S&P 500: Die Bullen stehen hier auf ganz dünnen Beinchen

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S&P 500
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Zur S&P 500

Auf den ersten Blick wirkt es, als hätten die Bullen die Gefahr einer Abwärtswende gebannt. Der S&P 500 wurde oberhalb einer wichtigen Wendemarke und der 200-Tage-Linie stabilisiert und lief an die 20-Tage-Linie nach oben. Auf den zweiten Blick aber bleibt die Lage wacklig.

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Wer die Sache positiv sehen will, konstatiert: Der marktbreite S&P 500 hat eine mehrtägige Bodenbildung auf Höhe des Tiefs vom 20. September erfolgreich abgeschlossen und der Trendfolgeindikator MACD steht unmittelbar vor einem Kaufsignal.

Sucht man indes nach Aspekten, die den Bullen in die Parade fahren könnten, findet man mehr, als einem lieb sein könnte. So kam es zwar am Donnerstag zu einem „Gap Up“, welches den Index aus der Bodenbildungs-Spanne 4.280/4.385 Punkten nach oben hinaustrug. Aber es fehlt bislang, was zwingend nötig ist, um daraus einen echten Befreiungsschlag zu machen: Anschlusskäufe. Der S&P 500 schloss am Donnerstag nur geringfügig über seinem Eröffnungsniveau. Und am Freitag kamen die Käufer nicht wieder.

Dadurch hängt der Index an, aber nicht über seiner 20-Tage-Linie und der kurzfristigen Abwärtstrendlinie im Bereich 4.397/4.405 erst einmal fest. Schafft er zum Wochenstart den Sprung über diese Zone und schließt deutlich darüber, wäre das Risiko, dass in Kürze ein erneuter Abwärtsimpuls ansteht, deutlich reduziert.

S&P 500: Tages-Chart vom 08.10.2021, Kurs 4.391,34 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Aber an entscheidende Marken heranzukommen und sie zu überwinden, sind zwei Paar Schuhe. Und den Bullen fehlt eines:

The current price and chart of the S&P 500 as well as price information and all stocks in the index can be found here.

Expertenmeinung: Gute Nachrichten. Die am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten des Septembers waren schon mal keine. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen lag mit 194.000 meilenweit unter den Prognosen. Auch, wenn man den markanten Stellenabbau im Bereich der öffentlichen Hand berücksichtigt, bliebe die Zahl neuer Jobs mit 319.000 deutlich hinter der Durchschnitts-Prognose von 500.000 zurück. Auf der anderen Seite jedoch fiel die auf andere Weise ermittelte Arbeitslosenrate von 5,2 auf 4,8 Prozent. Und an ihr orientiert sich die US-Notenbank maßgeblich, wenn es um die Frage geht, ob ein sukzessives Zudrehen des Geldhahns angebracht ist. Was heißt: Das Wachstum ist zwar nicht stabil, aber die „Fed“ dürfte dennoch Anfang November handeln.

Auch der Auslöser des Befreiungsschlags war mehr ein Vorwand, um einen größeren Abwärtsimpuls abzuwenden als ein taugliches Fundament für weitere Käufe. Dass man sich im US-Kongress auf eine bis Anfang Dezember reichende Übergangslösung geeinigt hat, um zu verhindern, dass dem Staat das Geld ausgeht, war keine Überraschung – es läuft jedes Mal so. Und es war auch diesmal nichts anderes zu erwarten, denn die Republikaner wären sonst in der Öffentlichkeit als Schuldige dagestanden.

Was bleibt, ist der Flaschenhals mit immer größeren Auswirkungen. Es bleiben unkontrolliert steigende Energiepreise, bei denen der haussierende Ölpreis im Vergleich zum Anstieg der Kurse bei Kohle und Gas sogar noch harmlos wirkt. Und es bleibt die Sorge vor einer Implosion des chinesischen Immobilienmarkts. Erfahrene Investoren wissen, dass so etwas, wenn nicht direkt wegen ausfallender Kredite, so doch indirekt über ein alle betreffendes, kippendes Wachstum in China, alle betreffen würde.

