XAUUSD Prognose Gold: Diesmal läuft es anders … die Bullen bleiben dran

News: Aktuelle Gold Analyse des London Gold Spot

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London Gold Spot
ISIN: XC0009655157
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Ticker: XAUUSD
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Währung: USD
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Anfang Dezember wurde schon zum dritten Mal versucht, das alte Hoch vom Sommer 2020 zu überwinden, wieder wurde der Goldpreis dabei förmlich „abgeschossen“. Aber diesmal läuft es anders als beim letzten Versuch im Mai. Denn diesmal bleiben die Bullen dran.

Für Gold gilt: Alles kann, nichts muss. Es gibt keinen berechenbaren „fairen Wert“, es gibt nur Angebot und Nachfrage. Und das, was den Kurs betrifft, auf zwei Ebenen: Auf Basis der tatsächlichen Nachfrage nach „körperlichem“ Gold für die Geldanlage, als Zentralbankenreserve, für Schmuck oder die Industrie. Und auf Basis der Spekulation, die letztlich für den Goldpreis meist die entscheidende Ebene ist. Denn dass der Kurs sich an einer steigenden oder fallenden Nachfrage nach echtem Gold orientiert, ist nicht zwingend. Alles kann. Nichts muss.

Was auch bedeutet: Die Seite, die mehr Kapital und Entschlossenheit an den Tag legt, bestimmt den Trend. So entschlossen, wie man den kurzen Ausflug des Goldpreises über die alte Hürde von 2.075 US-Dollar im Mai abverkauft hatte, waren es die Bären, die damals das Ruder nicht nur in die Hand bekamen, sondern es auch von Anfang Mai bis Anfang Oktober in der Hand behielten.

Und so, wie sich der Ausbruchsversuch Anfang Dezember präsentierte, dürften viele sicher gewesen sein, dass es diesmal ganz genauso laufen würde: Ein Ausbruchsversuch wird zur Bullenfalle und zum Bumerang, weil er in einen Abwärtstrend mündet. Aber bislang läuft es nicht so.

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Expertenmeinung: Dabei hätten die Short-Seller eine perfekte Vorlage gehabt. Vom neuen Verlaufshoch bei 2.150 US-Dollar, das eigentlich so weit oben lag, dass man hätte denken können, dass die Sache „durch“ sei, bis auf 2.020 US-Dollar innerhalb eines Tages, heftiger hätte die Abfuhr nicht ausfallen können. Und gerade weil man diese noch junge Vorlage vom Frühjahr hatte, hätte die Käuferseite da umgehend die Beine in die Hand nehmen müssen. Eigentlich.

Gold: Chart vom 27.12.2023, Kurs 2.077,30 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Gold: Chart vom 27.12.2023, Kurs 2.077,30 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Zwar fiel Gold danach tatsächlich noch einige Tage weiter. Doch im Bereich der Supportzone um 1.980 US-Dollar, noch deutlich oberhalb der wichtigen 200-Tage-Linie, fing sich das Edelmetall. Nicht an, sondern über dieser Linie und zu einem Zeitpunkt, zu dem der Goldpreis markttechnisch noch nicht überverkauft war … das ist bemerkenswert.

Ob da bärische Trader früher ihre Positionen eindeckten und das den Kurs höher zog oder entschlossene Bullen diesmal nicht bereit waren, klein beizugeben, war zwar zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennbar. Aber seither kämpft sich der Goldpreis Dollar für Dollar wieder zurück und schloss am Mittwochabend erneut an dieser alten Hürde, der Linie um 2.075 US-Dollar. Die Bullen sind also noch da, bereit, es schnell noch einmal zu versuchen.

Und das ist eine Entwicklung, die die Gegenseite zweifellos so nicht erwartet hat. Gut möglich also, dass es, wenn Gold einen erneuten Ausbruchsversuch zeigt, die Bären sein werden, die die Beine in die Hand nehmen, statt dagegen zu halten!

