TecDAX aktuell TecDAX: Gewinnmitnahme auf Verdacht? Besser nicht!

News: Aktuelle Analyse des TecDAX Index

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TecDAX
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Zum TecDAX

Der TecDAX läuft wie auf Schienen aufwärts. So manchem Trader wird es angesichts der eingefahrenen Gewinne mulmig, schließlich gibt es kaum Unangenehmeres, als im Kopf schon verbuchte Gewinne wieder zu verlieren. Aber Vorsicht vor vorschnellen Verkäufen!

Dass der TecDAX die Widerstandszone, die sich aus dem April-Hoch bei 3.555 Punkten und dem bis vor kurzem das Jahreshoch stellenden Hoch vom Februar bei 3.606 Punkten zusammensetzt, mittlerweile überboten hat, ist den großen Erwartungen vieler Anleger zu verdanken. Sie setzen darauf, dass die Ergebnisse des zweiten Quartals ebenso überzeugend ausfallen werden wie die zu den ersten drei Monaten 2021 … und dass so manches TecDAX-Unternehmen auch noch seine Gesamtjahresprognose anhebt. Es kann so kommen. Aber wenn nicht, kann es mit diesem Anfang Mai etablierten Aufwärtstrend schnell vorbei sein.

TecDAX: Tages-Chart vom 14.07.2021, Kurs 3.645,23 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Nicht wenige Marktteilnehmer dürften jetzt, da die Long-Gewinne sukzessiv wachsen, auf die Konjunkturdaten blicken und nervös werden. Und man läge auch nicht falsch, wenn man argumentieren würde, dass die Kurse dem tatsächlichen Wirtschaftswachstum weit vorausgelaufen sind. Dass die in den USA aus dem Ruder gelaufene Inflation nicht zuletzt wegen des steigenden US-Dollars über Rohstoffimporte auch hierzulande wieder Fahrt aufnehmen und auf die Unternehmensgewinne drücken wird. Dass es denkbar ist, dass der morgen anstehende Abrechnungstermin an der Terminbörse die Kurse zusätzlich getrieben hat und dieses Plus bei den Kursgewinnen nach der Abrechnung wieder verlorengehen könnte. Aber dem steht ein Aspekt gegenüber, den man nicht unterschätzen sollte:

Den aktuellen Kurs und Chart des TecDAX sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Diese problematischen Aspekte existieren nicht erst seit gestern. Und trotzdem ist der TecDAX wie auf Schienen immer höher gelaufen, hat sich durch diese markante Widerstandszone 3.555/3.606 Punkte hindurch gekämpft und verteidigt diese seit einigen Tagen erfolgreich. Und das liegt auch daran, dass viele, die auf der Käuferseite stehen, die vorgenannten Risikofaktoren entweder nicht erkennen oder bewusst ausblenden.

Das wird nicht auf Dauer gutgehen, aber wer jetzt sicherheitshalber sein Geld vom Tisch nehmen würde, würde nur dann richtig liegen, wenn die negativen Faktoren sehr bald am Markt ankommen und den TecDAX in eine Abwärtswende führen sollten. Aber was, wenn nicht? Dann müsste man zusehen, irgendwie wieder auf der Long-Seite hineinzukommen. Was dann in der Regel bedeutet: Teuer verkaufen, aber noch teurer zurückkaufen.

Der bessere Weg wäre, in diesem Trend konsequent mitzuschwimmen, dabei aber immer dabei zu haben, was viele durch diesen sturen Aufwärtstrend leichtsinnig gewordene Akteure für überflüssig halten: den Rettungsring. In Relation zur gesamten Aufwärtsbewegung seit Mitte Mai liegen die kurzfristig entscheidenden Unterstützungen ja auch angenehm nah. Die Schlüsselzone ist deckungsgleich mit der vorherigen Widerstandszone 3.555/3.606 Punkte und wird derzeit durch die Mai-Aufwärtstrendlinie und die deckungsgleich mit dieser laufenden 20-Tage-Linie verstärkt.

