Euro/US-Dollar: Das ist die letzte Station vor der Abwertungs-Autobahn

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Der Euro wertet ab – und das schnell. Das hat zwar den Vorteil, dass die Eurozone-Exporteure sich gegenüber der US-Konkurrenz besser stellen. Aber der Nachteil der importierten Inflation überwiegt. Und wenn der Euro noch ein wenig nachgibt, kann es richtig übel werden.

Eigentlich gilt ja, dass derjenige Wirtschaftsraum am besten dasteht, der die schwächste Währung hat, weil die Unternehmen ihre Waren dann außerhalb ihres Währungsraums billiger anbieten können oder, wenn sie die Preise in der Fremdwährung konstant halten, eine höhere Rendite erzielen. Zudem hat die aus Sicht der Eurozone ausländische Konkurrenz, vor allem die USA, deren Währung immer teurer wird, im Gegenzug beim Verkauf ihrer Waren in der Eurozone den schwereren Stand.

Aber das gilt nur, wenn es sich um ein Land handelt, dass eher wenig Rohstoffe importieren muss und/oder sich die Rohstoffpreise in relativ ruhigen Bahnen bewegen. Und genau das ist derzeit eben nicht der Fall. Die Eurozone importiert immens viele Rohstoffe. Und deren Preis wird in US-Dollar gerechnet. Fällt der Euro zum US-Dollar wie momentan, werden diese Rohstoffe also immer teurer. Und sollte der Euro zum US-Dollar die jetzt erreichte Unterstützungszone brechen, würde diese „importierte Inflation“ noch mehr Fahrt aufnehmen.

Den aktuellen Kurs und Chart des Währungspaars EUR.USD und historische Wechselkurse finden Sie hier.

Expertenmeinung: Es geht um die Unterstützungszone zwischen 1,1168 und 1,1239 US-Dollar pro Euro, die der Kurs zügig erreicht hat, nachdem die Supportlinien zwischen 1,14 und 1,15 in den vergangenen zwei Wochen ohne nennenswerte Gegenwehr durchschlagen wurden. Dass die Gegenwehr ausblieb, liegt an dem schnell schwindenden Rückhalt des Euro unter den Tradern und Investoren. Denn die sehen, dass die US-Notenbank wenigstens zögerlich handelt, um die Inflation zu bekämpfen, während die EZB weiterhin so tut, als wäre die Situation völlig im Griff und ein Handeln vorschnell und unangemessen. Und den Tradern ist klar:

Je weniger der Euro am Markt gesucht wird, desto größer wird das Problem für das Wachstum der Eurozone und für die EZB, weil eben ein stetig weiter steigender US-Dollar über die dadurch teurer werdenden Rohstoffe einen Preisdruck aufbaut, den die US-Wirtschaft nicht hat. Denn dort ist ein US-Dollar eben immer ein US-Dollar.

In einer solchen Gemengelage wundert es nicht, dass das Lager der Euro-Bären sukzessiv stärker wird. Und sollte die jetzt angesteuerte Auffangzone 1,1168/1,1239 US-Dollar fallen, könnte das glatt zum Selbstläufer werden. Denn Sie sehen im Chartbild, dass sich unterhalb dieser Zone erst einmal keine potenziellen Wendemarken als Unterstützung anbieten. Nicht, bevor der Euro zum US-Dollar das Jahres-Verlaufstief des Jahres 2020 bei 1,0636 Euro erreichen würde. Und solange die EZB und mit ihr die Eurozone-Wirtschaft im Vergleich zu US-Notenbank und US-Wirtschaft als die eindeutig schwächeren angesehen werden, ist der Weg des Euro nach unten für die Trader eindeutig der leichtere.

Chart vom 23.11.2021, Kurs 1,1251 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX
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Für die USA ist der immer stärker werdende US-Dollar zwar ungünstig, weil er die Exportchancen der US-Unternehmen beeinträchtigt. Aber der damit schwächer werdende Euro hat für uns in Europa weit größere Nachteile. Und der Euro-Abstieg könnte weitergehen.

Wer die schwächere Währung hat, kann sich hinsichtlich der Exportperspektiven freuen, denn dadurch entsteht bei Verkäufen ins Ausland ein positiver Währungseffekt, weil das in der Währung des Exportlands eingenommene Geld im Rücktausch mehr wert ist. Der im Verhältnis zum US-Dollar immer schwächer werdende Euro kommt unseren Exporteuren also zugute, die US-Firmen hingegen bremst das. Doch das ist eben nicht der einzige Aspekt, der bei Währungsrelationen wichtig ist. Es gibt ja auch noch die Importe. Und da geht es vor allem um Rohstoffe.

Da man am Rohstoffmarkt in US-Dollar rechnet, ist es für die US-Importeure egal, ob der US-Dollar zu anderen Währungen steigt oder fällt. Für sie ist ein Dollar weiterhin ein Dollar. Aber für europäische Unternehmen ist ein steigender US-Dollar äußerst unerfreulich, denn dass der dadurch in Euro gerechnet immer mehr kostet, kommt zu den steigenden Rohstoffpreisen noch obendrauf. Daher lag der Anstieg der Erzeugerpreise in der Eurozone im September (die Oktober-Zahlen sind noch nicht da) auch bei 16 Prozent, in den zuletzt USA „nur“ bei 8,6 Prozent. Eine problematische Entwicklung, die auch die Verbraucherpreise erreichen und höher treiben wird. Und eine, die weitergehen kann, denn:

Expertenmeinung: Die Schwäche des Euro bzw. die Stärke des US-Dollars basiert darauf, dass die US-Notenbank zumindest auf kosmetischer Basis beginnt, etwas gegen die ausufernde Inflation zu unternehmen, die EZB hingegen weiterhin jegliche Maßnahmen verweigert. Das schwächt die Reputation der Eurozone in den Augen großer, internationaler Investoren, denn eine bei Handlungsbedarf passiv bleibende Notenbank ist Gift für die Wachstumsperspektive … zumal in den USA auch noch umfassende Konjunkturprogramme gestartet wurden, von denen man in Europa nur träumen kann.

Der höhere Anleihe-Renditelevel in den USA wirkt aufgrund der „aktiven“ US-Notenbank daher verstärkt positiv auf die Frage, wohin internationales Kapital fließen sollte, die Wachstumsperspektive verstärkt diesen Effekt. Dementsprechend hat der US-Dollar das bessere „Standing“. Und das nicht nur bei den Investoren an sich, auch bei den Tradern, wie wir in diesem Chart auf Wochenbasis sehen.

Die entscheidende Nackenlinie der großen, seit Sommer 2020 ausgebildeten Toppformation bei 1,16 US-Dollar wurde mittlerweile nach wochenlangem Ringen unterboten. Der Versuch, sich wieder darüber zu retten, wurde im Verlauf der vergangenen Woche abgewiesen. Die 1,15, das Zwischenhoch aus der hektischen Phase im Frühjahr 2020, ist auch schon gefallen, jetzt geht es um die eher schwache Auffangzone 1,1412/1,1422 US-Dollar. Sollte diese bereits „belagerte“ Zone ebenso gebrochen werden, wäre der Weg nach unten frei. Bei 1,1239 und 1,1168 US-Dollar wären dann leichte Supportlinien, ob die den Euro-Bären aber als Kursziel reichen, ist offen. Solange die EZB so tut, als wäre die derzeitig kritische Lage nichts, auf das man reagieren müsste und man sich in Brüssel auf das Hoffen auf Besserung ohne aktives Zutun versteift, wäre hinsichtlich der Dimension des Euro-Abstiegs nichts unmöglich.

Euro/US-Dollar: Chart vom 12.11.2021, Kurs 1,1448 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Der massiv gestiegene Ölpreis drückt ohnehin schon auf den privaten Geldbeutel und erhöht die Kosten der Unternehmen. Ein steigender US-Dollar verschärft diese Situation noch … und momentan sieht es danach aus, als könnte der Greenback tatsächlich noch teurer werden.

Benzin war am internationalen Futures-Markt 2013 und 2014 teurer als heute. Trotzdem sind die Kraftstoffpreise heute so hoch wie damals … und beginnen sogar noch höher zu steigen. Das hat zwar auch mit der CO2-Abgabe zu tun, es ist aber vor allem die Euro/US-Dollar-Relation, die die Preise so treibt. Denn damals, 2013/2014, lag diese Währungsrelation noch deutlich hoher, zwischen 1,28 und 1,38 US-Dollar pro Euro. Und da alle Rohstoffe in US-Dollar abgerechnet werden, wird Kraftstoff teurer, wenn der US-Dollar steigt. Und das Chartbild der Euro/US-Dollar-Relation ebenso wie die fundamentale Situation deuten an, dass es damit noch weitergehen könnte.

Tageschart vom 01.11.2021, Kurs 1,1591 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Euro zum US-Dollar zwar am vergangenen Donnerstag kräftig zulegte, dann aber am Freitag umso kräftiger nachgab. Dadurch ist er an der aus dem Frühjahr stammenden Abwärtstrendlinie abgewiesen worden. Durch die Vehemenz dieser Euro-Verkäufe zum Ende der Vorwoche könnten sich die Trader ermutigt führen, die wichtige Supportlinie bei 1,15 US-Dollar pro Euro anzugehen. Und Argumente, diese zu brechen, gäbe es durchaus.

Expertenmeinung: Denn die EZB-Sitzung des vergangenen Donnerstags brachte das Übliche: Weiter so, Inflation verharmlosen und weiter den europäischen Anleihemarkt leerkaufen, um die Marktzinsen extrem niedrig zu halten. Nachdem kurz nach dieser Entscheidung die deutschen Inflationsdaten für den Oktober und am Freitag dann die Vorab-Berechnung für die Eurozone folgten, wurde den Tradern klar: Das geht schief. Die Inflation könnte sehr wohl nicht von alleine weggehen. Und wenn die EZB nicht handelt, wird das die Gemengelage so problematisch machen, dass internationale Investoren die Eurozone meiden, ggf. sogar Kapital in die USA oder nach Asien abfließen könnte. Das würde den Euro markant schwächen. Und genau diese Karte spielten die Trader zum Wochenschluss, zumal:

Die US-Notenbank ist eben deutlich bereitwilliger darin, die Inflation zumindest einzudämmen. Man vermutet, dass die „Fed“ morgen den Beginn des „Tapering“, der schrittweisen Reduzierung der Stützungskäufe am US-Anleihemarkt, bekanntgeben wird. Und dieses Handeln spricht eben für den US-Dollar. Sollte sich diese Vermutung der Investoren morgen Abend mit dem um 19 Uhr anstehenden Statement der US-Notenbank bestätigen (19 Uhr statt wie sonst 20 Uhr unserer Zeit, weil in den USA noch bis zum Wochenende Sommerzeit gilt), könnte diese Supportmarke bei 1,15 US-Dollar brechen. Und der langfristige Chart auf Monatsbasis zeigt, wohin die Reise dann gehen könnte:

Die nächste, größere Auffangzone von mittelfristiger Relevanz wäre dann der Bereich 1,0340 zu 1,0636 US-Dollar. Was das für die Kosten der Rohstoffimporte und für den Preis von Benzin, Heizöl und Diesel bedeutet, kann man sich leicht ausrechnen. Sackt der Euro weiter durch, wird also der US-Dollar noch stärker, wird sich die Inflation in der Eurozone noch intensivieren … und das groteskerweise ausgerechnet dadurch, dass die EZB so tut, als sei eben diese Inflation kein Problem!

Wochenchart vom 01.11.2021, Kurs 1,1591 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Der Anstieg des US-Dollars spiegelt die Erwartung der Investoren wider, dass die US-Notenbank jetzt gegen die Inflation vorgeht, die EZB aber weiterhin nichts tut. Doch dadurch werden die Rohstoff-Importe in die EU immer teurer und die Inflation zusätzlich angefacht.

Es wird kritisch für die Eurozone. Wenn die Trader am Devisenmarkt Recht behalten, wird die EZB nicht einmal dann beginnen, der auch im September gestiegenen Inflation entgegenzuwirken (Deutschland 4,3 Prozent, Eurozone 3,4 Prozent zum Vorjahresmonat), wenn die US-Notenbank beginnt, die Zügel anzuziehen. Und zuletzt hatte sich die EZB ja auch erneut darauf verlegt, die steigenden Preise auf die aktuelle Materialknappheit zu schieben und sie damit als vorübergehend abzutun. Derselbe Tenor war zwar in der letzten US-Notenbanksitzung auch zu hören, aber dort ließ man durchblicken: Die Reduzierung der Anleihekäufe wird beginnen; auch, weil man dort der Ansicht ist, dass Wachstum und Arbeitsmarkt in einer Verfassung sind, die eine Reduzierung des billigen Geldes ermöglicht.

Einerseits könnte man seitens europäischer Anleger ja erleichtert sein, dass die EZB den Geldhahn womöglich länger weit offen hält. Aber die Sache wird aus zwei Gründen zum Bumerang:

Expertenmeinung: Zum einen würde eine aus dem Ruder laufende Inflation letztlich entweder direkt das Wachstum abwürgen oder eine hinterherlaufende EZB umso schneller reagieren müssen, so dass das Risiko besteht, dass die Schuldenblase dadurch platzt. Zum anderen ist die am Devisenmarkt zusehends dominierende Erwartung eines Zinsvorteils im Dollar-Raum ein Kurstreiber für den US-Dollar. Und dessen Anstieg befeuert die Inflation zusätzlich, weil Rohstoffe durchweg in US-Dollar fakturiert werden und deren Import dadurch noch teurer wird.

Und gerade jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem sich der Abstieg des Euro zum US-Dollar noch beschleunigen könnte, weil sich zu den fundamentalen auch charttechnische Argumente gesellen. Sie sehen im Chart, dass der Euro/US-Dollar-Kurs gerade dabei ist, eine bereits im Sommer 2020 begonnene Toppbildung zu vollenden. Damit preist man durch den steigenden US-Dollar diesen erwarteten Zinsvorteil des Dollar-Raums ein. Die Frage ist, wie weit das noch gehen könnte. Der Kurs ist jetzt dran an der Nackenlinie des Topps, die um 1,16 US-Dollar pro Euro verläuft. Bricht sie, würden sich zwei neue Kursziele anbieten:

Zunächst das „Panik-Hoch“ des Euro in der ersten Phase des Corona-Crashs, das im März 2020 bei 1,1496 US-Dollar markiert wurde, darunter dann eine leichtere Supportlinie bei 1,1423 US-Dollar, die aus dem Frühsommer 2020 stammt. Aber sollte sich herausstellen, dass die EZB tatsächlich auch dann nichts unternimmt, wenn die Preise durch den anziehenden Dollarpreis immer schneller steigen, während die „Fed“ die Anleihe-Stützung konsequent auf null fährt, müsste das noch keineswegs das Ende der Euro-Baisse sein, zumal der Weg nach unten dann aus charttechnischer Sicht frei wäre.

Um dieses Szenario einer Dollar-Hausse abzuwenden, müsste Euro/US-Dollar zügig zumindest über 1,1830 US-Dollar laufen. Ein Szenario, das natürlich nicht unmöglich, in der derzeitigen Gemengelage aber das deutlich weniger wahrscheinliche ist.

Euro/US-Dollar: Chart vom 01.10.2021, Kurs 1,1600 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Selbst nach den Aussagen im jüngsten US-Notenbankprotokoll tut man am Aktienmarkt so, als hinge der Himmel voller Geigen. Doch wer sich den Euro/US-Dollar-Kurs ansieht, erkennt: Am Devisenmarkt reagiert man längst. Der Dollar steigt. Und da könnte noch mehr drin sein.

Sicher kann sich niemand sein, wie sich die Inflation in einem Jahr darstellt. Aber das Risiko, dass die Beteuerungen der US-Notenbank, die Inflation werde sich von alleine reduzieren, nicht zutreffend sind, ist da. Denn auch bei der „Fed“ kann niemand sicher wissen, wie sich Unternehmen und Verbraucher in einem Jahr verhalten, wo die Rohstoffpreise stehen oder ob das Wachstum so stark bleibt, dass weiterhin markante Preiserhöhungen durchsetzbar sind.

Wäre es so, würde die „Fed“ mit ihrem gebetsmühlenartigen Beschönigen der Teuerung falsch liegen, wäre das Einstampfen der Käufe am US-Anleihemarkt bei Weitem nicht genug. Dann müsste man an die Leitzinsen ran und die womöglich sogar schnell und weit anheben, wie das z.B. auch Ende der Siebzigerjahre nötig wurde, als man die Zügel zu lange hatte schleifen lassen aus Sorge, das Wachstum abzuwürgen. Daher ist es nicht überraschend, dass sich mehr und mehr Mitglieder des FOMC, des Entscheidungsgremiums der „Fed“, Gedanken darüber machen, ob man nicht zügig erste Zeichen setzen sollte. Aber es kann gut sein, dass das nicht reicht, dass, wie auch FOMC-Mitglied Bullard am Mittwochabend sagte, sprunghafte Steigerungen der Leitzinsen nötig werden, wenn man zu spät und zu zögerlich reagiert.

Expertenmeinung: Wenn das passieren sollte, würde der US-Dollar nicht nur weiter zulegen, dann könnte ein immenser, neuer Aufwärtstrend entstehen bzw. die Euro/US-Dollar-Relation zügig und weit fallen. Denn da die EZB im Gegenzug ein nennenswertes Straffen der Zügel aufgrund des in der Eurozone viel schwächeren Wachstums nicht riskieren kann, würde die Zinsschere zwischen dem US-Dollar- und dem Euro-Raum noch weiter auseinander gehen, der US-Dollar-Raum für Investoren noch lukrativer werden und dies die Nachfrage nach dem US-Dollar befeuern.

Während man am Aktienmarkt am Donnerstag nicht zuletzt wegen der heute dort anstehenden Abrechnung an der Terminbörse beflissen versuchte, die „Scharte“ auszuwetzen, die der Hinweis auf ein eventuell bald beginnendes Reduzieren der US-Anleihekäufe (Tapering) hinterlassen hatte, war die Reaktion am Devisenmarkt nicht zu übersehen. Dort geht man schon seit Wochen davon aus, dass die „Fed“ nicht umhin kommen wird, die Zügel zu straffen. Hier reagiert man in der Regel deutlich früher und konsequenter auf sich verändernde Rahmenbedingungen als am Aktienmarkt. Und so verlängerte die Reaktion auf das US-Notenbankprotokoll nur einen schon Anfang Juni etablierten Abwärtstrend des Euro, d.h. der US-Dollar gewinnt zum Euro an Wert, man zahlt weniger US-Dollar, um einen Euro zu kaufen.

Allerdings hatte diese „Verlängerung“ durchaus charttechnische Relevanz. Denn dadurch rutschte Euro/US-Dollar unter die Supportlinie bei 1,1705 US-Dollar und markierte den tiefsten Stand seit November 2020. Damit ist jetzt aus charttechnischer Sicht der Weg bis zur nächsten Unterstützung in Form des Zwischentiefs vom September und November 2020 bei 1,1603/1,1612 US-Dollar frei. Gut möglich, dass dieser Support relativ zügig angegangen wird. Und sollte der fallen, wäre eine breit angelegte Toppbildung vollendet, was allemal zur Geburtsstunde einer neuen Euro-Baisse bzw. US-Dollar-Hausse werden könnte.

Euro/US-Dollar: Chart vom 19.08.2021, Kurs 1,1676 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX

Jetzt entscheidet sich, ob der Abstieg des Euro zum US-Dollar in die nächste Runde geht. Der Kurs hat unterhalb markanter Hürden abgedreht und testet die mittelfristige Aufwärtstrendlinie. Bricht sie, könnte der Euro in die Region 1,14/1,15 US-Dollar laufen. Oder sogar noch tiefer?

Am Devisenmarkt hatte man die Botschaft der US-Notenbank verstanden, die man am Aktienmarkt überhören wollte: Natürlich wird die „Fed“ aktiv werden, wenn die Inflation Ende des Jahres wirklich ihre eigene Projektion von 3,4 Prozent erreicht. Zumindest das „Tapering“ würde beginnen, das Reduzieren der Ankäufe am Anleihe- und Hypothekenmarkt. Das macht ohnehin schon genug Probleme, weil den Banken die Anleihen weggekauft werden, bei diesem Aufkaufvolumen der Notenbank von 120 Milliarden pro Monat inkl. Hypothekenmarkt. Das „Tapering“ würde wohl schon im Herbst starten, wenn die Teuerung hoch bleiben sollte.

Außerdem hätte man ja so seine Probleme, das Verweigern der Verschärfung der ultra-lockeren Geldpolitik mit zu geringem Wachstum zu begründen, nachdem man die 2021er-Wachstumsprognose bei der „Fed“ gerade erst auf unglaubliche 7,0 Prozent angehoben hatte. Dass man auch dort fürchtet, dass selbst kleine Maßnahmen dieses Kartenhaus zu Fall bringen könnten, weil das Wachstum eben ausschließlich auf billigstem Geld und extrem niedrigen kurzfristigen Zinsen aufbaut, kann man offiziell ja nicht zugeben. Also setzen die Devisentrader darauf, dass der US-Dollar ob des höheren Wachstums und mittelfristig höherer Zinsen international stärker nachgefragt sein wird als der Euro. Sollte das so bleiben, könnte der Euro noch einiges an Boden preisgeben. Aber … bleibt das so?

Expertenmeinung: Tendenziell ist die Chance dafür in der Tat gut. Dass der Euro am Dienstag und Mittwoch wieder an Boden verlor und damit eine kurze Gegenreaktion nach oben abgebrochen wurde, basiert zwar eigentlich auf einer Täuschung. Denn der Auslöser, die von 2,5 auf 2,3 Prozent zurückgekommene Inflation in Deutschland, ist nicht „echt“. Denn dieser Rückgang basiert nur auf einem statistischen Basiseffekt, der allein für den Juni gilt. Für Juli werden die zum Vorjahresmonat berechneten Inflationsdaten für Deutschland ebenso wie für die Eurozone wieder anziehen. Aber wer für den Euro bärisch sein will, sieht nicht so genau hin … und dieser erneute Abwärtsruck des Währungspaares macht deutlich, dass die Euro-Bären derzeit zahlreich sind.

Und was die Charttechnik angeht, die auf kurzfristiger Ebene meist schwerer wiegt als die fundamentalen Daten, hätten sie jetzt die Chance, den Abstieg des Euro auf die nächste, mittelfristige Ebene zu tragen.

Sie sehen, dass Euro/US-Dollar unmittelbar unter dem Kreuzwiderstand aus dem Hoch vom Herbst 2020, der 20-Tage- und der 200-Tage-Linie nach unten abgedreht hat. Das deutet an, dass die Euro-Bären imstande und willens sind, markante Charthürden aktiv zu verteidigen. Dadurch ist der Kurs jetzt an die im Frühjahr 2020 etablierte, mittelfristige Aufwärtstrendlinie gerutscht, die im Juni noch verteidigt wurde. Sollte sie diesmal fallen und das Juni-Tief bei 1,1847 US-Dollar, das bereits erreicht ist, signifikant unterboten werden, wäre das nächste, kurzfristige Kursziel das Ende des ersten Quartals bei 1,1704 US-Dollar ausgebildete Zwischentief.

Darunter wäre dann ein Doppeltopp vollendet und der Weg bis 1,1603 und darunter dann in die Zone 1,14/1,15 US-Dollar frei. Ein solcher Abstieg wäre in jedem Fall denkbar. Aber alles, was darüber hinaus ginge, dürfte voraussetzen, dass die „Fed“ wirklich im Herbst aktiv wird und der Inflation entgegenwirkt, während die EZB die Inflation in Europa laufen ließe. Und von einem solchen Szenario kann man, zumindest im Moment, noch nicht ausgehen.

EUR / US-Dollar: Chart vom 30.06.2021, Kurs 1,1853 US-Dollar, Kürzel EUR.USD | Online Broker LYNX