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Vorherige Analysen des London Gold Spot

Mit 2.150,24 US-Dollar markierte Gold am frühen Montag ein deutlich über dem vorherigen liegendes Hoch. Doch am Abend wurde aus dem Ausbruch eine Bullenfalle. Es gilt mehrere Gründe, warum das nicht überrascht. Aber noch ist die Sache für die Bullen nicht verloren.

Gold ist heutzutage kein „Krisenbarometer“ mehr, das muss man vorausschicken. Würde man argumentieren, dass die Anleiherenditen fallen, die Aktien steigen und der Abwärts-Turnaround des Goldpreises deswegen entstand, dass das Umfeld für einen steigenden Goldpreis damit nicht gegeben ist, vergisst man eines: Wäre der Ausbruch von einem „alles-ist-gut“-Umfeld ausgebremst worden, hätte es den neuen Verlaufsrekord, der jetzt abverkauft wurde, ja gar nicht erst gegeben.

Dieser Ausbruch basiert mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht darauf, dass auf einmal zahllose Marktteilnehmer glaubten, jetzt sofort ihr Kapital durch den Kauf von Gold „retten“ zu müssen. Wir sehen seit Ende Oktober Mittelzuflüsse in alle Bereiche. Bislang „geparktes“ Kapital kommt zum Einsatz, bei Gold, Aktien und Anleihen gleichermaßen. Und fangen einige damit an, ziehen andere nach, in der Hoffnung, damit schnell Gewinn zu erzielen. Und wenn man Gold von seinem Nimbus des „sichern Hafens“ löst und es als ein Asset wie die anderen betrachtet, überrascht auch nicht, dass dieser Kurssprung am Ende des Tages zum Bumerang wurde.

Expertenmeinung: Gold war schon per Freitagabend in Position gebracht worden. Dass die Feinunze zum Wochenschluss ziemlich genau am alten, 2020 markierten Rekordhoch notierte, das dann im Frühjahr 2022 und im Mai 2023 erneut angegangen, aber beide Male nicht überwunden wurde, ist ja kein Zufall. Große Trader provozierten eine „Sekt oder Selters“-Situation, die dann im frühen asiatischen Handel, als man in Europa noch schlief, in diesen massiven Kurssprung mündete. Das war der Moment, in dem sich zeigen musste:

Gold: Wochenchart vom 04.12.2023, Kurs 2.028,90 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Gold: Wochenchart vom 04.12.2023, Kurs 2.028,90 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Kommen jetzt umgehend Anschlusskäufe oder aber nutzen so viele diesen auf einmal so hohen Kurs, um Long-Gewinne mitzunehmen, dass man auf bullischer Seite umgehend zusehen muss, aus diesem „Versuchsballon“ herauszukommen? Die Antwort sehen wir im Chart, nur war das auch nicht unbedingt eine allzu große Überraschung, denn:

Der Goldpreis war schon per Freitagabend markttechnisch überkauft gewesen. Am Tageshoch bei gut 2.150 US-Dollar war er es daher erst recht und, mehr noch, er hatte da auch die obere Begrenzung des sehr steilen, im Oktober begonnenen Aufwärtstrendkanals touchiert. Es ging zu schnell zu weit, das forderte Gewinnmitnahmen förmlich heraus. Und als die Trader sahen, dass das neue Hoch nicht hielt, sondern der Kurs ins Minus rutschte – was bereits zu Handelsbeginn in Europa der Fall war – hieß die Parole: Jetzt mal lieber den Long-Gewinn der letzten Wochen mitnehmen, solange er noch da ist.

Gold: Tageschart vom 04.12.2023, Kurs 2.028,90 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Gold: Tageschart vom 04.12.2023, Kurs 2.028,90 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Wird es jetzt genauso laufen wie im Mai, als der gescheiterte Ausbruchsversuch der Beginn einer langen Korrektur wurde? Das kommt darauf an, was in den kommenden Tagen passiert. Denn erst, wenn der Goldpreis mit Schlusskursen unter 1.980 US-Dollar den vorgenannten Aufwärtstrendkanal signifikant bricht, dürften zu den Gewinnmitnahmen mehr aktiv auf fallende Notierungen setzende Bären kommen. Solange das nicht der Fall ist, hätten die Bullen noch eine zweite Chance … die sie aber dann auch zügig nutzen müssten!

Wenn man sich das Umfeld so ansieht, darf man sich beinahe wundern, dass der Goldpreis weiterhin in Reichweite neuer Rekordhochs notiert, statt als „nicht benötigter, sicherer Hafen‘“ angesehen zu werden und haltlos wegzubrechen. Aber die Bullen dürften wissen, was sie tun.

Auf den ersten Blick hätte ein Ausbruch über die seit 2020 ausgebildeten drei Verlaufshochs zwischen 2.075 und 2.096 US-Dollar keine Chance. Schließlich glaubt man am Aktienmarkt ebenso wie am Anleihemarkt, das Ende der Zinserhöhungen als bullisches Ereignis feiern zu können. Geld fließt in beide Märkte, die Aktienkurse legen zu, die Renditen der Anleihen fallen, was bedeutet: Auch hier wird gekauft, auch hier steigen die Kurse.

Was bliebe da noch für Gold? Warum sollte von diesem durch in vielen Ländern sinkende Geldmengen knapper werdenden „Rohstoff Geld“ noch so viel für Gold übrig bleiben, dass das Edelmetall an und über die alten Hochs läuft und damit für diejenigen, die aktuell zugreifen, zum Gewinntrade wird? Denkbar wäre, dass die Gold-Bullen folgende Rechnung aufmachen:

Expertenmeinung: Der momentan durch die anziehenden Aktienmärkte noch befeuerte, relativ weit verbreitete Glaube, dass mit dem Ende der Leitzinserhöhungen alle Probleme vom Tisch seien, die Wirtschaft durchstarten und die Aktien immer höher steigen würden, ist eine Hoffnung ohne solides Fundament. Im Gegenteil ist das Risiko einer Stagflation hoch. Und das würde stagnierende bis sinkende Unternehmensgewinne und längere Zeit hohe Zinsen bedeuten. Zwar ist nie absehbar, wann eine Hausse, die auf tönernen Beinen steht, endet und ins Gegenteil umschlägt. Aber erfahrene Investoren wissen:

Gold: Chart vom 22.11.2023, Kurs 1.991,40 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Gold: Chart vom 22.11.2023, Kurs 1.991,40 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Meist muss man da einfach nur Geduld und Nerven mitbringen und abwarten. Und käme es zu einer solchen Situation, passiert wahrscheinlich, was meistens passiert: Viele suchen hektisch nach einem sicheren Hafen für aus Aktien und Anleihen abgezogenes Geld. Und da müsste sich Gold dann eben anbieten, sprich in einem aus charttechnischer Sicht „kaufbaren“ Zustand sein. Was zumindest im Moment der Fall wäre.

Denn die beeindruckende Rallye des Oktobers mündete zwar in eine Korrektur, diese wurde aber genau auf Höhe der 200-Tage-Linie abgefangen. Jetzt versucht man sich erneut an der runden, psychologisch zweifellos nicht unwichtigen 2.000 US-Dollar-Marke. Gelänge es, das Zwischenhoch, das vor der Korrektur im Bereich 2.000 bis 2.010 US-Dollar ausgebildet wurde, zu überwinden, hätte man auch ohne fundamentale Schützenhilfe eine gute Ausgangsbasis für einen erneuten Anlauf an die bisherigen Hochs, mit einer kippenden Stimmung am Aktien- und Anleihemarkt natürlich eine noch weit bessere.

