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EURO STOXX 50: Historische Analysen der letzten 6 Monate

Index-Portrait und Kursentwicklung: EURO STOXX 50
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Titel

Analysis

Lange Gesichter gehörten in den ersten neun Monaten dieses Jahres fast zur Standardausstattung europäischer Anleger. Während DAX und Euro Stoxx im Minus festhingen, sah man mit Neid an die Wall Street, wo alle großen Indizes derzeit im Plus liegen, und das teilweise auch noch sehr deutlich, so z.B. der Nasdaq 100 100. Doch jetzt wirkt es, als sei Licht am Ende des Tunnels.

Wie heißt es doch, mag sich da mancher erinnern: Sell in May and go away … but remember to come back in September? Könnte dem europäischen Leitindex womöglich ein goldener Herbst ins Haus stehen, die Performance aus Jahressicht am Ende doch noch positiv ausfallen?

Momentan wirkt es zwar so, aber es wäre zumindest Vorsicht angebracht. Dass der Euro Stoxx nach einem miserablen Start in den September mit dem kräftigen Zugewinn des Donnerstags auf einmal ein Plus für diesen Monat, aber auch für das gesamte dritte Quartal ausweist, ist schön und gut. Aber auf welchem Fundament baut das auf?

Expertenmeinung: Alleine der Handelskrieg wäre angetan, dieser derzeitigen Rallye den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Die offene Frage des „BrExit“, die weiterhin brenzlige Lage der türkischen Wirtschaft als wichtigem Handelspartner der EU, all das birgt mehr Risiken als Chancen. Und je näher die Ergebnisse der Unternehmen zum dritten Quartal rücken, desto mehr Gewinnwarnungen tauchen auf.

Da fragt man sich natürlich, ob dieser Anstieg des Index nicht dort endet, wo er zuletzt ebenso ausgebremst wurde: an der Widerstandszone aus 200-Tage-Linie und der Januar-Abwärtstrendlinie im Bereich 3.464/3.493 Punkte. Dort drehte der Euro Stoxx Ende Juli nach unten, warum sollte es diesmal besser ausgehen? Das wäre dann möglich, wenn dieser Anstieg nicht vor allem darauf basieren würde, dass die Fonds vor dem heute anstehenden Quartalsende das sogenannte „Window Dressing“ betreiben und stark gelaufene Aktien vermehrt kaufen, um ihre Performance aufzupolieren.

Immerhin ist es auffällig, dass es so gelang, das Quartal unmittelbar vor Toreschluss noch positiv zu bekommen. Erst, wenn der Index diese vorgenannte, doppelte Widerstandszone mit Schlusskursen über 3.500 Punkten hinreichend deutlich überboten hätte, würden die derzeit aufkeimenden Hoffnungen auch durch ein bullisches Signal der Charttechnik unterfüttert. Solange das nicht gelingt, bleibt dieser Index in einem Abwärtstrend und die Trendkonforme Richtung für Trader damit die Short-Seite.

Chart vom 27.09.2018, Kurs 3.449,79 Punkte, Kürzel ESTX50

Der Blick auf den Chart des Euro Stoxx 50 auf Wochenbasis gibt einem das Gefühl, dass dieser jüngste Start-Ziel-Sieg der Bären nicht die letzte „Woche zum Vergessen“ für die Bullen gewesen sein könnte. Das Chartbild sieht perfekt aus … sofern man Short ist und darauf wartet, die Positionen durch die Bestätigung der Abwärtstendenz aufstocken zu können.

