EUR.USD aktuell Euro/US-Dollar: Kursziel erreicht … aber es könnte weitergehen

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EUR.USD
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Unser ganz langfristiger Chart der Euro/US-Dollar-Relation auf Monatsbasis zeigt zwei wichtige Aspekte. Zum einen, dass der Juli der stärkste Monat für den Euro seit Jahren war. Zum anderen, dass der Euro zum US-Dollar dadurch an eine äußerst massive, langfristige Widerstandszone herangelaufen ist. Wobei Widerstände zu Wendemarken werden können, aber nie müssen. Was wäre nötig, damit der Euro weiter aufwertet und dadurch diese durch den übergeordneten, 2008 etablierten Abwärtstrend verstärkte Widerstandszone 1,1876/1,2042 US-Dollar, die sich aus den Jahrestiefs 2010 und 2012 zusammensetzt, bezwingt?

International agierende, große Investoren müssten in dem, was sie in den letzten Wochen zum Ausstieg aus dem Greenback und zum Kauf von Euros bewog, bestärkt werden. Nämlich im Eindruck, dass es Europa sein wird, das schneller und nachhaltiger aus der Rezession herauskommen wird. Weil man in Europa nicht nur die Pandemie besser im Griff hat als die USA, sondern auch die besonneneren Entscheidungen trifft, um die Wirtschaft zu stabilisieren.

Expertenmeinung: Und bislang spricht einiges dafür, dass sich eben dieser Eindruck verstetigt. Denn in den USA spielt der Wahlkampf massiv in die Bemühungen hinein, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Dass es am Freitag bis Redaktionsschluss (US-Handelsende) nicht gelang, das seit Wochen verbissen hin und her geschobene, neue Hilfspaket zu verabschieden, ist nur eines von vielen Beispiel dafür, dass die Versuche, die Rezession in den USA zu besiegen, im Wahlkampfgetümmel unterzugehen drohen. Diese Billion US-Dollar, die das Paket umfassen soll, würden sicherstellen, dass die derzeit ca. 17 Millionen arbeitslosen US-Bürger auch ab dem 1. August eine zusätzliche Stütze zur normalen Arbeitslosenhilfe erhalten. Dass man sich selbst bei einer derart essentiellen Maßnahme nicht einig wird, ist bezeichnend. Warum also sollten große internationale Adressen ausgerechnet jetzt dem US-Dollar-Raum als Anlageziel und damit dem US-Dollar als Währung den Vorzug geben?

Denkbar ist natürlich, dass es jetzt, nachdem diese wichtige langfristige Widerstandszone und damit ein übergeordnetes charttechnisches Kursziel erreicht sind, zu Gewinnmitnahmen im Euro kommt und Euro/US-Dollar damit etwas zurücksetzt. Aber ob der Kurs im Vorfeld noch einmal kräftig „durchatmet“ oder den Ausbruch über den Bereich 1,1876/1,2042 US-Dollar direkt angeht: Die Chance, dass der Euro weiter aufwertet, ist derzeit gut. Nächstes charttechnisches Kursziel über diesem Widerstandsbereich wäre dann das 2018er-Hoch bei 1,2556 US-Dollar.

EUR/US-Dollar Chart vom 31.07.2020, Kurs 1,1775 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

 

 

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Vorherige Analysen von EUR.USD

Zwölf Jahre währt er bereits, der übergeordnete Abwärtstrend des Euro zum US-Dollar. Doch seit Mai läuft wieder ein Anlauf, diesem langfristigen Siechtum des Euro gegenüber dem Greenback ein Ende zu machen. Und dieser Versuch hätte durchaus Chancen zu gelingen, denn derzeit spricht immer weniger dafür, den US-Dollar als „Fluchtwährung“ im Krisenfall zu wählen. Denn die Krise tobt vor allem dort, in den USA.

Während sich am Aktienmarkt vor allem durch die Hausse der letzten Monate vermehrt unerfahrene Anleger tummeln, sind der Anleihemarkt ebenso wie der Devisenmarkt eine Domäne meist sehr erfahrener Trader, die genauer hinsehen. Und sie erkennen sehr wohl, dass die US-Regierung außerstande ist, die Pandemie einzudämmen. Hinzu kommt, dass die bisherigen Bemühungen, das Wachstum im Eilzugtempo wiederzubeleben, nicht allzu überzeugend wirken. Und sogar „Main Street“, die Menschen auf der Straße, werden langsam unruhig, wie die klar unter Vormonat und den Prognosen ausgefallenen Ergebnisse zum Verbrauchervertrauen, ermittelt von der Universität Michigan, andeuten, die am Freitag veröffentlicht wurden.

Warum also sollten große ausländische Investoren ausgerechnet jetzt im US-Dollar-Raum investieren, fragt man sich. Zu Recht. Der Anleihemarkt hat Rekordkurse erreicht, der Aktienmarkt hat eine Erholung längst in einer Dimension eingepreist, die die Realität voraussichtlich nicht wird bestätigen können. Die politische Führung wirkt planlos, scheint derzeit eher als Bremsklotz denn als Zugpferd zu agieren. Was auch vermuten lässt, dass die Leitzinsen womöglich aus reiner Not heraus weiter gesenkt und damit negativ werden könnten.

Im Gegenzug wirkt Europa geordnet, die EZB behielt am Donnerstag ihren Kurs bei. Die Pandemie ist in weiten Teilen der EU zumindest momentan relativ gut unter Kontrolle. Und auch, wenn man sich unter den Devisen-Tradern darüber im Klaren sein dürfte, dass das Wachstum auch in Europa nicht schnell zurückkehren kann, sieht man doch klare Vorteile für Europa und damit auch für den Euro.

EUR / US-Dollar Chart auf Monatsbasis vom 17.07.2020, Kurs 1,1436 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Die Konsequenz ist ein anziehender Euro zum US-Dollar. Die Aufwärtsbewegung läuft seit Mitte Mai und hat sich jetzt dem bisherigen Jahres-Verlaufshoch angenähert, das in der chaotischen, ersten Pandemie- und Lockdown-Phase im März bei 1,1496 US-Dollar pro Euro ausgebildet wurde. Solange sich nicht kurzfristig Argumente für den US-Dollar-Raum ergeben würden, ist die Chance hoch, dass diese Hürde genommen wird. Und dann ginge es, womöglich sogar recht zügig, um die mittel- und langfristige Widerstandszone in Form der Jahrestiefs 2010 und 2012 bei 1,1876/1,2042 US-Dollar, wo derzeit auch die übergeordnete, seit 2008 geltende Abwärtstrendlinie verläuft.

Ob der Euro sogar über diese Widerstände hinausgeht, ist derzeit völlig offen. Das wird davon abhängen, ob die Tendenzen vor der US-Wahl im November andeuten, dass die Wahrscheinlichkeit eines neuen Präsidenten im Weißen Haus weiter gestiegen ist. Wäre das so, könnte der Greenback wieder an Stärke gewinnen. Sollte indes das Chos in den USA noch zunehmen, wäre in der Tat ein Anlauf, im Extremfall sogar ein Ausbruch über diese Zone 1,1876/1,2042 US-Dollar denkbar.

EUR / US-Dollar Chart auf Tagesbasis vom 17.07.2020, Kurs 1,1436 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Vor fünf Handelstagen brach der Euro zum US-Dollar aus seinem fast zwei Jahre alten Abwärtstrendkanal nach oben aus und überwand dabei zugleich die 200-Tage-Linie. Damit wäre der Weg, wie unser Chart auf Wochenbasis zeigt, grundsätzlich bis an das bisherige, in den Wirren des März erreichte Jahres-Verlaufshoch von 1,1495 US-Dollar pro Euro frei. Und das wäre für die Perspektive der Eurozone-Wirtschaft ganz und gar nicht gut. Vor allem, wenn auch diese 1,1495 US-Dollar überboten würden.

Denn damit wird der Euro zum US-Dollar teurer. Das heißt: Die Euro-Exporteure haben bei Verkäufen in den USA weniger Rendite, die Exporte von US-Firmen nach Europa bringen im Gegenzug mehr ein. Natürlich ist die Binnenwirtschaft der Eurozone für die großen Euro-Firmen der wichtigste Markt. Aber eine US-Konkurrenz, die ob des billigeren US-Dollars ggf. billiger anbieten kann und schwächere Renditen beim Export in die USA können schon wehtun. Und sollte die EZB heute nicht mit neuen, überzeugenden Maßnahmen überraschen, kann der Anstieg des Euro weitergehen. Denn diese Euro-Stärke rührt auch daher, dass man derzeit den USA mehr Hemmungslosigkeit beim Gelddrucken und auf dem Weg zu Negativzinsen zutraut als der EU.

Expertenmeinung: Bislang hat die für die Eurozone ungünstige Rallye des Euro DAX & Co. nicht gebremst. Was sich indes ändern kann, wenn sich dieser Anstieg verstetigt, womöglich über das bisherige Jahreshoch führt. Zwar wurde auch der kurzzeitige, aber rasante Ausflug des Euro im März wieder abgefangen. Aber nachdem das Währungspaar danach an der unteren Begrenzung des Abwärtstrendkanals wieder nach oben gedreht hat, dürften die am Devisenmarkt das Geschehen dominierenden kurzfristigen Trader die Long-Seite konsequent verfolgen.

Solange Euro/US-Dollar nicht wieder mit Schlusskursen unter 1,10 US-Dollar in den Abwärtstrendkanal zurückfällt und dadurch zugleich unter die diesen Kanal auf der Oberseite verstärkende 200-Tage-Linie rutscht, ist die Euro Long-Seite die vielversprechendere Option. Zumal die USA den bullischen Akteuren derzeit keinen Anlass geben dürften, diese Ausrichtung zu ändern, denn dort nimmt man diese US-Dollar-Schwäche zum wirtschaftlichen Konkurrenten Eurozone als wichtige Stütze wahr. Man darf gespannt sein, ob und wann man am hiesigen Aktienmarkt umsetzt, dass der Vorteil der US-Unternehmen der Nachteil derer in der Eurozone ist.

EUR/USD Chart vom 03.06.2020, Kurs 1,1236 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Seit vielen Jahren befindet sich der Euro in seiner Relation zum US-Dollar im Abwärtstrend. In den Jahren 2010 bis 2014 waren die Tiefs durch mehrere untere Wendemarken definiert und es wirkte, als wäre damit das untere Ende der Handelsspanne zementiert. Anfang 2015 jedoch brach dieser Boden, in recht kurzer Zeit wurden deutlich tiefere liegende Levels erreicht. Seither bilden die zwischen 2015 und 2017 im Bereich 1,0340/1,0520 ausgebildeten Tiefs das untere Ende der Handelsspanne. Aber aktuell werden diese Unterstützungen angegangen, das Szenario erinnert an die Phase Ende 2014/Anfang 2015. Bricht der Boden erneut, geht es an, vielleicht sogar unter die Parität 1,00 Euro/US-Dollar?

Das wäre zwar möglich, aber nur, wenn sich auch eine ähnliche Gemengelage wie damals einstellen würde. Basis des Bruchs der vorherigen Handelsspanne zur Jahreswende 2014/2015 war, dass die EZB angekündigt hatte, ihre Anleihekäufe massiv auszuweiten. Die Zinsen in Europa fielen noch tiefer, der Euro wurde noch unattraktiver. Nötig wurde diese EZB-Maßnahme, weil man die Folgen der Eurokrise zu verarbeiten hatte, die USA hingegen nicht. Dort war man im Zinszyklus bereits weiter, man rechnete mit baldigen, ersten Leitzinsanhebungen, was einige Zeit später dann auch Realität wurde. Um einen noch tieferen Euro im Verhältnis zum Greenback zu sehen, müsste ein Szenario entstehen, in welchem die EZB erneut alle Schleusen öffnet, während die USA das nicht tun. Kurz: Die Eurozone müsste die Folgen der Pandemie nicht in den Griff bekommen, die USA aber schon. Ist das realistisch?

EUR / US-Dollar Chart auf Monatsbasis vom 23.04.2020, Kurs 1,0778 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Möglich ist es natürlich, momentan darf man aber zumindest als denkbare Variante vermuten, dass die US-Politik mit der Rücknahme der Eindämmungsmaßnahmen ebenso zu voreilig agiert wie man zuvor zu spät reagiert hatte. Womit der Schwarze Peter tiefer greifender wirtschaftlicher Probleme nach Übersee wandern würde. Wäre es so, dürfte das den Ruf des US-Dollars als „sicherer Hafen“, den man in Krisensituationen als bevorzugte Währung wählt, massiv leiden. Im Extremfall könnte das sogar zu einem solchen Run in die Alternative Euro führen, dass der langfristige, aktuell bei 1,1940 US-Dollar verlaufende Abwärtstrend gesprengt wird. Aber ob sich die USA verhoben haben, würde frühestens in einigen Monaten absehbar, kurzfristig bleibt es bei dem „Reflex“ vieler, im Zweifel lieber im US-Dollar investiert zu sein. Was hieße:

Sollten die Tiefs der letzten Wochen bei 1,0636 US-Dollar fallen, wäre ein Test dieser langfristigen Supportzone 1,0340/1,0520 US-Dollar ein wahrscheinliches Szenario. Aber nur, wenn es tatsächlich dazu käme, dass Europa nicht imstande wäre, die Folgen der Pandemie zu bewältigen und die USA genau dies schaffen, wäre ein Test oder gar ein Unterschreiten der Parität von 1,00 US-Dollar pro Euro ein realistisches Szenario. Und mit Blick auf die US-Daten zur Virus-Pandemie und die dortigen Konjunkturdaten, verbunden damit, dass die US-Wirtschaft die bisherigen Billionen aufsaugt wie ein Schwamm, ist das ein Szenario, auf das man derzeit eher nicht wetten würde.

EUR / US-Dollar Chart auf Wochenbasis vom 23.04.2020, Kurs 1,0778 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Zwei Aspekte stechen besonders ins Auge, wenn man sich den Verlauf der Euro/US-Dollar-Relation auf Wochenbasis ansieht: Zum einen gab es derartige Schwankungen wie derzeit in den letzten Jahren nie. Zum anderen ist dieser „Roller Coaster Ride“, diese Achterbahnfahrt, völlig ziellos, denn es ergeben sich daraus, zumindest bislang, noch keine neuen Trend-Vorgaben. Was steckt dahinter?

In manchen Medien wird stur versucht, die Kursbewegungen mit aktuellen Konjunkturdaten, politischen Statements/Entscheidungen oder der Entwicklung der Virus-Pandemie in Verbindung zu bringen. Was zum Teil auch zutreffen dürfte. Aber daraus entsteht keine solche Achterbahnfahrt, hektisch und doch ohne Ziel.

Es ist sicher korrekt zu unterstellen, dass die starken Abwärts-Schübe bei Euro/US-Dollar, sprich der deutliche Anstieg des US-Dollars im Verhältnis zum Euro, darauf fußen, dass viele US-Investoren und US-Unternehmen im Ausland investiertes Geld „nach Hause holen“, weil sie es dort derzeit sicherer wähnen. Da solche Auslands-Investments dann erst einmal wieder in US-Dollar umgetauscht werden müssen, mag das die Nachfrage kurzzeitig in der Tat deutlich befeuern. Es mag auch sein, dass die von Ängsten und Unsicherheit dominierte Gemengelage bei vielen zu dem in solchen Phasen typischen Reflex führt, in die weltweit vermeintlich sicherste Währung zu investieren. Und das ist traditionell der US-Dollar.

Aber das erklärt nicht, wieso die Reise zwischenzeitig auch immer wieder rasant in die Gegenrichtung geht, es Ende Februar/Anfang März ebenso wie Ende März der Euro war, der kräftig zulegte. Natürlich gäbe es auch da Argumente. So beispielsweise, dass der US-Dollar diesmal eben keine taugliche „Fluchtwährung“ wäre, weil gerade in den USA momentan nicht der Eindruck entsteht, als wären die Verantwortlichen imstande, der Pandemie und ihren Folgen Herr zu werden. Aber es ist absolut nicht logisch, dass ein solcher radikaler Stimmungsumschwung, wie man ihn im Chart klar erkennen kann, permanent, immer wieder erfolgt. Also?

Die wahrscheinlichste Erklärung wäre, dass in Wirklichkeit die ohnehin meist das Geschehen am Devisenmarkt dominierenden, kurzfristigen Trader den Taktstock schwingen. Die „Argument-Anleger“, die aus vorgenannten Gründen entweder der Greenback oder den Euro favorisieren, laufen dann einfach mit und intensivieren die Bewegungen, wenn der Kurs in die aus ihrer Sicht richtige Richtung läuft.

EUR/US-Dollar Chart auf Wochenbasis vom 03.04.2020, Kurs 1,0807 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Die Annahme, dass das technisch orientierte Trading derzeit die eigentliche Basis für dieses Auf und Ab ist, würde durch den Chart auf Wochenbasis unterstützt. Dort sehen wir, dass der Kurs, nachdem der Ausbruch des Euro nach oben Anfang März abrupt abverkauft wurde, verdächtig genau innerhalb des entscheidenden, mittelfristigen Abwärtstrends hin und her läuft. Nachdem der Euro Mitte März wieder in den 2018er-Abwärtstrendkanal zurück gefallen war, drehte er am 20. und 23. März genau an dessen unterer Begrenzung, zog wieder bis zur oberen Begrenzungslinie an und drehte genau dort am 27./30. März wieder nach unten. Dass der Kurs derart engmaschig und genau einem Abwärtstrendkanal folgt, wäre ein gewaltiger Zufall, würde es wirklich vor allem um fundamentale Argumente wie eine auf der Pandemie basierende Nachfrage-Verschiebung und Käufe mit dem Ziel gehen, einen „sicheren Hafen“ anzusteuern. Fazit:

Besser dürfte man hier als Investor fahren, wenn man weniger die Nachrichtenlage und dafür mehr die Charttechnik als Grundlage für Trades heranziehen würde. Was derzeit konkret hieße: Ein erneuter Ausbruch aus dem Abwärtstrendkanal nach oben durch einen Break über die per Freitag bei 1,1120 US-Dollar liegende, obere Begrenzung würde einen erneuten Anlauf an das bisherige Jahres-Verlaufshoch bei 1,1496 US-Dollar wahrscheinlich machen. Sollte Euro/US-Dollar den Trendkanal hingegen mit Schlusskursen unter 1,0635 US-Dollar nach unten verlassen, wäre das alte Tief von Anfang 2017 bei 1,0340 US-Dollar ein realistisches, erstes Kursziel. Die fundamentalen Argumente, da darf man sicher sein, würden dann für beide Ausbruchsrichtungen nachgeliefert, aber den ersten Impuls dürften die Trader setzen.

EUR/US-Dollar Chart auf Tagesbasis vom 03.04.2020, Kurs 1,0807 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

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Ende Februar setzte, ausgehend von einer wichtigen mittel- und langfristigen Unterstützungszone, eine wilde Euro-Rallye ein, die den Kurs zum US-Dollar im D-Zug-Tempo von 1,0775 US-Dollar pro Euro auf im Hoch 1,1495 US-Dollar katapultierte. Das sorgte für den Ausbruch über die 200-Tage-Line und über einen anderthalb Jahre währenden Abwärtstrend. Damit schien die Sache klar zu sein: Der Euro hat die Aufwärtswende vollzogen. Und die Argumente der Euro-Bullen klangen vernünftig:

Die US-Notenbank hat weit mehr „Munition“ zu verschießen als die EZB. Das Zinssenkungspotenzial dort war groß. Die Hemmungen, Geld in die Finanzindustrie zu pumpen, bis man dort zufrieden abwinkt, sind geringer. Und man würde auch seitens der Regierung alles tun, um die US-Wirtschaft zu stützen. Man rechnete mit einer US-Dollar-Flut epischen Ausmaßes und einer massiven Absenkung des Renditevorteils der US-Anleihen. Das würde US-Anleihen weniger attraktiv machen, die Verschuldung der USA noch extremer aufblasen und damit die USA für Investitions- ebenso wie für Anlagekapital weniger attraktiv machen. Was auf die Währung drückt.

Das ist eine mögliche Sichtweise der Dinge. Aber es ist nicht die einzig mögliche. Und das machte sich in den vergangenen Tagen bemerkbar. Am Dienstag vergangener Woche begann auf einmal ein massiver Abstieg des Euro, d.h. der US-Dollar legte wieder an Wert zu. Wieso? Weil die EZB-Sitzung vor der Tür stand? Das hätte man da noch unterstellen können, obgleich man wusste, dass die Waffen der EZB deutlich stumpfer sind als die der US-Notenbank. Aber nachdem die EZB am Donnerstag weitaus weniger weitreichende Maßnahmen vollzog als die US-Notenbank und viele der anderen größeren Notenbanken, hätte der Euro ja wieder anziehen müssen, wäre es allein um die Verschiebung der Rendite-Levels am Anleihemarkt gegangen. Aber das ist eben nicht die einzige Motivation, die die Devisentrader antreibt.

Die radikalen Maßnahmen der USA, die bis einschließlich gestern vorgenommen wurden, um den Schaden der Virus-Pandemie für die US-Wirtschaft zu mildern, führen dazu, dass der US-Dollar wieder als „Fluchtwährung“ gesehen wird. Wenn, dann bekommen das die USA am schnellsten in den Griff, sagen sich viele Devisentrader und Investoren. Also wird unterstellt, dass Kapital wenn, dann eher in den USA investiert wird bzw. in anderen Währungsräumen liegendes Kapital dorthin umgeschichtet wird. Und so machte die ganze Karawane kehrt: Jetzt ist es wieder der US-Dollar, der gesucht wird. Aus charttechnischer Sicht sind die vorgenannten, markanten Kaufsignale dadurch wieder eliminiert worden:

Euro/US-Dollar Chart auf Wochenbasis vom 17.03.2020, Kurs 1,0994 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Der Euro fiel zum US-Dollar wieder in seinen Abwärtstrendkanal zurück und durchschlug am Dienstag die zuvor noch drei Handelstage lang verteidigte Kreuzunterstützung aus 20-Tage- und 200-Tage-Linie. Der Handel ist momentan nicht weniger hektisch als am Aktienmarkt, so dass es keinen Sinn ergäbe zu versuchen, im Chart auf Tagesbasis mit Trendlinien zu arbeiten. Deutlich wird indes im Chart auf Wochenbasis: Sollte Euro/US-Dollar diese Handelswoche unter der 200-Tage-Linie bei aktuell 1,1098 US-Dollar beenden, wäre es sehr gut möglich, dass die im Februar noch verteidigte, langfristige Auffangzone 1,0828/1,0922 US-Dollar angesteuert wird und der Euro ggf. sogar in Richtung der unteren Begrenzung des längerfristigen Abwärtstrendkanals bei aktuell 1,0710 US-Dollar weiter fällt.

Euro/US-Dollar Chart auf Tagesbasis vom 17.03.2020, Kurs 1,0994 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX