Robinhood: Vom Überflieger zur Bruchlandung… und wieder zurück?

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Robinhood Markets
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Robinhood hat einen fulminanten Börsengang hingelegt, gefolgt von einer Rallye, die den Kurs binnen weniger Tage von 35 auf 85 USD katapultierte.
Der Börsenwert lag am Hoch bei atemberaubenden 69,3 Mrd. USD.

Und das für ein Unternehmen, von dem vor den sogenannten „Meme-Tradern“ und den Kurskapriolen bei GameStop kaum jemand jemals gehört hatte.

Dass es einen gewissen Hype um die Aktie gab, ist durchaus nachvollziehbar. Der Broker erfreut sich vor allem bei jungen Anlegern großer Beliebtheit und wächst sehr schnell.

Die jungen Wilden zocken mit Inbrunst. Mann kann nur hoffen, dass sie damit nicht ihr Hab und Gut verlieren. Andererseits ist es natürlich besser, bereits in jungen Jahren und wenig Kapital Erfahrungen und Fehler an der Börse zu machen – nicht erst in höherem Alter und wesentlich mehr Kapital.

Eine Sache sollte man aber nicht vergessen: Die vielen Erfolgsgeschichten, die in Foren & Co. verbreitet werden, sind bestenfalls die halbe Wahrheit.
Die Realität ist, dass die frühen Vögel bei Aktien wie GameStop sehr gut verdient haben – die letzten beißen allerdings die Hunde.

Die Gewinne der einen, zahlen die anderen ein.

Das kann sich sehen lassen

Bei Robinhood hat der Börsenhype der letzten anderthalb Jahre zu einem enormen Wachstumsschub geführt.
Der Umsatz lag 2019 noch bei 278 Mio. USD, im letzten Jahr bereits bei 959 Mio. USD und der Trend scheint sich auch 2021 fortzusetzen.

In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres konnte man den Umsatz um 126% auf 1,45 Mrd. USD steigern.
Das ist natürlich stark, daran gibt es aber zwei Haken.

Die operativen Kosten sind um 313% gestiegen, also sehr viel schneller. Es wäre wünschenswert, wenn sich die Lücke schließt.

Die beiden größten Kostentreiber waren Technologie/Entwicklung (+612%) sowie Administration (+456%). Das erste kann man nachvollziehen, das zweite weitaus weniger.

Das ist allerdings besorgniserregend

Das Budget für Technologie/Entwicklung hat sich im Jahresverlauf auf 952 Mio. USD mehr als versiebenfacht. Das erscheint etwas maßlos zu sein.
Wirklich besorgniserregend ist allerdings, wenn die Kosten in der Administration exorbitant schneller steigen als die Umsätze.
Die Profitabilität rückt damit in weite Ferne.

Wie ich meine Pappenheimer an der Börse kenne, würde das aber kaum jemand abschrecken. Sind wir ehrlich, die meisten Anleger schauen sich die Zahlen gar nicht so genau an.

Was die breite Masse abschreckt, sind wohl eher die nachlassenden Wachstumsraten.
Im ersten und zweiten Quartal lagen diese noch bei weit über 100%. Im dritten Quartal „nur“ noch bei 35%.

Das ist natürlich ein großer Unterschied. Noch bedenklicher ist allerdings, dass der Umsatz von Q1 auf Q2 bereits leicht rückläufig war.
In Q3 ist der Umsatz sogar von 535 auf 364 Mio. USD eingebrochen.

War es nur ein Strohfeuer?

Kann man diesen Trend nicht bald umkehren, wird es problematisch. Immer mehr Anleger dürften inzwischen die Frage stellen, wie nachhaltig das Wachstum von Robinhood ist.
Handelte es sich bei der Umsatzexplosion um ein Strohfeuer?
Kehren viele der jungen Anlege der Plattform schon wieder den Rücken?

Darauf gibt es heute noch keine abschließende Antwort.
Tatsächlich war meine Vermutung, bevor ich mich mit Robinhood beschäftigt habe, dass mein Fazit positiv ausfallen würde.
Wenn man perspektivisch wachsen kann, wird das früher oder später auch die Aktie beflügeln.

Wenn das Geschäft mehrere Quartale in Folge rückläufig ist, muss man daran allerdings gewisse Zweifel haben. Die geschäftliche Entwicklung der letzten Monate ist bedenklich.

Die ganze Sache erinnert mich ein wenig an Peloton. Dort wirkten die Wachstumsraten auf Jahressicht ebenfalls noch gut. Im Vergleich von Quartal zu Quartal waren sie aber stark rückläufig.

Der Markt reagierte darauf über weite Strecken nicht.
Am Ende sanken die Wachstumsraten immer weiter, man konnte es nicht mehr ignorieren und die Aktie kollabierte.

Ich hatte bereits bei 157 USD vor Peloton gewarnt, hier die letzte Analyse zum Titel:
Peloton: Droht ein Totalabsturz?

