Die UniCredit lässt nicht locker: Zum Wochenstart kamen seitens deren CEO Aussagen zur Commerzbank, die wirkten, als wollte die italienische Großbank den Commerzbank-Aktionären den Ausstieg schmackhaft machen. Aber ob das eine Übernahme erleichtert?
Anfang Mai soll den Commerzbank-Aktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot vorgelegt werden. Die UniCredit geht offenbar nicht davon aus, dadurch eine Mehrheit der Commerzbank-Anteile zu erreichen, von denen man derzeit knapp 30 Prozent hält. Aber wer weiß? Mit Aussagen zum Objekt der Übernahme-Begierde wie „operativ unterdurchschnittlich“ und „überbewertet“ scheint die UniCredit derzeit zu versuchen, die Anleger unruhig und womöglich doch verkaufswillig zu machen.
Aber eine Bank kleinzureden, die man übernehmen will, klingt nicht gerade nach einer Strategie, mit der man sich bei denen, die einem die Aktien andienen sollen, beliebt macht. Die Commerzbank selbst reagierte verärgert. Der Bund, immerhin noch mit zwölf Prozent an der Commerzbank beteiligt, will sowieso nicht verkaufen. Und beide stufen die „Annäherungsversuche“ der UniCredit als aggressiv und feindlich ein. Selbst Analysten sehen die Sache an sich kritisch. Im „Handelsblatt“-Artikel (siehe Link unten) wird dazu die Citibank zitiert, die wenig Vorteile durch eine UniCredit-Übernahme ausmachen kann. Wobei man sich die Frage, ob sich das für die UniCredit selbst wirklich rechnet, genauso stellen müsste, denn:
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Expertenmeinung: Einen Gutteil ihrer derzeitigen Beteiligung hat die UniCredit bei Kursen um die 15 Euro aufgebaut. Jetzt kosten die Commerzbank-Aktien weit mehr als das Doppelte. Rechnet sich das überhaupt noch? Immerhin müsste man, wollte man wirklich ein offizielles Übernahmeangebot abgeben, einen Aufschlag auf den Kurs anbieten, denn warum sollte sich ein Anteilseigner sonst von seinen Aktien trennen?
Und da ist es dann nicht mehr weit zur Idee: Eigentlich will niemand außer der UniCredit selbst eine solche Übernahme. Warum also nicht immer weiter kaufen, um die Sache über einen zu teuren Aktienkurs abzuwenden? Das wirkt im ersten Moment zwar einigermaßen logisch. Aber es ist durchaus riskant, weil die Aktie dann nicht nur zu teuer für die UniCredit, sondern auch teuer genug für die Anleger werden könnte, um alleine deswegen auszusteigen, sprich: Je höher der Kurs, desto höher das Risiko größerer Korrekturen aufgrund einer Überbewertung.
Noch ließe sich vermuten, dass dieses Risiko zwar bereits vorhanden, aber noch nicht dramatisch ist. Die Analysten sehen die Aktie im Schnitt bei 37,44 Euro, was ihre Kursziele angeht, also in etwa auf dem aktuellen Kursniveau. Und dass 8 von 13 Experten hier nur noch mit „Halten“ werten, mag das Potenzial nach oben eingrenzen, bedeutet aber nicht automatisch ein größeres Abwärtsrisiko.
Aber „billig“ ist die Commerzbank-Aktie eben nicht mehr. Mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis von derzeit 11,9 auf Basis der durchschnittlichen Experten-Schätzung für den 2026er-Gewinn ist sie für eine Bank-Aktie teuer (zum Vergleich: Das 2026er-Kurs-/Gewinn-Verhältnis der Deutsche-Bank-Aktie liegt momentan bei 8,5). Da alleine den Gedanken, man könnte die Aktie aus der Reichweite der UniCredit nach oben „wegkaufen“, als Basis von Long-Trades zu nutzen, wirkt daher gewagt.

Aktuell nähert sich der Commerzbank-Kurs den Hochs der vergangenen Monate bei 37,24 bzw. 38,40 Euro. Dass die Aktie zuvor die kurzfristige Januar-Abwärtstrendlinie überwunden hat, ist eine gute Basis, um diese Zone anzugehen. Aber ob der Kurs wirklich nach oben ausbrechen kann, ist zumindest offen, daher:
Grundsätzlich bullisch ist die Aktie zwar. Aber hier sollte man immer ein Auge talwärts richten und sich gegen Überraschungen absichern. Mittelfristig bärisch wäre der Kurs zwar erst, wenn er die im März verteidigte Supportzone 29,01 zu 30,74 Euro unterbietet. Aber wer hier aggressivere Long-Positionen hält, sollte sich überlegen, einen Stop-Loss sicherheitshalber höher, knapp unter die gerade bei 33 Euro einen potenziell bullischen Crossover vollziehenden 20-Tage- und 200-Tage-Linien, zu legen.
Quellenangaben:
Meldung über UniCredit-Aussagen zur Commerzbank im „Handelsblatt“, 20.04.2026: https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/unicredit-orcel-attackiert-commerzbank-und-wirbt-fuer-uebernahme/100218285.html
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/CBK.DE/analyst-insights/


