Zurück Oktober Weiter
Zurück 2018 Weiter

S&P 500 Index: Historische Analysen der letzten 6 Monate

Index-Portrait und Kursentwicklung: S&P 500 Index
Datum

Titel

Analysis

Ein Minus von fast 100 Punkten beim marktbreiten Standard & Poor’s 500 (S&P 500) sieht man nicht alle Tage. 3,29 Prozent waren am Ende der Mittwochs-Sitzung dahin. Beim Dow Jones waren es über 800 Punkte. Und statt der sonst so zuverlässig auftauchenden Gegenwehr der Bullen kam in den letzten beiden Handelsstunden erst recht Druck auf, am Ende schloss der Index auf Tagestief.

Dabei war der S&P 500 genau eine Woche zuvor noch bis auf einen Punkt an den bisherigen, im September erzielten Verlaufsrekord von 2.940 Punkten herangelaufen. Jetzt fehlen auf einmal nur noch 20 Punkte bis zur bei 2.765 Zählern verlaufenden 200-Tage-Linie. Der Linie, die für viele die Scheidemarke zwischen Long und Short, zwischen bullisch und bärisch darstellt. Der Linie, die zwischen Februar und Mai gleich dreimal getestet wurde.

Ungewöhnlich oft also in derart kurzer Zeit. Dass es danach gelang, sich von dieser Linie zu lösen und das vorherige Rekordhoch vom Januar bei 2.872 Punkten zu überwinden, überzeugte viele: Diese Hausse ist unerschütterlich. Ein Trugschluss.

Jetzt ist nicht nur dieses alte Rekordhoch unterboten, sondern auch noch die nächstliegende Supportzone in Form der Zwischenhochs der Monate Februar, März und Juni im Bereich 2.789/2.802 Punkte – wenngleich nur knapp. Sofort machte man sich auf die Suche nach Gründen. Aber da kann man wohl lange suchen, will man diesen Abverkauf der Wall Street an Nachrichten festmachen, die speziell am Mittwoch aufgetaucht waren.

Wir hatten schon oft darauf hingewiesen: Die Achillesferse dieser Hausse ist, dass die meisten Investoren wie immer in solchen Situationen fest davon überzeugt waren, dass die steigende Zahl an Risiken (Handelskrieg, Zwischenwahlen, Haushaltsloch, steigender Dollar, steigende Anleiherenditen) den Markt nicht kippen kann, weil sie auch bisher nicht imstande dazu waren. Und das, obwohl die meisten sehr wohl selbst wissen, dass es brenzlig wird. Man sagt sich in solchen Situationen:

Ich bleibe einfach dabei, solange der Trend hält und steige aus, wenn die anderen auch aussteigen. Ein Fehler, der sich in der Börsengeschichte schon oft wiederholt hat. Denn dadurch kann eine Lawine entstehen, die schon dann losgetreten werden kann, wenn einige Gewinne mitnehmen, einige andere mitziehen, gerade niemand die Hand zum Kauf aufhält und auf einmal immer mehr Akteure die fallenden Kurse sehen und nervös werden.

Denn wie üblich kalkuliert man nicht ein, dass die „anderen“, auf die man mit seinem Ausstieg warten will, eventuell alle binnen Stunden verkaufen könnten und nicht über Wochen verteilt.

Chart auf Wochenbasis vom 10.10.2018, Kurs 2.785,68 Punkte, Kürzel SPX

Grundlage des Abverkaufs sind in der Tat vorgenannte Risiken. Aber der Auslöser war dieser Leichtsinn vieler Akteure. Jetzt, da die Nerven blank liegen und niemand, ob Privatanleger oder große Adresse, jetzt schon weiß, was er/sie in ein paar Stunden tun wird, ob man über der 200 Tage-Linie nach oben federt oder sich der Ausverkauf sogar beschleunigt, ist es unmöglich, Prognosen darüber abzugeben, wo der S&P 500 morgen Abend schließen wird.

Aber das Risiko eines kapitalen Kurseinbruchs ist erheblich gestiegen. Wenn die Bullen jetzt nicht die Kurve kriegen und heute mindestens die Hälfte der gestrigen Verluste aufholen, landet der S&P 500 in der Kategorie „fallendes Messer“ und wäre wenn, dann nur auf der Short-Seite anzupacken.

Chart auf Tagesbasis vom 10.10.2018, Kurs 2.785,68 Punkte, Kürzel SPX

Am Ende wird man wohl der US-Notenbank („Fed“) die Schuld an diesem Intraday-Turnaround nach unten geben, der den marktbreiten Standard & Poor’s 500 (S&P 500) am Mittwoch ins Minus drückte. Aber eigentlich waren es zu hohe Erwartungen, zu viel Selbstgefälligkeit der Bullen und womöglich der Irrglaube, die US-Notenbank werde tun, was „ihr“ Präsident von ihr erwartet … weil er es war, der den neuen Fed-Präsidenten Jay Powell ausgesucht hatte.

Aber eigentlich war das Statement der US-Notenbank und vor allem die anschließende Pressekonferenz von Mr. Powell absolut vorbildlich. Die Anhebung des Leitzinses um weitere 0,25 Prozent war irrelevant, weil erwartet worden. Worum es den Investoren ging, war der Ausblick. Wie sieht die US-Notenbank die Lage, wie die kommenden Monate? Was läuft aus ihrer Sicht gut, wo liegen Gefahrenpunkte?

Dass die US-Konjunktur gut läuft und man bei der „Fed“ erwartet, dass sich das fortsetzen wird, wurde im um 20 Uhr unserer Zeit veröffentlichten Statement erkennbar, in dem das Wort „accomodative“ in Bezug auf das Zinsniveau verschwand. Aber das sorgte nicht für Druck auf den Markt.

Dass die Leitzinsen nicht mehr auf einem Niveau bleiben müssen, die das Wachstum stützen, war wohl den meisten Marktteilnehmern klar. Obwohl man grundsätzlich darüber streiten kann, wie nötig dieses vor allem kreditfinanzierte Wachstum niedrige Zinsen hätte. Aber das war nicht das Problem. Das lag in der Offenheit des Notenbank-Präsidenten.

Expertenmeinung: Im Zuge der Fragerunde der Journalisten sagte Powell, dass ein Handelskonflikt mit höheren Zöllen nur dann gut für die US-Wirtschaft sein könnte, wenn er schnell beendet wird und am Ende niedrigere Zölle stehen. Nicht gerade etwas, was der US-Präsident gerne hören wird. Aber die Anleger auch nicht.

Ebenso wies er darauf hin, dass man die Lehren aus der jetzt fast genau zehn Jahre zurückliegende Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers besser nicht vergessen sollte. Und auch, wenn er auf eine Frage hin unterstrich, dass sich eine US-Notenbank niemals zu der Frage äußern werde, ob der Aktienmarkt „teuer“ oder „billig“ sei, erwähnte er doch, dass sich einige Bewertungsgrößen am oberen Ende ihrer historischen Spanne befänden.

Das schien einigen Bullen am Aktienmarkt wohl unheimlich, es wirkte wie eine Warnung … was es wohl auch war. Und zwar in Richtung der Politik ebenso wie in Richtung derer, die aggressiv und mit hohem Risiko auf die ewige Hausse setzten. Vor allem der Unterbereich der Banken sackte beim S&P 500 heftig durch, verlor zum Handelsende etwa zwei Prozent. Und der Index insgesamt drehte, am Tageshoch nur noch zehn Punkte vom bisherigen Verlaufsrekord von 2.941 Punkten vom Freitag entfernt, ins Minus … und wurde nur von zwei Dingen gestoppt:

Von der Schlussglocke und der Kreuzunterstützung aus 20-Tage-Linie und Juni-Aufwärtstrendlinie bei 2.900 Punkten. Zwar würde sich schon bei 2.872 Punkten das „alte“ Rekordhoch vom Januar als nächste, markantere Unterstützung anbieten.

Aber so ein Intraday-Turnaround als Reaktion auf Signale einer besonnenen US-Notenbankpolitik, die auch Risiken wahrnimmt, nahe eines Rekordhochs und bei einem Stochastik-Oszillator, der dadurch in der überkauften Zone nach unten drehte, das ist ein massives Warnsignal, das es dem bullischen Lager verleiden könnte, sofort wieder aktiv zu werden. Und angesichts der zahlreichen verdrängten Risiken wie Handelskrieg, steigenden Anleihe-Renditen und den nahenden Zwischenwahlen kann es im Fall eines Bruchs dieser Kreuzunterstützung bei 2.900 Punkten durchaus sein, dass dieser gestrige kleine Schneeball zu einer Lawine wird!

