Infineon: Reicht das schon, um die Verkäufer zu stoppen?

von |
In diesem Artikel

Infineon
ISIN: DE0006231004
|
Ticker: IFX --- %

---
EUR
---% (1D)
1 W ---
1 M ---
1 J ---
Zur Infineon Aktie

Am Dienstag startete Infineon verbal ins neue Geschäftsjahr, indem man eine grobe Orientierung zum beendeten Geschäftsjahr und einen Ausblick auf das Jahr 2021/2022 gab. Der Ausblick gefiel den Anlegern – aber reicht das, um den Aufwärtstrend wieder zu beleben?

Die für das jetzt am 30.9. beendete Geschäftsjahr 2020/2021 gesteckten Ziele habe man erreicht, hieß es seitens des Chipherstellers. Das ist natürlich erfreulich, aber da eben diese Ziele jedermann bekannt waren, ist deren Erreichen auch vorausgesetzt und in den Kurs eingepreist worden. Wenn jetzt etwas die Bullen wieder in Marsch setzen und damit bewirken kann, dass diese die Aktie bereits seit Jahresbeginn begleitende, volatile Seitwärtsbewegung ein Ende hat, dann der Blick nach vorne. War der gut genug, um die Verkäufer zu stoppen?

Für das neue Geschäftsjahr 2021/2022 sieht Infineon ein Umsatzwachstum um die 15 Prozent bei einer auf ca. 20 Prozent steigenden Marge. Mittelfristig will man ein Wachstum von im Schnitt neun Prozent und eine Marge von 19 Prozent erzielen. Das ist natürlich gut, keine Frage. Aber zwei Aspekte könnten viele der Trader, die am Dienstag als Reaktion auf diese Ziele zugegriffen haben, möglicherweise nicht wirklich im Blick gehabt haben:

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Infineon Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Zum einen ist die Infineon-Aktie schon ungewöhnlich teuer. Als man Anfang 2018 noch dachte, das Wirtschaftswachstum werde in hohem Tempo weitergehen, hatte Infineon als mehrjähriges Hoch einen Level von knapp 26 Euro erreicht. Damals wurde im Geschäftsjahr 2017/2018 ein Gewinn von 0,95 Euro pro Aktie erzielt. Heute rechnen die Analysten im Schnitt damit, dass der Chiphersteller im neuen Geschäftsjahr 2021/2022 etwa 1,10 Euro Gewinn/Aktie schaffen könnte. Etwa 15 Prozent mehr als damals – aber die Aktie notiert ca. 40 Prozent höher, hätte damit ein für ein so konjunktursensibles Unternehmen hohes Kurs/Gewinn-Verhältnis von gut 32. Da ist schon einiges an Vorschusslorbeeren im Kurs enthalten.

Zum anderen will Infineon im neuen Geschäftsjahr mit 2,4 Milliarden Euro 50 Prozent mehr investieren als die 1,6 Milliarden des abgelaufenen Geschäftsjahrs. Eine gute Sache, wenn der Chip-Boom sich einfach fortsetzt. Aber wenn nicht, wenn all die derzeitigen Risikofaktoren wie Inflation, Flaschenhals und China sich negativ auf die Nachfrage auswirken, wäre es nicht das erste Mal, dass ein großes Unternehmen Geld in einen Nachfragezyklus investiert, während dieser gerade zu Ende geht. Zu unterstellen, dass es so kommt, wäre Unsinn, denn was kommt, ist bekanntlich von niemandem sicher vorhersehbar. Aber dass jene Anleger dieses Risiko im Hinterkopf haben, die gestern nicht eingestiegen sind, sondern eher überlegen, ab welchem Level man Gewinne mitnehmen könnte, ist eben durchaus möglich.

Die positive Reaktion hatte zudem einen „Gehilfen“ in Form der 200-Tage-Linie. Genau dort hatte die Infineon-Aktie am Montagabend aufgesetzt. Dass diese Linie dadurch am Dienstag erst einmal verteidigt wurde, könnte den einen oder anderen Trader bewogen haben, deshalb zuzugreifen und nicht wegen der von Infineon präsentierten Zielsetzung. Ein wenig vorsichtig sollte man daher bleiben. Auch, wenn die mittelfristig entscheidende Unterstützungszone erst tiefer, bei 28,33 zu 31,61 Euro wartet, sollte man zumindest überlegen, Long-Positionen zu reduzieren oder ganz zu schließen, falls die Aktie diese zunächst perfekt verteidigte 200-Tage-Linie, aktuell bei 34,06 Euro, doch noch auf Schlusskursbasis brechen sollte.

Infineon-Aktie: Chart vom 05.10.2021, Kurs 35,60 Euro, Kürzel IFX | Online Broker LYNX

Sie möchten täglich vor Börsenstart unsere Chartanalysen per E-Mail erhalten?

Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Börsennewsletter mit aktuellen Börsennews.

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
Tageshoch
Tagestief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen


Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Während der letzten Tage gaben die Chipwerte an der Wall Street ordentlich Gas. Angesteckt von der positiven Stimmung konnte sich auch die Infineon-Aktie wieder gut in Szene setzen. Seit dem Pivot-Tief von Mitte August konnte der Titel nun satte +13% an Wert zulegen und näherte sich dem Zwischenhoch von April dieses Jahres.

Die Annäherung hin zum Widerstand verlief überaus steil und so war ein Pullback mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Dieser startete im gestrigen Handel wie nach Plan. Auch die Measured-Move-Methode signalisierte ein vorläufiges Ende der Aufwärtsbewegung. Bereits von Juli auf August lag der Impuls der Aufwärtsbewegung bei rund 5.50 EUR. Wenn wir diese Spanne zum letzten Tief hinzufügen, wäre das mögliche Kursziel bei 38 EUR zu finden gewesen. Dieses wurde aus technischer Sicht nahezu erreicht.   

Expertenmeinung: Ein Pullback muss nicht notgedrungen was Negatives sein. Wir sprechen hier von einer gesunden Korrektur, welche sich nach einer starken Bewegung bildet. Dennoch geben einem solche Verläufe gute Möglichkeiten, ein paar Gewinne ins Trockene zu bringen, denn im Vorfeld weiß man nie, ob es eine kleine oder gar größere Korrektur wird. Ein gesunder Pullback würde bis in den Bereich von 34 bis 35 EUR verlaufen. Wichtig wäre, dass sich hierbei in Folge ein höheres Tief bildet. Dies wäre die Grundvoraussetzung, um vielleicht den ganz großen Widerstand bei 37.32 EUR brechen zu können.

Aussicht: BULLISCH

Chart vom 31.08.2021 Kurs: 36.065 Kürzel: IFX | Online Broker LYNX

Die Infineon-Aktie war seit Anfang 2020 ein echtes Momentum-Wunder. Von 23 runter auf 10 Euro, dann rauf bis 37 Euro. Aber unter dem Strich läuft die Aktie seit Jahresanfang seitwärts, droht, ein Topp zu vollenden. Jetzt sind die Quartalszahlen da – bringt das neuen Schwung?

Das ist eine Glaubensfrage für die Investoren. Was man auch an den Ausschlägen der Aktie gestern im Anschluss an die Vorlage der Bilanz zum dritten Geschäftsjahresquartal (= zweites Kalenderquartal) sehen konnte. Zuerst sackte der Kurs durch, dann erholte er sich schnell nahe Vortages-Schlusskurs, am Ende schloss Infineon 0,37 Prozent niedriger. Was war der Grund für diese uneinheitliche Reaktion? Waren die Zahlen nicht gut genug?

Eigentlich schon. Sie waren nur keine positive Überraschung. Was zwar nachvollziehbar ist, aber der Grund für diese Berechenbarkeit kann für manchen Investor auch die Basis für seine Zurückhaltung sein. Erst einmal der Blick auf das, was da gemeldet wurde:

Der Umsatz im Frühjahrsquartal lag mit 2,72 Milliarden Euro marginal über dem des Vorquartals (2,7 Mrd.) und leicht unter der durchschnittlichen Analystenprognose von 2,77 Milliarden. Die Segmentergebnis-Marge kam mit 18,2 Prozent etwas über der Prognose (18,0 Prozent) herein, der Nettogewinn übertraf mit 245 Millionen Euro den des Vorquartals (203 Millionen) deutlich, blieb aber unter der Konsens-Prognose von 261 Millionen. Die Prognose für das am 30.9. endende Gesamt-Geschäftsjahr barg keine Überraschung, sondern war letztlich die mit dem Lineal gezogene Fortführung der bisherigen Ergebnisse: Umsatz um 11 Milliarden Euro, die Segmentergebnis-Marge wird über 18 Prozent gesehen. Warum ist das alles so wenig überraschend?

Expertenmeinung: Weil Infineon am Maximum seiner Kapazitäten arbeitet. Die hohe Chipnachfrage führt dazu, dass sofort rausgeht, was die Produktion verlässt. Mehr ist momentan nicht drin. Das ist im Prinzip zwar gut, nur: Das bleibt eben wahrscheinlich nicht so. Wir sehen in diesen Monaten einen „Flaschenhals“ in der weltweiten Produktion, der einen extremen Nachfrageüberhang bei Halbleitern nach sich zieht. Ist der Flaschenhals aber durchschritten, könnte die Chip-Nachfrage spürbar nachlassen. Das ist ein entscheidender Grund dafür, dass aus der Kursrakete Infineon mittlerweile die lahme Ente Infineon wurde:

Man hatte eine massiv anziehende Nachfrage und dadurch steigende Margen und Gewinne bereits eskomptiert. Jetzt sehen viele Investoren eine Aktie, die „oben“ ist. Immerhin hatte Infineon mit ihrem bisherigen Jahres-Verlaufshoch von 37,30 Euro den höchsten Stand seit 2001 erreicht und zum „Prä-Corona-Hoch vom Februar 2020 über 60 Prozent zugelegt.

Infineon-Aktie: Chart vom 03.08.2021, Kurs 33,28 Euro, Kürzel IFX | Online Broker LYNX

Diese voraussichtliche „Endlichkeit“ des am Anschlag laufenden Geschäfts ist es, die einige Marktteilnehmer davon abhält, hier weiter zuzugreifen. Aber immerhin, am Dienstag stemmte man sich erfolgreich dagegen, dass der Kurs wieder unter die im Chart dick schwarz hervorgehobene 200-Tage-Linie und in die wichtige Unterstützungszone 31/31,60 Euro zurückfällt und damit erneut in Gefahr gerät, eine breit angelegte Toppbildung zu vollenden.

Aber erst, wenn die Aktie die April-Abwärtstrendlinie bezwingt und über das letzte, Ende Juni bei 34,80 Euro markierte Zwischenhoch gestiegen ist, wäre die Kuh für die Bullen vom Eis und das obere Ende der potenziellen Toppbildung bei 37,30 Euro wieder ein realistisches Kursziel.

Eigentlich hatte die Infineon-Aktie ihre Toppbildung schon vollendet, aber dann rettete die 200-Tage-Linie die Bullen. Aber ist damit die Abwärtswende bereits vom Tisch? Oder sehen wir hier nur den Aufschub einer unvermeidlichen, größeren Verkaufswelle?

Was Infineon am 4. Mai für das zweite Geschäftsjahresquartal (Geschäftsjahresende 30.9.) an Ergebnissen und für das Gesamtjahr als Ausblick vorlegte, enttäuschte die Anleger. Die Aktie fiel an diesem Tag um 5,66 Prozent. Damit klopfte der Kurs an die entscheidende Supportzone, deren Bruch eine Toppbildung vollenden würde. Einige Tage lang hielt sich die Aktie noch, dann wurde diese Auffangzone im Bereich 31,03/31,61 Euro doch noch unterboten. Aber der befürchtete Abverkauf blieb aus, weil die im Chart dick schwarz hervorgehobene 200-Tage-Linie hielt. Zunächst am 13. Mai, ein weiteres Mal dann am 19. Mai, als Infineon bereits etwas oberhalb dieser Linie nach oben einschwenkte.

Das wäre grundsätzlich die perfekte Basis für einen neuen Aufwärtsimpuls. Aber die Chance, den Sack am gestrigen Dienstag mit dem Anstieg über die kurzfristige Abwärtstrendlinie zuzumachen, ließen die Bullen liegen. Diese heute bei 32,90 Euro ankommende Linie wurde zwar angegangen, dann aber ging ein Gutteil des Tagesgewinns wieder verloren. Damit sind die Eckpunkte, um die es bei dieser Trendentscheidung geht, klar definiert:

Infineon-Aktie: Chart vom 25.05.2021, Kurs 32,38 Euro, Kürzel IFX | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Gelingt es, diese Abwärtstrendlinie in einem zweiten Anlauf doch noch zu überbieten, wäre der Weg nach oben wieder frei, die Region um 35,40 Euro wäre dann ein plausibles, erstes Kursziel.

Sollte Infineon aber nach unten abdrehen, würde ein erneuter Test dieser momentan bei 30,02 Euro verlaufenden 200-Tage-Linie wahrscheinlich. Und ob diese Linie dann einem dritten Anlauf in derart kurzer Zeit standhalten würde, ist zumindest unsicher. Aber warum könnte es überhaupt zu dieser bärischen Variante kommen?

Weil Infineon die Gesamtjahresprognose nur bestätigt, nicht aber angehoben hatte. Viele Anleger hatten darauf gesetzt, dass die momentane Chip-Knappheit dazu führen würde, dass Infineon diese Prognose anheben würde. Aber auch, wenn der Chiphersteller konstatierte, dass die Nachfrage nach Infineon-Chips das Angebot deutlich übertreffen würde, blieb man, auch wegen des Produktionsausfalls in einem Werk, bei der bisherigen Perspektive. Die zwar trotzdem Wachstum indiziert, aber wenn man sich ansieht, dass die Infineon-Aktie vor dem Corona-Crash im Hoch 23 Euro erreicht hatte, ist dieses immer noch hohe Niveau für Enttäuschungen anfällig.

30,02 und 32,90 Euro sind die Ankerpunkte, um die es in den kommenden Tagen also gehen wird. Egal in welche Richtung der Ausbruch erfolgt: Für kurzfristige Trader wären beide Szenarien interessant. Es sollte lohnen, die Aktie jetzt engmaschig im Auge zu behalten.

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Im Einklang mit den US-Technologiewerten ging es dieser Tage auch mit der Infineon-Aktie deutlich Richtung Süden. Mittlerweile hat das Wertpapier sogar wichtige Böden durchbrochen und läuft nun sogar Gefahr, weiter an Wert zu verlieren. Doch schauen wir auf den Chart.

Beim letzten Versuch ein neues Allzeithoch zu generieren, ging den Bullen regelrecht der Saft aus. Der Ausbruch nach oben Anfang April wurde durch einen Doji und einen Shooting Star nicht bestätigt. Anleger nahmen daraufhin die Gelegenheit wahr, um ihre Gewinne ins Trockene zu bringen. Die ersten Warnsignale waren am Tisch. Das erste deutlichere Verkaufssignal bildete sich dann mit dem Bruch der Marke von 35 EUR. Dieser Impuls leitete die aktuelle Korrektur ein. Die Hoffnung war groß, dass die zuletzt erreichten Böden bei 31.03 EUR bis 31.61 EUR halten würden, doch mittlerweile sind auch diese durchbrochen worden.

Expertenmeinung: Der bislang intakte Aufwärtstrend ist vorbei. Dies bedeutet nicht, dass die Aktie nun jeden Tag fallen wird, sondern erst einmal nur, dass nachhaltige Anstiege eher in weite Ferne gerückt sind. Kurzfristige Gegenbewegungen nach oben können jederzeit eintreten und auch ein Retest des Bodens dürfte dieser Tage anstehen. Alles in allem bleibt das Gesamtbild jedoch deutlich angeschlagen und Kursziele im Bereich von rund 26 EUR sind nicht ausgeschlossen. Das Kursziel, welches sich durch den Bruch des Doppelhochs ergibt, liegt knapp darunter.    

Aussicht: NEUTRAL

Chart vom 11.05.2021 Kurs: 30.62 Kürzel: IFX | Online Broker LYNX

Die Reaktion auf die Bilanz des zweiten Geschäftsjahresquartals 2020/2021 war herb: Die Infineon-Aktie sackte um 5,9 Prozent ab und durchbrach den mittelfristigen Aufwärtstrend. Waren die Zahlen so schlecht? Nein, aber die Erwartungen zu hoch.

Infineon meldete für den Zeitraum Januar bis März einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro und ein sogenanntes Segmentergebnis von 470 Millionen Euro. Dabei vergleicht Infineon diese Zahlen immer mit dem Vorquartal, nicht mit dem Vorjahresquartal. Nimmt man wie Infineon selbst das erste Geschäftsjahresquartal des immer am 30. September endenden Geschäftsjahres, d.h. den Zeitraum Oktober bis Dezember als Vergleichsbasis, lag der Umsatz leicht höher, das Segmentergebnis knapp vier Prozent niedriger. Letzteres basierte auf einer etwas niedrigeren Gewinnmarge. Aber:

Zum einen lagen Gewinn und Marge damit trotzdem leicht über der durchschnittlichen Analystenprognose. Zum anderen würde man einen deutlichen Anstieg bei Umsatz und Gewinn erkennen, wenn man, wie das bei anderen Unternehmen üblich ist, dieses Ergebnis mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres ins Verhältnis setzt. Wo also lag das Problem?

Expertenmeinung: Es dürfte an der Erwartungshaltung der Anleger gelegen haben. Die Chip-Knappheit ist seit Monaten allgemein bekannt. Da könnten einige darauf gesetzt haben, dass Infineon seine Prognosen deutlich anhebt, was aber nur in sehr moderatem Umfang geschah. Was den Gedanken aufkommen lassen könnte: Wenn Infineon in einem solchen Umfeld, in dem einem Chips aus den Händen gerissen werden, die Prognose nicht massiv anhebt, wann dann? Vor allem, wenn man sich überlegt, wie es mit Umsatz und Gewinnmargen weitergeht, wenn dieser „Flaschenhals“ bei den Lieferketten überwunden ist.

Und die derzeitige Bewertung der Aktie wäre nur dann gerechtfertigt, wenn Infineon nicht nur im laufenden, sondern auch im kommenden Geschäftsjahr einen beeindruckenden Gewinnzuwachs vorweisen könnte. Auf Basis der aktuellen, durchschnittlichen Gewinnschätzung für das Geschäftsjahr 2020/2021 läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis bei für Halbleiterwerte untypisch hohen 38. Das allein wäre kein Grund, sich hier zu verabschieden. Aber bei diesem Chartbild dürfte das einigen deutlich leichter gefallen sein.

Infineon gehörte zu den großen Outperformern des DAX im zweiten Halbjahr 2020, aber gerechnet vom Jahresanfang 2021 hat der DAX die Aktie geschlagen. Das alleine dürfte die Momentum-Trader bereits aus dem Markt gespült haben, hinzu kam der vergebliche Versuch im April, das vorherige Hoch von Anfang März zu überwinden. Dadurch nahm eine Toppbildung Gestalt an, die durch das gestrige Minus kurz vor der Vollendung steht. Der Umstand, dass die Aktie direkt an der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie notierte, als die Quartalsbilanz kam und die Chance vertan wurde, den Kurs mit dem Rückenwind des Zahlenwerks nach oben zu ziehen und den Trend zu bestätigen, kann mit Seitenblick auf die relativ hohe Bewertung jetzt das bärische Lager auf den Plan rufen.

Schlusskurse unter 31 Euro würden die Toppbildung vollenden. Käme es dazu, würden zwar bereits im Bereich 29,34 Euro die 200-Tage-Linie und bei 28,33 Euro das Oktober-Hoch als mögliche Auffanglinien warten. Aber sollten die Akteure zum Schluss kommen, dass der Boom bei den Chips in den kommenden Monaten ausläuft, würde es nicht überraschen, wenn man einer Abkühlung der Lage vorgreifen würde und die vorgenannten Supportlinien nicht halten. Infineon müsste umgehend über 35 Euro steigen, um das wachsende Risiko eines bärischen Szenarios zu bannen – möglich, aber derzeit die Variante mit der geringeren Wahrscheinlichkeit.

Infineon-Aktie: Chart vom 04.05.2021, Kurs 31,73 Euro, Kürzel IFX | Online Broker LYNX