EUR.USD aktuell Euro/US-Dollar: Die Trendentscheidung wird eine politische sein

Aktuelle Entwicklung von EUR.USD

von |
In diesem Artikel

EUR.USD
ISIN: EU0009652759
|
Ticker: EUR.USD --- %

---
--
---% (1D)
1W ---
1M ---
1Y ---
Zum EUR.USD

Welche Elemente spielen mit hinein, wenn es am Forex-Markt darum geht, welche Währung eines Devisenpaares die stärkere, welche die schwächere ist? In der Regel sind es drei Faktoren: 1. Das jeweilige Zinsniveau, das Investments ausländischer Akteure in die großen Anleihemärkte des jeweiligen Währungsraums attraktiver oder weniger attraktiv macht und dadurch die Nachfrage nach der jeweiligen Währung beeinflusst. 2. Die konjunkturellen Perspektiven, die beeinflussen, ob ausländisches Kapital aufgrund guter Gewinnperspektiven angelockt oder im Gegenteil wegen zu hoher Risiken abgeschreckt wird. Und letzten Endes 3. die Politik. Und die spielt in zweierlei Hinsicht eine Rolle.

Zum einen geht es um die Frage, wie stabil und dem Wachstum zugekehrt eine Regierung ist. Zum anderen darum, ob diese politische Führung womöglich die Währung beeinflusst. Letzteres ist zwar, was die Eurozone und die USA angeht, nicht unmittelbar möglich, den Wert der jeweiligen Währung bestimmt der Markt. Aber natürlich kommt es immer mal wieder zu „verbalen Interventionen“, deren Ziel in der Regel ist, die eigene Währung „schwachzureden“, weil eine schwache Währung den Export und damit das Wachstum stützen kann. Es wird diese politische Ebene sein, die am Ende entscheidet, in welche Richtung das Pendel bei der Euro/US-Dollar-Relation, der Paarung der beiden wichtigsten Weltwährungen, ausschlagen wird.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 18.11.2020, Kurs 1,1865 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Denn was Zinsen und wirtschaftliche Perspektiven angeht, geben sich die beiden Währungsräume momentan wenig. Beide stehen mit dem Rücken zur Wand, müssten, mit Blick auf die Pandemie, mehr tun, um die Konjunktur zu stützen, bis diese wieder auf eigenen Beinen stehen kann. Und in beiden Fällen dürften ausländische Investoren die politische Handlungsfähigkeit und deren Wirkung auf Investoren bestenfalls mit „geht so“ einschätzen. Entscheidend stärker wirken Eurozone und USA in beiden Elementen gegenüber dem anderen Lager nicht.

Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars EUR.USD und historische Wechselkurse finden Sie hier.

Es wundert daher nicht, dass der US-Dollar zwar im Frühjahr und Sommer zur Schwäche neigte, so dass der Preis, den man in US-Dollar für einen Euro zu zahlen hatte, sukzessiv zulegte, seit dreieinhalb Monaten aber eine Seitwärtsbewegung das Bild beherrscht. Diese bewegt sich zwar in einem Terrain, dessen Verlassen langfristig relevante Signale generieren würde, wie wir im Chart auf Monatsbasis sehen. Aber nachdem die US-Wahl und ihre anhaltenden „Nachwehen“ nicht für die Entscheidung sorgen konnten, ist man wieder in Lauerstellung gegangen. Was jedoch zweifellos nicht von Dauer sein wird, denn in einer derart wichtigen Entscheidungszone werden, die das Geschehen am Forex-Markt dominierenden kurzfristigen Trader nicht auf Dauer die Füße stillhalten, erst Recht nicht bei Euro/US-Dollar, der Königklasse der Devisenmärkte.

Dabei wäre es eher wahrscheinlich, dass eine Trendentscheidung erst im Dezember fallen wird. Dann zeichnet sich deutlicher ab, wie die Übergabe Trump/Biden vonstattengeht und ob die Gesamtsituation ruhig genug bleibt, um ausländische Investoren zu beruhigen. Man hätte die Entscheidungen der Notenbanken, „Fed“ und EZB, in ihren letzten Sitzungen des Jahres. Und man wüsste zudem, wie das Drama Großbritannien/EU ausgeht und wie man das im Euro werten müsste. In welche Richtung sich das Währungspaar am Ende aus der derzeitigen Handelsspanne absetzt, lässt sich kaum erraten. Aber letztlich ist ein Blick in die Glaskugel auch müßig, weil sich der Kurs in einer klar definierbaren Handelsspanne bewegt:

Schlusskurse über 1,2050 US-Dollar würden den Ausbruch über die markante Widerstandszone 1,1876/1,2042 US-Dollar bedeuten, die sich aus den Jahrestiefs 2010 und 2012 ableitet. Schlusskurse unter der 200-Tage-Linie, momentan bei 1,1368 US-Dollar, wären gleichbedeutend mit dem Schritt hin zu einem erneuten Abwertungsschub des Euro, der US-Dollar hätte das Ringen um die nächste, mittelfristige Trendrichtung dann gewonnen. Der daraus folgende Impuls, egal, in welche Richtung der Ausbruch erfolgt, kann dann durchaus weit reichen und eine Zeitlang vorhalten, es sollte daher lohnen, dieses „Königspaar“ des Devisenmarkts im Auge zu behalten.

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 18.11.2020, Kurs 1,1865 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX
Sie möchten vor Börsenstart über spannende Aktien informiert werden?

Wir beobachten für Sie regelmäßig die interessantesten Aktien am Markt. Die Besten stellen wir Ihnen jeden Morgen kostenfrei im LYNX Börsenblick vor. Aktuell ermöglichen wir so über 30.000 Lesern täglich einen schnellen Überblick über die spannendsten Aktien.

Machen Sie sich selbst ein Bild und abonnieren Sie unseren täglichen Newsletter Börsenblick oder einen anderen auf unserer Seite Börsennews.

--- ---

--- (---%)
Mkt Cap
Vol
Tageshoch
Tagestief
---
---
---
---

Displaying the --- chart

Heutigen Chart anzeigen


Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Vorherige Analysen von EUR.USD

Eigentlich müsste man sich in Washington ja freuen: Nach wie vor flüchten viele Investoren in den US-Dollar-Raum, wenn es mal wieder brenzlig wird, weil sie unterstellen, dass ihr Geld dort am sichersten ist. Aber auch, wenn US-Präsidenten gerne mit einer starken Währung angeben und diese als Beleg nehmen, dass die Wirtschaft stark und dass es ihr Verdienst sei: Ein wenig ärgern wird man sich dort über diesen Run in den Greenback wohl doch.

Denn je stärker die eigene Währung, desto weniger Profit erzielen US-Unternehmen bei Verkäufen ihrer Waren im Ausland, weil die dortige Währung, in der die Verkäufe ja getätigt werden, z.B. der Euro, im Verhältnis zum US-Dollar weniger wert wird. Derzeit bewegt sich das in einer moderaten Größenordnung, aber würde der US-Dollar zum Euro weiter zulegen, könnte das unangenehm werden. Gerade in einer Phase, in der das Risiko besteht, dass der Konsum weltweit durch die Sorge vor einer doch außer Kontrolle geratenen Pandemie erneut in ein Loch fällt. Die Frage steht damit im Raum: Wird der US-Dollar weiter zulegen, der Euro an Boden verlieren und die Euro/US-Dollar-Relation einen starken Abwärtsimpuls vollziehen?

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 30.10.2020, Kurs 1,1647 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Das wird weniger von der weiteren Entwicklung der Pandemie abhängen, die zuletzt sicherlich eine treibende Kraft bei den Abgaben in Euro/US-Dollar, sprich bei den US-Dollar-Käufen war, denn die trifft die USA von Anfang an noch heftiger als Europa. Und auch die Erwartungen an Notenbanken und damit die Zinsperspektiven sind momentan eher pari: Ob US-Notenbank oder EZB, beide müssen wohl nachlegen, um die kippende Erholung der Wirtschaft wieder in die Spur zu bringen. Nein, es dürfte davon abhängen, wie diese morgen anstehende US-Wahl ausgeht. Wobei es wohl weniger darum gehen dürfte, wer die Präsidentschaftswahl gewinnt.

Entscheidend für eine positive politische und konjunkturelle Perspektive wären zwei Aspekte. Zum einen entweder eine klare Bestätigung des Amtsinhabers oder eine geordnete Übergabe an Joe Biden. Beides hat indes momentan nicht allzu hohe Chancen. Und ebenso wichtig wäre, dass der im Januar vereidigte Präsident, egal ob Trump oder Biden, ab da vernünftig regieren kann, indem seine Partei im Idealfall in beiden Kammern des US-Kongresses, im Senat ebenso wie im Repräsentantenhaus, die Mehrheit hat.

Wäre das nicht gegeben, käme es womöglich sogar zu einer für Wochen und Monate unklaren Situation wie zuletzt bei der Wahl Bush/Gore 2000, dürfte sich das beim US-Dollar negativ bemerkbar machen, Euro/US-Dollar zulegen. Erst recht natürlich, wenn ein offener oder gar angefochtener Wahlausgang zu Unruhen führen würde. Die Charttechnik liefert für beide Szenarien Ankerpunkte, deren Überkreuzen den Weg aus technischer Sicht vorgeben würde.

So sehen wir im Chart auf Monatsbasis, dass der Kurs jetzt erst einmal an der durch die langfristige Abwärtstrendlinie verstärkte, massiven Widerstandszone 1,1876/1,2042 US-Dollar nach unten abgedreht hat. Schafft Euro/US-Dollar den Ausbruch über diese Zone, wäre die kurzfristige Stärke des Greenback dahin, ein Run des Euro Richtung 2018er-Hoch bei 1,2556 möglich. Sollte Euro/US-Dollar indes die im Tageschart erkennbare Toppbildung mit Schlusskursen unter 1,1610 US-Dollar vollenden, wäre ein Test des März-Hochs bei 1,15, darüber hinaus auch der 200-Tage-Linie bei aktuell 1,1315 US-Dollar, denkbar. Der Wahlausgang dürfte den Tradern den Weg weisen!

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 30.10.2020, Kurs 1,1647 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Der Anstieg des Euro zum US-Dollar ist an prominenter Stelle erst einmal beendet worden. Der langfristige Chart auf Monatsbasis zeigt, dass Euro/US-Dollar zwar per Ende August knapp über der übergeordneten, im Jahr 2008 etablierten Abwärtstrendlinie schloss, dann aber im Verlauf des Septembers nicht über die Widerstandszone 1,1876/1,2042 US-Dollar hinauskam, die sich aus den Jahrestiefs 2010 und 2012 zusammensetzt. Sollte der Euro nicht noch in den verbleibenden fünf Handelstagen dieses Monats deutlicher wieder anziehen, würde das Währungspaar den Monat unterhalb dieser Widerstandszone beenden und damit aus rein charttechnischer Sicht wieder Luft nach unten haben.

Es geht am Devisenmarkt zwar oft und auf Intraday-Ebene sogar schwerpunktmäßig um die Charttechnik. Aber gerade bei Euro/US-Dollar spielen auch die Politik und die Notenbanken eine immense Rolle. Und da stellt sich die Frage, ob diese beiden Einflussfaktoren einen deutlicheren Abwärtsimpuls des Euro derzeit unterstützen würden. Zwar könnte man unterstellen, dass die Bemerkung von EZB-Chefin Lagarde im Zuge der letzten EZB-Sitzung, dass weitere Zinssenkungen nicht ausgeschlossen seien, ein Argument für einen schwächeren Euro wäre. Ebenso ließe sich der Umstand, dass die US-Notenbank sich in ihrer jüngsten Sitzung in der vergangenen Woche nicht zu unmittelbaren, weiteren Maßnahmen entschlossen hat, als Grund für einen wieder anziehenden US-Dollar sehen. Aber die Forex-Trader reagieren gemeinhin auf neue Argumente sofort und nicht mit mehreren Tagen Zeitverzögerung.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 23.09.2020, Kurs 1,1672 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Und Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Euro erst zu Beginn dieser Woche abzurutschen begann und dadurch ein Topp vollendete, und nicht unmittelbar nach den beiden Notenbanksitzungen in der vorletzten (EZB) und letzten (Fed) Woche. Daher darf man den Verdacht hegen, dass hier vor allem charttechnische Erwägungen Basis dieser Bewegung waren. Und das hieße: Diese Euro-Schwäche könnte eine reine Gegenbewegung auf Trading-Ebene sein und nicht die große Abwärts-Wende.

Zumal die politische Ebene momentan nicht dafür spräche, dass der Euro wieder allzu deutlich zurückkommt. Wer die schwächere Währung hat, hat Vorteile beim Export. In einer derart kritischen wirtschaftlichen Gemengelage ist das ein äußerst wichtiger Aspekt – und da wirken die USA weitaus entschlossener, ihre Währung schwach zu halten als die Eurozone, zumal die EZB zuletzt noch einmal unterstrich, dass eine Steuerung des Euro in keiner Weise zu ihren Aufgaben gehört.

Daher wäre es im Augenblick noch gewagt, eine mittelfristig relevante Abwärtswende der Euro/US-Dollar-Relation bereits als ausgemachte Sache anzusehen, nur, weil der Kurs voraussichtlich per Ende September an dieser Widerstandszone 1,1876/1,2042 US-Dollar nach unten abgewiesen wird. Erst müsste das Währungspaar auch mittelfristig bedeutsame Unterstützungen brechen, bevor ich dem Braten trauen würde, konkret wären dies das Hoch vom März bei 1,1499 und das Hoch vom Juni bei 1,1422 US-Dollar.

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 23.09.2020, Kurs 1,1672 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Wenn sich ein sogenannter „Währungskrieg“ abspielt, indem eine Währung gezielt gedrückt wird, wagen kein Politiker und kein Notenbanker, darüber zu reden. Denn allgemein wird nach außen hin ja propagiert, dass eine starke Währung der Beleg für eine stabile, wachsende und für ausländische Investoren attraktive Wirtschaft sei. Was zwar auch richtig ist, aber eine schwache Währung hat die kurzfristig größeren Vorteile: Sie erleichtert den Export, weil bei Verkäufen im Ausland dadurch beim Rücktausch in die eigene Währung mehr erlöst wird.

Dass Washington darauf setzt, wird zwar hinter vorgehaltener Hand gemunkelt. Aber natürlich kann man politisch selten gezielt darauf hinwirken, dass eine Währung unter Druck gerät. Über 90 Prozent der täglichen Transaktionen am Devisenmarkt sind sehr kurzfristiges Trading. Und die Macht, die die großen Adressen am Devisenmarkt mit ihrem erdrückenden Umsatzanteil im Trading-Bereich ausüben, ermöglicht es diesen Akteuren, sich nicht vor politischen Statements dreinreden zu lassen. Es sei denn, sie gewinnen den Eindruck, dass dahinter wirkliches Engagement steckt. Kompromissloses Erzeugen von Billionen nicht durch Wertschöpfung gedeckter US-Dollars ist so ein Engagement, das die Akteure beeindruckt.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 10.09.2020, Kurs 1,1812 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Daher mag die US-Wirtschaft sich angesichts des starken und damit in Hinblick auf den Euro zum US-Dollar teurer werdenden Euros die Hände reiben, aber dieser Abwärtstrend des US-Dollars, sprich der Aufwärtstrend des Euro/US-Dollar-Kurses, ist weniger in Washington gemacht als durch die Antwort auf die Frage, wer seine Währung am hemmungslosesten durch das Aufblähen der Geldmenge entwertet. Verbunden mit der Frage, wie effektiv solche Maßnahmen sind, denn sind sie es nicht, wäre mit noch mehr Billionen, noch niedrigeren Zinsen und womöglich auch mit einem Exodus ausländischer Unternehmen und Investoren aus dem betreffenden Währungsraum zu rechnen. In diesem Fall aus dem Dollar-Raum.

Dass sich gestern nach der EZB-Pressekonferenz keine wesentliche Veränderung der Lage bei Euro/US-Dollar ergab, war keine allzu große Überraschung. Denn natürlich betonte EZB-Chefin Lagarde, was ihre Vorgänger in vergleichbaren Situationen ebenso festhielten: Die Bewegungen des Euro zu anderen Währungen zu beeinflussen ist nicht Aufgabe der EZB. Das trieb den Euro zwar kurzzeitig wieder höher, aber momentan bleibt es auf kurzfristiger Ebene bei einer Toppbildung. Der Euro könnte vor allem deshalb erst einmal abgefangen worden sein, weil Lagarde auch erwähnte, dass weitere Zinssenkungen (ob beim Einlagensatz oder dem Tendersatz, sei dahingestellt) denkbar seien, wenn die Situation das erfordern sollte.

Aber nennenswert unter Druck brachte das den Euro zum US-Dollar eben auch nicht. Und selbst wenn die momentan bei 1,1780 US-Dollar verlaufende Mai-Aufwärtstrendlinie gebrochen und damit ein kurzfristiges Topp vollendet würde: Der langfristige Chart zeigt, dass sich Euro/US-Dollar in der entscheidenden, langfristigen Widerstandstone 1,1876/1,2042 US-Dollar festgebissen hat. Da müsste der Kurs schon deutlich nach unten herauslaufen, im Idealfall unter das März-Hoch bei 1,15 rutschen, bevor hinsichtlich eines weiteren, den Eurozone-Export bremsenden Euro-Anstiegs Entwarnung gegeben werden könnte. Und davor steht der 16. September.

Denn dann zieht seitens der Notenbanken die Gegenseite nach. Dann wird die US-Notenbank mitteilen, wie man dort dem Problem begegnen wird, dass sich die Indizien verdichten, dass die Gegenbewegung auf den Konjunktureinbruch deutlich zu früh zu verflachen droht. Seitens der EZB verlegte man sich gestern erst einmal auf das Beobachten. Würde man bei der „Fed“ weitere Maßnahmen bekanntgeben bzw. erneut aktiver und kompromissloser erscheinen, wäre das eine Basis dafür, den US-Dollar weiter zu drücken. Diese „Fed“-Entscheidung am Mittwoch kommender Woche könnte somit der Funke sein, der den Euro/US-Dollar-Kurs über diese Widerstandszone 1,1876/1,2042 US-Dollar hinausträgt. Und würde das passieren, wäre ein zügiger Anlauf an das 2018er-Hoch bei 1,2556 US-Dollar pro Euro eine greifbare Perspektive für die nächsten Wochen.

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 10.09.2020, Kurs 1,1812 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Der Bereich 1,1876 zu 1,2042 US-Dollar ist eine immens massive, bis zu zehn Jahre zurück reichende Widerstandszone, die zudem noch durch die übergeordnete Abwärtstrendlinie verstärkt wird, deren Ursprung ins Jahr 2008 zurückreicht. Diese Abwärtstrendlinie hat die Euro/US-Dollar-Relation Ende August schon knapp überboten, jetzt machen sich die Euro-Bullen daran, diese Zone ganz zu bezwingen. Bis 1,2011 US-Dollar lief der Kurs am Dienstag schon. Der wird da doch nicht etwa nach oben ausbrechen?

Für die Eurozone wäre das äußerst ungut, die US-Unternehmen hingegen würden sich die Hände reiben. Denn es mag ja sein, dass eine starke Währung ein Symbol dafür ist, dass internationale Investoren dem jeweiligen Währungsraum mehr zutrauen als dem mit der fallenden Währung, in diesem Fall also den USA. Was momentan auch nachvollziehbar ist, immerhin sind es die USA, die in Sachen Pandemie weiterhin jämmerlich dastehen, das meiste Geld aus dem Hut zauberten und trotzdem nicht den Eindruck erwecken, als habe sich die Wirtschaft wirklich stabilisiert. Aber diese Schwäche des US-Dollars spielt den USA eben am Ende in die Karten, während die Eurozone mit ihrem starken Euro für ihre (relative) Stärke büßen muss. Wo liegt das Problem?

Expertenmeinung: Eine schwächere Währung bringt Exportvorteile. Wenn ein Euro in US-Dollar umgerechnet mehr wert wird, steigt dadurch die Gewinnspanne der US-Unternehmen beim Verkauf von Waren in der Eurozone. Wobei der US-Dollar derzeit nicht nur zum Euro schwächer wird, auch z.B. zum Pfund oder zum Yuan, um nur einige Währungen zu nennen. Diese Abwertung der US-Währung, befeuert durch das Heißlaufen der Notenpresse und durch eine US-Notenbank, die durch das Aufweichen der Inflationszielzone signalisiert, dass sie in Sachen Stabilität erst einmal nicht mehr so genau hinschauen wird, ist genau das, was die USA noch vor kurzem China vorwarfen: Unfaire Vorteile durch eine schwache Währung.

Der Vorteil ist zwar, dass der Import von ja durchweg in US-Dollar fakturierten Rohstoffen dadurch billiger kommt. Aber für Exportnationen wie Deutschland dürfte das den Nachteil der im Ausland teurer werdenden Währung nicht ausgleichen. Diese Entwicklung kann mit ein Grund sein, wieso sich die Schere zwischen dem US-Aktienmarkt und den Börsen der Eurozone derzeit immer mehr weitet. Und sollte Euro/US-Dollar aus dieser Widerstandszone nach oben hinauslaufen, d.h. klar über 1,2042 Euro schließen, könnte sich das sehr deutlich am Aktienmarkt niederschlagen – an der Wall Street positiv, hierzulande negativ. Das nächste Kursziel einer solchen Euro-Hausse wäre dann das 2018er-Jahreshoch bei 1,2557 US-Dollar.

Chart vom 01.09.2020, Kurs 1,1910 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Am Aktienmarkt baut man vor allem in den USA fleißig weiter Luftschlösser. Dabei ignorieren die Bullen, dass nicht nur die US-Konjunkturdaten die permanenten Ankündigungen der stärksten Wachstumsphase aller Zeiten, die die US-Wirtschaft noch stärker machen werde als zuvor, nicht untermauern. Auch der Umstand, dass Gold und Anleihen stark gesucht bleiben, macht klar, dass keineswegs alle Anleger daran glauben, dass die Lage in irgendeiner Weise im Griff wäre. Und das gilt auch für die Devisentrader. Denn dass der US-Dollar in den letzten Monaten massiv zu Gunsten des Euros unter Wasser geriet, kommt nicht von irgendwoher.

Ob Edelmetall-, Anleihe- oder Devisenmarkt: In diesen Asset-Klassen, die vielen unerfahrenen Anlegern zu „speziell“ scheinen, hat man einen weit nüchterneren Blick auf die Realität. Und die zeigt eine US-Wirtschaft, die gleich von mehreren Seiten ins Kreuzfeuer genommen wird: Von der dort unverändert nicht in den Griff zu bekommenden Corona-Problematik. Von den Problemen, die eine markant gestiegene Arbeitslosigkeit und explodierende Staatsschulden hinsichtlich der Gefahr eines Platzens der Schuldenblase bedeuten. Und von der Politik, die, ob im Weißen Haus oder im Kongress, jetzt mehr aus Wahlkampfaspekten heraus agiert, statt sich unvoreingenommen und schnell den Notwendigkeiten einer bislang vergebens Boden unter den Füßen suchenden den US-Wirtschaft zuzuwenden. Hier erkennt man:

Tageschart vom 17.08.2020, Kurs 1,1869 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Derzeit wirken die USA im Vergleich zu den anderen beiden großen Wirtschaftsräumen Europa und Asien am schwächsten, was die Fähigkeit angeht, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Und das bedeutet: Hier kann der Druck auf Leitzinsen und Anleiherenditen mittelfristig deutlich größer bleiben als andernorts. Und die zumindest derzeit wirr wirkende politische Gemengelage kann von der entschlossen agierenden US-Notenbank nicht kompensiert werden, so dass man in Bezug auf Investitionen in den USA kein so verlässliches Umfeld vorfindet, wie sich große Investoren das wünschen würden. Beide Aspekte sind Argumente für eine schwache Währung. Für eine Währung, die weder seitens der Devisen-Trader so favorisiert wird wie in früheren Jahrzehnten noch seitens der internationalen Investoren als Basiswährung für Investitionen gesucht wäre.

Das sind entscheidende Gründe, warum der US-Dollar zuletzt derart in die Knie ging. Und je nachdem, wie sich die vorgenannten Faktoren in den kommenden Monaten entwickeln, kann die Dollar-Schwäche sich noch intensivieren, der Euro zum Greenback weiter zulegen. Zumal die Währungsrelation seit Ende Juli nicht an Schwung verloren hat, weil diejenigen, die zuvor Euro-Long waren, jetzt auf einmal Zweifel bekommen hätten. Das kurzfristige Wassertreten basiert darauf, dass das Währungspaar einen Widerstandsbereich erreicht hat, wie er kaum massiver sein könnte. Sie sehen das in unserem ganz langfristigen Chart auf Monatsbasis:

Der Kurs ist an den Kreuzwiderstand aus den Tiefs der Jahre 2010 und 2012 sowie der langfristigen, ins Jahr 2008 zurückreichenden Abwärtstrendlinie herangelaufen. Diese Zone liegt zwischen 1,1876 und 1,2042 US-Dollar und ist natürlich für kürzerfristig agierende Trader ein Kursziel. Rein charttechnisch betrachtet mag es da auch einige locken, es mal auf der Short-Seite zu versuchen. Aber erst, wenn der im Tageschart eingezeichnete, im Mai etablierte Aufwärtstrendkanal sowie das Verlaufshoch vom März mit Schlusskursen unter 1,1495 US-Dollar unterboten wäre, würde eine Konstellation vorliegen, in welcher die Chancen der Euro-Bullen spürbar unter Druck geraten. Bis dahin bestünde mit Blick auf die Lage in den USA jederzeit die Möglichkeit, dass die Super-Hürde 1,1876/1,2042 US-Dollar überwunden wird und sich der Exodus aus dem Greenback dann womöglich sogar beschleunigt.

Montatschart vom 17.08.2020, Kurs 1,1869 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX