Netflix Aktie Prognose Netflix: Der gefallene Stern

News: Aktuelle Analyse der Netflix Aktie

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Netflix
ISIN: US64110L1061
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Chartanalyse
Basis 6 Monate bearish
Zur Netflix Aktie

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Der US-Streaming-Konzern war einmal mehr das erste Unternehmen aus der Reihe der FANGs, welches gestern nach Börsenschluss seine Ergebnisse zum abgelaufenen Quartal präsentierte. Dabei war die Hoffnung groß, dass die neuesten Zahlen den vorherrschenden Abwärtstrend der Aktie beenden würden. Doch weit gefehlt.

Auf den ersten Blick sehen sowohl der Gewinn als auch der Umsatz noch recht gut aus. Der Umsatz lag mit 7.9 Milliarden US-Dollar im Rahmen der Erwartungen und der Gewinn lag sogar deutlich über dem Konsens der Analysten. Die Tatsache, dass der Streaming-Dienst jedoch erstmals seit 10 Jahren Kunden verloren hat, brachte eine Welle der Enttäuschung. Anleger warfen ihre Papiere im nachbörslichen Handel regelrecht auf den Markt und die Kurse gingen um über 25 Prozent Richtung Süden. Das sieht alles andere als gut aus.

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Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Netflix Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Insgesamt verlor Netflix über 200.000 Kunden und bekommt die aktuelle Krise in Europa unmittelbar zu spüren. Vor allem der Wegfall von Abonnenten aus Russland war immens. In Kanada und den USA wurden ebenfalls rund 600.000 Kunden verloren.

Auch der Corona-Boost, wo sich noch viele Kunden im Home-Office oder einfach zu Hause befanden, ist mittlerweile Geschichte. Andere Streaming-Dienste wie Disney oder Roku verloren im nachbörslichen Handel ebenfalls deutlich an Wert. Analysten fragen sich derzeit, wie es Netflix schaffen kann, auch in Zukunft hohe Wachstumsraten zu generieren. Dies fragen sich indes auch immer mehr Anleger und somit könnte die Erfolgsgeschichte des Konzerns zumindest was das Wachstum angeht, am Ende des Ziels angekommen sein. Für die Aktie selbst könnte es auch in den kommenden Wochen und Monaten weiter nach unten gehen. Ich bleibe bei meiner bärischen Gesamteinstufung.

Aussicht: BÄRISCH

Chart vom 19.04.2022 Kurs: 348.61 Kürzel: NFLX | Online Broker LYNX

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Vorherige Analysen der Netflix Aktie

Wenn uns ein Absturz wie der von Netflix eine Sache lehren sollten, dann, dass man sich an der Börse auf das Unerwartete vorbereiten muss. Oder war der Absturz wirklich so eine Überraschung?

Das erwartet niemand

Als die Aktie noch bei 700 USD notierte, hätten einen die meisten wohl für verrückt erklärt, wenn man für Ende Januar ein Kursziel von 351 USD ausgegeben hätte.

Es ist übrigens nur eins von vielen Beispielen, das man heranziehen könnte. Denken Sie nur daran, dass PayPal vor wenigen Monaten noch bei über 300 USD stand, nur um dann auf unter 100 zu kollabieren.

Das Interessanteste daran ist aus meiner Sicht aber nicht, dass es zu derartigen Kursbewegungen kommt, sondern die Veränderung des Sentiments.

Wäre man, während die Rallye noch lief, in ein beliebiges Börsen-Forum eingetaucht, hätte es nur so vor begeisterten Anlegern gewimmelt.
Gegenseitig schaukelt man sich hoch und bestärkt sich, welch herausragendes Unternehmen Netflix doch ist und dass der Kurs nur steigen kann.

Nachdem der Kurs dann abgestürzt ist, werden plötzlich nur noch die Probleme diskutiert. Die zunehmende Konkurrenz durch Disney+, die sinkenden Wachstumsraten und so weiter.

Fähnchen im Wind

Plötzlich scheint keiner mehr davon überzeugt zu sein, dass Netflix ein herausragendes Unternehmen ist. Man ist zutiefst verunsichert.

Dabei haben die nun diskutierten Problem bereits einen Kurssturz verursacht und sind eingepreist, werden dann aber trotzdem dafür genutzt, gerade jetzt von einem Kauf der Aktie abzuraten.

Das ist nur einer der vielen Mechanismen, die immer wieder zu Übertreibungen an der Börse führen.
Wir haben es mit einer ganzen Reihe von sich selbst verstärkenden Effekten zu tun.

Der Kurs für sich genommen übt bereit erheblichen Druck auf Anleger aus und beeinflusst sie in ihrer Entscheidungsfindung.
Fällt eine Aktie, muss an den Unkenrufen etwas dran sein. Läuft hingegen eine Rallye, scheint alles bestens und die Probleme interessieren niemanden.
Das solche Entwicklungen böse Enden müssen, sollte klar sein.

Im Fall von Netflix ist das besonders faszinierend. Auf die zunehmende Konkurrenz durch Disney+ und die sinkenden Wachstumsraten hatten wir über Monate hinweg immer wieder hingewiesen.
Es war für jeden ersichtlich und offensichtlich.

Während die Rallye lief, wurde es schlichtweg ignoriert. Bis man es eben nicht mehr ignorieren konnte.

Am anderen Ende der Gleichung

Wer sich an der Börse umgekehrt verhält, kann diese Entwicklungen für sich nutzen. Es ist nicht das erste Mal, dass Netflix abstürzt.
Damals gab es vermeintlich gute Argumente gegen die Aktie und heute gibt es sie auch.

Wenn man allerdings das Große und Ganz betrachtet, dürfte eins klar sein: Der Trend hin zu Streaming und weg vom linearen Fernsehen wird auf unabsehbare Zeit anhalten.

Schauen Sie sich nur bei den jüngeren Jahrgängen um.
Die meisten schauen kein Fernsehen mehr, nutzen aber ausgiebig Netflix und andere Streaming -Services.
Die Korrelation ist eindeutig: Je jünger die Menschen sind, umso weniger spielt klassisches TV noch eine Rolle.

Der Trend wird sich also fortsetzen und Netflix ist einer der dominanten Akteure in diesem wachsenden Streaming-Segment.
Einem Markt, der bisher noch vollkommen untermonetarisiert ist, da keine oder kaum Werbung geschalten wird.

Darüber hinaus erschließt sich der Konzern derzeit die nächsten Wachstumsfelder. Eine eigene Spieleschmiede dürfte ein klarer Hinweis darauf sein, dass man auch im E-Sports-Streaming aktiv werden will.
Damit geht man den nächsten zukunftsträchtigen Milliardenmarkt an.

Ausblick und Bewertung

Daher dürfte sich das Wachstum perspektivisch auch fortsetzen. Bis 2024 soll der Umsatz von zuletzt 29,7 auf 42 Mrd. USD klettern.
Der Gewinn soll von 5,12 auf 8,3 Mrd. USD steigen.

Darüber hinaus soll es zukünftig auch keinen Cashburn mehr geben. Das stellt Netflix auf ein zunehmend solides und sicheres Fundament. Zwischenzeitlich war das Ausmaß an Cashburn wirklich erschreckend.
Das hat sich geändert.

Daher könnte man durchaus argumentieren, dass jeder Dollar an Umsatz heute wertvoller ist als in der Vergangenheit.
Trotzdem wird Netflix aktuell für ein KUV von 5,8 gehandelt. Das ist der niedrigste Wert seit 2014 und weit unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre von 8,7.

Geht man davon aus, dass die Prognosen erfüllt werden und die Bewertung auf dem derzeit niedrigen Niveau bleibt, ergibt sich daraus auf Sicht von zweieinhalb Jahren ein Kursziel von 536 USD.
Das ist keineswegs hoch gegriffen, entspräche aber bereits einer annualisierten Rendite von 15%.

Chart vom 29.03.2022 Kurs: 379 Kürzel: NFLX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 29.03.2022 Kurs: 379 Kürzel: NFLX – Wochenkerzen

Erste positive Signale würden sich über 383 USD ergeben. Dann wäre der Weg in Richtung 413 USD frei.
Gelingt ein nachhaltiger Anstieg über 413 USD, hellt sich das Chartbild nachhaltig auf.

Antizyklische Investoren können das aktuelle Niveau nutzen, sollten jedoch einen erneuten Rücksetzer an den Aufwärtstrend und die Unterstützung bei 350 USD einplanen.

