Siemens Energy Aktie aktuell Siemens Energy: Bull Flag oder Toppbildung?

News: Aktuelle Analyse der Siemens Energy Aktie

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Siemens Energy
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Zur Siemens Energy Aktie

Der DAX- und Börsendebütant Siemens Energy hatte zwei starke Monate, seither läuft die Aktie nirgendwohin. Aber egal, wie man die derzeitige Chartkonstellation interpretiert: Hier wird Bewegung reinkommen!

Die Siemens Energy Aktie stieg im Eiltempo zuerst in den MDAX, dann in den DAX auf. Kein Wunder, mit knapp 22 Milliarden Euro Marktkapitalisierung ist Siemens Energy ein ziemliches Schwergewicht und liegt immerhin auf Platz 22 im DAX. Da sich die Anleger diesen Aufstieg ausrechnen konnten, startete der Kurs Anfang November 2020 durch, nachdem die Aktie zuvor seit ihrem Börsenstart Ende September schwach tendierte. Der Kurs sauste in nur zweieinhalb Monaten um in der Spitze 88 Prozent nach oben. Und das scheint den Marktteilnehmern zu denken zu geben. Zu Recht? Die Antwort ist letztlich eine „Glaubensfrage“, denn:

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Siemens Energy Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Da Siemens Energy bislang Teil des Siemens-Konzerns war, fehlt hier eine wirklich taugliche Bilanzhistorie, auch, wenn der Bereich Energietechnik auch zuvor schon eine getrennte Sparte war wie z.B. auch der Medizintechnikbereich Siemens Healthineers. Die Umsatzentwicklung ist dabei noch eher berechenbar als die Gewinnentwicklung. Nach einem kräftigen Minus im Geschäftsjahr 2019/2020 hat das Unternehmen jetzt die Hälfte des Geschäftsjahres 2020/2021 hinter sich. Die Frage ist: Wie weit kommt man da in die Gewinnzone? Und wie sieht es für 2021/2022 aus?    

Man weiß es nicht, denn der von Siemens Energy für das laufende Geschäftsjahr gelieferte Ausblick ist nicht gerade präzise. Der Umsatzanstieg soll zwischen zwei und zwölf Prozent betragen, die EBITDA-Marge zwischen drei und fünf Prozent liegen. Da der Umsatz 2019/2020 gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent fiel und die Marge im Prä-Corona-Geschäftsjahr 2018/2019 bei 5,3 Prozent lag, kann es also gut sein, dass das Unternehmen 2020/2021 weniger verdienen wird als 2018/2019. Und selbst wenn da dann die 22 Cent pro Aktie von damals erreicht würden, wäre die Aktie teuer. Man müsste also auf das nächste Geschäftsjahr 2021/2022 setzen, das am 1. Oktober beginnen wird. Nur:

Darüber weiß man natürlich noch nichts. Man bewegt sich daher auf dem dünnen Eis der Spekulation und der im Zweifel seitens der Bullen natürlich optimistischen Erwartungen. Richtig ist, dass die Analysten durch die Bank den Daumen heben und die Aktie zum Kauf empfehlen. Nur können sich auch Analysten irren. Was tun?

Siemens Energy Aktie: Chart vom 31.03.2021, Kurs 30,61 Euro, Kürzel ENR | Online Broker LYNX

Letztlich wäre es derzeit wohl am besten, die Siemens Energy Aktie aus reinen Trading-Aspekten zu handeln. Seit Jahresbeginn bewegt sich der Kurs in der Spanne zwischen 28,52 und 34,48 Euro seitwärts. Das kann man als Seitwärtsbewegung sehen, aber da die Tendenz einen Tick abwärtsgerichtet ist, ließe sich das auch als Konsolidierungsphase vor einem erneuten Aufwärtsimpuls interpretieren, also als „bull flag“, als eine bullische Flaggenformation. Da man dem Braten im Fall eines Ausbruchs aus der Flagge aber ohnehin erst trauen könnte, wenn die vorangegangenen Zwischenhochs ebenfalls überboten wären, wäre das Trading-Setup trotzdem simpel: Bricht Siemens Energy aus dieser Seitwärtsspanne aus, wäre ein Trade in Ausbruchsrichtung für risikofreudige Akteure eine folgerichtige Reaktion.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Siemens Energy Aktie

Nach dem Spin-Off lief es für die Aktionäre von Siemens Energy erfreulich. Es stellt sich nur die Frage, ob das auch so weitergeht.

Aufnahme in den Dax

Nach dem Spin-Off von der Mutter lief es für die Aktionäre von Siemens Energy erfreulich.
Im Hoch legte die Aktie bis auf 34 Euro zu. Es hätte nicht mehr viel gefehlt und der Kurs hätte sich zwischenzeitlich verdoppelt.

Es folgte die Aufnahme in den Dax. Eigentlich ein Grund zum Feiern, der Kurs stagnierte allerdings und zuletzt ging es sogar spürbar abwärts.

Dax-ETFs und einige Fonds müssen die Aktie zwar kaufen, im Gegenzug stoßen andere ETFs und Fonds das Papier allerdings ab.
In Summe scheinen die Verkäufer derzeit stärker zu sein.

In Wirklichkeit bewegen diese Transaktionen den Kurs selten nachhaltig. Auch wenn ETFs am Ende einige Prozent aller Aktien halten, das geht im täglichen Handelsgeschehen weitgehend unter.

Das zählt

ETFs müssen sich schließlich nur einmal positionieren und dann verfallen sie wieder in einen Winterschlaf. Das ist ihre Aufgabe.

Viel wichtiger sind die aktiven Fonds, Investoren und Trader. Wie und auf welcher Grundlage Fonds handeln ist höchst unterschiedlich. In Summe stehen immer viele Käufer vielen Verkäufern gegenüber.

Bei Investoren und Tradern ist die Sachlage eine andere. Auf dem hohen Bewertungsniveau der letzten Monate dürften wenige Investoren Kaufinteresse haben.

Daher hatte ich kürzlich auch vor der Aktie gewarnt. Seitdem konnten keine neuen Hochs mehr erzielt werden und der Aufwärtstrend wurde durchbrochen.

Hier finden Sie eine ausführliche und fundamentale Analyse:
Siemens Energy: Börsenliebling der Zukunft?

Chart

Trader wiederum sind vor allem an Aktien interessiert, solange die Kurse steigen und das bullische Gesamtbild intakt ist.

Das ist inzwischen nicht mehr der Fall. Wie bereits angesprochen, wurde der seit Anfang November relevante Aufwärtstrend im Januar durchbrochen.
Anschließend wurde die Trendlinie von der Unterseite angesteuert und den Bullen ist keine Rückkehr über sie gelungen.
Das war ein deutliches Warnsignal.

Mit dem Bruch der Unterstützung bei 30 Euro ist die Top-Bildung formal abgeschlossen.
Die Aktie könnte zeitnah nochmal eine Erholung in Richtung 30-31 Euro vollziehen, dann muss aber mit tieferen Kursen gerechnet werden.

Wo könnte man zuschlagen?

Eine wahrscheinliche Anlaufstelle liegt bei 26,50 Euro. Dort könnte wieder größeres Interesse aufkommen.

Wer meine Analysen schon etwas länger kennt, weiß allerdings, dass ich ein Verfechter von GARP (Growth at a reasonable Price) bin und Anlegern immer dazu rate, ausschließlich Aktien/Unternehmen mit herausragenden Eigenschaften zu kaufen.

Bei Siemens Energy ist es äußerst fraglich, ob das zutreffend ist. Es handelt sich um eine schwierige und kapitalintensive Branche.

Sicherlich, der Ausblick für die kommenden Jahre und die Positionierung im Bereich erneuerbarer Energien bietet ein gewisses Potenzial – aber bisher ist es nur ein Ausblick.

Die bisher vorgelegten operativen Kennzahlen sind eher mittelprächtig.

Was ich Ihnen damit sagen möchte: Wenn Sie darüber nachdenken müssen, allerlei Annahmen anstellen und auf eine deutliche Verbesserung der bisherigen Geschäftsentwicklung hoffen müssen, handelt es sich selten um ein Unternehmen mit „herausragenden Eigenschaften“.

Kann die Aktie trotzdem zeitnah höher notieren? Möglich.
Ist Ihr Geld andernorts womöglich besser investiert? Sehr wahrscheinlich.

Chart vom 08.03.2021 Kurs: 29,04 Kürzel: ENR - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 08.03.2021 Kurs: 29,04 Kürzel: ENR – Tageskerzen

Erst Ende September war Siemens Energy als Abspaltung des Siemens-Konzerns an die Börse gegangen. Kein halbes Jahr später wird die Aktie in den DAX aufgenommen, wie die Deutsche Börse am Mittwochabend mitteilte. Und der Kurs? Von Begeisterung keine Spur, im Gegenteil: Hier zeichnet sich eine Trading-Chance Short ab.

Ab dem 22. März wird Siemens Energy für Beiersdorf im deutschen Leitindex notiert sein. Das bedeutet, dass Fonds und ETFs, die den DAX abbilden, hier zugreifen müssten, damit man zum Stichtag den richtigen „Korb“ an Aktien im Portfolio hat. Das kann den Kurs treiben, muss es aber nicht. In diesem Fall ist es, zumindest nicht unmittelbar nach der Bekanntgabe dieser Entscheidung, nicht passiert. Wieso? Das hat vermutlich zwei Gründe:

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Zum einen ist die Aktie bislang Teil des MDAX. Die dort agierenden Fonds und ETFs müssten Siemens Energy verkaufen, das bremst das Aufwärtspotenzial durch Käufe der institutionellen Akteure im DAX ab. Zum anderen pfiffen die Spatzen diese „Beförderung“ bereits von den Dächern, so dass sich viele Trader wohl bereits im Vorfeld Long positioniert haben und jetzt, nachdem sie sehen, dass die Nachricht keine weiteren Käufe auslöste, ihren Gewinn mitnehmen. Aber so, wie die Aktie am Donnerstag unter Druck kam, könnte dieser Aufstieg sogar zum Bumerang werden und ein charttechnisches Short-Signal entstehen. Wieso?

Expertenmeinung: Weil die Aktie zwar seit dem ersten Kurs von 22 Euro Ende September stark gestiegen ist, aber nicht gerade umwerfend attraktiv ist. Der Umsatz ist, wenn man diesen Bereich als Teil des Siemens-Konzerns zurückverfolgt, in den vier Jahren zwischen dem Geschäftsjahr 2016/2017 und dem am 30.9.2020 abgeschlossenen Geschäftsjahr 2019/2020 einschließlich um 8,7 Prozent gefallen. Während 2016/2017 nach Steuern noch 0,9 Milliarden Euro verdient wurde, setzte es 2019/2020 einen Verlust von 1,6 Milliarden. Und trotzdem ist die Aktie, gerechnet vom ersten Kurs bei 22 Euro, in der Spitze um 46 Prozent gestiegen.

Würde man damit rechnen können, dass der Gewinn im laufenden Geschäftsjahr 2020/2021 wieder rasant zulegt, könnte man diesen Kurslevel rechtfertigen. Aber ob es so kommt, weiß man nicht, denn die Prognose von Siemens Energy selbst ist eher schwammig. Der Umsatz soll zwischen zwei und zwölf Prozent steigen, die um Sonderfaktoren bereinigte Gewinnmarge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen soll zwischen drei und fünf Prozent liegen. Es würde nicht überraschen, wenn es eher die Spekulation auf die DAX-Aufnahme war, die die Aktie im November und Dezember trieb und weniger die Ansicht, hier eine günstig bewertete Aktie vorzufinden. Denn falls die durchschnittliche Analysten-Prognose eines Gewinns von 0,50 Euro pro Aktie für das laufende Geschäftsjahr zutreffen sollte, läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis derzeit bei knapp 60. Und das ist definitiv nicht „günstig“.

Es wäre daher nicht überraschend, sollte Siemens Energy dieses potenzielle Topp, das sich seit Jahresanfang ausbildet, ausgerechnet jetzt, nach ausgebliebenen Käufen als Reaktion auf die anstehende DAX-Aufnahme, vollenden. Sollte der Kurs die Supportzone 29,35/30,00 Euro hinreichend deutlich durchbrechen, indem das gestrige Tages-Verlaufstief (28,91 Euro) auch auf Schlusskursbasis unterboten würde, wäre die Topp-Formation vollendet und der Weg für die Bären erst einmal frei.

Siemens Energy Aktie: Chart vom 04.03.2021, Kurs 29,31 Euro, Kürzel ENR | Online Broker LYNX

Ende September 2020 brachte Siemens seine Energiesparte an die Börse. Seither ist Siemens Energy eine eigenständige Aktie, wobei Siemens noch etwas über 30 Prozent an dem Unternehmen hält. Der Name ist dabei ein wenig irreführend: Siemens Energy ist kein Energieversorger wie z.B. RWE oder E.ON, sondern eher ein „Versorger der Versorger“, der z.B. Turbinen, Transformatoren oder Generatoren für die verschiedensten Arten von Kraftwerken bereitstellt, über eine Beteiligung an Siemens Gamesa kommt ein Bereich hinzu, der Windkraftanlagen baut. Wenn man sich die kurze Historie dieser Aktie so ansieht, scheint das eine Goldgrube zu sein.

Die Aktie startete am 28. September bei 22 Euro und erreichte am 12. Januar das bisherige Verlaufshoch von 34,48 Euro. Ein Anstieg von in der Spitze gut 56 Prozent in kaum mehr als einem Quartal, das ist beeindruckend. Würden Umsatz und Gewinn rasant wachsen, wäre das nachvollziehbar. Aber der Umsatz bewegt sich seit 2017 kaum. Und was die Gewinne angeht, waren das im am 30.9. beendeten Geschäftsjahr 2019/2020 Verluste.

Ende Januar legte Siemens Energy dann die vorläufigen Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020/2021 vor (d.h. zum vierten Kalenderquartal 2020). Der Umsatz stieg gegenüber dem vierten Kalenderquartal 2019 um 2,6 Prozent, zugleich wurde wieder ein Gewinn erzielt, der indes schwer in die vergangenen Jahre einzuordnen ist. Erst mit der aktuellen Struktur ließe sich eine gut vergleichbare Historie für die Profitabilität beginnen.

Expertenmeinung: Eine knifflige Sache, denn so ist kaum einzuordnen, ob die Ergebnisse des vierten Kalenderquartals 2020 die Basis für höhere Kurse sein können. Zumal man die von Siemens Energy gelieferte Prognose für das Jahr 2020/2021 als erstaunlich „elastisch“ bezeichnen könnte: Der Umsatz soll zwischen 2 und 12 Prozent steigen, die um Sonderfaktoren bereinigte Gewinnmarge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen wird in der Region zwischen drei und fünf Prozent erwartet. Immerhin, mit dem gemeldeten Umsatzplus von 2,6 Prozent lag man am unteren Ende der Spanne, mit einer Marge von 5,6 Prozent etwas über der Prognose.

Man darf sich fragen, ob all diejenigen, die am Dienstag nach einer Phase, in der die Aktie sich kaum noch bewegte, zugegriffen haben, überzeugt sind, dass die Gewinnperspektive hier höhere Kurse rechtfertigt oder ob nicht zum allergrößten Teil die Charttechnik und kurzfristige Spekulation die Rolle spielte. Immerhin haben o.a. vorläufige Ergebnisse des ersten Geschäftsjahresquartals 2020/20231 die Aktie ebenso wenig über das am 12. Januar markierte, bisherige Hoch getragen wie die Meldung, dass Siemens Energy plant, 7.800 Stellen abzubauen – von derzeit 91.000. Was nicht gerade andeutet, dass man sich gerade vor Aufträgen nicht mehr retten könnte.

Rein aus charttechnischer Sicht ist der durch den gestrigen Anstieg gelungene Ausbruch aus einer konsolidierenden Dreiecksformation bullisch und kann, würde zügig ein Anstieg über das bisherige Verlaufshoch von 34,48 Euro gelingen, womöglich charttechnisch induzierte Anschlusskäufe auslösen. Ob die Aktie diesen Level aber auch wert wäre, ist derzeit kaum eingrenzbar, daher wär es in jedem Fall ratsam, sich abzusichern. Sollte der Ausbruch zum Bumerang werden, indem die Aktie mit Schlusskursen unter 31 Euro durch die Dezember-Aufwärtstrendlinie rutscht, wäre unbedingt zu überlegen, sich hier zu verabschieden.

Chart vom 16.02.2021, Kurs 32,93, Kürzel ENR | Online Broker LYNX

Siemens Energy hat eine beachtliche Rallye hingelegt. Sollte man die nächste Chance zum Einstieg nutzen, oder sieht es eher schlecht aus?

Das nächste Spin-Off von Siemens

Seit Ende September vergangenen Jahres ist Siemens Energy eigenständig an der Börse.
Siemens-Aktionäre erhielten für jedes Papier eine halbe Aktie der nun abgespaltenen Energiesparte.
Bisher dürfen sie sich freuen, denn der Kurs liegt weit über der Erstnotiz.

Stellt sich nur die Frage, ob auf diesem Niveau noch nennenswertes Potenzial vorhanden ist, oder eher die Risiken überwiegen.

Ein neuer Gigant

Die ehemalige Konzernsparte von Siemens ist wahrlich kein Fliegengewicht. Derzeit liegt der Börsenwert bei 23,75 Mrd. Euro.
Damit ist man mehr Wert als 12 der 30 Dax-Unternehmen.

Ob das angemessen ist, werden wir sehen. Wie immer liegt die Wahrheit in den Zahlen.

Siemens Energy erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 28,8 Mrd. Euro. Die Bruttomarge ist mit 14,5% aber niedrig, selbst für diese Branche.

Zum Vergleich: E.On kommt auf 22% und RWE auf 27%. Das ist kein guter Anfang, denn auch diese Aktien sind alles andere als langfristige Outperformer.

Sie alle haben es schwierig, denn Stromerzeug und -Übertragung usw. ist kein einfaches Geschäft.

Der Wettbewerbsdruck ist hoch, ebenso der Kapitalbedarf. Die Renditen und Margen sind hingegen niedrig.
Darüber hinaus ist die Branche massiv reguliert.

Daher ist es sehr selten, dass Aktien aus diesem Sektor langfristige Outperformer sind.

Das muss man wissen

In gewissem Maß gilt das auch für den Bau von Gasturbinen, Dampfturbinen, Generatoren, Transformatoren und Kompressoren. Auch in diesem Sektor ist man tätig, wie auch im Bereich erneuerbare Energie.

Siemens Energy wird erst noch beweisen müssen, dass man überhaupt nachhaltig profitabel arbeiten kann.
Bisher ist das nicht überzeugend gelungen.

Seit 2017 ist der Umsatz von 30,09 auf 28,80 Mrd. Euro gesunken und das Ergebnis ist von 910 auf 158 Mio. Euro eingebrochen.
Freudenstürme dürfte das bei keinem Anleger auslösen.

Läuft es aktuell besser?

Die Aktie wird aber trotzdem gekauft und steigt. Womöglich konnte das Unternehmen ja in der jüngeren Vergangenheit, also den letzten Quartalen überzeugen.

Im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr sank der Umsatz um 5% auf 27,46 Mrd. Euro.
Das Ergebnis implodierte von +0,22 auf -2,21 Euro je Aktie.

Ein Großteil der Verluste ist zwar auf Sondereffekte zurückzuführen, aber auch ohne das wäre man Defizitär gewesen.

Der freie Cashflow vor Steuern war von 1,16 Mrd. auf 0,98 Mrd. Euro ebenfalls rückläufig.

Einzig positiv ist der anhaltend hohe Auftragsbestand von 79 Mrd. Euro. Das hat bisher aber auch nicht geholfen.

Tendenz und Ausblick

Darüber hinaus hat sich die Lage im vierten Quartal weiter verschlechtert.

Der Umsatz sank um 8% auf 6,99 Mrd. Euro. Das Ergebnis ist von 0,07 auf -0,51 Euro je Aktie eingebrochen.
Der freie Cashflow gab um 67% nach und der Auftragseingang um 24%.

Mir fällt es daher ziemlich schwer, den Enthusiasmus der Anleger zu teilen.

Hier wird ausschließlich Hoffnung gekauft. Die Hoffnung, dass alles besser wird.

Doch selbst wenn man zeitnah wieder so viel verdient, wie im besten uns bekannten Jahr (2017), läge das KGV noch bei 26.
In dieser Branche ist das außerordentlich viel.

Tatsächlich wird für das angebrochene Geschäftsjahr aber nicht viel mehr als eine schwarze Null erwartet. Im Folgejahr soll das Ergebnis dann hoffentlich wenigstens bei 0,80 Euro je Aktie liegen – das entspräche aktuell einem KGV von 38.

Kein Wunder, dass Siemens an diesem Spin-Off nur 35,1% der Anteile behalten wollte. Bei Healthineers waren es knapp 80%.
Das sagt wohl genug.

Chart

Aus technischer Sicht ist die Aktie ebenfalls angeschlagen. Nachdem die Aktie über Wochen hinweg im Widerstandsbereich bei 34 Euro gescheitert ist, kommt es nun zu Verkaufsdruck.
Mögliche Anlaufstellen auf der Unterseite liegen bei 30 sowie 28,75 Euro.

Rutscht die Aktie unter den noch intakten Aufwärtstrend, also unter 28,75 Euro, kommt es zu einem prozyklischen Verkaufssignal.

Chart vom 15.01.2022 Kurs: 30,74 Kürzel: ENR - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 15.01.2022 Kurs: 30,74 Kürzel: ENR – Tageskerzen

Auf einmal war er Ende September da, der Spinoff des Siemenskonzerns namens Siemens Energy. Siemens-Aktionäre erhielten pro zwei Siemens-Aktien eine Aktie dieser abgespalteten Energiesparte ins Depot gebucht. Und mittlerweile ist dieser Neuzugang auch schon im MDAX notiert, obgleich die Aktie erst auf eine Historie von dreieinhalb Monaten zurückblicken kann. Die Masse macht’s, Siemens Energy wies von Anfang an eine Marktkapitalisierung auf, die das Unternehmen klar für den MDAX qualifizierte. Aktuell liegt diese Marktkapitalisierung sogar bei 24 Milliarden Euro, Platz 5 im MDAX. Was dem Kursverlauf zu verdanken ist.

Denn die Aktie, die ihr Börsenleben am 28. September bei 22 Euro begann, schien zwar bis Anfang November nicht allzu viele zu interessieren. Aber dann ging es los: Der Kurs zog an, machte im Dezember eine Pause und steigt seit der Weihnachtswoche erneut in hohem Tempo. Mittlerweile notiert Siemens Energy über 50 Prozent über dem anfänglichen Kurs. Und das Plus von 4,17 Prozent am gestrigen Mittwoch, mit dem diese Aktie zum Tagessieger im MDAX avancierte, deutet an, dass das Kaufinteresse offenbar noch nicht versiegt ist. Die Frage ist indes: Ist dieser Kursanstieg von den Fundamentals unterfüttert? Kann die Aktie diesen Level halten oder im Idealfall noch ausbauen, weil Umsatz und Gewinn sich stark entwickeln, die Perspektive ideal ist, die Bewertung noch Luft nach oben bieten würde?

Expertenmeinung: Wenn die Antwort auf diese Fragen wie in diesem Fall „vielleicht“ lauten muss, sollte man zumindest vorsichtig werden. Siemens Energy entwickelt, baut und liefert so ziemlich alles, was mit Energie zu tun hat. Sicherlich ein Bereich, der mittelfristig Wachstumschancen bietet, keine Frage. Und natürlich wurde dieses Unternehmen nicht aus dem Boden gestampft. Was hier an der Börse angetreten ist, sind Bereiche, die seit ewigen Zeiten unter dem Dach der Siemens AG existierten und international etabliert sind. Aber das ist keine Garantie dafür, dass Siemens Energy als eigenständiges Unternehmen gut funktionieren müsste. Das wird erst die Zukunft zeigen.

Die einzigen Zahlen, die seit dem Börsendebüt vorgelegt wurden, blicken auf das am 30. September beendete Geschäftsjahr 2019/2020. Und das war natürlich nicht gut: Der Umsatz ging um 4,5 Prozent zurück, aus einem Gewinn von 1,5 Milliarden Euro vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA), der 2018/2019 erzielt wurde, wurde 2019/2020 ein Verlust von 17 Millionen Euro. Das Nettoergebnis lag bei -1,9 Milliarden Euro nach +282 Millionen im Geschäftsjahr 2018/2019. Mit grandiosen Zahlen fällt das Unternehmen also nicht gerade auf. Natürlich kann man erwarten, dass 2020/2021 nicht so furchterregend schlecht werden dürfte wie 2019/2020. Aber wie genau wird es denn laufen?

Man kann es nicht abschätzen. Und das bei einer Aktie, die gerade binnen dreieinhalb Monaten 50 Prozent gestiegen ist, das ist nicht unproblematisch. Zwar stufen 15 von den 16 die Aktie bislang beobachtenden Analysten die Aktie mit „Kaufen“ ein. Aber solche Analysen werden ja nicht alle paar Tage aktualisiert, die meisten Einschätzungen stammen noch aus der Anfangsphase im Oktober/November. Das erkennt man auch an der breiten Spanne der Kursziele, denn die reichen von 24 bis 46 Euro. Der Schnitt liegt derzeit bei 32 Euro, darüber ist die Aktie bereits hinaus.

Eine Aktie aus einer konjunktursensiblen Branche, neu am Markt, aber in kurzer Zeit 50 Prozent über den Level von Ende September gestiegen, dazu aus markttechnischer Sicht gerade überkauft (siehe der Stochastik-Oszillator im Chart), da sollte man sich jetzt den Neueinstieg gut überlegen. Zumal die durchschnittliche Gewinnschätzung der Experten für 2020/2021 bei 50 Cent pro Aktie liegt, das heißt, das Kurs/Gewinn-Verhältnis für das noch junge, laufende Geschäftsjahr läge momentan bei 67 … wenn die Aktie nicht weiter steigen würde und die Voraussagen auch eintreffen. Das ist für ein Industrieunternehmen „sportlich“.

Es würde sich anbieten, bestehende Positionen konsequent abzusichern, denn was hochsteigt, kann eben auch leicht mal tief fallen. Hierfür bietet die so kurze Historie nur eine Orientierungsbasis, nämlich den doppelten Leitstrahl der Rallye, bestehend aus der November-Aufwärtstrendlinie und der 20-Tage-Linie, aktuell im Bereich 28,20/29,10 Euro. Knapp unterhalb diese beiden zügig aufwärts nachlaufenden Linien einen Stoppkurs zu platzieren, kann sicherlich nicht schaden.

Siemens Energy Aktie: Chart vom 13.01.2021, Kurs 33,70 Euro, Kürzel ENR | Online Broker LYNX