S&P 500 aktuell S&P 500: Die fünfte Kolonne

News: Aktuelle Analyse des S&P 500 Index

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S&P 500
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Zum S&P 500

Bislang hat der marktbreite US-Index S&P 500 im Jahr 2021 knapp 15 Prozent zugelegt. Ein tadelloser Halbzeitstand. Aber wie geht es weiter? Die Bullen rechnen damit, dass der Anstieg genauso weitergeht. Die Bären erwarten, dass dieses Plus am Ende dahin ist. Wer hat Recht?

Die Argumente beider Lager klingen plausibel. Und zwar deswegen, weil sie jeweils eine für sie günstige Entwicklung unterstellen, was Inflation, Wachstum und Käuferverhalten angeht. Konstant starkes Wachstum, eine von alleine verschwindende Inflation und ein ungebrochener Zufluss frischen Geldes an den Aktienmarkt: das erwarten die Optimisten, die Skeptiker das Gegenteil.

Solange offen ist, wie sich die Lage wirklich entwickeln wird, bleiben die Bullen im Vorteil, denn sie haben den Trend im Rücken. Und solange das so bleibt, werden sich die meisten, die stark bezweifeln, dass dieses vorgenannte, perfekte „Goldilocks“-Szenario erhalten bleibt, nicht gegen den Markttrend stellen. Bärisch zu sein impliziert nicht zwingend, auch permanent bärisch positioniert zu sein. Man spielt das Spiel mit, mit einem gegenüber den überzeugten Bullen entscheidenden Unterschied:

Diese Skeptiker sitzen sprichwörtlich auf gepackten Koffern, agieren behutsam und mit engen Stoppkursen und sind im Geiste jederzeit bereit, bei einem hinreichend deutlichen Zeichen dahingehend, dass der Trend kippt, nicht nur auszusteigen, sondern gezielt Short zu gehen. Sie sind also eine Art „fünfte Kolonne“, Bären in bullischem Gewand. Warum auch nicht, letztlich ist es meist unklug, gegen einen intakten Trend zu traden. Und der ist bislang in der Tat völlig intakt.

Den aktuellen Kurs und Chart des S&P 500 sowie Kursinformationen und alle Aktien des Index finden Sie hier.

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Übergang ins zweite Halbjahr bislang tadellos verlief. Zum Quartalsultimo erreichte der S&P 500 einen neuen Schlussrekord, gestern, am ersten Handelstag des zweiten Halbjahrs, den nächsten. Im Vorfeld gelang es, das alte Rekordhoch vom Mai, das zunächst nicht signifikant überboten werden konnte, im zweiten Anlauf klar zu überwinden. Und da sich der Index durch die zuletzt nachlassende Dynamik der ansonsten sehr stetigen Aufwärtsbewegung nahe des unteren Endes des übergeordneten Aufwärtstrendkanals bewegt, hätte er noch einiges an Spielraum, bis die obere Begrenzungslinie dieses Kanals erreicht wäre.

S&P 500: Tages-Chart vom 01.07.2021, Kurs 4.319,94 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Die Frage, ob und wann diese obere Begrenzung erreicht wird, ist nicht zu beantworten. Es kann gelingen, es muss keineswegs. Wer hier Long ist, sollte sich daher Spekulationen über weitere Kursgewinne sparen und vielmehr nach unten blicken … und damit die sukzessiv mit steigenden Ankerpunkte im Blick behalten, unter denen dieser Trend vorbei wäre. Denn wenn eine Aufwärtsbewegung bereits derart lange läuft und ein Index auf langfristiger Ebene zugleich überkauft ist (siehe dazu das Chartbild auf Monatsbasis seit 2007), muss man mit einem „sudden death“, einem plötzlichen Abriss der Hausse, grundsätzlich immer rechnen.

S&P 500: Monats-Chart vom 01.07.2021, Kurs 4.319,94 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Der Ankerpunkt für aggressivere Long-Trades wäre die Ende Oktober begonnene Aufwärtstrendlinie, d.h. die untere Begrenzung des Aufwärtstrendkanals, die aktuell bei 4.200 Punkten angekommen ist. Die im Auge zu behalten und die Stoppkurse entlang deren Anstieg nachzuziehen, ist jetzt unbedingt zu empfehlen. Auf mittelfristiger Ebene wäre es die 200-Tage-Linie, die wie ein Sprungtuch parallel zu diesem Trendkanal verläuft und momentan bei 3.840 Zählern zu finden ist, auf die es ankäme. Viele bullische Anleger unterschätzen die Gefahr eines solchen „sudden death“ am Aktienmarkt, weil sie die Bären nicht zu sehen bekommen oder glauben, dass diese sich einen Tag um den anderen gegen den Trend stemmen und ebenso oft verlieren. Nur wer versteht, dass sich das Gros derer, die in einem solchen Fall massiv verkaufen und/oder Short gehen würden, entweder passiv verhält oder sogar bis dahin Long bleibt, weiß, wie wichtig es ist, als bullischer Trader in einem „alten“ Trend stets über seine Schulter zu blicken.

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Vorherige Analysen des S&P 500 Index

Man hätte von der gestern Abend getroffenen „Fed“-Entscheidung nicht mehr Zugeständnisse an den Aktienmarkt erwarten können. Aber die Kurse reagierten trotzdem zunächst massiv negativ, was zeigt: Hier waren zu viele leichtsinnig. Können die Bullen den Trend halten?

Die US-Verbraucherpreise lagen per Ende Mai 5,0 Prozent über dem Level des Vorjahresmonats. Die Erzeugerpreise sogar 6,6 Prozent, was eine Bugwelle an höheren Kosten andeutet, welche die Unternehmen an die Verbraucher abwälzen werden, wenn sie es durchsetzen können. Und die Export- und Importpreise im Mai, die ebenso einen Blick auf den Kostendruck bei den Unternehmen erlauben, sind noch extremer gestiegen: die Exportpreise um 17,4 Prozent, die Importpreise um 11,3 Prozent im Jahresvergleich. Hätte es da wirklich überraschen können, wenn die „Fed“, die US-Notenbank, in ihrer gestrigen Entscheidung zumindest das Volumen der Käufe am Anleihemarkt zurückgenommen hätte, um ein Zeichen zu setzen, dass man der Inflation entgegentreten wird?

S&P 500: Tages-Chart vom 16.06.2021, Kurs 4.223,70 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Nein, aber nicht einmal das tat sie. Das Volumen der Anleihekäufe bleibt unverändert. Und die neuen Konjunkturprognosen der US-Notenbank für das laufende Jahr wirken, als wären sie ein Kniefall vor dem Aktienmarkt, der, das weiß man bei der „Fed“ natürlich, zum einen fragil ist, zum anderen aber das Rückgrat weiteren Konsumwachstums darstellt. So hob die „Fed“ die Wachstumsprognose für 2021 von 6,5 auf 7,0 Prozent an. Zwar wurde auch die Erwartung in Sachen Inflation nach oben genommen, die 2021er-Prognose für die Verbraucherpreise stieg von 2,4 auf 3,4 Prozent, für die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) von 2,2 auf 3,0 Prozent, alles bezogen auf das Jahresende. Aber unmittelbar getan wurde nichts.

Warum also die negative Reaktion der US-Aktienindizes? Hätte man nicht mit einer Super-Rallye rechnen müssen, weil die „Fed“ die Zinsen in Ruhe lässt und so den Weg für noch mehr Leichtsinn freigibt? Eigentlich schon. Es ist bemerkenswert, dass alleine zwei Aspekte die Kurse durchsacken ließen:

Zum einen lag die Zahl der Mitglieder im FOMC, dem „Federal Open Market Committee“, das die Entscheidungen trifft, jetzt bei sieben (zwölf Mitglieder sind im FOMC), die erwarten, dass bereits 2022 eine erste Anhebung der Leitzinsen erfolgen wird. Bei der letzten Sitzung Ende März waren es noch vier gewesen.

Zum anderen betonte die US-Notenbank trotz ihrer erneuten Untätigkeit, dass sie, wie es ihrer vor einiger Zeit aufgeweichten Inflations-Zielzone entspricht, dann handeln werde, wenn Inflation eine Zeitlang moderat über zwei Prozent verbleibt. Bei einer derzeitigen Preissteigerung von fünf Prozent könnte man das als Ankündigung von Maßnahmen verstehen. Aber die „Fed“ hat nie definiert, was „moderat“ und was „eine Zeitlang“ bedeutet. Drei Monate und ein Prozent über der Zwei-Prozent-Schwelle? Dann hätte sie jetzt schon aktiv werden müssen. Sechs Monate? Zwölf? Wer sich so ausdrückt und zugleich nichts tut, will doch eigentlich nur eines klar machen: Wir werden die Preisstabilität zu Gunsten des Wachstums opfern, weil jeder Schritt hin zu einer rigideren Geldpolitik den Konsum ebenso abwürgen würde wie die Aktienmarkt-Hausse.

Dass der marktbreite S&P 500 trotzdem zunächst ein Prozent durchsackte, macht deutlich, wie instabil und anfällig diese Hausse geworden ist. Und es kann sehr gut sein, dass der Umstand, dass viele große Akteure am Terminmarkt alles gebrauchen können, nur keinen „nach unten wegsackenden Markt“ unmittelbar vor der morgen anstehenden Abrechnung der Optionen und Futures an der Terminbörse, die Kurse von ihren Tagestiefs weggeholt hat. Und nicht die Erkenntnis, dass eine Fed, die bellt, damit signalisiert, dass sie, wenn nur irgend möglich, nicht vorhat, zu beißen.

Am Ende stand ein Minus von einem halben Prozent, das einen Handelstag beendete, der durchaus weniger volatil war, als man das vom Anlass dieser so wichtigen Fed-Entscheidung her hätte erwarten können. Und der Tag hinterlässt einen S&P 500, der zwar dadurch leicht unter das vorherige Rekordhoch vom Mai bei 4.238 Punkten zurückfiel, aber nicht so weit, um den vorherigen, fußlahmen Ausbruchsversuch jetzt bereits als Bullenfalle ansehen zu können.

Sollte das gestrige Tagestief (4.202 Punkte) in den kommenden Tagen doch noch fallen und damit zugleich die 20-Tage-Linie, auf welcher diese Aufholjagd einsetzte, hätten die Bullen das Spiel verloren, das Kursziel wäre dann die breite Auffangzone zwischen 3.950 und 4.055 Punkten.

S&P 500: Tages-Chart vom 16.06.2021, Kurs 4.223,70 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Es muss den Bullen daher gelingen, den marktbreiten S&P 500 über den bisherigen Verlaufsrekord von 4.257 Zählern hinauszubekommen. Dann würden diejenigen, die nach dieser wachsweichen Aussage der US-Notenbank verunsichert sind, den Eindruck gewinnen, dass die „Fed“ wirklich nicht beißen wird und zugreifen. Würde das gelingen, wäre eine größere Korrektur wohl zumindest vertagt; der Weg wäre geebnet, die obere Begrenzung der im Tageschart abgebildeten, nach rechts offenen Keilformation bei 4.400 Zählern anzulaufen. Gelingt das? Nach diesem ergebnisoffenen Tag bleibt da nur zu sagen: „to be continued“!

Höher, schneller, weiter … der Chart des S&P 500 zeigt eindrücklich, was das bullische Lager will. Aber der Gipfelsturm gestaltet sich eher hüftsteif. Viele Trader werden jetzt vorsichtig. Und sie tun gut daran, denn die Zone, die auf keinen Fall brechen darf, ist nicht allzu fern.

Die Nasdaq schloss gestern nahe Tageshoch, der Dow Jones nahe Tagestief. Dazwischen der marktbreite, 500 Aktien umfassende Standard & Poor‘s 500, der die Top-Aktien beider Indizes in sich vereint und daher den Gesamtmarkt am besten abbildet, mit einem knappen halten Prozent im Plus. Was nach nicht viel klingt, aber es war ein neues Hoch auf Schlusskursbasis. Und weil das Tageshoch nicht gehalten werden konnte, gab es mit 4.249,74 Punkten einen neuen Verlaufsrekord obendrauf. Trotzdem … wenn man sich den Chart des S&P 500 auf Tagesbasis so anschaut, sieht das ziemlich müde aus:

S&P 500: Tages-Chart vom 10.06.2021, Kurs 4.239,18 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Und nimmt man sich das ganz kurzfristige Zeitraster auf Stundenbasis vor, das wir diesmal ebenfalls abbilden, wirkt die Sache nicht nur müde, sondern wacklig. In diesem Chart auf Stundenbasis sehen wir, dass der S&P 500 zwar zu Handelsbeginn das vorgenannte, neue Verlaufshoch erreichte, dieses Plus dann aber sofort fast komplett abverkauft wurde, bevor man sich im bullischen Lager, dann aber weitaus weniger beherzt, erneut an den „Aufstieg“ machte. Aber ist es denn nicht ein Beweis bullischer Dominanz, dass der Index an einem Tag wie diesem stieg, statt einzubrechen? Gründe hätte es für Letzteres schließlich gegeben:

S&P 500: Stunden-Chart vom 10.06.2021, Kurs 4.239,18 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Vor US-Handelsbeginn wurden die US-Inflationsdaten für den Mai veröffentlicht. Und mit +5,0 Prozent in der Gesamtrate sowie +3,8 Prozent in der Nahrungsmittel- und Energiepreise herausrechnenden Kernrate fiel die Teuerung den dritten Monat in Folge deutlich heftiger aus als seitens der Volkswirte prognostiziert. Das deutet an, dass die US-Notenbank langsam in die Bredouille kommt, wenn sie weiterhin an ihrer „Laissez Faire“-Politik festhält. Und ein Anziehen der Zügel in Sachen Geldpolitik kommt einem Aktienmarkt, der so sehr auf das billige und reichlich fließende Geld angewiesen ist, nicht gerate zugute. Aber ist der Umstand, dass der S&P 500 an einem Tag wie diesem stieg, wirklich ein Zeichen der Stärke?

Die Sache ist kompliziert. Man darf annehmen, dass immer mehr Akteure langsam auf gepackten Koffern sitzen und gute Gelegenheiten nutzen, um Kasse zu machen. Der Abverkauf der Rallye zu Handelsbeginn ist dafür nicht das erste Anzeichen. Auf der anderen Seite finden sich derzeit besonders viele unerfahrene Anleger, die die Risiken am Markt noch nicht wirklich einordnen können. Da mag mancher selbst einen Rücksetzer um ein halbes Prozent als Einstiegschance ansehen und nutzen. Hinzu kommt:

Viele dürften darauf wetten, dass die „Fed“ sich nicht traut zu handeln, lieber eine mittelfristig aus dem Ruder laufende Inflation hinnimmt als einen sofort wegbrechenden Aktienmarkt. Was sein kann, aber darauf wetten würde zumindest ich nicht. Und eine ganz entscheidende Rolle spielt auch der nur zwei Tage nach der US-Notenbankentscheidung, also am kommenden Freitag, anstehende Abrechnungstermin für Optionen und Futures an der Terminbörse, der „dreifache Hexensabbat“. Da können gewaltige Summen verdient, aber auch verloren werden. Und so, wie sich das Chartbild darstellt, will das Gros der großen Akteure am Terminmarkt, wie üblich in Aufwärtstrends, eine Abrechnung auf höchstmöglichem Niveau erzwingen.

Das sind Argumente, warum einige in Unkenntnis der Risiken, viele aber auch ganz bewusst weiter kaufen, um zu erreichen, dass der S&P 500 bullisch bleibt, den Akteuren also keinen Grund liefert, um auszusteigen. Vor allem nicht ausgerechnet vor diesem Abrechnungstermin in einer Woche. Falls die „Fed“ doch aktiv wird, könnte das fatal schiefgehen und einen Selloff auslösen, weil sich dann alle, die auf eine Abrechnung auf Rekordlevel gesetzt haben, absichern müssten, was die Kurse erst recht drücken würde. Aber auch, wenn die US-Notenbank nichts tut, mehr dem Markt gehorcht als der Vernunft, könnte es nach dieser Abrechnung in einer Woche schnell eng werden. Denn wenn diejenigen, die den Index nur über diesen Termin retten wollten, ihr Ziel erreicht haben, kann es sehr gut sein, dass sie danach zusehen, ob dieses Inflationsproblems so schnell wie möglich Land zu gewinnen.

Und sollte es plötzlich nicht mehr gelingen, jeden kleinen Schwächeanfall sofort „wegzukaufen“, wäre die Schlüsselzone, unter der zweifellos eine große Zahl an Stop Loss-Verkaufsorders liegt, nicht weit. Sie sehen sie im Tageschart: Im Bereich 3.950 zu 4.020 Punkte ballen sich aktuell die 100-Tage-Linie, die untere Begrenzung der im November etablierten, ansteigenden Trompeten-Formation sowie die Zwischenhochs vom Februar und März. Das Polster, das der Index bislang zu dieser Zone aufgebaut hat, ist viel zu klein, um ein Ruhekissen zu sein.

Fazit: Der S&P 500 könnte es schaffen, am kommenden Freitag, den 18. Juni, auf neuem Rekordlevel in die Abrechnung zu gehen. Er könnte es auch schaffen, die obere Begrenzung der Trompetenformation zu erreichen, die in einer Woche bei 4.400 Punkten läge. Aber in einer Gemengelage wie dieser käme einem, wenn man über dieses Ziel namens „Hexensabbat“ hinausblickt, der alte Kostolany-Spruch in den Sinn: Steigen kann er, fallen muss er.

Offenlegung möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in dem besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse Short investiert.

Wenn man weiß, was die Bullen antreibt, kann man die Chancen erahnen, die ein Markt nach oben hat. Im Fall des S&P 500-Index ist das Potenzial nach oben zwar vorhanden, aber überschaubar … denn die Bullen werden von der Angst getrieben.

Heute ist mal wieder ein Abrechnungstermin für Optionen auf Aktien und Indizes an der Terminbörse. Vor allem in den USA haben solche Termine eine große Relevanz, denn Optionen und Futures sind dort im Gegensatz zu Deutschland die einzigen nennenswerten Derivate, was bedeutet, dass dort viel mehr Trader unmittelbar von dieser Abrechnung betroffen sind als hierzulande.

Dass der S&P 500 insgesamt in einem Aufwärtstrend läuft und es gelang, ihn relativ nahe an den bisherigen Rekordhochs zu halten, führt dazu, dass diese Abrechnung die Kurse tendenziell stützt. Worüber das bullische Lager zweifellos froh sein dürfte, denn die Unruhe am Markt nimmt zu. Man weiß nicht einmal, wovor man sich mehr fürchten soll: Davor, dass die Inflation womöglich aus dem Ruder läuft? Davor, dass sie zwar von alleine verschwindet, mit ihr aber auch das Wachstum? Oder davor, dass die US-Notenbank doch eingreift und mit einem Drehen am Geldhahn Wachstum und Aktien-Hausse abwürgt?

Wir sehen im Chartbild zwei Auffälligkeiten: im Chart auf Tagesbasis fällt auf, dass die Volatilität vor gut zwei Wochen nach zwei recht ruhig verlaufenen Monaten deutlich größer wurde. Und wir sehen auf Wochenbasis, dass die Käuferseite jetzt bereits die dritte Woche bemüht ist, im Wochenverlauf entstandene Verluste zum Wochenschluss hin wieder aufzukaufen. Das könnte, wenn das ein, maximal zweimal nacheinander passiert, auch ein Zeichen der Stärke sein. Aber wir sind bereits in der dritten Runde dieses Aufholens vorheriger Verkäufe. Und allein der Umstand, dass die Kurse bislang in der Folgewoche doch wieder unter Druck kamen, die Aufkäufe also nicht dazu führten, dass der Index nach oben davonzieht, macht deutlich, dass die Versuche, das Bild zum Wochenschluss unbedingt bullisch zu halten, aus der Angst davor geboren sind, was passieren könnte, wenn man nicht sofort die Hand aufhält.

Tageschart vom 20.05.2021, Kurs 4.159,12 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Das kann lange gutgehen. Und sollte es gelingen, den S&P 500 über den nicht allzu weit entfernt liegenden, bisherigen Verlaufsrekord von 4.238 Punkten hinauszutragen, kann das allemal zu einer Rallye führen, in der rein charttechnisch agierende Trader auf das dann wieder positive Momentum aufspringen und den Index bis ans obere Ende des keilförmigen Aufwärtstrends bei aktuell 4.300 Punkten tragen.

Aber es kann eben auch jederzeit schiefgehen, denn das bärische Lager wird die bislang vergeblichen Versuche, die Defensiv-Aktionen in eine Rallye zu überführen, interessiert zur Kenntnis nehmen. Und die charttechnische Schlüsselzone, die auf keinen Fall brechen darf, ist nahe genug, um sofort im Feuer zu stehen, wenn es einmal nicht gelingt, Abgabedruck sofort „wegzukaufen“ und so zu verhindern, dass die Masse der Anleger beginnt, unruhig zu werden.

Es geht um den im Chart auf Tagesbasis gut zu erkennenden Bereich zwischen 3.950 und 3.980 Punkten. Hier ballen sich die untere Begrenzung dieses nach rechts breiter werdendem Keil, die 100-Tage-Linie und die Zwischenhochs vom Februar und März zu einem auffälligen Knotenpunkt. Solange dieser Bereich hält, erhalten sich die Bullen ihre Chance auf neue Rekordhochs. Aber je länger sie Defensivarbeit leisten müssen, desto größer wird das Risiko, dass das schiefgeht, diese Zone fällt und dann das nächste, markantere Kursziel, die bei aktuell 3.718 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie, zügig angesteuert wird.

Wer erkennt, dass es nicht Zuversicht, sondern die Angst vor einem Kippen der Hausse ist, die derzeit das Leitmotiv der Bullen ist, agiert in diesem Umfeld äußerst vorsichtig. Long-Positionen zu jeder Zeit konsequent mit Stop Loss-Verkaufsorders abzusichern, ist in einer Gemengelage wie dieser unbedingt zu empfehlen.

Wochenchart vom 20.05.2021, Kurs 4.159,12 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Es fehlt nicht mehr viel und der S&P500 hat sich seit dem Corona-Crash verdoppelt. Anleger zocken auf Kredit, wie nie zuvor. Wohin soll das alles führen?

Kommt es wieder so?

Dieser Markt ist für Investoren sehr schwierig. Derzeit gleicht die Suche nach attraktiven Investments der Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen.

Die meisten Unternehmen sind heut höher bewertet als jemals zuvor. Gleichzeitig strömen Börsenneulinge in Massen an die Börse.
Man fühlt sich unweigerlich an die Jahrtausendwende erinnert.

Tatsächlich ist eine ähnliche Entwicklung auch eines der Szenarien, die ich inzwischen für am wahrscheinlichsten halte.
Auf die Rallye könnte eine lange Durststrecke folgen. Womöglich geht es jahrelang seitwärts, wie nach der Jahrtausendwende.

Bereits jetzt haben wir eine historische Rallye erlebt. Es fehlt nicht mehr viel und der S&P500 hat sich seit dem Crash-Tief des vergangenen Jahres verdoppelt.

Muss man gesehen haben

Es scheint fast so, als würden die Bäume doch in den Himmel wachsen. Wie immer wird sich das am Ende als Trugschluss herausstellen, es ist nur eine Frage der Zeit.

Der folgende Chart könnte das nicht eindrucksvoller zeigen.
In den letzten 20 Jahren lag die Bewertung des S&P500 weitgehend zwischen einer P/E von 15 und 18 (Linien in orange und blau).

Heute stehen wir bei 27,7. Selbst wenn es tatsächlich gelingt, dass der Gewinn der Unternehmen in diesem Index 2021 um 25% steigen und somit einen neuen Rekordwert erreichen, sinkt die P/E nur auf 23,5.

Fern ab der historischen Normalwerte. Man könnte auch sagen: Der Markt war in den letzten 20 Jahren nie teurer.

(Nach dem Chart geht es weiter)

Fastgraphs Chart vom 09.04.2021 Kurs: 4097 Kürzel: SPX | Online Broker LYNX
Fastgraphs Chart vom 09.04.2021 Kurs: 4097 Kürzel: SPX

Wie geht es jetzt weiter?

Nach allem Anschein dürfte sich die Hausse vorerst trotzdem fortsetzen. Für Vertreter von Buy & Hold wie mir sind die steigenden Kurse nicht das Ende der Welt, es stimmt einen dennoch nachdenklich.

Viele Indizes und Einzelaktien haben in den letzten Wochen Kaufsignale ausgelöst oder sind gerade dabei.

An sich ist die massive Asset-Preis-Inflation auch keine Überraschung. Wenn die Geldmenge in nur einem Jahr weltweit um knapp 20% steigt, dann befeuert das natürlich die Preise von nicht beliebig vervielfältigbaren Gütern.

Dazu zählen Aktien, Immobilien, Kryptos, Kunst, Oldtimer und was man sonst noch sammeln kann.
Natürlich auch Edelmetalle, wobei die steigenden Realzinsen belasten. Daher haben Privatanleger zuletzt sogar erhebliche Mittel aus Gold, Silber & Co. abgezogen.

(Nach dem Chart geht es weiter)

Chart vom 09.04.2021 Kurs: 4097 Kürzel: SPX - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 09.04.2021 Kurs: 4097 Kürzel: SPX – Tageskerzen

Jetzt ist guter Rat teuer

Wie geht man mit der ganzen Situation um? Im Endeffekt bleibt einem nur, vorsichtig zu agieren, Cash in der Hinterhand zu behalten und keinesfalls mit Hebel zu agieren.

Die breite Masse scheint aber genau das Gegenteil davon zu machen, was mich nur noch mehr von meiner Haltung überzeugt.
Denn an der Börse gilt: Die Masse liegt per Definition falsch.

Bereits vor einigen Monaten haben die Käufe auf Kredit einen neuen Extremwert erreicht und sind seitdem regelrecht explodiert.

Sie erahnen sicher, wann in der Vergangenheit besonders stark auf Kredit gezockt wurde. Um die Jahrtausendwende, vor der Finanzkrise und vor dem Corona-Crash.

Das eine bedingt das andere. Die massiven Käufe auf Kredit bewirken ein Ungleichgewicht am Aktienmarkt, das früher oder später aufgelöst werden muss.

Das Ziel ist klar: Bis übermorgen zum „dreifachen Hexensabbat“ wollen die Bullen die runde Marke von 4.000 Punkten beim marktbreiten US-Index Standard & Poor’s 500 sehen. Und das könnte auch klappen, wenn heute nach der US-Notenbankentscheidung nichts anbrennt. Aber insgesamt behagt mir dieses Chartbild nicht … ich wäre auf der Hut!

Heute steht um 19 Uhr (die USA haben schon auf Sommerzeit umgestellt) das Statement der US-Notenbank an, unmittelbar danach folgt die Pressekonferenz mit US-Notenbankchef Powell. Man erwartet keine konkreten Maßnahmen, aber die Aussagen der „Fed“ wird man sehr genau unter die Lupe nehmen. Wie schätzt man dort die Wachstumsperspektive ein? Wie sieht man das Inflationsrisiko, wo würde man eingreifen? Wird man versuchen, die gestiegenen Anleiherenditen wieder zu drücken, um das Wachstum nicht durch steigende Refinanzierungskosten zu behindern – und wenn ja, wie? Mit der klassischen Methode der „Operation Twist“ (Käufe langer Laufzeiten und Verkauf kurzer Laufzeiten), die indes so ihre Nebenwirkungen hat, oder auf anderen Wegen? Da die Renditen der langen Laufzeiten keinen Deut zurückgekommen sind, der S&P 500 aber trotz der anziehenden Renditen seit Monatsanfang wieder steigt, damit also ignoriert, was ihn Ende Februar noch unter Druck setzte, wird das heute Abend spannend.

Auch, weil dieser Termin wie so oft nur zwei Tage vor dem „dreifachen Hexensabbat“ liegt, wie man die Abrechnung der Futures und Optionen am Terminmarkt gerne nennt. Es ist mit Händen zu greifen, dass die großen Adressen an der Terminbörse auf ein „as high as possible“ abzielen, was den Abrechnungslevel angeht und damit die runde Marke von 4.000 Punkten anpeilen. Wenn die „Fed“ ihnen nicht in die Suppe spuckt, kann das gelingen. Wenn die Aussagen der US-Notenbank zu Irritationen führen, wird es wohl umgehend ungemütlich, aber gehen wir mal davon aus, dass der Weg nach oben nicht durch die Notenbank unterbrochen wird. Dann stellt sich die Frage: Geht die Hausse auch weiter, nachdem dieser die Kurse in Aufwärtstrends zusätzlich höher ziehende Abrechnungstermin über die Bühne ist?

Möglich wäre das, weil man zudem ja darauf wettet, dass einiges an Geld, das den US-Bürgern jetzt als 1.400 US-Dollar-Barscheck zufließen wird, im Aktienmarkt landet. Aber ein bullischer Trader braucht sich nur den Chart anzusehen um zu verstehen, dass er/sie nicht alleine mit der Idee war, daraufhin schon mal im Vorfeld Long zu gehen, um den erhofften Aufwärtsschub mitzunehmen und dann den Gewinn einzufahren. Es wäre alles, nur nicht überraschend, wenn da dann auf einmal mehr Akteure gleichzeitig Kasse machen wollen als die Nachfrageseite auffangen könnte. Und das träfe auf ein zusehends mit Macken versehenes Kursbild.

Schaut man sich den S&P 500 auf Wochenbasis an, passt soweit noch alles. Der Index hatte zur Jahreswende die mittelfristige Hausse-Begrenzungslinie überwunden und sie seither mehrfach erfolgreich verteidigt. Solange diese aktuell bei 3.775 Punkten verlaufende Linie nicht auf Wochenschlusskursbasis gebrochen wird, bleibt der Index auf mittelfristiger Ebene bullisch. Aber das Chartbild auf Tagesbasis gefällt mir nicht mehr.

S&P 500: Tages-Chart vom 16.03.2021, Kurs 3.962,71 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Drei Dinge fallen auf, die nicht gesund wirken. Zum einen sieht man, dass Abwärtsbewegungen deutlich dynamischer sind. Geht es runter, dann kräftig. Um das vorherige Hoch zu überwinden, dauert es länger, die grünen Kerzen im Chart sind auch meist viel kleiner, d.h. die Schwungkraft ist auf der Oberseite geringer.

Dadurch wird der Aufwärtstrendkanal, das ist der zweite Punkt, sukzessiv breiter. Das ist noch nicht dramatisch, aber man sieht schon, dass die letzten Zwischentiefs weniger deutlich über den vorherigen liegen als die Zwischenhochs. Die wiederum immer noch unter der kurzfristigen Hausse-Begrenzungslinie verlaufen. Die 4.000er-Marke liegt unterhalb dieser roten Linie, diesen neuen, runden Rekord am Freitag zu erreichen, wäre also allemal drin.

Aber dass die Risiken nach unten zunehmen, die Luft nach oben dünner wird, zeigt sich auch, das ist die dritte „Macke“ in meinen Augen, an der negativen Divergenz des RSI-Indikators auf Tagesbasis. Die den neuen Hochs zugehörigen Zwischenhochs im RSI liegen, anders als beim Index, zuletzt unter den vorherigen, das nennt sich „negative Divergenz“ und ist ein Warnsignal. Ein Warnsignal ist kein Verkaufssignal, daraufhin Short zu gehen, wäre daher äußerst verwegen. Aber solche Signale des RSI zu ignorieren, kommt einen nicht selten teuer zu stehen.

Da der Trend des Index zuletzt so sehr an Struktur verloren hat (was auch nicht gerade positiv ist), dass selbst gleitende Durchschnitte wie die im Tageschart blau und hellblau eingezeichneten, in den USA wichtigen 50-Tage- und 100-Tage-Linien keinen tauglichen Leitstrahl bieten, ist es zugleich knifflig, einen charttechnisch verlässlichen Ankerpunkt für einen Stoppkurs Long zu finden.

S&P 500: Wochen-Chart vom 16.03.2021, Kurs 3.962,71 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Eine sinnvolle Basis hierfür würde ich in der aktuell bei 3.800 Zählern verlaufenden, unteren Begrenzung dieses sukzessiv auseinander laufenden Trendkanals und der vorgenannten Hausse-Begrenzungslinie auf Wochenbasis bei derzeit 3.775 Punkten sehen. Sich knapp darunter gegen ein „Unverhofft kommt oft“ abzusichern, kann sicher nicht schaden!