6 Tipps und Tricks im Optionen-Handel

Wenn Sie Bücher über Optionen lesen oder das Internet durchstöbern, finden Sie zahlreiche Tipps und Tricks, um Ihren Handel zu verbessern. Je länger Sie im Optionen-Geschäft tätig sind, desto höher die Chancen, dass Sie immer wieder auf die dieselben Ratschläge stoßen, die Sie bereits schon längst kennen. So entsteht auch meistens das Gefühl, alles über Optionen zu wissen. Es gäbe nichts mehr zu lernen und zu entdecken.

Ich bin seit mehr als 10 Jahren im Handel von Optionen unterwegs und lerne immer noch ab und zu etwas Neues. Ich finde manchmal Artikel über Optionen, die tatsächlich neue Ansätze beinhalten. Aber vor allem entdecke ich für mich neue Tricks, indem ich selbst aktiv, fast jeden Tag, Optionen handle.

Einige von diesen Tipps und Tricks möchte ich mit Ihnen teilen, da ich der Meinung bin, dass Sie diese in keinem Lehrbuch finden werden.

Tipp Nr. 1: Machen Sie Ihren Aktienbestand „optionierbar“

Die Covered-Call-Strategie (gedeckte Calls) ist sehr bekannt. Auf je 100 Aktien, die Sie im Depot halten, können Sie eine Call Option schreiben (leerverkaufen), um zusätzliche Einnahmen durch die Option-Prämie zu generieren.

Steigt die Aktie bis zum Ende der Laufzeit der Option über den Basispreis des Calls, werden alle Ihren Aktien zu diesem Basispreis verkauft. Sie erzielen einen Gewinn durch den Anstieg des Aktienkurses und durch die Prämie der Call Option.

Fällt die Aktie, bewegt sie sich seitwärts oder steigt sie nicht über den Basispreis der Call Option, verfällt die Call Option wertlos. Die Prämie bleibt Ihnen erhalten und Ihre Aktien bleiben im Depot. Das Spiel geht dann von vorne los: Sie können eine neue Call Option mit neuer Laufzeit leerverkaufen. Wiederholen Sie dieses Verfahren jeden Monat, lassen sich gute Geldbeträge verdienen, die in der Regel die Dividenden-Ausschüttungen der Aktie deutlich übertreffen.

Da für die meisten Aktien diese Strategie nur dann funktionieren kann, wenn Sie 100, 200, 300 usw. Aktien im Depot haben, müssen Sie dafür sorgen, dass diese runde Zahl erreicht wird.

Mein Tipp: Durchstöbern Sie Ihren Aktien-Bestand. Wenn Sie Aktien finden, von denen Sie beispielsweise 80 oder 90 Stück halten, prüfen Sie, ob es Optionen für diese Aktien gibt und ob Sie sich die restlichen 20 oder 10 Aktien leisten können, um auf 100 Stück zu kommen. Kaufen Sie sie und Sie eröffnen sich selbst die Türen der Covered-Call Strategie.

Beispiel: Angenommen Sie halten 80 Coca-Cola Aktien im Depot. Bei einem Kurs von ca. 52$, ist Ihr Bestand 4.160$ wert. Coca-Cola bietet liquide Optionen und wäre für eine Covered-Call Strategie perfekt geeignet. 100 Aktien wären 5.200$ wert. Können Sie die 1.040$ investieren, um Ihren Aktienbestand um 20 Stück aufzustocken? Wenn ja, ist es eine Überlegung wert, es zu tun und daraufhin regelmäßig eine Call Option nach der anderen auf den Aktienbestand zu schreiben.

Tipp Nr. 2: Kaufen Sie und verkaufen Sie überhaupt keine Aktien mehr, sondern lassen Sie sie sich liefern oder ausbuchen

Auch dieser Tipp funktioniert nur für Aktienbestände in 100er „Stückelungen“. Angenommen Sie wollen die Kraft Heinz Aktie ins Depot aufnehmen und möchten 100 Stück zum Kurs von 31$ erwerben. Ihre Investition beträgt dann 3.100$ (ca. 2.764€), wenn Sie die Aktie direkt kaufen. Das ist eine Möglichkeit, die Aktie zu erwerben, aber nicht die beste.

Mein Tipp: Verkaufen Sie lieber eine Put Option leer, zum Beispiel mit einem Basispreis von 31$ und einer Laufzeit von einem Monat. Dafür würden Sie eine Prämie von ca. 100$ vereinnahmen. Nur wenn die Aktie in einem Monat höher als 32$ notiert, wäre der direkte Kauf der Aktie attraktiver gewesen.

Notiert die Aktie am Ende der Laufzeit der Option unter 31$, zum Beispiel bei 30,99$, wird die Put Option ausgeübt und es werden Ihnen 100 Aktien von Kraft Heinz zu einem Kurs von 31$ in Ihr Depot eingebucht bzw. geliefert. Da Sie aber bereits 100$ Prämie vereinnahmt haben, ist es so, als hätten Sie die Aktie zu nur 30$ erworben. Im Vergleich zu dem direkten Aktien-Käufer haben Sie die Aktie zum einem Kurs gekauft, der um 1€ billiger ist.

Notiert die Aktie zum Beispiel bei 29$, weil irgendwelche schlechte Nachrichten den Kurs nach unten gedrückt haben, sind Sie als geschickter Optionshändler ebenfalls besser dran. Während der Anleger, der direkt die 100 Aktien zu 31$ gekauft hat, auf 200$ Verlust sitzt, hat der Optionshändler immerhin seine Prämie von 100$ behalten und blickt auf einen Verlust von nur 100$. Das ist ein großer Unterschied in der Bilanz! Sie haben also durch diese Methode nicht nur die Aktie billiger erworben, Sie haben auch das Risiko reduziert und sich ein Sicherheitspolster aufgebaut.

Dümpelt die Aktie Monate lang vor sich hin, zum Beispiel um die 31,50$, werden die Put Optionen mit Basispreis 31$ (oder darunter) nicht ausgeübt. Die leerverkauften Put Optionen verfallen wertlos und der Optionshändler behält seine Prämie, ohne die Aktien geliefert zu bekommen. Er kann dann eine neue Put Option leerverkaufen, mit demselben Prinzip, und Monat für Monat zusätzliche Prämien abkassieren.

Wenn Sie Ihren Aktienbestand auflösen möchten, wenden Sie einfach die Covered-Call Strategie an. Sobald die Aktie den Basispreis Ihrer leerverkauften Call Optionen überschritten hat, werden je Call Option 100 Aktien automatisch verkauft. Im Vergleich zu dem direkten Verkauf der Aktien, vereinnahmen Sie auch da eine „Abschlussprämie“ durch die verkaufte Call Option und sind besser aufgestellt als der pure Aktienverkäufer.

Tipp Nr. 3: Bauen Sie eine zeitliche strategische Streuung ein

Eine sinnvolle Diversifizierung im Depot erreicht man nicht nur, indem man unterschiedliche Wertpapiere handelt. Eine ideale Streuung des Risikos erzielt man auch durch eine strategische Diversifizierung. Eine Form der strategischen Diversifizierung besteht in der Auswahl von unterschiedlichen Laufzeiten Ihrer Optionen.

Angenommen Sie möchten drei Put Optionen auf die Siemens Aktie leerverkaufen, weil Sie der Meinung sind, dass sich diese Aktie in den kommenden Monaten behaupten wird. Beim Leerverkauf von Put Optionen wird davon ausgegangen, dass die Aktie steigt, sich seitwärts bewegt, oder zumindest nicht tiefer als der Basispreis der Put Option fallen wird (es sei denn, man wünscht sich die Lieferung der Aktien – siehe Tipp Nr. 2).

Mein Tipp: Anstatt drei Put Optionen mit derselben Laufzeit leerzuverkaufen, verkaufen Sie jeweils eine Put Option mit drei unterschiedlichen Laufzeiten.

Als Beispiel könnten Sie anstatt drei Put Optionen mit einer Laufzeit von 45 Tagen, jeweils eine Put Option mit 45 Tagen, 75 Tagen und 105 Tagen Restlaufzeit leerverkaufen.

Durch dieses Verfahren gehen Sie nicht das volle Risiko mit drei leerverkauften Put Optionen mit einem einzigen Verfallsdatum ein, sondern glätten das Risiko über die Zeit. Es ist ein ähnliches Prinzip, als wenn Sie beispielsweise nicht alle Aktien auf einen Schlag kaufen würden, sondern wie mit einem Sparbuch jeden Monat einen gewissen Betrag in diese Aktien investieren würden.

Tipp Nr. 4: Rollen Sie die Put Optionen statt sie ausüben zu lassen

Im Tipp Nr. 2 wurde erklärt, wird Sie durch den Leerverkauf von Put Optionen Aktien billiger erwerben können. Haben Sie dann die Aktien in Ihrem Depot, können Sie Call Optionen auf den Bestand schreiben und zusätzliche Prämien vereinnahmen. Wenn Sie aber die Aktien nicht unbedingt im Depot halten wollen, sondern nur die Prämien regelmäßig vereinnahmen wollen, empfiehlt sich das „Rollen“ der Put Optionen, anstatt sie ausüben zu lassen.

Der Grund ist ganz einfach: Put Optionen sind für einen bestimmten Basispreis (Strike) in der Regel teurer als Call Optionen. Sie erhalten dementsprechend mehr Prämie durch den Leerverkauf von Put Optionen als durch den Leerverkauf von Call Optionen.

Wenn Sie zum Beispiel eine Coca-Cola Aktie für 52$ im Depot halten und die Preise der Put Option mit Basispreis 52$ und der Call Option mit Basispreis 52$ miteinander vergleichen (mit derselben Laufzeit), werden Sie feststellen, dass die Put Option teurer ist. Bei einem gleichen Abstand vom heutigen Kurs werden Sie dasselbe beobachten können: Der 50er-Put wird teurer sein als der 54er-Call zum Beispiel.

Wenn Sie also merken, dass Ihre leerverkaufte Put Option im Geld ist (der Aktienkurs notiert unter dem Basispreis der Put Option) und dass eine Ausübung vor der Tür steht, können Sie folgendes machen:

  • Methode 1: Die Ausübung hinnehmen, die 100 Aktien geliefert bekommen, und daraufhin eine Call Option auf den Aktien-Bestand schreiben (Tipp Nr. 1).
  • Methode 2: Die Ausübung vermeiden, die Put Option zurückkaufen (Sie stellen dadurch die Position glatt) und eine neue Put Option mit längerer Laufzeit leerverkaufen. Diese Methode nennt man „Rollen“.

Mein Tipp: Bevorzugen Sie die Methode 2 (das Rollen). Der neue leerverkaufte Put wird Ihnen möglicherweise mehr Prämie bringen als der leerverkaufte Call aus der Methode 1!

Tipp Nr. 5: Mischen Sie Optionen auf Crash-sichere Aktien Ihrem Depot bei

Dieser Tipp ist kein Gesetz aber aus meiner Erfahrung heraus ist es so, dass sich gewisse Aktien in Zeiten schwächerer Marktphasen besser behaupten als andere. Diese Aktien sind typischerweise amerikanische Versorger: Energie-Versorger, Wasser-Versorger, Strom-Versorger.

Ein Beispiel möchte ich Ihnen anhand eines Charts zeigen. Es geht um die Aktie American Water Works Company, Inc. (ISIN: US0304201033 – Ticker: AWK – Währung: USD). Die American Water Works Company, Inc. bietet Wasser- und Abwasserdienstleistungen in den USA und Kanada an. Das Unternehmen bedient rund 1.600 Gemeinden in 16 Bundesstaaten für rund 3,4 Millionen aktive Kunden. Das Unternehmen betreut Privatkunden, gewerbliche Kunden wie Lebensmittel- und Getränkeanbieter, Bauträger und Eigentümer von Gewerbeimmobilien sowie Energieversorger, Feuerwehren, Bergbau- und Produktionsbetriebe, öffentliche Behörden mit Regierungsgebäuden und anderen Einrichtungen des öffentlichen Sektors. Das Unternehmen wurde 1886 gegründet und schüttet sogar eine kleine Dividende von 1,69% aus.

Im folgenden Chart sehen Sie den Kursverlauf über 1 Jahr von AWK, verglichen mit dem S&P500 (Ticker: SPY).

Entwicklung der AWK Aktie (schwarze Linie, linke Kursachse) über 1 Jahr, verglichen mit der Entwicklung des S&P500 Indexes (blaue Linie, rechte Kursachse):

6 Tipps und Tricks im Optionen-Handel: Vergleich der Entwicklung der Water Works Company Aktie und des S&P 500 | LYNX Online Broker

Während der S&P500 zwischen Ende September 2018 und Ende Dezember 2018 rund 25% verlor (roter Pfeil im Chart-Abschnitt „1“), konnte die AWK Aktie um rund 0,7% steigen (grüner Pfeil im Chart-Abschnitt „1“). Auch im Mai 2019 (Chart-Abschnitt 2) gewann die AWK Aktie ca. 6%, während der S&P500 um mehr als 8% nachgab.

Vergrößern

Es ist eindeutig zu erkennen, dass sich die AWK Aktie nicht nur hervorragend entwickelt, sondern sich auch in schwächeren Markphasen sehr gut behaupten kann. Die Idee, Put Optionen auf die AWK Aktie leerzuverkaufen, um damit Prämien zu vereinnahmen, wäre eine Überlegung wert.

Mein Tipp: Suchen Sie sich Aktien aus, die in schwächeren Markphasen nicht zu stark fallen oder sogar steigen, und ziehen Sie in Betracht, zum Beispiel Put Optionen auf diese Aktien als Beimischung für Ihr Depot leerzuverkaufen.

Tipp Nr. 6: Schießen Sie erst Geld in Ihr Depot nach, wenn Sie mit Ihren Anlagen ein neues Hoch erreicht haben

Dieser Tipp gilt sowohl für den Optionen-Handel als auch für alle anderen möglichen Anlage-Formen. Es geht um die Disziplin, mit der Sie Ihr Depot handhaben sollten.

Als ich damals mit einem Optionen-Depot angefangen hatte, hatte ich 10.000€ auf das Depot überwiesen. Das war die Summe, die ich bereit war, gegebenenfalls zu verlieren. Ich kann mich daran erinnern, dass das Depot im Laufe der Zeit auf ca. 8.500€ fiel. Dabei hatte ich Ideen, um Optionen zu handeln, wofür ich die vollen 10.000€ gebraucht hätte. Die Versuchung war groß, die fehlenden 1.500€  nachzuschießen und auf das Depot zu überweisen. Das wäre ein Fehler gewesen. Ich entschied mich, das Anfangskapital erst dann mit zusätzlichen Überweisungen zu erhöhen, wenn ich mein Depot auf neue Höchststände gebracht habe, beispielsweise auf 10.500€.

Wenn Sie sich für ein Anfangskapital für Ihren Handel entschieden haben, bleiben Sie zunächst dabei. Wenn Sie es beispielsweise mit einem Anfangskapital von 10.000€ nicht geschafft haben, das Depot wachsen zu lassen, warum sollten Sie es im zweiten Anlauf, oder sogar mit mehr Kapital besser hinbekommen? An dieser Stelle empfehle ich eine eiserne Disziplin.

Dieses Verfahren zwingt Sie, mit Ihren Trade-Entscheidungen vorsichtig zu bleiben. Wenn Sie bei jedem Trade wissen, dass Sie eventuell Geld nachschießen können, um den Verlust zu kompensieren, gehen Sie das Risiko ein, fahrlässig zu handeln. Wenn Sie aber davon ausgehen, dass der Verlust nur durch zukünftige Gewinn-Trades ausgeglichen wird, und nicht durch Überweisungen aus einem anderen Konto, werden Sie es sich zwei Mal überlegen, bevor Sie einen Trade eingehen.

Fazit unserer Tipps für den Handel mit Optionen

Mit diesen 6 Tipps haben Sie gelernt, wie Sie Ihre Aktienpositionen mit Zusatzeinnahmen aufbauen oder abbauen können (Tipps 1 und 2). Mit taktischen Tricks wie die zeitliche Staffelung Ihrer Optionen und das Rollen einer Put Option werden Sie das Risiko in Ihrem Depot reduzieren und Ihre Einnahmen weiter maximieren (Tipps 3 und 4). Mit der Beimischung von Aktienoptionen auf Versorger und dem strikten Geldmanagement Ihres Depots werden Sie auch schwache Marktphasen überstehen können und Ihr Depot unter Kontrolle halten (Tipps 5 und 6).

Eric Ludwig

Eric Ludwig

Der gebürtige Straßburger Eric Ludwig, Jahrgang 1978, begann nach seinem Ingenieur-Studium eine Karriere in der Luftfahrtindustrie, die ihn zu Management-Positionen führte. Bereits vor 15 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für die Mechanismen der Börse. Er entwickelte eigene Strategien in den Bereichen Rohstoff-Handel, Portfolio-Optimierung und schließlich Optionen. Der Optionen-Handel wurde zu seinem Steckenpferd und erlaubte ihm, eine 2. Karriere als Chefredakteur, Chefanalyst und Referent einzuschlagen. Eric Ludwig handelt heute seine eigenen Strategien immer noch aktiv und erfolgreich an den Märkten.

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