Um besser zu erkennen, wie wacklig diese scheinbare Aufwärtswende bislang noch ist, ist ein Blick auf den Verlauf des S&P 500 auf Stundenbasis interessant, den Sie im zweiten Chart sehen, der den Verlauf der vergangenen zwei Wochen zeigt. Der scheinbare Befreiungsschlag durch das „Gap Up“ des Donnerstags trug den Index zwar über die vorherige Widerstandszone 4.370/4.385 Punkte. Aber unmittelbar nach der ersten Handelsstunde des Donnerstags ließen sich die Käufer nicht mehr blicken. Dadurch setzte der S&P 500 zum Freitags-Closing wieder auf dieser Zone auf. Ein schwacher Start in den heutigen Montag … und das Problem der Bullen wäre wieder da!

S&P 500: Stunden-Chart vom 08.10.2021, Kurs 4.391,34 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX
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Wenn sich schon beim DAX nichts tut, dann doch wenigstens an der Wall Street, dürften sich viele Trader dieser Tage wünschen. Das blieb bislang ein frommer Wunsch, der marktbreite S&P 500 schleppte sich müde durch die Woche. Aber ab jetzt könnte sich das ändern.

Heute bleibt der US-Aktienmarkt wegen des „Labor Day“ geschlossen. Aber mit ihm beginnt die „back-to-school-season“. Die Ferien sind um, alle sind wieder da und damit kann es jetzt mit neuem Schwung Richtung Jahresende vorangehen. Da winkt am Horizont schon die Weihnachts-Saison mit den vielen vorgelagerten Sonderverkäufen wie „Cyber Monday“ und „Black Friday“, die sich längst nicht mehr auf nur einen Tag beschränken. Doch ein starker Herbst ist nichts, worauf man sich blind verlassen sollte. Zuletzt wurde beispielsweise das vierte Quartal 2018 eine herbe Pleite für die Bullen. Wie sieht es diesmal aus?

S&P 500: Tages-Chart vom 03.09.2021, Kurs 4.535,43 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Man darf darauf hoffen, dass die verbleibenden vier Monate bis zum Jahresende einiges mehr an Dynamik zu bieten haben als das, was wir über den Sommer mit ansehen mussten. Die Argumente, auf deren Basis neue Dynamik erhofft wird, sind indes auch der Grund, warum noch offen ist, in welche Richtung es gehen wird. Denn man spielt derzeit ein eher seltsames Spiel, bei dem schlechte Konjunkturdaten auf einmal gut, gute hingegen schlecht sein sollen. Genau da liegt der Ankerpunkt für den Richtungsentscheid.

Expertenmeinung: Die am Freitag vorgelegten US-Arbeitsmarktdaten fielen mit nur 235.000 neuen Stellen weit schwächer aus als erwartet (Prognose +750.000), dennoch sank die Arbeitslosenquote von 5,4 auf 5,2 Prozent und damit wie prognostiziert. Die Diskrepanz basiert darauf, dass diese beiden Zahlen auf getrenntem Wege ermittelt werden. Und da die Ergebnisse in beiden Fällen das hochgerechnete Resultat aus nicht nachprüfbaren Antworten auf Telefonumfragen sind, ist die Genauigkeit beider Zahlen gering. Doch das schert die Trader gemeinhin nicht, für sie stellt sich momentan bei Konjunkturdaten nicht die Frage, ob das Wachstum stark ist und bleibt. Es geht darum, ob die Zahlen die US-Notenbank dazu bringen könnten, den Geldhahn zuzudrehen. Und weil man genau das fürchtet, Sorge hat, dass dadurch der Zustrom frischen Geldes an den Aktienmarkt abreißt, freut man sich allen Ernstes über Daten, die, wie die aktuelle Zahl neu geschaffener US-Jobs, indizieren, dass das Wachstum nachlässt.

Doch wir sehen in den Charts des S&P 500, dass die zuletzt öfter auftauchenden Enttäuschungen in Sachen Wachstum zwar verhindern, dass der Index nennenswert abrutscht. Aber das reicht auf der anderen Seite nicht aus, um ihn nach oben hinaus zu tragen und damit das sukzessiv schwindende Momentum des Aufwärtstrends wiederzubeleben.

S&P 500: Monats-Chart vom 03.09.2021, Kurs 4.535,43 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Dass die „back-to-school-season“ das schafft, darauf hoffen die Akteure jetzt. Aber wie, wenn sich erst Richtung November/Dezember erkennen lässt, ob der Konsum wirklich anzieht und das Wachstum intensiviert? Und was wäre dann mit der US-Notenbank?  

Wie so oft an der Börse könnten die Akteure auch diesmal nicht auf die Fakten warten, sondern ihnen vorgreifen. Immerhin hätten die Bullen den Vorteil, dass die US-Notenbank erst wieder am 22. September zusammenkommt und vorher nichts Negatives in Sachen Anleihekäufe und Zinsen passieren wird. Und vorgelagert hätten wir am 17. September die sehr oft die Kurse höher ziehende Abrechnung der Futures und Optionen an der Terminbörse.

Möglich ist es also, dass man sich auch ohne „good news“ seitens der US-Konjunktur bzw. ohne, dass man diese dann wegen dem Notenbank-Faktor auf den Kopf stellen müsste, am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht. „Möglich“ heißt aber nicht „sicher“, daher täte man gut daran, bestehende Long-Trades weiterhin konsequent nach unten abzusichern. Nicht zuletzt deswegen, weil die Ambitionen der Bullen bislang noch keinen zählbaren Niederschlag im Kursverlauf nach sich gezogen haben: Bis jetzt kommt der S&P 500 aus seiner im Mai entstandenen Keilformation nicht heraus. Gelänge das, hätte der Index aus rein charttechnischer Sicht Spielraum bis zur oberen Begrenzung des übergeordneten, im vergangenen Herbst entstandenen Aufwärtstrendkanals bei aktuell 4.735 Zählern. Das wäre genau der Befreiungsschlag, den sich die bullischen Trader erhoffen. Aber wenn das schief geht, sollte man schnell reagieren. Ein Schlusskurs, der mehr als 20 Punkte unter der aktuell bei 4.450 Punkten verlaufenden, mittelfristigen Aufwärtstrendlinie läge, wäre für aggressiv und kurzfristig auf der Long-Seite agierende Trader schon Grund genug, in Deckung zu gehen.

Viele Akteure dürften bislang nicht bemerkt haben, dass das bullische Lager seine Dominanz beim S&P 500 verliert, denn die Unterseite des Trends passt weiterhin. Wo es klemmt, ist die Oberseite: Die neuen Hochs liegen immer näher beieinander. Und die Volatilität nimmt zu.

Einen Aufwärtstrend immer wieder zu verteidigen ist positiv, keine Frage. Aber nur, wenn das denjenigen, die immer wieder an der für den marktbreiten Standard & Poor’s 500 (S&P 500) derzeit relevanten, Ende Oktober 2020 etablierten Aufwärtstrendlinie kaufen, auch entsprechende Gewinne einbringt. Noch sind diese Gewinne da. Aber sie werden sukzessiv kleiner. Denn die Parallele zu dieser Aufwärtstrendlinie, die eigentlich den Trendkanal definiert, wurde zuletzt Mitte April angelaufen. Seither flachten die neuen Hochs relativ zum Aufwärtstrend ab, so dass sich eine flachere Hausse-Begrenzungslinie gebildet hat, die in den vergangenen fünf Wochen bereits dreimal touchiert und dadurch in ihrer Relevanz bestätigt wurde. Der S&P 500 wird damit immer näher an seine Aufwärtstrendlinie gedrängt.

Die Distanz zwischen der Aufwärtstrendlinie und dieser flacheren Widerstandslinie, die dem Trendkanal dadurch eine Keilform verleiht, beträgt nur noch wenig mehr als zwei Prozent und nimmt täglich ab. Zwei Prozent, das ist zu wenig für ein normales Handelsgeschehen, das führt dazu, dass der „Kesseldruck“ immer mehr ansteigt, die Trader nervöser werden.

Chart Tageskerzen vom 18.08.2021, Kurs 4.400,23 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Was sich auch positiv auswirken könnte, immerhin würde ein Befreiungsschlag über diese Widerstandslinie, die aktuell bei 4.490 Punkten verläuft, aus rein charttechnischer Sicht wieder den Weg an die ursprüngliche obere Begrenzung freigeben, die bei 4.680 Zählern verläuft. Das wäre wieder eine Menge Luft nach oben. Verlockend für die Bullen, keine Frage, nur:

Expertenmeinung: Wenn es ihnen möglich wäre, dieses Potenzial auszuschöpfen, indem sie den S&P 500 über diese Hürde bei 4.490 Punkten auf neue Hochs ziehen, hätten sie es dann nicht längst getan? Wohl schon. Und wenn wir uns nach dem Chart auf Tagesbasis einmal das Kursgeschehen seit Monatsbeginn auf 60-Minuten-Basis ansehen, erkennen wir, dass die Bullen womöglich mit der Defensive voll ausgelastet sind. Denn auch, wenn der S&P 500 am Montag mit 4.480 Zählern einen neuen Verlaufsrekord erreicht hat:

Chart Stundenkerzen vom 18.08.2021, Kurs 4.400,23 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Die auf diesen Level führende Rallye war die Reaktion auf einen schwachen Handelsstart, ausgelöst durch die Entwicklung in Afghanistan und unerwartet magere Konjunkturdaten aus China. Das war wieder einmal eine Flucht nach vorne, auch und gerade befeuert durch den festen Glauben, dass das sofortige „Wegkaufen“ eines Rücksetzers immer funktionieren und automatisch neue Hochs nach sich ziehen werde. Und das hat in der Tat seit Monaten nahezu immer funktioniert, weil so ziemlich alle so dachten und agierten. Aber momentan scheint sich da unterhalb des Levels eines Tagescharts etwas zu verändern.

Denn in diesem Chart auf Stundenbasis sehen wir, dass diese Rallye des Montags nicht vorhielt, sondern der S&P 500 am Dienstag zum Handelsstart gleich wieder im Minus startete. Und diesmal dauerte es länger, rutschte der Index tiefer ab, bevor die Bullen zugriffen. Zu schwach und zu spät, um den S&P 500 noch ins Plus zu ziehen. Und am Mittwoch? Da blieben die Bullen, von eher mageren Käufen gleich zu Handelsbeginn abgesehen, gleich ganz fort.

Und die Reaktion auf das um 20 Uhr unserer Zeit veröffentlichte Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung traf nicht auf Gegenliebe, denn da war davon die Rede, dass die US-Notenbank womöglich noch in diesem Jahr beginnen könnte, den Geldhahn langsam zuzudrehen. Das sorgte für Abgabedruck. Und die Rallye, die sonst solche Abgaben schnell egalisiert und das Momentum des Trends positiv gehalten hätte … die blieb aus.

Solange die gestern bei 4.390 Punkten verlaufende, untere Begrenzung dieses mittelfristigen Aufwärtstrends nicht eindeutig gebrochen und dieser Bruch idealerweise durch weitere Abgaben und, noch besser, durch eine abverkaufte Gegenbewegung bestätigt wurde, haben die Bären hier zwar noch nichts zu melden. Aber der Abstand zu dieser so wichtig gewordenen Trendlinie ist nach dem Minus des Mittwochs und dem Ausbleiben der bullischen „Kavallerie“ klein: Der S&P 500 verträgt jetzt keine Ausrutscher mehr!

Bislang hat der marktbreite US-Index S&P 500 im Jahr 2021 knapp 15 Prozent zugelegt. Ein tadelloser Halbzeitstand. Aber wie geht es weiter? Die Bullen rechnen damit, dass der Anstieg genauso weitergeht. Die Bären erwarten, dass dieses Plus am Ende dahin ist. Wer hat Recht?

Die Argumente beider Lager klingen plausibel. Und zwar deswegen, weil sie jeweils eine für sie günstige Entwicklung unterstellen, was Inflation, Wachstum und Käuferverhalten angeht. Konstant starkes Wachstum, eine von alleine verschwindende Inflation und ein ungebrochener Zufluss frischen Geldes an den Aktienmarkt: das erwarten die Optimisten, die Skeptiker das Gegenteil.

Solange offen ist, wie sich die Lage wirklich entwickeln wird, bleiben die Bullen im Vorteil, denn sie haben den Trend im Rücken. Und solange das so bleibt, werden sich die meisten, die stark bezweifeln, dass dieses vorgenannte, perfekte „Goldilocks“-Szenario erhalten bleibt, nicht gegen den Markttrend stellen. Bärisch zu sein impliziert nicht zwingend, auch permanent bärisch positioniert zu sein. Man spielt das Spiel mit, mit einem gegenüber den überzeugten Bullen entscheidenden Unterschied:

Diese Skeptiker sitzen sprichwörtlich auf gepackten Koffern, agieren behutsam und mit engen Stoppkursen und sind im Geiste jederzeit bereit, bei einem hinreichend deutlichen Zeichen dahingehend, dass der Trend kippt, nicht nur auszusteigen, sondern gezielt Short zu gehen. Sie sind also eine Art „fünfte Kolonne“, Bären in bullischem Gewand. Warum auch nicht, letztlich ist es meist unklug, gegen einen intakten Trend zu traden. Und der ist bislang in der Tat völlig intakt.

Sie sehen im Chart auf Tagesbasis, dass der Übergang ins zweite Halbjahr bislang tadellos verlief. Zum Quartalsultimo erreichte der S&P 500 einen neuen Schlussrekord, gestern, am ersten Handelstag des zweiten Halbjahrs, den nächsten. Im Vorfeld gelang es, das alte Rekordhoch vom Mai, das zunächst nicht signifikant überboten werden konnte, im zweiten Anlauf klar zu überwinden. Und da sich der Index durch die zuletzt nachlassende Dynamik der ansonsten sehr stetigen Aufwärtsbewegung nahe des unteren Endes des übergeordneten Aufwärtstrendkanals bewegt, hätte er noch einiges an Spielraum, bis die obere Begrenzungslinie dieses Kanals erreicht wäre.

S&P 500: Tages-Chart vom 01.07.2021, Kurs 4.319,94 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Die Frage, ob und wann diese obere Begrenzung erreicht wird, ist nicht zu beantworten. Es kann gelingen, es muss keineswegs. Wer hier Long ist, sollte sich daher Spekulationen über weitere Kursgewinne sparen und vielmehr nach unten blicken … und damit die sukzessiv mit steigenden Ankerpunkte im Blick behalten, unter denen dieser Trend vorbei wäre. Denn wenn eine Aufwärtsbewegung bereits derart lange läuft und ein Index auf langfristiger Ebene zugleich überkauft ist (siehe dazu das Chartbild auf Monatsbasis seit 2007), muss man mit einem „sudden death“, einem plötzlichen Abriss der Hausse, grundsätzlich immer rechnen.

S&P 500: Monats-Chart vom 01.07.2021, Kurs 4.319,94 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Der Ankerpunkt für aggressivere Long-Trades wäre die Ende Oktober begonnene Aufwärtstrendlinie, d.h. die untere Begrenzung des Aufwärtstrendkanals, die aktuell bei 4.200 Punkten angekommen ist. Die im Auge zu behalten und die Stoppkurse entlang deren Anstieg nachzuziehen, ist jetzt unbedingt zu empfehlen. Auf mittelfristiger Ebene wäre es die 200-Tage-Linie, die wie ein Sprungtuch parallel zu diesem Trendkanal verläuft und momentan bei 3.840 Zählern zu finden ist, auf die es ankäme. Viele bullische Anleger unterschätzen die Gefahr eines solchen „sudden death“ am Aktienmarkt, weil sie die Bären nicht zu sehen bekommen oder glauben, dass diese sich einen Tag um den anderen gegen den Trend stemmen und ebenso oft verlieren. Nur wer versteht, dass sich das Gros derer, die in einem solchen Fall massiv verkaufen und/oder Short gehen würden, entweder passiv verhält oder sogar bis dahin Long bleibt, weiß, wie wichtig es ist, als bullischer Trader in einem „alten“ Trend stets über seine Schulter zu blicken.

Man hätte von der gestern Abend getroffenen „Fed“-Entscheidung nicht mehr Zugeständnisse an den Aktienmarkt erwarten können. Aber die Kurse reagierten trotzdem zunächst massiv negativ, was zeigt: Hier waren zu viele leichtsinnig. Können die Bullen den Trend halten?

Die US-Verbraucherpreise lagen per Ende Mai 5,0 Prozent über dem Level des Vorjahresmonats. Die Erzeugerpreise sogar 6,6 Prozent, was eine Bugwelle an höheren Kosten andeutet, welche die Unternehmen an die Verbraucher abwälzen werden, wenn sie es durchsetzen können. Und die Export- und Importpreise im Mai, die ebenso einen Blick auf den Kostendruck bei den Unternehmen erlauben, sind noch extremer gestiegen: die Exportpreise um 17,4 Prozent, die Importpreise um 11,3 Prozent im Jahresvergleich. Hätte es da wirklich überraschen können, wenn die „Fed“, die US-Notenbank, in ihrer gestrigen Entscheidung zumindest das Volumen der Käufe am Anleihemarkt zurückgenommen hätte, um ein Zeichen zu setzen, dass man der Inflation entgegentreten wird?

S&P 500: Tages-Chart vom 16.06.2021, Kurs 4.223,70 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Nein, aber nicht einmal das tat sie. Das Volumen der Anleihekäufe bleibt unverändert. Und die neuen Konjunkturprognosen der US-Notenbank für das laufende Jahr wirken, als wären sie ein Kniefall vor dem Aktienmarkt, der, das weiß man bei der „Fed“ natürlich, zum einen fragil ist, zum anderen aber das Rückgrat weiteren Konsumwachstums darstellt. So hob die „Fed“ die Wachstumsprognose für 2021 von 6,5 auf 7,0 Prozent an. Zwar wurde auch die Erwartung in Sachen Inflation nach oben genommen, die 2021er-Prognose für die Verbraucherpreise stieg von 2,4 auf 3,4 Prozent, für die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) von 2,2 auf 3,0 Prozent, alles bezogen auf das Jahresende. Aber unmittelbar getan wurde nichts.

Warum also die negative Reaktion der US-Aktienindizes? Hätte man nicht mit einer Super-Rallye rechnen müssen, weil die „Fed“ die Zinsen in Ruhe lässt und so den Weg für noch mehr Leichtsinn freigibt? Eigentlich schon. Es ist bemerkenswert, dass alleine zwei Aspekte die Kurse durchsacken ließen:

Zum einen lag die Zahl der Mitglieder im FOMC, dem „Federal Open Market Committee“, das die Entscheidungen trifft, jetzt bei sieben (zwölf Mitglieder sind im FOMC), die erwarten, dass bereits 2022 eine erste Anhebung der Leitzinsen erfolgen wird. Bei der letzten Sitzung Ende März waren es noch vier gewesen.

Zum anderen betonte die US-Notenbank trotz ihrer erneuten Untätigkeit, dass sie, wie es ihrer vor einiger Zeit aufgeweichten Inflations-Zielzone entspricht, dann handeln werde, wenn Inflation eine Zeitlang moderat über zwei Prozent verbleibt. Bei einer derzeitigen Preissteigerung von fünf Prozent könnte man das als Ankündigung von Maßnahmen verstehen. Aber die „Fed“ hat nie definiert, was „moderat“ und was „eine Zeitlang“ bedeutet. Drei Monate und ein Prozent über der Zwei-Prozent-Schwelle? Dann hätte sie jetzt schon aktiv werden müssen. Sechs Monate? Zwölf? Wer sich so ausdrückt und zugleich nichts tut, will doch eigentlich nur eines klar machen: Wir werden die Preisstabilität zu Gunsten des Wachstums opfern, weil jeder Schritt hin zu einer rigideren Geldpolitik den Konsum ebenso abwürgen würde wie die Aktienmarkt-Hausse.

Dass der marktbreite S&P 500 trotzdem zunächst ein Prozent durchsackte, macht deutlich, wie instabil und anfällig diese Hausse geworden ist. Und es kann sehr gut sein, dass der Umstand, dass viele große Akteure am Terminmarkt alles gebrauchen können, nur keinen „nach unten wegsackenden Markt“ unmittelbar vor der morgen anstehenden Abrechnung der Optionen und Futures an der Terminbörse, die Kurse von ihren Tagestiefs weggeholt hat. Und nicht die Erkenntnis, dass eine Fed, die bellt, damit signalisiert, dass sie, wenn nur irgend möglich, nicht vorhat, zu beißen.

Am Ende stand ein Minus von einem halben Prozent, das einen Handelstag beendete, der durchaus weniger volatil war, als man das vom Anlass dieser so wichtigen Fed-Entscheidung her hätte erwarten können. Und der Tag hinterlässt einen S&P 500, der zwar dadurch leicht unter das vorherige Rekordhoch vom Mai bei 4.238 Punkten zurückfiel, aber nicht so weit, um den vorherigen, fußlahmen Ausbruchsversuch jetzt bereits als Bullenfalle ansehen zu können.

Sollte das gestrige Tagestief (4.202 Punkte) in den kommenden Tagen doch noch fallen und damit zugleich die 20-Tage-Linie, auf welcher diese Aufholjagd einsetzte, hätten die Bullen das Spiel verloren, das Kursziel wäre dann die breite Auffangzone zwischen 3.950 und 4.055 Punkten.

S&P 500: Tages-Chart vom 16.06.2021, Kurs 4.223,70 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Es muss den Bullen daher gelingen, den marktbreiten S&P 500 über den bisherigen Verlaufsrekord von 4.257 Zählern hinauszubekommen. Dann würden diejenigen, die nach dieser wachsweichen Aussage der US-Notenbank verunsichert sind, den Eindruck gewinnen, dass die „Fed“ wirklich nicht beißen wird und zugreifen. Würde das gelingen, wäre eine größere Korrektur wohl zumindest vertagt; der Weg wäre geebnet, die obere Begrenzung der im Tageschart abgebildeten, nach rechts offenen Keilformation bei 4.400 Zählern anzulaufen. Gelingt das? Nach diesem ergebnisoffenen Tag bleibt da nur zu sagen: „to be continued“!

Höher, schneller, weiter … der Chart des S&P 500 zeigt eindrücklich, was das bullische Lager will. Aber der Gipfelsturm gestaltet sich eher hüftsteif. Viele Trader werden jetzt vorsichtig. Und sie tun gut daran, denn die Zone, die auf keinen Fall brechen darf, ist nicht allzu fern.

Die Nasdaq schloss gestern nahe Tageshoch, der Dow Jones nahe Tagestief. Dazwischen der marktbreite, 500 Aktien umfassende Standard & Poor‘s 500, der die Top-Aktien beider Indizes in sich vereint und daher den Gesamtmarkt am besten abbildet, mit einem knappen halten Prozent im Plus. Was nach nicht viel klingt, aber es war ein neues Hoch auf Schlusskursbasis. Und weil das Tageshoch nicht gehalten werden konnte, gab es mit 4.249,74 Punkten einen neuen Verlaufsrekord obendrauf. Trotzdem … wenn man sich den Chart des S&P 500 auf Tagesbasis so anschaut, sieht das ziemlich müde aus:

S&P 500: Tages-Chart vom 10.06.2021, Kurs 4.239,18 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Und nimmt man sich das ganz kurzfristige Zeitraster auf Stundenbasis vor, das wir diesmal ebenfalls abbilden, wirkt die Sache nicht nur müde, sondern wacklig. In diesem Chart auf Stundenbasis sehen wir, dass der S&P 500 zwar zu Handelsbeginn das vorgenannte, neue Verlaufshoch erreichte, dieses Plus dann aber sofort fast komplett abverkauft wurde, bevor man sich im bullischen Lager, dann aber weitaus weniger beherzt, erneut an den „Aufstieg“ machte. Aber ist es denn nicht ein Beweis bullischer Dominanz, dass der Index an einem Tag wie diesem stieg, statt einzubrechen? Gründe hätte es für Letzteres schließlich gegeben:

S&P 500: Stunden-Chart vom 10.06.2021, Kurs 4.239,18 Punkte, Kürzel SPX | Online Broker LYNX

Vor US-Handelsbeginn wurden die US-Inflationsdaten für den Mai veröffentlicht. Und mit +5,0 Prozent in der Gesamtrate sowie +3,8 Prozent in der Nahrungsmittel- und Energiepreise herausrechnenden Kernrate fiel die Teuerung den dritten Monat in Folge deutlich heftiger aus als seitens der Volkswirte prognostiziert. Das deutet an, dass die US-Notenbank langsam in die Bredouille kommt, wenn sie weiterhin an ihrer „Laissez Faire“-Politik festhält. Und ein Anziehen der Zügel in Sachen Geldpolitik kommt einem Aktienmarkt, der so sehr auf das billige und reichlich fließende Geld angewiesen ist, nicht gerate zugute. Aber ist der Umstand, dass der S&P 500 an einem Tag wie diesem stieg, wirklich ein Zeichen der Stärke?

Die Sache ist kompliziert. Man darf annehmen, dass immer mehr Akteure langsam auf gepackten Koffern sitzen und gute Gelegenheiten nutzen, um Kasse zu machen. Der Abverkauf der Rallye zu Handelsbeginn ist dafür nicht das erste Anzeichen. Auf der anderen Seite finden sich derzeit besonders viele unerfahrene Anleger, die die Risiken am Markt noch nicht wirklich einordnen können. Da mag mancher selbst einen Rücksetzer um ein halbes Prozent als Einstiegschance ansehen und nutzen. Hinzu kommt:

Viele dürften darauf wetten, dass die „Fed“ sich nicht traut zu handeln, lieber eine mittelfristig aus dem Ruder laufende Inflation hinnimmt als einen sofort wegbrechenden Aktienmarkt. Was sein kann, aber darauf wetten würde zumindest ich nicht. Und eine ganz entscheidende Rolle spielt auch der nur zwei Tage nach der US-Notenbankentscheidung, also am kommenden Freitag, anstehende Abrechnungstermin für Optionen und Futures an der Terminbörse, der „dreifache Hexensabbat“. Da können gewaltige Summen verdient, aber auch verloren werden. Und so, wie sich das Chartbild darstellt, will das Gros der großen Akteure am Terminmarkt, wie üblich in Aufwärtstrends, eine Abrechnung auf höchstmöglichem Niveau erzwingen.

Das sind Argumente, warum einige in Unkenntnis der Risiken, viele aber auch ganz bewusst weiter kaufen, um zu erreichen, dass der S&P 500 bullisch bleibt, den Akteuren also keinen Grund liefert, um auszusteigen. Vor allem nicht ausgerechnet vor diesem Abrechnungstermin in einer Woche. Falls die „Fed“ doch aktiv wird, könnte das fatal schiefgehen und einen Selloff auslösen, weil sich dann alle, die auf eine Abrechnung auf Rekordlevel gesetzt haben, absichern müssten, was die Kurse erst recht drücken würde. Aber auch, wenn die US-Notenbank nichts tut, mehr dem Markt gehorcht als der Vernunft, könnte es nach dieser Abrechnung in einer Woche schnell eng werden. Denn wenn diejenigen, die den Index nur über diesen Termin retten wollten, ihr Ziel erreicht haben, kann es sehr gut sein, dass sie danach zusehen, ob dieses Inflationsproblems so schnell wie möglich Land zu gewinnen.

Und sollte es plötzlich nicht mehr gelingen, jeden kleinen Schwächeanfall sofort „wegzukaufen“, wäre die Schlüsselzone, unter der zweifellos eine große Zahl an Stop Loss-Verkaufsorders liegt, nicht weit. Sie sehen sie im Tageschart: Im Bereich 3.950 zu 4.020 Punkte ballen sich aktuell die 100-Tage-Linie, die untere Begrenzung der im November etablierten, ansteigenden Trompeten-Formation sowie die Zwischenhochs vom Februar und März. Das Polster, das der Index bislang zu dieser Zone aufgebaut hat, ist viel zu klein, um ein Ruhekissen zu sein.

Fazit: Der S&P 500 könnte es schaffen, am kommenden Freitag, den 18. Juni, auf neuem Rekordlevel in die Abrechnung zu gehen. Er könnte es auch schaffen, die obere Begrenzung der Trompetenformation zu erreichen, die in einer Woche bei 4.400 Punkten läge. Aber in einer Gemengelage wie dieser käme einem, wenn man über dieses Ziel namens „Hexensabbat“ hinausblickt, der alte Kostolany-Spruch in den Sinn: Steigen kann er, fallen muss er.

Offenlegung möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in dem besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse Short investiert.