AIXTRON Aktie aktuell Aixtron: Bricht die Aktie jetzt nochmal nach oben aus?

News: Aktuelle Analyse der AIXTRON Aktie

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AIXTRON
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Zur AIXTRON Aktie

Mit der deutlichen Anhebung der 2021er-Prognose sorgte Aixtron Anfang Juni für ein Kursfeuerwerk. Danach ging die Aktie in eine kurzfristige Seitwärtsbewegung über, aber gestern machte der Kurs Anstalten, diese nach oben zu verlassen. Geht diese Rallye weiter?

27 Prozent Kursgewinn in nur zwei Handelstagen, das war die Reaktion auf die Anhebung der Umsatz- und Margenprognose des für die Halbleiterindustrie produzierenden Anlagenbauers Aixtron. Und dass die Aktie daraufhin einen Riesensatz machte, war durchaus nachvollziehbar, denn wenn bei Umsatz und Marge jeweils das neue, obere Ende der erwarteten Spanne erreicht würde, hieße das, dass die bisherige Prognose um fast 50 Prozent übertroffen wird.

Selbst auf dem noch etwas über dem Level der ersten Reaktion liegenden Kurs der Aktie vom Wochenstart würde bei den jetzt avisierten Gewinnen „nur“ ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 38 herauskommen. Vorher war die Aktie teurer bewertet, weil der Kurssprung trotz seiner beeindruckenden Größenordnung kleiner ausfiel als die jetzt erhoffte Gewinnsteigerung im EBITDA (Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen). So gesehen wäre da ja noch Luft nach oben, der jetzt angedeutete Ausbruch aus der Flaggen-Formation die Basis eines erneuten, starken Impulses … oder?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur AIXTRON Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Das kann so kommen, aber zu viel erwarten sollte man da vielleicht besser nicht. Richtig ist, dass nahezu alle die Aktie überwachenden Analysten nach dieser Prognose-Anhebung ihre Kursziele nach oben angepasst haben, aber da ging es immer nur um ein, zwei, auch mal um drei Euro. Aktuell läge das durchschnittliche Kursziel, errechnet nur aus den nach der Meldung angepassten Kurszielen, bei 26,50 Euro und damit nicht mehr allzu weit über dem aktuellen Level der Aktie.

Das dürfte vor allem darauf basieren, dass man zwar einen weit stärker als gedachten Gewinn für 2021 einplant, die Analysten aber beim Blick über 2021 hinaus Vorsicht walten lassen, weil Aixtron als Zulieferunternehmen der immens konjunktursensiblen Halleiterindustrie zwar von der momentan Chipknappheit mit profitiert, diese aber ja nicht für die Ewigkeit fortbesteht. Sind die Kapazitäten bei den Chipherstellern erst einmal ausgebaut, könnten – müssen nicht – die Aufträge für Aixtrons Anlagen deutlich zurückgehen.

Aixtron-Aktie: Chart vom 28.06.2021, Kurs 23,18 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Daher wäre es ratsam, einen Ausbau bestehender Long-Positionen oder gar den Neueinstieg konsequent eng abzusichern, indem man den Stoppkurs (auch für bereits vorhandene Positionen) knapp unter die untere Begrenzung dieser bullischen Flagge legt, die durch ihr Erscheinen eine ideale Möglichkeit aufgetan hat, sich nahe des aktuellen Kurses abzusichern. Denn sollte der Ausbruch nicht nachhaltig sein und diese im Chart blau markierte Flagge durch Schlusskurse unter 21,70 Euro nach unten verlassen werden, läuft hier etwas nicht, wie es soll!

 

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Vorherige Analysen der AIXTRON Aktie

Die Größenordnung, um die Aixtron seinen 2021er Ausblick anhob, war immens. Doch ist die neue Prognose durch das Plus von 26 Prozent, das die Aixtron-Aktie seit der Meldung erzielte, nicht schon im Kurs eingepreist? Sollte man jetzt Gewinne mitnehmen? Wir rechnen nach.

Es war kein wirklich idealer Zeitpunkt, zu dem der für die Halbleiterindustrie produzierende Anlagenbauer Aixtron seine Neueinschätzung für das Gesamtjahr präsentierte: Am Mittwoch nur gut eine halbe Stunde vor Handelsende … das überrumpelte natürlich viele Akteure. Nach Handelsschluss oder vor Handelsbeginn wäre da definitiv sensibler gewesen. So verteilte sich die Reaktion auf zwei Tage: Dier ersten kauften bereits am Mittwoch kurz vor Torschluss, der Rest musste dann am Donnerstag nachziehen.

Alleine am Donnerstag legte die Aixtron-Aktie satte 18,5 Prozent zu, zusammen mit der ersten Reaktion des Vortages summiert sich der Anstieg als Reaktion auf diese deutlich angehobene Perspektive auf 26 Prozent. War diese Neuneinschätzung wirklich so immens … oder haben die Trader da im Eifer des Gefechts überzogen?

Expertenmeinung: Das haben sie grundsätzlich nicht. Aixtron hob seine Umsatzprognose von zuvor ca. 360 Millionen Euro auf 400 bis 440 Millionen an. Zugleich sieht man jetzt die Gewinnmarge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA-Marge) zwischen 20 und 22 Prozent, zuvor wurden da 18 Prozent erwartet. Die höhere Marge wirkt dabei wie ein Multiplikator, weil dann bei einem steigenden Umsatz auch noch von jedem eingenommenen Euro mehr in der Kasse bleibt. Wenn man unterstellt, dass bei Umsatz und Marge jeweils das obere Ende der jetzt avisierten Spanne erreicht würde, wäre das gegenüber der vorherigen Annahme ein Plus auf EBITDA-Gewinnbasis von 49 Prozent!

So gesehen hätten die Anleger eigentlich erst die Hälfte dieser neuen Perspektive in den Aktienkurs „eingearbeitet“. Könnte man hier also noch zugreifen? Da sollte man besser vorsichtig sein, denn:

Nach dieser neuen Prognose wäre die Aktie nur dann nicht bereits zu teuer, wenn ein ähnliches Wachstum auch in den kommenden Jahren erreicht würde – was aber noch nicht absehbar ist. Denn „billig“ war Aixtron auch vor dieser angehobenen Perspektive nicht mehr, da war bereits eine Menge Spekulation im Kurs drin. Aktuell würde sich auf Basis einer Neueinschätzung der 2021er-Gewinne ein Kurs/Gewinn-Verhältnis um 40 errechnen. Das ist akzeptabel, aber würde die Aktie jetzt noch deutlich weiter zulegen, würde sie dann auch entsprechend „teuer“ sein. Daher wäre es eher gewagt, sich auf die Rechnung einer noch nicht voll eingepreisten Neubewertung der Gewinnerwartung einzulassen und diesem Riesensatz des Aktienkurses noch hinterherzulaufen.

Eher wäre es eine Überlegung wert, dieses Geschenk dankend anzunehmen, indem man einen kleineren Teil bestehender Positionen verkauft, immerhin notiert der Kurs jetzt so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Für die verbleibende Position ist dieser Kurssprung insofern ideal, als er es ermöglicht, den Stoppkurs deutlich anzuheben. Denn jetzt sollte die Aixtron-Aktie tunlichst nicht mehr nennenswert unter die durch den Kurssprung überbotene, jetzt als Support fungierende Zone 19,75/20,35 Euro fallen.

Aixtron-Aktie: Chart vom 10.06.2021, Kurs 21,74 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Es war mit Händen zu greifen, dass es die Trader bei der Aixtron-Aktie übertrieben hatten. Am Ende war es die Bilanz des ersten Quartals, die den Bullen den Garaus machte. Doch seither hat der Kurs kräftig nachgegeben – könnte man langsam an den Einstieg denken?

Es war wohl die zunehmende Chip-Knappheit, die manchen Anleger dazu verleitete, auch bei Aixtron auf eine massive Hausse zu wetten, immerhin ist das Unternehmen ein Maschinen- und Anlagenbauer, der vor allem Fertigungsanlagen für die Halbleiterindustrie produziert. Doch wenn eine Aktie sich im Kurs binnen vier Monaten mehr als verdoppelt, müssen die Ergebnisse grandios sein, um die dadurch weit höhere Bewertung der Aktie zu rechtfertigen.

Es stellte sich am 29. April, als Aixtron die Zahlen für das erste Quartal vorlegte, heraus, dass sie nicht grandios genug waren. Der Auftragseingang war zwar mit 124,4 Millionen über 80 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Aber der Umsatz blieb mit 49,5 Millionen Euro unter den Erwartungen der Analysten, gleiches galt für den Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT), der bei -0,7 Millionen lag, während die Experten im Schnitt +3,7 Millionen erwartet hatten.

Expertenmeinung: Die Aktie wurde daraufhin von vielen Akteuren umgehend über Bord geworfen, der Kurs verlor an diesem 29. April über neun Prozent. Und damit war der Abgabedruck noch nicht vorbei: Die Reaktion auf die Bilanz hatte zunächst noch keine markanteren charttechnischen Konsequenzen, aber die kamen einige Tage später, als die Aktie zunächst in den mittelfristigen Aufwärtstrendkanal zurückfiel, dessen obere Begrenzung im März noch verteidigt werden konnte und der Kurs wenig später auch noch dieses März-Tief unterbot und damit ein großes Doppeltopp vollendete.

Das rechnerische Kursziel dieses Doppeltopps läge um 11 Euro und damit in etwa auf Köhe der unteren Begrenzung des im März 2020 etablierten Aufwärtstrendkanals. Aber wenngleich man nicht ausschließen kann, dass die Aktie tatsächlich derart weit durchgereicht wird, gäbe es Argumente dafür, dass das Abwärtspotenzial langsam begrenzt ist. Denn diese Abgaben lagen eher daran, dass zu viele Akteure hier zu viel riskierten als an der Bilanz selbst. Denn wenngleich die Ergebnisse des ersten Quartals nicht umwerfend waren, der Ausblick auf das gesamte Geschäftsjahr war durchaus beeindruckend:

Die Umsatz-Guidance liegt zwischen 320 und 360 Millionen Euro, das wäre ein sehr ordentliches Plus gegenüber den Vorjahren. Und darüber hinaus hob Aixtron die Prognose für die EBIT-Gewinnmarge von zuvor 16 auf jetzt 18 Prozent an. Das wäre besser als die Marge im „Prä-Corona“-Jahr 2019. Vorher wäre die Aktie zwar auch angesichts dieser guten Perspektive sehr teuer bewertet gewesen, aber auf dem jetzt erreichten, tieferen Level läge das 2021er-Kurs/Gewinn-Verhältnis knapp über 30 – das wäre akzeptabel. Also, kaufen?

Auch, wenn die Chance greifbarer wird, dass sich die Aktie fängt, ist der Kurs bislang doch ein fallendes Messer. Ein Test der 200-Tage-Linie, aktuell bei 13,90 Euro, wäre noch allemal möglich. Daher wäre die bessere Lösung abzuwarten, ob es gelingt, Widerstände zu überbieten. Denn das würde indizieren, dass das Bären-Lager solche Marken entweder nicht mehr aktiv verteidigt oder aber die Bullen einfach stärker sind und damit das Ruder wieder in Händen halten.

Ein solches Signal würde in der derzeitigen Chartkonstellation dann entstehen, wenn die Aixtron-Aktie mit Schlusskursen über 17,20 Euro wieder aus diesem Trendkanal nach oben hinaus laufen und damit zugleich die 20-Tage-Linie zurückerobern würde. Wer vorher zugreifen würde, hätte zwar eine höhere Gewinnchance, aber ein überproportional höheres Risiko.

Aixtron-Aktie: Chart vom 14.05.2021, Kurs 15,50 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Chips werden den Herstellern derzeit aus den Händen gerissen. Davon profitiert auch Aixtron als Chipindustrie-Zulieferer. Aber jetzt ist eine Charthürde erreicht, an der sich die Bullen seit Wochen abarbeiten. Schafft die Aixtron-Aktie den Ausbruch?

Sie könnte es schaffen, wenn die für den 29.4. erwarteten Ergebnisse des ersten Quartals so stark ausfallen wie die des vierten Quartals 2020 und Aixtron an der Prognose für 2021 festhält, sie im Idealfall noch einmal erhöht. Denn grundsätzlich hängt der Himmel für den Hersteller von Wafer-Beschichtungsanlagen und anderen Spezialanlagen für die Chipindustrie in Relation zu der Zeit von fünf, sechs Jahren, als man Aixtron als nicht alleine überlebensfähig ansah, voller Geigen.

2020 hatte sich das Unternehmen ins Sachen Umsatz und Gewinn in etwa auf dem Level von 2019 halten können, doch seit dem Herbst 2020 zieht das Geschäft gewaltig an, ausgelöst durch die weiterhin bestehende, weltweite Chip-Knappheit. Der Auftragseingang war bereits 2020 um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, daraus leitete Aixtron bei der Vorlage der 2020er-Bilanz Ende Februar eine beeindruckende Perspektive ab:

Beim Umsatz sieht man aktuell 320 bis 360 Millionen Euro nach 269 Millionen im Jahr 2020. Die EBIT-Marge soll bei 16 Prozent liegen. Daraus würde sich ein Gewinn pro Aktie von 0,45 bis 0,51 Euro, nach 0,31 Euro im Vorjahr, errechnen. Auf dem aktuellen Niveau der Aktie würde das ein Kurs/Gewinn-Verhältnis zwischen 36 und 41 bedeuten. Das ist nicht zu teuer, da wäre durchaus noch Luft für den Kurs nach oben, wenn …

Expertenmeinung: … wenn die Anleger nicht zu dem Schluss kommen sollten, dass die derzeitige Boomphase nur eine überschaubare Zeit vorhält. Denn was, wenn die Wafer- und Chiphersteller ihre Produktionskapazität der gestiegenen Nachfrage angepasst haben? Was, wenn dann sogar Kapazitäten, die im Zuge der Knappheit aufgebaut wurden, brach liegen? Würden Unternehmen wie Aixtron dann nicht in ein Auftragsloch fallen?

Das wäre zweifellos der Fall. Die Frage ist nur, wann das passiert. Solange Aixtron mit starken Zuwachsraten imstande ist, das Feuer am Brennen zu halten, kann eine überzeugende Bilanz des ersten Quartals in der kommenden Woche durchaus erreichen, was in den vergangenen zwei Monaten vergeblich versucht wurde: Der signifikante Ausbruch über das Hoch des Jahres 2018 bei 19,75 Euro.  

Sie sehen im Chart, dass sich Anfang November ein steiler Aufwärtstrend gebildet hat, den die Aktie aktuell verteidigen muss. Das ist die Folge mehrerer Versuche, über dieses vorgenannte 2018er-Hoch hinauszukommen. Bis in der Spitze 20,35 Euro war man schon gekommen, aber um 20 Euro setzten immer wieder Abgaben ein, die das Durchkommen verhinderten. Vor der am kommenden Donnerstag erwarteten Bilanz ist eine Entscheidung nicht sehr wahrscheinlich, mit diesen Zahlen auf dem Tisch dürfte dann aber Tacheles geredet werden. Schlusskurse über 20,35 Euro würden den Weg nach oben freimachen. Sollte Aixtron aber das bisherige Wochen-Verlaufstief von 17,63 Euro nach den Zahlen unterbieten, wäre die Chance für die Bullen vertan und ein kräftiger Rücksetzer zu erwarten.

Chart vom 22.04.2021, Kurs 18,755 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Wie mein Kollege Tobias Krieg am Freitag an dieser Stelle in seiner Analyse „Herzlich Willkommen zur Schrottrallye“ absolut zutreffend schrieb, neigen unerfahrene Anleger dazu, sich auf optisch billige Aktien zu stürzen, auf die also, die durch einen niedrigen Kurs wirken, als seien sie ein Schnäppchen. Und derzeit gibt es so viele neue Anleger wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Zwar ist die Aixtron-Aktie zwar ganz eindeutig kein „Schrott“, aber:

Eine Aktie, die zehn Euro kostet, ist deswegen nicht „billiger“ als eine Aktie mit einem Kurs von 1.000 Euro. Es kommt auf die Bewertung an, also auf die Relation des Kurses zum Gewinn, den das Unternehmen pro Aktie erwirtschaftet hat und darauf, wie die Perspektive für diese Gewinne aussieht.

Wenn eine Aktie stark steigt, kann das daran liegen, dass diese Gewinnperspektive herausragend ist … es kann aber auch daran liegen, dass sich viele Anleger auf die Aktie stürzen, nur, weil sie einen niedrigen Kurs hat und gerade rasant zulegt. Anleger, die entweder gar nicht wissen, wie man eine Bewertung ermittelt oder die einfach darauf setzen, dass die anderen, die da kaufen, schon wissen werden, was sie da tun. Zu welcher Kategorie müsste man die Aktie des vor allem für die Chipindustrie produzierenden Maschinenbauers Aixtron zählen?

Expertenmeinung: Im Moment zur zweiten Kategorie. Denn erst am Donnerstag (25. Februar) steht die Veröffentlichung der Bilanz an. Bis dahin weiß noch niemand, wie das vierte Quartal und damit das Gesamtjahr 2020 gelaufen sind und ebenso wenig, wie das Unternehmen die Perspektive für das 2021 einschätzt. Aber wieso ist die Aktie dann so extrem stark gelaufen und machte am Freitag nach einer Mini-Korrektur einen gewaltigen Sprung?

Aus zwei Gründen. Zum einen, weil sich viele Anleger gerne an den Kurszielen der Bankanalysten orientieren, weil man sich sagt: Die müssen ja wissen, was sie tun. Und als die Deutsche Bank ihr Kursziel am Freitagmorgen radikal von 14 auf 22 Euro anhob, sahen das viele als Beleg dafür, dass Aixtron noch eine Menge Luft nach oben hat. Aber wissen die Analysten wirklich immer, was sie da tun? Nur zwei von acht die Aktie beobachtenden Analysten haben Kursziele, die über dem aktuellen Kurs der Aktie liegen. Und mit 22 Euro setzte die Deutsche Bank jetzt das höchste aller Kursziele an.

Wenige Tage vor der entscheidenden Bilanz ist das aber vor allem eine Kombination aus Annahmen und Wagnis. Erst diese Zahlen am Donnerstag werden zeigen, ob die Aktie wirklich Richtung 22 Euro laufen und sich dort halten kann und ob die Schätzungen der Analysten für den Gewinn pro Aktie 2021 Bestand haben.

Es ist normal, dass sich die Käufer vor allem an super-bullischen Kurszielen orientieren. Würde man sich indes den Durchschnitt der Analysten-Kursziele ansehen, würde man feststellen, dass der momentan bei 15,40 Euro liegt, denn andere Analysten sind weit weniger optimistisch. Und an diesen 15,40 Euro ist Aixtron längst vorbeigezogen. 

Der andere Grund für diesen Kurssprung findet sich in der Charttechnik. Diese immense Kursziel-Anhebung kam in dieser Hinsicht im genau richtigen Moment: Gerade hatte die Aktie die für die Rallye entscheidenden Unterstützungen touchiert: die steile November-Aufwärtstrendlinie sowie die auf gleicher Höhe laufende 20-Tage-Linie bei aktuell 16,48 Euro. Damit hatten die Bullen ihren Anlass, um den Kurs erneut in Marsch zu setzen. Aber:

Die Charttechnik führt Trends, kann sich aber nicht ewig als Kurstreiber halten, wenn einlaufende Unternehmensdaten dem Trend zuwiderlaufen bzw. ihn zumindest überzogen wirken lassen. Und Kursziele so kurz vor solchen wichtigen Bilanzzahlen sind nicht „schussfest“. Daher wäre man hier gut beraten, nicht mehr ohne Fallschirm auf der Long-Seite zu agieren … wobei sich die gerade erst getestete und als Sprungbrett dienende doppelte Unterstützung aus November-Aufwärtstrendlinie und 20-Tage-Linie als ideale Orientierungsbasis für einen Stoppkurs anbietet.

