Zalando Aktie Prognose Zalando: Ist es nicht langsam mal gut mit diesem Selloff?

News: Aktuelle Analyse der Zalando Aktie

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Zur Zalando Aktie

Die Quartalszahlen des Onlinehändlers Zalando waren nicht gut. Daraufhin orientiert man sich dort jetzt am unteren Ende der bisherigen 2022er-Prognosespanne. Aber nichts davon hätte überraschen dürfen. Trotzdem crashte die Aktie, obwohl sie zuvor schon überverkauft war.

Mit dem gestrigen Minus von 10,61 Prozent hat die Zalando-Aktie jetzt eine Silbermedaille errungen, auf die die hier engagierten Akteure wohl gerne verzichten würden, sofern sie nicht trendkonform Short sind: Die Aktie ist jetzt noch vor HelloFresh und hinter dem Top-Verlierer Delivery Hero auf Platz 2 der DAX-Verlierer seit Jahresanfang vorgerückt. Wie lange soll dieser Ausverkauf noch weitergehen? Über 50 Prozent Kurswert sind, gerechnet ab dem 1. Januar, schon dahin. Und schon zur Jahreswende hatte Zalando bereits 33 Prozent unter dem im Juli 2021 markierten Rekordhoch von 105,90 Euro notiert.

Sicher, die Quartalsbilanz las sich gruselig. Der Umsatz konnte zwar gehalten werden, trotzdem krachte der Gewinn weg und wurde zu einem Verlust. Vor Steuern und Zinsen (EBIT) waren es -51,8 Millionen Euro, nachdem im Vorjahresquartal 93,3 Millionen Euro Gewinn erzielt wurden. Aber diese kalte Dusche kam andererseits nicht unerwartet. Denn die Analysten hatten im Schnitt ziemlich gut gelegen, hatten den Umsatz mit 2,2 Milliarden korrekt geschätzt, beim EBIT hatte man im Durchschnitt mit einem Verlust von 52,4 Millionen gerechnet. Trotzdem kam es zu diesem erneuten Selloff. Ist der nicht längst völlig überzogen?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Zalando Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Es kommt darauf an, wie sich das laufende Quartal darstellt. Zalando hatte ja bereits im Vorfeld der Zahlen eine Gewinnprognose ausgelobt, die auf EBIT-Basis zwischen 430 und 510 Millionen Euro angesetzt wurde. 2021 hatte man im EBIT 468,4 Millionen erreicht. Jetzt, nach der Bilanz, hieß es von Zalando, dass man nunmehr das untere Ende der Prognosespanne anpeile, also 430 Millionen Euro. Würde das so eintreffen, hieße das, der Gewinn vor Steuern und Zinsen würde in diesem Jahr gut acht Prozent unter dem des Vorjahres liegen. Das wäre kein Beinbruch, in einem Umfeld wie diesem. Käme es so, wäre der Abverkauf der Aktie also in der Tat längst überzogen. Aber kommt es auch so?

Zalando-Aktie: Chart vom 05.05.2022, Kurs 33,21 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

Genau das bezweifeln diejenigen, die hier immer weiter auf die Aktie drücken. Und damit dürften sie tendenziell auch Recht haben. Denn was hier auf die Gewinne drückt, sind Inflation, gestiegene Kosten, vorsichtig gewordene Verbraucher. Das kann sich allemal in den kommenden Quartalen noch intensivieren. Und dann wäre auch die untere Grenze der Prognosespanne schnell Makulatur und eine Zalando-Aktie, die gerade auf das Corona Crash-Tief vom März 2020 bei 27,33 Euro zu rutscht, immer noch nicht „billig“. Aber:

Wenn man sich einmal anschaut, dass der Kurs, gerechnet vom Hoch im Sommer 2021, bereits über 68 Prozent abgegeben hat und sogar in dem hier abgebildeten Wochen-Zeitraster seit Februar beim RSI-Indikator permanent in der überverkauften Zone notiert, könnte man Short-Trades hier zwar mit konsequent nachgezogenen Stop Loss halten. Aber jetzt noch neu Short zu gehen, wäre äußerst verwegen. Andererseits: Auch, wenn eine so überverkaufte Aktie allein durch die Eindeckungen von Leerverkäufen jederzeit eine kräftige Gegenbewegung nach oben sehen könnte: Hier auf Verdacht Long zu gehen, das kann, mit Blick auf die vorgenannten, kritischen Perspektiven für den Online-Handel, ganz leicht heftig daneben gehen.

