Aixtron: Schon wieder an der Schlüsselzone … einmal zu viel?

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AIXTRON
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Zur AIXTRON Aktie

Vor fünf Jahren glaubten viele Anleger den Anlagenbauer Aixtron noch verloren. Doch dann begann eine beeindruckende Renaissance, Umsatz und Gewinn legten zu, die Aktie wurde zum Publikumsliebling. Aber das Problem der Aktie ist die Zukunft, nicht die Vergangenheit.

Aixtron stellt Anlagen für die Chipindustrie her. Zulieferer unterliegen ohnehin sehr den konjunkturellen Schwankungen. Aber wenn man Zulieferer einer Branche ist, die selbst extrem konjunktursensibel ist, natürlich erst recht. Damit gehört Aixtron zu den sogenannten „Fahrstuhl-Aktien“: Sie schwanken immens, laufen rasant nach oben, fallen aber nicht minder schnell und weit, wenn ihr Wachstumszyklus vorüber ist. Im Moment ist das noch nicht der Fall, im Gegenteil:

Bei Aixtron „brummt“ es. Die Anfang des Monats präsentierte Bilanz des dritten Quartals war hervorragend. Der Umsatz lag fast doppelt so hoch wie im Vorjahresquartal, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) stieg von 5,6 auf 36,2 Millionen Euro. Und der Ausblick auf das Gesamtjahr wurde bestätigt: Der Umsatz soll zwischen 440 und 480 Millionen Euro liegen, weit mehr als die 269 Millionen des 2020. Und da war der Umsatz trotz Corona gegenüber 2019 schon, wenn auch nur leicht, gewachsen. Besonders wichtig:

Die EBIT-Gewinnmarge wird zwischen 20 und 22 Prozent erwartet. Und das ist deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Im Schnitt erwarten die Analysten daher für 2021 einen Gewinn von 0,71 Euro pro Aktie. Daraus würde sich ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von derzeit um die 30 errechnen. In der momentanen Situation angemessen. Aber wer heute über Kauf oder Verkauf nachdenkt, blickt nicht auf das Hier und Heute, sondern auf 2022.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur AIXTRON Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Denn wenn Aixtron derzeit einen Boom bei seinen Anlagen sieht, weil die Chipindustrie versucht, die momentane Knappheit durch den Ausbau der Produktionskapazität zu bereinigen, wie wird sich die Auftragslage darstellen, wenn diese Sondersituation bereinigt ist und die Halbleiterindustrie dann womöglich auf Überkapazitäten sitzt? Wird der „Fahrstuhl Aixtron“ dann nicht umgehend in Richtung Keller abdrehen?

Für 2022 sehen die Analysten derzeit keinen nennenswerten Gewinnzuwachs gegenüber 2021. Es könnte also durchaus sein, dass sich Aixtron in Sachen Umsatz und Gewinn nah an einem mittelfristigen Hoch bewegt. Und das aktuelle, durchschnittliche Kursziel der Analysten von 24 Euro hatte die Aktie im September schon überboten. Das dürfte ein entscheidender Grund sein, warum die Aixtron-Aktie nicht nur im September korrigierte, sondern die Käufer sich seither rar gemacht haben. Und das führt zu einer charttechnisch brenzligen Situation:

Aixtron ringt seit Wochen mit einer charttechnischen Schlüsselzone zwischen 19,83 und 20,90 Euro, bestehend aus dem mittelfristigen Aufwärtstrend, der 200-Tage-Linie und mehreren Wendemarken vom Frühjahr und Sommer. Auch die beeindruckende Quartalsbilanz Anfang November konnte den Kurs nicht von dieser Zone lösen. Und der letzte Versuch, der Aktie einen Sicherheitspuffer zu dieser Zone zu verpassen, verhungerte vergangene Woche. Mit dem kräftigen Minus des gestrigen Dienstags in Höhe von 5,73 Prozent wird klar, dass die bullische Seite langsam den Mut verliert.

