Ein Plus von 7,5 Prozent im Dezember: Gold-Investoren, die sich trotz der 10 Prozent Korrektur im November nicht haben verunsichern lassen, atmen wieder auf. Ist damit die Korrektur schon beendet? Sollte man jetzt einsteigen? Antworten erhalten Sie anhand einer Trade-Idee in dieser Gold-Analyse.

Rückblick: Die Bullen zeigen ihre Muskeln

Die Gold-Anleger können optimistisch ins neue Jahr blicken. Nach dem Preisrutsch im November sahen wir im Dezember wieder steigende Kurse. Die Bilanz: +7,5 Prozent Kursgewinn und ein Monatshoch bei 1.912 USD. Damit kommt man dem Rekordhoch bei 2.089 USD wieder näher.

Nach kleineren Gewinnmitnahmen in der letzten Woche, konnte sich der Terminkontrakt mit Laufzeit Februar 2021 im Gold-Future wieder stabilisieren und pendelt in dieser Handelswoche zwischen 1.873 USD und 1.904 USD seitwärts (vgl. Chart unten).

Jetzt fragt man sich, geht den Bullen die Kraft aus oder ist das nur die Ruhe vor dem nächsten Anstieg?

Um die Lage besser einschätzen zu können, zoomen wir ein wenig heraus und schauen uns an, wie sich der oben beschriebene Kursverlauf in das große Chartbild einfügt.

Überblick: Aufwärtstrend trotz Korrektur intakt

Ein Blick auf den Monatschart des Rohstoffs Gold (Kürzel XAUUSD) oben zeigt: Der Goldpreis hat das bisherige Rekordhoch aus dem Jahr 2011 im ersten Anlauf überwunden. Wenn solch markante Chartmarken im ersten Versuch genommen werden, dann ist das richtungsweisend und kann als sehr bullisch interpretiert werden.

Der übergeordnete Aufwärtstrend, in Form von höheren Hochs und höheren Tiefs (im Chart oben grün markiert), ist weiter intakt. Daran ändert auch die deutliche Korrektur seit dem Rekordhoch im August bei 2.089,20 USD nichts. Zwar hat sich der Preis für eine Feinunze seitdem um über 250 USD verbilligt, was aber nach einer fast 700 USD starken Preisrallye auch gesund ist und Raum für weitere Kursanstiege bietet.

Die technische Großwetterlage ist somit „bullisch“.

Aktuell befindet sich der Goldpreis bei 1.880 USD knapp unterhalb des ehemaligen Rekordhochs aus dem Jahr 2011. Gleichzeitig, aber deutlich über der im Chart grün eingezeichneten Unterstützungszone. Genau dort liegt der bisherige Wendepunkt im Chart.

Damit ist klar…

Solange der übergeordnete Aufwärtstrend intakt ist, sind eine Trendfortsetzung und damit eine weitere Bewegungswelle nach oben wahrscheinlicher. Aus Chance-Risiko Gesichtspunkten ist es deshalb sinnvoller Kursschwäche zu kaufen, als Kursstärke zu verkaufen.

Denn auch an den fundamentalen Rahmenbedingungen hat sich nichts geändert.

Die mauen Konjunkturaussichten und die weltweite Liquiditätsflut der Notenbanken, dürften die Renditen für Staatsanleihen weiterhin gedrückt halten. Gleichzeitig schüren die milliardenschweren Konjunkturpakete der Regierungen, der damit verbundene rasante Anstieg der Staatsverschuldung und die Aussicht auf Leitzinsen nahe Null die Furcht vor der Geldentwertung. Das dürfte die Anleger weiter in die Edelmetalle treiben.

Darüber hinaus könnte auch ein sehr wichtiger Käufer schon bald auf den Goldmarkt zurückkehren – die Schmuckindustrie. In guten Jahren wird hier mehr als die Hälfte der Weltproduktion nachgefragt. Nach den historischen Nachfrage-Einbrüchen von 43 und 57 Prozent in China und Indien in den ersten 3 Quartalen 2020, erwarten Experten einen Nachholeffekt. Gerade wenn die zahlreichen wegen Corona verschobenen Hochzeiten nachgefeiert werden. In Indien ist Gold als Hochzeitsgeschenk Tradition.

Jetzt stellt sich die Frage: Wo ist ein gutes Einstiegsniveau mit einem attraktiven Chance-Risiko Verhältnis für einen Long-Trade?

Ausblick: Korrektur schon abgeschlossen?

Wenn wir anhand eines Tagescharts im Rohstoff Gold weiter in das aktuelle Marktgeschehen hineinzoomen, dann sehen wir, dass der Kurs derzeit bei 1.879 USD notiert. Also deutlich unter dem Rekordhoch im Future von 2.089,20 USD. Bevor dieses erneut erreicht werden kann, müssen zunächst die technischen Widerstände im Bereich von 1.900 bis 1.920 USD und danach bei 1.975 USD aus dem Weg geräumt werden (vgl. Chart unten).

Die Unterstützung im Bereich von 1.830 USD könnte dafür die Basis sein. So könnte Gold schon recht zeitnah den übergeordneten Aufwärtstrend wieder aufnehmen. Dafür gibt es derzeit einige Anzeichen…

Das Saisonale Muster im Gold

Wie an den Aktienmärkten gibt es auch beim Goldpreis eine Saisonalität. Ein Blick auf den Chart unten macht klar…

Die Wahrscheinlichkeit für einen steigenden Goldpreis ist derzeit höher als für fallende Kurse. Wenn wir uns den durchschnittlichen Kursverlauf der letzten 20 Jahre in der Grafik oben näher anschauen dann sehen wir, dass im gelben Edelmetall statistisch gesehen von Anfang Januar bis Mitte Februar eher mit steigenden Kursen gerechnet werden kann. So konnte der Goldpreis in den letzten 20 Jahren in diesem Zeitraum durchschnittlich um gut vier Prozent zulegen. Trotz des Preisanstiegs im Dezember, bläst der statistische Rückenwind bis Ende Februar noch für die Gold-Bullen.

Der US-Dollar weiter im Sinkflug

Legte der US-Dollar zu Beginn der Krise gegenüber fast allen Währungen deutlich zu, verliert der USD seit Monaten auf breiter Front immer mehr an Wert (vgl. Chart unten).

So verlor der US-Dollar-Index (Kürzel DX) von 103,96 USD im März auf 89,64 USD im Dezember fast 14 Prozent. Der DX ist eine Kennzahl, die den Wert des USD gegenüber einem ausgewählten Währungskorb aus sechs Währungen (EUR, JPY, GBP, CAD, SEK, CHF) misst. Da Gold in USD gehandelt wird, verbilligt ein schwächerer Dollar das Edelmetall für Anleger außerhalb des Dollarraums. Das dürfte sich positiv auf die Goldnachfrage und damit auch auf den Goldpreis auswirken.

Analysten der Citigroup halten derzeit im Extremfall sogar eine weitere Abwertung von 20 Prozent für möglich. Ein Kurs deutlich unter einem fallenden 50-Tage-Durchschnitt, im Chart oben blau eingezeichnet, gepaart mit einer Abfolge tieferer Hochs und tieferer Tiefs verdeutlichen den aktuellen Abwärtstrend im DX. Statistisch gesehen ist damit eine Trendfortsetzung wahrscheinlich.

Diese technischen Kaufsignale sollten Sie auf dem Radar haben

In einer kleineren Trendgröße hat sich ein Aufwärtstrend etabliert. Sie erkennen dies an den oben im Chart unten grün eingezeichneten höheren Hochs und höheren Tiefs. Kurzfristig sind daher erstmal weitere Kursgewinne wahrscheinlicher.

Zweitens befindet sich der Volumengewichtete Durchschnittskurs (VWAP) aller seit dem März-Verlaufstief bei 1.450 USD gehandelten Futures-Kontrakte derzeit bei 1.836 USD. Da institutionelle Händler oft am VWAP gemessen werden, fungiert dieser volumenbasierte Preis oft als Unterstützung bzw. Widerstand im Preischart.

Drittens notiert der Goldpreis durch den Preissprung seit Anfang Dezember derzeit wieder über dem einfachen 50- und auch 200-Tage-Durchschnitt (vgl. blaue und rote Linie im Tageschart oben). Letzterer gleitender Durchschnitt steigt weiter an. Diese Tatsache wird von vielen Markteilnehmern als bullisch interpretiert.

Darüber hinaus könnte im Bereich des 200er SMA und des VWAPs ein harmonisches Kursmuster vervollständigt werden. Diese Kursmuster signalisieren mögliche Umkehrpunkte im Chart und werden von mir gerne als Einstiegssignal genutzt.

Einblick: Attraktive Trade-Idee mit einem CRV von 2,73 für einen Long-Einstieg im Gold-Future

Ein Test einer wichtigen Unterstützung im Bereich von 1.830 USD könnte Ihnen den perfekten Einstieg für einen Long-Trade in Gold liefern. Damit würden Sie von einer möglichen Aufwärtsbewegung im Gold-Future profitieren (vgl. Chart unten).

Als professioneller Trader lege ich mich täglich auf die Lauer. Ich warte geduldig bis sich Trading-Chancen am Markt mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis ergeben, ohne blind den Kursen hinterher zu rennen.

Wie oben erläutert, befindet sich die Preis-Zone im Chart des Gold-Futures für eine mögliche Unterstützung im Bereich 1.830 USD. Knapp darüber, nämlich bei 1.826 USD, verläuft aktuell der einfache 200-Tage-Durchschnitt und könnte eine weitere Aufwärts-Bewegung einleiten.

Sollten Sie sich für einen Long-Trade entscheiden, können Sie bei 1.831 USD einsteigen und sich mit einer Stopp-Loss Order bei 1.808 USD, also unter dem Verlaufstief von Mitte Dezember, absichern. Damit berücksichtigen wir auch die aktuelle Volatilität im Gold-Future.

Ein mögliches Gewinnziel wäre bei 1.894 USD. Daraus ergibt sich für die Trade-Idee ein Chance-Risiko-Verhältnis von 2,73.

Sobald nach einem möglichen Einstieg das Kurslevel von 1.861 USD erreicht wird, kann der Stopp-Loss der Position auf den Einstieg nachgezogen werden. Das Restrisiko wird damit auf null reduziert.

Fazit der Gold-Analyse:

Die aktuelle Analyse des Gold-Futures zeigt: Eine mögliche Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends eröffnet eine attraktive Chance für einen Long-Trade. Ein möglicher Umkehrpunkt im Chart könnte im Bereich von 1.831 USD liegen.

Falls es im Gold-Future von dort weg zu einer weiteren Aufwärtsbewegung kommt, könnten Sie als Leser dieser Analyse von der oben vorgestellten Trade-Idee profitieren. Geht diese auf, könnten Sie für jeden eingesetzten Euro 2,73 Euro zurückerhalten.

Doch bitte denken Sie immer daran, der Kursverlauf kann sich jederzeit auch anders entwickeln und zu Verlusten führen. Ein aktives Risiko- und Trademanagement sind daher ebenfalls sehr wichtig.

Risiken für die Trade-Idee bestehen vor allem darin, dass auch der Goldpreis im Rahmen eines Risk-On-Sentiments und den damit verbundenen höheren Renditen an den Rentenmärkten weiter unter Druck gerät.

Am einfachsten und vor allem kostengünstigsten können Sie die vorgestellte-Trade-Idee mit Futures umsetzen. Je nach Kontogröße und Risikoeinstellung können Sie z.B. den Februar Gold-Future (Symbol: GCG1) oder den kleineren Micro-Gold-Future (Symbol: MGCG1) dafür einsetzen. Diese Kontrakte haben derzeit das größte Handelsvolumen.

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Andreas Fink, Futures-Händler | LYNX Börsenexperten
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