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ATOSS Software Aktie Prognose ATOSS hat wieder abgeliefert und es ist wieder verpufft

News: Aktuelle Analyse der ATOSS Software Aktie

In diesem Artikel
ATOSS Software
ISIN: DE0005104400
|
Ticker: AOF --- %

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Gültigkeit der Analyse
1 Woche
Erwartung: Neutral
Zur ATOSS Software Aktie

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

Die Atoss-Aktie ist nach den Quartalszahlen um mehr als 10 % in die Höhe gestiegen. Die Freude schien jedoch schnell verpufft.

Warum gute Zahlen oft ignoriert werden

An der Börse lassen sich immer wieder dieselben Phänomene beobachten. Unternehmen liefern mehrere Quartale, teilweise sogar 2 oder 3 Jahre hintereinander konsequent ab, aber der Kurs tritt trotzdem auf der Stelle.

Irgendwann kommt jedoch der Punkt, an dem die Realität nicht mehr ignoriert werden kann. Plötzlich setzt sich die Aktie in Gang und die Kurse steigen stark an.

Umgekehrt geschieht häufig dasselbe. Das gilt vor allem für den breiten Markt. Die Kurse steigen immer weiter, obwohl die dunklen Wolken längst am Horizont erkennbar sind. Probleme werden ignoriert, bis es einfach nicht mehr möglich ist.

Die Börse ist im kurzfristigen Zeitfenster nicht nur ineffizient, sie ist geradezu ignorant.
Auf den ersten Blick hört sich das unglaublich an, aber Beispiele dafür gibt es einige.

Expedia hat beispielsweise nach dem geschäftlichen Einbruch 2020 schnell wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden und 2022 einen Rekordgewinn eingefahren.
Die Aktie trat trotzdem auf der Stelle und der Kurs pendelte um die 90 USD.

Das geschieht erschreckend oft

Im Geschäftsjahr 2023 konnte der Gewinn um weitere 43 % gesteigert werden und das Unternehmen verdiente mehr als anderthalbmal so viel wie 2019 – dennoch trat die Aktie weitgehend auf der Stelle und lag weit unter dem Kurs von 2019.

Irgendwann konnte die gute Entwicklung nicht mehr ignoriert werden und der Kurs kletterte innerhalb von etwa 20 Monaten von unter 100 auf über 300 USD.

Selbstverständlich hinkt der Vergleich zwischen zwei Unternehmen immer. Im Fall von Expedia und Atoss hat das Geschäftsmodell auch nichts miteinander zu tun, aber die zugrundeliegenden Dynamiken sind ähnlich.

Ebenso wie damals Expedia liefert auch Atoss konsequent ab. Dennoch bewegt sich die Aktie nicht nach oben.

Das hat verschiedene Gründe. Aus meiner Sicht war die Aktie vor dem Kurssturz der letzten Monate mit einem KGV von fast 50 überbewertet. Aber die zugrunde liegende geschäftliche Entwicklung ist gut und durch den Kurssturz ist die Bewertung inzwischen auch wieder moderat.

Gewinn fast verdreifacht

Derzeit notiert die Aktie auf ungefähr demselben Niveau wie 2020, schließlich geht die Angst um, dass Atoss durch KI disruptiert wird. Seitdem hat sich das Ergebnis jedoch nahezu verdreifacht und wie wir später noch sehen werden, scheint diese Erfolgsserie auch nicht abzureißen.

Es ist vollkommen sicher, dass es Unternehmen gibt, die durch KI mittelfristig obsolet werden. Aber es ist wohl ebenso sicher, dass es nicht jedes Software-Unternehmen treffen wird.

Es gilt abzuwägen. So manch ein vermeintlicher KI-Verlierer wird an der Börse eine regelrechte Renaissance erleben, sobald sich herausstellt, dass das Geschäft doch nicht den Bach heruntergeht.

Atoss Software ist eines der bedeutendsten Unternehmen für Workforce Management.

Das Unternehmen liefert Software sowie Beratungslösungen für bedarfsgerechten Personaleinsatz. Das umfasst alle Themen, vom klassischen Arbeitszeitmanagement über Personaleinsatzplanung und HR Analytics bis hin zu strategischer Kapazitäts- und Bedarfsplanung – sowohl in der Cloud als auch vor Ort.

Derzeit hat das Unternehmen mehr als 18.000 Geschäftskunden, wovon fast 16.000 die Cloud nutzen. In Summe beschäftigen die Kunden von Atoss mehr als 4 Millionen Mitarbeiter.

Die Net Retention Rate lag zuletzt bei 113 %. Das bedeutet, dass die Bestandskunden ihr Geschäft mit Atoss weiter ausbauen. Von Abkehr also keine Spur.

Gut in das laufende Geschäftsjahr gestartet

Wie wir seit dem 24. April wissen, hat sich der positive Trend auch im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres fortgesetzt.
Das hat einen Kurssprung von etwa 78 auf 88 Euro ausgelöst. Seitdem ist die Aktie wieder in eine Seitwärtsbewegung übergegangen.

Der Umsatz konnte im ersten Quartal um 11 % auf 51,4 Mio. Euro gesteigert werden.
Der wesentliche Wachstumstreiber ist nach wie vor der Bereich Cloud und Subscriptions, in dem der Umsatz um 27 % auf 27,0 Mio. Euro geklettert ist.

Gleichzeitig hat sich die EBIT-Marge von 34 auf 35 % verbessert. Das operative Ergebnis erhöhte sich von 15,6 auf 18,2 Mio. Euro, ein Anstieg um 17 %.

Mit Blick auf die makroökonomischen und konjunkturellen Risiken wurde die Umsatzprognose in Höhe von 215 Mio. Euro bestätigt. Der Ausblick für die EBIT-Marge wurde jedoch von mindestens 32 % auf mindestens 34 % erhöht.
Als Grund wurden ein konsequentes Kostenmanagement und weitere Effizienzgewinne aus Prozessoptimierungen und Digitalisierung angeführt.

Im Klartext bedeutet das, dass Atoss ein Umsatzwachstum von 14 % in Aussicht stellt und die Profitabilität wohl höher sein wird als bisher angenommen.

Ausblick und Bewertung

Im Verhältnis dazu und mit Blick auf das erste Quartal scheinen die Konsensschätzungen etwas zu pessimistisch zu sein. Derzeit wird erwartet, dass das Ergebnis von Atoss in diesem Jahr um 5 % auf 3,20 Euro je Aktie steigen wird.

Dabei würde es sich zwar um ein Rekordergebnis handeln, die Chancen stehen jedoch nicht schlecht, dass etwas mehr möglich sein könnte.
Selbst wenn das nicht der Fall ist, und das Momentum erst im kommenden Jahr wieder zunimmt, wird Atoss derzeit nur mit einem KGVe von 25,5 bewertet. Im langjährigen Durchschnitt lag das KGV bei 33.

Nimmt man beispielsweise an, dass der Gewinn in diesem Geschäftsjahr im selben Umfang gesteigert werden kann wie im ersten Quartal, sinkt das KGVe auf 22,9.

Hinzu kommt, dass Atoss keine Nettoschulden und 162,1 Mio. Euro an Liquidität besitzt – und das bei einem Börsenwert von nur 1,3 Mrd. Euro.
Daher wird der Vorstand den Aktionären in der Hauptversammlung am 30. April 2026 eine Ausschüttung in Höhe von 2,28 Euro je Aktie (in Summe 36,3 Mio. Euro) vorschlagen.
Atoss käme demnach auf eine solide Dividendenrendite in Höhe von 2,81 %.

Atoss Software Aktie: Chart vom 28.04.2026, Kurs: 80,40 EUR – Kürzel: AOF | Online Broker LYNX
Atoss Software Aktie: Chart vom 28.04.2026, Kurs: 80,40 EUR – Kürzel: AOF | Quelle: TWS

Mit dem Anstieg über 80 Euro hat sich die Lage aus charttechnischer Sicht etwas entspannt. Gelingt jetzt ein Anstieg über 85 Euro, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 92 und 95 Euro.

Fällt die Aktie hingegen wieder unter 80 Euro, muss ein erneuter Rücksetzer in Richtung 73 Euro eingeplant werden.

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 28.04.2026 um 14:08 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


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Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Mehr als 13.000 Investoren & Trader folgen mir und meinen täglichen Ausführungen auf Guidants.

Ausgezeichnete Preise. Ausgezeichneter Service. Mein Broker ist LYNX.

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Vorherige Analysen der ATOSS Software Aktie

27.04.2026

ATOSS Software: Druck durch KI weiterhin nicht zu sehen — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 24.04.2026 um 22:15 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

ATOSS, Spezialist für Workforce-Software, legte am Freitag die Bilanz des 1. Quartals vor – und lieferte durchaus solide Zahlen ab. Kurzfristig wurde dadurch eine kleine Wendeformation bestätigt. Aber für mittelfristig bullische Signale müsste hier mehr gelingen – was genau?

Umsatz +11 Prozent gegenüber dem 1. Quartal 2025, operativer Gewinn +17 Prozent, die Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (EBIT-Marge) stieg von 34 auf 35 Prozent: Das waren solide Ergebnisse. Zwar blieb das Geschäft mit Software-Lizenzen rückläufig, das wurde aber durch die Bereiche Cloud & Subscription, d. h. der Bereich wiederkehrender Umsätze, und Beratung mehr als kompensiert.

Angesichts dieses soliden Jahresstarts bestätigte ATOSS Software den in der 2025er-Bilanz vorgelegten Ausblick eines 2026er-Umsatzes um 215 Millionen Euro (2025: 189 Millionen) und hob die Prognose für die EBIT-Marge von bislang mindestens 32 auf jetzt mindestens 34 Prozent an.

Zwar hatte man bei der EBIT-Marge 2025 36, 2024 sogar 37 Prozent erreicht. Aber dafür steigt der Umsatz … und zudem zeichnet sich derzeit kein Druck auf das Geschäft ab, so dass die jetzt avisierten mindestens 34 Prozent nicht zwingend das obere Ende des im Gesamtjahr möglich sein müssen.

Angesichts solcher soliden Zahlen stellt sich unwillkürlich die Frage, warum das Chartbild dann so desaströs daherkommt. Das hat zwei Gründe:

Expertenmeinung: Zum einen war die Bewertung im vergangenen Sommer, als die ATOSS-Aktie mit 147,60 Euro ein Rekordhoch markierte, mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis von knapp 49 auf Basis des dann für 2025 tatsächlich erzielten Gewinns pro Aktie schlicht überzogen gewesen – das sorgte für den ersten Korrekturschub im Spätsommer 2025. Zum anderen wurde im Januar die Meinung herumgereicht, dass Unternehmen der Software-Branche durch KI unter Margen- und Absatzdruck geraten werden. Das besorgte den zweiten, großen Abwärtsimpuls. Nur ist davon in den bisherigen, von Software-Unternehmen vorgelegten Bilanzen des ersten Quartals nebst ggf. korrigierten Ausblicken nichts zu sehen. Bei ATOSS nicht, bei anderen auch nicht.

Natürlich könnte man argumentieren, dass das über kurz oder lang aber so kommen werde. Aber je länger eine Aktie gedrückt bleibt, die zugleich Wachstum meldet, ohne dass sich die Argumente für eine negative Entwicklung bestätigen, desto schwieriger wird die Ausgangslage für das bärische Lager.

Zudem wäre ATOSS Software derzeit nicht mehr überbewertet, sondern mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 27 auf Basis der aktuellen, durchschnittlichen 2026er-Gewinnschätzung durchaus fair bewertet. Da aber sehen wir gleich den entscheidenden Haken:

Fair bewertet und „günstig“ sind eben zwei Paar Schuhe. „Fair“ hieße, dass zwar grundsätzlich noch Luft nach oben für den Kurs da wäre, eine Überbewertung aber nicht mehr fern ist. Und im konkreten Fall dieser Aktie liegt die Widerstandszone, deren Überwinden aus dem kurzfristigen, bullischen Signal, das sich durch die Vollendung des kleinen Doppeltiefs ergeben hat, ein mittelfristig bullisches Signal machen würde, mit 98 zu 110 Euro auf einem Kursniveau, das die Scheidemarke zwischen „fair“ und „eher teuer“ bewertet ausmachen würde, daher:

Kurzfristig könnte da noch Spielraum nach oben sein, aber zwischen 98 und 110 Euro kann die Sache für die Bullen schon wieder eng werden. Daher sollte man hier auf der Long-Seite erst einmal nicht über eine reine Trading-Ebene hinausdenken. Klar ist aber: Angesichts dieser grundsoliden Quartalszahlen wären es bei ATOSS die Bären, die gefährlicher leben!

ATOSS Software Aktie: Chart vom 24.04.2026, Kurs 82,20 Euro, Kürzel: AOF | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
ATOSS Software Aktie: Chart vom 24.04.2026, Kurs 82,20 Euro, Kürzel: AOF | Quelle: TWS

Quellenangaben: Ergebnis des 1. Quartals 2026, 24.04.2026: https://www.atoss.com/de/unternehmen/investor-relations/nachrichten/quartalsmitteiliung-q1-2026

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

02.02.2026

ATOSS Software: Trotz guter Zahlen – die Anleger agieren zögerlich — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 30.01.2026 um 22:55 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Die am Freitagmorgen präsentierten Vorabzahlen zum Geschäftsjahr 2025 zeigen: Beim Workforce-Spezialisten ATOSS Software läuft es gut, in allen Bereichen wurde Wachstum generiert. Doch die Aktie spiegelt das nicht wider … wo liegt das Problem?

Gegenüber dem Vorjahr setzte das im TecDAX notierte Software-Unternehmen 2025 mit 189,3 Millionen Euro elf Prozent mehr um. Mit einer operativen Gewinnmarge, die zwar mit 36 Prozent einen Prozentpunkt niedriger lag als im Vorjahr. Zugleich aber höher als die von ATOSS zuletzt avisierten 34 Prozent war, wurde ein Anstieg des operativen Gewinns erreicht, wenngleich der, ebenso wie der Nettogewinn, in der Meldung nicht konkret beziffert wurde.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 sieht der Vorstand einen Umsatzanstieg um knapp 14 Prozent auf etwa 215 Millionen Euro und eine operative Marge auf EBIT-Basis von 32 Prozent. Wobei Letztere grundsätzlich eher konservativ prognostiziert wird. Auch 2025 hatte man die Marge im zweiten Halbjahr im Licht einer dann konkreteren Datenlage angehoben. Was dieses Jahr nicht auch passieren muss, aber eben könnte.

Zusammengefasst lieferte ATOSS Software erfreuliche Ergebnisse ab und hält damit das kontinuierliche Wachstum der letzten Jahre aufrecht. Eigentlich hätte man erwarten dürfen, dass das angesichts des immensen Kursabstiegs seit Beginn der zweiten Hälfte 2025 für stattliche Käufe sorgt. Zumindest hätten da doch einige Leerverkäufer, sprich Bären, ihre Position eindecken und damit den Short-Gewinn mitnehmen können. Zum Handelsende lag ATOSS dann zwar auch im Plus, aber das war alles, nur nicht beeindruckend. Und es war ein auffallend zögerlicher Anstieg. Lange Zeit hatte der Kurs im Minus notiert. Wo klemmt es da?

Expertenmeinung: Ein Aspekt könnte die Bewertung sein. Lange war die ATOSS-Aktie eher überbewertet. Mit einem Gewinnwachstum, das man für dieses und das nächste Jahr seitens der Analysten im Schnitt bei 15 Prozent sieht, wäre ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) um die 30 opportun. Am Rekordhoch, erreicht im Juli 2025 bei 147,60 Euro, kam man aber auf Werte um die 50. Doch jetzt wäre auf Basis der durchschnittlichen 2026er-Gewinnschätzung der Analysten ein solches KGV von 30 ja erreicht. Und trotzdem präsentierte sich die so massiv gedrückte Aktie nach den Zahlen wankelmütig, statt entschlossen durchzustarten. Warum?

Ein möglicher Grund: Die Aktie wäre mit dieser Bewertung mittlerweile zwar fair bewertet, aber noch nicht „billig“. Um wieder deutlich höhere Kurse zu rechtfertigen, müssten die jetzt für 2026 avisierten Zahlen des Unternehmens nach oben genommen werden. Und damit ist, da die Umsatz- und Margenprognose gerade druckfrisch auf den Tisch kam, vorerst nicht zu rechnen. Stiege der Kurs trotzdem, wäre er schnell erneut „teuer“. Diese Überlegung könnte die Käufer zögern lassen. Zwar stören sich nur wenige an solchen Aspekten, wenn eine Aktie in einem soliden Aufwärtstrend unterwegs ist. Aber geht es, so wie hier, seit Monaten abwärts, können solche ansonsten gerne ignorierten Aspekte eine Aufwärtswende ausbremsen.

Ein anderer, aktuell vermutlich mit entscheidender Grund: Die derzeit am Markt umgehende Befürchtung, dass die fortschreitende Entwicklung und Nutzung der Künstlichen Intelligenz viele bislang von „klassischer“ Software erledigte Aufgaben dorthin verlagern könnte und in der Konsequenz die Zeit des Wachstums in der Software-Branche vorbei ist. Ob es so kommt, ist zwar offen. Aber derzeit „spielt“ der Markt dieses Szenario.

Fazit: Nachdem die ATOSS-Aktie in den vergangenen Monaten dreimal an der 200-Tage-Linie gescheitert ist, die Chance auf eine Aufwärtswende durch den Bruch eines ansteigenden Dreiecks im Chartbild vertan hat und zuletzt auch noch das 2025er-Verlaufstief bei 97,70 Euro unterbot, ist die Gemengelage klar bärisch und bislang noch keine Änderung in Sicht. Die Aktie wird zwar nicht ins Bodenlose fallen. Aber dieses KI-Gespenst ist ein Problem, das einen davon abhalten sollte, gegen die kurz- und mittelfristige Abwärtstendenz zu agieren.

ATOSS Software Aktie: Chart vom 30.01.2026, Kurs 97,50 Euro, Kürzel: AOF | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
ATOSS Software Aktie: Chart vom 30.01.2026, Kurs 97,50 Euro, Kürzel: AOF | Quelle: TWS

Quellenangaben: Vorläufiges Ergebnis des Geschäftsjahres 2025, 30.01.2026:
https://www.atoss.com/de/unternehmen/investor-relations/nachrichten/geschaeftsjahr-2025

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

12.01.2026

ATOSS Software: Die Bullen stehen in den Startlöchern — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 11.01.2026 um 13:45 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Die Aktie des Workforce-Software-Entwicklers ATOSS hatte solide Gewinne des ersten Halbjahres 2025 in der zweiten Jahreshälfte wieder verloren und das Jahr fast unverändert beendet. Aber jetzt treten die Bullen wieder an: Hier wäre jederzeit ein Ausbruch möglich.

ATOSS Software agiert in einem Wachstumsmarkt: Der Umsatz mit Software, die Unternehmen u.a. bei Personalplanung und Zeitmanagement unterstützt, ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Zwar geht man seitens der Experten davon aus, dass der Gewinn pro Aktie 2025 gegenüber dem Vorjahr in etwa gleich geblieben sein dürfte, für 2026 sehen die Analysten aber wieder einen anziehenden Gewinn. Momentan liegt der Konsens da bei 3,18 Euro pro Aktie. Käme es so, würde das ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis von derzeit 37 bedeuten. Nicht billig für eine Software-Aktie, aber auch nicht über Gebühr teuer. Sofern die Wachstumsstory erhalten bleibt.

Das wäre anders, wenn der Kurs das 2025 markierte Verlaufshoch von 147,60 Euro erreichen würde. Da müsste man in Sachen Bewertung schon schlucken und auf einen absolut überzeugenden 2026er-Ausblick des Unternehmens hoffen. Aber jetzt geht es ja erst einmal um die Frage, ob sich der Kurs in diese Richtung auf den Weg macht oder nicht. Und ja, die Ambitionen der Käuferseite, genau das in Gang zu bringen, sind klar erkennbar:

Expertenmeinung: Nachdem die Aktie Ende Juli als Reaktion auf einen schwächer als erhofft ausgefallenen Ausblick auf die zweite Jahreshälfte eine massive Korrektur vollzogen hatte, begann der Kurs Ende September wieder Boden gutzumachen. Doch sukzessiv höher liegenden Zwischentiefs standen zuletzt keine entsprechend höheren Zwischenhochs gegenüber. Der Grund ist im Chart klar auszumachen:

Als die ATOSS-Aktie im Oktober ebenso wie im Dezember ihre 200-Tage-Linie erreichte, drehte sie umgehend wieder ab. Dort entschieden zu viele Akteure, dass man auf diesem Level eher Kasse machen sollte, um den Käufern ein Durchkommen zu ermöglichen. Doch diese jeweils höher liegenden Zwischentiefs unterstreichen, dass die Anleger deswegen keineswegs die Flinte ins Korn geworfen haben. Wodurch der aktuell gestartete, dritte Versuch, an dieser momentan bei 120,30 Euro verlaufenden 200-Tage-Linie vorbeizukommen, durchaus Chancen auf Erfolg hätte.

ATOSS Software Aktie: Chart vom 09.01.2026, Kurs 117,80 Euro, Kürzel: AOF | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
ATOSS Software Aktie: Chart vom 09.01.2026, Kurs 117,80 Euro, Kürzel: AOF | Quelle: TWS

Allerdings sollte man die Linie angesichts dieser Chartkonstellation nicht als allein entscheidend ansehen. Da die 200-Tage-Linie derzeit noch fällt, liegen die beiden vorherigen Zwischenhochs darüber, konkret bei 121,20 und 123,20 Euro. Auch das markante Zwischentief vom Mai 2025 bei 125,40 Euro müsste man sicherheitshalber noch in die Entscheidungszone integrieren. Durch diesen Bereich müsste die ATOSS-Aktie hindurch, um den Befreiungsschlag als vollzogen anzusehen. Was indes, angesichts dieses Chartbilds, eine hinreichend taugliche Chance hätte, dass man die Aktie aus Trading-Gesichtspunkten jetzt im Auge behalten könnte.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

03.11.2025

Comeback-Kandidat: Warum Atoss jetzt wieder spannend sein könnte — Tobias Krieg

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 03.11.2025 um 11:00 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Atoss Software zählt zu den leuchtenden Sternen am deutschen Tech-Himmel.
Doch zuletzt mussten Anleger starke Nerven beweisen.

Wiederkehrende Umsätze, starke Margen,
treue Kunden

Atoss Software ist eines der führenden Unternehmen für Workforce Management.

Das Unternehmen liefert Software sowie Beratungslösungen für bedarfsgerechten Personaleinsatz. Das umfasst alle Themen, vom klassischen Arbeitszeitmanagement über Personaleinsatzplanung und HR Analytics bis hin zu strategischer Kapazitäts- und Bedarfsplanung – sowohl in der Cloud als auch vor Ort.

Jedes Unternehmen ab einer gewissen Größe benötigt Lösungen für das Personalmanagement – und das dauerhaft. Das führt für Anbieter wie Atoss zu wiederkehrenden und planbaren Umsätzen.

Ferner ist das Geschäft mit Software und Cloud-Lösungen in der Regel margenstark und natürlich gut skalierbar. Die Grenzkosten für jeden weiteren Kunden sind gering. Die Herausforderung liegt also vor allem in der Kundenakquise sowie ihrer Kundenbindung.

Eine Erfolgsgeschichte in Zahlen

Derzeit hat das Unternehmen mehr als 18.000 Geschäftskunden, wovon fast 16.000 die Cloud nutzen. In Summe beschäftigen die Kunden von Atoss mehr als 4 Millionen Mitarbeiter.
Die Net Retention Rate lag zuletzt bei 116 %.

Die langfristige Erfolgsbilanz ist mehr als stattlich. In den zurückliegenden zehn Jahren konnte Atoss den Umsatz von 45 auf 171 Mio. Euro vervielfachen.
Gleichzeitig hat sich die operative Marge von 25 auf 37 % deutlich verbessert. Der Gewinn legte in dieser Zeit von 0,48 auf 2,86 Euro überproportional stark zu.

Darüber hinaus wurde die Expansion vollständig aus dem laufenden Cashflow finanziert. Atoss hat keine nennenswerten Schulden, und größere Kapitalerhöhungen wurden ebenfalls nicht durchgeführt.

Das Unternehmen gehört sicherlich zu den größten Erfolgsgeschichten auf dem deutschen Börsenparkett.

Ein Dämpfer mit Ansage

Zuletzt kam die Aktie jedoch etwas ins Straucheln. Das Unternehmen hat mit einer schwachen Auftragslage zu kämpfen, woraufhin der Kurs ab Ende Juli abzusacken begann.
Die schwachen Halbjahreszahlen, die am 11. August vorgelegt wurden, befeuerten den Abverkauf weiter.

Im ersten Quartal war die EBIT-Marge im Vergleich zum Schlussquartal bereits von 40 auf 34 % gesunken. Im zweiten Quartal 2025 war der Umsatz dann sogar rückläufig, wenngleich die EBIT-Marge auch bei 34 % gehalten werden konnte.

Dementsprechend kam an der Börse die Sorge auf, dass es zu einer längeren Flaute kommen oder die Erfolgsgeschichte von Atoss sogar zu Ende sein könnte.

Niemand kann die Zukunft sicher vorhersagen, aber statistisch betrachtet können über 80 % aller Unternehmen nach einer Flaute wieder an alte Erfolge anknüpfen. In den meisten Fällen ist es also eine gute Idee, schwache Phasen zu nutzen, um in Unternehmen zu investieren, die in der Vergangenheit sehr erfolgreich waren.

Dass sie in der Vergangenheit erfolgreich waren, ist jedoch die Grundvoraussetzung dafür.

Schwache Konjunktur, starkes Fundament

Dafür spricht unter anderem, dass die laufende Umstellung von einem Lizenzgeschäft auf die Cloud die Geschäftszahlen belastet. Dass das zu einigen vermeintlich schwachen Quartalen führen kann, konnte man bereits bei etlichen anderen Unternehmen beobachten. Veränderung verursacht Reibung.

Hinzu kommt die anhaltend schwache Konjunktur in Deutschland und weiten Teilen Europas, die kein hausgemachtes Problem von Atoss ist.

Im dritten Quartal hat das Unternehmen gezeigt, dass die Unkenrufe womöglich verfrüht waren.
Der Konzernumsatz konnte auf Jahressicht um 12 % auf 47,24 Mio. Euro gesteigert werden. Das Ergebnis verbesserte sich um 6 % auf 0,77 Euro je Aktie.

In Summe kletterte der Umsatz in den ersten neun Monaten um 11 % auf 139,3 Mio. Euro und der Gewinn von 2,07 auf 2,14 Euro je Aktie.
Das Kerngeschäft (Cloud & Subscriptions) verzeichnete ein Umsatzplus von 28 % auf 67,6 Mio. Euro.

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Hat das Comeback längst begonnen?

Für das laufende Geschäftsjahr stellt das Unternehmen einen Anstieg der Umsätze von 171 auf 190 Mio. Euro und eine EBIT-Marge von 34 % in Aussicht.

Dieser Ausblick und die Ergebnisse der ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres stehen in einem gewissen Widerspruch zu den Konsensschätzungen, die für 2025 einen leichten Rückgang des Gewinns von 2,86 auf 2,84 Euro je Aktie vorsehen.

Bei einer gleichbleibenden Steuerquote würde der Ausblick einem Ergebnis von 2,87 Euro je Aktie entsprechen. Darüber hinaus legt Atoss natürlich Prognosen vor, die man auch mit hoher Wahrscheinlichkeit erfüllen kann.
Es wäre also kein Wunder, wenn der Gewinn am Ende eher bei 2,90 – 3,00 Euro je Aktie liegen würde.

Aktuell entspricht das einem KGVe von 39,2. Das ist auf den ersten Blick sicherlich nicht wenig, in Anbetracht der hohen Profitabilität, Wachstumsraten und Kapitalrenditen jedoch vertretbar. In den letzten fünf Jahren lag das KGV durchschnittlich bei 53.

Ein mögliches Investment zielt aber vor allem darauf ab, dass es in den kommenden Jahren wieder zu einer Beschleunigung des Wachstums kommen wird. Derzeit wird erwartet, dass der Gewinn 2026 um 13 % zulegen wird.
Dadurch würde das KGV auf 34,7 sinken, was dem niedrigsten Stand seit dem Crash von 2020 entsprechen würde.
Größere Rücksetzer dürften sich daher als Gelegenheit herausstellen.

Atoss Aktie: Chart vom 03.11.2025, Kurs: 115,70 EUR - Kürzel: AOF | Online Broker LYNX
Atoss Aktie: Chart vom 03.11.2025, Kurs: 115,70 EUR – Kürzel: AOF | Quelle: TWS

Fällt die Aktie jetzt unter 110 Euro, könnte das eine Korrektur in Richtung 103 oder sogar in den Bereich zwischen 95 und 100 Euro auslösen. In diesem Bereich ist mit vermehrtem Interesse durch antizyklische Anleger zu rechnen.

Gelingt hingegen ein nachhaltiger Ausbruch über das Widerstandsband bei 120 – 122 Euro, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 130 und 138 Euro.

Über den Autor

Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Analysemethode

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

13.08.2025

ATOSS Software: Jetzt gilt’s! — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Die Halbjahreszahlen des Workforce-Spezialisten ATOSS Software waren zu mager, um die Aktie auf ihrem hohen Niveau zu halten. Es kam zu einem Kurseinbruch, der sich bis gestern dynamisch fortsetzte. Und damit kommt es jetzt aus charttechnischer Sicht zum Schwur.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) war im zweiten Quartal leicht unter dem des Vorjahresquartals gelandet. Der Umsatz war zwar gestiegen, die EBIT-Gewinnmarge aber gefallen. Damit hatten die Trader, die den Kurs der ATOSS-Aktie kurz vor der Vorlage dieser Zahlen am 24. Juli bis an das bisherige, im September 2024 erreichte Rekordhoch gezogen hatten, nicht gerechnet – entsprechend drastisch war die Reaktion.

Der Blick auf die Aktie am Tag nach den Zahlen, d.h. am 25.7., hatte folgendes Fazit: „Es wird darauf ankommen, ob es gelingt, den Kreuzsupport aus 200-Tage-Linie und Mai-Tief bei 125,40/126,20 Euro zu halten. Klappt das nicht, wäre ein Test des unteren Endes der Handelsspanne im Bereich 107/108 Euro ein durchaus mögliches Szenario, daher: Aktuell lieber nicht zu früh über den Einstieg nachdenken, sondern abwarten, wie sich die Aktie an dem jetzt erreichten Unterstützungsbereich verhält.“

Sie sehen es im Chart: Dieser Kreuzsupport brach zügig, die Aktie rutschte immer weiter ab und das untere Ende der seit Frühjahr 2024 geltenden Handelsspanne bei 107/108 Euro wurde tatsächlich jetzt erreicht. Jetzt gilt‘s also für die Bullen:

Expertenmeinung:

Schaffen sie es, die Aktie hier zu stabilisieren? Einen erfolgreichen Touchdown auf der Unterstützungszone hinzulegen und den zum Sprungbrett einer neuen Aufwärtsbewegung mit erstem Ziel auf Höhe der aktuell bei 125 Euro verlaufenden 200-Tage-Linie zu machen – oder nicht?

Das ist auf jeden Fall noch keine beschlossene Sache. Und sollte die jetzt erreichte Unterstützungszone durchbrochen werden, wäre das nächste Kursziel bei 97,40 Euro (das Jahres-Verlaufstief 2024) weit genug entfernt, um es sich genauestens zu überlegen, ob man hier umgehend aktiv werden will, nur, um im Fall eines Aufwärtsschwenks ein maximales Aufwärtspotenzial „abzugreifen“.

Denn jetzt sorgt man sich darum, ob nicht womöglich die ganze Branche ein Problem hat bzw. bekommt, nachdem zu Wochenbeginn das US-Unternehmen monday.com, das ebenfalls im Bereich Arbeitsablauf- und Arbeitszeitmanagement agiert, wegen diverser Haare in der Bilanz-Suppe heftig abverkauft wurde … was auf die ATOSS-Aktie ausgestrahlt hat.

Und die Bewertung ist eben hoch. Auch jetzt noch, nach diesem markanten Abstieg der Aktie, käme man beim Kurs-/Gewinn-Verhältnis für die durchschnittliche 2025er-Gewinnprognose der Analysten auf 40. Weit weniger teuer als am Hoch, als das KGV bei 54 lag, aber immer noch zu hoch, um aus der Aktie rein von der Bewertung her einen Kauf zu machen. Vor allem, wenn das Wachstum der Branche tatsächlich an Schwung verlieren sollte, daher:

Eine kräftige Gegenreaktion nach oben könnte jederzeit auftreten, aber ob daraus auch mehr wird und es zu einer tragfähigen Aufwärtswende kommt, ist in dieser Gemengelage fraglich genug, um es sich zweimal zu überlegen, ob man in dieses fallende Messer wirklich hinein greifen möchte.

ATOSS Software Aktie: Chart vom 12.08.2025, Kurs 108,40 Euro, Kürzel: AOF | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
ATOSS Software Aktie: Chart vom 12.08.2025, Kurs 108,40 Euro, Kürzel: AOF | Quelle: TWS
Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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