Iron Condor

Ein Iron Condor besteht aus zwei Vertical Spreads – einem Short Vertical Put Spread und einem Short Vertical Call Spread – mit dem selben Verfallsdatum und vier unterschiedlichen Ausübungspreisen. Beim Short Vertical Put Spread wird die aus dem Geld liegende Put-Option geschrieben. Diese wird durch den Kauf einer weiteren aus dem Geld liegenden Put-Option abgesichert.

Beim Short Vertical Call Spread wird eine aus dem Geld liegende Call-Option geschrieben. Diese wird durch den Kauf einer Call-Option mit einem höheren Ausübungspreis abgesichert. Der Abstand der Ausübungspreise der geschriebenen und gekauften Put- und Call-Optionen ist jeweils gleich.

Mit dieser Optionsstrategie wird auf eine moderate Bewegung des Basiswertes spekuliert. Wenn sich der Basiswert am Verfallstag innerhalb der durch die geschriebenen Call- und Put-Optionen vorgegebenen Bandbreite befindet, so ist der Saldo der Prämien der Gewinn. Das Risiko ist dabei auf die Differenz der Ausübungspreise des Short Vertical Put und des Call Spread abzüglich der erhaltenen Prämie begrenzt. Da eine Long Call-Option zur Absicherung gegen steigende Kurse dient und eine Long Put-Option gegen fallende Kurse, steht der maximale Verlust bereits beim Eröffnen der Position fest.

Mit einem Iron Condor wird so auf den Verlust an Zeitwert (Theta) spekuliert, da die geschriebenen Put- und Call-Optionen einen größeren Verlust an Zeitwert verzeichnen als die gekauften Put- und Call-Optionen, die zur Absicherung dienen. Die Optionskonstruktion des Iron Condor wird hauptsächlich dazu verwendet, um bei kalkuliertem Risiko regelmäßig eine Prämie zu erhalten.

Der Iron Condor in der Theorie

Mit einem Iron Condor wird auf eine Seitwärtsbewegung des Basiswertes spekuliert. Um die Transaktion mit einem Gewinn abzuschließen, muss der Kurs der Aktie bei dieser Optionskonstruktion innerhalb der durch die geschriebenen Call- und Put-Optionen vorgegebenen Kursbandbreite bleiben.

Ein Iron Condor in der Theorie

Im Beispiel erhält der Anleger per Saldo $ 1 als Prämie. Dadurch liegen die Break-Even Preise bei $ 39 und $ 51. Wenn sich der Preis des Basiswertes am Verfallstag der Optionen zwischen $ 39 und $ 51 liegt, so wird ein Gewinn erzielt. Der Gewinn beträgt maximal $ 100. Notiert der Preis des Basiswertes am Verfallstag der Optionen unter $ 39 oder über $ 51, dann entsteht hingegen ein Verlust. Der Verlust beträgt maximal $ 400.

In diesem Beispiel werden die folgenden Transaktionen durchgeführt:

  • KAUF: Put-Option $ 35
  • VERKAUF: Put-Option $ 40
  • VERKAUF: Call-Option $ 50
  • KAUF: Call-Option $ 55

Beispiel: Russell 2000 ETF

Anfang März 2014 erreichte der Russell 2000 ETF (US-Symbol: IWM), ein mehrjähriges Hoch. Der zugehörige ETF, der den aus 2000 amerikanischen Small Caps bestehenden Russell 2000 Index zum Basiswert hat, wird sehr liquide gehandelt. Die Optionen auf den ETF haben einen geringen Spread (hier ist der Abstand zwischen An- und Verkaufskursen gemeint) und sind daher sehr gut für einem Iron Condor geeignet. Nach einem Höchststand im März 2014 gab der Russell 2000 Index um ca. 10% nach. Danach stabilisierte sich der Index, so dass Anfang Mai eine Iron Condor Position eröffnet wurde.

Das Kursfenster der geschriebenen und gekauften Optionen bestimmt die Höhe der Prämieneinnahmen. Je dichter die geschriebene Put- und Call-Option am aktuellen Kurs liegen, desto höher fällt die Prämie aus. Das Risiko, dass der Kurs am Verfallstag außerhalb dieser Bandbreite liegt, ist dann entsprechend höher. Bei dieser Transaktion wurde entschieden, den Rahmen etwas breiter zu halten, um die Eintrittswahrscheinlichkeit zu erhöhen.

Für den Iron Condor mit IWM als Basiswert wurden die folgenden Transaktionen durchgeführt:

Iron Condor mit IWM als Basiswert

Die per Saldo erhaltene Prämie beträgt insgesamt $ 0,60 (= – $ 0,45 + $ 0,75 + $ 0,45 – $ 0,15). Die Positionsgröße ist 10 Kontrakte, wobei die Options-Griechen die folgenden Werte haben:

DeltaGammaVegaTheta
39-21-3912

Da eine identische Anzahl Put- und Call-Optionen ge- und verkauft wurde, hat die Position in erster Instanz ein fast neutrales Delta (ein Delta von 39 ist für diese Optionskombination mit zehn Kontrakten sehr niedrig). Das Delta ändert sich, wenn der Kurs des Russell 2000 ETF steigt oder sinkt. Dies wird durch das negative Gamma angezeigt.

Der Einfluss der Volatilität ist negativ, auch wenn der Wert des Vega ebenfalls klein ist. Das Theta ist positiv, da der Verlust an Zeitwert für den Wert der gesamten Kombination positiv ist. Bleibt der Kurs innerhalb der gewählten Bandbreite, dann verfallen alle Optionen wertlos. Die per Saldo erhaltene Prämie entspricht dann dem Gesamtgewinn.

Die folgende Grafik des Russell 2000 ETF zeigt die Bandbreite in der am Verfallstag ein Gewinn erzielt wird.

Bei diesem Iron Condor liegt die Bandbreite zwischen $ 100,40 und $ 118,60. Die per Saldo erhaltene Prämie von $ 0,60 erhöht und verringert das Break-Even Niveau der geschriebenen Put- und Call-Optionen, die bei $ 101 und $ 118 liegen. Die gekauften Put- und Call-Optionen reduzieren das Risiko. Der maximale Verlust dieser Kombination ergibt sich aus der Differenz der Ausübungspreise. Für den Iron Condor beträgt der maximale Verlust für beide Short Vertical Spreads $ 3 (bei der Call-Option die Differenz zwischen $ 121 und $ 118 und bei der Put-Option die Differenz zwischen $ 101 und $ 98). Die erhaltene Prämie von $ 0,60 wird hiervon abgezogen, sodass der tatsächliche Verlust maximal $ 2,40 beträgt. Am Verfallsdatum kann entweder nur der Put Vertical Spread oder nur der Call Vertical Spread im Geld sein.

Deshalb entsteht der maximale Verlust dann, wenn der Kurs des ETF am Verfallstag über $ 121 oder unter $ 98 notiert. Der Russell 2000 ETF bleibt zum Verfallsdatum innerhalb der Kursbandbreite. Einige Tage vor dem Verfallsdatum notierte der Kurs um $ 116, also $ 2 unter der Obergrenze der geschriebenen Call-Option von $ 118. Wenn die Obergrenze in der Nähe liegt, kann man erwägen, die Position zu schließen und den Gewinn zu realisieren. Dazu kann beispielsweise die geschriebene Call-Option zurückgekauft werden, während die übrigen Positionen wertlos verfallen. In diesem Fall wurde jedoch die gesamte Position bis zum Verfallstag der Optionen gehalten. Der Abrechnungskurs des Russell 2000 ETF lag bei $ 118,25, so dass die Call-Option am Verfallstag einen Wert von $ 0,25 hatte. Da diese in der letzten Stunde vor dem Verfall zurückgekauft wurde, konnte doch noch ein Gewinn von $ 0,35 (= $ 0,60 – $ 0,25) realisiert werden. Gegenüber dem möglichen Verlustrisiko von $ 2,40 wurde in diesem Fall ein verhältnismäßig geringer Gewinn von nur 15 % erzielt.

Iron Condor: Positionsmanagement

Für den Optionsanleger mit einer offenen Iron Condor-Position kann das Positionsmanagement zu einer Herausforderung werden, wenn der Kurs des Basiswertes außerhalb der Bandbreite liegt und das Verfallsdatum naht. Wenn dies der Fall ist, hat der Anleger mehrere Möglichkeiten einzugreifen:

  • die Position komplett zu schließen,
  • die Position zu einem folgenden Verfallsdatum zu rollen oder
  • die Position bis zum Verfallsdatum zu halten.

Das Schließen der Position dient meist der Verlustbegrenzung. Die andere Möglichkeit besteht darin, die aktuelle Position bis zum Verfallsdatum zu halten. Der Nachteil hierbei ist, dass das Gamma größer wird, je näher das Verfallsdatum rückt. Das bedeutet, dass Bewegungen des Basiswertes kurz vor dem Ablauftermin einen größeren Einfluss auf die Preisentwicklung der Optionen haben. Dann ist besondere Vorsicht geboten. Denn ein Optionsanleger sollte natürlich immer versuchen, den maximalen Verlustes zu vermeiden.

Zusammenfassung Iron Condor

Vorteile Iron Condor:

  • Begrenztes Risiko durch die Options-Griechen
  • Hervorragendes Chance / Risiko Verhältnis
  • Viele Möglichkeiten des Positionsmanagements

Nachteile Iron Condor:

  • Hohe Transaktionskosten
  • Risiko eines im Vergleich zum Ertrag deutlich höheren Verlustes

Bei der Auswahl der richtigen Optionsstrategie hilft Ihnen auch unser Option-Strategy-Finder.

Disclaimer

Dieses Handbuch ist nach bestem Wissen und Gewissen formuliert. Eine exakte Korrektheit und Vollständigkeit kann nicht gewährleistet werden. Damit entbindet Sie dieses Handbuch nicht davon, in Zweifelsfragen, insbesondere wenn hierbei wirtschaftliche Einbußen drohen, beispielsweise bei einem Vermögensberater oder Börsenexperten nachzufragen. LYNX führt keine Wertpapierberatung durch. Keine der Formulierungen, Aussagen, Wörter oder Erläuterungen in diesem Handbuch stellt eine Handelsempfehlung seitens LYNX dar.

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