Chart vom 26.09.2018, Kurs 2.905,97 Punkte, Kürzel SPX

Dass Donald Trump kein Präsident ist wie die anderen, daran hat man sich bereits gewöhnt. Für ihn gelten weder Tabus noch politische Etikette. Ein Weg, der bislang gutging, aber keineswegs weiterhin gut gehen muss. Anfang November kommt es mit den sogenannten „midterm elections“ zu einer ersten entscheidenden Hürde. Denn da werden ein Drittel des Senats und das komplette Repräsentantenhaus neu gewählt.

Sollten die Republikaner dann ihre Mehrheiten einbüßen, würde Trump zur „lame duck“, der von der dann demokratischen Mehrheit in den beiden Kammern des Kongresses ein ums andere Mal blockiert werden könnte. Würde man den US-Aktienmarkt bzw. dessen wichtigste Indizes als Maßstab seines Erfolges ansehen, wäre diese Zwischenwahl ein Spaziergang. Aber davon abgesehen, dass der Sturmlauf der großen Indizes Dow Jones, Standard & Poor’s 500 (S&P 500) und Nasdaq 100 100 von zu wenigen Aktien getragen wird, um wirklich robust zu sein, hat sich der Präsident mit einem Tabubruch auf gefährliche Weise an diese Hausse der US-Börse gebunden:

Während es bislang ein ungeschriebenes Gesetz war, dass sich hochrangige Politiker nicht wertend über den Aktienmarkt äußern – und Präsidenten schon mal gar nicht – bezeichnet Donald Trump diese Aufwärtsbewegung des Aktienmarkts als seinen Verdienst. Durch sein Werk verdienen die US-Bürger immer mehr Geld an der Börse.

Davon mal abgesehen, dass das nur für diejenigen gilt, die sich Aktien leisten können, was für die „Vergessenen“, für die sich Trump eigentlich vor allem stark machen wollte, nicht gilt, würde eine Trendwende damit zugleich ebenso sein Werk sein. Denn wenn, ist er in jeder Situation der „Vater“ der US-Börse. Erst am Donnerstag kam dazu die letzte Twitter-Nachricht: „S&P 500 Hits All Time High – Congratulations, USA.“ Damit sind der Aktienmarkt und Trump eng miteinander verbunden.

Frühere Präsidenten wussten schon, warum sie dieses Thema mieden. Wenn man sich brüstet, Ursprung der Hausse zu sein, wackelt der Thron, wenn die Börse wackelt. Die aber keineswegs wegen, sondern doch tendenziell eher trotz Trump steigt.

Nicht weil man an ihn als Person glaubt, sondern darauf hofft, dass seine Programme das Wachstum intensiveren. Wobei diejenigen, deren Käufe derzeit den marktbreiten S&P 500 auf neue Hochs tragen, noch auf drei andere Dinge hoffen müssen. Darauf, dass a) diese Wachstumshoffnungen auch weiterhin erfüllt werden, dass b) man bereits ausgestiegen ist, wenn die anderen verkaufen und c) dass dieser letzte, von Trump beklatschte Sprung auf neue Rekordhochs nicht vor allem auf die Terminbörsen-Abrechnung am Freitag zurückzuführen war und zur Bullenfalle wird.

Auf die letzte Frage wird womöglich diese Woche schon eine Antwort liefern. Hilfreich sind ein schwächerer US-Dollar und mehrheitlich gute Konjunkturdaten. Negativ bleiben die Eskalation des Handelskriegs und ein hoher Ölpreis. Charttechnisch passt bislang noch alles. Man muss indes auf die diesen Anstieg führenden Linien ein besonderes Augenmerk haben, denn gerade der Umstand, dass der marktbreite S&P 500 pünktlich zur Terminbörsenabrechnung Hand in Hand mit dem Dow Jones ein für viele Investoren noch vor ein, zwei Wochen wohl kaum erwartetes, neues Hoch markierte, ist verdächtig.

Das ist für die großen Akteure am Terminmarkt optimal gewesen, aber deren Ziel ist ja jetzt erreicht. Wird der S&P 500 damit im Verlauf dieser Woche doch wieder der Schwerkraft der negativen Aspekte der Gesamtsituation ausgeliefert sein?

Chart auf Wochenbasis vom 21.09.2018, Kurs 2.929.67 Punkte, Kürzel SPX

Der Index hat unterhalb dieser neuen Rekorde eine ganze Phalanx an charttechnischen Unterstützungen ausgebildet, die bis hinunter an die bei 2.750 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie reicht. Eine ideale Basis, um bereits jetzt auf Trading-Chancen Short zu lauern, ist das also nicht. Aber sollte die Kombination aus terminbörsenbedingtem Überschießen, Handelskrieg und Zwischenwahlen greifen, können diese Unterstützungen schnell höchst durchlässig werden. Daher sollte man auf der Long-Seite immer darauf bedacht sein, die Stoppkurse regelmäßig nachzuziehen.

Derzeit wäre der doppelte Leitstrahl aus 20-Tage-Linie und Juni-Aufwärtstrendlinie bei 2.895 Punkten eine gute Orientierung für aggressive Long-Trades, während mittelfristige Positionen knapp unter dem „alten“ Rekord vom Januar bei 2.872 Zählern abgesichert werden könnten.

Chart auf Tagesbasis vom 21.09.2018, Kurs 2.929.67 Punkte, Kürzel SPX

Vor einigen Tagen hat die US-Investmentbank Goldman Sachs eine Warnung herausgegeben: Der von ihnen entwickelte Risiko-Indikator für den Gesamtmarkt hat ein besorgniserregend hohes Niveau erreicht, höher noch als vor dem Platzen der Subprime-Blase 2008. Die Anleger reagierten nicht im Geringsten.

Umso mehr reagierte man auf die Nachricht, dass die US-Regierung wieder Kontakt mit China aufgenommen habe und eine neue Gesprächsrunde zum Thema Handel anstrebt. Das, so die Schlussfolgerung, beerdigt die im Vorfeld herumgereichte Gefahr, US-Präsident Trump könnte kurzfristig die nächste Runde im Handelskrieg einläuten, indem er weitere chinesische Waren, diesmal im im Volumen von 200 Milliarden US-Dollar, mit dem Bann höherer Zölle belegt. Und diese positive Reaktion kam zum rechten Moment, denn zu Beginn der Vorwoche drohte der marktbreite Standard & Poor’s 500-Index (S&P 500) eine äußerst wichtige Unterstützung zu brechen:

Der S&P 500 hatte auf das alte Rekordhoch vom Januar bei 2.872 Punkten zurückgesetzt. Wäre diese Unterstützung gefallen, wäre der im August gelungene Ausbruch des Index nach oben zu einer Bullenfalle geworden. Das hätte zumindest zu einem Test der unteren Begrenzung des Mai-Aufwärtstrendkanals führen können, die Anfang letzter Woche um 2.800 Punkte mit den Hochs von März und Juni eine wichtige Kreuzunterstützung bildete.

So aber war man sicher: Der Handelskrieg bleibt ein Popanz, von dem keine echte Gefahr ausgeht. Der S&P 500 hielt das alte Hoch, verteidigte zugleich die 20-Tage-Linie: Eine perfekte Basis, um das vorher erreichte Rekordhoch bei 2.916 Punkten anzugehen und zu überwinden. Und das hat sich auch per Freitagabend noch nicht ins Gegenteil verkehrt. Aber ist das ein Grund, um sich auf der Long-Seite gelassen zurückzulehnen? Keineswegs, im Gegenteil.

Charttechnisch sieht das Bild zwar auf Wochen- ebenso wie auf Tagesbasis noch tadellos aus. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Die Seite der Trader, die sehr schnell die Seiten wechseln könnten und würden, sollte es bei diesem so solide wirkenden Aufwärtstrend zu Irritationen kommen. Und die können jederzeit von der fundamentalen Seite her kommen.

Chart auf Wochenbasis vom 14.09.2018, Kurs 2.905,01 Punkte, Kürzel SPX

Dass diejenigen, deren Stirn sich immer mehr runzelt, momentan noch stillhalten, weil der Trend intakt ist und es daher noch keinen Grund gibt, den Warnsignalen zu folgen und auszusteigen, solange die Chance auf höhere Kurse besteht, ist nachvollziehbar. Doch dadurch entsteht der Anschein einer Wall Street, die jede negative Nachricht einfach abschüttelt. Ein Eindruck, der trügerische Sicherheit verheißt.

Am Freitag wurde bekannt, dass der US-Präsident keineswegs vorhat, bei der Verhängung erneuter Strafzölle gegen China zu warten. Die stünden weiter im Raum, hieß es, ungeachtet einer neuen, möglichen Gesprächsrunde. Der S&P 500 sackte binnen weniger Minuten um ein halbes Prozent nach unten, fiel vom Plus ins Minus, als diese Nachricht um 18 Uhr bekannt wurde. Doch sofort begann man, das Minus zu reduzieren. Man hat unter den Tradern „gelernt“, dass negative Nachrichten keine nachhaltige Reaktion auslösen und kauft jeden Rücksetzer. Aber reduziert das die Risiken? Das tut es nicht, es kaschiert sie nur. Daher:

Ja, der Aufwärtstrend des S&P 500-Index ist intakt. Aber man sollte sich von dem Schein einer unverwundbaren Hausse nicht täuschen lassen und darauf achten, dass der „Fallschirm“ auf der Long-Seite immer griffbereit ist. Wofür sich derzeit ein Stop Loss um 2.860 Punkte, knapp unter dem Verlaufstief der letzten, jetzt beendet scheinenden Korrektur, anbieten würde.

Chart auf Tagesbasis vom 14.09.2018, Kurs 2.905,01 Punkte, Kürzel SPX

Ist es nur ein Pullback an den Ausbruchslevel und damit eine Chance zum Einstieg? Oder ist es womöglich der Anfang vom Ende, das erste Signal einer Abwärtswende in Form einer Bullenfalle? Das hängt davon ab, ob das alte Hoch vom Januar, das der marktbreite US-Index Standard & Poor’s 500 bei 2.872 Punkten ausgebildet hatte, hält oder nicht. Bis 2.916,50 Punkte war der S&P 500 zuvor nach dem Ausbruch über dieses Januar-Hoch gekommen.

Fast 45 Punkte also. Genug, um kurz „auszuatmen“, Gewinnmitnahmen passieren zu lassen und dann, nach einem Rücksetzer an den Ausbruchslevel, wieder durchzustarten. Wobei der Chart zeigt, dass da nach unten ein wenig Spielraum wäre, denn das Zwischenhoch von Anfang August bei 2.863 und die 20-Tage-Linie bei 2.867 Punkten formieren diesen Bereich zu einer kleinen Unterstützungszone. Die allerdings nur neun Punkte schmal ist.

Darunter wäre dann unmittelbar Spielraum bis zu unteren Begrenzung des Mai-Aufwärtstrendkanals bei 2.815 Punkten. Und wer weiß, wenn der Index erst einmal ins Rutschen gekommen ist, ob es dann nicht schnell zu einem erneuten Test der bis auf 2.735 Punkte nach oben gelaufenen 200-Tage-Linie käme. Dem dann vierten in diesem Jahr. Was ungewöhnlich oft wäre. Und mit jedem Test steigt das Risiko, dass dieser wichtige gleitende Durchschnitt bricht. Wehret den Anfängen, dürfte daher das Motto der Bullen sein. Und in der Tat, das Januar-Hoch hielt. Aber:

Expertenmeinung: Mehr gelang nicht. Bis 2.867 Punkte ging es abwärts, dort, genau an der 20-Tage-Linie, setzte die Verteidigung dieser Zone 2.863/2.872 Punkte ein. Aber um den Marktteilnehmern den Eindruck zu vermitteln, dass die Bullen hier nichts anbrennen lassen, jederzeit für neue Rekorde gut sind, war das, was am Ende bei dieser Verteidigung herauskam, mager. Zu mager?

Das werden die kommenden Tage weisen, denn ob Bullen oder Bären, so, mit einem Schlusskurs nur knapp über dieser Zone, zwischen Baum und Borke sozusagen, werden die Trader die Sache nicht stehen lassen. Letzten Endes ließe sich konstatieren: Dieses alte Hoch wurde gehalten. Aber eine Effektive Verteidigung, Richtung Handelsende durch eine Rallye überzeugter Bullen gekrönt, war es eben nicht. Wie viele US-Trader sind sich der ignorierten Risiken bewusst, warten eigentlich nur darauf, bis den Bullen Wille und Barreserven abhandenkommen, um auf der Short-Seite zuzuschlagen? Wissend, dass verdrängte Gefahren sofort wieder ins Bewusstsein rücken, wenn die Kurse erst einmal kippen? Das wird sich in den kommenden Tagen herausstellen … und viel Risiko-Puffer hat das Lager der Bullen nicht!

Chart vom 06.09.2018, Kurs 2.878,05 Punkte, Kürzel SPX

Während viele grundsätzlich bullische Analysten in den US-Medien gebetsmühlenartig wiederholen, wie billig der Aktienmarkt doch nach wie vor sei, wissen die meisten Investoren sehr wohl, dass das keineswegs der Fall ist. Nur unerfahrene Anleger oder komplette Aktienneulinge lassen sich davon blenden, dass diese Auguren, um den Markt billig zu reden, einfach die Gewinne der Zukunft hochrechnen und sie als Basis für ein angeblich günstiges Kurs/Gewinn-Verhältnis benutzen. Da werden bereits die hochgerechneten Gewinne des Jahres 2020 herangezogen. Doch nicht einmal die Unternehmen selbst könnten absehen, was sie in zwei Jahren verdienen werden. Und jeder alte Hase weiß: Einfach davon auszugehen, dass das derzeitige Momentum des Gewinnanstiegs sich fortsetzt hieße zu glauben, die Welt würde sich nicht weiter drehen.

Nimmt man beispielsweise die Berechnungsweise des Wirtschaftsnobelpreisträgers Robert Shiller als Basis, würde man wohl umgehend vorsichtig. Der hat, um eine sinnvolle Berechnungsbasis zu erhalten, den Durchschnitt der Gewinne der letzten zehn Jahre errechnet und diesen um die Inflation bereinigt. Nach dieser Berechnung liegt das derzeitige Kurs/Gewinn-Verhältnis des marktbreiten S&P 500-Index bei 33,4. Nur kurz vor dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 lag es jemals höher. Vor dem Crash 1929 und dem des Jahres 1987 war es deutlich niedriger. Aber die meisten wissen auch sehr wohl, dass sie auf dünnem Eis tanzen. Die erfahrenen Entscheider bei den großen Fonds, Hedgefonds, Versicherungen und Pensionskassen sowieso. Trotzdem kauft man weiter. Warum?

Weil die Wall Street einen Risikofaktor nach dem anderen einfach weggesteckt hat. Ob es die möglichen Folgen eines eskalierenden Handelskriegs sind, die Gefahr eines Amtsenthebungsverfahrens beim US-Präsidenten, Nordkorea und Iran, ein zweitweise wieder steigender US-Dollar, die steigenden Leitzinsen und die lukrativen Zinsen am Anleihemarkt: Nichts scheint dem US-Aktienmarkt etwas anhaben zu können. Und so geht man davon aus, dass weniger erfahrene Anleger weiter in den Markt drängen werden, weil ihnen jedes Risikobewusstsein fehlt. Und sollte es doch eng werden, hofft man, zu denen zu gehören, die noch ganz oben verkaufen. Was indes umso fraglicher ist, je größer das Portfolio ist. Die milliardenschweren Portfolios der großen Fonds werden nicht imstande sein, nennenswert Positionen abzubauen. Denn sobald der Markt doch kippen sollte, wäre das Lager potenzieller Käufer natürlich leer. Wer aussteigen wollte, müsste es auf weit tieferem Niveau tun, weil darüber keine Kauforders warten. Aber solange das Momentum des Anstiegs noch vorhanden ist, wird auch das einfach verdrängt – man hat ja beim Verdrängen von Risiken Übung.

Da schwebt also eigentlich ein Damoklesschwert über dem S&P 500. Aber kurzfristig kann der Wille, hier auszusteigen, gering genug sein, um den Trend zu halten. Viele gehen davon aus, dass es zumindest bis zu den Zwischenwahlen weiter nach oben gehen wird. Die Regierung braucht gute Stimmung, wie immer vor Wahlen. Ein den Export begünstigender schwacher US-Dollar und neue Rekorde an der Wall Street sind da immer zuträglich. Und es dürfte genug geben, die alleine durch den Glauben, dass die Kurse deswegen weiter steigen, auch selbst weiter kaufen und so aus der Hoffnung ein Faktum machen. Zumal:

Sie sehen im Wochenchart, dass der S&P 500 in dieser Woche den Sprung über das alte rekordhoch vom Januar bei 2.872 Punkten vollzogen hat. Und bislang bleiben nennenswerte Gewinnmitnahmen aus. Das lässt hoffen, dass die klassischen „Rituale“ der Investoren greifen: Man versucht, eine neue runde Marke zu erreichen. Gut möglich also, dass dem neuen Rekordhoch der Anlauf an die 3.000 Punkte-Marke folgt. Die obere Begrenzung des im Mai etablierten Aufwärtstrendkanals würde diesen Punkt Anfang Oktober erreichen. Aber:

Chart vom 29.08.2018, Kurs 2.914,04 Punkte, Kürzel SPX

Wenn sich zu viele zu sicher sind, dass etwas passiert, führt das gerne mal zum Gegenteil. Denn dann kaufen diejenigen, die denken, dass der Anstieg von allein weitergeht, nicht weiter, wollen nur die Ernte weiter ansteigender Gewinne sehen und einfahren. Es kann also sein, dass dieser Hausse des S&P 500 die Käufer ausgehen. Und so etwas kann jederzeit passieren. Sobald dann das Momentum verlorengeht, werden kurzfristig Long agierende Trader schnell aussteigen, ggf. sogar ihre Positionierung auf Short drehen. Das muss nicht so kommen, aber gerade, wenn so viele jedwedes Abwärtsrisiko kleinreden, sollte man vorsichtig werden. Ein konsequenter Stop Loss zur Absicherung von Long-Trades ist gerade in solchen Phasen wichtig. Für sehr aggressive Trades würde sich die derzeit bei 2.856 Punkten verlaufende 20-Tage-Linie als Orientierung hierfür anbieten; für mittelfristige Positionen eher der Bereich knapp unter der Kreuzunterstützung aus den Hochs vom Februar und März und der unteren Begrenzung des Mai-Aufwärtstrendkanals im Bereich 2.789/2.802 Punkte.

Chart vom 29.08.2018, Kurs 2.914,04 Punkte, Kürzel SPX

Das beste Mittel, um in kritischen Situationen zu verhindern, dass die Anleger unruhig werden, womöglich sogar aussteigen und dadurch für Probleme bei den großen Fonds, Pensionskassen und Hedgefonds sorgen, ist ihnen zu suggerieren, dass es überhaupt keinen Grund gibt, nervös zu werden. Und das erreicht man, indem man wichtige Chartmarken, an denen die Kurse im Fall negativer Nachrichten nach unten abdrehen könnten, im Vorfeld mit dem nötigen Kapitaleinsatz überwindet. Wofür auch mal eine ganze Menge Kapital nötig sein kann, wenn es um große Indizes wie den marktbreiten S&P 500 geht. Aber wenn dieser „Kniff“ gelingt, lohnt es den Aufwand.

Denn mit nennenswert fallenden Kursen hieße es vor allem für diese vorgenannten „großen Adressen“: mitgegangen, mitgehangen. Denn viele große Fonds und Hedgefonds an der Wall Street haben Portfolios, die derart gigantisch sind, dass der Versuch, da drei, vier Prozent mehr Barbestand aufzubauen durch die schiere Masse der dann auf den Markt kommenden Aktien den Kurseinbruch verursachen würde, dem man eigentlich entkommen will. Also bleibt nur die altbekannte, weil in den letzten Jahren immer wieder angewandte Methode der „Flucht nach vorne“. Aber:

Ginge das schief, würden die Anleger trotzdem ihr Heil in der Flucht suchen, wäre der Schaden immens, denn dann hätten diese großen Adressen ausgerechnet „oben“ auch noch zusätzlich Material eingesammelt, das sie dann mangels Käufern in fallende Kurse nicht mehr loswürden. Ein Vabanque-Spiel, das trotzdem immer wieder gewagt wird. Einfach, weil es meistens funktioniert. Diesmal auch?

Das werden wir womöglich schon heute Abend, spätestens aber am Donnerstag, wissen. Denn diese „Gutes-Wetter-Rallye“ zielt auf die heute anstehenden Gespräche zwischen einer chinesischen Delegation und US-Offiziellen zum Thema Handelsstreit ab. Aber hätten die das Potenzial, den S&P 500-Index über die „große Hürde“ zu heben? Diese Gespräche, die ersten seit vielen Wochen, dürften eher Sondierungen sein, da sie nicht auf höchster Ebene ablaufen. Mehr als Willensbekundungen könnten dabei nicht herauskommen – und damit wäre die Eignung blumiger Worte im Anschluss an das Treffen als Treibsatz für neue Hochs eher fraglich. Was also wurde versucht:

Man versuchte, diese positive Indikation für den marktbreiten S&P 500-Index bereits vorher zu generieren, indem das bisherige, Ende Januar generierte Rekordhoch von 2.872,87 Punkten überwunden wird. Aber Sie sehen es in den Charts: Dieser Versuch misslang. Bis 2.873,23 Punkte lief der Index, erreichte also ein 0,36 Zähler höher liegendes Rekord-Verlaufshoch – und setzte zurück. Nicht weit, zumal am Ende dennoch ein Plus von immerhin 0,21 Prozent stand. Aber jetzt ist man darauf angewiesen, dass nicht diese „Fake Highs“ im Vorfeld die Anleger bei Laune halten, sondern das Ergebnis dieser Gespräche zum Thema Handelskonflikt selbst. Das ist eine extrem spannende Ausgangslage, denn das kann bedeuten, dass es heute oder morgen um „Sekt oder Selters“ geht.

Chart vom 21.08.2018, Kurs 2.862,96 Punkte, Kürzel SPX

Wäre die Reaktion auf diese Gespräche negativ, könnte das gerade wegen des angelaufenen, aber nicht überbotenen Hochs vom Januar kräftige Gewinnmitnahmen auslösen. Und allzu viel Abgabedruck können sich die Bullen nicht leisten, denn die beiden mittelfristig entscheidenden Linien, die 200-Tage-Linie bei 2.720 und die 2016er-Aufwärtstrendlinie bei 2.760 Punkten, kommen näher, wie Sie im Chart auf Wochenbasis sehen. Welche Chartmarken wären da wichtig, welche Linien müssen halten, um die grundsätzlich bullische Tendenz zu erhalten?

Da steht die Zone aus den Zwischenhochs vom Februar, März und Juni zwischen 2.789 und 2.802 Punkten im Fokus, zumal dieser Bereich derzeit zusätzlich durch die 20-Tage-Linie verstärkt wird. Diese Zone, gerade erst in der vergangenen Woche erfolgreich verteidigt, muss halten – ansonsten dürfte die 200-Tage-Linie bei 2.720 Punkten schnell wieder in Reichweite gelangen und die Bullen in höchste Not bringen.

Chart vom 21.08.2018, Kurs 2.862,96 Punkte, Kürzel SPX

Ein Präsident im Urlaub hindert diesen nicht, sich via Twitter weiterhin mit dem Rest der Welt anzulegen. Die Konsequenz war, dass zuerst die türkische Lira zum US-Dollar in die Tiefe stürzte und danach der chinesische Yuan. Und das führte dazu, dass der US-Dollar allgemein teurer wurde, auch zum Euro kräftig anzog. Das mag primär daran liegen, dass die Devisentrader befürchten, dass die Eurozone von der Entwicklung in der Türkei angesteckt werden könnte und deswegen Euros auf den Markt werfen. Aber der Effekt für die US-Unternehmen ist eine durch einen festen US-Dollar verursachte Eintrübung der Exportperspektive, egal, wo die Ursache dieser Entwicklung liegen mag.

Da kann das US-Wachstum aktuell noch so stattlich wirken, bei einem deutlich anziehenden US-Dollar gegenüber den Währungen der ärgsten wirtschaftlichen Konkurrenten China und Europa könnte es damit schnell vorbei sein. Und das ist den US-Anlegern durchaus bewusst. Dafür hält sich der marktbreite S&P 500-Index noch relativ wacker, immerhin ist er trotz des Minus des Mittwochs nur knapp zwei Prozent vom bisherigen Verlaufsrekord bei 2.872 Zählern entfernt. Aber der Grund für diese Stabilität muss nicht in sturem Optimismus liegen, es kann auch das Gegenteil sein, denn wie heißt es doch unter den alten Hasen:

Expertenmeinung: Angst kauft, Panik verkauft. Den Index stabil zu halten heißt, ihn von den entscheidenden Unterstützungen fernzuhalten, die auf keinen Fall brechen dürfen, weil das eine Lawine auslösen würde. Die im Chart dick grün markierte, im April 2017 entstandene mittelfristige Aufwärtstrendlinie bei 2.660 und die 200-Tage-Linie bei 2.712 Punkten sind da die wichtigsten Marken. Daher wird jede kleine Unterstützung über diesen Linien verbissen verteidigt. Ein Phänomen, das an der Wall Street eher die Regel denn die Ausnahme ist. Vor allem, weil es in den vergangenen Jahren meistens funktioniert hat. Sobald es gelungen ist, wichtige Unterstützungen zu verteidigen, werden viele Akteure sofort wieder optimistisch, wischen Risiken einfach vom Tisch.