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Vorherige Analysen der Zalando Aktie

Zalando fiel, gerechnet ab Jahresbeginn, weitaus stärker als der DAX. Und während der zuletzt eine beeindruckende Rallye hinlegte, hängt die Zalando-Aktie nahe ihres Jahrestiefs fest. Kein Grund, sich die Aktie in Sachen Long-Trade anzusehen? Doch, gerade deswegen!

Bei vielen Stars der vergangenen Jahre, die nicht zuletzt wegen ihrer immens starken Performance den Weg in den DAX gefunden hatten, wurde in den vergangenen Monaten so massiv verkauft, dass man hier glatt unterstellen könnte, dass im Kurs mittlerweile ein Worst Case Szenario eingepreist ist. Zalando gehört zum Kreis dieser förmlich zertrümmerten Aktien.

Zwar muss man damit rechnen, dass die viel zu hohe Inflation die Konsumneigung der Verbraucher deutlich bremst und Zalando zugleich markant höhere Kosten zu tragen hat. Und natürlich trägt die Ukraine-Krise dazu bei, diese Verunsicherung der Verbraucher noch zu steigern. Aber wie heftig wird es dahingehend kommen?

Zalando selbst legte am 1. März neben den 2021er-Ergebnissen einen Ausblick auf 2022 vor, der so düster gar nicht war. 2021 hatte man, vor Steuern und Zinsen (EBIT) ebenso wie netto, einen leicht über 2020 liegenden Gewinn erreicht. Das lag im Rahmen der durchschnittlichen Analystenprognose und war damit kein Grund, die bis dahin bereits deutlich gefallene Aktie weiter zu verkaufen. Und der Ausblick auf das laufende Jahr sieht einen Umsatzanstieg zwischen 12 und 19 Prozent, trotz des problematischen Umfelds. Für das EBIT sieht der Online-Händler 2022 eine Range zwischen 430 und 510 Millionen Euro nach 468,4 Millionen im Jahr 2021. Der Gewinn könnte also in einer moderaten Größenordnung zulegen oder nachgeben. Wie passt das zu diesem gewaltigen Abstieg der Aktie, deren Kurs sich zwischen Juli 2021 und März 2022 zeitweise mehr als halbiert hatte?

Expertenmeinung: „Gar nicht“ wäre eine zu einfache Antwort, denn im Vorfeld war die Aktie ordentlich überbewertet gewesen. Einen Gewinn um die 0,91 Euro pro Aktie, die es dann für 2021 wurden, hatte man auch schon im Sommer in etwa erwarten können. Und das hieß, dass die Zalando-Aktie da in der Spitze ein Kurs/Gewinn-Verhältnis über 100 erreicht hatte. Was angesichts der Tatsache, dass das Wachstumstempo nachlassen muss und die massiv gestiegenen Erzeugerpreise kein Umfeld für deutlich steigende Margen sein können, absurd war, aber:

Jetzt übertreibt man eben doch eher nach unten. Was auch daran liegt, dass die Bilanz nebst Ausblick ausgerechnet in einer Phase auf den Tisch kam, in der der Gesamtmarkt wie ein Stein fiel und die bereits gebeutelte Zalando-Aktie noch einmal eine Etage tiefer schickte.

Denn die hohen Erzeugerpreise, die stark gestiegenen Verbraucherpreise, die Ukraine-Krise, all das sind Belastungsfaktoren, die zwar lange wirken könnten, aber nicht müssen. Und Zalando hat über die Jahre die Basis für eine spürbare Steigerung der Gewinnmarge geschaffen, der Hebel für deutlich steigende Gewinne pro Aktie muss jetzt eben nur das passende Umfeld bekommen. Kurzfristig ist das nicht drin, mittelfristig ist das indes wahrscheinlich. Also, zugreifen?

In einem derart volatilen und emotionalen Markt sollte man tunlichst nirgendwo blind einsteigen. Was billig scheint, kann da leicht noch viel billiger werden. Aber sollte die Aktie jetzt wieder Lebenszeichen von sich geben, wird die Sache schon interessant.