Chart vom 07.09.2018, Kurs 3.293,36 Punkte, Kürzel ESTX50

Der europäische Leitindex weist seit Monaten jeweils tiefere Zwischenhochs auf, bewegt sich also in einem Abwärtstrend. Der wurde zuletzt bestätigt, als er in der vorvergangenen Woche kurz vor der 200-Tage-Linie, die unterhalb des mittelfristigen Abwärtstrends eine vorgelagerte, markante Hürde bildet, abgewiesen wurde, was in der vergangenen Woche zu einem markanten Wochenminus führte. Der Euro Stoxx 50 ist auf dem absteigenden Ast, flankiert von einem erneuten Verkaufssignal des Trendfolgeindikators MACD, der sich im Sommer nie richtig im bullischen Terrain über seiner Signallinie hatte etablieren können. Aber:

Jetzt steuert der Index eine erste wichtige Unterstützung an. Das bisherige Jahres-Verlaufstief aus dem März bei 3.262 Punkten ist in Schlagdistanz geraten. Abstand zu dieser Linie: ein Prozent. Geht der europäische Leitindex wirklich auch noch durch diese Auffanglinie hindurch, nachdem er die letzte Woche derart zügig Boden verloren hatte? Stünde nicht nahezu zwingend eine Gegenbewegung an? Möglich ist sie, zwingend ist sie nicht. Denn gerade das starke Abwärts-Momentum lässt die Bären mutig werden. Auf Tagesbasis ist der Index noch nicht überverkauft. Und die Angst geht um. Was könnte besser geeignet sein, um Unterstützungslinien zu durchschlagen? Immerhin haben die Monatstiefs vom Juni und August keine Bremswirkung bewiesen, warum sollte es bei den jetzt anstehenden Linien der Fall sein?

Chart vom 07.09.2018, Kurs 3.293,36 Punkte, Kürzel ESTX50

Die sind zwar, wie der Wochenchart zeigt, massiverer und langfristigerer Natur. Aber sie sind auch noch etwas anderes: die Eintrittskarte in die untere Hälfte der Handelsspanne der letzten Jahre, die bis 2.670 Punkte hinunter reicht. Dass das Bären-Lager jetzt, mit dem aktuellen Schwung, versuchen wird, durch diese zwischen 3.043 und 3.214 Punkten wartenden Linien durchzubrechen, ist wahrscheinlich. Und sie haben, wie gesagt, die Angst im Rücken.

Der dunkle Schatten, der vom Weißen Haus und dem US-Präsidenten ausgeht, ist ein wirkungsvoller Gehilfe der Bären. Die Hoffnung, dass sich eine Eskalation des Handelskriegs vermeiden lässt, ist durch Trumps Aussagen der letzten Wochen geplatzt. Es sieht nach unversöhnlicher Konfrontation aus und nach erheblichen, in ihrem Ausmaß nicht absehbaren Beeinträchtigungen für Europa als einen der allgemein vermuteten Verlierer des Konflikts.

Aber nur, wer aggressiv agiert, sollte erwägen, Short-Positionen mit dem Bruch jeder der jetzt anstehenden Unterstützungslinien bei 3.262, 3.214, 3.156 und 3.043 Punkten weiter auszubauen. Denn schnelle Gegenbewegungen sind bei intensiven Abwärtstrends stetige Begleiter und bergen das Problem, dass man erst deutlich über dem letzten Tief sicher absehen könnte, dass es an der Zeit wäre, die Richtung zu wechseln.

So wäre der Euro Stoxx 50 aktuell erst wieder bullish, wenn er die Januar-Abwärtstrendlinie bei 3.510 Punkten überwinden würde. Zu große Positionen könnten daher teuer werden, wenn man zu sicher von einer abwärts weisenden Einbahnstraße ausgehen würde. Behutsames Money-Management ist gefragt. Aber dass sich das auf der Short-Seite abspielen müsste, steht derzeit außer Frage.

Derzeit gibt es einfach zu viele Fragezeichen, die den Investoren den Blick auf eine klare Perspektive bis zum Jahresende verbauen. Das Wachstum in der Eurozone scheint nachzulassen. Ist das bereits eine Folge des sich abkühlenden Klimas zum wichtigen Handelspartner USA? Oder käme dieser Effekt noch hinzu, sollte sich der Handelsstreit verschärfen? Und wird er das? Viele setzen in die in dieser Woche geplanten neuen Gespräche zwischen den USA und China Hoffnung. Würde man da eine Annäherung erreichen, die diesen Namen verdient, warum sollte das auch nicht für die EU gelingen? Andererseits ist bislang auf das scheinbar Weichen stellende Gespräch zwischen Donald Trump und Jean-Claude Juncker hin nichts passiert. Und zusätzlich wirkt die Entwicklung in der Türkei wie ein Damoklesschwert, das jederzeit auf die EU heruntersausen könnte. Zeitpunkt und dann zu erwartender Schaden: unbekannt.