TecDAX: Wochen-Chart vom 14.07.2021, Kurs 3.645,23 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Würde der TecDAX von den kritischen Faktoren seitens der Rahmenbedingungen eingeholt und diese Zone brechen, dann wäre das in der Tat ein Signal, um die Gewinne mitzunehmen. Solange das aber nicht passiert, bleibt die Chance, dass nach oben noch einiges drin wäre, erhalten. Und wer mit dem Trend agiert, hat ja ohnehin den großen Vorteil, dass viele der relevanten Supportmarken wie gleitende Durchschnitte und Trendlinien zu seinen Gunsten sukzessiv höher laufen. Vorzeitig auszusteigen könnte daher mehr Verdruss bringen, als in aller Ruhe dem Trend zu folgen, dabei aber die Stoppkurse konsequent nachzuziehen … und natürlich, würden sie erreicht, auch konsequent umzusetzen.

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Vorherige Analysen des TecDAX Index

Mit dem gestrigen Anstieg hat der TecDAX das bisherige Jahreshoch überboten und die bullische Tendenz eindrucksvoll bestätigt. Wer Short ist, dürfte langsam verzweifeln. Aber das sollte Long investierte Trader nicht verleiten zu glauben, der Weg nach oben sei sicher!

Das Chartbild ist perfekt. Wäre der Juli jetzt bereits zu Ende, hätte der TecDAX die riesige Trompeten-Formation (ein nach rechts offenes Dreieck), die 2018 etabliert wurde, endlich nach oben verlassen, nachdem dieser Ausbruch mehrere Monate immer wieder versucht wurde und nie gelang (siehe der Chart auf Monatsbasis). Allerdings ist der Juli noch lang.

Auf Tagesbasis sieht das Bild noch besser aus. Das Februar-Hoch bei 3.606 Zählern wurde Ende Juni angegangen, nicht bezwungen und jetzt im zweiten Anlauf doch noch überboten. Dass der TecDAX sehr bald nach diesem vergeblichen Anlauf erneut anzog, ist ein klares Signal dafür, dass das bullische Lager hier noch fest im Sattel sitzt. Der Index setzte nur kurz zurück und drehte gleich auf Höhe der nächstgelegenen Supportlevels sofort aufwärts, konkret im Bereich des Zwischenhochs vom April und über dem doppelten, kurzfristigen Leitstrahl des Trends in Form der 20-Tage-Linie und der Mai-Aufwärtstrendlinie.

TecDAX: Tages-Chart vom 07.07.2021, Kurs 3.643,80 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Und nach oben wäre der Weg damit frei, denn man müsste schon in den Herbst 2000 zurückgehen, als der TecDAX noch der Neue Markt war, um höhere Kurse zu finden. Da der TecDAX später wie ein Neustart vom Stapel lief und diese alten Kurse aus der Zeit der Internetblase damit eigentlich nur rechnerisch relevant sind, kann man sie nicht als potenzielle Widerstände ansehen. Zumal Hürden, die über 20 Jahre alt sind, auch faktisch so gut wie nie noch relevant sind. Also, was sollte den Bullen jetzt noch passieren? Da kann man sich doch entspannt zurücklehnen und auf noch höhere Kurse warten … oder?

Es ist zwar möglich, dass die Kurse durch den Schwung dieses Ausbruchs weiter zulegen. Aber ein solches, bullisches Signal arbeitet sich zügig ab. Wer darauf reagieren will, tut das zeitnah. Und sobald gekauft hat, wer kaufen wollte, beginnt die Suche nach weiteren Hausse-Argumenten. Kommen sie, geht es weiter. Kommen sie nicht, wäre eine Korrektur zu erwarten. Und man sollte nicht einfach ausschließen, dass Nachrichten und Daten kommen, die schwach genug sind, um diesen charttechnisch perfekten Ausbruch sogar komplett ins Gegenteil zu verkehren. Welche Daten?

Zum Beispiel die Quartalsbilanzen. In den kommenden Wochen stehen die Ergebnisse des zweiten Quartals an. Eigentlich würde es da zwar erst in drei bis vier Wochen spannend. Aber vorher kommen nicht nur Vorlagen von der Nasdaq, wo die Technologie-Blue Chips ihre Bilanzen früher vorlegen als hierzulande. Viele deutsche Unternehmen melden auch vorläufige Zahlen, sobald die vorliegen. Damit geht es jetzt bereits los. Und da sind die Zeitpunkte im Gegensatz zu den offiziellen Bilanzterminen immer offen, solche Vorab-Zahlen sind also immer eine Überraschung.

