Zoom implodiert nach Zahlen. Reißleine ziehen?

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Zoom Video Communications
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Zur Zoom Video Communications Aktie

In den letzten Monaten wurde alles blind gekauft, jetzt scheint nichts mehr gut genug zu sein. Wie sieht die Prognose für Zoom jetzt aus?

Es ändert sich etwas

Es gibt Marktphasen, in denen steigt einfach alles und selbst mittelprächtige Quartalszahlen werden geschluckt.
So war es in den letzten anderthalb Jahren.

Das scheint sich allerdings geändert zu haben. Möglicherweise dreht gerade das Sentiment.
So wie viele Aktien in den Himmel gekauft wurden, werden sie jetzt auch wieder in den Boden gestampft. Darunter auch Zoom.

Inzwischen muss man die Verluste als dramatisch bezeichnen. Es fehlt nicht mehr viel und Zoom hat zwei Drittel an Wert verloren.
Die jüngsten Zahlen haben den nächsten Kurssturz ausgelöst.

Daraus können wir glücklicherweise etwas lernen. An der Börse zahlt es sich nie aus, sich blind gegen den Markt zu stellen.
Auch wenn die Bewertung von Zoom bei 400 oder 500 USD womöglich viel zu hoch war, es hat die Aktie nicht davon abgehalten, trotzdem bis 588 USD zu steigen.

Wir müssen lernen, damit umzugehen

Umgekehrt gilt dasselbe. Zoom mag bei 222 USD womöglich attraktiv bewertet sein, das wird die Aktie aber nicht automatisch davor bewahren beispielsweise auch noch auf 160 USD zu fallen.
Das ist das eigentliche Problem an der Börse. Wir arbeiten mit einer ungewissen Zukunft und der Markt neigt zu extremen Übertreibungen – in beide Richtungen.

Wer das nicht glaubt, muss sich nur den Kursverlauf seit dem Corona-Crash anschauen.

Am Ende müssen wir lernen, mit diesen Boom- und Bust-Zyklen umzugehen. Kurzfristig siegen eben Emotionen.
Manch ein Anleger, der bei 500 USD noch vollkommen überzeugt von Zoom war, wird heute bei 222 USD das Handtuch werfen.

Wer sich von diesen Emotionen frei machen kann, hat an der Börse deutlich bessere Karten.
Denn kurzfristig bewegen zwar Emotionen die Kurse, langfristig aber nur Zahlen.

Daher hatte ich auch bei 408 USD vor der Aktie gewarnt (Link) und bin bei 222 USD deutlich optimistischer.

Blind in das fallende Messer sollte man dennoch nicht greifen. Lassen wir der Panik etwas Raum. Früher oder später wird sich ein Boden abzeichnen. Kommt es dann zu ersten positiven Signalen, könnte sich das als Gelegenheit herausstellen, denn operativ läuft es bei Zoom nicht schlecht.

Chart vom 23.11.2021 Kurs: 222,90 Kürzel: ZM - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 23.11.2021 Kurs: 222,90 Kürzel: ZM – Tageskerzen

Kurzfristig wiegt der Umstand, dass Zoom die Aufwärtstrends durchbrochen hat, schwerer. Mit Unterschreiten von 238 USD ist es jetzt zu einem prozyklischen Verkaufssignal gekommen.
Die nächste relevante Unterstützung liegt bei 225 USD, welche bereits erreicht wurde.

Darunter wäre der Weg in Richtung 200 oder sogar 177 USD frei.

Übertreibung und Gelegenheit?

Als Investor sollte man sich über einen Abverkauf freuen. Je schlechter die Stimmung, desto größer die Gelegenheit.
In den letzten Monaten wurde alles blind gekauft, jetzt scheint nichts mehr gut genug zu sein. Anders lässt sich die Kursreaktion auf die Zahlen von Zoom nicht erklären.

Der Gewinn lag in Q3 mit 1,11 je Aktie über den Erwartungen von 1,08 USD. Der Umsatz übertraf mit 1,05 Mrd. die Analystenschätzungen von 1,02 Mrd. USD ebenfalls.

Darüber hinaus hat man die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr von 4,75 – 4,79 auf 4,84 – 4,85 USD je Aktie leicht erhöht.
Beim Umsatz stellt man 4,08 statt 4,02 Mrd. USD in Aussicht.

Das entspricht einem Umsatzplus von 54% und mehr als einer Verdopplung des Gewinns.
Es ist vollkommen klar, dass es in dieser Geschwindigkeit nicht mehr weitergehen kann. Aber die Richtung stimmt definitiv.

Der Trend setzt sich fort

Zoom gelingt es aber nach wie vor, immer mehr Kunden zu gewinnen und sich somit breiter aufzustellen.
Die Zahl der Großkunden mit einem Jahresumsatz von mehr als 100.000 USD hat sich auf Jahressicht nahezu verdoppelt.
Die Zahl der Auftraggeber mit mehr als 10 Mitarbeitern kletterte um 18% auf über eine halbe Million.

Der Trend in Richtung Homeoffice und dezentralem Arbeiten ist nicht erst durch Corona entstanden und dürfte sich fortsetzen.
Zoom selbst erwartet in den kommenden drei Geschäftsjahren eine Umsatzverdopplung.

Gleichzeitig sollten die Margen durch entsprechende Skaleneffekte weiter steigen, wie es auch in der Vergangenheit der Fall war.
Es wäre also eine konservative Annahme, dass der Gewinn in dieser Zeit auf über 10 USD je Aktie steigen wird.

Nehmen wir ferner an, dass die P/E bis dahin von 50 auf 30 sinken wird. Dann hätte Zoom ausgehend vom heutigen Niveau rund 50% Potenzial.

Der Vollständigkeit halber sollte man aber auch erwähnen, dass es Schätzungen gibt, wonach das Ergebnis in diesem Zeitraum nur auf ca. 5,90 USD je Aktie steigen könnte. Trifft das zu, sieht es natürlich anders aus. Das zeigt, wie schwierig Extrapolationen sind. Wir arbeiten eben mit einer ungewissen Zukunft. Wer Ihnen etwas anderes erzählt…

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Zoom ist wohl der Krisengewinner schlechthin. Zwischenzeitlich kam es zu einem regelrechten Hype um die Aktie.
Das hatte durchaus eine rationale Basis, denn der Konzernumsatz explodierte regelrecht.

Die Sache hat nur zwei, drei kleine Haken:
Die Bewertung war zwischenzeitlich so hoch, als könne man ewig in diesem Tempo weiterwachsen, was natürlich nicht der Fall ist.
Und es stellt sich auch die ganz grundsätzliche Frage, was nach der Pandemie kommt.

Daher hatte ich im Dezember auch vor der Aktie gewarnt (Krisengewinner Zoom: Ist es jetzt vorbei?).
Seitdem ist der Kurs von 408 auf aktuell 279 USD gefallen. Seit dem Hoch hat die Aktie mehr als die Hälfte an Wert verloren und es könnte durchaus sein, dass es noch eine Etage tiefer geht.

Chart vom 16.09.2021 Kurs: 279 Kürzel: ZM - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 16.09.2021 Kurs: 279 Kürzel: ZM – Tageskerzen

Die Bullen stehen unter Zugzwang. Kann die Unterstützung bei 277 USD nicht verteidigt werden, geht es wahrscheinlich in Richtung 258 oder 238 USD abwärts.

Entspannen würde sich das Chartbild hingegen erst bei einem Anstieg über 300 USD. Dann wäre ein Gap-Close möglich.

Mit leeren Händen

Die Charttechnik ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Nachdem die Aktie inzwischen von 580 auf 280 USD abgestützt ist, hat sich das Chance-Risiko-Verhältnis maßgeblich verbessert.

Denn in den Monaten, in denen es mit dem Kurs stetig bergab ging, ist das Geschäft nicht stehengeblieben.
Hier finden Sie eine ausführliche Analyse: Und es hat Zoom gemacht

Der Abverkauf könnte sich langfristig noch als Gelegenheit herausstellen. Die Wachstumsraten werden natürlich nicht mehr das Pandemie-Niveau erreichen, man konnte aber auch davor schon stark wachsen und wird es wohl auch danach.

Darüber hinaus ist Zoom im Gegensatz zu vielen Wachstumsaktien nachhaltig profitabel. In den letzten zwölf Monaten hatte man eine operative Marge von 26,6% und hat 1,0 Mrd. USD verdient.

Für das laufende Geschäftsjahr stellt man einen Gewinn von mehr als 1,4 Mrd. USD in Aussicht.
Zoom kommt somit auf eine forward P/E von 58 und ein P/S von 20. Das ist sicherlich grenzwertig.

Es gibt aber eine Vielzahl anderer Wachstumsaktien, die nicht profitabel sind, nicht so schnell wachsen und eine deutlich höhere P/S haben.

Was ist möglich?

Man kann die Sache auch perspektivisch angehen. Zoom dürfte den Umsatz bis 2025 mehr als verdoppeln.
Es ist anzunehmen, dass gleichzeitig die Margen steigen werden. Zoom könnte dann einen Jahresgewinn von rund 3,5 Mrd. USD einfahren.

Die P/E könnte in diesem Zeitraum also deutlich fallen und die Aktie hätte trotzdem Potenzial.
Es wäre ebenso gut möglich, dass das Allzeithoch angesteuert wird.

Auf der anderen Seite besteht natürlich immer die Gefahr, dass die Prognosen nicht erfüllt werden und die Konkurrenz dem Unternehmen zunehmende Probleme bereitet. Wir werden es sehen.
Das Chance-Risiko-Verhältnis ist heute jedenfalls ungleich besser, als bei Kursen von 580 USD.

Zoom ist wohl der Krisengewinner schlechthin. Doch was kommt nach der Pandemie? Hält das Wachstum an, oder haben die Menschen die Nase voll von Video-Calls?

Was kommt danach?

Vielleicht ist es noch zu früh, um diese Frage abschließend zu beantworten. Ein gewisser Trend zeichnet sich aber ab.

Nach der Umsatzexplosion aufgrund von Corona sind die Wachstumsraten wie erwartet deutlich zurückgegangen.
Daher hatte ich mich im Dezember auch negativ zur Aktie geäußert, denn die damalige Bewertung war so hoch, als könne man auf ewig in diesem Tempo weiter wachsen:
Krisengewinner Zoom: Ist es jetzt vorbei?

Danach schlitterte der Kurs von 408 auf 274 USD. Die Warnung war also berechtigt.

Zoom hat die Zeit allerdings wirklich gut für sich genutzt. Das Unternehmen hat es in kürzester Zeit geschafft, sich als einer der Standards für Video-Meetings zu etablieren.

Für den Kampf gerüstet

Diesen Status dürfte man wohl auch weit über die Pandemie-Zeit hinaus verteidigen können, auch wenn zahlreiche ernstzunehmende Konkurrenten ebenfalls Produkte auf den Markt gebracht haben oder es planen.
Darunter Google, Facebook, Adobe und viele mehr.

Das dürfte die Preise mittelfristig unter Druck bringen.

Zoom ist allerdings dazu in der Lage, auch gegen einen härteren Wettbewerb zu bestehen.
Denn im Gegensatz zu vielen anderen Wachstumswerten, ist man nachhaltig profitabel. Eine operative Marge von über 25% kann sich wirklich sehen lassen.

Aktuelle Lage und Ausblick

Im ersten Quartal hat man bereits die Erwartungen übertroffen und die Prognose erhöht.

Gestern konnte man nach Börsenschluss unmittelbar daran anknüpfen.

Der Gewinn lag mit 1,36 je Aktie weit über den Erwartungen von 1,15 USD. Der Umsatz übertraf mit 1,02 Mrd. die Analystenschätzungen von 1,0 Mrd. USD ebenfalls.

Die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr wurde von 3,99 auf 4,02 Mrd. USD leicht erhöht.
Beim Ergebnis stellt man jetzt 4,75 – 4,79 USD je Aktie in Aussicht, bisher waren es 4,56 – 4,61 USD je Aktie.

Das ergibt doch keinen Sinn

Da gibt es nicht viel zu meckern, doch Zoom notiert vorbörslich trotzdem 12% im Minus. Auf den ersten Blick will das nicht so recht zusammenpassen.

Aber Zoom kämpft aktuell mit genau dem Problem, welches ich in der ersten Analyse antizipiert hatte.

Im Vergleich zum Vorjahr hat man den Umsatz zwar erheblich gesteigert, die Wachstumsdynamik hat aber massiv an Fahrt verloren.
Zoom hat in den letzten beiden Quartalen fast zwei Milliarden an Umsatz generiert und stellt für die nächsten beiden auch knapp zwei Milliarden in Aussicht.

Für ein Unternehmen, welches bisher als Wachstumswert wahrgenommen wurde und auf ein KUV von über 30 und ein KGVe von 73 kommt, ist das natürlich ein Problem.

Wo könnte man zuschlagen?

Gibt die Aktie jetzt weit genug nach, könnte sich daraus eine Gelegenheit für antizyklische Anleger ergeben, die über die kurzfristige Entwicklung hinausblicken.

Denn durch die zunehmenden weltweiten Lockerungen, steht das Geschäft zwar derzeit unter Druck, das ändert an den zugrundeliegenden Trends aber nichts.

Homeoffice und dezentralem Arbeiten wird in Zukunft eine größere Bedeutung zukommen.

Der Trend in diese Richtung eindeutig, wurde durch Corona zwar beschleunigt und befeuert, war aber zuvor intakt.
Daher konnte Zoom auch zuvor stark wachsen.

In den vier Geschäftsjahren vor Corona hat Zoom den Umsatz jedes Jahr nahezu verdoppelt und in Summe verzehnfacht.
Mittelfristig sollte das Unternehmen auf den Wachstumspfad zurückkehren.

Chart vom 31.08.2021 Kurs: 305 Kürzel: ZM - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 31.08.2021 Kurs: 305 Kürzel: ZM – Tageskerzen

Zoom hat bereits eine umfassende Korrektur vollzogen. Ausgehend vom Hoch hat die Aktie fast die Hälfte an Wert verloren.

Vorbörslich notiert die Aktie bei 305 USD und ist somit an der ersten antizyklischen Unterstützung angekommen.
Weitere Möglichkeiten würden sich bei 280 sowie 240 USD ergeben.

Es wäre jedoch ratsam, das Kursgeschehen an den jeweiligen Marken zunächst zu beobachten, um zu sehen, ob sich ernstzunehmendes Kaufinteresse abzeichnet.

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Was steil nach oben geht, kommt langfristig durch die natürliche Erdanziehungskraft auch wieder auf den Boden der Realität zurück. So auch der Kurs der Zoom-Video-Aktie. Der Titel kannte nach dem Ausbruch der Pandemie im vorigen Jahr so gut wie kein Halten mehr.  Bis zur Spitze im Oktober konnte die Aktie seit dem Start 2020 sage und schreibe mehr als 700 Prozent an Wert zulegen. Dass eine solche Rallye über kurz oder lang nicht ewig anhalten kann, ist völlig klar.

Der Bruch der Aufwärtsbewegung war technisch gut erkennbar. Das im November gebildete tiefere Tief als auch das tiefere Hoch zeigten die Wende an. Danach konnten die Bullen nicht mehr Fuß fassen. Erst im Januar war wieder ein Lebenszeichen der Aktie zu erkennen und es bildete sich das erste höhere Tief im Chart. Könnte dies nun der Beginn einer neuen Rallye sein?

Expertenmeinung: Noch ist die Aktie nicht über dem Berg. Dennoch zeigt sich, dass das Interesse der Anleger auf aktuellem Niveau wieder beginnt anzusteigen. Dies ist auch dadurch erkennbar, dass der letzte Anstieg im Januar nicht sofort wieder abverkauft wurde. Wir sehen derzeit eine konstruktive Konsolidierung knapp unter der Marke von 400 USD. Hierauf ist in den kommenden Tagen zu achten, denn bei einem Breakout könnten die Bullen die Kurse zeitnah wieder nach oben katapultieren. Auch die Tatsache, dass sich die Kurse schon seit geraumer Zeit über dem 20-Tage-Durchschnitt halten können, zeigt, dass die Talfahrt scheinbar beendet ist und hier gerade Energie für einen möglichen Impuls nach oben gesammelt wird. Bei Schlusskursen oberhalb der Marke von 400 USD wäre es wieder an der Zeit bullisch zu werden.

Aussicht: NEUTRAL

Chart vom 03.02.2021 Kurs: 380.47 Kürzel: ZM | Online Broker LYNX

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Der US-amerikanische Softwarekonzern war 2020 einer der ganz großen Newcomer an der Wall Street. Das Börsendebut feierte man im vorigen Jahr, doch erst die Corona-Pandemie weckte das nachhaltige Interesse der Anleger an dem Unternehmen.

Die positiven Nachrichten der Zoom Video-Aktie überschlugen sich förmlich und so auch die Kurse. Zwischenzeitlich konnten diese sogar mehr als 700 Prozent an Wert zulegen – was für eine Performance. Doch die Bäume wachsen nun mal auch an der Börse nicht in den Himmel und so haben sich seit Oktober stetig immer mehr Anleger vom Vorzeigekandidaten getrennt. Jetzt steht die Aktie sogar an der Kippe, womöglich bärisches Terrain zu betreten.  

Expertenmeinung: In den letzten Monaten bildete sich eine klare Unterstützungslinie, welche derzeit bei rund 375 USD verläuft. Im November hielten sich noch zahlreiche Trader dazu bereit, eine neuerliche Rallye zu initiieren, doch es konnte lediglich die Kurslücke, welche kurz zuvor aufgerissen wurde, geschlossen werden – eine klare Widerstandsebene. Danach stellten sich neuerlich Gewinnmitnahmen ein und mittlerweile sind die Kurse bereits nachhaltig unter die gleitenden Durchschnitte der Perioden 20 und 50 gefallen. Ein Bruch nach unten könnte nun auf der Tagesordnung stehen. Hier ist höchste Vorsicht geboten.    

Aussicht: NEUTRAL

Chart vom 16.12.2020 Kurs: 404.00 Kürzel: ZM | Online Broker LYNX

Zoom ist einer der führenden Anbieter von Videokonferenz-Software.

Der Krisengewinner schlechthin

Zoom stand in Zeiten von Corona hoch im Kurs. Die begründeten Sicherheitsbedenken gegenüber Zoom haben viele Unternehmen und Privatleute schnell über den Haufen geworfen.
Wenn Sie mit sensiblen Daten arbeiten, sollten Sie allerdings sehr vorsichtig sein.

Den Erfolg von Zoom hat all das nicht aufgehalten. Ebenso wenig die Tatsache, dass es nicht etliche Alternativen gibt, die teilweise sicherer und teilweise kostenlos sind.
Zum Beispiel Skype oder Microsoft Teams.

Dennoch lief es auch vor Corona schon sehr erfreulich. In den Geschäftsjahren 2018 – 2020 konnte der Umsatz von 151 auf 623 Mio. USD gesteigert werden. (Das Geschäftsjahr von Zoom endet im Januar)
Der Cashburn hielt sich in Grenzen, man meldete sogar einen kleinen Gewinn.

Die Rakete startet

Das laufende Geschäftsjahr hatte allerdings eine ganz andere Qualität. Im ersten Quartal legte der Umsatz auf Jahressicht um 169% zu.
Im zweiten Quartal lag das Plus bei 355% und im dritten Quartal bei 367%. „Corona sei Dank“.

In den ersten neun Monaten erzielte man einen Umsatz von 1,77 Mrd. USD und es wurde ein Gewinn von 411 Mio. USD erzielt.
Das entspricht einem Ergebnis von 1,38 USD je Aktie.

Doch selbst diese Zahlen haben gestern nicht mehr geholfen. Ebenso wenig der angehobene Ausblick.

Die P/E liegt schließlich fast bei 300 und der Newsflow dreht zunehmend gegen Zoom. Die Pandemie hat ein Ablaufdatum und das wissen die Anleger.

Warum das denn?

Was mich allerdings nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass Zoom selbst in den letzten Monaten noch ständig neue Aktien ausgegeben hat – und das mit enormer Geschwindigkeit.

Wahrscheinlich will man die hohe Bewertung nutzen und jetzt ausreichend Kapital einsammeln, um weiteres Wachstum zu finanzieren.
Das würde bedeuten, dass der Vorstand davon ausgeht, dass man das nicht aus dem laufenden Cashflow stemmen kann.

Was auch die Gründe sind, es ist jedenfalls bedenklich, wenn weiterhin Aktien ausgibt, obwohl Umsatz und Gewinn sprunghaft angestiegen sind.

Im Jahresverlauf ist die Zahl der ausstehenden Papiere von 254 auf 299 Millionen Stück gestiegen.

Die eigentliche Frage

Bei dem hohen Wachstum wischen Anleger solche Bedenken aber gerne weg. Die eigentliche Frage ist daher, ob man das enorme Wachstum fortsetzen kann.

Die Chancen stehen extrem schlecht, dass das der Fall sein wird. Durch Corona kam es zu einer Sondersituation und deren Ende ist absehbar.
Spätestens im Frühling werden wir zunehmend zur Normalität zurückkehren.

Das sind die Möglichkeiten

Für Zoom ergeben sich aus meiner Sicht vier mögliche Hauptszenarien.

  1. Zoom überrascht alle und das Wachstum hält an.
  2. Die derzeitigen Nutzer greifen weiter auf Zoom zurück. Die Wachstumsdynamik sinkt aber auf das Vorkrisen-Niveau.
  3. Viele derzeitige Kunden benötigen den Service nicht mehr, weil es keine oder weniger Videokonferenzen geben wird.
    Der Umsatz könnte dann sogar kurzfristig fallen oder einige Quartale stagnieren. Erst anschließend kann man wieder auf den Wachstumskurs zurückkehren.
  4. Die Menschen haben die Nase voll von Video-Calls. Der Markt ist übersättigt, das Geschäft leidet nachhaltig und der Umsatz stagniert für längere Zeit.

Wie wahrscheinlich das jeweilige Szenario ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Meines Erachtens bewegen wir uns am wahrscheinlichsten irgendwo im Bereich zwischen 2 und 3.

Überbewertet

In allen Varianten außer Szenario 1 ist die Aktie aber klar überbewertet. Man könnte durchaus auch argumentieren, dass das selbst bei Szenario 1 der Fall wäre.

Der Markt ist schließlich nicht unendlich groß. Zoom kann unmöglich 100 Mrd. Umsatz generieren, kommt aber auf einen Börsenwert von 100 Mrd. USD.
Derzeit wird Zoom mit einem P/S von mehr als 50 und einer P/E von nahezu 300 gehandelt.

Für Anleger kann das nur aufgehen, wenn zwei Faktoren gleichzeitig zutreffen: Man wächst weiterhin mit erheblichem Tempo und die Bewertung bleibt sehr hoch. Sonst ergibt sich ganz schnell eine enorme Lücke.

In Relation

Wir leben in einer Welt der Alternativen. Vor allem Investoren sollten immer gegeneinander abwägen, was sie für ihr Geld bekommen können.

Immerhin bekäme man für den Börsenwert von Zoom (108 Mrd. USD) auch die Hälfte der Anteile von Paypal, Adobe, Coca-Cola, Nike oder Netflix. Sie haben freie Wahl.

Für den Preis könnte man auch Sony oder Starbucks kaufen.
Oder bleiben wir in Deutschland: Sie könnten fast schon SAP kaufen oder zweimal Adidas.
Ich denke nicht, dass Zoom in dieser Liga mitspielen kann und die Relationen stimmen.

Aus technischer Sicht ist die Aktie ebenfalls angeschlagen.

Chart vom 02.12.2020 Kurs: 408 Kürzel: ZM - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 02.12.2020 Kurs: 408 Kürzel: ZM – Wochenkerzen