Short Call - Optionsstrategie | Online-Broker LYNX

Der Leerverkauf von Call Optionen kann riskant sein, aber wenn er mit Bedacht eingesetzt wird, können erfahrene Trader diese Strategie nutzen, um vielfältige Anlageziele zu verfolgen und so bei unterschiedlichen Marktrichtungen Profite erzielen.

Der Begriff „Short“, der für einen „Verkauf“ oder „Leerverkauf“ steht, hat allgemein einen schlechten Ruf. In manchen Fällen ist dieser Ruf sogar gerechtfertigt. Falsch eingesetzt oder falsch gehandelt, können leerverkaufte Optionen hohe Verluste verursachen. Und etwas zu verkaufen (eine Aktie oder eine Option), das man nicht besitzt, um es später billiger zurückzukaufen, überfordert die meisten Anleger. Diese strategische Herangehensweise, um die Märkte zu handeln, ist weniger intuitiv, als Aktien oder Optionen einfach zu kaufen und von steigenden Kursen zu profitieren.

Bei Leerverkäufen ändert sich allerdings einfach nur die typische Reihenfolge Ihrer Handelsvorgänge. Anstatt eine Option zuerst zu kaufen, um sie später teurer wieder zu verkaufen, beginnen Sie mit dem Verkauf, und schließen Ihren Trade mit dem Rückkauf der Option, hoffentlich zu einem niedrigeren Kurs als beim Einstieg.

Klug angewandt können „Short“ Calls, also leerverkaufte Call Optionen, sehr lukrativ sein.

Aufbau eines Short Calls

Diese Strategie des Shorts Calls besteht aus dem einfachen Leerverkauf einer Call Option, die in der Regel aus dem Geld ist (deren Basispreis über dem aktuellen Kurs des zugrundeliegenden Basiswertes liegt). Der Unterschied zur Strategie der Covered Calls, die wir in unserem Artikel „Mit der Covered Call Strategie Kursverluste abfedern, zusätzliche Einnahmen generieren und die Dividendenrendite verdoppeln“ erklären, liegt in der Tatsache, dass der einfache Short Call durch keine Aktien gedeckt ist.

Performanceprofil eines Short Calls mit Basispreis (Strike) A

Short Call Gewinn- und Verlustprofil | Online Broker LYNX

Prinzip des Short Calls

Wenn Sie einen Short Call eröffnen, gehen Sie die Verpflichtung ein, den zugrundeliegenden Basiswert (z.B. Aktie oder Index) ggfs. zu verkaufen, falls die Option ausgeübt wird. Je gehandeltem Kontrakt werden im Falle einer Ausübung in der Regel 100 Aktien in Ihrem Depot leerverkauft (Sie halten dann praktisch 100 Aktien in Ihrem Depot).

Der Leerverkauf würde zu einem Kurs erfolgen, der dem Basispreis A des Calls entspricht. Der Nachteil dieser Verpflichtung ist, dass Sie z.B. eine Aktie zu einem niedrigeren Kurs leerverkaufen müssten, als der gegenwärtige Kurs der Aktie ist. Kaufen Sie in dem Fall die Aktie nicht sofort zurück, sondern halten den negativen Bestand an Aktien in Ihrem Depot, ist das Verlustrisiko theoretisch unbegrenzt. Je mehr die Aktie steigt, desto größer wird der Verlust.

Ihre Erwartung bei einem Short Call wird also sein, dass der Kurs des Basiswertes unter dem Basispreis des Calls bleiben wird und dass die Call Option am Ende der Laufzeit wertlos verfällt. In diesem Fall müssen Sie nicht einmal die Position aktiv schließen: sie verfällt von alleine, ohne dass Sie Transaktionsgebühren zahlen müssen. Ihr Gewinn ist dann die Prämie, die Sie bei der Eröffnung der Position, also dem Verkauf der Call Option vereinnahmt haben.

Hier stechen die Vorteile dieser Strategie heraus: Der zugrundeliegende Basiswert darf fallen, sich seitwärts bewegen oder bis zum Basispreis A steigen. Sie kassieren in allen drei Szenarien den maximalen Gewinn.

In der Umsetzung ist ein Short Call extrem einfach. Sie können z.B. den passenden Call im „OptionTrader“ Ihrer Handelsplattform (dort im Bereich „Optionsketten“) aussuchen und leerverkaufen.

Meine persönlichen Tipps für den Handel von Short Calls

  • Ich würde bei einem Short Call empfehlen, den Basispreis A der leerverkauften Option so auszuwählen, dass er mindestens eine Standardabweichung oder mehr von dem aktuellen Aktienkurs entfernt ist. Das erhöht Ihre Erfolgswahrscheinlichkeit. Je weiter entfernt der Basispreis allerdings ist, desto niedriger ist auch die Prämie, die Sie vereinnahmen. Optionen mit einem Delta von 16 (auffindbar in der Optionskette im OptionTrader Ihrer Handelsplattform), entsprechen einer Standardabweichung. Idealerweise befindet sich dieser Basispreis charttechnisch in der Nähe eines soliden Widerstands.
  • Wählen Sie bei Short Calls für die Optionen kurze Laufzeiten, da Optionen in den letzten 90 Tagen vor ihrem Verfallsdatum schneller an Wert verlieren. Dieser Zeitwertverlust ist für Sie als Verkäufer der Option ein Vorteil. Siehe dazu auch unseren Artikel zu Thema Zeitwertverfall.

Für wen ist der Short Call geeignet?

Diese Strategie ist aufgrund ihres hohen Verlustrisikos nur für Trader gedacht, die große Erfahrung im Optionshandel gesammelt haben. Der Short Call kann schnell und einfach eröffnet werden, er erfordert dennoch eine breite Expertise in den folgenden Bereichen:

  • Einschätzung des Aufwärtspotenzials des zugrundeliegenden Basiswertes, um den passenden Basispreis zu wählen
  • Richtiges Timing beim Einstieg
  • Sehr gutes Risiko-Management und vor allem gute Kenntnisse im „Rollen“ von Optionen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel „Das Rollen von Optionen – Optionen-Trades wie ein Profi verteidigen“.

Wann sollte ein Short Call eingegangen werden?

Sie eröffnen einen Short Call, wenn Sie davon ausgehen, dass die Aktie (oder ein anderer Basiswert) fallen, sich seitwärts bewegen oder leicht steigen wird. Die zugrundeliegende Aktie darf bis zum Basispreis A steigen, ohne dass der maximale Gewinn (die Prämie) geschmälert wird. Idealerweise erfolgt der Einstieg zu einem Zeitpunkt, an dem die zugrundeliegende Aktie eine hohe implizite Volatilität aufweist. Dadurch sind die Optionen teurer und eine höhere Prämie kann entsprechend vereinnahmt werden. Fällt im Nachhinein diese implizite Volatilität, profitiert der Short Call davon: Er verbilligt sich, was gut für den eingegangenen Trade ist.

Wo liegt Ihre Gewinnschwelle („Breakeven“) bei einem Short Call?

Diese Strategie macht sich bezahlt, wenn der Kurs des Basiswertes beim Verfall unter dem Basispreis A der leerverkauften Call Option zuzüglich der vereinnahmten Prämie, dividiert durch 100, liegt. In diesem Fall würde der innere Wert des Short Calls der Prämie entsprechen:

Gewinnschwelle = Basispreis des leerverkauften Calls + vereinnahmte Prämie / 100

Beispiel: Eine Aktie notiert bei 95$. Sie verkaufen einen Call mit einem Basispreis bei 100$ und einem Kurs der Option bei 2$. Mit einem Kontrakt würden Sie dadurch 200$ an Prämie vereinnahmen. Ihre Gewinnschwelle liegt demnach bei 100 + 200/100 = 102$. Notiert die Aktie zum Verfallsdatum des Calls darunter, kann der Call mit Gewinn zurückgekauft werden.

Was ist Ihr maximaler potenzieller Gewinn bei einem Short Call?

Ihr potenzieller Gewinn ist auf die vereinnahmte Prämie begrenzt. Er wird erzielt, wenn der Aktienkurs zum Verfallsdatum der Option unter dem Basispreis A notiert. In diesem Fall verfällt die Option wertlos, und Sie kassieren die bereits vereinnahmte Prämie zu 100% als Gewinn ab.

Die Art und Weise, wie Sie den Basispreis auswählen, bestimmt das maximale Ertragspotenzial. Durch die Wahl eines niedrigeren Basispreises können Sie die anfängliche Prämieneinnahme erhöhen.

Ein Teilgewinn wird erzielt, wenn der Aktienkurs zwischen dem Basispreis A und der Gewinnschwelle bleibt. Ein Short Call muss nicht bis zum Ende der Laufzeit der Option gehalten werden. Sie können die Position vorzeitig glattstellen und die Gewinne (oder die Verluste) mitnehmen.

Was ist Ihr maximaler potenzieller Verlust bei einem Short Call?

Der potenzielle Verlust ist theoretisch unbegrenzt. Der Verlust wächst, je höher die Aktie über den Basispreis steigt. Um je 1$, um den die Aktie über den Basispreis steigt, verteuert sich der Call um 100$. Sobald dieser Betrag die vereinnahmte Prämie übersteigt, ist die Gewinnschwelle überschritten und der Trade bewegt sich in die Verlustzone. Dass eine Aktie oder ein Index nicht ins unendliche steigen wird, dürfte jedoch klar sein, so dass in der Praxis das maximale Verlustrisiko doch begrenzt bleiben wird. Aber denken Sie z.B. an eine Aktie wie Tesla, die sich seit Anfang 2020 zeitweise verneunfacht hat. Short Calls auf solch eine Aktie können ein Konto ausradieren! Deswegen ist ein Stop-Loss, vor allem bei Basiswerten, die in einem hohen Kurssegment notieren, bei Short Calls ratsam.

Was ist die Margin-Anforderung bei einem Short Call?

Die Margin-Anforderung für einen Short Call wird Ihnen in der Vorschau der Trade-Platzierung oder vor der Übermittlung des Trades angezeigt. Beachten Sie unbedingt, dass das maximale Verlustrisiko des Trades diese Margin-Anforderung deutlich übersteigen kann.

Wie wirkt sich die Zeit auf die Position bei einem Short Call aus?

Für diese Strategie ist der Effekt des Zeitwertverfalls der Option positiv. Der Zeitwert der Call Option, die Sie leerverkauft haben, wird unter gleichbleibender Volatilität Tag für Tag abnehmen, was gut für Ihre Position ist.

Was ist der Einfluss der impliziten Volatilität bei einem Short Call?

Nachdem die Strategie umgesetzt wurde, wünschen Sie sich in der Regel, dass die implizite Volatilität abnimmt. Dadurch sinkt der Zeitwert der Option weiterhin und dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Option wertlos verfallen wird (was Ihr Ziel ist).

Ein Anstieg der impliziten Volatilität würde aber auch sehr wahrscheinlich bedeuten, dass der zugrundeliegende Basiswert stark am Fallen ist, was ebenfalls zu Ihrem strategischen Ansatz passen würde.

Risiko der Ausübung der Option bei einem Short Call

Eine vorzeitige Ausübung ist zwar bei den meisten Aktienoptionen jederzeit möglich, erfolgt jedoch in der Regel nur, wenn die leerverkaufte Call Option tief ins Geld rutscht oder wenn eine Dividendenausschüttung der Aktie bevorsteht.

Wenn am Verfallsdatum die Aktie knapp unterhalb oder knapp oberhalb des Basispreises des leerverkauften Calls notiert, können Sie nicht sicher sein, ob zum Verfall der Option eine Ausübung geschehen wird oder nicht.

Mein persönlicher Rat an Sie: Schließen Sie den Short Call oder rollen sie ihn vorzeitig, um der Eventualität der Ausübung aus dem Weg zu gehen. Achten Sie vor allem auf den Ex-Tag der Dividendenausschüttung. Notiert kurz davor die Aktie nah am Basispreis des Calls oder weit darüber und die Restlaufzeit ist gering, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Call Option ausgeübt wird.

Mehr zum Thema vorzeitige Ausübung von Optionen können Sie in unserem Artikel Vorzeitige Ausübung von Optionen – So reagieren Sie richtig und bleiben entspannt nachlesen.

Die Vor- und Nachteile des Short Calls auf den Punkt gebracht

Vorteile:

  • Der Short Call erzielt den maximalen Gewinn bei 3 möglichen Szenarien: Eine Seitwärtsbewegung, eine Abwärtsbewegung und eine leichte Aufwärtsbewegung des zugrundeliegenden Basiswertes.
  • Der Short Call profitiert vom Rückgang der impliziten Volatilität.
  • Der Short Call profitiert vom Zeitwertverfall.

Nachteile:

  • Der maximale Gewinn ist auf die Prämie begrenzt und die Position profitiert entsprechend nicht von einem fortlaufenden Fall des Basiswertes.
  • Je nach Wahl des Basispreises ist nur eine kleine Aufwärtsbewegung des Aktienkurses erlaubt, um in der Gewinnzone zu bleiben.
  • Das Verlustrisiko ist theoretisch unbegrenzt.
  • Das Ausübungsrisiko am Dividenden-Ex-Tag kann hoch sein.

Beispiel eines Short Calls

In unserer Rubrik „Optionen in der Praxis“ stellen wir gelegentlich Tradeideen mit Short Calls vor, u.a. im Rahmen des Handels von Quartalsergebnissen. Zu den Tradeideen gelangen Sie hier: Optionen in der Praxis

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Fazit: Mit einem Short Call aus schwächelnden Aktien und Indizes Profit schlagen

Wenn Sie der Meinung sind, den Märkten würde „die Puste“ ausgehen, gibt es trotzdem für Sie Möglichkeiten, mit Optionen Gewinne zu generieren. Mit einem Short Call profitieren Sie auch von müden Aktien, deren Aufwärtspotenzial nach Ihrer Einschätzung begrenzt ist. Steigt der Basiswert nur moderat, können Sie trotzdem einen Gewinntrade erzielen. Liegen Sie mit Ihrer Einschätzung allerdings komplett falsch und die Aktie steigt über einen bestimmten Kurs, müssen Sie über einen Ausstiegsplan verfügen: Entweder Sie kaufen den laufenden Call zur endgültigen Schließung zurück und realisieren die Verluste oder Sie halten den Trade am Laufen, indem Sie den Call „rollen“.

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