Sartorius VZ Aktie aktuell Sartorius Vz.: Starke Zahlen, schwache Aktie – was war das denn?

News: Aktuelle Analyse der Sartorius VZ Aktie

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Sartorius VZ
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Zur Sartorius VZ Aktie

Die Bilanz des ersten Quartals war nicht bloß gut, sie war herausragend. Anfangs reagierte die Sartorius-Aktie auch positiv, doch dann kam es zu einem Intraday-Turnaround nach unten. Harmlose Gewinnmitnahmen oder mehr?

Am Mittwochmorgen meldete der Labor- und Medizintechnikspezialist Sartorius ein Umsatzplus von 55 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2020. Mit 791,1 Millionen Euro lag der Umsatz zudem klar über der durchschnittlichen Analystenerwartung von 744,6 Millionen. Und das war noch die kleinere „big figure“. Denn der Gewinn, gerechnet vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) stieg überproportional um satte 91 Prozent auf 263,5 Millionen Euro (Analystenprognose 235,6 Millionen), weil die EBITDA-Marge markant von 27 auf 33 Prozent gesteigert werden konnte.

Und das quittieren die Anleger am Ende des Tages mit einem Minus von 2,54 Prozent? Hätte die Aktie im Vorfeld kräftig zugelegt, weil zu viele Trader auf starke Zahlen gewettet hatten, wäre es nachvollziehbar gewesen. Hätte die Aktie im Vorfeld bereits neue Rekordhochs erreicht, ebenso. Aber weder noch war der Fall. Wo also liegt der Haken?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Sartorius VZ Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Möglich wäre, dass einige Akteure mittlerweile einen Blick auf das geworfen haben, was ihnen im Zuge der Rallye bis Mitte Februar offenbar noch egal war: auf die Bewertung. Allerdings wäre die Reaktion, auf diese Bilanz hin in steigende Kurse hinein zu verkaufen, weil die Aktie relativ hoch bewertet ist, ein wenig unlogisch. Denn Mitte Februar, als die Sartorius Vorzugsaktie mit 502 Euro ihr bisheriges Rekordhoch markierte, konnte man von solchen Ergebnissen noch nicht ausgehen. Und auf Basis der aktuellen Zahlen sowie der am 18. März angehobenen Umsatz- und Margenprognose ließe sich für 2021 ein Gewinnanstieg um 45 Prozent erwarten – damit wäre das derzeitige Kurs/Gewinn-Verhältnis um 74 nicht zu teuer.

Könnten die Analystenerwartungen die Anleger derzeit bremsen? Denkbar, denn das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt derzeit mit 477 Euro nur leicht über dem aktuellen Kursniveau. Aber noch haben die Analysten die gestrigen Zahlen nicht kommentiert, denkbar wäre also, dass höhere Kursziele potenzielle Käufer motivieren, um das bisherige Hoch der Aktie anzusteuern. Und was, wenn nicht?

Der Bereich, der auf keinen Fall brechen sollte, ist die charttechnische Schlüsselzone zwischen dem 2020er-Hoch bei 416,80 und der Dezember-Aufwärtstrendlinie bei 425 Euro. Käme es dazu, wäre die 200-Tage-Linie bei aktuell 379 Euro ein erstes Kursziel. Aber noch wäre nach diesem Minus als Reaktion auf starke Zahlen nichts angebrannt, die Bullen haben es in der Hand, den Aufwärtstrend aufrechtzuerhalten.

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Ronald Gehrt, Chart- & Fundamentalanalyst | LYNX Börsenexperten
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Vorherige Analysen der Sartorius VZ Aktie

Als Sartorius am 18. März seine 2021er-Prognose deutlich nach oben korrigierte, machte die Aktie einen Satz nach oben, fiel dann aber zurück. Doch damit wurde nur ein „Gap“ geschlossen, jetzt wäre wieder Luft nach oben.

Dass der Medizin- und Labortechnik-Spezialist noch im ersten Quartal imstande war, die gerade erst Ende Januar vorgelegte, ursprüngliche Prognose für das laufende Jahr anzuheben, war beindruckend. Dadurch wurde unterstrichen, dass es mit der Dynamik des Gewinnwachstums nicht vorbei ist und Sartorius mehr ist als ein „Corona-Gewinner“.

Auf Basis der prognostizierten Umsatzsteigerung von 35 Prozent und der avisierten EBITDA-Marge von 32 Prozent ließe sich ein Gewinnanstieg auf EBITDA-Basis von etwa 45 Prozent errechnen. Anfang Februar, als die Vorzugsaktie die magische 500 Euro-Marke erreichte und dort Gewinnmitnahmen einsetzten, lag die Bewertung über dem Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) mit etwa 90 zu hoch. Aber da musste man ja noch von der ursprünglichen Prognose ausgehen.

Jetzt, nach der Korrektur und mit einer höheren Gewinnperspektive, liegt es um 70. Nicht billig, aber angesichts eines prognostizierten Anstiegs des Unternehmensgewinns auf EBITDA-Basis um 45 Prozent auch noch ein gutes Stück unter dem Niveau des Zweifachen des Gewinnanstiegs, das man bei solchen Aktien als akzeptabel ansehen würde. Da wäre jetzt wegen der höheren Gewinnerwartung ein KGV von 90 noch in Ordnung … was hieße, die Aktie hätte Luft nach oben. Und auf charttechnischer Ebene hätte sie jetzt die Basis geschaffen, um die auch auszuloten.

Expertenmeinung: Sie sehen im Chart, dass der Kurs als Reaktion auf die vorgenannte Prognose-Anhebung am 18. März einen Sprung nach oben machte, dann aber zeitnah wieder zurückfiel. Doch daraus wurde keine Bullenfalle, der Kurs schloss nur das durch diese Meldung entstandene Aufwärts-Gap (Kurslücke) – und das sehr sauber:

Die doppelte Unterstützung aus dem alten Rekordhoch vom November und der 20-Tage-Linie hielt tadellos, damit war die Kurslücke geschlossen. Dadurch drehte die Aktie noch gut oberhalb der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie und zugleich gelang es so, den unten im Chart mit eingeblendeten Trendfolge-Indikator MACD bullisch zu halten. Damit wären die Pferde an die Tränke geführt, jetzt müssten sie nur noch saufen, will heißen:

Mit dem Anstieg zum Start in die Woche ist eine gute Vorlage für einen neuen Aufwärtsimpuls geschaffen, der den absolvierten Rücksetzer zu einem gelungenen Pullback an den Ausbruchlevel machen würde … vorausgesetzt, es gelingt, die nächstliegende Hürde in Form der im Februar etablierten Abwärtstrendlinie bei aktuell 442 Euro und idealerweise auch noch das letzte Zwischenhoch bei 457,40 Euro zu überwinden. Die Chance dafür ist angesichts dieses potenziell bullischen Chartbilds in Kombination mit einer starken Perspektive seitens des Unternehmens gut, aber gelingen sollte es eben trotzdem erst einmal, erst dann wäre der Weg nach oben frei.

Sartorius hob gestern überraschend seine Prognose für das Jahr 2021 an. Das kam zu einem aus charttechnischer Sicht perfekten Zeitpunkt – die Aktie ist wieder im Bullenrennen dabei!

Erst Ende Januar hatte der Labortechnik-Spezialist eine starke 2020er-Bilanz mit einem positiven Ausblick vorgelegt, die Basis des letzten großen Rallye-Impulses der Aktie wurde. Mitte Februar setzte dann jedoch eine relativ scharfe Korrektur ein. Sartorius war derart stark gelaufen, dass Gewinnmitnahmen irgendwann einsetzen mussten – und da waren sie nun. Allerdings zeigte sich schnell, dass das bullische Lager keineswegs geschlagen war, sondern auf Höhe wichtiger Unterstützungslinien wieder zugriff, ein klar positives Signal.

Sie sehen im Chart, dass die Sartorius-Aktie im Unterstützungsbereich 387,60 zu 416,80 Euro in eine Bodenbildung überging. Wie schon zur Jahreswende bildete sich dieser Boden mit einem ordentlichen Respekt-Abstand zur mittelfristig wichtigen, im Chart dick schwarz hervorgehobenen 200-Tage-Linie. Zugleich war die Aktie mit Blick auf die Mitte Februar heiß gelaufenen markttechnischen Indikatoren „auskorrigiert“. Was fehlte, was ein „Kick“, der die Aktie aus dieser Unterstützungszone 387,60/416,80 Euro und über die sie aktuell verstärkende 20-Tage-Linie hinaus getragen hätte. Diese Prognoseanhebung war dieser „Kick“ … und das völlig zu Recht.

Expertenmeinung: Sartorius korrigierte nach nur zehn Wochen im laufenden Jahr seine Umsatzprognose von zuvor +19 bis +25 Prozent auf +35 Prozent. Das alleine ist ein Wort. Noch beeindruckender aber war die Aussage, man dürfte in diesem Jahr eine EBITDA-Gewinnmarge von 32 Prozent erreichen. Die bisherige Prognose lag bei 30,5 Prozent nach 28 Prozent im Vorjahr, die 32 Prozent hatte man bei der 2020er-Bilanz von Ende Januar erst für 2025 gesehen!

Die ersten Analysten reagierten bereits am Donnerstag. Die DZ Bank blieb verhalten, hob die Einstufung von „Verkaufen“ auf „Halten“ und das Kursziel von 340,60 auf 445,80 Euro an. Das war es aber auch schon mit der Skepsis. Die LBBW hob das Kursziel von 425 auf 500 Euro an, das Bankhaus Metzler ging sogar von 520 auf 580 Euro nach oben.

Mit solchen „good news“, so bald nach einer ohnehin starken Bilanz, wäre zwar einerseits erst einmal nicht mit weiteren kurstreibenden Nachrichten zu rechnen, denn was sollte das noch toppen? Aber diese Prognose wäre grundsätzlich stark genug, um der Aktie nachhaltig Potenzial zu verleihen. Immerhin wurde das bisherige Rekordhoch von 502 Euro in Unkenntnis dieser jetzt deutlich besseren Perspektive bei Umsatz und Gewinn des Unternehmens erreicht. Dieses bisherige Hoch zu erreichen und im Idealfall zu überbieten, wäre also keineswegs abwegig. Solange Sartorius nicht wieder nennenswert in die jetzt nach oben verlassene Supportzone 387,60/416,80 Euro zurückfallen sollte, bleibt die Aktie bullisch.

Als die Sartorius AG am vergangenen Mittwoch die Bilanz des Jahres 2020 vorlegte, war die Reaktion äußerst gemischt. Die Tageskerze des Mittwochs zeigt einen Kurs, der ebenso deutlich ins Plus wie ins Minus lief und letzten Endes leicht, aber nicht entscheidend höher aus dem Handel ging. Diese Reaktion ist nachvollziehbar, denn bei der Vorzugsaktie des Labor- und Prozesstechnologie-Anbieters erleben wir seit Monaten den Widerstreit zwischen Qualität und Solidität auf der einen und einer untypisch teuren Bewertung auf der anderen Seite.

Sartorius steigerte den Umsatz im Jahr 2020 um 28 Prozent, der Gewinn vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (EBITDA) stieg aufgrund einer gestiegenen Gewinnmarge überproportional um 40 Prozent. Für das angelaufene Jahr 2021 sieht Sartorius einen Umsatzanstieg zwischen 19 und 25 Prozent, darüber hinaus glaubt man, die Gewinnmarge um etwa ein Prozent, von 29,6 auf 30,5 Prozent, ausbauen zu können.

Starke Zahlen, keine Frage. Aber wenn man die unternehmenseigene Gewinnprojektion für das Jahr 2021 mit dem aktuellen Kursniveau der Vorzugsaktie in Relation setzt, kommt da ein Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 100 heraus. Ein KGV, dass etwa doppelt so hoch läge wie der in den kommenden ein, zwei Jahren erwartete prozentuale Gewinnanstieg, das wäre durchaus in Ordnung. Aber selbst, wenn man die firmeneigene, derzeitige Prognose etwas aufrundet, wären da 2021 nicht mehr als 30 Prozent Gewinnplus drin, 2020 waren es, wie vorstehend genannt, 40 Prozent. Damit wäre die Aktie ungewöhnlich teuer – ist die Luft nach oben somit nicht äußerst dünn?

Expertenmeinung: Ein „Schnäppchen“ ist die Aktie sicherlich nicht, vor allem, wenn man sich den gewaltigen Kursanstieg des vergangenen Jahres ansieht. Der ging dann zwar Anfang November in eine Korrektur über, aber die Aktie kratzt ja bereits wieder an ihrem bisherigen, im November bei 416,80 Euro markierten Verlaufsrekord. Aber:

Dass sie trotz der hohen Bewertung momentan sehr bullisch daherkommt, ist dem „anderen Lager“ zu verdanken, das weniger auf die Höhe der momentanen Bewertung schaut, sondern auf die beeindruckende Solidität der Umsatz- und Gewinnentwicklung und die auch mittelfristig klar positive Perspektive der Medizintechnikbranche. Gerade in diesen unruhigen Tagen, in denen erste heimische, marktengere Aktien von dem Zocker-Virus angesteckt werden, das seinen Ursprung in den USA hat und bei Aktien wie GameStop, AMC oder Koss zu chaotischen Zuständen führte, flüchten viele Anleger in Solidität, die Aktien wie Sartorius ausstrahlen. Das kann ausschlaggebend dafür sein, dass der Kurs diese letzte charttechnische Hürde vom November bei 416,80 Euro überwinden könnte. Dass die Korrektur vom November und Dezember klar oberhalb der im Chart dick schwarz hervorgehobenen 200-Tage-Linie abgefangen wurde, dass die Aktie nach der Bilanz oberhalb ihrer 20-Tage-Linie nach oben drehte und am Freitag ein schönes Plus auswies, das sie näher an diese letzte Hürde trug, sind gute Zeichen. Hier ggf. im Fall neuer Hochs noch ein wenig zuzukaufen und neu hinzugekaufte Positionen dann eng unterhalb der Verlaufstiefs der Vorwoche (375,80 Euro) abzusichern, wäre allemal einen Gedanken wert.

Im Zuge des „Corona-Crashs“ wurde im Februar und März erst einmal so gut wie alles verkauft. Doch dann begannen die Marktteilnehmer zu differenzieren und stürzten sich auf diejenigen Werte, von denen sie annahmen, dass sie von der Corona-Krise nicht betroffen seien oder sogar von der Situation profitieren. Die Vorzugsaktie des Labor- und Prozesstechnologie-Spezialisten Sartorius gehörte definitiv dazu. Im März setzte eine Rallye ein, die den vorherigen Kurseinbruch winzig erscheinen ließ. Bereits im April lief der Kurs über das „Prä Corona“-Hoch und schaffte in der Spitze ein Plus von 154 Prozent, gerechnet vom Tief im März bis zum Verlaufsrekord des 9. November.

Dieser 9. November wurde für die Bullen zu einem Schock. Während der Gesamtmarkt durch die erste Meldung eines einsatzbereiten Impfstoffs durch die Decke ging, implodierte der Kurs der Sartorius-Aktie. Bisherige Corona-Gewinner erschienen jetzt ausgereizt, uninteressant und vor allem zu hoch bewertet. Solange die Sorge umging, die Pandemie könnte noch ewig dauern und das Momentum der Aufwärtsbewegung der Aktie hoch war, interessierte sich für die Bewertung über das Kurs/Gewinn-Verhältnis kaum jemand. Ab dem 9. November änderte sich das mit einem Schlag:

Das Tageshoch dieses denkwürdigen 9. Novembers lag bei 416,80 Euro, Verlaufsrekord. Und ausgerechnet da kam diese „Impfstoff-Meldung“ und schickte die Aktie auf die Bretter. Bis 338 Euro sackte der Kurs durch … und während der Gesamtmarkt von da an weiter stieg, testete Sartorius diese dadurch entstandene Unterstützung bei 338 Euro gerade erst vergangene Woche erneut. Und so, wie sich das Chartbild derzeit präsentiert, mit diesem intakten, durch die 20-Tage-Linie verstärkten kurzfristigen Abwärtstrend bei aktuell 359 Euro, könnte das die Vorstufe zur Vollendung einer großen Toppbildung sein. Könnte, muss aber nicht.

Zwar stürzen sich die Anleger momentan auf Aktien, denen man angesichts der beginnenden Impf-Phase für 2021 die stärksten Gewinnzuwächse zutraut. Aber die basieren eben fast immer darauf, dass die Gewinne 2020 extrem eingebrochen sind. Dadurch sind einige dieser Aktien schon jetzt so teuer, wie es die Sartorius Vorzugsaktie am bisherigen Verlaufshoch war.

Denn auch, wenn das Kurs/Gewinn-Verhältnis für die durchschnittliche Gewinnschätzung des kommenden Jahres bei untypisch hohen 68 liegt, ist das nicht teurer als das KGV, das die Aktie Ende 2019 auswies – vor dem Corona-Crash. Denn Sartorius muss 2021 keinen Gewinneinbruch des Jahres 2020 aufholen, hier steigen die Gewinne auch 2020 – und das nicht zu knapp. Für die ersten drei Quartale stieg der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) um 35 Prozent. Und nachdem Sartorius die Prognose für die Gewinnmarge im Zuge der Neun-Monats-Zahlen noch einmal anhob, erscheint das von den Analysten im Durchschnitt geschätzte 2020er-Gewinnplus von 39 Prozent erreichbar. 2021 soll es mit dem Gewinn um weitere 20 bis 25 Prozent nach oben gehen. Das ist nicht unbedingt eine Perspektive, in der man einer Aktie eine mittelfristige Abwärtswende zutrauen würde.

Und auch, wenn das Chartbild derzeit „toppish“ aussieht: Noch halten alle wichtigen Unterstützungen. Erst, wenn der Kurs die durch die 200-Tage-Linie verstärkte Auffangzone 314/319 Euro durchschlagen würde, wäre das Topp vollendet und der Weg aus charttechnischer Sicht nach unten frei. Bis dahin sollte man die Bullen aber besser nicht abschreiben. Es wäre kein weiter Weg, um die kurzfristige Abwärtstrendlinie mit Schlusskursen über 360 Euro zu bezwingen. Und gelingt das, wäre der Aktie angesichts dieser schon jetzt ausgiebigen Korrektur wieder einiges nach oben zuzutrauen.

Am Umsatz- und Gewinnwachstum des Labor- und Prozesstechnologieunternehmens Sartorius gibt es absolut nichts auszusetzen. Beides steigt seit Jahren wie auf Schienen. Und während andere Unternehmen in diesem Jahr massiv unter Druck gerieten, setzt Sartorius sein Wachstum dynamisch fort. In den ersten neun Monaten stieg der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) um 35 Prozent. Für das Gesamtjahr 2020 trauen die Analysten dem Unternehmen im Schnitt einen Gewinnanstieg von 40 Prozent zu. Und dieses Wachstum soll sich 2021, wenn auch in gemäßigterem Tempo, fortsetzen. Doch das heißt nicht, dass die Aktie nach unten abgesichert wäre.

Das wäre sie, wenn der Kurs in diesem Jahr in etwa mit dem zu erwartenden Gewinnanstieg mitgelaufen wäre, wenn die Bewertung über das Kurs/Gewinn-Verhältnis dem Gewinnwachstum angemessen wäre und sich der Gewinnanstieg in den kommenden Jahren im gleichen Tempo fortsetzen würde. Doch all das ist nicht der Fall. Gegenüber dem letzten Kurs 2019 notierte die Aktie am Dienstagabend 90 Prozent höher. Daraus errechnet sich für die geschätzten 2020er-Gewinne ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 85. In den vergangenen Jahren lag das um 50. Und momentan rechnet man für das kommende Jahr mit einem Gewinnanstieg von „nur“ 25 bis 25 Prozent. Die Aktie ist also ziemlich teuer. Und warum?

Expertenmeinung: Weil die Investoren sie in die Kategorie „Corona-Gewinner“ einordneten und kauften, als wäre sie ein „sicherer Hafen“. Und in der Tat gehört Sartorius aufgrund seines Schwerpunkts der Produktpalette in Richtung Biotech-, Pharma- und Nahrungsmittelbranche zu denen, denen die Krise bislang nichts anhaben konnte. Doch was, wenn die Krise endet, wenn damit eben dieser Faktor, der die Aktie so viel schneller nach oben trieb als den Unternehmensgewinn, wegfällt? Einen Vorgeschmack bekamen die Anleger am vorvergangenen Montag, als die Nachricht über die Fortschritte des COVID 19-Impfstoffs von BioNTech und Pfizer über die Ticker lief:

Der Kurs brach wie vom Blitz gefällt ein, eliminierte am Folgetag, was man Richtung Handelsende an Verlust aufzuholen vermochte und kommt seither nicht mehr an seiner 20-Tage-Linie vorbei. Und der Kurseinbruch ereignete sich auch noch genau an dem Tag, an dem die Vorzugsaktie am Morgen mit 416,80 Euro ein neues Rekordhoch markiert und dabei die obere Begrenzung des Juni-Aufwärtstrendkanals touchiert hatte.

Käme die Aktie auf Schlusskursbasis an dieser 20-Tage-Linie vorbei und würde über dem Hoch der letzten Tage von 381 Euro schließen, hätten die Bullen wieder etwas Wasser unter dem Kiel. Aber derzeit hätten die Leerverkäufer, d.h. die Bären, die besseren Karten. Sie hätten den kürzeren Weg zu einem bärischen Signal, das dann entstehen würde, wenn Sartorius eindeutig aus diesem Aufwärtstrendkanal herausfallen und dabei die Unterstützungszone 340/348 Euro durchschlagen sollte. Dann wäre ein Test der gerade bei 300 Euro angekommenen 200-Tage-Linie ein wahrscheinliches Szenario.