Airbus: Diese Nachrichten könnten den Deckel sprengen

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Zur Airbus Aktie

Obwohl die Luftfahrtindustrie weiterhin massiv unter der Corona-Situation leidet, hatten die Anleger die Airbus-Aktie schon recht bald wieder nah an das Rekordhoch von Anfang 2020 herangezogen. Doch seit Monaten geht es nur noch seitwärts … das könnte sich jetzt ändern!

Dass Airbus die Produktion 2021 wieder steigert, hat viele bewogen, hier bereits die Wende zurück zu alter Stärke auszurufen. Doch davon abgesehen, dass 507 ausgelieferte Maschinen in den ersten zehn Monaten 2021 nicht ansatzweise reichen, um den „Prä Corona“-Level von 863 Flugzeugen zu erreichen, die 2019 ausgeliefert wurden, hatte die Sache einen großen Hakten: Die Neubestellungen tröpfelten nur äußerst mager vor sich hin.

So wurden im Oktober 22 Flugzeuge bestellt, zugleich aber 30 bestehende Aufträge storniert. Insgesamt liegt der Stand der Neuaufträge bis einschließlich Oktober damit bei gut 215. Meilenweit unter dem früheren Normalniveau. Erst, wenn sich das ändert, wäre die Perspektive für den Luftfahrtkonzern wieder so, dass man eine realistische Chance unterstellen könnte, an und im Idealfall über das im Januar 2020 bei 139,40 Euro erreichte Rekordhoch zu laufen. Und genau diese Nachrichten kommen jetzt.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Airbus Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Im Zuge der gerade laufenden Dubai Air Show haben zwei Unternehmen so richtig zugelangt: Indigo Partners hat 255 Maschinen bestellt, die Air Lease Corporation will 111 Maschinen ordern. Letzteres ist „nur“ eine Absichtserklärung, der Vertrag soll in den kommenden Monaten in trockene Tücher gebracht werden. Und natürlich wären da auch Stornos möglich. Aber beide Unternehmen haben nicht zum ersten Mal solche Großaufträge abgegeben. Indigo Partners ist ein Joint Venture-Unternehmen, das große Beteiligungen an mehreren Fluggesellschaften hält, an die die bestellten Maschinen dann verteilt werden sollen. Air Lease ist, wie der Name suggeriert, ein Unternehmen, das Fluggesellschaften das Leasing von Flugzeugen ermöglicht.

Mit dieser Summe von Neubestellungen verbessert sich die Lage des zuletzt so auffällig schrumpfenden Auftragsbuchs bei Airbus natürlich erheblich, so dass die Chance, dass die Produktion womöglich bereits im kommenden Jahr wieder auf alte Levels steigen kann und damit Umsatz und Gewinn wieder ins Lot kommen, zunimmt.

Bislang war die Reaktion auf diese Meldungen zwar verhalten. Schon die durchaus überzeugenden Zahlen zum dritten Quartal nebst Anhebung der 2021er-Prognose, Ende Oktober vorgelegt, waren nicht imstande, den Deckel zu sprengen, die Aktie aus ihrer im Juni begonnenen Seitwärtsbewegung herauszuholen. Aber sobald es gelingt, die im Bereich des oberen Bereichs der Seitwärtsspanne (118 bis 121 Euro) liegenden Verkaufsorders „abzuarbeiten“, kann ein Anlauf Richtung des bisherigen Verlaufshochs bei 139,40 Euro starten. Vorgreifen sollte man einem solchen Befreiungsschlag zwar besser nicht, im Auge behalten sollte man die Aktie jetzt aber allemal!

Airbus-Aktie: Chart vom 15.11.2021, Kurs 114,14 Euro, Kürzel AIR | Online Broker LYNX
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Seit Ende Juli ist die Airbus-Aktie aus ihrem vorherigen, keilförmigen Aufwärtstrend seitlich herausgelaufen. Die Ausschläge werden immer kleiner, die Aktie wirkt langweilig. Aber eine solche Aktie sollte man nie aus den Augen lassen, sie ist immer für einen abrupten Impuls gut!

Das Problem, das die Marktteilnehmer mit der Airbus-Aktie haben, hat nichts damit zu tun, dass mittlerweile die Spekulation über die DAX-Aufnahme vom Tisch ist. Man hatte früh auf eine schnelle, solide Erholung bei Umsatz und Gewinn gesetzt … und die läuft jetzt eben nicht so, wie sich die meisten das vorgestellt haben. Das bremst neue Käufe aus. Auf der anderen Seite bleibt die Chance, dass sich das Geschäft bald wieder deutlich belebt, hinreichend greifbar, um dafür zu sorgen, dass nur wenige das Handtuch werfen. Heraus kommt: eine Seitwärtsbewegung.

Die Auslieferungen liegen zwar aus Sicht von Airbus im Plan. Aber mit 471 ausgelieferten Maschinen per Ende September ist man da eben noch weit unter dem Level früherer Jahre. 2019 wurden ganze 863 Maschinen ausgeliefert. Und mittelfristig problematischer ist die Lage beim Auftragseingang. Auch, wenn der August ein äußerst starker Monat war, „stark“ ist bislang in Sachen Neubestellungen die Ausnahme, insgesamt kommt man da bis Ende September abzüglich der Stornierungen auf ca. 225 neue Aufträge.

Expertenmeinung: Worauf die Investoren setzen, ist, dass sich die Lage zeitnah genug erholt, um zu verhindern, dass die Auftragslage dazu zwingt, in einzelnen Bereichen die Produktion herunterzufahren. Was dann zu erhoffen ist, wenn die Misere der Airlines mit Corona endet. Was indes zumindest fraglich ist, wenn das Corona-Problem durch eine inflations- und/oder „Flaschenhals“-bedingte Rezession oder auch nur allein für längere Zeit weit höhere Kerosinpreise abgelöst würde.

Auf das „best case“- oder das „worst case“-Szenario zu wetten, wäre nicht zu empfehlen, dazu ist die derzeitige Gesamtsituation zu unberechenbar, da sollte man sich, sofern man flexibel und risikofreudig agieren mag, auf das Range-Trading beschränken. Aber die Aktie bietet ja auch, gerade wegen dieser Seitwärtsbewegung, gute Ankerpunkte, deren Überkreuzen avisieren würde, dass hier wieder Schwung in den Kurs kommt:

Auf der Unterseite würde ein Bruch der markanten Wendemarke um 104 Euro nebst der knapp darüber verlaufenden 200-Tage-Linie den Weg nach unten freigeben. Was dann zu erwarten wäre, wenn sich abzeichnet, dass die von vielen längst eingepreiste Rückkehr zu alter Ertragsstärke vorerst nicht gelingen wird. Auf der Oberseite würden Signale, dass Airbus auch im Bereich der Neuaufträge wieder kräftig zulegt, die Chance für einen Befreiungsschlag nach oben bieten, der aus charttechnischer Sicht dann vollzogen wäre, wenn die Airbus-Aktie die Widerstandszone 114/123 Euro bezwungen hätte, an der sie bislang mehrfach gescheitert ist.

Airbus-Aktie: Chart vom 19.10.2021, Kurs 112,16 Euro, Kürzel AIR | Online Broker LYNX

Auf dem Reißbrett könnte man folgende Rechnung aufmachen: Airbus muss jetzt von den institutionellen Investoren wie Fonds und ETFs, die den DAX abbilden, gekauft werden. Zwar müssen diejenigen, die den MDAX abbilden, die Aktie verkaufen. Aber da im DAX mehr Kapital gebunden ist, müsste die Rechnung zu Gunsten einer kurzfristig höheren Nachfrage aufgehen.

Dabei ist indes nicht vorab abzuschätzen, ob womöglich viele Trader die Aktie in Erwartung genau dieser Entwicklung bereits im Vorfeld gekauft haben und jetzt bereits die Gewinne ihrer Spekulation realisieren wollen. Immerhin war Airbus der Kandidat aus dem MDAX, der absolut sicher in den DAX aufsteigt, weil das Unternehmen im MDAX die mit Abstand höchste Marktkapitalisierung auswies. Wäre es so, kann das ein Gegengewicht bedeuten, das einen Kurssprung der Airbus-Aktie ausbremst. Und über diesen Wechsel an sich hinaus? Könnte es der Aktie zugutekommen, dass sie als DAX-Mitglied international mehr beachtet wird?

Expertenmeinung: Ausgerechnet bei Airbus dürfte das eher nicht der Fall sein, schließlich sind Airbus und Boeing die größten Flugzeughersteller der Welt und daher jedem Anleger rund um den Globus ein Begriff. Steigende Kurse durch einen höheren Bekanntheitsgrad sind daher unwahrscheinlich. Und an der fundamentalen, wirtschaftlichen Situation und Perspektive ändert die DAX-Aufnahme natürlich nichts.

Kurzfristig könnte es also zu Bewegungen kommen, die mit der Aufnahme in den DAX zu tun haben, es muss aber nicht. Und ob eine solche Reaktion kommt oder nicht, darüber hinaus zählen die Ertragslage und die Aussichten des Unternehmens. Die von vielen derzeit positiv gesehen werden, weil man darauf baut, dass die Produktion schnell wieder den „Prä Corona“-Level erreichen wird. Aber so ganz passt die Lage noch nicht zum aktuellen Kursniveau.

Was die Auslieferungen angeht, wird man 2021 nahe an den bisherigen Rekord von 863 Maschinen kommen, die 2019 die Werke verließen: In den ersten sieben Monaten wurden 391 Maschinen ausgeliefert. Doch mittelfristig drückt ein dünner werdendes Auftragsbuch. Die bestehenden Aufträge werden weniger, denn diesen 391 Auslieferungen stehen 2021 bislang nur 122 Neubestellungen gegenüber (171 Neuaufträge, 49 Stornierungen). Und 2020 waren es auch nur 268 Bestellungen gegenüber 566 Auslieferungen. Dementsprechend liegt das seitens Airbus für 2021 prognostizierte EBIT (Gewinn vor Steuern und Zinsen) mit vier Milliarden Euro klar unter dem EBIT des Jahres 2019 von 6,9 Milliarden.

So nahe am bisherigen, im Januar 2020 bei 139,40 Euro markierten Rekordhoch wird die Luft da dann doch eher dünn. Achten Sie daher auf diese in unserem Chart auf Wochenbasis zu sehende Keilformation.

Airbus-Aktie: Chart vom 03.09.2021, Kurs 114,46 Euro, Kürzel AIR | Online Broker LYNX

Sollte die Airbus-Aktie diese mit Schlusskursen über 123 Euro klar überwinden und damit auch die Widerstandszone 113,94/122,52 Euro bezwingen, wäre der Weg aus charttechnischer Sicht erst einmal frei. Aber würde die Aktie unter 108 Euro schließen und damit eindeutig aus diesem Keil nach unten herausrutschen, wäre hier definitiv etwas angebrannt, das eine anstehende DAX-Notierung nicht wird heilen können.

Die Zahl der Auslieferungen beginnt sich zu normalisieren, die Gesamtjahresprognose wurde im Zuge der jüngsten Bilanz angehoben, die Erwartungen der Analysten übertroffen. Aber es gibt auch Aspekte, die so gar nicht zum Höhenflug der Airbus-Aktie passen mögen.

Die Ende Juli präsentierten Ergebnisse des zweiten Quartals sahen nach Rückkehr zur Normalität aus, zumindest fast. Der Umsatz lag mit 14,17 Milliarden Euro weit über dem des „Lockdown-Quartals“ des Vorjahres und leicht über der durchschnittlichen Analystenprognose von 14 Milliarden. Damals wurde ein Verlust von 1,22 Milliarden eingefahren, jetzt wurde auf EBIT-Basis ein Gewinn vor 2,0 Milliarden Euro erzielt, deutlich mehr als die Konsens-Prognose der Experten, die bei 1,58 Milliarden gelegen hatte.

Diese Zahlen ermutigten Airbus dazu, die Gesamtjahresprognose deutlich anzuheben. Jetzt sollen auf EBIT-Basis, also vor Steuern und Zinsen, vier statt wie zuvor avisiert zwei Milliarden Euro erreicht werden, die Zahl der auszuliefernden Maschinen sieht man für 2021 bei 600.

Eine so markante Prognoseanhebung hätte vermuten lassen, dass die Aktie einen Luftsprung machen würde. Was sie am Tag der Bilanz-Veröffentlichung, dem 29. Juli, zwar zunächst auch tat, denn der Handel startete mit einem Plus von knapp 4,5 Prozent. Doch am Ende des Tages blieb nur ein mageres Plus von 0,7 Prozent übrig … und seither läuft die Aktie seitwärts. Wo war der Haken bei diesen Zahlen?

Expertenmeinung: Es gab letztlich zwei Aspekte, die manche Marktteilnehmer skeptisch gemacht haben dürften. Zum einen lag auch die immens angehobene Gewinnprognose von vier Milliarden Euro noch weit unter dem operativen Gewinn von 6,9 Milliarden Euro, den Airbus im Rekordjahr 2019 erzielte. Dem Jahr, das man, weil 2020 durch Sondereinflüsse verzerrt war, als Vergleich heranziehen sollte, wenn es um die Frage geht, wie „normal“ die Lage mittlerweile ist. Und der bisherige Verlaufsrekord, Anfang 2020 bei 139,40 Euro erreicht, als man noch erwartete, dass die Gewinne bei Airbus wie mit dem Lineal gezogen weiter steigen, ist vom derzeitigen Kursniveau nicht mehr weit entfernt … die Gewinne eben schon.

Was weniger ein Problem wäre, gäbe es da nicht diesen zweiten Haken. Airbus hat zwar im ersten Halbjahr 344 Maschinen ausgeliefert und ist damit auf solidem Weg, das eigene Lieferziel zu erreichen. Aber der „Nachschub“ klemmt auffällig. In den ersten sechs Monaten kamen nur 169 Neubestellungen herein, zugleich wurden 42 Bestellungen storniert, es bleibt ein Saldo von 127 Maschinen, die ins Auftragsbuch hineinkamen. Markant weniger also als das, was Airbus ausgeliefert hat. Auch, wenn das Auftragsbuch für mehrere Jahre reicht, stellt man sich da die Frage, ob die Aktie auf dem aktuellen Niveau noch viel Luft nach oben hat.

Bislang hat die Antwort darauf nur dazu geführt, dass der Kurs nicht aus seinem keilförmigen Trendkanal nach oben ausbrach und seit der Bilanz auf der Stelle tritt. Aussteigen mochte deswegen also kaum jemand. Aber es wäre Geduld gefragt, wollte man ausharren, bis der operative Gewinn wieder Vorkrisen-Niveau erreicht und damit Kurse über dem bisherigen Hoch gerechtfertigt wären. Sollte die Airbus-Aktie nicht zeitnah Fahrt aufnehmen und die 120,92 Euro überwinden, das am Bilanztag markierte, bisherige Jahreshoch, könnten die Trader ungeduldig werden und den Gewinn mitnehmen, solange er noch da ist. Bärisch würde die Aktie, sollte sie unter 99 Euro und damit unter der wichtigen 200-Tage-Linie schließen.  

Airbus-Aktie: Chart vom 09.08.2021, Kurs 114,74 Euro, Kürzel AIR | Online Broker LYNX

Am Dienstag wurde gemeldet, dass bei Airbus ein Großauftrag über 70 Airbus 321 Neo von United Airlines eingegangen sei. Doch der Kurssprung bei der Airbus-Aktie blieb aus. Und das recht nahe über mittelfristig entscheidenden Unterstützungen – das wir jetzt eng für die Bullen.

Das Auftragsbuch ist noch voll, das war es, was die Bullen dazu brachte, bei Airbus über Monate hinweg weiter einzusteigen, während die Aktien der Kunden, sprich die der Airlines, großenteils am Boden blieben. Das und die Erwartung, dass die Zeit der fatal wenigen Neuaufträge bald ein Ende haben werde, weil das Ende der Corona-Problematik zu einer schnellen Rückkehr der Normalität beim Flugverkehr führen werde.

Aber die sich wieder häufenden Meldungen von Anflugverboten, die immer mehr Länder gegenüber Risikogebieten der Delta-Variante des Virus verhängen, machen deutlich: So bald, wie das viele zweifellos erwartet und in Aktien wie die von Airbus eingepreist hatten, wird es nicht wieder „normal“. Das dürfte ein entscheidender Grund sein, warum der Aktienkurs jetzt die Flügel hängen lässt.

Jetzt muss es sich weisen, ob die Bullen diesen näher rückenden Test einer wichtigen Unterstützungszone zum erneuten Einstieg nutzen und damit den Aufwärtstrend bestätigen … oder ob die Käufer wegbleiben. Wie stellt sich die Lage dar?

Expertenmeinung: Die Frage ist, ob man durch diese erneuten Einschränkungen im Luftverkehr auch an dem Ende Mai von Airbus selbst formulierten Optimismus rüttelt. Da hatte der Flugzeugbauer mitgeteilt, dass man mit einer weiteren Erholung rechne, im vierten Quartal 45, im ersten Quartal 2022 sogar 70 Airbus-Maschinen der 320er-Baureihe fertigen könnte. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, dass die „Corona Delta-Variante“ für Rückschritte sorgen würde.

Zweifel sind da, das ist im Kursbild unübersehbar. Und was den Auftrag von United Airlines angeht, ist den Anlegern natürlich klar, dass diese Maschinen erst in ein, zwei, vielleicht drei Jahren in die Produktion gehen. Das hellt die Perspektive etwas auf, aber nicht entscheidend.

Airbus-Aktie: Chart vom 29.06.2021, Kurs 106,20 Euro, Kürzel AIR | Online Broker LYNX

Doch ob der Zweifel schon so groß ist, dass die Airbus-Aktie durch die Zone 103,98/104,56 Euro rutschen könnte und dann mit Schlusskursen unter 100 Euro auch noch die aktuell führende, Ende Oktober etablierte Aufwärtstrendlinie brechen könnte? Das werden wir erst sehen, wenn es zu einem solchen Test auch wirklich kommt. Denn was die Marktteilnehmer tun werden, wenn der Trend der Aktie im Feuer steht, ob sie beherzt zugreifen oder aber schnell aussteigen, wissen nahezu alle der Akteure heute ja selbst noch nicht. Daher wäre es die beste Lösung, für laufende Long-Positionen einen konsequenten Stopp knapp unter 100 Euro zu legen und nur dann neu einzusteigen oder Long zuzukaufen, wenn ein solcher Test erfolgreich absolviert wurde, indem der Kurs zuerst in diesen Supportbereich hinein und dann mit Schlusskursen mindestens über 106 Euro wieder eindeutig nach oben hinaus gelaufen ist.

Die Auslieferungen und Neubestellungen im Mai waren ernüchternd, wie in den Vormonaten auch. Natürlich, eines Tages wird sich das normalisiert haben. Aber sollte man die Airbus-Aktie deshalb auf diesem Niveau noch kaufen? Wie weit reicht das „Prinzip Hoffnung“?

2019, im letzten „normalen Jahr“, hatte Airbus mit 863 Maschinen so viele Auslieferungen wie nie zuvor zu verzeichnen. 2020 waren es trotz Corona immerhin noch 566. Und in einem vergleichbaren Tempo lief es im Mai, da wurden 50 Flugzeuge übergeben. Aber wann startet die Produktion wieder durch? Das Auftragsbuch wäre schon noch auf Jahre hinaus gefüllt, aber natürlich sollte da seitens der Airlines mal etwas mehr passieren, um sicherzustellen, dass der Flugzeugbauer in den kommenden zwei, drei Jahren an die alte Stärke anknüpft. Denn dass es so kommt, ist in der Aktie langsam eingepreist:

Im Zuge des Corona-Crashs sackte die Aktie von zuvor 128 Euro auf 47 Euro durch und schloss gestern bei 110,42 Euro. Nahe dran also am „Prä Corona“-Level. Und wenn man dann liest, dass Konkurrent Boeing im Mai wenigstens 20 Netto-Orders erhielt (Neuaufträge abzüglich Stornierungen), Airbus aber nur vier, könnte man langsam nervös werden, denn eine hohe Erwartungshaltung verträgt Enttäuschungen eben nicht.

Expertenmeinung: Bemerkenswert ist in Sachen Airbus-Aktie, dass hier nahezu alle Analysten bullisch sind und deren durchschnittliches Kursziel mit 122 Euro ein gutes Stück über dem derzeitigen Aktienkurs liegt, während die Experten für die Lufthansa und damit einen wichtigen Kunden, der die nötigen Bestellungen bei Airbus aufgeben könnte, pessimistisch sind. Wie geht es zusammen, wenn man erwartet, dass die Lufthansa und auch andere Airlines noch jahrelang in Sack und Asche gehen, zugleich aber prognostiziert wird, dass Airbus bereits 2022 den Gewinn des Rekordjahres 2018 übertreffen wird? Auf Basis von …?

Gut, da kann man einfach unterstellen, dass Airlines außerhalb Europas in die Bresche springen werden. Aber das ist eine Vermutung und nichts, das man einfach voraussetzen sollte. Und „good news“ und damit anderes als die 50 Auslieferungen, sieben Neubestellungen und drei Stornos im Mai, sind alleine deshalb nötig, weil sich Akteure, die auf dem jetzt erreichen Level kaufen, natürlich fragen:

Wie lange muss ich hier durchhalten, bis ein Umfeld entsteht, in dem das, was bislang an Erholung beim Unternehmensgewinn eingepreist ist, übertroffen wird und es dadurch Argumente gäbe, die Aktie noch nennenswert höher zu tragen? Einer, der heute kauft, will ja schließlich auch noch eine taugliche Gewinnperspektive bei der Aktie sehen.

Und diese Frage ist auch deshalb nicht unwesentlich, weil der Kurs jetzt an die Widerstandszone 114/122,50 Euro heranläuft, die die Wendemarken unmittelbar vor dem „Corona-Crash“ umfasst. Es dürfte daher zumindest langsam enger werden für dieses „Prinzip Hoffnung“, das diese Aktie in den vergangenen Monaten nach oben getragen hat.

Airbus-Aktie: Chart vom 08.06.2021, Kurs 110,42 Euro, Kürzel AIR | Online Broker LYNX