Der Euro war zwar stark ins Jahr gestartet, aber seit Ende Januar verliert er gegenüber dem US-Dollar an Boden. Dass er nach der jüngsten US-Notenbank-Entscheidung weiter nachgab, war dabei folgerichtig. Aber könnte das auch den übergeordneten Aufwärtstrend brechen?
Nicht einmal der Iran-Krieg und dessen Folgen konnten die Tendenz eines stärkeren US-Dollars, die Ende Januar einsetzte, nachhaltig stoppen. Zwar gab es immer wieder Gegenbewegungen, aber die Tendenz blieb „pro Greenback“, was man gut an den sukzessiv tiefer liegenden Zwischenhochs seit Januar festmachen kann. Das ist bemerkenswert, nicht zuletzt, weil das Vertrauen in US-Anleihen zugleich sinkt: Dort steigen die Renditen recht konstant an, was andeutet, dass internationale Investoren in Bezug auf eine längere Bindung ihres Kapitals an den US-Dollar offenbar skeptischer werden.
Ist es dieser schon fast als „Urinstinkt“ zu bezeichnende Drang, in Phasen, in denen es geopolitisch kriselt, im Zweifel lieber in den US-Dollar zu gehen, weil hinter der Währung immerhin das weltweit mächtigste Militär steht? Es könnte ein Aspekt sein, ein anderer dürfte momentan aber noch schwerer wiegen: die Perspektive in Bezug auf die Zinsrenditen.
Zwar rutschen auch europäische Anleihen derzeit im Kurs ab, wodurch auch dort die Renditen attraktiver würden, aber in den USA haben wir jetzt eine US-Notenbank, die „hawkisher“ daherkommt, als man sich das vor Kurzem noch dachte. Die erste Leitzinsanhebung war zwar rein vom Umfeld und dem Pflichtenheft der US-Notenbank her nachvollziehbar. Aber es ist durchaus nicht typisch, dass die „Fed“ so relativ kurz vor einer US-Wahl (die am 3. November ansteht) die Leitzinsen verändert. Und erst recht nicht, dass man dezent über die eigene „Forward Guidance“ durchblicken ließ, dass da noch mehr nachkommen könnte. Dass der US-Dollar da zum Euro erneut zulegte, war folgerichtig, zumal:
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Expertenmeinung: Man muss sein Kapital in der derzeitigen Situation am US-Anleihemarkt ja nicht über viele Jahre hinweg binden, indem man Anleihen mit zehn oder sogar dreißig Jahren Laufzeit ins Depot packt. Aktuell rentieren Anleihen mit fünf Jahren Laufzeit mit 4,84, die mit zwei Jahren mit 4,76 Prozent Rendite. Kaum weniger als die langen Laufzeiten (10 Jahre aktuell 4,95 Prozent) und dafür mit überschaubarer Kapitalbindung. Dass die Nachfrage nach solchen „Kurzläufern“ da zunehmen könnte, wäre nicht überraschend.
Die Perspektive weiter steigender Zinsen ist indes ein Aspekt, der für das Währungspaar Euro/US-Dollar in Bezug auf die Dollar-Stärke ein zweischneidiges Schwert ist. Denn solange man erwartet, dass die Leitzinsen und mit ihnen die Anleiherenditen in den USA noch steigen, würde, wer jetzt bereits in US-Bonds investiert, mit Kursverlusten rechnen müssen. Erst wenn ein echtes Zinshoch zu vermuten wäre, dürfte die echte Nachfrage nach US-Anleihen deutlich anziehen. Was bedeutet: Der Anstieg des US-Dollars zum Euro bzw. die Schwäche der Euro/US-Dollar-Relation dürfte im Augenblick mehr von der Spekulation auf die kommende Entwicklung als durch faktische Nachfrage gestützt sein.
Was den Abwärtstrend des Euro aber nicht stoppen müsste – zumindest nicht auf kurzfristiger Ebene. Sollte die aktuell erreichte Supportzone 1,1325 zu 1,1469 US-Dollar pro Euro unterboten werden, könnte die Abwärtsbewegung erst einmal weitergehen. Aber ob diese Kombination aus bereits weit gestiegenen US-Renditen und der Problematik, mit zu stark steigenden Leitzinsen womöglich das US-Wachstum zu stoppen oder gar umzukehren, tatsächlich so weit ignoriert würde, dass der mittelfristig weiterhin intakte Aufwärtstrend des Euro zum US-Dollar bricht, ist aus heutiger Sicht sehr fraglich.

Unter 1,1325 US-Dollar würde innerhalb des 2022 etablierten Euro-Aufwärtstrendkanals (siehe Chart auf Monatsbasis) bereits im Bereich 1,1214/1,1276 US-Dollar eine bis ins Jahr 2023 zurückgehende Supportzone warten. Und um die ebenfalls zu unterschreiten, wäre vermutlich mehr nötig als die Erwartung noch höherer US-Zinsrenditen. Nicht zuletzt, weil die auch und gerade die Folge einer massiv steigenden Verschuldung der USA sind. Denn das wiederum ist nichts, das für ein nachhaltig steigendes Vertrauen in den US-Dollar als Investmentwährung sprechen würde.

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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 22.09.2026 um 22:13 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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