Daimler Truck IPO - Börsengang der Daimler Truck-Sparte | LYNX

Die Teile sind einzeln meist mehr wert als das Ganze. Nach diesem Prinzip hat Daimler seine traditionelle Lkw-Sparte unter dem Dach der neuen Daimler Truck Holding (ISIN: DE000DTR0CK8 – Symbol: DTG – Währung: EUR) abgespalten und Anfang Dezember 2021 als eigenständiges Unternehmen an die Frankfurter Börse gebracht. Für die Anleger jedenfalls hat sich die Abspaltung des Lkw- und Bus-Geschäfts gelohnt. Die Aktie, die zu einem Kurs von 28 Euro an den Start ging, kostet mittlerweile 33 Euro. Damit liegt der Börsenwert von Daimler Truck bei insgesamt rund 27 Mrd. Euro. Sehen wir uns an, welche Aussichten die Daimler Truck-Aktie den Anlegern bieten könnte.

Trend Unternehmensaufspaltung

Anleger waren es jahrzehntelang gewohnt, dass sich Konzerne durch Übernahmen und Fusionen vergrößern und damit wertvoller und mächtiger werden. Die Konzerne argumentierten oft mit Diversifizierung und Synergieeffekten. In den letzten Jahren häufen sich jedoch Fälle, in denen Konglomerate den umgekehrten Weg gehen und sich in verschiedene Teilfirmen aufteilen. Doch welche Gründe gibt es dafür, dass Unternehmen sich durch Verkäufe, Börsengänge oder Spin-Offs verkleinern? Daimler ist in Deutschland bei weitem nicht das erste börsennotierte Unternehmen dessen Tochterfirmen zukünftig eigene Wege gehen. Man folgt dem Beispiel von VW, das seine Nutzfahrzeugsparte Traton im Jahr 2019 ausgliederte und an der Börse listete. Der Technologiekonzern Siemens brachte in den letzten Jahren sowohl den Photonik-Spezialisten Osram, die Medizintechnik-Sparte Siemens Healthineers, als auch die Energiesparte Siemens Energy als eigenständige Firmen an die Börse. Auch der Automobilzulieferer Continental spaltete kürzlich die Antriebstochter Vitesco Technologies ab, genau wie Bayer vor einigen Jahrendie Kunststoffsparte Covestro sowie die Spezialchemiefirma Lanxess.

Warum spalten sich Unternehmen auf?

Oft argumentieren die Unternehmen bei Aufspaltungen dahingehend, dass einzelne Sparten als eigenständige Einheit mit kürzeren Entscheidungswegen flexibler auf Marktentwicklungen reagieren können. Das Management beider Firmen kann eigene Wege gehen und neue Strategien erproben. Oft dürfte das eigentliche Hauptmotiv jedoch das erwartete Wertsteigerungspotenzial sein, das sich die Anteilseigner von einer Aufteilung erhoffen. Denn einzelne Sparten lassen sich leichter vergleichen und bewerten als Konglomerate. Investoren, die in ein bestimmtes Geschäftsfeld investieren möchten, können dies tun, ohne sich zwangsweise noch in andere Bereiche einkaufen zu müssen. Für den Kapitalmarkt zählt deshalb nicht die Größe allein, sondern die Fokussierung auf Kerngeschäftsfelder. Unternehmenslenker, die dies erkennen, möchten in erster Linie Wertsteigerungspotenziale für ihre Aktionäre heben – und nehmen dafür sogar in Kauf durch die Verkleinerung an Macht und Einfluss zu verlieren. Nicht selten kommt der Anstoß deshalb von aktivistischen Investoren oder Hedgefonds. Die abgespaltenen Teile entwickeln sich an der Börse meist besser als der jeweilige Index. Der seit 2006 berechnete S&P US Spin-off-Index zum Beispiel, der die Kursentwicklung abgespaltener US-Aktiengesellschaften abbildet, ist seit Bestehen deutlich mehr gestiegen als der S&P 500 Index.

Wie funktioniert eine Unternehmensabspaltung

Im Zuge einer Aufspaltung ohne klassischen Börsengang (IPO) bekommen die Aktionäre der Muttergesellschaft anteilsmäßig Gratisaktien der abzuspaltenden Firmensparte ins Depot gebucht und können diese anschließend an der Börse handeln. Im Fall der Daimler Truck-Abspaltung erhielten alle Daimler-Aktionäre für je zwei Aktien eine zusätzliche Lkw-Aktie zugeteilt. Dadurch wurden die Aktionäre der Daimler AG zu 65 % an Daimler Truck beteiligt. Die restlichen 35 % der Aktien bleiben im Besitz von Daimler – auch deshalb um im Fall der Fälle feindliche Übernahmen verhindern zu können. Anfang 2022 soll die Daimler AG dann in Mercedes Benz Group umbenannt werden, so dass der Ausrichtung auf die PKW-Marke Mercedes Rechnung getragen wird.

Vorteile der Abspaltung gegenüber einem klassischen Börsengang (IPO)

Um die beiden Unternehmensteile zu trennen wäre für Daimler auch ein Börsengang (IPO) der Truck-Sparte möglich gewesen. Dabei hätten Investmentbanken die Aktien über Investoren zu einem festgesetzten Preis an der Börse platziert, ohne dass die Daimler-Altaktionäre dabei Anteile zugewiesen bekommen hätten. In diesem Fall wären die Mittel aus dem Börsengang Daimler selbst und damit nur indirekt den Aktionären zugutegekommen. Diesen Weg wählte beispielsweise Bayer als die Kunststoffsparte Covestro im Jahr 2015 an die Börse gebracht wurde. Der Vorteil einer Abspaltung à la Daimler liegt darin, dass die Transaktion im Gegensatz zu einem Börsengang nicht von einem positiven Kapitalmarktumfeld abhängt, sondern jederzeit und auch mit erheblich geringerem Finanzaufwand umgesetzt werden kann. Anleger können zudem frei entscheiden, ob sie an einem oder beiden Unternehmensteilen beteiligt sein möchten.

12 Mrd. EUR Wertzuwachs für die Daimler-Aktionäre

Im Fall von Daimler ist die Rechnung der Aufspaltung für die Aktionäre wie erhofft aufgegangen. Vor der Transaktion kam Daimler bei einem Kurs von 86 EUR und 1,07 Mrd. Aktien auf einen Börsenwert von 92 Mrd. EUR. Wenige Tage nach der Aufspaltung wurde Daimler mit einem Aktienkurs von 72 EUR mit 77 Mrd. EUR bewertet, während die Daimler Truck Holding mit 33 EUR auf 27 Mrd. EUR Marktkapitalisierung kommt. Für die Aktionäre bedeutet dies einen neuen Gesamtwert von 104 Mrd. EUR, was einem Zugewinn von rund 12 Mrd. EUR oder +13 % entspricht. Für die Daimler Anteilseigner hat sich die Aufspaltung damit ordentlich gelohnt. Den Aktionären ist es nun selbst überlassen zu beurteilen, ob sie der Pkw- oder Lkw-Sparte größeres Zukunftspotential und Wachstum zutrauen. Entsprechend können sie die die Positionen beider Aktien entweder halten oder über die Börse verkaufen.

Ziel: Zwei schlagkräftige, zukunftsfähige Unternehmen

Laut Management können bei Daimler beide Geschäftsfelder, also PKW auf der einen und LKW auf der anderen Seite, besser auf Kundenbedürfnisse eingehen und die technologische Entwicklung entsprechend den eigenen Zielen vorantreiben. Auch Experten aus der Autobranche sehen keine großen Gemeinsamkeiten zwischen der LKW- und PKW-Produktion, so dass es in der Vergangenheit zwar viele Kompromisse, aber nur geringe Synergieeffekte gab. Zu Daimler Trucks gehören die sieben Fahrzeugmarken BharatBenz, Freightliner, FUSO, Mercedes-Benz-LKW, Setra, Thomas Built Buses und Western Star. Im Bereich Lkws über 6 Tonnen gilt Daimler Truck mit knapp 0,5 Mio. ausgelieferten Fahrzeugen im Vor-Corona- Jahr 2019 als Weltmarktführer.

Rascher Aufstieg der Daimler Truck Holding in den DAX Index erwartet

Der Hauptsitz der neuen Daimler Truck Holding ist im Stuttgarter Umland in Leinfelden-Echterdingen, wo der Fokus auch bisher schon auf LKWs und Bussen lag. Die Zentrale der Mercedes Benz AG bleibt weiterhin in Stuttgart-Untertürkheim. Für die Mitarbeiter beider Unternehmen, die allesamt Jobgarantien bis 2030 erhielten, ändert sich nicht viel. Sie wurden beiden Firmen entsprechend ihrer Aufgabenfelder zugeteilt, wobei die neue Mercedes Benz Group auf rund 170.000 Mitarbeiter und die Daimler Truck Holding auf ca. 100.000 Beschäftigte kommt.

Mit einer Marktkapitalisierung von 27 Mrd. Euro und einem hohen Streubesitz-Anteil dürfte die Daimler Truck Holding AG rasch in den DAX 40 Index aufsteigen. Experten erwarten, dass sich das Unternehmen bereits im ersten Quartal 2022 für den größten deutschen Börsenindex qualifizieren wird. Damit dürfte die Daimler Truck Holding ab der nächsten Aufnahmerunde Bestandteil des DAX Index sein.

Ziel: Emissionsfreier Warenverkehr bis 2040

Daimler-Truck-Chef Martin Daum hat sich zum Ziel gesetzt, Daimler Trucks auch in Sachen emissionsfreies Fahren im Warenverkehr zum Weltmarktführer zu machen. Spätestens ab dem Jahr 2040 will das Unternehmen nur noch komplett emissionsfreie LKWs und Busse herstellen. Dabei wird zweigleisig gefahren, denn man setzt sowohl auf batteriebetrieben Antriebe als auch auf Wasserstoffbasierte Brennstoffzellentechnologie. Diese Technologie soll zusammen mit Volvo in einem Gemeinschaftsunternehmen zur Marktreife gebracht werden. Schon im Jahr 2027 sollen die ersten schweren LKWs mit einer Reichweite von mehr als 1.000 Kilometern auf die Strecke gebracht werden. Deutlich schneller geht es bei den Elektro-LKWs voran, die Serienproduktion des ersten Modells ist bereits angelaufen, so dass die ersten Fahrzeuge bereits vom Band laufen.

Milliardenschwere Einbußen durch akuten Chipmangel

Die operativen Ziele von Daimler Truck sind sehr ehrgeizig: Der Konzern strebt bis zum Jahr 2025 eine zweistellige Umsatzrendite an. Dazu sollen auch die Preise erhöht werden. Aktuell kämpft das Unternehmen jedoch, so wie andere Fahrzeughersteller mit einem akuten Chipmangel. Aus diesem Grund konnte das Unternehmen im Jahr 2021 eine mittlere fünfstellige Zahl an Fahrzeugen weniger ausliefern als geplant. Bei einem Stückpreis von durchschnittlich 100.000 EUR sind dies milliardenschwere Einbußen. Derzeit bemüht sich das Unternehmen darum, einen ausreichenden Vorrat an Halbleitern aufzubauen, um sich gegen mögliche Chipengpässe im Jahr 2022 zu wappnen.

Gute Geschäftszahlen nach der Corona-Krise

Vor der Corona-Krise, im Jahr 2019 setzte die Sparte Daimler Trucks & Buses rund 44,4 Mrd. EUR um und erzielte dabei einen EBIT-Gewinn von 2,7 Mrd. EUR. Im Corona-Jahr 2020 fielen die Umsätze dann um -22 % auf 34,7 Mrd. EUR, während das bereinigte EBIT-Ergebnis auf 0,7 Mrd. EUR zurückfiel. In den ersten 9 Monaten des Jahres 2021 verbesserten sich die Geschäftszahlen wieder erheblich. Währen der Umsatz um +14 % auf 27,6 Mrd. EUR zulegte, sprang das bereinigte EBIT-Ergebnis von 0,1 Mrd. EUR im Vorjahr auf 1,8 Mrd. EUR. Dass die Ergebniszahlen trotz der ausgebremsten Produktion sehr gut ausfielen lag vor allem daran, dass die Nachfrage das durch den Chipmangel reduzierte Angebot deutlich übertraf und somit kaum Rabatte zur Verkaufsförderung nötig waren. Dadurch konnten die Einbußen – so wie bei vielen anderen Herstellern – relativiert werden.

Fazit: Keine Schnäppchenpreise

Setzt man Umsätze und Gewinne ins Verhältnis zur aktuellen Börsenbewertung in Höhe von 27 Mrd., so ist die Daimler Truck Holding auf dem aktuellen Kursniveau von 33 EUR zwar nicht überteuert, aber auch nicht unbedingt ein Schnäppchen. Wir würden Anlegern erst einmal die Seitenlinie empfehlen und für Neueinstiege Kurse im Bereich von 25 EUR bis 28 EUR abzuwarten. Spannend dürfte sein, wie sich Umsätze und Gewinne dann entwickeln, wenn die Chip-Krise beendet ist und sich der Wettbewerb auf dem Weltmarkt wieder intensiviert. Der erwartete Aufstieg in den Deutschen Aktienindex DAX 40 dürfte von den Marktteilnehmern bereits antizipiert werden, so dass im Vorfeld einer Index-Aufnahme allenfalls kurzfristige Kurseffekte zu erwarten wären. Die Aktie ist aus unserer Sicht auf dem aktuellen Niveau eher eine Halteposition als ein Kauf.

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