Bei Robinhood droht eine ähnliche geschäftliche Entwicklung, der Unterschied zwischen Robinhood heute und Peloton damals, ist der Umstand, dass der Kurs von Robinhood bereits reagiert hat.
Hier hat man nicht über Monate hinweg die Augen verschlossen.

Höchstwahrscheinlich sind wir dem Tief sehr viel näher, als man denkt. Das Sentiment dürfte inzwischen komplett am Boden sein.
Bisher hat sich zwar noch kein belastbarer Boden gebildet, doch ein Funke könnte ausreichen, um die Aktie zu beleben.

Chart vom 21.12.2021 Kurs: 18,03 Kürzel: HOOD - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 21.12.2021 Kurs: 18,03 Kürzel: HOOD – Tageskerzen

Nachdem die Aktie dermaßen abverkauft wurde, wäre auch genug Raum für eine Erholung. Das nächstgelegene Kursziel liegt bei 20 USD, darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal.

Doch all das wird sich nicht als nachhaltig herausstellen, wenn Robinhood nicht auf den Wachstumspfad zurückkehren kann.
Nur dann besteht auch wirklich Hoffnung auf steigende Kurse.
Nur dann lässt sich die Bewertung mit einem KUV von aktuell 8,3 rechtfertigen.

Die nächsten Quartalszahlen werden voraussichtlich am 25. Januar vorgelegt.

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In den ersten Tagen nach dem Börsengang von Robinhood kam es zu einem regelrechten Hype um die Aktie. In kürzester Zeit schoss der Kurs von 35 auf 85 USD.

Ernüchterung

Inzwischen ist ein Großteil der Gewinne wieder dahin und die vor wenigen Stunden vorgelegten Quartalszahlen waren auch nicht gerade hilfreich.

Als Reaktion ist die Aktie abgestürzt. Vorbörslich notiert Robinhood 8,80% im Minus bei 45,42 USD.

Im zweiten Quartal ist der Umsatz zwar um 131% auf 565 Mio. USD gestiegen, das Ergebnis ist allerdings von +0,09 auf -2,16 USD je Aktie implodiert.

Ein Großteil der Verluste ist allerdings auf Wertberichtigungen zurückzuführen.

Das sollte besser gehen

Das bereinigte EBITDA lag bei 90 Mio. USD nach 63 USD im Vorjahr.
Auch das ist eher enttäuschend, bedeutet es doch, dass die Entwicklung der „Profitabilität“ weit hinter der Umsatzentwicklung hinterherhinkt. Das Gegenteil sollte der Fall sein.

Darüber hinaus ist der durchschnittliche Umsatz je Kunde auf Jahressicht gefallen und zwei Drittel des Umsatzwachstums ist auf Crypto zurückzuführen.

Das klassische Brokerage-Geschäft wächst also sehr viel langsamer als die Kundenzahl.
Inzwischen erzielt Robinhood sogar den überwiegenden Teil des Umsatzes im Crypto-Segment.

Daher stellen sich viele Investoren wohl die Frage, wie nachhaltig das ist. In der Vergangenheit waren die Crypto-Märkte nicht nur kurstechnisch von einem starken auf und ab geprägt – dasselbe galt auch für die Handelsaktivität.

Ausblick und Bewertung

Als wären das nicht schon genug Bedenken, hat Robinhood für das laufende Quartal auch eine nennenswert niedrigere Zahl („considerably fewer“) an Neukunden in Aussicht gestellt.

Darüber hinaus sprach man von saisonalem Gegenwind und einer grundlegend niedrigeren Trading-Aktivität.

Außerdem ruderte man beim Thema Crypto-Wallet zurück. Man arbeite zwar daran, aber es sei „herausfordernd“.

Ein gelungener Börsenstart sieht anders aus und die negative Kursreaktion ist verständlich.

Deswegen wird die Aktie wohl nicht gleich in der Versenkung verschwinden. Nach der schwachen Vorstellung heute und der Ankündigung, dass in Q3 keine Besserung in Sicht ist, gibt es aber wenig Gründe für eine Rallye.

Chart vom 19.08.2021 Kurs: 49,80 Kürzel: HOOD - Stundenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 19.08.2021 Kurs: 49,80 Kürzel: HOOD – Stundenkerzen

Es ist wahrscheinlich, dass die Aktie jetzt in Richtung 46 USD fällt. Darunter käme es zu einem Verkaufssignal mit möglichen Kurszielen bei 40,00 und 33,50 USD.

Zeichnet sich an diesen Marken verstärktes Interesse ab, könnte das die Gelegenheit für einen hochspekulativen Erholungs-Trade sein.

Aus Sicht der Bullen sollte Robinhood dringend über 46 USD zurückkehren, oder im regulären Handel erst gar nicht unter diese Marke fallen. Nur dann ist eine Stabilisierung möglich.
Über 47,50 USD könnte eine Erholung in Richtung 50-51 USD eingeleitet werden.