XAUUSD aktuell Gold: Ein Selloff, der „aus Versehen“ kam?

News: Aktuelle Gold Analyse des London Gold Spot

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London Gold Spot
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Ticker: XAUUSD
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Währung: USD

Warum ist der Goldpreis unmittelbar nach Bekanntgabe der US-Notenbankentscheidung auf einmal massiv unter die Räder gekommen? Hat die „Fed“ den Eindruck erweckt, dass man einen „sicheren Hafen“ nicht mehr bräuchte? Das hat sie nicht, also, was steckt dahinter?

In Europa erklärt man das Inflationsproblem momentan noch zu einem alleinigen Problem der USA, wobei man sich damit täuschen könnte. Aber in den USA haben die Aktienmärkte ja, ausgenommen die Nasdaq, als Reaktion auf dieses Nichtstun der Fed mit zeitgleichem, versteckten Avis anstehender Maßnahmen negativ reagiert.

Auch am Devisenmarkt gab es eine Reaktion, indem der US-Dollar kräftig zulegte, was indiziert, dass man mittelfristig durchaus damit rechnet, dass die Zinsen höher laufen werden. Eigentlich wäre das ein Umfeld, in dem Gold hätte zulegen müssen. Aber das Gegenteil war der Fall. Und noch seltsamer wirkt es, dass der Goldpreis am Montag wieder anzog und damit parallel zum Aktienmarkt und nicht gegen ihn lief. Wo bleibt da die Logik?

Expertenmeinung: Wenn man die Kursbewegung des Goldpreises nach vorstehenden Argumenten beurteilt, bleibt die Logik in der Tat auf der Strecke. Und eine Erklärung, die nicht alleine, aber mit für dieses seltsame Verhalten des Edelmetalls verantwortlich sein kann, entbehrt grundsätzlich auch einer zwingenden Logik, gehört aber in die Kategorie „das machen die Trader immer so“:

Wenn der Dollar zulegt, wird Gold sehr oft parallel dazu schwächer und gleicht dadurch die Veränderung des Goldpreises in Währungen außerhalb des US-Dollar-Raums zum Teil aus. Da der US-Dollar kräftig zulegte, die Euro/US-Dollar-Relation damit fiel, war es daher für erfahrene Trader keine Überraschung, dass Gold abrutschte. Aber das war nicht der einzige Grund.

Das Gros des Tradings fällt, wie bei den meisten Commodities, auch hier nicht auf Käufe und Verkäufe körperlichen Goldes, sondern auf die Spekulation über die Futures. Und dort, auf der kurzfristigen Zeitebene, spielt die Charttechnik eine entscheidende Rolle. Und da kam es zu einem massiven Short-Signal. Die Lage war bereits vor der Notenbank-Entscheidung wacklig geworden, weil der Kurs die 20-Tage-Linie und den April-Aufwärtstrend gebrochen hatte. Was bis Mittwochabend noch hielt, war die wichtige Supportlinie bei 1.850 US-Dollar und die bei 1.837 US-Dollar verlaufende 200-Tage-Linie. Beides brach in der ersten Reaktion auf die „Fed“-Entscheidung. Und ob das eigentlich nur eine Reaktion auf den steigenden US-Dollar war und damit quasi “aus Versehen“ passierte oder nicht, es löste markant negative Signale aus, denen die charttechnisch orientierten, kurzfristigen Trader folgten. Und, wie weiter?

Dass Gold am Montag etwas zulegte, bringt die Bullen noch nicht wieder ins Spiel. Dazu müsste Gold erst diese gebrochene Schlüsselzone 1.837 bis hinauf auf 1.890 US-Dollar zurückerobern, aus aktueller Sicht der steinigere Weg. Bei 1.755 US-Dollar liegt eine leichte Supportlinie, die bislang gehalten hat. Gut möglich, dass man die im Wochenverlauf angeht, denn jetzt wirkt Gold auf der Unterseite „weich“. Das nächste Kursziel wäre im Fall von Schlusskursen unter 1.755 US-Dollar die markante Unterstützung bei 1.675 US-Dollar.

Gold: Chart vom 21.06.2021, Kurs 1.784,70 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

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Vorherige Analysen des London Gold Spot

Ob es klug ist, im derzeitigen Umfeld auf Gold zu setzen, darüber kann man sicherlich streiten. Aber wenn man sich dem Edelmetall pragmatisch auf rein charttechnischer Ebene nähert, erkennt man, dass der Weg nach oben derzeit der eindeutig leichtere ist.

Die Gold-Bullen setzen derzeit auf den Effekt einer aus dem Ruder laufenden Inflation: Gegenmaßnahmen der Notenbanken würden zwar zu höheren Renditen am Anleihemarkt führen und diese damit im Prinzip für Anleger attraktiver machen. Aber solange die Renditen noch weiter steigen, bedeutet das für all diejenigen, die bereits Anleihen halten, erst einmal fallende Kurse. Wirklich spannend würden Bonds daher erst, wenn ein vorläufiges Zinshoch erreicht wäre.

Und Aktien? Da kommt es darauf an, ob die Inflation wirklich ausufert, zugleich das Wachstum abgewürgt wird und die Gewinne großer, börsennotierter Unternehmen dadurch unter Druck geraten. Käme es so, was derzeit zumindest möglich ist, wäre auch der Aktienmarkt alles andere als ein taugliches Ruhekissen … und Gold käme ins Spiel. Und wenn es zu einer solchen Fluchtbewegung in Gold und andere Edelmetalle käme, könnte das den Kurs immens höher tragen, denn im Vergleich zu Bonds und Aktien ist der Goldmarkt eher eng. Aber wird es auch so kommen?

Expertenmeinung: Die Möglichkeit alleine reicht nicht aus, um darauf blind setzen zu können. Nicht zuletzt, weil gerade Turbulenzen am Gesamtmarkt nicht selten dazu führen, dass große Adressen Gold massiv verkaufen, um Schieflagen bei Termingeschäften am Aktienmarkt auszugleichen, indem man sich durch Goldverkäufe die nötigen Mittel beschafft, um die Margin bei notleidenden Aktienmarkt-Long-Positionen aufzufüllen. So etwas hatten wir gerade erst im Zuge des Corona-Crashs 2020 erlebt, als Gold zuerst mit in die Knie ging und erst später kräftig anzog und neue Rekordhochs erreichte.

Der bessere Weg wäre daher, völlig emotionslos zu bleiben und sich alleine auf die Vorgaben der Charttechnik zu stützen, wenn es um die Frage geht, ob und in welcher Größenordnung man hier Long-Trades erwägen sollte. Diese charttechnische Situation sieht allerdings aktuell vielversprechend aus, denn der Goldpreis hat gerade erst in eine charttechnische Schlüsselzone zurückgesetzt und diese verteidigt.

Sie sehen im Chart, dass sich im Bereich zwischen 1.843 und 1.873 US-Dollar gleich fünf charttechnisch wichtige Linien kreuzen: die 20-Tage- sowie die 200-Tage-Linie, die zuvor nach oben durchbrochene Abwärtstrendlinie, die Wendezone bei 1.850 US-Dollar, die schon seit Herbst mehrfach von beiden Seiten getestet wurde und schließlich die Ende März etablierte, kurzfristige Aufwärtstrendlinie. Dorthin ist Gold zum Wochenende durchgereicht worden und genau dort setzten kräftige Käufe ein. Die Bullen hätten es jetzt also in der Hand: Gelingt es, das letzte Zwischenhoch mit Schlusskursen über 1.917 US-Dollar zu überwinden, wäre die nächste Etappe der Widerstandsbereich zwischen 1.960 und 2.016 US-Dollar … und damit der erste, wichtige Schritt hin zu einer größeren Kaufwelle getan.

Gold: Chart vom 04.06.2021, Kurs 1.891,27 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

Die Bullen leisten zwar bislang Widerstand, aber der Aktienmarkt wirkt zusehends wacklig. Und am Anleihemarkt fallen durch steigende Renditen die Kurse. Da wäre denkbar, dass Gold zum lachenden Dritten würde. Geht es jetzt ans alte Rekordhoch?

Gold kann man nicht essen, Zinsen bringt es auch keine, das ist das klassische Argument derer, die ein Gold-Investment als Unfug abtun. Anleihen bringen indes auch keine Zinsen, essen sollte man sie besser ebenso wenig. Und was Aktien angeht: Da muss man für größere Gewinnchancen eben auch größere Risiken akzeptieren. Das ist zwar bei Gold nicht anders … aber im Gegensatz zum Aktienmarkt notiert der Goldpreis noch deutlich unter den Hochs des vergangenen Sommers. Und der Goldmarkt ist enger, d.h. wenn hier Zug hineinkommt, kann es schnell und weit aufwärts gehen. Was braucht es dazu?

Die Charttechnik muss bullisch sein und es müssen genügend Marktteilnehmer den Eindruck bekommen, dass es sinnvoll wäre, einen Teil ihres Kapitals in Gold zu investieren oder bestehende Positionen aufstocken. Was die Charttechnik angeht, sieht es dahingehend schon mal gut aus:

Expertenmeinung: Im März hatte sich ein Doppeltief herausgebildet, das die Basis eines Aufwärtstrends wurde, der den Goldpreis im Verlauf dieser Woche über die übergeordnete, vom Rekordhoch bei 2.075 US-Dollar ausgehende Abwärtstrendlinie hinaus trug. Damit wäre der Weg nach oben erst einmal frei, die nächsten charttechnischen Hürden von Belang warten erst im Bereich 1.959/1.966 US-Dollar.

Diese Zielzone könnte auch erreicht und in Richtung Rekordhoch überboten werden, wenn die rein charttechnisch orientierten Trader diesen Trend intensiv verfolgen und ihnen keine Short-Seller dazwischenfunken. Aber natürlich würde die Chance auf einen neuen, größeren Hausse-Impuls deutlich steigen, wenn sich das Sentiment zu Gunsten des Goldes wandeln würde. Was hieße: Wankende, idealerweise wegbrechende Aktienmärkte und die Sorge vor einer außer Kontrolle geratenden Inflation. Letzteres wäre ein typisches Argument für viele, sich den Edelmetallen als „sicherem Hafen“ zuzuwenden.

Dabei ließe sich vermuten, dass weitere, noch problematischere Inflationsdaten und ein kippender Aktienmarkt durchaus Hand in Hand gehen könnten. Die Möglichkeit, dass dieser „Booster“ für Gold auftaucht, ist da. Aber darauf zu wetten, wäre unnötig riskant. Der Anfang in Sachen steigender Kurse ist gemacht. Und solange Gold über dieser gerade bezwungenen Abwärtstrendlinie und der knapp darunter, bei aktuell 1.845 US-Dollar verlaufenden 200-Tage-Linie bleibt, bleibt die Tendenz hier auch ohne eine einsetzende Flucht in „sichere Häfen“ bullisch.

Chart vom 20.05.2021, Kurs 1.876,86 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

Gold hatte im ersten Quartal nur den Short-Sellern Freude bereitet. Aber kaum hatte das zweite Quartal begonnen, wendete sich das Blatt. Jetzt sehen wir hier eine vollendete Trendwendeformation und Spielraum nach oben.

Seit Anfang August 2020 hatten die Bullen bei Gold das Nachsehen. Mehrere Versuche, mit gezielten Kaufwellen das Ruder herumzureißen, scheiterten. Doch jetzt sehen wir hier ein vollendetes Doppeltief, das nicht nur für sich selbst genommen eine gute Basis für wieder anziehende Notierungen ist, sondern das auch noch in einer charttechnisch wichtigen Unterstützungszone zustande kam:

Das Edelmetall verteidigte zwei Mal die Unterstützungszone 1.661/1.671 US-Dollar, das Zwischenhoch lag wiederum an einer zum Widerstand gewordenen, Ende Februar gefallenen Supportzone, dem Bereich 1.748/1.766 US-Dollar. Dass damit die Nackenlinie eines potenziellen Doppeltiefs in einer bereits vorher bestehenden Widerstandszone lag, bedeutete Chancen für Bullen wir Bären gleichermaßen. Hätten die Bären es geschafft, den Kurs dort erneut nach unten abzuweisen, wäre die Chance, dass die verbliebenen Bullen umgehend aussteigen und im Idealfall die Fronten wechseln würden, groß gewesen. Aber das schafften sie eben nicht – und damit sind jetzt die Bullen am Zug.

Expertenmeinung: Einige Tage rannte der Kurs vergebens gegen die Nackenlinie des Doppeltiefs an, was unterstreicht, dass das bärische Lager durchaus versucht hatte, die Vollendung der Aufwärtstrendwende-Formation zu verhindern. Ende vergangener Woche aber ging der Kurs nach oben durch. Ein grundsätzlich klares Signal … aber allzu komfortabel ist die Position der Bullen nicht … zumindest noch nicht. Denn jetzt müssten zügig Anschlusskäufe kommen.

Positiv ist, dass der Goldpreis am Montag auf die jetzt wieder als Support fungierende Zone 1.748/1.766 US-Dollar zurücksetzte und am Dienstag sofort wieder anzog. Aber um gute Chancen zu haben, die erste Kursziel-Zone 1.848/1.880 US-Dollar zügig zu erreichen, müssten die Käufer umgehend nachlegen.

Solange das nicht der Fall ist, könnte die Aufwärtswende immer noch zu einer Bullenfalle werden. Daher wäre es in jedem Fall zu überlegen, sich auf der Long-Seite konsequent abzusichern, wofür sich aktuell die bei 1.739 US-Dollar verlaufende 20-Tage-Linie als Orientierung anbieten würde, die mit etwas Abstand unterhalb dieser charttechnischen Schlüsselzone läuft und damit für die Bullen im Fall eines Rückschlags als letztes Sprungtuch dienen könnte.

Chart vom 20.04.2021, Kurs 1.777,25 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

Gold hat über wichtigen charttechnischen Unterstützungen ein Doppeltief ausgebildet. Das wäre die ideale Basis für einen weitreichenden Aufwärtsimpuls. Aber noch ist die Formation nicht vollendet. Wo liegt die entscheidende Hürde?

Aktienmarkt-Bullen sehen den bereits acht Monate andauernden Abstieg des Goldpreises von seinem Anfang August 2020 bei 2.075 US-Dollar markierten Rekordhoch als völlig normal an. Die Aktienmärkte steigen schließlich, die Stimmung ist bullisch, die Hoffnung groß. Warum sollte da der „sichere Hafen“ Gold gesucht sein? Schließlich fallen die Kurse am Anleihemarkt auch. Dort fließt Geld ab und zum Teil in den Aktienmarkt, warum also nicht auch bei Gold.

Gold-Bullen entgegnen, dass die Lage ja bei weitem nicht so rosig ist, wie das die Optimisten gerne hätten. Wer zu wenig für die Wirtschaft tut wie in Europa bekommt zu wenig Wachstum. Und wer zu viel Geld in die Hand nimmt wie in den USA, bekommt Inflation. Beides wären Szenarien, die Gold favorisieren würden. Dass man diese Karte an der Börse bislang nicht spielt, ist für die Gold Bugs kein Argument. Ihre Zeit, davon sind sie überzeugt, wird kommen. Wer hat Recht?

Expertenmeinung: Im Prinzip beide Seiten. Vorerst hat Gold schlechte Karten, weil die Haken, die die aktuelle Entwicklung mit sich bringt, eben nicht wahrgenommen werden. Und ob das Wachstum in der Eurozone zurückbleibt, ob sich die USA eine nicht zu bändigende Inflation einhandeln, das muss sich ja erst noch herausstellen. Käme es so, hätte Gold sicherlich viel Luft nach oben. Aber bis aus Vermutungen Fakten werden, werden noch Monate vergehen.

Aber eine Rallye muss nicht immer auf typischen Argumenten beruhen, die diesen „sicheren Hafen“ befeuern würden. Schließlich agiert man am Goldmarkt seit vielen Jahren zunehmend auf der Trading-Ebene, die vor allem chart- und markttechnischen Signalen gehorcht. Und da würde das fast vollendete Doppeltief, das sich oberhalb der Unterstützungszone 1.660/1.670 US-Dollar ausgebildet hat, völlig ausreichen, um die Trader zum Long-Einstieg zu bewegen … sobald es vollendet wäre. Sollte das gelingen, wäre nach oben wohl einiges drin, immerhin liegt die Nackenlinie dieser Formation nicht zufällig im Bereich einer Zone, die auch zuvor schon charttechnisch relevant war: in der Zone 1.747 zu 1.766 US-Dollar.

Die zurückzuerobern, wäre an sich schon bullisch. Dadurch, dass damit zugleich eine Aufwärts-Trendwendeformation vollendet würde, wäre das erst recht der Fall. Dann hätte das Edelmetall aus charttechnischer Sicht erst einmal Spielraum an die aktuell bei 1.858 US-Dollar verlaufende 200-Tage-Linie, darüber würde dann bei aktuell 1.885 US-Dollar die mittelfristige Abwärtstrendlinie warten.

Gold: Chart vom 07.04.2021, Kurs 1.740,80 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX

Ob die bezwungen würde, wird sich wohl wirklich anhand der dann vorherrschenden Stimmungslage am Gesamtmarkt orientieren. Aber das Sprungbrett, um dorthin zu gelangen, dieses kurz vor der Vollendung stehende Doppeltief, könnte bereits in Kürze aktiviert werden.

Überall wird gerade Geld aus dem Markt genommen. Die Anleihekurse fallen kräftig, am Aktienmarkt stehen bislang vor allem die Technologietitel unter Druck, aber auch Blue Chip-Indizes beginnen zu wanken. Das wäre eigentlich die Stunde des Goldes. Aber der Goldpreis fällt auch … und das auch noch kräftig. Was geht da vor?

Diese Frage stellen sich derzeit alle. Es gibt keinen nach außen hin sichtbaren, zwingenden Grund, weshalb ausgerechnet jetzt so viel Geld aus den Börsen heraus und offenbar zunächst nur auf die Konten fließt. Eine Möglichkeit wäre, dass die institutionellen Investoren sehen, dass zur Monatswende wenig Kapital zugeflossen ist oder sogar abfließt und daher aufgrund ihrer zuletzt deutlich heruntergefahrenen Barreserven Positionen verkaufen müssen.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass zuletzt schon leichte Gewinnmitnahmen reichten, um viele Trader aus dem Markt zu drängen, weil die Risikobereitschaft seit Monaten immer höher wurde. Immer mehr Positionen laufen auf Kredit und haben daher eine minimale Verlust-Toleranz. Rutschen die Kurse, müssen diejenigen, die zuvor dem Aufwärtstrend gefolgt sind und mit hohen Hebeln und auf Pump agieren, sofort aussteigen. Und warum reagieren die Anleger dann nicht, indem sie angesichts einer riskanten Situation Gold kaufen?

Expertenmeinung: Weil Gold heute ein Asset wie alle anderen ist und weniger ein „sicherer Hafen“. Der Anteil kurzfristiger, spekulativer Trades am Gesamtumsatz ist auch bei Gold in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Was nicht nur bedeutet, dass die Charttechnik für die Kursbildung zumindest auf kurzfristiger Ebene eine größere Rolle spielt als der Aspekt einer vom Aktien- und Anleihemarkt abgekoppelten, langfristigen Vermögensanlage. Es bedeutet auch, dass auch hier hochspekulativ und auf Kredit gezockt wird und Trader dadurch genauso unter Druck geraten, wenn sich die Kurse in die für sie falsche Richtung bewegen, wie bei anderen Assets auch. Hinzu kommt:

Wenn große Investoren aufgrund einer unsicheren Entwicklung beginnen, ihre Barreserven zu erhöhen, verkaufen sie oft alles querbeet, weil die Lage eben kurzfristig unübersichtlich ist. Erst, wenn sich der Nebel zu lichten beginnt, entscheiden solche großen Adressen dann, wo konkret man wieder mehr Kapital einsetzt. Das ist auch der Grund, wieso auch Gold im Zuge des Corona-Crashs im Februar/März 2020 mit unter die Räder kam. Das heißt aber nicht, dass Gold als „sicherer Hafen“ versagen würde. Man darf eben nur nicht erwarten, dass Gold sofort kräftig steigt, wenn Aktien gerade fallen. Wann der Joker des „sicheren Hafens“ ins Spiel kommt, ist im Vorfeld zwar nie absehbar. Aber da bietet die Charttechnik ja eine tadellose Hilfestellung, zumal, wenn man sich erinnert, dass die vielen kurzfristigen Akteure ebenfalls auf dieser Basis agieren. Und momentan weist der Daumen da nach unten:

Gold ist durch die wichtige Unterstützungszone 1.747/1.766 US-Dollar gerutscht und hätte dadurch aus charttechnischer Sicht Abwärtspotenzial bis zur Auffangzone 1.661/1.671 US-Dollar. Aber die Zone, über die sich der Kurs retten müsste, um wieder ein bullisches Signal zu generieren, ist gut definiert. Dazu muss er über die breite Widerstandszone zwischen 1.802 und 1.859 US-Dollar hinaus. Dann wären kurzfristiger Abwärtstrend, 20-Tage- und 200-Tage-Linie zurückerobert und zugleich ein Kaufsignal im Trendfolgeindikator MACD vorhanden. Dann wäre der Weg frei – und unmittelbarer Spielraum bis in die Region 1.960/1.975 US-Dollar.

Chart vom 26.02.2021, Kurs 1.731,35 US-Dollar, Kürzel XAUUSD | Online Broker LYNX