Aber wenn die Gefahrenmomente zu zahlreich und zu erdrückend werden, geht so etwas schief, dann kann es zu genau der Lawine durch überrumpelte Dauer-Optimisten kommen, die man zuvor „wegkaufen“ wollte. Kommt es diesmal so? Die Risiken hätten das Zeug dazu, aber welcher tropfen einen Brunnen überlaufen lässt, weiß man nie sicher vorher. Nachdem die in den Tagen zuvor verteidigte 20-Tage-Linie am Mittwoch nicht gehalten werden konnte, gelang es immerhin, die darunter verlaufende Supportzone 2.789/2.082 Punkte zu verteidigen. Knapp darunter, bei 2.775 Zählern, verläuft die Mai-Aufwärtstrendlinie. Dann jedoch ginge es gleich ans Eingemachte, dann stünden 200-Tage-Linie und mittelfristiger Aufwärtstrend an. So gesehen können sich die Verteidiger nicht mehr viele brechende Auffanglinien leisten.

Und dass der S&P 500 zuvor an seinem bisherigen Rekordhoch abdrehte, indem er eine „Inselumkehr“ produzierte, die auch dadurch entstand, dass ausgerechnet direkt unter diesem Rekordlevel von 2.872 Punkten plötzlich keinerlei Kaufinteresse mehr vorlag, dürfte denen, die beim ersten Anzeichen nachhaltigerer Schwäche auf die Short-Seite wechseln würden, nicht entgangen sein. Ob es auch diesmal gelingen wird, dunkle Wolken durch sture Käufe einfach hinter dem Vorhang eines stabilen Trends zu verstecken, ist also noch keineswegs entschieden.

Chart vom 15.08.2018, Kurs 2.818,37 Punkte, Kürzel SPX

Es fehlt nicht mehr viel bis zum am 26. Januar bei 2.872 Punkten erreichten Rekordhoch des marktbreiten US-Index Standard & Poor’s 500. Vergangene Woche waren es noch 24 Punkte, weniger als ein Prozent. Dann drehte der S&P 500 erst einmal nach unten. Aber obwohl der US-Präsident am Mittwochabend seine Strafzoll-Schraube in Richtung China weiter anzog und nicht wenige US-Unternehmen schon jetzt melden müssen, dass alleine die bisherigen Maßnahmen negative Spuren hinterlassen: Die Bullen lassen sich nicht abweisen.

Aber ist diese Rekordjagd denn in einem solchen Umfeld durchzuhalten? Wer sich die Hintergründe genauer ansieht, wiegt da sorgenvoll mit dem Kopf. Davon abgesehen, dass August und September diejenigen Monate des Jahres sind, die die höchste Rückschlaggefahr mitbringen, waren die bisherigen Quartalsbilanzen der US-Unternehmen nicht gerade beeindruckend. Natürlich wurden da, wie üblich, reihenweise die Prognosen der Analysten übertroffen. Aber eigentlich weiß jeder, dass die tendenziell zu tief schätzen, um eine gute Stimmung unter den Anlegern aufrechtzuerhalten. Und ohne den Effekt der Steuersenkungen und die vielen damit einhergehenden, den Gewinn pro Aktie schönenden Aktienrückkäufe sähe die Lage keineswegs so gut aus, wie sie die offizielle Wachstumsrate des US-Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal (+4,1 Prozent, auf ein Jahr hochgerechnet) vorspiegelt. Sehen die Investoren das nicht?

Die meisten sehen das sicherlich. Aber viele sagen sich zweierlei: Zum einen, dass es zu den Aktien derzeit noch keine Alternative gibt. Das würde sich dann ändern, wenn die US-Notenbank ihre Zinsanhebungen abschließt und das Wachstum so nachlässt, dass man von einem Leitzins-Hoch ausgehen könnte. So weit ist es aber noch nicht. Zum anderen gehen sie davon aus, dass, wenn die Trump’sche Politik den Trend bis jetzt nicht gebrochen hat, das auch weiterhin nicht passieren wird. Und wenn, würde man entsprechend charttechnischer Signale frühzeitig erkennen, wann es an der Zeit ist, die Segel zu streichen.

Und noch spricht die Charttechnik in der Tat für die Bullen. Der Chart auf Wochenbasis zeigt: Bislang scheint der doppelte Leitstrahl der Hausse, bestehend aus der Anfang 2016 etablierten Aufwärtstrendlinie und der 200-Tage-Linie, einfach nicht zu durchbrechen zu sein. Mehrfach wurde dieser doppelte Support seit Ende Januar angegangen. Und nie wurde er auf Wochenschlusskursbasis gebrochen. Das gibt den Bullen Selbstvertrauen. Und auch in der kurzfristigen Zeitebene sieht es gut aus für einen Versuch, diese bisherige Rekordmarke von 2.872 Zählern anzugehen und zu überwinden, denn:

SPX_2018_08_03_Day

Am Donnerstag gelang den Akteuren ein perfekter Intraday-Turnaround nach oben. Zunächst sah es gar nicht gut aus. Der Index begann den Tag noch im Minus, genau in der durch die 20-Tage-Linie verstärkten Unterstützungszone 2.789/2.802, die sich aus den Zwischenhochs vom Februar, März und Juni zusammensetzt. Wäre die gebrochen, hätte es schnell und auch weit nach unten gehen können. Aber genau dort waren die Bullen zur Stelle, drehten den Index und unterfütterten so dieses trügerische Gefühl einer unverwundbaren Hausse. Auch, wenn das Eis dünn ist: Bleibt die Käuferseite weiterhin so wachsam, kann das bisherige Hoch tatsächlich bezwungen werden.

SPX_2018_08_03_Week

Mit dem Schlusskurs des Donnerstags fehlen dem marktbreiten US-Index Standard & Poor’s 500, kurz S&P 500, gerade einmal etwa 1,3 Prozent, um das bisherige Rekordhoch von 2.873 Punkten, das der Index Ende Januar erzielt hatte, zu überbieten. Da kann und darf man staunen. Denn auch, wenn davon ausgegangen wird, dass das zweite Quartal für die US-Wirtschaft endlich einmal ein starkes war (die heutige erste Schätzung des US-Bruttoinlandsprodukts soll etwa um vier Prozent liegen), waren die vorangegangen beiden Quartale doch eine Enttäuschung.

Das von Donald Trump versprochene immens starke Wachstum ließ bislang auf sich warten. Sogar ein unmittelbarer Effekt der US-Steuerreform blieb aus, der soll jetzt im zweiten Quartal sichtbar werden. Bei den Unternehmen sorgte diese Reform zwar bereits für Gewinnsprünge. Aber mit Blick auf schwache Bilanzen der US-Automobilhersteller und mehrere verfehlte Erwartungen bei Publikumslieblingen wie Netflix oder Facebook muss man sich schon fragen, woher die US-Marktteilnehmer den Mut nehmen, beim marktbreiten S&P 500 stur immer weiter zu kaufen.

Chart vom 26.07.2018, Kurs 2.837,44 Punkte, Kürzel SPX

Der Knackpunkt liegt in der Bezeichnung „marktbreit“. Man setzt darauf, dass von der aggressiven US-Handelspolitik vor allem kleinere US-Unternehmen profitieren. Was auch dazu führt, dass der S&P 500 dem Dow Jones momentan davonläuft. Es sind nicht die Blue Chips, die stark laufen, es ist die zweite Reihe. Was indes auch nicht ohne Risiko ist, denn diese Hoffnung, dass die etwas kleineren US-Firmen jetzt einen warmen Geldregen erfahren, ggf. Dividenden erhöhen und/oder Aktien zurückkaufen und so die Anleger glücklich machen, muss auch erst einmal erfüllt werden. Was voraussetzt, dass Donald Trumps Wirtschafts- und Handelspolitik nicht zum Bumerang wird.

Und da die ersten Anzeichen dafür, z.B. steigende Kosten bei den Autobauern durch deutlich gestiegene Stahlpreise, bereits zu sehen sind, würde es Zeit, dass Europa und China tun, was die US-Regierung verlangt. Und bei China ist das noch völlig offen, für Europa gilt das nicht minder. Immerhin war der am Mittwochabend propagierte Deal nichts anderes als die gegenseitige Zusage, keine neuen Zölle zu erheben, solange man verhandelt. Aber Verhandlungen können jederzeit beendet werden. So gesehen ist diese mit dem Beginn des dritten Quartals neu belebte Hausse ein Spiel mit dem Feuer, das besonders deshalb so riskant ist, weil viele der Akteure sich des Risikos gar nicht bewusst sind. Aber:

Charttechnisch passt bislang alles. Der Wochenchart zeigt, dass sich der S&P 500 bislang auf seinen langfristigen, doppelten Leitstrahl in Form des Anfang 2016 entstandenen Aufwärtstrends und der 200-Tage-Linie verlassen kann. Und auf der kurzfristigen Ebene vermochte sich der Index in dieser Woche deutlicher über die Zwischenhochs vom März und Juni abzusetzen.

Chart vom 26.07.2018, Kurs 2.837,44 Punkte, Kürzel SPX

Das Chartbild ist also klar bullisch. Wichtig wäre indes, sich der Risiken gewärtig zu sein und eine konsequente Absicherung nach unten vorzunehmen. Aktuell ist entscheidend, dass der S&P 500 die vorgenannten, jetzt klar überbotenen Wendemarken vom März und Juni (2.791/2.802 Punkte) nicht mehr unterschreitet. Knapp darunter, derzeit noch so, dass die bei 2.783 Punkten verlaufende 20-Tage-Linie mit eingefangen würde, wäre ein Stop Loss unbedingt zu überlegen.

Rein charttechnisch betrachtet läuft es derzeit absolut rund für den marktbreiten US-Index Standard & Poor’s 500 (S&P 500). Als würden die Marktteilnehmer aus einem Guss sein, alle gemeinsam ausschließlich nach charttechnischen Erwägungen agieren. Aber genau das sollte misstrauisch stimmen. Denn auch, wenn es dadurch wirkt, als würde man jegliche Risiken, von denen es gerade aufgrund der zahlreichen riskanten Aktivitäten der US-Regierung genügend gibt, einfach ausblenden: Niemand könnte sich dessen sicher sein. Denn man kann am Chartbild nicht unterscheiden, ob die Akteure die Gefahren ausblenden oder bislang einfach nur nicht reagieren, weil sie darauf setzen, bei entsprechend negativen Signalen der Charttechnik schon noch rechtzeitig aussteigen zu können. Der Verdacht, dass das Fundament dieser Rallye maroder ist als der erste Blick das vermuten ließe, fußt auch darauf, dass die Investoren auf normalerweise äußerst wichtige Impulse nicht mehr reagieren, weil der Aufwärtstrend derzeit gesichert scheint, Käufe also nicht nötig sind und Verkäufe in solchen Fällen verfrüht erscheinen. Der Eklat des G7-Gipfels wird den USA mittelfristig schaden. Keine Reaktion. Und was das Treffen von Trump und Kim Jong Un angeht, hätte das eigentlich für positive Reaktionen sorgen müssen. Dass da mehr Sprüche geklopft als klare Verhältnisse geschaffen wurden, mag zwar sein. Aber das ist ein Kennzeichen der derzeitigen Regierung, die die US-Anleger insgesamt bisher auch nicht davon abgehalten hat, solche „Erfolge“ mit kräftigen Käufen zu beantworten. Aber es tat sich am Dienstag herzlich wenig. Ist also Vorsicht angeraten?

Expertenmeinung: Durchaus, aber das ist an der Wall Street ohnehin immer zu empfehlen. Nur wäre Vorsicht nicht mit einer bärischen Vorlage zu verwechseln. Wenn es gegen die Vernunft, aber stur nach charttechnischem Lehrbuch läuft, deutet das auf starke Dominanz großer technisch orientierter Marktteilnehmer, vornehmlich wohl Hedgefonds, hin. Und solange die ihren Kurs stur einhalten, muss schon einiges passieren, um die Tendenz abrupt und nachhaltig zu drehen. Sie sehen im Chart, dass der S&P 500 Ende Mai auf die zuvor nach oben durchbrochene Abwärtstrendlinie zurückgesetzt hatte und dadurch den Ausbruch bestätigte. Das sorgte für neuen Schwung, der den Index über den Level trug, in dem er zuvor Mitte Mai stagniert hatte. Grundsätzlich würde noch das März-Hoch bei 2.802 Punkten einen Widerstand darstellen, aber solange die kritischen Rahmenbedingungen nicht ins Kursgeschehen einfließen, wäre das kein zwingender Grund für den Index, nach unten abzudrehen. Ein Auge sollte man indes auf den übermorgen anstehenden Abrechnungstermin an der Terminbörse haben. Danach pflegt die Dynamik gerne zu erlahmen. Aber solange der Index nicht wieder unter die derzeit bei 2.737 Punkten verlaufende 20-Tage-Linie zurückfällt und damit auch die jetzt als Unterstützung dienenden Mai-Hochs unterbietet, bliebe dieser Index, bei aller gebotenen Skepsis und Vorsicht, bullisch.

Chart vom 12.06.2018, Kurs 2.786,85, Kürzel SPX

Es ist zwar richtig, dass die Wahrnehmung der Aktivitäten der US-Regierung in den USA selbst mit Masse weitaus weniger kritisch ist als in Europa, weil die Medien anders berichten. Aber so ganz unproblematisch kann es nicht einmal eher Trump-positiv eingestellten Investoren vorkommen, dass man im Weißen Haus die Schlagzahl hinsichtlich der Konflikte mit dem Rest der Welt noch erhöht hat. Alleine in den letzten Wochen haben die USA einseitig das Iran-Atomabkommen gekündigt, die NAFTA-Verhandlungen weiter erschwert, das Treffen Trumps mit Kim Jong Un abgeblasen, die bisherigen Verhaltungsergebnisse mit China nach erster Zustimmung auf einmal als nicht ausreichend und neu zu verhandeln tituliert und die nötigen Schritte auf den Weg gebracht, um ggf. europäische Autoimporte in die USA im Namen der nationalen Sicherheit mit Strafzöllen zu blockieren. Das dürfte nur wenigen als „konsequentes Aufräumen“ erscheinen. Auch an der Wall Street wird der Mehrheit völlig klar sein, dass die US-Regierung sich verzettelt, die bislang ausgebliebenen Erfolge beim Wachstum mit der Brechstange erzwingen will und damit tendenziell gegen die Wand laufen dürfte. Auf den ersten Blick wirkt der S&P 500 zwar, als sei man wieder optimistisch, die Zuversicht wiederbelebt und der Weg nach oben frei. Aber auf den zweiten Blick bekommt man den Eindruck: Da stimmt doch was nicht?

Expertenmeinung: Bereits am 10. Mai gelang der Anstieg über die über das bisherige Allzeithoch und das Zwischenhoch vom März konstruierbare Abwärtstrendlinie, zugleich wurde dadurch das Monatshoch des April bezwungen. Der Weg nach oben war frei … aber seither ist von einem befreiten Auftritt der bullischen Akteure nichts zu sehen. Elf Handelstage nach diesem charttechnisch positiven Signal beträgt der Anstieg des Index, gerechnet vom Schlusskurs dieses 1. Mai: null! Es kommt keinerlei Momentum auf, der Trendfolgeindikator MACD neigt sich bereits wieder in Richtung seiner Signallinie. Der Eindruck, dass die Käufe zuvor vor allem Defensiv-Aktionen waren, die, wie schon in den Wochen zuvor, vor allem darin motiviert waren, einen Sicherheitsabstand zur wichtigen, bereits dreimal getesteten 200-Tage-Linie zu schaffen, weil man weiß, dass die einem vierten Test wohl kaum würde standhalten können, verfestigt sich damit. Dass diese Defensiv-Käufe Widerstandslinien überwinden und die Anschlusskäufe trotzdem ausbleiben, macht deutlich, dass die nächste Verkaufswelle nur eine Frage der Zeit sein dürfte, denn das Umfeld ist alleine durch die hohen Renditen am Anleihemarkt und den nach und nach weiter steigenden US-Dollar auch ohne die Aktionen der US-Regierung ungemütlich genug. Zwar wäre ein bärisches Signal erst gegeben, wenn der S&P 500 die 200-Tage-Linie bei 2.634 und die mittelfristige Aufwärtstrendlinie bei derzeit 2.606 Punkten durchschlagen würde. Aber wirklich weit wäre der Weg dorthin ja nicht.

Chart vom 25.05.2018, Kurs 2.721,33 Punkte, Kürzel SPX

Die Liste an Argumenten, um auf dem aktuellen Niveau beim marktbreiten US-Index Standard & Poor’s 500 (S&P 500) einzusteigen, ist recht überschaubar. Zyniker mögen sagen: Sie ist leer. Dem gegenüber fänden sich reichlich Gründe, um jede größere Rallye zum Anlass zu nehmen, Positionen zu reduzieren. Gerade für die großen Fonds, die normalerweise nicht imstande wären, ihre gigantischen Portfolios nennenswert zu reduzieren und Barreserven aufzubauen, weil die Volumina zu groß wären, um vom Markt aufgenommen zu werden. Aber nein, der S&P 500 steigt. Wieso?

Nimmt man die Risiken nicht wahr, die der einseitige US-Ausstieg aus dem Iran-Atomabkommen für die Geopolitik und damit auch für die Weltwirtschaft bedeutet? Erkennen die US-Investoren nicht, dass sich die Erwartung, der Rest der Welt werde sich den US-Forderungen im Konflikt um das US-Handelsbilanzdefizit beugen, nicht zu erfüllen scheint? Dass nur noch zwei Wochen bleiben, bis die Strafzölle in Kraft treten und entsprechende, die US-Konjunktur belastende Gegenmaßnahmen auslösen würden? Sorgt sich niemand um die auf mehrjährigen Hochs angekommenen Renditen am US-Anleihemarkt, die gerade in den kurzen Laufzeiten zu einer brisanten Konkurrenz für Aktien werden? Um den wieder steigenden US-Dollar zu den meisten wichtigen Währungen, der die Vorteile, die die US-Unternehmen seit Anfang 2017 im Export hatten, wieder reduziert? Oder um das trotz Steuerreform bislang hinter den Erwartungen zurückgebliebene Wirtschaftswachstum? Die Liste der Punkte, die den Aktienmarkt bedrohen, ist lang. Wie kann der S&P 500 in einem solchen Umfeld steigen?

Diese Frage ist heute berechtigter als noch Mitte April oder Mitte März. Aber die Triebfeder des Anstiegs ist dieselbe wie damals: der morgen anstehende Abrechnungstermin am Optionsmarkt. Optionen haben in den USA als Derivat einen weit höheren Stellenwert als in Europa. Hier geht es um gewaltige Summen, die seitens der großen Akteure an der Terminbörse verdient oder eben verloren werden können. Groß genug, um mit hinreichend großem Hebel dafür zu sorgen, dass selbst ein derartiges Schwergewicht wie der S&P 500 zur Abrechnung am Freitag dorthin läuft, wo er diesen Akteuren den höchsten Gewinn einbringt. Und der wartet dort, wo die meisten Options-Käufer auf dem falschen Fuß erwischt werden, denn die „Big Player“ des Terminmarkts sind tendenziell eher Verkäufer der Optionen, die sogenannten Stillhalter. Sie machen ihren Gewinn, wenn die von ihnen an die anderen Marktteilnehmer verkauften Optionen wertlos verfallen. Und gerade in Phasen wie diesen, in denen es zahlreiche Gründe für fallende Kurse gäbe und daher viele Anleger auf einen Abstieg des Index setzen, lohnt es, den Index in die rational betrachtet „falsche“ Richtung zu ziehen. Was nicht unbedingt so teuer kommt, wie man denken könnte, denn natürlich ziehen die computergesteuerten Handelsprogramme und die Daytrader mit, kaufen den kurzfristigen Trend und werden so zu unbewussten Helfern der großen Akteure am Terminmarkt. Aber:

Chart vom 16.05.2018, Kurs 2.722,46 Punkte, Kürzel SPX

Beim DAX haben wir das Phänomen bereits seit Dezember gesehen, hier, an der Wall Street, immerhin im März und April: Kaum ist diese Abrechnung vorbei, dreht die Tendenz. Dass es diesmal anders kommt, ist zwar nicht auszuschließen. Aber ein erneutes Kippen des S&P 500 würde nicht überraschen. Ob im Chart auf Wochen- oder auf Tagesbasis, Sie sehen: Die entscheidenden Unterstützungen bleiben in Reichweite. Die Argumente für fallende Kurse sind zahlreicher. Und alleine, dass diese Käufe vor Abrechnungsterminen zur Gewohnheit geworden sind bedingt, dass nicht nur diejenigen zusehen dürften, gleich in der kommenden Woche in dieses gestiegene Niveau hin Positionen abzubauen, die unmittelbar an diesen Käufen mit Blick auf den Terminmarkt beteiligt sind. Auch alle anderen Marktteilnehmer sehen diese Divergenz zwischen steigenden Kursen und Rahmenbedingungen. Und sie sehen, dass der S&P 500 am Mittwoch trotz des negativen Signals eines „Abendsterns“ stieg, der genauso kurz vor dem Abrechnungstermin aufgetaucht ist, wie das im April der Fall war. Im April wirkte sich diese bärische Candlestick-Formation unmittelbar aus, drückte den Index noch vor der Abrechnung. Das sollte diesmal verhindert werden, zumal weiter fallende Notierungen bedeutet hätten, dass der Ausbruch über das April-Hoch eine Bullenfalle wird. Das Plus zu halten, gelang am Mittwoch. Aber jeder erfahrene Marktteilnehmer erkennt die Intention dieser Käufe … und das bedeutet, dass man gut beraten wäre, diesem scheinbaren charttechnischen Befreiungsschlag vorsichtig zu begegnen und eventuelle Long-Positionen zumindest knapp unter der bei 2.675 Punkten verlaufenden 20-Tage-Linie abzusichern.

Chart vom 16.05.2018, Kurs 2.722,46 Punkte, Kürzel SPX

Angeführt von einem Dow Jones, der zeitweise gut 350 Punkte ins Minus gerutscht war, hatten die US-Aktienindizes am Dienstag erneut um ihre mittelfristig entscheidenden Unterstützungen zu ringen. Dass es gelang, den marktbreiten S&P 500 zum Handelsende doch wieder knapp ins Plus zu heben, ist zwar für das bullische Lager ein Grund, um tief durchzuatmen, nachdem der Wochenstart alles andere als rosig verlaufen war. Aber auch, wenn dieser Intraday-Turnaround die Distanz zu den entscheidenden Auffanglinien wieder einen Tick vergrößerte: In unmittelbarer Reichweite bleiben sie weiterhin. Und es ist fraglich, wie nachhaltig dieser Gegenangriff der seit Ende Januar immer öfter in die Defensive gedrängten Bullen sein kann. Die Masse der Quartalsbilanzen für das erste Quartal 2018 liegt auf dem Tisch und vermochte den US-Aktienmarkt ebenso wenig wieder in einen tragfähigen Aufwärtsimpuls zu führen wie das magere Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zwischen Januar und März. Das Thema der Strafzölle wird zwar derzeit auf kleiner Flamme gekocht, die Sache an sich sowie die Gefahr, dass sich die USA damit selbst schaden, ist aber noch keineswegs gebannt. Und was die Geopolitik angeht, birgt die zunehmende Fokussierung auf den Iran für den Ölpreis ein Risiko. Sollte der weiter zulegen, würde das das ohnehin überschaubare US-Wachstum zusätzlich bremsen. Und noch ein weiterer und äußerst bedeutsamer Aspekt droht sich gegen die US-Bullen zu wenden:

Expertenmeinung: Der Euro droht zum US-Dollar in eine Trendwende einzuschwenken. Mit der 200-Tage-Linie erreichte der Euro/US-Dollar-Kurs am Dienstagabend die untere Begrenzung einer Unterstützungszone zwischen 1,20 und 1,2155 US-Dollar, deren nachhaltiger Bruch eine mittelfristige Trendwende bedeuten würde. Ein wieder steigender US-Dollar, ein fallender Euro, das hieße, dass eine für das US-Wachstum ganz entscheidende Triebfeder brechen würde. Dementsprechend ist der Weg nach oben steinig, denn für potenzielle Käufer findet sich momentan auf die Frage, warum man ausgerechnet jetzt kaufen sollte, keine überzeugende Antwort. Der S&P 500 würde ein bullisches Signal generieren, gelänge es, die übergeordnete Januar-Abwärtstrendlinie bei aktuell 2.725 Punkten zu bezwingen. Aber angesichts der in sukzessive kürzeren Abständen auftretenden Anläufe an die bei 2.613 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie als obere Begrenzung der aus dieser Linie, der April 2017-Aufwärtstrendlinie bei 2.590 und dem bisherigen Jahrestief bei 2.533 Punkten bestehenden, mittelfristig entscheidenden Unterstützungszone erscheint die bärische Seite momentan die interessantere zu sein. Erst, wenn der Index über die Januar-Abwärtstrendlinie nach oben hinaus laufen würde, wären die Bären wirklich aus dem Feld geschlagen.

Chart vom 01.05.2018, Kurs 2.654,79 Punkte, Kürzel SPX

Bis zum Handelsbeginn des Mittwochs lief für das bullische Lager alles nach Plan. Seither aber scheint beim marktbreiten US-Index Standard & Poor’s 500 (S&P 500) der Wurm drin zu sein. Und dass das ausgerechnet unmittelbar vor einem Abrechnungstermin für Optionen, der heute stattfindet, passiert, sollte Anlass geben, hier in den kommenden Tagen ganz genau hinzusehen. Denn eigentlich war die Konstellation dergestalt, dass die Abrechnung der an der US-Börse gegenüber Deutschland weit wichtigeren Optionen am oberen Ende der Handelsspanne seit dem letzten Abrechnungstermin am 16. März stattfinden würde. Doch bis dahin wird es der S&P 500 nicht mehr schaffen. Und damit schwant so manchem wohl, dass es diesmal nicht anders ablaufen wird als im März. Auch da war der Index im Vorfeld der Abrechnung, bei der damals auch noch die Futures dabei waren (der viermal jährlich stattfindende, sogenannte „dreifache Hexensabbat“) zwar gestiegen, zeigte aber in den letzten Tagen davor Schwäche. Und kaum war die Abrechnung am 16. März über die Bühne, folgte ein kräftiger Abwärtsimpuls. Besteht dieses Risiko auch diesmal?

Expertenmeinung: Es besteht durchaus. Denn immerhin sind die Rahmenbedingungen für einen ernsthaften und erfolgreichen Anlauf an und über das bisherige Rekordhoch (2.872 Punkte) alles andere als ideal. Die bisher eingelaufenen, noch wenigen Quartalsbilanzen zeigen ein gemischtes Bild, das schwächer ausfällt als das, was diejenigen erwartet haben dürften, die der US-Steuerreform Wundertaten zubilligen. Die geopolitische Lage ist und bleibt ebenso angespannt und unsicher wie die Strafzoll-Problematik. Und überall stecken die USA mittendrin. Das Wirtschaftswachstum dürfte im ersten Quartal nicht gerade überzeugend ausgefallen sein (da kommt in einer Woche die erste Berechnung auf den Tisch) und die Anleihezinsen bleiben vor allem in den kurzen Laufzeiten, die sich eigenen, um aus dem Aktienmarkt abfließendes Geld zu parken, im Aufwärtstrend. Der S&P 500 müsste schnell über die bei aktuell 2.745 Punkten verlaufende Januar-Abwärtstrendlinie hinaus, um aus charttechnischer Sicht bullische Fakten zu schaffen und damit das unmittelbare Risiko eines erneuten Abwärtsschwenks zu verringern. Aber das könnte leichter gesagt als getan sein. Bis 2.717 Punkte war der Index am Mittwoch gekommen, bildete da aber einen Doji aus, dem gestern eine rote Kerze folgte. Damit haben wir hier einen „Evening Star“, ein haushohes Warnsignal in der Candlestick-Lehre. Würde heute eine weitere rote Kerze folgen, würde für die Bullen etwas immens schieflaufen. Schlusskurse klar unter 2.674 Punkten würden zudem bedeuten, dass der Ausbruch über die Wendeformation, die sich in den letzten Wochen ausgebildet hatte, zurückgenommen ist. Als „Sicherungsseil“ ließe sich da noch die bei 2.644 Punkten verlaufende 20-Tage-Linie sehen. Aber wenn auch die fiele, wäre die Möglichkeit, dass ein erneuter und dann womöglich die bisherigen Jahrestiefs durchschlagender Abwärtsschub ansteht, deutlich gestiegen.

Chart vom 19.04.2018, Kurs 2.693,13 Punkte, Kürzel SPX

Schwache Arbeitsmarktaten im März, ein schon wieder gestiegenes Handelsbilanzdefizit im Februar: Die vergangene Woche brachte keine guten Nachrichten hinsichtlich des von den Anlegern wegen der unterstellten Wunderwirkung der US-Steuerreform erwarteten und von Donald Trump vorhergesagten Wachstums. Dass Chinas Präsident im Streit um die Einfuhrzölle nachgegeben hat, wie man bei oberflächlicher Analyse von dessen Rede in der Nacht zum Dienstag auf dem Asien-Wirtschaftsforum denken könnte, dürften nur blauäugige Anleger glauben. Und dass der US-Präsident Raketenangriffe auf Syrien ankündigte, während man zugleich noch prüft, ob es sich bei der Grundlage dieser Attacken wirklich um einen Giftgasangriff durch das syrische Assad-Regime gehandelt hat, zeigt: Das Weiße Haus läuft langsam aus dem Ruder. Und wer kann, bringt Distanz zwischen sich und den Präsidenten: Am Dienstag war der Trumps Homeland Security-Berater Bossert zurückgetreten, gestern Abend folgte die stellvertretende nationale Sicherheitsberaterin Nadia Schadlow. Und ebenfalls gestern verloren die Republikaner mit Paul Ryan einen ihrer prominentesten Köpfe: Der erklärte, er werde bei den Zwischenwahlen im November nicht mehr antreten. Zwar gab er als Grund die Familie an. Aber der zeitliche Zusammenhang zu dem immer heftigeren Konfrontationskurs der US-Regierung dürfte kaum ein Zufall sein. Doch am Aktienmarkt tut man so, als sei alles in Ordnung. Oder täuscht das Bild?

Expertenmeinung: Das tut es. Und das Problem derer, die alles in den Ring werfen, um den Bruch der entscheidenden Unterstützungen beim marktbreiten S&P 500 ebenso wie bei Dow Jones und Nasdaq 100 zu verhindern ist: Die Bären wissen das auch. Auf den ersten Blick wirkt das Chartbild des S&P 500, als würde da gerade eine solide Bodenbildung ablaufen und dadurch ein über dem Tief des Februars liegendes Tief in einen neuen Aufwärtsimpuls münden. Was in der Tat dann gelingen würde, wenn die Zwischenhochs der vergangenen zwei Wochen bei 2.675 Punkten überwunden werden. Dann wäre der Weg immerhin bis zur Januar-Abwärtstrendlinie bei 2.755 Punkten frei. Und es würde ja nicht mehr viel fehlen bis zu diesem Widerstand bei 2.675 Punkten, zumal der Trendfolge-Indikator MACD bereits ein knappes Kaufsignal generiert hat. Der Haken ist, dass die Rahmenbedingungen eher für einen markanten Baisse-Schub sprechen und das Lager der Verteidiger immer wieder damit zu tun hat, abrutschende Kurse wieder aufzukaufen. So z.B. am Dienstag, nachdem das kräftige Minus des Freitags am Montag zunächst aufgeholt schien, die zeitweiligen Gewinne aber zum Handelsende wieder abverkauft wurden und die Bullen von vorne anfangen mussten. Auch am Mittwoch konnte man froh sein, mit einem eher glimpflichen Minus davongekommen zu sein: Vor Handelsbeginn hatten die Futures deutlich tiefer notiert. Die Notwendigkeit zu einer permanenten Defensive verbraucht Kapital und Nerven. Lange werden die Bullen das nicht durchhalten – und die entscheidenden Unterstützungen, deren Bruch die Schleusen öffnen würden, liegen mit 2.532 (Jahrestief), 2.580 (mittelfristige Aufwärtstrendlinie) und 2.597 Punkten (200-Tage-Linie) nicht weit entfernt. Die Faktenlage ist bereits bärisch, nur haben die Verteidiger noch nicht aufgegeben. Das erinnert ein wenig an die Schlacht von Alamo … und es wäre keine Überraschung, wenn dieser Abwehrkampf der Bullen genauso ausgehen würde.

Chart vom 11.04.2018, Kurs 2.642,19 Punkte, Kürzel SPX

Handeln über LYNX: Ein Depot, viele Vorteile
  • stabile und zuverlässige Handelsplattform
  • kompetenter Service durch Experten
  • niedrige und transparente Gebühren
  • umfangreiches Wissensportal
Mehrfach ausgezeichnet
Contact icon KOSTENFREI ANRUFEN
0800 5969 000
Contact icon SCHREIBEN SIE UNS
SERVICE@LYNXBROKER.DE
Contact icon FREUNDSCHAFTSWERBUNG
KUNDEN EMPFEHLEN LYNX
Contact icon HÄUFIG GESTELLTE
FRAGEN