AIXTRON Aktie Prognose Aixtron: Vorsicht, auch dieser „Fahrstuhl“ fährt nicht nur nach oben

News: Aktuelle Analyse der AIXTRON Aktie

von |
In diesem Artikel

AIXTRON
ISIN: DE000A0WMPJ6
|
Ticker: AIXA --- %

---
EUR
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zur AIXTRON Aktie
Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Momentan greifen die Bullen nach jedem Strohhalm, denn viele gibt es ja nicht. Das führte dazu, dass gestern bei Aixtron kräftig gekauft wurde, weil die Meldung umging, ein Analyst erwarte, dass Aixtron die Gesamtjahresprognose anheben wird. Na und?

Aixtron ist ein Maschinen- und Anlagenbauer, der Anlagen für die Chip-Produktion herstellt. Da weiterhin trotz beginnender Rezession ein Mangel an Chips besteht, sind solche Anlagen stark nachgefragt, denn viele Halbleiterunternehmen sind dabei, ihre Produktionskapazität zu erhöhen. Da die Nachfrage hoch ist, können Unternehmen wie Aixtron auch gute Preise durchsetzen. Daher wäre ein gutes drittes Quartal trotz Inflation und Materialengpässen nicht unbedingt überraschend. Aber die Bilanzzahlen stehen erst Ende Oktober an, man wird es abwarten müssen.

Natürlich wäre es bei guten Ergebnissen denkbar, dass Aixtron die 2022er-Prognose anhebt. Aber kommt es darauf denn überhaupt noch an? Dass derzeit der Laden brummt, weiß man. Dementsprechend ist das auch im Aktienkurs enthalten. Dass sich Trader auf Basis dieser reinen Vermutung des US-Investmenthauses Stifel gestern auf Aixtron stürzten, ist da eher als der eingangs erwähnte Griff nach Strohhalmen zu werten, zumal Stifel zugleich zwar das Kursziel anhob, aber nur auf 25 Euro. Und da wären wir jetzt bereits. Aber wichtiger ist ja, was in den kommenden Quartalen passiert, nicht, was war. Und da muss man sich schon Fragen stellen wie:

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur AIXTRON Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Was passiert, wenn die Chip-Knappheit abgearbeitet ist? Wenn die Chiphersteller ihre Produktionskapazität ausgebaut und neue Anlagen wie die von Aixtron, die ja längst bestellt sind, auch installiert haben? Was würde aus einem Ausrüster der Chipindustrie, wenn diese rezessionsbedingt in die Knie geht? Würden die Aufträge für Aixtron dann nicht in ein tiefes Loch fallen und Umsatz und Gewinn nach dem Abarbeiten des Auftragsbuches über die Klippe fallen … so, wie es in solchen Situationen auch früher ablief?

Nicht umsonst nennt man Aktien von Zulieferern von Branchen, die selbst schon konjunktursensibel sind, Fahrstuhlaktien. Bei gutem Wirtschaftswachstum laufen die Kurse rasant höher, geht es mit der Wirtschaft aber abwärts, dann fallen solche Aktien besonders schnell und weit. Zwar kann man nicht absehen, ob dieser Abriss in einem oder womöglich erst in drei, vier Quartalen kommt. Aber dass man damit rechnen sollte, ist klar. Und das Chartbild zeigt ja auch, dass nicht wenige Marktteilnehmer genau damit rechnen, denn:

Aixtron war im Juni zwar über das vorherige Zehn-Jahres-Hoch vom Sommer 2021 gestiegen, dann aber doch wieder unter diese Linie bei 26,60 Euro gefallen. Ein erneuter Ausbruchsversuch im Juli wurde noch schneller abverkauft. Und vergangene Woche drehte Aixtron sogar noch unterhalb dieser Hürde ab. Das zeigt: Die Anleger wissen sehr wohl, dass die Lage derzeit noch positiv ist. Sie wissen aber eben auch, dass das wohl nicht auf Dauer so bleiben wird. Dass der Ausbruch diesmal gelingt, ist zwar nicht ausgeschlossen, aber vor diesem Hintergrund unwahrscheinlich. Wer bereits Long dabei ist, könnte Aixtron sicherlich mit einem Stopp, den man entlang der Februar-Aufwärtstrendlinie sukzessiv nachzieht, halten. Aber hier neu einzusteigen, das wirkt eher riskant.

Aixtron-Aktie: Chart vom 21.09.2022, Kurs 25,55 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX
Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2022? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top FlopMDAX Top FlopEuro Stoxx Top FlopDow Jones Top FlopNasdaq 100 Top Flop

Ab jetzt täglich die neuesten Börsenblick-Analysen per E-Mail erhalten
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
T-Hoch
T-Tief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen

Alle Börsenblick-Artikel

Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Vorherige Analysen der AIXTRON Aktie

Lassen Sie sich den Artikel vorlesen:

Wie weit muss man als Trader nach vorne sehen? Wer kurzfristig denkt, würde Aixtron eher kaufen, wer mittelfristig denkt, eher aussteigen. Dieses Ringen zwischen den Sichtweisen dominiert den Kursverlauf und unterstreicht: Noch ist eine Abwärtswende nicht vom Tisch!

Man durfte von den Ergebnissen des Anlagenbauers Aixtron, die in den ersten drei Monaten 2022 erreicht wurden, durchaus beeindruckt sein. Aber die vorbestehende Prognose für das Gesamtjahr wurde nicht erhöht, die, wenn man genauer hinschaut, nicht zwingend bullisch ist. Denn ein prognostizierter Umsatzanstieg auf 450 bis 500 Millionen Euro nach 429 Millionen im Vorjahr und eine EBIT-Marge zwischen 21 und 23 Prozent (Vorjahr 23,1 Prozent), kann, wenn beide Bereiche am unteren Ende der Prognosespanne liegen würden, sogar bedeuten, dass Aixtron 2022 weniger verdient als im Vorjahr. Und was die kommenden Jahre bringen, ist möglichweise nicht so positiv wie das die Analysten, die 2023 und 2024 mehrheitlich weiter steigende Unternehmensgewinne sehen, sich das bislang denken.

Denn Aixtron produziert Anlagen für die Chipindustrie. Die aktuell zwar unter Volllast fährt, aber der Chipmangel würde sich wohl im Fall einer weltweiten Stagnation, ggf. sogar einer Rezession, schnell erledigen. Und da derzeit die Produktionskapazität im Chipsektor massiv ausgebaut wird, würde das bedeuten, dass bei Aixtron über kurz oder lang die Aufträge einbrechen, weil dann Überkapazitäten vorliegen und man ausreichend viele noch neue Anlagen zur Verfügung hat. Ein solches Szenario haben manche vor Augen … aber, wie der Chart zeigt, keineswegs alle.

Expertenmeinung: Wer kurzfristig denkt, sieht solide Gewinnmargen, volle Auftragsbücher und damit Aufwärtspotenzial. Wer mittel- und längerfristig denkt, sieht, was nach dieser Auftrags-Bugwelle kommen dürfte und bleibt weg bzw. schlägt sich auf die Short-Seite. Wer wird die Oberhand behalten?

Bis zum Montag war man versucht, den Bullen den Sieg zuzusprechen. Denn Aixtron hatte zwar im Juni eine scharfe, in zwei Schüben abgelaufene Korrektur gesehen, nachdem sich der Ausbruch über das 2021er-Hoch als Bullenfalle entpuppt hatte. Aber die Aktie drehte genau da scharf nach oben, wo sie drehen musste: In der von vielen oberen und unteren Wendepunkten bestätigten Mitte der mittelfristigen Kursspanne. Und das so, dass die knapp darüber verlaufende 200-Tage-Linie auf Schlusskursbasis nicht unterboten wurde. Ein perfektes Reversal in einem perfekten Supportbereich. Doch der Montag wurde zu einem Warnsignal.

Denn da entstand ein „bearish engulfing pattern“, eine rote Kerze, die die des Vortages komplett einhüllt. Sprich: Es kam zu einer Eröffnung im Plus und einem Handelsende im Minus. Das deutet an, dass die Bullen die Kontrolle zu verlieren drohen. So gesehen ist diese zuvor so bravurös verteidigte Zone 19,70 zu 20,90 Euro (das schließt die 200-Tage-Linie mit ein) womöglich nicht nachhaltig verteidigt worden. Man täte gut daran, nicht zu sicher zu sein, dass sie diejenigen, die mittelfristig wieder Druck auf Aixtrons Gewinne sehen, aus dem Feld geschlagen wurden. Sollte Aixtron unter 19,70 Euro schließen, hätte das Bullen-Lager dieses bereits als gewonnen geglaubte Ringen doch noch verloren!

Aixtron-Aktie: Chart vom 18.07.2022, Kurs 24,00 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Chips sind immer noch knapp, die Hersteller versuchen, ihre Produktion auszubauen und zu optimieren … und Aixtron profitiert als Hersteller von Halbleiter-Produktionsanlagen von dieser Situation. Aber wer weiter denkt, fragt sich: Wie lange geht das so weiter?

Die Aixtron-Aktie notiert derzeit nahe am 11-Jahres-Hoch des Jahres 2021. 26,60 Euro hatte der Kurs da, im August 2021, erreicht. Dann jedoch kam die Korrektur: Die Aktie verlor massiv, sackte in der Spitze über 40 Prozent ab, bevor Ende Februar wieder Käufe einsetzten.

Im April hatten sich die Käufer dann daran versucht, dieses 2021er-Hoch als Widerstand herauszunehmen, aber bei 26,23 Euro war Schluss, die Aktie konsolidierte erst einmal gut zwei Wochen lang. Vergangene Woche aber wurde der nächste Anlauf gestartet. Der Aixtron-Kurs schaffte es am Freitag bis 26,17 Euro, dann kamen jedoch leichte Gewinnmitnahmen. Die Frage, die jetzt im Raum steht, liegt auf der Hand: Werden aus kleinen Gewinnmitnahmen umgehend große … oder geht die Aktie im zweiten Anlauf doch nach oben hinaus?

Expertenmeinung: Wollte man das sicher vorhersagen können, müsste man in die Köpfe der Trader hineinsehen können. Denn ob jetzt mehr Käufer als Verkäufer antreten oder umgekehrt, basiert alleine auf der subjektiven Beurteilung der Perspektive. Die Lage ist zwar derzeit hervorragend, Aixtron ist gut mit Aufträgen versorgt und die Gewinnmarge vor Steuern und Zinsen liegt mit für 2022 avisierten 21 bis 23 Prozent sehr hoch. Aber es ist nicht die aktuelle Lage, auf die es ankommt, sondern die Zukunft.

Man weiß natürlich, dass der Chipmangel nicht für die Ewigkeit ist. Man weiß ebenso, dass der Ausbau der Produktionskapazität irgendwann vollzogen ist. Und man ahnt mehrheitlich auch, dass die weltweite Rezessionsgefahr dazu führen kann, dass die Halbleiterindustrie auf einmal nicht zu wenig, sondern viel zu viel Produktionskapazität hat. Und dann wäre man mit Produktionsanlagen, wie sie Aixtron liefert, reichlich und auf einige Jahre hinaus versorgt. Irgendwann ist also damit zu rechnen, dass bei Aixtron die Aufträge zurückgehen und bald darauf eben auch Umsatz und Gewinn zurückkommen. Womöglich sogar drastisch. Aber:

Wann das der Fall sein wird, weiß man eben nicht. Wer hier einsteigt, setzt darauf, dass das wenn, dann vielleicht 2023, womöglich erst 2024 passiert, Aixtron bis dahin weiter beeindruckend starke Bilanzen liefert und die Aktie weiter zulegt. Wer aussteigt oder sogar Short geht, rechnet damit, dass genau das früher passiert und daher kaum noch Luft nach oben ist bzw. die Aktie am bisherigen Jahreshoch von 26,23 bzw. dem 2021er-Hoch bei 26,60 Euro abdrehen wird. Was tun?

Wenn man nicht weiß, wie viele Anleger in den kommenden Tagen und Wochen im Lager der Optimisten bzw. Pessimisten sein und daraufhin auch aktiv handeln werden, ist die Charttechnik eine weit bessere Lösung als der Blick in die Glaskugel. Da springt die im April etablierte Aufwärtstrendlinie ins Auge, die derzeit bei 23,80 Euro verläuft und damit auf gleicher Höhe wie das Vorwochen-Verlaufstief (23,84 Euro) läge. Diese Linie muss halten, wenn die Bullen ihr Ziel, die Aktie nach oben hinaus zu bekommen, erreichen wollen. Fällt sie, wäre es sicherlich einen Gedanken wert, zumindest bei einem Teil einer bestehenden Long-Position den Gewinn mitzunehmen!

Aixtron-Aktie: Chart vom 20.05.2022, Kurs 25,43 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Die Aktie des Anlagenbauers Aixtron hatte vor einer Woche einen Riesensatz nach oben gemacht, traf aber knapp unterhalb des 2021er-Hochs auf Verkäufe. Das war ein Warnsignal. Gestern kamen Quartalszahlen – und die Reaktion darauf produzierte das zweite Warnsignal.

Das las sich alles tadellos, was der für die Halbleiterindustrie produzierende Anlagenbauer Aixtron da vorlegte. Der Umsatz war gegenüber dem Vorjahresquartal von 49,5 auf 88,6 Millionen Euro gestiegen. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) lag bei 14,2 Millionen Euro nach -0,7 Millionen ein Jahr zuvor, der Nettogewinn stieg von 3,8 auf 13,8 Millionen Euro.

Daraufhin wurde der bisherige Ausblick auf das Gesamtjahr bestätigt: Der Umsatz soll zwischen 450 und 500 Millionen Euro liegen (2021: 429 Millionen), die EBIT-Gewinnmarge sieht man zwischen 21 und 23 Prozent nach 23,1 Prozent im Vorjahr. Was je nachdem zwar bedeuten kann, dass der Gewinn gegenüber 2021 nicht zulegt, aber immerhin. Und Aixtron ließ die Investoren zudem wissen, dass die meisten Zulieferer des Unternehmens aus Westeuropa kommen und die Liefersituation daher stabil sei. Also kein Materialmangel, das ist schon mal gut. Aber die Anleger „goutierten“ Zahlenwerk und Ausblick trotzdem nicht mit Käufen, die Aktie kassierte am Donnerstag ein Minus von 3,17 Prozent. Warum?

Expertenmeinung: Die wahrscheinlichste Erklärung ist eine Kombination aus dem Blick nach vorne und der Charttechnik. Dass es bei Aixtron derzeit perfekt läuft, ist angesichts des weltweiten, immensen Chipbedarfs nicht überraschend. Die Halbleiterindustrie versucht, ihre Produktionskapazität schnell hochzufahren. Und Aixtron baut Anlagen, die für die Chipproduktion wichtig sind. Aber was wird sein, wenn diese höheren Kapazitäten aufgebaut sind? Vor allem, wenn die Nachfrage dann sinkt? Würden die Neuaufträge für Aixtron dann nicht wegbrechen, die Gewinne in den Keller rauschen?

Es ist zu vermuten. Da das Auftragsbuch noch gut gefüllt ist, wird man das 2022 noch nicht zu spüren bekommen. Aber dafür könnten schon die gestiegenen Material- und Energiekosten negativ wirken. Dass Aixtron bislang kein Problem hat, die nötigen Materialien zu bekommen, ist zwar positiv. Aber deswegen sind die ja nicht davon ausgenommen, teurer zu werden.

Hinzu kam zweifellos, dass die Aktie den Kurssprung der vergangenen Woche, als man auf eine drastische Kursziel-Anhebung eines Analysten reagierte, nicht mit einem bullischen Signal krönen konnte, sondern im Gegenteil genau da abdrehte, wo es darauf angekommen wäre: Am Widerstand des 2021er-Hochs bei 26,60 Euro. Als dann heute erneut keine Käufe aufkamen und der potenziell positive Effekt der Bilanzvorlage dadurch verpuffte, stellten viele wohl zu Recht fest: Wenn das die Aktie nicht zu einem neuen Anlauf an den Widerstand bei 26,60 Euro bringt, wird ein solcher Anlauf wohl auch vorerst nicht kommen.

Daher sollte man jetzt aufpassen, denn dadurch testete die Aktie gestern bereits den kurzfristigen Leistrahl der Aufwärtsbewegung bei 22,20/22,65 Euro. Sollte Aixtron da durchrutschen, geht es sofort um die „Grenzzone“ im Bereich 19,85/20,35 Euro, die die obere und untere Hälfte der Handelsspanne seit Frühjahr 2021 trennt. Sollte Aixtron darunterfallen und damit in die untere Hälfte der Kursspanne absteigen, dürfte es knifflig werden, den Kurs wieder in den oberen Bereich zurück zu bringen.

Aixtron-Aktie: Chart vom 05.05.2022, Kurs 23,55 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Aixtron haussierte am Freitag um in der Spitze 13,75 Prozent, am Ende ging die Aktie mit +7,38 Prozent aus dem Handel. Man könnte denken, da wären herausragende Quartalszahlen gemeldet worden. Aber die Zahlen kommen erst am Donnerstag. Also, was war da los?

Aixtron baut Produktionsanlagen für die Halbleiterindustrie. Dass die Chipindustrie seit 2021 aufgrund der Chip-Knappheit so schnell wie möglich ihre Produktionskapazität hochzufahren versucht, spielt Aixtron natürlich in die Karten. Aber auch Aixtron wird markant gestiegene Produktionskosten spüren. Und auch Aixtron wird wohl nicht dauerhaft reißenden Lieferketten entkommen. Das hatte das Unternehmen auch in der Ende Februar vorgelegten 2022er-Prognose berücksichtigt. Auf Basis des Gewinns vor Steuern und Zinsen (EBIT) sieht Aixtron den 2022er-Gewinn zwischen -5 und +15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Hätte Aixtron diese Prognose am Freitag angehoben und/oder vorläufige Ergebnisse zum ersten Quartal geliefert, hätte man diesen Kurssprung nachvollziehen können. Aber da kam nichts. Wozu auch, wenn die Zahlen sowieso an diesem Donnerstag erwartet werden. Was aber kam, was eine Kursziel- und Einstufungs-Erhöhung durch einen Analysten.

Expertenmeinung: Bei der Us-Investmentbank Jefferies hoben man die Einschätzung für die Aixtron-Aktie von „Halten“ auf „Kaufen“ an und nahm das Kursziel von 18 auf 35 Euro nach oben. Also um fast 100 Prozent! Kein Wunder, dass einige sofort reagierten. Aber ob das auch weise war?

Diejenigen, die erfreut Gewinne mitnahmen, als die Aktie am Tageshoch fast an den Widerstand des 2021er-Jahreshochs bei 26,60 Euro anstieß, sahen das als Geschenk an, dass sie umgehend mitnahmen. Und wenige waren das nicht, immerhin verlor die Aktie bis zum Handelsende vom Tageshoch aus gesehen dann fast die Hälfte ihres Gewinns. Und ja, dieses Geschenk anzunehmen, ließe sich allemal begründen.

Erstens hatte Jefferies vorher mit 18 Euro das niedrigste aller Analysten-Kursziele, jetzt geht man gleich auf das höchste nach oben. Seltsam, denn sogar einen Tag, nachdem Aixtron seine 2022er-Prognose vorlegte, hob Jefferies das Kursziel gerade mal von 16 auf 18 Euro an. Das war am 25. Februar. Und an diesem Tag schloss die Aktie bei 19,40 Euro. Und erst am 17. Februar hatte Jefferies überhaupt die allererste Einstufung der Aktie vorgenommen. Irgendwie passt das nicht recht zusammen. Es sei denn, bei Jefferies wüsste man schon, was alle anderen nicht wissen, nämlich, dass Aixtron am Donnerstag derart grandiose Zahlen liefern und die Prognose so massiv anheben wird, dass die Aktie auf einmal doppelt so hoch notieren müsste als man sie bei Jefferies vor gut zwei Monaten sah. Ist das wahrscheinlich?

Völlig unmöglich ist es zwar nicht, wahrscheinlich ist es aber beileibe auch nicht. Und nachdem die Aktie jetzt ans obere Ende ihrer Handelsspanne gelaufen ist und damit „good news“ vorwegnahm, die keinesfalls kommen müssen, müsste man diesen Kurssprung in der Tat tendenziell als ein Geschenk sehen, dass man annehmen könnte. Zumal Aixtron dadurch markttechnisch überkauft ist und ein RSI-Indikator (den wir im Chart unten eingeblendet sehen), der wie jetzt die überkaufte Zone touchiert, in den letzten Jahren bei Aixtron eher eine Gelegenheit zum Ausstieg und keineswegs zum Einstieg war.

Aixtron-Aktie: Chart vom 29.04.2022, Kurs 24,75 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Explodierende Produktionskosten, Sanktionen, Materialknappheit: Der Maschinenbau hat ein hartes Jahr vor sich. Doch die Aktie des Anlagenbauers Aixtron hat gestern eine Trendwende nach oben bestätigt. Was steckt hinter dieser Stärke … und kann man diesem Braten trauen?

Aixtron ist ein Anlagenbauer, der die Halbleiterindustrie beliefert. Hier werden sogenannte Depositionsanlagen hergestellt, die zur Herstellung von Halbleiter-Bauelementen benötigt werden. Angesichts des sich hartnäckig haltenden, weltweiten Chipmangels sind die Chiphersteller bemüht, ihre Produktion zu erweitern und zu modernisieren, so dass sich Aixtron derzeit vor Aufträgen nicht retten kann.

2021 legte der Umsatz gegenüber 2020 um 59 Prozent zu, die Aufträge stiegen um 65 Prozent. Und da gab es kein „Corona-Loch“ auszugleichen, denn 2020 war der Umsatz gegenüber 2019 leicht gestiegen. Und mit 0,85 Euro Gewinn pro Aktie wurden da neue, positive Maßstäbe gesetzt, wobei die Bewertung mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von aktuell um die 25 auf Basis dieser 2021 erreichten Gewinne in Ordnung ginge … wenn das Gewinnwachstum 2022 und in den Folgejahren weitergeht. Wird es das?

Expertenmeinung: Die „Headlines“ der 2021er-Bilanz, die um den Ausblick auf das laufende Jahr ergänzt wurde, suggeriert das: „Zweistelliges Wachstum für 2022“ war in der Pressemitteilung zu lesen. Das führte dazu, dass die Aixtron-Aktie am 24. Februar, dem Tag, an dem diese Meldung herauskam und zugleich dem Tag, an dem der Aktienmarkt insgesamt aufgrund des Angriffs auf die Ukraine wegbrach, am Handelsende deutlich zulegte und am Folgetag gleich noch einmal markant stieg. Und nach einem Rücksetzer in der ersten März-Hälfte ging es dann zuletzt an die wichtige Widerstandszone im Bereich 19,83 zu 20,25 Euro und in den vergangenen Tagen auch darüber. Auch da dürfte die Motivation in dieser Erwartung zweistelligen Wachstums liegen, das Aixtron Ende Februar kommunizierte. Aber es kann ja nie schaden, etwas genauer hinzusehen.

Aixtron avisiert für 2022 einen Umsatz zwischen 450 und 500 Millionen Euro nach 429 Millionen im Vorjahr. Das wäre also ein Plus zwischen 4,9 und 16,55 Prozent. Es kann also zweistellig ausfallen … muss es aber nicht. Und was die EBIT-Marge angeht, liegt die Prognose bei 21 – 23 Prozent nach 23,1 Prozent im Jahr 2021. Werden es 23 Prozent und der Umsatz kommt am oberen Ende der Spanne herein, würde der Gewinn um etwa 15 bis 16 Prozent stiegen – gut. Aber würde nur das untere Ende der Umsatzspanne sowie der Spanne für die EBIT-Marge erreicht, würde der Gewinn 2022 sogar nachgeben. Und Aixtron fügte hinzu: „Die Erwartungen für 2022 stehen unter dem Vorbehalt, dass globale Krisensituationen keine signifikanten Auswirkungen auf die Entwicklung des Geschäfts haben.“ Sich darauf verlassen, dass es seitens des 2022er-Gewinns optimal läuft, kann man also eher nicht.

Daher sollte man, was Long-Positionen angeht, Vorsicht walten lassen. Mit dem gestrigen Plus hat die Aixtron-Aktie den Ausbruch über die Widerstandszone 19,83/20,25 Euro bestätigt und zugleich die 200-Tage-Linie, die diese Zone derzeit verstärkt, deutlicher unter sich gelassen. Zugleich hat der Trendfolgeindikator MACD auf seiner Signallinie nach oben gedreht: Aus chart- und markttechnischer Sicht ist das Bild somit perfekt bullisch.

Aber in einem Umfeld wie diesem sollte man in jedem Fall einen Fallschirm bereithalten, indem man Long-Trades knapp unterhalb der jetzt bestätigten Ausbruchszone absichert, wofür sich als Orientierung aktuell die an diese Zone heranlaufende 20-Tage-Linie bei 19,52 Euro anbieten würde.

Aixtron-Aktie: Chart vom 04.04.2022, Kurs 21,11 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX