Aktien haltenden Holding neben den schon im DAX notierten Vorzugsaktien jetzt auch die VW-Stammaktien im DAX sind. Auch das würde ich nicht gerade als ideal bezeichnen.
  3. Es ist zweifellos gut, dass die immer wichtiger werdende Medizintechnik-Branche im DAX vertreten ist. Aber jetzt haben wir da gleich eine Schwemme: Mit Siemens Healthineers und Sartorius kommen gleich zwei auf einmal in den DAX, drei, wenn man die Branche etwas weiter auslegen und Qiagen noch hinzuzählen will.
  4. Und brauchen wir wirklich gleich zwei Sportartikelhersteller im DAX, jetzt, nachdem sich zu adidas auch PUMA gesellt?

Die Sache mit dem Aufnahmekriterium: So wirklich die Wahl hat man da eben nicht

Eine breiteren Querschnitt der deutschen Wirtschaft hätte man durchaus etwas besser hinbekommen können, zumal man eigentlich auch den Technologiebereich stärken wollte, jetzt aber trotz der Bedeutung der Software-Branche mit SAP weiterhin nur ein einziges Software-Unternehmen im DAX ist, sich im MDFAX aber viele Software-Firmen tummeln. Aber was man will und was man kann, das unterscheidet sich eben, wenn man die faktischen Auf- und Abstiege nur nach dem Kriterium der Marktkapitalisierung vornimmt.

Da geht man in den USA hinsichtlich des Dow Jones anders vor. Denn dessen Zusammensetzung wird durch das Wall Street Journal entschieden, dem der Index quasi gehört … und erfolgt ohne feste Regeln. Das Entscheidungsgremium diskutiert Auf- und Abstiege aus und kann so frei entscheiden, welches Unternehmen repräsentativ genug für die US-Wirtschaft ist, um Teil des Dow Jones Industrial Average Index sein zu dürfen.

Auch zukünftig werden wir hinsichtlich einer sinnvollen Branchenverteilung beim DAX also nicht ohne Verzerrungen und Schieflagen davonkommen. Und die Marktkapitalisierung an sich ist ohnehin eine Basis, die meines Erachtens zumindest diskutabel ist.

Kriterium Marktkapitalisierung … ist das wirklich eine gute Sache?

Denn damit ist ja ein Faktor mit entscheidend, der es eigentlich nicht sein dürfte: die Frage, wie stark eine Aktie bis zu dem Termin, an dem die Zusammensetzung des jeweiligen Index überprüft wird, gestiegen ist. Denken wir da nur mal an Covestro. Dass das Unternehmen in den DAX kommen könnte, ahnte man schon im Herbst 2017. Die Aktie stieg daraufhin kräftig. Das erhöhte ihre Marktkapitalisierung und sicherte diesen Aufstieg dann auch. Aber kaum war der vollzogen, ging es bergab. Was zwar auch, aber keineswegs nur dem allgemeinen Markttrend damals entsprach, wie der Chart zeigt. Ein Grund, der immer wieder zum Problem wird und an der Börse aktuell, bei zehn Aufsteigern ohne Gegengewicht durch Absteiger, noch intensiver wirken könnte: Vorkäufe.

Börse aktuell: Kursentwicklung des damaligen DAX Aufsteigers Covestro zwischen Juli 2017 und November 2018 | Online Broker LYNX

Viele Marktteilnehmer, auch große Adressen, „wittern“ die Aufsteiger im Vorfeld. Was keine Kunst ist, weil man sich die Marktkapitalisierung ja leicht selber ausrechnen kann. Und dann wird vor der Entscheidung bereits kräftig gekauft in der Hoffnung, dass die Aktie einen satten Sprung nach oben machen wird, wenn die Entscheidung über den Aufstieg fällt und dann kurz danach der Handel im DAX bzw. einem anderen Index beginnt, in den die jeweilige Aktie aufgestiegen ist. Der Haken: Wenn zu viele so agieren, ist dann, wenn es soweit ist, kaum jemand übrig, der kaufen will … aber viele da, die ihren Gewinn mitnehmen wollen.

Und je intensiver die Käufe in bestimmten Aktien, desto größer wird die Chance, andere, um den Aufstieg konkurrierende Unternehmen vor der Entscheidung durch das Hochziehen des Kurses abzuhängen. Das heißt: Das Auf- und Abstiegskriterium ist durch den Markt beeinflussbar, das ist keine gute Sache. Da wäre es meiner Ansicht nach angebracht, z.B. über die Bilanzsumme oder den Buchwert als Kriterium nachzudenken.

MDAX geschwächt, DAX gestärkt? Wie wird sich diese Umstellung auf den Trend auswirken?

Wird der DAX 40 jetzt durch die „frischen“ Kräfte gleich zehn neuer Unternehmen aus seiner monatelangen Lethargie herausfinden? Und was wird aus dem MDAX, dem man schließlich ersatzlos zehn seiner Schwergewichte genommen hat?

Grundsätzlich muss weder der DAX davonziehen noch der MDAX fallen, denn natürlich werden die Gewichtungen bei der Neubewertung so angepasst, dass Dax und MDAX genau da am 20.9. starten würden, wo sie am 17.9. geschlossen haben, wenn alle Index-Aktien auf dem Level ihrer Schlusskurse des 17.9. in den Handel starten würden. Und die Frage, ob ein breiter aufgestellter DAX diesen positiv beeinflussen würde, kann man natürlich nicht sicher beantworten, aber auf eine größere, über eine Momentaufnahme hinausgehende, positive Wirkung sollte man sich zumindest nicht verlassen. Immerhin gibt es ja ein Beispiel. Nicht beim DAX, der bislang immer 30 Unternehmen umfasste. Aber beim MDAX.

Denn an dem wird ja nicht zum ersten Mal herumgesäbelt. 2003 hatte man ihn von 70 auf 50 Unternehmen verkleinert, im September 2018 dann wieder auf 60 Unternehmen ausgeweitet, um ihn jetzt, drei Jahre später, wieder um zehn Unternehmen zu verkleinern. Hat die Ausweitung auf 60 Aktien am 24.9.2018 einen Satz nach oben bewirkt? Sehen Sie selbst:

Börse aktuell: Kursauswirkungen auf den MDAX bei dessen Aufstockung von 50 auf 60 Werte im Jahr 2018 | Online Broker LYNX

Wenn, hat das den MDAX eher im Vorfeld stabilisiert, dann aber gedrückt. Der Grund liegt in diesem Aspekt der Vorkäufe. So etwas endet dann eben oft ungut, im Stil des alten Börsenspruches „buy the rumor, sell the news“. Und der erste Chart ganz oben in diesem Beitrag zeigt ja: Die zehn jetzt in den DAX aufsteigenden MDAX-Aktien sind seit März, als diese Vergrößerung entschieden wurde, fast alle deutlich besser gelaufen als der MDAX.

Das heißt nicht, dass der DAX davon zunächst eher unter Druck kommen muss. Aber er könnte. Und was wird aus dem MDAX?

Dass dem dann am 20.9. zehn der zuvor am höchsten gewichteten Unternehmen fehlen, wird natürlich rechnerisch direkt ausgeglichen, indem die Gewichtung der verbleibenden 50 Aktien steigen wird. Aber er wird dadurch eher volatiler werden, denn die, die noch da sind, sind weniger liquide Unternehmen, als es eine Airbus oder eine Zalando waren.

Und noch einen Effekt dieser „Reform“ sollte man im Hinterkopf haben: Der DAX wird insgesamt dadurch ein deutlich höheres KGV ausweisen. Das liegt derzeit um 14,6, nicht wirklich teuer. Aber jetzt kommen Unternehmen hinzu, die ein ziemlich hohes Kurs/Gewinn-Verhältnis ausweisen, das wird den Schnitt massiv höher ziehen. So hat Zalando auf Basis der aktuellen, durchschnittlichen 2021er-Gewinnschätzung ein KGV von 97, Sartorius von 92, Airbus von 34, Puma von 52, HelloFresh von 50.

Börse aktuell: Auswirkung der DAX Aufstockung auf das durchschnittliche KVG | Online Broker LYNX

Damit kommt man dann langsam in die Region des Dow Jones. Denn dass der ein viel höheres KGV ausweist, liegt nicht daran, dass der Dow „teuer“ und der DAX „billig“ wäre, sondern daran, dass der DAX eben bislang von Branchen wie Finanz und Autos dominiert wurde, die ein grundsätzlich niedrigeres KGV ausweisen als es bei Technologiebranchen wie z.B. der jetzt mit in den DAX einziehenden Medizintechnik der Fall ist.

Fazit: Ein wenig wie „neuer Wein in alten Schläuchen“

Mir persönlich bleibt der Eindruck, dass das, was die Deutsche Börse AG als, Zitat „größte Indexreform in der Geschichte des DAX“ bezeichnet, eine Mischung aus in der Tat wichtigen, aber für Anleger unspektakulären Verbesserungen und einer nicht überzeugend gelungenen Kosmetik ist.

Mit dem jetzt auch noch alleine entscheidenden Auf- und Abstiegskriterium der Marktkapitalisierung bin ich für meinen Teil nicht glücklich … wenn Reform, hätte es genau da nicht geschadet. Und ob diese zehn „Neuen“ in zwei Wochen dann im DAX und nicht im MDAX sind … ich weiß nicht, wie die Mehrheit das sehen mag, aber für mich war eine Airbus oder eine Zalando nie im Schatten von egal was gestanden, weil sie „nur“ im MDAX notiert waren.

Aber sei es drum, so ist das jetzt entschieden worden. Wir dürfen gespannt sein, welchen Effekt das ab heute, dem ersten Handelstag nach der Bekanntgabe der Aufsteiger, und dann ab dem 20. September, dem ersten Handelstag von DAX 40 und MDAX 50, auf all diese auf- und absteigenden Aktien und die Indizes haben wird!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 03.09.2021, marketmaker pp4

Meiner Erfahrung nach machen sich die allermeisten Anleger nie Gedanken zu den Basis-Aspekten der Börse. Ja, sie wissen, dass Aktien Anteile an Unternehmen sind, dass die Kurse durch Angebot und Nachfrage bewegt werden und dass man auch Verluste erleiden könnte. Aber wer weiß schon wirklich, was das bedeutet, bevor es mal ernst wird? Aber nur wer weiß, was auf einen zukommen könnte, reagiert richtig, wenn Entscheidungen gefordert sind.

Emotionen und Börse gehören untrennbar zusammen. Wenn es um Geld geht, hört zwar bei vielen sofort der Spaß auf, aber dummerweise setzt auch zeitgleich der Verstand aus. Dieser Aspekt wirkt sich so lange nicht negativ aus, wie „es läuft“. Daher bleibt diese Fallgrube der eigenen Emotionen auch für viele unsichtbar, bis sie plötzlich darin liegen.

Ein ganz entscheidender Faktor ist dabei die Neigung, sich mit dem Hintergrund der Börse in keiner Weise genauer auseinanderzusetzen, weil ja irgendwie Gewinne entstehen, ohne, dass man etwas tun müsste. Kaufen, liegen lassen, reicher werden … es ist so einfach. Warum sollte man sich mit etwas auseinandersetzen, das von alleine läuft? Das wäre ja so, als wäre es von Nutzen zu wissen, wie ein Motor funktioniert, nur, weil man Auto fährt. Es gibt Leute, die bei diesem eigentlich ironisch gemeinten Vergleich allen Ernstes zustimmend nicken, wenn ich ihn anbringe. Nun ja, entscheiden Sie selbst, wie Sie das sehen wollen.

Gewinne sind mein Verdienst, an Verlusten sind andere schuld?

Das schlimmste, das Anlegern passieren kann, ist, gleich zu Beginn ihres Anlegerdaseins Gewinne zu machen. Das klingt im ersten Moment absurd. Aber nur, wer lernt, Gewinne als höchst wankelmütig anzusehen und innerlich kein Problem damit hat, Verluste zu realisieren, bevor sie noch größer werden, trifft die richtigen Entscheidungen, wenn es am Markt mal ungemütlich wird. Sicher, fast allen ist klar, dass solche Phasen nie ausbleiben. Aber wer sagt sich nicht: „Doch jetzt nicht, wo alles so gut läuft“?

Nur wer erkennt, dass an der Börse zum Ausstieg nicht geklingelt wird, man also selber abwägen und entscheiden muss, wann es Zeit ist, das Geld in den sicheren Hafen des Kontos zurückzubringen, besitzt die nötige Wachsamkeit, wirklich entschlossen zu handeln, wenn es nötig wird. Dazu muss man sich zunächst über eines im Klaren sein:

Gewinne an der Börse sind so lange nicht „echt“, bis sie durch den Verkauf der entsprechenden Position auf dem Konto ruhen. So lange eine Position besteht, kann der Gewinn größer werden, aber jederzeit auch mit einem Schlag weg sein, im ungünstigsten Fall zu einem Verlust werden. So etwas passiert nun einmal, denken wir nur an prominente Beispiele der Vergangenheit wie den Einbruch der VW-Aktie im Jahr 2015 oder, näher dran, an den Wirecard-Crash.

Börse aktuell: Wirecard Crash im Jahr 2020 | Online Broker LYNX

Deswegen muss man jedem Anleger raten, sich ganz gezielt von der Empfindung zu lösen, dass ein Gewinn, der in Wahrheit nur ein „Buchgewinn“ ist, wirklich ein echter Vermögenszuwachs wäre. Es ist nichts anderes als eine Momentaufnahme.

Daher ist die (ja durchaus verständliche) Empfindung, dass irgendwer da einem etwas wegnimmt, wenn eine Aktie fällt, aus einem großen Gewinn dadurch auf einmal ein kleiner (oder keiner) wird, völlig verkehrt. Und noch fataler ist es, wenn man als Folgereaktion Gewinne als eigene Leistung, als den Beleg der eigenen Cleverness, ansieht, Verluste aber durch andere zustande kommen.

So erzeugt man von sich selbst unbewusst das Bild eines fehlerfreien Investors, der den Markt im Griff hat und keine Fehler macht. Gut fürs Ego. Schlecht fürs Konto. Denn auf diese Weise lernt, wer in Wahrheit wenig weiß, nie etwas dazu. Und das endet in Stress-Situationen, die an der Börse nie ausbleiben, immer ungut, denn dann zu glauben, die „anderen“ seien schuld, birgt die große Wahrscheinlichkeit, sein eigenes Handeln nicht zu hinterfragen. In Verluste hinein zuzukaufen, statt sie zu begrenzen, ist da einer der meist verbreiteten, fatalen Reaktionen.

Geld aus dem Nichts kann auch wieder zu „Nichts“ werden!

Ein ganz entscheidender Aspekt ist, das habe ich über die letzten 30 Jahre als Anleger immer wieder erlebt, nur wenigen bewusst: An der Börse entsteht Geld aus dem Nichts, kann aber auch jederzeit wieder zu einem solchen Nichts werden. Und Letzteres gilt, das ist der Knackpunkt, auch für Geld, das sehr wohl vorher wirklich verdient wurde!

Ich denke, dass sich viele dessen nicht bewusst sind, mag an diesem dummen Spruch liegen, den ich immer wieder höre, wen jemand gerade so richtig eins vor den Bug bekommen hat: „Denk dir nichts, dein Geld ist ja nicht weg, es hat jetzt bloß jemand anders“. Diese Aussage kann richtig sein, z.B. wenn es um ein Futures-Geschäft oder einen Optionen-Trade geht. Meist ist dieser Spruch aber völlig falsch. Geld kann an der Börse tatsächlich ebenso vernichtet werden, wie es dort erschaffen werden kann. Ein vereinfachtes Beispiel dazu:

Ein Anleger kauft an der Börse aktuell von seinen Ersparnissen eine Aktie zum Kurs von 100 Euro. Natürlich rechnet er damit, dass die Aktie steigen wird, aber es kommen unerwartet schwache Unternehmensnachrichten, die Aktie rutscht ab und notiert auf einmal nur noch bei 80 Euro. Der Anleger hat diese 20 Euro, die auf einmal nicht mehr da sind, zwar verdient, versteuert, gespart und dann erst angelegt. Aber jetzt sind sie verschwunden, denn nein, diese 20 Euro hat nicht jemand anders. Denn einem Verlust steht nicht automatisch ein Leerverkäufer in dieser Aktie gegenüber, der dann 20 Euro mehr hat.

Nehmen wir mal an, dass 1.000 Anleger diese Aktie zu 100 Euro gekauft haben. Es müssen nicht alle wieder verkaufen, um den Kurs zu drücken. Wenn an dem Tag mit „bad news“ das Kaufinteresse deswegen schlagartig wegbricht und gerade mal zehn Anleger bereit sind, je eine Aktie zu höchstens 80 zu nehmen, kommt eben erst bei 80 ein Kurs zustande. Trotzdem sind alle 1.000 Anleger jeweils 20 Euro ärmer.

Börse aktuell: Kursanstieg und Kurseinbruch am Beispiel der Varta Aktie im Jahr 2021 | Online Broker LYNX

Kursgewinne suggerieren einen Vermögenszuwachs und ja, der fühlt sich „echt“ an. Und dabei läuft es genauso wie beim Beispiel mit den Verlusten: 1.000 Anleger haben zwar diese eine Aktie. Aber es reicht ja, wenn nur zwei, drei weiter kaufen und dadurch ein Kurs von 120 Euro zustande kommt, um allen Anlegern 20 Euro Gewinn zu bescheren. Gewinn?

Nein, Buchgewinn. Denn wenn alle diese 20 Prozent, diese 20 Euro, nach Hause bringen wollten, müssten auch alle verkaufen UND für 120 Euro einen Käufer finden. Und das gelingt bestenfalls dann, wenn die Marktstimmung so euphorisch ist, dass immer mehr neue Anleger mit immer mehr frischem Geld an den Markt drängen. Und da kommen wir zum nächsten, fast immer unterschätzten bzw. übersehenen Aspekt.

Die Sache mit dem Schneeball

Nahezu jeder dürfte unwillkürlich die Stirn runzeln, wenn ich hier behaupte, der Aktienmarkt würde einem Schneeballsystem ähneln. Aber überlegen wir mal auf Basis des Vorstehenden, ob dieser Vergleich wirklich so daneben ist.

Die Kurse steigen nur so lange, wie die Nachfrage größer ist als das Angebot. Nur deswegen können die Preise immer höher gesetzt werden: Die Verkäufer sitzen am längeren Hebel, weil mehr Menschen das haben wollen, was sie verkaufen könnten, aber nicht müssen. Das bedeutet: Es muss sukzessiv frisches Geld in den Markt kommen, um diesen Zustand aufrechtzuerhalten.

Nicht so viel, wie die Buchgewinne ausmachen, klar, denn wie vorstehend erläutert reicht ja ein geringer Umsatz für einen höheren Kurs, der alle anderen, die die Aktie schon haben, zumindest gefühlt reicher macht. Aber diese Nachfrage, diese Käufe, die müssen eben kommen. Und wie ist es bei einem Schneeballsystem?

Grundsätzlich ja genauso. Wer am Anfang der Kette steht, also billig kauft, ist fein raus, weil seine Gewinne deswegen immer größer werden, weil immer mehr das, was man hat, haben wollen. Wer aber ganz am Ende kauft, wenn der Markt schon gesättigt ist, weil fast alle bereits involviert sind und es daher an neuen Käufern mangelt, steht auf ganz wackligen Beinchen.

Denken Sie dazu nur an diese Systeme von manchen Produktketten im Bereich Kosmetik oder Küchengeräte: Sie werben 5 neue Verkäufer, von deren Verkäufen Sie dann einen Anteil erhalten, während der oder die, von dem Sie geworben wurden, wiederum von Ihrem Anteil einen Anteil bekommt. Für die von Ihnen geworbenen Verkäufer lohnt es sich erst, wenn sie jeweils selbst fünf „Neue“ werben … und irgendwann verkaufen alle Kosmetik und niemand bleibt übrig, um sie zu kaufen.

So viel anders ist es mit dem Aktienmarkt nicht. Je länger und steiler ein Trend abläuft, desto mehr Anleger sind längst investiert. Die Zahl potenzieller Anleger ist nun einmal begrenzt. Und das Geld, das investiert werden könnte, ebenfalls. Vorsicht daher vor Sprüchen, die das Gegenteil behaupten. Denn nein, niemand kann wissen, wie viel Geld noch darauf wartet, am Aktienmarkt investiert zu werden.

Vorsicht vor wohlklingenden Sprüchen – der Schneeball ist schon weit gerollt

Wie sollte das irgendjemand auch ernsthaft wissen können? So weit sind wir noch nicht, dass Hinz und Kunz imstande wären, sich mal eben eine Übersicht über das Vermögen der Sparer auszudrucken. Und selbst wenn man wüsste, wie viel z.B. bei uns in Deutschland auf Spar-, Festgeld- und Girokonten ruht: Wohler will man wissen, was die Eigentümer dieser Vermögen damit morgen, in einem Jahr oder in zehn Jahren zu tun gedenken?

Und wenn es um die Frage geht, wie weit der Schneeball bereits ins Tal gerollt ist, muss man sich doch nur den DAX, den MDAX, den TecDAX und den SDAX seit Anfang 2020 ansehen. Solche gewaltigen Kursanstiege kommen nicht von alleine zustande. Da sind gigantische Summen in den Markt geflossen. Und bei der Frage, was da noch nachkommt, sollte man bedenken:

Börse aktuell: Geld strömt in den Markt - Entwicklung von DAX, MDAX, SDAX und TecDAX seit dem Corona Crash | Online Broker LYNX

Immer mehr Menschen rutschen in Bezug auf ihre finanziellen Möglichkeiten in Probleme, können nichts mehr zurücklegen. Immer mehr Menschen haben sich in den letzten Jahren auf Jahrzehnte hinaus verschuldet, weil sie sich eine Wohnung oder ein Haus gekauft haben, zu Preisen, die weit schneller gestiegen sind als die Einkommen. Ist es also klug, einfach davon auszugehen, dass stimmt, was so gerne seitens der Finanzindustrie behauptet wird, nämlich, dass an der Börse aktuell die große Börsen-Party gerade erst begonnen hat?

Ich habe vergangene Woche, das nur als ein Beispiel, unseren Beitrag zum Thema „die besten ETFs auf den MSCI World Index“ aktualisiert. Dabei erfasse ich auch immer das Volumen, das die von mir da aufgeführten ETFs haben. Alleine zwischen der vorherigen Aktualisierung im Januar und der jetzigen im August ist die in solche MSCI World ETFs investierte Summe im Schnitt um 25 bis 30 Prozent gestiegen, gerechnet vom April 2020 sogar noch mehr. Nur ein einziges Beispiel: Einer dieser ETFs hatte im April 2020 ein Anlagevolumen von 3,2 Milliarden, jetzt sind es 5,36 Milliarden.

Da reden wir von Milliardenbeträgen … und das nur bei ein paar wenigen ETFS in einem Bereich, der nicht zum Standard gehört! Und wenn das Deutsche Aktieninstitut Anfang des Jahres für das Jahr 2020 vom größten Anstieg der Anlegerzahl seit der Internetblase im Jahr 2000 schreibt (2,7 Millionen neue Anleger kamen 2020 hierzulande hinzu) und man sich ausrechnen kann, dass der Zulauf im laufenden Jahr weitergegangen ist, darf, ja muss man einkalkulieren, dass diese Party der scheinbar automatisch wachsenden Gewinne endlich ist.

Sie können nie sicher sein – das muss man akzeptieren!

Aktien steigen nicht von alleine, dazu bedarf es eines steten Zustroms frischen Geldes. Das muss nicht zwingend durch eine Euphorie und grandioses Wirtschaftswachstum mit rasant steigenden Unternehmensgewinnen und dicken Dividenden ausgelöst sein. Der Zustrom kann ebenso aus der Angst geboren sein. Entweder aus der Angst, diese so oft propagierte „Party“ des leichten Geldes zu verpassen oder aber, weil man sich sorgt, ansonsten sein Geld an die Inflation zu verlieren. Aber eines bleibt eben als Voraussetzung: Es muss mehr Geld in den Markt hinein als hinaus fließen. Und je weniger noch übrig ist, das für Investments an der Börse zur Verfügung steht, desto näher ist man am Gipfel. Die Börse ist nicht so einfach, wie es klingt, sagte Warren Buffett unlängst, völlig zu Recht. Daher abschließend noch einmal die drei Aspekte zusammengefasst, denen man sich bewusst sein muss:

  1. Niemand könnte genau vorhersagen, wann und auf welchem Kursniveau der Gipfel erreicht ist. Aber das ist nun einmal logisch. Fatal wäre es nur, wenn man sich darauf verlassen würde, das genau da, am höchsten Punkt, erkennen zu können. Wo oben war, weiß man immer erst deutlich später, nichts unterscheidet einen normalen Rücksetzer vom ersten Abschnitt einer großen Baisse. Wie die alten Hasen seit ewigen Zeiten predigen: An der Börse wird zum Ausstieg nicht geklingelt.
  2. Gewinne sind erst dann wirklich ein Gewinn, wenn das Geld wieder auf dem Konto ist. Geld kann an der Börse aus dem Nichts heraus entstehen, aber Geld kann dort auch vernichtet werden, egal, ob es vorher wirklich mal verdient wurde oder es nur Buchgewinne waren. Und es kommt eben nicht immer automatisch wieder, sondern kann auch vernichtet bleiben, siehe den Fall Wirecard, der ja dahingehend nicht der einzige ist. Vermeiden Sie es daher, sich auf Basis noch laufender Positionen reich zu rechnen, das verleitet zu zahllosen Fehlern in Stress-Situationen.
  3. Eine stabile Börsen-Hausse braucht den regelmäßigen Zustrom frischen Geldes. Das ist in Phasen, in denen schon ungewöhnlich lange ungewöhnlich viel Geld in den Markt geflossen ist und die Einkommenssituation vieler problematischer wird, nicht mehr sicher voraussetzbar.

Fazit: Die Börse ist nun einmal ein Investmentbereich, dessen besonders hohe Chancen mit höheren Risiken einhergehen. Das ist nichts, das einen davon abhalten sollte, z.B. in Aktien zu investieren. Aber gerade in Phasen, in denen es wie von alleine läuft, vergessen das viele schnell. Gehören Sie nicht dazu, dann haben Sie, was die Zukunft ihres Vermögens angeht, schon mal die halbe Miete eingefahren!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

*Charts vom 26.08.2021, marketmaker pp4

Wie lange wird ein Trend halten? Wo wäre der entscheidende Punkt, an dem eine Neuausrichtung der Positionen „sicher“ wäre? Wo ließe sich zukaufen, wann sollte man Gewinne mitnehmen? Trader stehen permanent vor ungelösten Fragen. Die Börse ist nicht so einfach, wie man denkt, betonte auch Warren Buffett kürzlich. Das verleitet dazu, sich auf die Suche nach Methoden zu machen, die diese offenen Fragen beantworten. Doch meist wird die Sache dadurch nicht besser, sondern noch komplizierter. Versuchen Sie es doch mal mit dem K.I.S.S.-Prinzip!

Ich habe Ende der Neunzigerjahre begonnen, mit den ersten PC-Kurssystemen, die damals aufkamen, Handelssysteme zu programmieren, die es mir erlauben sollten, effektiv zu traden, ohne sich tagtäglich durch zahllose Nachrichten, Bilanzen und chart- und markttechnische Indikationen wühlen zu müssen. Denn das war damals eine äußerst aufwändige Angelegenheit. Außerdem wollte ich so erreichen, dass ich nicht immer wieder vorschnell und aus dem Bauch heraus handele, denn das ging meist, Sie werden das kennen, daneben.

Mein „Meisterstück“ war ein System, das alle Eventualitäten berücksichtigte … das imstande war, den Wechsel von Seitwärts- in richtungweisende Trends und zurück früh zu erkennen … das Zonen auswies, in denen man Gewinne mitnehmen sollte und vieles mehr. Und es funktionierte tadellos … in der Vergangenheit. Dieses Programm hatte ausgedruckt beinahe die Länge einer Klopapierrolle und hat mich Monate Arbeit gekostet. Und es war letztlich trotzdem unbrauchbar. Denn damals wollte ich noch nicht begreifen, was die Börse in Wahrheit bedeutet: stetige Entscheidungen unter Unsicherheit fällen zu müssen, weil es immer wieder neue, noch nie dagewesene Situationen gibt.

Niemand weiß, wie es mit den Kursen weitergeht, denn …

Eigentlich müsste es jedem klar sein, dass man heute nicht wissen kann, wo DAX und Dow, Gold, Rohöl und Dollar morgen notieren werden. Denn wer von uns agiert wie eine völlig emotionslose Maschine, strikt objektiv, sofort, konsequent? Niemand, erst Recht nicht auf Dauer. Warum sollten all die anderen Marktteilnehmer dazu imstande sein, nur man selbst nicht? Sie sind es nicht.

Und denken wir an die immer größer werdende Zahl an Menschen, die erst in den letzten Jahren durch den „Zinsklau“ in den Aktienmarkt gedrängt oder durch die „Corona-Rallye“ seit März 2020 angelockt wurden? Kaum jemand aus dieser Klientel hat das nötige Fachwissen und die Erfahrung, um sich sicher durch die Börse zu manövrieren. Deren Aktionen sind schlicht unberechenbar. Und diejenigen, die sich dieses Mankos bewusst sind und daher passiv über Sparpläne oder indirekt passiv über ETFs agieren, machen die Lage nicht besser einschätzbar.

Denn diejenigen, die deren Geld verwalten, müssen es ja umgehend anlegen. Und damit sind es wieder die emotionalen und von Konjunkturdaten, Charttechnik, Bilanzen oder anderen Analyseebenen abgekoppelten Entscheidungen, weiter Geld zu überweisen, den Betrag sogar zu erhöhen, ihn zu reduzieren oder aber Geld abzuziehen, die die Kurse bewegen. Und das soll ein ausgefeiltes Handelssystem durch den Einsatz zahlreicher Indikatoren und gleitenden Durchschnitte im Verein mit der Charttechnik einfangen können? Das ist, wie ich nunmehr seit 20 Jahren weiß und berücksichtige, absurd. Man kann, das ist eigentlich logisch, nicht vorhersehen, was eine gigantische Menge an Menschen an der Börse aktuell in Kürze tun wird, alleine, weil nahezu alle diese Marktteilnehmer das selbst noch nicht wissen.

Börse aktuell: Der Einsatz zu vieler Indikatoren am Beispiel des DAX | Online Broker LYNX

Da auf die Idee zu kommen, nach dem Prinzip „viel hilft viel“ zu agieren und umso mehr Indikatoren in ein System einzubauen, je öfter Probleme zutage treten, ist daher der falsche Weg. Sicher, man könnte mutmaßen, dass individuelle Entscheidungen einzelner in einer großen Masse wieder kanalisierbar wären. Das dachte ich damals ja auch. Immerhin gibt es nur drei mögliche Reaktionen eines Anlegers: Kaufen, nichts tun, verkaufen/Short gehen. Aber das haut nun einmal nicht hin. Der Grund:

Der „Faktor Mensch“ ruiniert jedes ins Detail ausgefeilte System

Oft werden diese emotionalen Entscheidungen durch externe Impulse initiiert. So wie z.B. vergangenen Mittwoch die Verkäufe, die durch eine Zeile im am Abend veröffentlichten Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung ausgelöst wurden, nach der das Zudrehen des Geldhahns früher beginnen könnte, als viele dachten. Profi-Trader, die immer auf dem Posten sind, reagierten sofort. So manches computergesteuerte Handelssystem ebenso. Aber die vielen unerfahrenen und oft passiv agierenden Anleger bekamen das ja gar nicht mit. Was würden die tun? Später aussteigen oder aber sofort in die gedrückten Kurse hinein einsteigen, weil das zuvor so oft funktioniert hat, dass viele glauben, ihnen könnte überhaupt nichts passieren, wenn sie ins fallende Messer greifen? Und welche Rolle würde die am Freitag absolvierte Abrechnung an der Terminbörse spielen?

So etwas weiß niemand vorher. Also bringt es absolut nichts, deshalb noch einmal zwei, drei spezielle Indikatoren dazu zu packen. Klar, man kann eine Strategie anhand der Kurse der Vergangenheit optimieren, bis es wirkt, als sei ein System perfekt. Aber gerade wegen dieser Unberechenbarkeit des entscheidenden „Faktors Mensch“ werden sich bestimmte Konstellationen aus der Vergangenheit so gut wie sicher in der Zukunft nicht genauso erneut abspielen. Also muss man sich etwas anderes überlegen, wenn man an der Börse den Kopf über Wasser behalten will. Und da kommt K.I.S.S. ins Spiel.

K.I.S.S.: Keep it simple, stupid!

Richtig ist, dass es einen ganz groben Parameter gibt, dem die Anleger und damit auch die Kurse folgen: den Trend. Nun ist das grauenhaft ungenau, denn wenn wir uns hier mal ansehen, wie breit ein solcher Trend auf langfristiger Ebene ist und dass der als Beispiel dienende DAX trotzdem ab und an aus den mathematischen Kanälen, die den Trend hier umreißen, ausbricht, muss man sich fragen, was man damit anfangen kann.

Börse aktuell: Der Einsatz von langfristigen Trendkanälen am Beispiel des DAX | Online Broker LYNX

Aber davon abgesehen, dass sich dieses Bild eingrenzt, wenn man solche übergeordneten Trends in einem engeren Zeitrahmen darstellt, wie das im nächsten Chart zu sehen ist, kommt es auf „Präzision“ nicht an. Es geht darum, sich an Parametern zu orientieren, die a) das Verhalten der Masse einigermaßen einfangen und b) so robust sind, dass sie nicht nur heute, sondern auch in zwei oder zehn Jahren funktionieren. Das ist das K.I.S.S.-Prinzip.

K.I.S.S. wird normalerweise mit „Keep it simple, stupid“, also mit „Halte es einfach, Dummkopf“ verbunden. Aber eigentlich sollte es wohl ursprünglich, weniger drastisch, „keep it simple and stupid“ bedeuten, also „Halte es einfach und idiotensicher“. Der Grundgedanke ist, dass zu komplizierte Strukturen den Blick auf das Wesentliche verdecken und die Handhabung eines Tools erschweren, was letztlich nichts besser, sondern vieles schlechter macht.

Börse aktuell: Der Einsatz von kurzfristigen Trendkanälen am Beispiel des DAX | Online Broker LYNX

Übertragen auf das Trading hieße das: Suchen Sie nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Denn nur der ermöglicht es Ihnen, grundsätzlich das Richtige zu tun. Dass das unerfreulich ungenau wirkt, dass man damit auch oft Verluste realisieren muss, ist vielleicht ärgerlich. Nur: Es ist eben unvermeidbar.

Das wird einem glasklar, wenn man erst einmal verstanden hat, dass das Gros der Marktteilnehmer emotional und damit unberechenbar agiert und selbst computergesteuerte Systeme am Ende dieser Unberechenbarkeit gehorchen, weil ihre Käufe und Verkäufe dadurch beeinflusst werden, ob emotional entscheidende Anleger denen, die diese Systeme einsetzen, Geld überweisen oder aber welches abziehen.

Man kann nicht dauerhaft eine 90 Prozent-Trefferquote erwarten. Man kann nicht davon ausgehen, auf den Punkt ein Ziel zu erreichen, wenn der Weg zu diesem Ziel ein im Nebel liegendes Minenfeld ist. Also sollte man sich auch in Bezug auf die eigenen Ansprüche an die Realität anpassen, indem man sich sagt: Wenn am Ende mehr Gewinn reinkommt als Verluste entstehen, passt es. An der Börse geht es darum, Geld zu verdienen und nicht, schlauer zu sein als alle anderen, das Gras wachsen zu hören, genau am Hoch verkaufen und am Tief kaufen zu wollen. K.I.S.S. heißt vor allem: Setzen Sie sich einfache Ziele, statt sinnbildlich den Mount Everest auf Rollschuhen und rückwärts besteigen zu wollen.

K.I.S.S. als Leitlinie Ihres Tradings

Was das konkrete Trading angeht, bedeutet K.I.S.S.: Agieren Sie mit so wenig Parametern wie möglich, suchen Sie sich dazu die robustesten heraus und achten Sie dabei vor allem auf eines: Dass Sie sehen können, dass andere Anleger sich auch an den von Ihnen genutzten Indikatoren orientieren.

Denn was bringt Ihnen ein Indikator, der zwar in der Vergangenheit scheinbar irgendwie funktioniert hat, den aber keiner kennt? Warum sollten die Kurse steigen oder fallen, wenn ein Indikator ein Signal generiert hat, auf den niemand achtet und somit keiner das Signal sieht und darauf reagiert? Nach diesem K.I.S.S.-Prinzip vorzugehen, war eine entscheidende Lektion, die ich über die Jahre in Sachen Handelssysteme gelernt habe. Hier mal zwei Beispiele, einmal mit Blick auf die Charttechnik, einmal in Bezug auf markttechnische Indikatoren.

Börse aktuell: Aufwärtstrendlinie und 200 Tage-Linie im S&P 500 | Online Broker LYNX

Im vorstehenden Chart sehen Sie, dass sich der marktbreite US-Index S&P 500 seit Monaten an zwei Linien zu orientieren scheint. Zum einen am gleitenden Durchschnitt der letzten 50 Börsentage (50-Tage-Linie). Das ist eine Linie, die hierzulande weniger intensiv beachtet wird, in den USA aber neben der 100-Tage-Linie mit die wichtigste Orientierung der Trader in Sachen gleitende Durchschnitte ist. Zum anderen an einer Aufwärtstrendlinie, die Ende Oktober 2020 etabliert wurde. Man sieht im Chart, dass diese beiden Linien relevant sind, was also braucht man noch mehr?

Natürlich muss man aufpassen, wenn es um einen Richtungswechsel geht, ob diese Leitstrahlen auch wirklich nachhaltig gebrochen werden. Bärenfallen gibt es immer mal wieder. Aber gegen die ist auch ein hochkompliziertes System mit zig Indikatoren nicht gefeit. Immer, wenn es für eine Seite ernst wird, in diesem Fall für die Bullen, wird noch emotionaler gehandelt. Da wird meist versucht, einen Trendbruch doch noch irgendwie auszubügeln. Und klappt das, muss man halt zügig reagieren und gedrehte Positionen erneut drehen. Oder aber abwarten, ob so ein Trendbruch „echt“ ist, indem man auf Beweise wie z.B. gescheiterte Rettungskäufe der Bullen wartet.

Börse aktuell: Der Einsatz des markttechnischen Indikators RSI am Beispiel des Nasdaq 100 | Online Broker LYNX

Der nächste Chart zeigt ein aus meiner Sicht brauchbares Tool aus dem Bereich der markttechnischen Indikatoren. Markttechnische Indikatoren wurden im Lauf der Jahrzehnte in rauen Mengen entwickelt, aber nur wenige bieten wirklich taugliche Signale. Und auch dort finden sich zahlreiche Fehlsignale. Man kann sich entweder auf eine kleine Kombination aus handverlesenen Indikatoren stützen oder sie nur „beimischen“, wenn es um die Entscheidungsfindung geht. Im Chart sehen sie den RSI, der meines Erachtens zu den besten Tools aus dem Bereich der Markttechnik gehört. Da sind vor allem Divergenzen zum Kursverlauf interessant (zwei davon sind im Chart zu sehen), denn die kündigen mit durchaus respektabler Trefferquote nahende Trendwechsel an.

Fazit: Keep it simple … eine einfache Regel für einfaches, aber effektives Handeln

Das Gefühl, dass die Erfolgsquote dauernd hinter den eigenen Erwartungen zurückbleibt, treibt viele dazu, ihr Trading immer komplizierter zu gestalten. Doch das Gegenteil ist der weit bessere Weg.

Zum einen sollte man die eigenen Erwartungen am K.I.S.S.-Prinzip orientieren, indem man sich schlicht als Ziel setzt, am Ende eines Monats einen Gewinn zu erreichen, statt irgendwelche Trefferquoten anzustreben, die einige andere angeblich haben, das aber langfristig nie halten können.

Zum anderen würde ich dazu raten, die Zahl der „Tools“, an denen Sie sich bei Ihrem Trading orientieren, klein zu halten. An der Börse aktuell wie damals funktioniert der Spruch „viel hilft viel, mehr hilft besonders viel“ genauso wenig wie in Sachen Medikamente. Eine „Überdosis“ an Wegweisern bringt nichts, wenn Sie sich am Ende deswegen nur im Kreis drehen. „Keep it simple“ … ich meine, sich das zu überlegen, kann kein Fehler sein.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

* Charts vom 19.08.2021, marketmaker pp4