Es bräuchte jetzt erneut Käufe, um diese Zone zu verteidigen. Doch je öfter das nötig wird, desto kleiner wird die Zahl derer, die bereit sind, erneut Geld in eine Aktie zu investieren, ohne dass diese wirklich nach oben dreht. Gut möglich also, dass dieser aktuelle Test der Schlüsselzone einer zu viel ist. Long-Positionen unterhalb dieser Zone 19,82/20,90 Euro konsequent über einen Stoppkurs abzusichern, wäre daher unbedingt zu erwägen.

Chart vom 23.11.2021, Kurs 20,08 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX
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Die Aixtron-Aktie startete am Donnerstag deutlich im Plus – und schloss deutlich im Minus. Auslöser der starken Bewegung war die am Morgen präsentierte Quartalsbilanz. Damit wird es für die Bullen jetzt eng, denn die Aktie landete an einer Schlüssel-Unterstützung.

Stark anfangen, dann aber stark nachlassen, das alleine ist schon ernüchternd für bullische Trader. Aber dass man damit unverhofft wieder an einem bereits als verteidigt geglaubten, mittelfristig relevanten Schlüssel-Support landet, macht die Sache besonders knifflig. Denn das heißt: Die Bullen müssten jetzt sofort erneut ran, sonst geht die Aktie an die Bären.

Dabei waren die Ergebnisse eigentlich hervorragend. Der die unter Volldampf laufende Chipindustrie beliefernde Analgenbauer erreichte im dritten Quartal beinahe eine Verdoppelung des Umsatzes gegenüber dem Vorjahresquartal. Und der Gewinn vor Steuern und Zinsen explodierte förmlich von 5,6 Millionen Euro im dritten Quartal 2020 auf jetzt 36,2 Millionen. Basis dieses überproportional gesteigerten Gewinns war die EBIT-Gewinnmarge, die aufgrund der immensen Nachfrage von 8,0 Prozent im Vorjahr auf 28 Prozent stieg. Was wollten diejenigen, die den anfänglichen Anstieg der Aktie zum Verkauf nutzten, denn mehr?

Expertenmeinung: Was die Verkäufer an „Mehr“ haben wollten, dürfte der Auftragseingang gewesen sein: der sank gegenüber dem zweiten Quartal um 18 Prozent auf 114 Millionen Euro. Das dürfte so manchen daran erinnert haben, dass dieser Auftragsboom endlich ist. Zwar sieht sich Aixtron für 2021 damit im Plan, erwartet mit einem Auftragseingang zwischen 440 und 480 Millionen Euro dieselbe Größenordnung wie beim 2021er-Umsatz. Aber was wird 2022? Aixtron liefert Produktionsanlagen, die werden nicht dauernd erneuert. Und wenn der Flaschenhals der Chipindustrie durchschritten ist, wenn die Halbleiterindustrie ihre Ausweitung der Produktionskapazität vollzogen hat, fallen Ausrüster wie Aixtron dann nicht in ein Auftragsloch, das den Gewinn wieder deutlich drücken wird?

Das ist zumindest ein realistisches Szenario. Und damit ist den meisten bullischen Tradern klar: Da man die immense Steigerung bei Umsatz und Gewinn längst eingearbeitet hatte und die Aktie daher schon seit Ende August korrigiert, dürfte der Weg nach oben eher steinig werden. Wenn dieser Rückschlag des Donnerstags die Zahl derer, die aktiv mithelfen, eine seit Wochen belagerte Schlüssel-Unterstützung erneut zu verteidigen, nicht groß genug sein sollte, würde der Aixtron-Kurs sang- und klanglos wegrutschen. Und die Bären hätten mit dem denkbaren „Auftragsloch“ auch gute Argumente. Was muss halten, um das zu verhindern?

Es geht um die Zone 19,83 zu 20,35 Euro. Hier finden sich zahlreiche Wendepunkte der Aktie seit dem Frühjahr. Zuerst ein Widerstand, wurde dieser Bereich ab Juni zur Unterstützung. Und ausgerechnet hier sind jetzt auch noch die wichtige 200-Tage-Linie und die mittelfristige Aufwärtstrendlinie angekommen. Diese Schlüsselzone wurde zwei Wochen lang belagert. Mit dem Aufwärts-Gap der Aktie zum Handelsstart sah es so aus, als wären die Bullen endlich erfolgreich gewesen. Durch die Verkäufe zum Handelsende wurde klar: Sie waren es nicht. Sollte Aixtron deutlicher unter 19,70 Euro schließen, wäre der Weg nach unten frei, daher wäre es gewagt, im blinden Vertrauen auf erneut erfolgreiche Bullen zuzugreifen, bevor dieser Support nicht durch einen Schlusskurs über dem gestrigen Tageshoch (22,07 Euro) glaubwürdig erneut verteidigt wurde.

Chart vom 04.11.2021, Kurs 20,33 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Aixtron ist als Zulieferer der Chipindustrie äußerst konjunktursensibel. Solche Aktien werden auch „Fahrstuhlaktien“ genannt, da sie schnell und stark auf konjunkturelle Veränderungen reagieren. Und es sieht so aus, als sei der Fahrstuhl bei Aixtron bereits „oben“ gewesen.

In den Jahren 2016/2017 stand nach einem geplatzten Übernahmeversuch noch zu befürchten, dass Aixtron, ohne übernommen zu werden, nicht durchhalten würde. Doch dann gelang der Turnaround, mittlerweile bewegt sich der Halbleiterindustrie-Zulieferer längst wieder solide in den schwarzen Zahlen und wird, wenn nicht mehr allzu viel schief geht, im laufenden Jahr mit ca. 70 Cent pro Aktie einen beeindruckenden Gewinn einfahren. Doch das ist den Anlegern natürlich nicht entgangen:

Aixtron-Aktie: Tages-Chart vom 18.10.2021, Kurs 20,92 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Ende August hatte der Kurs mit 26,60 Euro ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht. Damit wurde das durchschnittliche Kursziel der Analysten bereits erreicht. Und die gestrige Reaktion auf die Meldung, dass die Analysten bei Oddo BHF die Aktie von „Übergewichten“ auf „Halten“ herunterstuften, zeigt: Die Marktteilnehmer sind mittlerweile skeptisch geworden, eben weil man weiß: Bei Aktien wie Aixtron geht es zwar meist schnell und weit aufwärts … aber eben auch schnell und weit nach unten. Stehen wir gerade an der Schwelle zu Letzterem?

Expertenmeinung: Das ist deswegen möglich, weil die Investoren jetzt anfangen, nach vorne zu blicken. Der weltweite Chipmangel führt dazu, dass die Hersteller versuchen, ihre Kapazitäten schnell auszubauen. Für diejenigen Unternehmen, die die nötigen Anlagen liefern, eine perfekte Situation. Nur: wenn diese Chip-Kapazität erst einmal ausgebaut wurde, was kommt danach? Erst einmal gar nichts? Das wäre zumindest die Normalität. Einige Jahre lang können sich Zulieferer vor Aufträgen nicht retten, dann kommt ein großes Loch, Umsatz und Gewinn fallen wieder. Bis es dazu kommt, könnte es allemal auch 2023 werden, aber sicher abschätzen lässt sich das eben nicht, erst recht nicht in einer so schwer einzuordnenden Phase wie derzeit, in der der sich selbst potenzierende Flaschenhals dafür sorgt, dass selbst die kurzfristige Entwicklung der Weltwirtschaft schwieriger abschätzbar ist als sonst.

Es ist somit zwar möglich, dass diejenigen, die Ende August begonnen habe, ihren Gewinn bei Aixtron mitzunehmen, schief gewickelt sind – sicher sein kann man aber nicht. Was tun? Am besten bleibt man da pragmatisch, lässt die Glaskugel in der Mottenkiste und orientiert sich am Chartbild. Denn sollte die jetzt angesteuerte, mittelfristig entscheidende Unterstützungszone fallen, dürfte das alleine deswegen Anschlussverkäufe auslösen und Short-Seller anlocken, weil dadurch eine markante Schulter-Kopf-Schulter-Trendwendeformation vollendet wäre.

