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Währungspaar Euro / US-Dollar: Historische Analysen der letzten 6 Monate

Portrait und Kursentwicklung: EUR.USD
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Analysis

In unserer letzten Analyse zur Euro/US-Dollar-Relation vom 14. September, im Anschluss an die EZB-Sitzung, hatten wir bereits die Mutmaßung in den Raum gestellt, dass es keineswegs diese ohne Überraschung gebliebene EZB-Entscheidung war, die dazu führte, dass der Euro zur Freude der US-Unternehmen kräftig zulegte. Je schwächer der US-Dollar und je stärker damit der Euro, desto größer sind die Vorteile der US-Unternehmen gegenüber der europäischen Konkurrenz beim Export. Und das birgt die Chance, das Wachstum der USA zu stärken.

Das Wachstum, dessen erste Berechnung für das dritte Quartal keine zwei Wochen vor den US-Zwischenwahlen, den „midterm elections“, veröffentlicht wird. Und dass die US-Regierung einem schwachen US-Dollar zugetan ist, haben der Finanzminister und der Handelsminister zuletzt Anfang des Jahres auf dem Weltwirtschaftsforum durchblicken lassen. Dass Donald Trump derweil erzählt, ein starker US-Dollar sei erwünscht, nimmt man am Markt nicht ernst.

Man weiß, dass es nicht so ist. Und damit wissen sich diejenigen, die den Anstieg des Euro vorantreiben, des heimlichen Beifalls der US-Regierung sicher … und das ist ein guter Rückhalt, um damit weiter zu machen. Zumindest bis zu diesen Zwischenwahlen Anfang November. Danach wird man weitersehen. Charttechnisch haben die Bullen sich jetzt eine gute Ausgangsbasis geschaffen:

Expertenmeinung: Genau auf Höhe des symbolträchtigen „Trump-Peak“ bei 1,13 US-Dollar, ein Kurs, der in der ersten entsetzten Reaktion auf den Wahlsieg Trumps noch in der Wahlnacht erreicht wurde, bevor man mit aller Macht die Richtung wechselte, um den Crash am Aktienmarkt zu verhindern (was, wie wir wissen, mehr als erfolgreich gelang), drehte Euro/US-Dollar Mitte August nach oben. Seither passt alles für das bullische Lager.

Eine kleine V-Formation wurde kurz konsolidiert, wobei der Kurs perfekt auf Höhe der zuvor überbotenen Widerstandszone 1,1510/1,1555 US-Dollar und der 20-Tage-Linie drehte. Am Donnerstag gelang, geführt von der mitlaufenden 20-Tage-Linie, der Sprung über die Juni-Abwärtstrendlinie. Jetzt stehen noch das Juni-Verlaufshoch bei 1,1852 und die 200-Tage-Linie bei 1,1945 US-Dollar im Weg, um den Sieg der Bullen perfekt zu machen und den Weg in Richtung 1,22 US-Dollar und höher frei zu räumen.

Zwei Hürden, die, da man sich dieses unsichtbaren, politischen Rückenwinds aus Washington sicher wähnt, durchaus in den kommenden Wochen überboten werden könnten, sofern nicht die US-Notenbank am Mittwoch überraschend rigide auftritt und so den US-Dollar wieder stärkt … wobei da eine Zinsanhebung um 0,25 Prozent bereits erwartet wird.

Chart vom 21.09.2018, Kurs 1,1751 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Die EZB hält an ihrer Planung einer Zinswende fest, das ergab die gestrige Sitzung der Europäischen Zentralbank. Und die US-Verbraucherpreise stiegen im August moderat genug, um Zinserhöhungen der US-Notenbank weniger zwingend zu machen. Das waren zumindest die offiziell herumgereichten Argumente für einen steigenden Euro zum US-Dollar.

Und richtig ist: Wären diese Argumente stichhaltig, wäre der Anstieg entsprechend der Logik der Devisentrader folgerichtig gewesen. Denn wo die Tendenz zu steigenden Zinsen stärker, das Zinsniveau höher ist, da sitzt die stärkere Währung. Gut, natürlich sind die Zinsen und die Anleiherenditen in den USA höher als in der Eurozone. Natürlich heißen moderate Inflationsdaten in den USA nicht, dass die Leitzinsen dort sinken könnten. Aber im grundsätzlichen Tenor wäre das für ein Plus des Euro durchaus gut gewesen. Aber nicht einmal diese vordergründigen Argumente halten einem zweiten Blick stand.

Expertenmeinung: Die EZB entschied nichts und deutete auch nichts an, das man im Vorfeld nicht erwartet hätte. Das Anleihekaufprogramm wird noch einmal halbiert und zum Jahresende beendet. Aber eine Leitzinserhöhung würde nicht vor dem nächsten Sommer kommen. Wenn sie käme. Denn dass das dann wirklich passiert, wurde nicht einmal angedeutet und ist derzeit zu bezweifeln. Und wenn der US-Verbraucherpreisindex in der Jahresveränderung einen Anstieg von 2,7 Prozent nach 2,9 Prozent im Juli ausweist, ist das sicherlich nichts, das die US-Notenbank zur Umkehr verleiten würde.

Immerhin liegt die Zone, in der die US-Notenbank die Inflation als ideal ansieht, dort ebenso wie bei der EZB um zwei Prozent. 2,7 Prozent sind ebenso wenig „um zwei Prozent“ wie 2,9 Prozent. Also, warum legte der Euro/US-Dollar-Kurs dann zu? Weil dieses zeitliche Zusammentreffen von EZB-Pressekonferenz und US-Inflationsdaten die Trader einlud, aktiv zu werden. Und weil es ein idealer Moment war, um die zuletzt „eingeschlafene“ Aufwärtstendenz wiederzubeleben.

So zog der Kurs direkt an der 20-Tage-Linie wieder an, bestätigte die kurzfristige Aufwärtstrendlinie und generierte die Bestätigung des laufenden bullischen Signals des MACD-Indikator-Indikators, der durch dieses Plus genau auf Höhe seiner Signallinie wieder anzog. Und man glaubt sich der Rückendeckung der US-Politik sicher, denn im Vorfeld der Wahlen wäre eine Belebung des Wachstums erwünscht. Und dazu würde ein schwacher US-Dollar als „Export-Stütze“ beitragen.

Noch lägen die Zwischenhochs der letzten Monate über dem aktuellen Kurs. Aber mit dieser günstigen Ausgangslage wäre es zumindest keine Überraschung, wenn sich der Euro zum US-Dollar in den kommenden Wochen weiter nach oben, in Richtung an und ggf. sogar über die bei 1,1948 US-Dollar verlaufende 200-Tage-Linie orientieren würde.

Chart vom 13.09.2018, Kurs 1,1693 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Nach dem Regelwerk der Devisentrader wäre ein steigender Euro/US-Dollar-Kurs grundsätzlich dann fundiert, wenn es eine klare Zinsdifferenz zu Gunsten des Euroraums gibt und die Erwartung besteht, dass sich die Zinsschere zu Gunsten der Euro-Anleihen ausweitet. Der Euro/US-Dollar-Kurs steigt zwar. Aber was die Zinsdifferenz und deren Perspektive angeht, ist das Gegenteil der Fall: In den USA steigen die Leitzinsen, liegen die Anleihe-Renditen meilenweit über denen in Europa. Der US-Dollar müsste begehrt sein. Was er auch bis vor zwei Wochen war. Jetzt aber steht das Bild auf dem Kopf.

Ein anderes Argument für eine starke Währung wäre, dass sich internationale Investoren in diesen Währungsraum drängen, die Nachfrage nach Anleihen und Aktien aus diesem Raum steigt. Das hieße, die Nachfrage nach dieser Währung steigt, entsprechend zieht deren Kurs an. Aber es sind die US-Indizes, die stark steigen, die Euro-Indizes schleichen nur langsam höher. Aus dem Euroraum war man vor Kurzem noch aus Angst vor einer kollabierenden türkischen Wirtschaft und der auf die EU ausstrahlenden Ansteckungsgefahr, wegen der Sorgen um einen unkoordinierten BrExit und der Risiken eines eskalierenden Handelskriegs geflohen. Und diese Risiken sind weiterhin da. Aber es ist dennoch der Euro, der zulegt.

Das, was man normalerweise in dieser Gemengelage erwarten dürfte, ist also auf den Kopf gestellt. Aber das passiert ja nicht zum ersten Mal. Der Euro stieg seit Donald Trumps Amtsantritt über 13 Monate lang, bevor es zu einer Abwärtswende kam. Er stieg ohne fundamentalen Unterbau, aber zur Freude der US-Unternehmen. Denn je teurer die Währung der Konkurrenz, je billiger die eigene, desto mehr Gewinn erzielt man mit seinen Waren außerhalb des eigenen Währungsraums. Der Euro/US-Dollar-Kurs war ein Politikum. Aber eines, das man nicht anspricht, weil niemand sich vorwerfen lassen will, einen Währungskrieg zu führen. Erst recht nicht die USA, immerhin warf man dort China und Europa vor, die eigene Währung zu manipulieren. Da kommt es ungut, wenn man den die US-Exporteure und damit das US-Wachstum stützenden Abstieg der eigenen Währung erklären soll und nicht kann. Also wird das Thema unter den Teppich gekehrt.

Was wir im Kurs sehen, sind die entscheidenden Fakten. Nur die zählen, wenn es gilt, einem Trend folgend einen Gewinn zu erzielen. Interessant ist der Blick auf die Hintergründe dennoch. Der Abstieg des Euro, die Renaissance des US-Dollar, konnte den USA nicht recht sein, wir hatten das mehrfach hervorgehoben. Es schein nur eine Frage der Zeit zu sein, wann die Gegenwehr gegen diese Dollar-Stärke kommen würde. Jetzt rücken die wichtigen „Midterm Elections“ näher (6. November). Die Republikaner müssen ihre Mehrheiten in den Kammern des Kongresses verteidigen, sonst wird Trump nahezu handlungsunfähig. Starkes Wachstum kommt da immer gut, ebenso wie eine haussierende Wall Street. Ein schwacher US-Dollar schiebt das Wachstum an, hilft auch den US-Aktien. Und die ersten Berechnungen zum Wachstum des am 30.9. endenden dritten Quartals kommen knapp zwei Wochen vor eben diesen Midterm Elections. Was bedeutet:

Chart vom 28.08.2018, Kurs 1,1696 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Ja, die Abwärtswende des Euro zum US-Dollar kann sehr wohl vom Tisch sein, denn man kann vermuten, dass die USA diesem neuen Aufwärtsimpuls höchst erfreut gegenüberstehen. Noch kämpft sich der Kurs zwar, nachdem er ausgerechnet am „Trump-Peak“ bei 1,1299 US-Dollar, dem Zwischenhoch vom Tag nach der US-Wahl vom November 2016, gedreht hatte, durch eine ganze Phalanx an Widerstandslinien. Aber dass der Kurs gestern nach der Nackenlinie der Schulter-Kopf-Schulter-Formation auch noch die Juni-Abwärtstrendlinie überwand, begleitet von einem Kaufsignal des Trendfolgeindikators MACD, gibt den Bullen hier klaren Rückenwind. Das nächste markantere Kursziel wäre die 200-Tage-Linie bei aktuell 1,1960 US-Dollar.

Chart vom 28.08.2018, Kurs 1,1696 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

 

Das lief alles so gut an: Der Euro sackte zum US-Dollar Ende vorvergangener Woche auf einmal kräftig durch und verließ dadurch nicht nur ein Dreieck nach unten, sondern erreichte neue Jahrestiefs. Der Kurs vollendete sogar, wenn man das Chartbild etwas großzügiger interpretiert, eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Und die Angst, dass die Entwicklung in der Türkei die Eurozone mit in den Abgrund reißen könnte, lieferte für diesen Abstieg die fundamentalen Argumente, weil man den Wertverlust des Euro als Fluchtbewegung außereuropäischer Investoren aus europäischen Assets interpretieren konnte.

Doch auf einmal zieht der Euro wieder an und steigert das Tempo dabei tagtäglich. Was ist passiert? Läuft die Entwicklung den Bären aus dem Ruder, wird dieser Ausbruch nach unten womöglich zur Bärenfalle und mündet, wie oft in solchen Fällen, in eine Euro/US-Dollar-Rallye? Möglich wäre das durchaus, denn:

Expertenmeinung: Zum einen kommt es nicht selten zu gezielt von großen Trader-Adressen ausgelösten Fehlsignalen auf der Unterseite, weil diese dann große Short-Positionen in durch ausgelöste Stoppkurse unter hohem Volumen stark fallende Notierungen eindecken können, ohne die Kurse selbst nach oben zu treiben. Meist drehen diese Trader ihre Richtung zugleich sofort wieder auf Long. Zum anderen musste man jederzeit damit rechnen, dass große US-Player dagegenhalten, d.h. den Euro wieder höher zu ziehen, den US-Dollar zu drücken versuchen.

Denn eine massive Wende des Euro nach unten hieße, dass die US-Unternehmen den durch diese Euro-Hausse bzw. US-Dollar-Baisse erlangten Vorteil beim Export verlieren. Etwas, das der US-Regierung keineswegs recht sein kann. Noch sehen wir hier nicht mehr als einen Pullback an den Ausbruchslevel, noch ist für die Bären nichts angebrannt. Auffällig ist jedoch, dass der Euro/US-Dollar genau bei 1,13 US-Dollar drehte. Dort, wo am 9. November 2016 ein kurzfristiges Hoch als erste Reaktion auf Trumps Wahlsieg ausgebildet wurde.

Das ist eine Unterstützungsmarke mit Symbolcharakter, Vorsicht wäre also angesagt. Fiele diese 1,13er-Linie, wäre ein weiterer Abstieg in die Region 1,0850/1,0900 US-Dollar denkbar. Aber sollte der Kurs die rot markierte, obere Begrenzung des zuvor nach unten durchbrochenen, absteigenden Dreiecks überbieten, wäre das Rennen für die Bären erst einmal gelaufen. Diese Linie verläuft heute bei 1,1690 US-Dollar, auf die gilt es zu achten.

EUR.USD_2018_08_22

Update vom 15. August

Die türkische Lira hat wie erwartet eine Gegenbewegung vollzogen und die Leerverkäufer wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Seit der Analyse ist der Wechselkurs von 7,8000 auf derzeit 6,8940 eingebrochen. Im Tief lag der Kurs bei 6,6573.
Am Ende war eine Leitzinserhöhung durch die Notenbank am Bospurus nicht einmal notwendig. Die überkaufte Lage reichte aus. Das Pendel schwenkte von Panik in Richtung Entspannung und die Lira-Leerverkäufer, die ihren Trade unter hohen Zinsen eingegangen waren, wurden aus dem Markt gespült.

Dadurch hat sich das Chance-Risiko-Verhältnis erneut verschoben und es wäre ratsam zumindest Teilgewinne zu sichern.
Aus charttechnischer Sicht scheint das Währungspaar in der Unterstützungszone zwischen 6,75 und 6,90 vorerst auf größeres Interesse zu stoßen. Kurzfristig ist die Lage überverkauft und eine Gegenbewegung in Richtung 7,00 und 7,25 wäre zeitnah denkbar.

Fällt das Währungspaar EUR/TRY hingegen nachhaltig unter 6,75, muss mit einer Fortsetzung der Abwärtsbewegung in Richtung 6,50 bis 6,40 gerechnet werden.

Mittel- bis langfristig sollte die Türkische Lira allerdings weiter abwerten, es sei denn die Notenbank ergreift nachhaltige Maßnahmen.

20180813tuerkische-lira-einschaetzung-der-lage-ausblick-und-kursziele-update

Der folgende Artikel wurde am 13.August um 11:10 Uhr veröffentlicht:

Wie man am langfristigen Chart sehen kann, ist die Abwertung der Türkischen Lira kein neues Phänomen. Die Geschwindigkeit, mit der die Währung an Wert verliert, ist es allerdings. Die Lage in der Türkei kann man durchaus als dramatisch bezeichnen.

Sinkt der Kurs der Türkischen Lira, werden alle Waren aus dem Ausland teurer und die Kaufkraft sinkt. Das betrifft auch alltägliche Güter und dementsprechend die Menschen auf der Straße.
Bei einigen Prozent Entwertung pro Jahr ist dieser Prozess unerfreulich aber eben auch schleichend.

Die Wirtschaft passt sich an, durch die hohe Inflation müssen auch die Löhne steigen. Die aktuelle Lage unterscheidet sich aber grundlegend. Verliert eine Währung innerhalb von wenigen Monaten 45% an Wert, hat das schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft. Am härtesten trifft es wie immer die Menschen mit dem geringsten Einkommen. Denn die Preise von Lebensmitteln sind geradezu explodiert. Kartoffeln, Karotten und Zwiebeln kosten beispielsweise plötzlich das Doppelte.

Was beeinflusst den Währungskurs?

Am Ende werden die Kurse von frei konvertierbaren Währungen wie der Türkischen Lira schlichtweg durch Angebot und Nachfrage bestimmt.

Maßgeblich dafür sind vor allem Inflation und Leitzins.
Liegt die Inflation in der Türkei beispielsweise bei 10% und in der Eurozone bei 0%, sollte die türkische Lira zum Euro jährlich um 10% abwerten.
Diesem Effekt können die Notenbanken über den Leitzins entgegenwirken. Bieten beispielsweise Staatsanleihen in der Türkei aber 14% an Zinsen und in der Eurozone sind es 0%, kehrt sich der Kapitalstrom um. Die Lira würde in diesem Szenario aufwerten.

(Es handelt sich hier um eine grobe Vereinfachung)

Unter dem Strich bedeutet das: Fließt Geld aus einem Land ab, sinkt der Wert der Währung und vice versa.

Genau hier liegt bereits seit Monaten das Problem. Der türkische Präsident Erdogan wird im Ausland zunehmend als Unsicherheitsfaktor wahrgenommen. Das Land entwickelt sich ganz klar in eine autokratische Richtung.

Die Auslandsinvestitionen in die Türkei sind rückläufig, die Nachfrage nach Lira schwach.
Gleichzeitig ist die Inflation hoch und steigt immer weiter. Wer also Barvermögen hat, schafft es ins Ausland. Das drückt den Kurs zusätzlich.

Was schwächt die Lira?

Zuletzt wurden in der Türkei Inflationsraten von 12-15% gemeldet, in Wirklichkeit dürfte der Wert wohl noch deutlich höher und über dem Leitzins von 17,75% liegen.

Der Realzins von Anlagen in Türkischer Lira ist also negativ und daher fließt Geld ab.

Mehrfach hat die türkische Regierung Druck auf die Notenbank ausgeübt und eine notwendige Erhöhung des Leitzinses verhindert. Man wollte die Wirtschaft nicht abwürgen, denn wichtige Wahlen mussten gewonnen werden. Jetzt wird die Zeche fällig.

Wird der Leitzins trotz hoher Inflation nicht angehoben, wirkt das wie ein Brandbeschleuniger. Die Schere zwischen Zins und Inflation wird immer größer und der Realzins sinkt dementsprechend.
Der Druck, Geld ins Ausland zu schaffen, nimmt zu und im Gegenzug fließt kaum neues Geld ins Land.
Dadurch gibt die Währung weiter nach, Importe werden teurer, die Inflation steigt abermals usw. Es ist ein Teufelskreis.

Wie kam es zum Kurssturz?

Die Lage war bereits schlecht und die Abwertung war absolut gerechtfertigt.
Seit Anfang des Jahres war der Wert einer Lira bereits von 0,22 auf 0,16 Euro gesunken. Nach der Ankündigung der US-Regierung, ging es im Tief bis auf 0,1250 abwärts. Der Tagesverlust lag bei rund 20%.

US-Präsident Trump hat wieder einmal ein Fass zum Überlaufen gebracht. Mit der Erhöhung der Zölle auf Stahlimporte alleine, kann man den Kurssturz aber nicht rechtfertigen.

Die USA haben im vergangenen Jahr rund 2,0 Mio. Tonnen Stahl aus der Türkei importiert und sind einer der größten Abnehmer. Im Verhältnis zur gesamten Handelsbilanz sind die Zölle aber nur ein Tropfen im Ozean.
Die Stahlexporte in die USA entsprechen nicht einmal 1% aller Ausfuhren. Das wird den Außenhandel wohl kaum aus dem Gleichgewicht bringen.

Einschätzung der aktuellen Lage

Eine mittelfristige Abwertung der Lira ist richtig. Der Kurssturz scheint aber überzogen und von Panik getrieben zu sein. Dennoch wurden dadurch auch Fakten geschaffen, denn die Inflation im Land wird weiter angeheizt.

Eine unabhängige Notenbank würde den Leitzins jetzt deutlich erhöhen. Die Lage könnte sich schlagartig entspannen, denn bei einem Leitzins von 25% statt 17,75% sieht die Welt gleich wieder anders aus.

Hier liegt die eigentliche Kernfrage. Ist die türkische Notenbank noch unabhängig genug und kann sie die offensichtlich notwendigen Maßnahmen durchführen? Lenkt Erdogan ein?

Der Markt beantwortet die Frage derzeit mit „Nein“. Erfolgt überraschend doch noch eine angemessene Reaktion der Notenbank, würde es wohl zahlreiche Trader auf dem falschen Fuß erwischen.

Denn die türkische Lira wird derzeit massiv leerverkauft. Es ist ein Spiel mit dem Feuer, schließlich ist der Trade nicht kostenlos. Es fallen 15-20% Zinsen an.
Erhöht die Notenbank den Leitzins, steigen die Kosten der Leerverkäufer noch weiter. Gleichzeitig wird es unwahrscheinlicher, dass die Währung noch weiter abwertet.

Man muss sich das noch einmal bewusst machen. Bei 15% Zinsen muss die Lira ausgehend vom aktuellen Niveau um mehr als 15% abwerten, damit der Trade profitabel ist.

Der Druck ist also hoch. Kommt es zu einer größeren Gegenbewegung, werden wohl unzählige Marktteilnehmer aussteigen (müssen).

Charttechnischer Ausblick

Langfristig ist der EUR/TRY weiterhin klar bullisch und die türkische Lira sollte weiter abwerten. Kurzfristig überwiegen die Risiken für Eurobullen aber wohl eher.

Erfolgt eine Reaktion durch die Türkische Notenbank, kann die Stimmung schnell kippen. Erste Verkaufssignale würden sich unterhalb von 7,70 und 7,60 ergeben. In diesem Fall wären weitere Verluste in Richtung 7,50 sowie 7,40 und 7,25 denkbar.

Greift die Notenbank hingegen nicht ein oder beschließt nur halbherzige Maßnahmen, könnte das Währungspaar EUR/TRY auch direkt über 8,00 ausbrechen. In diesem Fall läge das erste Ziel bei 8,25.

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Erst haben die Investoren in Europa wochenlang darauf gewartet … und kaum hat man, was man wollte, gibt es statt Jubel lange Gesichter. Endlich hat der Euro zum US-Dollar die bisherigen Jahres-Verlaufstiefs bei 1,1510 US-Dollar unterboten. Und das auch noch mit Schwung: Im Tagestief wurde der Euro bis 1,1387 US-Dollar durchgereicht. Damit wurde hier nicht nur ein absteigendes Dreieck nach unten verlassen, sondern im übergeordneten Bild eine Toppbildung in Form einer Schulter-Kopf-Schulter-Trendwendeformation vollendet.

