Zalando Aktie aktuell Zalando: Was bleibt, wenn der Krisenbonus wegfällt?

News: Aktuelle Analyse der Zalando Aktie

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Zalando
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Zur Zalando Aktie

Seit die Zalando-Aktie am Morgen des 9. Novembers mit 91,50 Euro einen neuen Verlaufsrekord erreichte und, ausgelöst durch den „Corona-Gewinner-Selloff“ als Reaktion auf die Impfstoff-Erfolgsmeldung von BioNTech und Pfizer, am Tief des selben Tages gut 19 Prozent niedriger notierte, stellen sich die Investoren zwei brennende Fragen:

Wie viel Euro mag der Krisenbonus bei dieser Aktie ausmachen, der wegfallen würde, wenn die Corona-Problematik vom Tisch oder zumindest deren Ende absehbar ist? Und hat es überhaupt einen Sinn, diese Krise auf Basis der Meldung nahender Impfstoffe auszupreisen … oder könnte sich die Lage nicht womöglich sogar so verschärfen, dass da noch einiges mehr an Krisenbonus drin wäre?

Wenn man versucht, sich von emotional gefärbten Meinungen zu lösen und nach einer nüchternen Antwort zu forschen, wird schnell klar: die gibt es nicht. Denn ob die Mehrzahl der die Aktie handelnden Investoren diese als noch günstig oder als bereits zu teuer einstufen, ist immer eine subjektive Einschätzung.

Ein Kurs/Gewinn-Verhältnis um 100, wie wir es hier derzeit sehen, kann immer noch günstig sein, wenn man davon überzeugt ist, dass Zalando auch ohne die Krise schnell und vor allem auf Jahre hinaus weiter wachsen wird. Aber ob es so kommt, ist nicht sicher einzugrenzen. Werden die meisten der durch die Corona-Krise zu Zalando gewechselten Kunden danach weiter dort kaufen oder zurück in den Einzelhandel gehen? Wird die Konjunktur schnell und stark genug zulegen, um ein Konsumwachstum zu ermöglichen, wie wir es vor der Krise gesehen haben? Diese Fragen bleiben offen.

Daher bleibt die Antwort auf die Frage subjektiv, ob Zalando jetzt, nach diesem ersten Abverkauf als Antwort auf die wachsende Hoffnung auf ein Ende der Krise, noch zu teuer wäre oder man bereits wieder zugreifen sollte. Der Krisenbonus der Aktie lässt sich nicht in Euro messen, sondern am Verhalten der Marktteilnehmer jetzt, da die Frage im Raum steht, ob man Zalando unter sich aufhellenden Rahmenbedingungen noch kaufen kann oder die Gewinne seit dem März-Tief besser mitnimmt. Man könnte sagen, dass diese Frage in geheimer Abstimmung geklärt wird, aber zugleich für jedermann sichtbar ist, in welche Richtung es geht.

Dass Zalando am Freitag erklärte, man peile sogar eine Beschleunigung des derzeitigen Wachstums an, indem man sich sukzessiv von einem reinen Online-Händler hin zu einem Plattform-Anbieter entwickelt und dieses Statement nur für ein Plus von 1,09 Prozent reichte, ist auffällig. Es deutet an, dass jetzt, da die (hervorragenden) Ergebnisse des dritten Quartals  auf dem Tisch liegen und vor Januar keine weiteren Daten anstehen, diejenigen, die auf Basis dieses Wachstums hin einsteigen wollten, bereits investiert sind und sich die Zahl neuer Käufer in Grenzen hält. Es reicht zumindest nicht, den Selloff vom 9.11. umgehend aufzukaufen. Dies in Kombination mit der als Warnsignal fungierenden, negativen Divergenz des im Chart mit eingeblendeten RSI-Indikators erhöht das Risiko, dass nach unten noch Luft wäre.

Tageschart vom 20.11.2020, Kurs 80,04 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

Sollte die Aktie das Selloff-Zwischentief bei 73,82 Euro auf Schlusskursbasis unterschreiten, wäre es denkbar, dass der Kurs bis an die momentan bei 61,30  Euro verlaufende 200-Tage-Linie zurücksetzt, denn besonders ausgeprägte Unterstützungen haben sich zwischen der 200-Tage-Linie und dem letzten Zwischentief nicht ausgebildet. Sollte es dazu kommen, würde man (im Nachhinein) den Abstieg als Abbau des Krisenbonus ansehen. Denn in Phasen großer Unsicherheit sind es oft die Kurse, die die Nachrichten formen, nicht umgekehrt.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Zalando Aktie finden Sie hier.

Wochenchart vom 20.11.2020, Kurs 80,04 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX
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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Zalando Aktie

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Bekanntermaßen macht ein Handelstag noch keinen neuen Trend aus, doch im Fall von Zalando sehen wir aktuell ein recht deutliches Warnsignal im Chart. Dies liegt vor allem daran, dass im Laufe dieser Woche eine der heftigsten Sektor-Rotationen des Jahres stattfand. Während Industriewerte und Value-Aktien stark anstiegen, ging es den sogenannten Stay-at-Home Aktien regelrecht an den Kragen. Bei Zalando sackte der Kurs um mehr als 10 Prozent ab, nachdem sich ein Übertreibungs-Gap über der Marke von 90 EUR bildete. Die große rote Kerze impliziert, dass sich hier eine ganze Reihe von Großanlegern von dem Titel getrennt haben. Solch riesige Tageskerzen kommen nur sehr selten vor, haben aber besonders am Hoch oder am Tief eines intakten Trends meist eine nachhaltige Wirkung. Der Aufwärtstrend ist zumindest schon mal dahin, da das Pivot-Tief des Monats Oktober nach unten gebrochen wurde.

Expertenmeinung: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie in den kommenden Wochen und Monaten in Richtung einer nachhaltigen Korrektur abgleiten dürfte, ist recht hoch. Immerhin hat sich der Titel allein im letzten halben Jahr mehr als verdoppelt und Gewinnmitnahmen gehören nun mal zum Geschäft an der Börse. Hier ist vorerst höchste Vorsicht geboten und bis wir keine deutlich gegenteiligen Signale erhalten, senken wir vorerst unsere Aussichten auf Zalando von neutral auf bärisch. Die Gefahr weiterer Abschläge ist gegeben.

Aussicht: BÄRISCH

Chart vom 10.11.2020 Kurs: 76.42 Kürzel: ZAL | Online Broker LYNX

Alles richtig gemacht, so kann man die Bilanz des dritten Quartals in einem Satz zusammenfassen, die der Online-Händler Zalando am Mittwochmorgen präsentierte. Der Umsatz legte gegenüber dem Sommerquartal 2019 um 21,7 Prozent zu, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) explodierte förmlich von 6,3 Millionen im Vorjahresquartal auf jetzt 118,2 Millionen Euro. Was deutlich macht, dass neben dem rasanten Wachstum auch ein frühere Jahre dominierendes Problem im Griff ist:

Die Gewinnmargen passen endlich. In früheren Jahren blieb nahezu nichts in der Kasse, trotz starken Wachstums. Jetzt, so scheint es, tritt Zalando in die Fußstapfen des Online-Altmeisters amazon.com, denn auch da fokussierte man sich einst vor allem auf die Festigung der Marktstellung und auf die Expansion, bevor es dann nach Jahren um die Gewinne ging. Die sprudeln bei amazon.com mittlerweile solide. Vergleichbares erhofft man sich auch von Zalando. Zu Recht?

Expertenmeinung: Man ist auf jedem Fall auf gutem Weg dorthin. Der Gewinn pro Aktie, der sich aus diesem dritten Quartal ergibt, liegt bei 0,22 Euro. Das ist schon fast die halbe Miete des Vorjahresgewinns von 0,46 Euro, aber alleine in einem Quartal erreicht. Und man sollte nicht denken, dass Zalando damit eine große Delle aus dem zweiten, dem „Lockdown-Quartal“, aufholen müsste. Da erreichte Zalando einen Gewinn von 0,49 Euro pro Aktie. Nur im ersten Quartal fiel ein Minus von 0,35 Euro pro Aktie an. Was bedeutet, dass bis Ende September insgesamt 0,36 Euro Gewinn pro Aktie erreicht wurden. Was zwar noch unter dem Gesamtjahr 2019 liegt … aber das wichtigste, das Weihnachtsquartal, hat ja gerade erst begonnen.

Die nicht überraschend positive Reaktion auf die Bilanz brachte der Aktie einen neuen Verlaufs- und Schlussrekord ein. Und es wäre zumindest denkbar, dass jetzt noch mehr „Goldgräberstimmung“ aufkommt und manche Trader versuchen, die Aktie an und idealerweise über die 100 Euro-Marke zu ziehen. Einen guten Start hätte man mit diesem Anstieg allemal vorgelegt, denn die Aktie fiel zwar kurzzeitig unter die mittelfristige Aufwärtstrendlinie, drehte aber, Sie sehen es im Chart, genau dort, wo sie drehen musste, um sich das Aufwärtspotenzial zu erhalten: am markanten, damaligen Rekordhoch von Anfang September, das somit nicht nur als Sprungtuch, sondern auch als Sprungbrett dienste.

Chart vom 04.11.2020, Kurs 88,22 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

Einen solchen Aufwärtstrend findet man nicht alle Tage. Der Kurs der Zalando-Aktie hat sich seit Mitte März in der Spitze verdreifacht. Und auch, wenn der Ausbruch auf neue Verlaufsrekorde am Freitag unter sehr hohen Umsätzen auf Gewinnmitnahmen traf, sieht es nicht so aus, als würde diese wie auf Schienen ablaufende Hausse in Kürze enden. Was indes nicht heißt, dass sie nicht trotzdem enden könnte. Ob das Chance/Risiko-Verhältnis immer noch rosig ist, wenn man erwägt, hier jetzt erst neu einzusteigen, ist fraglich. Denn die Reaktion der Anleger auf die jüngsten, grandiosen Nachrichten hat eine Achillesferse.

Dass es am Freitag zu einem Sprung nach oben kam, basierte auf den am Donnerstag nach Handelsende vorgelegten, vorläufigen Ergebnissen des dritten Quartals. Der Umsatz stieg um 20 bis 23 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, der Gewinn wird in der Spanne zwischen 100 und 130 Millionen Euro liegen. Ein Jahr zuvor waren gerade einmal 6,3 Millionen Euro hängen geblieben. Dieses starke Ergebnis führte dazu, dass der Online-Händler seine 2020er-Prognose erneut anhob. Für das Gesamtjahr rechnet Zalando jetzt mit einem Umsatzwachstum zwischen 20 und 22 Prozent (vorher prognostiziert: 15 bis 20 Prozent) und mit einem Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) im Bereich von 375 bis 425 Millionen (vorherige Prognose 250 bis 300 Millionen). Zum Vergleich: 2019 lag das EBIT bei knapp 150 Millionen. Und ja, das ist überzeugend, denn:

Expertenmeinung: Damit wird deutlich, dass zwei entscheidende Elemente für Zalando in die absolut richtige Richtung laufen: Der Anteil des Online-Handels hat deutlich zugenommen und flaute nicht sofort nach Ende des Lockdowns wieder ab. Und das uralte Problem, dass Zalandos Umsatz zwar permanent und schnell zulegt, dabei aber kaum etwas hängen bleibt, weil die Gewinnmarge viel zu gering ist, scheint vom Tisch. Sehr gut, keine Frage, aber:

Neue Kunden wachsen nicht stetig und rasant wie Bambusgras. Die Corona-Problematik hat Zalando viele neue Kunden gebracht, die auch bleiben werden. Aber das wären ansonsten Neukunden gewesen, die später im Jahr oder 2021 dazu gestoßen wären. Endlos wachsen kann die Zahl der Kunden nicht. Und deren Umsatz muss ebenso wenig zulegen, vor allem nicht, wenn die Rezession nicht so schnell vom Tisch ist, wie es viele weiterhin glauben. Aber genau dieses Wachstum im vergleichbaren Tempo preist man im Aktienkurs gerade ein. So, wie es derzeit aussieht, wird Zalando 2020 das verdienen, was die Analysten für 2021 erwartet haben. Gut, aber daraus errechnet sich ein 2020er-Kurs/Gewinn-Verhältnis von 100. Selbst, wenn es Zalando gelänge, den Gewinn 2021 erneut zu verdoppeln, läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis dann bei 50. Immer noch hoch, wenn man bedenkt, dass die Wachstumskurve zwangsläufig abflachen wird. Zu hoch? Meines Erachtens schon, nur:

Das würde mich derzeit nur davon abhalten, hier jetzt neu einzusteigen. Denn solange genug Akteure die hohe Bewertung einfach ignorieren, muss der Trend nicht brechen. Zu verkaufen oder gar Short zu gehen, das bietet sich in dieser Situation daher keineswegs an. Anders wäre es, würde die Aktie die schon mehrfach bestätigte, von der 20-Tage-Linie verstärkte Aufwärtstrendlinie bei derzeit 78,40 Euro brechen. Da diese Linie mit der Hausse mitläuft, funktioniert sie für die Bullen wie ein „Trailing Stop“. Wenn der unterschritten wird, wäre es unbedingt zu überlegen, auszusteigen. Bis dahin aber muss man hier nicht von Bord gehen!

Chart vom 09.10.2020, Kurs 85,64 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

Was tun, wenn man Analyst ist und einem die Kurse weit über das Kursziel hinauslaufen, obwohl man nicht gerade überzeugt ist, dass der erreichte, weit höher als angenommene Level für die Ewigkeit gemacht ist? Einige Experten bleiben bei ihrer Einschätzung, weil sie ja auf Fundamentals basiert und vom jeweiligen Kurs eigentlich unabhängig ist. Andere heben ihr Kursziel mit der Hausse der betreffenden Aktie an und argumentieren mit der Masse: Zahlen besser als erwartet, Perspektiven grandios, Aktie also „billig“. Aber was ist für Zalando die richtige Sicht der Dinge?

Die Aktie sauste zur Wochenmitte auf einen neuen Schlussrekord. Damit kostet sie fast das Dreifache dessen, was für Zalando Mitte März aufgerufen wurde. Knapp einen Monat nach diesem Tief hatte ich die Aktie an dieser Stelle betrachtet. Da notierte die Zalando-Aktie um 44 Euro. Das höchste aller Analysten-Kursziele lag da bei 53 Euro, das durchschnittliche Kursziel bei 39,50 Euro. Heute liegt der Spitzenreiter unter den Experten-Kurszielen bei 85 Euro, das durchschnittliche Kursziel bei 68 Euro. Was hat sich in diesen gut vier Monaten verändert, dass Aktienkurs und Sichtweise der Experten sich derart gewandelt haben?

Expertenmeinung: Zalando hat im zweiten Quartal, das in Europa vom Lockdown geprägt war, hervorragende Ergebnisse erzielt. Der Umsatz stieg zwischen April und Juni um 27,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) verdoppelte sich. Das ist natürlich ohne Wenn und Aber stark. Doch es stellt sich die Frage, ob Umsatz und Gewinn im laufenden zweiten Halbjahr vergleichbar stark zulegen, während die Konkurrenz, die Ladengeschäfte des Einzelhandels, wieder präsent ist. Dass Zalando im Zuge dieser grandiosen Zahlen die 2020er-Prognose, die am 15. Juli angehoben wurde, nicht weiter anhob, sollte zumindest nicht übersehen werden. Da hob der Online-Händler das Ziel für das Umsatzwachstum auf 15-20 Prozent an, das EBIT-Ziel auf 250 bis 300 Millionen. Und dass, obwohl da schon intern absehbar war, dass das EBIT allein im zweiten Quartal um 200 Millionen liegen würde.

So gesehen sollte man besser als Trader nicht vom Tisch wischen, was Zalando einkalkuliert, nämlich, dass sich diese Sonderstellung des zweiten Quartals im Rest des Jahres durch den wieder möglichen Einkauf in Ladengeschäften relativieren könnte. So, wie sich die Aktie derzeit präsentiert, vor allem, nachdem sie in dieser Woche den Widerstand der Juli-Hochs herausnahm und davonzog, haben das einige Akteure eher nicht auf dem Zettel. Eine Eintrübung des Geschäfts durch eine Rezession, die den Konsum länger lähmt als zuletzt erhofft, auch nicht. Dem Trend zu folgen und dabei zu bleiben, solange er hält, dagegen wäre nichts einzuwenden. Aber sobald die Zalando-Aktie die Kreuzunterstützung aus der März-Aufwärtstrendlinie und den Juli-Hochs brechen sollte, was bei Schlusskursen unter 67 Euro gegeben wäre, sollte man zusehen, dass man sicherstellt, dass ein grandioser Kursgewinn auch einer bleibt.

Zalando Aktie: Chart vom 27.08.2020, Kurs 74,78 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX

Als großer Online-Händler gehörte Zalando zu den relativ wenigen Unternehmen, die von der Corona-Krise profitieren konnten. Die Verlagerung des Konsums ins Internet brachte Zalando deutlich steigende Umsätze. Nachdem die Aktie anfangs mit allen anderen massiv unter die Räder kam, erkannten das die Marktteilnehmer schnell und griffen zu. Doch der Anstieg der Aktie fiel so äußerst aus, dass dadurch eine Menge an Vorschusslorbeeren verteilt wurden. Da wurde längst eingepreist, dass dieser Zuwachs beim Online-Handel auch nach der Corona-Phase erhalten bleiben würde. Denn der Kurs, der am 19. März bei 27,33 Euro aufgesetzt und gedreht hatte, war zwischenzeitig bis auf 68,88 Euro nach oben geschossen, weit über das vorherige Rekordhoch von 49,09 Euro hinaus. Damit war klar, dass die Bilanz des zweiten Quartals eine positive Überraschung bieten müsste, um zu verhindern, dass die derart stark gelaufene Aktie eine größere Korrektur beginnt. Und in der Tat, die am Donnerstag vorab gemeldeten, vorläufigen Ergebnisse der offiziell am 11. August anstehenden Bilanz des zweiten Quartals waren überzeugend: Laut vorläufigen Berechnungen ist der Umsatz im zweiten Quartal zwischen 26 und 28 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen, der um Sondereinflüsse bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) stieg von 101 Millionen im zweiten Quartal 2019 auf jetzt 200 bis 220 Millionen Euro. Diese Ergebnisse veranlassten Zalando dazu, die Gesamtjahresprognose anzuheben. Jetzt wird mit einem Umsatzwachstum von 15 bis 20 Prozent kalkuliert (vorherige Prognose 10 bis 20 Prozent), beim Gewinn peilt man nunmehr 250 bis 300 Millionen Euro an (zuvor waren 100 bis 200 Millionen prognostiziert worden). Für solche Zahlen wirkte der Kursanstieg der Aktie von 2,13 Prozent am Donnerstag mager. Und sollte vorsichtig stimmen. Eine Vielzahl von Analysten hob auf diese Vorab-Ergebnisse hin am Donnerstag ihre Kursziele an, die Spanne der neu angesetzten Target-Kurse reicht von 53 bis 80 Euro, der Schnitt lag um die 69 Euro. Das aber liegt nicht allzu weit vom zum Handelsende erreichten Kurs entfernt … und erst recht nicht vom bisherigen, vergangene Woche erzielten Verlaufsrekord von 68,88 Euro. Es scheint, als würden die Experten die Aktie langsam als „ausgereizt“ ansehen. Und es scheint, dass nicht wenige Marktteilnehmer das auch so sehen. Aktie Chart auf Wochenbasis vom 16.07.2020, Kurs 66,06 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX Die Aktie hatte zwar das Anfang Juni erreichte Hoch von 66,02 Euro im Juli überboten, kam aber dann nicht mehr wirklich vom Fleck. Es setzte ein volatiles Hin und Her auf engem Raum ein. Wobei die bislang drei Handelstage, an denen der Kurs über 68 Euro lief, alle mit einem Schlusskurs unter dem Eröffnungskurs endeten. Auffällig ist die daraus resultierende, negative Divergenz des RSI-Indikators zum Kursverlauf, was immer vorsichtig stimmen sollte. Es wirkt, als würde eine wachsende Zahl an Akteuren in steigende Kurse hinein verkaufen, also eine Distributionsphase begonnen haben, in der diejenigen, die schon länger dabei sind, Gewinne mitnehmen, sobald die nötige Nachfrage da ist. Dass die Aktie gestern trotz starker Vorab-Zahlen nicht aus der Seitwärtsrange herauskam und erneut unter dem Eröffnungskurs schloss, ist ein Warnsignal, dass die Luft nach oben raus sein könnte. Gewinnmitnahmen wären einen Gedanken wert, zudem würde sich ein Stoppkurs anbieten, den man derzeit mit einem „Respektabstand“ von ca. zwei Euro unter der aktuell bei 64,55 Euro verlaufenden 20-Tage-Linie, dem derzeitigen Leitstrahl der Aufwärtsbewegung, ansiedeln könnte. Aktie Chart auf Tagesbasis vom 16.07.2020, Kurs 66,06 Euro, Kürzel ZAL | Online Broker LYNX Sie möchten täglich vor Börsenstart unsere Chartanalysen per E-Mail erhalten? Dann abonnieren Sie hier unseren Börsennewsletter mit aktuellen Börsennews.