Aixtron Aktie: Chart vom 19.02.2021, Kurs 17,96 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Die Börse ist im Rallye-Modus. Die Indizes stehen am Allzeithoch, die Kurse gehen durch die Decke, teilweise haben sie sich vervielfacht.

Bei einigen Krisengewinnern ist das noch halbwegs nachvollziehbar, bei anderen Aktien lauern aber ernstzunehmende Gefahren.

Für viele Anleger wird das nicht gut enden. Die ein oder andere Depotleiche ist vorprogrammiert.

Schützen Sie sich davor: Herzlich Willkommen zur Schrottrallye

Weitere Beispiele gefällig?

Im zuvor verlinkten Artikel wurde ausführlich beschrieben, wo die größten Gefahren lauern und wie man sie umschiffen kann.

Vielleicht ist es ratsam, auch aktuelle Beispiele zu betrachten.
Aktien von langfristigen Underperformern, mit operativen Problemen, die sich trotzdem im Rallye-Modus befinden.

Weltmarktführer in Wachstumsbranche

Mit dem patentgeschützten Metal Organic Chemical Vapor Deposition Verfahren sieht sich Aixtron als Technologieführer.

Chip-Hersteller aus aller Welt nutzen die Aixtron-Anlagen und die Branche erlebt seit Jahren einen Boom. Auch in der Zukunft dürfte der Halbleiter-Markt wohl kaum schrumpfen.
Es handelt sich eindeutig um eine Wachstumsbranche.

Das hört sich doch mehr als erfreulich an und beflügelt die Fantasie der Anleger. Die Realität sieht aber ganz anders aus.

Harte Zahlen

Seit dem Börsengang 1997 läuft die Aktie hochvolatil seitwärts, weitgehend zwischen 3 und 40 Euro.

Wobei das Allzeithoch der Jahrtausendwende nie mehr erreicht wurde und auf jede größere Rallye ein Absturz auf den Boden der Tatsachen folgte.

Das hat einen einfachen Grund. Abseits von den schönen Worten läuft es bei Aixtron nicht sonderlich gut. Der Umsatz ist heute niedriger als vor einer Dekade und in Summe hat man in dieser Zeit auch kein Geld verdient.

In fünf der letzten zehn Jahre war man nicht profitabel.

Zum lachen

Die jüngere Vergangenheit sieht nicht viel besser aus. Im letzten Geschäftsjahr (2019) ist der Umsatz von 269 auf 260 Mio. Euro gesunken und das Ergebnis um 30% auf 0,29 Euro je Aktie eingebrochen.

In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres ist der Umsatz um weitere 13% auf 161,1 Mio. Euro gesunken.
Das Ergebnis hat sich von 0,18 auf 0,09 Euro je Aktie halbiert.

Resultat? Die Aktie ist im Rallyemodus.

Damals wie heute?

Wie Sie in den folgenden beiden Charts sehen werden, ist das nicht die erste fulminante Rallye von Aixtron.
Die Zeit wird zeigen, ob sie auch dieses Mal so endet.

Zuerst der Chart von 2008 bis 2011. Die Aktie war extrem bullisch und hatte gerade ein Kaufsignal ausgebildet.
Anschließend der Chart bis 2015. Über Jahre hinweg gab es nicht mehr viel zu lachen.

Der Vollständigkeit halber sollte man vielleicht noch folgendes erwähnen: Als Aixtron im Jahr 2010 bei 17 Euro notierte (wie derzeit), konnte man einen Umsatz von 783 Mio. Euro und ein Ergebnis von 1,89 Euro je Aktie vorweisen.

Wir werden am 25. Februar sehen, wieviel es dieses Jahr wurde. Die Schätzungen liegen bei einem Umsatz von 270 Mio. Euro und einem Ergebnis von 0,25 Euro je Aktie.

Aixtron Chart von 2008 bis 2011 Kürzel: AIXA - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Aixtron Chart von 2008 bis 2011 Kürzel: AIXA – Wochenkerzen
Aixtron Chart von 2008 bis 2015 Kürzel: AIXA - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Aixtron Chart von 2008 bis 2015 Kürzel: AIXA – Wochenkerzen

15. Oktober 2019

Aixtron: Das sieht gut aus