Westwing Group: Das kam eigentlich nicht überraschend!

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Westwing Group AG
ISIN: DE000A2N4H07
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Zur Westwing Group AG Aktie

Dass die Westwing Group die gestiegenen Rohstoff- und Transportkosten spüren und zugleich das Umsatzwachstum nicht allzu groß ausfallen würde, hätte nicht überraschen dürfen. Trotzdem fiel die Aktie nach der Quartalsbilanz um -12,3 Prozent. Und jetzt? Einsteigen?

Bis Anfang Mai 2020 bewegte sich die Aktie des Online-Händlers für alles rund ums Wohnen noch zwischen drei und fünf Euro und führte an der Börse das Dasein eines Mauerblümchens. Dann entdeckten die Anleger die Aktie, denn man wurde sich bewusst, dass die Lockdown-Phasen dazu führten, dass immens viele Menschen die Zeit Zuhause nutzten, um zu renovieren und sich neu einzurichten. Das sorgte bei der Westwing Group im Jahr 2020 für ein Umsatzplus von 62 Prozent und für einen Gewinn von 1,90 Euro pro Aktie, nachdem die Jahre zuvor mit einem Minus abgeschlossen wurden. Grundsätzlich war die Hausse der Aktie also berechtigt. Doch eines war eigentlich auch klar:

Wer sich 2020 neu eingerichtet hat, tut das 2021 oder 2022 eher nicht gleich nochmal. Und so begann folgerichtig im Juni, als der normale Einzelhandel wieder ohne Einschränkungen öffnen konnte, eine Korrektur. Die Frage war: Wo könnte ein fairer Level für die Aktie sein? Was würde von diesem 2020er-Boom übrig bleiben? Die gestern vorgelegten Ergebnisse des dritten Quartals, also der Monate Juli bis September, brachten da erste Erkenntnisse:

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Westwing Group AG Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Der Umsatz lag nur um 4,67 Prozent über dem des Vorjahresquartals. Immerhin kam es nicht zu einem Rückgang. Doch den gab es beim Gewinn, denn der war im dritten Quartal dahin. Nach einem Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 10,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal stand da jetzt ein Verlust von 0,4 Millionen zu Buche. Netto lag der Verlust bei 8,8 Millionen nach einem Gewinn von 2,4 Millionen im dritten Quartal 2020. Die unternehmenseigene Umsatzprognose wurde von der Westwing Group bestätigt, das EBITDA sieht man jetzt aber nur noch am unteren Ende der bislang avisierten Spanne zwischen 42 und 55 Millionen Euro.

Zwar gebe es bislang keine Warenknappheit, aber die Frachtkosten seien extrem gestiegen. Dieses Problem wirkt sich auch auf die Lieferketten aus und werde mindestens bis in die erste Jahreshälfte 2022 wirken, so das Statement des Unternehmens.

Dass die Frachtkosten explodiert sind und Waren nicht mehr ohne weiteres dann zu bekommen sind, wenn sie benötigt werden, hätte man als Anleger vorher wissen können. Dass dennoch viele Akteure davon überrascht wurden und die Aktie sofort fallen ließen, obwohl sich der Kurs seit dem Rekordhoch im Vorfeld bereits halbiert hatte, führte dazu, dass die Aktie sogar aus ihrem breiten Abwärtstrendkanal nach unten herausfiel. Aus rein charttechnischer Sicht gäbe es um 20 Euro noch eine eher leichte Supportlinie aus dem Herbst 2020, aber etwas wirklich Zwingendes, das die Aktie auffangen müsste, findet sich nicht.

Aber die bislang solide Umsatzentwicklung könnte einigen zu denken geben. Was wäre an Gewinn für die Westwing Group möglich, wenn der Preisdruck auf Rohstoffe und Logistik nachlässt? Sicher nicht der Ausnahme-Gewinn des Vorjahres, aber selbst, wenn 2022 die Hälfte dieser Vorjahresgewinne erreicht würde, wäre die Aktie auf dem jetzt ausgebombten Niveau vielleicht schon interessant. Nur weiß man eben nicht, ob es so kommt. Was tun?

Solange der Kurs nicht klare, positive Signale zeigt, wäre das trotz des bereits deutlich niedrigeren Kurses ein Griff ins fallende Messer. Immerhin hatte man vor Corona noch einen Kurslevel von drei bis fünf Euro als angemessen gesehen. Daher sollte man zumindest sehen, dass die Bullen zugreifen und imstande sind, Widerstandslinien zu bezwingen, bevor man einen spekulativen Einstieg erwägt.

Würde es gelingen, mit Schlusskursen über 28,50 Euro wieder in den Abwärtstrendkanal hinein zu laufen und zugleich das März-Tief und die 20-Tage-Linie zurückzuerobern, wäre das schon mal eine Chance. Aber dieser Weg dürfte ziemlich steinig sein, jetzt einfach blind einzusteigen, wäre daher mehr als gewagt.

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Die Bilanz für 2020 war grandios, der Ausblick auf 2021 eher nicht. Dass Westwing trotzdem zulegte, ist gut, aber eindeutig war die Reaktion nicht. Das muss man beobachten – worauf kommt es jetzt an?

Die Westwing Group ist ein europaweit aktiver Online-Händler für Möbel und Wohn-Accessoires. Nach dem Börsengang im Herbst 2018 ging es mit dieser Aktie stetig abwärts, bevor im Sommer 2019 eine Bodenbildung begann, die sich indes monatelang hinzog. Erst durch die Corona-Problematik wachte die Aktie auf. Und in der Tat profitierte das Unternehmen von dieser Situation: Erstmals seit dem Börsengang gelang im Jahr 2020 ein Gewinn. Und für 2021 geht die Westwing Group davon aus, dass das auch so bleibt.

Die Sache hat aber trotzdem einen Haken: Das EBITDA, d.h. der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen, lag 2020 bei 50 Millionen Euro. Obwohl man in der 2021er-Prognose mit einem Umsatzwachstum zwischen 18 und 27 Prozent rechnet, liegt die Spanne des prognostizierten EBITDA mit 42 bis 55 Millionen Euro trotzdem nur in der Range des 2020er-Gewinns. Der Grund: Man rechnet dort derzeit nicht damit, die Marge von 11,5 Prozent, die 2020 erreicht wurde, zu halten. Hier sieht man für das laufende Jahr eine Spanne zwischen acht und zehn Prozent. Und es stellen sich noch weitere Fragen:

Expertenmeinung: Wird es gelingen, den ja eindeutig durch die Lockdown-Problematik massiv gesteigerten Umsatz auch dann weiter zu steigern, wenn die Möbelhäuser wieder normal geöffnet haben? Und ist es nicht gerade wegen der Corona-Phase zu einem Schub bei den Käufen in diesem Bereich gekommen, der zur Folge hat, dass viele sich 2020 und in diesen ersten Monaten 2021 so umfassend eingedeckt haben, dass neue Möbel oder Accessoires erst einmal nicht mehr zur Debatte stehen?

Die Aktie reagierte trotzdem positiv, wenngleich der Kurs im Handelsverlauf Gewinnmitnahmen sah, die indes zum Handelsende großenteils ausgeglichen wurden. Aber wenn man sich den Chart ansieht, wird man ein wenig vorsichtig. Sie sehen, dass sich der Kurs dieser Aktie seit dem Frühjahr 2020 in der Spitze glatt verzehnfacht hatte. Da können schon kleinere Enttäuschungen große Folgen haben. Und so kam es im Februar zu einer größeren Korrektur mit einer darauffolgenden Bodenbildung. Von dort aus hat die Aktie jetzt wieder Fahrt aufgenommen, blieb gestern aber an der im Februar gebrochenen, mittelfristigen Aufwärtstrendlinie hängen, die mittlerweile durch eine flachere Linie ersetzt wurde.

Ehemalige Trendlinien können durchaus ein Widerstand sein. Und angesichts des eher enttäuschenden Gewinnausblicks für 2021 kann man nicht sicher sein, dass die Käufer diese Linie überwinden und wenn doch, dass der Kurs dann auch noch an der aus den Rekordhochs vom Januar und Februar abzuleitenden Widerstandszone 40,70/41,45 Euro vorbeikommt. Bei dieser Chartkonstellation einzusteigen, erscheint riskant, nicht zuletzt mit Blick auf die auf Tagesbasis überkaufte Markttechnik (im Chart eingeblendet der Stochastik-Oszillator). Man sollte die Aktie in den kommenden Tagen genau beobachten. Schafft sie den Ausbruch nach oben, könnte man zumindest aus Trading-Gesichtspunkten heraus den Daumen heben. Aber sollte das gestrige Tageshoch zu einem Zwischenhoch werden, wäre eine erneute, größere Korrektur keine Überraschung.

Chart vom 30.03.2021, Kurs 37,55 Euro, Kürzel WEW | Online Broker LYNX

Die Westwing Group-Aktie ist unlängst in den SDAX aufgenommen worden. Es handelt sich hierbei um einen Online-Händler für „Home&Living“, d.h. Einrichtungsgegenstände und Accessoires unterschiedlichster Art. Als das Unternehmen im Herbst 2018 an der Börse debütierte, wurde die Aktie für die Erstzeichner zum Waterloo. Mit 26 Euro wurden die Aktien ausgegeben und erreichten kaum ein Jahr später, im September 2019, ein Verlaufstief von 1,80 Euro. Das Problem: das Wachstum blieb aus. Über die vier Geschäftsjahre 2016 bis 2019 hinweg stieg der Umsatz gerade einmal um 6,77 Prozent. Nicht im jährlichen Durchschnitt, sondern insgesamt – und die anfänglich roten Zahlen, die die Westwing Group schrieb, blieben rot.

Doch auf einmal explodierte der Kurs. Am 4. Mai schloss die Aktie bei 3,94 Euro, am Freitag lag das Tageshoch, zugleich Verlaufsrekord, beim Zehnfachen, bei 39,485 Euro. Was hat sich verändert? Ganz einfach: Der Umsatz ist 2020 deutlich gestiegen und das Unternehmen wird das Jahr mit einem Gewinn abschließen. Das zeichnete sich im Mai langsam ab, deshalb diese Hausse. Aber was wir hier sehen, ist kein solider Aufwärtstrend, sondern wilde Spekulation, die unter anderem einen Haken hat, der entscheidend ist:

Expertenmeinung: Es ist fraglich, ob die 2020er-Ergebnisse wirklich wiederholt werden können, erst recht, ob sie nachhaltig ausbaubar sind. Denn der Umsatz schoss ja nicht zufällig in die Höhe. Am Donnerstagabend nach Handelsende meldete die Westwing Group vorläufige Zahlen für das Gesamtjahr: Bruttowarenvolumen +62 Prozent, Anzahl aktiver Kunden +61 Prozent und ein Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) am oberen Ende der bisherigen Prognosespanne von 37 und 48 Millionen Euro. Natürlich ist das gut. Aber:

Noch im Frühjahr 2020 dümpelte die Aktie um vier Euro herum. Jetzt kostet sie das Zehnfache, während der Umsatz „nur“ 62 Prozent zugelegt hat. Das wäre schon relativ ambitioniert, wenn man unterstellen könnte, dass der Umsatz auch in den nächsten Jahren in diesem Tempo wachsen wird und der Gewinn ebenfalls. Aber 2020 war das Jahr des Lockdowns. Und es ist jedem bekannt, dass das zu einem Boom bei Baumärkten und Einrichtungshäusern geführt hat. Man musste zuhause bleiben und machte sich an Renovierung und Verschönerung des Heims. Aber das war eine Sondersituation. Ob die Westwing Group also dieses 2020er-Ergebnis verstetigen kann, ist zumindest fraglich.

Dass einige Trader das auch so sehen, zeigt die Reaktion am 9. November, als man aufgrund der ersten Meldungen über einsatzbereite Impfstoffe alles auf den Markt warf, was nach „Corona-Profiteur“ aussah. Die Aktie sackte vom Tageshoch bei 32,90 Euro auf ein Tagestief von 24,10 Euro … und fiel am 10. November weiter, obwohl da das Ergebnis des dritten Quartals gemeldet wurde. Und auch am Freitag führten die vorläufigen 2020er-Zahlen zwar zuerst zu diesem neuen Verlaufsrekord von 39,485 Euro, aber dann ging es hinunter auf einen Schlusskurs von 34,275 Euro, ein Minus von 7,61 Prozent zum Vortag. Warum? Weil einige Marktteilnehmer wissen, wie heiß diese Rallye ist und die Gelegenheit nutzten, in ein wenig mehr Nachfrage als Reaktion auf die Zahlen hinein Gewinne mitzunehmen. Dass der Kurs dabei so weit durchsackte, unterstreicht auch: die Aktie ist markteng. Wollte man also mit größeren Positionen aussteigen, kann es sein, dass man nur deutlich tiefere Preise bekommt als das, was man sich erhofft hat. Vorsicht also, diese Rallye ist ein sehr heißes Eisen.

Westwing Group Aktie: Chart vom 15.01.2021, Kurs 34,275 Euro, Kürzel WEW | Online Broker LYNX