Peter Thiel hat frühzeitig in einige der erfolgreichsten Technologieunternehmen der Welt investiert. Auf diese Aktien setzt er jetzt.
Wer wissen will, welche Aktien die großen US-Investoren kaufen und verkaufen, sollte einen Blick auf die sogenannten 13F-Filings werfen. Dabei handelt es sich um Pflichtmeldungen, die große institutionelle Vermögensverwalter mit über 100 Mio. USD in den USA regelmäßig bei der Börsenaufsicht SEC einreichen müssen.
Die Filings zeigen, welche börsennotierten US-Aktien ein Investor zum Quartalsende gehalten hat und wie sich die Positionen gegenüber dem vorherigen Quartal verändert haben. Dadurch lässt sich beispielsweise erkennen, ob eine Position deutlich aufgestockt, reduziert oder vollständig verkauft wurde.
Für Anleger können 13F-Filings deshalb eine wertvolle Informationsquelle sein. Sie ermöglichen einen Blick darauf, wie professionelle Investoren ihr Kapital tatsächlich einsetzen. Gerade bei weniger bekannten Fondsmanagern können die Portfolios interessante Anlageideen liefern, die anschließend genauer analysiert werden können.
Besonders interessant wird es aus meiner Sicht, wenn besonders erfolgreiche Investoren große Positionen eingehen oder eine ganze Reihe von Investoren gleichzeitig bei einer Aktie einsteigen.
Peter Thiels nächste große Wette
Ein interessanter Vertreter dieser Gattung ist Peter Thiel, der zuletzt mit äußerst konzentrierten Wetten aufgefallen ist.
Peter Thiel gehört zu den bekanntesten Technologieinvestoren der Welt. Seine Karriere ist geprägt von frühen Wetten auf Unternehmen, die später zu Technologiegiganten wurden. Er gründete PayPal mit, war der erste externe Investor von Facebook und ist Mitgründer sowie Vorsitzender von Palantir.
Zum Ende des zweiten Quartals hatte Peter Thiel 253 Millionen US-Dollar in nur drei Aktien investiert, knapp 60 % seines Portfolios. Darunter Amazon, Vista Energy und Vistra Corp., gefolgt von einer ganzen Reihe von Energieunternehmen wie American Electric Power, DTE Energy und First Energy.
Die Positionierung spricht dafür, dass Thiel einen anhaltenden KI-Boom erwartet, auch in Bezug auf die notwendige Infrastruktur.
Daher schauen wir uns heute Vistra genauer an.
Vistra: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Der Investment-Case für Vistra könnte kaum simpler sein: Das Unternehmen ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Texas entwickelt sich zu einem der wichtigsten Standorte für Rechenzentren und energieintensive Industrie in den USA.
Vistra besitzt genau das, was in diesem Umfeld benötigt wird: große Kraftwerkskapazitäten, günstigen Zugang zu Erdgas und mehrere Kernkraftwerke.
Vistra produziert Strom und verkauft ihn sowohl auf den Großhandelsmärkten als auch direkt an Endkunden. Das Unternehmen verfügt über 28 Gas-Kombikraftwerke mit insgesamt rund 22,2 Gigawatt Leistung sowie zwölf weitere Gaskraftwerke mit rund 4,8 Gigawatt. Hinzu kommen sieben Kohle- und Braunkohlekraftwerke sowie sechs Kernreaktoren an vier Standorten.
Den Kern des Geschäfts bilden die Combined-Cycle-Gaskraftwerke. Sie kombinieren eine Gasturbine mit einer Dampfturbine. Die bei der Verbrennung entstehende Abwärme wird nicht einfach verpufft, sondern zur Erzeugung zusätzlichen Stroms genutzt. Das macht diese Kraftwerke vergleichsweise effizient und erlaubt Vistra, flexibel auf die Nachfrage im Stromnetz zu reagieren.
Stromnachfrage könnte sich vervielfachen
Genau diese Flexibilität ist in Texas besonders wertvoll. Der Strommarkt wird dort nicht wie in Deutschland über klassische regulierte Versorgerstrukturen organisiert. Im ERCOT-Markt wird der Strompreis grundsätzlich durch Angebot und Nachfrage bestimmt (ERCOT steht für Electric Reliability Council of Texas, den texanischen Netzbetreiber).
Texas erlebt derzeit einen außergewöhnlichen Ausbau der Stromnachfrage. Rechenzentren, industrielle Großverbraucher, Öl- und Gasunternehmen sowie die wachsende Bevölkerung benötigen immer mehr Elektrizität. Die Entwicklung ist inzwischen so dynamisch, dass ERCOT seine langfristigen Prognosen deutlich nach oben angepasst hat.
Laut ERCOT könnte die Stromnachfrage in Texas von einer heutigen Spitzenlast von 85,5 Gigawatt bis 2032 auf bis zu 368 Gigawatt steigen.
Für Vistra ist das ein attraktives Umfeld, denn neue Kraftwerke können nicht von heute auf morgen gebaut werden. Steigt die Nachfrage schneller als das Angebot, dürften die Preise steigen. Vistra muss dafür nicht zwangsläufig neue Kunden gewinnen.
Das zeigt sich bereits an den langfristigen Verträgen, die Vistra abschließen konnte. Mit Amazon Web Services wurden langfristige Vereinbarungen über rund 3.800 Megawatt Kernkraftleistung geschlossen. Zudem hat Vistra mit Meta weitere Vereinbarungen über Kernenergie und Kapazität abgeschlossen.
Ausblick und Bewertung
Das hat in den letzten Jahren bereits zu stark steigenden Gewinnen geführt. Diese Erfolgsserie wurde 2025 jedoch unterbrochen, was die Zurückhaltung an der Börse erklärt.
Das schwache Ergebnis war jedoch nicht auf operative Probleme zurückzuführen, sondern eher auf das Gegenteil. Der ausgewiesene Nettogewinn wurde vor allem durch einen großen, nicht zahlungswirksamen Bewertungseffekt bei den Hedging-Geschäften belastet.
Vistra verkauft einen großen Teil seines künftig produzierten Stroms bereits heute über Termin- und Hedging-Geschäfte. Damit sichert das Unternehmen seine zukünftigen Verkaufspreise ab. Steigen anschließend die erwarteten Strompreise, verlieren diese bestehenden Absicherungen bilanziell an Wert.
Das bedeutet im Klartext: Der Strompreis ist stärker gestiegen als erwartet und daher hat Vistra Hedges mit einem Wert von mehr als 800 Mio. USD abgeschrieben. Diese einmalige Belastung fällt im laufenden Geschäftsjahr weg, wodurch sich der Gewinn auf über 9 USD je Aktie vervielfachen könnte.
Vistra stellt für das laufende Geschäftsjahr einen freien Cashflow von 3,93 – 4,73 Mrd. USD in Aussicht, was einem FCF von 11,70 – 14,08 USD je Aktie entsprechen würde.
Vistra kommt demnach auf einen forward P/FCF zwischen 10,4 und 12,5.

Vistra ist zum mehrjährigen Aufwärtstrend zurückgekehrt. Sollte die Trendlinie wieder halten, könnte das eine Erholung in Richtung 166 USD einleiten.
Kann das dortige Widerstandsband durchbrochen werden, hellt sich das Chartbild auf.
Wird der Aufwärtstrend jedoch durchbrochen, muss mit weiteren Verlusten bis in den Bereich 130 – 135 USD gerechnet werden.