Bei einer mittlerweile sehr hohen Erwartungshaltung, bei der schon nach dem ersten Quartal auffiel, dass immer mehr Akteuren „gut“ nicht gut genug war und sogar übertroffene Analystenprognosen kräftige Gewinnmitnahmen auslösten, sollte man daher beim Weg des TecDAX nach oben immer über die eigene Schulter blicken und sich mit Stoppkursen absichern.

Aktuell wäre genau der Bereich, in dem der TecDAX Anfang der Woche nach oben gedreht hatte, für aggressiv long agierende Trader eine gute Orientierung für die Gewinnsicherung. Schlusskurse unter 3.500 Punkten würden derzeit bedeuten, dass dieser momentan perfekt aussehende Befreiungsschlag zur Bullenfalle wurde. Knapp darunter seine Stopps zu platzieren, dürfte daher für Trader mit kurzfristigen Zeithorizont kein Fehler sein.

TecDAX: Monats-Chart vom 07.07.2021, Kurs 3.643,80 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Offenlegung möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in dem besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse Long investiert.

Es passte alles für den Ausbruch: Der TecDAX war aus einer Dreiecksformation ausgebrochen und mit Schwung an das bisherige Jahreshoch gelaufen. Gestern hätten die Bullen den Sack zumachen können … aber der Index scheiterte an der Hürde. Muss man sich Sorgen machen?

Für Pessimismus wäre es bei Weitem zu früh, denn der Chart des TecDAX auf Tagesbasis zeigt, wie massiv unterstützt er bis hinunter auf 3.188 Punkte wäre. Es müsste schon zu einem deutlichen Stimmungsumschwung kommen, um den Index durch all diese potenziellen Supportlinien zu drücken. Eine hochgezogene Augenbraue ist dieses nominal gesehen mit 1,14 Prozent recht harmlos wirkende Minus des Mittwochs aber schon wert. Denn es kam definitiv in einem Bereich und zu einem Zeitpunkt, der nicht gut ist.

Tageschart vom 30.06.2021, Kurs 3.564,07 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Die Ausgangslage für den letzten Tag des zweiten Quartals hätte nicht bullischer sein können. Der TecDAX war Ende vergangener Woche aus seiner im Tageschart markierten Dreiecksformation nach oben ausgebrochen, ohne Probleme über den Widerstand in Form des Zwischenhochs von Ende April gelaufen und am Dienstag zum Handelsende minimal über das vorherige Hoch vom Februar (3.606 Zähler) gestiegen. Und wann, wenn nicht an einem Quartalsultimo hätte man diesen noch nicht signifikanten Ausbruch durch das „Window Dressing“, die Operationen der großen Adressen zur Optimierung der Performance, in Stein meißeln können? Alles passte, das war ein Matchball für die Bullen. Und trotzdem ging es nach einem zunächst guten Start ins Minus. Wieso?

So banal es klingt: Weil mehr Käufer als Verkäufer da waren. Und das ist schon auffällig. Immerhin müssten ja eigentlich sogar diejenigen, die auf gepackten Koffern sitzen und grundsätzlich auf diesem hohen Niveau aussteigen wollen, bei einem solchen Chartbild abwarten, bis der Ausbruch vollzogen ist und Anschlusskäufe kommen, um dann zu noch besseren Kursen verkaufen zu können. Konjunkturdaten oder üble Vorgaben von der Wall Street gab es nicht, damit bleibt festzuhalten: Es scheint nicht gerade wenige Marktteilnehmer zu geben, die fürchten, dass die Luft nach oben dünn, der Spielraum nach unten aber groß ist … und jederzeit ausgelotet werden könnte.

Wobei man festhalten sollte: Grundsätzlich ist dieses dichte Netz an potenziellen Auffanglinien, die unterhalb des aktuellen Kurslevels warten, wie eine Versicherung für die Bullen. Aber es ist natürlich eine mit Selbstbeteiligung, d.h. es müssen sich genug Käufer finden, um diese Unterstützungen auch zu verteidigen. Und wenn es an Käufern fehlt, die bereit sind, aktiv mitzuhalten, um einen Ausbruch nach oben signifikant zu machen (und damit auch endlich das große, nach rechts offene Dreieck zu überwinden, das Sie im Chart auf Monatsbasis sehen), darf man sich nicht zu sicher sein, dass es genügend bullische Akteure gibt, die Unterstützungen mit eigenem Kapital verteidigen wollen.

Dieses Minus zum Quartals- und Halbjahresultimo kann mit den Window Dressing-Aktivitäten der institutionellen Investoren zusammenhängen, muss es aber nicht. Aber in jedem Fall ist es wie ein überraschender Kratzer: Man sollte ihn besser nicht einfach ignorieren, sondern umgehend behandeln, sonst entzündet sich die Sache. Die Bullen sind also gefordert, diese Scharte umgehend auszubügeln, indem sie den TecDAX im zweiten Anlauf klar über das vorherige Jahreshoch von 3.606 Punkten tragen.

Monatschart vom 30.06.2021, Kurs 3.564,07 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Der TecDAX hat sich knapp unter der Zone, die er für einen Befreiungsschlag nach oben bezwingen müsste, festgefahren. Das ist ein Zustand, der leicht in einen größeren Abwärtsschub münden kann, wenn die Bullen diesen Deckel jetzt nicht zeitnah wegsprengen.

„Gut Ding will Weile haben“ ist eine Plattitüde, die für das bullische Lager beim TecDAX nicht gilt. Da sollte man es besser eilig haben, das „Projekt Ausbruch“ über die Bühne zu kriegen. Denn ein Blick auf den langfristigen Chart auf Monatsbasis zeigt, dass der Index bereits den sechsten Monat in Folge an der oberen Begrenzung der großen „Trompeten-Formation“, diesem nach rechts offenem Dreieck, festhängt und nicht darüber hinauskommt. Dreht er nach unten ab, wäre ein Test der unteren Begrenzungslinie dieser „Trompete“ nicht ausgeschlossen. Und dass diese obere Linie der Formation zugleich eine Parallele zur übergeordneten Aufwärtstrendlinie ist, macht es nicht besser.

TecDAX: Monats-Chart vom 23.06.2021, Kurs 3.478,70 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Würde der TecDAX das bisherige Jahres-Verlaufshoch von 3.606 Punkten überwinden, wäre auch die Trompete nach oben verlassen. Das klingt einfach, zumal der Index ja nun wirklich nicht weit von diesem im April markierten, bisherigen Jahreshoch entfernt notiert. Aber wenn einem Geld, Zuversicht oder sogar beides ausgehen, ist auch eine solche Distanz eine lange.

Dieses Verharren unterhalb markanter Charthürden ist nicht zwingend ein Problem, solange es gelingt, die dort im Markt liegenden Verkaufsorders sukzessiv abzuarbeiten. D.h. die Bullen müssten einfach ausreichend hartnäckig am Ball bleiben. Was wir nicht wissen können, ist, ob sie das auch sind. Und man sollte zumindest im Hinterkopf haben, dass es dahingehend eng und enger wird. Denn dass überhaupt so viele Verkäufe den weiteren Anstieg bremsen, liegt an einer Abnahme des Übergewichts im Bullen-Lager. Und das wiederum sicherlich vor allem an der Sorge, dass die markant gestiegenen Erzeugerpreise und die in Europa weiterhin eher wacklige Konsumlaune zu höheren Kosten und weniger Umsatz führen könnten, als man dies noch vor zwei, drei Monaten unterstellt hatte.

TecDAX: Tages-Chart vom 23.06.2021, Kurs 3.478,70 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

In einem Chartbild mit jeweils tiefer liegenden Zwischenhochs und einem TecDAX, der sich damit auch an der über die beiden vorherigen Hochs zu konstruierenden Abwärtstrendlinie festgebissen hat, liegt die „Beweislast“ bei den Bullen. Gelingt der Ausbruch nicht sehr bald und überzeugend (was hieße, dass Schlusskurse über 3.606 Punkten einen klaren Ausbruch auf neue Hochs erreichen, der Anstieg über die Abwärtstrendlinie reicht nicht), dürfte die Zahl derer, die nicht nur bereit sind, ihre Long-Positionen zu halten, sondern aktiv durch weitere Käufe am Ausbruch mitzuwirken, schnell abnehmen. Und schon ein Schlusskurs unter 3.420 Punkten, der damit unterhalb des Anfang Juni markierten Zwischenhochs und der 20-Tage-Linie als nächstgelegene Supportlinien läge, könnte ausreichen, um die Zahl der Verkäufe so anschwellen zu lassen, dass der TecDAX wieder einmal in der mittelfristig entscheidende Unterstützungszone 3.188 zu 3.303 Punkten landet. Und da die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Zone bricht, mit jedem Test zunimmt, vor allem, wenn diese immer näher aufeinander folgen, wäre es in der Tat jetzt höchste Zeit für die Bullen, diesen Deckel weg zu sprengen.

Was ist los mit dem einstigen Dynamik-Wunder? Banken und Autos laufen, die vormaligen Favoriten aus dem TecDAX hingegen bleiben liegen. Solange sich das nicht ändert, ist der TecDAX für Long-Trades uninteressant. Aber wenn es sich ändert, sollte man schnell handeln.

Wenn man sich den TecDAX einmal längerfristig anschaut – wie hier im Chart auf Monatsbasis dargestellt – sieht man, dass der Index derzeit zwischen zwei entscheidenden Chartlevels hin und her geworfen wird. Nervöse Bullen und zuversichtliche Bären registrieren, dass der TecDAX seit Jahresanfang immer wieder gegen die obere Begrenzung der großen, 2018 etablierten Trompeten-Formation (ein nach rechts offenes Dreieck) angerannt ist und nicht durchkam.

Monatschart vom 09.06.2021, Kurs 3.412,99 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Zuversichtliche Bullen und nervöse Bären hingegen halten fest, dass der Index andererseits zweimal die wichtige Unterstützungszone 3.188/3.303 Punkte verteidigt hat. Und erst, wenn diese Zone fallen würde, wäre das Risiko greifbar, dass die Notierungen in eine große Korrektur einschwenken, bei der das untere Ende dieser Trompeten-Formation bei derzeit 1.940 Punkten angesteuert werden könnte.

Wichtig aus Sicht der Bullen wäre, dass diese Supportzone 3.188/3.303 Punkte nicht allzu bald erneut getestet würde. Denn je öfter es erforderlich wird, den TecDAX vor einem markanten Kaufsignal zu bewahren, desto geringer wird die Zahl derer, die erneut aktiv mit eigenem Kapital dagegenhalten werden statt aufzugeben und sich zu sagen, dass, wer als erster verkauft, noch die besten Kurse bekommt. Aber dahingehend sieht es jetzt gar nicht mal schlecht aus, denn:

Im kurzfristigen Chart auf Tagesbasis sehen wir, dass der TecDAX im Anschluss an die Verteidigung dieser Zone 3.188/3.303 zwar an der Widerstandslinie bei 3.450 Zählern erst einmal hängengeblieben war, dies aber nur mäßige Abgaben auslöste. Es gelang, den Index im Bereich der 20-Tage-Linie als der nächstgelegenen Unterstützung aufzufangen und einen erneuten Versuch zu starten, sich nach oben abzusetzen. Damit das gelingt, sind zwei Schritte nötig:

Tageschart vom 09.06.2021, Kurs 3.412,99 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Zunächst muss die kurzfristige Abwärtstrendlinie und umgehend danach diese Linie bei 3.450 Punkten bezwungen werden. Geht der Index dort durch, kommt es auf die mittelfristige, seit Februar geltende Abwärtstrendlinie an, die momentan bei 3.525 Punkten verläuft. Schaffen die Bullen auch diese Hürde, wäre der TecDAX erst einmal aus dem Gröbsten heraus. Zwar würden das April-Hoch bei 3.555 Punkten und das bisherige Jahres-Verlaufshoch bei 3.606 Zählern ebenso Widerstände darstellen, aber:

Wenn man sich innerhalb des TecDAX einmal umschaut und sieht, wie viele vormalige Anleger-Favoriten derzeit auf einen Befreiungsschlag warten, würde es nicht überraschen, wenn ein solches Startsignal des Index die Trader zurück in diese vorherigen Top-Performer locken und dies den Anstieg des TecDAX selbst immens beschleunigen würde. Vorgreifen sollte man diesem Szenario indes besser nicht, denn die mehrfachen Versuche der vergangenen Monate, einen Befreiungsschlag zu vollziehen, sollten Warnung genug sein, hier das Fell der Bären zu verkaufen, bevor sie erlegt sind.

