TecDAX: Genau da musste er drehen … was geht jetzt nach oben?

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TecDAX
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Zur TecDAX

Würde es allein auf die Charttechnik ankommen, wäre jetzt die perfekte Grundlage für eine Rallye des TecDAX an und über die bisherigen Jahreshochs vorhanden. Aber da es vor allem momentan eben keineswegs nur um die Charttechnik geht, sollte man besser genau hinsehen.

Das wirkt wie die perfekte Basis für die Wiedergeburt des Aufwärtstrends. Der TecDAX legte in den vergangenen Wochen eine gut zehn Prozent ausmachende Korrektur hin, die den Index auf markttechnischer Ebene in einen überverkauften Zustand brachte. Zugleich hielt genau die Zone, die halten musste, um den Akteuren den Weg nach oben freizuhalten:

TecDAX: Tages-Chart vom 15.10.2021, Kurs 3.726,24 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Der Index rutschte in die breite, auf der Unterseite durch die 200-Tage-Linie verstärkte Unterstützungszone 3.550/3.605 Punkte, verteidigte diesen wichtigen gleitenden Durchschnitt zwei Tage lang und sauste daraufhin aus dieser Zone nach oben hinaus. Da dürften sich einige sicher sein, dass jetzt auf der Long-Seite nichts mehr schiefgehen kann. Aber doch, das kann es.

The current price and chart of the TecDAX as well as price information and all stocks in the index can be found here.

Expertenmeinung: Die Bullen haben zwar jetzt wieder die Charttechnik auf der Haben-Seite, aber damit hat es sich eben auch schon. Alle problematischen Aspekte, die den TecDAX überhaupt in diese Korrektur geschickt haben, sind noch da. Der bald in den USA kleiner werdende Strom ultra-billigen Geldes … die immens gestiegenen Erzeugerpreise … die Verbraucherinflation, die die Konsumneigung mittelfristig drücken wird … Chinas wankender Immobilienmarkt, der ebenso mittelfristig markante Auswirkungen weltweit nach sich ziehen kann … und natürlich der „Flaschenhals“, der weiterhin vieles ausbremst.

Und noch stehen die Bilanzen für das dritte Quartal aus, wobei die Anleger vor allem der Ausblick auf das jetzt begonnene vierte Quartal interessieren wird, denn erst jetzt werden die Probleme durch die höheren Kosten und Lieferausfälle wirklich greifbar. Darüber hinaus sieht man im Chart auch:

So herausragend es auch gelungen ist, in der entscheidenden Supportzone zu landen und wieder durchzustarten: Noch ist das „nur“ eine Gegenreaktion auf die vorherigen Kursabschläge. Sicher, das ist schon mal gut. Aber erst, wenn der TecDAX die Nackenlinie der vorherigen Toppbildung klar zurückerobert hätte, wären die Bären wirklich geschlagen. Dazu müsste der Index klar über 3.792 Punkten schließen. Was zwar kein allzu weiter Weg mehr wäre. Aber gehen müsste er ihn eben trotzdem, was jetzt, nachdem ab heute auch noch eine eventuelle Sogwirkung der am Freitag absolvierten Terminbörsen-Abrechnung wegfällt, noch keineswegs sicher ist.

TecDAX: Monats-Chart vom 15.10.2021, Kurs 3.726,24 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX
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Der TecDAX bildete am Donnerstag einen langbeinigen Doji aus und verteidigte dadurch das Tief des Vortages. Nach einer 10-Prozent-Korrektur eigentlich ein gutes Signal … wäre der DAX nicht am selben Tag weit stärker gestiegen. Die Bullen zaudern – warum?

Der TecDAX schaffte zum Handelsende zwar immerhin noch ein Plus von 0,38 Prozent, aber das war eine schwere Geburt. Zwei Stunden vor dem Handelsende rang er noch mit dem Vortages-Tief und lag klar im Minus, bevor sich der Index mit einem erneut festen Handelsstart der US-Aktien doch noch in die Gewinnzone schleppte. Aber während beim DAX gestern 37 der 40 Aktien stiegen, lag das Verhältnis der Gewinner zu den Verlierern beim TecDAX am Donnerstag nur bei 17 zu 13.

