DEUTZ Aktie Prognose DEUTZ: Wie viel Hoffnung steckt im gestrigen Kurssprung?

News: Aktuelle Analyse der DEUTZ Aktie

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Zur DEUTZ Aktie

Die 2021er-Bilanz, die der Motorenhersteller DEUTZ am Montag vorlegte, lag sogar marginal unter der durchschnittlichen Analystenprognose. Und ein Motorenhersteller ist etwas, das die Trader momentan eher mit spitzen Fingern anfassen. Trotzdem stieg die Aktie – wieso?

DEUTZ erreichte 2021 einen Umsatz von 1,62 Milliarden Euro, das lag im Rahmen dessen, was die Experten erwartet hatten. Deutlich mehr zwar als die 1,29 Milliarden des „Corona-Jahres“ 2020. Aber deutlich weniger als die 1,84 Milliarden im Jahr 2019. Das EBIT, d.h. der Gewinn vor Steuern und Zinsen, war zwar nach einem dicken Minus 2020 im letzten Jahr wieder positiv, blieb aber mit 34,1 Millionen Euro hinter der Durchschnitts-Prognose von 38,1 Millionen Euro zurück, was an der recht mageren EBIT-Gewinnmarge von 2,1 Prozent lag. 2019 hatte diese Marge bei 4,1 Prozent, 2018 sogar bei 4,7 Prozent gelegen.

Das sah alles nicht so aus, als müsste man daraufhin sofort zugreifen, auch, wenn sich der DEUTZ-Kurs im Vorfeld seit September kurzzeitig glatt halbiert hatte. Es sei denn, man würde unterstellen, dass ein Teil dieses Abstiegs damit zusammenhängt, dass viele noch schwächere Ergebnisse erwartet hatten. Aber allzu logisch wäre diese Annahme nicht, denn 2021 ist lange genug passé, um sekundär zu sein. Jetzt geht es um die Gegenwart bzw. das Gesamtjahr 2022. War der Ausblick der Grund, warum die Aktie gleich zu Handelsbeginn mit einer Kurslücke nach oben startete?

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Expertenmeinung: Es ist zu vermuten. Aber dann steckt in diesem Plus, das am Ende nicht über den Level der Eröffnung hinauskam (was indiziert, dass es mit Anschlusskäufen klemmte), einiges an Hoffnung. Zu viel, womöglich.

Denn ja, DEUTZ hat einen Ausblick für 2022 geliefert, diesen aber gleich relativiert. Das, was man bislang als Planungsgrundlage hatte, könnte durch den Ukraine-Krieg deutlich anders ausfallen. DEUTZ habe zwar keine unmittelbaren Lieferanten im Krisengebiet, es könne aber dennoch zu Problemen kommen, hieß es. Ohne das Thema Ukraine hätte DEUTZ mit einem Umsatz zwischen 1,70 und 1,85 Milliarden Euro und einem Anstieg der um Sondereffekte bereinigten EBIT-Gewinnmarge in eine Range zwischen 3,5 und 5,5 Prozent gerechnet.

Käme es auch so, würde das einen kräftigen Gewinnsprung bedeuten, dann wäre die Aktie auf diesem Niveau schlichtweg billig. Aber solange offen ist, ob der Ukraine-Konflikt in eine Rezession führt, ob diese womöglich sogar alleine durch Inflation und steigende Zinsen ausgelöst werden könnte, ist es in der Tat das Prinzip Hoffnung, welches diese Käufe des Montags ausgelöst hat. Und:

Der DEUTZ-Kurs hat dadurch zwar immerhin die 20-Tage-Linie zurückerobert. Mittelfristig relevante Widerstände liegen aber deutlich höher. Zumindest die Widerstandszone zwischen 5,94 und 6,08 Euro und die dort verlaufende November-Abwärtstrendlinie müsste die Aktie überwinden. Solange das aussteht, sehen wir nicht mehr als eine Gegenbewegung in einem intakten Abwärtstrend. Das heißt nicht, dass DEUTZ zwingend sofort wieder zurückfallen muss. Aber in einem Umfeld wie diesem sollte man das als ständiges Risiko einkalkulieren.

DEUTZ-Aktie: Chart vom 14.03.2022, Kurs 5,165 Euro, Kürzel DEZ | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen der DEUTZ Aktie

Direkt nach der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen notierte die Aktie des Motorenherstellers Deutz gestern gut 3,6 Prozent im Plus. Doch plötzlich setzten Verkäufe ein. Die Aktie rutschte tief ins Minus und beendete den Handel mit -5,28 Prozent. Was war da passiert?

Die Bilanz las sich eigentlich hervorragend. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um satte 31 Prozent auf 403,2 Millionen Euro. Der Auftragseingang legte noch deutlicher zu, um 56 Prozent auf 485,2 Millionen. Statt des Minus von 15,7 Millionen Euro im Vorjahr blieben vor Steuern und Zinsen (EBIT) diesmal 14,1 Millionen Euro Gewinn in der Kasse, netto lag der Gewinn bei 10,4 Millionen nach einem Minus von 52,2 Millionen im dritten Quartal 2020. Da findet sich kein Argument, um in eine anfänglich positive Reaktion der Aktie hineinzuverkaufen.

Nimmt man die ersten neun Monate zusammen, erst recht nicht. Das EBIT liegt über diesen Zeitraum bei 27,8 Millionen, während Deutz im Vorjahr zwischen Januar und September ein Minus von 103,4 Millionen Euro verbuchen musste. Die EBIT-Gewinnmarge, d.h. das, was als EBIT prozentual vom Umsatz übrigbleibt, liegt nach -11,1 Prozent im Jahr 2020 jetzt bei +2,4 Prozent, es wird also endlich wieder Geld verdient.

Basierend auf dem Neun-Monats-Konzernergebnis von 26,8 Millionen Euro errechnet Deutz daraus einen Gewinn pro Aktie von 0,22 Euro. Bedenkt man, dass die bisherige, durchschnittliche Analystenprognose für das Gesamtjahr 2021 0,26 Euro sieht und man somit bislang sauber auf Kurs ist, die Erwartungen zu erfüllen, wäre auch das kein Grund, um auszusteigen. Und doch war da gestern der Wurm drin. Aber warum?

Expertenmeinung: Der Ausgangspunkt für diejenigen, die in die anfangs gestiegenen Kurse hinein verkauften, dürfte die Kombination aus dem aktuell erwarteten Gewinn im Verhältnis zu dem Gewinn-Level des Unternehmens vor der Corona-Phase und dem Kursniveau der Aktie heute im Vergleich zu den vergangenen Jahren sein. Unser Chart auf Wochenbasis zeigt:

Die Deutz-Aktie war am bisherigen 2021er-Jahreshoch (8,45 Euro) bereits in die Zone der Hochs der Jahre 2017 bis 2019 gelaufen, die im Bereich von 7,87 bis 9,05 Euro als charttechnische Widerstände warten. Nach der Korrektur im September führte die initiale Reaktion der Anleger den Kurs am Mittwoch mit im Tageshoch 7,95 Euro erneut in diesen Bereich. In einen Bereich, der manchen nicht unbedingt allein aufgrund seiner charttechnischen Widerstandsfunktion zum Ausstieg bewegt, sondern weil der erwartete Gewinn des laufenden Jahres sehr deutlich unter dem liegt, was Deutz verdient hatte, als 2017 bis 2019 diese Hochs erreicht wurden.  

2017 lag der Gewinn pro Aktie bei 1,00 Euro. 2018 und 2019, für die deutsche Wirtschaft Jahre mit nachlassendem Wachstum, fiel dieser Gewinn auf zunächst 0,58, dann auf 0,43 Euro pro Aktie. 2021 werden jetzt 0,26 Euro erwartet. Aber selbst, wenn es etwas mehr würde, läge der Gewinn doch sehr deutlich unter denen, die früher erreicht wurden, als die Deutz-Aktie in diese Region zwischen acht und neun Euro vorgestoßen war.

Zwar gehen die Analysten derzeit davon aus, dass der Gewinn 2022 und 2023 deutlich zulegen wird. Aber diese Schätzungen sind teilweise schon älter. Und die älteren Analysen berücksichtigen die Risiken, die durch Lieferengpässe und gestiegene Kosten entstanden sind, nicht. Diejenigen, die am Mittwoch ausstiegen, sahen das Risiko, dass Deutz‘ Gewinn 2022 keineswegs so rasant zulegen wird, wie es nötig wäre, um Kurse von oder über acht Euro zu rechtfertigen. Aber ist mit diesem „Abschuss“ der initialen Rallye auch die Abwärtswende besiegelt?

Noch nicht, aber viel würde aus charttechnischer Sicht nicht fehlen. Sie sehen, dass der Kurs an die untere Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals gerutscht ist, im Tagestief sogar schon weit darunter lag. Fällt diese Linie und nach ihr die Kreuzunterstützung aus dem Oktober-Tief und der 200-Tage-Linie, die bei 6,90/6,92 Euro wartet, wäre dasein äußerst bärisches Signal. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man den Kurs an die – relativ zu früher – niedrigen Gewinne angleicht, deutlich!

Deutz-Aktie: Chart vom 10.11.2021, Kurs 7,26 Euro, Kürzel DEZ | Online Broker LYNX

Bis zu 4,5 Prozent stieg die Aktie des Motorenherstellers DEUTZ nach der gestrigen Vorlage der Halbjahresbilanz, fiel dann bis zu 2,5 Prozent ins Minus und rettete sich dann mit einem Plus von 2,55 Prozent ins Handelsende. Warum reagierten die Akteure so uneinheitlich?

Die am Donnerstagmorgen vorgelegten Zahlen waren gut, aber nicht spektakulär und/oder überraschend. DEUTZ ist auf Kurs, 2021 ein solides Jahr zu schaffen, die eigene Prognose zu erfüllen, mehr aber nicht. Dass da einige Akteure freudig in den anfänglichen Kurssprung hinein verkauften, kann daher nicht überraschen. Zumal dieses Tageshoch den höchsten Stand seit zwei Jahren bedeutete und die obere Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals erreichte, an dem DEUTZ im Mai und Juni zweimal abgeprallt war.

Das Ergebnis beinhaltete natürlich gegenüber dem ersten Halbjahr 2020 gestiegene Umsätze und die Rückkehr in die Gewinnzone. Aber die Marge auf EBIT-Basis lag nur bei 2,1 Prozent. Und in der zugleich bestätigten Gesamtjahresprognose erwartet man bei diesem „Hebel“ zwischen Umsatz und Gewinn auch nicht viel: Zwischen 1,0 und 2,0 Prozent sollten vom Umsatz vor Steuern und Zinsen hängenbleiben. Das ist wenig. Einen mittelfristigen Ausblick auf die Jahre 2023/2024 gibt es auch und der sieht schon weit besser aus, aber:

Expertenmeinung: Das Motorengeschäft ist sehr konjunktursensibel, vor allem die Gewinnmargen. Würde DEUTZ‘ Prognose für diese Jahre 2023/2024 eintreten, würde man einen Umsatz von 2,0 Milliarden Euro erreichen (Prognose 2021: 1,5 bis 1,6 Milliarden) und dabei eine EBIT-Marge von satten sieben bis acht Prozent erzielen. Das wäre hervorragend und würde an das starke Jahr 2017 anknüpfen, in dem DEUTZ pro Aktie 1,00 Euro Gewinn erreicht hatte. Für das laufende Jahr schätzen die Analysten im Schnitt nur 0,57 Euro/Aktie.

Aber werden diese Ziele auch erreicht? Ein Blick derart weit voraus in einer Branche, die äußerst volatil ist, das ist eben in der Tat nur eine Zielsetzung, keine Prognose. Und selbst wenn es gelingt: In den noch starken Jahren 2017 und 2018 pendelte die DEUTZ-Aktie die meiste Zeit zwischen 6,00 und 8,50 Euro. Dem oberen Ende dieser alten Kursspanne hatte sich die Aktie mit dem gestrigen Zweijahreshoch von 7,79 Euro schon stark angenähert, also, warum nicht mal den Gewinn mitnehmen, wenn die Aktie sowieso an einen charttechnischen Widerstand gelaufen ist? Aber ist es damit getan … oder gehen die Abgaben weiter?

DEUTZ-Aktie: Chart vom 12.08.2021, Kurs 7,635 Euro, Kürzel DEZ | Online Broker LYNX

Das wird davon abhängen, ob viele Marktteilnehmer jetzt zu der Ansicht gelangen, dass ein relativ fernes Ziel, das zu Gewinnen führen würde, welche 2017 kein allzu viel höheres Kursniveau der Aktie nach sich zogen, ein Grund ist, den Gewinn mitzunehmen. Oder aber ob die Mehrheit diese Geduld aufbringen und ggf. noch zukaufen will. Dass auch diese Klientel existiert, wurde durch die Rückkehr der Aktie in die Gewinnzone zum Handelsende ja belegt.

So etwas ist eine subjektive und daher nicht voraussagbare Entscheidung. Anders bei der Charttechnik: Da ließe sich unterstellen, dass ein Bruch des Trendkanals und, anders als im Juli, darüber hinaus auch ein Bruch der wichtigen, im Chart dick schwarz hervorgehobenen 200-Tage-Linie, in der Tat weitere Abgaben auslösen dürfte. Wer hier mittel- und langfristig agieren will, könnte somit dort, knapp unter sechs Euro, seinen Stoppkurs ansiedeln, denn erst unter dieser Supportzone würde sich die Chance auf höhere Kurse erheblich eintrüben.