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Netflix bricht nach Quartalszahlen um 9 % ein. Der nächste Schlag in die Magengrube – doch ist der Ausverkauf bei Netflix wirklich gerechtfertigt oder eröffnet sich jetzt eine seltene Kaufchance?
Droht jetzt ein neues Verkaufssignal?
Netflix ist nach den Quartalszahlen um 9 % abgestürzt. Sollten sich die Kursverluste im regulären Handel bestätigen, fällt die Aktie auf ein neues Jahrestief und würde ein Verkaufssignal auslösen.

Aus charttechnischer Sicht ist das für die Bullen ein echtes Problem, denn damit würde auch der mehrjährige Aufwärtstrend durchbrochen.
Sollte es dazu kommen, droht ein Abverkauf in Richtung 64 USD oder zur Unterstützungszone bei 54 – 58 USD.
Gelingt hingegen eine Rückkehr über 70 USD, würde sich die Lage wieder entspannen. Noch bullischer wäre eine Rückkehr in den Aufwärtstrend.
Die eigentliche Frage ist aber, ob dieser Abverkauf wirklich gerechtfertigt ist. Handelt es sich dabei um eine Gelegenheit oder nicht?
Diese Frage ist viel wichtiger
Um das beurteilen zu können, muss vor allem eine Frage beantwortet werden: Haben sich die langfristigen Aussichten von Netflix tatsächlich verschlechtert?
Ein einzelnes Quartal liefert selten eine belastbare Antwort. Kurzfristige Schwankungen bei Umsatz, Gewinn oder Abonnentenzahlen können die Stimmung an der Börse zwar deutlich beeinflussen, sagen über den langfristigen Erfolg eines Unternehmens aber oft nur wenig aus.
Entscheidend ist, ob sich etwas Grundlegendes verändert hat.
Diese Frage kann sich jeder Mensch selbst beantworten. Ist Netflix nach wie vor der weltweit führende Streaming-Anbieter? Wächst das Unternehmen weiterhin? Haben sich die Zukunftsaussichten von Netflix nachhaltig verändert?
Das Unternehmen bleibt der weltweit führende Streaming-Anbieter und verfügt über eine enorme Reichweite. Gleichzeitig hat Netflix in den vergangenen Jahren bewiesen, dass es Preiserhöhungen durchsetzen, neue Erlösquellen erschließen und seine Profitabilität kontinuierlich steigern kann.
Hinzu kommt, dass viele Wettbewerber ihre Streaming-Offensive inzwischen deutlich vorsichtiger angehen. Hohe Investitionen und anhaltende Verluste haben gezeigt, wie schwierig es ist, ein profitables Streaming-Geschäft aufzubauen. Die Wettbewerbslandschaft hat sich in den letzten Jahren tendenziell entspannt – auch Disney will und kann es sich nicht ewig leisten, mit Disney+ Milliarden zu verbrennen.
Werbung wird zum zweiten Wachstumsmotor
Netflix profitiert dagegen von seiner Größe, seiner starken Marke und einer globalen Plattform, die sich nur schwer kopieren lässt.
Darüber hinaus verliert das klassische lineare Fernsehen nach wie vor an Bedeutung. Vor allem jüngere Menschen verbringen immer mehr Zeit bei Streaming-Diensten. Für Netflix bedeutet das einen stetig größer werdenden Markt.
Davon profitiert nicht nur das Abo-Geschäft. Auch der Werbemarkt befindet sich mitten im Umbruch. Werbebudgets wandern zunehmend aus dem klassischen Fernsehen zu digitalen Plattformen, weil sich Zielgruppen dort präziser ansprechen und Kampagnen besser messen lassen.
Netflix hat mit seinem werbefinanzierten Tarif die Grundlage geschaffen, an diesem Milliardenmarkt zu partizipieren.
Der Konzern steht damit gleich von zwei Seiten im Rückenwind. Während die Nutzungszeit kontinuierlich vom Fernsehen ins Streaming verlagert wird, folgen die Werbegelder diesem Trend inzwischen immer konsequenter.
Solange sich an diesen Tatsachen nichts Grundlegendes ändert, sollte ein einzelnes enttäuschendes Quartal nicht überbewertet werden.
Die Schwächen im Detail
Hinzu kommt, dass das Quartal nicht schlecht war. Der Gewinn lag mit 0,80 USD je Aktie über den Erwartungen von 0,78 USD. Mit einem Umsatz von 12,56 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen erfüllt.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 13 % und einem Gewinnsprung um 11 %.
Aber selbstverständlich findet man immer ein Haar in der Suppe. Die operative Marge ist beispielsweise von 34,1 % auf 33,2 % gesunken.
Der freie Cashflow war von 2,27 auf 1,53 Mrd. USD stark rückläufig – allerdings sind unterjährig starke Schwankungen normal. In den beiden vorangegangenen Quartalen lag der freie Cashflow beispielsweise bei 5,09 Mrd. und 1,87 Mrd. USD.
Für das dritte Quartal stellt Netflix einen Umsatz von 12,9 Mrd. USD und einen Gewinn von 0,82 USD je Aktie in Aussicht. Damit wurden die Umsatzerwartungen in Höhe von 13,0 Mrd. USD und die Gewinnschätzungen von 0,83 USD je Aktie minimal verfehlt.
Die Jahresprognose wurde hingegen bestätigt. Netflix hat die Umsatzerwartungen von 50,7 – 51,7 auf 51,0 – 51,4 Mrd. USD konkretisiert und stellt weiterhin einen freien Cashflow von 12,5 Mrd. USD in Aussicht.
Dem Vorstand zufolge dürften sich die Werbeeinnahmen im laufenden Geschäftsjahr auf etwa 3 Mrd. USD verdoppeln. Die Ausgaben für neue Inhalte sollen um 10 % steigen, also langsamer als der Umsatz.
Viel Lärm um nichts
Aus meiner Sicht waren die Quartalszahlen alles andere als ereignisreich. Die Erwartungen wurden weitgehend erfüllt, die grundlegenden Trends sind intakt. Business as usual.
Wenn man etwas Abstand von der Börse nimmt, wird einem das schlagartig klar. Stellen Sie sich nur vor, sie müssten dem Vorstand die Quartalsergebnisse präsentieren: Der Gewinn lag 3 % über dem Ziel, der Umsatz im Rahmen der Erwartungen. Und sie sind auf dem besten Weg, die Jahresziele zu erreichen.
Die erste Frage danach wäre wohl, was es zum Mittagessen gibt. An der Börse lösen derartigen Belanglosigkeiten Kurskapriolen aus.
Währenddessen dürfte Netflix ein Rekordjahr hinlegen. Den Konsensschätzungen zufolge wird der Gewinn um 42 % auf 3,58 USD je Aktie und der freie Cashflow um 39 % auf 3,00 USD je Aktie steigen.
Netflix notiert vorbörslich 9,05 % im Minus bei 67,62 USD und kommt demnach auf eine forward P/E von 18,9.
In den letzten fünf Jahren lag die P/E durchschnittlich bei 44 und am absoluten Tief bei 16,7.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 17.07.2026 um 11:11 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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