AIXTRON Aktie aktuell Aixtron: Die große Hürde – geht die Aktie da drüber?

News: Aktuelle Analyse der AIXTRON Aktie

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AIXTRON
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Zur AIXTRON Aktie

Chips werden den Herstellern derzeit aus den Händen gerissen. Davon profitiert auch Aixtron als Chipindustrie-Zulieferer. Aber jetzt ist eine Charthürde erreicht, an der sich die Bullen seit Wochen abarbeiten. Schafft die Aixtron-Aktie den Ausbruch?

Sie könnte es schaffen, wenn die für den 29.4. erwarteten Ergebnisse des ersten Quartals so stark ausfallen wie die des vierten Quartals 2020 und Aixtron an der Prognose für 2021 festhält, sie im Idealfall noch einmal erhöht. Denn grundsätzlich hängt der Himmel für den Hersteller von Wafer-Beschichtungsanlagen und anderen Spezialanlagen für die Chipindustrie in Relation zu der Zeit von fünf, sechs Jahren, als man Aixtron als nicht alleine überlebensfähig ansah, voller Geigen.

2020 hatte sich das Unternehmen ins Sachen Umsatz und Gewinn in etwa auf dem Level von 2019 halten können, doch seit dem Herbst 2020 zieht das Geschäft gewaltig an, ausgelöst durch die weiterhin bestehende, weltweite Chip-Knappheit. Der Auftragseingang war bereits 2020 um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, daraus leitete Aixtron bei der Vorlage der 2020er-Bilanz Ende Februar eine beeindruckende Perspektive ab:

Beim Umsatz sieht man aktuell 320 bis 360 Millionen Euro nach 269 Millionen im Jahr 2020. Die EBIT-Marge soll bei 16 Prozent liegen. Daraus würde sich ein Gewinn pro Aktie von 0,45 bis 0,51 Euro, nach 0,31 Euro im Vorjahr, errechnen. Auf dem aktuellen Niveau der Aktie würde das ein Kurs/Gewinn-Verhältnis zwischen 36 und 41 bedeuten. Das ist nicht zu teuer, da wäre durchaus noch Luft für den Kurs nach oben, wenn …

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur AIXTRON Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: … wenn die Anleger nicht zu dem Schluss kommen sollten, dass die derzeitige Boomphase nur eine überschaubare Zeit vorhält. Denn was, wenn die Wafer- und Chiphersteller ihre Produktionskapazität der gestiegenen Nachfrage angepasst haben? Was, wenn dann sogar Kapazitäten, die im Zuge der Knappheit aufgebaut wurden, brach liegen? Würden Unternehmen wie Aixtron dann nicht in ein Auftragsloch fallen?

Das wäre zweifellos der Fall. Die Frage ist nur, wann das passiert. Solange Aixtron mit starken Zuwachsraten imstande ist, das Feuer am Brennen zu halten, kann eine überzeugende Bilanz des ersten Quartals in der kommenden Woche durchaus erreichen, was in den vergangenen zwei Monaten vergeblich versucht wurde: Der signifikante Ausbruch über das Hoch des Jahres 2018 bei 19,75 Euro.  

Sie sehen im Chart, dass sich Anfang November ein steiler Aufwärtstrend gebildet hat, den die Aktie aktuell verteidigen muss. Das ist die Folge mehrerer Versuche, über dieses vorgenannte 2018er-Hoch hinauszukommen. Bis in der Spitze 20,35 Euro war man schon gekommen, aber um 20 Euro setzten immer wieder Abgaben ein, die das Durchkommen verhinderten. Vor der am kommenden Donnerstag erwarteten Bilanz ist eine Entscheidung nicht sehr wahrscheinlich, mit diesen Zahlen auf dem Tisch dürfte dann aber Tacheles geredet werden. Schlusskurse über 20,35 Euro würden den Weg nach oben freimachen. Sollte Aixtron aber das bisherige Wochen-Verlaufstief von 17,63 Euro nach den Zahlen unterbieten, wäre die Chance für die Bullen vertan und ein kräftiger Rücksetzer zu erwarten.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der AIXTRON Aktie

Wie mein Kollege Tobias Krieg am Freitag an dieser Stelle in seiner Analyse „Herzlich Willkommen zur Schrottrallye“ absolut zutreffend schrieb, neigen unerfahrene Anleger dazu, sich auf optisch billige Aktien zu stürzen, auf die also, die durch einen niedrigen Kurs wirken, als seien sie ein Schnäppchen. Und derzeit gibt es so viele neue Anleger wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Zwar ist die Aixtron-Aktie zwar ganz eindeutig kein „Schrott“, aber:

Eine Aktie, die zehn Euro kostet, ist deswegen nicht „billiger“ als eine Aktie mit einem Kurs von 1.000 Euro. Es kommt auf die Bewertung an, also auf die Relation des Kurses zum Gewinn, den das Unternehmen pro Aktie erwirtschaftet hat und darauf, wie die Perspektive für diese Gewinne aussieht.

Wenn eine Aktie stark steigt, kann das daran liegen, dass diese Gewinnperspektive herausragend ist … es kann aber auch daran liegen, dass sich viele Anleger auf die Aktie stürzen, nur, weil sie einen niedrigen Kurs hat und gerade rasant zulegt. Anleger, die entweder gar nicht wissen, wie man eine Bewertung ermittelt oder die einfach darauf setzen, dass die anderen, die da kaufen, schon wissen werden, was sie da tun. Zu welcher Kategorie müsste man die Aktie des vor allem für die Chipindustrie produzierenden Maschinenbauers Aixtron zählen?

Expertenmeinung: Im Moment zur zweiten Kategorie. Denn erst am Donnerstag (25. Februar) steht die Veröffentlichung der Bilanz an. Bis dahin weiß noch niemand, wie das vierte Quartal und damit das Gesamtjahr 2020 gelaufen sind und ebenso wenig, wie das Unternehmen die Perspektive für das 2021 einschätzt. Aber wieso ist die Aktie dann so extrem stark gelaufen und machte am Freitag nach einer Mini-Korrektur einen gewaltigen Sprung?

Aus zwei Gründen. Zum einen, weil sich viele Anleger gerne an den Kurszielen der Bankanalysten orientieren, weil man sich sagt: Die müssen ja wissen, was sie tun. Und als die Deutsche Bank ihr Kursziel am Freitagmorgen radikal von 14 auf 22 Euro anhob, sahen das viele als Beleg dafür, dass Aixtron noch eine Menge Luft nach oben hat. Aber wissen die Analysten wirklich immer, was sie da tun? Nur zwei von acht die Aktie beobachtenden Analysten haben Kursziele, die über dem aktuellen Kurs der Aktie liegen. Und mit 22 Euro setzte die Deutsche Bank jetzt das höchste aller Kursziele an.

Wenige Tage vor der entscheidenden Bilanz ist das aber vor allem eine Kombination aus Annahmen und Wagnis. Erst diese Zahlen am Donnerstag werden zeigen, ob die Aktie wirklich Richtung 22 Euro laufen und sich dort halten kann und ob die Schätzungen der Analysten für den Gewinn pro Aktie 2021 Bestand haben.

Es ist normal, dass sich die Käufer vor allem an super-bullischen Kurszielen orientieren. Würde man sich indes den Durchschnitt der Analysten-Kursziele ansehen, würde man feststellen, dass der momentan bei 15,40 Euro liegt, denn andere Analysten sind weit weniger optimistisch. Und an diesen 15,40 Euro ist Aixtron längst vorbeigezogen. 

Der andere Grund für diesen Kurssprung findet sich in der Charttechnik. Diese immense Kursziel-Anhebung kam in dieser Hinsicht im genau richtigen Moment: Gerade hatte die Aktie die für die Rallye entscheidenden Unterstützungen touchiert: die steile November-Aufwärtstrendlinie sowie die auf gleicher Höhe laufende 20-Tage-Linie bei aktuell 16,48 Euro. Damit hatten die Bullen ihren Anlass, um den Kurs erneut in Marsch zu setzen. Aber:

Die Charttechnik führt Trends, kann sich aber nicht ewig als Kurstreiber halten, wenn einlaufende Unternehmensdaten dem Trend zuwiderlaufen bzw. ihn zumindest überzogen wirken lassen. Und Kursziele so kurz vor solchen wichtigen Bilanzzahlen sind nicht „schussfest“. Daher wäre man hier gut beraten, nicht mehr ohne Fallschirm auf der Long-Seite zu agieren … wobei sich die gerade erst getestete und als Sprungbrett dienende doppelte Unterstützung aus November-Aufwärtstrendlinie und 20-Tage-Linie als ideale Orientierungsbasis für einen Stoppkurs anbietet.

Die Börse ist im Rallye-Modus. Die Indizes stehen am Allzeithoch, die Kurse gehen durch die Decke, teilweise haben sie sich vervielfacht.

Bei einigen Krisengewinnern ist das noch halbwegs nachvollziehbar, bei anderen Aktien lauern aber ernstzunehmende Gefahren.

Für viele Anleger wird das nicht gut enden. Die ein oder andere Depotleiche ist vorprogrammiert.

Schützen Sie sich davor: Herzlich Willkommen zur Schrottrallye

Weitere Beispiele gefällig?

Im zuvor verlinkten Artikel wurde ausführlich beschrieben, wo die größten Gefahren lauern und wie man sie umschiffen kann.

Vielleicht ist es ratsam, auch aktuelle Beispiele zu betrachten.
Aktien von langfristigen Underperformern, mit operativen Problemen, die sich trotzdem im Rallye-Modus befinden.

Weltmarktführer in Wachstumsbranche

Mit dem patentgeschützten Metal Organic Chemical Vapor Deposition Verfahren sieht sich Aixtron als Technologieführer.

Chip-Hersteller aus aller Welt nutzen die Aixtron-Anlagen und die Branche erlebt seit Jahren einen Boom. Auch in der Zukunft dürfte der Halbleiter-Markt wohl kaum schrumpfen.
Es handelt sich eindeutig um eine Wachstumsbranche.

Das hört sich doch mehr als erfreulich an und beflügelt die Fantasie der Anleger. Die Realität sieht aber ganz anders aus.

Harte Zahlen

Seit dem Börsengang 1997 läuft die Aktie hochvolatil seitwärts, weitgehend zwischen 3 und 40 Euro.

Wobei das Allzeithoch der Jahrtausendwende nie mehr erreicht wurde und auf jede größere Rallye ein Absturz auf den Boden der Tatsachen folgte.

Das hat einen einfachen Grund. Abseits von den schönen Worten läuft es bei Aixtron nicht sonderlich gut. Der Umsatz ist heute niedriger als vor einer Dekade und in Summe hat man in dieser Zeit auch kein Geld verdient.

In fünf der letzten zehn Jahre war man nicht profitabel.

Zum lachen

Die jüngere Vergangenheit sieht nicht viel besser aus. Im letzten Geschäftsjahr (2019) ist der Umsatz von 269 auf 260 Mio. Euro gesunken und das Ergebnis um 30% auf 0,29 Euro je Aktie eingebrochen.

In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres ist der Umsatz um weitere 13% auf 161,1 Mio. Euro gesunken.
Das Ergebnis hat sich von 0,18 auf 0,09 Euro je Aktie halbiert.

Resultat? Die Aktie ist im Rallyemodus.

Damals wie heute?

Wie Sie in den folgenden beiden Charts sehen werden, ist das nicht die erste fulminante Rallye von Aixtron.
Die Zeit wird zeigen, ob sie auch dieses Mal so endet.

Zuerst der Chart von 2008 bis 2011. Die Aktie war extrem bullisch und hatte gerade ein Kaufsignal ausgebildet.
Anschließend der Chart bis 2015. Über Jahre hinweg gab es nicht mehr viel zu lachen.

Der Vollständigkeit halber sollte man vielleicht noch folgendes erwähnen: Als Aixtron im Jahr 2010 bei 17 Euro notierte (wie derzeit), konnte man einen Umsatz von 783 Mio. Euro und ein Ergebnis von 1,89 Euro je Aktie vorweisen.

Wir werden am 25. Februar sehen, wieviel es dieses Jahr wurde. Die Schätzungen liegen bei einem Umsatz von 270 Mio. Euro und einem Ergebnis von 0,25 Euro je Aktie.

Aixtron Chart von 2008 bis 2011 Kürzel: AIXA – Wochenkerzen
Aixtron Chart von 2008 bis 2015 Kürzel: AIXA – Wochenkerzen

Man weiß bislang weder, wie der vor allem für die Halbleiterindustrie produzierende Maschinen- und Anlagenbauer Aixtron die Perspektiven für 2021 sieht noch, wie das vierte Quartal gelaufen ist, denn diese Ergebnisse stehen erst in der nächsten Woche, am 26. Februar, an. Trotzdem setzen die Trader hier auf Hausse … und das derart aggressiv, dass sich der Kurs der Aixtron Aktie seit Anfang November in der Spitze verdoppelt hat. Gewagt? Allerdings.

Richtig ist zwar, dass der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer ein starkes viertes Quartal vermeldete. Richtig ist ebenso, dass die Chipindustrie als Kundschaft des Unternehmens weitaus besser durch das Jahr 2020 gekommen ist als noch im Frühjahr 2020 befürchtet, so dass man hoffen darf, dass Umsatz und Auftragseingang im vierten Quartal zugelegt haben und Aixtron einen positiven Ausblick geben wird. Aber:

Expertenmeinung: Richtig ist eben auch, dass die Basis, von der aus die Rallye startete, der kräftige Kursrutsch um zwölf Prozent am 29. Oktober ist, der intraday noch weit umfassender ausgefallen war. An diesem 29. Oktober hatte Aixtron das Ergebnis des 3. Quartals vorgelegt. Und aktuellere Zahlen als die, auf welche hin die Akteure die Aixtron Aktie fallen ließen wie eine heiße Kartoffel, haben wir bislang nicht. Nur hat sich der Kurs seither verdoppelt. Also: Ja, diese Rallye ist gewagt … und zeigt zudem Züge einer Trading-Rallye, d.h. ist vor allem spekulativer Natur.

Erkennbar ist das nicht nur daran, dass diese Rallye äußerst schnell und ohne neue Nachrichten seitens des Unternehmens verlief. Sie ist auch deutlich über das durchschnittliche Kursziel der Analysten hinaus gelaufen, das bei 15 Euro liegt und durchweg aus „frischen“ Kurszielen besteht, die nach der Bilanz des 29. Oktober ausgegeben wurden. Und, vor allem, ist es auffällig, dass die Aktie wie an einer Schnur gezogen an der 20-Tage-Linie entlang läuft, ein typischer Leitstrahl für kurzfristige Trader.

Dementsprechend sollte man sich auch an dieser Linie orientieren, wenn es darum ginge, im Fall einer kalten Dusche im Zuge der Bilanz Ende Februar auszusteigen, wenn die entscheidenden charttechnischen Ankerpunkte fallen. Diese Linie bildet zusammen mit der oberen, im Zuge dieser Kaufwelle überbotenen oberen Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals eine Schlüsselzone. Sollte Aixtron mit Schlusskursen unter 15,50 Euro wieder in diesen Trendkanal zurückfallen und damit deutlich werden, dass die Bullen hier im Vorfeld zu große Erwartungen hegten, kann es auch leicht zu einem Test der unteren Begrenzung dieses Trendkanals kommen … die indes gerade einmal bei 10,15 Euro verläuft!

Als im März und April nahezu weltweit die Lichter der Wirtschaft ausgingen, zog man in Sachen Halbleiterindustrie zu Recht den Kopf ein. Man ging davon aus, dass ein massiver Konjunktur-Crash die Chipindustrie besonders brutal treffen dürfte. Und deren Zulieferer natürlich erst recht. Zulieferer wie Aixtron, die Beschichtungsanlagen für die Chiphersteller fertigen. Doch es kam anders.[emaillocker]

Die Wirtschaft wurde schnell genug wieder hochgefahren, um den Chipherstellern einen K.O. zu ersparen. So mancher Auftrag bei Aixtron wurde zwar verschoben, einige Aufträge konnten durch den Lockdown nicht ganz zeitgerecht ausgeführt werden, aber es ging schnell genug zurück in eine relative Normalität um festhalten zu können: Aixtron gehört zu den Unternehmen, über die mancher Trader schon das Kreuz geschlagen hatte, die aber davon gekommen sind. Die Ende Oktober vorgelegte Bilanz des dritten Quartals war tadellos.

So gelang es, den Umsatz gegenüber dem dritten Quartal 2019 sogar zu steigern (64,1 Millionen Euro nach 56,0 Millionen im Vorjahr). Der Auftragseingang lag auf dem Level des Vorjahres, der Auftragsbestand sogar leicht darüber. Und beim Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) konnte man nur staunen: 8,2 Millionen Euro blieben da hängen (Vorjahr 7,8 Millionen). Und zuvor war es gelungen, das „Lockdown-Quartal“ mit einem Gewinn von immerhin 3,3 Millionen abzuschließen. Kurz: Aixtron ist davongekommen. Und das wird von den Tradern gefeiert.

Expertenmeinung: Die unmittelbare Reaktion auf diese Bilanz war zwar ein Abverkauf. Aber das war eher eine „technische Reaktion“, denn kurz zuvor hatte der Kurs am oberen Ende der jahrelangen Seitwärtsrange nach unten abgedreht und an diesem 29. Oktober, als die Ergebnisse kamen, war der Gesamtmarkt sehr schwach. Doch mit den „Stimmungs-Aufhellern“ in Form der US-Wahl und den Impfstoff-News drehte Aixtron umgehend nach oben und überwand nach mehreren vergeblichen Anläufen endlich die seit Jahren bestehende Handelsspanne durch einen Break über die Widerstandszone 11,60/12,10 Euro. Aber backt man dadurch jetzt nicht schon wieder zu große Brötchen?

Zumindest hat die Erleichterungs-Rallye eine Hypothek auf weiterhin positive Bilanzdaten aufgenommen. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten von etwa 12 Euro ist klar überboten. Allerdings sind da auch einige alte Kursziele dabei, die bereits vor der Bilanz des dritten Quartals existierten. Und die letzte Kursziel-Anhebung – seitens der DZ Bank – war eine Anhebung von 13 auf 16 Euro. Es kommt letzten Endes darauf an, ob sich die Erholung der Gesamtwirtschaft verstetigen wird, dadurch auch die Chiphersteller und in ihrem Kielwasser Zulieferer wie Aixtron stärker werden. Gelingt das und das idealerweise schon in der ersten Jahreshälfte 2021, kann die Aktie allemal weiter zulegen. Aber käme es anders, würden die momentan mit dem Kurs der Aktie mit steigenden Erwartungen enttäuscht, wäre es klug, sich konsequent gegen einen Rückschlag abzusichern.

Die jetzt als Support dienende Zone 11,60/12,10 Euro im Zuge eines Pullbacks noch einmal zu testen ginge völlig in Ordnung, sie dabei leicht zu unterbieten auch. Aber wenn das mit Closings unter 11,00/11,20 Euro deutlicher der Fall wäre, läuft hier etwas schief. Dort einen Stoppkurs anzusiedeln, wäre daher unbedingt zu überlegen.

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Aixtron ist ein Hersteller von Anlagen für chemische Abscheidungsprozesse in der Halbleiterindustrie.

Weltmarktführer in Wachstumsbranche

Mit dem patentgeschützten Metal Organic Chemical Vapor Deposition Verfahren sieht sich Aixtron als Technologieführer.

Chip-Hersteller aus aller Welt nutzen die Aixtron-Anlagen und die Branche erlebt seit Jahren einen Boom.
Auch in der Zukunft dürfte der Halbleiter-Markt wohl kaum schrumpfen. Es handelt sich eindeutig um eine Wachstumsbranche.

Das hört sich doch mehr als erfreulich an und beflügelt die Fantasie der Anleger. Die Realität sieht aber ganz anders aus.

Die harte Realität

Marktanteile schnappen sich ganz offensichtlich andere, denn der Umsatz von Aixtron ist heute niedriger als vor einem Jahrzehnt und man hat ernsthafte Probleme mit der Profitabilität.
Tatsächlich hat man in fünf der letzten zehn Jahre keinen Gewinn erwirtschaftet.

Der Umsatz ist von 784 auf 260 Mio. Euro eingebrochen und das Ergebnis von 1,89 auf 0,29 Euro je Aktie gesunken.

Zur Finanzierung des Betriebs musste man zwischenzeitlich Kapitalerhöhungen durchführen, wodurch die Zahl der ausstehenden Papiere von 102 auf 123 Millionen Stück kletterte.

Man weiß Bescheid

Unter dem Strich hat das dazu geführt, dass die Aktie heute unter dem Ausgabepreis von 1997 notiert.
Für Anleger ist Aixtron bestenfalls zu einer Sackgasse und im schlimmsten Fall zu einer Depotleiche geworden.

Im Unternehmen selbst ist man sich auch vollkommen klar darüber, wie schlecht man eigentlich dasteht. Daher stellte man sich im März 2016 zum Verkauf und stimmte einem Übernahmepreis von 6,00 Euro je Aktie zu.

Warum sollten Sie als Anleger heute viel mehr bezahlen? Die Lage hat sich seitdem nämlich nicht nachhaltig verbessert.
Aixtron hat nach wie vor Probleme.

Aktuelle Lage

Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz schließlich von 268,8 auf 259,6 Mio. Euro gesunken.
Das Ergebnis brach von 0,41 auf 0,29 Euro je Aktie ein.

Der Auftragseinfang war ebenfalls rückläufig. Es war also schon damals absehbar, dass sich die Lage eher nicht verbessern wird.

Vor wenigen Stunden legte das Unternehmen neue Zahlen vor. In den ersten neun Monaten dieses Jahres ist der Umsatz weiter gesunken, von 184,6 auf 161,1 Mio. Euro.
Der Gewinn hat sich von 0,18 auf 0,09 Euro je Aktie halbiert.

Der freie Cashflow war mit -3,3 Mio. Euro negativ. Real verdient man also nichts.

Der Verweis auf den gestiegenen Auftragseingang lässt zwar auf Besserung hoffen, die grundlegenden Probleme löst das aber nicht.

Bewertung

Aixtron ist seit mehr als zwei Jahrzehnten ein Underperformer und dürfe auch in Zukunft einer bleiben.
Dementsprechend niedrig müsste die Bewertung sein, um auch nur einen Trade zu rechtfertigen, geschweige denn ein Investment.

Das KGV liegt aber irgendwo über 40, falls man im vierten Quartal wirklich das mehrfache wie in den ersten neun Monaten verdient.
Eine derartige Bewertung ist kaum zu rechtfertigen, vor allem da der freie Cashflow negativ ist.

Auch an anderen Kennzahlen gemessen ist Aixtron teuer. In der Vergangenheit wurde das Unternehmen meist mit einem KUV von 3-4 gehandelt, derzeit liegt der Wert bei 6.

Die heutigen Kursverluste dürfte also niemanden überraschen, der sich mit Aixtron und der Unternehmensentwicklung beschäftigt hat.

Chart

Fällt die Aktie nachhaltig unter 9,50 Euro, kommt es zu einem prozyklischen Verkaufssignal mit Kurszielen bei 8,00 und 7,50 Euro.
Darunter trübt sich das Chartbild zunehmend ein.

Chart vom 29.10.2020 Kurs: 9,44 Kürzel: AIXA – Wochenkerzen
15. Oktober 2019

Aixtron: Das sieht gut aus