S&P 500 Prognose S&P 500: War das wirklich der Grundstein der Aufwärtswende?

News: Aktuelle Analyse des S&P 500 Index

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S&P 500
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Zum S&P 500

Das immense Plus von drei Prozent im marktbreiten US-Index S&P 500 erweckt den Anschein, dass die US-Notenbankentscheidung und/oder die anschließende Pressekonferenz von Notenbankchef Powell die Anleger begeistert haben muss. Aber ist das wirklich so?

Erwartet hatte man seitens der US-Volkswirte, dass die „Fed“ den Leitzins diesmal um 0,50 Prozentpunkte anheben und kommunizieren würde, dass diese Anhebungen vorerst weitergehen. Genau das passierte auch. Investoren, die befürchtet hatten, dass es zu einer besonders starken Anhebung um 0,75 Prozent kommen könnte, kann es eigentlich nicht allzu viele gegeben haben. Das also kann kaum der Grund gewesen sein, weshalb Dow Jones, Nasdaq 100 und der S&P 500 Hand in Hand derart durchstarteten.

Beobachter glaubten dann, einen Rallye-Grund darin gefunden zu haben, dass die Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell in der anschließenden Pressekonferenz deutlich machten, dass man nicht vorhat, dieses Tempo auf 0,75 Basispunkte zu erhöhen.

Würden die Investoren glauben, dass die Perspektiven damit jetzt wieder bullisch sind, könnte diese Rallye des Mittwochs durchaus der Grundstein einer größeren Aufwärtsbewegung sein. Immerhin hatte der S&P 500 erst am Montag ein neues Jahrestief markiert, das noch am selben Tag auf Käufe traf. Und dass hier neue Tiefs gerne mal zu Bärenfallen werden, haben wir Ende Januar und Ende Februar bereits erlebt. Warum also nicht erneut?

Den aktuellen Kurs und Chart des S&P 500 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Expertenmeinung: Genau diesen Gedanken könnten viele derjenigen gehabt haben, die gestern bereits vor der Fed-Entscheidung kauften und danach erst recht. Aber macht es denn wirklich einen entscheidenden Unterschied aus, ob die „Fed“ den Leitzins „schnell“ oder „sehr schnell“ hochfährt? Nein, denn:

Entscheidend ist vor allem, dass damit der Geldhahn zugedreht wird. Und es wird ja nicht nur der Leitzins angehoben. Die „Fed“ kehrt die jahrelangen Stützungskäufe am Anleihemarkt um. Ab Juni wird sie monatlich für fast 50 Milliarden US-Dollar Anleihen aus den durch diese früheren Käufe aufgehäuften Beständen in den Markt geben und diese Summe ab September sogar verdoppeln. Das entzieht dem Markt Geld. Geld, das ansonsten in Aktien hätte fließen können. Hinzu kommt, dass Jerome Powell keineswegs Formulierungen wählte, die die Investoren hätten begeistern können.

Es sei möglich, so Powell, dass die US-Geldpolitik restriktiv werden müsse. Wenn das nötig werde, würde man nicht zögern, es zu tun. „Restriktiv“ heißt, dass man den Markt gezielt „zusammenstaucht“, indem man den Zins über den neutralen Level hinaus anhebt, den man derzeit allgemein bei 2,5 Prozent verortet. Und ob die „Fed“ selbst ihn überhaupt bei 2,5 Prozent sieht, weiß man nicht so genau. Powell sagte nur, man sei noch weit von einem neutralen Zinsniveau entfernt.

Immer dann, wenn das Argument „es hätte schlimmer kommen können“ nicht wirklich plausibel ist, sollte man bei Rallyes wie der von gestern vorsichtig bleiben. Es ist letztlich ja oft der Fall, dass nach einer Fed-Entscheidung massiv gekauft wird und die scheinbar plausiblen Argumente dafür nachträglich zusammengeschustert werden. Nicht selten decken da aber nur Short agierende Trader ihre Positionen ein, um den Gewinn zu sichern, weil die „bad news“ jetzt auf dem Tisch liegen. D.h. man sieht eine Art „selling on good news“, auf den Kopf gestellt.

Und natürlich dienen solche Kaufwellen dazu, den Markt zu beruhigen und Anleger davon abzuhalten, auf Basis solcher eigentlich keineswegs bullischen Entwicklungen auszusteigen. Der S&P 500 hätte ein markantes Minus gestern nicht gut verdaut, das am Montag markierte Jahrestief war nicht weit entfernt.

S&P 500: Tages-Chart vom 04.05.2022, Kurs 4.300,20 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Wenn man einmal zurückblickt, was nach der vorherigen Notenbankentscheidung vom 16. März passierte, sieht man: Auch da wurde die damals erste Zinsanhebung „gekauft“. Es folgte eine Rallye von zwei Wochen Dauer, bevor der Index dann aber wieder nach unten drehte und neue Jahrestiefs ansteuerte.

Von Dauer dürfte auch diese Rallye nicht sein, auch, wenn sie, wenn keine anderen, sehr negativen Nachrichten kommen sollten, ein paar Tage, womöglich auch diesmal bis zu zwei Wochen vorhalten könnte. Dass das neue Tief sofort gekontert wurde und der S&P 500 die Widerstandszone 4.233/4.279 Punkte dadurch zurückeroberte, kann das befeuern. Aber über einen reinen Trading-Horizont hinaus darauf zu setzen und damit zu unterstellen, dass der marktbreite S&P 500 jetzt für längere Zeit seine Tiefs gesehen hat wäre, angesichts des Fehlens echter „good news“, gewagt.

S&P 500: Monats-Chart vom 04.05.2022, Kurs 4.300,20 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX
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Vorherige Analysen des S&P 500 Index

Der Handel am Donnerstag dürfte viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt haben. Nach einer freundlichen Eröffnung ging es wie am Schnürchen abwärts.
Der gesamte Handelstag bestand eigentlich nur aus Druck und das auf breiter Front.

Ist das der Beginn einer größeren Abwärtsbewegung?

Dass der Markt bereits seit Monaten auf tönern Füßen steht, haben wir immer wieder thematisiert. Derzeit notieren rund zwei Drittel aller US-Aktien unter ihrem 50- sowie 200-Tagesschnitt.

Im S&P500 schafften es lediglich zwei Dutzend Aktien, Gewinne von mehr als einem Prozent erzielen.
Nach Kurseinbrüchen musste man jedoch nicht suchen.

Das Chartbild des US-Leitindex verdunkelt sich zunehmend. Bei all den Sorgen am Horizont ist das kein Wunder.
In den letzten Wochen bin ich bereits mehrfach auf die belastenden Faktoren eingegangen und hatte daher auch zu einer gewissen Rückhaltung bei neuen Investments geraten.
Daran hat sich nichts geändert.

Belastungsfaktoren

Derzeit haben wir es mit einer ganzen Reihe von Themen zu tun, die zu einem ordentlichen Gegenwind führen.

Für die Börse mit am bedeutendsten ist Liquidität. Daran hat es seit der Finanzkrise nie gemangelt. Seit der historisch beispiellosen Ausweitung der Geldmenge ab 2020, ist das umso mehr der Fall.

Die Welt wurde geradezu mit Liquidität überschüttet. Dass das am Ende zu nennenswerter Inflation führen muss, war den meisten Bürgern wohl sehr viel klarer als den Notenbanken und Regierungen.

Um das einordnen zu können, muss man sich die Dimensionen bewusst machen. Mehr als ein Viertel aller jemals „gedruckten“ Dollar wurden in der kurzen Zeit seit Anfang 2020 erschaffen.
Die Geldmenge M3 ist von 15,4 auf 21,8 Dollar gestiegen, die zahllosen Nullen sparen wir uns. Es geht ausschließlich um die Verhältnismäßigkeiten.

Geldmenge explodiert

Es ist zwar eine grobe Vereinfachung der Lage, aber wenn die Geldmenge in kürzester Zeit um 40% steigt, dann ist es irrational zu erwarten, dass das nur eine geringfügige Inflation nach sich zieht.

Es sollte einen daher auch nicht überraschen, dass der Preis einiger Güter bereits um 10,20 oder 30% gestiegen ist.
Und es würde mich auch nicht wundern, wenn wir vor einer längeren Phase erhöhter Inflation stehen.

Eine Steigerung der Geldmenge in diesem Ausmaß ist mit einer Inflation von 7% noch nicht verdaut.

So wie die Notenbanken über ein Jahrzehnt lang nicht dazu in der Lage waren, Inflation zu erzeugen, werden sie jetzt nicht dazu in der Lage sein, die Inflation in kurzer Zeit wieder auf 2-3% zu senken.
Das einzige, was das bewirken könnte, wäre eine ordentliche Rezession.

Das würde die Nachfrage in allen Wirtschaftsbereichen senken und somit auch der Inflation nachhaltig entgegenwirken.

Kein Ausweg?

Betrachtet man diese Gesamtkonstellation, gibt es für den Aktienmarkt wenig optimistische Szenarien.
Bestenfalls rutschen wir nicht in eine Rezession, die Inflation richtet bei Verbrauchern und Unternehmen wenig Schaden an und der Markt kann sich in eine Seitwärtsbewegung retten.

Viel mehr ist nicht drin und einige Effekte beginnen gerade erst, sich auszuwirken.
Bisher hilft die Inflation den Aktienkursen noch, da Anleger kein Bargeld halten wollen und es daher lieber in Aktien und andere Anlageklassen stecken.

Sobald die Inflation allerdings anfängt, die Ergebnisse von Unternehmen zu belasten, und das wird sie, könnte sich das Sentiment deutlich eintrüben.

Doch kommen wir zurück zum Kernthema Liquidität. Noch ist die Liquidität hoch, wird aber von nahezu allen Notenbanken der Welt reduziert. Das geschieht durch steigende Leitzinsen ebenso wie durch auslaufenden Anleihenkaufprogramme (QE).

Für den Aktienmarkt ist auch das keine gute Nachricht.
Das Problem für Anleger ist, dass wir alle in einer Zwickmühle stecken. In der aktuellen Situation gibt es keine optimale Alternative.

In der Zwickmühle

Die Kombination aus hoher Inflation und zunehmenden wirtschaftlichen Problemen macht so ziemlich jede Anlageklasse unattraktiv.

Der Immobilienmarkt steht aufgrund der steigenden Zinsen unter Preisdruck, Aktien aufgrund der wirtschaftlich mittelprächtigen Lage, Bargeld verliert durch die Inflation, Anleihen werfen Renditen unterhalb der Inflation ab und stehen ebenfalls durch die steigenden Zinsen unter Druck.

Vermutlich ist es daher das beste mehrgleisig zu fahren. Wer Immobilien besitzt, ist dadurch bis zu einem gewissen Grad vor Inflation und einem wirtschaftlichen Abschwung geschützt.
Dasselbe gilt wohl auch für Kryptos, Gold und andere Wertgegenstände, wobei vor allem bei den digitalen Währungen eine hohe Volatilität eingeplant werden muss.

Anleihen mit einer ordentlichen Dividende dürften eine bessere Option als Bargeld sein. Aktien sind es langfristig ohnehin.
Am Ende dient Geld in dieser Situation nur einem Zweck: Noch Pulver zu haben, um im Fall sinkender Kurse zugreifen zu können.

Chart vom 22.04.2022 Kurs: 4.393 Kürzel: SPX - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 22.04.2022 Kurs: 4.393 Kürzel: SPX – Tageskerzen
Chart vom 22.04.2022 Kurs: 4.393 Kürzel: SPX - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 22.04.2022 Kurs: 4.393 Kürzel: SPX – Tageskerzen

Aus technischer Sicht sieht es bestenfalls mittelprächtig aus. Der S&P500 hat eine Folge von tieferen Hochs und tieferen Tiefs ausgebildet und könnte daher gerade dabei sein, in eine Abwärtsbewegung einzuschwenken.

Fallen die Kurse per Tagesschluss unter 4.385 Punkte, ist ein erneuter Rücksetzer in Richtung 4.300 Punkte oder den bei rund 4.250 Punkten verlaufenden Aufwärtstrend wahrscheinlich.
Unter 4.250 Punkten wäre der Weg in Richtung Jahrestief frei.

Die Inflation würgt das Wachstum ab, aber die US-Notenbank steuert nicht mit billigem Geld dagegen, sondern erhöht die Zinsen. Dazu kommt Druck durch den Ukraine Konflikt. Aber der S&P 500 hat die Hälfte seines Abstiegs wieder aufgeholt – wie ist denn das möglich?

Eigentlich ist das „Worst Case Szenario“ komplett. Das Realeinkommen der US-Bürger steht massiv unter Druck, trotzdem ziehen die Löhne einer Inflation auf dem höchsten Stand seit über 40 Jahren hinterher, was aber den Kostendruck für die Unternehmen erhöht und damit deren Gewinne beschneidet. Das Wachstum ist damit gefährdet. Aber im Gegensatz zu früheren Phasen, in denen man das Wachstum stützen musste, verweist die US-Notenbank auf den scheinbar grandios laufenden Arbeitsmarkt und hat eine Serie von Leitzinserhöhungen begonnen. Dabei mangelt es an Fachkräften, weshalb die Löhne zu schnell steigen, zugleich haben zwar viele offiziell einen Job, können von dem Lohn aber nicht leben. Schlimmer geht‘s nimmer, könnte man denken … und kaum hat man das gedacht, kommt noch der Ukraine-Konflikt mit seinen unberechenbaren Konsequenzen hinzu, der die Inflation, ohnehin viel zu hoch, im März wird explodieren lassen. Tragweite und Folgen des Konflikts: nicht absehbar.

Ein negatives Szenario, kombiniert mit immenser Unsicherheit: Nichts könnte Anlegern mehr zuwider sein. Und doch hat der marktbreite US-Index Standard & Poor’s 500 (kurz S&P 500) jetzt 50 Prozent des Abstiegs seit Jahresanfang wieder aufgeholt. Das wirkt, als würden viele Anleger einfach so tun, als wäre nichts, obgleich die Warnsignale haushoch sind. Ist das wirklich denkbar?

Expertenmeinung: Das ist es durchaus. Auch 2008 haben wir so etwas erlebt. Damals, im Zuge der Baisse als Folge der geplatzten Immobilienblase, ging es keineswegs wie auf Schienen abwärts, wie manch einer, der damals nicht dabei war, glauben mag. Auch 2000 bis 2003 kam es immer wieder zu immensen Rallyes, die wirkten, als würde die Schwerkraft der Fakten keine Bedeutung mehr haben. Aber diese Rallyes wurden allesamt abverkauft, bis irgendwann, nach langer Zeit, dann doch noch ein Tief entstand. Aber erst, als sich die Rahmenbedingungen auch wirklich stabilisiert hatten. Was sie derzeit nun wirklich nicht haben.

Basis solcher Rallyes ist zum einen, dass sehr viele Anleger nicht die volkswirtschaftlichen Kenntnisse haben, um diese Gesamtsituation zu erfassen. Und die letzten Quartalsergebnisse waren ja noch mehrheitlich stark, denn sie stammten aus dem vierten Quartal. Als Zinserhöhungen noch fern schienen. Als viele dachten, die Inflation gehe ebenso von alleine wieder weg wie die Probleme mit den gerissenen Lieferketten. Und als niemand ahnte, dass es zu dieser Situation in der Ukraine kommen würde. Kommen die Wirkungen der höheren Leitzinsen, kommen die ersten Quartalsbilanzen des ersten Quartals 2022, wird es viel schwerer, die Lage rosa einzufärben. Aber das wird erst ab Ende April sein, bis dahin hätten die Bullen noch Zeit.

Aber wo bleiben diejenigen, die den Ernst der Lage erkennen? Warum verkaufen sie nicht, warum drücken sie den S&P 500 nicht mit gezielten Attacken auf der Short-Seite? Das dürfte womöglich recht bald wieder passieren. Aber in der vergangenen Woche hatten die „Bären“ einen Grund, nichts zu tun: die Abrechnung der Futures und Optionen an der Terminbörse, die am Freitag über die Bühne ging.

Es wurde schnell deutlich, dass die großen Player am Terminmarkt offenbar alles daransetzten, den S&P 500 von seinem bisherigen Tief wegzubekommen. Das dürfte zwar immensen Kapitalaufwand bedeutet haben, aber vermutlich wäre der Schaden, wäre der Index nicht wieder in die Mitte der diesjährigen Handelsspanne gezogen worden, noch viel größer gewesen. Dabei halfen mehrere Aspekte:

Erstens, dass die „Bären“ das schnell erkannten und sich dem nicht in den Weg stellten, sondern abwarten werden, bis sich diese Rallye erschöpft hat, denn dann sind die eigenen Aktionen auf der Short-Seite weit effektiver. Zweitens, dass man sich am Terminmarkt der vielen unerfahrenen Anleger als Schützenhilfe sicher sein konnte, die jetzt glauben, das Tief sei erreicht und die Zeit der „Schnäppchen“ angebrochen. Und zuletzt half die Charttechnik:

Tageschart vom 18.03.2022, Kurs 4.463,12 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der S&P 500 zuletzt ein Doppeltief ausgebildet und vollendet hatte, das wiederum als das zweite Tief eines größeren Doppeltiefs angesehen werden kann, während das erste Tief dieses größeren Doppeltiefs im Februar entstand. Während das rechnerische Kursziel des kleineren Doppeltiefs mit 4.450 Punkten am Freitag bereits erreicht wurde, hätte das größere Tief ein rechnerisches Kursziel von 4.720 Punkten. Da würde dann nicht mehr viel bis zum alten Rekordhoch fehlen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass diese 4.720 Punkte erreicht werden, ist in diesem Umfeld eher gering. Denn ab heute fällt ja die Stütze der Terminmarkt-Abrechnung weg. Was bleibt, sind „Bad News“.

Dass dieser „Hexensabbat“ genannte Abrechnungstermin seinem Namen gerecht wurde, sieht man beim Blick auf die Nachrichtenlage: „Good News“ suchte man in dieser Woche vergebens. Und noch am Montag hatte der S&P 500 ja das Vorwochentief getestet, um dann binnen vier Tagen um sagenhafte 7,3 Prozent nach oben zu schießen. Genau wegen solcher Phänomene haben Abrechnungen am Terminmarkt und die Tage zuvor den Spitznamen „Hexentanz“ bekommen.

Im Dezember hatten wir ein ähnliches Bild gesehen. Auch da schoss der S&P 500 im Vorfeld der am 23.12. vollzogenen Abrechnung mehrere Tage steil nach oben. Er stieg am folgenden Handelstag, das war feiertagsbedingt der 27.12., zwar noch weiter. Aber dann ging absolut nichts mehr voran … und einigen Tagen Wassertreten folgte dann der Abstieg, dem man jetzt zu entkommen versucht. Aber Sie sehen es in den beiden Charts des Index:

Wochenchart vom 18.03.2022, Kurs 4.463,12 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Ab jetzt wird der Weg nicht nur wegen der Rahmenbedingungen steinig. Der S&P 500 ist an eine massive Widerstandszone herangelaufen, bestehend aus der 200-Tage-Linie bei 4.470 Punkten, den Zwischentiefs vom Dezember bei 4.495 und 4.531 Punkten und, nach oben abschließend, der 100-Tage-Linie bei 4.551 Zählern. Da in einem Umfeld wie diesem durchzukommen, wenn die Sogwirkung der Terminbörse wegfällt, ist kaum realistisch, solange es nicht wenigstens zu glaubhaften und zugleich großen Fortschritten in Sachen Ukraine käme.

Fazit: Der S&P 500 wirkte zwar in den vergangenen Tagen, als sei der Markt so bullisch, wie er nur sein kann. Aber Chartbild und Rahmenbedingungen sind noch bärisch, Vorsicht also vor einem zu frühen Wechsel auf die Long-Seite.

Es ist immer schwierig, die weitere Kursentwicklung vorherzusehen. Es gibt eigentlich nur eine Situation, in der quasi klar ist, dass sich Investments lohnen werden.
Das ist im Moment der größten Panik. Wenn die Märkte bereits 20-30% gefallen sind und noch immer schier haltlos in die Tiefe rauschen, gibt es Aktien zum Schnäppchenpreis.

Kriegsnebel

Zu allen anderen Zeitpunkten ist es sehr viel schwerer zu navigieren. Das gilt umso mehr, wenn Krieg herrscht.
Der Konflikt in der Ukraine macht die ganze Sache vollkommen unvorhersehbar. Wer Ihnen etwas anderes erzählt oder sich etwas anderes einbildet, der belügt Sie oder sich selbst.

Nehmen wir nur die letzte Nacht. Was, wenn es bei den Gefechten um das Atomkraftwerk Saporischschja zu einer nuklearen Katastrophe gekommen wäre? Berichten zufolge haben Panzer das AKW beschossen.

Die möglichen Folgen kann man sich kaum ausmalen. Wer weiß, ob die Nato in dieser Situation nicht doch eingegriffen hätte.
Ich will die Überlegungen in diese Richtung gar nicht weiter fortführen, zum Glück ist es ja nicht dazu gekommen.

Das zeigt aber, wie volatil und komplett unberechenbar die ganze Sache ist.

In welcher Situation sind Sie?

Daher ist die beste Strategie wohl, behutsam vorzugehen. Je nachdem, in welcher Situation man sich befindet, bedeutet das aber ganz unterschiedliche Dinge.

Inzwischen gibt es zahlreiche Aktien von tollen Unternehmen, die massiv eingebrochen sind.
Hier kann man langsam und stetig einsammeln und die Investitionsquote erhöhen.

Das gilt vor allem für Anleger, die aktuell noch sehr viel Cash an der Seitenlinie haben, also weit von ihrer anvisierten Investitionsquote entfernt sind.

Wer die eigene angestrebte Investitionsquote bereits erreicht hat, der sollte womöglich die Füße stillhalten, ein wenig Pulver trocken halten und abwarten. Es ist schließlich nicht ausgeschlossen, dass es noch eine Etage tiefer geht.
In den breiten Markt muss man in der aktuellen Situation ohnehin nicht rein.

Die Unsicherheiten, auch abseits vom Krieg, sind viel zu groß. Inflation, steigende Zinsen, die wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen, ein miserables Verbrauchervertrauen und die hohen Ölpreise.
All das könnte eine Rezession auslösen.

Jetzt auch noch eine Rezession?

An dieser Stelle musste ich unweigerlich an den Großinvestor Bill Miller denken. Ihm zufolge wurden nahezu alle Bullenmärkte durch einen von drei Faktoren beendet: Ein Ölpreis-Schock, steigende Leitzinsen oder eine Rezession.

Aktuell können Sie es sich also aussuchen. Ich spekuliere sehr ungerne, aber die Chancen für eine Rezession in den kommenden Monaten scheinen hoch zu sein.

Und selbst wenn es nicht zu einer Rezession kommt, der Markt ist auch so schon hoch bewertet.
Die Betonung liegt auf „der Markt“, also dem S&P500. Bei vielen Einzelaktien sieht das ganz anders aus.

Bei all den Risiken würde ich daher auch nicht dazu raten, jetzt panikartig alles zu verkaufen. Wenn man gute Unternehmen im Portfolio hat, spielt die Zeit immer für einen.
Vergessen Sie nicht: Time in the market beats timing the market.

Die Geldschwemme der letzten Jahre ist beispiellos und das Geld muss irgendwo hin. Und bei Inflationsraten von 5-7% ist Cash sicherlich auch keine optimale Lösung.

Chart vom 04.03.2022 Kurs: 4.328 Kürzel: SPX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 04.03.2022 Kurs: 4.328 Kürzel: SPX – Wochenkerzen

Aus technischer Sich vollführt der S&P500 einen Tanz auf dem Vulkan. Vorbörslich steht der Kurs aktuell bei 4.328 Punkten und somit am Scheideweg.

Fällt der S&P500 unter 4.300 Punkte, drohen Verluste in Richtung 4.240 und 4.130. Kommt es dazu, ist auch ein Abtauchen unter 4.000 nicht mehr auszuschließen. In den meisten Fällen werden diese Runden Marken in einem ersten Anlauf aber nicht nachhaltig, sondern nur kurzzeitig unterschritten.

Gelingt hingegen ein Anstieg über die Abwärtstrendlinie, würde sich die Lage deutlich entspannen.

Über Wochen hinweg haben wir vor der Fragilität des US-Aktienmarktes gewarnt. Die Rallye stand auf tönernen Füßen und wurde nur noch von einer Handvoll Aktien getragen, während der Großteil aller Werte bereits im Korrektur- oder Crash-Modus war.

(Aktuell notieren über 70% aller US-Aktien unter dem 50- sowie 200-Tagesschnitt. Das ist.)

Das konnte nicht ewig gutgehen. Stand Dienstagvormittag notiert der S&P500 bei 4.388 Punkten und somit kurz davor, ein veritables Verkaufssignal auszulösen. So langsam dürften immer mehr Anleger nervös werden oder sogar die Reißleine ziehen.

In Anbetracht all der Probleme, mit denen wir es aktuell zu tun haben, absolut verständlich.
In der Ukraine droht ein ausufernder Krieg, Inflation, steigende Zinsen, das Verbrauchervertrauen war zuletzt stark rückläufig und dementsprechend ist auch eine Rezession nicht mehr auszuschließen.

Die Lage ist aber nicht nur am Aktienmarkt volatil, kommt es in der Ukraine-Krise zu einer Entspannung, ist eine sofortige Kurserholung möglich.

Chart vom 22.02.2022 Kurs: 4.388 Kürzel: SPX – Linienchart Fastgraphs | Online Broker LYNX
Chart vom 22.02.2022 Kurs: 4.388 Kürzel: SPX – Linienchart Fastgraphs

An sich wünscht man sich das natürlich, aber selbst ohne externes Störfeuer ist der Aktienmarkt nicht gerade günstig.
In der Vergangenheit kam der S&P500 meist auf eine P/E zwischen 15,0 und 18,5. Derzeit ist die Bewertung also vergleichsweise hoch.
Tatsächlich war der Index in den letzten 20 Jahren selten teurer, trotz der seit der Finanzkrise anhaltenden Geldschwemme.

Das bedeutet nicht, dass Sie jetzt gleich panisch ihre Aktien verkaufen sollten. Sie sollten aber wissen, welche Kursrisiken vorhanden sind.
Um an das obere Ende der normalen Bewertungsspanne zurückzukommen, müsste der S&P500 auf 3.838 Punkte fallen.

Dazu muss es natürlich nicht kommen, aber eine Ausdehnung der Korrektur auf dieses Niveau sollte niemanden überraschen.
Das Worst-Case-Szenario wäre es beileibe nicht.

Chart vom 22.02.2022 Kurs: 4.388 Kürzel: SPX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 22.02.2022 Kurs: 4.388 Kürzel: SPX – Wochenkerzen

Aus technischer Sicht wird es langsam eng. Was hier im Chart noch nicht zu sehen ist, da nur die Kursentwicklung bis zum Handelsschluss am Montag dargestellt wird, ist der Umstand, dass der S&P500 bereits unter dem Support bei 4.300 Punkten notiert.

An dieser Stelle hat der Markt in den letzten Monaten immer wieder nach oben gedreht. Kommt es jetzt zu einem Wochenschluss unter 4.300 Punkten, trübt sich das Chartbild zunehmend ein.

In diesem Szenario wäre der Weg in Richtung 4.222 Punkte frei. Darunter muss eine Ausdehnung der Korrektur bis 4.050 oder 3.940 Punkte gerechnet werden.

Aus Sicht der Bullen muss die Sache bis Ende der Woche gedreht werden, der S&P500 muss über der unteren Aufwärtstrendlinie gehalten werden, besser noch über 4.300 Punkten.

Was aber am wichtigsten ist: Was auch geschieht, geraten Sie nicht in Panik. Agieren Sie langsam und behutsam, gehen Sie strategisch vor. Sie können sich bereits jetzt einen Plan für jede mögliche Entwicklung zurechtlegen.
Was wollen Sie tun, falls der Markt crasht? Verkaufen Sie panisch und schauen am Ende in die Röhre? Oder sammeln Sie vielleicht besser Qualitätsunternehmen und sind dann bei der nächsten Rallye dabei?

Es liegt an Ihnen.

An der Börse passieren immer wieder dieselben Dinge. Alles wiederholt sich, nur die Namen ändern sich.
Aber die Zyklen und Mechanismen, die den Markt treiben, sind immer gleich.
Es ist Gier und Angst. Manche Debakel sind wirklich vorhersehbar.

Boom und Bust

Eins der unzähligen Beispiele ist Peloton, auch wenn das Unternehmen jetzt womöglich übernommen werden könnte. Das hilft den Anlegern, die bei 100 oder 170 USD eingestiegen sind aber auch nicht mehr.

Es ist ein unglaublich gutes Beispiel, um die zugrundeliegenden Mechanismen eines Boom-Bust-Zyklus zu erklären.

In der ersten Phase, ab März 2020, wurde immer mehr Anlegern klar, dass der Tretmühlen-Hersteller ein Krisenprofiteur ist.
Es folgten einige außerordentlich gute Quartale mit enormen Umsatzsprüngen, die immer mehr Anleger überzeugten.

Gleichzeitig befeuert sich eine Rallye selbst. Käufe lösen weitere Käufe aus, denn jeder will dabei sein.
Außerdem wird die starke geschäftliche Entwicklung einfach extrapoliert, als ob es ewig so weitergehen könnte.

Es kam, wie es kommen musste

Am Ende war die Bewertung auf einem Niveau fernab jeglicher Rationalität. In solchen Situationen in Gefahr im Verzug.

Umso mehr, wenn die Zahlen sich zunehmend verschlechtern. Bei Peloton konnte man in Slow-Motion verfolgen, wie der Zug vor die Wand fuhr.
Jeder hätte es sehen können und wir berichteten mehrfach (Link).

Denn es war offensichtlich, dass die Wachstumsraten von Quartal zu Quartal rückläufig waren. (Link)
Spätestens am 26. August 2021 war klar, dass die Hütte brennt.

Damals hatte man einen Umsatzeinbruch von 1,26 auf 0,94 Mrd. USD gemeldet, wohlgemerkt binnen drei Monaten. (Link)

Plötzlich kippt die Stimmung und die Aktie kollabiert. Am Ende sind all die schönen Gewinne dahin und sehr viel Geld wurde umverteilt.
Genau das ist es, was die Börse ist.

Eine Geld-Umverteilungsmaschine. Meist wandert es von den Zockern zu den besser informierten, kühlen Rechnern, zu den geduldigen.

Völlig ungeplant muss ich an dieser Stelle ein Zitat von Warren Buffett bemühen:
„The stock market ist designed for transferring money from the impatient tot he patient.“

Ich kann gar nicht beschreiben, wie wichtig diese Erkenntnis ist. Wenn man die zugrundeliegenden Mechanismen der Börse erst verstanden hat, wird es plötzlich einfach.

Es hält einen davon ab, in Rallyes einzusteigen, die schon lange laufen. Es bewahrt einen vor Hypes und überbordenden Bewertungen.
Wenn man diese Fallstricke umschifft, hat man bereits sehr viel geschafft.

Wie tief kann es gehen?

Es ist ein Fehler langlaufende Rallyes zu kaufen, egal ob bei Einzelaktien oder den Indizes.
Denn eins ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Die nächste Krise kommt. Sie kommt immer.

Vorgestern war es die Notenbank, gestern Corona, heute die Ukraine und morgen… Ich denke, Sie verstehen, was ich sagen will.

Kürzlich hatte ich aufgezeigt, wie weit der S&P500 möglicherweise fallen könnte:
So weit könnte der S&P500 fallen

Krieg

Bricht ein offener Konflikt in der Ukraine aus, könnte das der finale Auslöser sein, der den Markt kippen lässt.
Oder man sollte vielmehr sagen „der die Stimmung kippen lässt“.

In diesem Szenario scheint es eher unwahrscheinlich zu sein, dass der Dax nicht mindestens im selben Umfang einbüßen würde.
Das im zuvor verlinkten Artikel genannte Kursziel für den S&P500 liegt knapp 20% unter dem aktuellen Kurs.

Umgemünzt auf den Dax entspräche das einem Kursziel von etwa 12.000 Punkten.

Dazu muss es natürlich nicht kommen, könnte es aber. Und das ist an der Börse wichtig, denn nur so können wir die möglichen Kursrisiken abschätzen.
Die aufgezeigten Korrekturziele sind auch kein Horror-Szenario.

Chart vom 14.02.2022 Kurs: 15.000 Kürzel: DAX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 14.02.2022 Kurs: 15.000 Kürzel: DAX – Wochenkerzen

Die Charttechnik macht die Sache nicht besser. Der Dax steht am Scheideweg. Wird das zentrale Unterstützungsband bei 14.800 – 15.000 Punkte nachhaltig unterschritten, kommt es zu einem Verkaufssignal.

Die nächsten bedeutenden Unterstützungen lägen dann bei 14.150 und 13.500 Punkten.

Aus Sicht der Bullen muss schleunigst eine Rückkehr über 15.000 Punkte erfolgen.

Nicht entmutigen lassen

Als Daueroptimist möchte ich Sie aber auch nicht entmutigt zurücklassen. Tatsächlich befinden sich viele Aktien von guten Unternehmen bereits heute auf einem interessanten Niveau.
Wer diese Titel sukzessive aufstockt, wird sich in einigen Jahren darüber freuen können.

Doch auch diese Papiere werden dem Druck nicht entkommen können, sollte der Markt – wie wir es bereits seit Wochen vorhergesagt haben – weiter nachgeben.

Das war schon immer so und wird durch ETFs noch weiter verstärkt. Denn wenn Mittel aus ETFs abfließen, trifft es alle Aktien gleichzeitig.
Interessanterweise ist es dazu bisher noch nicht gekommen. In Summe haben US-ETFs im Januar sogar Mittelzuflüsse von 37 Mrd. USD verzeichnet.

Dass gehebelte Long-ETFs die größten Zuflüsse verzeichnet haben macht die Sache nicht besser.
Ganz oben auf der Liste der ProShares UltraPro QQQ und der Direxion Daily Semiconductor Bull 3X Shares. Je mehr man eintaucht, desto fragiler wirkt der Markt. Geben die ETF-Anleger erst auf, kommt wirklich Druck in den Markt.

Bisher ist noch nicht viel passiert, auch wenn es sich für viele Anleger anders anfühlt.