So handeln Sie die Volatilität erfolgreich mit Optionen | Online Broker LYNX

In unserem Artikel „Werden Sie mithilfe der Volatilität zum Profi-Trader“ haben wir Ihnen erklärt, wie wichtig die Volatilität im Börsenhandel und ganz besonders im Optionshandel ist. Die Volatilität ist für den unerfahrenen Trader ein Synonym für „Angst“. Für den erfahrenen Anleger ist sie vor allem eine wichtige mathematische Kennzahl, die in Trade-Entscheidungen mitberücksichtigt werden sollte und die Gewinnchancen kreiert.

In diesem Artikel gehen wir einen Schritt weiter und erklären Ihnen, wie Sie die Volatilität selbst handeln können.

„Was ist nochmal die (implizite) Volatilität?“ Unsere Erklärung

Die implizite Volatilität ist einfach die erwartete Schwankungsintensität von Aktienkursen bzw. das Ausmaß von Preisänderungen. Ob es sich um eine Aktie, einen Index, Ihr Haus oder einen Liter Benzin handelt, Volatilität finden Sie überall. Wenn zum Beispiel bei einer Tankstelle ein Liter Benzin an einem Tag 1,20 Euro kostet, am nächsten Tag 1,21 Euro und am nächsten Tag 1,19 Euro, und bei einer anderen Tankstelle der Liter Benzin über diese drei Tage zwischen 1,17 Euro und 1,23 Euro schwankt, ist der Liter Benzin an der 2. Tankstelle volatiler als an der ersten. Gleiches gilt für zwei Aktien. Eine Aktie mit stark variierenden Kursschwankungen ist volatiler als eine Aktie mit geringeren Schwankungen.

Die Volatilität wird in Prozent ausgedrückt, um die Vergleichbarkeit zwischen 2 Werten sicherzustellen. Eine Aktie, die 10 Euro kostet und sich um 1 Euro nach oben und unten bewegt, schwankt um 10%, während eine Aktie, die 1.000 Euro kostet und sich um 1 Euro nach oben und unten bewegt, nur um 0,1% schwankt. Obwohl sich beide Aktien um 1 Euro bewegen, ist die 10-Euro Aktie deutlich volatiler.

Die Volatilität ist also nicht besonders schwer zu verstehen: Es handelt sich lediglich um eine Metrik, die die Kursänderungen einer Aktie oder eines beliebigen Basiswertes angibt.

Für Optionshändler ist das Verständnis von Volatilität ein Schlüssel zum Erfolg. Wenn alle anderen Parameter gleich sind, ist der Wert einer Option höher, wenn die Volatilität höher ist, und niedriger, wenn die Volatilität niedriger ist. Dies kann Anlegern helfen, die passende Optionen-Strategie zu wählen. Credit Spreads und leerverkaufte Optionen sind zum Beispiel geeignet, wenn die Volatilität hoch ist, und Debit Spreads und gekaufte Optionen kommen in Betracht, wenn die Volatilität niedriger ist.

Die Volatilität einer Aktie kann „rückwärts“ ermittelt werden (historische Volatilität), wenn vergangene Aktienkurse zur Berechnung der Schwankungen verwendet werden. Die Volatilität einer Aktie kann zukunftsgerichtet sein (implizite Volatilität), wenn Optionspreise verwendet werden, um abzuschätzen, wie stark sich diese Aktie in Zukunft nach oben oder unten bewegen könnte. Im Optionshandel allgemein und in diesem Artikel interessieren wir uns ausschließlich für die implizite Volatilität.

Der VIX Index: Die Referenz zur Messung der Markt-Volatilität

Der „CBOE Volatility Index“ (VIX) ist einer der beliebtesten und bekanntesten Maßstäbe für die Volatilität. Der Index wird als Metrik für die Volatilität des ganzen Marktes verwendet. Der VIX wird aus den Optionspreisen des S&P 500 Index (US Ticker: SPX) berechnet. Dabei werden Optionen mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 30 Tagen in die Kalkulation einbezogen.

Im Wesentlichen ist der VIX ein Durchschnitt von Preisen von SPX Calls und Puts.

Wenn die Preise für SPX Optionen aufgrund der Handelsaktivität und der Markterwartungen hinsichtlich potenzieller Preisänderungen im SPX nach oben und unten gedrückt werden, bewegt sich der VIX dementsprechend. Es sind also die Optionen auf den S&P 500, die den VIX bestimmen.

Der VIX Index selbst lässt sich allerdings nicht direkt handeln. Mit Optionen auf den VIX oder auf Derivate vom VIX können Sie aber trotzdem die Volatilität problemlos handeln.

VIX Optionen

Das Verfallsdatum von VIX Optionen liegt in der Regel an einem Mittwoch oder einem Freitag. Der letzte Handelstag ist der Tag unmittelbar davor (also typischerweise der Dienstag). VIX Optionen sind europäischer Art, d.h. sie können nur am Verfallstag ausgeübt werden. Die Ausübung der Optionen erfolgt durch einen sogenannten Barausgleich: Sie erhalten den Index nicht in Ihr Depot gebucht, sondern ein Geldbetrag wird je nach Ergebnis der angewandten Strategie gutgeschrieben oder abgezogen.

Sie können mit VIX Optionen jede beliebige Optionsstrategie wie mit einer ganz normalen Aktie umsetzen. Sie können sogar komplexe Strategien wie einen Butterfly handeln. Ein Beispiel dafür finden Sie in unserem Artikel: Butterfly auf den VIX

Der VVIX

Genauso wie der S&P 500 einen Volatilitätswert aufweist, der durch den VIX gemessen wird, weist der VIX ebenfalls eine Volatilität auf. Denn der VIX schwankt auch! Die Volatilität des VIX wird durch den VVIX gemessen: Der „VIX des VIX“. Der Wert des VVIX kann einem Trader helfen, um seine Optionsstrategie auf den VIX zu bestimmen, genauso wie der VIX eine Entscheidungshilfe für eine Optionsstrategie auf den S&P 500 sein kann.

ETFs und ETNs

Es gibt hauptsächlich 3 ETFs und ETNs, die den kurzfristigen Verlauf des VIX widerspiegeln, wenn auch nicht ganz akkurat:

  • Der UVXY: Gehebelter ETF (ProShares Ultra VIX Short-Term Futures ETF). Eine Anlage in den UVXY strebt eine tägliche Rendite an, die der 1,5-fachen Wertentwicklung des VIX Index für einen einzelnen Tag entspricht.
  • Der VXX: Ungehebelter ETN (iPath Series B S&P 500 VIX Short-Term Futures ETN). ETN steht für „Exchange-Traded Note“. Eine Anlage in den VXX strebt eine tägliche Rendite an, die der einfachen Wertentwicklung des VIX Index für einen einzelnen Tag entspricht. Der VXX ist von allen Volatilitäts-Basiswerten derjenige, der der Wertentwicklung des VIX am nächsten kommt.
  • Der SVXY: Ein ETF (ProShares Short VIX Short-Term Futures ETF), der auf eine fallende Volatilität setzt. Eine Anlage in den SVXY strebt eine tägliche Rendite an, die der Hälfte der umgekehrten Wertentwicklung des VIX Index für einen einzelnen Tag entspricht. Wenn der VIX also steigt, fällt der SVXY, und umgekehrt.

Diese 3 Basiswerte lassen sich in Deutschland aufgrund von europäischen Regularien von Privatanlegern nicht direkt handeln. Der Umweg mit Optionen erlaubt Ihnen aber, auf diese Werte mit ausgefeilten Strategien zu spekulieren.

2 einfache Optionsstrategien auf den VXX

Der VXX, der UVXY, und der SVXY sind mit Optionen gut handelbar. Mittlerweile finden Sie Optionen auf diese Basiswerte mit Verfallsdaten an jedem Freitag. Der VXX weist das größte tägliche Optionshandelsvolumen auf: Rund 400.000 VXX Optionen wechseln im Schnitt jeden Tag den Besitzer, verglichen mit 110.000 UVXY Optionen und gerade mal 9.000 SVXY Optionen. Das Handelsvolumen ist wichtig: Je höher dieses Volumen, desto besser die Handelbarkeit der Optionen und desto besser die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs.

Wir empfehlen Ihnen daher Optionsstrategien auf den VXX zu bevorzugen.

Durch seine besondere mathematische Konstruktion, die von der sogenannten Terminkurve des VIX abhängig ist, tendiert der VXX dazu, in einem dauerhaften Abwärtstrend gefangen zu sein. In Zeiten hoher Volatilität und wenn die Märkte stark fallen, kann der VXX jedoch explosionsartige Kurssprünge aufweisen. Der VXX stieg beispielweise während der Coronavirus-Krise zwischen dem 20. Februar 2020 und dem 18. März 2020 um rund 460%! Diese Kurssprünge sind aber in der Regel kurzfristiger Natur und der VXX nimmt seinen Abwärtstrend, selbst in den schwersten Börsenzeiten, relativ schnell wieder auf.

Ein Anleger, der mit angemessener Investitionsgröße und mit einer Strategie mit begrenztem Risiko auf einen fallenden VXX setzt, kann ordentlich belohnt werden. Er muss aber in der Lage sein, sporadische Kurssprünge aussitzen zu können, ohne dass sein Depot wegradiert wird. Idealerweise wartet er geduldig, bis der VXX einen solchen extremen Kurssprung verzeichnet hat, bevor er in einen Trade einsteigt.

Verlauf des VXX über 2 Jahre

So handeln Sie die Volatilität erfolgreich mit Optionen: Entwicklung VIX April 2019 bis April 2020Der VXX tendiert langfristig abwärts, verzeichnet aber sporadische extreme Kurssprünge, wenn die Angst an den Märkten zunimmt.

Strategie Nr. 1: Der Kauf eines einfachen Puts

Nehmen wir an, ein Anleger möchte 100 Stück VXX leerverkaufen, um von einem fallenden VXX zu profitieren. Nehmen wir auch an, dass der VXX bei 40$ notiert. Der potenzielle Verlust, falls der Anleger falsch liegt und der VXX steigt, wäre theoretisch unbegrenzt. Würde sich der VXX beispielsweise auf 80$ verdoppeln, würde der Anleger einen Verlust von 100 x (80$ – 40$) = 4.000$ erleiden. Steigt der VXX auf 120$, liegt der Verlust bei 8.000$. Ein Szenario, das nicht ideal und sowieso nicht umsetzbar ist, da sich der VXX in Deutschland nicht direkt handeln lässt.

Wenn der Anleger stattdessen einen einfachen Put kauft, der tief im Geld ist, z.B. mit einem Basispreis (Strike) von 65$ und einer Laufzeit von 3 Monaten, würde er ca. 2.700$ bezahlen (der Put wäre zu 2,70$ zu handeln und kostet mit einer Kontraktgröße von 100 entsprechend 2.700$). Dieser Betrag wäre auch das maximale Verlust-Risiko. Solch ein Put würde sich um ca. 0,70$ verteuern für jeden Dollar, um den sich der VXX verbilligt. Im Fachjargon spricht man von einem Put mit einem „Delta“ von 0,70. Fällt also der VXX relativ schnell von 40$ auf 35$, kann sich der Put um 5$ x 0,70 = 3,5$ verteuern. Je Kontrakt entspricht dies einem Gewinn von 350$.

Bleibt der VXX über 3 Monate konstant oder steigt, droht der maximale Verlust von 2.700$, der jedoch, wie bereits erwähnt, auf diesen Betrag begrenzt ist. Ein Anleger muss also in seiner Annahme sicher sein, dass der VXX seinen Abwärtstrend einleiten oder fortsetzen wird.

Je tiefer der Put im Geld ist, desto genauer spiegelt er die Wertentwicklung des VXX wider. Umso teurer ist aber auch der Put.

Strategie Nr. 2: Der Kauf eines Bear Call Spreads

Bear Call Spreads sind Kombinationen von 2 Optionen: Einem gekauften und einem leerverkauften Call. Der gekaufte Call schützt die Position gegen einen steigenden VXX. Der leerverkaufte Call profitiert von einem fallenden VXX.

Alle Details zu der Funktionsweise eines Bear Call Spreads finden Sie in diesem Artikel: Optionsstrategie Bear Call Spread: Im Bärenmarkt Profite erzielen

Die Vorteile eines Bear Call Spreads gegenüber dem einfachen Put sind vielfältig:

  • Je nach Wahl der Basispreise ist das maximale Verlust-Risiko viel kleiner als mit dem Put.
  • Der VXX muss nicht unbedingt fallen, um den maximalen Gewinn zu erzielen. Es reicht, wenn er sich seitwärts bewegt oder sogar leicht steigt (bis zum Basispreis des verkauften Calls).
  • Der Verlauf der Zeit ist auf der Seite des Anlegers. Der Zeitwertverfall der Optionen entfaltet Tag für Tag das Gewinnpotenzial des Bear Call Spreads.

Bei einem VXX Kurs von 40$ würde beispielsweise ein Bear Call Spread mit einem verkauften Call mit Basispreis 45$ und einem gekauften Call mit Basispreis 50$, beide mit derselben Laufzeit von 5 Wochen, eine Prämie von ca. 100$ einbringen. Diese Prämie wäre der maximale Gewinn. Der maximale Verlust wäre auf 400$ begrenzt. Die Rendite des Trades liegt dementsprechend bei 100$ / 400$ = 25% in 5 Wochen. Der VXX darf bis auf 45$ steigen, ohne dass dieser Gewinn geschmälert wird.

Fazit: Zukünftige Optionen-Tradeideen auf den VXX

Versierte Optionshändler wissen, welches Gewinnpotenzial im VIX und seinen Derivaten VXX, UVXY und SVXY steckt. Dabei ist es wichtig zu verstehen, wie diese Produkte funktionieren, um einerseits keine potenzielle Gewinnchance zu verpassen und andererseits keine unangemessenen Risiken einzugehen. Wissen gibt Ihnen Kontrolle. Und Kontrolle ist wichtig, wenn Sie mit Basiswerten handeln, die so „wild“ sein können wie die Volatilität.

In zukünftigen Artikeln werden wir Ihnen beispielhafte Optionen-Tradeideen auf den VXX vorstellen, um Ihnen das Potenzial solcher Strategien aufzuzeigen.

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Eric Ludwig, Optionshändler | LYNX Börsenexperten
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