TecDAX: Tages-Chart vom 07.10.2021, Kurs 3.619,19 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Dass die deutschen Indizes nicht stur parallel laufen, ist zwar normal. Aber dass der TecDAX so auffällig aus der Spur läuft, nicht zuletzt angesichts eines „großen Bruders“ Nasdaq 100, der über die vergangenen drei Handelstage hinweg im Saldo erheblich zulegte, ist nicht üblich. Was könnte dahinterstecken?

Expertenmeinung: Gut möglich, dass die Marktteilnehmer durch die Warnungen einzelner Unternehmen nervös geworden sind. Die Gewinnwarnung von TeamViewer oder durch den Flaschenhals bedingte Beeinträchtigungen, wie sie zum Beispiel SMA Solar meldete, all das macht deutlich, dass sich die Realität relativ deutlich von dem unterscheidet, was man sich im Frühjahr noch ausgemalt hatte.

Allerdings ist das nicht zwingend ein Grund, dass der TecDAX weiter nachgeben, der Stabilisierungsversuch scheitern müsste. Denn nichts beseitigt Zweifel so schnell wie steigende Kurse. Wenn „die anderen“ jetzt kaufen, könnten viele mitziehen. Und da nicht nur die US-Börsen, sondern auch der DAX zuletzt weit deutlicher zugelegt hatten, könnte der Bann des Zweifels schnell gebrochen werden, zumal der TecDAX dazu in einer charttechnisch günstigen Position wäre:

Der gestrige Doji wäre eine gute Grundlage für eine Rallye, zumal der Index dadurch in die wichtige Unterstützungszone 3.555/3.606 Punkte eingetreten war, die zusammen mit der bis auf 3.539 Punkte gelaufenen 200-Tage-Linie eine massive Supportzone bildet. Zugleich sind schneller reagierende markttechnische Indikatoren wie der im Chart auf Tagesbasis abgebildete Stochastik-Oszillator bereits in der überverkauften Zone angekommen. Aber:

Da darf nichts schiefgehen, sprich die Bullen müssten bei DAX und Nasdaq auch heute und Anfang kommender Woche weiter kaufen. Und solange da eine ganze Reihe an Damoklesschwertern wie Chinas Immobilienproblematik, ein wackliges Wachstum, die Inflation, die Angst vor eingreifenden Notenbanken und vor allem der sich selbst nährende Flaschenhals bleiben, sollte man sich darauf besser nicht einfach verlassen, dass der TecDAX nach oben dreht. Und:

Wirklich bullisch wäre er erst, wenn er über 3.800 Punkten und damit über der Nackenlinie des vollendeten Topps vom August und September schließen würde. Fiele er indes weiter und würde dabei die 200-Tage-Linie brechen, hätten die Bären einen lukrativen Herbst vor sich.

TecDAX: Wochen-Chart vom 07.10.2021, Kurs 3.619,19 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Im Gegensatz zu DAX oder Euro Stoxx 50 hat der TecDAX gestern das Tief des Rücksetzers der vergangenen Woche deutlich unterboten. Das ist ein markant bärisches Signal, das kein Trader übersehen kann. Wohin könnte die damit gestartete Korrektur den Index führen?

Vorhersagen zu wollen, wohin ein Trendimpuls führt, sprich Kursziele auszurufen, ist grundsätzlich schon eine knifflige Angelegenheit, die indes noch weniger erfolgversprechend ist, wenn die Nerven der Trader blank liegen. Denn dann kommt es eben nicht selten vor, dass die Kurse durch Chartmarken, an denen man in einem normalen Umfeld erwarten sollte, dass die Käufer die Hand aufhalten, durchgehen wie ein heißes Messer durch die Butter. Und zumindest am gestrigen Dienstag ließ sich nicht bestreiten, dass die Marktteilnehmer äußerst unruhig geworden sind. Zu Recht?

Das sicherlich, denn es wird immer deutlicher, dass sich das Szenario, das die Investoren im Kopf hatten, als sie den TecDAX von einem neuen Jahreshoch zum nächsten trugen, so nicht realisiert hat. Man hatte rasant steigende Unternehmensgewinne in einem idealen, durch das billige Geld der Regierungen und Notenbanken befeuerten Umfeld kräftigen Wachstums im Kopf. Jetzt aber steht man vor dem „Flaschenhals“ und Inflation. Man sieht eine US-Notenbank, die immer deutlicher macht, dass sie bald beginnen wird, den Geldhahn langsam zuzudrehen. Und wird mit der Ungewissheit konfrontiert, welche Auswirkungen der wankende chinesische Immobilienmarkt auf die Weltwirtschaft haben könnte. Überraschend ist es also nicht, dass es zu Verkäufen kommt. Aber was wir nicht wissen können:

Expertenmeinung: Beruhigen sich die Akteure schon sehr bald wieder, weil die ersten angesichts eines Dienstags-Schlusskurses, der immerhin knapp sechseinhalb Prozent unter dem im August erreichten, bisherigen Jahres-Verlaufshoch von 3.990,76 Punkten lag, schon ein Schnäppchen wittern? Oder kommt es zu einer Verkaufslawine, weil sich die Nervosität sukzessiv hochschaukelt und weitere Verkäufe immer neue Stop Loss-Verkaufsorders auslösen und sich die Abwärtsbewegung dadurch verselbständigt?

TecDAX: Tages-Chart vom 28.09.2021, Kurs 3.733,59 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Was tun, wenn man das nicht eingrenzen kann? Die beste Lösung ist zu prüfen, was an genau den Marken passiert, die in einem einigermaßen normalen Umfeld des Marktes eine Unterstützung bieten würden. Nur dann und dort lässt sich abschätzen, ob es möglicherweise zu einer noch schnelleren, weitreichenden Verkaufswelle kommt oder aber die Bullen sehr wohl auf dem Posten sind, jetzt angesichts des gebrochenen Vorwochentiefs aber abwarten, bis wichtige Unterstützungen erreicht sind, bevor sie zugreifen. Folgende Ankerpunkte sind da jetzt von Bedeutung:

Als nächstes würde der TecDAX auf die Unterstützungszone 3.555/3.606 Punkte treffen, die aus den markanten Zwischenhochs der Monate Februar und April abgeleitet ist. Aber wichtiger wäre die aktuell bis 3.521 Punkte gelaufene 200-Tage-Linie. Denn während der Bereich 3.555/3.606 bislang noch nicht getestet wurde, war es die 200-Tage-Linie, an welcher der TecDAX im Zuge seiner im Mai vollzogenen, größeren Korrektur wieder nach oben drehte. Das haben die Bullen natürlich im Hinterkopf. Sollte der TecDAX bis dorthin durchrutschen, wäre es eher diese Linie, an der die Short-Seller ihre Positionen eindecken und die bullischen Akteure sich formieren würden. Diese Linie aber als zwingendes Kursziel auszurufen, wäre unklug, denn solche Rücksetzer sind Prozesse, die eine nicht vorhersehbare Eigendynamik entwickeln, weil in solchen Phasen besonders viele Marktteilnehmer emotional und impulsiv agieren. Der TecDAX kann bis an diese Linie fallen, muss es aber nicht.

Daher muss man auch immer die Chartmarken im Auge behalten, über denen die Abwärtsbewegung als abgewehrt anzusehen wäre. Aktuell allerdings müssten sich die Käufer dafür schon ziemlich strecken, denn derzeit wäre das erst dann zu unterstellen, wenn der Index den Level überwindet, an dem er Ende vergangener Woche nach unten drehte: das Tageshoch des vergangenen Donnerstags bei 3.962 Punkten!

TecDAX: Monats-Chart vom 28.09.2021, Kurs 3.733,59 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Offenlegung möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in dem besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse Short investiert.

Seit dem 15.11.2000 hat der TecDAX die Marke von 4.000 Punkten nicht mehr gesehen. Unter dem Namen TecDAX sogar noch nie, denn das war noch zu Zeiten des Neuen Markts. Ist die „magische Marke“ das Ziel vieler Trader – oder nur Etappe auf dem weiteren Weg nach oben?

Seit Jahresbeginn hat der TecDAX den DAX ebenso wie den MDAX in der Performance relativ deutlich hinter sich gelassen. Und diese bullische Dynamik kommt nicht aus dem Nichts, sie fußt darauf, dass viele der im TecDAX gelisteten Unternehmen bislang mit ihren Bilanzen positiv überraschen konnten.

TecDAX: Wochen-Chart vom 07.09.2021, Kurs 3.979,11 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

So etwas ist nie in Stein gemeißelt, auch für einige der bisherigen TecDAX-Zugpferde könnte das sich abkühlende Wachstum zum Problem werden. Und darüber hinaus kann es allemal sein, dass manche Titel so heiß gelaufen sind, dass sie um eine Korrektur nicht herumkommen. Gerade bei den dreien, die ab dem 20. September zugleich auch im DAX notiert sein werden (Sartorius, Siemens Healthineers und Qiagen) wäre das denkbar, da so mancher Marktteilnehmer im Vorgriff auf diesen Aufstieg in die erste Liga hier vorgekauft haben und dann seine Gewinne mitnehmen könnte.

Aber ein „könnte“ bricht keinen Trend. Solange der TecDAX seine derzeitige Dynamik aufrechterhält, ist für die Bären hier nichts zu holen. Und so sinnvoll es grundsätzlich ist, auch hinter den Vorhang zu schauen: Am Ende entscheidet die Charttechnik, ob diese jetzt beinahe erreichte, runde Marke von 4.000 Punkten zum Sprungbrett oder zur Endstation wird.

Expertenmeinung: Der TecDAX bewegt sich seit Monaten in den Schienen eines Aufwärtstrendkanals, der zwar immer mal wieder leicht, aber bislang eben nie signifikant gebrochen wurde. Dieser Trendkanal entstand im Mai und diente bis auf eine wacklige Phase im Juli immer wieder als zuverlässige Basis neuer Käufe, zugleich auf seiner Oberseite aber auch als Bremse. Dieser Kanal sowie die 20-Tage-Linie sind momentan die entscheidenden Orientierungspunkte auf kurzfristiger Ebene. Und das sehen eben auch alle Akteure.

Daher kann es momentan keinen besseren Prüfstein für die Solidität des Trends geben als einen Test dieser Trendkanals. Hält dieser einem Test stand, bedeutet das, dass genug Trader bereit sind, ein weiteres Mal zuzugreifen … und das im Gegenzug genug grundsätzlich Ausstiegswillige sofort ihre Verkaufsorders streichen, wenn sie sehen, dass die Bullen unverändert auf dem Posten sind und damit die Chance für neue Jahreshochs erhalten bleibt.

TecDAX: Tages-Chart vom 07.09.2021, Kurs 3.979,11 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Angesichts dieses kurzzeitigen Unterschreitens der „Schiene“ im Juli wäre es zwar angebracht, einen Sicherheitspuffer von etwa einem Index-Prozent für einen Stoppkurs Long auf Schlusskursbasis einzuziehen, ansonsten ist die Orientierung an der unteren, aktuell bei 3.855 Punkten verlaufenden Basislinie dieses Trendkanals derzeit aber die beste Wahl.

Darauf zu verzichten, sich hier abzusichern, sollte man dabei besser nicht. Denn der Chart zeigt auch, dass der nächste Halt im Fall eines Trendkanal-Bruchs erst die Zone 3.555/3.606 Punkte wäre – und so weit nach unten möchte man, sofern man nicht gezielt mittel- und langfristig Long im TecDAX agiert, sicherlich nicht!

Ausgerechnet am letzten Handelstag des Monats drehte der TecDAX, der am Morgen noch ein neues Hoch markiert hatte, ins Minus. Dadurch entstand im Candlestick-Chart ein „bearish engulfing pattern“. Ist das womöglich ein böses Omen für den September?

Sell in may and go away“, dieser alte Spruch erwies sich beim TecDAX auch in diesem Jahr als falsch. Seit Mitte Mai läuft der Index in einem dynamischen Aufwärtstrend. Allerdings ist er im August mehrfach an dessen oberer Begrenzung abgeprallt. Könnte es diesmal dazu kommen, dass auch der zweite Teil des o.a. Spruches, nämlich „but remember to come back in september“, falsch ist und man besser genau jetzt die Gewinne mitnimmt, weil ein ungemütlicher Herbst ansteht?

TecDAX: Tages-Chart vom 31.08.2021, Kurs 3.900,62 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Argumente für einen schwierigen Herbst gäbe es natürlich. Das Wachstum bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Nicht nur in Deutschland, dort aber besonders. Die Inflation dürfte ein Problem bleiben, denn die weit stärker als die Verbraucherpreise gestiegenen Import- und Erzeugerpreise deuten an, dass da noch einiges nachkommt. Hinzu kommt, dass das Thema Corona entgegen der Hoffnung der meisten Anleger noch nicht vom Tisch ist. Und auch, wenn die meisten der im TecDAX notierten Unternehmen im ersten Halbjahr mit ihrer Umsatz- und Gewinnentwicklung überzeugen konnten, müsste man einkalkulieren, dass eine insgesamt nicht so stabile Konjunktur am Ende der Kette auch diejenigen Unternehmen bremst, die sich bislang gut aus der Affäre ziehen konnten. Aber muss das den Aufwärtstrend des TecDAX kippen?

Expertenmeinung: Es kann, aber es muss nicht, zumindest nicht unmittelbar. Immerhin weiß man von all diesen kritischen Aspekten nicht erst seit gestern. Diese Aspekte würden erst dann in den Fokus der Masse der Akteure treten, wenn man einen Grund hätte, sich um Probleme zu kümmern. Was man nicht hat, solange der Trend stur aufwärts weist. Was bedeutet: Erst müsste der TecDAX ein bärisches Signal generieren, dann würden diese Belastungsfaktoren den Druck intensivieren. Die momentan zentrale Frage ist also, ob genug Akteure aussteigen, um diesen Trend zu brechen. Und das könnte deutlich mehr mit dem Zustrom frischen Kapitals als mit volkswirtschaftlichen Fakten zu tun haben.

Der Zustrom frischen Kapitals war über die letzten knapp anderthalb Jahre immens. Es ist normal, dass dieser Zufluss irgendwann an seine Grenzen stößt und der Hausse damit, bildlich gesprochen, der Sprit ausgeht. Und was das angeht, ist es schon eine hochgezogene Augenbraue wert, wenn der TecDAX ausgerechnet am Ultimo eines Monats zuerst den höchsten Stand seit Ende 2000 erreicht, dann aber einen Intraday-Turnaround und ein „bearish engulfing pattern“ aufs Parkett legt, d.h. eine lange rote Kerze, die den Kerzenkörper des Vortags komplett einhüllt.

Denn normalerweise würden die großen Adressen zusehen, dass sie die Dynamik, die der TecDAX ja im Gegensatz zum DAX weiterhin zeigt, so aufrechterhalten, dass die Anleger zur Monatswende weiter frisches Geld von ihren gerade eingelaufenen Gehältern in den Markt tragen. Dieser schwächere Monatsultimo muss nicht, kann aber ein Indiz dafür sein, dass institutionellen Investoren wie Fonds, Hedgefonds oder ETFs diesmal weniger Geld zugeflossen ist als zuletzt und man daher nicht mehr so „all in“ traden kann, wie das beispielsweise Anfang August der Fall war. Aber Vorsicht:

TecDAX: Monats-Chart vom 31.08.2021, Kurs 3.900,62 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Ende April ging ein zuvor ordentlich gelaufener Monat eher schwach zu Ende, was dann in eine Korrektur im Mai überging. Doch der Juni endete ebenfalls nicht gerade überzeugend, eine Korrektur im Juli blieb aber aus. Alleine auf dieses „Omen“ sollte man sich daher auf keinen Fall verlassen, wenn man bereits im Geiste bezüglich eigener Long-Positionen auf gepackten Koffern sitzen sollte. Zumal Sie im Chart auf Monatsbasis sehen, dass dieser schwache Monatsultimo die bullische Aussage des Augusts insgesamt nicht geschmälert hat. Erst, wenn der TecDAX diesen im Mai etablierten Aufwärtstrendkanal mit Schlusskursen unter 3.760 Punkten eindeutig gebrochen hätte, wäre es für kurzfristig ausgerichtete Trades Zeit, die Schäfchen zügig ins Trockene zu bringen.

Rein charttechnisch betrachtet gibt es an der Rallye des TecDAX nichts zu mäkeln. Die runde Marke von 4.000 Punkten kommt in Reichweite, möglich, dass sie bald erreicht wird. Dass das Eis der Hausse dünn ist, ist zwar richtig. Das kann die Rallye bremsen … muss es aber nicht.

Das letzte Mal, dass der TecDAX höher notierte als am Montag, war der November 2000. Damals hieß der TecDAX noch Neuer Markt und man war gerade dabei, aus allen Wolken zu fallen, weil die endlos geglaubte, damalige „Dot.Com“-Hausse in Windeseile zu Staub zerfiel. Heute ist das natürlich etwas anderes. Zumindest sind so ziemlich alle, die beim TecDAX auf Hausse setzen, davon überzeugt. Und im Prinzip ist das auch richtig, denn:

TecDAX: Tages-Chart vom 23.08.2021, Kurs 3.914 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Damals hatte man blind auf rasant und gewaltig steigende Gewinne bei den Unternehmen der damals neuen Branchen Internet, Software, Telekommunikation und Biotechnologie gesetzt und dabei alles über einen Löffel barbiert. Heute sind die Bewertungen zwar relativ zu den Jahren vor der Corona-Krise hoch, aber man setzt nicht auf Wunder, nur auf ein relativ starkes und dann auch konstantes Wachstum. Allerdings stellte sich die Weltwirtschaft von den Rahmenbedingungen her damals weit weniger problematisch dar. Das Wachstum war organisch und nicht künstlich durch Niedrig- und Negativzinsen erzeugt. Es gab keine ansatzweise vergleichbare Schuldenblase, kein Inflationsproblem und natürlich auch keine Pandemie mit all ihren Unwägbarkeiten. So gesehen kann auch die heute deutlich weniger ambitionierte Vorwegnahme kräftigen Wachstums schiefgehen. Aber heute gilt, was damals auch lange galt … so lange, bis die Blase eben platzte:

Expertenmeinung: Solange die meisten die kritischen Aspekte nicht sehen, sich von negativen Nachrichten und Daten nicht in ihrer bullischen Erwartung irritieren lassen, wird weiter gekauft. Erst, wenn die bislang von vielen erfolgreich ausgeblendeten Aspekte wie Inflation, hinter den Erwartungen zurückbleibendes Wachstum, Überschuldung und COVID 19 den bisher ungebrochenen Optimismus unterspülen, wird es kritisch. Aber dazu müssten erst einmal die ersten, großen Adressen ausstiegen bzw. ihre Position auf Short drehen, denn:

Was man monatelang als unproblematisch ansieht, wird selten über Nacht problematisch, erst recht nicht für den Großteil der Marktteilnehmer auf einmal. Daher ist der erste Schritt, der den Trend kippt, in der Regel charttechnischer Natur. Was wiederum bedeutet: Solange die charttechnische Situation bullisch bleibt, lässt sich auf der Short-Seite nichts gewinnen. Und bislang passt es da. Welche Ankerpunkte ließen sich als potenzielle Trigger für eine kippende Stimmung ausmachen?

Zwei Zonen stechen hier hervor. Zum einen ist es der für die kurzfristige Trading-Ebene relevante, im Mai etablierte Aufwärtstrendkanal, der zusammen mit der 20-Tage-Linie die momentane Führungsschiene der Rallye darstellt. Derzeit hat der Index dessen obere Begrenzung erreicht, was die Trader aber nicht zwingend ausbremsen muss. Wichtig ist nur, dass dieser Kanal nicht bricht, was derzeit mit Schlusskursen unter 3.750 Punkten der Fall wäre.

Mittelfristige Akteure sollten vor allem auf die obere Begrenzung der jetzt recht deutlich überbotenen „Trompeten-Formation“ achten, die Sie im Chart auf Monatsbasis sehen:

TecDAX: Monats-Chart vom 23.08.2021, Kurs 3.914 Punkte, Kürzel TDX | Online Broker LYNX

Sollte der TecDAX diese bei momentan 3.550 Punkten verlaufende, obere Begrenzung wieder unterbieten und damit in die „Trompete“ zurückfallen, wäre zugleich auch die Supportzone, die sich aus den Hochs der Monate Februar und April zusammensetzt, gefallen. Dann wäre hier nachhaltig etwas angebrannt. Aber wie gesagt:

Solange genug Akteure die kritischen Aspekte in Bezug auf die Rahmenbedingungen ignorieren, ist nach oben zunächst nichts unmöglich!