Die mag den kleinen Makel haben, dass die rechte Schulter etwas klein geraten ist – aber perfekte Formationen findet man ohnehin selten. Dieser Bruch der Linie von 1,1510 US-Dollar kann erhebliches Abwärtspotenzial bei Euro/US-Dollar freisetzen. Und das hieße, dass sich der Vorteil, den die US-Unternehmen durch den vor allem 2017 immensen Anstieg des Euro erreichten, sukzessive weiter verringert.

Positiv für die zahlreichen börsennotierten, exportlastigen Unternehmen der Eurozone. Aber die europäischen Aktien fielen zugleich massiv, denn man sah am Freitag nicht den Exportvorteil, sondern den eigentlichen Grund, weshalb der Euro unter Druck kam:

Expertenmeinung: Es war die Furcht vor einer massiven Destabilisierung der europäischen Wirtschaft durch eine wirtschaftlich kollabierende Türkei. Die Türkei ist ein großer Handelspartner. Deren Währung vollzog am Freitag einen förmlichen Crash, sackte gegenüber dem Euro um sagenhafte 14 Prozent durch, zeitweise war es sogar mehr. Zugleich läuft dort die Inflation aus dem Ruder. Das Risiko, dass die Eurozone von dieser Entwicklung in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, ist nicht von der Hand zu weisen. Und natürlich erinnerte man sich daran, wie das viel kleinere Griechenland Ausgangspunkt der damaligen Eurokrise wurde, nachdem die weltweite Spekulation daraufhin die gesamte Eurozone unter Beschuss nahm.

Der Euro fiel also vor allem, weil sich ausländische Investoren sicherheitshalber aus Europa zurückzogen und so die nicht mehr benötigten Euros auf den Markt warfen … oder, weil Spekulanten das antizipierten. Damit bekommt die Euro/US-Dollar-Relation, wie so oft, wieder eine äußerst politische Färbung. Mit diesem Ausbruch nach unten könnten Trader sehr schnell und zahlreich auf die Short-Seite wechseln, sofern sich die politische Gemengelage nicht schnell und glaubwürdig beruhigt … womit indes weniger zu rechnen wäre.

Die nächste markantere Unterstützung läge bei 1,1299 US-Dollar, das war das kurzzeitige Hoch am Tag nach der US-Wahl, am 9. November 2016. Ob dieser leichte Support die Bären aber auf Sicht aufhält, ist zumindest fraglich.

EUR.USD_2018_08_13

Seitdem die US-Notenbank in ihrem Statement am Mittwochabend von „starkem“ Wachstum schrieb, steigt der US-Dollar, der Euro/US-Dollar-Kurs fällt dadurch. Die Akteure gewannen den Eindruck, dass die „Fed“ konsequent bei ihrer Linie bleiben wird: Eine Inflation um bzw. knapp über zwei Prozent in Verbindung mit einer niedrigen Arbeitslosenrate erfordert steigende Leitzinsen. Und das zieht den US-Dollar sukzessive höher und drückt Euro/US-Dollar in einen Bereich, dessen Unterschreiten eine langfristige Trendwende nach unten aus charttechnischer Sicht zementieren würde.

Dass der US-Präsident sich kritisch zum Anstieg der Leitzinsen äußerte, besorgt die Trader nicht, denn würde er ernstlich versuchen, auf die US-Notenbank Einfluss zu nehmen wie es derzeit der türkische Staatschef Erdogan tut, würden Politik, Wirtschaft und Investoren ihn schon schnell auf den Boden der Tatsachen zurückbringen. Und dass die Zahl neu geschaffener US-Arbeitsplätze im Juli deutlich unter den Prognosen lag, bremste den Abstieg der Euro/US-Dollar-Relation ebenso wenig, weil die Zahl neuer Jobs im Juni zeitgleich so deutlich nach oben korrigiert wurde, dass der Zweimonatssaldo dann eben doch im Rahmen der Prognose lag.

Drei bis vier Zinserhöhungen um je ein Viertelprozent erwarten die Volkswirte noch von der US-Notenbank, verteilt auf eine Zeitspanne bis Juni 2019. Danach dürfte es damit wohl vorbei sein, weil dann der Effekt der Steuerreform spürbar nachlassen sollte und daher mit geringerem Preisdruck gerechnet wird. Aber da die Leitzinsen in Europa auch im Sommer 2019 keine Perspektive haben, wirklich nennenswert höher zu stehen als heute, wäre das eine dem US-Dollar höchst förderliche, deutliche Zinsdifferenz zu Gunsten der USA.

Chart vom 03.08.2018, Kurs 1,1565 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

So gesehen wäre die Chance da, den Kurs wieder in die Richtung der Tiefs vom Januar 2017 zu treiben, als mit 1,0340 US-Dollar ein vieljähriges Tief markiert wurde. Ob es wirklich bis dort hinunter geht, ist offen und zumindest fraglich. Aber sollte Euro/US-Dollar jetzt unter das bisherige Jahres-Verlaufstief von 1,1510 US-Dollar rutschen, wäre der Weg dorthin grundsätzlich geebnet. Sie sehen im Chart auf Wochenbasis, dass dadurch dann eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation vollendet wäre. Dass die rechte Schulter deutlich kleiner ist als die linke, mindert deren Relevanz nicht. Zugleich wäre dadurch, wie der Chart auf Tagesbasis zeigt, ein absteigendes Dreieck nach unten verlassen. Das nächste kurzfristige Kursziel wäre dann der Peak, den Euro/US-Dollar in der US-Wahlnacht im November 2016 bei 1,1299 erreicht hätte. Der Kurs ist unmittelbar an dieser entscheidenden Linie dran, diese Woche könnte also bereits eine Entscheidung bringen!

Chart vom 03.08.2018, Kurs 1,1565 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Was für ein Selloff! Im Tageshoch hatte die Euro/US-Dollar-Relation noch gut 1,1850 US-Dollar erreicht, am Abend dann sackte sie unter 1,16 US-Dollar. Mit diesem Tag mit der bislang größten Handelsspanne in diesem Jahr kehrte die gute Stimmung an die europäischen Aktienmärkte zurück. Man glaubt jetzt zu wissen: Die Zinswende kommt, aber sie ist noch lange hin … und das bedeutet, der Euro kann wieder fallen und damit die Exportperspektive europäischer Unternehmen weiter aufhellen. Darüber hinaus hat man noch eine Weile „billiges Geld“, was das Wachstum ebenso unterstützen wird. Ob das alles wirklich so laufen wird, sei dahingestellt; was für den Moment zählt ist, dass die meisten Marktteilnehmer das glauben. Die EZB hat mit ihrer gestrigen Entscheidung äußerst clever agiert und dabei sicherlich auch die Börsen im Hinterkopf gehabt. Auf der einen Seite lässt man die Anleihekäufe über den bisher frühesten Endtermin September hinaus noch drei Monate laufen. Dass das dann mit 15 Milliarden Euro pro Monat auf Sparflamme geschieht, störte die Marktteilnehmer nicht. Dann käme als nächster Schritt zwar logischerweise die schrittweise Rückführung des Leitzinses auf Normalniveau, aber bis zum Sommer 2019, so die EZB, werde der Leitzins in jedem Fall auf dem derzeitigen Niveau von Null bleiben. Die Schlussfolgerung der Akteure am Devisenmarkt:

Expertenmeinung: Es ist noch zu früh, den Euro wegen dieser vagen Aussicht von vielleicht irgendwann 2019 steigenden Leitzinsen massiv zu kaufen. Wer im Vorfeld auf eine Rallye spekuliert hatte, wurde auf dem falschen Fuß erwischt, andere sprangen auf den Zug auf und gingen Short … und schon sackte der Euro massiv durch. Jetzt muss sich zeigen, ob die Euro-Bären über diese erste Reaktion hinaus imstande sind, das Abwärts-Momentum aufrechtzuerhalten. Entscheidend sind die Unterstützungen in Form des November 2017-Tiefs bei 1,1555 und des Tiefs vom Mai bei 1,1510 US-Dollar. Wenn es gelingt, da durchzubrechen, läge die nächste wichtigere Unterstützungslinie bei 1,1299 US-Dollar, das war der sogenannte „Trump-Peak“ am Tag nach der US-Wahl im November 2016. Angesichts der jetzt wieder „zurechtgerückten“ fundamentalen Vorgaben, nämlich vorerst bei null bleibende Leitzinsen in der Eurozone und einer ungebrochen nach oben weisenden Leitzins-Perspektive der US-Notenbank, wäre ein weiterer Abstieg des Euro zum US-Dollar, sprich ein Anstieg des Greenback, auch fundamental unterfüttert. Die Chance, dass diese Zone 1,1510/1,1555 US-Dollar fällt, ist also gar nicht schlecht.

Chart vom 14.06.2018, Kurs 1,1594 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Vielleicht wird es ja noch eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation, vielleicht kommt es damit ja doch noch zu einem Anlauf an das 2017er-Tief bei 1,0340 US-Dollar, das der europäischen Exportwirtschaft immens helfen und der Zinsdifferenz zwischen der Eurozone und den USA auch eher entsprechen würde. Aber eben nur vielleicht. Denn jetzt wird es für die Euro-Bären, die sich bis letzte Woche auf der Siegerstraße sahen, auf einmal ungemütlich. Der Euro zieht wieder an. Und ist dabei, nach und nach die Voraussetzung für einen Aufwärtsimpuls zu schaffen, der weit über das, was man jetzt mit ein wenig gutem Willen noch als Gegenreaktion ansehen könnte, hinausgehen kann … womöglich sogar über das bisherige Jahreshoch von 1,2556 US-Dollar pro Euro. Wieso?

Weil zwei Aspekte sich verändert haben. Zum einen hat die Europäische Zentralbank durchblicken lassen, dass man in der Sitzung am kommenden Donnerstag darüber sprechen werde, wann und wie konkret der Ausstieg aus den Anleihekäufen zu vollziehen sei. Auch, wenn das noch lange nicht bedeutet, dass eine Wende der Leitzinsen und Anleiherenditen unmittelbar vor der Tür stehen muss, so treibt die Aussicht auf anziehende Zinsen in Europa doch die Währung. Dass das beim US-Dollar zuletzt ein Jahr lang nicht der Fall war, ficht die Trader da nicht an. Denn das hatte ja unter anderem den Grund, dass die USA mehr oder weniger offen einen schwachen US-Dollar wollten, um ihren Export zu unterstützen. Und das Thema USA ist auch der zweite Aspekt:

Eine Zeitlang herrschte der Eindruck vor, die US-Regierung könnte mit ihrer aggressiven Handels- und Wirtschaftspolitik scheitern und damit auch der US-Dollar seinen Rückhalt des politischen Willens verlieren, sprich die USA nicht mehr imstande sein, das gedrückte Niveau ihres Greenback aufrechtzuerhalten. Doch die extrem kämpferischen Töne aus Washington im Vorfeld des G7-Treffens der Staatschefs und das völlige Ignorieren einzelner Tiefschläge führt dazu, dass man am Devisenmarkt doch langsam den Eindruck bekommt, dass die USA damit durchkommen könnten … und gehen damit auch aus auf Verdacht des Scheiterns aufgebauten US-Dollar-Long-Positionen wieder heraus. Das charttechnische Resultat:

Chart vom 07.06.2018, Kurs 1,1807 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Der Euro/US-Dollar-Kurs hat die im langfristigen Wochenchart hervorgehobene, breite Unterstützungszone zwischen 1,1555 und 1,2042 US-Dollar nicht nach unten durchbrochen, sondern ausgerechnet an deren unterem Ende scharf nach oben gedreht. Und das auch noch, sofern der Kurs heute nicht noch deutlicher nachgeben würde, mit der bullischen Indikation eines „Morning Star“ auf Wochenbasis (rote Kerze, Doji, grüne Kerze). Auf Tagesbasis gelang am Donnerstag ein klarer Anstieg über die 20-Tage-Linie bei einem zeitgleichen bullischen Signal im Trendfolgeindikator MACD. Wo wäre der Punkt erreicht, ab dem man unterstellen müsste, dass der Euro einen auch größeren Aufwärtsimpuls vor sich haben könnte? Oberhalb der aktuellen Notiz finden sich im kurzfristigen Chartbild reichlich potenzielle Widerstände. Aber schwenkt man zurück zum Langfrist-Chart, darf man unterstellen, dass ein Ausbruch aus dieser Chartzone 1,1555/1,2042 mit dem dadurch gleichzeitig Erfolgten Rebreak über die 200-Tage-Linie (1,2011 US-Dollar) auf Wochenschlusskursbasis ein solches Signal wäre.

Chart vom 07.06.2018, Kurs 1,1807 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Ein fallender Euro, vor allem zum US-Dollar, das haben sich die exportorientierten Unternehmen der Eurozone herbeigesehnt. Seit Januar 2017, als der Euro kurzzeitig für nur 1,0340 US-Dollar zu haben war und der Export dementsprechend brummte, sanken die Stimmung und die Exportperspektiven, während der Euro immer teurer wurde und den europäischen Unternehmen bei Verkäufen außerhalb der Eurozone die Petersilie verhagelte. Doch seit Ende April hat sich der Wind gedreht. Der Euro kommt zurück, endlich. Und bis vor einigen Tagen sorgte das für zusehends bessere Stimmung unter den Anlegern der Eurozone. Jetzt sieht das indes anders aus, denn:

Der Euro fällt nicht, um auf die Zinsschere zwischen Eurozone und USA endlich in die richtige Richtung zu reagieren und damit eine Schieflage, die nicht ganz ohne verbale Intervention der USA zustande gekommen war, zu reparieren. Der Euro fällt, weil Investoren aus dem Euroraum flüchten und damit „Euros zu verkaufen“ haben … oder weil man zumindest davon ausgeht, dass es so kommen wird und spekulativ im Euro Short geht. Wenn es also zu einem signifikanten Unterschreiten der mittelfristig ebenso wichtigen wie markanten Unterstützungszone zwischen 1,1555 und 1,2042 US-Dollar käme, die per Dienstagabend bereits hauchdünn unterboten wurde, dann wäre das derzeit kein Grund, um von einer Rallye europäischer Exporttitel auszugehen. Denn ja, je schwächer der Euro, desto besser würde deren Standing gegenüber der Konkurrenz. Aber der Preis eines intensivierten Abstiegs der Gemeinschaftswährung wäre eben momentan der Abstieg der Gemeinschaft selbst – und das hieße: Probleme und wankendes Wachstum, Export hin oder her.

Chart vom 29.05.2018, Kurs 1,1534 US-Dollar, Kürzel EUR.USD
Würde Euro/US-Dollar heute und in den kommenden Tagen unter 1,1555 US-Dollar bleiben und damit signalisieren, dass jetzt wirklich wieder die Bodenbildungszone der vergangenen gut drei Jahre erreicht ist, wäre das ein stark bärisches Signal. Die Tatsache, dass wir hier von einer drei Jahre währenden Bodenbildung sprechen, bedingt zwar, dass es bis hinunter zum Tief bei 1,0340 US-Dollar von Wendepunkten nur so wimmelt, die allesamt grundsätzlich als Unterstützung dienen könnten. Aber ginge dieser Anstieg mit einer neuen Eurokrise einher, müssten diese Auffanglinien keineswegs ihre Funktion als Unterstützung erfüllen. Bei Schlusskursen unterhalb des gestrigen Tagestiefs von 1,1510 US-Dollar auf der Short-Seite vorsichtig zuzukaufen und den Stop Loss sukzessive eng nachzuziehen (wofür sich momentan die bei 1,1816 US-Dollar dem Abstieg folgende 20-Tage-Linie als Orientierung anbieten würde), wäre daher allemal einen Gedanken wert.

Chart vom 29.05.2018, Kurs 1,1534 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Der Anstieg der Euro/US-Dollar-Relation begann mit dem Amtsantritt der derzeitigen US-Regierung und führte in zwei Schüben von 1,0340 US-Dollar pro Euro Anfang 2017 auf in der Spitze 1,2556 US-Dollar im Februar 2018. Ein Anstieg, der entgegen den üblichen Regeln der Devisentrader ablief, denn die Währung, die da über mehr als ein Jahr stieg, war die, die die klar niedrigeren Zinsen in ihrem Währungsraum aufwies. Und es gab keine Perspektive, dass sich die Zinsschere, die sich zwischen den USA und der Eurozone aufgetan hatte, kurzfristig schließen würde. Der US-Dollar hätte die steigende Währung sein müssen. Aber das war, die USA waren da zeitweise recht unverhohlen, dort politisch nicht gewünscht. Man wollte eine schwache Währung als Unterstützung des Exports und damit des Wachstums. Und die Trader folgten diesem Willen, weil sie davon ausgingen, dass die USA sich da in jedem Fall durchsetzen würden.

Umso mehr dürfte es einige wundern, dass sich die USA momentan die Butter vom Brot nehmen lassen. Denn auf einmal fällt der Euro doch. Oder wartet man nur darauf, diese Abwärtsbewegung des Euro auslaufen zu lassen, die Euro-Bären in eine Falle zu locken und dann mit dem Rückenwind überverkaufter markttechnischer Indikatoren an entscheidenden Unterstützungen eine erneute Euro-Rallye zu starten, die den USA erneuten, wachstumsrelevanten Rückenwind auf der Währungsseite verleiht? Wenn, dann wäre jetzt langsam Gelegenheit für eine solche Attacke.

Denn Sie sehen im langfristigen Chart auf Wochenbasis, dass Euro/US-Dollar tief in die langfristig relevante, von 1,1555 bis 1,2042 US-Dollar reichende Unterstützungszone gelaufen ist. Würde es gelingen, den Kurs durch die Zone nach unten zu drücken, wozu man Schlusskurse unter 1,15 US-Dollar als ausreichend glaubwürdigen Bruch dieses Bereichs sehen könnte, wäre diese Chance auf Gegenwehr vertan, wäre aus einem mittelfristigen Short-Signal des Euro zum US-Dollar eines mit auch langfristiger Relevanz geworden. Der Vorteil derer, die hier womöglich auf der Lauer liegen, um wieder im Euro Long zu gehen:

Chart vom 23.05.2018, Kurs 1,1702 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Momentan wäre die Markttechnik, hier in beiden Charts der Stochastik-Oszillator, auf Tages- ebenso wie auf Wochenbasis überverkauft. Eine Gegenbewegung nach oben wäre also nicht überraschend und somit eine Chance, daraus einen tragfähigen Aufwärtsimpuls zu machen. Aber: Die Widerstandmarken sind auf der Oberseite mittlerweile zahlreich, die 200-Tage-Linie, unterhalb der Euro/US-Dollar Mitte des Monats nach unten abgewiesen wurde, eine nicht leicht zu bezwingende Barriere. Erst über 1,2155 US-Dollar, über dem März-Tief also, würde sich abzeichnen, dass der Abstieg womöglich wirklich vorüber und in einen neuen Aufwärtsimpuls münden würde. Noch aber stehen die Chancen für diejenigen, die auf den Bruch dieser langfristig so wichtigen Zone 1,1555/1,2042 US-Dollar setze, besser. Interessant war in diesem Zusammenhang, dass das am Mittwochabend veröffentlichte Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung aufzeigte, dass die US-Notenbank offenbar auch bei einer Inflation knapp über zwei Prozent nicht vorhat, das Tempo der Leitzinsanhebungen zu forcieren. Da hätte den US-Dollar drücken, die Euro/US-Dollar-Relation höher tragen müssen. Aber nichts geschah, der Kurs verharrte im Bereich von 1,17 US-Dollar und damit nicht nur nahe seines Tagestiefs, sondern auch nahe dieser Linie von 1,1555 US-Dollar, deren Bruch den Abstieg des Euro auf eine längerfristig relevante Ebene tragen und den Weg für weitere, womöglich deutliche Abgaben freimachen würde.

Chart vom 23.05.2018, Kurs 1,1702 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

 

Und plötzlich sind alle bärisch für den Euro: typisch Devisenmarkt. Der Trend beeinflusst die Marktmeinung – und die Markmeinung beugt nötigenfalls die Fakten. Die Fakten sprechen seit Jahren dafür, dass der Euro zum US-Dollar schwach ist. Denn die grundsätzliche Regel der Devisentrader ist da eindeutig: Je höher die Zinsen, desto begehrter die Anleihen eines Landes. Die Zinsen am Anleihemarkt ebenso wie am Geldmarkt sind seit Jahren in den USA höher und steigen vor allem seit der US-Wahl Ende 2016, in Europa hingegen sind sie am Boden geblieben. Da internationale Investoren aber zuerst die entsprechende Währung kaufen müssen, um die höher verzinsten Anleihen erwerben zu können, muss die Nachfrage nach der Währung des Landes mit den höheren Zinsen stärker sein und diese gegenüber der Währung des Landes mit den niedrigen Zinsen steigen. Was hieße: Der Euro hätte schwach sein müssen, der US-Dollar stark. Doch seit Januar 2017, als die Euro/US-Dollar-Relation bei 1,0340 US-Dollar pro Euro ein mehrjähriges Tief erreichte, war alles auf den Kopf gestellt:

Der US-Dollar wurde immer schwächer, obwohl die US-Zinsen stiegen und weiter steigen. Man argumentierte zunächst, dass dieser Zinsanstieg in den USA im Markt eskomptiert gewesen sei und die US-Dollar-Bullen bzw. Euro-Bären einfach Gewinne mitnehmen würden, was zu einer Gegenbewegung führte. Aber die hörte einfach nicht mehr auf. Und am Ende war klar, dass die Trader dem zuerst unausgesprochenen, später unverhohlen kommunizierten Willen der US-Regierung nach einem schwachen, den Export und damit das Wachstum begünstigenden US-Dollar folgten. Aber jetzt beginnt sich das Bild wieder in die richtige Richtung zu bewegen. Wieso?

Weil immer deutlicher wird, dass die US-Regierung keineswegs alles durchbringt, was sie angekündigt hat, womöglich auf schwächeren Füßen steht, als sie den Anschein erwecken will. Dadurch beginnt sich die Marktmeinung zu wandeln. Mehr und mehr Akteure am Devisenmarkt vermuten, dass die USA nicht die Mittel hat, dem Prozess einer der Zinsdifferenz entsprechenden Normalisierung des Wechselkurses entgegenzuwirken, wenn man es darauf ankommen lässt. Also versuchten sich die ersten daran, den Euro zu drücken – und hatten Erfolg. Aus einer mehrmonatigen Toppbildung wurde eine Wende, die den Euro bereits unter das Jahreshoch 2017 (1,2092 US-Dollar) und, wichtiger noch, durch die 200-Tage-Linie (1,2019 US-Dollar) gedrückt hat. Ist damit der Weg für den Euro nach unten frei? Das wäre er, wenn der Kurs die breite Unterstützungszone zwischen 1,1555 und 1,2042 US-Dollar nach unten verlassen würde. Die besteht, wie der langfristige Chart auf Wochenbasis zeigt, mit den Jahrestiefs 2010 und 2012 sowie den Jahreshochs 2015 und 2016 aus mehreren höchst prominenten Wendepunkten. Geht der Euro da durch, wäre die Rückkehr an das alte Tief von 1,0340 US-Dollar nicht auszuschließen. Und die Euro-Bären haben neben der Einleitung der Wende zuletzt einen kurzfristigen Erfolg verbucht, der die Chancen hierfür erhöht:

Chart vom 17.05.2018, Kurs 1,1795 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Eine kurzzeitige Gegenbewegung nach oben wurde am Montag noch unterhalb von 20-Tage- und 200-Tage-Linie beendet und mündete in neue Tiefs der Abwärtsbewegung, während die 20-Tage-Linie jetzt unter die 200-Tage-Linie gerutscht ist, was die Abwärtstendenz bestätigt. Da dürfte in den kommenden Wochen und Monaten reichlich Spannung geboten sein.

Chart vom 17.05.2018, Kurs 1,1795 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

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Artikelserie: Die Technische Analyse – Lassen Sie Charts für sich arbeiten!

  1. Trends, Widerstände und Unterstützungen: Das Fundament jeder Analyse
  2. Trendwende- und Konsolidierungsformationen: Die wichtigsten Chartmuster in Trends
  3. Markttechnik: Mit diesen Indikatoren sind Sie komplett ausgerüstet
  4. Absicherung: Stoppkurse richtig setzen
  5. Candlestick-Charts: Was diese Charts alles können

Die entscheidende Frage für die Akteure am Devisenmarkt ist: Vollzieht der US-Dollar momentan wirklich die Wende nach oben? Reagiert die Währung auf einmal wieder „normal“ und steigt mit der Erwartung weiter steigender US-Leitzinsen und US-Anleihemarktzinsen, nachdem der Kurs zum Euro, aber auch zu nahezu allen anderen Währungen seit Amtsantritt der derzeitigen Regierung in die fundamental betrachtet falsche Richtung lief? Der politische Wille, der bei Aussagen von US-Finanzminister Mnuchin und Handelsminister Ross durchschien, war ein schwacher US-Dollar. Diesen Andeutungen waren die Trader lange gefolgt. Seit Jahresanfang aber verwandelte sich der stete Aufwärtstrend der Euro zum US-Dollar in eine Seitwärtsbewegung und seit Ende April in einen kurzfristigen Abwärtstrend.

Der hat jetzt charttechnisch wichtige Unterstützungsmarken durchbrochen. Aber man spürt, dass man vorsichtig bleibt. Die Trader bewegen sich vorsichtig, wie in einem Minenfeld. Denn man kann kaum einschätzen, ob die USA es zulassen würden, mit dem schwachen US-Dollar eine so wichtige Exportstütze zu verlieren, zumal das US-Wachstum auch so schon schwächer ist als allgemein erwartet. Und da stellt sich wiederum die Frage: Hätte die US-Regierung überhaupt die Mittel, um den US-Dollar wieder zu drehen, schwach zu halten – oder hat man das überschätzt, würden die Trader mit den gewaltigen Umsätzen in diesem Währungspaar nicht doch imstande sein, sich durchzusetzen und den Euro wieder auf einen der Zinsdifferenz entsprechenden, deutlich tieferen Level zu drücken?

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Charttechnik zwar immer die Vorlagen liefert und man sich gerade am Devisenmarkt sehr eng an den entscheidenden Linien orientiert. Aber zwingend sind Widerstände und Unterstützungen als potenzielle Umkehrpunkte natürlich nie. Und das kurzfristige und das längerfristige Chartbild, die Ebene des Tagescharts und die auf Wochenbasis, zeigen unterschiedliche Signale.

Auf Tagesbasis ist in der Tat eine entscheidende Supportzone gebrochen worden, die den Weg nach unten erst einmal freigibt. Mit 1,2155 US-Dollar fiel die untere Begrenzung der im Januar entstandenen Seitwärtsrange, mit 1,2092 US-Dollar das Jahreshoch 2017 und mit 1,2015 US-Dollar wurde Mitte vergangener Woche die wichtige 200-Tage-Linie unterboten. Damit wäre der Weg in die nächste Auffangzone 1,1554/1,1662 US-Dollar grundsätzlich frei. Aber betrachtet man sich den langfristigen Chart wird deutlich:

Chart vom 04.05.2018, Kurs 1,1963 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Da finden sich auf der langfristigen Ebene noch das Jahreshoch 2015 mit 1,1715 US-Dollar und das Tief des Jahres 2010 bei 1,1875 als potenzielle Unterstützungen. Erst, wenn all diese Unterstützungslinien bis hinunter auf 1,1554 US-Dollar durchbrochen wären, wäre die echte, mittelfristige Wende wirklich gelungen. Oberhalb diesen Levels könnte der Euro jederzeit wieder höher gezogen, der US-Dollar gedrückt werden … noch also ist das Eis, auf dem sich die Euro-Bären bewegen, nicht allzu solide, auch, wenn der kurzfristige Trend in der Tat abwärts weist.

Chart vom 04.05.2018, Kurs 1,1963 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

 

Mit dem Anstieg des Euro zum US-Dollar von seinem mehrjährigen Tief bei 1,0340 US-Dollar im Januar 2017 bis auf in der Spitze 1,2556 US-Dollar im Februar 2018, der entgegen der üblichen Lehrbuch-Meinung ablief, nachdem diejenige Währung die stärkere sein müsste, in deren Währungsraum die attraktiveren, höheren Zinsen zu finden sind, ist es zwar seit zwei Monaten vorbei. Aber an eine echte Trendwende des Euro wagte sich bislang niemand so recht. Zu offensichtlich war, dass die USA einen schwachen US-Dollar favorisieren und offenbar auch durchzusetzen und zu verteidigen wissen. Für die europäischen Exporteure eine fatale Entwicklung. Denn viele Anleger, die die Folgen des Euro-Anstiegs für den Export zunächst nicht ernst nahmen, erkennen jetzt, dass immer mehr europäische Unternehmen ihre Wachstumserwartungen zusammenstreichen müssen und den zu teuren Euro dabei als Schuldigen Nummer Eins benennen. Dennoch schien es, als wäre dagegen kein Kraut gewachsen, denn auf politischer Ebene wagte bislang niemand, die USA in dieser Hinsicht zu kritisieren, aus Sorge, dass man dort den US-Dollar dann nur erst recht drücken würde. Doch in der vergangenen Woche änderte sich das. Die Marktteilnehmer hatten offenbar die Hoffnung, dass die Ballung von Terminen, an denen man in Bezug auf die Währung zu Gunsten einer Wende des Euro nach unten etwas hätte ausrichten können, die Basis bieten würden, bei Euro/US-Dollar nach langer Zeit mal wieder eine Trading-Chance auf der Short-Seite zu sehen. Aber diese Chance wurde vertan.

Expertenmeinung: Sofern dieses Problem nicht zu Themen gehörte, die gegenüber der Presse nicht kommuniziert wurden, haben offenbar weder Emmanuel Macron noch Angela Merkel den US-Präsidenten auf das Thema dieser Währungs-Schieflage angesprochen. Und die EZB, die ebenfalls in der vergangenen Woche die Gelegenheit gehabt hätte, dazu Stellung zu nehmen, schwieg, wieder einmal. Der Euro war im Vorfeld bereits in Ausgangsstellung gerutscht, um die mittelfristig entscheidenden Unterstützungen zu brechen: Das Tief der seit Mitte Januar anhaltenden Seitwärtsspanne bei 1,2155 US-Dollar, das Jahreshoch 2017 bei 1,2092 US-Dollar und als Abschluss dieser Supportzone die 200-Tage-Linie, die am Freitag bei 1,2007 US-Dollar verlief. Bis 1,2055 US-Dollar schaffte es der Kurs nach unten, drehte dann aber am Freitag wieder nach oben und schloss mit 1,2129 US-Dollar gegenüber Donnerstag im Plus und wieder am oberen Ende dieser Chartzone. Noch ist die Chance, diesen Bereich doch noch zu durchbrechen, nicht vom Tisch – aber jetzt fehlt es an Argumenten. Drei Chancen, am festen Euro zu rühren, wurden von Politik und EZB liegen gelassen – warum also sollten die bullischen Trader jetzt nicht erneut aktiv werden? Wirklich nach oben frei wäre Euro/US-Dollar zwar erst, wenn der Kurs über der kurzfristigen Abwärtstrendlinie bei aktuell 1,2305 US-Dollar schließen würde, aber bereits ein Schlusskurs oberhalb der Zone 1,2007/1,2155 US-Dollar könnte die Trader auf der Long-Seite wieder mobilisieren. Auf der Unterseite bleibt noch eine Restchance, die man zumindest im Auge behalten sollte, mit Schlusskursen unter 1,20 doch noch ein Abwärts-Signal mit Zielrichtung in den Bereich 1,1550/1,1660 US-Dollar zu generieren.

Chart vom 27.04.2018, Kurs 1,2129 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Zu Beginn des Jahres hätte die Stimmung der Euro-Bullen kaum besser sein können: Die wichtige Hürde bei 1.21 zum USD konnte endlich gebrochen werden. Damit einhergehend hatten wir unser Kursziel für die weitere Bewegung auf 1.2550 angesetzt. Dieses Ziel wurde nicht nur erreicht, es war interessanterweise auch fast punktgenau das bisherige Hoch des Währungspaares. In den letzten Wochen mehrten sich jedoch leicht negative Signale und es wurden die ersten tieferen Hochs gebildet. Zudem gesellte sich Anfang April ein tieferes Tief hinzu. In den letzten Handelstagen begannen zudem die wichtigen gleitenden Durchschnitte nach unten abzudrehen, was ein Zeichen für negatives Momentum darstellt. Mit dem Ausbruch aus der Seitwärtsphase der letzten Monate befindet sich der Euro nunmehr in einem frischen neuen Abwärtstrend.

Aktuelle sowie historische Kursdaten zum Währungspaar EUR.USD finden Sie hier

Expertenmeinung: Unsere weitere Einschätzung auf das Währungspaar geht somit auf die bärische Seite. Interessant bleibt, ob jetzt auch im Wochenschluss das Niveau bei 1.21 gebrochen werden kann. Sollte der Euro darunter schließen, könnte dies das Signal für eine längere Korrektur sein. Kämpft sich die Gemeinschafswährung jedoch wieder nach oben, wäre dies ein Anzeichen dafür, dass die Bullen dieses Niveau unbedingt weiter halten wollen. Vor allem die kommende Woche sollte überaus spannend werden.

Aussicht: BÄRISCH

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In der Eurozone bleiben die Zinsen verschwindend niedrig. In Ländern wie Italien oder Spanien liegen sie zwar klar höher als bei deutschen Bundesanleihen. Aber den besseren Rendite-Schnitt machen international agierende Investoren trotzdem ganz klar in den USA, wo die Rendite für US-Staatsanleihen mit zwei Jahren Laufzeit bereits knapp unter 2,5 Prozent angekommen ist, während man für zwei Jahre bei Bundesanleihen angesichts einer Negativ-Rendite von -0,55 Prozent noch Geld mitbringen muss. Eigentlich müsste der US-Dollar daher weit gefragter sein, denn US-Dollars braucht man nun einmal, um an diese gut rentierenden US-Bonds heranzukommen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Und auch, wenn kaum jemand es auf politischer Ebene oder in den Kreisen der Notenbanken aussprechen mag, es ist durchaus klar, dass die USA den schwachen US-Dollar politisch unterstützen, weil er durch die Begünstigung der US-Exporteure das dortige Wirtschaftswachstum stützt. Aber zum Wochenstart gab der Euro nach, d.h. der US-Dollar zog an. Die schon von vielen abgeschriebene Wende zu Gunsten eines schwächeren Euro wird damit charttechnisch doch wieder greifbar. Aber kann das wirklich gelingen?

Expertenmeinung: Das kann es unter der Voraussetzung, dass eintritt, worauf die Euro-Bären mit diesen Abgaben setzen: Dass a) die Besuche von Immanuel Macron und Angela Merkel beim US-Präsidenten in dieser Woche zur Folge haben, dass auch er „faire“ Politik betreibt und sein Lippenbekenntnis zu einem starken US-Dollar nicht wie Anfang des Jahres durch gegenteilige Aussagen seines Handels- und seines Finanzministers so relativiert wird, dass die Devisentrader weiterhin freie Bahn sehen, um den Euro zum US-Dollar immer höher zu treiben. Und dass b) auch die EZB im Zuge ihrer Sitzung am Donnerstag klar Stellung nimmt und klarstellt, dass der Euro auf dem derzeitigen Niveau zum US-Dollar eben nicht auf einem normalen Niveau notiert. Dann wäre es möglich, dass die seit Mitte Januar geltende Seitwärtsspanne tatsächlich nach unten verlassen wird und eine Trendwende des Euro nach unten einläutet, die für die europäischen Aktienmärkte wie ein Raketen-Treibsatz wirken würde. Aber aus charttechnischer Sicht würde es noch nicht ausreichen, die untere Begrenzung dieser Handelsspanne bei 1,2155 US-Dollar zu unterbieten. Auch die wichtige Unterstützung in Form des Jahreshochs 2017 bei 1,2092 und die 200-Tage-Linie bei aktuell 1,1994 US-Dollar müssten auf Schlusskursbasis fallen, erst dann wäre eine solche Wende wirklich in trockenen Tüchern und würde den Weg zunächst bis in die breite Unterstützungszone im Bereich 1,1555/1,1660 US-Dollar freigeben.

Chart vom 23.04.2018, Kurs 1,2205 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

Würde die grundsätzliche Regel, dass diejenige Währung, in deren Land das höhere Wachstum und die höheren Zinsen vorherrschen, automatisch die stärkere von zwei Währungen ist, auch bei Euro/US-Dollar zutreffen, müsste der US-Dollar stark und der Kurs zum Euro bei 1,05 oder tiefer stehen. Aber die USA reden den US-Dollar nicht nur schwach, weil sie durch den auch gegen andere Währungen gedrückten Greenback ihren Export stützen und so das Wachstum aufrechterhalten. Der US-Dollar wird auch durch die Zündelei der US-Regierung schwach gehalten. Und steigende Anleihezinsen, eine Folge des wirtschafts- und geopolitischen Konfrontationskurses, bedeuten zunächst einmal Kursverluste für diejenigen, die sich da einkaufen, bevor das Renditeniveau kein Hoch erreicht hat. Das dämpft die Nachfrage. Und am Aktienmarkt wird zwar immer noch darum gerungen, die letzten Tiefs zu halten. Aber vor allem der Umstand, dass die Euro-Börsen nicht wie früher nahezu willenlos mitlaufen, deutet an, dass ausländische Investoren hinsichtlich US-Investments immer vorsichtiger werden, dieser scheinbaren Stabilität nicht trauen. Das dämpft die Nachfrage nach US-Dollars. Der Verlust von Vertrauen bei der internationalen Anlegerschaft kann schwer wiegen – und dazu führen, dass der US-Dollar zum Euro in den kommenden Wochen und Monaten womöglich sogar noch schwächer wird.

Expertenmeinung: Der Chart zeigt, dass der Anstieg des Euro zum US-Dollar zwar seit Mitte Januar zum Erliegen kam. Aber was sich zunächst als potenzielle Toppbildung präsentierte, wird mehr und mehr zu einer ausgedehnten Seitwärts-Konsolidierung. Der ideale Zeitpunkt für eine Wende des Euro nach unten wäre Anfang März gewesen, als ein Doppeltopp kurz vor der Vollendung stand. Diese Chance wurde liegen gelassen. Und das zunehmende Misstrauen gegenüber dem US-Markt birgt jetzt die Chance, dass der zuvor überkaufte, jetzt aber markttechnisch konsolidierte Euro/US-Dollar-Kurs diese Handelsspanne zwischen 1,2092 und 1,2556 US-Dollar tatsächlich nach oben verlässt, der US-Dollar also noch schwächer wird. Die nächsten charttechnischen Widerstände lägen allerdings nicht allzu weit entfernt: das Jahrestief 2013 wartet bei 1,2745 US-Dollar, die langfristige, aus dem Jahr 2011 stammende Abwärtstrendlinie bei 1,2800 US-Dollar. Sollte diese Zone ebenfalls überboten werden, wäre das schon fast eine Kapitulation der US-Währung, die am US-Aktien- und US-Anleihemarkt nicht ohne Folgen bliebe. Aber würde man im Weißen Haus weiter „zündeln“, wäre das zumindest nicht unmöglich.

Chart vom 11.04.2018, Kurs 1,2362 US-Dollar, Kürzel EUR.USD

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