Fällt die Aktie jedoch unter 330 USD, könnte es zu einer Ausdehnung der Korrektur in Richtung 300 USD kommen.

Wenn uns ein Absturz wie der von Netflix eine Sache lehren sollten, dann, dass man sich an der Börse auf das Unerwartete vorbereiten muss.

Als die Aktie noch bei 700 USD notierte, hätten einen die meisten wohl für verrückt erklärt, wenn man für Ende Januar ein Kursziel von 351 USD ausgegeben hätte.
Genau dazu ist es aber gekommen.

Auf den ersten Schock folgte allerdings eine schnelle Stabilisierung. Es wäre gut möglich, dass der Spuk damit bereits vorüber ist.

Hier finden Sie eine ausführliche Analyse, warum ich genau das erwarte:
Netflix -20%. Reißleine ziehen, aussitzen, aufstocken?

Die Big Boys sammeln ein

Gerüchten zufolge sammeln aktuell eine ganze Reihe von Großinvestoren die Aktien des Unternehmens ein.
Die größte mediale Aufmerksamkeit erhielten Pershing Square und Bill Ackman.

Der Hedgefonds sammelte in kürzester Zeit für mehr als eine Milliarde Dollar Anteile von Netflix ein und stieg dadurch zu einem der größten Aktionäre des Streaming-Services auf.

Pershing Square selbst hatte ich übrigens vor einiger Zeit als Investment-Idee vorgestellt. Seitdem ist der Kurs von 32,70 auf 41,10 USD gestiegen.
Interessanterweise liegt das NAV des Hedgefonds bei 57,30 USD.

Wer sich also indirekt und zu einem erheblichen Abschlag an Netflix, Lowe’s, Hilton Worldwide, Chipotle, Restaurant Brands, Howard Hughes und Dominos Pizza engagieren will, wäre hier richtig.

Kurzsichtig

An der Kursreaktion auf die Meldung, dass Ackman bei Netflix eingestiegen ist, sieht man übrigens wieder eindrucksvoll, wie kurzsichtig die Börse ist.

Netflix schoss als Reaktion darauf binnen zwei Tagen von 385 auf 458 USD, als ob sich durch den Einstieg von Ackman irgendetwas an dem intrinsischen Wert von Netflix geändert hätte.

Man kann es zwar nachvollziehen, dass es viele Anleger überzeugt, wenn ein bekannter Hedgefonds mit einer erheblichen Position einsteigt, über das Ausmaß der Reaktion kann man sich aber nur wundern.

Inzwischen hat sich die Lage wieder beruhigt. Der große Abgabedruck und auch die kurzzeitige Party scheinen vorbei zu sein.
Der Markt scheint ein Gleichgewicht gefunden zu haben.

Das bestärkt mich in der These, dass Netflix einen Boden gefunden haben könnte. Und eine Sache dürfte absolut sicher sein: Den größten Teil der Abwärtsbewegung haben wir hinter uns.

Und der Trend, weg vom linearen Fernsehen, hin zu Streaming und On-Demand wird sich noch auf Jahrzehnte hinweg fortsetzen.

Die älteren Semester nutzten Streaming -Services kaum oder gar nicht. Im Gegensatz dazu ist es für den durchschnittlichen zwanzigjährigen ganz normal, Inhalte vor allem oder ausschließlich über das Internet und Streaming zu konsumieren.

Allein schon dadurch verschiebt sich das Geschäft immer mehr in Richtung Streaming.

Die nächsten Milliardenmärkte

Abgesehen davon sehe ich für Netflix auch großes Potenzial in angrenzenden Themengebieten. Inzwischen arbeitet der Konzern an einer eigenen Spieleschmiede. Es ist naheliegend, dass man daher auch in das Spiele-Streaming einsteigen will, das sind die nächsten Milliardenmärkte, die man erschließen könnte.

Weitere Möglichkeiten ergeben sich durch Advertising, einen Markt, der schier keine Grenzen kennt.
Google, Facebook und Amazon sind die größten Verkäufer von Werbeanzeigen der Welt. Es würde ausreichen, wenn Netflix es nur in die Top10 schaffen würde.

Chart vom 16.02.2022 Kurs: 407,46 Kürzel: NFLX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 16.02.2022 Kurs: 407,46 Kürzel: NFLX – Wochenkerzen

Wie bereits in der letzten Analyse aufgezeigt, reihen sich die Supports zwischen 385 und 415 USD regelrecht auf. Bisher hat dieser Bereich gehalten.
Gelingt ein nachhaltiger Anstieg über 415 USD, kommt es zu einem Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 450 sowie 475 USD.

Fällt die Aktie hingegen per Wochenschluss unter 380 USD, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan. In diesem Szenario müsste mit einer Ausdehnung der Korrektur 340 USD gerechnet werden.

Vor wenigen Tagen hatte ich bereits eine Analyse zu Netflix veröffentlicht und mit folgenden einleitenden Worten begonnen:
„Netflix steht unter Druck. Ein böses Omen vor den Zahlen?“

Das war es wohl. Dass die Aktie allerdings um 20% abrauscht, damit hätte wohl niemand gerechnet.
Tatsächlich ist es statistisch sogar wahrscheinlicher, dass Aktien nach der Veröffentlichung von Quartalszahlen steigen, vor allem wenn sie im Vorfeld nachgegeben haben.

Der große Knall

Statistiken helfen in Einzelfällen aber wenig. Von Netflix wurde einfach mehr erwartet, vor allem perspektivisch.
Der Auslöser für den massiven Crash der Aktie war ganz klar der schwache Ausblick.

Denn im vierten Quartal lag der Gewinn mit 1,33 je Aktie weit über den Erwartungen von 0,85 USD. Der Umsatz übertraf mit 7,71 Mrd. die Analystenschätzungen von 7,70 Mrd. USD marginal.

Für das erste Quartal 2022 stellt man allerdings nur einen Gewinn von 2,86 USD je Aktie in Aussicht, erwartet wurden 3,40 USD.
Die Umsatzprognose liegt mit 7,90 Mrd. USD ebenfalls weit unter den Erwartungen von 8,10 Mrd. USD.

Die operative Marge dürfte 2022 wohl von 21% auf 19-20% sinken, bisher war man von einem Anstieg auf 23% ausgegangen.
Darüber hinaus beinträchtigt die zunehmende Konkurrenz die Gewinnung von Neukunden und somit auch das Wachstum.

Das ist natürlich harter Tobak, ich frage mich nur, wen das überrascht. Wir haben die zunehmende Konkurrenz und die teilweise fehlenden Wachstumsperspektiven bereits vor Monaten thematisiert.

Aber es zeigt sich immer wieder, dass die Börse Probleme so lange ignoriert, bis es wirklich nicht mehr geht.

Soll und Haben

So viel zu den Problemen von Netflix. Abgesehen von dem enttäuschenden Ausblick, hat das Unternehmen allerdings auch positive Signale gesendet.

Anleger sollten auch nicht vergessen, dass der Wert eines Unternehmens nicht anhand von einem schlechten Quartal oder einem mittelprächtigen Ausblick hängt.
Die Kursreaktion ist aber derartig ausgeprägt, als wäre das der Fall.

All die Banken und Resarchhäuser tun ihr Übriges, um für noch mehr Verunsicherung zu sorgen. Wie gewohnt ziehen sie ihre Ratings und Kursziele der Realität hinterher.
Über Nacht haben etliche Adressen bereits reagiert.

Hier nur einige Beispiele:
Credit Suisse stuft plötzlich von outperform auf neutral und senkt das Kursziel von 740 auf 450 USD.
Morgan Stanley stuft von outperform auf equal weight und senkt das Kursziel von 700 auf 450 USD.
Am tiefsten stapelt Macquarie, die das Kursziel wohl direkt auf 395 USD gesenkt haben.

Es ist ein absoluter Witz. Die Zeit für das Lesen von Ratings kann man sich wirklich sparen.

Wirklich so schlimm?

Doch wie bereits angedeutet, so schlecht sind Zahlen und Ausblick nicht. Netflix hat 2021 durch negative Währungseffekte rund 1,0 Mrd. USD an Umsatz eingebüßt, vornehmlich im zweiten Halbjahr.
Das zugrundeliegende Wachstum ist also höher, als der erste Blick erahnen lässt.

Darüber hinaus soll der FCF 2022 und fortan positiv ausfallen. Mit den verfügbaren Mitteln sollen Anfang 2022 rund 700 Mio. USD an Schulden getilgt werden.
Anschließend soll das überschüssige Kapital für opportunistische Buybacks genutzt werden. Für Anleger ergibt sich daraus ein neuer Wachstumstreiber.

Es sollte eigentlich eine große Erleichterung sein, dass Netflix fortan keine neuen Kredite mehr benötigt. Dadurch hat sich das langfristige Chance-Risiko-Verhältnis deutlich verbessert.

Weitere Wachstumstreiber könnte das Gaming-Segment bringen. Netflix ist gerade dabei ein eigenes Spiele-Studio aufzubauen und zeigt sich auch offen für Licensing.
Es ist erstaunlich, dass man erst jetzt in diesem Bereich aktiv wird.
Eigentlich ist die Plattform technologisch wie gemacht für Spiele-Streaming.

Netflix sollte ernsthaft darüber nachdenken, ob man sich nicht als Alternative für Twitch positionieren kann. Unzufriedene Streamer mit hunderttausenden Followern gibt es auf Twitch zu Genüge.

In Summe bin ich wohl deutlich optimistischer als die Mehrheit. Es wäre schließlich nicht so, dass Netflix zum ersten Mal einen enttäuschenden Ausblick oder Zahlen vorlegt und korrigiert.

Wie gewonnen, so zerronnen

Bisher waren größere Rücksetzer immer Gelegenheiten und da sich an den grundlegenden Charakteristiken von Netflix nichts geändert hat, dürfte das auch jetzt wieder der Fall sein.

Es ist schon bemerkenswert, dass durch den nachbörslichen Absturz auf derzeit 402,50 USD die kompletten Kursgewinne aus der Pandemie und mehr wieder vernichtet wurde.

Netflix notiert aktuell auf demselben Niveau wie Mitte 2018, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Damals lag der Umsatz noch bei 11,69 Mrd. USD, heute sind es 29,70 Mrd. USD.

Das KUV ist dementsprechend stark gesunken und liegt aktuell bei 6,0. In den letzten fünf Jahren lag das KUV durchschnittlich bei 8,4 und zeitweise auch schon über 10.

Das Sentiment ist aktuell also sehr negativ, nachdem es zuvor aufgrund von Squid Game sehr positiv war. Beides ist irrational.

Wir werden sehen, wie das Sentiment ausfällt, wenn die zweite Staffel Squid Game veröffentlicht wird oder der nächste Serienhit einschlägt.
Es ist schließlich nicht der erste Erfolg von Netflix, der Streamingservice hat sich vielmehr zu einer Hit-Maschine gemausert.
Im vergangenen Jahr kamen 6 der 10 auf Google meistgesuchten Serien aus dem Hause Netflix.

Chart vom 20.01.2022 Kurs: 402,50 Kürzel: NFLX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 20.01.2022 Kurs: 402,50 Kürzel: NFLX – Wochenkerzen

Netflix ist abgestürzt und notiert vorbörslich bei 402,50 USD. Man darf gespannt sein, was der Handelstag bringt.
Sicherlich wird eine ganze Reihe von Stopps ausgelöst, die andere Anleger bereitwillig zum Kauf nutzen werden.

Es wäre durchaus möglich, dass der Spuk ein jähes Ende hat, denn Netflix ist in die zentrale Unterstützungszone zwischen 385 und 415 USD eingetaucht. Hier reihen sich die Supports geradezu auf und dementsprechend hoch ist die Chance auf eine Stabilisierung.

Weitere Signale ergeben sich, falls die Aktie aus diesem Korridor ausbricht. Über 415 USD kommt es zu einem Kaufsignal, unter 384 USD zu einem Verkaufssignal.

Netflix steht unter Druck. Ein böses Omen vor den Zahlen? Wie sieht es charttechnisch und fundamental aus? Hier die Prognose.

Netflix ist die weltweit führenden Streaming-Plattform und geradezu zu einem Synonym für stundenlange Serien-Marathons geworden.

Diese Position hat man sich allerdings auch teuer erkauft, zeitweise war der Cashburn waghalsig.
Netflix verbrannte zwischenzeitlich Milliardensummen und gleichzeitig wurde der Effekt je eingesetztem Dollar immer geringer.  In Nordamerika war man ohnehin an die Wachstumsgrenzen geraten, der Markt ist weitgehend ausgereizt.

Das Ende des Wachstums?

Wenn bereits alle Netflix nutzen, wem will man noch ein Abo verkaufen? Durch Corona hat sich die Lage allerdings maßgeblich verändert, der Cashflow drehte in positives Territorium und könnte es fortan auch bleiben.

Das macht das Unternehmen exorbitant attraktiver. Ich denke vielen Anlegern ist gar nicht bewusst, was für einen großen Unterschied es macht.
Tatsächlich wurde diesem Faktor, also einem außerordentlich hohen Cashburn, in der Vergangenheit keine Aufmerksamkeit geschenkt.

Für Netflix scheint sich diese aggressive und risikoreiche Strategie ausgezahlt zu haben. Der Erfolg gibt ihnen recht, das gilt nicht nur für den Aktienkurs.
Ohne Corona hätte Netflix allerdings noch auf Jahre hinweg Verluste geschrieben.

Damit ist ein negativer freier Cashflow gemeint, dass man also mehr ausgibt als einnimmt. Das war über Jahre hinweg der Fall, wenngleich man auch einen Gewinn gemeldet hat.
Auf die Buchhaltungsspielereien, die dafür notwendig waren, möchte ich gar nicht eingehen, es spielt an dieser Stelle auch keine Rolle.

Wirklich von Bedeutung ist, dass Netflix zukünftig seine dominante Rolle im Streaming-Segment behalten wird.
Der Wettbewerb hat zwar deutlich zugenommen, zum Beispiel durch Disney+. Bisher hat das der positiven Entwicklung bei Netflix keinen Abbruch getan.

Alles Abo, oder was?

Viele Konsumenten scheinen dazu bereit zu sein, auch mehrere Abos gleichzeitig abzuschließen.

Hier kommen wir zu einer wichtigen Erkenntnis, beziehungsweise zu einem Zukunftstrend.
Wir erleben bereits seit einigen Jahren, dass ein bedeutender Teil der Geschäftswelt auf Abo-Modelle umgestellt wird.

Das dürfte in Zukunft auf immer mehr Lebensbereiche ausgeweitet werden. Wir erleben es heute schon im digitalen Umfeld, doch das ist erst der Anfang.

Wir werden eine Ära der Abo-Systeme und Sharing eintreten. Bei vielen Gütern liegen die Vorteile tatsächlich auch auf der Hand.

Das beste Beispiel ist nach wie vor das Auto. Die meisten PkW stehen 22-23 Stunden am Tag nutzlos in der Gegend herum.
Ältere Jahrgänge sind eher zurückhaltend, was Car-Sharing angeht. Bei jüngeren Menschen sieht das anders aus. Autos werden nicht mehr als Statussymbol angesehen, sondern Mittel zum Zweck.

Am Limit

Doch kommen wir nochmal zurück zu dem Thema „das Ende des Wachstums“. Es ist richtig, dass man in Nordamerika nicht mehr viele Kunden gewinnen kann.
Gleichzeitig ist die Expansion andernorts sehr viel schwieriger. In Europa funktioniert das alles noch recht einfach, da dieselben Filme und Serien Erfolge werden.

In Asien sieht das allerdings anders aus. Dortige Hits verpuffen in unseren Gefilden teilweise und umgekehrt.
Dieses Problem zu lösen ist nicht trivial, denn das hat vor allem kulturelle Gründe.

Auf der anderen Seite habe ich das Argument „wohin soll dieses Unternehmen noch wachsen“ auch damals beim Börsengang von Facebook gehört.

Das soziale Netzwerk erschien bereits omnipräsent. Dass man anschließend trotzdem noch erheblich wachsen kann, hat das Unternehmen gezeigt.

Einerseits ist das durch Zukäufe gelungen, aber vor allem dadurch, dass man heute pro Nutzer exorbitant mehr verdient. Wir werden sehen, was sich Netflix einfallen lässt.

Doch wenn man sich auf eine Sache verlassen kann, dann darauf, dass „Corporate America“ etwas einfällt, um ein Maximum an Monetarisierung zu erzielen.

Ein trivialer Weg sind Preiserhöhungen. Am Freitag hat Netflix bekannt gegeben, dass man die Preise in den USA und Kanada erhöhen wird. Und sind wir ganz ehrlich: Wenige werden wegen 1,50 USD mehr pro Monat kündigen.

Ausblick

Langsam verebben die positiven Corona-Effekte, das Wachstum ist rückläufig, allerdings ungebrochen.

Im ersten Quartal 2021 lag das Umsatzplus bei 24,2%, im zweiten Quartal bei 19,4% und im dritten Quartal bei 16,3%.
Am Donnerstag nach Börsenschluss werden wir erfahren, wie Q4 ausgefallen ist.

Die derzeitigen Schätzungen entsprechen einer Stabilisierung. Demnach soll der Umsatz um 16% auf 7,71 Mrd. USD steigen.
Der Gewinn dürfte allerdings wieder sinken, da Netflix eine ganze Reihe neuer Titel produziert.

Mittelfristig werden Wachstumsraten zwischen 20 und 30% erwartet. Je nach Modell setzten sich diese Prognosen unterschiedlich zusammen, meist jedoch je zur Hälfte durch eine steigende Kundenzahl und in einem ähnlichen Umfang durch mehr Umsatz je Kunde.

Wir hatten das Thema ja bereits angesprochen und tatsächlich gelingt es Netflix auch, die Einnahmen je Kunde zu steigern.
Nehmen wir beispielhaft das letzte Quartal, in dem der Umsatz je Abonnent auf Jahressicht um 7% zugelegt hat.

Derzeit liegt das KUV bei 8,4. Sobald die Zahlen am Donnerstag gemeldet wurden, könnte der Wert auf 7,8 sinken.
In den letzten fünf Jahren lag das KUV durchschnittlich bei 8,7.

Die Bewertung von Netflix ist derzeit also im Rahmen. Sollte es tatsächlich gelingen, auch in den kommenden Jahren Wachstumsraten von 20% p.a. und mehr zu erzielen, könnte die Aktie in ähnlichem Umfang steigen.

Chart vom 17.01.2022 Kurs: 525,40 Kürzel: NFLX - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 17.01.2022 Kurs: 525,40 Kürzel: NFLX – Wochenkerzen

Netflix hat 25% an Wert verloren und ist zu dem obersten der drei relevanten Aufwärtstrends zurückgekommen.

An dieser Stelle könnte man auf eine Gegenbewegung in Richtung 550 oder sogar 575 USD spekulieren. Darüber würde sich das Chartbild aufhellen.

Fällt die Aktie hingegen per Wochenschluss unter 515 USD, könnte es zu einer Ausdehnung der Korrektur in Richtung 475 USD kommen.
Für Investoren wäre das zunehmend interessant.

Das gilt umso mehr für den Bereich zwischen 440 und 410 USD. Ob sich die Korrektur bis auf dieses Niveau fortsetzt, ist allerdings fraglich.

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Wieder einmal hat uns das Covid-Virus fest in der Hand. Während in ganz Österreich bereits ein Lockdown als letzte Maßnahme gegen einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems verhängt wurde, ist dies im Rest von Europa wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis einzelne Staaten zu selbigen Mitteln greifen müssen.

Auch die neue Omikron-Variante macht die Lage nicht einfacher und so gingen zum Ende der vorigen Handelswoche vor allem die Stay-At-Home-Branchen durch die Decke. Es darf wieder bis zum Abwinken gestreamt werden und die Netflix-Aktie legte deutlich an Wert zu. Der Aufwärtstrend geht somit vorerst unvermindert weiter.

Expertenmeinung: Dennoch sollte nicht jede Aktie aus den eingangs erwähnten Branchen einfach gekauft werden, denn die am Freitag entstandene Euphorie könnte sich schnell wieder in Luft auflösen. Immerhin leben wir nun schon seit fast zwei Jahren mit dem Virus und die Börsen konnten dies bisher in eindrucksvoller Manier wegstecken. Wir alle haben mit dem Virus zu leben gelernt.

Bei Netflix sehen wir derzeit eine recht konstruktive Zwischenkonsolidierung, welche nach den starken Anstiegen der letzten Monate völlig normal erscheint. Wichtig ist hierbei, dass die 50-Tage-Linie und somit auch das zuletzt gebildete Pivot-Tief bei 646.05 USD nicht mehr nach unten gebrochen wird. Dies sind immens wichtige Support-Ebenen, welche unbedingt gehalten werden müssen.

Aussicht: BULLISCH

Chart vom 26.11.2021 Kurs: 665.64 Kürzel: NFLX | Online Broker LYNX