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Aktuelle Analyse:
Nasdaq 100: Die „Powell-Rallye“ … was ist sie wert?

Um 18 Uhr unserer Zeit begann US-Notenbankchef Powell eine Rede, die genau zu diesem Zeitpunkt vorab veröffentlicht wurde. In dieser Rede kam eine Passage vor, die dafür sorgte, dass die US-Aktienindizes binnen Sekunden markant höher liefen. Der technologielastige Nasdaq 100 stieg binnen fünf Minuten um über ein Prozent und legte in den Stunden danach noch weiter zu. Was beinhaltete diese Passage?

Dazu muss man ein wenig zurückgehen. Jerome Powell sagte vor ein paar Wochen, dass die US-Leitzinsen noch deutlich unterhalb des neutralen Levels wären. Das sorgte für großes Unbehagen unter den Investoren. Gestern hingegen erklärte er, die Leitzinsen lägen nur ganz knapp unter dem „Normalniveau“, d.h. unterhalb des Levels, das für die Wirtschaft neutral wäre, weder stützend noch bremsend. Das klang, als habe er sich der zunehmenden Kritik des US-Präsidenten gebeugt und damit nur noch eine Leitzinserhöhung, wohl im Dezember, avisiert, bevor dann mit dem Erreichen des neutralen Niveaus erst einmal Schluss wäre.

Ein Stopp der Zinsanhebungen hieße, dass das Wachstum nicht gebremst wird, der Konsum weiter wachsen kann, die Kosten für die Refinanzierung von Staat, Unternehmen und vor allem der privaten Verbraucher nicht mehr allzu weit steigen würden. Der Wegfall der „Zinsbremse“ würde damit bedeuten, dass die Unternehmensgewinne mehr als gedacht steigen könnten … also sorgte dieser Passus für einen gewaltigen Kurssprung. Aber was ist diese Rallye wert?

Das muss sich erst einmal herausstellen. Wie seitens erfahrener US-Kommentatoren richtig bemerkt: Es waren vor allem die „Algos“, die computergesteuerten Handelsprogramme, die da kauften, weil durch diese impulsive erste Reaktion auf der ganz kurzfristigen Ebene charttechnisch bullische Signale generiert wurden. Hinzu kam die kurstreibende Wirkung ausgelöster Stop-Loss-Kauforders derer, die im Markt Short waren. Was über diese „automatischen“ Reaktionen hinaus an echten Käufen übrig blieb, ist nicht zu ermessen. Aber:

Es ist keineswegs so, dass Powells Aussage zwingend bedeutet, dass über eine weitere Leitzinserhöhung um 0,25 Prozent hinaus nichts nachkommt. Wenn die Inflation weiter anzieht, hat die „Fed“ gar keine andere Wahl, als zu reagieren. Auch, wenn ihr wohl durchaus bewusst ist, dass das Wachstum auf Pump entsteht und deshalb nicht unerhebliche Gefahren entstehen, wenn man es über höhere Zinsen bremst. Und es gibt eben noch ein zweites, großes negatives Element, das aus dem Weg geräumt werden müsste, um dem Aktienmarkt wirklich wieder freie Bahn nach oben zu geben: der Handelskrieg.

Und da fallen die Würfel am Samstagabend, für uns am frühen Sonntagmorgen. Da treffen sich Donald Trump und Xi Jinping zum Abendessen. Die US-Bullen wollen daran glauben, dass nach diesem Treffen zumindest ein Waffenstillstand erreicht wird, in dem ohne weitere neue Zölle zielgerichtet und in gutem Einvernehmen verhandelt wird.

Das ist möglich, aber die bisherigen Erfahrungen mit Donald Trump sollten klar machen, dass es zumindest gewagt wäre, blind darauf zu wetten, dass dieses Treffen alles zum Guten wendet. Denn ein Einlenken seinerseits müsste man beinahe ausschließen … und China wird sich nicht diktieren lassen, wie der „Deal“ auszusehen hat. Damit wird mit Blick auf den Chart des Nasdaq 100 klar:

Chart auf Wochenbasis vom 28.11.2018, Kurs 6.913,33 Punkte, Kürzel NDX | LYNX Online Broker

Die Bullen haben sich mit dieser „Powell-Rallye“ in Startposition für einen Befreiungsschlag gebracht, indem der Nasdaq 100  jetzt nahe an die obere Begrenzung des seit Anfang Oktober geltenden Abwärtstrendkanals gelaufen ist, die sich derzeit bei 6.950 Punkten mit dem Zwischentief von Ende Juni kreuzt. Wenn das Gespräch zwischen Trump und Xi am Wochenende ein positives Ergebnis zeitigt, das diesen Namen verdient, ist damit zu rechnen, dass diese Hürde umgehend genommen und die mittelfristig weitaus wichtigere Widerstandszone 7.075/7.110 Punkte angegangen wird, wo die 20-Tage-Linie kurz davor steht, die 200-Tage-Linie nach unten zu kreuzen. Erst, wenn diese Zone überboten ist, ist der Nasdaq 100 wieder bullisch.

Der erste Schritt wurde gestern getan. Aber ob auch der zweite gelingt, ist absolut offen. Und eines muss klar sein: Sollte dieses Abendessen am Samstagabend für ein noch eisigeres Klima zwischen den USA und China sorgen, kann der Nasdaq 100, Leitzinsperspektive hin oder her, sehr schnell wieder bei 6.442 Punkten landen, dort, wo am vergangenen Dienstag die derzeitige Rallye ihren Anfang nahm.

Chart auf Tagesbasis vom 28.11.2018, Kurs 6.913,33 Punkte, Kürzel NDX | LYNX Online Broker

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