S&P 500 aktuell S&P 500: Wenn der Index jetzt nicht dreht, wird das etwas Größeres

News: Aktuelle Analyse des S&P 500 Index

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S&P 500
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Zum S&P 500

Würde der S&P 500 genau auf diesem Niveau wieder nach oben drehen, würde es bei einem etwas ausgedehnteren Rücksetzer bleiben. Doch wenn das derzeit belagerte Juli-Hoch bei 3.233 Punkten fallen sollte, stünde wohl direkt ein Test der aktuell bei 3.106 Zählern verlaufenden 200-Tage-Linie an. Fiele die ebenso, würde aus diesem Rücksetzer etwas deutlich Größeres.

Und die Bären haben bereits einige Punkte für sich verbuchen können. Der September, das sehen wir im Chart auf Monatsbasis, wird den Ausbruch über das Februar-Hoch zur Bullenfalle stempeln, sofern es nicht gelingt, den Index in den verbleibenden vier Handelstagen wieder über diese Linie bei 3.393 Punkten zu ziehen. Was zwar nicht auszuschließen ist, aber bislang wirkt die Gegenwehr der Käufer äußerst verhalten. Dass eben dieses Prä-Corona-Rekordhoch des Februars problemlos wieder unterboten wurde, dürfte nicht wenige Käufer zu Recht verunsichert haben. Denn das kann ein Hinweis darauf sein, dass sich die Sichtweise vieler Marktteilnehmer langsam verändert.

S&P 500: Tages-Chart vom 24.09.2020, Kurs 3.246,58 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Eigentlich sind die US-Konjunkturdaten der vergangenen Wochen nicht wirklich schlecht. Wenn man realistisch betrachtet, wie brutal diese Kombination aus Lockdown und überschuldeten Konsumenten wirkte, konnte man keine Wunder erwarten. Dass die Erholung der US-Wirtschaft unterhalb des vorherigen Levels verflacht, ist da nicht überraschend. Nur hatten viele Anleger diesen realistischen Blick für die Lage nicht, sondern erwarteten genau diese Wunder, weil die bis Anfang September ungebrochene Rallye der US-Aktienmärkte diese suggerierten.

Den aktuellen Kurs und Chart des S&P 500 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Jetzt ist der monatelange Aufwärtstrend gebrochen und ein kurzfristiger Abwärtstrend etabliert, der durch den Abverkauf eines Erholungsversuchs am Mittwoch und die müde Gegenbewegung des Donnerstags bestätigt wurde. Und dass der S&P 500 an Unterstützungen wie dem jetzt im Feuer stehenden Juli-Hoch nicht dynamisch anzieht, dürfte die Bären mutiger machen. Zumal ihnen klar ist, was die Bullen zumindest befürchten:

Die Rahmenbedingungen sind, nicht zuletzt mit Blick auf eine wahrscheinlich chaotische Wahl mit offenem bzw. angefochtenem Ausgang, problematisch genug, um dem Index auch unterhalb der 200-Tage-Linie noch nicht den Status eines „Schnäppchens“ zu verleihen. Dem bullischen Lager bleibt somit nicht mehr viel Zeit, den Index und mit ihm die Marktstimmung zu stabilisieren!

S&P 500: Monats-Chart vom 24.09.2020, Kurs 3.246,58 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen des S&P 500 Index

Zwar war ich schon fast seit Beginn dieser Hoffnungs-Rallye an der Wall Street skeptisch, dass dieser Vorgriff auf eine Komplett-Erholung der US-Wirtschaft gutgehen würde. Zum einen, weil man mit einer solchen Erholung nicht rechnen konnte. Zum anderen, weil Nasdaq und S&P 500 sogar über die vorherigen Rekordhochs hinausgeschossen waren, über die Hochs also, an denen noch niemand Sorge wegen der Corona-Problematik hatte oder mit einer Rezession gerechnet wurde. Aber mit dem, was der marktbreite S&P 500 am Dienstag aufs Parkett legte, hätte auch ich nicht gerechnet.

