Lang & Schwarz mit Schocknachricht. Reißleine ziehen, aussitzen oder sogar kaufen?

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Lang und Schwarz
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Zur Lang und Schwarz Aktie

Die Steuerfahndung ermittelt, die Hauptversammlung wurde abgesagt. Insgesamt stehen bis zu 61 Mio. Euro auf dem Spiel. Für Lang & Schwarz ist das keine Kleinigkeit.
Mehrere Geschäftsjahre müssen durchleuchtet werden. Wie sollte man sich jetzt verhalten? Ist der Abverkauf übertrieben oder erst der Anfang?

Vorab: Die Lage bei Lang & Schwarz ist unübersichtlich und die Einschätzung kann sich minütlich ändern und hinfällig sein.

Was wir bisher wissen

Lang & Schwarz hat gestern per Ad-Hoc-Mitteilung bekanntgegeben, dass die für den 26. August angesetzte ordentliche Hauptversammlung abgesagt wird.

Grund für die Absage ist ein Zwischenbericht im Zuge einer Steuerprüfung.

Gegenstand der steuerlichen Prüfung ist eine Untersuchung der Geschäfte der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft der Geschäftsjahre 2007 bis 2011.

Dadurch könnte wiederum die Beschlussfassung über die Verwendung des Bilanzgewinnes für das Geschäftsjahr 2020, über die vorgeschlagene Satzungsänderung betreffend einem Aktiensplit und über die Entlastung des Vorstandes sowie des Aufsichtsrats erheblich beeinträchtigt sein.

Auslöser der kurzfristigen Verschiebung der Hauptversammlung ist ein am Abend des 23. August 2021 eingegangener Zwischenbericht des Finanzamts für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung Düsseldorf betreffend die steuerliche Prüfung der Kapitalertragsteueranrechnung der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft.

Als Reaktion darauf musste Lang & Schwarz eine Rückstellung von 45 Mio. Euro bilden.
Insgesamt könnte es in den betroffenen Jahren zu einer Ergebnisbelastung von bis zu Euro 61 Mio. Euro kommen.

Klartext: Ist das bedrohlich?

Im Klartext bedeutet das, dass die Steuerfahndung bei Lang & Schwarz angeklopft hat.

Mit Blick auf die Formulierung „unrechtmäßiger Anrechnung bzw. Erstattung nicht gezahlter Kapitalertragsteuern und Solidaritätszuschläge bei Aktiengeschäften um den Dividendenstichtag“ liegt die Vermutung nahe, dass es sich um sogenannte Cumex-Geschäfte gehandelt hat.

Das sind Aktiendeals, bei denen der Staat betrogen wurde, indem man sich mehrmals eine gezahlte Steuer erstatten ließ.

Im Kern geht es aber wohl um „verantwortliche Personen der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft“ und wohl nur in begrenztem Maß um das Unternehmen selbst.

Der Vorstand sah sich dennoch genötigt, Rückstellungen von 45 Mio. Euro zu bilden. Womöglich für Steuernachzahlungen und etwaige Strafen.

Es kommt auf die Relationen an

Für Lang & Schwarz wäre es ein herber Rückschlag, wenn die Angelegenheit 45 oder gar 61 Mio. Euro kosten würde.

Immerhin entspricht das dem Konzernüberschuss der letzten sechs Quartale – und das waren die besten der Unternehmensgeschichte. All das wäre dahin.

Auf der anderen Seite kann man wohl froh sein, dass die Steuerfahndung erst heute vor der Türe steht. Vor einigen Jahren wäre die Sache bedrohlich gewesen, heute kann man diesen herben Schlag wegstecken.

Dass das eine Panik ausgelöst hat, ist aber vollkommen verständlich. Aus meiner Sicht ist es die heutige Erleichterungs-Rallye ebenfalls.

Denn zum aktuellen Stand hat Lang & Schwarz durch die gestrige Meldung fast 120 Mio. Euro an Börsenwert verloren.
Dementsprechend wäre den Problemen ausreichend Rechnung getragen – vorausgesetzt es kommt nicht noch zu weiteren Hiobsbotschaften.

Chart vom 25.08.2021 Kurs: 88,80 Kürzel: LUS - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 25.08.2021 Kurs: 88,80 Kürzel: LUS – Tageskerzen

Es wäre also durchaus möglich, dass der Spuk schon wieder ein Ende hat. Die Bodenbildung könnte sich aber noch über einige Zeit hinziehen.

Aus technischer Sicht ist der Chart nach diesem Abverkauf natürlich angeschlagen. Unter 90 Euro droht jederzeit ein Rückfall in Richtung 83 Euro.
Darunter könnte die Unterstützung bei 77 oder die Aufwärtstrendlinie nahe 74 Euro angesteuert werden.

Gelingt hingegen ein Anstieg über 90 Euro, könnte das eine Erholung in Richtung 100 oder womöglich sogar 110 Euro einleiten.

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Lang & Schwarz (LUS) ist sowohl ein Emittent von Derivaten als auch Market Maker. Am bekanntesten ist das Unternehmen aber sicherlich für den gleichnamigen Handelsplatz.
Dort sind Transaktionen wochentags zwischen 7:30 Uhr und 23:00 Uhr möglich, teilweise sogar am Wochenende und somit auch weit außerhalb der regulären Börsenzeiten.

Vom Mauerblümchen zum Star

Lang und Schwarz gehörte über weite Strecken zu den Mauerblümchen der Börse. Das Kerngeschäft mit Derivaten ist zwar profitabel, verzeichnete aber geringe Margen und kaum Wachstum.

Beim außerbörslichen Handel sah es nicht viel besser aus. Unter dem Strich stagnierten Umsatz und Gewinn des Unternehmens weitgehend und dementsprechend verhielt es sich auch mit der Aktie.

Vor der Rallye der letzten Monate pendelte Lang & Schwarz mehr als ein Jahrzehnt seitwärts.

Das ändert alles

Das Aufkommen der sogenannten Neobroker scheint das nachhaltig zu ändern. Umsatz und Gewinn von LUS sprudeln, die Aktie ist durch die Decke gegangen.

Das ist recht einfach zu erklären. Teilweise kann man bei den jungen Brokern ausschließlich oder überwiegend außerbörslich handeln, zum Beispiel über Lang & Schwarz.

Darüber hinaus bedienen sich viele Börsenneulinge unmittelbar Derivaten, obwohl das bestenfalls nur erfahrene Anleger sollten.

Über (einige) Neobroker an sich möchte ich mich gar nicht äußern. Professionelles Handeln ist aus meiner Sicht aber nicht möglich, wenn viele Basiswerte und Handelsplätze gar nicht zur Verfügung stehen.

Für LUS ist das alles ein Segen und es ist auch eher wahrscheinlich, dass die Sache kein Strohfeuer ist.

Verzehnfacht

Wer meine Analysen schon einige Zeit verfolgt, der weiß, dass ich ungern auf Trends aufspringe, die bereits sehr lange laufen.
Für Trader ist das zwar eine gute Strategie, für Investoren eher nicht.

In den meisten Fällen läuft der Kurs der realen Entwicklung schnell voraus und dementsprechend ist das Chance-Risiko-Verhältnis nach einem starken Anstieg meist deutlich schlechter als zuvor.

Im Fall von LUS hat sich der Kurs ungefähr verzehnfacht. Für Investoren hat sich die Sache nach solchen Kursgewinnen in der Regel erledigt.
Bei Lang & Schwarz kommen allerdings zwei Faktoren zusammen: Das Ergebnis ist in noch höherem Ausmaß gestiegen und die starke Geschäftsentwicklung dürfte sich fortsetzen.

Ausblick und Bewertung

Das abgeschlossene Geschäftsjahr war das erfolgreichste der Firmengeschichte. Die Erträge haben sich mehr als verdoppelt.
Das Ergebnis schoss von 0,23 auf 12,00 Euro je Aktie in die Höhe.

Mehr als ein Drittel des Gewinns wurde im vierten Quartal erzielt und im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hat sich die starke Entwicklung fortgesetzt.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ist auf Jahressicht von 8,7 auf 40,9 Mio. Euro gestiegen.

In nur drei Monaten hat man einen Gewinn von 9,00 Euro je Aktie erzielt. Mehr als doppelt so viel, wie im bisher besten Quartal der Unternehmensgeschichte, dem Vorquartal.

Man muss schon sagen, dass das wirklich beeindruckend ist. Lang & Schwarz könnte zu den sehr seltenen Fällen gehören, in denen sich das Geschäft grundlegend zum besseren wandelt und aus einem „ewigen“ Underperformer ein echter Sieger wird.

Nach dem starken ersten Quartal scheinen die bisherigen Konsensschätzungen von mehr als 20 Euro Gewinn je Aktie erreichbar.
In diesem Szenario wären Kurse von 200 Euro nicht unrealistisch.

Chart vom 17.06.2021 Kurs: 121,80 Kürzel: LUS - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 17.06.2021 Kurs: 121,80 Kürzel: LUS – Tageskerzen

Aus technischer Sicht ist das aktuelle Niveau interessant. In den letzten Wochen wurde die Aktie mehrfach in der Supportzone zwischen 110 und 120 Euro akkumuliert.

Solange die Aktie nicht unter 110 Euro fällt, sieht es für die Bullen gut aus. Ein erneuter Anstieg in Richtung 130 oder 140 Euro wäre jederzeit möglich.

Kann der kurzfristige Abwärtstrend überwunden werden, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal, ebenso über 150 Euro.

Fällt Lang & Schwarz hingegen unter 110 Euro, trübt sich das Chartbild ein.