S&P 500 aktuell S&P 500: Die Bullen hörten nur, was sie hören wollten – reicht das für neue Rekorde?

Aktuelle Analyse des S&P 500 Index

In diesem Artikel

S&P 500
ISIN: US78378X1072
Ticker: SPX
Währung: Punkte

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Zum S&P 500

Das zwei Stunden vor US-Handelsende veröffentlichte Statement der US-Notenbank barg ebenso auch Schattenseiten wie die Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell in der daran anschließenden Pressekonferenz. Aber es schien, als würden viele Akteure am Aktienmarkt nur das wahrnehmen, was in ihr Bild der blitzschnellen Rückkehr zum wirtschaftlichen status quo hineinpasst … nebst Notenbank-Rückenwind hin zu neuem Wachstum über den vorherigen Level hinaus. Auch, wenn der positive Teil des Notenbank-Statements sehr von Floskeln durchsetzt war.

Da war von Mr. Powell wie üblich zu hören, dass die „Fed“ über weitere Möglichkeiten verfügen würde, den Markt zu stützen. Dass es gute Hinweise auf eine Stabilisierung gebe, der Immobilienmarkt robust sei und viele der möglichen Notenbank-Kredite gar nicht abgerufen wurden. Man werde die niedrigen Zinsen solange es nötig sei beibehalten und ebenso weiterhin im gegenwärtigen Umfang Stützungskäufe am Anleihemarkt vornehmen. Kurz: Man werde weiter tun, was nötig ist. Was hätte man anderes von der US-Notenbank erwarten können als solche Aussagen?

Doch da gab es auch einige Passagen, die aufmerksame Investoren aufhorchen ließen. So wies Mr. Powell darauf hin, dass es bislang noch keine Erholung bei den Unternehmensinvestitionen gebe. Er unterstrich zudem, dass sich die Erholung auf Basis von Realtime-Indikatoren wie Kreditkartenumsätzen, Hotelbuchungen oder dem Jobaufbau bei kleinen Unternehmen verlangsamt habe. Und, für diejenigen, die das insgeheim als ultima ratio erhofften: Die US-Notenbank habe nicht die Absicht, am Aktienmarkt einzugreifen.

Unter dem Strich gab es also nichts Neues. Die „Fed“ macht weiter wie bisher, hofft auf einen ausreichend starken Effekt, weist aber darauf hin, dass nicht alles einfach so auf alte Höhen zurückkehrt. Das hätte den marktbreiten S&P 500-Index also nicht allzu sehr in Bewegung setzen müssen. Aber Notenbanksitzungen ziehen kurzfristige Trader an wie das Licht die Motten. Es kommt danach immer zu volatilen Bewegungen. Doch da handelt es sich eben vor allem um kurzlebige Aktionen. Solange die Notenbank nichts Neues zu bieten hat, mündet das eher nicht in Käufe oder Verkäufe größerer Adressen mit mittel- oder langfristigem Zeithorizont. So gesehen wird sich erst in den kommenden Tagen herausstellen, ob dieses gestrige Plus ausreicht, um dem S&P 500 den Schwung zu geben, die letzten Punkte bis zum bisherigen Rekord-Verlaufshoch von 3.393 Punkten zu absolvieren. Einen Vorteil haben die Bullen aber durchaus:

Aus rein charttechnischer Sicht war der Kursgewinn des Mittwochs wichtig. Denn dadurch konnte sich der Index etwas von den beiden kurzfristig entscheidenden Leitlinien der Rallye, der April-Aufwärtstrendlinie (3.185 Punkte) und der 20-Tage-Linie (3.203 Punkte) absetzen. Darüber hinaus endet morgen der Handelsmonat Juli. Mit diesen Käufen als Reaktion auf die positiven Elemente der Notenbank-Aussagen dürfte sichergestellt sein, dass dieser Monat der vierte starke Monat in Folge wird. Was wiederum die Hoffnung unter den Bullen nährt, dass auch zum Start in den August wieder frisches Geld seitens der durch die Rallye elektrisierten Sparer in die Kassen der institutionellen Investoren wie den Fonds oder den ETF-Betreibern fließt und die Rallye so weiter mit dem nötigen Treibstoff versorgt, um das bisherige Rekordhoch zu überbieten.

S&P 500 Chart auf Monatsbasis vom 29.07.2020, Kurs 3.258,44 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Erfahrene Akteure wissen indes, dass man gezieltes „Ziehen“ der Kurse nach einer Notenbanksitzung oder zum Monatsultimo nicht überbewerten darf. Denn die tatsächlichen Rahmenbedingungen, von Notenbankchef Powell ja durchaus auf den Tisch gebracht, spielten dabei keine Rolle. Das aber ist nichts, was auf Dauer durchzuhalten ist. Irgendwann kommt der S&P 500 wieder auf Tuchfühlung mit der Realität außerhalb der Börsensäle. Daher dürften zwar viele alte Hasen mit einem gewissen Unwohlsein konsequent dem Aufwärtstrend folgen. Sie werden sich aber konsequent knapp unter den beiden obengenannten Leitlinien April-Aufwärtstrend und 20-Tage-Linie mit Stop Loss-Verkaufsorders absichern und diese mit jedem Punkt, den diese beiden Linien nach oben vorankommen, nachziehen.

S&P 500 Chart auf Tagesbasis vom 29.07.2020, Kurs 3.258,44 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

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Vorherige Analysen des S&P 500 Index

Was man am 3. November wählen wird, ist eine Sache, im Hier und Heute der Trader aber ist diese Wahl mit all den mit ihr verbundenen Konsequenzen noch weit weg. Aktuell hat man eine andere Wahl. Die Wahl zwischen der Realität einer nicht unter Kontrolle gebrachten Pandemie mit den entsprechenden Konsequenzen für die Chance, die Rezession in den Griff zu bekommen und dem schönen Schein, in dem die Rezession so gut wie erledigt ist. In dem die frühere Wirtschaftsleistung wieder erreicht ist, die großen Unternehmen mehr verdienen als zuvor und Donald Trump alles bis zur Wahl in den Griff bekommt. Oder danach, weil er wiedergewählt wird. All das, was diesen schönen Schein ausmacht ist, es liegt in der Natur der Sache, bullisches Wunschdenken. Wer da erwartet, dass das über Kurz oder Lang schiefgeht, womöglich, wenn man den Bogen noch ein wenig weiter überspannt, zu einem zweiten, eventuell noch extremeren Abwärtsimpuls führt, mag Recht haben. Die Frage ist nur, wann das passiert … „über Kurz“ oder doch „über Lang“?

Ein Blick in die Historie der Aktienmärkte zeigt, dass solche Phasen selektiver Wahrnehmung äußerst hartnäckig sein können. Und immerhin hätten die Bullen ein Argument auf ihrer Seite: Wenn es gelungen ist, diese Rallye über jetzt fast vier Monate trotz ernüchternder Rahmenbedingungen aufrechtzuerhalten, warum soll das nicht auch noch einen, zwei, vielleicht drei Monate weiter gelingen? Und das wäre in der Tat möglich. Natürlich muss man, wenn man auf der Long-Seite agiert und erkennt, dass diese Hausse auf Treibsand gebaut ist, immer einen „sudden death“, ein schlagartiges Ende der Rallye, einkalkulieren und sich entsprechend konsequent nach unten absichern. Aber ansonsten hieße es: „Weiter im Text“ ist zwar nicht sicher, aber möglich.

Doch wer glaubt, damit beim marktbreiten US-Index S&P 500 einen tadellosen Aufwärtstrend vorzufinden, wird enttäuscht. Zwischen Anfang April und Mitte Mai war der Index in einer Seitwärtsrange gefangen. Danach brach er zwar nach oben aus, landete aber in den letzten Wochen erneut in einer Seitwärtsspanne. Wo ist das Problem? Das findet sich in zwei Aspekten:

Zum einen umfasst der S&P 500, wie der Name andeutet, 500 Aktien, ist also sehr breit gefasst. Doch die Marktbreite der Aufwärtsbewegung an der Wall Street ist nicht gut. Es sind relativ wenige Aktien, Gipfelstürmer wie Amazon, Netflix oder Tesla, die von einem Rekordhoch zum nächsten laufen. Der breite Markt aber kommt bei weitem nicht so voran. Und der S&P 500 sitzt zudem zwischen den Stühlen in Form des Dow Jones auf der einen und des Nasdaq 100 auf der anderen Seite. In ihm sind Aktien aus beiden Indizes gelistet. Da der Dow aber seit Wochen unter seiner 200-Tage-Linie festhängt, der Nasdaq 100 hingegen von einem Rekordhoch zum nächsten läuft, präsentiert sich das Chartbild des S&P 500 als eine eher diffus wirkende Quersumme aus Stagnation auf der einen und Super-Hausse auf der anderen Seite. Ist der Index damit derzeit nicht handelbar?

S&P 500 Chart auf Wochenbasis vom 10.07.2020, Kurs 3.185,04 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Man sollte zumindest mit „Puffern“ arbeiten, was die kurzfristigen, charttechnischen Ankerpunkte angeht, deren Über- oder Unterschreiten den Index aus seiner derzeitigen Seitwärts-Range befreien würde. Denn starke Bewegungen eines der beiden am S&P 500 „ziehenden“ Indizes, d.h. des Dow oder des Nasdaq 100, könnten hier leicht Fehlausbrücke nach sich ziehen. Auf der Oberseite müsste der S&P 500 über dem Juni-Hoch schließen, das mit 3.233 Punkten eng mit dem Zwischentief des Index Ende Januar bei 3.215 Punkten korrespondiert und selbst schon eine Bullenfalle war, wenn man nicht auf den oben genannten „Puffer“ geachtet hat. Ein Prozent sollte der Index diese Marke schon überschreiten, um den Ausbruch glaubwürdig erscheinen zu lassen. Das hieße Schlusskurse über 3.266 Punkten.

Ein Prozent Sicherheitspolster sollte man auch auf der Unterseite ansetzen. Da war es die 200-Tage-Linie, die der S&P 500 im Juni immer wieder testete und am Ende verteidigte. Das dabei ausgebildete Tief von 2.965 Punkten sollte also besser um mindestens ein Prozent auf Schlusskursbasis unterboten sein (2.935 Punkte), bevor man dem Braten trauen sollte.

Diese Handelsspanne zwischen den bisherigen Ankerpunkten 2.965 und 3.233 Punkten ist nicht gerade klein und verlockt zu kurzfristigem Trading. Das äußerst unstete Kursverhalten des Index macht ein solches Unterfangen aber nicht einfach, an ein Range-Trading sollte man daher wenn, dann mit der gebotenen Vorsicht herangehen.

S&P 500 Chart auf Tagesbasis vom 10.07.2020, Kurs 3.185,04 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

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McDonald’s ist einer der weltweit führenden Fast-Food und Immobilienkonzerne.

Der Permabulle

Manche Sachen kann ich einfach nicht nachvollziehen. Vor Corona war die Meinung sehr einhellig: Aktien waren im Allgemeinen überbewertet.
Gehandelt hat danach aber so gut wie niemand. Ich kann nur hoffen, dass möglichst viele Leser Anfang des Jahres meinen Empfehlungen gefolgt sind und ihre Cashquote erhöht haben.

Die eigentliche Frage ist aber: Wenn die Märkte vor der Pandemie überbewertet waren, wie sieht es heute aus? Die aktuelle Lage ist schließlich viel schlechter, als beispielsweise im Januar. Der Ausblick ebenso und auch die Unsicherheit ist viel größer.

Dennoch notieren viele Indizes am oder nahe am Allzeithoch. Das passt nicht zusammen. Der Markt ist jetzt also noch deutlich stärker überbewertet, als Anfang des Jahres.
Selbst als Permabulle dürfte es einem sehr schwer fallen, das alles noch zu rechtfertigen.

Das wirkliche Problem

Aber der Markt ignoriert Probleme eben, bis es nicht mehr geht. Auch zu Beginn der Pandemie war das der Fall. Die Märkte stiegen über Wochen hinweg weiter, obwohl der Virus in einem Land nach dem anderen auftauchte.

Aktuell geht die Börse von einer schnellen und nachhaltigen Erholung der Wirtschaft aus. Leider sprechen aber alle Fakten dagegen.

Man muss sich nur die Entwicklung in China anschauen. Das Land ist uns einige Monate voraus. Auf den wirtschaftlichen Einbruch folgte zwar ein Rebound, das Vorkrisenniveau wurde aber nicht mehr erreicht – trotz massiver Hilfsprogramme durch den Staat.

Das wirkliche Problem ist aber, dass es seit dem ersten Rebound mit der Wirtschaft wieder abwärts geht. Die Dynamik hat deutlich nachgelassen.

Die zweite Runde

Wenn man etwas darüber nachdenkt, ist vollkommen klar, warum das so ist und dass es in allen Volkswirtschaften ähnlich verlaufen wird.

Das hat aus meiner Sicht zwei Hauptgründe:
Der wirtschaftliche Schaden, der bis zum Rebound angerichtet wurde, lässt sich anschließend nicht mehr beheben.
Zwischenzeitlich verlorene Aufträge, ausgefallene Restaurantbesuche, Lohnausfälle und ähnliches sind nicht aufholbar. Das dämpft die Wirtschaft und verursacht Zweitrundeneffekte.

Ein gewisser Teil der Menschen wird sich für eine sehr lange Zeit vorsichtig verhalten, weniger konsumieren, nicht in den Urlaub fliegen, große Anschaffungen werden verschoben und so weiter.
Auch das dämpft natürlich die Wirtschaft.

Stellen Sie sich nur selbst die Frage: Waren Sie in diesem Jahr vielleicht seltener beim Frisör als sonst? Restaurant, Kino, Urlaub, große Anschaffungen? Man könnte ewig fortfahren.

Nur ein Vorgeschmack

Die jüngsten Entwicklungen bei McDonald’s sind nur exemplarisch:
Die Fastfood-Kette musste die bisherigen Pläne über den Haufen werfen, da sich die Pandemie doch länger zieht als bisher angenommen.

In ähnlicher Weise werden wir das in den nächsten Monaten immer wieder erleben.

Teilweise lohnen sich für McDo sogar Produkte nicht mehr, dutzende wurden aus dem Programm genommen. Man fährt den Betrieb herunter, nicht wieder hoch!

Die Pläne für eine teilweise Wiedereröffnung sind ebenfalls hinfällig und wurden vorerst auf Eis gelegt. Im Klartext bedeutet das: Man hat keine Ahnung, wie es weitergeht.

Das ist sicher

Dafür wissen wir aber, wie es bisher lief und welche Qualitäten das Unternehmen ganz grundsätzlich mit sich bringt.
Leider macht es das nicht besser.

Der Umsatz von McDonald’s ist in den letzten zehn Jahren von 24,07 auf 21,08 Mrd. USD gesunken. Das Ergebnis legte zwar von 4,58 auf 7,88 USD je Aktie zu, allerdings nur dank massiver Buybacks und der Steuersenkung.
Vor der US-Steuersenkung stagnierte der Gewinn über Jahre hinweg.

Wirklich überzeugend ist das nicht, Anleger haben McDonald’s dennoch immer eine Premiumbewertung zugestanden.
Die P/E lag meistens bei 20 oder knapp darüber. Aktuell kommt das Unternehmen auf einen Wert zwischen 23 und 32 – je nachdem ob man das laufende oder das letzte Geschäftsjahr als Grundlage nimmt.
Für die gegebenen Charakteristiken ist das meines Erachtens zu viel.

Fakten und andere unwichtige Dinge

Vor allem, wenn die derzeitigen Probleme länger anhalten, wovon ich ausgehe.

Nach dem Gewinneinbruch in diesem Jahr, erwartet der Markt für 2021 wieder ein Rekordergebnis.
Wenn die Erwartungen derartig hoch sind, können sie eigentlich nur verfehlt werden. Woher kommt nur all der Optimismus?

Im April ist der Umsatz jedenfalls um 39% eingebrochen, im Mai lag das Minus bei 20,9%. Das sind die Fakten, die bisher vorliegen.

Dass man seitdem dutzende Produkte aus dem Programm genommen hat und sich das Frühstücks-Geschäft wohl in Luft aufgelöst hat, spricht Bände.

Da wären wir wieder an dem Punkt aus dem Absatz „Nur ein Vorgeschmack“ und das ist die zentrale Aussage:
Der Markt erwartet eine schnelle und nachhaltige Erholung, die es nicht geben wird.
Unternehmen hoffen und planen, werden dann aber von der Realität eingeholt.

Kursgeschehen

Als der Crash in vollem Gange war, erwartete alle Welt eine zweite Abwärtswelle. Sie kam nie.
Inzwischen sind nahezu alle davon überzeugt, dass die Krise zumindest an der Börse überstanden ist.
Merken Sie etwas? Die Masse liegt an der Börse immer falsch.

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Chart vom 02.07.2020 Kurs: 3115 Kürzel: SPX - Wochenkerzen | LYNX Online BrokerChart vom 02.07.2020 Kurs: 184,66 Kürzel: MCD - Wochenkerzen | LYNX Online Broker

Morgen steht die Abrechnung der Optionen auf Aktien und Indizes sowie der Futures mit Juni-Laufzeit an. Ein solcher sogenannter „dreifacher Hexensabbat“ sorgt im Vorfeld oft für immense Volatilität, den sogenannten „Hexentanz“. An diesen Tagen vor der Abrechnung bewegen sich die Kurse oft wie von Geisterhand, abrupt und weitreichend, aber ohne jeweils ersichtlichen Grund … wenn man nicht weiß, wie viel Geld da zu einer solchen Abrechnung auf dem Spiel steht. Und als der S&P 500 vergangene Woche plötzlich auf dem Weg zum alten Rekordhoch (3.393 Punkte) auf dem Absatz kehrt machte, gerieten die großen Akteure am Terminmarkt in Entscheidungsnot. Ein markant bärisches Signal in Form einer Inselumkehr-Formation (Island Reversal) stand der Perspektive eines ungehinderten Anstiegs auf ein für die meisten großen Player an der Terminbörse idealen Abrechnungslevels nahe am bisherigen Rekordhoch im Wege.

Der Turnaround des S&P 500 am Montag und der kräftige Kursanstieg des Dienstags macht klar, dass sich die Mehrzahl derjenigen, die mit hohem Kapitaleinsatz auf eine Options- und Futures-Abrechnung nahe dem Rekordhoch setzen, entschieden haben, den bärischen Impuls der Vorwoche „wegzukaufen“, um den angestrebten, idealen Gewinn nicht durch Absicherungspositionen nach unten einzubüßen. Aber das ist grundsätzlich schon nicht ganz ungefährlich, denn üblicherweise hat es gute Gründe, wenn so relativ nahe an einem „dreifachen Hexensabbat“ die Kreise dieser großen Adressen am Terminmarkt gestört werden. Und diesmal ist das Risiko noch größer, denn:

Den aktuellen Kurs und Chart des S&P 500 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Um den S&P 500 wieder nach oben zu bugsieren, müssen diese großen Akteure natürlich noch mehr Geld in die Hand nehmen. Der Index lief vom Tagestief des Montags bis zum gestrigen Verlaufshoch über 6,5 Prozent nach oben. Das sieht, angesichts der Ausnahme-Volatilität der Monate zuvor, in diesem Chart nach wenig aus, ist aber ein kostenintensiver Kraftakt, der sich nur dann nicht doch noch zu einem Bumerang entwickelt, wenn es gelingt, die Positionen, die eingesammelt wurden, um den Index wieder nach oben zu ziehen, auch zu einem ideal hohen Kurs wieder zu verkaufen, sobald der Termin vorüber ist. Aber wird das gelingen?

Das ist eben unsicher. Denn zum einen ist die Nachrichtenlage alles andere als erfreulich. Die Pandemie kommt in den USA nicht in den Griff, d.h. die Gründe, die den S&P 500 in der Vorwoche drückten, sind noch da. Zudem scheint es sogar in der eigenen Partei größeren Widerstand gegen Trumps Plan zu geben, Wahlkampf mit der Staatskasse zu machen, indem er ein großes Infrastrukturprogramm vom Zaun bricht. Und die Attacken der Politik gegen Google, Facebook und Twitter scheinen jetzt sehr konkret zu werden, was Risiken für die Technologieaktien birgt.

Und nicht nur die Gründe für dieses „Island Reversal“, d.h. für einen isoliert stehenden Kursbereich, der durch zwei Kurslücken entstand, sind derzeit noch vorhanden, auch dieses Island Reversal selbst ist noch da. Um dieses negative Signal zu egalisieren, müsste es gelingen, beide Kurslücken, im Chart violett gekennzeichnet, zu schließen. Dazu müsste der S&P 500 mindestens bei 3.182 Punkten schließen. Das wäre ein starkes Signal, dann könnten andere Marktteilnehmer die Nachfrage generieren, die es den großen Terminbörsen-Akteuren ermöglichen würde, ihre „Stützungskäufe“ zu idealen Kursen wieder abzustoßen und diese Gegenwehr zu einem Erfolg zu machen. Versucht wird es unverkennbar, diesen Level zu erreichen. Aber der Chart zeigt, dass man sich da ziemlich schwertut, in den Bereich dieser beiden Kurslücken vorzustoßen. Und sollte es misslingen, dieses „Island Reversal“ zu schließen, kann der Abgabedruck unmittelbar nach dieser morgen anstehenden Abrechnung erneut einsetzen und die 200-Tage-Linie (aktuell bei 3.016 Punkten) dann im zweiten Anlauf doch noch nachhaltig gebrochen werden!

S&P 500 Chart vom 17.06.2020, Kurs 3.113,49 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Es seien die düsteren Perspektiven der US-Notenbank gewesen, die den US-Aktienmarkt am Donnerstag unter Druck gesetzt haben, heißt es nahezu einhellig in den Medien. Wirklich? Die Entscheidung der US-Notenbank kam zwei Stunden vor Handelsende des Mittwochs. Die Pressekonferenz des US-Notenbankchefs Powell war ebenfalls klar vor dem US-Handelsende vorüber. Und doch verlor der marktbreite US-Index Standard & Poor’s 500 (S&P 500) an eben diesem Tag der Notenbanksitzung nur etwas mehr als ein halbes Prozent.

Sollten die Investoren, die ansonsten binnen Sekunden auf ein US-Notenbank-Statement reagieren, das sie nie und nimmer in der kurzen Zeit ganz hätten lesen können, auf einmal Stunden benötigt haben, um die Aussagen des US-Notenbankchefs zu bewerten? Und dann auch noch Aussagen, die zwar eine schwierige Zukunft skizzierten, in der die Rückkehr zu alter wirtschaftlicher Stärke kein solche Spaziergang wird, wie man es aus Washington im Zuge der Wahlkampf-Sprüche hört, die man aber präzise so selbst hätte sehen können, wenn man es denn wollte? Kann es wirklich sein, dass so viele Marktteilnehmer im Vorfeld von Powells Statement komplett blauäugig agierten?

Eher nicht. Und es war durchaus auffällig, dass der S&P 500 am Mittwochabend kaum reagierte, dann aber am Donnerstag mit einer ungewöhnlich großen Kurslücke in den Handel ging, obwohl zwischen dem Handelsende des Mittwochs und dem Handelsbeginn des Donnerstags keine neuen Impulse entstanden, die das hätten erwarten lassen. Die Index-Futures wurden in der Nacht, im umsatzärmeren asiatischen Handel gedrückt … das wirkt wie eine ganz gezielte Attacke großer Trader auf der Short-Seite. Und natürlich ist für die eine Notenbank-Sitzung ein Vehikel, mit dem man „arbeiten“ kann, weil klar war, dass die Medien die „Fed“ für den Ausverkauf verantwortlich machen und so unter den Marktteilnehmern Angst schüren, dass der Abwärtsimpuls gerade erst begonnen hat.

S&P 500 Chart auf Wochenbasis vom 11.06.2020, Kurs 3.002,10 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Die Short-Seller sind also zurück. Aber ob sie ihr Ziel einer weitreichenden Abwärtswende erreichen, ist noch offen, denn um die entscheidende Linie wird noch gerungen. Sie sehen im Chart, dass der Index auf eine markante Auffangzone, bestehend aus mehreren Zwischenhochs vom Sommer/Herbst 2019, der März-Aufwärtstrendlinie sowie der 20-Tage- und der 200-Tage-Linie, aufgesetzt hat. Diese wichtige 200-Tage-Linie schließt die Unterstützungszone bei 3.013 Punkten nach unten ab. Erst, wenn der S&P 500 diese deutlich gebrochen hätte, hätten die Bären ihre Attacke durchbekommen. Dazu sollte der Index nicht nur unter 3.000 Punkten schließen, sondern auch mindestens zwei, drei Tage unterhalb der 200-Tage-Linie bleiben. Dass der Index diese Zone am Donnerstag leicht unterbot, reicht also noch nicht aus, um über die Bullen-Träume das Kreuz zu schlagen.

Dann allerdings wäre nach unten nichts unmöglich, denn die Rahmenbedingungen sind jetzt einmal bärisch. Was ignoriert werden kann, solange der Trend weiter aufwärts weist, aber wie ein Bumerang zurück ins Bewusstsein kommt, wenn er bricht. Und darüber hinaus steht am kommenden Freitag der große Abrechnungstermin an der Terminbörse an. Wenn der S&P 500 im Vorfeld deutlich die Richtung wechselt, würde das umfassende Positionsanpassungen der großen Akteure am Terminmarkt auslösen, was hieße: Man würde sich „hedgen“ und den Index dadurch nur noch mehr drücken. Was den Bären zweifellos bewusst ist, daher diese überraschende und massive Attacke. Aber wie gesagt: Noch haben sie nicht gewonnen!

S&P 500 Chart auf Tagesbasis vom 11.06.2020, Kurs 3.002,10 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

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Was man hat, gibt man so schnell nicht mehr her. Vor allem nicht in einem Markt wie diesem, in den so viel große Erwartungen eingepreist sind. Viele Aktien liegen zu Recht noch am Boden, andere sind derart weit vorausgelaufen, dass sie seitens der Bewertung her sehr teuer sind. Dadurch ist die Dynamik in den letzten Wochen geringer geworden. Umso wichtiger ist es da, wenn es gelingt, besonders bedeutsame Charthürden zu bezwingen. Und einen der wichtigsten Widerstände hat der marktbreite US-Index S&P 500 in der vergangenen Woche überwunden: die 200-Tage-Linie.

Die wurde am Freitag von oben getestet und hielt. Am Montag sattelte der Index noch einmal knapp 0,4 Prozent obendrauf. Nominal nicht die Welt, aber wenn man bedenkt, dass China die Tiraden des US-Präsidenten vom vergangenen Freitag offenbar nicht einfach so hinnehmen wird und das Risiko einer Eskalation damit nicht vom Tisch ist, ist dieses Plus recht hoch zu werten. Es zeigt: Die Bullen wollen sich das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen. Was aber sicherlich kein Spaziergang wird, denn China ist ja derzeit nicht das einzige Problem für die USA.

Den aktuellen Kurs und Chart des S&P 500 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Zum einen bedeuten die Unruhen, die sich nicht nur auf Minneapolis beschränken, das Risiko einer innenpolitischen Eskalation, die eine wirtschaftliche Erholung ausbremsen kann. Nicht anders sieht es mit dem Zwist über das „Reopening“ in den einzelnen Bundesstaaten aus. Und auch ohne diese Aspekte ist der feste Glaube an eine „V“-förmige Erholung der US-Wirtschaft, den die meisten Akteure hegen, die derzeit am US-Aktienmarkt Long gehen, ambitioniert. Die Aufwärtsbewegung darf daher keine allzu großen Schwächen zeigen, die Bullen müssen dafür sorgen, dass der Gedanke, nach dieser immensen Erholungsbewegung Gewinne mitzunehmen, gar nicht erst aufkommt. Und da kann die jetzt zurückeroberte 200-Tage-Linie zur Achillesferse werden, solange der Index sich nicht deutlich von ihr nach oben absetzen kann.

Ein kurzer Ausflug unter diese momentan bei 3.003 Punkten verlaufende Linie könnte wohl schnell wieder aufgeholt werden. Sollte der S&P 500 aber auch noch die sukzessiv von unten nachlaufende 20-Tage-Linie (aktuell bei 2.931 Punkten) als Sprungtuch des längeren gleitenden Durchschnitts durchbrechen, dürfte passieren, was nicht passieren soll. D.h. Gewinnmitnahmen würden einsetzen, die angesichts des Umstands, dass das bullische Lager noch keine „harten Fakten“ hat, auf welche es seine Käufe bauen kann, schnell in eine Verkaufslawine ausarten können. Long ist zwar derzeit aus charttechnischer Sicht die einzig richtige Ausrichtung … aber ohne „Fallschirm“ in Form konsequent nachgezogener Stop Loss-Absicherungen sollte man diesen Steigflug besser nicht mitmachen!

S&P 500 Chart vom 01.06.2020, Kurs 3.055,73 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

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