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Aktienanalyse:
Qudian: Vervielfachung oder Game over?

Aktuelle Analyse der Qudian Aktie

Qudian ist einer der führenden Anbieter von Mikrokrediten in China.

Das müssen Sie wissen

Bevor wir zur aktuellen Situation kommen, würde ich Ihnen dringend empfehlen, die eingehende Analyse zu Qudian zu lesen. Vor allem die Abschnitte „Äpfel und Birnen“ sowie „Vollkommener Wandel.

Was ist seitdem geschehen?

Einige Tage nach der Analyse, am 25. November 2019, hat der Vorstand wie angekündigt einen weiteren Conference Call durchgeführt. Hier finden Sie die Mitschrift.
Das Fazit war aus meiner Sicht positiv und hat mich in meiner Haltung bestärkt.

Der Markt hat den Call ebenfalls gut aufgenommen. Nach der letzten Analyse legte die Aktie, die ich direkt am Tief besprochen hatte, von 4,10 auf 5,20 USD zu. Es wären also ein Plus von mehr als 25% möglich gewesen.
Eine Möglichkeit zu Gewinnmitnahmen hatte ich auf Guidants kommuniziert (siehe Kommentare).

Bekenntnis

Im Dezember konnte man gute Nachrichten bieten. Guosheng Investment sei optimistisch und von der langfristigen Perspektive des Unternehmens überzeugt, daher wolle man für mindestens ein Jahr keine Aktien verkaufen. Der Großaktionär hält rund 5% der Anteile.
Offensichtlich wollte man ein Signal senden, geholfen hat es leider nicht.

Nicht nur ein Tiefschlag

Im vierten Quartal wurde das regulatorische Umfeld weiter gestrafft, einschließlich Datenschutz und der Behandlung säumiger Kreditnehmer.
Diese Maßnahmen der Regierung haben zu einer steigenden Quote an Zahlungsverzügen geführt und die Finanzierung von Krediten erschwert.

Qudian sah sich daher dazu gezwungen, deutlich striktere Voraussetzungen für die Vergabe von Krediten umzusetzen. Dass das dem Geschäft nicht gerade zuträglich ist, sollte klar sein.

Daher musste Qudian den Ausblick für 2019 kappen, eine neue Prognose wurde nicht vorgelegt.
Das hat bei Anlegern natürlich zu extremer Verunsicherung geführt, die Aktie stürzte ab.
Zusätzlich belastet das Cronovirus derzeit alle chinesischen Aktien. Inwieweit das das reale Geschäft von QD beeinflussen wird, ist derzeit aber unabsehbar. Bisher dürften die Auswirkungen minimal sein.

Dennoch ist guter Rat jetzt teuer. Glücklicherweise gibt es auch Lichtblicke. Qudian hat Aktienrückkäufe mit einem Volumen von 500 Mio. USD beschlossen. Derzeit würde das für mehr als 50% aller ausstehenden Aktien reichen.
Dass das nicht nur Lippenbekenntnisse sind, zeigt die Vergangenheit. Im vergangenen Jahr hat man zwischen August und November fast ein Zehntel der eigenen Aktien zurückgekauft.

Was der Markt nicht versteht

Die strengere Regulierung bringt natürlich Probleme mit sich, in der Vergangenheit hat sich Qudian aber als erstaunlich anpassungsfähig erwiesen.
P2P-Kredite werden in China zeitnah verboten. Die Regierung hat eine Übergangsfrist von 2 Jahren beschlossen. Das hat quasi über Nacht dazu geführt, dass rund zwei Drittel aller Konkurrenten von Qudian weggefallen sind. Nahezu 800 Firmen.

Ich bin bereits in der letzten Analyse ausführlich darauf eingegangen. Qudian ist es binnen Monaten gelungen, das gesamte Geschäftsmodell umzustellen.
Man tritt selbst nicht mehr als Kreditgeber und Vermittler zwischen Privatpersonen auf, sondern nur noch zwischen Banken und Kreditnehmern.

Für ein Unternehmen mit einem Jahresumssatz von mehr als 1,0 Mrd. USD ist das eine Herkulesaufgabe. Umso beeindruckender ist es, dass das nicht nur gelungen ist, sondern man gleichzeitig auch noch den Gewinn steigern konnte.

Während hunderte Konkurrenten schließen mussten, konnte sich Qudian also anpassen. Demnach ist es keine weit hergeholte Annahme, dass das auch zukünftig gelingen wird. Im Vergleich zum Verbot von P2P-Krediten sind die aktuellen Gesetzesänderungen Peanuts.
Im Vergleich zum Verbot des kompletten Geschäftsmodells ist wohl alles eine Kleinigkeit.

Keine Perspektive?

Probleme hat man dennoch, im Gegenzug ist die Bewertung mit einer P/E von 2 extrem niedrig.
Aus meiner Sicht ergeben es nun drei Szenarien.

  1. Die chinesische Regierung schließt den Laden mittelfristig.
  2. Die Regulierung nimmt weiter zu, Profitabilität und Wachstum sinken spürbar.
  3. Die Regulierung hält sich fortan in Grenzen und/oder Qudian kann sich anpassen.

Der Markt scheint Szenario 1 eine recht hohe Eintrittswahrscheinlichkeit zu geben. Da man aber bereits aus dem P2P-Business ausgestiegen ist, halte ich das für unwahrscheinlich.
Szenario 2 wäre zwar unerfreulich, doch selbst dann könnte man mit der Aktie wohl noch Geld verdienen.
Tritt Szenario 3 ein, ergibt sich ein erhebliches Kurspotenzial.

Mir erscheint das Chance-Risiko-Verhältnis aussichtsreich, doch wie immer ist die Zukunft ungewiss. Die Positionsgröße sollte demensprechend gering gewählt werden. Wir sind hier relativ weit weg von den konservativen Investments, die ich sonst propagiere.
Die Aktie ist nur etwas für risikofreudige Anleger, die auch Volatilität aushalten können.

Weitere Möglichkeiten, sich in diesem Sektor zu engagieren, sind LexinFintech, 360 Finance und Yirendai. Vor allem LexinFintech wird eine höhere Qualität an Kreditnehmern zugesprochen.

Charttechnik

Bisher ist allerdings noch kein Boden in Sicht und es besteht kein Grund ins fallende Messer zu greifen. Die Situation unterscheidet sich ganz maßgeblich von der, zum Zeitpunkt der letzten Analyse, als wir genau das getan haben.
Damals hatte sich die Aktie binnen weniger Tage halbiert, notierte direkt an einer Unterstützung und man durfte auf die anstehende Telefonkonferenz hoffen.

Aktuell könnte ein Abpraller an der runden 3,00 USD zu einem Bounce führen. Wirklich positive Signale ergeben sich allerdings erst über 3,50 USD. Zu einem prozyklischen Kaufsignal kommt es über 4,10 USD.

Hartgesottene Antizykliker, die dennoch sofort einsteigen möchten, sollten wohl über Tranchen nachdenken.

Fällt die Aktie unter 3,00 USD, droht eine Ausdehnung der Korrektur in Richtung 2,50 USD.

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Chart vom 27.01.2020 Kurs: 3,10 Kürzel: QD - Tageskerzen | LYNX Online Broker

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