Ein Minus von 2,78 Prozent ist an sich schon nicht ohne. Aber der Index hatte vor dem feiertagsbedingt langen Wochenende gleich drei wichtige Unterstützungen kurzzeitig unterboten und dann zum Freitags-Schlusskurs doch noch verteidigt: das alte Rekordhoch vom Februar bei 3.393 Punkten, die 20-Tage-Linie und die zuvor schon getestete und gehaltene April-Aufwärtstrendlinie. Da es über das Wochenende keine neuen, zwingend bärischen Nachrichten gab, wäre das eine perfekte Steilvorlage für die Bullen gewesen, das Ruder noch einmal herumzureißen. Aber der S&P 500 startete gleich mit einer großen Abwärts-Kurslücke in den Handel. Und statt die irgendwie schließen zu wollen, kam von den Bullen gar nichts. Der Index lief den ganzen Tag über seitwärts, um dann Richtung Handelsende erneut Abgabedruck zu sehen und fast am Tagestief zu schließen.

S&P 500: Tages-Chart vom 08.09.2020, Kurs 3.331,84 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Dabei hatte man im Gegensatz zu den Abgaben am Donnerstag und Freitag der Vorwoche gestern erstmals den Eindruck, dass da aktive Short-Attacken gefahren wurden. Vorher wurde einfach nur verkauft, am Dienstag aber wurde gezielt gedrückt, so dass der S&P 500 an kurzfristigen Intraday-Widerständen immer wieder nach unten abgewiesen wurde.

Und die „Ausrede“, dass der Kurseinbruch von Tesla schuld gewesen sei, weil die Aktie wider Erwarten nicht in den S&P 500 aufgenommen wurde, zieht da nicht. Erstens, weil Tesla somit mangels Anwesenheit im Index zwar den Nasdaq 100, aber eben nicht den S&P 500 drücken konnte. Zweitens, weil Teslas „Schicksal“ kein Grund gewesen wäre, auch andere Gipfelstürmer der letzten Monate wie Apple, Amazon oder Alphabet wie sauer Bier zu verkaufen. Denn die bekamen allesamt massiven Druck ab. Mit diesem Dienstag wirkte es, als hätte das ohnehin von der Ratio her höchst bröckelige Fundament der auch den S&P 500 ziehenden Hausse einiger Hightech-Publikumslieblinge erhebliche Risse bekommen.

Der Chart auf Monatsbasis zeigt, dass der schwungvolle Ausbruch über das vorherige Rekordhoch jetzt zurückgenommen wurde. Der Index müsste mindestens über 3.460 Punkten schließen und damit alle drei oben genannten Chartmarken zurückerobern, bevor man unterstellen könnte, dass dieser Dienstag nur ein kurzlebiger Ausrutscher war. Gelingt das nicht … und idealerweise so schnell wie möglich … wäre nach unten allerhand möglich. Denn die im Chart auf Tagesbasis eingezeichneten Unterstützungslinien bei 3.233 und 3.279 Punkten sind eher magere Auffanglinien, das sind mehr „Kann-Supports“ als starke Sprungtücher. Erst die bei aktuell 3.094 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie wäre eine starke Unterstützung. Und bis dahin wäre noch ein gutes Stück Spielraum nach unten.

S&P 500: Monats-Chart vom 08.09.2020, Kurs 3.331,84 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Ginge es allein um die Charttechnik, könnte sich das bullische Lager entspannt zurücklehnen. Der Ausbruch über das vorherige, im Februar markierte Rekordhoch lief wie aus dem Lehrbuch: Heranlaufen, die am Hoch aufgelaufenen Verkaufsorders einige Tage abarbeiten und dann im Handstreich zum Wochenstart über die Hürde hinaus. Danach Anschlusskäufe, die den S&P 500 in der Spitze bereits drei Prozent über die vorherige Bestmarke bei 3.393,52 Punkten hinausführten … was will man mehr?

Ein Netz, das sicher hält, sollten die Bullen bei ihrem Drahtseilakt abrutschen, wäre ein solches, wünschenswertes „Mehr“. Wo dieses Netz ist, ist völlig klar. Wann es sich bewähren muss, nicht, aber der Donnerstag könnte ein Tag gewesen sein, der einen solchen Test provoziert. Und erst, wenn der S&P 500 auf diesem Netz auftrifft, würde sich zeigen, was es taugt. Diese Schlüsselzone ist die Kreuzunterstützung aus mittelfristiger Aufwärtstrendlinie, 20-Tage-Linie und vorherigem Rekordhoch. Diese drei Unterstützungsmarken ballen sich auf engstem Raum, zwischen 3.374 und 3.393 Punkten. Etwa drei Prozent Spielraum nach unten also, das klingt nach einem soliden Polster. Nur hat der Index bloß vier Tage gebraucht, um dieses Polster aufzubauen. Warum sollte es nicht mindestens ebenso schnell gehen, es wieder aufzuzehren und dieses „Netz“ zu testen? Immerhin balancieren sich die Bullen auf einem ziemlich dünnen Drahtseil. Dass viele von ihnen sich dessen gar nicht bewusst sind, macht die Sache nicht ungefährlicher, sondern eher riskanter.

S&P 500: Tages-Chart vom 27.08.2020, Kurs 3.484,55 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Man darf annehmen, dass diejenigen, die sicher sind, dass dieser seit Anfang Juni verblüffend stetige Anstieg des S&P 500 einfach immer weitergeht, nicht allzu genau hinschauen, wenn es um Konjunkturdaten geht. Aber wer sicher ist, dass der Index immer weiter zulegen wird, ist mit größter Wahrscheinlichkeit längst investiert. Wer indes an dem rosa gefärbten Umfeld zweifelt, ist es nicht oder wartet auf eine Gelegenheit, um Short zu gehen. Diese Akteure erkennen sehr wohl, dass die gestern gemeldete Zahl von gut einer Million Erstanträgen auf US-Arbeitslosenhilfe zu hoch ist, um zu unterstellen, dass die US-Wirtschaft über eine Gegenreaktion hinaus wirklich dabei ist, sich zu alter Stärke aufzuschwingen. Und sie dürften nicht übersehen haben, dass die am Mittwoch mit +11,2 Prozent scheinbar herausragend gestiegenen Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter weit weniger herausragend ausgefallen sind, wenn man die Regierungsaufträge aus dem Verteidigungssektor herausrechnet. Auch der Rückgang der US-Öllagerbestände wirkt, als würde die US-Wirtschaft gewaltig durchstarten. Aber der Rückgang ist seit Beginn der Fördermengenkürzung Anfang Mai im Saldo sehr klein.

Es kommt jetzt bei der Frage, ob der S&P 500 diese Schlüsselzone 3.374/3.393 Punkte testet oder nicht, also nicht auf die unerschütterlich bullischen, aber eben mit Masse schon hoch investierten Akteure an. Es kommt darauf an, ob diejenigen, die skeptisch sind, aber dennoch mitgezogen haben, weiter am Ball bleiben, ob sich neue Käufer finden, ob die Bären in der Defensive bleiben. Und dahingehend war der Donnerstag sehr interessant.

Der Tag produzierte im Candlestick-Chart einen Doji, d.h. der S&P 500 schloss zwar leicht im Plus, aber auf seinem Eröffnungskurs. Dazwischen lag eine volatile Sitzung, am Ende aber wurde es ein Unentschieden. Nicht weiter bemerkenswert an einem normalen Tag, aber der Donnerstag war kein normaler Handelstag. Gestern tat die US-Notenbank, was die Spatzen schon Tage vorher von den Dächern pfiffen und was die Bullen wohl auch ermutigt hatte, am Montag den Ausbruch nach oben zu wagen:

Sie löste sich vom traditionellen Inflationsziel und führte eine flexible Inflationsbetrachtung ein, so dass auch eine Inflation über zwei Prozent keine Notwendigkeit auslösen würde, die Leitzinsen anzuheben. Das bedeutet in der Denkweise der Bullen: Auf Dauer niedrige, vielleicht sogar negative Zinsen und „billiges Geld“ nach Belieben, das auch an den Aktienmarkt fließen wird. Aber der gewaltige Kurssprung, den wohl nicht wenige als Reaktion erwartet haben dürften, blieb aus.

Das dünne Drahtseil könnte jetzt also wackeln. Skeptiker sehen weniger das billige Geld als den Hintergrund für diese Maßnahme der US-Notenbank. Die „Fed“ würde einen solchen, massiven Schritt entgegen der Geldwertstabilität nicht vornehmen, wenn sie nicht fürchten würde, dass es nötig wäre, die Zinsen auch bei einem Aufschwung nahe null zu belassen, weil die Überschuldung der US-Haushalte und Unternehmen in einem angeschlagenen Umfeld wie diesem nicht den kleinsten Anstieg verdauen könnte. Kurz: Die Notenbank machte den Skeptikern deutlich, dass die Situation in der Tat so kritisch ist wie befürchtet.

Sollte dieses Netz der bullischen Seiltänzer getestet werden und halten, wäre zu vermuten, dass diese dadurch erfolgende, charttechnische Bestätigung des Ausbruchs umgehend massive Käufe auf kurzfristiger Trading-Ebene auslösen würde. Dann wären die Bullen, wieder einmal, ungeschoren davongekommen. Aber ob dieses Netz hält, wird man erst wissen, wenn es getestet wird. Sich bei Long-Positionen konsequent unterhalb dieser Schlüsselzone 3.374/3.393 Punkte abzusichern, ist da unbedingt angeraten.

S&P 500: Monats-Chart vom 27.08.2020, Kurs 3.484,55 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Ob ein neues Rekordhoch beim marktbreiten US-Index S&P 500 in dieser Situation fundamental gerechtfertigt ist, dürften selbst unter den Bullen die wenigsten auch nur diskutieren. Aber die Gründe, warum man dieser Tage verbissen versucht, den Index über diese letzte charttechnische Hürde zu hieven, sind ja auch andere.

Zum einen versuchen die großen Akteure an der Terminböse, die übermorgen anstehende Abrechnung der in den USA mangels anderer Derivate (außer den Futures) besonders wichtigen Index-Optionen zum höchstmöglichen Kurs zu erreichen. Eine Abrechnung an einem Extrempunkt der Handelsspanne der letzten Wochen und Monate ist vor allem für die Stillhalter am Optionsmarkt, d.h. für diejenigen, die Optionen an andere Marktteilnehmer verkaufen, ein optimales Szenario. Deren Derivate-Konstrukte richten sich oft auf ein solches Szenario aus … und diesmal war klar, dass die Unterseite nicht infrage kommen würde, zumindest nicht für diese anstehende Abrechnung der August-Laufzeit.

S&P 500: Tages-Chart vom 18.08.2020, Kurs 3.389,78 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Zum anderen soll ein Rekordhoch des S&P 500 als Hebel dienen, um dann auch den letzten im Bunde der „Großen Drei“ des US-Aktienmarkts, den Dow Jones, über sein Rekordhoch zu befördern. Das würde gelingen, wenn ein neuer Rekord beim S&P 500 kräftige Anschlusskäufe nach sich ziehen würde. Da die Aktien des Dow Jones auch im S&P 500 gelistet und dort hoch gewichtet sind, würden solche Anschlusskäufe den Dow Jones automatisch ziehen. Und diesem fehlen momentan eben noch ca. 1.800 Punkte, um das Glück der Bullen zu komplettieren. Die Frage ist nur, ob es diese Anschlusskäufe auch geben wird.

Ein „Deal“ über das überfällige, nächste Konjunktur-Rettungspaket könnte solche Anschlusskäufe auslösen. Auch, wenn nüchtern denkenden Investoren nicht entgangen sein dürfte, dass man auf diesen Deal hin schon seit Mitte Juli kauft und jeder Kommentar in Richtung einer möglichen Einigung seit dem Überschreiten des eigentlich zwingenden Termins des 31. Juli weitere Käufe auf einen Deal hin auslöst, der dadurch nicht umfassender wird. Immerhin bewegt sich die Wall Street schon seit Monaten in einem irrationalen, weil nicht von Fakten, sondern von weiterhin nicht erfüllten Erwartungen befeuerten Umfeld. Dass man da dann fünfmal auf ein und denselben Deal hin kauft, der danach immer noch nicht existiert, würde da nicht mehr ins Gewicht fallen. Aber die Frage ist eben, ob es gelingt, die Abgaben derjenigen Marktteilnehmer effektiv aus dem Weg zu räumen, die die Lage nüchtern betrachten und deshalb ihr Glück gar nicht fassen können, in diesem Umfeld noch auf Rekordniveau verkaufen zu können. Die Historie der vergangenen Jahre zeigt:

Das kann funktionieren, muss aber nicht. Die vergangenen Anläufe an vorherige Rekordlevels gingen ganz unterschiedlich aus, wie unser Chart auf Wochenbasis zeigt. Im Spätsommer 2018 sowie im Frühjahr 2019 wurden kurze Anstiege über die vorherigen Rekordlevels zu Bullenfallen, im Herbst 2019 hingegen ging der S&P 500 durch das vorherige Allzeithoch hindurch wie Butter und stieg bis zum Corona-Crash stetig weiter. Welche Variante wäre wahrscheinlicher?

Im Herbst 2019 wartete man ebenfalls auf etwas, das keineswegs sicher war: Eine Einigung mit China. Das wäre eine Parallele, aber die Rückkehr der US-Wirtschaft zu alter Stärke ist ein ganz anderes Kaliber. Hinzu kommt, dass die Markttechnik, in beiden Charts ist dazu der Stochastik-Oszillator abgebildet, derzeit in der überkauften Zone rangiert. Und momentan wäre es auch nicht leicht zu unterfüttern, dass eine anstehende Widerwahl von Donald Trump die Kurse jetzt deutlich ziehen könnte. Denn davon abgesehen, dass das Wahlergebnis völlig offen ist, dürften diejenigen, die davon überzeugt sind, dass die Hausse der Aktien Trump zu verdanken wäre, längst bis über die Halskrause Long sein.

Dass der S&P 500 am Dienstag ganz kurz den bisherigen Verlaufsrekord von 3.393,52 Punkten herausnahm, es bis 3.395,06 Zähler schaffte und am Ende doch nicht über der Hürde schloss, ist noch kein Beleg eines anstehenden Scheiterns. Zwar schleicht der S&P 500 damit schon den sechsten Handelstag in Schlagdistanz dieses Rekordhochs seitwärts. Aber dass man erst einmal, wie oben erwähnt, die um Rekordhochs meist nicht gerade wenigen Verkaufsorders abarbeiten muss, ist eher die Regel denn die Ausnahme.

Es kann zwar sein, dass genau das schiefgeht, unerwartete negative Nachrichten das Volumen der Verkaufsorders noch steigert und es deshalb trotz des „Anschiebens“ der Terminbörsen-Akteure misslingt, überhaupt ein neues Hoch zu erreichen. Aber wahrscheinlicher wäre, dass der S&P 500 diese 3.395,06 Punkte überbietet. Und erst dann wird es wirklich interessant. Denn sollten dann für drei, vier Handelstage keine nennenswerten Anschlusskäufe aufkommen, die ihn wenigstens um ein, zwei Prozent über das alte Hoch tragen, wäre zu erwarten, dass all diejenigen, die im Zuge dieses Ausbruchsversuchs in den vergangenen Tagen Long gingen, Nerven und Geduld verlieren und aussteigen. Und das kann dann leicht auch eine größere Korrektur auslösen, wie wir das im Herbst 2018 erlebt haben. In einem Umfeld, in dem Rahmenbedingungen und US-Aktienmarkt derart auseinandergelaufen sind, sollte man eine solche Bullenfalle besser nicht ausschließen.

S&P 500: Wochen-Chart vom 18.08.2020, Kurs 3.389,78 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Am 23. März erreichte der marktbreite S&P 500-Index mit 2.237,40 Punkten das Schlusskurs-Tief des Corona-Crashs. Am Donnerstag waren seither genau 100 US-Handelstage vergangen … und ausgerechnet jetzt klopft der Index an seinen bisherigen Verlaufsrekord, den er am 19. Februar bei 3.393,52 Punkten markierte. Bis auf fünf Punkte kam er am Mittwoch an diese Bestmarke heran, sechs Punkte fehlten zum Tageshoch des Donnerstags. Ein Katzensprung, und doch: Zwei Handelstage lang kam er an diese Hürde heran, aber nicht an ihr vorbei. Das ist auffällig.

S&P 500: Tages-Chart vom 13.08.2020, Kurs 3.373,43 Punkte, Kürzel SPX | Online-Broker LYNX

Natürlich gäbe es zahlreiche Argumente, warum der S&P 500 jetzt nicht steigen, sondern fallen müsste. Die festgefahrenen Verhandlungen über das mittlerweile überfällige, nächste Konjunkturpaket. Die verfassungsrechtlich fragwürdige Umgehung des Kongresses durch den US-Präsidenten hinsichtlich der überfälligen Stützungsmaßnahmen. Die nicht einzudämmende Pandemie, die derzeit im Schnitt über 1.000 US-Bürger pro Tag das Leben kostet. Und Konjunkturdaten, die nur dann ein Grund wären, auf Rekordniveau weiter Aktien zu kaufen, wenn man einfach die negativen Zahlen ausblendet. Aber …

… war das wirklich in den Wochen zuvor anders? Das war es nicht. Und doch stieg der S&P 500 über 100 Handelstage hinweg an. Nicht jeden Tag, nicht ohne Rückschläge. Aber in den vergangenen Wochen war es doch weit mehr als eine Gegenreaktion auf den Selloff vom Februar und März. Es war eine sich aus sich selbst immer wieder neu befeuernde Rallye aus Hoffnung und Gier. Der „Fear & Greed“-Index des US-Börsensenders „CNN Business“, der aus einer Reihe verschiedenster Indikatoren errechnet wird und den Grad der Anlegerstimmung zwischen blanker Panik und reiner Gier ermittelt, stand zur Wochenmitte bei 73 von 100 Punkten und damit bereits wieder tief im Bereich der Gier und des Leichtsinns.

Trotzdem tut sich der Index schwer mit dieser alten Rekordmarke, der letzten Hürde. Und das, obwohl man unterstellen könnte, dass deren Überwinden rein charttechnisch induzierte Anschlusskäufe kurzfristiger Trader und Aufwärtsdruck durch in die Stop Loss-Zone gedrückte Short-Positionen auslösen würde. Warum klemmt es also ausgerechnet jetzt?

Es könnte, so seltsam es im ersten Moment klingt, gerade dieses 100 Tage-Jubiläum der Aufwärts-Wende sein, das manchen aufweckt. Das auslöst, dass man einen Schritt zurück macht, sich das Gesamtbild ansieht und erkennt, wie ungewöhnlich gewagt diese Rallye aus reiner Hoffnung und Gier ist … und wie weit sie geführt hat. Wohl niemand hätte noch im April oder Mai gedacht, dass der S&P 500 so schnell sein altes Rekordhoch wieder erreichen würde. Den Level also, den man vor der Corona-Krise, vor dieser historischen Rezession, als angemessen ansah. Jetzt ist der Index wieder dort, die Probleme, die ihn zuvor lotrecht in die Tiefe schickten, aber noch da.

Das muss nicht dazu führen, dass der S&P 500 an dieser Hürde scheitert. Der Nasdaq 100 hat sein altes Hoch überwunden, der Dow Jones noch nicht. Der S&P 500 ist da eine Art „Index zwischen zwei Stühlen“. Würde er das bisherige Verlaufshoch überbieten, wäre das eine Motivation, um den Nachzügler Dow Jones ebenso an sein Rekordhoch zu treiben. Was, da alle Dow-Aktien auch im S&P 500 gelistet sind, letzteren weiter nach oben ziehen könnte. Aber sollte er scheitern, würden die so lange erfolgreich ignorierten Risiken alle schlagartig ins Bewusstsein derer zurückkehren, die zuletzt sicher waren, dass Pandemie, Rezession oder der Weg zur geopolitischen Eiszeit der Hausse nichts mehr anhaben können.

Sollte der S&P 500 auch zum Wochenschluss unter diesem Rekordhoch von 3.393,52 Punkten hängenbleiben, wäre das ein erstes Warnsignal. Und würde er sogar den doppelten Leitstrahl der Rallye im Bereich 3.280/3.290 Punkte brechen, bestehend aus der April-Aufwärtstrendlinie und der 20-Tage-Linie, wäre er nur noch schwerlich zu halten. Wenn diese Linie eindeutig und auf Schlusskursbasis brechen sollte, kann es schnell gehen. Aber: Hielte sie einem Test stand, wären die Bullen ein weiteres Mal davongekommen … und würden daraus nur noch mehr Selbstvertrauen schöpfen, genug wohl, um das bisherige Hoch dann im nächsten Anlauf zu nehmen. Jetzt wird die Sache ein „Psycho-Spielchen“ und damit ebenso spannend wie unvorhersehbar: besondere Wachsamkeit ist ratsam!

S&P 500: Monats-Chart vom 13.08.2020, Kurs 3.373,43 Punkte, Kürzel SPX | Online-Broker LYNX

Das zwei Stunden vor US-Handelsende veröffentlichte Statement der US-Notenbank barg ebenso auch Schattenseiten wie die Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell in der daran anschließenden Pressekonferenz. Aber es schien, als würden viele Akteure am Aktienmarkt nur das wahrnehmen, was in ihr Bild der blitzschnellen Rückkehr zum wirtschaftlichen status quo hineinpasst … nebst Notenbank-Rückenwind hin zu neuem Wachstum über den vorherigen Level hinaus. Auch, wenn der positive Teil des Notenbank-Statements sehr von Floskeln durchsetzt war.

Da war von Mr. Powell wie üblich zu hören, dass die „Fed“ über weitere Möglichkeiten verfügen würde, den Markt zu stützen. Dass es gute Hinweise auf eine Stabilisierung gebe, der Immobilienmarkt robust sei und viele der möglichen Notenbank-Kredite gar nicht abgerufen wurden. Man werde die niedrigen Zinsen solange es nötig sei beibehalten und ebenso weiterhin im gegenwärtigen Umfang Stützungskäufe am Anleihemarkt vornehmen. Kurz: Man werde weiter tun, was nötig ist. Was hätte man anderes von der US-Notenbank erwarten können als solche Aussagen?

Doch da gab es auch einige Passagen, die aufmerksame Investoren aufhorchen ließen. So wies Mr. Powell darauf hin, dass es bislang noch keine Erholung bei den Unternehmensinvestitionen gebe. Er unterstrich zudem, dass sich die Erholung auf Basis von Realtime-Indikatoren wie Kreditkartenumsätzen, Hotelbuchungen oder dem Jobaufbau bei kleinen Unternehmen verlangsamt habe. Und, für diejenigen, die das insgeheim als ultima ratio erhofften: Die US-Notenbank habe nicht die Absicht, am Aktienmarkt einzugreifen.

Unter dem Strich gab es also nichts Neues. Die „Fed“ macht weiter wie bisher, hofft auf einen ausreichend starken Effekt, weist aber darauf hin, dass nicht alles einfach so auf alte Höhen zurückkehrt. Das hätte den marktbreiten S&P 500-Index also nicht allzu sehr in Bewegung setzen müssen. Aber Notenbanksitzungen ziehen kurzfristige Trader an wie das Licht die Motten. Es kommt danach immer zu volatilen Bewegungen. Doch da handelt es sich eben vor allem um kurzlebige Aktionen. Solange die Notenbank nichts Neues zu bieten hat, mündet das eher nicht in Käufe oder Verkäufe größerer Adressen mit mittel- oder langfristigem Zeithorizont. So gesehen wird sich erst in den kommenden Tagen herausstellen, ob dieses gestrige Plus ausreicht, um dem S&P 500 den Schwung zu geben, die letzten Punkte bis zum bisherigen Rekord-Verlaufshoch von 3.393 Punkten zu absolvieren. Einen Vorteil haben die Bullen aber durchaus:

Aus rein charttechnischer Sicht war der Kursgewinn des Mittwochs wichtig. Denn dadurch konnte sich der Index etwas von den beiden kurzfristig entscheidenden Leitlinien der Rallye, der April-Aufwärtstrendlinie (3.185 Punkte) und der 20-Tage-Linie (3.203 Punkte) absetzen. Darüber hinaus endet morgen der Handelsmonat Juli. Mit diesen Käufen als Reaktion auf die positiven Elemente der Notenbank-Aussagen dürfte sichergestellt sein, dass dieser Monat der vierte starke Monat in Folge wird. Was wiederum die Hoffnung unter den Bullen nährt, dass auch zum Start in den August wieder frisches Geld seitens der durch die Rallye elektrisierten Sparer in die Kassen der institutionellen Investoren wie den Fonds oder den ETF-Betreibern fließt und die Rallye so weiter mit dem nötigen Treibstoff versorgt, um das bisherige Rekordhoch zu überbieten.

S&P 500 Chart auf Monatsbasis vom 29.07.2020, Kurs 3.258,44 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Erfahrene Akteure wissen indes, dass man gezieltes „Ziehen“ der Kurse nach einer Notenbanksitzung oder zum Monatsultimo nicht überbewerten darf. Denn die tatsächlichen Rahmenbedingungen, von Notenbankchef Powell ja durchaus auf den Tisch gebracht, spielten dabei keine Rolle. Das aber ist nichts, was auf Dauer durchzuhalten ist. Irgendwann kommt der S&P 500 wieder auf Tuchfühlung mit der Realität außerhalb der Börsensäle. Daher dürften zwar viele alte Hasen mit einem gewissen Unwohlsein konsequent dem Aufwärtstrend folgen. Sie werden sich aber konsequent knapp unter den beiden obengenannten Leitlinien April-Aufwärtstrend und 20-Tage-Linie mit Stop Loss-Verkaufsorders absichern und diese mit jedem Punkt, den diese beiden Linien nach oben vorankommen, nachziehen.

S&P 500 Chart auf Tagesbasis vom 29.07.2020, Kurs 3.258,44 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

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