Optionen sind komplexe Finanzinstrumente und mit erheblichen Risiken verbunden. Anleger sollten sorgfältig prüfen, ob sie für ihre Anlageziele und ihre Risikobereitschaft geeignet sind. Zudem sollten Anleger ihre Kenntnisse über den Optionsmarkt und Handelsstrategien vertiefen, bevor sie mit dem Optionshandel beginnen.
- Eine Option ist das Recht, einen Basiswert wie eine Aktie zu einem festen Preis bis zu einem festen Termin zu kaufen oder zu verkaufen.
- Mit einer Call-Option setzen Sie auf steigende, mit einer Put-Option auf fallende Kurse.
- Für das Recht zahlen Sie eine Prämie. Als Käufer ist sie Ihr maximaler Verlust.
- Anleger nutzen Optionen zum Absichern, für Zusatzerträge und zum Spekulieren.
Inhalt
Was sind Optionen?
Eine Option ist ein Vertrag, der dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht gibt, einen Basiswert wie eine Aktie zu einem vorab festgelegten Preis bis zu einem bestimmten Termin zu kaufen oder zu verkaufen.
Stellen Sie sich vor, Sie reservieren ein Auto zu einem festen Preis und zahlen dafür eine kleine Reservierungsgebühr. Steigt der Preis für dieses Modell, freuen Sie sich über Ihren günstigen Preis. Fällt er, lassen Sie die Reservierung verfallen und verlieren nur die Gebühr. Genau so funktioniert eine Option:
| Begriff | Was er bedeutet | Im Alltag vergleichbar mit … |
|---|---|---|
| Option | Recht, etwas zu einem festen Preis zu kaufen oder zu verkaufen | einer Reservierung für ein Auto zu einem festen Preis |
| Basiswert | das Wertpapier, auf das sich die Option bezieht, z. B. eine Aktie | dem reservierten Auto |
| Ausübungspreis | der vereinbarte Kauf- oder Verkaufspreis | dem vereinbarten Kaufpreis |
| Verfallstermin | bis wann das Recht gilt | dem Ablauf der Reservierungsfrist |
| Optionsprämie | der Preis, den der Käufer für das Recht zahlt | der Reservierungsgebühr, die nicht erstattet wird |
Optionen gehören zu den Derivaten: Ihr Wert leitet sich vom Kurs eines anderen Wertpapiers ab. Jeder Optionsvertrag hat zwei Seiten: den Käufer, der das Recht erwirbt, und den Verkäufer (Stillhalter), der sich verpflichtet und dafür die Prämie erhält.
Wie funktionieren Optionen?
Der Käufer zahlt eine Prämie für das Recht, verfolgt die Kursentwicklung bis zum Verfallstag und übt die Option aus, verkauft sie oder lässt sie verfallen.

Wichtig für Einsteiger: Sie müssen eine Option nicht bis zum Verfallstag halten. Optionen werden an der Börse laufend gehandelt, Sie können sie also jederzeit wieder verkaufen, solange es einen Markt dafür gibt. Viele Anleger nutzen das, um Gewinne mitzunehmen oder Verluste zu begrenzen.
Call und Put: die zwei Arten von Optionen
Eine Call-Option ist das Recht zu kaufen und gewinnt bei steigenden Kursen an Wert; eine Put-Option ist das Recht zu verkaufen und gewinnt bei fallenden Kursen an Wert.
| Call-Option | Put-Option | |
|---|---|---|
| Sie kaufen das Recht … | … zu kaufen | … zu verkaufen |
| Sie rechnen mit … | steigenden Kursen | fallenden Kursen |
| Die Option gewinnt an Wert, wenn … | der Kurs steigt | der Kurs fällt |
| Typischer Einsatz | auf Kursanstieg setzen | Aktien absichern oder auf Kursrückgang setzen |
| Mehr dazu | Call-Option erklärt | Put-Option erklärt |
Ein einfaches Beispiel: Call-Option oder Aktie?
Mit einer Call-Option können Anleger mit deutlich weniger Kapital an einem Kursanstieg teilhaben als mit der Aktie selbst, riskieren aber den vollständigen Verlust der Prämie.
Eine Aktie notiert bei 50 Euro. Sie können 100 Aktien für 5.000 Euro kaufen. Oder Sie kaufen eine Call-Option mit Ausübungspreis 50 Euro, die sich auf 100 Aktien bezieht. Sie kostet 2 Euro je Aktie, also 200 Euro. So sieht das Ergebnis am Verfallstag aus:

| Aktienkurs am Verfallstag | 100 Aktien Einsatz 5.000 € | 1 Call-Option Einsatz 200 € |
|---|---|---|
| 40 € | −1.000 € −20 % | −200 € −100 % |
| 45 € | −500 € −10 % | −200 € −100 % |
| 50 € | 0 € 0 % | −200 € −100 % |
| 52 € | +200 € +4 % | 0 € 0 % |
| 55 € | +500 € +10 % | +300 € +150 % |
| 60 € | +1.000 € +20 % | +800 € +400 % |
Das Beispiel zeigt die Hebelwirkung: Steigt die Aktie um 10 Prozent auf 55 Euro, bringt die Option 150 Prozent Gewinn auf den Einsatz, die Aktie nur 10 Prozent. Die Hebelwirkung wirkt aber auch in die andere Richtung: Bleibt die Aktie bei 50 Euro oder fällt sie, verfällt die Option wertlos und die 200 Euro sind verloren, während die Aktie weiter im Depot liegt. Die Option lohnt sich erst oberhalb von 52 Euro, dem Ausübungspreis plus Prämie.
Hinweis: Vereinfachtes Beispiel am Verfallstag, ohne Transaktionskosten. Vor dem Verfall hängt der Optionspreis zusätzlich von Restlaufzeit und Volatilität ab.
Wozu nutzen Anleger Optionen?
Anleger nutzen Optionen vor allem, um Aktien gegen Kursverluste abzusichern, mit eigenen Aktien Zusatzerträge zu erzielen und mit geringerem Kapitaleinsatz auf Kursbewegungen zu setzen.
| Ziel | Typische Strategie | So funktioniert es |
|---|---|---|
| Aktien absichern | Protective Put | Put-Option kaufen: begrenzt den Verlust, wenn die Aktie fällt |
| Zusatzertrag erzielen | Covered Call | Call-Option auf eigene Aktien verkaufen und Prämie einnehmen |
| Auf Kursrichtung setzen | Call kaufen, Put kaufen oder Spreads | mit geringerem Kapitaleinsatz an Kursbewegungen teilhaben |
| Auf starke Bewegung setzen | Straddle | Call und Put kaufen: gewinnt bei starker Bewegung in beide Richtungen |
Weitere Kombinationen und ausführliche Beispiele finden Sie im Überblick Optionsstrategien.
Käufer oder Verkäufer: Wer trägt welches Risiko?
Der Käufer einer Option riskiert höchstens die gezahlte Prämie; der Verkäufer erhält die Prämie, kann aber Verluste erleiden, die diese deutlich übersteigen.
| Käufer Optionsinhaber, Long | Verkäufer Stillhalter, Short | |
|---|---|---|
| Prämie | zahlt die Prämie | erhält die Prämie |
| Rolle | hat ein Recht | hat eine Pflicht |
| Maximaler Gewinn | je nach Option hoch bis unbegrenzt | begrenzt auf die Prämie |
| Maximaler Verlust | begrenzt auf die gezahlte Prämie | kann die Prämie deutlich übersteigen bei ungedeckten Calls theoretisch unbegrenzt |
| Zeit arbeitet … | gegen ihn (Zeitwertverlust) | für ihn |
Für Einsteiger ist deshalb der Kauf von Optionen meist der erste Schritt, weil das Risiko von vornherein feststeht. Das Verkaufen (Schreiben) von Optionen erfordert Sicherheiten und ein gutes Verständnis der Risiken.
Wie das in der Praxis funktioniert, erklären wir beim Short Call und beim Short Put.
Wo werden Optionen gehandelt?
Optionen werden an Terminbörsen wie der Eurex, Euronext oder der Cboe gehandelt; Privatanleger benötigen dafür einen Broker mit Zugang zum Optionshandel.
Optionen gibt es auf viele Basiswerte, zum Beispiel auf Aktien, ETFs, Indizes wie den DAX, Währungen oder Rohstoffe. Die Kontrakte sind standardisiert: Laufzeiten, Ausübungspreise und die Zahl der Aktien je Kontrakt legt die Börse fest. Über LYNX handeln Sie Optionen an zahlreichen internationalen Terminbörsen über eine professionelle Handelsplattform.
Welche Risiken haben Optionen?
Die wichtigsten Risiken von Optionen sind die Hebelwirkung, der Zeitwertverlust gekaufter Optionen, hohe bis unbegrenzte Verlustrisiken beim Schreiben und die Komplexität der Preisbildung.
- Hebelwirkung: Schon kleine Kursbewegungen können den Optionswert stark verändern, nach oben wie nach unten.
- Zeitwertverlust: Gekaufte Optionen verlieren mit der Zeit an Wert, wenn sich der Kurs nicht wie erwartet bewegt. Die gesamte Prämie kann verloren gehen.
- Risiken beim Schreiben: Verkäufer von Optionen können Verluste erleiden, die die Prämie weit übersteigen, bei ungedeckten Calls theoretisch unbegrenzt.
- Margin: Beim Schreiben von Optionen müssen Sicherheiten hinterlegt werden. Reichen sie nicht, können Positionen auch ohne Vorwarnung geschlossen werden.
- Komplexität: Der Optionspreis hängt nicht nur vom Kurs ab, sondern auch von Restlaufzeit, Volatilität und Zinsen.
Optionen und Aktien im Vergleich
| Merkmal | Aktie | Option |
|---|---|---|
| Was Sie kaufen | Anteil an einem Unternehmen | Recht auf Kauf oder Verkauf eines Basiswerts |
| Laufzeit | unbegrenzt | begrenzt bis zum Verfallstag |
| Kapitaleinsatz | voller Aktienkurs | nur die Prämie (beim Kauf) |
| Hebelwirkung | keine | ja, in beide Richtungen |
| Wert hängt ab von … | Kurs der Aktie | Kurs, Restlaufzeit, Volatilität, Zinsen |
| Totalverlust | nur bei Kurs 0 | beim Kauf möglich, wenn die Option wertlos verfällt |
So geht es weiter: Optionen Schritt für Schritt lernen
Sie kennen jetzt das Prinzip. Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, empfehlen wir diese Reihenfolge:
- Optionen: Grundlagen und wichtige Begriffe: Kontraktgröße, Ausübungsstil, Moneyness, innerer Wert und Zeitwert.
- Optionsgriechen: wie Delta, Gamma, Vega und Theta den Optionspreis beeinflussen.
- Volatilität: warum die erwartete Schwankung den Preis bestimmt.
- Optionsstrategien: vom Covered Call bis zum Straddle.
Häufige Fragen zu Optionen
Sind Optionen gefährlich?
Optionen sind komplexe Produkte mit Hebelwirkung. Als Käufer ist Ihr Verlust auf die gezahlte Prämie begrenzt, sie kann aber vollständig verloren gehen. Als Verkäufer können die Verluste die Prämie deutlich übersteigen. Richtig eingesetzt, etwa zur Absicherung, können Optionen das Risiko eines Depots aber auch verringern.
Wie viel Geld braucht man für Optionen?
Beim Kauf einer Option zahlen Sie nur die Prämie. Da sich ein Aktienoptionskontrakt meist auf 100 Aktien bezieht, entspricht eine Prämie von 2 Euro einem Betrag von 200 Euro. Für das Schreiben von Optionen sind zusätzlich Sicherheiten (Margin) nötig.
Was ist der Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen?
Optionen sind standardisierte Verträge, die an Terminbörsen zwischen Marktteilnehmern gehandelt werden; Anleger können sie kaufen und auch selbst verkaufen. Optionsscheine sind Wertpapiere, die von Banken herausgegeben werden. Anleger können sie nur kaufen und tragen zusätzlich das Risiko, dass der Herausgeber ausfällt.
Für wen eignen sich Optionen?
Optionen eignen sich für Anleger, die die Funktionsweise und Risiken verstehen und bereit sind, sich mit Begriffen wie Prämie, Ausübungspreis und Verfall zu beschäftigen. Für Einsteiger bieten sich einfache Strategien wie der Kauf einer Option oder der Covered Call an.
Wie fange ich mit dem Optionshandel an?
Machen Sie sich zuerst mit den Grundlagen und Risiken vertraut, zum Beispiel mit den weiterführenden Artikeln oben. Sie benötigen dann ein Depot bei einem Broker mit Zugang zum Optionshandel. Viele Anleger starten mit kleinen Positionen oder testen Strategien zunächst in einem Demokonto.