Die einen hoffen, dass die bislang vor allem verbalen Aktivitäten der türkischen Regierung schnell greifen. Die anderen fürchten, dass die Lawine dort längst nicht mehr aufzuhalten ist und die Beeinträchtigung des Wachstums in der EU durch eine kippende türkische Wirtschaft größer ist, als die Experten in den Medien zugeben wollen. Dass die türkische Lira nach der auf den „Crash“ vom 10./13. August folgende Gegenreaktion schon wieder nachzugeben beginnt, scheint den Skeptikern Recht zu geben. Andererseits wäre da noch der am Freitag absolvierte Verfalltermin. Dass diese Abrechnung der Optionen über die Bühne ist, wirkt kurzfristig stützend, denn:

Expertenmeinung: Es war deutlich erkennbar, dass das Ziel der großen Akteure am Terminmarkt war, die Optionen auf den Euro Stoxx am unteren Ende der Handelsspanne zu erreichen. Nach oben war im Gegensatz zu den US-Indizes keine Chance, also probierte man es auf der Unterseite. Das gelang. Aber die zum Drücken des Marktes eingesetzten Positionen, vornehmlich in den Futures, waren am Montag, nach Erreichen des Ziels, überflüssig. Dass der Euro Stoxx zum Wochenstart ohne andere, zwingend die Kurse antreibende Nachrichten um immerhin 0,6 Prozent zulegte, dürfte vor allem auf der kurstreibenden Eindeckung solcher Short-Trades basiert haben. Erfreulich für die Bullen ist, dass es dadurch gelang, den Bruch des zuvor gefährdeten Juni-Tiefs (3.341 Punkte) zu verhindern. Und sollte der Euro Stoxx weiter zulegen, hätten die Bullen zumindest von der Markttechnik her Rückendwind:

Der Stochastik-Oszillator, unten im Chart eingeblendet, dreht gerade in der überverkauften Zone aufwärts, würde bei einem Kaufsignal reichlich Spielraum nach oben suggerieren. Doch den bräuchte der Index auch, denn um mehr zu erreichen als nur an das obere Ende der Handelsspanne der letzten Wochen zu laufen, müsste er diese klar nach oben verlassen. Das hieße: Schlusskurse klar über 3.541 Punkten. Ein vom aktuellen Niveau aus weiter Weg, zumal dazu dann die 20-Tage- sowie die 200-Tage-Linie ebenso wie die Januar-Abwärtstrendlinie bezwungen werden müssten, die sich den Bullen allesamt noch unterhalb dieser Hürde bei 3.541 Zählern in den Weg stellen würden. Da einen Ausbruch nach oben zu schaffen, bedarf mehr als vager Hoffnungen. Da hätten die Bären trotz des gestrigen Zugewinns das leichtere Spiel: Würde der Euro Stoxx das Juni-Tief durchschlagen, wäre der Weg nach unten erst einmal frei.

Chart vom 20.08.2018, Kurs 3.393,67 Punkte, Kürzel SX5E

Kriegen die Bullen beim europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 doch noch im letzten Moment die Kurve? Siegen bullische Indikationen der Charttechnik über die Sorge vor den Folgen der aggressiven US-Handelspolitik, die sich bereits jetzt in den ersten Unternehmensbilanzen und Konjunkturdaten niederschlagen? Es wäre möglich, wenn es dem bullischen Lager gelingen würde, umgehen starke, klare Zeichen zu setzen, die unterstreichen: Wir lassen uns das Ruder nicht aus der Hand nehmen.

Um ein solches Signal zu generieren, würden dem Index kaum mehr als ein Prozent fehlen. Ein Prozent höher als das Dienstags-Closing, und er wäre gleich durch drei wichtige Widerstandslinien hindurch und hätte, kaum weniger wichtig, ein jetzt noch gültiges Island-Reversal, eine Insel-Umkehr im Chart, egalisiert. Dergleichen kommt zustande, wenn ein Kurs mit einem Gap, einer Kurslücke, nach oben eröffnet, sich dann eine Zeitlang über dieser Kurslücke hält, dann aber doch – und dies erneut mit einer Kurslücke, nur diesmal nach unten – wieder unter dieses erste Gap zurückfällt. So geschehen beim Euro Stoxx 50 am vergangenen Donnerstag. Und auch, wenn die „Insel“ nicht gerade mit großen Kurslücken versehen war: Zwischen der „Insel“ und dem vorher bzw. danach wieder geltenden Kursband lag die 200-Tage-Linie. Und das ist, aus Sicht der Bullen, ganz und gar nicht gut.

Expertenmeinung: Denn diesen wichtigen gleitenden Durchschnitt zurückzuerobern, dann aber keine Anschlusskäufe zu sehen und nur vier Handelstage später wieder darunter zu fallen, ist für potenzielle Käufer Grund genug, erst einmal die Finger wegzulassen. Dieses negative Signal müsste erst einmal verschwinden, indem der Index in einem zeitnahen zweiten Anlauf erneut über die 200-Tage-Linie laufen und dann auch darüber bleiben würde. Dran kam der Euro Stoxx 50 am Dienstag bereits, schloss sogar einen Hauch über dieser derzeit bei 3.502 Punkten verlaufenden Linie. Aber das nötige Zutrauen, dass ein zweiter Anlauf nachhaltiger gelingt als der erste, wäre erst gegeben, wenn er darüber hinaus die Januar-Abwärtstrendlinie bei 3.530 und das Zwischenhoch vom Juni bei 3.540 Punkten überbieten könnte.

Drei auf einen Streich … würde den Bullen das gelingen, wäre die Kuh – vorausgesetzt, es kommen nicht ausgerechnet dann fatale Nachrichten von der Handelskrieg-Front – erst einmal vom Eis, der Weg nach oben frei. Dass der Trendfolgeindikator MACD dann genau auf seiner Signallinie wieder nach oben drehen würde und der Euro Stoxx 50 sich jetzt auf Höhe der 20-Tage-Linie hat fangen können, sind gute Zeichen. Aber umsetzbar wäre dieses bullische Signal durch Schlusskurse klar über 3.540 Punkte eben erst, wenn es nicht mehr nur „gut möglich“, sondern Fakt ist!

Chart vom 07.08.2018, Kurs 3.504,37 Punkte, Kürzel SX5E

Würde alleine die Charttechnik die kommenden Tage bestimmen, wäre der europäische Leitindex EuroStoxx 50 ein perfekter Rallye-Kandidat. Seit Anfang des neuen Quartals ist er wieder nach oben unterwegs, überwand zügig die 20-Tage-Linie als nächstgelegene Widerstandslinie und bestätigte diese danach gleich zweimal in kurzer Zeit als tragfähige Unterstützung. Mit dem Schwung eines Plus von knapp einem Prozent federte der Index am Dienstag von dort nach oben und ist damit in Schlagdistanz, um es mit der nächsten, wichtigen Hürde aufzunehmen, der bei 3.508 Zählern verlaufenden 200-Tage-Linie.

Aber es ist eben nicht alleine die Charttechnik, die bestimmen wird, wie es weitergeht. Womöglich spielt sie heute und morgen sogar nur eine Nebenrolle, denn die heute anstehenden Gespräche zwischen dem US-Präsidenten und EU-Kommissionspräsident Juncker sind geeignet, Weichen zu stellen.

Chart vom 24.07.2018, Kurs 3.483,31 Punkte, Kürzel ESTX50

Was da herauskommt wird den Investoren einen starken Fingerzeig geben, ob sich der Weg Richtung Eiszeit zwischen Europa und den USA und den damit verbundenen, beiderseitig negativen Konsequenzen auf das Wachstum fortsetzt oder womöglich Tauwetter ansteht. Das gestrige Plus lässt vermuten, dass die Mehrheit der Akteure auf Letzteres setzt.

Aber wie könnte man? Gerade die Statements von Donald Trump in den vergangenen Tagen machen es wenig wahrscheinlich, dass man sich bei diesen Verhandlungen in gutem beiderseitigem Einvernehmen oder gar mit einem „Deal“ trennen wird. Natürlich ist es nicht auszuschließen. Aber es ist die weniger wahrscheinliche Variante, während die größere Zahl der aktiven Marktteilnehmer am Dienstag auf der bullischen Seite agierte. Das passt nicht zusammen – oder doch?

Das kann es durchaus, wenn die Motivation, die hinter den gestrigen Käufen steht, nicht die Erwartung ist, dass sich die Gemengelage deutlich aufhellt, sondern das Gegenteil. Es wäre keineswegs untypisch, wenn der Kursanstieg des Dienstags eine Art „offensive Defensive“ gewesen wäre, um die Chance zu wahren, den EuroStoxx 50 im Fall eines plötzlichen Durchsackens wegen negativer Nachrichten aus Washington abfangen zu können, bevor er durch die 20-Tage-Linie fällt und dort liegende, dann auslösende Stop Loss-Verkaufsorders den Selloff intensivieren.

Es ist sehr gut möglich, dass hier nur ein Puffer aufgebaut werden sollte. Da sollte man an die alte Börsenregel denken: Angst kauft, erst die Panik verkauft.

Chart vom 24.07.2018, Kurs 3.483,31 Punkte, Kürzel ESTX50

Der heutige Tag wird spannend wie kein anderer in den vergangenen Wochen. Und sollte die 20-Tage-Linie mit Schlusskursen unter 3.420 Punkten deutlich fallen, sollte man einkalkulieren, dass gerade das Scheitern einer solchen „offensiven Defensive“ den danach entstehenden Abgabedruck noch intensivieren könnte. Grünes Licht, ein bullisches Signal, wäre hingegen dann gegeben, wenn die vorgenannte 200-Tage-Linie bei 3.508 Punkten tatsächlich und mit Closings über 3.520 Punkten auch hinreichend deutlich bezwungen wurde. Was zwar derzeit das weniger wahrscheinliche Szenario ist, was aber, wie nichts an der Börse, einfach ausgeschlossen werden sollte.

 

 

Seit vier Handelstagen ist es vorbei mit der Goldgräberstimmung, die den europäischen Aktienmarkt Ende März/Anfang April erfasst hatte und den Eindruck erweckte, dass die letzten Hochs des europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 schnell erreicht, womöglich überwunden werden könnten. Und das durch den Rückenwind eines den Export wieder aus der Währungs-Fessel lassenden, sinkenden Euro. Und damit womöglich nicht einmal zusammen mit, sondern gegen den Trend der Wall Street. Man mutmaßte, nicht zu Unrecht, dass der politische Brechstangen-Kurs der US-Regierung die USA in Schwierigkeiten bringen würde, von denen Europa profitieren könnte. Vorausgesetzt, man rückt dort enger zusammen, tritt z.B. den Drohungen der USA in Bezug auf Handelsbarrieren entschlossen und vor allem geschlossen entgegen. Der Euro sinkt zwar weiter. Aber was ein geschlossenes Europa angeht, das den USA Paroli bieten könnte, sieht man auf einmal rabenschwarz statt rosarot.

Und das könnte bald auch für den Euro Stoxx 50 gelten, denn dass am Montag der Versuch, die am Freitag noch einigermaßen gehaltene 200-Tage-Linie zu verteidigen, sehr deutlich scheiterte, ist nicht gerade eine ideale Vorlage dafür, die jetzt angesteuerte Unterstützungslinie um 3.470 Punkte zu halten. Und das basiert vor allem darauf, dass die Marktteilnehmer den weiter sinkenden Kurs des Euro, vor allem zum US-Dollar, jetzt vor allem als Reaktion auf beginnende Turbulenzen am europäischen Anleihemarkt ansehen – und damit negativ werten.

Chart vom 28.05.2018, Kurs 3.482,64 Punkte, Kürzel ESTX50

Dort kommt erheblicher Verkaufsdruck bei italienischen und spanischen Anleihen auf. In Italien gibt es zwar erhebliche Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung, aber man rechnet damit, dass die neue Regierung der EU in jedem Fall ernste Probleme bereiten wird. Und in Spanien steht ein Misstrauensvotum gegen den Regierungschef Rajoy ins Haus, auch da weiß man nicht recht, wie es weitergeht. Das führt zu Abgaben bei den Anleihen beider Länder – und zur Sorge, dass die Unruhe auch auf den Aktienmarkt übergreift. Was damit zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird, denn um möglichem Druck zu entgehen, werden Eurozone-Aktien verkauft – und so entsteht eben dieser Druck tatsächlich.

Noch ist die derzeit bei 3.519 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie nicht so deutlich unterboten, dass man sie nicht schnell zurückerobern könnte. Noch hält die oben erwähnte Supportzone um 3.470 Punkte. Aber würde sie brechen, würde das mit ein wenig Phantasie erkennbare Szenario einer „hängenden“, großen Schulter-Kopf-Schulter-Formation mit zwei Köpfen, die man im Chart auf Wochenbasis ausmachen könnte, greifbarer. Ein schwacher Tag kann jetzt reichen, um im Euro Stoxx 50 eine kurzfristige Trading-Chance auf der Short-Seite entstehen zu lassen.

Das Überkreuzen zweier wichtiger gleitender Durchschnitte ist ein Signal, das kaum einem technisch orientierten Investor entgeht. Es zeigt, dass der Kurs nicht nur wieder über wichtigen, mittelfristigen Durchschnittlinien verläuft, sondern auch die kurzfristigen Linien so steigen, dass man eine solide Dynamik in der Aufwärtsbewegung unterstellen darf. Gerade ein sogenannter „Crossover“ der von kurzfristigen Tradern gerne als Leitstrahl gesehenen 20-Tage-Linie über die 200-Tage-Linie, die von mittel- und langfristigen Investoren als „Scheidemarke“ zwischen bärischem und bullischem Terrain gesehen wird, ist da ein bedeutsames Signal. Ein solcher Crossover bedeutet aber nicht, dass der Kurs danach zwingend sofort weiter steigen müsste. Das gilt auch für den europäischen Leitindex Euro Stoxx 50, der dieses Signal zum Ende der vergangenen Woche generierte. Wir sehen momentan ein Verharren in einer engen Handelsspanne, nachdem der Index seit Ende März in der Spitze 300 Punkte hat zulegen können. Das kann in eine nur relativ kurze Zeit währende Seitwärts-Konsolidierung münden, kann aber auch einen größeren Rücksetzer nach sich ziehen, der in dieser derzeitigen Gemengelage auch beinahe überfällig wären, denn:

Expertenmeinung: Viele große europäische Unternehmen konnten im ersten Quartal mit ihren Bilanzen nicht gerade überzeugen. Und immer wieder tauchte dafür eine Begründung auf: Der ungünstige Wechselkurs, sprich der durch die Abwertungs-Welle des US-Dollars stark gestiegen, die Eurozone-Exporte behindernde Euro. Der hatte zuletzt eine Wende nach unten vollzogen, die die Hoffnung anfachte, dass dieser „Spuk“ einer Euro-Aufwertung überstanden sei. Derzeit bewegt sich der Euro/US-Dollar-Kurs jedoch in einer Gegenbewegung nach oben. Es wäre nicht überraschend, wenn die Käufe beim Euro Stoxx 50 erst wieder einsetzen würden, wenn auch der Euro zum US-Dollar wieder nach unten dreht. Aus markttechnischer Sicht sehen wir zugleich in klar überkauftes Niveau, wobei der hier eingeblendete Stochastik-Oszillator hervorhebt, was auch das reine Kursbild nicht verbergen kann: Seit Ende März hatte es beim Euro Stoxx 50 keinen Rücksetzer gegeben, der den Namen „Korrektur“ verdient hätte. Die Luft ist derzeit also ein wenig dünn geworden. Aber erst, wenn der Index nennenswert unter der aktuell bei 3.515 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie schließen würde, wäre das jetzt wieder auch mittelfristig bullisch wirkende Gesamtbild so angeschlagen, dass sich spekulative Trader erste Gedanken über einen kleinen Short-Trade machen könnten.

Chart vom 14.05.2018, Kurs 3.565,74 Punkte, Kürzel SX5E

Seit Jahresbeginn sehen wir ein Phänomen, das in den vergangenen Jahren äußerst selten zu beobachten war: Der Euro Stoxx 50 läuft besser als der DAX. Wenn man bedenkt, dass der europäische Leitindex am 23. Januar, als der DAX bei 13.597 Punkten sein bisheriges Rekordhoch markierte, nicht nur noch unterhalb des Jahreshochs 2017 notierte, sondern sagenhafte 32 Prozent unter seinem im Jahr 2000 bei 5.464 Punkten erreichten Rekordhoch, wird deutlich: Dass der Euro Stoxx 50, der 50 Aktien aus verschiedenen Ländern der Eurozone beherbergt, besser läuft als der deutsche Leitindex, ist keineswegs alltäglich. Der Grund kann der wackelige Eindruck sein, den die holperige Regierungsbildung mit der schmalen parlamentarischen Mehrheit in Deutschland bei internationalen Investoren hinterlässt; denkbar ist auch, dass der hohe Anteil exportorientierter Unternehmen im DAX diese Diskrepanz auslöst, da Exporttitel durch den festen Euro derzeit einen schweren Stand haben. Nichtsdestotrotz ist der Euro Stoxx 50 dadurch dort, wo man beim DAX so schnell wie möglich hin will: an der 200-Tage-Linie. Und nicht nur dadurch präsentiert sich der Euro Stoxx 50 in Relation zum DAX für die Bullen aussichtsreicher:

Expertenmeinung: Der Euro Stoxx 50 ist bereits über den Widerstand von Anfang Januar bei 3.469 Punkten hinaus gelaufen, an dem er Ende Februar noch nach unten abgewiesen wurde. Nachdem der Index am Montag bereits an die bei 3.511 Zähler verlaufende 200-Tage-Linie herangelaufen ist, bliebe noch der weniger bedeutsame und damit womöglich auch weniger „bremsende“ Widerstand bei 3.525 Zählern, bevor der Euro Stoxx 50 aus rein charttechnischer Sicht Spielraum bis in den Bereich 3.665/3.709 Punkte hätte. Aber die Basis dieser derzeitigen Rallye könnte kippen. Denn es ist zu vermuten, dass nicht wenige Akteure darauf setzen, dass die Besuche von Macron und Merkel in Washington in dieser Woche dazu führen, dass die von Donald Trump angedrohten Strafzölle gegen Europa abgewendet werden und womöglich sogar die den Eurozone-Export spürbar bremsende Rallye des Euro zum US-Dollar beendet werden kann. Sollten Merkel und Macron indes ohne solche Ergebnisse nach Europa zurückkehren, kann aus diesem so greifbaren Befreiungsschlag ein jäher Schwenk nach unten werden, zumal der bereits jetzt überkaufte Stochastik-Oszillator auf Tagesbasis dazu beitragen dürfte, dass das Bären-Lager bereits auf Argumente lauert, den Index in eine Umkehr zu zwingen. Die Ankerpunkte liegen damit nahe beieinander: Über 3.525 Punkten gälte eine charttechnische Long-Indikation, unter 3.469 Punkten wäre der Euro Stoxx 50 bereits wieder auf Trading-Basis bärisch.

Chart vom 23.04.2018, Kurs 3.513,06 Punkte, Kürzel SX5E

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