Kering: Jetzt kämpfen die Bullen mit dem Rücken zur Wand

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Zur Kering Aktie

Es schien lange, als könne nichts den Anstieg der Kering-Aktie stoppen. Doch zuletzt notierte sie 25 Prozent unter ihrem Allzeithoch … und die gestrige Reaktion auf die Quartalszahlen macht klar, dass noch mehr Druck folgen könnte. Welche Linien müssen jetzt halten?

Die Grundaussage der am späten Dienstagabend vorgelegten Zahlen zum dritten Quartal machte schon deutlich, wieso die Anleger nicht begeistert waren. Denn gerechnet zum dritten Quartal 2019, das deswegen die bessere Vergleichsbasis ist, weil es nicht durch die Corona-Problematik verzerrt wurde, lag der Umsatz nur um zehn Prozent höher. Was den Gewinn angeht, wird man dazu erst nach Ende des zweiten Halbjahres, im Januar, mehr erfahren, da Kering wie alle französischen Unternehmen außerhalb der Halbjahre nur Angaben zu den Umsätzen macht. Aber diese Aussage reichte schon, um deutlich zu machen, dass man dem Wachstum im Vorfeld offenbar zu viel zugetraut hatte, denn:

Die Ergebnisse zum dritten Quartal 2019 trugen die Aktie damals über die 500 Euro-Marke. Als die Aktien der großen Luxusgüterkonzerne im August neue Rekorde markierten, kratzte die Kering-Aktie mit 798 Euro an der 800er-Marke. Die Aktie war also in Relation zu diesem Umsatzanstieg von zehn Prozent viel weiter gestiegen. Zu weit.

Offenbar wurde vor allem großen Adressen Mitte August klar, dass man sich da beim Griff nach den Sternen zu weit vorgewagt hatte. Die Aktie korrigierte scharf und landete nach zwei Verkaufswellen nahe der 600 Euro-Marke. Ob diese Korrektur ausreicht, um wieder auf ein sinnvolles Bewertungsniveau zu kommen? Um diese Frage geht es jetzt bei der Reaktion auf diese Ergebnisse.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Kering Aktie finden Sie hier.

Chart vom 20.10.2021, Kurs 646,60 Euro, Kürzel KER | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Sie sehen im Chart, dass Kering Mitte August an der oberen Begrenzung des breiten, mittelfristigen Aufwärtstrendkanals gescheitert war und daraufhin dessen untere Begrenzungslinie testete. Die wurde Ende September/Anfang Oktober sogar kurzzeitig unterschritten, aber die Bullen verfügten über ein „Sprungtuch“ in Form der aus dem Herbst 2020 stammenden Supportzone 602/628 Euro. Die hielt, daraufhin kämpften sich die Käufer wieder in den Aufwärtstrendkanal zurück. Doch der Versuch, erst einmal wieder Wasser unter den Kiel zu bekommen, indem die Aktie nachhaltig über die bei aktuell 657 Euro verlaufende 200-Tage-Linie gehoben wird, misslang. Und damit wird es jetzt schon wieder eng.

Unübersehbar hatten die meisten Anleger mit einem stärkeren Wachstum gerechnet, denn die Aktie sackte als Reaktion auf das Zahlenwerk zeitweise kräftig durch. Für den Moment hielt diese Unterstützungszone 602/628 Euro zwar erneut, aber von einem Sicherheitspuffer kann keine Rede sein, angesichts eines gestrigen Tagestiefs bei 612,70 Euro.

Kering müsste mindestens das Vorwochen-Verlaufshoch bei 678 Euro auf Schlusskursbasis überwinden, idealerweise die Widerstandslinie bei 700 Euro nehmen, um wieder bullisch zu sein. Und sollten die Investoren mehrheitlich zu dem Schluss kommen, dass das Wachstumstempo nicht ausreicht, um diesen Kurslevel zu rechtfertigen, könnte es alleine aus charttechnischer Sicht schnell in Richtung 500/520 Euro weiter abwärts gehen, sollte die Zone 602/628 Euro doch noch fallen. Sich unter dieser jetzt wieder umkämpften Unterstützungszone konsequent abzusichern, wäre unbedingt ratsam.

 

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Erst am vergangenen Freitag hatte die Aktie des französischen Luxusgüterkonzerns Kering (u.a. Gucci) mit 798 Euro ein neues Rekordhoch erreicht, seither aber fällt die Aktie mit hohen Umsätzen rapide. Am Wachstum des Unternehmens kann es nicht liegen – aber woran dann?

Luxus läuft auch in Krisen gut. Und erst recht, wenn die vorüber sind. Diese Regel hat sich schon oft bewahrheitet, daher setzten viele Investoren darauf, dass ein Unternehmen wie Kering mit Top-Labels wie Gucci, Saint Laurent oder Brioni in Phasen wie diesen starke Zuwächse verzeichnen würde. Vergleichbar gesucht waren seit Frühjahr 2020 auch ähnliche Konzerne wie LVMH oder Hermès. Und diese Erwartungen wurden in der Tat erfüllt, Kering legte am Abend des 27. Juli herausragende Ergebnisse für das erste Halbjahr 2021 vor:

Der Umsatz stieg immens von 5,38 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2020 auf jetzt 8,05 Milliarden. Das ist deutlich mehr als die im Schnitt 7,85 Milliarden Euro, mit denen die Analysten im Vorfeld gerechnet hatten. Und es ist eine Größenordnung, die die Chance auf einen neuen Umsatzrekord im laufenden Jahr bietet. Der Gewinn lag bei 2,24 Milliarden Euro und visiert damit den Gewinn des bislang besten Jahres 2019 an.

Die Aktie reagierte positiv. Der Kurs hatte im Vorfeld seit Mitte Juni leicht konsolidiert, zu Beginn des 28. Juli, an dem die Marktteilnehmer auf das Zahlenwerk reagieren konnten, startete die Aktie dann auch etwas leichter. Aber am Ende des Tages standen eine lange grüne Kerze im Chart, ein solides Plus und der Beginn des Weges hin zu neuen Rekorden. Bis zum vergangenen Freitag. Seither geht es abwärts. Also, woran kann es liegen?

Expertenmeinung: Die Analysten, die bislang auf diese Halbjahreszahlen reagierten, haben ihre Kursziele allesamt angehoben. Und das derzeit höchste Kursziel eines Experten liegt bei 950 Euro, da wäre also noch allerhand Luft nach oben gewesen. An den Analysten liegt es also nicht … oder? Doch, auch. Denn das durchschnittliche Kursziel liegt aktuell bei 818 Euro. Und dieser Level war am vergangenen Freitag fast erreicht worden. Bei einer Aktie, die seit Jahresende 2020 in der Spitze 34 Prozent Gewinn auswies, kann das allemal dazu geführt haben, dass sich viele Akteure sagten: Die Zahlen sind auf dem Tisch, neue Fakten kommen erst einmal nicht und die Aktie ist nahe am Kursziel, also warum nicht mal aussteigen?

Dem durchschnittlichen Analysten-Kursziel nahe zu kommen alleine würde solch einen Abverkauf zwar nicht auslösen, aber das war auch nicht der einzige Aspekt. Sie sehen den zweiten Grund im Chart: Die Aktie ist genau an die obere Begrenzung ihres leicht in die Breite gehenden Aufwärtstrendkanals angestoßen. Das hätte zwar auch, wie im Juni der Fall, nur eine moderate Konsolidierung auslösen können. Aber jetzt, nach diesem immensen Anstieg und mit der berechtigten Vermutung, dass, wer auf diese jüngste Bilanz hin hat einsteigen wollen, dies auch getan hat, ist die Verkäuferseite stärker und, wie sich jetzt zeigt, die Käuferseite dünn besetzt. Noch könnte sich die Korrektur in engen Grenzen halten. Aber nur, wenn die beiden Zwischentiefs vom Juli bei 701,50 und 704,10 Euro halten sollten.

Denn die, wäre aus charttechnischer Sicht viel Spielraum nach unten vorhanden. Und da die Bewertung der Aktie trotz des beeindruckenden Gewinnanstiegs relativ hoch ist, wäre ein Test der Zone zwischen der unteren Begrenzung des Aufwärtstrendkanals bei derzeit knapp 600 Euro und der momentan bei 642 Euro verlaufenden 200-Tage-Linie durchaus denkbar.

Chart vom 18.08.2021, Kurs 718,00 Euro, Kürzel KER | Online Broker LYNX

Der französische Luxusgüterkonzern Kering legte am Mittwochabend seine Ergebnisse für das erste Quartal vor. Anleger und Analysten reagierten prompt: Viele Experten hoben ihr Kursziel an … und die Kering-Aktie schloss auf neuem Rekordhoch.

Rein charttechnisch betrachtet war das gestrige Plus von 4,17 Prozent ein perfektes Sprungbrett, um die obere Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals anzupeilen, die in wenigen Tagen 700 Euro erreichen wird. In der vergangenen Woche hatte die Aktie das „Prä Corona“-Rekordhoch vom Januar 2020 bei 620 Euro überboten, hatte im Vorfeld der Bilanz auf diese jetzt als Unterstützung fungierende Linie zurückgesetzt und zog von dort aus am Mittwoch auf ein neues Rekordhoch an. Das passt.

Und auch die Analysten reagierten großenteils positiv. Die acht Experten, die gleich am Mittwoch reagierten, hoben ihre Kursziele durch die Bank an. Und mit 750 Euro lobte Goldman Sachs dabei auch das bislang höchste für die Aktie vergebene Kursziel aus. Aber ein bisschen genauer hinsehen sollte man schon, denn:

Expertenmeinung: Drei der acht Analysten blieben mit ihrem neuen Kursziel trotzdem unter dem aktuellen Kursniveau der Kering-Aktie, wobei die Bank of America mit 515 Euro das untere Ende der Ziele stellte und Kering mit „Underperform“ einstufte. Nicht alle Experten sind also der Ansicht, dass da noch viel Luft nach oben wäre. Und das ließe sich auch begründen.

Denn der Konzern, unter dessen Dach sich weltbekannte Marken wie Yves Saint Laurent oder Gucci finden, meldete zwar für das erste Quartal 2021 einen Umsatzanstieg von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Aber das war für Asien das „Lockdown“-Quartal gewesen, da fiel vor allem der immens wichtige chinesische Markt weg. Wenn man den jetzt erzielten Umsatz mit dem des ersten Quartals 2019 vergleicht, sieht der Anstieg weit bescheidener aus. Damals waren es knapp 3,8 Milliarden Euro gewesen, diesmal 3,89 Milliarden. Man hat also die „Lockdown-Delle“ ausgebügelt, viel mehr aber auch nicht. Vor allem, wenn man die Kering-Meldung weiter liest, denn dort stand auch, dass der Umsatzanstieg zu konstanten Wechselkursen nur 5,5 Prozent betragen hat.

Zudem ist offen, wie sich die Gewinnmarge entwickelt hat. Wenn die nennenswert zugelegt hat, wäre das ein Hebel für einen deutlich anziehenden Gewinn, aber diese Daten veröffentlicht Kering, wie die meisten französischen Unternehmen, nur zweimal pro Jahr, am Ende eines Halbjahres. So gesehen weiß man eigentlich nicht genau, wie gut oder schlecht Kering aktuell dasteht. Aber sollte man deshalb besser die Gelegenheit nutzen und verkaufen?

Eher sollte man die Gelegenheit, dass die Aktie die Hochs vom Januar und November 2020 im Bereich 620/628 Euro getestet und verteidigt hat, nutzen, um einen relativ engen Stoppkurs unter diese Zone zu legen und dabei zu bleiben. Denn ob Anleger oder Analysten: Solange beide Gruppen mehrheitlich willens sind, ein „ja, aber“ einfach vom Tisch zu wischen, ist die Chance, dass die Kering-Aktie sich an die 700 Euro-Marke heranschiebt, eben trotzdem da!

Chart vom 21.04.2021, Kurs 652,20 Euro, Kürzel KER | Online Broker LYNX

In einer Woche, am 17. Februar, ist beim französischen Luxusgüterkonzern die Veröffentlichung der Ergebnisse des vierten Quartals 2020 vorgesehen. Und auf die wird es ankommen. Ein Ausbruch der Kering-Aktie aus der derzeitigen, charttechnischen Konstellation ist ohnehin fällig. Aber das Zahlenwerk wird darüber entscheiden, in welche Richtung dies passieren wird.

Es fällt auf, dass Kering den anderen großen Luxusgüterunternehmen Frankreichs, die ebenso im Leitindex CAC 40 notiert sind, spürbar hinterherhinkt. Hermès, LVMH, L’Oréal, alle sind zuletzt besser gelaufen. Kering ist im Saldo seit fast zwei Jahren nicht vom Fleck gekommen.

Wo klemmt es? Es gibt zwar eine erst im Dezember bekannt gewordene Ermittlung der französischen Steuerbehörden gegen Kering, aber diese Meldung drückte die Aktie nicht unmittelbar, das kann es also eher nicht sein, zumal die Underperformance gegenüber den Branchenkollegen schon seit Sommer 2019 existiert. Es dürfte eher die Wachstumsdynamik sein, die den Investoren zuletzt nicht gefiel. Denn während die anderen großen Luxusgüterkonzerne nach 2017 und 2018 auch 2019 einen starken Anstieg bei Umsatz und Gewinn verbuchten, endete der „Lauf“ bei Kering 2019, da kam der Gewinn zurück. Doch eigentlich hat die Aktie das längst gebüßt, denn:

Expertenmeinung: Dieses fast zwei Jahre währende Wassertreten hat die Aktie auf ein Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von ca. 35 auf Basis der Gewinnschätzungen für das Jahr 2020 zurückgeführt. Ob die eintreffen, werden wir in einer Woche ja wissen. Das klingt nach einem hohen KGV, aber nimmt man z.B. LVMH, sieht man dort, dass ein KGV von 35 dort für das Jahr 2021 bezahlt wird, nicht für 2020. Würde man Kerings Analysten-Gewinnziele für 2021 als Basis nehmen, läge das KGV bei 25. Und das ist – für diese Branche – günstig.

Kering wirkt daher wie ein Dornröschen, die nur geweckt werden muss. Zumal die Analysten hier recht optimistisch sind. Zwei Drittel der Experten sehen die Aktie derzeit als einen Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 632 Euro und damit knapp 14 Prozent über dem gestrigen Schlusskurs. Aber um die Aktie nach oben in Marsch zu setzen, muss die anstehende Bilanz überzeugen, denn einen wirklich schwachen Handelstag würde die derzeitige Chartkonstellation nicht ohne bärisches Signal verkraften.

Die Aktie wirkt „toppish“, nachdem im November der Versuch fehlschlug, das alte Rekordhoch vom Februar 2020 zu überwinden. Seit über zwei Wochen ringt die Aktie mit ihrer im Chart dick schwarz markierten 200-Tage-Linie. Bislang gelingt es, diese Linie eisern zu halten, aber das muss eben auch so bleiben. Denn die Linie liegt inmitten einer mittelfristig relevanten Unterstützungszone zwischen 510 und 541 Euro. Würde eine negative Reaktion auf die Bilanz zum Bruch der Zone führen, könnten die Kursziele der Analysten noch so hoch liegen, wäre fürs erste der Weg für die Trader nach unten frei.

Aber der Weg zu einem Befreiungsschlag nach oben wäre auch nicht weit. Es dürfte reichen, die November-Abwärtstrendlinie bei aktuell 575 Euro auf Schlusskursbasis zu überbieten, um die hartnäckige Verteidigung der 200-Tage-Linie als erfolgreiche Bodenbildung einstufen zu können. Und passen die Zahlen, könnte es dann gut sein, dass der nächste Anlauf an das bisherige Rekordhoch erfolgreicher verlaufen wird als im November.

Chart vom 09.02.2021, Kurs 555,50 Euro, Kürzel KER | Online Broker LYNX

Das war wirklich ernüchternd, was der französische Luxusgüterkonzern Kering für das erste Halbjahr berichten musste. Ende Juli teilte das Unternehmen mit, dass der Umsatz in den ersten sechs Monaten um etwa 30 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 gesunken ist, der Gewinn sackte sogar um etwas mehr als 50 Prozent weg. Und was das laufende zweite Halbjahr angeht, erklärte Kering im Zuge dieser Ende Juli veröffentlichten Bilanz, dass es unmöglich sei, den Umsatz bis zum Rest des Jahres zu prognostizieren.

Man hätte sich nicht wundern dürfen, wenn die Aktie daraufhin kräftig unter Druck gekommen wäre. Aber der Kurs rutschte keineswegs aus seinem Anfang Juni begonnenen Seitwärtstrend nach unten heraus, im Gegenteil: Die Aktie quittierte diese düstere Bilanz mit einem Kursanstieg. Der hielt zwar nicht lange vor und Kering blieb erst einmal weiter in der Seitwärtsbewegung gefangen. Aber jetzt, gut einen Monat nach diesem Zahlenwerk, klopft die Aktie ans obere Ende dieser Handelsspanne. Und würde es gelingen, diese Widerstandszone zu bezwingen, wäre ein aufsteigendes Dreieck nach oben verlassen, der Weg aus rein charttechnischer Sicht nach oben frei. Was ist es, was die Käufer da antreibt – Weitblick oder Leichtsinn?

Expertenmeinung: Normalerweise beantwortet sich eine solche Frage immer erst im Nachhinein. Aber richtet man den Blick auf die zahlreichen Analysten, die diese im französischen Leitindex CAC 40 notierte Aktie beobachten, könnte man dazu tendieren, die Käufe der Marktteilnehmer als Weitblick anzusehen, denn dort ist man mehrheitlich optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt um 550 Euro und damit über dem derzeitigen Kurs, das höchste Kursziel ruft für Kering sogar 700 Euro auf. Und was die Gewinnerwartung angeht, kommen die Experten mehrheitlich zu dem Schluss, dass 2020 zwar nicht zu retten ist, 2021 aber schon wieder Gewinne nahe an denen des Jahres 2019 erreicht werden. Aber kommt es denn wirklich so?

Auch Analysten können nicht hellsehen. Und selten war die Perspektive für einzelne Unternehmen so schwer einzuschätzen wie momentan. In meinen Augen ist die Erwartung, dass 2021 schon wieder fast alles beim alten sein wird, stark von Hoffnung beeinflusst. Ob sich die Realität danach richten wird, muss sich erst noch weisen. Daher:

Sollte es der Kering-Aktie gelingen, die markante, derzeit angegangene Widerstandszone zwischen 522 und 540 Euro zu überwinden, würde ich das als ein rein charttechnisch basiertes, bullisches Signal werten, das vorerst noch keine fundamentale Unterfütterung sehen wird und daher fragil ist. Eine Absicherung knapp unter der momentan bei 495 Euro verlaufenden, mit der Aktie mitsteigenden mittelfristigen Aufwärtstrendlinie wäre da unbedingt zu überlegen … für den Fall, dass eine doch nicht so erfreuliche Realität diesen derzeitigen Optimismus vom Sockel stoßen sollte.

Chart vom 31.08.2020, Kurs 512,90 Euro, Kürzel KER | Online Broker LYNX

Der Pariser Leitindex CAC 40 gab am Dienstag deutlich kräftiger Boden preis als die meisten anderen großen europäischen Indizes. Der Grund waren die im Index stark vertretenen Luxusgüterkonzerne. LVMH, L’Oréal, Hermès und Kering gingen in die Knie. Dafür gab es zwei Gründe. Zum einen erklärte der Internationale Währungsfonds (IFW), was man direkt nach der Unterzeichnung des Phase I-Deals nicht recht bedacht zu haben schien: Wenn China zukünftig zur Einhaltung des Vertrages deutlich höhere Mengen an Waren und Dienstleistungen aus den USA einführen muss, wird der Export der europäischen Länder nach China deutlich darunter leiden. Und das trifft, nach Ansicht des IWF, allen voran Deutschland und Frankreich. Für Kering und die anderen französischen Luxusgüterhersteller ist China ein sehr wichtiger, wachsender Markt. Die Abgaben waren also vor allem eine Reaktion auf die Sorge, dass diese Branche in nächster Zeit in Sachen Wachstum und Gewinn einen in den USA gemachten Klotz am Bein haben wird. Allerdings stellt sich die Frage, ob die USA ausgerechnet in diesem Segment ernsthafte Konkurrenz aufbieten könnten, die Kering-Marken wie Gucci, Saint Laurent oder Brioni das Wasser reichen. Aber es gab neben diesem Auslöser noch einen anderen Grund, warum die Marktteilnehmer recht nervös reagieren: die Performance. Kering beendete das Börsenjahr 2018 mit 411 Euro und hatte am Freitag, den 17. Januar 2020 mit 614,90 Euro einen neuen Rekord markiert, der einen Anstieg von knapp 50 Prozent in kaum mehr als einem Jahr bedeutete. Kering kann sich zwar wie die gesamte Branche seit Jahren über stetig steigende Gewinne freuen, aber so schnell wie die Aktie stiegen die Gewinne dann doch nicht, was hieß: Expertenmeinung: Die Bewertung der Aktie über das Kurs/Gewinn-Verhältnis war zum Rekordhoch des Freitags mit etwa 25 zwar noch nicht exorbitant hoch. Aber als angemessen ließe sich ein solches KGV nur ansehen, wenn dieser Gewinnzuwachs kontinuierlich und in einer Größenordnung von zehn bis zwanzig Prozent jährlich weitergehen würde. Und genau da schürte die Warnung des IWF vor den Folgen des US-Deals mit China eben Zweifel. Wenn man da dann eine Rechnung aufmacht, in die ein, zwei Jahre nur noch schleppend steigende Gewinne, womöglich gar ein Gewinnrückgang einfließen und man auf der anderen Seite fast 50 Prozent Plus in relativ kurzer Zeit auf einer solchen Position hat, fällt es leicht, die Frage, ob es sinnvoll sei, Gewinne mitzunehmen, mit „ja“ zu beantworten. Aber muss man die Hausse der Kering-Aktie damit bereits als beendet ansehen? Nein, denn bislang ist das rein vom Chartbild her nur ein Rücksetzer, wie er immer mal wieder vorkommt. Zwar sehen wir in diesem Chart auf Wochenbasis, dass sich jetzt ein „bearish engulfing pattern“ auf Wochenbasis bilden könnte. Aber die Woche ist noch lang. Erst, wenn die Aktie auch am Freitag dieses Bild abliefert, würde damit ein Warnsignal gelten. Das wiederum erst als Verkaufssignal anzusehen wäre, wenn die kommende Woche ebenso mit Abgaben enden würde. Hinzu kommt, dass die Aktie charttechnisch im Bereich 522 bis 540 Euro gut unterstützt ist und knapp darunter, bei aktuell 509 Euro, die 200-Tage-Linie als potenzieller Auffanglevel wartet. Erst, wenn Kering diese Zone brechen würde, wäre der Weg an die Aufwärtstrendlinie bei 450 Euro aus charttechnischer Sicht frei. Bislang gälte es nur, die Aktie engmaschiger zu beobachten, wer mittel- und langfristig agiert, hätte hier noch keinen unmittelbaren Anlass, auszusteigen. Chart vom 21.01.2020, Kurs 586,60 Euro, Kürzel KER | Online Broker LYNX Aktienempfehlungen Sie möchten täglich vor Börsenstart unsere Chartanalysen per E-Mail erhalten? Dann abonnieren Sie hier unseren Börsennewsletter mit aktuellen Börsennews.