Sie sehen in diesem bewusst längerfristigen Chart auf Wochenbasis, dass sich die Aktie seit Wochen in einer prominenten Chartzone herumdrückt, konkret im Bereich der wichtigen Supportzone zwischen 47,35 und 50,35 Euro. Wenn es gelingt, diesen Bereich mit einem Wochenschlusskurs über dem Hoch der laufenden Seitwärtsbewegung bei 51,40 Euro zu verlassen, ist das auf Trading-Ebene schon einmal ein interessantes Signal. Und sollte die Zalando-Aktie dann mit Schlusskursen über 60 Euro auch noch die nächstgelegene Widerstandszone bezwingen, wäre ein weiterer Anstieg in die Region 73/74 Euro zumindest keine allzu große Überraschung.

Zalando-Aktie: Chart vom 30.03.2022, Kurs 49,25 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

Die gestern vorgelegte Bilanz des Online-Händlers Zalando lag leicht über den Prognosen der Analysten. Und der Ausblick auf 2022 klang zwar ein wenig verhalten, doch dass die Aktie deshalb derart abverkauft wurde, wirkt auf den ersten Blick überzogen. Auf den zweiten nicht.

Die Guidance für 2022 liegt bei einem Umsatzwachstum zwischen 12 bis 19 Prozent. Nicht umwerfend, nachdem 2021 ein Umsatzplus von knapp 30 Prozent erzielt wurde, aber die damit avisierten 11,6 bis 12,3 Milliarden Euro liegen immerhin einigermaßen im Rahmen der 12,1 Milliarden, die bis dahin im Schnitt von den Experten für 2022 gesehen wurden. Nicht überzeugend war, dass man den um Sonderfaktoren bereinigten Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) in einer Spanne zwischen 430 bis 510 Millionen Euro ansiedelt. Das ist zwar ebenfalls im Rahmen dessen, was die Analysten bislang vorhergesagt hatten (knapp 460 Millionen). Aber es könnte so eben auch sein, dass der Gewinn 2022 deutlicher fällt als gedacht. Und selbst das obere Ende der Prognosespanne würde nur einen Anstieg des EBIT um neun Prozent bedeuten.

Aber da man ohnehin nicht mit großen Sprüngen gerechnet hatte, wieso dann ein derart heftiges Minus von 9,63 Prozent als Reaktion auf das Zahlenwerk? Hatten die Anleger insgeheim gehofft, es würde doch eine bessere Prognose auf den Tisch kommen? Vielleicht einige, aber das ist aktuell nicht das eigentliche Problem.

Expertenmeinung: Die starke Inflation und die Überschuldung vieler Privathaushalte sind für den Einzelhandel natürlich ein Damoklesschwert. Und das könnte 2022 jetzt aus gleich zwei Gründen herabsausen. Zum einen, wenn die EZB doch noch beginnt, dem Kurs der US-Notenbank und der Bank of England zu folgen und den Geldhahn zügig zudreht, so dass Kredite teurer werden, ohne dass es aber gelingt, dadurch die Inflation zu bremsen. Zum anderen, weil die Sanktionen gegen Russland auch die Verbraucher in Europa treffen, da das Risiko ausbleibender Getreidelieferungen sowie die Notwendigkeit, sich dann nach teureren Alternativen zu russischem Gas und Öl umtun zu müssen, die Inflation noch mehr befeuert.

Je mehr die Grundversorgung der Menschen kostet, desto weniger bleibt für den Konsum im Bereich Schuhe, Kleidung und Kosmetik. Daher fürchten offenbar viele – und wohl zu Recht – dass auch Zalandos eher verhaltene 2022er-Guidance so nicht zu schaffen sein könnte. Ob die Skeptiker am Ende Recht behalten, werden wir vorerst nicht erfahren, daher muss man die Aktie vorerst rein von diesen Risiken und der Charttechnik her betrachten.

Dass der Kurs sich seit seinem Rekordhoch vom Sommer 2021 halbiert hat, ist in einem Umfeld wie diesem kein Argument, sofort auf die Aufwärtswende zu setzen. Da die Risiken für Umsatz- und Gewinnwachstum vorerst nicht quantifizierbar sind, bleiben sie ein Hemmnis für die Käuferseite. Und solange die ohnehin in der Defensive ist und die Zalando-Aktie an wichtigen Widerständen problemlos nach unten abgewiesen werden kann, ist die bärische Seite so sehr im Vorteil, dass man sich mit „Käufen auf Verdacht“ heftig die Finger verbrennen kann. Und das ist derzeit ja auch der Fall, denn:

Sie sehen in diesem Chart auf Wochenbasis, dass der Kurs im Vorfeld der Bilanz zwar an die Widerstandszone 57,84/59,92 Euro herangelaufen war, dort aber jetzt klar nach unten abgewiesen wurde. Das Kursziel bleibt also erst einmal der wichtige, langfristige Support um 50 Euro, der eher eine Supportzone ist, die bis 47,35 Euro hinunter reicht. Zalando könnte diese Zone halten … aber es ist in einem Umfeld wie diesem eben nur ein „könnte“. Hier wäre es ratsam, erst dann zuzugreifen, wenn es gelungen ist, normalerweise von den Short-Sellern verteidigte Widerstandsmarken zu bezwingen. Solche also, an denen die Aktie gestern abdrehen musste.

Zalando-Aktie: Chart vom 01.03.2022, Kurs 53,84 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

Vor wenigen Wochen oder Monaten hätte es sich kaum jemand träumen lassen, welch dramatische Abverkäufe wir bei manchen Aktien inzwischen erlebt haben.

Das trifft wohl auch auf Zalando zu. Inzwischen ist der absolute Großteil der Kursgewinne seit dem Corona-Crash wieder dahin.
Die Aktie notiert nicht mehr weit von en Hochs aus 2017 – 2020 entfernt.

Eigentümlich

So wie die Rallye zu weit gegangen ist, scheint jetzt auch der Abverkauf ein bisschen weit zu führen.
Es ist natürlich immer eine Frage, welchen Referenzpunkt man wählt. Aber egal welchen man nutzt, Zalando ist derzeit vergleichsweise günstig.

Selbst wenn man das Crash-Tief aus 2020 heranzieht, sieht es nicht schlecht aus. Damals lag das KUV ungefähr bei 1,2. Heute liegt es bei 1,6.
Der P/OCF (Preis im Verhältnis zum operativen Cashflow) lag damals bei 26,7 und heute bei 30,7.
Das KGV lag damals bei 77 und heute bei 60.

Und natürlich ist es so, dass der Vergleich mit dem Crash-Tief die Aktie in das schlechteste Licht rückt.

Ebenso könnte man 2017 heranziehen. Heute notiert die Aktie „nur“ 26% über dem damaligen Hoch, seitdem hat sich der Umsatz allerdings mehr als verdoppelt und das operative Ergebnis fast verdreifacht.

Betrachtet man die Durchschnittswerte, findet man durchaus Argumente für Zalando. Aktuell liegt das KUV, wie bereits erwähnt, bei 1,6. In den letzten fünf Jahren waren es durchschnittlich 2,2.
Um auf dieses Normalniveau zurückzukehren, müsste die Aktie um 37% steigen.

Was ist möglich?

Wenn man nun mit einem Zeithorizont von 2-3 Jahren an die Sache herangeht, ergibt sich daraus eine realistische Renditeerwartung von 37% zuzüglich des Wachstums in dieser Zeit.
Wie stark Zalando in diesem Zeitraum expandieren kann, wissen wir nicht.

Man kann aber die begründete Annahme vertreten, dass man in ähnlicher Geschwindigkeit wie vor Corona wachsen wird.

In den fünf Geschäftsjahren vor der Pandemie waren das 21% per annum. Selbst wenn man deutlich tiefer stapelt, würde sich eine ordentliche Rendite ergeben.
Möglicherweise könnte Zalando den Markt auch dann noch schlagen, wenn die Bewertung auf diesem niedrigen Niveau bleibt.

Chart vom 15.02.2022 Kurs: 63,14 Kürzel: ZAL - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 15.02.2022 Kurs: 63,14 Kürzel: ZAL – Wochenkerzen

Ein belastbarer Boden hat sich noch nicht ausgebildet, die Aktie scheint jedoch am oberen Aufwärtstrend sowie der Unterstützung bei 60 Euro auf Interesse zu stoßen.

Ausgehend von dieser Basis könnte es jetzt zu einer Erholung in Richtung 65 und 69 Euro kommen.
Über 69 und 72 Euro würde sich das Chartbild zunehmend aufhellen.

Fällt Zalando jedoch unter 60 Euro, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur in Richtung 50 Euro gerechnet werden.

Der Selloff der Vorjahres-Favoriten im DAX ging gestern weiter. Es traf Zalando, aber auch Delivery Hero, Sartorius oder HelloFresh. Dafür sammelte man fleißig „konservative“ Aktien ein. Aber wie weit soll die Zalando-Aktie denn noch fallen? Geht es etwa auf 50 Euro?

Die Analysten bleiben beeindruckend stur: Weiterhin stufen drei Viertel der Experten die Aktie des Online-Händlers als „Kauf“ ein, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 96 Euro. Doch das passt nicht recht zu den Erwartungen an den Unternehmensgewinn. Die Aktie wäre dann mit Kursen über 100 Euro fair bewertet, wenn es gelingt, die Prognose des Unternehmensgewinns für Ende 2024 zu erreichen. Das ist noch lange hin, daher sind solche Vorab-Berechnungen auch meist Makulatur. Und was die Anleger dazu bringt, hier auszusteigen bzw. die Aktie leer zu verkaufen, um von einem weiteren Abstieg zu profitieren, ist das Hier und Jetzt.

Man fürchtet, dass die bislang nicht gebremste Inflation, ein Umfeld zunehmender Verunsicherung und die bereits hohe Verschuldung privater Haushalte den Konsum in diesem Jahr belasten werden. Und das würde für einen Online-Riesen wie Zalando bedeuten, dass in Sachen Unternehmensgewinn weniger Wachstum drin wäre, als man sich das noch im Sommer/Herbst 2021 vorgestellt hatte. Und hohe Kursziele hin oder her, diese Skepsis wird von den Analysten auch geteilt. Hier rechnet man netto für 2021 nur mit einem Gewinnplus zum Vorjahr von vier, für 2022 gegenüber 2021 von sieben Prozent.

Expertenmeinung: Dass die Aktie ebenso wie viele andere, bei denen man noch vor wenigen Monaten einfach die Dynamik der Unternehmensgewinne früherer Jahre mit dem Lineal in die Zukunft verlängert hatte, unter Druck steht, ist daher gar nicht so überraschend. Und wenn ein Trend erst einmal so dynamisch ist wie dieser, kann er leicht auch in Übertreibungen ausarten. Das war 2020 auf der Oberseite so, jetzt könnte die Aktie nach unten “überschießen”.

Denn der Optimismus ist aus dem Markt, da hat das bärische Lager grundsätzlich leichtes Spiel. Und angenommen, der Unternehmensgewinn würde tatsächlich 2022, womöglich auch 2023, nicht allzu viel vorankommen, wäre die Zalando-Aktie selbst bei 50 Euro nicht unterbewertet. Dass sie dorthin läuft, ist daher durchaus möglich.

Sie sehen in diesem Chart auf Wochenbasis, dass der Kurs im Zuge der jetzt vollendeten, großen Toppbildung immer wieder an den nächstgelegenen Widerständen nach unten abgewiesen wurde, was unterstreicht, dass die „Bären“ den Abwärtstrend unter Kontrolle halten können. Anfang des Jahres wurde Zalando an der horizontalen Nackenlinie des Topps bei 73,82 Euro abgewiesen. Ein zweiter Versuch, diese Linie zurück zu erobern, scheiterte Anfang Februar kläglich und mündete am Dienstag in ein neues Jahres-Verlaufstief.

Sollte Zalando diese Handelswoche unter 63 Euro beenden, wäre die Chance auf eine Bodenbildung erneut dahin. Dann wäre zwar noch eine Unterstützung im Bereich 57,84/59,92 Euro vorhanden, die den Kurs von der immens markanten, langfristig wichtigen Unterstützung um 50 Euro trennen würde. Aber ob sich die bärische Seite von einer solchen recht schwach ausgeprägten Supportzone von einem Anlauf an die runde 50er-Marke abhalten lässt, ist zumindest fraglich.

Zalando-Aktie: Chart vom 08.02.2022, Kurs 64,24 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

Die Sondersituation der Lockdowns ist vorbei, die Einzelhändler klagen über ein schwaches Weihnachtsgeschäft, Inflation und Lieferprobleme belasten Händler ebenso wie die Kunden. Doch das ist nur das „Ist“. Die Zukunft könnte, vor allem für Zalando, deutlich rosiger sein.

Ob die hohe Inflation dazu geführt hat, dass die Verbraucher zu Weihnachten wirklich weniger ausgegeben haben oder aber sich die Umsätze nur mehr Richtung Onlinehandel verlagert haben, weil die Restriktionen für den stationären Einzelhandel viele abschreckten, ist noch offen. Noch wissen wir nicht, wie Zalando durch die Weihnachtssaison kam. Aber die Chance, dass der Onlinehändler aus dieser Situation als Gewinner hervorging, ist da. Nur sieht man das am Aktienkurs wahrhaftig nicht. Was hat die Anleger bewogen, diese Aktie, die 2020 zu den großen Gewinnern gehörte, ab der zweiten Jahreshälfte 2021 so massiv abzustoßen?

Der Gedanke, dass die Gewinne bei Zalando drastisch sinken könnten, wenn das Thema Corona vom Tisch ist, wäre eigentlich eher abwegig. Was auch die Experten so sehen, denn das Gros der Analysten bleibt bei seiner „Kaufen“-Einschätzung, das durchschnittliche Kursziel liegt mit derzeit 98 Euro meilenweit über dem aktuellen Kurs. Und mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von derzeit 75 für den geschätzten 2021er-Gewinn ist die Aktie zwar nicht gerade billig. Aber zum einen ist das deutlich weniger als die KGVs von um die 100, die für Zalando zum Ende der Jahre 2017 bis 2020 galten. Und zum anderen wäre ein 75er-KGV nur dann zu teuer, wenn der Gewinn des Onlinehändlers in den kommenden zwei Jahren stagnieren oder gar schrumpfen würde, womit (derzeit) nicht zu rechnen wäre. Also, wo liegt das Problem?

Expertenmeinung: Es kann sehr gut sein, dass die Kursverluste vor allem auf einem Dominoeffekt beruhen. Zalando gehörte zu den „In-Aktien“ 2020. Anfang 2021 hatten viele einfach darauf gesetzt, dass die Super-Performance des Vorjahres genau so weitergehen würde … und mussten feststellen, dass sie auf Sand gebaut hatten. Nachdem es im Juli misslang, das vorherige Rekordhoch signifikant zu überwinden, setzten Gewinnmitnahmen ein, die durch unter den hohen Erwartungen zurückbleibende Quartalsbilanzen immer wieder neue Nahrung bekamen. Hinzu kamen Trader, die die Schwäche der Aktie nutzten, um den Kurs gezielt durch Leerverkäufe zu drücken. Ein Abwärtstrend war geboren, der sich auch deshalb aufrechterhalten ließ, weil üblicherweise viele, die zuvor aufgrund zu hoher Erwartungen bei einer Aktie Schiffbruch erlitten haben, keine Lust haben, es gleich nochmal zu versuchen und die Finger von der entsprechenden Aktie lassen. Das Resultat:

Eine markant gedrückte Aktie eines Unternehmens, das 2022 allemal lukrative Wachstumschancen hat. Was fehlt, wäre der „Weckruf“, ein Auslöser, der dazu führen würde, dass die Marktteilnehmer Zalando wieder als Einstiegschance wahrnehmen.

Ein erster, wichtiger Schritt wäre dahingehend dann getan, wenn es gelingt, die Aktie auf Schlusskursbasis über den nächstliegenden, markanten Widerstandsbereich 73/74 Euro zu heben. Dann wäre erst einmal wieder Luft nach oben … und die Chance da, mit Closings über 88/89 Euro auch wieder ein mittelfristig relevantes, bullisches Signal zu erzeugen. Das sollte man unbedingt im Auge behalten. Aber solange der Weckruf nicht erfolgt ist, sollte man sich dennoch hüten, diesen als sicher vorauszusetzen und einem ersten, positiven Signal durch Schlusskurse über 74 Euro daher besser nicht vorgreifen!

Chart vom 30.12.2021, Kurs 71,14 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX