Evotec Aktie aktuell Evotec: Top-Chance für die Bullen … falls sie sie nutzen können

News: Aktuelle Analyse der Evotec Aktie

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Evotec
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Zur Evotec Aktie

Der Test charttechnisch relevanter Unterstützungen ist immer eine ideale Gelegenheit, einen erneuten Aufwärtsimpuls zu starten, der über die vorherigen Hochs hinausführt und damit deutlich macht, dass man bei einer solchen Aktie mit Short-Trades schief gewickelt wäre, wenn ein solcher Test erfolgreich abläuft. Was sich bei der Evotec-Aktie aber erst herausstellen muss.

Als Ende Januar bekannt wurde, dass eine US-Tochter des deutschen Biotechunternehmens Evotec einen lukrativen Auftrag des US-Verteidigungsministeriums erhalten hatte, explodierte die Aktie förmlich. Doch diese extremen Gewinne innerhalb kürzester Zeit riefen Gewinnmitnahmen auf den Plan. Nach kurzem, hektischem Auf und Ab fing sich die Aktie im Bereich von 32 Euro. Das war positiv, denn damit wurde noch über dem vorherigen 20-Jahres-Hoch vom Dezember bei 31 Euro wieder gekauft. Und dass es diesmal langsamer aufwärts ging zeigte nur, dass jetzt mit Bedacht und nicht aus dem Affekt heraus gekauft wurde.

Doch binnen drei Handelstagen wurde der zweite, behutsamere Anstieg jetzt fast vollkommen abverkauft. Das ist weniger gut, wenngleich bislang alle entscheidenden Unterstützungen halten. Eine tadellose Chance für das bullische Lager, dieses höhere Kursniveau durch effektive Käufe auf Höhe dieser Unterstützungen zu zementieren. Nur ist die Frage, ob die Käufer zahlreich und willens genug sind, diese Supportlinien auch zu verteidigen, falls die Abgaben weitergehen. Denn noch ist das offen, da diese Linien bislang nicht getestet wurden.

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Evotec Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Dass die Aktie so schnell zurückkam und das vorherige Hoch genau dort lag, wo der erste Versuch, den Abverkauf nach der o.g. Nachricht zu drehen, gestoppt wurde (37,72 Euro), dämpft zwar allzu großen Optimismus. Aber das bedeutet erst einmal nur, dass Akteure an diesem Punkt einen sinnvollen Level sahen, ihren Gewinn zu sichern. Es kann sein, dass diese drei schwachen Tage zusätzlich durch gezielte Short-Trades hervorgerufen wurden, aber das wissen wir erst, wenn es jetzt um die nahe gekommene, erste potenzielle Verteidigungslinie der Bullen geht: die Kreuzunterstützung aus Dezember-Hoch, dem Zwischentief von Anfang Februar und der November-Aufwärtstrendlinie im Bereich zwischen 31 und 32 Euro.

Chart vom 22.02.2021, Kurs 33,24 Euro, Kürzel EVT | Online Broker LYNX

Hält diese Zone, wäre das ein ideales Sprungbrett für einen erneuten, größeren Aufwärtsschub. Und es wäre allemal möglich, dass bei 31/32 Euro zugreift, wer knapp unter 37,72 Euro den Gewinn kassiert hat. Käme es so, wäre das der Ritterschlag für diesen Aufwärtstrend.

Rutscht Evotec allerdings da durch, wäre bis zur nächsten, dann mittelfristig relevanten Supportzone einiges an Spielraum nach unten. Wenn hier aktiv Short gegangen wird, wird man genau deswegen versuchen, durch die 31/32 Euro-Zone durchzugehen. Denn diese mittelfristige Auffangzone wartet dann erst zwischen 24,50 und 26,77 Euro, zusammengesetzt aus der März 2020-Aufwärtstrendlinie und dem Hoch vom Februar 2020. Die Bullen täten also gut daran, jetzt Flagge zu zeigen.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Evotec Aktie

Aktie explodiert, abverkauft, stabilisiert: In den vergangenen gut zwei Wochen war bei Evotec allerhand geboten. Die Meldung, dass eine US-Tochter des deutschen Biotech-Unternehmens einen Auftrag des US-Verteidigungsministeriums erhalten hatte, führte dazu, dass die Aktie, die durch den Ausbruch über das vorherige Hoch ohnehin gerade ein bullisches Signal generiert hatte, am Morgen des 27. Januars von derart vielen Akteuren unlimitiert gekauft wurde, dass sie bis zu 33 Prozent über den Schlusskurs des Vortags hinausschoss. Zuviel des Guten für diejenigen, die genauer hingesehen hatten, denn:

Auch, wenn ein solcher Auftrag einem „Ritterschlag“ gleichkommt und dadurch die Chance besteht, einen Fuß in die Tür weiterer, lukrativer Aufträge zu erhalten, so belief sich das Volumen dieses Pentagon-Auftrags doch „nur“ auf etwa 24 Millionen Euro. Angesichts eines geschätzten Jahresumsatzes 2020 um die 500 Millionen Euro eine gute Sache, aber eben kein „Game Changer“, der eine Neubewertung der Aktie bedeuten würde. Kein Wunder also, dass Trader diesen Kurssprung als Geschenk ansahen, das man gerne annimmt – und ausstiegen.

Oft führt so etwas dazu, dass mehr Marktteilnehmer die Gunst der Stunde nutzen wollen als zuvor eingestiegen sind und der Kurs unter den vorherigen Ausbruchslevel durchgereicht wird. Doch das ist hier nicht der Fall … und damit lohnt ein genauerer Blick auf die Lage:

Expertenmeinung: Die Aktie hat zwar diesen verrückten 27. Januar eliminiert, ist aber nicht unter den Ausbruchslevel gerutscht, konkret unter des Ende Dezember markierte Hoch bei 31 Euro. Knapp darüber hat sich eine Stabilisierung ergeben, die deutlich macht, dass Anleger erkennen, dass Evotec grundsätzlich durchaus auf einem höheren Niveau als zuvor richtig angesiedelt wäre und Luft nach oben hätte. Denn richtig ist zwar einerseits, dass dieser Pentagon-Auftrag nicht alles auf den Kopf stellt. Aber er ist eine Bestätigung für die durchdachte Expansionspolitik des Unternehmens, das sich geschockt eine immer breitere Tätigkeitspalette aufgebaut hat, die immer mehr namhafte Kooperationspartner und Auftraggeber anzieht. Eine Bestätigung, die werbewirksam und auffällig genug ist, um auch neue Anleger für Evotec zu interessieren.

Was offen bleibt, ist die „Qualität“ der Käufe, die Evotec oberhalb der wichtigen Unterstützungszone zwischen 30,40 und 31,50 Euro, zusammengesetzt aus November-Aufwärtstrendlinie, Dezember-Hoch und 20-Tage-Linie, aufgefangen haben. Haben genug dieser Käufer ein mittel- bis langfristiges Ziel vor Augen … oder sind da so viele auf einen schnellen Gewinn aus, dass der jetzt erkennbare Versuch, sich in kleineren Schritten wieder auf den Weg nach oben zu machen, schnell durch Gewinnmitnahmen ausgebremst wird?

Der Vorteil der aktuellen Situation ist, dass diese o.g. Supportzone 30,40/31,50 Euro relativ nahe liegt und die Aktie durch den Abverkauf dieses gewaltigen Kurssprungs Ende Januar markttechnisch gut konsolidiert ist. Sollte diese Zone fallen, wäre das Minus überschaubar und die nächste Chance, die Aktie sukzessiv einzusammeln, ein Test der mittelfristigen Unterstützungszone 24,30/26,80 Euro. Fazit: Für Akteure, die entweder einen längeren Zeithorizont haben oder aber gezielt spekulativ nahe der aktuellen Supportzone traden wollten, wäre ein Einstieg einen Gedanken wert.

Chart vom 08.02.2021, Kurs 33,86 Euro, Kürzel EVT | Online Broker LYNX

Erst gestern hatte ich die Evotec-Aktie unter die Lupe genommen, heute muss dazu ein Update kommen, denn was da passierte, sieht man nicht alle Tage. Die Aktie stieg am Mittwoch erneut deutlich, diesmal um 9,6 Prozent. Aber Sie sehen es an den beiden Charts auf Wochen- und Tagesbasis: Das war im Vergleich zum Tageshoch gar nichts. In der Spitze hatte die Aktie 43 Euro erreicht und damit kurzzeitig unglaubliche 30 Prozent über dem Vortages-Schlusskurs notiert. Was war da los?

Was ich gestern als selten zutreffend bezeichnet hatte, wurde hier tatsächlich wahr: Offenbar war der am Nachmittag gemeldete Insider-Trade eines Evotec-Vorstands eben kein Zufall, sondern eine ideale Steilvorlage. Und damit lagen diejenigen goldrichtig, die am Dienstag einstiegen, weil sie sich an den letzten Insider-Trade aus der Evotec-Vorstandschaft vom 16.12.2020 erinnerten, der einen Tag vor positiven Meldungen erfolgte, die die Aktie danach mehrere Tage höher trieben. Und was wurde gemeldet?

Evotec Aktie: Tages-Chart vom 27.01.2021, Kurs 36,19 Euro, Kürzel EVT | Online Broker LYNX

Am Morgen gab Evotec bekannt, dass eine US-Tochterfirma einen großen Auftrag vom US-Verteidigungsministerium ergattert habe, bei dem es um die Herstellung monoklonaler Antikörper für die Prävention bzw. die Behandlung von COVID 19 geht. Das ist schon etwas Besonderes, denn Experten wiesen darauf hin, dass die Markteintrittsbarrieren für einen solchen US-Regierungsauftrag überaus hoch seien. Es ist quasi ein Ritterschlag für Evotec … aber war er auch einen Kurssprung um 30 Prozent wert?

Wer sich das genauer anschaute, mag zu dem Schluss gekommen sein, dass dieser Anstieg dann doch zu viel des Guten sei. Denn auch, wenn es gut möglich ist, an Anschlussaufträge des Pentagons zu gelangen, wenn man erst einmal einen Fuß in der Tür hat, so umfasst dieser neue Auftrag doch „nur“ ein Volumen von 28,6 Millionen US-Dollar oder, auf den aktuellen Wechselkurs umgerechnet, knapp 24 Millionen Euro. Und setzt man das mit dem Umsatz von Evotec im Jahr 2020 von voraussichtlich etwa 480 Millionen Euro in Relation, stellt man fest: Das ist ein wichtiger, guter, erfreulicher Auftrag, aber es ist kein „Game Changer“, kein Auftrag, der eine Neubewertung der Aktie bedeuten würde.

Das dürfte die Motivation derer gewesen sein, die diese grandiose Chance nutzten, um die Aktie auf einem zuvor bestenfalls mittelfristig erreichbar scheinenden Kursniveau erst einmal zu verkaufen. Ich hatte Dienstagabend, in Unkenntnis dieser Meldung, geschrieben: „Daher wäre eine Idee, dieses Geschenk insofern anzunehmen, als man je nach Positionsgröße bei einem Viertel oder ein Drittel der Aktien den Gewinn mitnimmt und bei der Restposition einfach den Stoppkurs auf Schlusskursbasis nachzieht.“

Damit wäre für diejenigen, die diesen Gedanken am Mittwoch nach der Lektüre der Analyse gleich umgesetzt hätten, eine Gewinnmitnahme höchst erfreulich ausgefallen. Hinsichtlich des Stoppkurses würde ich bei diesem Chartbild dazu tendieren, diesen jetzt knapp unter das gestrige Tages-Verlaufstief von 32,84 Euro anzuheben und ihn, sicher ist sicher, als Stop Loss-Verkaufsorder zu gestalten. Aber auch, wenn dieser Kurssprung eine „irrational exuberance“ war: Gedanken, hier vielleicht Short zu gehen, würde ich mir persönlich unbedingt verkneifen, denn dieser Auftrag bestätigt, dass von Evotec mittelfristig viel zu erwarten ist!

Evotec Aktie: Wochen-Chart vom 27.01.2021, Kurs 36,19 Euro, Kürzel EVT | Online Broker LYNX

Warum ist die Evotec-Aktie am Dienstag unter immens hohen Umsätzen derart durch die Decke gegangen? Es gab an diesem Tag nichts Neues von den Analysten. Zuletzt hatte die Baader Bank am 20. Januar ihr Kursziel von 28 auf 33 Euro erhöht, einen Tag zuvor stufte die Deutsche Bank die Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ ab, Kursziel 29 Euro. Und vom Unternehmen kam nur am Nachmittag die Pflichtmeldung über Aktienkäufe eines Vorstandsmitglieds (Insider-Trade), der gestern ungefähr 6.000 Aktien erworben hatte. Im Vergleich zum Tagesumsatz völlig belanglos, auf XETRA und Tradegate gingen zusammen fast vier Millionen Stücke um.

Denkbar wäre, dass Marktteilnehmer sich dachten, dass dieser „Insider“ mehr weiß als die Allgemeinheit. Immerhin gab es den letzten gemeldeten Insider-Trade am 16. Dezember. Und das war ein recht großer Kauf von 111.388 Aktien. Einen Tag später meldete Evotec eine wichtige Meilenstein-Zahlung und die Aktie stieg mehrere Tage lang weiter.

Dass Trader bei starken Kursbewegungen oft denken, jemand anderes wisse mehr als sie und deswegen auf den Zug aufspringen, ist meist tückisch. Denn je mehr das denken, desto mehr andere Trader steigen ein … so kann eine Kauflawine entstehen, ohne dass es wirklich eine Nachricht gäbe, die unmittelbar bevorsteht.

Expertenmeinung: Ob heute oder in den kommenden Tagen eine die Aktie massiv nach oben  bewegende Nachricht kommt oder nicht, ist zum Handelsende des Dienstags offen. Was wir hier haben, ist ein untypisch starker Kursanstieg, der eine solche Nachricht, so sie denn käme, dadurch zum Teil vorweggenommen hat. Zwar sehe ich diese Aktie mittelfristig noch mit einigem Aufwärtspotenzial, denn momentan spräche nichts dagegen, dass Evotec sein kontinuierliches, klug strukturiertes Wachstum fortsetzen wird. Aber ein Kursanstieg von fast 18 Prozent binnen einer Woche ist nun einmal nicht von Pappe … und die Aktie ist von der Markttechnik her (im Chart unten der RSI-Indikator) kurzfristig überkauft.

Was tun, wenn man nicht weiß, ob da jetzt doch etwas kommt, das die Aktie noch höher katapultiert oder ob wir hier nur eine Kaufwelle sehen, die ihre eigene Dynamik entwickelt hat und daher kurzlebig sein könnte? Charttechnische Kursziele drängen sich hier nicht auf. Zwar gibt es eine Widerstandszone um 34,50 Euro. Aber die reicht in die Jahre 2000/2001 zurück und hätte daher keine faktische Relevanz mehr. Und was die Kursziele der Analysten angeht, läge das höchste aktuelle Ziel zwar bei 36 Euro, am durchschnittlichen Target der Experten bei 31 Euro ist die Aktie aber soeben vorbei gesaust.

Daher wäre eine Idee, dieses Geschenk insofern anzunehmen, als man je nach Positionsgröße bei einem Viertel oder ein Drittel der Aktien den Gewinn mitnimmt und bei der Restposition einfach den Stoppkurs auf Schlusskursbasis nachzieht, wofür sich als Orientierung momentan die November-Aufwärtstrendlinie anbieten würde, die aktuell bei 29,20 Euro angekommen ist und zügig der Rallye hinterher läuft.

Chart vom 26.01.2021, Kurs 33,02 Euro, Kürzel EVT | Online Broker LYNX

Erst wird die Aktie des im MDAX ebenso wie im TecDAX gelisteten, deutschen Wirkstoff-Forschers Evotec jahrelang übersehen oder von den Anlegern geschnitten, dann wollen auf einmal alle dabei sein. Seit dem letzten erfolgreichen Test der Unterstützungslinie um 21,30 Euro Ende September ist die Evotec-Aktie um 45 Prozent gestiegen. Für den Zeitraum nur eines Quartals eine grandiose Performance, nur:

In dieser Zeitspanne hat sich bei Evotec nichts verändert, dass eine solche Rallye zwingend machen würde. Die Evotec-Aktie ist nach Analyse hochspannend, weil dieses Biotechunternehmen seit Jahren schwarze Zahlen schreibt, sich durch wohlüberlegte Zukäufe geschickt vergrößert und immer wieder lukrative Kooperationen eingeht die, wie zuletzt seitens Bristol-Myers Squibb, für lukrative Meilensteinzahlungen sorgen. Der Umsatz wächst stetig. Der Gewinn schwankt, da solche Meilensteinzahlungen als Basis der Einnahmen nicht berechenbar wie ein Monatsgehalt eintrudeln, weist aber von der Tendenz ebenso nach oben. Das alles spricht für die Aktie an sich. Aber nach einer solchen Rallye sollte man sich auch fragen, ob da nicht langsam Gewinnmitnahmen zu überlegen wären.

Expertenmeinung: Denn egal, ob man die voraussichtlichen 2020er-Gewinne als Basis der Berechnung des Kurs/Gewinn-Verhältnisses (KGV) hernimmt oder nach vorne blickt, den Konsens-Schätzungen der Analysten für 2021 oder 2022 vertrauen will: Die Aktie ist auf dem jetzt erreichten, höchsten Kursniveau seit dem Jahr 2001 schlicht „teuer“. Auf Basis der derzeitigen Analystenschätzungen läge das KGV für das gerade beendete Jahr um 200, für 2021 um 110 und für 2022 bei ca. 85.

Die Bullen mögen als Gegenargument anführen, dass diese Prognosen zum einen ja übertroffen werden könnten und zum anderen viele Biotechunternehmen nicht einmal Gewinn erzielen und auf Basis des Kurs/Umsatz-Verhältnisses deutlich teurer wären als Evotec. Was zweifellos richtig ist. Aber ob das Trader nach einer derartigen Rallye, die sogar über die obere Parallele des steilen März-Aufwärtstrendkanals lief und seitens der Markttechnik einen deutlich überkauften Zustand hervorgerufen hat, davon abhält, auch mal Kasse zu machen?

Der Weg zu einer auf diesem Niveau für die Branche fairen bis günstigen Bewertung mag stetig sein, aber er ist eben auch relativ lang. Wer langfristig denkt, mag nicht mit der Wimper zucken, wenn die Aktie auch mal wieder deutlicher zurücksetzt, aber wer etwas aggressiver und/oder kurzfristiger investiert ist, könnte sich allemal überlegen, hier bei einem Teil der Position auch mal Gewinne zu sichern. Denn ein Rücksetzer in die Unterstützungszone 25,90/26,77 Euro wäre normal … und würde der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie, derzeit im Bereich 23,50/23,75 Euro durch die 200-Tage-Linie verstärkt, nicht einmal nahe kommen.

Auch letztere Zone wäre grundsätzlich ein mögliches Korrekturziel. Daher wäre es zudem zu überlegen, bei aggressiven Long-Trades einen Stoppkurs unter die 20-Tage-Linie (im Chart blau) zu legen, die derzeit bei 27,90 Euro verläuft, steil ansteigt und die nächstliegende Unterstützungslinie ist – wenn man die vorgenannte Parallele zur März-Aufwärtstrendlinie einmal ausklammert, die zwar momentan verteidigt wird, grundsätzlich aber eher als wackliger und nicht entscheidender Support einzustufen wäre.

Chart vom 05.01.2021, Kurs 30,35 Euro, Kürzel EVT | Online Broker LYNX

Evotec beendet ein bislang unauffälliges Jahr mit einem Schritt ins Rampenlicht. Nicht, was die Nachrichtenlage angeht, die ist eigentlich wie immer: gut, aber kaum beachtet. Evotec fährt gut damit, sich gezielt zu vergrößern, potente Partner an Bord zu nehmen und viele strategische Kooperationen einzugehen. Der Umsatz steigt seit vielen Jahren stetig, der Gewinn hingegen schwankt. Was nicht überraschen kann, immerhin geht es hier um ein Unternehmen aus der Biotech-Branche, das vor allem von Meilensteinzahlungen lebt, d.h. von Erfolgsprämien von Partnerunternehmen für erreichte Forschungsziele. So etwas fließt nun einmal unstet. Aber dass Evotec effektiv arbeitet, ist unverkennbar, nicht zuletzt daran, dass hier seit Jahren konstant schwarze Zahlen geschrieben werden. Was aber zu unspektakulär war, um von einer breiteren Anlegerschicht wahrgenommen zu werden, da half nicht einmal die „Beförderung“ in den MDAX. Aber was gestern passierte, könnte das ändern:

Mit einem Plus von 5,81 Prozent sprang die Aktie über den doppelten Widerstand aus dem Jahreshoch 2019 bei 27,29 Euro und dem bisherigen Jahreshoch 2020 bei 26,77 Euro. Dieser Kurssprung basierte womöglich auf der Nachricht, dass Evotec eine Meilenstein-Zahlung aus einer Kooperation mit Celgene erhalten wird. Über dessen Höhe wurden zwar keine Angaben gemacht. Aber es mag manchen Anlegern aufgefallen sein, dass der Evotec-Forschungsvorstand am Mittwoch eine ungewöhnlich große Zahl an Evotec-Aktien gekauft hatte … und auch, wenn Vorstände eines Unternehmens nicht automatisch clevere Investoren sind, wirkte dieser Aspekt doch ermutigend.

Expertenmeinung: Dass Evotec auf einem guten Weg ist, muss man indes nicht an Insidertrades abzulesen versuchen, da reicht der Blick in die Bilanzhistorie. Aber mit diesem neuen Hoch ist eben jetzt auch die charttechnische Motivation hinzugekommen, der Impuls, der die Aktie weiter ziehen, Anschlusskäufe auslösen könnte. „Billig“ ist die Aktie zwar nicht, denn selbst auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung der Analysten für 2021 läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis jetzt um 100, das ist ein Wort. Aber immerhin geht es hier um ein Unternehmen, für das man allein deshalb nicht allzu viele andere Unternehmen aufbieten könnte, mit deren KGV man es vergleichen könnte, weil die Mehrzahl der Biotech-Firmen noch rote Zahlen schreibt.

Die Chance, das Mauerblümchen-Dasein mit einem Schritt ins Rampenlicht zu beenden, ist jetzt also da. Aber dieser Sprung über die Widerstandszone 26,77/27,29 Euro ist nur ein erster Schritt, entscheidend wäre jetzt, dass sich der Kurs über dieser Zone stabilisiert. Dass die Aktie kurz vor dem Jahresultimo anzieht, ist dahingehend hilfreich, denn das könnte institutionelle Investoren dazu bringen, Evotec im Zuge des „Window Dressing“ vermehrt zu kaufen. Aber unser mittelfristiger Chart auf Wochenbasis zeigt, dass es in den letzten Jahren immer wieder neue Hochs gab, die knapp über das vorherige führten und der Kurs dann schnell durch Gewinnmitnahmen ausgebremst wurde. Vorsicht bleibt also angebracht. Sollte Evotec diese Zone 26,77/27,29 Euro wieder deutlicher unterschreiten, indem der Kurs auch wieder unter die Sommer-Hochs bei 25,72/25,90 Euro zurückfällt, würde sich dieses neue Hoch als Bullenfalle entpuppen … dann wäre unbedingt zu überlegen, die Reißleine zu ziehen.

Chart vom 17.12.2020, Kurs 28,25 Euro, Kürzel EVT | Online Broker LYNX
22. Januar 2020

Evotec steigt und steigt