Das Durchschnitts-Kursziel der Analysten liegt weit über dem aktuellen Kurs. Die Bewertung über das KGV ist für das erwartete Gewinnwachstum nahezu billig. Trotzdem hat die Rheinmetall-Aktie nach unten gedreht. Lebt man denn auf der Short-Seite nicht gefährlich?
Ja, grundsätzlich ist das so, zumindest, wenn es nur um die Rahmenbedingungen ginge. Denn es ist zwar eher unstrittig, dass man sich in Bezug auf das mögliche, eine Hausse unterfütternde Gewinnwachstum des Rüstungskonzerns zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte, als die Aktie auf 2.000 Euro schoss. Aber jetzt hat sich der Kurs in etwa halbiert … und das Wachstum des Unternehmensgewinns an sich war ja nicht der Irrtum, sondern nur die Erwartungen an dessen Tempo.
Für 2026 sehen die Analysten momentan im Schnitt einen Gewinn um die 35 Euro pro Aktie. Damit käme man auf ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis um 30. Das wäre bei einem Anstieg des Gewinns pro Aktie von zehn, fünfzehn Prozent und der Erwartung, dass es bei diesem Tempo bleibt, teuer. Aber bei Rheinmetall ist das ja anders. Der Gewinn von 35 Euro pro Aktie würde ein Plus von 127 Prozent zum Vorjahr bedeuten. Und für die kommenden drei Jahre sehen die Experten derzeit einen weiteren Anstieg von im Schnitt 40 Prozent jährlich. Damit wäre das derzeitige KGV von 30 geradezu „billig“.
So betrachtet erscheint der aktuelle, dynamische Abwärtsschwenk der Aktie, mit dem eine in den Vorwochen etablierte Toppbildung vollendet wurde, in der Tat ziemlich gewagt. Warum wird trotzdem Druck auf den Kurs ausgeübt?
Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Rheinmetall Aktie finden Sie hier.
Expertenmeinung: Denkbar wäre, dass die Verkäufer darauf spekulieren, dass die in gut acht Wochen anstehende US-Zwischenwahl dazu führt, dass die US-Regierung in Bezug auf den Iran eilig eine die Wähler besänftigende Lösung anstrebt … und dass womöglich auch einige Äußerungen aus dem Kreml geeignet sind, eine positive Perspektive für den Ukraine-Krieg zu zeichnen.
Das zu erwarten ist zwar in der Tat hoch spekulativ. Aber angenommen, es käme so, könnte aus der auf Basis der aktuellen Annahmen günstig bewerteten Aktie schnell eine teuer bewertete Aktie werden, denn diese Gewinnprognosen unterstellen eine jahrelange, massive Aufrüstung, die kommen kann, aber nicht muss.
Doch es bleibt dabei: Derzeit läuft die Aktie rein von den Rahmenbedingungen her gegen den Strom, nur: Charttechnisch tut sie das nicht.
Denn charttechnisch sind jetzt all die bullischen Aspekte, die vor einem Monat noch galten, verloren gegangen. Ende Juli war der Kurs aus seinem seit Jahresbeginn geltenden Abwärtstrendkanal nach oben ausgebrochen. Danach gelang es, die Abwärts-Kurslücke, die Ende Juni durch den nicht erhaltenen Auftrag der Bundesmarine entstand, nicht nur zu schließen, sondern darüber hinaus zu laufen. Zu diesem Zeitpunkt war die Aktie bullisch mit einem nächsten Kursziel bei 1.306 Euro. Aber dann blieben die Käufe aus.
Rheinmetall bildete im Bereich der Juni-Kurslücke ein Topp aus, blieb zuletzt bei einem Versuch, nach oben zu laufen, an der 20-Tage-Linie hängen und sah mit Beginn der vergangenen Woche markanten Abwärtsdruck. Damit wurde das Topp vollendet und aus charttechnischer Sicht der Weg an die beiden jüngsten Tiefs bei 900,20 und 936,20 Euro frei.

Damit hätte man hier eine Aktie, die, rational betrachtet, zwar eher günstig bewertet ist, bei der die charttechnischen Fakten aber nach unten weisen. Was tut man in einer solchen Situation? Sich auf die Short-Seite zu schlagen ist definitiv hoch spekulativ. Long zu gehen, solange das Chartbild bärisch ist, eher noch mehr, daher:
Die vernünftigste Option wäre, hier zwar, da sich ja allerhand tut, ein Auge auf der Aktie zu haben, aktuell aber in dieser Beobachterrolle zu bleiben, bis sich eine Gemengelage ergibt, in der Nachrichtenlage bzw. Rahmenbedingungen und Chartbild wieder zueinander passen.
--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 04.09.2026 um 22:32 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
Investoren, Anleger und Trader genießen mit einem Depot über LYNX den direkten Zugang zu nationalen und internationalen Börsenplätzen in Deutschland, Europa, den USA und Asien. Handeln Sie an 150 Märkten, in 33 Ländern und 24 Währungen. Jetzt informieren: Alle Märkte




