Seit Ende Januar hatte der Euro zum US-Dollar an Boden verloren. Doch das änderte sich Ende Juli. Seither hat der Euro mehrere wichtige Charthürden überboten. Was die Devisen-Trader jetzt umtreibt, ist die Frage: Ist da noch mehr drin … womöglich sogar viel mehr?
Die Renditen am US-Anleihemarkt steigen, d. h. die Kurse fallen. Und es ist nichts, das von „Geisterhand“ entsteht, was da vorgeht. Dabei ist es nicht allein die Befürchtung, dass die US-Notenbank trotz der zuletzt schwachen Arbeitsmarktdaten die Leitzinsen anheben könnte, die Druck auf US-Staatsanleihen ausübt. Es ist ein zunehmendes Misstrauen in die Verlässlichkeit des Emittenten dieser Anleihen, sprich der US-Regierung.
Eine aggressive Außen- und Wirtschaftspolitik, die mehr und mehr planlos wirkt, und die Tendenz, die Verschuldung noch zu beschleunigen, was das Angebot an US-Treasury-Bonds noch erhöhen würde, beunruhigen die Adressen, die in großem Umfang solche Bonds halten.
Die US-Notenbank meldete in dieser Woche, dass die Bestände an von ihr für ausländische Regierungen verwahrten US-Staatsanleihen auf den niedrigsten Stand seit 14 Jahren gesunken sind. Das drückt auf die Anleihekurse, treibt die Renditen noch höher und kann, da diejenigen, die diese Bonds halten, dadurch Kursverluste erleiden, diesen Prozess noch verstärken. Und natürlich bedeutet Abgabedruck bei US-Anleihen, dass hier US-Dollar in großem Umfang erlöst werden, die von den Verkäufern in die Heimatwährung zurückgetauscht werden … und somit auch Druck auf den US-Dollar.
Das dürfte ein Faktor sein, der den Euro zum US-Dollar zuletzt nach vorne gebracht hat. Und es ist einer, der diese US-Dollar-Schwäche durchaus noch fortführen und intensivieren könnte. Denn im Moment zeichnet sich nichts ab, was das Vertrauen in die USA als Schuldner oder als „sicherer Hafen“ für Kapital wieder stärken könnte.
Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars EUR.USD und historische Wechselkurse finden Sie hier.

Expertenmeinung: Dabei sollte man nicht erwarten, dass eine Abkehr vom US-Dollar als „sicherer Hafen“ binnen weniger Wochen oder Monate abläuft. Da gilt eher „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Aber mittelfristig spricht eben nicht mehr so viel für den US-Dollar wie in früheren Jahren. Und selbst steigende Leitzinsen müssten das nicht ausgleichen. Denn richtig wäre zwar, dass eine steigende Zinsdifferenz zugunsten des US-Dollar-Raums den Investoren dort mehr Rendite für Anleihe-Investments versprechen könnte. Aber wenn diese Anleihen dafür weniger sicher wirken, wird dieses Argument dann wirklich noch ziehen?
Zumal auch ausländische Investitionen in den USA, die ebenfalls eine höhere Dollar-Nachfrage generieren könnten, in diesem so unsicheren Umfeld vermutlich von vielen eher kritisch gesehen werden. Zumal man jetzt gesehen hat, dass sich das Zoll-Thema für das Weiße Haus als relativ zahnloser Tiger erwiesen hat, sodass viele der Investitionszusagen von Regierungen und Unternehmen im Rest der Welt die verbale Ebene womöglich nicht verlassen werden.
Ob dieser problematische Gesamteindruck für den US-Dollar erhalten bleibt, muss man abwarten. Für den Augenblick stimmt die Tendenz des zunehmenden Misstrauens mit der charttechnischen Entwicklung überein, die uns einen Euro zeigt, der zum US-Dollar auf langfristiger Ebene über der wichtigen Supportzone 1,1214/1,1276 US-Dollar pro Euro nach oben gedreht hat und, wie wir im Chart auf Tagesbasis sehen, bereits die im Januar etablierte Abwärtstrendlinie sowie die 200-Tage-Linie überwunden hat, nachdem es Ende Juli gelungen war, ein kleines Doppeltief zu vollenden.

Aber der weitere Weg nach oben wäre aus charttechnischer Sicht nur noch ein eher überschaubares Stück frei, bevor sich zwischen 1,1789 und 1,1849 US-Dollar Widerstandslinien in Form vieler Zwischenhochs der vergangenen gut zwölf Monate in den Weg stellen.
Um da nach oben hinauszulaufen und den auf kurzfristiger Ebene bullischen Euro auf die mittelfristige Ebene zu tragen, müsste sich der Blick auf die USA als Investment-Ziel womöglich noch weiter eintrüben. Aber die Nachrichtenlage liefert in dieser Hinsicht ja aktuell durchaus diese steten Tropfen, die den Stein höhlen.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 21.08.2026 um 21:46 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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