Sartorius: Top-Bilanz, besser geht es nicht – wo bleiben die Bullen?

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Sartorius VZ
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Zur Sartorius VZ Aktie

Es passte einfach alles bei der Bilanz des dritten Quartals, die Sartorius am Mittwochmorgen vorlegte. Umsatz, Auftragseingang und Gewinn legen weiterhin in atemberaubendem Tempo zu. Doch als Reaktion hatte die Aktie mit Gewinnmitnahmen zu kämpfen. Was ist da los?

Das sind Wachstumsraten zum Niederknien. In den ersten neun Monaten legte der Umsatz des Medizin- und Labortechnik-Traditionsunternehmens Sartorius um 53,9 Prozent gegenüber den ersten neun Monaten 2020 zu. Und anders als bei vielen Unternehmen gab es da nichts aufzuholen. Denn bei Sartorius war 2020 kein „verlorenes Jahr“ wegen Corona, sondern ein Jahr mit einem Umsatzwachstum von 28 und einem Gewinnwachstum von 43 Prozent. Und jetzt legt das Unternehmen einen noch höheren Gang ein.

Denn der Gewinn legte netto überproportional zum Umsatzanstieg zu, konkret um 108 Prozent. Denn nicht nur der Umsatz wächst, es werden auch immer bessere Gewinnmargen erreicht. Und dass das vorerst auch so bleibt, deutet der Auftragseingang an, der in den ersten drei Quartalen sagenhafte 2,2 Milliarden Euro betrug, 77 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Wie kann es da sein, dass die Aktie daraufhin erst einmal Gewinnmitnahmen sah, der Kurs am Tagestief bis zu 4,36 Prozent im Minus notierte?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Sartorius VZ Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Was einige Marktteilnehmer umtreiben dürfte, ist die hohe Bewertung der Aktie. Denn der Kurs ist seit Anfang 2020 noch deutlich schneller gestiegen als der Gewinn, so dass sich auf Basis der durchschnittlichen Gewinnprognose der Analysten für 2021 derzeit ein Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 83 errechnet. Genau diese Bewertung sahen wir zwar Ende 2019 auch, aber:

Da rechnete man ja mit rasantem Wachstum, das dann auch kam. Jetzt wäre dieses hohe KGV nur opportun, wenn Sartorius in diesem atemberaubenden Tempo weiterwachsen würde. Alleine, wenn es in 2022 und 2023 im Schnitt „nur“ um 25 Prozent mit dem Gewinn weiter aufwärts ginge, wäre ein solches KGV bereits zu hoch. Und normalerweise sind Wachstumsphasen solcher Größenordnung eben endlich. Dass Sartorius die eigenen Prognosen jetzt trotz dieser starken Bilanz nicht anhob, mag vielen als Indiz gedient haben, dass die Phase, in der die Aktie wie eine Rakete zulegen konnte, vorbei sein könnte.

Die Chance, dass die Abgaben der Zweifler kompensiert werden und die Aktie die jüngste Aufwärtsbewegung wieder aufnehmen könnte, steht aktuell jedoch gut. Immerhin gelang es noch am selben Tag, das Minus einzugrenzen – und das bullische Lager verfügt über die bessere Ausgangsbasis:

Die Sartorius-Aktie hatte gerade in der Supportzone 484/502 Euro aufgesetzt, war von dort aus erst einmal kräftig gelaufen und konnte dadurch ein neues, bullisches Signal im Trendfolge-Indikator MACD generieren. Es müsste gelingen, den Kurs über die nächstgelegene Charthürde bei 547,40 Euro hinauszutragen, dann dürfte sich die zuletzt skeptische Stimmung wieder aufhellen. Kritisch würde es nur, wenn die Aktie wieder in die gerade verteidigte Unterstützungszone zurücksetzten und diese brechen würde… was nicht auszuschließen, momentan aber der weitere Weg wäre.

Sartorius-Aktie: Chart vom 20.10.2021, Kurs 540,80 Euro, Kürzel SRT3 | Online Broker LYNX
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Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Bereits am Dienstag in unserem LYNX Webinar hatten wir den deutschen Pharma- und Laborzulieferer genauer unter die Lupe genommen. Die Sartorius-Aktie erlebte in den Wochen davor eine tiefgreifende Korrektur, welche am 50% Fibonacci-Retracement, gemessen vom Anstieg von Juni bis September, angekommen war. Erste Schnäppchenjäger meldeten sich zu Wort und wir sahen exakt das, was wir uns erwartet haben – einen Pullback zu den gleitenden Durchschnitten der Perioden 20 und 50.

Doch ist die Korrektur schon vorbei? Aus technischer Sicht noch nicht, denn es bedarf etwas mehr als nur eine kurze Bewegung nach oben. Aktuell befindet sich die Aktie noch in einer neutralen Phase.  

Expertenmeinung: Der nächste wichtige Schritt wäre der Bruch der besagten gleitenden Durchschnitte nach oben, um den Bären wieder das Momentum aus den Segeln zu nehmen. Hierzu könnte sich im Idealfall zunächst eine Konsolidierung oder ein höheres Tief bilden, um danach mit viel Schwung wieder nach oben durchzustarten.

Vorerst heißt es also noch abwarten, wie sich der Chart in den kommenden Tagen weiterentwickelt. Noch ist die Aktie nicht über den Berg und das Tief der Woche bei 483.30 EUR darf nun keinesfalls mehr nach unten gebrochen werden. Wir bleiben vorerst bei einer neutralen Bewertung und werden uns den Chart Ende Oktober abermals zu Gemüte führen.

Aussicht: NEUTRAL

Chart vom 13.10.2021 Kurs: 522.40 Kürzel: SRT3 | Online Broker LYNX

Werden Anleger nach einer sorglosen Phase plötzlich nervös, verkaufen sie bevorzugt Aktien, bei denen sie gute Gewinne mitnehmen können. Das trifft derzeit die Sartorius-Aktie. Aber wer darauf gewartet hat, dass Sartorius wieder günstig wird, dem kann der Druck nur recht sein.

An der Börse sind Über- und Untertreibungen völlig normal. Aktien steigen nicht selten weit höher, als es die aktuelle Bewertung und die Umsatz- und Gewinnperspektive dies hergeben würden. Aber sie rutschen dann, wenn der Aufwärtstrend erst einmal gefallen ist, nicht selten auch auf Kurslevels, die tiefer liegen, als das eine nüchterne Bewertung erwarten ließe. Da die meisten Marktteilnehmer emotional handeln, bleiben solche Situationen nicht aus. Doch wer das nutzen will, indem er/sie kauft, wenn die „Kanonen donnern“ und aussteigt, wenn die Masse gerade sorglos von der ewigen Hausse träumt, braucht Nerven und, vor allem, Geduld.

Monatelang schien es, als würde die Sartorius-Aktie nur eine Richtung kennen: aufwärts. Und grundsätzlich ging diese Hausse in Ordnung, angesichts der vom Medizin- und Labortechnik-Unternehmen selbst bereits zweimal angehobenen 2021er-Prognose, die in die Erwartung der Analysten gipfelt, dass sich der bereits 2020 deutlich gesteigerte Gewinn im laufenden Jahr beinahe verdoppeln könnte. Der Haken bei dieser Super-Hausse war:

Expertenmeinung: Dadurch hatte die gerade in den DAX aufgestiegene Vorzugsaktie am bisherigen Rekordhoch von knapp 600 Euro ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 95 erreicht. Das ginge zwar in Ordnung, wenn Sartorius seine Gewinne 2022 und 2023 erneut um jeweils 50 oder mehr Prozent steigern könnte. Aber das ist derzeit kaum zu erwarten, auch, wenn die Medizintechnikbranche boomt und von Inflation und „Flaschenhals“ weniger heimgesucht sein dürfte als die meisten anderen Branchen. Kurz: Es war zu einer Übertreibung gekommen … und die wird jetzt abgebaut.

Wer darauf wartet, eine Aktie wie diese zu einem guten Kurs einzusammeln, die abgesehen vom zu schnell zu weit gelaufenen Kurs alles zu bieten hat, was man sich von einem soliden Mittelfrist-Investment wünschen könnte, dürfte sich darüber freuen, dass ausgerechnet solche Aktien unter Druck geraten, wenn unerfahrene Anleger nervös werden. Das liegt einfach daran, dass gerade wenig erfahrene Marktteilnehmer (meist unbewusst) dazu neigen, gerade dort zu verkaufen, wo „Speck auf dem Kurs“ ist, wo sie einen Gewinn mitnehmen können, weil sich das einfach besser anfühlt, als einen Verlust realisieren zu müssen.

Dass bei Sartorius grundsätzlich alles passt, die Aktie einfach nur eine Übertreibung abbaut, deutet auch der offensichtliche Auslöser dafür an, dass sie am Freitag zum größten DAX-Verlierer wurde: Die Société Générale senkte das Kursziel für die Vorzugsaktie von 590 auf 579 Euro und veränderte die Einstufung von „Kaufen“ auf „Halten“. Das ist bei einem mittlerweile deutlich unter 579 Euro liegenden Kurs eigentlich ja nicht negativ. Und dass man auf „Halten“ wechselt, nachdem die Aktie das bisherige Ziel von 590 Euro erreicht hatte, ist nur folgerichtig.

Dünnhäutig werdende Anleger könnten die Aktie damit in eine für den Einstieg interessante Zone drücken. Aber jetzt schon die Hand aufzuhalten, das könnte schiefgehen. Denn sollte der Gesamtmarkt weiter schwächer gehen, würde sich Sartorius diesem Sog wohl nicht entziehen können. Was muss halten, was muss überboten werden, um wieder freie Bahn nach oben zu generieren?

Sollte die Sartorius-Aktie umgehend nach oben drehen, wäre das noch kein ideales Szenario. Erst bei Schlusskursen über 560 Euro wäre sie dann wieder bullisch, das wäre zu nahe am bisherigen Hoch, das zwar theoretisch auch überboten werden könnte, wenn der Markt und die in einigen Wochen anstehende Quartalsbilanz das hergeben würden, aber zu teuer wäre sie dann eben erst einmal erneut.

Erfreulich für „Schnäppchenjäger“ wäre es, wenn Sartorius in die Unterstützungszone 484/502 Euro eintauchen würde. Entweder, es gelänge dann, aus dieser Supportzone wieder nach oben hinauszulaufen – was ein taugliches, bullisches Signal wäre. Oder aber die Reise ginge weiter, in Richtung der mittelfristig entscheidenden Zone aus März 2020-Aufwärtstrendlinie und 200-Tage-Linie im Bereich 435/457 Euro. Falls diese Zone erreicht würde, könnte man angesichts eines Kurs/Gewinn-Verhältnisses, das dann mit 70 absolut akzeptabel wäre, auf jeden Fall erwägen, die Hand aufzuhalten. Und immerhin: Fast die Hälfte des Weges in diese Zone hat die Aktie in kurzer Zeit ja bereits geschafft.

Sartorius-Aktie: Chart vom 01.10.2021, Kurs 516,20 Euro, Kürzel SRT3 | Online Broker LYNX

Sartorius hat ein herausragendes Wachstum zu verzeichnen. 2021 könnte der Gewinn zum Vorjahr um sagenhafte 90 Prozent steigen. Aber das ist kein Geheimnis, das wurde im Kurs der Aktie längst eingepreist. Und mehr als das … daher könnte ein Hoch jetzt sehr nahe sein.

Wer hätte gedacht, dass die Medizin- und Labortechnik-Branche derart massive Zuwächse sehen würde? Dass es sich bei Sartorius‘ Geschäftsfeld um einen Wachstumsmarkt handelt, ist nicht neu, der Umsatz stieg über die Jahre sehr stetig an. Aber ein solcher Anstieg, damit hatte man vor zwei Jahren nicht gerechnet, als die Aktie Anfang September 2019 knapp unter 180 Euro notierte. Gegenüber damals steht jetzt ein Anstieg von 220 Prozent zu Buche. Und so grandios das auch ist, das könnte zum Problem werden, wenn es um die Frage geht, wie viel Luft da noch nach oben sein könnte.

Expertenmeinung: Sartorius hat die eigene Prognose im laufenden Jahr bereits zweimal angehoben. Was 2022 angeht, ist noch nichts verlautbart worden, aber die Produktionskapazitäten lassen sich nicht unbegrenzt hochfahren. Und eine EBITDA-Gewinnmarge von etwa 34 Prozent, wie sie im ersten Halbjahr 2021 erreicht wurde, ist ebenso wenig noch deutlich steigerbar. Möglich, dass man den Gewinn 2022 und 2023 noch einmal um 20, 30 Prozent steigern könnte. Möglich wäre aber auch, dass da gegenüber 2021 zunächst nicht viel obendrauf zu setzen ist. Man weiß es nicht. Noch nicht.

Doch die Aktie hat bereits vorweggenommen, dass das Gewinnwachstum des Unternehmens in großen Schritten weitergeht. Denn während der Gewinn gegenüber dem ersten Halbjahr 2019, also binnen zwei Jahren, um 133 Prozent zulegen konnte, stieg die Aktie um etwa 220 Prozent. Dadurch ist das Kurs/Gewinn-Verhältnis, das in den Jahren 2016 bis 2018 noch bei 50 lag, seit Ende 2019 deutlich höher, liegt derzeit bei 90. Was nur dann hinnehmbar wäre, wenn das Wachstum wirklich rasant weitergeht. Was auch nicht alle Analysten erwarten.

Sartorius Vz.-Aktie: Chart vom 01.09.2021, Kurs 571,60 Euro, Kürzel SRT3 | Online Broker LYNX

Denn derzeit liegt das durchschnittliche Kursziel der Experten um 540 Euro und damit unter dem Schlusskurs des Mittwochs. Und wenngleich 9 der 14 die Aktie beobachtenden Analysten Sartorius mit „Kaufen“ einstufen – fünf tun es eben nicht, bewerten derzeit mit „Halten“ oder sogar mit „Verkaufen“. Und die sechs nach der Halbjahresbilanz aktualisierten Kursziele haben einen Schnitt von 560 Euro. Ebenfalls unter dem derzeitigen Niveau. Es kann daher nicht schaden, hier bildlich gesprochen schon einmal die Koffer zu packen, d.h. den Kurs genau zu beobachten, um zügig den Gewinn zu sichern, wenn man nicht explizit langfristig dabei sein will. Hierfür würde sich aktuell die im Chart blau gehaltene 20-Tage-Linie als Orientierung anbieten, die seit knapp drei Monaten den Leitstrahl der Rallye darstellt. Zu knapp sollte man den Stopp nicht darunterlegen, denn erst, wenn diese momentan bei 553 Euro verlaufende Linie signifikant und auf Schlusskursbasis gefallen ist, ließe sich das als kritisches Signal werten. Zehn Euro „Puffer“ sollte man da schon rechnen, d.h. derzeit wäre, aus rein charttechnischer Sicht, eine Gewinnsicherung in Form eines Stoppkurses im Bereich um die 440 – 443 Euro zu erwägen.

Die Sartorius-Aktie hat in kaum mehr als zwei Monaten in der Spitze 44 Prozent zugelegt und wurde damit für die Hausse des MDAX ebenso wie des TecDAX ein entscheidendes Zugpferd. Aber keine Aktie ist eine Einbahnstraße, auch Sartorius nicht.

Dass speziell die Aktie des Medizin- und Labortechnikspezialisten Sartorius zuletzt im Rampenlicht der Investoren stand, hat durchaus seine Berechtigung. Die Entwicklung bei Umsatz und Gewinn lässt sich nur mit „grandios“ bezeichnen. Sartorius erhöhte bereits zweimal in diesem Jahr die eigenen Prognosen. Derzeit rechnet man im Unternehmen mit einem Umsatzanstieg um 45 Prozent und einer EBITDA-Marge von 32 Prozent (Vorjahr 29,3 Prozent). Damit wären gegenüber dem Vorjahr bis zu 60 Prozent mehr Gewinn drin. Und schon der Gewinn des Jahres 2020 war ein neuer Rekord gewesen.

Das wirkt, als hätte die Sartorius-Aktie zum Weg nach oben keine Alternative. Und grundsätzlich ist das vorerst wohl auch so richtig. Aber die Aktie ist ziemlich hoch bewertet. Bis 2018 lag das Kurs/Gewinn-Verhältnis hier in der Regel unter 50. Auch für die höhere Gewinnperspektive des laufenden Jahres liegt es aktuell mit ca. 85 daher sehr hoch. Das wäre zwar hinnehmbar, wenn man darauf bauen könnte, dass die Gewinne auch 2022 und 2023 in vergleichbarem Tempo zulegen, aber:

Expertenmeinung: Derart markante Gewinnsteigerungen, wie sie 2020 erreicht wurden und 2021 anzunehmen sind, kann man nicht ewig durchhalten. Momentan sehen die Analysten für die kommenden Jahre einen Gewinnzuwachs in der Größenordnung von 15 und 20 Prozent. Das ist immer noch sehr gut, wenn man die jetzt ja weit höhere Basis bedenkt, von der aus diese Zuwächse erfolgen würden. Aber es ist eigentlich zu wenig, um zu unterstellen, dass diese Hausse jetzt, nach dieser beeindruckenden Sommer-Rallye, wie ein Strich weiter läuft.

Der Blick auf das Chartbild macht deutlich: Korrekturen bleiben nie aus. Die müssen den übergeordneten Aufwärtstrend nicht brechen, das wäre bei einem solchen Rückenwind seitens umsatz- und Gewinnentwicklung unwahrscheinlich. Aber eine Korrektur könnte doch weit genug laufen, um potenzielle Neueinsteiger zum Abwarten zu animieren und den Gedanken aufkommen zu lassen, bestehende Positionen ein wenig zu reduzieren. So ließe sich ein Teil des Gewinns sichern und die Position womöglich billiger wieder auffüllen. Eine solche Situation hatten wir bei der Sartorius Vorzugsaktie schließlich vor kurzem schon einmal:

Anfang des Jahres war die Aktie ebenfalls wie eine Rakete davongezogen. Die jüngste Rallye ist fast ein Zwilling der ersten. Und auch diesmal ist der Kurs markttechnisch kräftig überkauft, siehe der RSI-Indikator unten im Chart. Damals waren es keine negativen Nachrichten, die die Aktie in die Korrektur schickten, es waren einfach Gewinnmitnahmen, die, als es erst einmal losging, Fahrt aufnahmen. So könnte es diesmal auch kommen. Ideal wäre, wenn es gelingt, die nächstgelegene Unterstützungszone 484/502 Euro dabei zu halten und nach oben wieder aus ihr heraus zu laufen. Das wäre eine gute Gelegenheit, bei dann wieder tiefer stehenden markttechnischen Indikatoren einzusteigen und zugleich einen knapp unter diese Supportzone angesiedelten Stoppkurs zu setzen, der, wollte man jetzt kaufen, unerfreulich weit entfernt wäre. Ob es so laufen wird, muss man einfach mal abwarten, für den Moment gilt nur: Vorsicht, heiß gelaufen!

Chart vom 06.08.2021, Kurs 529,00 Euro, Kürzel SRT3 | Online Broker LYNX

Der Laborausrüster Sartorius legte gestern nach Handelsende vorläufige Ergebnisse für das erste Halbjahr vor und hob zugleich die Gesamtjahresprognose an. Kein Wunder, die Zahlen sind absolut überzeugend. Die Aktie stieg nachbörslich – ist der Weg nach oben also frei?

Die gestern Abend unangekündigt und deutlich vor dem eigentlichen Bilanztermin am 21. Juli vorgelegten Ergebnisse waren beeindruckend. Sartorius erzielte in den ersten sechs Monaten 2021 ein Umsatzwachstum von 60 Prozent zum Vorjahr und eine operative Gewinnmarge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) von 34 Prozent. Dass diese Zahlen in der endgültigen Bilanz nur minimal abweichen, kann man als sicher voraussetzen. Das allein ist bereits begeisternd, denn der Labor- und Prozesstechnologie-Spezialist hatte ja 2020 keine „Corona-Delle“ erlitten, sondern bereits da immense Zuwächse erreicht. Die Frage, ob sich ein Gewinnwachstum von knapp 45 Prozent, wie es 2020 gelang, wiederholen ließe, ist mit diesen Vorab-Zahlen und der angehobenen Prognose beantwortet: Ja.

Und nicht nur das, Sartorius ist auf dem Weg, dieses Wachstum noch deutlich zu übertreffen. Die Gesamtjahresprognose wurde dergestalt nach oben korrigiert, dass man jetzt mit einem Umsatzwachstum von 45 statt zuvor 35 Prozent und mit einer EBITDA-Marge von 34 nach zuvor 32 Prozent kalkuliert. Und selbst diese vorherigen Schätzungen sind bereits gegenüber der Jahreswende angehobene Prognosen gewesen. Rechnet man das zusammen, ergäbe sich ein mögliches Wachstum des EBITDA (d.h. vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) von 68 Prozent für das Gesamtjahr 2021. Und damit wäre die Frage, ob die Aktie vom Kurs/Gewinn-Verhältnis nicht längst zu teuer wäre, ebenfalls beantwortet: Jetzt nicht mehr.

Expertenmeinung: Auf Basis des ursprünglichen, weit niedrigeren Ausblicks hätte man das noch unterstellen können. So aber würde sich auf Basis des offiziellen Handelsendes des Montags ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 81 errechnen. Teuer ginge es um eine Aktie, die ein Gewinnwachstum von 20 oder 30 Prozent hätte. Keineswegs teuer bei einem avisierten Gewinnwachstum von 68 Prozent. Was bedeutet:

Die Aktie hätte jetzt den Rückenwind dieser starken Ergebnisse, um weiter nach oben zu laufen. Im Vorfeld war im Mai und Juni eine tadellose Aufwärtswende in Form einer kleinen, umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation gelungen. Deren rechnerisches Kursziel würde nahe an der aktuell bei 466 Euro verlaufenden, im Februar etablierten Abwärtstrendlinie liegen. Ohne diese Vorab-Zahlen hätte es gut sein können, dass sich die Sartorius-Aktie dort erst einmal festgerannt hätte. Aber sollten die Trader heute auf dieses Zahlenwerk entsprechend positiv reagieren, könnte diese Hürde zeitnah bezwungen werden. Dann wäre der Weg frei an das Zwischenhoch vom April bei 484 Euro, der letzten Hürde vor dem bisherigen Rekordhoch, dass im Februar bei 502 Euro erreicht wurde.

Im Februar war man von deutlich weniger starken Gewinnzuwächsen in 2021 ausgegangen und hatte die 500 Euro-Marke erreicht. Gut möglich also, dass mancher Käufer diese alte Bestmarke angesichts der jetzt deutlich stärkeren Perspektiven nur als Etappe ansehen wird.

Sartorius Vorzugsaktie.: Chart vom 05.07.2021, Kurs 449,60 Euro, Kürzel SRT3 | Online Broker LYNX

Offenlegung möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in dem besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse Long investiert.