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Siltronic AG: Historische Analysen der letzten 6 Monate

Aktien-Portrait und Kursentwicklung: Siltronic
Datum

Titel

Analysis

Schafft die Aktie des Wafer-Herstellers Siltronic die Wende? Bislang ist dafür zwar die Basis geschaffen worden, aber noch ist der Schwenk hin zu einem Break über die entscheidende Widerstandszone und zu einem neuen Aufwärtsimpuls noch nicht vollzogen. Am Dienstag war man nahe dran.

Sie sehen im Chart, dass die Aktie, die nach einem scharfen Abstieg in zwei Verkaufsschüben knapp über der Unterstützung in Form des August-Hochs 2017 bei 94,50 Euro nach oben gedreht hatte, sich entschlossen durch eine massive Widerstandszone hindurch zu bewegen schien. Diese Zone, zuvor eine wichtige Unterstützungszone, liegt zwischen 107,75 und 113,40 Euro. Wobei man da noch das Zwischentief vom August bei 117,05 Euro hinzurechnen sollte.

Zum Wochenstart sah es noch so aus, als würde die Aktie in dieser Zone wieder nach unten abdrehen. Doch der Dienstag brachte ein gewaltiges Plus, der Befreiungsschlag schien nahe. Aber statt weiteren Käufen folgte am Mittwoch ein Minus von 1,66 Prozent. Mit Blick auf die Größenordnung nicht dramatisch. Aber doch ein Minus, das anhält, diese Aktie auch aus der Short-Perspektive im Auge zu behalten, denn:

Expertenmeinung: Am Tag 2 nach der Indexreform der deutschen Börse AG kam es bei einigen derjenigen Aktien zu starken Kursgewinnen, die seit Montag in zwei Indizes notiert sind. So auch bei Siltronic, die seit dem 24. September Mitglied des TecDAX und des MDAX zugleich ist.

Offenbar hatten da einige Fonds, die diese Veränderungen nicht bereits im Vorfeld umgesetzt hatten, die Neuzugänge eingesammelt. Doch das ist ein Faktor, der sich möglicherweise schon am Mittwoch erschöpft hat. Dass das Bullen-Lager nicht versuchte, am Mittwoch diese kleine Distanz bin hin zum August-Tief bei 117,05 Euro zu bewältigen, um hier ein charttechnisch markantes Kaufsignal zu erzeugen, ist ein Warnsignal.

Natürlich ist es möglich, dass heute gekauft wird, obwohl das gestern niemand wollte. Und käme es zu einem Schlusskurs, der mit 118 Euro oder höher glaubwürdig genug über dieser Widerstandszone läge, wäre aus charttechnischer Sicht Spielraum bis zum August-Hoch und der 200-Tage-Linie, die um 132 Euro einen Kreuzwiderstand bilden. Aber sind die Bedenken, dass die Zeit des großen Wachstums in der Halbleiterindustrie vorbei sein könnte und Zulieferer wie Siltronic dann massiven Druck auf die Gewinne zu spüren bekommen, wirklich verschwunden?

Man wird es sehen. Sollte die Aktie mit Schlusskursen unter 107 Euro aus dieser Zone nach unten herausfallen, wären sie es nicht … und ein erneuter Anlauf an die Unterstützungslinie bei 94,50 Euro wahrscheinlich.

Chart vom 26.09.2018, Kurs 112,40 Euro, Kürzel WAF

Anfang August waren die Akteure noch guter Dinge, dass die Aktie des Halbleiterindustrie-Zulieferers Siltronic durch die Widerstandszone um 154 Euro laufen, das Rekordhoch bei 160,55 Euro angehen und bezwingen würde. Jetzt, nur sechs Wochen später, sahen die Marktteilnehmer die Aktie im Tagestief unter 100 Euro fallen. Ein Abstieg von über 30 Prozent in relativ kurzer Zeit – wieso? Die Antwort auf diese Frage ist des Pudels Kern.

