Im April und Mai ging es mit der Infineon-Aktie nahezu senkrecht aufwärts. Doch nachdem es Ende Juni misslang, das Anfang Juni markierte Rekordhoch zu überbieten, geht die Reise in nahezu gleichem Tempo in die Gegenrichtung. Aber das muss doch irgendwann einmal enden?
Wer mich kennt, weiß, dass meine Sicht auf die Börse und speziell auf die Frage, wann und wo eine extreme Trendbewegung enden wird, immer lautet: Das weiß man vorher nie. Man weiß es auch dann nicht, wenn man, wie im Fall von Infineon, im Chart eine massiv wirkende Kreuzunterstützung sieht, auf die der Kurs rasant zusteuert. Eine Zone, die, bestehend aus Februar-Hoch und 200-Tage-Linie, bei 48,23/49,93 Euro wartet und somit nicht mehr weit entfernt ist. Und die zumindest so aussieht, als müsste sie eigentlich halten.

Der Gedanke, dass das Tief dort liegen könnte, könnte einem kommen, wenn man bedenkt, dass dieses Hoch aus dem Februar direkt entstand, bevor der Iran-Krieg losgetreten wurde, und man damals auch ohne den Halbleiter-Hype dachte, dass ein solches Kursniveau angemessen wäre. Jetzt, da der Ölpreis gerade wieder fällt und man sieht, dass nur die Blase der vor allem in den USA eskalierten Halbleiter-Hausse platzt, der Rest des Aktienmarkts aber eigentlich ganz robust daherkommt, wäre das doch ein Kursniveau, auf dem die Verkäufer langsam zu Käufern werden und die Bären ihre Ernte auf der Short-Seite einfahren könnten … oder?
Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Infineon Aktie finden Sie hier.
Expertenmeinung: Das könnte so kommen. Aber es muss nicht – aus drei Gründen. Zunächst ist das Motiv, das aktuell dazu führt, dass Anleger Aktien aus dem Halbleitersektor nahezu panisch verkaufen, genauso wenig in konkrete Zahlen zu pressen wie die Argumente der wilden Kaufwelle zuvor. Die dieser Tage umgehende Sorge, dass sich die großen KI-Investoren schon jetzt übernommen haben und die Nachfrage nach Halbleitern deshalb viel schneller nachlassen wird als zuvor gedacht, ist eben nur eine Vermutung. Vielleicht weniger irrational als die Hausse-Argumentation eines mit dem Lineal fortschreibbaren Nachfragebooms, aber dennoch nicht belegt.
Zweitens sind extreme Kursbewegungen, mit denen man hier konfrontiert ist, sehr emotional geprägt. Bei derart starken Gewinnen und Verlusten, die hier in kürzester Zeit auflaufen, werden viele von Gier und Angst geleitet. Und selbst erfahrene, kurzfristig agierende Trader, die normalerweise sehr konsequent und geradlinig handeln, entscheiden dann öfter spontan und aus dem Bauch heraus. Da kann die Charttechnik leicht einmal in den Hintergrund treten, und Chartmarken, die in einem weniger hektischen Umfeld funktionieren würden, können als Wendepunkte versagen.
Und drittens weist der Trend derzeit sehr klar abwärts und wurde gerade erst durch den Abverkauf der Gegenbewegung in der Vorwoche und das Erreichen neuer Korrekturtiefs bestätigt. Diejenigen Trader, die hier auf der Short-Seite aktiv sind, könnten zwar auf Höhe dieser Kreuzunterstützung bei 48,23/49,93 Euro ihre Leerverkäufe eindecken und dadurch einen Aufwärtsschub auslösen. Aber ob es so kommt und, wenn ja, ob ein solcher Richtungswechsel dann vorhält, ist auch von den Rahmenbedingungen abhängig, die zu diesem Zeitpunkt gelten werden. Und da man nicht einmal weiß, ob und wann diese Zone erreicht wird, ist es rein logisch unmöglich, darüber ein Urteil abzugeben. Also?
Also wäre man bei derart extremen Bewegungen gut beraten, es genauso zu machen, als hätte man einen Aufwärtstrend vor sich. In einer Hausse würde man ja eher nicht aussteigen, bevor man nicht durch den Bruch einer entscheidenden Unterstützung vermuten dürfte, dass die Party vorbei ist. Wenn eine Widerstandslinie erreicht wird, steigt man eher nicht aus … sie könnte ja überwunden werden. Warum sollte man, wenn der Trend in die Gegenrichtung weist, anders denken und handeln?
Was konkret hieße, dass man nicht an womöglich fragilen Unterstützungen kauft, sondern erst dann, wenn es genug Hinweise darauf gibt, dass die Bären nicht mehr dagegenhalten können oder wollen, indem Widerstände überboten werden, an denen man normalerweise mit Gegendruck der Leerverkäufer rechnen müsste. Im Fall von Infineon würde es da – momentan – um die Zone von 64,50 bis 69,80 Euro gehen, wo die 10-Tage- und die 20-Tage-Linie, die kurzfristige Abwärtstrendlinie und das Hoch der letzten, abverkauften Gegenbewegung nach oben einen Kreuzwiderstand bilden.
Für Anleger, die unbedingt versuchen wollen, das „Tief abzufischen“, wäre es eine harte Übung in Disziplin, so etwas abzuwarten. Aber da all diese Marken außer dem letzten Zwischenhoch, das im weiteren Verlauf an Relevanz verlieren wird, sukzessive nach unten laufen, kommen dem Geduldigen die entscheidenden Widerstände ja mit der Zeit entgegen.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 28.07.2026 um 20:18 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2026? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top Flop – MDAX Top Flop – Euro Stoxx Top Flop – Dow Jones Top Flop – Nasdaq 100 Top Flop