Bei 20,35 Euro verläuft die Nackenlinie dieser noch nicht vollendeten Formation. Ein Level, das in der ersten Jahreshälfte als obere Wendemarke eine Rolle spielte und jetzt zusammen mit der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie und der 200-Tage-Linie, beide knapp darunter verlaufend, die jetzt relevante Entscheidungszone bildet. Sollte Aixtron mit Schlusskursen unter 19,60 Euro hinreichend deutlich unter dieser Zone schließen, wäre das ein sehr markantes Signal, daher wäre eine Absicherung bestehender Long-Trades mit einem Stoppkurs jetzt zwingend.

Aixtron-Aktie: Monats-Chart vom 18.10.2021, Kurs 20,92 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Aixtron hat eine massive Rallye hinter sich. Die Aktie hat sich binnen weniger Monate nahezu verdreifacht. Langsam scheint den Bullen allerdings die Luft auszugehen.

Chart vom 28.09.2021 Kurs: 22,02 Kürzel: AIXA - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 28.09.2021 Kurs: 22,02 Kürzel: AIXA – Tageskerzen

Seit einigen Tage ist der Abgabedruck bei Aixtron enorm. Fällt die Aktie jetzt unter 22,0, Euro, kommt es zu einem prozyklischen Verkaufssignal mit möglichen Kurszielen bei 21,00 und 20,00 Euro.

Fällt Aixtron unter 19,80 und somit auch unter den Aufwärtstrend, trübt sich das Chartbild nachhaltig ein. In diesem Szenario muss mit Abverkauf gerechnet werden. Mögliche Anlaufstellen liegen bei 18,00 sowie 17,00 und 15,00 Euro.

Wie wahrscheinlich ist ein Abverkauf?

Zuvor könnte es noch zu einer kurzen Erholung in Richtung 23,00 oder 24,00 Euro kommen.
Die Wahrscheinlichkeit ist aber recht hoch, dass es dann wieder abwärts geht und die Unterstützung bei 22,00 Euro dann unterschritten wird.

Den Bullen hilft hingegen nur ein Anstieg über 24,00 Euro. Dann würde sich die Lage wieder spürbar entspannen.

Aixtron ist es klar, Ihnen auch?

Das Unternehmen ist leider ein Branchenverlierer und darüber scheint man sich auch selbst im Klaren zu sein.

Noch vor wenigen Jahren galt Aixtron als Übernahmekandidat. Aber nicht, weil es sich um so ein hervorragendes Unternehmen handelt, sondern weil man sicher war, dass der Anlagebauer alleine nicht überleben würde.

Daher stellte man sich 2016 sogar selbst zum Verkauf und stimmte einem Übernahmepreis von 6,00 Euro zu.
Am Ende scheiterte die Übernahme allerdings.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Aixtron heute das vielfache davon Wert ist?
Der Umsatz ist zwischenzeitlich zwar ordentlich gestiegen, doch das Ergebnis stagniert schon wieder seit dreieinhalb Geschäftsjahren.

Ein klarer Aufwärtstrend sieht anders aus.

Jetzt oder nie

Aus fundamentaler Sicht ist die Lage also eher durchwachsen.
Umsatz und Gewinn sind heute niedriger als vor zehn Jahren, auch wenn es zuletzt zu einer Belebung gekommen ist.

Das große Wachstum findet bei der Konkurrenz statt. Eigentlich müsste Aixtron in Anbetracht des weltweiten Chip-Mangels in Aufträgen ersticken.
Tatsächlich läuft es auch gut. Auftragseingang und Auslastung sind hoch.

Allerdings könnte das Umfeld auch kaum besser sein. Es wäre gut möglich, dass diese zyklische Branche gerade ihr Hoch erreicht hat.

Für das kommende Jahr wird jedenfalls kein steigender Gewinn mehr erwartet. Darf man den Prognosen Glauben schenken, könnte das Ergebnis danach sogar wieder sinken.
Trotzdem liegt das KGVe aktuell bei über 30.

Um das zu rechtfertigen, muss Aixtron das gelingen, woran man in der Vergangenheit immer gescheitert ist:
Nachhaltig und dauerhaft steigende Umsätze und anhaltende Profitabilität.

Es wäre möglich, dass das gelingt.
Es muss aber auch gelingen, sonst wird die Aktie dasselbe Schicksal ereilen, wie bei den letzten fulminanten Rallyes, als die Hoffnungen nicht minder groß waren.

Chart vom 28.09.2021 Kurs: 22,02 Kürzel: AIXA - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 28.09.2021 Kurs: 22,02 Kürzel: AIXA – Wochenkerzen

Noch vor wenigen Jahren galt Aixtron als Übernahmekandidat, weil man sicher war, dass der Anlagebauer alleine nicht überleben würde. Heute ist die Aktie ein Star – und die Super-Hausse wird von beeindruckenden Bilanzzahlen begleitet. Aber ohne Risiko ist sie dennoch nicht.

Wenn eine Aktie auf einmal im Fokus der breiteren Anlegerschaft auftaucht, dann meist deswegen, weil sie auf einmal untypisch stark steigt oder fällt. In ersterem Fall zieht eine solche Aktie immer mehr Marktteilnehmer an, die bei diesem Run dabei sein wollen. Brandgefährlich, wenn die Hausse vor allem auf einer Art „Mode-Effekt“ basiert und dadurch eine völlig überzogene Bewertung entsteht. Doch wenn ein solcher Kursanstieg von beeindruckenden, die Erwartungen der Experten übertreffenden Umsatz- und Gewinnzuwächsen begleitet wird, sehen die meisten eine solche Rallye als gut abgesichert an. Doch das ist nur bis zu einem gewissen Grad richtig.

Denn zwei Faktoren sollten zur Vorsicht mahnen, wenn man sie vorfindet. Zum einen ist ein höheres Risiko gegeben, wenn der Aktienkurs weit schneller steigt als die Gewinne bzw. die unternehmenseigenen Prognosen. Zum anderen wird es gefährlicher, wenn es sich um einen sehr konjunktursensiblen Titel handelt, denn dann muss man davon ausgehen, dass es sich nur um eine „Hausse auf Zeit“ handelt. Treffen diese Faktoren auf Aixtron zu?

Tageschart vom 30.08.2021, Kurs 26,06 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Der eine ja, der andere nicht. Positiv ist, dass Aixtron momentan eine derart gute Phase hat, dass die voraussichtlichen Gewinne für das laufende Jahr tatsächlich mit der Hausse des Aktienkurses mithalten können. Aixtron hatte bereits Anfang Juni die Prognosen angehoben. Mit der Ende Juli vorgelegten Bilanz zum zweiten Quartal wurde die Erwartung für den Auftragseingang zum zweiten Mal angehoben, der Ausblick hinsichtlich Umsatz und EBIT-Marge (prozentualer Gewinnanteil vom Umsatz vor Steuern und Zinsen) blieb der alte. Wenn jeweils das obere Ende der Prognosen erreicht würde, käme Aixtron auf einen Gewinn um die 90 Cent pro Aktie. Daraus würde sich ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 29 ergeben, das würde grundsätzlich passen.

Aber wer heute einsteigt, will ja nicht, dass die Aktie ihren Level hält. Wer jetzt kauft, setzt darauf, dass der Kurs noch deutlich weiter zulegt. Und da stellt sich die Frage, ob solche Zuwächse beim Unternehmensgewinn auch 2022 und 2023 erreichbar sind. Antwort: Das kann man nicht abschätzen, Aixtron selbst nicht, die Analysten daher auch nicht. Denn Aixtron fertigt Produktionsanlagen für die Halbleiterindustrie. Damit ist man Zulieferer einer sehr konjunkturempfindlichen Branche. Die heute, bedingt durch die derzeitige Chip-Knappheit, produziert, was irgend geht. Aber was, wenn diese Knappheit vorbei ist?

Immerhin geht es um Investitionen der Chiphersteller. Wer heute massiv auf den Ausbau der Produktionskapazität setzt und bei Aixtron Anlagen bestellt, bestellt womöglich in ein, zwei Jahren nicht gleich die nächsten. Davon abgesehen, dass diese Hausse, die neben der aktuell grandiosen Entwicklung weiteres Wachstum vorwegnimmt, nicht einkalkuliert, dass das Wachstum womöglich nach diesem derzeitigen, corona-bedingten Sprung verssiegen könnte.

Die heutige Lage rechtfertigt also den aktuellen Kurslevel, aber was darüber hinaus ginge, wäre ein Vorgriff auf eine rosige Zukunft, die in der rosig werden könnte … aber eben nicht muss. Daher wäre es zwar möglich, dass die Aixtron-Aktie das langfristige charttechnische Ziel in Form des Hochs des Jahres 2011 bei 34,08 Euro ansteuert, aber darauf verlassen sollte man sich besser nicht. Mit jedem Euro, den Aixtron weiter zulegt, steigt das Risiko nach unten. Also wäre es zwar allemal opportun, hier am Ball zu bleiben. Neu einzusteigen, ohne dafür eine Korrektur abzuwarten, wäre aber eher riskant. Und es würde sich unbedingt anbieten, bestehende Long-trades konsequent mit einem Stoppkurs abzusichern, wofür sich momentan ein Level um 22 Euro, knapp unterhalb der im Mai etablierten Aufwärtstrendlinie, anbieten würde.

Monatschart vom 30.08.2021, Kurs 26,06 Euro, Kürzel AIXA | Online Broker LYNX

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Das deutsche Elektrotechnikgunternehmen sorgte im Juni für Furore und die Aixtron-Aktie schoss, wie von der Tarantel gestochen, deutlich nach oben. Nun stehen die Quartalsergebnisse an und Anleger blicken gespannt auf die neuesten Daten.

Grundsätzlich ist der Konzern für den 5G Boom im Mobilfunkbereich oder auch für die Verbreitung von Elektroautos gut aufgestellt. Die Auftragsbücher sind voll und das Unternehmen profitiert vom globalen Digitalisierungstrend. Bereits im Juni hatte das Unternehmen seine Prognosen angehoben und der Erfolgslauf dürfte wohl weitergehen. Aus technischer Sicht haben wir vorige Woche einen kalkulierten Pullback zurück zur Marke von 20 EUR gesehen. Über diese Trendlinie gelang im Juni der entscheidende Ausbruch nach oben. Der Widerstand wurde mittlerweile zu einer wichtigen Unterstützung im Chart und konnte zuletzt erfolgreich gehalten werden.

Chart vom 28.07.2021 Kurs: 21.09 Kürzel: AIXA | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Solange die Aixtron Aktie die Marke bei 20 EUR nicht nach unten durchbricht, ist mit einer Fortsetzung der längerfristigen Aufwärtsbewegung zu rechnen. In der Aktie steckt noch Potenzial und neue Hochs wären aus aktueller Sicht wohl keine allzu große Überraschung. Der nächste Widerstand befindet sich bei 23.56 EUR, was gleichzeitig auch das Pivot-Hoch von Juni markiert. Ein Breakout nach oben könnte die Kurse schnell in den Bereich von 25 bis 26 EUR bringen. Aktuell ein starker Chart, welchen wir mit bullischen Aussichten untermauern.

Aussicht: BULLISCH

Chart vom 28.07.2021 Kurs: 21.09 Kürzel: AIXA | Online Broker LYNX
15. Oktober 2019

Aixtron: Das sieht gut aus