TecDAX aktuell TecDAX: Er ist dran … jetzt zeigt sich, was die Bullen drauf haben

News: Aktuelle Analyse des TecDAX Index

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TecDAX
ISIN: DE0007203275
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Zum TecDAX

Während zuerst der MDAX (Anfang Dezember) und dann bald darauf auch der DAX (Ende Dezember) neue Rekordhochs markierten, hinkte ausgerechnet der sonst so dynamische TecDAX deutlich hinterher. Nimmt man die Zeit aus, in der der TecDAX noch Nemax hieß und der „Neue Markt“ Menschen zuerst reich und dann arm machte, war das Tageshoch vom 20. Februar 2020 bei 3.302,94 Punkten der bisherige Verlaufsrekord. Bereits Anfang Juni war der Index diesem Punkt sehr nahegekommen. Aber dann war auf einmal jeglicher Schwung dahin.

Zuerst war es die unentschlossene Phase des Abwartens, die auch die anderen Indizes über den Sommer in eine Seitwärtsrange zwang. Dann folgten „Einzelschicksale“ in Form von Kurseinbrüchen einzelner, im TecDAX notierter Aktien wie 1&1 Drillisch und United Internet, dann von SAP und zuletzt der Abverkauf der im TecDAX stark vertretenen „Corona-Gewinner“ Anfang November. Aber der Sog der immer weiter steigenden Nasdaq als Vorlagengeber in den USA und der Umstand, dass die im November abgestoßenen Aktien langsam hinreichend „auskorrigiert“ waren, machte die Akteure wieder mutiger. In den letzten Tagen, vor allem aber am gestrigen Dienstag, wurde bei Aktien, die langsam wieder günstig erscheinen oder positive Nachrichten zu vermelden hatten, kräftig zugegriffen. Das Ziel: ein Befreiungsschlag.

TecDax: Tages-Chart vom 19.01.2021, Kurs 3.311,64 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Der auch gelang … zumindest fast. Richtig ist, dass der TecDAX mit 3.311,64 Punkten über dem Verlaufshoch vom Februar 2020 schloss. Nicht richtig ist, dass man das bereits als signifikanten Ausbruch ansehen könnte. 8,7 Punkte oder ein Viertelprozent über diesem markanten Widerstand, das ist noch zu mager, um eindeutig zu sein. Man kann diese Hürde als erreicht ansehen, keine Frage, aber da trifft ein alter Spruch aus dem Automobilrennsport den Punkt: Rankommen ist eine Sache, vorbeikommen eine ganz andere. Das heißt:

Den aktuellen Kurs und Chart des TecDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Die Bullen müssen jetzt zeigen, dass sie das Ruder in der Hand haben und dafür sorgen, dass diese alte Bestmarke von 3.302,94 Zählern um mindestens ein Prozent überboten wird. Gelingt ihnen das, wäre nach oben wohl einiges möglich, immerhin könnte man angesichts der vorangelaufenen Indizes DAX und MDAX Aufholpotenzial unterstellen. Zudem sehen viele der gestrigen Gewinner im TecDAX charttechnisch spannend aus, so z.B. Eckert & Ziegler, Carl Zeiss oder VARTA, so dass es denkbar wäre, dass die gestrigen Käufe auf Anschlusskäufe treffen. Die Voraussetzung dafür?

Das dürften vor allem zwei Aspekte sein, welche die Marktteilnehmer indes beide nicht beeinflussen können: Zum einen die heutige Amtseinführung von Joe Biden. Da muss es friedlich bleiben. Es muss glaubhaft werden, dass die befürchteten Unruhen ausbleiben, auch über diesen Tag hinaus, so dass die Versuche, die US-Wirtschaft wieder zum weltweiten Wachstumsmotor zu machen und zugleich die Pandemie effektiv einzudämmen, nicht in einer Atmosphäre der Angst untergehen. Und in Europa muss es gelingen, die bislang nicht erfolgreiche „Corona-Strategie“ so zu gestalten, dass Erfolge statt eines Schreckens ohne Ende für Verbraucher und Unternehmen die Schlagzeilen prägen.

Wenn hüben, wie drüben eine Atmosphäre des „Ärmelhochkrempelns“ entsteht, wäre das zwar eigentlich nur das, was die Optimisten längst in die Kurse eingepreist haben. Aber nachdem man derart lange darauf wartete, dass aus der Hoffnung Realität wird, würde es mich nicht wundern, wenn die Wiederbelebung des Optimismus das bisherige „Stellung halten“ in neue Kauflust verwandeln würde, zumal der TecDAX jetzt ja auf dem Sprung wäre, auch charttechnisch durch neue Hochs Zeichen zu setzen. Solange der Index nicht mit Schlusskursen unter 3.184 Punkten wieder aus dieser fast bezwungenen, breiten Widerstandszone der Hochs des Jahres 2020 nach unten herausrutscht, haben die Bullen es selbst in der Hand, diesen Aufwärtstrend zu verlängern und das nächste Kursziel in Form der oberen Begrenzung des großen, nach rechts offenen Dreiecks bei 3.460 Punkten anzusteuern. Siehe der Chart auf Monatsbasis:

TecDax: Monats-Chart vom 19.01.2021, Kurs 3.311,64 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des TecDAX Index

Anfang Juni war der TecDAX der erste der größeren deutschen Indizes, der wieder Tuchfühlung zum „Prä Corona“-Hoch aufnahm. Aber dann war auf einmal die Luft raus. DAX und MDAX erreichten neue Rekordhochs, während der TecDAX ein ums andere Mal unter dem 2020er-Jahreshoch bei 3.303 Punkten abdrehte. Jetzt endlich geht er es an. Die Frage ist, ob die Bullen den Sprung wagen und wenn ja, ob sie womöglich in eine Bullenfalle laufen.

Der TecDAX wurde in den vergangenen Monaten durchaus nicht vergessen. Nur hatte man dort immer wieder das Pech, dass einige dort gelistete Aktien mit relativ hoher Gewichtung wegbrachen und den ganzen Index mit ausbremsten. Zuerst Drillisch und United Internet, dann SAP, Anfang November dann die vorherigen Corona-Gewinner, die viele wegen Meldungen über nahende Impfstoffe auf einmal unlimitiert über Bord warfen. Kurz: Irgendwas war halt immer. Und so lief der „große Bruder“ Nasdaq 100 wie auf Schienen immer höher, während das hiesige Hightech-Barometer unter einer durch die zahlreichen Abwärts-Wenden seit Juni entstandenen, massiven Widerstandszone festhing.

TecDax: Tages-Chart vom 08.01.2021, Kurs 3.293,58 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Aber jetzt ist diese Zone fast durchdrungen: Diese Zone reicht von 3.135 Punkten bis zum 2020er-Verlaufshoch bei 3.303 Zählern. Am Freitag hatte der Index im Hoch 3.306 Punkte erreicht und schloss mit 3.293,58 Zählern in unmittelbarer Schlagdistanz eines Ausbruchs. Ein typischer Plan der Bullen wäre jetzt:

Die Notierungen über den Future vorbörslich hochtreiben und damit sicherstellen, dass der TecDAX bereits klar über 3.303 Punkten eröffnet, um die Marktteilnehmer vor vollendete Tatsachen zu stellen. Dann ggf. noch etwas anschieben, bis Short-Eindeckungen überrannter Bären die Notierungen von alleine weiter treiben. Gelingt das nicht gleich zum Wochenstart, muss sichergestellt werden, dass der TecDAX in unmittelbarer Reichweite der 3.303 bleibt, während die dort womöglich vermehrt aufkommenden Verkaufsorders abgearbeitet werden, um den Ausbruch dann ein paar Tage später zu vollziehen.

Das kann klappen. Es sieht so aus, als würde die US-Politik die nötigen Maßnahmen ergreifen um zu verhindern, dass der scheidende Präsident seine Politik der verbrannten Erde weiterführen kann. Und es ist fraglich, ob die Republikaner sich nach dieser Katastrophe des Kapitol-Sturms gegen Sofortmaßnahmen der neuen Regierung in Sachen Wirtschaft und Pandemie stemmen werden. Das heißt, dass die Chance, dass die Wall Street als Zugpferd erhalten bleibt, einigermaßen gut ist. Wenngleich dort ebenso Risiken bestehen wie für unseren Gesamtmarkt. Und ohne DAX und MDAX als Geleitschutz kommt der TecDAX nicht weit. Welche Risiken?

Jeder weiß, dass die Rekordjagd der großen Indizes ein gewaltiger Vorgriff auf ein Best Case-Szenario ist, das zum einen seine Zeit braucht, bis es sich etabliert hätte und das zum anderen keineswegs wirklich ein „Best“-Case-Szenario werden muss. Der TecDAX braucht also den Treibstoff, von dem auch der Gesamtmarkt abhängt. Es muss gelingen, die Zuversicht aufrechtzuerhalten um größere Abgabewellen zu verhindern und der Strom frischen Geldes, das an den Markt strömt, darf nicht abreißen. Kurzfristig kann der Schwung der Hausse das womöglich sicherstellen, solange nicht wirklich dramatische, negative Nachrichten auftauchen. Mittelfristig ist der Bogen zwischen den Kursen und der Zeit, die es dauern wird, die jetzt erreichten Levels mit Fakten zu unterfüttern, aber gefährlich stark gespannt.

Sicher kann man daher nicht sein, dass der Plan der Bullen aufgeht und ein Ausbruch des TecDAX nach oben, der dann in den Bereich der oberen Begrenzung der im Monatschart zu sehenden Trompeten-Formation bei 3.460 führen könnte, nicht doch zur Bullenfalle würde.

Fazit: Das bullische Lager hat jetzt gute Karten, aber so grandios, dass es auf jeden Fall für einen Durchmarsch reichen müsste, sind sie auch wieder nicht. Die Chance wäre dann vertan, wenn der Index wieder aus dieser jetzt fast bezwungenen Widerstandszone herausrutschen würde. Was hieße, dass er mit Schlusskursen unter 3.135 auch noch die 20-Tage-Linie unterbieten würde, welche diese Zone aktuell an ihrem unteren Ende verstärkt. Würde es dazu kommen, hätten Short-Trades wieder eine interessante Perspektive. Oberhalb von 3.135 Punkten jedoch wäre man als „Bär“ dem erheblichen Risiko ausgesetzt, überrannt zu werden.

Er war dem DAX eigentlich immer deutlich voraus. Bis zum „Corona-Crash“ lief der TecDAX besser als der DAX. Die Rallye ab Ende März fiel weit kräftiger aus, Anfang Juni lag der DAX in der Jahresbilanz bei ca. minus vier Prozent, der TecDAX rangierte um die fünf Prozent im Plus. Der DAX hat es seither gegenüber dem Jahresbeginn ins Plus geschafft. Aber der TecDAX steht dort, wo er Anfang Juni bereits notierte. Was auch bedeutet: Während der DAX neue Rekorde markiert, notiert der TecDAX noch unterhalb des Jahreshochs vom Februar.

Und das ist kein Phänomen, das darauf zurückzuführen wäre, dass Tech-Aktien in diesem Jahr nicht gelaufen wären. Der „große Bruder“ des TecDAX, der technologielastige US-Index Nasdaq 100, liegt im Jahressaldo 2020 um die 44 Prozent vorne, der TecDAX nur fünf. Was vor allem daran liegt, dass der TecDAX sein Zwischenhoch von Anfang Juni immer noch nicht überboten hat, der Nasdaq 100 seither aber um die 30 Prozent zulegte. Was ist da los?

TecDAX: Tages-Chart vom 29.12.2020, Kurs 3.217,97 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Dem TecDAX wurde zum Verhängnis, was ihn in der ersten Rallye zwischen Ende März und Anfang Juni besonders stark gemacht hatte. In ihm sind einerseits eine Reihe von „Corona-Gewinnern“ gelistet, die mit den ersten Meldungen über startbereite Impfstoffe aus der Mode kamen und wie sauer Bier verkauft wurden. Dann wäre da noch der Software-Sektor. Auch der ist im TecDAX stark vertreten und wurde mit dem Crash der SAP-Aktie im Oktober mit in die Tiefe gerissen. Nicht zu vergessen 1&1 Drillisch und United Internet, die wegen ihrer Probleme mit Telefónica im September eingebrochen waren. Kurz: Der TecDAX hatte das Pech, dass Aktien, die es auf egal welche Weise „erwischte“, ausgerechnet dort notiert waren. Bei nur 30 Aktien, die hier gelistet sind und der hohen Volatilität, die vor allem die „Leichtgewichte“ des Index durch ihre relative Marktenge auszeichnet, hatte das bullische Lager einen schweren Stand. Aber das könnte sich im neuen Jahr ändern.

Zum einen, weil große Adressen ihre Ausrichtung üblicherweise zu Beginn eines neuen Quartals überprüfen und ggf. adjustieren. Und so manche Aktie in diesem Index ist schon deutlich zurückgekommen, könnte also für die großen Investoren wieder attraktiv sein. Da greift man aber nicht unmittelbar vor einem Quartalsende zu, wenn wie in diesem Fall nicht wahrscheinlich ist, dass die Fonds noch auf den letzten Drücker „Window Dressing“ betreiben. Bei einem Plus, das für das vierte Quartal per gestern Abend um 3,4 Prozent lag, lohnt es nicht, die Barreserven anzugreifen, um da vielleicht noch ein Prozent heraus zu kitzeln. Aber in der kommenden Woche werden die Karten eben neu gemischt. Zum anderen wäre ein markant bullisches Signal gar nicht so fern. Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der TecDAX in diese Widerstandszone zwischen 3.184 und 3.303 Punkten hineingelaufen ist, die sich aus den zahlreichen oberen Wendepunkten seit Anfang Juni und dem Jahreshoch vom Februar zusammensetzt. Solange der Index nicht aus dieser Zone wieder nach unten herausfallen und mit Schlusskursen unter 3.140 Punkten die als Leitstrahl der momentanen Aufwärtsbewegung dienende 20-Tage-Linie durchbrechen sollte, hätten die Bullen alle Chancen, dass der TecDAX seinen Nachholbedarf geltend macht. Dann wäre die Chance da, dass er sich in Richtung der im Januar bei 3.460 Punkten verlaufenden, oberen Begrenzung der großen „Trompeten-Formation“ nach oben absetzt, die im Chart auf Monatsbasis zu sehen ist.

TecDAX: Monats-Chart vom 29.12.2020, Kurs 3.217,97 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Der TecDAX drehte Anfang November am oberen Rand der wichtigen Unterstützungszone 2.739/2.793 Punkte nach oben und verhinderte dadurch ein massives Short-Signal. Und es gelang auch, den November zu einem Start/Ziel-Sieg der Bullen zu gestalten. Aber wirklich etwas daraus machen konnten die Bullen bislang nicht. Denn an den oberen Wendemarken des zweiten Halbjahres kam der Index nicht vorbei, schlimmer noch, er ging sie nicht einmal ernsthaft an. Der Grund lag in der Natur der „good news“, die die erste Aufwärtsbewegung Anfang November bei anderen Indizes deutlich verlängerten.

Denn der TecDAX ist Heimat vieler Aktien, die man als „Corona-Gewinner“ angesehen hatte. Und die fielen erst einmal kräftig, als am 9. November die erste Meldung über einen kurz vor dem Zulassungsantrag stehenden Impfstoff über die Nachrichtenticker kam. Wenngleich der Abverkauf von Aktien wie TeamViewer, Drägerwerk, Sartorius oder Qiagen gestoppt wurde: Ins Laufen kommen diese Titel bislang nicht wieder. Und anders als im DAX oder im MDAX fehlt es beim TecDAX an Aktien, die durch diese Nachrichten auf einmal massiv gesucht waren: Aktien klassischer Branchen, die bislang mit dem Argument der Corona-Krise kaum jemand haben wollte.

Damit hängt der TecDAX wieder dort fest, wo er über Monate zuvor auch festhing: In einer etwa zehn Prozent breiten Seitwärtsspanne. Aber das kann ja nicht auf Dauer so weitergehen. Wann kommt endlich der Ausbruch? Und, nicht so ganz unwichtig: In welche Richtung würde der führen?

Kurzfristig stehen die Chancen eher für diejenigen günstig, die auf die Fortsetzung der Seitwärtsbewegung setzen. Immer vorausgesetzt, es kommt nicht zu Veränderungen der Rahmenbedingungen, die so unverhofft und so weitreichend wären, dass die Akteure schlagartig entweder alle auf einmal einsteigen oder aussteigen wollen. Bleibt die Nachrichtenlage indes relativ ruhig, dürften die großen Akteure an der Terminbörse tun, was sie in den vergangenen Monaten regelmäßig und erfolgreich taten: dafür sorgen, dass der TecDAX in seiner Handelsspanne bleibt und mit ihren Terminmarkt-Positionen genau daraufsetzen.

Aber was passiert nach dem 18. Dezember, wenn der große Abrechnungstermin am Terminmarkt vorbei ist, auf den hin solche Aktionen ausgerichtet wären? Der TecDAX könnte durchaus nach oben ausbrechen, falls die großen Indizes, d.h. DAX, Euro Stoxx 50 und, als Taktgeber, der Nasdaq 100 in den USA, weiter nach oben laufen. Das könnte allein durch das dann Richtung Jahresende zu erwartende Window Dressing der großen institutionellen Investoren gelingen. Denn nachdem das Jahr 2020 wieder den Befürchtungen vieler nicht zu einem Performance-Waterloo wurde, wäre die gezielte, die Indizes gemeinhin höher treibende Optimierung der Performance (genannt Window Dressing) bei Fonds, Hedgefonds etc. nicht überraschend, um die Sparer bei der Stange und investitionsfreudig zu halten.

Der TecDAX drehte Anfang November am oberen Rand der wichtigen Unterstützungszone 2.739/2.793 Punkte nach oben und verhinderte dadurch ein massives Short-Signal. Und es gelang auch, den November zu einem Start/Ziel-Sieg der Bullen zu gestalten. Aber wirklich etwas daraus machen konnten die Bullen bislang nicht. Denn an den oberen Wendemarken des zweiten Halbjahres kam der Index nicht vorbei, schlimmer noch, er ging sie nicht einmal ernsthaft an. Der Grund lag in der Natur der „good news“, die die erste Aufwärtsbewegung Anfang November bei anderen Indizes deutlich verlängerten.

Tageschart vom 07.12.2020, Kurs 3.123,55 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Denn der TecDAX ist Heimat vieler Aktien, die man als „Corona-Gewinner“ angesehen hatte. Und die fielen erst einmal kräftig, als am 9. November die erste Meldung über einen kurz vor dem Zulassungsantrag stehenden Impfstoff über die Nachrichtenticker kam. Wenngleich der Abverkauf von Aktien wie TeamViewer, Drägerwerk, Sartorius oder Qiagen gestoppt wurde: Ins Laufen kommen diese Titel bislang nicht wieder. Und anders als im DAX oder im MDAX fehlt es beim TecDAX an Aktien, die durch diese Nachrichten auf einmal massiv gesucht waren: Aktien klassischer Branchen, die bislang mit dem Argument der Corona-Krise kaum jemand haben wollte.

Damit hängt der TecDAX wieder dort fest, wo er über Monate zuvor auch festhing: In einer etwa zehn Prozent breiten Seitwärtsspanne. Aber das kann ja nicht auf Dauer so weitergehen. Wann kommt endlich der Ausbruch? Und, nicht so ganz unwichtig: In welche Richtung würde der führen?

Kurzfristig stehen die Chancen eher für diejenigen günstig, die auf die Fortsetzung der Seitwärtsbewegung setzen. Immer vorausgesetzt, es kommt nicht zu Veränderungen der Rahmenbedingungen, die so unverhofft und so weitreichend wären, dass die Akteure schlagartig entweder alle auf einmal einsteigen oder aussteigen wollen. Bleibt die Nachrichtenlage indes relativ ruhig, dürften die großen Akteure an der Terminbörse tun, was sie in den vergangenen Monaten regelmäßig und erfolgreich taten: dafür sorgen, dass der TecDAX in seiner Handelsspanne bleibt und mit ihren Terminmarkt-Positionen genau daraufsetzen.

Aber was passiert nach dem 18. Dezember, wenn der große Abrechnungstermin am Terminmarkt vorbei ist, auf den hin solche Aktionen ausgerichtet wären? Der TecDAX könnte durchaus nach oben ausbrechen, falls die großen Indizes, d.h. DAX, Euro Stoxx 50 und, als Taktgeber, der Nasdaq 100 in den USA, weiter nach oben laufen. Das könnte allein durch das dann Richtung Jahresende zu erwartende Window Dressing der großen institutionellen Investoren gelingen. Denn nachdem das Jahr 2020 wieder den Befürchtungen vieler nicht zu einem Performance-Waterloo wurde, wäre die gezielte, die Indizes gemeinhin höher treibende Optimierung der Performance (genannt Window Dressing) bei Fonds, Hedgefonds etc. nicht überraschend, um die Sparer bei der Stange und investitionsfreudig zu halten.

Ideal wäre dafür natürlich, wenn die Notenbanken die Kurse mit weiteren Maßnahmen anschieben würden (die EZB entscheidet übermorgen, die US-Notenbank kommende Woche) und das US-Konjunkturpaket noch vor Jahresende verabschiedet würde. Käme es zu weder noch, wäre es allemal denkbar, dass man sich für einen Ausbruch des TecDAX bis zum Januar gedulden müsste. Aber deswegen wegzusehen, könnte sich rächen. Die Handelsspanne ist schmal genug, um jederzeit einen rasanten Ausbruch zu ermöglichen, zumal der Index sich momentan ziemlich genau in deren Mitte bewegt. Und wie heißt es doch an der Börse zu Recht? Unverhofft kommt oft … für Überraschungen sind die Nachrichtenlage und mit ihr der Aktienmarkt immer gut!

Ideal wäre dafür natürlich, wenn die Notenbanken die Kurse mit weiteren Maßnahmen anschieben würden (die EZB entscheidet übermorgen, die US-Notenbank kommende Woche) und das US-Konjunkturpaket noch vor Jahresende verabschiedet würde. Käme es zu weder noch, wäre es allemal denkbar, dass man sich für einen Ausbruch des TecDAX bis zum Januar gedulden müsste. Aber deswegen wegzusehen, könnte sich rächen. Die Handelsspanne ist schmal genug, um jederzeit einen rasanten Ausbruch zu ermöglichen, zumal der Index sich momentan ziemlich genau in deren Mitte bewegt. Und wie heißt es doch an der Börse zu Recht? Unverhofft kommt oft … für Überraschungen sind die Nachrichtenlage und mit ihr der Aktienmarkt immer gut!

Monatschart vom 07.12.2020, Kurs 3.123,55 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Der TecDAX ringt um seine 200-Tage-Linie. Nicht zum ersten Mal in diesem Jahr, beileibe nicht. Der Kampf um diesen so wichtigen gleitenden Durchschnitt, der eigentlich für mittel- und langfristige Anleger die Scheidemarke zwischen bullisch und bärisch ist, ist schon fast ein Dauerzustand geworden. Was dazu geführt hat, dass diese 200-Tage-Linie seitwärts gedreht hat und dadurch als Entscheidungsmarke deutlich weniger relevant ist, als würde sie mit der übergeordneten Trendrichtung mitlaufen. Wobei Pedanten zu Recht sagen würde: Genau das tut sie doch. Denn die übergeordnete Trendrichtung ist nun einmal seitwärts. Und das schon seit Juni. Was fängt man als Trader mit einem solchen Index an?

Wochenchart vom 12.11.2020, Kurs 3.027,61 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Zuletzt kam man ganz gut damit zurecht, den Seitwärtstrend in seiner engeren Variante zwischen Juli und Oktober antizyklisch zu traden. Aber nachdem der TecDAX Ende Oktober nach unten ausgebrochen war, wurde diese Zone zwischen 2.958 und 3.221 Punkten ebenfalls weniger bedeutsam. Dass der Index es zuletzt mit dem Rückenwind der US-Wahl wieder in diesen Bereich hinein geschafft hat, heißt daher nicht viel, zumindest nicht, dass man sicher damit rechnen könnte, dass es weiter, bis an die obere Begrenzung der Spanne, laufen müsste. Denn statt wie DAX und MDAX durch die Meldung eines nahenden Impfstoffs am Montag weiter zu steigen, drehte der TecDAX nach unten. Was verrückt wirkte, hatte durchaus eine Begründung. Die Frage ist jedoch, ob die trägt.

Der Grund, warum der TecDAX gegen den Trend abrutschte, lag in seiner Zusammensetzung. Nicht wenige der 30 hier gelisteten Aktien gehörten zu der Gruppe von Unternehmen, die man in den letzten Monaten als nicht von Corona und Rezession betroffen (vor allem Software und Biotech) oder sogar als Profiteure ansah (u.a. Medizintechnik oder Spezialsoftware wie TeamViewer). Diese Aktien wurden in den Monaten zuvor bevorzugt als vermeintlich „sichere Häfen“ gekauft und mit der Meldung über einen nahenden Impfstoff massiv auf den Markt geworfen. Und Aktien aus klassischen Industriebranchen oder dem Luftfahrtsektor, die man daraufhin umgehend massiv kaufte, sind im TecDAX eben nicht zu finden. Also, geht es somit weiter abwärts? Das ist möglich, aber momentan gar nicht so sehr wahrscheinlich. Dass der TecDAX am Mittwoch auf einmal wieder kräftig zulegte, unterstreicht: Man sollte sich hüten, die Oberseite als Trading-Perspektive abzuschreiben.

Denn es ist fraglich, ob diese unmittelbare, erste Reaktion auf die Nachricht eines nahenden Impfstoffs die richtige war. Schließlich hatte man schon seit dem Sommer mit der Zulassung erster Impfstoffe um die Jahreswende herum gerechnet. Vor Dezember wäre auch bei der beschleunigten Zulassung der BioNTech/Pfizer-Impfstoff nicht greifbar. Und in dieser ersten Reaktion haben viele womöglich übersehen, dass es Monate dauern wird, bis Impfungen flächendeckend möglich wären. Und das Problem wäre darüber hinaus nicht gelöst, wenn sich nicht genug Menschen impfen lassen. Diese Pandemie als Klotz am Bein der Konjunktur wird uns noch eine ziemliche Weile erhalten bleiben, die kommenden Monate bleiben schwierig.

Ob TeamViewer, Sartorius oder Drägerwerk: Es ist nachvollziehbar, dass erste Marktteilnehmer diesen plötzliche Selloff als Einstiegschance sahen und sich diese Aktien deshalb zuletzt erholten. Und wenn das Abbröckeln der ersten, emotional getriebenen Reaktion weitergeht, hätte gerade der TecDAX Aufwärtschancen, denn ihm fehlen eben Aktien aus der Automobil-, Industrie- und Luftfahrtbranche, die dann wieder zurückkommen und den Index ausbremsen könnten. Kommt es so?

Man würde hier wohl am besten fahren, indem man dergleichen nicht einfach voraussetzt, weil dieses Gedankenmodell im Prinzip logisch wäre. Denn allein dieser Selloff der Corona-Profiteure am Montag zeigte, dass momentan die Emotionen mehr bewegen als die Ratio. Umso mehr empfiehlt es sich, sich davon nicht anstecken zu lassen und konsequent entlang der Charttechnik zu agieren. Was derzeit hieße: Wenn es gelingen sollte, diesen plötzlichen Schwächeanfall vom Wochenbeginn mit Schlusskursen über 3.084 Punkten und damit über dem Tageshoch des Montags zu egalisieren, hätte der TecDAX gute Chancen, sich wieder ans obere Ende der Seitwärtsspanne zwischen grob 3.200 und 3.300 zu schieben. Aber:

Würde er wieder zurückfallen und unter dem Wochen-Verlaufstief bei 2.912 Zählern schließen, wäre ein Test der Supportzone 2.740/2.800 Punkte allemal drin, an deren oberem Ende der TecDAX Ende Oktober nach oben gedreht hatte. Also doch auch Potenzial nach unten? Ja, denn es gibt ja noch eine andere Ebene, die derzeit massiven Einfluss auf die Kurse hat:

Tageschart vom 12.11.2020, Kurs 3.027,61 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Was sich in den USA derzeit auf politischer Ebene abspielt, hat markant negative Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Perspektiven dort. Und die Reichweite solcher Entwicklungen endet nicht an den US-Landesgrenzen, sondern spielt immer auch für Europa eine wichtige Rolle. Derzeit ziehen also mehrere Einflussfaktoren an den Kursen, mal nach oben, mal nach unten. Das kostet Nerven. Aber wer die mitbringt und damit gerade wegen seines soliden Nervenkostüms imstande ist, im Zweifel auch mal nicht aktiv dabei zu sein und auf eine charttechnische Wegweisung zu warten, kann auch einen so unberechenbar wirkenden Index wie den TecDAX erfolgreich traden.

Dass die SAP-Aktie unlängst auch im TecDAX gelistet wurde, wurde dem Index zum Wochenstart zum Verhängnis. Die massiv negative Reaktion der Anleger auf enttäuschte Erwartungen im Zuge der SAP-Bilanz drückte die Aktie … und mit ihr den TecDAX. Hinzu kam, dass man sicherheitshalber auch alles andere, was mit Software zu tun hatte, verkaufte: Nemetschek, Software AG, Bechtle und S&T gerieten in „Sippenhaft“ und fanden sich in der Spitzengruppe der TecDAX-Verlierer wieder.

Die Wall Street vermochte die Stimmung nicht aufzuhellen, dort kamen die Indizes ebenfalls unter den Hammer, vornehmlich wegen des Statements des Trump-Wirtschaftsberaters Larry Kudlow, der festhielt, dass es immer noch Punkte im Plan des längst überfälligen Stimulus-Paketes gebe, die für das Weiße Haus nicht akzeptabel seien. Und über alldem liegt die Sorge, dass die Entwicklung der Pandemie jetzt derart aus dem Ruder läuft, dass etwas, was einem Lockdown faktisch nahekäme, eben doch noch drohen könnte.

TecDAX: Tages-Chart vom 26.10.2020, Kurs 2.920,19 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Die Konsequenz war ein markantes Minus zum Wochenbeginn, das den Index unter die drei letzten unteren Wendepunkte zwischen 2.958 und 2.965 Punkten drückte und dabei die 200-Tage-Linie bei aktuell 3.000 Punkten gleich mit abräumte, an der der TecDAX seit Ende Juli mit diesen vorgenannten Zwischentiefs dreimal wieder aufwärts drehte.

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Man sollte denken, dass die Sache damit zu Gunsten der Bären entschieden ist und es ein Ende hat mit diesem monatelangen Seitwärtstrend. Was in der Tat sein kann, aber noch nicht sicher ist, denn:

Wenngleich damit gleich zwei wichtige Verteidigungslinien der Bullen überrannt wurden und die Marktstimmung gekippt ist, ist der TecDAX damit trotzdem erst auf kurzfristiger Ebene bärisch. Er müsste über die jetzt nahe gekommene Unterstützung von Ende Juni bei 2.877 Punkten hinaus durch die aus dem März stammende Auffangzone 2.739/2.792 Punkte hindurch und damit auch noch den dritten, diesmal mittelfristig entscheidenden Unterstützungsbereich durchbrechen, erst dann wäre der Weg für die Bären aus rein charttechnischer Sicht erst einmal frei. Kommt es dazu? Das Pendel ist mit dieser dreifachen Ernüchterung (Corona, US-Konjunkturpaket und SAP) zwar sehr deutlich in Richtung des bärischen Lagers ausgeschlagen. Aber ob die Käuferseite heute, nachdem man sich dieser Verkaufswelle gestern gar nicht erst entgegengestellt hat, weiterhin keine Gegenwehr zeigt, ist offen. Käme es so oder würde sogar der Versuch einer Gegenbewegung nach oben abverkauft und dabei die der mittelfristigen Unterstützungszone vorgelagerte Linie bei 2.877 Punkten fallen, wäre das allerdings ein markanter Punkt für die Bären, der sie einem K.O.-Sieg erheblich näher brächte.

TecDAX: Monats-Chart vom 26.10.2020, Kurs 2.920,19 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX