EUR.USD aktuell Euro/US-Dollar: Der Devisenmarkt glaubt dem Protokoll

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Selbst nach den Aussagen im jüngsten US-Notenbankprotokoll tut man am Aktienmarkt so, als hinge der Himmel voller Geigen. Doch wer sich den Euro/US-Dollar-Kurs ansieht, erkennt: Am Devisenmarkt reagiert man längst. Der Dollar steigt. Und da könnte noch mehr drin sein.

Sicher kann sich niemand sein, wie sich die Inflation in einem Jahr darstellt. Aber das Risiko, dass die Beteuerungen der US-Notenbank, die Inflation werde sich von alleine reduzieren, nicht zutreffend sind, ist da. Denn auch bei der „Fed“ kann niemand sicher wissen, wie sich Unternehmen und Verbraucher in einem Jahr verhalten, wo die Rohstoffpreise stehen oder ob das Wachstum so stark bleibt, dass weiterhin markante Preiserhöhungen durchsetzbar sind.

Wäre es so, würde die „Fed“ mit ihrem gebetsmühlenartigen Beschönigen der Teuerung falsch liegen, wäre das Einstampfen der Käufe am US-Anleihemarkt bei Weitem nicht genug. Dann müsste man an die Leitzinsen ran und die womöglich sogar schnell und weit anheben, wie das z.B. auch Ende der Siebzigerjahre nötig wurde, als man die Zügel zu lange hatte schleifen lassen aus Sorge, das Wachstum abzuwürgen. Daher ist es nicht überraschend, dass sich mehr und mehr Mitglieder des FOMC, des Entscheidungsgremiums der „Fed“, Gedanken darüber machen, ob man nicht zügig erste Zeichen setzen sollte. Aber es kann gut sein, dass das nicht reicht, dass, wie auch FOMC-Mitglied Bullard am Mittwochabend sagte, sprunghafte Steigerungen der Leitzinsen nötig werden, wenn man zu spät und zu zögerlich reagiert.

Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars EUR.USD und historische Wechselkurse finden Sie hier.

Expertenmeinung: Wenn das passieren sollte, würde der US-Dollar nicht nur weiter zulegen, dann könnte ein immenser, neuer Aufwärtstrend entstehen bzw. die Euro/US-Dollar-Relation zügig und weit fallen. Denn da die EZB im Gegenzug ein nennenswertes Straffen der Zügel aufgrund des in der Eurozone viel schwächeren Wachstums nicht riskieren kann, würde die Zinsschere zwischen dem US-Dollar- und dem Euro-Raum noch weiter auseinander gehen, der US-Dollar-Raum für Investoren noch lukrativer werden und dies die Nachfrage nach dem US-Dollar befeuern.

Während man am Aktienmarkt am Donnerstag nicht zuletzt wegen der heute dort anstehenden Abrechnung an der Terminbörse beflissen versuchte, die „Scharte“ auszuwetzen, die der Hinweis auf ein eventuell bald beginnendes Reduzieren der US-Anleihekäufe (Tapering) hinterlassen hatte, war die Reaktion am Devisenmarkt nicht zu übersehen. Dort geht man schon seit Wochen davon aus, dass die „Fed“ nicht umhin kommen wird, die Zügel zu straffen. Hier reagiert man in der Regel deutlich früher und konsequenter auf sich verändernde Rahmenbedingungen als am Aktienmarkt. Und so verlängerte die Reaktion auf das US-Notenbankprotokoll nur einen schon Anfang Juni etablierten Abwärtstrend des Euro, d.h. der US-Dollar gewinnt zum Euro an Wert, man zahlt weniger US-Dollar, um einen Euro zu kaufen.

Allerdings hatte diese „Verlängerung“ durchaus charttechnische Relevanz. Denn dadurch rutschte Euro/US-Dollar unter die Supportlinie bei 1,1705 US-Dollar und markierte den tiefsten Stand seit November 2020. Damit ist jetzt aus charttechnischer Sicht der Weg bis zur nächsten Unterstützung in Form des Zwischentiefs vom September und November 2020 bei 1,1603/1,1612 US-Dollar frei. Gut möglich, dass dieser Support relativ zügig angegangen wird. Und sollte der fallen, wäre eine breit angelegte Toppbildung vollendet, was allemal zur Geburtsstunde einer neuen Euro-Baisse bzw. US-Dollar-Hausse werden könnte.

Euro/US-Dollar: Chart vom 19.08.2021, Kurs 1,1676 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen von EUR.USD

Jetzt entscheidet sich, ob der Abstieg des Euro zum US-Dollar in die nächste Runde geht. Der Kurs hat unterhalb markanter Hürden abgedreht und testet die mittelfristige Aufwärtstrendlinie. Bricht sie, könnte der Euro in die Region 1,14/1,15 US-Dollar laufen. Oder sogar noch tiefer?

Am Devisenmarkt hatte man die Botschaft der US-Notenbank verstanden, die man am Aktienmarkt überhören wollte: Natürlich wird die „Fed“ aktiv werden, wenn die Inflation Ende des Jahres wirklich ihre eigene Projektion von 3,4 Prozent erreicht. Zumindest das „Tapering“ würde beginnen, das Reduzieren der Ankäufe am Anleihe- und Hypothekenmarkt. Das macht ohnehin schon genug Probleme, weil den Banken die Anleihen weggekauft werden, bei diesem Aufkaufvolumen der Notenbank von 120 Milliarden pro Monat inkl. Hypothekenmarkt. Das „Tapering“ würde wohl schon im Herbst starten, wenn die Teuerung hoch bleiben sollte.

Außerdem hätte man ja so seine Probleme, das Verweigern der Verschärfung der ultra-lockeren Geldpolitik mit zu geringem Wachstum zu begründen, nachdem man die 2021er-Wachstumsprognose bei der „Fed“ gerade erst auf unglaubliche 7,0 Prozent angehoben hatte. Dass man auch dort fürchtet, dass selbst kleine Maßnahmen dieses Kartenhaus zu Fall bringen könnten, weil das Wachstum eben ausschließlich auf billigstem Geld und extrem niedrigen kurzfristigen Zinsen aufbaut, kann man offiziell ja nicht zugeben. Also setzen die Devisentrader darauf, dass der US-Dollar ob des höheren Wachstums und mittelfristig höherer Zinsen international stärker nachgefragt sein wird als der Euro. Sollte das so bleiben, könnte der Euro noch einiges an Boden preisgeben. Aber … bleibt das so?

Expertenmeinung: Tendenziell ist die Chance dafür in der Tat gut. Dass der Euro am Dienstag und Mittwoch wieder an Boden verlor und damit eine kurze Gegenreaktion nach oben abgebrochen wurde, basiert zwar eigentlich auf einer Täuschung. Denn der Auslöser, die von 2,5 auf 2,3 Prozent zurückgekommene Inflation in Deutschland, ist nicht „echt“. Denn dieser Rückgang basiert nur auf einem statistischen Basiseffekt, der allein für den Juni gilt. Für Juli werden die zum Vorjahresmonat berechneten Inflationsdaten für Deutschland ebenso wie für die Eurozone wieder anziehen. Aber wer für den Euro bärisch sein will, sieht nicht so genau hin … und dieser erneute Abwärtsruck des Währungspaares macht deutlich, dass die Euro-Bären derzeit zahlreich sind.

Und was die Charttechnik angeht, die auf kurzfristiger Ebene meist schwerer wiegt als die fundamentalen Daten, hätten sie jetzt die Chance, den Abstieg des Euro auf die nächste, mittelfristige Ebene zu tragen.

Sie sehen, dass Euro/US-Dollar unmittelbar unter dem Kreuzwiderstand aus dem Hoch vom Herbst 2020, der 20-Tage- und der 200-Tage-Linie nach unten abgedreht hat. Das deutet an, dass die Euro-Bären imstande und willens sind, markante Charthürden aktiv zu verteidigen. Dadurch ist der Kurs jetzt an die im Frühjahr 2020 etablierte, mittelfristige Aufwärtstrendlinie gerutscht, die im Juni noch verteidigt wurde. Sollte sie diesmal fallen und das Juni-Tief bei 1,1847 US-Dollar, das bereits erreicht ist, signifikant unterboten werden, wäre das nächste, kurzfristige Kursziel das Ende des ersten Quartals bei 1,1704 US-Dollar ausgebildete Zwischentief.

Darunter wäre dann ein Doppeltopp vollendet und der Weg bis 1,1603 und darunter dann in die Zone 1,14/1,15 US-Dollar frei. Ein solcher Abstieg wäre in jedem Fall denkbar. Aber alles, was darüber hinaus ginge, dürfte voraussetzen, dass die „Fed“ wirklich im Herbst aktiv wird und der Inflation entgegenwirkt, während die EZB die Inflation in Europa laufen ließe. Und von einem solchen Szenario kann man, zumindest im Moment, noch nicht ausgehen.

EUR / US-Dollar: Chart vom 30.06.2021, Kurs 1,1853 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Dass die Investoren die US-Notenbankentscheidung kaum zur Kenntnis genommen hätten, wurde in vielen Medien mit Blick auf DAX und Dow Jones behauptet. Man hätte nicht bis Freitag auf den Beleg warten müssen, dass es nicht so war: Euro/US-Dollar ist der Beweis.

Kaum hatte die US-Notenbank am Mittwoch ihr Statement vorgelegt, sackte die Euro/US-Dollar-Relation deutlich durch. Was übersetzt heißt: Der US-Dollar wurde stärker. Was dann eine normale Reaktion ist, wenn sich die Vorteile in Sachen Wachstum und/oder Zinsen in Richtung USA verschieben, so dass die Forex-Trader unterstellen, dass bei internationalen Investoren und Unternehmen eine höhere Nachfrage in US-Dollars entstehen wird, der man dann eben vorgreift. Dieser anziehende US-Dollar machte klar:

Selbstverständlich reagierte man auf die US-Notenbankentscheidung. Dass es gelang, den Aktienmarkt vorerst zu stabilisieren, basierte vor allem auf der Hoffnung, man würde die Indizes dadurch heil über die Terminbörsen-Abrechnung am Freitag bekommen … und in der Woche darauf hätten viele Akteure das Thema Notenbank schon wieder abgehakt. Was indes knifflig ist, wenn der Devisenmarkt deutlich zeigt, dass es da durchaus etwas gab, worauf man reagieren konnte bzw. musste. Denn die „Fed“ tat keineswegs nichts. Dieses „Nichts“ galt nur für den Moment, nicht aber für die Zukunft.

Denn zum einen hatte die US-Notenbank ihre Inflationsprojektion für Ende 2021 auf 3,4 Prozent angehoben und zum anderen betont, dass man handeln werde, wenn die Inflation eine Zeitlang moderat über zwei Prozent verbleibt. Auch, wenn man sich bewusst bedeckt hält, indem man nicht bereit ist zu definieren, was konkret „moderat über zwei Prozent“ und eine „Zeitlang“ heißen mag, ist doch klar: 3,4 Prozent wären definitiv über dieser Eingreifschwelle. Und bis zum Jahresende ist es ganz sich länger als „eine Zeitlang“, denn die Inflation liegt ja bereits seit März deutlich über zwei Prozent.

Also wird die „Fed“ handeln, es ist nur noch offen, wann das passiert. Zu erwarten wäre, dass sie zunächst das „Tapering“ vornimmt, d.h. die Reduzierung des Volumens der Käufe am Anleihemarkt und das wiederum vorher ankündigt, was hieße: In drei Monaten könnten die ersten Maßnahmen beginnen. Aber warum zog der US-Dollar dann bereits jetzt und so deutlich an? Es kann dahinterstecken, dass man sich, meiner Ansicht nach zu Recht, sagt:

Wenn die Notenbank erst in drei Monaten beginnt, vorsichtig an den Anleihekäufen herumzuschnipseln, wird die Inflation schneller sein als sie. Man wird ins Hintertreffen geraten und dann genötigt sein, die Leitzinsen früher als vermutet und vor allem schneller und weiter anzuheben, als dies die von Überschuldung geprägte US-Wirtschaft aushalten könnte. Kurz: Es kann gut sein, dass die Forex-Trader auf früher als gedacht steigende Zinsen wetten und damit eine echte Trendwende bei Euro/US-Dollar eingeläutet werden könnte.

Wir sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Euro seit Mittwoch deutlich an Boden verloren, der US-Dollar also zugelegt hat. Dabei hat das Währungspaar zwar bereits die im Tageschart dick schwarz hervorgehobene 200-Tage-Linie durchbrochen, das alleine ist aber hier noch nicht entscheidend.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 18.06.2021, Kurs 1,1872 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Wir sehen eine breite Supportzone zwischen 1,1425 und 1,1705 US-Dollar, die auch im langfristigen Kontext relevant ist. Der Chart auf Monatsbasis zeigt:

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 18.06.2021, Kurs 1,1872 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Würde Euro/US-Dollar diesen Bereich unterschreiten, wäre die langfristige Abwärtstrendlinie wieder unterboten und eine breit angelegte Toppbildung signifikant vollendet. Solange die Euro/US-Dollar-Relation oberhalb 1,1425 US-Dollar verbleibt, ist sie zwar kurzfristig bärisch. Die große Wende, die auch für mittel- und langfristige Positionen einen Switch auf Euro-Short nach sich ziehen würde, wäre aber erst unter 1,1425 US-Dollar gegeben. Aber so, wie der Euro derzeit an Boden verliert, ließe sich immerhin konstatieren: Man ist auf dem Weg!

Der Donnerstag hatte es in sich: Eine EZB, deren Untätigkeit langsam nervös machen dürfte und US-Inflationszahlen zum Fürchten. Das hätte für immense Bewegung in der Euro/US-Dollar-Relation sorgen müssen. Aber es passierte nichts – wo bleibt der „big move“?

Man hätte sich wohl nicht gewundert, wenn es gestern bei Euro/US-Dollar zu kräftigen Schwankungen gekommen wäre. Denn jetzt sind die Tage entscheidender Konjunkturdaten und Notenbanksitzungen angebrochen: Gestern entschied die EZB. Kommenden Mittwoch zieht die US-Notenbank nach. Gestern kamen die US-Verbraucherpreise für Mai auf den Tisch, kommenden Dienstag stehen die US-Erzeugerpreise an. Die Marktteilnehmer am Forex-Markt sind gemeinhin Fachleute in Sachen Geldpolitik und dementsprechend gespannt, was jetzt passieren wird. So gesehen wäre es eher normal gewesen, wenn Euro/US-Dollar gestern nervös auf und ab gesprungen wäre. Nichts dergleichen passierte. Was ist da los?

Das ist die Ruhe vor dem Sturm. So interessant die gestrige EZB-Sitzung dahingehend war, dass man dort erneut jedwedes Risiko durch Inflation kleinredete, so ernüchternd die US-Verbraucherpreise mit ihren 5,0 Prozent Anstieg zum Vorjahresmonat waren: Das Bild ist unvollständig.

Expertenmeinung: Noch ist offen, ob auch die US-Erzeugerpreise vergleichbar stark gestiegen sind und damit eine „Bugwelle“ erhalten bleibt, indem zu erwarten ist, dass die US-Unternehmen ihre gestiegenen Kosten auch in den kommenden Monaten an die Verbraucher weitergeben werden. Und erst recht ist offen, was die US-Notenbank tun wird. Auf sie kommt es an. Wird sie weiter behaupten, die Inflation würde von alleine verschwinden? Oder wird sie doch aktiv, indem sie wenigstens das Volumen der Käufe am US-Anleihemarkt schrittweise zurückfährt? Erst, wenn das klar wird, wird die Mehrheit der Trader eine Entscheidung fällen. Und dann kann es in der Tat zu einem „big move“ kommen. Die Ausgangslage:

Angenommen, die US-Notenbank würde weiterhin nichts gegen den Anstieg der Inflation unternehmen, wäre das grundsätzlich ein Signal für einen schwachen US-Dollar, denn die kurzfristigen Zinsen würden niedrig bleiben, das Wachstum könnte aufgrund eines ungehinderten Stroms billigen Geldes weiter stark bleiben. Zwar zum Preis einer markanten Teuerung, die bereits jetzt einen Level erreicht hat, den wir in den letzten 20 Jahren nur einmal und das nur kurz, nämlich im Sommer 2008, gesehen haben. Aber das dürfte den Trader zunächst mal egal sein. Würde die „Fed“ aber handeln, könnte das einen starken Aufwärtsimpuls des US-Dollars auslösen, d.h. die hier im Chart abgebildete Relation Euro/US-Dollar käme unter Druck. Aber Vorsicht:

Diese sich in dem seit Frühjahr 2020 laufenden Euro-Aufwärtstrend manifestierende Dollar-Schwäche preist die Passivität der US-Notenbank ja bereits ein. Es ist nur die Frage, ob das bereits vollumfänglich der Fall ist. Wenn es so wäre, das Gros der Forex-Trader also mit einer erneut nicht agierenden „Fed“ gerechnet hat, kann es gut sein, dass der Euro nur geringfügig zulegt. Euro/US-Dollar müsste schon über das bisherige Jahreshoch bei 1,2350 US-Dollar hinauslaufen und sich ein, zwei Handelstage darüber halten, um erwarten zu lassen, dass das mittelfristige Kursziel bei 1,2555 US-Dollar wirklich angesteuert wird.

Dass die „Fed“ wirklich handelt, dürfte angesichts des seit April anziehenden Euros hingegen weniger erwartet werden. Da könnte es dann wirklich zu einem „big move“ kommen, sollten sich zu viele Trader auf dem falschen Fuß wiederfinden. Ein Test der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie bei aktuell 1,1910 US-Dollar wäre da nicht überraschend … und im Fall einer auf einmal glaubwürdig entschlossen wirkenden „Fed“ wäre sogar deren Bruch nicht auszuschließen.

Euro/US-Dollar:Chart vom 10.06.2021, Kurs 1,2174 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Im ersten Quartal 2021 kam der Euro/US-Dollar-Kurs zur Erleichterung der Eurozone-Exporteure wieder zurück, aber kaum begann das zweite Quartal, waren die Bullen wieder da. Stehen neue Jahreshochs an? Das Chartbild würde es ermöglichen.

Eigentlich müsste es ja anders herum laufen und der US-Dollar zum Euro stark sein statt umgekehrt, würde es allein auf die Fundamentaldaten ankommen. Denn in den USA liegen die Anleiherenditen höher, der US-Dollar müsste also seitens der internationalen Bond-Investoren gesuchter sein. Das Wachstum ist deutlich höher als in der Eurozone, was ebenso wie die in den USA deutlich stärker angezogene Inflation darauf hindeutet, dass wenn, dann die US-Notenbank als erste die geldpolitischen Zügel anzieht, was ebenfalls für einen starken US-Dollar sprechen würde. Aber es ist der Euro und nicht der Greenback, der aktuell gesucht ist. Wieso?

Expertenmeinung: Zum einen kann man vermuten, dass viele Trader daraufsetzen, dass die US-Notenbank zwar grundsätzlich in Bezug auf die Inflation besonders alarmiert sein müsste, trotzdem aber nichts unternehmen wird. Denn man würde riskieren, das Wachstum abzuwürgen, das durch die als Reaktion auf die Corona-Problematik generierte Geldflut entstanden ist. Dass die Mitglieder der US-Notenbank permanent betonen, dass die Inflation keine Gefahr darstelle, bestärkt die Trader darin, hier mutig auf dauerhaft niedrige, womöglich sogar weiter fallende Zinsen zu wetten.

Zum anderen haben Währungsrelationen auch immer eine politische Komponente. Denn wer die schwächere Währung hat, hat Exportvorteile. Und diese Butter wollen sich die USA, ob Regierung oder Notenbank, nicht vom Brot nehmen lassen. Solange die Forex-Trader davon ausgehen, dass man imstande ist, das nötigenfalls auch hinter dem Vorhang aktiv durchzusetzen, dürfte der grundsätzliche Trend US-Dollar Short bleiben.

Und zuletzt ist es gerade diese in den USA besonders hohe Flut an aus dem Hut gezaubertem Geld, die den Greenback drückt. Der Geldbedarf ist extrem, ob es nun um Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen geht, daher sieht man hier ein so großes Angebot für internationale Investoren, dass dies nicht nur die Kurse der US-Anleihen, sondern auch die Währung drückt. Aber welches dieser Argumente aktuell greift, ist zweitrangig, solange der Trend aufwärts weist, passen für die Trader letztlich alle.

Chart vom 26.05.2021, Kurs 1,2201 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Und bezogen auf die Charttechnik sehen wir, dass der Euro zum US-Dollar nach der abrupten Aufwärtswende im April mittlerweile die zu Jahresbeginn etablierte Abwärtstrendlinie überboten hat und auf das bisherige Jahreshoch von 1,2350 US-Dollar zusteuert. Dieses Hoch würde umgehend zum Kursziel, sobald es gelingt, den aktuell umkämpften Widerstand in Form des Februar-Hochs bei 1,2243 US-Dollar zu bezwingen. Derzeit hätten die Bullen da durchaus gute Karten. Und sollte auch dieses Jahreshoch bei 1,2350 US-Dollar fallen, wäre es keine Überraschung, wenn es gelänge, diese Rallye bis an das nächste, markante Kursziel, das Jahreshoch 2018 bei 1,2555 US-Dollar, weiter zu treiben.

Das erste Quartal brachte einen stetig zum US-Dollar nachgebenden Euro. Und das ließ sich auf fundamentaler Ebene auch begründen. Umso mehr reiben sich viele Akteure die Augen, denn auf einmal zieht die Euro/US-Dollar-Relation kräftig an. Was passiert da?

Wenn man sich im Bereich der Rahmenbedingungen umschaut, hat sich seit der abrupten Aufwärtswende des Euro gar nichts verändert. Die beiden entscheidenden Notenbanken, die US-Notenbank ebenso wie die EZB, verlegten sich bei ihren letzten Sitzungen auf ein „weiter so“. Und dass sich die USA deutlich bessere Voraussetzungen für ein Durchstarten der Wirtschaft geschaffen haben, das Inflationsrisiko aber trotzdem beide Wirtschaftsräume betrifft, das ist heute nicht anders als vor einem Monat, als der Euro noch auf dem Weg nach unten war.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 26.04.2021, Kurs 1,2082 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Und in der Tat wäre ein schwächerer Euro in diesem Umfeld logisch. Internationales Kapital neigt dazu, eher dorthin zu fließen, wo das Wachstum stärker ist, ob es da um Investitionen von Unternehmen oder um Kapitalmarkt-Investments geht, ist einerlei. Darüber hinaus liegt das Renditeniveau der Anleihen in den USA höher, auch das macht den Dollar-Raum attraktiver und lässt eine höhere US-Dollar-Nachfrage vermuten, die den Kurs ziehen sollte. Was aber eben pünktlich mit der Quartalswende anders wurde.

Wenn die Fundamentals keine tauglichen Argumente hergeben, blieben noch zwei Bereiche, die es abzuklopfen gälte: Die Charttechnik und damit das Element der Spekulation … und die Politik. Was ist mit Letzterer? Klar ist, dass die USA keinen starken US-Dollar gebrauchen können, denn je „teurer“ der Greenback zu anderen Währungen ist, desto schwieriger gestaltet sich der Export, weil andere Produkte dadurch dort relativ gesehen billiger werden und/oder die Gewinnspannen der US-Exporteure schrumpfen. Aber normalerweise spielt sich das Bestreben, die eigene Währung zu schwächen, nicht auf einer offiziellen politischen Ebene ab. Es ist denkbar, dass man versucht, den US-Dollar hinter den Kulissen verbal ein wenig zu schwächen, aber wahrscheinlicher ist derzeit das zweite Element: die Spekulation.

Was keineswegs überraschen würde, immerhin liegt der Anteil rein spekulativen, kurzfristigen Tradings bei den Umsätzen am Devisenmarkt deutlich über 90 Prozent. Gerade dass der Euro pünktlich zu Beginn des neuen Quartals auf dem Absatz kehrt machte, obgleich es zu diesem Zeitpunkt keine Nachrichten gab, die eine solche Wende zwingend gemacht hätten, deutet an, dass es sich hier eher um eine charttechnisch basierte, spekulative Wende handelt, die dementsprechend auch keine mittelfristige Reichweite erlangen muss.

Gut denkbar ist, dass der Bruch der 200-Tage-Linie nach unten und die darauffolgenden Anschlussverkäufe im Euro Eindeckungen der Euro-Bären auslösten, die zunächst an die 200-Tage-Linie führten, dort aber erste Trader die Fronten wechselten und mit der Rückeroberung dieser im Chart auf Tagesbasis dick schwarz markierten Linie eine rein technisch basierte Kaufwelle entstand. Spannend wird es da genau jetzt, denn:

Jetzt hat der Kurs die Januar-Abwärtstrendlinie erreicht. Bliebe es bei einer spekulativen Bewegung, könnte versucht werden, diese nach oben zu durchbrechen, um noch einmal einen weiteren Aufwärtsschub im Euro zu provozieren, dann aber wohl in diese Käufe hinein Gewinne mitzunehmen. Der Euro/US-Dollar-Kurs müsste mindestens das Februar-Hoch mit Closings über 1,2250 US-Dollar überbieten, um den Anstieg auf eine mittelfristig relevante Ebene zu heben. Dann wäre es sogar möglich, dass die Trader den Kurs bis an das mittelfristige Ziel bei 1,2255 US-Dollar tragen (siehe der langfristige Chart auf Monatsbasis).

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 26.04.2021, Kurs 1,2082 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Aber solange die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen eher für den US-Dollar sprechen, wäre es überraschend, wenn der Kurs auch noch diese wichtige Hürde bei 1,2555 US-Dollar überbieten würde. Wahrscheinlicher wäre momentan, dass diese eher spekulative Bewegung sich relativ bald erschöpft. Aber Vorsicht ist da immer geboten. Erst, wenn der Euro/US-Dollar-Kurs unter 1,1875 US-Dollar schließen würde, wäre das Währungspaar aus charttechnischer Sicht tatsächlich wieder bärisch.