Deutz: Rallye abgeschossen – es wird brenzlig!

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Zur DEUTZ Aktie

Direkt nach der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen notierte die Aktie des Motorenherstellers Deutz gestern gut 3,6 Prozent im Plus. Doch plötzlich setzten Verkäufe ein. Die Aktie rutschte tief ins Minus und beendete den Handel mit -5,28 Prozent. Was war da passiert?

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Die Bilanz las sich eigentlich hervorragend. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um satte 31 Prozent auf 403,2 Millionen Euro. Der Auftragseingang legte noch deutlicher zu, um 56 Prozent auf 485,2 Millionen. Statt des Minus von 15,7 Millionen Euro im Vorjahr blieben vor Steuern und Zinsen (EBIT) diesmal 14,1 Millionen Euro Gewinn in der Kasse, netto lag der Gewinn bei 10,4 Millionen nach einem Minus von 52,2 Millionen im dritten Quartal 2020. Da findet sich kein Argument, um in eine anfänglich positive Reaktion der Aktie hineinzuverkaufen.

Nimmt man die ersten neun Monate zusammen, erst recht nicht. Das EBIT liegt über diesen Zeitraum bei 27,8 Millionen, während Deutz im Vorjahr zwischen Januar und September ein Minus von 103,4 Millionen Euro verbuchen musste. Die EBIT-Gewinnmarge, d.h. das, was als EBIT prozentual vom Umsatz übrigbleibt, liegt nach -11,1 Prozent im Jahr 2020 jetzt bei +2,4 Prozent, es wird also endlich wieder Geld verdient.

Basierend auf dem Neun-Monats-Konzernergebnis von 26,8 Millionen Euro errechnet Deutz daraus einen Gewinn pro Aktie von 0,22 Euro. Bedenkt man, dass die bisherige, durchschnittliche Analystenprognose für das Gesamtjahr 2021 0,26 Euro sieht und man somit bislang sauber auf Kurs ist, die Erwartungen zu erfüllen, wäre auch das kein Grund, um auszusteigen. Und doch war da gestern der Wurm drin. Aber warum?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur DEUTZ Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Der Ausgangspunkt für diejenigen, die in die anfangs gestiegenen Kurse hinein verkauften, dürfte die Kombination aus dem aktuell erwarteten Gewinn im Verhältnis zu dem Gewinn-Level des Unternehmens vor der Corona-Phase und dem Kursniveau der Aktie heute im Vergleich zu den vergangenen Jahren sein. Unser Chart auf Wochenbasis zeigt:

Die Deutz-Aktie war am bisherigen 2021er-Jahreshoch (8,45 Euro) bereits in die Zone der Hochs der Jahre 2017 bis 2019 gelaufen, die im Bereich von 7,87 bis 9,05 Euro als charttechnische Widerstände warten. Nach der Korrektur im September führte die initiale Reaktion der Anleger den Kurs am Mittwoch mit im Tageshoch 7,95 Euro erneut in diesen Bereich. In einen Bereich, der manchen nicht unbedingt allein aufgrund seiner charttechnischen Widerstandsfunktion zum Ausstieg bewegt, sondern weil der erwartete Gewinn des laufenden Jahres sehr deutlich unter dem liegt, was Deutz verdient hatte, als 2017 bis 2019 diese Hochs erreicht wurden.  

2017 lag der Gewinn pro Aktie bei 1,00 Euro. 2018 und 2019, für die deutsche Wirtschaft Jahre mit nachlassendem Wachstum, fiel dieser Gewinn auf zunächst 0,58, dann auf 0,43 Euro pro Aktie. 2021 werden jetzt 0,26 Euro erwartet. Aber selbst, wenn es etwas mehr würde, läge der Gewinn doch sehr deutlich unter denen, die früher erreicht wurden, als die Deutz-Aktie in diese Region zwischen acht und neun Euro vorgestoßen war.

Zwar gehen die Analysten derzeit davon aus, dass der Gewinn 2022 und 2023 deutlich zulegen wird. Aber diese Schätzungen sind teilweise schon älter. Und die älteren Analysen berücksichtigen die Risiken, die durch Lieferengpässe und gestiegene Kosten entstanden sind, nicht. Diejenigen, die am Mittwoch ausstiegen, sahen das Risiko, dass Deutz‘ Gewinn 2022 keineswegs so rasant zulegen wird, wie es nötig wäre, um Kurse von oder über acht Euro zu rechtfertigen. Aber ist mit diesem „Abschuss“ der initialen Rallye auch die Abwärtswende besiegelt?

Noch nicht, aber viel würde aus charttechnischer Sicht nicht fehlen. Sie sehen, dass der Kurs an die untere Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals gerutscht ist, im Tagestief sogar schon weit darunter lag. Fällt diese Linie und nach ihr die Kreuzunterstützung aus dem Oktober-Tief und der 200-Tage-Linie, die bei 6,90/6,92 Euro wartet, wäre dasein äußerst bärisches Signal. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man den Kurs an die – relativ zu früher – niedrigen Gewinne angleicht, deutlich!

Deutz-Aktie: Chart vom 10.11.2021, Kurs 7,26 Euro, Kürzel DEZ | Online Broker LYNX

 

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Bis zu 4,5 Prozent stieg die Aktie des Motorenherstellers DEUTZ nach der gestrigen Vorlage der Halbjahresbilanz, fiel dann bis zu 2,5 Prozent ins Minus und rettete sich dann mit einem Plus von 2,55 Prozent ins Handelsende. Warum reagierten die Akteure so uneinheitlich?

Die am Donnerstagmorgen vorgelegten Zahlen waren gut, aber nicht spektakulär und/oder überraschend. DEUTZ ist auf Kurs, 2021 ein solides Jahr zu schaffen, die eigene Prognose zu erfüllen, mehr aber nicht. Dass da einige Akteure freudig in den anfänglichen Kurssprung hinein verkauften, kann daher nicht überraschen. Zumal dieses Tageshoch den höchsten Stand seit zwei Jahren bedeutete und die obere Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals erreichte, an dem DEUTZ im Mai und Juni zweimal abgeprallt war.

Das Ergebnis beinhaltete natürlich gegenüber dem ersten Halbjahr 2020 gestiegene Umsätze und die Rückkehr in die Gewinnzone. Aber die Marge auf EBIT-Basis lag nur bei 2,1 Prozent. Und in der zugleich bestätigten Gesamtjahresprognose erwartet man bei diesem „Hebel“ zwischen Umsatz und Gewinn auch nicht viel: Zwischen 1,0 und 2,0 Prozent sollten vom Umsatz vor Steuern und Zinsen hängenbleiben. Das ist wenig. Einen mittelfristigen Ausblick auf die Jahre 2023/2024 gibt es auch und der sieht schon weit besser aus, aber:

Expertenmeinung: Das Motorengeschäft ist sehr konjunktursensibel, vor allem die Gewinnmargen. Würde DEUTZ‘ Prognose für diese Jahre 2023/2024 eintreten, würde man einen Umsatz von 2,0 Milliarden Euro erreichen (Prognose 2021: 1,5 bis 1,6 Milliarden) und dabei eine EBIT-Marge von satten sieben bis acht Prozent erzielen. Das wäre hervorragend und würde an das starke Jahr 2017 anknüpfen, in dem DEUTZ pro Aktie 1,00 Euro Gewinn erreicht hatte. Für das laufende Jahr schätzen die Analysten im Schnitt nur 0,57 Euro/Aktie.

Aber werden diese Ziele auch erreicht? Ein Blick derart weit voraus in einer Branche, die äußerst volatil ist, das ist eben in der Tat nur eine Zielsetzung, keine Prognose. Und selbst wenn es gelingt: In den noch starken Jahren 2017 und 2018 pendelte die DEUTZ-Aktie die meiste Zeit zwischen 6,00 und 8,50 Euro. Dem oberen Ende dieser alten Kursspanne hatte sich die Aktie mit dem gestrigen Zweijahreshoch von 7,79 Euro schon stark angenähert, also, warum nicht mal den Gewinn mitnehmen, wenn die Aktie sowieso an einen charttechnischen Widerstand gelaufen ist? Aber ist es damit getan … oder gehen die Abgaben weiter?

DEUTZ-Aktie: Chart vom 12.08.2021, Kurs 7,635 Euro, Kürzel DEZ | Online Broker LYNX

Das wird davon abhängen, ob viele Marktteilnehmer jetzt zu der Ansicht gelangen, dass ein relativ fernes Ziel, das zu Gewinnen führen würde, welche 2017 kein allzu viel höheres Kursniveau der Aktie nach sich zogen, ein Grund ist, den Gewinn mitzunehmen. Oder aber ob die Mehrheit diese Geduld aufbringen und ggf. noch zukaufen will. Dass auch diese Klientel existiert, wurde durch die Rückkehr der Aktie in die Gewinnzone zum Handelsende ja belegt.

So etwas ist eine subjektive und daher nicht voraussagbare Entscheidung. Anders bei der Charttechnik: Da ließe sich unterstellen, dass ein Bruch des Trendkanals und, anders als im Juli, darüber hinaus auch ein Bruch der wichtigen, im Chart dick schwarz hervorgehobenen 200-Tage-Linie, in der Tat weitere Abgaben auslösen dürfte. Wer hier mittel- und langfristig agieren will, könnte somit dort, knapp unter sechs Euro, seinen Stoppkurs ansiedeln, denn erst unter dieser Supportzone würde sich die Chance auf höhere Kurse erheblich eintrüben.

Als der Motorenbauer DEUTZ Mitte April seine Prognose anhob, war die unmittelbare Reaktion zwar leicht negativ, aber dann zog die Aktie davon. Die Trader wetten auf die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Aber auch die DEUTZ-Aktie ist keine Einbahnstraße.

Am 19. April legte DEUTZ die vorläufigen Ergebnisse für das erste Quartal vor, am Donnerstag kamen die endgültigen Zahlen, die die Vorab-Zahlen bestätigten. Aber für die Investoren ist das abgelaufene Quartal irrelevant, ihr Blick richtet sich nach vorne. Nach dem Verlustjahr 2020 setzen die Akteure auf die Rückkehr in die Gewinnzone. Womit sie richtig liegen dürften.

DEUTZ passte im Zuge der Vorab-Zahlen am 19. April auch seine Gesamtjahresprognose nach oben an. Jetzt sieht man einen Absatz zwischen 140.000 und 155.000 Motoren (vorher lautete die Perspektive auf mindestens 130.000 Motoren). Die Umsatzerwartung wurde von zuvor mindestens 1,4 Milliarden auf jetzt 1,5 – 1,6 Milliarden Euro angehoben. Und hinsichtlich der EBIT-Marge sieht man eine Spanne zwischen einem und zwei Prozent von zuvor +/-0. Bleibt es dabei, wird DEUTZ 2021 in die Gewinnzone zurückkehren.

Expertenmeinung: Die Frage ist, wie groß der Gewinn ausfallen könnte. Da spielt die EBIT-Marge eine entscheidende Rolle. Die ist zwar sehr niedrig, aber gerade deswegen läge der Gewinn bei gleichem Umsatz im Fall einer EBIT-Rendite von zwei Prozent doppelt so hoch wie im Fall einer Marge von einem Prozent. Da bewegt man sich also auf unsicherem Terrain.

Auf Basis dieses Ausblicks würde DEUTZ nicht unmittelbar an die starke Phase der Jahre 2017/2018 anknüpfen, aber es bleibt die Marge als Schlüssel. Erreicht man, dass sukzessiv mehr vom Umsatz in der Kasse bleibt, könnte der Gewinn schnell immens zulegen. Aber das kann man im Vorfeld eben nicht absehen. Wer hier auf den großen Turnaround setzt, geht somit eine Wette ein, die aufgehen kann … oder auch nicht. Was tun? Das, was sich in solchen Fällen immer anbietet:

Die Charttechnik wäre in solchen Situationen der beste Wegweiser. Wobei Deutz in dieser Hinsicht ideale Voraussetzungen bietet, denn die Aktie bewegt sich seit März 2020 wie auf Schienen in einem Aufwärtstrendkanal. Solange dessen untere Begrenzungslinie bei aktuell 5,75 Euro nicht gebrochen wird, bleibt der Weg nach oben grundsätzlich frei.

Wer spekulativ und auf kurzfristiger Ebene agiert, würde sich hinsichtlich der Absicherung nach unten aber eher am Verlaufstief der Vorwoche bei 6,56 Euro orientieren. Im Verlauf der Vorwoche hat die DEUTZ-Aktie eine Widerstandslinie in Form eines Zwischenhochs vom Sommer 2019 bei 6,70 Euro bezwungen, deutlicher sollte die Aktie nicht mehr darunter fallen. Denn sie ist sogar auf Wochenbasis tendenziell überkauft, wie der Wochenchart zeigt, zugleich hatte sie am Freitag die obere Begrenzung des Aufwärtstrendkanals erreicht.

Deutz-Aktie: Chart vom 07.05.2021, Kurs 7,045 Euro, Kürzel DEZ | Online Broker LYNX

Sollte DEUTZ die Nackenlinie des 2019 entstandenen Doppeltopps bei 7,26 Euro überwinden, dürfte das für Anschlusskäufe sorgen. Aber dreht die Aktie dort oder sogar auf dem aktuell erreichten Niveau nach unten ab, wäre ein Schlusskurs unter diesem Vorwochen-Verlaufstief von 6,56 Euro ein Signal, kurzfristig vorsichtig zu werden.

Rein charttechnisch betrachtet könnte ein Aufwärtstrend kaum besser aussehen als der der Deutz-Aktie. Die Aktie des Motorenbauers hatte im Frühjahr 2020 einen Aufwärtstrendkanal etabliert, dessen untere Begrenzung im November und Dezember erfolgreich getestet wurde. Jetzt strebt der Kurs in Richtung der oberen Begrenzung des Trendkanals bei aktuell 6,12 Euro, die zusammen mit der aus dem Herbst 2019 stammenden Widerstandslinie bei 6,19 Euro wie ein Magnet auf die Käufer wirken dürfte, nachdem es gelang, das letzte Zwischenhoch vom November mit Schwung zu überwinden.

Diese Widerstandszone könnte durchaus erreicht werden, sofern die optimistische Grundstimmung am Aktienmarkt erhalten bleibt. Aber zu erwarten, dass die Aktie diese Zone überwindet und in Richtung des mehrjährigen Hochs bei 9,05 Euro weiter läuft, das im Sommer 2019 erreicht wurde, wäre verwegen. Denn dieser so perfekte Aufwärtstrend hat eine Achillesferse: die Fundamentals stützen die Aufwärtsbewegung nicht. Die letzten Meldungen, die von Deutz im November auf den Tisch kamen, begünstigen keine Hausse, im Gegenteil:

Expertenmeinung: Die am 10. November vorgelegte Bilanz des dritten Quartals war äußerst unerfreulich. Der Umsatz fiel von 450,1 Millionen Euro im dritten Quartal 2019 auf 208,2 Millionen (-31,5 Prozent). Und aus einem Gewinn im Vorjahr (+9,4 Millionen) wurde ein Verlust von 16 Millionen Euro. Und das, obwohl das dritte Quartal 2020 in die Phase ohne Lockdown fiel. Das alles wäre hinzunehmen, hätte Deutz avisiert, dass man ab jetzt durchstarten würde. Aber das Gegenteil war der Fall. Keine zwei Wochen nach der Bilanzvorlage meldete der Motorenhersteller, dass der Ausblick auf das Jahr 2022 nicht mehr einzuhalten sei, die für 2022 avisierten Ziele erst 2023 oder 2024 erreichbar sein würden, weil die Geschäftslage deutlich rückläufig sei und man davon ausgehe, dass „die Investitionszurückhaltung der Kunden in den kommenden Monaten zunächst noch weiter anhalten wird“.

Das ist das Szenario, das man befürchtete, als die Aktie im vergangenen März bis auf 2,62 Euro abverkauft wurde. Aktuell notiert sie etwa 120 Prozent über diesem Tief. Somit hängt diese problematische Perspektive wie ein Damoklesschwert über dem so perfekt wirkenden Aufwärtstrend. Solange dieser Trend weiterhin negativen Nachrichten zu trotzen vermag, könnte man zwar investiert bleiben. Aber würde die Aktie unter die (derzeit bei 4,88 Euro verlaufende) Aufwärtstrendlinie fallen, wäre das, alleine aufgrund der vorherigen, erfolgreichen Tests, ein klares Signal, um sich hier erst einmal zu verabschieden.

Chart vom 14.01.2021, Kurs 5,755 Euro, Kürzel DEZ | Online Broker LYNX

Die Leerverkäufer dürften mit wachsendem Interesse zur Kenntnis genommen haben, was vom Motorenhersteller Deutz in den vergangenen gut zwei Wochen so alles auf den Tisch kam. Wenn das bullische Lager verhindern will, dass die Aktie den Nachrichten folgt, indem sie den mittelfristigen Aufwärtstrend bricht, müsste man sich jetzt ranhalten. Denn diese Nachrichten waren allemal geeignet, Deutz schon einmal in der Watchlist Short vorzumerken.

Die Bilanz des dritten Quartals steckten die Anleger noch weg. Das am 10. November gemeldete Ergebnis war zwar mit einem Umsatzminus von 21 Prozent und einem Verlust von 16 Millionen Euro nach einem Gewinn von 9,4 Millionen im Vorjahresquartal düster, aber damit war seitens der Analysten gerechnet worden. Und die sind bislang auch noch optimistisch. Selbst das niedrigste Kursziel liegt mit 5,0 Euro über dem aktuellen Kurs, im Schnitt sieht man da ein Kursziel von 6,20 Euro. Aber die Nachrichten vom Montagabend waren angetan, bei den ersten Experten Bedenken auszulösen – und auch die Aktie reagierte deutlich.

Expertenmeinung: Am Montag nach Handelsende korrigierte Deutz seinen Ausblick, indem man das für 2022 angestrebte Ziel, einen Umsatz von zwei Milliarden Euro und eine Vorsteuer-Marge von sieben bis acht Prozent zu erreichen, auf die Jahre 2023 oder 2024 nach hinten verschoben wurde. Der Grund sei die deutlich rückläufige Entwicklung im Motorengeschäft, die aus Sicht des Unternehmens in den kommenden Monaten zunächst noch anhalten werde.

Die Analysten der DZ Bank nahmen ihre Einschätzung des fairen Werts der Aktie daraufhin von 6,30 auf 6,00 Euro nach unten, HSBC stufte Deutz von „Kaufen“ auf „Halten“ mit Kursziel 5,50 Euro ab. Die Aktie, die am Montag vor der Meldung noch das Kursniveau direkt vor dem „Corona-Crash“ überboten hatte, sackte kräftig durch und schloss am Mittwoch gegenüber dem Montags-Schlusskurs gut zwölf Prozent tiefer, hatte dabei am Mittwoch zeitweise sogar noch tiefer notiert.

Mit dieser Nachricht werden all diejenigen wieder auf den harten Boden der Tatsachen verfrachtet, die überzeugt waren, dass die Wende zurück zu den umsatzstarken Jahren 2018 und 2019 schnell vollzogen würde. Und ohne eine schnelle Erholung wird eine Aktie, die unmittelbar davor nahe daran war, das Anfang Januar markierte Jahreshoch zu erreichen, natürlich für die Leerverkäufer, die Bären, attraktiv. Noch aber hätten die Bullen die Chance, einen Trendbruch und den dann zu erwartenden, weiteren Abgabedruck abzuwenden …

… wenn es ihnen gelingt, die untere Begrenzung des im März etablierten Aufwärtstrendkanals bei aktuell 4,51 Euro sowie die als Sicherungsseil darunter, bei 4,27 Euro, verlaufende 200-Tage-Linie zu verteidigen. Sollte diese mittelfristige Auffangzone jedoch mit Schlusskursen unter 4,10 Euro signifikant durchschlagen werden, wäre angesichts dieser eingetrübten Unternehmensperspektive nach unten einiges drin.

Chart vom 25.11.2020, Kurs 4,81 Euro, Kürzel DEZ | Online Broker LYNX

Die Aktie des Motorenherstellers Deutz hatte sich im vergangenen Sommer bis knapp über neun Euro nach oben gekämpft und damit den höchsten Stand seit Herbst 2007 erreicht. Dann aber wurde deutlich, dass 2019 zwar der Umsatz zulegen, der Gewinn aber nicht mitziehen würde. Und Anfang 2020 kam dann auch noch der allgemeine Ausverkauf im Zuge der Corona-Pandemie hinzu. Einige Aktien konnten diesen Kurseinbruch bereits komplett abschütteln. Und wenn man sich den Chart genauer ansieht, stellt man fest: Deutz gehört dazu. Denn der Kurs notiert nicht allzu weit unterhalb des Levels, den die Aktie im Februar vor dem Lockdown sah. Mitte vergangener Woche hatte Deutz über 80 Prozent seit dem März-Tief von 2,62 Euro zugelegt. Da scheinen die Anleger offenbar guter Dinge zu sein. Zu Recht?

Zumindest sitzt man da mit den Analysten in einem Boot. Denn deren durchschnittliches Kursziel liegt bei 5,50 Euro, unter den Empfehlungen finden sich „Kaufen“ und „Halten“, aber keine „Verkaufen“-Einstufung … und darüber hinaus liegt die Prognose für die Gewinne 2021 schon wieder relativ nahe an denen des Jahres 2019. Für 2020 wird zwar mit einem Verlust gerechnet, aber viele, ob Anleger oder Experten, propagieren derzeit ja, diese Phase einfach abzuhaken und nach vorne zu sehen. Und der Blick nach vorne ist eben positiv. Oder?

Expertenmeinung: Es gibt bislang keine Belege dafür, dass dieser Optimismus auch berechtigt wäre. Das zweite Quartal fiel für Deutz fatal aus. Der Umsatz brach um 41 Prozent ein, der Auftragseingang sank um 39,1 Prozent, zugleich wurde ein EBIT von -38,1 Prozent erzielt nach 22,1 Millionen Euro Gewinn im zweiten Quartal 2019. Die Marge wurde mit -13,6 Prozent nach +4,6 im Vorjahreszeitraum stark negativ. Das alles ließe sich durchaus abhaken, hätte Deutz die Bilanz mit Statements versehen, die klar machen würden, dass diese Phase bereits so gut wie überstanden wäre. Aber im Gegenteil wurde bei der am 11. August vollzogenen Vorlage der Zahlen erklärt, dass man wegen der Corona-Krise weiterhin nicht imstande sei, eine Prognose abzugeben. Und eine Woche nach der Bilanzveröffentlichung meldete Deutz, dass man plane, bis 2022 weltweit ca. 1.000 Arbeitsplätze zu streichen … bei einer Belegschaft knapp unter 5.000 Mitarbeitern ist das ein herber Einschnitt, der nicht andeutet, dass es hier in Kürze einfach so wieder aufwärts gehen müsste.

So gesehen bauen die Bullen, die den Kurs seit Mitte März in einem Aufwärtstrend halten, bislang auf Treibsand. Und sie bekommen jetzt noch ein weiteres Problem: Man hat zusehends Mühe, diesen Aufwärtstrend zu halten. Deutz blieb gerade zum zweiten Mal in der Widerstandszone 4,52/4,79 Euro hängen und testet jetzt die März-Aufwärtstrendlinie. Seit Ende Juli kommt die Aktie nicht mehr recht von dieser Linie weg, so gesehen müssten die Bullen jetzt ohne Zeitverzug handeln, den Kurs umgehend über den Widerstandsbereich 4,52/4,79 Euro ziehen. Passiert das nicht, würde ein mit Schlusskursen unter 4,12 Euro – und damit unter dem Ende Juli markierten Zwischentief – signifikanter Bruch der Trendlinie den Weg nach unten freigeben. Aus charttechnischer Sicht sowieso, aber bei der derzeit äußerst offenen Umsatz- und Gewinn-Perspektive des Unternehmens dürfte es dann auch mit dem momentan noch eisern gepflegten Optimismus schnell vorbei sein.

Deutz Aktie: Chart vom 21.08.2020, Kurs 4,46 Euro, Kürzel DEZ | Online Broker LYNX