Optionen sind komplexe Finanzinstrumente und mit erheblichen Risiken verbunden. Anleger sollten sorgfältig prüfen, ob sie für ihre Anlageziele und ihre Risikobereitschaft geeignet sind. Zudem sollten Anleger ihre Kenntnisse über den Optionsmarkt und Handelsstrategien vertiefen, bevor sie mit dem Optionshandel beginnen.
- Beim Protective Put kaufen Sie eine Put-Option auf Aktien, die Sie besitzen.
- Der maximale Verlust ist begrenzt auf Kaufkurs minus Ausübungspreis plus Prämie.
- Das Aufwärtspotenzial der Aktie bleibt erhalten, abzüglich der Prämie.
- Höherer Ausübungspreis = mehr Schutz, aber höhere Kosten.
Inhalt
Was ist ein Protective Put?
Ein Protective Put ist eine Absicherungsstrategie, bei der ein Anleger eine Put-Option auf Aktien kauft, die er bereits besitzt oder gleichzeitig kauft, um deren Verlustrisiko auf einen festen Betrag zu begrenzen.
Zusammen mit dem Covered Call gehört der Protective Put zu den am häufigsten genutzten Optionsstrategien. Er ist eine einfache und wirksame Möglichkeit, das Risiko fallender Kurse zu begrenzen. Die Absicherung ist aber mit Kosten verbunden: Sie zahlen eine Prämie und haben ein negatives Theta, der Zeitverlauf wirkt also gegen Sie.
| Merkmal | Ausprägung |
|---|---|
| Aufbau | Aktien kaufen bzw. halten + Put-Option auf diese Aktien kaufen (1 Kontrakt je 100 Aktien) |
| Markterwartung | steigende Kurse, aber Absicherung gegen Rückschläge gewünscht |
| Maximaler Gewinn | unbegrenzt (Kursanstieg abzüglich Prämie) |
| Maximaler Verlust | Kaufkurs − Ausübungspreis + Prämie |
| Break-even | Kaufkurs der Aktie + Prämie |
| Delta | + |
| Gamma | + |
| Vega | + |
| Theta | − |
Wie funktioniert ein Protective Put? Ein Beispiel
Beim Protective Put liegt der Break-even beim Kaufkurs plus Prämie, und der maximale Verlust entspricht der Differenz zwischen Kaufkurs und Ausübungspreis zuzüglich der Prämie.
Beispiel: Sie kaufen 100 Aktien zu 40 Euro und zusätzlich eine Put-Option mit Ausübungspreis 39 Euro. Die Prämie beträgt 2 Euro je Aktie, insgesamt 200 Euro.

- Break-even bei 42 Euro: Erst oberhalb dieses Kurses erzielen Sie einen Gewinn, denn die Prämie muss zuerst verdient werden.
- Maximaler Verlust 300 Euro: Egal wie tief die Aktie fällt, der Put sichert einen Verkaufspreis von 39 Euro. Verlust: (40 − 39 + 2) × 100 = 300 Euro.
- Gewinn nach oben offen: Steigt die Aktie, profitieren Sie weiter, nur um die Prämie gemindert.
| Kurs am Verfallstag | Ergebnis Aktie | Ergebnis Option | Gesamtergebnis |
|---|---|---|---|
| 34 € | −600 € | +300 € | −300 € |
| 36 € | −400 € | +100 € | −300 € |
| 38 € | −200 € | −100 € | −300 € |
| 39 € | −100 € | −200 € | −300 € |
| 40 € | 0 € | −200 € | −200 € |
| 42 € | +200 € | −200 € | 0 € |
| 44 € | +400 € | −200 € | +200 € |
| 46 € | +600 € | −200 € | +400 € |
Hinweis: Alle Beispiele ohne Transaktionskosten. In der Praxis verändern Gebühren das Gewinn-Verlust-Profil; ein rechnerischer Gewinn kann geringer ausfallen oder zu einem Verlust werden. Ein Kontrakt umfasst im Beispiel 100 Aktien.
Welche Vor- und Nachteile hat ein Protective Put?
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ✓ Begrenztes Abwärtsrisiko bei Kursverlusten der Aktie | ✗ Prämienkosten schmälern den Gewinn bei Kursanstiegen |
| ✓ Aufwärtspotenzial der Aktie bleibt bestehen | ✗ Negatives Theta: Absicherung verliert mit der Zeit an Wert |
Die Aktienposition hat ein positives Delta in Höhe der Aktienanzahl. Der gekaufte Put verringert dieses Delta und damit das Verlustrisiko bei fallenden Kursen. Gleichzeitig hat die Gesamtposition ein negatives Theta, weil der Put mit der Zeit an Wert verliert.
Welchen Ausübungspreis wählt man für einen Protective Put?
Je höher der Ausübungspreis des Puts, desto umfassender ist der Schutz, desto höher ist aber auch die Prämie; die Wahl hängt von Markterwartung und Risikobereitschaft ab.
Die Abwägung ähnelt einer Versicherung: Brauchen Sie Vollschutz, oder reicht eine Grundabsicherung mit Selbstbeteiligung? Praxisbeispiel ABC-Aktie: Die Aktie notiert bei 13,50 Euro, die Put-Optionen laufen drei Monate:
| Ausübungspreis | Optionsprämie | Bezahlte Prämie 10 Puts | Maximaler Verlust je Aktie Aktie 13,50 € |
|---|---|---|---|
| 11,50 € | 0,31 € | 310 € | 2,31 € |
| 12 € | 0,43 € | 430 € | 1,93 € |
| 12,50 € | 0,55 € | 550 € | 1,55 € |
| 13 € | 0,72 € | 720 € | 1,22 € |
| 13,50 € | 0,94 € | 940 € | 0,94 € |
Der Put am Geld (13,50 Euro) sichert den aktuellen Kurs ab, abzüglich der Prämie, kostet aber 0,94 Euro. Auf ein Jahr hochgerechnet wären das rund 27,9 Prozent des Aktienkurses, sofern für jede Dreimonatsperiode dieselbe Prämie anfällt. Der Put mit Ausübungspreis 12 Euro kostet mit 0,43 Euro rund 54 Prozent weniger, dafür bleibt ein Restrisiko von 1,93 Euro je Aktie. Eine während der Laufzeit gezahlte Dividende kann einen Teil der Kosten ausgleichen.
Welche Laufzeit ist für einen Protective Put sinnvoll?
Längere Laufzeiten kosten mehr Prämie, verlieren aber pro Tag weniger Zeitwert; die Laufzeit sollte zum gewünschten Absicherungszeitraum passen.
| Laufzeit | Optionsprämie | Bezahlte Prämie 10 Puts | Theta 10 Puts, pro Tag |
|---|---|---|---|
| 1 Monat | 0,10 € | 100 € | −6 € |
| 2 Monate | 0,25 € | 250 € | −5 € |
| 3 Monate | 0,43 € | 430 € | −4 € |
| 4 Monate | 0,55 € | 550 € | −3 € |
Kurzfristige Puts sind absolut günstiger, verlieren im Verhältnis aber schneller an Zeitwert. Die längste Laufzeit ist dennoch nicht automatisch die beste Wahl: Steigt die ABC-Aktie etwa auf 16 Euro, sichert ein Put mit Ausübungspreis 12 Euro zwar weiter 12 Euro ab, die zwischenzeitlichen Kursgewinne aber nicht. Eine regelmäßige Überprüfung der Absicherung ist daher sinnvoll.
Was tun, wenn der Put im Geld liegt?
- Put verkaufen: Sie verkaufen den Put kurz vor dem Verfall und behalten die Aktien. Das passt, wenn Sie eine Erholung erwarten. Gegebenenfalls ersetzen Sie ihn durch einen neuen Put mit angepasstem Ausübungspreis und Laufzeit.
- Put ausüben: Sie verkaufen die Aktien zum Ausübungspreis. Das passt, wenn der Kurs stark gefallen ist und Sie die Position schließen möchten.
Häufige Fragen zum Protective Put
Was kostet ein Protective Put?
Die Kosten entsprechen der Prämie der Put-Option. Sie hängt vor allem vom Abstand des Ausübungspreises zum Aktienkurs, der Laufzeit und der impliziten Volatilität ab. Puts nahe am Geld und mit langer Laufzeit sind teurer.
Was ist der Unterschied zwischen Protective Put und Stop-Loss?
Ein Stop-Loss verkauft die Aktie bei Erreichen eines Kurses, bei Kurslücken kann der Verkaufspreis aber deutlich darunter liegen. Der Protective Put sichert einen festen Verkaufspreis bis zum Verfall und lässt Sie nach einer Erholung weiter investiert, kostet dafür aber eine Prämie.
Was ist ein Married Put?
Als Married Put bezeichnet man meist den gleichzeitigen Kauf von Aktien und Put-Option. Das Ergebnisprofil entspricht dem eines Protective Puts.
Kann man ein ganzes Depot mit Puts absichern?
Ja, zum Beispiel mit Put-Optionen auf einen Index. Wie gut die Absicherung wirkt, hängt davon ab, wie genau das Depot dem Index entspricht.
Weiterlesen
Risikohinweis: Optionen sind komplexe und riskante Anlageprodukte, die nicht für alle Anleger geeignet sind. Ihr Verlust kann Ihre Einlage übersteigen. Die Beispiele dienen der Veranschaulichung, berücksichtigen keine Transaktionskosten und stellen keine Anlageberatung dar.


