Vor allem seit dem Frühjahr 2025 ließ Silber den DAX oder Dow Jones in der Kursentwicklung deutlich hinter sich. Könnte sich dieser Performance-Vorsprung halten, könnte er womöglich sogar ausgebaut werden?

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Inhalt
Wir sehen uns das „Gold des kleinen Mannes“ einmal genauer an und loten aus, welche Faktoren auf den Silber-Kurs einwirken, wie sich diese derzeit darstellen und was das für die Chance bedeutet, dass Silber auch im Rest des Jahres 2026 eine starke Performance zeigen könnte.
Woran orientiert sich der Silber-Kurs?
Der Silberpreis wird am freien Markt gebildet. Die Angebots-/Nachfrage-Situation nach „körperlichem“ Silber spielt dabei natürlich eine Rolle, aber oft sind die spekulativen, kurzfristigen Aktivitäten der Trader das deutlich wichtigere Element der Kursbildung.
Ob Silber aufwärts tendiert, wird daher vor allem davon abhängen, ob die kurzfristigen Trader genug Chancen sehen, um nachhaltig und mit großem Volumen auf der Long-Seite aktiv zu werden. Gold ist dafür zwar der wichtigste Vorlagengeber, aber zum einen sind die Kursverläufe von Silber und Gold im übergeordneten Bild zwar ähnlich, auf kurzfristiger Ebene aber oft ganz und gar nicht.
Und zum anderen ist es auch bei Gold die Spekulation, die die Richtung vorgibt. Und die wird dann auf Hausse setzen, wenn sich abzeichnet, dass die sogenannten „sicheren Häfen“, wozu man neben defensiven Aktien und Anleihen vor allem die Edelmetalle Gold und Silber zählt, wieder in den Fokus der Investoren geraten. Gründe dafür können beispielsweise das Risiko einer stärker werdenden Inflation, eine Rezession oder zunehmende politische/geopolitische Risiken sein. Sehen wir uns das einmal im Einzelnen an.
Silber-Hausse 2026? Trotz der jüngsten Rekorde wäre das durchaus denkbar
Was wären die Voraussetzungen, um den Edelmetallen weiterhin eine starke Performance zu ermöglichen? Die Antwort ist einfach: unliebsame Überraschungen. Das heißt, es müsste sich eine Gemengelage ergeben, in der viele Marktteilnehmer zu dem Schluss kommen, dass ein Teil ihres Kapitals, ganz gleich, ob es als Barreserve bereitliegt oder aus anderen Assetklassen umgeschichtet werden müsste, in Silber gut angelegt wäre. Was müsste passieren, dass es so kommt?
Ein typisches Umfeld für einen anziehenden Silberpreis wäre das Platzen von zu großen Erwartungen und/oder Hoffnungen. Eine Inflation, die sich auf zu hohem Level festsetzt. Eine Wirtschaft, die – wenn überhaupt – nur knapp über der Nulllinie wächst oder sogar in die Rezession abrutscht. Eine Eskalation der zuletzt ohnehin gestiegenen geopolitischen Spannungen – all das wäre für Investoren ein hoch problematisches Umfeld, in dem man sich Sorgen um die Sicherheit seines Kapitals machen müsste.
Derzeit spielen diese Risikofaktoren durch die Bank eine wichtige Rolle. Wir sehen also grundsätzlich ein Umfeld, dass steigende Edelmetallpreise begünstigt. Absolut zwingend ist eine Fortsetzung der Hausse, die Silber bis Ende Januar auf neue Rekorde getragen hat, aber trotzdem nicht, dazu der folgende Abschnitt:
Exkurs: Warum könnte Silber ein „sicherer Hafen“ sein?
Ein kurzer Gedanke zu der Frage, wieso Edelmetalle eigentlich „sichere Häfen“ sein sollen. Dass Gold und Silber in Phasen zunehmender Verunsicherung vermehrt gekauft werden, ist nicht zwingend logisch begründbar. Schließlich gälte für die Preisbildung hier genauso wie für alles, das an der Börse gehandelt wird, das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Würde auf einmal kein Interesse mehr für Silber vorhanden sein, könnte der Kurs theoretisch ins Bodenlose fallen und die scheinbare Beständigkeit löst sich in Luft auf. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille, denn:
Hier geht es auch um subjektive Aspekte. Natürlich ist Silber ein relativ seltenes Element. Aber das sind andere auch, ohne dass sie dieses Attribut der Sicherheit tragen würden. Es liegt einfach daran, dass die Menschen Silber seit Jahrtausenden als wertvoll erachten, dass Silber und „Geld“ früher begrifflich eng verwoben waren, weil Silber ein Zahlungsmittel war. Das verbinden viele mit dem Gedanken, dass „früher“ solche Gefahren wie große Rezessionen, platzende Blasen und der Verlust des letztlich nur an ein Versprechen von Regierungen gebundenen Geldwerts nicht existierten. Was ganz und gar nicht stimmt, aber wie gesagt: Das Empfinden, dass Silber ebenso wie Gold ein „sicherer Hafen“ sei, ist emotional geprägt und damit ebenso subjektiv wie hartnäckig.
Aber zurück zu der Frage, ob Silber in den kommenden Monaten weiter zulegen könnte oder nicht.
Bleiben Sie flexibel – vorgefasste Meinungen sind Gift für die Gewinne
Angenommen, die oben erwähnten Voraussetzungen für weiter steigende Kurse bei Silber würden eintreten bzw. erhalten bleiben: Könnte man dann fest davon ausgehen, dass der Kurs dann auch tatsächlich weiter steigt?
Nein, denn absolut „sicher“ ist, was die Zukunft und eine Silberpreis-Prognose angeht, wie immer an den Börsen gar nichts. Daher ist es absolut zwingend, sich nicht stur vorab auf ein Szenario festzulegen. Denn dann läuft ein Anleger Gefahr, eine sich auftuende Chance, die in die Gegenrichtung der eigenen Erwartung entsteht, nicht wahrzunehmen oder, schlimmer noch, eisern auf der falschen Seite des Trends zu bleiben und Verluste zu erleiden, wo Gewinne hätten entstehen können bzw. müssen.
Diese Flexibilität, die Offenheit gegenüber dem Unerwarteten, ist bei Silber noch wichtiger als bei Gold, denn der Silberpreis zeigt sich deutlich volatiler, wie der nachfolgende, langfristige Chartvergleich deutlich macht:

In starken Aufwärtstrends am Edelmetallmarkt steigt Silber meist stärker, in Baissen fällt es oft weiter als Gold. Und bisweilen zeigt der Silberpreis auch eine Zeitlang ein von Gold abgekoppeltes Eigenleben. Flexibilität ist hier also unbedingt ratsam. Was heißt:
Am besten fährt, wer im Kopf flexibel bleibt und Gelegenheiten nutzt, statt stur nach einer vorgefassten Meinung eine Position zu halten. An der Börse gilt ohnehin der Leitspruch: „Alles kann, nichts muss“.
Und das gilt für die Frage, ob Silber steigen muss, wenn am Aktienmarkt die Hoffnungen platzen, ebenso. Aber wie geht man damit um, dass man heute nicht sicher voraussagen kann, was in drei, sechs oder zwölf Monaten sein wird?
Indem man den Kursen folgt und nicht den Meinungen. Wer klare Signale der Charttechnik zu identifizieren versteht, wäre grundsätzlich in der richtigen Richtung dabei. Daher klopfen wir Silber gleich nach den Aspekten der Charttechnik ab. Vorab ein anderer Aspekt, der deutlich macht, wie tückisch vorgefasste und stur beibehaltene Meinungen sein können:
Auch die Experten haben keine Glaskugel
Der folgende Chart liefert ein weiteres Argument, warum es nicht sinnvoll ist, sich im Vorfeld auf ein Szenario des Silberpreises festzulegen. Die Grafik zeigt Silber ab dem Jahr 2005 zusammen mit dem Anteil bullisch eingestellter Experten. Sie sehen, dass es hier einen Gleichlauf gibt: Steigt der Silberpreis, steigt der Anteil der Bullen unter den Experten. Nur, was bringt Ihnen das? Die Experten werden nicht Wochen oder Monate vorher bullisch, sondern deren Stimmung bewegt sich mit dem Kurs mit.

Wenn selbst die ausgewiesenen Experten nicht imstande sind, die Bewegungen des Edelmetalls vorauszusagen, warum sollte man das als Anleger überhaupt versuchen? Achten Sie daher am besten einfach konsequent auf die Signale, die Ihnen die chart- und markttechnische Analyse liefert. Vorher noch ein Aspekt, den man immer im Hinterkopf behalten sollte: den Währungsfaktor.
Der Währungsaspekt ist nicht zu unterschätzen!
Silber wird wie alle Rohstoffe in US-Dollar gerechnet. Der Kurs einer Feinunze Silber in US-Dollar ist das Maß der Dinge. Was die Feinunze in Euro kostet, ist damit davon abhängig, wie der Euro/US-Dollar-Kurs aktuell steht. Und damit ist es für uns als europäische Anleger nicht allein wichtig, wie sich der Silberpreis selbst bewegt, sondern auch, ob der US-Dollar zum Euro an Wert verliert, was bei Long-Trades auf Silber negativ wäre … oder aber, ob der US-Dollar zum Euro teurer, wertvoller wird. Ist Letzteres der Fall, gäbe es diesen Währungsgewinn noch als Zubrot. Unsere folgende Grafik, die den Kursverlauf seit Anfang 2023 zeigt, macht deutlich, dass das bisweilen einiges ausmachen kann:

Seit Anfang 2025 legte der Euro/US-Dollar-Kurs tendenziell zu, d.h. der US-Dollar wurde aus Sicht europäischer Anleger weniger wert. Das sorgte dafür, dass ein Silber-Investment für Anleger der Eurozone zuletzt weniger positiv verlief als für Anleger aus dem US-Dollar-Raum, weil der Wertverlust des US-Dollars dem nominalen Kursgewinn des Silbers entgegenwirkte.
Es wäre daher zu überlegen, bei Silber-Long-Trades vorzugsweise dann mitzuziehen, wenn Euro/ US-Dollar abwärts tendiert, was hieße, der US-Dollar legt an Wert zu. Anders bei Silber-Short-Positionen: Da bietet ein schwacher US-Dollar zusätzlichen Rückenwind, denn dann verlieren der Silberkurs in US-Dollar und der US-Dollar selbst zum Euro zugleich und intensivieren damit den Short-Gewinn. Aber unser Chart zeigt auch:
Die Trends der Währungen sind nicht in Stein gemeißelt, man kann also, muss aber nie auf die Tendenz des US-Dollars achten. Wichtiger ist der Trend des Silberpreises an sich, der, wie dieser Chart auch zeigt, in den vergangenen Jahren nichts zu wünschen ließ.
Silberpreis-Prognose aus Sicht der Charttechnik: Was muss gelingen, damit die Hausse weitergeht?
Sehen wir uns jetzt an, was außerhalb des emotionalen Elements, das die Kurse bewegt, im April 2026 an charttechnischen Fakten greifbar ist. Wie stehen die Chancen für die Silber-Bullen in den kommenden Monaten, was muss gelingen, damit auch das bislang von einer Korrekturphase dominierte Jahr 2026 zu einer starken Phase für Silber wird?

Der vorstehende Chart zeigt Silber in einem gezielt sehr langfristigen Zeitraum über 50 Jahre auf Monatsbasis. Eine mit der aktuellen vergleichbare Hausse gab es in dieser Zeit bereits zwei Mal, 1979/80 und 2010/11. Und dass es dann zu einer scharfen Korrektur kommt, wie sie Anfang dieses Jahres auftrat, ist ebenso wenig Neuland. Genau dasselbe sahen wir auch in den beiden vorherigen Fällen. Damals wurde ein Großteil der vorherigen Hausse wieder abverkauft. Was muss gelingen, damit es diesmal anders kommt?
Trendrichtung 2026: Die Tür nach oben bleibt offen
Sollten die für einen steigenden Silberpreis grundsätzlich günstigen Rahmenbedingungen in Form der zahlreichen ungelösten Probleme in den Bereichen Wachstum und Geopolitik und der derzeit sehr aggressiven US-Politik in den kommenden Monaten fortbestehen, könnte der Kurs grundsätzlich wieder steigen, zumal diese rasanten Kursbewegungen auch Anleger anziehen, die nur auf rein spekulativer Ebene dem Trend folgen und damit den Kreis der Käufer verstärken könnten.

Der vorstehende Chart zeigt den Silberpreis auf Wochenbasis über einen Zeitraum von zwei Jahren. Hier sehen wir die Intensität des Anstiegs ebenso deutlich wie die markante, in zwei Schüben verlaufene, Korrektur, die Ende Januar eingesetzt hatte. Das Chartbild zeigt:
Grundsätzlich stünde die Tür nach oben weiter offen. Denn der zweite Korrekturschub im März traf knapp unter dem Tief des ersten auf Käufe, zugleich gelang es so, die mittelfristig wichtige, hier dick blau gehaltene 200-Tage-Linie zu verteidigen. Solange dieses jüngste Zwischentief bei 61,02 US-Dollar pro Feinunze Silber nicht klar unterboten würde, bliebe die Chance erhalten, dass auch 2026 ein „Silber-Jahr“ wird.
Auch die aktuellen Rahmenbedingungen wären für steigende Kurse bei den Edelmetallen grundsätzlich von Vorteil aber: Die Charttechnik bzw. der Trend ist entscheidend, denn Chancen können genutzt werden, müssen es aber nie. Daher sollte man sich, auch wenn die Tür nach oben offensteht, nie blind auf eine erhoffte Entwicklung verlassen: Wachsamkeit ist bei Investments in Silber ebenso angeraten wie bei allem, was man an den Börsen tut.
Fazit: „Augen auf“ schlägt jede langfristige Silberpreis-Prognose
Silber steht zwar immer ein wenig im Schatten des von den Anlegern intensiver verfolgten Goldpreises, hat aber wegen seiner in starken Trends höheren Dynamik das Potenzial, die Investoren jederzeit positiv zu überraschen. Wird das auch im Rest des Jahres 2026 so sein?
Unsere Silber-Analyse hat dargelegt, dass das von einer ganzen Reihe für sich genommen nicht sicher absehbarer Faktoren abhängen wird. Die Geopolitik, die Zinspolitik der Notenbanken, die Inflation, die Zölle und die Auswirkungen dieser vier Faktoren auf das weltweite Wachstum: All diese Aspekte spielen eine Rolle, werden von den Investoren (meist subjektiv) bewertet und münden dann, zusammen mit der charttechnischen Entwicklung des Silberpreises, in neue, lukrative Trends.
Dem Kurspotenzial wäre, wenn Emotionen, Charttechnik und Rahmenbedingungen einheitlich in eine Richtung weisen, weder nach oben noch nach unten Grenzen gesetzt. Das hat der Silberpreis in den vergangenen Jahren bewiesen. Wir raten daher dazu, das Geschehen immer mit einem Auge zu verfolgen, um konsequent anhand charttechnischer Signale Chancen zu nutzen, von denen Silber auch in den kommenden Jahren zweifellos eine ganze Reihe zu bieten haben wird!
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 14.04.2026 um 14:53 Uhr. Wir beabsichtigen, diesen Artikel mindestens alle 12 Monate zu aktualisieren.