Denn es war keine Gewinnwarnung oder schwache Quartalszahlen, die diesen Ausverkauf auslösten. Es war die Sorge, dass die Halbleiterindustrie ihren Wachstums-Zenit erreicht haben könnte und damit die derzeit gewaltige Gewinnmarge von 40 Prozent, die beim Wafer-Hersteller Siltronic für nahezu explodierende Gewinne sorgt, sehr bald deutlich schrumpfen könnte … und die Gewinne natürlich mit ihr. Diese Sorge ist nicht unberechtigt, aber:

Expertenmeinung: Ohne, dass es für dieses negative Szenario bereits belastbare Belege gäbe, wäre ein Abverkauf von einem Drittel des vorherigen Kurswerts der Aktie binnen anderthalb Monaten mehr als reichlich. Dass Siltronic die massive Auffangzone 107,75/113,75 Euro durchschlug, dürfte eher das Werk aktiver Leerverkäufer gewesen sein, die wussten, dass der Bruch dieser Zone Stop Loss-Verkaufsorders auf der Long-Seite auslösen würde, die die Aktie umso schneller drücken und dadurch eine perfekte Gelegenheit bieten würden, in fallende Kurse hinein die eigenen Leerverkäufe mit hohem Gewinn einzudecken.

Aber der Abverkauf der Aktie nach dem Bruch dieser Auffangzone erfolgte bereits am Mittwoch. Am Donnerstag bildete sich nach dieser roten Kerze des Mittwochs ein Doji mit einem relativ langen unteren Docht. Und das, nachdem der Kurs dem unmittelbaren Kursziel in Form des Zwischenhochs vom vergangenen August bei 94,50 Euro bereits sehr nahe gekommen war und der RSI-Indikator die überverkaufte Zone unter 30 erreicht hatte.

Was, Sie sehen es im Chart unten eingeblendet, zuletzt immer wieder zumindest für eine kräftige Gegenbewegung nach oben gut war. Das muss nicht zwingend auch diesmal so sein. Aber dass es gelang, das zeitweise erneut deutliche Minus am Donnerstag spürbar zu reduzieren macht klar: Jetzt müsste aufpassen, wer hier Short ist. Das Grundproblem der womöglich deutlich unter Druck geratenden Gewinnmarge bleibt und die vorherige Supportzone 107,75/113,75 Euro ist jetzt zu einem massiven Widerstand geworden … aber eine Gegenbewegung in diese Zone hinein wäre jetzt keine Überraschung.

Chart vom 13.09.2018, Kurs 1,1693 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Einige Aktien aus dem TecDAX laufen derzeit wie geschnitten Brot. Nicht umsonst hat dieser Index neue mehrjährige Hochs erreicht, die runde Marke von 3.000 Punkten überwunden. Aber die Aktie des Wafer-Herstellers Siltronic, die noch 2017 zu den Zugpferden des TecDAX gehörte, ist nicht mehr vorne dabei, hat sich nach und nach von ihrem Stammplatz in der Gewinnerliste verabschiedet. Und das trotz starken Umsatz.- und Gewinnwachstums und einer Traum-Gewinnmarge von um die 40 Prozent. Wie kann das sein? Wo ist hier der Wurm drin? In der Zukunft ist er zu finden und trägt den Namen „Ungewissheit“.

Als Zulieferer der Halbleiterindustrie ist Siltronic sozusagen ein Unternehmen mit doppelt zyklischer Abhängigkeit. Schon die Chiphersteller selber reagieren hinsichtlich ihrer Gewinnentwicklung immens sensibel auf konjunkturelle Veränderungen. Doch die Zulieferer sind die ersten, an die die Chiphersteller ihren Gewinndruck weiterzureichen versuchen. Was dazu führt, dass deren Gewinne in Boomphasen zwar explodieren. Was derzeit bei Siltronic auch der Fall ist. Immerhin rechnet man seitens der Analysten im Schnitt für 2018 mit einem Gewinn um die zwölf Euro pro Aktie, während 2016 gerade einmal 40 Cent verdient wurden, in den Jahren zuvor wurde sogar Verlust eingefahren. Aber das ist eben auch die Achillesferse:

Expertenmeinung: Ebenso schnell, wie die Gewinne steigen, können sie auch wieder dahin sein, wenn sich das konjunkturelle Umfeld eintrübt. Und das befürchten nicht wenige Investoren. Und dann würde eine Aktie wie die von Siltronic schnell zur Fahrstuhl-Aktie: Schnell rauf, aber nicht minder schnell wieder runter. Da die Aktie vor zwei Jahren noch für ein Zehntel dessen zu haben war, was sie am bisherigen Rekordhoch im März (160,55 Euro) kostete, ahnen da einige Böses und verkaufen … relativ gesehen zu dieser vorherigen Hausse ja immer noch nahe am oberen Ende der möglichen Spanne. Im Bereich zwischen 107,75 und 113,45 Euro wäre die Aktie durch eine ganze Reihe an Aufwärts-Wendepunkten der letzten Monate gut unterstützt.

Aber dass der Kurs gerade erst beim Versuch, sich nach oben abzusetzen, am Kreuzwiderstand aus 20-Tage- und 200-Tage-Linie nach unten abgewiesen wurde, deutet nicht darauf hin, dass alleine dieser Umstand allzu viele Käufer zum Einstieg motiviert. Sollten diese beiden gleitenden Durchschnittslinien durch Schlusskurse über 135 Euro doch noch bezwungen werden, wäre die Kuh erst einmal vom Eis, charttechnisch betrachtet Spielraum bis zunächst 154 Euro. Aber gelingt das nicht, sollte man besser nicht ausschließen, dass diese massiv wirkende Supportzone nicht doch noch fällt und mit Schlusskursen unter 107,75 Euro eine Trading-Chance Short mit Kursziel zunächst in den Bereich 94,50 Euro entsteht.

Chart vom 03.09.2018, Kurs 123,40 Euro, Kürzel WAF

In den letzten zehn Jahren ist es gelungen, die in einem normalen Umfeld regelmäßig auftauchenden Rezessionsphasen durch extrem niedrige Zinsen zu vermeiden. Das mag mittelfristig fatale Folgen haben, bis jetzt sind diese aber noch nicht da. Das, was der Weltwirtschaft durch die daraus resultierende Überschulung blüht, wird einfach ignoriert.

Was den Zyklus der Halbleiterindustrie angeht, wirkt die Kraft der Nullzinsen aber nicht so effektiv. Der durch die Niedrigzinsen gesteigerte Konsum hat diese Zyklen zwar bzw. der Abschwünge gedämpft. Aber immer mehr Konjunkturdaten deuten an, dass dieser Effekt langsam ausläuft, ein „Ausatmen“ der Branche wahrscheinlicher wird. Was für Siltronic erhebliche Konsequenzen haben kann, denn als Zulieferer der Chipindustrie verspürt ein solches Unternehmen aufkommenden Druck mit „Hebelwirkung“, weil die Chiphersteller bei ersten Problemen sofort versuchen, den Margendruck an die Zulieferer weiterzureichen.

Und wenn sich das erst einmal abzeichnet, wird der Weg nach oben für solche Aktien steinig. Da helfen auch gute Quartalsergebnisse wenig, die Stimmung zu heben, denn die blicken ja zurück, nicht voraus. Nicht anders bei Siltronic:

Expertenmeinung: Die am 25. Juli präsentierte Quartalsbilanz war absolut tadellos. Umsatz und Gewinn stiegen sogar etwas schneller als erwartet. Und es gelingt, die unglaubliche Gewinnmarge von 40 Prozent (auf EBITDA-Basis) zu erzielen. Aber: Eine solche Marge ist traumhaft. Sollten auch nur die kleinsten Irritationen aufkommen, sackt die schnell auf 30, womöglich 20 Prozent. Was hieße: Die Gewinne verringern sich mit „Hebelwirkung“. Und mit der Quartalsbilanz verkündete Siltronic, das Volumen der Investitionen zu erhöhen.

Genau richtig, wenn der Boom weitergeht. Höchst ungünstig, wenn er es nicht tut. Den Investoren schwant, dass da nach oben nicht mehr viel Luft sein dürfte. Nach unten umso mehr. Nicht, dass dieses Kippen des Halbleiterzyklus bereits Fakt wäre. Aber bei einer Aktie, die vor zwei Jahren noch um 15 Euro notierte, nicht einmal ein Zehntel dessen kostete, was man am Rekordhoch Ende März (160,55 Euro) auf den Tisch legen musste, wird vielen klar: Man ist da doch eher am oberen Ende des Möglichen. Entsprechend sieht der Chart aus: Die Aktie hat sich in der abgelaufenen Woche zwar von den Tiefs seit Dezember zwischen 107,75 und 113,45 Euro leicht nach oben abgesetzt.

Aber das sieht weder dynamisch noch überzeugend aus. Die Investoren ahnen offenbar das Risiko einer auch mittelfristig relevanten Trendwende und suchen sich andere Kandidaten für den Einstieg. Siltronic wäre weiterhin ein Kandidat für die Watchlist Short. Das erste Ziel eines Bruchs der vorgenannten Supportzone 107,75/113,45 Euro wäre der Bereich um 94,50 Euro.

WAF_2018_08_27

Was im Chart auf Tagesbasis leicht übersehen würde, manifestiert sich im Chart auf Wochenbasis umso deutlicher: Die Aktie des Wafer-Herstellers Siltronic hat in den vergangenen Wochen einen „morning star“, eine markante Trendwendeformation im Candlestick-Chart, generiert. Und dass diese Kombination aus einer roten Kerze, einem Doji und einer grünen Kerze nach einer relativ kräftigen Korrektur auftaucht, lässt hoffen, dass damit die Wende nach oben eingeläutet ist, ein Test oder sogar ein Bruch der zuvor angesteuerten Auffangzone bei 107,75/110,00 Euro hinfällig wird. Angetrieben wurden die Käufe in der vergangenen Woche von der Hoffnung, dass der von den USA angezettelte Handelskrieg nicht weiter eskalieren wird und damit die Wachstumsperspektiven stark konjunkturabhängiger Unternehmen wie Siltronic nicht in den kommenden Monaten zusammengestrichen werden. Die Sache hat allerdings gleich zwei Haken:

Expertenmeinung: Zum einen ist in Bezug auf die Deeskalation im Handelskrieg und ein in der Folge stabiles Wachstum die Hoffnung Vater des Gedankens. Zum anderen liegen die entscheidenden Widerstandslinien aus charttechnischer Sicht noch über dem aktuellen Kurs. Und erst, wenn dieser „morning star“ durch eine unmittelbar darauf folgende grüne Kerze bestätigt wird, wird dieses potenzielle Long-Signal wirklich gültig. Siltronic muss über 132 Euro schließen und damit die mittelfristig Aufwärtstrendlinie, die Ende Juni durchbrochen wurde, ebenso zurückerobern wie die knapp darüber liegende 200-Tage-Linie. Und das muss auf Basis des Schlusskurses dieser Woche gelingen, denn auch der „morning star“ ist ja eine auf dieser Zeitebene entstandene Formation. Dann wäre wieder Luft in die Region 150 bis 160,55 Euro, in die Zone, in der die Aktie in den Vormonaten immer wieder auf Gewinnmitnahmen getroffen war. Bis dahin wäre Siltronic zwar ein potenzieller, aber noch kein durch die Charts faktisch unterfütterter Long-Kandidat.

Chart vom 13.07.2018, Kurs 126,50 Euro, Kürzel WAF

Siltronic, einer der Superstars des TecDAX 2017, fällt derzeit äußerst kräftig. Wichtige mittelfristige Unterstützungen sind bereits gebrochen. Und viel fehlt nicht, dann wäre auch eine breit angelegte Toppbildung vollendet. Aber wieso? Warum wird Siltronic auf einmal wie eine „heiße Kartoffel“ betrachtet, an der sich niemand die Finger verbrennen mag? Im Endeffekt deswegen, weil derjenige, der immenses Wachstum versprach, jetzt nicht nur für das Wachstum der USA, sondern weltweit zu einer Bedrohung geworden ist: Donald Trump. Bis zum März war man in Anlegerkreisen mehrheitlich davon überzeugt, dass dessen Wirtschaftspolitik vielleicht mittel- und langfristig große Probleme verursachen, kurzfristig aber kräftiges Wachstum auslösen wird. Doch in den letzten Monaten wurde immer deutlicher, dass der Konfrontationskurs, den der US-Präsident durch seine aggressiven Forderungen und deren Unterfütterung durch Strafzölle in Bezug auf den Welthandel fährt, einen erheblichen und vor allem in seiner Reichweite und Dimension absolut nicht vorhersehbaren Schaden anrichtet. Gerade Aktien konjunktursensibler Branchen geraten dadurch ins Wanken. Und Siltronic ist als Wafer-Hersteller und damit als Zulieferer der konjunktursensiblen Chipindustrie besonders allergisch gegen nachlassendes, womöglich sogar in Richtung Rezession abdrehendes Wachstum.

Expertenmeinung: Wenn große Unternehmen Druck auf Umsatz und Gewinnmarge verspüren, versuchen sie sofort, das auf ihre Zulieferer abzuwälzen, das ist bei den Chipherstellern nicht anders als z.B. in der Automobilindustrie. Die nahezu explodierten Gewinne bei Siltronic und die derzeit noch herrschende Erwartung, dass sich der immens starke Gewinn des Jahres 2017 im laufenden Jahr noch einmal fast verdoppeln wird, basiert auf einem ungetrübten Wachstumsumfeld. Jetzt sieht das indes anders aus – und die Anleger ziehen den Kopf ein. Innerhalb von zwei Handelstagen durchbrach der Kurs eine immens wichtige Kreuzunterstützung aus der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie, der 200-Tage-Linie, der längerfristigen Aufwärtstrendlinie und dem markanten Tief vom April. All diese Linien ballten sich in der engen Zone zwischen 125 und 131,50 Euro. Da dieses April-Tief, das bei 125,00 Euro diese Schlüsselzone abschließt, nur relativ knapp unterboten wurde, hätten die Bullen noch eine kleine Chance, würde es ihnen gelingen, zumindest diese Linie heute sofort und einigermaßen deutlich zurück zu erobern. Aber darauf zu wetten erscheint gewagt, denn die am Montag sehr schwachen US-Technologieaktien drücken den potenziellen Käufern aufs Gemüt – und die Bären hätten jetzt den Vorteil, die entscheidenden Chartmarken im Rücken zu haben. Jetzt wird die Zone 107,75/110,00 Euro wichtig. Dort liegen die nächsten potenziellen Auffanglinien, die zugleich die Nackenlinie einer mittelfristig bedeutsamen Toppbildung darstellen würden. Würde auch diese Zone fallen, könnte Siltronic schnell in den Bereich um 95 Euro durchgereicht werden.

Chart vom 25.06.2018, Kurs 123,35 Euro, Kürzel WAF

Chiphersteller bewegen sich in einem äußerst konjunktursensiblen Umfeld. Gewinne können nahezu explodieren, wenn es gut läuft … und implodieren, wenn die Konjunktur wankt und die Kunden versuchen, Preisdruck auf die Zulieferer abzuwälzen. Wie extrem muss da die Konjunkturabhängigkeit sein, wenn man wiederum Zulieferer der Chipindustrie ist? Sehr extrem. Siltronic gehört als Wafer-Hersteller zu dieser Klientel. Und wenn man sich ansieht, dass das Unternehmen 2016 noch 40 Cent pro Aktie verdiente, die Analysten im Schnitt für 2018 aber knapp 12 Euro pro Aktie erwarten, sagt das alles. Da wundert es nicht wirklich, dass diese Aktie, die im Oktober 2016 noch kurzzeitig für unter 22 Euro zu haben war, in anderthalb Jahren, bis März 2018, in der Spitze um fast 630 Prozent zulegte, bei 160,55 Euro ein bisheriges Verlaufshoch markierte. Seither scheint aber der Wurm drin zu sein. Was ist los? Liegt es daran, dass die Analysten für 2019 nur noch eine geringfügige Gewinnsteigerung vermuten? Nein, es liegt eher daran, dass solche Prognosen bei einem derart konjunktursensiblen Unternehmen kaum möglich sind, denn das Wachstum ist eben wankelmütig. Und genau das bedenken diejenigen, die die Aktie seither tendenziell in Aufwärtsbewegungen verkaufen.

Expertenmeinung: Denn eines ist klar: Wenn das weltweite Wachstum zu wanken beginnt, es gar zu einer Rezession käme, wären die Gewinne wie in einem defekten Fahrstuhl nach unten unterwegs. Auch mit vergleichbarem Tempo. Und die Aktie natürlich mit ihnen. Man nennt besonders konjunkturabhängige Aktien nicht umsonst „Fahrstuhlaktien“. Der Unfriede, der von Washington aus den Welthandel erfasst hat (siehe Die Handelskrieg-Chronik – Was will Donald Trump erreichen?) und nicht mehr allzu überzeugende Konjunkturdaten weltweit sind durchaus ein guter Grund, vorsichtig zu werden. Aber ob eine damit denkbare Eintrübung wirklich stattfindet und darüber hinaus nachhaltiger Natur wäre, ist eine Frage, die sich noch nicht beantworten lässt. Klar wäre indes: Wenn das klar wäre, wäre eine Aktie wie Siltronic längst auf dem Weg nach unten, verkauft oder leer verkauft von denen, die das Gras wachsen hören. Hier bietet es sich daher an, sich weniger in Prognosen zu ergehen, als vielmehr stur charttechnischen Signalen zu folgen. Zumal die Aktie da eine sehr markante Schlüsselzone zu bieten hätte, unter der Siltronic aus charttechnischer Sicht die laufende, potenzielle Toppbildung vollendet und einen mittelfristig relevanten Trendbruch vollzogen hätte. Es ist die Zone 125 bis 131 Euro, in der sich die übergeordnete, aus dem Herbst 2016 stammende Aufwärtstrendlinie, die Trendlinie aus dem August 2017, das markante Tief aus dem April und die 200-Tage-Linie zu einem charttechnischen Ankerpunkt der besonderen Art ballen. Wird diese Zone fallen? Sollte es zu einem echten Handelskrieg kommen, dann wohl schon. Aber das weiß man eben noch nicht. Was man weiß: Wenn die Aktie diese Zone auf Schlusskursbasis eindeutig bricht, ist für Siltronic die Zeit der Bären gekommen.

WAF_2018_06_13

Halbleiter-Aktien sind traditionell volatil. Immerhin sind die Schwankungen der Gewinne in dieser Branche hoch. Noch volatiler sind folgerichtig Zulieferer wie der Wafer-Hersteller Siltronic. Denn das Wohl oder Wehe der Chiphersteller schlägt dort, bei ihren Zulieferern, besonders durch. Wenn z.B. bei Intel oder Infineon Druck auf die Chippreise entsteht, versuchen sie sofort, das an die Zulieferer weiterzugeben. Ob es bei den Chipherstellern kurzfristig zu Druck kommt, weiß man indes nicht. Einige befürchten es, weil es schon verdächtig lange sehr gut läuft und das sich vereisende Klima im Welthandel für Probleme sorgen kann. Andere verlängern den positiven Trend der letzten Jahre einfach in die Zukunft und nutzen jeden Rücksetzer zum Kauf. Siltronic bekommt diese Wechselbäder zu spüren. Der Chart zeigt: Die Aktie war Mitte März aus ihrer vorherigen, breiten Handelsspanne nach oben ausgebrochen. Der Anlass dieses Ausbruchs ist aber zugleich seine Achillesferse: die Perspektive für das laufende Jahr 2018. Grund:

Expertenmeinung: Die 2018er-Prognose fiel optimistisch aus, aber der erwartete, deutliche Anstieg der Marge von 30 Prozent in 2017 auf nahe 40 Prozent in 2018 wäre nur durchsetzbar, wenn die Rahmenbedingungen optimal bleiben. Und das ist offen. Hinzu kommt, dass sich aus dem erwarteten Umsatzanstieg und der anziehenden Gewinnmarge in etwa der Gewinnanstieg pro Aktie errechnet, mit dem die Analysten schon vor der Veröffentlichung der Perspektive (Anfang März) gerechnet hatten. Siltronics Ausbruch nach oben hatte daher kein allzu stabiles Fundament. Der Kurs fiel, nachdem er am 22. März mit 160,55 Euro ein neues Rekordhoch markiert hatte, wieder in die alte Handelsspanne zurück. Bis 130,75 Euro ging es am vergangenen Mittwoch nach unten. Jetzt scheint es, als hätte sich Siltronic stabilisiert, hätte einen kleinen Boden ausgebildet und nimmt den Aufwärtstrend wieder auf. Aber noch ist da Vorsicht geboten. Erst, wenn die Widerstandszone 141,30/145,40 Euro und die knapp darüber, bei 146,45 Euro, verlaufende 20-Tage-Linie wirklich signifikant auf Schlusskursbasis überboten ist, wäre der Weg wieder frei. Zumindest über dem gestrigen Tageshoch bei 149,05 Euro sollte die Aktie schon schließen, um einen Befreiungsschlag hinreichend glaubwürdig zu machen. Wenn das misslingt und Siltronic im Gegenzug dieses jüngste Tief von 130,75 Euro unterbietet, wäre es angesichts der nur im Rahmen der vorherigen Erwartungen liegenden Gewinnperspektive und der nicht gerade niedrigen Bewertung der Aktie durchaus nicht auszuschließen, dass der mittelfristige, noch aus dem November 2016 stammende Aufwärtstrend bei 115 bzw. die knapp darunter verlaufende 200-Tage-Linie bei 113 Euro getestet wird.

Chart vom 10.04.2018, Kurs 147,65 Euro, Kürzel WAF

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