Ob viele der Gold-Bullen wirklich eine solche Rechnung aufmachen, kann man nicht wissen, auch Gold-Tradern kann man nicht in die Köpfe schauen. Damit ist diese Herleitung der Gründe für den robusten Goldpreis ein Gedankenspiel. Kein Gedankenspiel, sondern Tatsache ist jedoch: Der Goldpreis ist derzeit stärker, als viele es erwarten würden … und das kann eben ein sehr gutes Sprungbrett für „mehr“ sein.

Ob Gold zulegt oder nicht, ist nicht zwingend an die Logik gekoppelt. Gold ist ein ebenso emotionales wie als besonders werthaltig angesehenes Asset, zugleich spielt die Charttechnik hier eine große Rolle. Wenn all das in dieselbe Richtung weist, ist nichts mehr unmöglich.

Im vergangenen Herbst, als die Inflation ihren Höhepunkt erreichte, markierte der Goldpreis ein mehrjähriges Tief. Obwohl gerade im Herbst 2022 die Angst, sein Erspartes durch Inflation zu verlieren, ein starkes Argument für ein Aufstocken von Positionen in Gold gewesen wäre. Aktuell sind die Inflationsraten deutlich niedriger, die Renditen der Anleihen unterdessen so hoch wie seit vielen Jahren nicht. Man könnte also denken: Ausgerechnet jetzt, bei nachlassenden Inflationsraten und Anleihe-Zinsen, die in Europa um einen neutralen Realzins liegen (Verzinsung minus Inflationsrate), in den USA sogar solide darüber, könnte man mit Gold keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken. Aber der Chart zeigt: Das Gegenteil ist richtig.

Goldpreis: Chart vom 30.10.2023, Kurs 1.995,40 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Online Broker LYNX
Goldpreis: Chart vom 30.10.2023, Kurs 1.995,40 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Gold war Ende September zwar aus einer monatelangen Handelsspanne nach unten ausgebrochen, kehrte aber Mitte Oktober wieder in diese Range zurück und ist aktuell im Begriff, diese nach oben zu verlassen. Gelingt es, die aktuell umkämpfte Widerstandslinie bei 1.988 US-Dollar mit Closings über 2.010 US-Dollar (d. h. über dem Schlusskurs und Verlaufshoch des Freitags) signifikant zu überwinden und damit auch die „magische“ Marke von 2.000 klar zu bezwingen, ginge es aus charttechnischer Sicht umgehend darum, die drei markanten Hochs der letzten Jahre bei 2.070, 2.075 und 2.096 US-Dollar zu überwinden. Letzteres ist der im Mai dieses Jahres markierte Verlaufsrekord. Aber hätte ein Ausbruchsversuch überhaupt eine Chance angesichts des Umstands, dass die Angst um den Werterhalt des Ersparten heute kleiner sein müsste als vor einem Jahr?

Goldpreis: Chart vom 30.10.2023, Kurs 1.995,40 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Online Broker LYNX
Goldpreis: Chart vom 30.10.2023, Kurs 1.995,40 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Expertenmeinung: Das hätte er. Denn wie gesagt: Gold und Logik gehen nicht Hand in Hand, Gold und Emotionen aber sehr wohl. Ein starker Trend zieht mehr andere Trader an als ein starkes fundamentales Argument. Davon abgesehen ist das Umfeld für Gold durchaus nicht schlecht, denn es geht nicht nur um die mögliche Konkurrenz der Anleihen und die Inflationsraten.

Es geht um das Gesamtbild. Und das ist, bestenfalls, grau in grau. Vielen Anlegern ist klar, dass der Aktienmarkt in nächster Zeit ein schwieriges Terrain sein wird. Und noch ist der ideale Zeitpunkt für Anleihen nicht da, denn noch steigen die Renditen tendenziell weiter, d. h. die Anleihekurse fallen noch. Richtig spannend werden Anleihen erst, wenn die Renditen fallen und damit die Kurse der Bonds steigen und Kursgewinne ermöglichen. Dadurch entsteht der Eindruck, dass es für Aktien derzeit ungünstig und für Anleihen noch zu früh ist.

Das bietet ein Zeitfenster, das die Gold-Bullen nutzen könnten, um mit einem Ausbruch nach oben für vollendete Tatsachen zu sorgen, dadurch weitere Akteure in den Markt zu bringen und auf diese Weise nicht nur einen Befreiungsschlag zu erreichen, sondern ihn auch zu verstetigen. Aber das sollte jetzt einigermaßen zügig vonstattengehen, denn Sie sehen anhand des Stochastik-Oszillators im Chart auf Tagesbasis, dass Gold auf kurzfristiger Ebene bereits überkauft ist. Das ist kein Grund für einen Abwärtsschwenk, solange das Aufwärts-Momentum hoch bleibt, aber das bedeutet eben für das bullische Lager: Jetzt oder nie!

Die Gold-Bullen haben ein Problem: Da sind zu viele rote Kerzenkörper im Candlestick-Chart des Goldpreises in den letzten Wochen. Auch, wenn dadurch – zumindest bis jetzt – eher wenig Raumgewinn nach unten entstand, dürfte den Bullen schwanen: Wir sind nicht stark genug.

Wer mit dem Rücken zur Wand steht, die Niederlage vor Augen, kämpft umso energischer und trägt deswegen bisweilen unerwartet den Sieg davon, sagt man. Aber an der Börse ist nicht entscheidend, ob man energisch kämpft. Hier geht es einfach darum, welche Seite den höheren Kapitaleinsatz einbringt. Wenn diejenigen, die beim Goldpreis auf der Short-Seite stehen, mit größeren Positionen agieren und diese sukzessiv ausbauen, werden die Bullen eben überrannt. Und danach sieht es momentan aus.

Man sieht das, wenn man sich diesen Chart auf Candlestick-Basis etwas genauer ansieht. Es fällt auf, dass seit dem Zwischenhoch vom Juli nahezu ausschließlich rote Kerzenkörper entstehen, was bedeutet, dass Gold unter dem Eröffnungskurs schloss. Das wirkt im ersten Moment unproblematisch, wenn dabei der Kurs selbst nicht viel nachgibt, aber das kann täuschen, denn:

Gold: Chart vom 21.08.2023, Kurs 1.894,50 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Gold: Chart vom 21.08.2023, Kurs 1.894,50 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS

Expertenmeinung: Wenn trotzdem keine Gegenreaktion nach oben entsteht, obwohl der Goldpreis nicht allzu rasant fällt und es so selten gelingt, den Tag auch mal über dem Eröffnungskurs zu beenden, deutet das an, dass a) die Short-Seite permanent präsent und stärker ist und b) die Bären offenbar langsam, aber sicher die vom Volumen her unterlegenen, wenngleich vorhandenen Kauforders abarbeiten.

Dass sich das momentan an einer Supportzone abspielt, konkret an der ins erste Halbjahr 2022 zurückreichenden Zone aus mehreren oberen und unteren Wendepunkten zwischen 1.877 und 1.890 US-Dollar, ohne dass die Käuferseite sichtbare Anzeichen eines engagierten Gegenangriffs zeigt, dürfte die Bären nur noch entschlossener machen. Natürlich könnte jederzeit überraschend eine große Kaufwelle losgetreten werden, die die „Shorties“ überrumpelt, aber:

Erstens hat man momentan nicht allzu viele Argumente für Gold, schließlich bietet die „Konkurrenz“ in Form von Anleihen derzeit Renditen, die so hoch sind wie seit vielen Jahren nicht. Und zweitens stellt sich die Frage: Wann, wenn nicht jetzt sofort, an dieser Supportzone, wollten die Bullen zurückschlagen, wenn sie es denn könnten?

Dass diese Zone fällt und Gold dann einen Anlauf an die untere Begrenzung des Abwärtstrendkanals startet, die langsam auf die Unterstützungszone 1.787/1.809 US-Dollar zusteuert, ist daher allemal ein denkbares Szenario. Um dem zu entkommen, müsste der Kurs des Edelmetalls umgehend zurück über die 200-Tage-Linie und dann mit Closings über 1.960 US-Dollar einen glaubwürdigen Befreiungsschlag zeigen. Aber das ist aktuell angesichts dieses Chartbilds die weniger wahrscheinliche Variante für die kommenden Wochen.

Die Gold-Bullen haben es derzeit nicht leicht. Viele Marktteilnehmer glauben, die Lage sei gut genug, um keinen „sicheren Hafen“ zu brauchen. Und die, die das anders sehen, erkennen die Chancen des Anleihemarkts. Was es jetzt bräuchte, ist ein klares, bullisches Signal!

Die Renditen am Anleihemarkt sind derzeit so hoch wie seit vielen Jahren nicht, das gilt wegen der invertierten Zinskurven vor allem für die kürzeren Laufzeiten. Und wenn erst einmal das Hoch der Leitzinsen erreicht ist und die Zinssenkungen beginnen, dann winken auch noch Kursgewinne bei den Bonds. Da müsste Gold schon sehr dynamisch laufen, um dies und die Inflation obendrein zu schlagen.

Außerdem wirkt es für viele, als gäbe es ohnehin keine Krise, immerhin sind noch viele Bereiche der Wirtschaft stabil oder wachsen sogar weiter. Dass das täuschen und zum Bumerang werden kann, mag sein. Aber wer das nicht erkennen kann oder will, sieht ebenso keine Notwendigkeit, bei Gold einzusteigen. Vor allem nicht bei diesem Chartbild.

Denn kaum etwas kann mehr abschrecken als ein gescheiterter Ausbruchsversuch nach oben. Dass Gold im Mai das alte, schon im Frühjahr 2022 vergeblich attackierte Rekordhoch aus dem Sommer 2020 bei 2.075 US-Dollar pro Feinunze kurz überwand, dann aber sofort abdrehte und dynamisch fiel, wirkt für viele wie eine Betonmauer, wie ein Beweis dafür, dass da Edelmetall dort nicht vorbeikommen kann. Ist das so?

Expertenmeinung: Nicht unbedingt. Die Argumente für Gold würden sehr schnell sehr viel größer, wenn sich herausstellen sollte, dass ein immer noch starker Arbeitsmarkt und ein trotz hoher Zinsen überraschend stabiler Immobilienmarkt nicht ausreichen, um die Gesamtwirtschaft zu stabilisieren – was für die USA und Europa gleichermaßen gälte. Und wenn man realisiert, dass genau diese Bereiche, die man weiter als stark ansieht, dann dafür verantwortlich sind, dass die Leitzinsen weiter steigen und länger als gedacht hoch bleiben müssen. Denn dann wären gleich beide Argumente gegen den „sicheren Hafen“ Gold auf einmal dahin.

Aber zunächst müsste das Chartbild in Position gebracht werden, sprich der Aufwärtstrend muss wieder aufgenommen werden. Und da hätten die Bullen jetzt zwar eine Chance. Aber die müsste man eben auch nutzen.

Wir sehen im Chartbild, dass es gelungen ist, den Goldpreis über der Supportzone 1.877/1.890 US-Dollar und der knapp darunter bei 1.868 US-Dollar verlaufenden 200-Tage-Linie zu stabilisieren. Das ist zwar schon mal gut. Aber erst, wenn Gold sich mit Schwung von dieser Zone absetzt und die jetzt angegangene Widerstandszone 1.932/1.960 US-Dollar bezwungen hätte, wäre aus der reinen Chance ein echtes, aufwärts weisendes Chartsignal geworden, das die Basis für einen neuen Anlauf an die Rekordmarke bieten würde. Noch also sollte man sich eines neuen Aufwärtsimpulses nicht zu sicher sein, da bliebe noch ein wenig Arbeit für die Bullen zu tun.

Gold: Chart vom 11.07.2023, Kurs: 1.932,20 US-Dollar, Kürzel: XAUUSD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX