S&P 500 aktuell S&P500: Muss man gesehen haben

News: Aktuelle Analyse des S&P 500 Index

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S&P 500
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Zum S&P 500

Es fehlt nicht mehr viel und der S&P500 hat sich seit dem Corona-Crash verdoppelt. Anleger zocken auf Kredit, wie nie zuvor. Wohin soll das alles führen?

Kommt es wieder so?

Dieser Markt ist für Investoren sehr schwierig. Derzeit gleicht die Suche nach attraktiven Investments der Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen.

Die meisten Unternehmen sind heut höher bewertet als jemals zuvor. Gleichzeitig strömen Börsenneulinge in Massen an die Börse.
Man fühlt sich unweigerlich an die Jahrtausendwende erinnert.

Tatsächlich ist eine ähnliche Entwicklung auch eines der Szenarien, die ich inzwischen für am wahrscheinlichsten halte.
Auf die Rallye könnte eine lange Durststrecke folgen. Womöglich geht es jahrelang seitwärts, wie nach der Jahrtausendwende.

Bereits jetzt haben wir eine historische Rallye erlebt. Es fehlt nicht mehr viel und der S&P500 hat sich seit dem Crash-Tief des vergangenen Jahres verdoppelt.

Muss man gesehen haben

Es scheint fast so, als würden die Bäume doch in den Himmel wachsen. Wie immer wird sich das am Ende als Trugschluss herausstellen, es ist nur eine Frage der Zeit.

Der folgende Chart könnte das nicht eindrucksvoller zeigen.
In den letzten 20 Jahren lag die Bewertung des S&P500 weitgehend zwischen einer P/E von 15 und 18 (Linien in orange und blau).

Heute stehen wir bei 27,7. Selbst wenn es tatsächlich gelingt, dass der Gewinn der Unternehmen in diesem Index 2021 um 25% steigen und somit einen neuen Rekordwert erreichen, sinkt die P/E nur auf 23,5.

Fern ab der historischen Normalwerte. Man könnte auch sagen: Der Markt war in den letzten 20 Jahren nie teurer.

(Nach dem Chart geht es weiter)

Fastgraphs Chart vom 09.04.2021 Kurs: 4097 Kürzel: SPX | Online Broker LYNX
Fastgraphs Chart vom 09.04.2021 Kurs: 4097 Kürzel: SPX

Wie geht es jetzt weiter?

Nach allem Anschein dürfte sich die Hausse vorerst trotzdem fortsetzen. Für Vertreter von Buy & Hold wie mir sind die steigenden Kurse nicht das Ende der Welt, es stimmt einen dennoch nachdenklich.

Viele Indizes und Einzelaktien haben in den letzten Wochen Kaufsignale ausgelöst oder sind gerade dabei.

An sich ist die massive Asset-Preis-Inflation auch keine Überraschung. Wenn die Geldmenge in nur einem Jahr weltweit um knapp 20% steigt, dann befeuert das natürlich die Preise von nicht beliebig vervielfältigbaren Gütern.

Dazu zählen Aktien, Immobilien, Kryptos, Kunst, Oldtimer und was man sonst noch sammeln kann.
Natürlich auch Edelmetalle, wobei die steigenden Realzinsen belasten. Daher haben Privatanleger zuletzt sogar erhebliche Mittel aus Gold, Silber & Co. abgezogen.

(Nach dem Chart geht es weiter)

Chart vom 09.04.2021 Kurs: 4097 Kürzel: SPX - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 09.04.2021 Kurs: 4097 Kürzel: SPX – Tageskerzen

Jetzt ist guter Rat teuer

Wie geht man mit der ganzen Situation um? Im Endeffekt bleibt einem nur, vorsichtig zu agieren, Cash in der Hinterhand zu behalten und keinesfalls mit Hebel zu agieren.

Die breite Masse scheint aber genau das Gegenteil davon zu machen, was mich nur noch mehr von meiner Haltung überzeugt.
Denn an der Börse gilt: Die Masse liegt per Definition falsch.

Bereits vor einigen Monaten haben die Käufe auf Kredit einen neuen Extremwert erreicht und sind seitdem regelrecht explodiert.

Sie erahnen sicher, wann in der Vergangenheit besonders stark auf Kredit gezockt wurde. Um die Jahrtausendwende, vor der Finanzkrise und vor dem Corona-Crash.

Das eine bedingt das andere. Die massiven Käufe auf Kredit bewirken ein Ungleichgewicht am Aktienmarkt, das früher oder später aufgelöst werden muss.

Mehr als 12.000 Investoren & Trader folgen mir und meinen täglichen Ausführungen auf Guidants.

Sind Sie mit Ihrem Broker wirklich zufrieden? Ich bin bei LYNX.

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Tobias Krieg, Technischer Analyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des S&P 500 Index

Das Ziel ist klar: Bis übermorgen zum „dreifachen Hexensabbat“ wollen die Bullen die runde Marke von 4.000 Punkten beim marktbreiten US-Index Standard & Poor’s 500 sehen. Und das könnte auch klappen, wenn heute nach der US-Notenbankentscheidung nichts anbrennt. Aber insgesamt behagt mir dieses Chartbild nicht … ich wäre auf der Hut!

Heute steht um 19 Uhr (die USA haben schon auf Sommerzeit umgestellt) das Statement der US-Notenbank an, unmittelbar danach folgt die Pressekonferenz mit US-Notenbankchef Powell. Man erwartet keine konkreten Maßnahmen, aber die Aussagen der „Fed“ wird man sehr genau unter die Lupe nehmen. Wie schätzt man dort die Wachstumsperspektive ein? Wie sieht man das Inflationsrisiko, wo würde man eingreifen? Wird man versuchen, die gestiegenen Anleiherenditen wieder zu drücken, um das Wachstum nicht durch steigende Refinanzierungskosten zu behindern – und wenn ja, wie? Mit der klassischen Methode der „Operation Twist“ (Käufe langer Laufzeiten und Verkauf kurzer Laufzeiten), die indes so ihre Nebenwirkungen hat, oder auf anderen Wegen? Da die Renditen der langen Laufzeiten keinen Deut zurückgekommen sind, der S&P 500 aber trotz der anziehenden Renditen seit Monatsanfang wieder steigt, damit also ignoriert, was ihn Ende Februar noch unter Druck setzte, wird das heute Abend spannend.

Den aktuellen Kurs und Chart des S&P 500 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Auch, weil dieser Termin wie so oft nur zwei Tage vor dem „dreifachen Hexensabbat“ liegt, wie man die Abrechnung der Futures und Optionen am Terminmarkt gerne nennt. Es ist mit Händen zu greifen, dass die großen Adressen an der Terminbörse auf ein „as high as possible“ abzielen, was den Abrechnungslevel angeht und damit die runde Marke von 4.000 Punkten anpeilen. Wenn die „Fed“ ihnen nicht in die Suppe spuckt, kann das gelingen. Wenn die Aussagen der US-Notenbank zu Irritationen führen, wird es wohl umgehend ungemütlich, aber gehen wir mal davon aus, dass der Weg nach oben nicht durch die Notenbank unterbrochen wird. Dann stellt sich die Frage: Geht die Hausse auch weiter, nachdem dieser die Kurse in Aufwärtstrends zusätzlich höher ziehende Abrechnungstermin über die Bühne ist?

Möglich wäre das, weil man zudem ja darauf wettet, dass einiges an Geld, das den US-Bürgern jetzt als 1.400 US-Dollar-Barscheck zufließen wird, im Aktienmarkt landet. Aber ein bullischer Trader braucht sich nur den Chart anzusehen um zu verstehen, dass er/sie nicht alleine mit der Idee war, daraufhin schon mal im Vorfeld Long zu gehen, um den erhofften Aufwärtsschub mitzunehmen und dann den Gewinn einzufahren. Es wäre alles, nur nicht überraschend, wenn da dann auf einmal mehr Akteure gleichzeitig Kasse machen wollen als die Nachfrageseite auffangen könnte. Und das träfe auf ein zusehends mit Macken versehenes Kursbild.

Schaut man sich den S&P 500 auf Wochenbasis an, passt soweit noch alles. Der Index hatte zur Jahreswende die mittelfristige Hausse-Begrenzungslinie überwunden und sie seither mehrfach erfolgreich verteidigt. Solange diese aktuell bei 3.775 Punkten verlaufende Linie nicht auf Wochenschlusskursbasis gebrochen wird, bleibt der Index auf mittelfristiger Ebene bullisch. Aber das Chartbild auf Tagesbasis gefällt mir nicht mehr.

S&P 500: Tages-Chart vom 16.03.2021, Kurs 3.962,71 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Drei Dinge fallen auf, die nicht gesund wirken. Zum einen sieht man, dass Abwärtsbewegungen deutlich dynamischer sind. Geht es runter, dann kräftig. Um das vorherige Hoch zu überwinden, dauert es länger, die grünen Kerzen im Chart sind auch meist viel kleiner, d.h. die Schwungkraft ist auf der Oberseite geringer.

Dadurch wird der Aufwärtstrendkanal, das ist der zweite Punkt, sukzessiv breiter. Das ist noch nicht dramatisch, aber man sieht schon, dass die letzten Zwischentiefs weniger deutlich über den vorherigen liegen als die Zwischenhochs. Die wiederum immer noch unter der kurzfristigen Hausse-Begrenzungslinie verlaufen. Die 4.000er-Marke liegt unterhalb dieser roten Linie, diesen neuen, runden Rekord am Freitag zu erreichen, wäre also allemal drin.

Aber dass die Risiken nach unten zunehmen, die Luft nach oben dünner wird, zeigt sich auch, das ist die dritte „Macke“ in meinen Augen, an der negativen Divergenz des RSI-Indikators auf Tagesbasis. Die den neuen Hochs zugehörigen Zwischenhochs im RSI liegen, anders als beim Index, zuletzt unter den vorherigen, das nennt sich „negative Divergenz“ und ist ein Warnsignal. Ein Warnsignal ist kein Verkaufssignal, daraufhin Short zu gehen, wäre daher äußerst verwegen. Aber solche Signale des RSI zu ignorieren, kommt einen nicht selten teuer zu stehen.

Da der Trend des Index zuletzt so sehr an Struktur verloren hat (was auch nicht gerade positiv ist), dass selbst gleitende Durchschnitte wie die im Tageschart blau und hellblau eingezeichneten, in den USA wichtigen 50-Tage- und 100-Tage-Linien keinen tauglichen Leitstrahl bieten, ist es zugleich knifflig, einen charttechnisch verlässlichen Ankerpunkt für einen Stoppkurs Long zu finden.

S&P 500: Wochen-Chart vom 16.03.2021, Kurs 3.962,71 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Eine sinnvolle Basis hierfür würde ich in der aktuell bei 3.800 Zählern verlaufenden, unteren Begrenzung dieses sukzessiv auseinander laufenden Trendkanals und der vorgenannten Hausse-Begrenzungslinie auf Wochenbasis bei derzeit 3.775 Punkten sehen. Sich knapp darunter gegen ein „Unverhofft kommt oft“ abzusichern, kann sicher nicht schaden!

Der Freitag war der letzte Handelstag des Januars und hat mit seinen Abschlägen dazu geführt, dass dieser erste Monat des neuen Börsenjahres auch für den marktbreiten S&P 500 im Minus endete. Der Abschlag war zwar nur ein kleiner. Aber wer sich den Index, wie hier auf Monatsbasis dargestellt, in einer die prozentuale Veränderung besser vergleichbar machenden logarithmischen Skalierung ansieht, stellt fest: Der Index bewegt sich nahe der oberen Begrenzung des langfristigen Aufwärtstrendkanals und ist auf dieser Zeitebene markttechnisch überkauft.

Zwar gelang es 2013 bis 2015, verblüffend lange an dieser oberen Begrenzung entlang zu schleichen, ohne dass den Bullen damals eine wirklich nennenswerte Korrektur in die Parade gefahren wäre. Aber heute sind die Nerven dünner, die Gesamtsituation ist schwieriger und das Volumen der Derivate-Positionen ungleich höher. Ein „langsam leicht aufwärts“ dürfte dieser Situation nicht gerecht werden. Die Akteure wollen „Action“. Allerdings nicht so viel wie derzeit, auch das macht die Lage momentan spannend.

S&P 500: Tages-Chart vom 01.02.2021, Kurs 3.773,86 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Dass die über Trading-Apps agierenden, sich in Foren zusammenschließenden, meist jungen und unerfahrenen Akteure jetzt sogar Silber ins Visier genommen haben und sich an die „Mission“ machen, auch dort die Leerverkäufer zu „bestrafen“, wird zwar für diese Klientel am Ende tendenziell übel ausgehen. Denn bei solchen Short-Squeezes braucht man, wenn sie gezielt provoziert werden, viel Geschick, um beim Abriss im Anschluss an einen solchen Squeeze nicht mit in die Tiefe gezogen zu werden. Aber primär sorgt die Investoren natürlich nicht das Wohl und Wehe derer, die den Markt durcheinanderwirbeln, sondern die Frage, welche Dimensionen das noch annehmen könnte.

Grundsätzlich sind diese Trader von ihrer Zahl und dem aufzubringenden Kapital her zwar nicht imstande, größere Assets wie den S&P 500 in Turbulenzen zu stürzen. Aber es scheint momentan, als würden sich bislang eher verhalten agierende Trader von diesem „Hype“ anstecken lassen. Das wäre zwar erst dann ein Problem, wenn auch neu hinzukommende Zocker konzertiert agieren würden, was unwahrscheinlich ist. Aber die Nervosität, dass hier etwas aus dem Ruder laufen könnte, war mit Händen zu greifen und hat immerhin den Ausbruch des Index aus seinem November-Trendkanal bewirkt. Aber noch ist für die Bullen nicht viel angebrannt. Der Kursanstieg des Montags hat den S&P 500 immerhin wieder in diesen Trendkanal zurückgetragen. Allerdings … vom Eis ist die Kuh damit noch nicht.

Es bräuchte heute und morgen sofortiger Anschlusskäufe, die den Index auch über seine bei 3.793 Punkten verlaufende 20-Tage-Linie tragen. Danach darf es kein Zaudern, keinen Rückschlag geben, der S&P 500 müsste schnell wieder an die obere Begrenzung des Trendkanals, idealerweise auch darüber hinauslaufen. Nur so würde den Akteuren das Gefühl der Sicherheit zurückgegeben. Das schon vorher recht instabil war angesichts des sich abzeichnenden Gezerres um das nächste Konjunkturpaket. Und die aktuell in die heiße Phase kommenden Quartalsbilanzen ebenso wie die jüngsten Konjunkturdaten ließen sich nur mit dem Wort „gemischt“ beschreiben. Da muss es die Chart- und Markttechnik richten: Umgehend neuer Schwung ist das Einzige, was die Bullen am Ruder halten kann. Was simpel klingt, denn so könnte man sich ja am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Aber bullisch sein und hoffen, dass andere weiter kaufen und selbst in einer Phase steigender Nervosität weiteres Kapital investieren, das sind zwei Paar Schuhe. Erst die kommenden Tage werden zeigen, ob die Käuferseite noch stark genug ist, um den S&P 500 schnell genug zu drehen!

S&P 500: Monats-Chart vom 01.02.2021, Kurs 3.773,86 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Wer hätte vor einem Jahr erwartet, dass eine Pandemie die vielleicht größte Hausse aller Zeiten auslöst? Welche Folgen das haben könnte, habe ich ausgeführt:
Ich mache mir Sorgen

Timing ist alles

Es wäre aber gut möglich, dass die Rallye vorerst weitergeht. Es bringt jedenfalls nichts, sich gegen den Trend zu stellen. Solange die Hausse läuft, sind Shorts keine gute Idee.

Man muss den richtigen Zeitpunkt ganz genau abpassen und dann schnell handeln. Eine Hausse kann sehr viel länger anhalten, als man annimmt.
Die Allerwenigsten hätten vor einigen Monaten erwartet, dass die Kurse bis heute nur eine Richtung kennen.

Der richtige Zeitpunkt für Shorts oder die Absicherung eines Portfolios ist gekommen, wenn der Markt gerade kippt oder bereits gekippt ist.

Wer zuvor schon versucht, den genauen Zeitpunkt zu erraten – und nichts anderes ist es – verliert meist nur Geld.

Beispiellose Geldschwemme

All das billige Geld der Notenbanken muss eben irgendwohin und die Flut hebt alle Boote.
Derzeit trifft diese Börsenweisheit in ganz besonderer Weise zu.

Man sollte diesen Faktor auch nicht unterschätzen. Das Ausmaß der Geldschwemme ist beispiellos.

Egal ob man als Maßstab die Geldmenge M1 (Bargeld und sofort verfügbare Ersparnisse), M2 (M1 zuzüglich Anlagen mit maximal zweijähriger Laufzeit) oder M3 (Alles verfügbare Geld inklusive Schulden und Wertpapieren) heranzieht, der Anstieg ist enorm.

20% allen Geldes wurde 2020 gedruckt

Den US-Dollar gibt es bereits seit über 300 Jahren. Man hatte also viel Zeit um USD zu „drucken“.
Offiziellen Zahlen der Fed zufolge (Link) wurde allerdings ein Viertel aller Dollar im vergangenen Jahr „gedruckt“.

In der Eurozone sieht es nicht viel anders aus. Der Bundesbank zufolge (Link) ist die Geldmenge M3 in nur einem Jahr um 11% gestiegen.
Wobei die Geschwindigkeit zuletzt immer weiter zugenommen hat und die jüngsten Daten aus dem November 2020 stammen.

In einigen Währungsräumen sind die Zuwächse sogar noch höher ausgefallen. Weltweit dürfte die Geldmenge im Krisenjahr 2020 wohl um 20% oder mehr zugenommen haben.

Man könnte also argumentieren, dass das entsprechend höhere Kurse rechtfertigt. Zumindest, wenn man alle realwirtschaftlichen Probleme und Kleinigkeiten wie die Pandemie ausblendet.

Aus dieser Perspektive hätte der MSCI World Index sogar noch 7% Luft zur Oberseite. Beim S&P500 wären es sogar 10%, was einem einem Kursziel von 4.250 Punkten entsprechen würde.

S&P500 Chart vom 27.01.2022 Kurs: 3.849 Kürzel: SPX - Tageskerzen | Online Broker LYNX
S&P500 Chart vom 27.01.2022 Kurs: 3.849 Kürzel: SPX – Tageskerzen

Wer hätte vor einem Jahr erwartet, dass eine Pandemie die vielleicht größte Hausse aller Zeiten auslöst? Im Endeffekt steigt einfach alles. Ist das gesund?  

Auf der Jagd

Unzählige neue Anleger drängen auf der Suche nach Rendite an die Börse und kaufen alles was nicht niet- und nagelfest ist.
Nahezu alle Sektoren und Anlagen haussieren. Egal ob Immobilienpreise, Aktien, Rohstoffe, Sammlerstücke oder Kryptowährungen.

Das habe ich in über fünfzehn Jahren an der Börse und über zehn Jahren als Vollzeit-Investor noch nicht erlebt. Das Börsenumfeld fühlt sich sehr merkwürdig und ungesund an.

Ich mache mir Sorgen

Für Anleger wie mich, die Buy & Hold betreiben und antizyklisch kaufen, waren die letzten Monate zwar ein Geschenk (wie jeder Crash), ich mache mir inzwischen aber ernsthafte Sorgen über das Morgen.

Die Erfahrung hat mich eins gelehrt: Je größer die Party in einem Sektor oder einer Assetklasse, desto schlimmer und langwieriger wird der Kater danach.

Es ist einfach nicht gesund, wenn selbst Schrottaktien durch die Decke gehen. Für mich gibt es nur noch ein Szenario, welches die aktuellen Assetpreise rechtfertigt: Eine nachhaltig steigende Inflation.

Es hilft nur eins

Vielleicht haben die Notenbanken und Regierungen der Welt endlich den seit Jahren gewollten „Durchbruch“ erzielt.
Womöglich führen die beispiellosen Konjunkturprogramme und Maßnahmen dazu, dass der Knoten platzt und die Inflation deutlich steigt.

Im Endeffekt ist das auch der einzige Weg aus der Misere. Selbstverständlich hat eine höhere Inflation auch ihre Schattenseiten.
Für die meisten Assetklassen wäre es aber eine überwiegend positive Nachricht.

Das wichtigste ist aber, dass es maßgeblich dazu beitragen würde Haushalte und Staaten zu entschulden. Es ist wohl die einzige Möglichkeit, um die (Staats-)Schuldenquote jemals wieder nachhaltig zu senken.
Das ist wiederum eine der Voraussetzungen für die Gesundung des Wirtschaftssystems als Ganzem.

Ist das unser Zukunft?

Mindestens genauso wahrscheinlich ist aber, dass auf die Party Ernüchterung folgt.

Vielen Anlegern dürfte gar nicht klar sein, wie lange so ein Kater dauern kann. Das gilt für einzelne Aktien genauso wie für Indizes oder ganze Assetklassen.

Manch ein Sektor verschwindet nach einem Hype für ein Jahrzehnt in der Versenkung.
Nach dem Boom um die Jahrtausendwende ging es mit den Kursen aller großen Indizes drei Jahre konstant abwärts. Egal ob Dax oder S&P500.

Je länger die derzeitige Hausse anhält, desto größer ist die Chance, dass uns anschließend ein ähnliches Szenario bevorsteht.

Das ist jedenfalls nicht gesund:

S&P500 Chart vom 27.01.2022 Kurs: 3.849 Kürzel: SPX - Tageskerzen | Online Broker LYNX
S&P500 Chart vom 27.01.2022 Kurs: 3.849 Kürzel: SPX – Tageskerzen

Zum Redaktionsschluss Freitagnacht bleibt offen, ob es am Sonntag wirklich zu den gewaltsamen Demonstrationen gekommen sein wird, vor denen das FBI eindringlich warnte. Aber aufgrund der Zeitverschiebung wäre das womöglich auch am Sonntagabend noch nicht ganz sicher, hinzu kommt, dass der Montag in den USA ein Feiertag ist (Martin Luther King-Gedenktag), so dass die Reaktion beim S&P 500 offen bliebe und der kritischste Moment ohnehin die Vereidigung von Joe Biden am Mittwoch wird. Trotzdem ist auch jetzt schon eine Analyse der Lage machbar.

Was wir in den vergangenen Tagen gesehen haben, ist der Versuch vor allem großer Adressen (nur sie haben die Kapitalkraft, dergleichen zu erreichen), jeglichen Abgabedruck sofort aufzufangen. So etwas sehen wir oft, wenn die Lage kritischer wird und die Fonds, ETFs, Hedgefonds, aber auch die großen Versicherungen und Pensionskassen, die immense Aktienbestände halten, fürchten, dass ihnen diese um die Ohren fliegen könnten. Das Problem dieser großen Adressen ist: Sie sind zu groß, um davonlaufen zu können. Hier geht es um derartig gewaltige Portfolios, dass es schon zu einem Crash führen würde, wollte die Hälfte der großen Adressen ein Zehntel ihrer Portfolios auf einmal abstoßen. Also tritt man die Flucht nach vorne an und kauft, um zu verhindern, dass die Anleger davonlaufen. So entsteht das Bild eines völlig gelassenen Aktienmarkts, an dem man keinen Grund sieht, besorgt zu sein.

Aber das Thema möglicher Unruhen ist nicht das einzige Problem. Vor allem bei Aktienmärkten auf Rekordlevel, die eine umfassende Rückkehr zu einem konjunkturellen „Prä Corona“-Level eingepreist haben, wird die wirtschaftliche Entwicklung zur Achillesferse.

Zwar war die US-Industrieproduktion mit +1,6 Prozent im Dezember unerwartet deutlich zum Vormonat gestiegen, wie am Freitag gemeldet wurde. Sie liegt aber immer noch 3,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Und das war noch eine gute Nachricht. Ebenfalls am Freitag wurde ein unerwartet deutlicher Rückgang in der Kernrate der Einzelhandelsumsätze um 1,4 Prozent gemeldet (nach -1,3 Prozent im November, jeweils zum Vormonat). Dazu kamen ein relativ schwacher Konjunkturindex der Notenbank von New York und ein gefallener Level beim „Januar-Halbzeitwert“ des von der Universität Michigan ermittelten Verbrauchervertrauens. Bereits am Donnerstag meldete das US-Arbeitsministerium einen deutlichen Anstieg bei den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe (965,000, Prognose 795.000). Die Erholung, die in den Aktienmärkten vorweggenommen wurde, ist längst einem erneuten Abrutschen gewichen. Was muss gelingen, um den Rückfall in die Rezession aufzuhalten?

Die Pandemie müsste jetzt durch rasante Impfungen schnell in den Griff kommen, so dass man ohne Lockdown auskommt. Das ist derzeit unwahrscheinlich.

Die neue Regierung müsste schnelle Konjunkturmaßnahmen mit ausreichender Tragweite umsetzen können, ohne von den Republikanern ausgebremst zu werden. Auch das ist unwahrscheinlich, auch mit dem 51:50-Verhältnis im Senat kann man nicht einfach so „durchregieren“.

Und Unruhen dürfen die Situation nicht noch verschlimmern, was offen bleibt.

Sieht man sich dazu die chart- und markttechnische Lage an, stellt man fest, dass der marktbreite S&P 500 im langfristigen Bild bei einer logarithmischen Skalierung, die die prozentualen Veränderungen unverfälscht abbildet, nahe am oberen Ende des 2009 etablierten Aufwärtstrendkanals angekommen ist. Auf Tagesbasis wird der Index durch einen Mitte November etablierten Aufwärtstrendkanal geführt und ist derzeit seitens schnell reagierender Indikatoren wie dem Stochastik-Oszillator (im Chart unten mit eingeblendet) relativ überkauft, wenngleich noch nicht zwingend heiß gelaufen.

Tageschart vom 15.01.2021, Kurs 3.768,25 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Das Risiko, dass sich das Ignorieren kritischer Rahmenbedingungen nicht durchhalten lässt, ist hoch, egal, wie die Sache mit diesen bewaffneten Protesten ausgeht. Die Pandemie-Lage und das Abkippen der Konjunktur reichen als Belastungsfaktoren schon aus, zumal jetzt auch noch die Saison der Quartalsbilanzen beginnt. Aber:

Sollte es in den kommenden Tagen auf den Straßen ruhig bleiben, kann das erneute Käufe auslösen, einfach als Signal einer kurzfristigen Erleichterung, die die vorgenannten Faktoren erst einmal in den Hintergrund drängen. Aber wie gesagt, auf Dauer geht das nicht gut, daher:

Mit dem weiterhin intakten Trend mit zu schwimmen ist derzeit zwar noch alternativlos, eine konsequente Absicherung über Stoppkurse aber ebenfalls. Kurzfristige, aggressive Trader hätten in der unteren Begrenzung des November-Trendkanals, aktuell bei 3.700 Punkten, eine Orientierung für einen Stopp. Wer etwas weniger aggressiv agiert, sollte die Supportzone 3.550/3.588 Punkte im Auge behalten.

Monatschart vom 15.01.2021, Kurs 3.768,25 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX