Die besten Solar Aktien | Online Broker LYNX

Wie Sie von der atemberaubenden Rallye der Photovoltaik-Aktien bzw. Solar Aktien profitieren können

Grüne Energie liegt an der Börse wieder voll im Trend: Vor allem für Solar-Aktien gibt es an der Börse seit September kein Halten mehr. Viele Photovoltaik-Werte vervielfachten sich innerhalb weniger Wochen. Wir sehen uns in diesem Artikel für Sie an, was es mit diesen steilen Anstiegen auf sich hat. Bahnt sich ein neuer Solar-Boom 2.0 an oder handelt es sich vielleicht nur um ein Strohfeuer einiger Top Solar Aktien rund um die US-Wahl?

Solarboom 1.0: Höhenflug und Absturz der deutschen Photovoltaik-Aktien

Viele von Ihnen werden sich vielleicht noch erinnern: Mitte der 2000er Jahre gab es einen regelrechten Solarhype, viele Aktien der Branche erlebten einen geradezu kometenhaften Anstieg. Solarunternehmen schossen wie Pilze aus dem Boden während besonders Hausdächer und Solarparks mit blauen Solarpanelen zugepflastert wurden. Vor allem dank staatlicher Förderungen und Subventionen boomte die Branche und deutsche Solarwerte wie Solarworld, Conergy oder Q-Cells vervielfachten sich im Wert. Doch auf die große Party folgte schnell der Absturz: Vor allem die zunehmende Billigkonkurrenz aus Fernost sorgte ab 2006 für einen rasanten Verfall der Modulpreise, was schließlich zum Niedergang der deutschen Solarindustrie führte. In Folge dieser Entwicklung verbuchten Anleger mit Solar Aktien nichts als Verluste. Die meisten der damals bekannten Namen verschwanden von der Bildfläche, d.h. die Firmen meldeten entweder Insolvenz an oder wurden zu Schnäppchenpreisen von asiatischen Konkurrenten aufgekauft. Selbst Solarworld – das einstige Vorzeigeunternehmen und Flaggschiff der deutschen Solarbranche – meldete 2018 zum zweiten Mal Insolvenz an und stellte die Produktion endgültig ein.

Harter Verdrängungswettbewerb: Deutsche SMA Solar überlebt den Preiskampf

Die Solarbranche war in den letzten 15 Jahren vor allem durch Kostenwettbewerb gekennzeichnet. Die im Vergleich zur Konkurrenz zu hohen Produktionskosten und der Abbau von Subventionen und Fördermodellen machten der zuvor aufblühenden deutschen Solarindustrie innerhalb weniger Jahre den Garaus. Denn Solarzellen-Produzenten, die ihre Kosten nicht mindestens im Gleichschritt mit den fallenden Modulpreisen senken konnten gerieten rasch in Schieflage. Das betraf natürlich nicht nur deutsche Unternehmen, weltweit war die Solarbranche einer harten Selektion unterworfen und eine Vielzahl von Solarunternehmen fiel dem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb zum Opfer. Mittlerweile kontrollieren die 5 größten Modulhersteller rund zwei Drittel des Marktes, im kommenden Jahr 2021 sollen die Top 5 bereits 95 % des Weltmarkts untereinander aufteilen. Hierzulande – mit der SMA Solar Aktie – ist der Wechselrichter-Hersteller SMA Solar mit einem aktuellen Börsenwert von 1,5 Mrd. Euro der einzige verbliebene mittelgroße Solar-Konzern. Daneben gibt es noch einige kleinere Hersteller wie Aleo Solar, Heckert oder Solarwatt, die aber zusammen gerade mal auf einen Weltmarktanteil von weniger als einem Prozent kommen und international keine Rolle spielen.

Sogar günstiger als Parkettböden: Sonnen-Energie mittlerweile wettbewerbsfähig

Die wenigen überlebenden Hersteller, die entweder auf der technologischen Seite oder der Kostenseite über einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verfügen, könnten nun von einer Konsolidierung der Modulpreise profitieren. Denn die jahrelang fallenden Preise hatten auch ihr Gutes: Nachdem Solarpanels mittlerweile sogar günstiger als Parkettböden sind, wurde Solarstrom in immer mehr Ländern zu einer wettbewerbsfähigen Energiequelle. Dem „Global Market Outlook“ von SolarPower Europe zufolge erreichte die global neu installierte Solarkapazität im Jahr 2019 rund 117 Gigawatt (GW). Das entspricht der Leistung von etwa 100 (!) mittelgroßen Kernkraftwerken oder dem Verbrauch von 39 Mio. durchschnittlichen Haushalten in Deutschland. Rund die Hälfte der weltweit neu installierten Stromerzeugung entfällt damit mittlerweile auf die Sonnenenergie.

Solarstrom gilt als konkurrenzfähigste nachhaltige Energieform

Solarstrom gilt inzwischen als wettbewerbsfähigste nachhaltige Energieform und in einigen Ländern mit besonders vielen Sonnenstunden sogar als günstigste verfügbare Stromquelle überhaupt. In den warmen Regionen Latein- und Nordamerikas, Europas und im Nahen Osten ist es bereits gelungen Solarstrom zu knapp über 0,01 USD/kWh zu produzieren – ein Preis an den kaum eine andere Energieform herankommt – höchstens Atomstrom, zumindest wenn man nur die reinen Betriebskosten betrachtet und Folgekosten für Zwischen- und Endlagerung von Atommüll außen vor lässt. Fossile Brennstoffe hingegen hat Solarstrom in Sachen Rentabilität mittlerweile überholt. Im globalen Schnitt liegen die Kosten für Solarstrom derzeit bei 0,039 USD/kWh – mit sinkender Tendenz. Dies ist trotzdem bereits 20 % günstiger ist als die kostengünstigsten Kohlekraftwerke, die zu Kosten von ca. 0,05 USD/kWh produzieren.

Auch in Deutschland rechnen sich neue Solarparks bereits subventionsfrei, was unter anderem zur Folge hat, dass Landwirte ihre Ackerböden zum 2-3fachen der üblichen Pacht an Solarparks verpachten können. Relativierend gilt es allerdings zu sagen, dass der Anbau von Biosprit aus Mais derzeit rund 30- bis 100mal mehr Fläche verbraucht und im Gegensatz zu Solaranlagen auch noch die Böden auslaugt. Dementsprechend ist der Flächenverbrauch durch Solarparks bislang noch kein großes Thema, zumal viele neue Parks entlang von Bahntrassen und Autobahnen entstehen. Die regenerative Energieform Sonnenstrom könnte nun also tatsächlich zum „großen Sprung“ ansetzen.

Der globale Photovoltaik-Markt wächst und wächst

Die weltweit installierte Gesamtkapazität für Strom aus Photovoltaik-Anlagen soll Ende 2020 rund 0,74 Terrawatt (TW) betragen und bis 2024 um +96 % oder satte 0,71 TW auf dann 1,45 TW steigen. Im laufenden Jahr 2020 fällt der voraussichtliche Zuwachs mit 112 GW Corona-bedingt allerdings um -4 % geringer aus als im Vorjahr, aber dafür wird im kommenden Jahr 2021 wird mit einem Zubau von 150 GW Leistung gerechnet. Laut Modulhersteller Canadian Solar steigt die Zahl der Absatzmärkte mit einer jährlichen Nachfrage von mehr als 1 GW von 6 im Jahr 2016 auf 20 im Jahr 2022. Rund ein Drittel der weltweit installierten Solarpanels (205 GW) befanden sich per Ende 2019 in China, gefolgt von den USA (76 GW), Japan (63 GW) und Deutschland (49 GW). Wir Deutschen haben mit knapp 600 Watt/Kopf zumindest pro Einwohner gerechnet die Spitzenposition in Sachen Solarstrom inne, allerdings dicht gefolgt von Australien. Trotz des starken Wachstums deckt Solarstrom laut der Internationalen Energie Agentur IEA erst rund 3 % des weltweiten Strombedarfs. Es gibt also noch enormes Wachstumspotenzial. Der Solarstrom-Anteil am weltweiten Energiemix soll den Prognosen zufolge bis 2030 auf 10 % (2.500 GW) und bis 2050 auf mehr als 20 % (> 8.000 GW) steigen.

Die Treiber des neuen Photovoltaik-Booms: Innovationen und sinkende Speicherpreise

Bei den Modulpreisen erwartet Volker Quatschning, Professor für erneuerbare Energien an der HTW Berlin mittlerweile nicht mehr viel Luft nach unten und hält beispielsweise eine nochmalige Halbierung für unrealistisch. Quatschning sieht bei Dachmodulen eine Grenze im Bereich von 20 Cent pro Watt. Nicht zuletzt auch weil die Montagekosten mittlerweile gut die Hälfte der Kosten ausmachen würden. Als Treiber für den zukünftigen Photovoltaik-Boom werden also die fallenden Modulpreise eine immer geringere Rolle spielen.

Dagegen werden Experten zufolge die sinkenden Preise für Stromspeicher zukünftig schon eher ins Gewicht fallen. Denn diese machen es immer attraktiver, den erzeugten Strom in Akkus abzuspeichern und erst später, bei Bedarf z.B. zum Laden von Elektroautos zu verwenden. Auch zur kommerziellen Gewinnung von Wasserstoff mittels Brennstoffzelle eignet sich Solarstrom hervorragend, denn auch so kann die je nach Tageszeit und Wetter stark schwankende Energieleistung effizienter ausgenutzt werden. Denn die Unstetigkeit der Stromerzeugung ist bislang der große Nachteil der Sonnen-Energie. Auch Methanol oder Ammoniak sind synthetische Brennstoffe, die sich mittels Solarenergie erzeugen lassen.

Daneben wird das Wachstum des Solarmarktes auch durch Innovationen bei der Herstellung vorangetrieben. So werden mittlerweile größere Siliziumwafer und neue Produktionsverfahren eingesetzt, so dass statt der üblichen Modul-Leistung von 300 Watt nun auch 600 Watt möglich sind.

Zukunftsmusik: Forscher erreichen Solarzellen-Wirkungsgrade von fast 50 %

Auch der Wirkungsgrad der Anlagen hat noch ordentlich Luft nach oben: Forschern der National Renewable Energy Laboratories (NREL) in den USA ist es zuletzt gelungen eine Solarzelle mit einem Wirkungsgrad von fast 50 Prozent herzustellen, was die bislang üblichen 20 Prozent in kommerziellen Anlagen bei weitem übertrifft. Dazu wurden die üblichen Sechsfachsolarzellen mit zusätzlichen Schichten aus unterschiedlichsten Halbleitermaterialien beschichtet. Auf diese Weise konnten die Forscher das Sonnenlicht konzentrieren und ein breiteres Lichtwellen-Spektrum zur Freisetzung von Elektronen nutzen. Trotz der insgesamt 140 Schichten ist die Solarzellenschicht dabei immer noch dreimal dünner als ein menschliches Haar.

Die neue Technologie ist aufgrund der aufwändigeren und damit noch sehr viel teureren Herstellung allerdings noch etliche Jahre davon entfernt auf den Markt zu kommen und somit erst einmal Zukunftsmusik. Der Einsatz der neuen Technologie wird sich anfangs auf punktuelle Einsätze beschränken z.B. bei Satelliten im Weltall, wo es auf besonders platzsparende Module ankommt. Dennoch offenbart sich das Potenzial, das in einer zukünftigen Steigerung des Wirkungsgrades liegt. Denn selbst wenn es im Massenmarkt „nur“ gelingt, den Wirkungsgrad der bestehenden Solarzellen wie erwartet von 20 % auf 25 % zu steigern, wäre dies für die Branche ein großer Fortschritt: Der Platzbedarf für neue Anlagen könnte um -20% gesenkt werden.

Solar-Werte: Niedrige Bewertungen durch anhaltenden Margendruck

Durch den harten Verdrängungswettbewerb waren die Umsätze und Gewinnmargen der meisten Solarfirmen jahrelang unter enormen Druck, was auch bei den größten Unternehmen immer wieder zu Verlusten oder nur sehr geringen Gewinnen führte. Die Tatsache, dass lange Zeit kein Ende der Abwärtsspirale in Sicht war, spiegelte sich auch im Börsenwert der Solarfirmen wider, deren Marktkapitalisierungen sich oft deutlich unter den Umsätzen bewegen. Die Solarbranche fristete an der Börse ein 15jähriges Schattendasein, und heute ist keines der Unternehmen mehr als 9 Mrd. USD wert. Das ist erstaunlich für einen Industriezweig, der weltweit mittlerweile knapp die Hälfte der neu installierten Energieerzeugung beisteuert.

Die Bewertungssituation könnte sich nun jedoch nachhaltig ändern: Dass sich die Preise für Solarmodule zuletzt getrieben durch eine stärkere Nachfrage nicht mehr ganz so schwach entwickelten, bedeutet für viele Unternehmen einen Gewinnhebel. Denn sobald die Kosten stärker fallen als die Preise, erhöht sich die Gewinnmarge der Hersteller. Ausgehend vom niedrigen Niveau, bedeutet dies für die großen Mengenhersteller rasch eine Gewinnverdopplung oder -verdreifachung. Beste Aussichten also für Unternehmen, die einerseits ihren Absatz steigern und dabei andererseits auch ihre Kosten im Griff haben.

Solar-ETF als Alternative zu Einzelaktien

Wer nicht auf Einzelaktien aus dem Solarsektor setzen möchte, der kann mit einem Solar-ETF auf eine positive Entwicklung der gesamten Branche setzen. Das iShares Global Clean Energy UCITS ETF (ISIN: IE00B1XNHC34 – Symbol: IQQH – Währung: USD) deckt zwar auch andere Themen wie Energie aus Wind, Wasser und Brennstoffzellen ab, die größten drei Positionen sind mit SunRun, SolarEdge und Xinyi Solar jedoch Solarwerte. Mit Enphase Energy, First Solar und Scatec Solar befinden sich drei weitere reine Solarwerte unter den Top 10 Investments. Seit Jahresbeginn 2020 konnten Anleger mit dem ETF bereits +80 % Gewinn erzielen.

Die besten Solar-Aktien 2020

Solar- und Photovoltaik-Aktien sind sicher weiterhin nichts für risikoscheue Anleger. Es spricht trotzdem einiges dafür, dass Solar-Werte nach einem 15jährigen Dornröschenschlaf wieder wach geküsst wurden. Die jüngsten Anstiege könnten der Startschuss für einen längeren Aufschwung der Branche sein. „Grüne Aktien“ wie Photovoltaik-Aktien dürften insbesondere dann zu den Gewinnern gehören, wenn der in den Prognosen vorn liegende demokratische Kandidat Joe Biden wie erwartet das Rennen um die US-Präsidentschaft macht. Bei einem überraschenden Trump-Sieg hingegen dürften die Aktien regenerativer Energiefirmen zumindest kurzfristig abgestraft werden und konsolidieren. In der folgenden Tabelle haben wir für Sie eine Aktien-Liste von zehn Top Solar-Aktien für 2020 zusammengestellt, unsere Solar-Aktien-Liste. Drei besonders aussichtsreiche, marktführende Solar-Werte stellen wir Ihnen anschließend näher vor.

Solar-Aktien-Liste:

Solar AktieISINSymbolWährung
Canadian SolarCA1366351098CSIQCAD
Daqo New EnergyUS23703Q2030DQUSD
Enphase EnergyUS29355A1079ENPHUSD
First SolarUS3364331070FSLRUSD
JinkosolarUS47759T1007JKSUSD
Nextera EnergyUS65339F1012NEEUSD
SMA SolarDE000A0DJ6J9S92EUR
SolaredgeUS83417M1045SEDGUSD
SunPowerUS8676524064SPWRUSD
SunrunUS86771W1053RUNUSD

Mit diesen Solar Aktien könnten Sie vom Solarboom 2.0 profitieren

First Solar: Wertvollster Solarmodulhersteller

First Solar (ISIN: US3364331070 – Symbol: FSLR – Währung: USD) weist von allen Solarunternehmen mit derzeit ca. 8,5 Mrd. USD den höchsten Börsenwert auf. Das US-Unternehmen mit Sitz in Arizona stellt Dünnschicht-Solarmodule her, die bei wechselnden Temperaturen gleichmäßiger Strom herstellen und somit einen höheren Wirkungsgrad haben als kristalline Silizium-Module. Vor allem für Stromkonzerne und Solarparks ist das oft das entscheidende Argument für die Dünnschicht-Technologie. Neben Solarmodulen bietet das Unternehmen umfassende Photovoltaik-Systemlösungen und Serviceleistungen an. First Solar realisiert beispielsweise Großprojekte, die nach Fertigstellung an Stromkonzerne verkauft werden. Zukünftig möchte man sich allerdings wieder verstärkt auf die Kernkompetenz der Solarzellenherstellung fokussieren.

Starkes Bilanzbild

First Solar verfügt trotz des harten jahrelangen Konkurrenzkampfs über eine starke Bilanz. So hat das Unternehmen zum Ende des zweiten Quartals 2020 rund 1,64 Mrd. USD an Barmitteln und 5,2 Mrd. USD Eigenkapital. In den letzten drei Jahren steigerte das Unternehmen seinen Umsatz im Schnitt um immerhin +4 % p.a. Für das Jahr 2020 rechnen Analysten mit einer annähernden Gewinnverdopplung von 1,48 USD je Aktie auf 2,86 USD je Aktie. Die Umsätze dürften im laufenden Jahr Corona-bedingt von 3,1 Mrd. USD im Vorjahr auf 2,7 Mrd. USD zurückgehen. Im Jahr 2021 sollen dann bei knapp 3 Mrd. USD Umsatz bereits 3,50 USD Gewinn je Anteilsschein erzielt werden.

Chart First Solar Aktie: Langjährige Widerstände überwunden?

Solar Aktien: Entwicklung der First Solar Aktie von Oktober 2018 bis Oktober 2020 | Online Broker LYNX

Seit dem Jahr 2014 startete die First Solar Aktie zahlreiche Anläufe, die Widerstandsmarken zwischen 75 USD und 80 USD zu überwinden. Doch nachdem vor wenigen Tagen ein neues Allzeithoch von 85,66 USD erzielt wurde, könnte der hartnäckige Widerstand nun geknackt sein. Damit erscheinen aus charttechnischer Sicht auch Kursanstiege auf 100 USD oder höher möglich. Wichtig ist allerdings, dass sich die Kurse oberhalb der ehemaligen Widerstände festsetzen und stabilisieren.

Langfristiges Basisinvestment im Solarbereich

Die First Solar Aktie verzeichnet zwar auch starke Schwankungen, aber ist dennoch weit weniger volatil als die beiden anderen vorgestellten Werte Jinko Solar und Canadian Solar. Dank der robusten Bilanz, voller Auftragsbücher und einer starken Technologie gehört die First Solar Aktie für uns zu den Favoriten der Branche. Die Börse honoriert vor allem die technologisch starke Marktstellung zu Recht mit einem Bewertungsaufschlag gegenüber anderen Anbietern. Ein langfristiger Zeithorizont gehört allerdings bei einem Investment in First Solar unbedingt dazu – so wie bei allen anderen Solarwerten auch. Nach der Überwindung des langjährigen Chartwiderstands bei 80 USD gibt es aus dieser Perspektive für die Solar Aktie vorerst keine weiteren Hürden mehr.

Jinko Solar: Umsatzstärkster Solarkonzern

JinkoSolar (ISIN: US47759T1007 – Symbol: JKS – Währung: USD) mit Sitz in Shanghai gilt mit einem Jahresumsatz von rund 5 Mrd. USD als weltweit umsatzstärkster Solarzellenhersteller. Neben kristallinen Silizium-Modulen werden auch Montagesysteme vermarktet. Die Tochterfirma JinkoPower betreibt eigene Solarparks. Im Jahr 2019 lieferte JinkoSolar Module mit einer Gesamtleistung von mehr als 14 GW aus. Das entspricht immerhin 12 % der globalen Neuinstallationen. Das Unternehmen schöpft einen großen Teil der Wertschöpfungskette selbst ab, sodass JinkoSolar bei hoher Nachfrage besonders stark profitiert. Auf der Kostenseite gilt das Unternehmen neben Canadian Solar, JA Solar und Trina Solar als einer der Taktgeber, die kleinere und mittlere Hersteller dazu zwingen nachzuziehen. Viele Anbieter, die das nicht geschafft haben, sind mittlerweile aus dem Markt ausgeschieden.

Seit 2018 steigende Bruttomargen

Jinkosolar konnte die Bruttomargen trotz des intensiven Wettbewerbs von 2018 bis 2020 von 12 % auf 19,5 % steigern. In den letzten drei Jahren stieg der Umsatz des chinesischen Konzerns im Schnitt um +8 %, die Gewinne legten dabei um +43 % p.a. zu. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Analysten mit einem Umsatzwachstum von +22 % auf 5,2 Mrd. USD und einem Gewinnwachstum von +19 % auf 3,85 USD je Aktie. Im kommenden Jahr soll der Umsatz dann nochmals um +20 % auf 6,3 Mrd. USD anziehen, bei einem Ergebnis von 4,23 USD je Aktie. Überraschungen sind nicht ausgeschlossen, denn selbst kleine Margenveränderungen wirken sich erheblich auf die Gewinne des Unternehmens aus.

Chart Jinko Solar Aktie: Sensationelle Kursexplosion

Solar Aktien: Entwicklung der Jinko Solar Aktie von Oktober 2018 bis Oktober 2020 | Online Broker LYNX

Die JinkoSolar Aktie zündete Anfang September den Turbo und verzeichnete seitdem eine regelrechte Kursexplosion. Von unter 20 USD schnellte die Aktie wie an der Schnur gezogen auf ein neues Allzeithoch von knapp 69 USD hoch. Im März war die chinesische Aktie bis auf 11 USD abgestürzt. Bei derartig scharfen Kursbewegungen sollten Anleger sehr vorsichtig agieren, denn stärkere Rücksetzer sind nach den steilen Anstiegen sehr wahrscheinlich.

Nur sehr spekulative Anleger steigen bei einem Rücksetzer ein

JinkoSolar profitiert als weltgrößter Solarmodulhersteller und Kostenführer an erster Stelle von einer gesteigerten Nachfragelage. Die Jinko Solar Aktie notierte kürzlich noch bei gerade mal einem Zehntel des Jahresumsatzes. Mittlerweile ist die Marktkapitalisierung bei aktuellen Kursen von 65 USD auf immerhin 3 Mrd. USD angestiegen und beträgt damit noch immer „nur“ etwas mehr als die Hälfte des Umsatzes. Bei einem erwarteten 2021er Ergebnis von 4,20 USD je Aktie wirkt die JinkoSolar-Aktie auch nach dem atemberaubenden Kursanstieg noch nicht überteuert. Dennoch ist die Solar Aktie aufgrund des schwankungsfreudigen Charakters nur für sehr spekulative Anleger geeignet. Investiert werden sollte nur ein sehr kleiner Depotanteil, zum Einstieg sollte man entweder einen deutlichen Rücksetzer in den Bereich 45 USD bis 50 USD oder eine mehrwöchige Konsolidierung auf höherem Kursniveau mit anschließendem erneuten Chartausbruch abwarten.

Canadian Solar: Auf bestem Weg zum Modulhersteller der Welt

Die kanadische Solarfirma Canadian Solar (ISIN: CA1366351098 – Symbol: CSIQ – Währung: CAD) kommt in Sachen Produktion und Auslieferungen fast schon an JinkoSolar heran. Aufgrund der geringeren Fertigungstiefe sind die Umsätze allerdings deutlich niedriger. Seit der Gründung im Jahr 2001 hat Canadian Solar eigenen Angaben zufolge bereits Solarmodule mit mehr als 46 GW Leistung ausgeliefert. Aktuell verfügt das Unternehmen über eine Modul-Fertigungskapazität von ca. 16 GW. Außer Modulen werden Wechselrichter und Stromspeicherlösungen, sowie Servicedienstleistungen angeboten.

Starke Marktstellung bei Solarparks und Großprojekten

Canadian Solar entwickelt, baut, betreibt und verkauft daneben auch ganze Solarparks. Derzeit werden eigene Parks mit einer aktuellen Gesamtleistung von 1 GW betrieben, in der Pipeline befinden sich weitere Großprojekte im Gesamtvolumen von 15 GW. Dieses Projektgeschäft, bei dem in der Regel fertige Anlagen und Parks an Energiekonzerne übergeben werden, soll stark ausgebaut werden. Während dieses Jahr mit der Fertigstellung von Großprojekten im Gesamtvolumen von 1,1 bis 1,3 GW geplant wird, sollen es 2024 bereits 3,6 bis 4,1 GW sein. Dabei sichert sich Canadian Solar in der Regel einen kleinen Minderheitsanteil, der von aktuell 30 MW Leistung auf knapp 1 GW im Jahr 2024 steigen soll.

Auf dem Sprung zur Nummer eins der Solarbranche?

Einen großen Sprung erwartet das Unternehmen für das kommende Jahr. Von erwarteten 11 bis 12 GW im Jahr 2020 sollen die Auslieferungen im Jahr 2021 auf 18 bis 20 GW anziehen. Damit könnte man – was die Leistung betrifft – wenn auch nur knapp an JinkoSolar vorbeiziehen und zur Nummer eins der Branche aufsteigen. Da man in China und Südostasien über einige der weltweit größten Fertigungsstätten für Solarzellen verfügt, könnte dieses Vorhaben durchaus gelingen. Das Unternehmen rechnet damit, dass der Weltmarktanteil von aktuell 10 % auf 14 % steigen wird. Durch die Standort- und Größenvorteile und Skaleneffekte erhofft man sich einen enormen Schub in Sachen Profitabilität. Und hier liegt Canadian Solar ohnehin schon gut im Rennen. Seit 2016 wurde die Bruttomarge von 15 % auf mittlerweile 24 % gesteigert, die Konkurrenz liegt hier im Schnitt noch unter 20 %.

Fokus auf kristalline Silizium-Module

Canadian Solar fokussiert sich auf die kostengünstigsten kristallinen Silizium-Module, Dabei haben die Kanadier die gesamte Produktion auf die moderne sogenannte PERC-Technologie umgestellt (PERC = Passivated Emitter and Rear Cell), wodurch im Vergleich zu den bislang üblichen Standardmodulen ein um 1 % erhöhter Wirkungsgrad erreicht wird. Dennoch haben die Module von Canadian Solar immer noch einen etwas geringeren Wirkungsgrad als beispielsweise die Dünnschichtmodule der Konkurrenten First Solar oder SunPower. Auch Canadian Solar zählt zu den Kostenführern der Branche, die den harten Wettbewerb durch Preissenkungen in den vergangenen Jahren immer wieder gegenseitig anheizten.

Starkes Umsatz- und Gewinnwachstum erwartet

In den letzten drei Jahren stagnierte das Umsatzwachstum von Canadian Solar. Zwar wurde auf der einen Seite mehr Photovoltaik-Leistung ausgeliefert, auf der anderen Seite führten die fallenden Modulpreise jedoch dazu, dass die Umsätze konstant blieben. Da die Kosten jedoch noch stärker gesenkt werden konnten stiegen die Gewinne gleichzeitig (ausgehend von niedriger Basis) um +121 % p.a., für das laufende Geschäftsjahr 2020 erwarten Analysten ein Ergebnis je Canadian Solar Aktie von 2,81 USD, im kommenden Jahr sollen dann 3,31 USD Gewinn erzielt werden. Die Umsätze sollen dabei von geschätzten 3,65 Mrd. USD in diesem auf 4,7 Mrd. USD im nächsten Jahr zulegen.

Chart Canadian Solar Aktie: Neuer Aufwärtstrend

Solar Aktien: Entwicklung der Canadian Solar Aktie von Oktober 2018 bis Oktober 2020 | Online Broker LYNX

Bereits seit den Sommermonaten bewegt sich die Canadian Solar Aktie aufwärts und überwand einen langjährigen Widerstand von 26 USD. Die Aktie gehört damit zu den Solarwerten, die am frühesten aus ihren Startlöchern gekommen sind. Eine Konsolidierung in den Bereich von 30 bis 35 USD wäre nach den Anstiegen nicht ungewöhnlich.

Spekulative Aktie mit guten Aussichten auf langfristige Kursgewinne

Genau wie JinkoSolar gehört auch die Canadian Solar Aktie zu den Photovoltaik-Aktien, die vor allem auf der Kosten- bzw. Preis-Ebene und weniger auf der Technologie-Ebene konkurrieren. Bestehen weltweit Überkapazitäten, so gibt es einen hohen Druck auf die Gewinnmargen, der auch entsprechend auf den Börsenbewertungen lastet. Deshalb liegt die Marktkapitalisierung von Canadian Solar mit aktuell ca. 2,3 Mrd. USD deutlich unter dem erwarteten Jahresumsatz. Kehrt sich die Situation jedoch um, weil die Nachfrage nach Solarmodulen anzieht, so wirkt sich das entsprechend positiv auf die Gewinnmargen aus, die in Relation zu Umsatz und Börsenbewertung dann eine Hebelwirkung entfalten können. Die Canadian Solar Aktie ist zweifellos schwankungsfreudig und spekulativ. Langfristig orientierte Anleger können mit dem Wert darauf setzen, dass sich die Modulpreise aufgrund der steigenden Nachfrage zukünftig deutlich stabiler entwickeln. Denn dann könnte der Anstieg der letzten Monate erst der Auftakt zu einer längerfristigen Aufwärtsbewegung sein.

Fazit: Investmentideen aus dem Solar-Sektor

In einer Branche, in der es keine allzu große Differenzierung gibt, ist es wichtig in marktführende Solarunternehmen zu investieren, die sich auch in einem rauen Wettbewerbsklima langfristig behaupten können. Die drei vorgestellten Unternehmen bieten genau das. Während First Solar in Sachen Technologie, Bilanzbild und Börsenwert Spitzenreiter ist, hat JinkoSolar dank der hohen Fertigungstiefe in Sachen Umsatz die Nase vorn. Canadian Solar hingegen hat die höchsten Modulfertigungskapazitäten und dürfte ab 2021 bei der ausgelieferten Gesamtleistung auf dem ersten Platz landen.

Bitte beachten Sie: Alle drei Solar Aktien sind in den letzten Monaten bereits sehr gut gelaufen und reif für eine Konsolidierung. Eine solche Korrektur könnte Ihnen als Anleger längerfristige Einstiegspunkte bieten, denn Solarenergie wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Das sollte sich dann auch in einer steigenden Marktkapitalisierung der Branche widerspiegeln, die im Vergleich zu anderen Industriezweigen noch immer sehr klein anmutet. Wer nicht auf die sehr schwankungsfreudigen Einzelwerte setzen möchte, kann sich – am besten auch bei einem Kursrücksetzer – ein Solar-ETF z.B. den vorgestellten iShares Global Clean Energy ETF ins Depot legen.

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Wendelin Probst, Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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