Der erfolgreiche Test einer entscheidenden Unterstützungszone suggerierte, dass die Bullen wieder mal die Kurve gekriegt hätten. Aber auf einmal stagnieren die Käufe, zu allem Überfluss hat sich mit einem „Abendstern“ ein markantes Warnsignal gebildet.

Der Aktienmarkt befindet sich in einer bemerkenswerten Phase. Die Rückkehr zu Normalität und Wachstum ist über Monate hinweg in die Kurse eingepreist worden. Jetzt bewegt sich die Realität zwar in die richtige Richtung, aber das Tempo ist bislang überschaubar und die Inflation ein Risikofaktor, den zuvor niemand auf dem Zettel hatte. Damit entsteht Enttäuschungspotenzial. Wenn sich zu viele Akteure entschließen würden, die Reißleine zu ziehen, könnte das eine weitreichende Korrektur auslösen, immerhin sind die Bewertungen vieler Aktien ungewöhnlich hoch. Aber wann kommt es dazu? Kommt es überhaupt dazu?

Irgendwann sicherlich, aber da muss es keine unmittelbare Koppelung an die tatsächliche Entwicklung der Lage außerhalb der Börsensäle geben. Denn viele Anleger kümmern sich nicht im Mindesten um Zinsen, Konjunkturdaten und Bilanzen, sondern machen ihren Verbleib im Aktienmarkt und, für die aktuelle Situation entscheidend, ihre Zukäufe davon abhängig, ob ihr Depotwerte weiter steigen oder nicht. Dadurch wird der Aktienmarkt bis zu einem gewissen Grad zu einem Perpetuum Mobile. Aber was da nicht passieren darf, sind angegangene Widerstandsmarken, an oder unter denen die Kurse abdrehen und so suggerieren: Da stimmt was nicht. Und eine solche Situation zeichnet sich jetzt beim TecDAX ab, wenn …

Expertenmeinung: … dem in den vergangenen drei Tagen generierten Warnsignal in Form eines „Abendsterns“ eine rote Kerze folgt, die diese Formation bestätigen und dadurch aus dem Warnsignal ein Verkaufssignal machen würde. Eine grüne Kerze, ein Doji (in diesem Fall in Form eines „Gravestone Doji“), danach eine rote Kerze, all das nach einer Aufwärtsbewegung: Das ist ein sogenannter „Abendstern“, der andeutet, dass dem bullischen Lager entweder das Geld, die Zuversicht oder beides ausgehen. Das sehen wir jetzt. Und das ist unerfreulich früh nach der Verteidigung der aktuell durch die 200-Tage-Linie verstärkten Unterstützungszone 3.188/3.303 Punkte, die bereits im März standhielt, dann aber recht frühzeitig im Mai erneut getestet wurde, nachdem es im April nicht gelang, das im Februar ausgebildete, bisherige Jahreshoch zu überbieten.

Ein unter dem vorherigen liegendes, mittelfristiges Hoch, eine immens wichtige Unterstützungszone, die erneut hält und jetzt so nahe an dieser Zone bereits ein Austrocknen der Käufe: Das ist ein Weckruf für das bullische Lager. Wie gesagt: Wenn es gelingt, das Geld am Fließen zu halten, können die Kurse relativ lange bei einer zeitgleich kritischer werdenden Gesamtsituation weiterlaufen, Beispiele dafür gibt es in der Börsenhistorie zuhauf. Aber dazu darf der TecDAX jetzt nicht schnell wieder in diese Supportzone 3.188/3.303 Punkte zurückfallen, das wäre psychologisch fatal. Die Käuferseite ist also gefordert: Der TecDAX muss diese Formation zeitnah überwinden, sprich über dem Hoch des Mittwochs (3.427 Punkte) schließen. Um die Kuh vom Eis zu bekommen, wäre dann ein Closing über 3.460 Zählern nötig, um die jetzt zum Widerstand gewordene, Anfang des Monats gebrochene Oktober-Aufwärtstrendlinie zu bezwingen. Machbar ist das, aber es sollte schnell gelingen, um zu verhindern, dass zu viele Bullen nervös werden.

TecDAX: Chart vom 26.05.2021, Kurs 3.381,50 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX