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Historische Volatilität: Definition, Berechnung und Aussagekraft

von LYNX Broker
08.10.2026
LYNX bei Google bevorzugen
Historische Volatilität: Schwankungsbreite eines Kurses in der Vergangenheit
Wie unruhig war ein Markt in den letzten Wochen? Diese Frage beantwortet die historische Volatilität. Sie ist die Basis, um die aktuellen Erwartungen des Marktes einzuordnen, und ein wichtiger Vergleichswert für Optionshändler.
Wichtig
OPTIONEN SIND KOMPLEXE FINANZPRODUKTE

Optionen sind komplexe Finanzinstrumente und mit erheblichen Risiken verbunden. Anleger sollten sorgfältig prüfen, ob sie für ihre Anlageziele und ihre Risikobereitschaft geeignet sind. Zudem sollten Anleger ihre Kenntnisse über den Optionsmarkt und Handelsstrategien vertiefen, bevor sie mit dem Optionshandel beginnen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die historische Volatilität misst, wie stark ein Kurs in der Vergangenheit geschwankt hat.
  • Sie wird als Standardabweichung der täglichen Renditen berechnet und auf ein Jahr hochgerechnet.
  • Sie zeigt das Ausmaß, nicht die Richtung der Kursbewegungen.
  • Sie erlaubt keine verlässliche Prognose. Die Erwartungen des Marktes zeigt die implizite Volatilität.
Inhalt

Was ist die historische Volatilität?

Die historische Volatilität beschreibt das Ausmaß der in der Vergangenheit tatsächlich beobachteten Kursschwankungen eines Basiswerts, gemessen als annualisierte Standardabweichung der täglichen Renditen.

Sie wird auch als realisierte oder statistische Volatilität bezeichnet. Als Datengrundlage dienen meist die täglichen Schlusskurse einer Aktie oder eines Index über einen festen Zeitraum, häufig 30 Handelstage. Eine höhere historische Volatilität steht für stärkere, eine niedrigere für geringere Kursschwankungen.

Wie berechnet man die historische Volatilität?

Die historische Volatilität wird berechnet, indem man aus den Schlusskursen die täglichen Renditen bildet, deren Standardabweichung ermittelt und diese mit der Wurzel aus 252 auf ein Jahr hochrechnet.

Historische Volatilität berechnen in vier Schritten: Schlusskurse, Tagesrenditen, Standardabweichung, Annualisierung
Von den Schlusskursen zur annualisierten Volatilität in vier Schritten.

SchrittWas passiertFormel bzw. Beispiel
1. Kurse sammelnTägliche Schlusskurse über einen Zeitraum, z. B. 30 Handels­tageKurs am Tag t: Kt
2. Tages­renditenVeränderung von Tag zu Tag, meist als logarithmische Renditert = ln(Kt / Kt−1)
3. Standard­abweichungStreuung der Tages­renditen um ihren MittelwertσTag, z. B. 1,5 %
4. AnnualisierenHochrechnung auf ein Jahr mit 252 Handels­tagenσJahr = σTag × √252 ≈ 1,5 % × 16 = 24 %

Die Standardabweichung gibt an, wie stark die täglichen Renditen um ihren Durchschnitt streuen. Logarithmische Renditen werden verwendet, weil sie sich über mehrere Tage einfach addieren lassen. Die Hochrechnung mit √252 folgt daraus, dass die Volatilität mit der Wurzel der Zeit wächst.

Umgekehrt lässt sich eine Jahresvolatilität in eine typische Tagesbewegung umrechnen, indem man sie durch 16 teilt. Mehr dazu auf der Übersichtsseite Volatilität bei Optionen.

Wie hat sich die historische Volatilität entwickelt?

In ruhigen Marktphasen ist die historische Volatilität gering, in Krisen steigt sie sprunghaft an, im Oktober 2008 bei einigen Indizes auf über 60 Prozent, auf das Jahr hochgerechnet.

Die Grafik zeigt die historische Volatilität eines Beispielindex von 2007 bis 2018. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Oktober 2008 erreichte sie über 60 Prozent auf Jahresbasis. Umgerechnet auf einen Handelstag entspricht das rund 3,75 Prozent (60 ÷ 16). Die Märkte waren in dieser Zeit von starken Schwankungen nach unten und nach oben geprägt.

Verlauf der historischen Volatilität eines Beispielindex von 2007 bis 2018 mit Spitze über 60 Prozent in der Finanzkrise 2008
In Krisenphasen steigt die historische Volatilität sprunghaft an.

Deutlich wird auch eine negative Beziehung zwischen Marktrichtung und Volatilität: In fallenden Märkten steigt die Volatilität oft stärker an als in steigenden. Nach Krisen normalisiert sie sich in der Regel wieder, oft über mehrere Monate.

Was sagt die historische Volatilität aus – und was nicht?

Die historische Volatilität zeigt, wie stark ein Kurs geschwankt hat, macht aber keine Aussage über die Richtung und erlaubt keine verlässliche Prognose künftiger Schwankungen.

Die historische Volati­lität zeigt …Die historische Volati­lität zeigt nicht …
wie stark ein Kurs in der Vergangenheit geschwankt hatob der Kurs gestiegen oder gefallen ist
ob sich ein Markt in einer ruhigen oder unruhigen Phase befindetwie stark der Kurs künftig schwanken wird
eine Vergleichsbasis für die implizite Volati­litäteine Garantie, dass der Kurs in einer Bandbreite bleibt

Historische Daten können eine Grundlage für die Einschätzung künftiger Schwankungen sein. Welche Schwankungen der Markt tatsächlich erwartet und in die Optionspreise einpreist, zeigt die implizite Volatilität. Optionshändler vergleichen beide Werte häufig: Liegt die implizite deutlich über der historischen Volatilität, gelten Optionen als relativ teuer, liegt sie darunter, als relativ günstig.

Häufige Fragen zur historischen Volatilität

FAQ
Welcher Zeitraum wird für die historische Volatilität verwendet?

Häufig werden 30 Handelstage verwendet. Üblich sind aber auch 10, 20, 60 oder 90 Tage. Kürzere Zeiträume reagieren schneller auf neue Schwankungen, längere liefern ein ruhigeres Bild.

Warum wird mit 252 Handelstagen gerechnet?

Ein Börsenjahr hat ohne Wochenenden und Feiertage rund 252 Handelstage. Da die Volatilität mit der Wurzel der Zeit wächst, wird die tägliche Standardabweichung mit √252 (etwa 16) multipliziert, um die Jahresvolatilität zu erhalten.

Was ist der Unterschied zwischen historischer und impliziter Volatilität?

Die historische Volatilität misst vergangene Schwankungen aus Schlusskursen. Die implizite Volatilität ist die vom Markt erwartete künftige Schwankung und wird aus Optionspreisen abgeleitet.

Kann man mit der historischen Volatilität Kurse vorhersagen?

Nein. Sie zeigt nur, wie stark ein Kurs geschwankt hat. Sie sagt weder etwas über die künftige Richtung aus noch garantiert sie, dass der Kurs in einer bestimmten Bandbreite bleibt.

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